<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf</genre><author><first-name>Kim</first-name><middle-name>Stanley</middle-name><last-name>Robinson</last-name></author><book-title>Gr�ner Mars</book-title><annotation><p>Es ist die gr��te Herausforderung, der sich die Menschheit je gegen�bersah: die Besiedlung unseres Nachbarplaneten Mars. Die Verwandlung einer lebensfeindlichen W�stenwelt in einen blauen Planeten wie die Erde. Von der ersten bemannten Landung auf dem Mars �ber die fr�hen Kolonien und ihre Auseinandersetzungen, welche Form von Gesellschaft sie erbauen sollen, bis zum riskanten Versuch, das Klima einer ganzen Welt zu ver�ndern�� Kim Stanley Robinson erz�hlt in seiner Mars-Trilogie die Geschichte der Zukunft wie ein gro�es historisches Epos.</p><empty-line/></annotation><date>1997</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Winfried</first-name><last-name>Petri</last-name></translator><sequence name="Mars (de)" number="2"/></title-info><src-title-info><genre>sf</genre><author><first-name>Kim</first-name><middle-name>Stanley</middle-name><last-name>Robinson</last-name></author><book-title>Green Mars</book-title><date value="1993-10-01">1993</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>Cosmopilit</nickname></author><program-used>calibre 2.53.0, FictionBook Editor Release 2.6.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2016-08-19">19.8.2016</date><id>3f670e4b-cce1-49ff-9be0-3e35b00b3c46</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><book-name>Kim Stanley Robinson. Gr�ner Mars</book-name><publisher>Wilhelm Heyne</publisher><city>M�nchen</city><year>2013</year><isbn>3-453-09429-8</isbn></publish-info></description><body><title><p>Kim Stanley Robinson</p><p>Gr�ner Mars</p></title><section><p><emphasis>F�r Lisa und David</emphasis></p></section><section><image l:href="#1"/><empty-line/><image l:href="#2"/><empty-line/><p>S�dpolregion des Mars:</p><image l:href="#3"/><empty-line/><p>Burroughs, 2100 n. Chr.</p><image l:href="#4"/></section><section><title><p>ERSTER TEIL</p><p>Areo-Formung</p></title><section><p><emphasis>Es kommt nicht darauf an, eine neue Erde zu machen. Auch nicht ein anderes Alaska oder Tibet, nicht einmal ein Antarktika. Es gilt, etwas Neues und Fremdartiges zu schaffen, etwas, das dem Mars eigent�mlich ist.</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>In gewissem Sinne spielen unsere Absichten keine Rolle. Selbst wenn wir versuchen w�rden, ein zweites Sibirien oder eine neue Sahara zu machen, w�rde das nicht gehen. Die Evolution w�rde es nicht zulassen. Im Grunde ist das ein Entwicklungsproze�, ein Unterfangen, das unterhalb der Ebene von Absichten liegt, so wie das Leben seinen ersten geheimnisvollen Sprung aus der unbelebten Materie getan hat oder aus dem Meer aufs Land kroch.</emphasis></p><p><emphasis>Wiederum k�mpfen wir im Mutterscho� einer neuen Welt, die diesmal wahrhaft fremdartig ist. Trotz der gro�en, langen Gletscher, die die gigantischen �berschwemmungen von 2061 hinterlassen haben, ist es eine sehr trockene Welt; und trotz der ersten Anf�nge der Erzeugung einer Atmosph�re ist die Luft noch sehr d�nn; und trotz der Anwendungen von W�rme liegt die Temperatur immer noch weit unter dem Gefrierpunkt. Alle diese Umst�nde machen das �berlebenf�r organische Wesen �u�erst schwierig. Aber das Leben ist z�h und anpassungsf�hig. Es ist die gr�ne Kraft der Viriditas, die in das Weltall vorst��t. In der Dekade nach den Katastrophen von 2061 haben sich die Leute in den zerbrochenen Kuppeln und zerrissenen Zelten abgem�ht, haben Dinge geflickt und Auswege gefunden. Und in unseren geheimen Verstecken ist das Werk des Aufbaus einer neuen Gesellschaft weitergegangen. Und drau�en auf der kalten Oberfl�che breiteten sich neue Pflanzen �ber die H�nge der Gletscher aus und hinab in die warmen Becken der Tiefe�� in einer langsamen, unaufhaltsamen Woge.</emphasis></p><p><emphasis>Nat�rlich stammen alle genetischen Schablonen f�r unsere neuen Lebewesen von der Erde. Die K�pfe, die sie konstruiert haben, sind terrestrisch; aber das Terrain geh�rt dem Mars an. Und der Boden ist ein m�chtiger genetischer Ingenieur, der bestimmt, was gedeiht und was nicht. Er treibt zunehmende Differenzierung voran und damit die Entwicklung einer neuen Spezies. Und im Laufe der Generationen entwickeln sich alle Mitglieder einer Biosph�re gemeinsam. Sie passen sich dem Terrain in einer komplexen kommunalen Reaktion an, in einer sch�pferischen selbstkonstruktiven Geschicklichkeit. Dieser Proze� liegt, gleichg�ltig, wie sehr wir uns einmischen, im wesentlichen au�erhalb unser Kontrolle. Gene mutieren, und Kreaturen entwickeln sich. Es taucht eine neue Biosph�re auf und mit ihr eine neue Noosph�re. Und am Ende sind auch die K�pfe der Konstrukteure zusammen mit allem anderen f�r immer ver�ndert�</emphasis></p><p><emphasis>Das ist der Proze� der Areoformung.</emphasis></p><empty-line/></section><section><p>Eines Tages st�rzte der Himmel ein. Eisplatten krachten in den Teich und polterten dann auf den Strand. Die Kinder stoben auseinander wie erschrockene Schnepfen. Nirgal lief �ber die D�nen ins Dorf und platzte in das Gew�chshaus mit dem Ruf: �Der Himmel st�rzt ein, der Himmel st�rzt ein!� Peter sprintete durch die T�ren und �ber die D�nen, schneller, als Nirgal ihm folgen konnte.</p><p>Zur�ck am Strand stie�en gro�e Eisschollen in den Sand, und einige Brocken Trockeneis zischten im Wasser des Teiches. Als die Kinder sich alle um ihn gedr�ngt hatten, stand Peter mit zur�ckgeworfenem Kopf da und starrte auf die Kuppel hoch �ber ihnen. �Zur�ck ins Dorf!� schrie er in seinem absurden Ton. Auf dem Wege dorthin lachte er. Er kr�chzte: �Der Himmel st�rzt ein!� und zauste Nirgals Haar. Nirgal err�tete, und Harmakhis und Jackie lachten. Ihr gefrorener Atem scho� in raschen wei�en Schwaden heraus.</p><p>Peter geh�rte zu denen, die an der Seite der Kuppel hochkletterten, um sie zu reparieren. Er, Kasei und Michel krabbelten vor aller Augen �ber das Dorf, den Strand und dann den Teich, bis sie kleiner aussahen als Kinder, die in Schlingen hingen, die an Eishaken befestigt waren. Sie bespr�hten das Loch in der Kuppel, bis es zu einer neuen klaren Schicht gefror, die das wei�e Trockeneis umh�llte.</p><p>Als sie wieder herunterkamen, sprachen sie von sich erw�rmender Au�enwelt. Hiroko war aus ihrer kleinen Bambush�tte am Teich herausgekommen, um zuzusehen; und Nirgal sagte zu ihr: �Werden wir fortgehen m�ssen?�</p><p>�Wir werden immer fortgehen m�ssen�, erwiderte Hiroko. �Auf dem Mars wird nichts von Dauer sein.�</p><p>Aber Nirgal gefiel es unter der Kuppel. Am Morgen erwachte er in seinem runden Bambusraum hoch in Creche Crescent und lief mit Jackie und Rachel und Frantz und den anderen Fr�haufstehern �ber die eisigen D�nen. Er erblickte Hiroko am gegen�berliegenden Ufer, die wie eine T�nzerin �ber ihrem nassen Spiegelbild schwebte. Er wollte zu ihr gehen; aber es war Zeit f�r die Schule.</p><p>Sie gingen ins Dorf zur�ck und dr�ngten sich in die Kleiderablage der Schule. Sie h�ngten ihre Jacken auf und standen, ihre blau gefrorenen H�nde �ber das Heizgitter gestreckt, da und warteten auf den Lehrer des Tages. Das k�nnte Dr. Robot sein; sie w�rden sich schrecklich langweilen, und sein Augenzwinkern w�rden sie wie die Sekunden auf der Uhr z�hlen. Es k�nnte die alte, h��liche Gute Hexe sein; und dann w�rden sie den ganzen Tag wieder im Freien sein und mit Spielsachen herumtollen. Oder es k�nnte die B�se Hexe sein, alt und sch�n; und sie w�rden den ganzen Morgen an ihren Pulten sitzen m�ssen und versuchen, auf russisch zu denken auf die Gefahr hin, einen Klaps zu bekommen, wenn sie kicherten oder einschliefen. Die B�se Hexe hatte silbernes Haar und eine krumme Nase, mit der sie aussah wie die Fischadler, die auf den Kiefern am Teich lebten. Nirgal f�rchtete sich vor ihnen.</p><p>Darum verhehlte er wie die anderen seinen Mi�mut, als sich die T�r �ffnete und die B�se Hexe hereinkam. Aber an diesem Tag wirkte sie m�de und lie� sie p�nktlich hinaus, obwohl sie in Arithmetik nicht gut gewesen waren. Nirgal folgte Jackie und Harmakhis aus dem Schulgeb�ude und um die Ecke zu der Gasse zwischen Creche Crescent und der R�ckseite der K�che. Harmakhis pinkelte gegen die Wand, und Jackie zog sich die Hosen herunter, um zu zeigen, da� sie das auch konnte. Gerade in diesem Moment kam die B�se Hexe um die Ecke. Sie zog sie alle am Arm aus der Gasse heraus. Nirgal und Jackie hatte sie mit ihren Krallen zusammengepre�t, und drau�en auf der Plaza verpr�gelte sie Jackie und schrie die Jungen w�tend an. �Ihr beide haltet euch von ihr fern! Sie ist eure Schwester!� Jackie weinte und kr�mmte sich, um ihre Hosen hochzuziehen. Sie sah, wie Nirgal sie anschaute, und versuchte, ihn und Maya mit dem gleichen w�tenden Hieb zu treffen. Dabei fiel sie mit nacktem Hintern hin und heulte.</p><p>Es stimmte nicht, da� Jackie ihre Schwester war. Es gab in Zygote zw�lf Sansei oder Kinder der dritten Generation, die sich wie Br�der oder Schwestern kannten, und viele von ihnen waren das auch, aber nicht alle. Das war verwirrend und wurde selten erw�hnt. Jackie und Harmakhis waren die �ltesten, Nirgal eine Saison j�nger, und der Rest insgesamt noch eine Saison sp�ter geboren: Rachel, Emily, Reull, Steve, Simud, Nanedi, Tiu, Frantz und Huo Hsing. Hiroko war die Mutter von allen in Zygote, aber nicht in Wirklichkeit�� nur von Nirgal und Harmakhis und sechs weiteren Sansei, sowie von etlichen erwachsenen Sansei. Kinder der Mutterg�ttin.</p><p>Aber Jackie war Esthers Tochter. Esther war wegezogen nach einem Streit mit Kasei, der Jackies Vater war. Nicht viele von ihnen wu�ten, wer ihr Vater war. Nirgal war einmal hinter einer Krabbe �ber eine D�ne gekrochen, als Esther und Kasei dar�ber auftauchten. Esther weinte, und Kasei br�llte: �Wenn du mich verlassen willst, dann hau doch ab!� Auch er hatte geweint. Er hatte einen rosa Eckzahn. Auch er war ein Kind Hirokos. Mithin war Jackie Hirokos Enkelin. So ging das nun einmal. Jackie hatte langes schwarzes Haar und war die schnellste L�uferin in Zygote au�er Peter. Nirgal konnte am l�ngsten rennen und lief manchmal drei oder vier Mal hintereinander um den Teich, nur so. Aber Jackie war schneller im Sprint. Sie lachte die ganze Zeit. Wenn Nirgal einmal mit ihr stritt, pflegte sie zu sagen: �In Ordnung, Onkel Nirgie!� und lachte ihn an. Sie war seine Nichte, obwohl um eine Saison �lter. Aber nicht seine Schwester.</p><p>Die Schult�r wurde aufgerissen, und Cojote, der Lehrer des Tages, war da. Cojote reiste �ber die ganze Welt und verbrachte nur sehr wenig Zeit in Zygote. Es war ein gro�er Tag, wenn er sie unterrichtete. Er f�hrte sie im Dorf herum und fand merkw�rdige Dinge f�r sie zu tun; aber w�hrend der ganzen Zeit lie� er einen von ihnen laut aus B�chern vorlesen, die unm�glich zu verstehen waren, geschrieben von Philosophen, die schon l�ngst tot waren: Bakunin, Nietzsche, Mao, Bookchin. Die einleuchtenden Gedanken dieser Philosophen lagen wie unerwartete Kiesel auf einem langen Strand von Geschwafel. Die Geschichten, die Cojote ihnen aus der Odyssee oder der Bibel vorgelesen hatte, waren leichter zu verstehen, wenn auch beunruhigend, da die Personen darin einander massenhaft t�teten und Hiroko das f�r falsch erkl�rte. Cojote lachte �ber Hiroko und br�llte oft ohne ersichtlichen Grund, wenn sie diese schauerlichen Geschichten lasen, und fragte sie, ob sie w��ten, wor�ber sie redeten. Das war entmutigend. �Was w�rdet <emphasis>ihr</emphasis> tun? Warum w�rdet ihr <emphasis>das</emphasis> tun?� W�hrend der ganzen Zeit lehrte er sie, wie die Treibstoffwiederaufbereitung des Rickover-Reaktors funktionierte, oder er lie� sie die Druckkolbenhydraulik der Wellenmaschine des Teichs durchpr�fen, bis ihre H�nde sich von Wei� zu Blau verf�rbten und ihre Z�hne so klapperten, da� sie nicht mehr deutlich sprechen konnten. �Ihr Kleinen werdet wirklich leicht kalt�, sagte er. �Alle au�er Nirgal.�</p><p>Nirgal kam mit K�lte gut zurecht. Er kannte sie genau in allen ihren Stufen und verabscheute ihr Gef�hl nicht. Leute, die K�lte nicht mochten, verstanden nicht, wie man sich ihr anpassen konnte. Da� man mit allen ihren schlechten Wirkungen durch gen�gend Antrieb von innen heraus fertig werden konnte. Nirgal war auch mit W�rme gut vertraut. Wenn man W�rme stark genug ausstie�, wurde K�lte nur zu einer Art lebhafter schockierender H�lle, in der man sich bewegte. Und so wirkte K�lte letztlich als ein Stimulans, das zum Laufen anregte.</p><p>�He, Nirgal, wie ist die Lufttemperatur?�</p><p>�Zweihunderteinundsiebzig.�</p><p>Cojotes Lachen war schrecklich, ein animalisches Gackern, das alle Ger�usche enthielt, die jemand machen konnte. Und auch jedesmal anders. �Hier, la�t uns die Wellenmaschine anhalten und sehen, wie der Teich ausschaut, wenn er flach ist!�</p><p>Das Wasser des Teichs war immer fl�ssig, w�hrend das die Unterseite der Kuppel bedeckende Wasser-Eis gefroren bleiben mu�te. Dies erkl�rte sehr viel von ihrem mesokosmischen Wetter, wie Sax es ausdr�ckte, welches ihre Nebel und pl�tzlichen Winde sowie Regen und Dunst und gelegentlichen Schnee erzeugte. An diesem Tage stand die Wettermaschine fast still, und der gro�e halbkugelf�rmige Raum unter der Kuppel war fast windstill. Bei abgestellter Windmaschine beruhigte sich der Teich bald zu einer runden flachen Platte. Die Oberfl�che des Wassers nahm die gleiche wei�e Farbe an wie die Kuppel; aber der von Gr�nalgen bedeckte Boden des Gew�ssers war durch den wei�en Schimmer noch zu erkennen. So war der Teich gleichzeitig wei� und dunkelgr�n. Am gegen�berliegenden Ufer wurden die D�nen und Kr�ppelkiefern umgekehrt in diesem zweifarbigen Wasser perfekt gespiegelt. Nirgal starrte benommen dies Bild an. Alles entschwand ihm bis auf diesen pulsierenden gr�nwei�en Anblick. Er sah, da� es zwei Welten gab und nicht eine�� zwei Welten an der gleichen Stelle, beide sichtbar, getrennt und verschieden, aber zusammengefallen, so da� man sie nur aus bestimmten Winkeln als zwei sehen konnte.</p><p>Man konnte die H�lle des Sehens ansto�en, wie man gegen die H�lle der K�lte stie�. <emphasis>�Sto� zu!�</emphasis> Solche Farben!</p><p>�Mars f�r Nirgal, Mars f�r Nirgal!�</p><p>Sie lachten �ber ihn. Er t�te das immer, sagten sie ihm. Er hatte Anf�lle. Seine Freunde mochten ihn, das sah er in ihren Gesichtern. Cojote brach vom Ufer flache Eisst�cke los und schleuderte sie flach �ber den Teich. Sie machten alle dasselbe, bis die sich �berschneidenden wei�gr�nen Wellen die auf dem Kopf stehende Welt zittern und tanzen lie�en. �Seht euch das an!� rief Cojote. Zwischen einzelnen W�rfen psalmodierte er in seinem m�chtigen Englisch, das wie ein st�ndiger Gesang klang: �Ihr Kleinen erlebt das beste aller Leben in der Geschichte. Die meisten Leute treiben blo� dahin in der gro�en Weltmaschine; und ihr erlebt die Geburt einer Welt! Unglaublich! Aber ihr solltet wissen, da� das ein reiner Gl�cksfall ist und euch kein Verdienst daran zukommt, nicht bis ihr etwas damit anfangt. Ihr h�ttet in einer Villa, einem Kerker, einer sch�bigen Vorstadt in Port of Spain geboren sein k�nnen; aber ihr seid hier in Zygote, dem heimlichen Herzen des Mars! Freilich seid ihr jetzt hier unten wie Maulw�rfe im Loch mit Geiern �ber euch, die euch alle fressen wollen; aber der Tag kommt, da ihr �ber diesen Planeten schreitet, frei jeder Fessel. Erinnert euch an das, was ich euch sage! Meine Kinder, das ist eine Prophezeiung! Und inzwischen seht euch an, wie sch�n dies ist, dieses kleine Eisparadies!� Er warf ein Eisst�ck direkt auf die Kuppel zu, und sie alle sangen: �Eisparadies! Eisparadies! Eisparadies!�, bis sie vor Lachen nicht mehr weiter konnten.</p><p>Aber in dieser Nacht sagte Cojote zu Hiroko, als er glaubte, da� niemand zuh�rte: �Roko, du mu�t diese Kinder nach drau�en bringen und ihnen die Welt zeigen. Auch wenn es nur unter der Dunsthaube ist. Die leben hier unten, um Gottes willen, wie Maulw�rfe im Bau.� Danach war er wieder fort, niemand wu�te wohin. Fort auf einer seiner geheimnisvollen Reisen in jene andere Welt, die �ber sie gespannt war.</p><p>Einige Tage kam Hiroko ins Dorf, um sie zu unterrichten. Das waren f�r Nirgal die allerbesten Tage. Sie f�hrte sie immer zum Strand hinunter; und mit Hiroko zu gehen war so, als ob man von einer Gottheit ber�hrt w�rde. Es war ihre Welt�� die gr�ne Welt innerhalb der wei�en��, und sie wu�te alles dar�ber; und wenn sie da war, pulsierten die zarten Perlfarben von Sand und Kuppel in beiden Farben der Welt zugleich, als ob sie sich davon frei machen wollten, was sie festhielt.</p><p>Sie sa�en auf den D�nen und beobachteten, wie die V�gel am Ufer dicht �ber die Oberfl�che flatterten und piepsten, w�hrend sie am Strand auf und ab jagten. M�wen kurvten �ber den K�pfen, und Hiroko stellte ihnen Fragen, wobei ihre dunklen Augen fr�hlich zwinkerten. Sie wohnte am Teich mit einer kleinen Schar ihrer engen Freunde, Iwao, Rya Gene, Evgenia, alle in einem kleinen Bambuskiosk in den D�nen. Und sie verbrachte viel Zeit damit, andere versteckte Zufluchtsst�tten rund um den S�dpol zu besuchen. Darum mu�te sie immer �ber die Neuigkeiten im Dorf auf dem laufenden sein. Sie war eine schlanke Frau, f�r eine Issei gro� und in Kleidung und Bewegung so sauber wie die Strandv�gel. Nat�rlich war sie alt, unm�glich alt wie alle Issei; aber sie hatte etwas, das sie j�nger erscheinen lie� als sogar Peter oder Kasei�� wirklich nur ein klein bi�chen �lter als die Kleinen, als ob alles in der Welt vor ihr neu f�r sie w�re und sie darauf dr�ngte, es in alle seine Farben zu zerlegen.</p><p>�Schaut auf das Muster, das diese Muschel bildet! Die bunte Spirale, die sich bis ins Unendliche einw�rts kr�mmt. Das ist die Gestalt des Universums selbst. Es gibt einen konstanten Druck, der das Muster vorantreibt. Eine der Materie innewohnende Tendenz zur Entwicklung in immer komplexere Formen. Das ist eine Art von Gestaltgravitation, eine heilige gr�nende Kraft, die wir Viriditas nennen. Das ist die antreibende Kraft im Kosmos. Leben, wie ihr seht. Wie diese Fliegen und Napfschnecken und der Krill�� obwohl diese speziellen Krills tot sind und nur den Fliegen n�tzen. Wie wir alle.�</p><p>Sie schwenkte die Hand wie eine T�nzerin. �Und weil wir lebendig sind, mu� man sagen, da� auch das Weltall lebt. Wir sind dessen Bewu�tsein wie auch unser eigenes. Wir steigen aus dem Kosmos auf und sehen das Geflecht seiner Strukturen; und das ber�hrt uns als sch�n. Und dieses Gef�hl ist das wichtigste im Universum, seine Kulmination, so wie die Farbe der Blume an einem feuchten Morgen. Es ist ein heiliges Gef�hl; und unsere Aufgabe in dieser Welt ist, alles zu tun, was uns m�glich ist, um es zu hegen. Und ein Weg dazu ist die Verbreitung von Leben �berall. Ihm da zur Existenz zu verhelfen, wo es zuvor nicht gewesen ist�� wie hier auf dem Mars.�</p><p>Dies war f�r sie der erhabenste Liebesakt; und wenn sie dar�ber sprach, empfanden die Kinder die Liebe, auch wenn sie nicht alles verstanden. Wieder ein Ansto�, wieder eine gewisse W�rme in der H�lle von K�lte. Hiroko ber�hrte sie beim Sprechen, und sie gruben nach Muscheln, w�hrend sie lauschten. �Eine Schlamm-Muschel! Antarktische Napfschnecke. GlasSchwamm. Seid vorsichtig! Er kann euch schneiden.� Nirgal f�hlte sich gl�cklich, wenn er sie blo� anschaute.</p><p>Und eines Morgens, als sie von ihrem W�hlen aufstanden, um noch weiter am Strand umherzuschweifen, erwiderte sie seinen Blick, und er verstand ihren Ausdruck. Es war genau der gleiche Ausdruck wie auf seinem Gesicht, wenn er sie anschaute. Das sp�rte er in seinen Muskeln. Also war auch sie gl�cklich! Das war berauschend.</p><p>Er hielt ihre Hand, als sie am Strand dahingingen. Als sie sich hinknieten, um wieder eine Muschelschale aufzuheben, sagte sie: �Das ist in gewisser Weise einfache �kologie. Nicht viele Spezies, und die Nahrungsketten sind kurz. Aber so reich, so sch�n.� Sie pr�fte mit der Hand die Wassertemperatur im Teich. �Siehst du den Nebel? Das Wasser mu� heute warm sein.�</p><p>Inzwischen waren sie und Nirgal allein. Die anderen Kinder liefen um die D�nen herum oder am Ufer auf und ab. Nirgal b�ckte sich, um eine Welle zu ber�hren, als sie dicht vor ihren F��en verlief und eine wei�e Schaumkrone hinterlie�. �Es hat zweihundertsiebenundf�nfzig und etwas dar�ber.�</p><p>�Du bist ganz sicher?�</p><p>�Das kann ich immer angeben.�</p><p>�Habe ich Fieber?� fragte sie. �F�hl mal.�</p><p>Er ber�hrte ihren Hals. �Nein.�</p><p>�Das stimmt. Ich habe immer ungef�hr ein halbes Grad zu wenig. Vlad und Ursula k�nnen nicht herausbekommen, warum.�</p><p>�Weil du gl�cklich bist.�</p><p>Hiroko lachte. Sie sah genau wie Jackie aus, vor Freude strahlend. �Nirgal, ich liebe dich.�</p><p>Es wurde ihm innerlich warm, als ob da ein Heizgitter steckte. Um mindestens ein halbes Grad. �Und ich liebe dich auch.�</p><p>Und sie gingen Hand in Hand den Strand entlang, schweigend den Uferschnepfen folgend.</p><p>Cojote kehrte zur�ck, und Hiroko sagte zu ihm: �Okay. Bringen wir sie nach drau�en!�</p><p>Als die Kinder am n�chsten Morgen zur Schule zusammenkamen, f�hrten Hiroko und Peter sie durch die Schleusen und den langen wei�en Tunnel, der die Kuppel mit der Au�enwelt verband. An seinem anderen Ende befanden sich der Hangar und dar�ber die Klippengalerie. Sie waren schon fr�her mit Peter durch die Galerie gelaufen und hatten aus den kleinen polarisierten Fenstern auf den eisigen Sand und den rosafarbenen Himmel geschaut und sich bem�ht, die gro�e Wand aus Trockeneis zu erkennen, in der sie standen�� die S�dpolkappe, den Boden der Welt, in der sie lebten, um der Aufmerksamkeit von Leuten zu entgehen, die sie ins Gef�ngnis stecken w�rden.</p><p>Deshalb waren sie stets innerhalb der Galerie geblieben. Aber an diesem Tag gingen sie in die Schleusen des Hangars und zogen dichte elastische Pullover an. Sie rollten die �rmel und Beine auf. Dann kamen schwere Stiefel und dichte Handschuhe sowie zuletzt Helme mit stark gew�lbten Fenstern an der Vorderseite. Sie wurden jeden Augenblick aufgeregter, bis aus der Erregung fast etwas wie Angst wurde, besonders als Simud zu weinen begann und erkl�rte, da� sie nicht mitgehen wollte. Hiroko beruhigte sie durch eine lange Ber�hrung und sagte: �Komm schon! Ich werde da bei dir sein.�</p><p>Sie dr�ngten sich sprachlos aneinander, als die Erwachsenen sie in die Schleuse f�hrten. Es gab ein zischendes Ger�usch, und dann �ffnete sich die Au�ent�r. Die Kinder klammerten sich an die Erwachsenen und gingen vorsichtig hinaus, wobei sie im Gehen zusammenstie�en.</p><p>Es war zu hell, um etwas erkennen zu k�nnen. Sie befanden sich in einem wirbelnden wei�en Nebel. Der Boden war gefleckt von zarten Eisblumen, die in der Helle glitzerten. Nirgal hielt Hiroko und Cojote an der Hand, und sie dr�ngten ihn nach vorn und lie�en seine H�nde los. Er taumelte in dem Ansturm der wei�en Blendung. Hirokos Stimme sagte ihm durch Interkom ins Ohr: �Das ist die Nebelhaube. Sie dauert den ganzen Winter. Aber jetzt ist es Ls 205 und Fr�hling, wenn die gr�ne Kraft am st�rksten durch die Welt dr�ngt, gen�hrt vom Licht der Sonne. Seht hin!�</p><p>Er konnte nichts sehen au�er einem wei�en, sich zusammenziehenden Feuerball. Pl�tzlich stie� das Licht durch ihn hindurch und verwandelte ihn in eine Palette aus Farben, die den eisigen Sand zu poliertem Magnesium machte und die Eisblumen zu gl�henden Juwelen. Der Wind dr�ckte ihn von der Seite und zerri� den Nebel. Es erschienen L�cken darin, und das Land �ffnete sich in der Ferne. Nirgal schwindelte es. So gro�! Alles war so gro�. Er ging mit einem Knie auf den Sand nieder und legte die H�nde auf das andere Bein, um die Balance zu halten. Die Steine und Eisblumen um seine Stiefel gl�hten wie unter einem Mikroskop. Die Steine waren gefleckt mit runden Bel�gen von schwarzen und gr�nen Flechten.</p><p>Drau�en am Horizont lag ein niedriger Berg mit flachem Gipfel. Ein Krater. Dort im Kies war eine Roverspur, von Reif fast gef�llt, als ob sie schon seit einer Million Jahre dort w�re. In Licht und Fels pulsierte das Chaos, und gr�ne Flechten drangen in das Wei� vor��</p><p>Alle redeten zugleich. Die anderen Kinder fingen an, �berm�tig herum zu rennen und vor Wonne zu kreischen, als sich der Nebel verzog und ihnen einen kurzen Blick auf den dunkelrosa get�nten Himmel freigab. Cojote lachte. �Sie sind wie Winterk�lber, die im Fr�hjahr herausgelassen werden. Seht, wie sie h�pfen, o ihr armen kleinen lieben Dinger, ah ha ha!� Kichernd hob er Kinder vom Sand hoch und stellte sie wieder auf die F��e.</p><p>Nirgal stand auf und machte versuchsweise Spr�nge. Er f�hlte, da� er wegtreiben k�nnte, aber zum Gl�ck waren die Stiefel so schwer. Da war eine lange, schulterhohe Erhebung, die sich von der Klippe weg hinzog. Jackie ging auf ihrem Kamm, und er lief los, um mit ihr zusammenzutreffen. Aber an der B�schung stolperte er und fiel auf das Steingewirr am Boden. Dann gelangte er auf den Grat und fiel in seinen Laufrhythmus. Es kam ihm vor, als ob er fl�ge und immer so laufen k�nnte.</p><p>Er stand an ihrer Seite. Sie blickten zur�ck auf die Eisklippe und stie�en einen �ngstlichen Freudenschrei aus. Sie ragte f�r immer in den Nebel empor. Ein morgendlicher Lichtstrahl ergo� sich �ber sie wie fl�ssiges Wasser. Sie drehten sich um, da sie das nicht ertragen konnten. Nirgal sah, wie sein Schatten auf den Nebel fiel, der �ber die Felsen unter ihnen zog. Der Schatten war umrundet von einem hellen kreisf�rmigen Band regenbogenfarbenen Lichts. Nirgal stie� einen lauten Schrei aus, und Cojote rannte zu ihnen herauf. In Nirgals Ohr erklang seine Stimme: �Was fehlt? Was ist los?�</p><p>Er blieb stehen, als er den Schatten erblickte. �He, das ist eine Gloriole. Man nennt das eine Gloriole. Es ist wie das Brockengespenst. Schwingt eure Arme auf und ab! Achtet auf die Farben! Allm�chtiger Gott, seid ihr nicht vom Gl�ck beg�nstigt?�</p><p>Nirgal r�ckte impulsiv an Jackies Seite, und ihre Gloriolen verschmolzen. Sie wurden ein einziger Nimbus leuchtender Regenbogenfarben, die ihren blauen doppelten Schatten umgaben. Jackie lachte entz�ckt und ging fort, um es mit Peter zu probieren.</p><p>Ungef�hr ein Jahr sp�ter begann Sax die Kinder zu unterrichten. Er stand an der Wandtafel und klang wie eine unpers�nliche K�nstliche Intelligenz. Hinter seinem R�cken pflegten sie mit den Augen zu rollen und Grimassen zu schneiden, w�hrend er sich monoton �ber Partialdr�cke oder infrarote Strahlen auslie�. Dann bemerkte einer von ihnen eine L�cke und fing mit dem Spiel an. Dagegen war er hilflos. Er sagte so etwas wie: �Bei nicht zitternder Thermogenese erzeugt der K�rper W�rme durch Verwendung unwesentlicher Zyklen.� Darauf hob einer die Hand und fragte: �Aber warum denn, Sax?� Und alle starrten fest auf ihr Pult, ohne sich gegenseitig anzuschauen, w�hrend Sax die Stirn runzelte, als ob das noch nie passiert w�re, und sagte: �Nun, er erzeugt W�rme, ohne so viel Energie zu verbrauchen, wie das Zittern erfordert. Die Muskelproteine kontrahieren; aber anstatt zuzupacken, gleiten sie nur �bereinander, und das erzeugt die W�rme.�</p><p>Jackie fragte so treuherzig, da� es fast der ganzen Klasse entging: �Aber wie denn?�</p><p>Jetzt fing Sax an zu zwinkern, so schnell, da� sie fast platzten, als sie ihn anschauten. �Nun, die Aminos�uren in den Proteinen haben zerbrochene kovalente Bindungen, und die Bruchstellen lassen das frei, was man als Energie der Dissoziation von Bindungen bezeichnet.�</p><p>�Aber wie denn?�</p><p>Er zwinkerte noch st�rker. �Nun, das ist eben eine Sache der Physik.� Er zeichnete heftig Diagramme an die Tafel. �Kovalente Bindungen entstehen, wenn zwei atomare Orbitale sich verschmelzen, um ein einziges Bindungsorbital zu bilden, das mit Elektronen aus beiden Atomen besetzt ist. Die Trennung der Bindung setzt drei�ig bis einhundert Kilokalorien gespeicherter Energie frei.�</p><p>Jetzt fragten mehrere von ihnen im Chor: �Aber warum?�</p><p>Das brachte ihn zur subatomaren Physik, wo die Kette von <emphasis>warum</emphasis> und <emphasis>weil</emphasis> noch eine halbe Stunde weitergehen konnte, ohne da� er jemals etwas sagte, das sie verstehen konnten. Schlie�lich merkten sie, wenn sich das Spiel dem Ende n�herte.</p><p>�Aber warum?�</p><p>�Nun�, sagte er und verdrehte die Augen, um sich zur�ckzuziehen, �Atome wollen ihre stabile Elektronenanzahl bekommen und teilen sich Elektronen, wenn das n�tig ist.�</p><p><emphasis>�Aber</emphasis> warum?�</p><p>Jetzt sa� er sichtlich in der Falle. �So ist es nun einmal, wenn sich Atome verbinden. Eine der M�glichkeiten.�</p><p><emphasis>�Aber</emphasis> WARUM?�</p><p>Ein Achselzucken. �So funktioniert die atomare Kraft. So sind die Dinge zustande gekommen�� �</p><p>Und alle br�llten los: �� <emphasis>im Urknall.�</emphasis></p><p>Sie jubelten fr�hlich auf; und Sax machte ein finsteres Gesicht, als er merkte, da� sie ihn wieder einmal gefoppt hatten. Er seufzte und kam darauf zur�ck, wo er stehengeblieben war, als das Spiel anfing. Aber sie fingen immer wieder damit an, und er schien sich nie zu erinnern, solange das erste <emphasis>Warum</emphasis> plausibel genug war. Und selbst dann, wenn er merkte, was geschah, schien er hilflos zu sein, ihm Einhalt zu gebieten. Seine einzige Verteidigung war, da� er mit leicht gerunzelter Stirn sagte: �Warum <emphasis>was?�</emphasis> Das hemmte das Spiel f�r eine Weile; aber dann wurden Nirgal und Jackie immer ge�bter in der Entscheidung, was bei irgendeiner �u�erung am meisten ein <emphasis>Warum</emphasis> verdiente. Und solange sie das tun konnten, f�hlte Sax sich verpflichtet weiter zu antworten, bis hin zum Urknall oder ab und zu einem gemurmelten �Wir wissen es nicht�.</p><p>�Wir wissen es nicht!� pflegte die Klasse in geheucheltem Mi�mut zu rufen. �Warum denn nicht?�</p><p>Dann erkl�rte er m�rrisch: �Es konnte noch nicht erkl�rt werden. Noch nicht.�</p><p>Und so vergingen die guten Vormittage mit Sax. Sowohl er wie die Kinder schienen sich einig zu sein, da� sie besser w�ren als die schlechten Vormittage, wenn er ohne Unterbrechungen dahinleierte und vorwurfsvoll rief: �Dies ist wirklich wichtig�, wenn er sich von der Tafel abwandte und sah, wie viele K�pfe schnarchend auf den Pulten lagen.</p><p>Eines Morgens blieb Nirgal, der sich Gedanken machte �ber Saxens m�rrisches Gesicht, in der Schule zur�ck, bis nur noch er und Sax �brig waren. Dann fragte er: �Warum m�gen Sie es nicht, wenn Sie nicht sagen k�nnen, warum?�</p><p>Sax runzelte die Stirn. Nach langem Schweigen sagte er langsam: �Ich versuche zu verstehen. Schau, ich achte sehr genau auf die Dinge. So genau ich nur kann. Ich konzentriere mich auf die Besonderheit jedes Augenblicks. Und ich m�chte verstehen, warum es so geschieht, wie es ist. Ich bin neugierig. Und ich denke, da� alles, was geschieht, einen Grund hat. Alles. Also sollten wir f�hig sein, diese Ursachen herauszufinden. Wenn wir das nicht k�nnen�� na sch�n. Das gef�llt mir nicht. Es �rgert mich. Manchmal nenne ich es�� ��� er warf Nirgal einen scheuen Blick zu, und Nirgal erkannte, da� er das noch nie jemandem gesagt hatte��, �ich nenne es das gro�e Unerkl�rbare.�</p><p>Es war die wei�e Welt, merkte Nirgal pl�tzlich. Die wei�e Welt innerhalb der gr�nen, das Gegenteil von Hirokos gr�ner Welt innerhalb der wei�en. Und ihre diesbez�glichen Gef�hle waren gegens�tzlich. Wenn Hiroko mit etwas Geheimnisvollem konfrontiert war, sah sie es von der gr�nen Seite, liebte es, und es machte sie gl�cklich. Es war Viriditas, eine heilige Kraft. Von der wei�en Seite gesehen, wenn Sax auf etwas Mysteri�ses traf, war es das Gro�e Unerkl�rliche, gef�hrlich und furchtbar. Er war am Wahren interessiert, Hiroko dagegen am Realen. Oder vielleicht war es gerade umgekehrt. Diese W�rter sind so t�ckisch. Besser war es zu sagen, da� sie die gr�ne Welt liebte und er die wei�e.</p><p>�Aber ja!� sagte Michel, als Nirgal ihm diese Beobachtung mitteilte. �Sehr gut, Nirgal. Deine Sehweise ist so klug. In archetypischen Terminologien k�nnten wir mit Gr�n und Wei� den Mystiker und den Wissenschaftler bezeichnen. Beide sind h�chst m�chtige Figuren, wie du siehst. Aber was wir brauchen, ist, wenn du mich fragst, eine Kombination dieser zwei, die wir den <emphasis>Alchemisten</emphasis> nennen.�</p><p>Das Gr�ne und das Wei�e.</p><empty-line/><p>Am Nachmittag waren die Kinder frei zu tun, was sie wollten; und manchmal blieben sie mit dem Lehrer des Tages zusammen, aber noch �fter liefen sie zum Strand oder spielten im Dorf, das in eine Gruppe niedriger H�gel eingebettet war, halbwegs zwischen dem Teich und dem Tunneleingang. Sie stiegen die Wendeltreppen der gro�en Bambusbaumh�user hinauf und spielten Verstecken zwischen den �bereinanderliegenden R�umen und den Seiten�sten und H�ngebr�cken dazwischen. Die Bambusschlafst�tten bildeten eine Sichel, innerhalb derer sich der gr��te Teil des Dorfs befand. Jeder gro�e Spro� war f�nf oder sieben Segmente hoch, von denen ein jedes ein Zimmer bildete, das mit der H�he immer kleiner war. Die Kinder hatten jeder einen eigenen Raum in den obersten Abschnitten der St�mme�� vertikale Zylinder mit Fenstern, die vier oder f�nf Fu� breit waren, wie die T�rme der Schl�sser in ihren Geschichten. Unter ihnen hatten in den mittleren Segmenten die Erwachsenen ihre Zimmer, meistens allein, aber manchmal auch paarweise. Und die Segmente am Boden waren Wohnund Aufenthaltsr�ume. Aus den Fenstern der obersten Zimmer blickte man auf die D�cher des Dorfes, die im Kreis von H�geln, Bambus und Gew�chsh�usern wie Miesmuscheln in den Untiefen des Teichs zusammengedr�ngt waren.</p><p>Am Strand suchten sie nach Muscheln oder spielten Ball oder sch�ssen zwischen den D�nen auf Schaumflocken. Gew�hnlich suchten Jackie und Harmakhis die Spiele aus und f�hrten die Mannschaften an, wenn es Teams gab. Nirgal und die J�ngeren folgten ihnen und machten die Runde durch ihre verschiedenen Freundschaften und Hierarchien, die in dem t�glichen Spiel endlos abgeschliffen wurden. So wie der kleine Frantz es einmal Nadia grob erkl�rte: �Harmakhis haut Nirgal; Nirgal haut mich; ich haue die M�dchen.� Oft wurde Nirgal dieses Spiels �berdr�ssig, das Harmakhis immer gewann, und pflegte zwecks besseren Vergn�gens rund um den Teich zu laufen, langsam und gleichm��ig. Dabei fiel er in einen Rhythmus, der alles auf der Welt in sich einschlo�. Es war eine Freude, eine Erheiterung, einfach so zu laufen und zu laufen��</p><p>Unter der Kuppel war es immer kalt, aber das Licht �nderte sich st�ndig. Im Sommer leuchtete die Kuppel die ganze Zeit bl�ulich wei�, und unter den Oberlicht�ffnungen standen helle Strahlenb�schel. Im Winter war es dunkel, und die Kuppel gl�nzte in reflektiertem Lampenschein wie das Innere einer Muschelschale. Im Fr�hling und Herbst wurde das Licht am Nachmittag zu Grau ged�mpft, und es wurde gespenstisch finster. Die Farben waren nur noch durch die vielen Schattierungen von Grau angedeutet, und die Bambusbl�tter und Kiefernnadeln waren tiefschwarze Striche vor dem blassen Wei� der Kuppel. In solchen Stunden wirkten die Gew�chsh�user wie gro�e Lampions auf den H�geln, und die Kinder gingen im Zickzackkurs heim wie M�wen und strebten zum Badehaus. Dort in dem langen Geb�ude neben der K�che zogen sie sich aus und rannten in den dampfigen Ansturm des Hauptbades, rutschten auf den Bodenkacheln umher und f�hlten, wie die Hitze in ihre H�nde, F��e und Gesichter drang, w�hrend sie munter um die sich einweichenden �lteren Leute planschten mit ihren schildkr�tenartigen Gesichtern und verschrumpelten haarigen K�rpern.</p><p>Nach dieser warmen feuchten Stunde zogen sie sich wieder an und reihten sich feucht und rosa in die Schlange ein, f�llten ihre Teller und setzten sich an die langen Tische zwischen die Erwachsenen. Es waren 124 st�ndige Einwohner; aber gew�hnlich gab es dort zu jeder Zeit ungef�hr 200 Personen. Wenn alle Platz genommen hatten, nahmen sie die Wasserkr�ge und schenkten dem Nachbarn ein. Dann st�rzten sie sich mit Genu� auf die warme Speise, verschlangen Kartoffeln, Maiskuchen, Pasta, Tabouli, Brot, hunderterlei Gem�se und gelegentlich Fisch oder Gefl�gel. Nach der Mahlzeit pflegten die Erwachsenen �ber Ernten oder ihren Rickover-Generator zu plaudern, einen alten integralen Schnellen Br�ter, den sie sehr liebten, oder �ber die Erde, w�hrend die Kleinen aufr�umten und dann eine Stunde lang Musik spielten und sonstige Spiele betrieben, bis alle allm�hlich einschlummerten.</p><p>Eines Tages kam von der Polkappe her eine Gruppe von zweiundzwanzig Personen an. Ihre kleine Kuppel hatte ihr �kosystem eingeb��t durch etwas, das Hiroko spiraliges komplexes Ungleichgewicht nannte; und ihre Reserven waren zu Ende gegangen. Sie brauchten eine Zuflucht.</p><p>Hiroko legte sie in drei der k�rzlich reif gewordenen Baumh�user. Sie stiegen die um die dicken runden Sch��linge laufenden Wendeltreppen hoch und jammerten �ber die zylindrischen Segmente mit den hineingeschnittenen T�ren und Fenstern. Hiroko lie� sie die Arbeiten an den neuen R�umen beenden und am Rande des Dorfes ein neues Gew�chshaus errichten. Es war allen klar, da� Zygote nicht so viel Nahrung wachsen lie�, wie sie jetzt ben�tigten. Die Kinder a�en so m��ig, wie sie konnten, indem sie die Erwachsenen nachahmten. �Man h�tte den Ort Gamete nennen sollen�, sagte Cojote zu Hiroko, als er wieder vorbeikam, und lachte rauh.</p><p>Sie winkte blo� ab. Aber vielleicht war Sorge an Hirokos distanzierterem Verhalten schuld. Sie verbrachte alle Tage mit Arbeit in den Gew�chsh�usern und unterrichtete die Kinder nur noch selten, wenn �berhaupt. Wenn sie es tat, folgten ihr die Kleinen �berall hin und arbeiteten f�r sie, indem sie Ernte einbrachten oder Kompost umwendeten oder j�teten. �Sie k�mmert sich gar nicht um uns�, sagte Harmakhis �rgerlich eines Nachmittags, als sie am Strand entlanggingen. �Sie ist �berhaupt gar nicht mehr unsere Mutter.� Er f�hrte sie alle zu den Labors am Gew�chshaus neben dem Tunnelh�gel und scheuchte sie, wie er es so gut konnte.</p><p>Drinnen zeigte er auf eine Reihe flacher Aluminiumtanks, eine Art K�hlger�te. �Das sind unsere M�tter. Darin sind wir gewachsen. Kasei hat es mir gesagt, und ich habe Hiroko gefragt, und es ist wahr. Wir sind Ektogene. Wir wurden nicht geboren, sondern <emphasis>dekantiert.�</emphasis> Er blickte triumphierend auf seine erschrockene und faszinierte kleine Schar. Dann schlug er Nirgal mit der Faust voll auf die Brust, stie� ihn quer durch das Labor und ging fluchend hinaus. �Wir haben keine Eltern.�</p><p>Zus�tzliche Besucher waren jetzt eine Belastung. Aber dennoch gab es eine Menge Aufregung, wenn sie kamen; und viele Leute blieben am ersten Besuchstag bis weit in die Nacht auf und plauderten, um alle Neuigkeiten zu erfahren, die sie aus den anderen Zufluchtsst�tten bekommen konnten. Davon gab es im S�dpolgebiet ein ganzes Netz. Nirgal hatte in seinem Pult eine Karte mit roten Punkten, die alle vierunddrei�ig zeigten. Und Nadia und Hiroko sch�tzten, da� es noch mehr waren, in anderen Netzen im Norden oder in v�lliger Isolierung. Aber sie alle hielten Funkstille. Man konnte also nicht sicher sein. Darum waren Nachrichten hoch gesch�tzt. Gew�hnlich waren sie das Kostbarste, was Besucher zu bieten hatten, selbst wenn sie, wie gew�hnlich, mit Geschenken kamen und alles gaben, was sie nur hatten herstellen oder bekommen k�nnen und das ihre Gastgeber n�tzlich finden k�nnten.</p><p>W�hrend dieser Besuche lauschte Nirgal genau auf die langen lebhaften Gespr�che in den N�chten, wobei er auf dem Boden sa� oder herumging und die Teetassen der Leute nachschenkte. Es war ihm v�llig bewu�t, da� er die Regeln der Welt nicht kannte. Ihm war unerkl�rlich, warum Leute so handelten, wie sie es taten. Nat�rlich verstand er nicht die Grundtatsache der Lage�� da� es zwei Seiten gab, die in einem Wettbewerb um die Herrschaft �ber den Mars steckten�� da� Zygote Anf�hrer der richtigen Seite war�� und da� schlie�lich die Areophanie siegen w�rde. Es war ein ungeheures Gef�hl, in diesem Kampf beteiligt zu sein, ein entscheidender Teil der Geschichte zu sein. Es machte ihn oft schlaflos, wenn er sich ins Bett schleppte, w�hrend sein Geist bis zum fr�hen Morgen durch Visionen tanzte von allem, was er zu diesem gro�en Drama beitragen und Jackie und alle anderen in Zygote in Erstaunen setzen w�rde.</p><p>Manchmal lauschte er sogar in seinem Verlangen, mehr zu lernen. Er tat das, indem er in der Ecke auf einer Couch lag und in ein Heft schaute, wobei er darin kritzelte oder vorgab zu lesen. Recht oft merkten Leute anderswo in dem Raum nicht, da� er zuh�rte, und manchmal sprachen sie sogar �ber die Kinder von Zygote, besonders dann, wenn er sich gerade drau�en in der Halle herumtrieb.</p><p>�Hast du gemerkt, da� die meisten von ihnen Linksh�nder sind?�</p><p>�Ich schw�re, da� Hiroko mit ihren Genen etwas angestellt hat.�</p><p>�Sie sagt nein.�</p><p>�Die sind schon fast so gro� wie ich.�</p><p>�Das ist eben die Schwerkraft. Seht euch nur Peter an und die �brigen Nisei! Sie sind nat�rlich geboren und meistens gro�. Aber die Linksh�ndigkeit mu� genetisch bedingt sein.�</p><p>�Sie hat mir einmal gesagt, es g�be eine einfache transgenische Einf�gung, die das Corpus Callosum gr��er werden lie�e. Vielleicht hat sie damit herumgespielt und als Nebeneffekt die Linksh�ndigkeit erzielt.�</p><p>�Ich dachte, Linksh�ndigkeit ginge auf einen Gehirnschaden zur�ck.�</p><p>�Das wei� niemand. Ich denke, da� sogar Hiroko davon �berrascht ist.�</p><p>�Ich kann nicht glauben, da� sie mit den Chromosomen herumgefummelt hat zwecks Gehirnentwicklung.�</p><p>�Bedenke�� Ektogene sind leichter zug�nglich.�</p><p>�Wie ich h�re, ist ihre Knochendichte schwach.�</p><p>�Das stimmt. Auf der Erde haben sie Schwierigkeiten. Sie sind auf Hilfsger�te angewiesen.�</p><p>�Das ist wieder das Ge. Das macht uns allen wirklich Schwierigkeiten.�</p><p>�Erz�hl mir davon! Ich habe mir den Unterarm gebrochen, als ich einen Tennisschl�ger geschwungen habe.�</p><p>�Linksh�ndige gro�e Vogelmenschen, das ist es, was wir hier z�chten. Das ist bizarr, wenn du mich fragst. Wenn man sie �ber die D�nen laufen sieht, k�nnte man meinen, da� sie gleich abheben und davonfliegen.�</p><p>In dieser Nacht hatte Nirgal die �bliche M�he einzuschlafen. Ektogene, transgen�� das gab ihm ein komisches Gef�hl. Wei� und Gr�n in ihrer Doppelhelix� Stundenlang warf er sich herum und fragte sich, was das ihn plagende Unbehagen bedeutete und was er f�hlen <emphasis>sollte.</emphasis></p><p>Endlich sank er ersch�pft in Schlaf. Und dann hatte er einen Traum. Vor dieser Nacht hatte er stets von Zygote getr�umt, jetzt aber tr�umte er, in der Luft �ber die Oberfl�che des Mars zu fliegen. Gro�e rote Schluchten durchschnitten das Land, und Vulkane ragten in der N�he zu unvorstellbarer H�he auf. Aber hinter ihm war etwas, das gr��er und schneller war als er, mit Fl�geln, die laut schlugen, als die Kreatur aus der Sonne kam, gro�e Krallen nach ihm ausgestreckt. Er zeigte auf dieses fliegende Wesen, und aus seinen Fingerspitzen sch�ssen Garben von Blitzen, die das Wesen abdrehen lie�en. Es stieg zu einem neuen Angriff auf, als er sich wach r�ttelte. Seine Finger pulsierten, und sein Herz klopfte wie die Wellenmaschine, <emphasis>ka-thunk ka-thunk, ka-thunk.</emphasis></p><p>Gleich am n�chsten Nachmittag erzeugte die Maschine zu gro�e Wellen, wie es Jackie ausdr�ckte. Sie spielten am Strand und dachten, sie h�tten die gro�en Brecher gemessen; aber dann erhob sich eine wirklich gro�e Woge �ber das Eisfiligran, warf Nirgal auf die Knie und ri� ihn mit unwiderstehlichem Sog das Ufer hinunter. Er strampelte und schnappte nach Luft, als er in das schrecklich kalte Wasser fiel, konnte aber nicht entkommen und wurde hinabgezogen. Dann rollte er hart im Ansturm der n�chsten hereinkommenden Welle. Jackie packte ihn am Arm und Haar und zog ihn wieder ans Ufer. Harmakhis half beiden wieder auf die F��e und rief: �Seid ihr okay?� Wenn man na� wurde, galt die Regel, so schnell ins Dorf zu laufen, wie man konnte. Darum machten sich Nirgal und Jackie auf und rannten �ber die D�nen und den Weg zum Dorf. Der Rest der Kinder tr�delte weit hinterher. Der Wind schnitt ins Mark. Sie liefen direkt zum Badehaus, platzten durch die T�ren und streiften mit klammen H�nden ihre Kleider ab. Dabei halfen ihnen Nadia und Sax und Michel, die darin beim Baden gewesen waren.</p><p>Als sie in die seichten Stellen des gro�en kommunalen Bades gescheucht wurden, erinnerte Nirgal sich an seinen Traum und sagte: �Wartet, wartet!�</p><p>Die anderen blieben verwirrt stehen. Er schlo� die Augen und hielt den Atem an. Dann ergriff er Jackies kalten Unterarm. Er sah sich wieder in dem Traum und f�hlte, wie er durch den Himmel schwamm. W�rme von den Fingerspitzen. Die wei�e Welt in der gr�nen.</p><p>Er suchte nach der Stelle in der Mitte, die immer warm war, selbst jetzt, wo er so fror. Sie w�rde immer da sein, so lange er lebte. Er fand sie und trieb sie mit jedem Atemzug durch sein Fleisch nach au�en. Das war hart, aber er f�hlte, wie es funktionierte, die W�rme aus seinen Rippen wie ein Feuer ausstr�mte, seine Arme hinunter, seine Beine hinunter, in seine H�nde und F��e. Seine linke Hand streckte er nach Jackie aus. Er betrachtete ihren nackten K�rper mit der G�nsehaut und konzentrierte sich darauf, die W�rme in sie hinein zu schicken. Er zitterte jetzt leicht, aber nicht von der K�lte.</p><p>�Du bist warm�, rief Jackie.</p><p>�F�hle es!� sagte er zu ihr; und sie lehnte sich einige Momente an seinen Griff. Dann ri� sie sich mit erschrockenem Gesicht los und ging in das Bad hinunter. Nirgal blieb am Rande stehen, bis sein Beben aufh�rte.</p><p>�Wei�t du, wie du das machst?� fragte ihn Sax. Er, Nadia und Michel sahen Nirgal mit einer merkw�rdigen Miene an, der er nicht begegnen wollte.</p><p>Nirgal sch�ttelte den Kopf. Er setzte sich v�llig ersch�pft auf die Betoneinfassung des Bades und steckte die F��e ins Wasser, das sich wie fl�ssiges Feuer anf�hlte. Fisch im Wasser, sich frei schwappend, drau�en in der Luft, das Feuer im Innern, Wei� im Gr�n, Alchemie, hochsteigend mit Adlern� Blitze aus seinen Fingerspitzen!</p><p>Die Leute sahen ihn an. Sogar die Zygoten warfen ihm von der Seite Blicke zu, wenn er lachte oder etwas Ungew�hnliches sagte, und sie dachten, da� er das nicht sehen w�rde. Am einfachsten war es, so zu tun, als ob er es nicht bemerkte. Aber das war schwierig bei den gelegentlichen Besuchern, die direkter waren. �Oh, du bist Nirgal�, sagte eine kleine rothaarige Frau. �Ich habe geh�rt, da� du ein aufgeweckter Junge bist.� Nirgal, der st�ndig an die Grenzen seines Verstehens stie�, err�tete und sch�ttelte den Kopf, w�hrend ihn diese Frau ruhig ansah. Sie bildete sich ein Urteil, l�chelte und sch�ttelte ihm die Hand. �Ich freue mich, dich kennenzulernen.�</p><p>Eines Tages, als sie zu f�nft waren, brachte Jackie ein altes Notizbuch mit zur Schule, an einem Tag, da Maya unterrichtete. Sie ignorierte Mayas scharfen Blick und zeigte es den anderen. �Das ist aus dem Intelligenten Computer meines Gro�vaters. Darin steckt eine Menge von dem, was er gesagt hat. Kasei hat es mir gegeben.� Kasei war dabei, Zygote zu verlassen, um einen der anderen Zufluchtsorte aufzusuchen. Aber nicht jenen, wo Esther lebte.</p><p>Jackie stellte das Ger�t an. �Pauline, spiel uns etwas von dem noch einmal vor, das mein Gro�vater gesagt hat!�</p><p>�Nun, da sind wir�, sagte eine m�nnliche Stimme.</p><p>�Nein, etwas anderes. Wiederhole etwas, das er �ber die verborgene Kolonie gesagt hat!�</p><p>Die m�nnliche Stimme sagte: �Die verborgene Kolonie mu� noch Kontakte zu Siedlungen an der Oberfl�che haben. Es gibt zu viele Dinge, die sie nicht im Versteck herstellen k�nnen. Ich denke zum Beispiel an Reaktorbrennst�be. Die werden sehr gut kontrolliert; und es k�nnte sein, da� Aufzeichnungen uns verraten, wohin sie verschwunden sind.�</p><p>Die Stimme hielt an. Maya wies Jackie an, das Ger�t weg zu tun, und fing mit einer weiteren Geschichtslektion an, worin so kurz und rauh auf russisch �ber das neunzehnte Jahrhundert gesprochen wurde, da� ihre Stimme zitterte. Und dann weiter Algebra. Maya legte gro�en Wert darauf, da� sie sehr gut ihre Mathematik lernten. Mit finsterem Kopfsch�tteln pflegte sie zu sagen: �Ihr bekommt eine f�rchterliche Erziehung. Aber wenn ihr eure Mathematik lernt, k�nnt ihr sp�ter aufholen.� Dann sah sie sie scharf an und verlangte die n�chste Antwort.</p><p>Nirgal starrte sie an und erinnerte sich daran, als sie seine B�se Hexe gewesen war. Es w�re seltsam, hier zu sein, manchmal so grimmig und manchmal so fr�hlich. Wie bei den meisten Leuten in Zygote konnte er sie ansehen und f�hlen, wie es w�re, wenn er sie w�re. Er konnte es in ihren Gesichtern sehen, genau so wie er die zweite Farbe innerhalb der ersten sehen konnte. Das war eine Begabung, �hnlich seinem �berscharfen Temperaturempfinden. Aber er verstand Maya nicht.</p><p>Im Winter machten sie Beutez�ge auf die Oberfl�che zu dem nahe gelegenen Krater, wo Nadia eine Unterkunft baute, und zu den mit Eis �bers�ten D�nen dahinter. Aber wenn sich die Nebeldecke hob, mu�ten sie unter der Kuppel bleiben oder durften h�chstens bis zur Fenstergalerie gehen. Man durfte sie nicht von oben sehen. Niemand war sicher, ob nicht etwa die Polizei aus dem Weltraum aufpa�te, aber am besten ging man auf Nummer Sicher. So etwa sprachen die Issei. Peter war fort, und seine Reisen hatten ihn zu der Ansicht gebracht, da� die Jagd nach verborgenen Kolonien vorbei sein m��te. Und da� diese Jagd auf jeden Fall aussichtslos w�re. �Es gibt Widerstandssiedlungen, die sich �berhaupt nicht verstecken�, sagte er. �Sie k�nnten nie alle Signale �berpr�fen, die sie auffangen.�</p><p>Aber Sax erwiderte nur: �Algorithmische Suchprogramme sind sehr effektiv.� Und Maya bestand darauf, au�er Sicht zu bleiben und ihre Elektronik zu sichern und alle �bersch�ssige W�rme tief ins Herz der Polkappe zu schicken. Hiroko stimmte mit Maya darin �berein; und so f�gten sich alle. �Mit uns ist es anders�, sagte Maya zu Peter mit gequ�lter Miene.</p><p>Wie Sax ihnen eines Morgens in der Schule sagte, gab es etwa zweihundert Kilometer im Nordwesten ein Mohole. Die Wolke, die sie manchmal in dieser Richtung sahen, war seine Rauchfahne�� an manchen Tagen gro� und ruhig und an anderen in d�nnen Fetzen nach Osten wehend. Als Cojote das n�chste Mal vorbeikam, fragten sie ihn beim Essen, ob er dort gewesen sei; und er bejahte das und sagte, da� der gro�e Schacht des Moholes bis dicht an das Zentrum des Mars reiche und sein Boden nichts als blubbernde fl�ssige feurige Lava sei.</p><p>�Das stimmt nicht�, widersprach Maya. �Die Sch�chte reichen nur zehn oder f�nfzehn Kilometer in die Tiefe, und ihre B�den sind hartes Gestein.�</p><p>�Aber hei�es Gestein�, erkl�rte Hiroko. �Und jetzt sind es, wie ich h�re, zwanzig Kilometer.�</p><p>�Und so arbeiten sie f�r uns�, beklagte sich Maya bei Hiroko. �Meinst du nicht, da� wir auf den Oberfl�chensiedlungen Parasiten sind? Deine Viriditas w�rde es ohne deren Ingenieurkunst nicht weit bringen.�</p><p>�Es wird sich als eine Symbiose erweisen�, erwiderte Hiroko ruhig. Sie starrte Maya an, bis diese aufstand und wegging. Hiroko war in Zygote die einzige, welche Maya mit Blicken fertig machen konnte.</p><p>Hiroko war, wie Nirgal dachte, als er nach diesem Meinungsaustausch seine Mutter ansah, sehr seltsam. Sie redete mit ihm und allen anderen wie auf gleicher Stufe; und tats�chlich waren f�r sie alle wirklich irgendwie gleich, aber keiner war es in spezieller Weise. Er erinnerte sich sehr genau, wie das anders gewesen war, als sie beide wie zwei Teile eines Ganzen gewesen waren. Aber jetzt zeigte sie an ihm nicht mehr Interesse als an jedem andern. Sie verhielt sich unpers�nlich und distanziert. Er glaubte, sie w�rde die gleiche bleiben, ganz gleich, was mit ihm gesch�he. Nadia oder sogar Maya k�mmerten sich mehr um ihn. Und dennoch war Hiroko ihrer aller Mutter. Und Nirgal ging wie die meisten regul�ren Bewohner von Zygote immer noch zu ihrer kleinen Bambush�tte, wenn er etwas brauchte, das er bei gew�hnlichen Leuten nicht finden konnte�� etwas Trost oder Rat�</p><p>Aber recht oft fand er, wenn er das tat, sie und ihre innere Gruppe �in Stille� vor und mu�te aufh�ren zu reden, wenn er bleiben wollte. Manchmal dauerte das tagelang hintereinander, und er kam nicht mehr vorbei. Dann wieder konnte er w�hrend der Areophanie aufkreuzen und von dem ekstatischen Rezitieren der Namen des Mars hingerissen werden als ein integraler Teil dieser engen kleinen Schar, mitten im Herzen der Welt, mit Hiroko an seiner Seite, die ihren Arm um ihn gelegt hatte und ihn fest dr�ckte.</p><p>Das war wirklich Liebe, und er geno� sie. Aber es war nicht so, wie es in den alten Tagen gewesen war, als sie zusammen am Strand gegangen waren.</p><p>Eines Morgens kam er in die Schule und traf in der Garderobe auf Jackie und Harmakhis. Sie sprangen auf, als er eintrat, und bis er seinen Mantel ausgezogen hatte und in das Klassenzimmer gegangen war, hatte er gemerkt, da� sie sich gek��t hatten.</p><p>Nach der Schule ging er um den Teich im blauwei�en Licht eines Sommernachmittags und sah zu, wie die Wellenmaschine sich hob und senkte wie die beklemmenden Gef�hle in seiner Brust. Schmerz durchzog ihn wie die �ber das Wasser laufenden Schwellungen des Wassers. Er konnte sich nicht dagegen wehren, obwohl es l�cherlich war und er das wu�te. In diesen Tagen kam es zu vielen Ku�szenen im Bad, wenn sie planschten und sich zogen und stie�en und kitzelten. Die M�dchen k��ten sich gegenseitig und nannten das ein ��bungsk�ssen�, das nicht z�hlte. Und manchmal wandten sie sich mit diesen �bungen auch an die Jungen. Nirgal war oft von Rachel gek��t worden und auch von Emily, Tiu und Nanedi; und einmal hatten diese beiden ihn festgehalten und seine Ohren gek��t in einem Versuch, ihn durch eine Erektion im �ffentlichen Bad in Verlegenheit zu bringen. Und einmal hatte Jackie sie von ihm weggezogen und ihn in den Unterleib gesto�en und beim Ringen in die Schulter gebissen. Und das waren nur die bemerkenswertesten von Hunderten glitschiger, feuchtwarmer, nackter Kontakte, die das Baden zu einem solchen H�hepunkt des Tages machten.</p><p>Aber au�erhalb des Bades waren sie, als ob sie sich bem�hten, solch fl�chtige Kr�fte im Zaum zu halten, �u�erst formell zueinander. Die Jungen und M�dchen hatten Rotten gebildet, die meistens getrennt spielten. Also stellte das K�ssen in der Garderobe etwas Neues und Ernsthaftes dar. Und der Ausdruck, den Nirgal auf den Gesichtern von Jackie und Harmakhis gesehen hatte, war so �berlegen, als ob sie etwas w��ten, das er nicht kannte. Und so war es auch. Und dies war es, was ihn verletzte, diese Absonderung und dies Wissen. Zumal er ja keineswegs so unwissend war. Er war sich ziemlich sicher, da� sie beieinander lagen und sich gegenseitig einen runterholten. Sie waren ein Liebespaar. Das verriet ihr Blick. Seine lachende sch�ne Jackie war nicht mehr die Seine. Und war es eigentlich auch nie gewesen.</p><p>In den folgenden N�chten schlief er schlecht. Jackies Zimmer war in dem Bambusstamm neben dem seinen, und das von Harmakhis lag in der entgegengesetzten Richtung zwei weiter; und jedes Knarren der H�ngebr�cken klang wie Schritte; und bisweilen leuchtete ihr gebogenes Fenster in flackerndem orangefarbenem Licht. Anstatt in seinem Zimmer zu bleiben und sich zu qu�len, blieb er nun jede Nacht in den Gemeinschaftsr�umen lange auf und las und belauschte die Erwachsenen.</p><p>Dort h�rte er auch, als sie anfingen, �ber Simons Krankheit zu sprechen. Simon war Peters Vater, ein ruhiger Mann, der gew�hnlich fort war, auf Expeditionen mit Peters Mutter. Es schien, da� er etwas hatte, das man resistente Leuk�mie nannte. Vlad und Ursula bemerkten, da� Nirgal lauschte, und suchten ihn zu beruhigen; aber Nirgal merkte, da� sie ihm nicht alles sagten. Sp�ter stieg er in sein hoch gelegenes Zimmer, ging zu Bett und stellte sein Notizger�t an. Er sah nach unter �Leuk�mie� und las die Zuammenfassung am Anfang des Artikels. Eine potentiell t�dliche Krankheit, die jetzt gew�hnlich behandelt werden konnte. Potentiell t�dliche Krankheit�� eine ersch�tternde Vorstellung. Er w�lzte sich in dieser Nacht unruhig herum, geplagt von Tr�umen bis in die graue D�mmerung, wo die V�gel anfangen zu piepsen. Pflanzen starben, Tiere starben, aber nicht Menschen. Aber sie waren doch Tiere.</p><p>Am n�chsten Abend blieb er wieder mit den Erwachsenen auf. Er f�hlte sich ersch�pft und seltsam. Vlad und Ursula setzten sich neben ihm auf den Boden. Sie sagten, da� man Simon durch eine Knochenmarktransplantation helfen w�rde und da� Simon und Nirgal eine seltene Blutgruppe h�tten. Weder Ann noch Peter hatten sie, noch sonst irgend jemand von Nirgals Br�dern, Schwestern oder Halbgeschwistern. Er hatte sie durch seinen Vater bekommen; aber eigentlich hatte sein Vater sie auch nicht. Nur er und Simon in allen Refugien. Es gab in allen Zufluchtst�tten insgesamt nur f�nftausend Personen; und die Blutgruppe von Simon und Nirgal war eine in einer Million. Sie fragten, ob er etwas von seinem Knochenmark spenden w�rde.</p><p>Hiroko war im Gemeinschaftsraum und beobachtete ihn. Sie verbrachte selten Abende im Dorf, und er brauchte sie nicht anzuschauen, um zu wissen, was sie dachte. Sie waren dazu da, um zu geben, hatte sie immer gesagt, und dies w�rde die h�chste Gabe sein. Ein Akt reiner Viriditas. �Nat�rlich�, sagte er und freute sich �ber die Gelegenheit.</p><p>Das Krankenhaus war dicht bei dem Bad und der Schule. Es war kleiner als die Schule und hatte f�nf Betten. Sie legten Simon in eines und Nirgal in ein anderes.</p><p>Der alte Mann l�chelte ihm zu. Er sah nicht krank aus, sondern nur alt. So wie ja auch die �brigen alten Leute. Er hatte selten viel gesprochen und sagte jetzt blo�: �Danke, Nirgal!�</p><p>Nirgal nickte. Dann fuhr Simon zu seiner �berraschung fort: �Ich sch�tze sehr, da� du dies tust. Die Entnahme wird eine oder zwei Wochen danach schmerzen, direkt im Knochen. Es ist schon ein Ding, das f�r einen anderen zu tun.�</p><p>�Aber nicht, wenn der es wirklich n�tig hat�, sagte Nirgal.</p><p>�Nun, es ist ein Geschenk, das ich nat�rlich versuchen werde zur�ckzuzahlen.�</p><p>Vlad und Ursula bet�ubten Nirgals Arm mit einer Spritze. �Es ist nicht wirklich n�tig, jetzt beide Operationen zu machen, aber es ist eine gute Idee, euch beide daf�r beisammen zu haben. Es wird der Heilung helfen, wenn ihr Freunde seid.�</p><p>Also wurden sie Freunde. Nach der Schule ging Nirgal zum Krankenhaus, und Simon trat langsam aus der T�r. Sie gingen dann auf dem Weg �ber die D�nen zum Strand. Dort sahen sie zu, wie die Wellen die wei�e Fl�che kr�uselten und dann am Ufer aufstiegen und schrumpften. Simon war viel weniger gespr�chig als jeder, mit dem Nirgal bisher die Zeit verbracht hatte. Es war, als ob man mit Hirokos Gruppe schwiege. Aber es endete nie. Das war Nirgal zuerst unbehaglich. Aber nach einer Weile fand er, da� es ihm Zeit lie�, die Dinge wirklich zu betrachten. Die unter der Kuppel kreisenden M�wen, die Blasen der Sandkrabben im Sand, die Kreise, die im Sand jeden B�schel D�nengras umgaben. Peter war jetzt wieder oft in Zygote und kam an vielen Tagen mit ihnen. Gelegentlich unterbrach sogar Ann ihre st�ndigen Reisen, besuchte Zygote und kam mit ihnen zusammen. Peter und Nirgal rannten umher und spielten Fangen oder Verstecken und Suchen, w�hrend Ann und Simon Arm in Arm �ber den Strand spazierten.</p><p>Aber Simon war noch schwach und wurde immer schw�cher. Es war schwer, darin kein moralisches Versagen zu sehen. Nirgal war nie krank gewesen und fand diesen Gedanken widerlich. Es konnte nur den Alten passieren. Und selbst von denen konnte man erwarten, da� sie durch geriatrische Behandlung gerettet werden k�nnten, wie sie ein jeder im Alter erhielt, so da� er niemals starb. Nur Pflanzen und Tiere starben. Aber Menschen waren auch Tiere. Sie hatten aber die Behandlung erfunden. Eines Abends, als er sich �ber diese Widerspr�che wunderte, las Nirgal den ganzen Beitrag seines Nachschlagewerks �ber Leuk�mie, obwohl er so lang war wie ein Buch. Blutkrebs. Wei�e Zellen vermehrten sich aus dem Knochenmark, �berschwemmten den Organismus und griffen gesunde Systeme an. Man gab Simon Chemikalien und Bestrahlung und Pseudoviren, um die wei�en Blutzellen zu t�ten, und versuchte, das kranke Mark in ihm durch das frische Mark von Nirgal zu ersetzen. Sie hatten ihm jetzt auch schon dreimal die Altersbehandlung gegeben. Auch dar�ber las Nirgal etwas nach. Das war ein Verfahren, bei dem man genetische Fehler suchte, gebrochene Chromosomen fand und reparierte, so da� Zellteilungsfehler nicht mehr vorkamen. Aber es war schwierig, in Knochen mit Gruppen eingef�hrter Selbstheilungszellen einzudringen, und anscheinend waren in Simons Fall jedesmal kleine Bereiche von krebsbefallenem Mark zur�ckgeblieben. Kinder hatten bessere Genesungsaussichten als Erwachsene, wie der Leuk�mieartikel besagte. Aber mit den Altersbehandlungen und den Knochenmarktransfusionen war es sicher, da� es gutgehen w�rde. Es war einfach eine Sache der Zeit und des Spendens. Die Behandlung kurierte letztlich alles.</p><p>�Wir brauchen einen Bioreaktor�, sagte Ursula zu Vlad. Sie arbeiteten daran, einen Ektogentank in einen solchen umzubauen. Sie f�llten ihn mit schwammigem tierischem Kollagen und impften ihn mit Zellen aus Nirgals Mark in der Hoffnung, eine Anzahl von Lymphozyten, Makrophagen und Granulozyten zu schaffen. Aber das Zirkulationssystem funktionierte nicht richtig. Oder vielleicht war es die Matrix. Sie waren sich nicht sicher. Nirgal blieb ihr lebender Bioreaktor.</p><p>Sax unterrichtete sie in Bodenchemie, wenn er vormittags der Lehrer war. Und er f�hrte sie gelegentlich sogar aus dem Schulzimmer hinaus, damit sie in den Bodenlabors arbeiteten. Er f�gte dem Sand Biomasse zu und fuhr ihn dann mit der Schubkarre zum Gew�chshaus oder zum Strand. Diese Arbeit machte Spa�, ging aber an Nirgal vorbei wie im Schlaf. Er bekam fl�chtig mit, wie Simon drau�en hartn�ckig spazierenging, und verga� dabei alles, was sie machten.</p><p>Trotz den Behandlungen waren Simons Schritte langsam und steif. Er ging krumm und schwang die Beine ziemlich steif nach vorn. Einmal holte Nirgal ihn ein und stand neben ihm auf der letzten D�ne vor dem Ufer. Schnepfen liefen an dem nassen Strand vor und zur�ck, gejagt von wei�en Schaumflocken. Simon deutete auf die Herde schwarzer Schafe, die zwischen D�nen Gras zupften. Sein Arm hob sich wie eine Bambuslatte. Der gefrorene Atem der Schafe str�mte auf das Gras.</p><p>Simon sagte zu Nirgal etwas, das er nicht mitbekam. Seine Lippen waren steif, und manche Worte konnte er nur mit M�he aussprechen. Vielleicht war es dies, was ihn noch stiller machte als zuvor. Jetzt versuchte er es wieder und immer wieder; aber sosehr er sich auch bem�hte, konnte Nirgal nicht raten, was er meinte. Schlie�lich gab Simon es auf und zuckte die Achseln. Danach sahen sie einander nur stumm und hilflos an.</p><p>Wenn Nirgal mit den anderen Kindern spielte, so lie�en sie ihn teilnehmen, hielten aber Distanz, so da� er sich in einer Art von Kreis bewegte. Sax machte ihm leichte Vorw�rfe wegen seiner Geistesabwesenheit in der Klasse. �Konzentriere dich auf den Augenblick!� pflegte er zu sagen und zwang ihn, die Ringe des Stickstoffzyklus aufzusagen oder die H�nde tief in den feuchten schwarzen Boden zu stecken, wenn sie da arbeiteten. Er wies ihn an, ihn zu kneten, die langen Str�nge von Diatomeenflor aufzubrechen und die Pilze, Flechten und Algen und all die unsichtbaren Mikrobakterien, die sie gez�chtet hatten, und sie zwischen die rostigen Klumpen von Sand und Kies zu verteilen.</p><p>�Verteilt sie so gleichm��ig wie m�glich und pa�t auf! Es kommt nur auf dies hier an. Dies hat eine sehr wichtige Eigenschaft. Schaut auf die Strukturen auf dem Schirm des Mikroskops! Das klare Ding hier wie ein Reiskorn ist ein Chemolithotroph, <emphasis>Thiobacillus denitrificans.</emphasis> Und das ist ein Klumpen von Sulfiden. Was wird nun passieren, wenn der erste den zweiten fri�t?�</p><p>�Es oxidiert den Schwefel.�</p><p>�Und?�</p><p>�Und denitrifiziert.�</p><p>�Das ist?�</p><p>�Nitrate werden zu Stickstoff. Aus dem Boden in die Luft.�</p><p>�Sehr gut. Das ist eine sehr n�tzliche Mikrobe.�</p><p>So zwang Sax ihn, auf den Augenblick zu achten, aber der Preis war hoch. Nirgal war mittags ersch�pft, wenn die Schule aus war. Es war schwer, am Nachmittag etwas zu tun. Dann baten sie ihn, noch mehr Mark f�r Simon zu spenden, der stumm und verlegen im Krankenhaus lag und mit den Augen Nirgal um Entschuldigung bat, der sich zwang zu l�cheln und die Finger um Simons bambusartigen Unterarm zu legen. �Es ist alles in Ordnung�, sagte er heiter und legte sich hin. Fast sicher machte Simon etwas falsch. Er war schwach oder schlapp und wollte irgendwie krank sein. Anders konnte man das nicht erkl�ren. Sie steckten Nirgal die Nadel in den Arm, und der wurde taub. Sie stie�en die intraven�se Nadel in seinen Handr�cken, und nach einer Weile wurde auch der taub. Er lag auf dem R�cken als ein Teil der Struktur des Krankenhauses und versuchte sich so taub zu verhalten, wie er konnte. Ein Teil von ihm konnte die gro�e Marknadel sp�ren, die gegen seinen Oberarmknochen stie�. Keine Schmerzen, �berhaupt kein Gef�hl in seinem Fleisch, nur ein Druck auf dem Knochen. Dann lie� es nach; und er wu�te, da� die Nadel in das weiche Innere seines Knochens eingedrungen war.</p><p>Diesmal half der Proze� �berhaupt nicht. Simon war nutzlos und blieb st�ndig im Krankenhaus. Nirgal besuchte ihn dort von Zeit zu Zeit, und sie machten auf Simons Schirm ein Wetterspiel, dr�ckten auf Kn�pfe, um W�rfel rollen zu lassen, und stie�en Rufe aus, wenn der Wurf eins oder zw�lf sie j�h auf einen anderen Quadranten des Mars versetzte, einen mit v�llig neuem Klima. Simons Lachen, das nie mehr als ein Kichern gewesen war, war inzwischen zu einem leichten L�cheln dahingeschwunden.</p><p>Nirgals Arm tat weh, und er schlief schlecht, warf sich nachts hin und her und erwachte hei� und verschwitzt und grundlos erschrocken. Dann weckte Hiroko ihn eines Nachts aus tiefem Schlaf und f�hrte ihn die Wendeltreppe hinunter zum Krankenhaus. Nirgal lehnte sich benommen bei ihr an, nicht imstande, voll wach zu werden. Hiroko war unger�hrt wie immer, hatte aber den Arm um seine Schultern gelegt und hielt ihn mit erstaunlicher Kraft. Als sie an Ann vorbeikamen, die im Vorraum des Hospitals sa�, veranla�te etwas an deren h�ngenden Schultern Nirgal, sich zu fragen, warum Hiroko hier bei Nacht im Dorf war; und er bem�hte sich, von Furcht gepackt, ganz wach zu werden.</p><p>Das Bettenzimmer des Krankenhauses war �berm��ig hell von scharfen Lampen, die flackerten, als ob �berall Glanzlichter hervorbrechen w�rden. Simon lag mit dem Kopf auf einem wei�en Kissen. Seine Haut war bla� und w�chsern. Er sah tausend Jahre alt aus.</p><p>Er wandte den Kopf und sah Nirgal. Seine dunklen Augen suchten sein Gesicht mit einem hungrigen Blick, als ob er einen Weg in sein Inneres zu finden suchte�� einen Weg, zu ihm hin�berzuspringen. Nirgal schauerte es, und er parierte den starren dunklen Blick und dachte: Okay. Komm in mich herein! Tu, was du willst! Mach nur!</p><p>Aber es gab keinen Weg hin�ber. Das erkannten beide und entspannten sich. �ber Simons Gesicht huschte ein leichtes L�cheln, und er langte mit M�he hin und fa�te Nirgals Hand. Jetzt ruckten seine Augen hin und her. Sie suchten Nirgals Gesicht mit einer v�llig anderen Miene, als ob er nach Worten suchte, die Nirgal in den kommenden Jahren helfen w�rden, wenn sich etwas ereignen w�rde, das Simon erfahren hatte.</p><p>Aber auch das war unm�glich. Wieder sahen beide das ein. Simon w�rde Nirgal seinem Schicksal �berlassen m�ssen, wie es auch sein m�ge. Da konnte man nicht helfen. �Sei gut!� fl�sterte er endlich; und Hiroko f�hrte Nirgal aus dem Zimmer. Sie brachte ihn durch die Dunkelheit wieder in seinen Raum hinauf; und er sank in tiefen Schlaf.</p><p>Simon starb irgendwann in der Nacht.</p><p>Es war das erste Begr�bnis in Zygote und f�r alle Kinder �berhaupt das erste. Aber die Erwachsenen wu�ten, was zu tun war. Sie kamen in einem Gew�chshaus zusammen und setzten sich zwischen den Arbeitsb�nken im Kreis um den gro�en Kasten, der Simons K�rper enthielt. Sie reichten eine Flasche Reisschnaps herum, und jeder schenkte seinem Nachbarn ein. Sie tranken das feurige Zeug aus. Dann fa�ten sich die Alten bei den H�nden um den Sarg und setzten sich dicht gedr�ngt um Ann und Peter wieder hin. Maya sa� bei Ann und hatte die Arme um ihre Schultern gelegt. Ann wirkte betroffen und Peter untr�stlich. J�rgen und Maya erz�hlten Geschichten �ber Simons legend�re Schweigsamkeit. �Einmal�, sagte Maya, �waren wir in einem Rover, und da platzte ein Sauerstoffkanister und schlug ein Loch ins Kabinendach. Wir rannten alle schreiend herum. Simon, der drau�en gewesen war, nahm einen Stein von genau der richtigen Gr��e, sprang hoch und pre�te ihn in das Loch, wo er ihn feststopfte. Danach redeten wir alle wie verr�ckt durcheinander und arbeiteten an einem richtigen Stopfen. Da merkten wir pl�tzlich, da� Simon immer noch keinen Ton gesagt hatte. Wir h�rten alle mit der Arbeit auf und sahen ihn an. �Das war knapp�, sagte er.�</p><p>Sie lachten. Vlad sagte: �Oder denkt an die Zeit, da wir in Underhill Ulkpreise ausgaben und Simon einen f�r das beste Video bekam. Er ging hin, um ihn entgegenzunehmen, sagte �Danke!� und machte sich daran, wieder zu seinem Platz zu gehen. Aber dann blieb er stehen, als ob ihm noch etwas eingefallen w�re, das er sagen wollte. So ging er wieder zum Podium, was nat�rlich unsere Aufmerksamkeit weckte. Er r�usperte sich und sagte: �Vielen Dank!��</p><p>Ann lachte beinahe dar�ber, stand dann auf und f�hrte sie in die frische Luft hinaus. Die Alten trugen die Kiste zum Strand hinunter, und alle anderen folgten ihnen. Es war bew�lkt und schneite, als sie seine Leiche herausnahmen und tief im Sand vergruben, knapp �ber der Hochwassermarke. Dann nahmen sie den langen Sargdeckel und brannten mit Nadias L�tkolben seinen Namen hinein. Dann steckten sie das Brett in die erste D�ne. Jetzt w�rde Simon ein Teil des Kohlenstoffzyklus sein als Nahrung f�r Bakterien und Krabben und dann Schnepfen und M�wen und damit in die Biomasse unter der Kuppel eingehen. So war es, wenn jemand beerdigt wurde. Und das war gewi� auch etwas tr�stlich: sich in seiner Welt ausbreiten und sich in ihr zu verteilen. Aber als Pers�nlichkeit zu enden und wegzugehen��</p><p>Nachdem sie Simon im Sand begraben hatten, gingen sie alle unter der tr�ben Kuppel dahin und versuchten so zu tun, als ob die Realit�t nicht j�h zerrissen w�re und einen der ihren weggerissen h�tte. Nirgal konnte es nicht glauben. Sie marschierten ins Dorf zur�ck, pusteten auf ihre kalten H�nde und redeten mit ged�mpfter Stimme. Nirgal n�herte sich Vlad und Ursula in der Hoffnung auf etwas Trost. Ursula war traurig, und Vlad bestrebt, sie aufzuheitern. �Er hat mehr als hundert Jahre gelebt. Wir k�nnen seinen Tod nicht f�r verfr�ht halten. Sonst w�re das eine Kr�nkung f�r alle jene armen Leute, die mit f�nfzig, zwanzig oder einem Jahr gestorben sind.�</p><p>�Aber es war doch vorzeitig�, sagte Ursula hartn�ckig. �Bei den Behandlungen�� wer wei�? Er h�tte tausend Jahre leben k�nnen.�</p><p>�Ich bin mir da nicht so sicher. Mir scheint, da� die Behandlungen nicht ganz zu jedem Teil unserer K�rper vordringen. Und bei all der Strahlung, die wir aufgenommen haben, k�nnten wir mehr Schwierigkeiten haben, als wir zuerst dachten.�</p><p>�Vielleicht. Aber wenn wir in Acheron gewesen w�ren mit dem ganzen Team, einem Bioreaktor und s�mtlichen Hilfsmitteln, so wette ich, da� wir ihn h�tten retten k�nnen. Und man kann auch nicht sagen, wie viele Lebensjahre er noch h�tte haben k�nnen. Das nenne ich vorzeitig.�</p><p>Ann ging fort, um allein zu sein.</p><p>In dieser Nacht konnte Nirgal �berhaupt nicht schlafen. Er f�hlte st�ndig noch die Transfusion, sah jeden Moment davon und stellte sich vor, da� es in dem K�rper eine Nachwirkung gegeben haben k�nnte, so da� er mit der Krankheit infiziert worden w�re. Oder nur durch Ber�hrung kontaminiert, warum nicht? Oder blo� durch den letzten Ausdruck in Simons Augen! So da� er die Krankheit erwischt hatte, die sie nicht aufhalten konnten, und er sterben w�rde. Steif werden, verstummen, anhalten und fortgehen. Das war Tod. Sein Herz pochte, und Schwei� drang ihm aus der Haut. Er schrie vor Angst. Man konnte ihm nicht entkommen, und es war schrecklich. Schrecklich, ganz gleich, wann es geschah. Schrecklich, da� der Zyklus einen solchen Verlauf nahm; da� er immer wieder seine Runden machte, w�hrend sie nur einmal lebten und f�r immer starben. Warum �berhaupt leben? Es war zu fremdartig und zu schrecklich. Und so bebte er w�hrend der ganzen Nacht. Sein Geist drehte sich wie ein Zyklon in Todesangst.</p><p>Danach fand er es �u�erst schwer, sich zu konzentrieren. Er hatte ein Gef�hl, als ob er von den Dingen distanziert w�re, als ob er aus der wei�en Welt hinausgeschl�pft w�re und die gr�ne nicht ber�hren k�nnte.</p><p>Hiroko erkannte dieses Problem und schlug ihm vor, Cojote auf einer seiner Fahrten nach drau�en zu begleiten. Nirgal war von dieser Idee entsetzt, da er nie weiter als einen Spaziergang von Zygote entfernt gewesen war. Aber Hiroko beharrte darauf. Sie sagte, er w�re jetzt sieben Jahre alt und dabei, ein Mann zu werden. Es sei an der Zeit, etwas von der Oberfl�chenwelt zu sehen.</p><p>Ein paar Wochen sp�ter kam Cojote vorbei. Und als er wieder wegfuhr, war Nirgal bei ihm. Er sa� auf dem Copilotenplatz in dem Felsenwagen und starrte durch die niedrige Windschutzscheibe auf den Purpurbogen des Abendhimmels. Cojote fuhr eine Runde, um ihm einen Blick auf die gro�e leuchtende r�tliche Wand der Polkappe zu geben, die den Horizont wie ein riesiger aufgehender Mond �berw�lbte.</p><p>�Es ist schwer zu glauben, da� etwas so Gro�es jemals schmelzen k�nnte�, sagte Nirgal.</p><p>�Es wird eine Weile dauern.�</p><p>Sie fuhren in m��igem Tempo nach Norden. Der Felsenwagen war getarnt und mit einer ausgeh�hlten Steinplatte bedeckt, die thermisch so reguliert war, da� sie die gleiche Temperatur wie die Umgebung behielt; und an der Vorderachse war ein Bodensensor, der das Terrain pr�fte und die Information an die Hinterachse weitergab, wo Kratz- und Formger�te ihre Radspuren tilgten und Sand und Steine in den Zustand vor ihrer Passage versetzten. Darum konnten sie nicht so schnell fahren.</p><p>Sie fuhren l�ngere Zeit schweigend, obwohl Cojotes Schweigen anders war, als das von Simon gewesen war. Er summte und murmelte vor sich hin, redete mit leiser Singstimme zu seinem Computer in einer Sprache, die wie Englisch klang, aber v�llig unverst�ndlich war. Nirgal versuchte, sich auf die beschr�nkte Sicht durch das Fenster zu konzentrieren, und f�hlte sich unbehaglich und sch�chtern. Die Gegend um die S�dpolkappe war eine Reihe breiter, flacher Terrassen; und sie fuhren von einer zur anderen hinab auf Routen, die dem Wagen einprogrammiert zu sein schienen. Eine Terrasse folgte der anderen, bis es schien, als ob die Polkappe auf einem hohen Piedestal ruhte. Nirgal starrte ins Dunkel, beeindruckt durch die Gr��e der Dinge, aber froh, da� es nicht so absolut �berw�ltigend war wie bei seinem ersten Gang nach drau�en. Das war schon lange her; aber er konnte sich noch immer genau an das umwerfende Erstaunen erinnern.</p><p>Dies hier war nicht so. �Es scheint nicht so gro� zu sein, wie ich erwartet hatte�, sagte er. �Ich nehme an, das liegt an der Kr�mmung des Landes. Es ist ein so kleiner Planet, und �berhaupt� �</p><p>Wie das Leseger�t sagte: �Der Horizont ist nicht weiter entfernt als eine Seite Zygotes von der anderen.�</p><p>�Oho!� sagte Cojote und warf ihm einen Blick zu. �La� lieber nicht den Gro�en Mann so etwas h�ren! Er w�rde dir daf�r einen Tritt in den Hintern geben.� Und dann: �Wer ist dein Vater, Junge?�</p><p>�Ich wei� es nicht. Hiroko ist meine Mutter.�</p><p>�Hiroko treibt das Matriarchat zu weit, wenn du mich fragst�, knurrte Cojote.</p><p>�Hast du ihr das gesagt?�</p><p>�Darauf kannst du dich verlassen. Aber Hiroko h�rt mir nur zu, wenn ich Dinge sage, die ihr genehm sind.� Er kicherte. �So geht es jedem, nicht wahr?�</p><p>Nirgal nickte, und ein Grinsen beendete seinen Versuch gleichg�ltig zu sein.</p><p>�Willst du herausfinden, wer dein Vater ist?�</p><p>�Sicher.� Eigentlich war er sich nicht sicher. Der Begriff �Vater� bedeutete ihm wenig; und er f�rchtete, es k�nnte sich herausstellen, da� es Simon w�re. Peter war ihm schlie�lich wie ein �lterer Bruder.</p><p>�In Vishniac haben sie die Ger�te daf�r. Wir k�nnen es versuchen, wenn du m�chtest.� Cojote sch�ttelte den Kopf. �Hiroko ist eigenartig. Als ich sie kennenlernte, h�ttest du nie erwartet, da� es so weit kommen w�rde. Nat�rlich waren wir damals jung�� fast so jung, wie du jetzt bist, obwohl du dir das wohl schwer vorstellen kannst.�</p><p>Was auch stimmte.</p><p>�Als ich sie kennenlernte, war sie gerade eine junge Studentin der �ko-Ingenieurwissenschaften, so geschmeidig wie eine Gerte und scharf wie eine Katze. Nichts von dem Zeug von Mutterg�ttin der Welt. Aber allm�hlich fing sie an, B�cher zu lesen, die nicht ihre technischen Lehrtexte waren; und das ging immer weiter, und als sie zum Mars kam, war sie schon verr�ckt. Sogar schon davor. Das war f�r mich ein Gl�cksfall, denn darum bin ich hier. Aber Hiroko�� oje! Sie war �berzeugt, da� die ganze menschliche Geschichte von Anfang an schiefgelaufen w�re. In der Morgenr�te der Zivilisation gab es, wie sie mir ganz ernsthaft sagte, nur Kreta und Sumer. Und Kreta besa� eine friedliche Handelskultur, die von Frauen betrieben wurde und voller Kunst und Sch�nheit war�� wirklich eine Utopie, wo die M�nner Akrobaten waren, die den ganzen Tag auf den Stieren turnten und nachts auf den Frauen. Sie schw�ngerten die Frauen und verehrten sie, und alle waren gl�cklich. Das hei�t mit Ausnahme der Stiere. Indessen wurde Sumer andererseits von M�nnern regiert, die den Krieg erfanden, alles eroberten, was in Sicht war, und alle die Sklavenreiche gr�ndeten, die danach gekommen sind. Und niemand wu�te, wie Hiroko sagte, was geschehen w�re, wenn die beiden Reiche eine Gelegenheit gehabt h�tten, um die Weltherrschaft zu ringen; denn ein Vulkan zerst�rte das aufkommende K�nigreich Kretas, und die Welt ging in die H�ndfe Sumers �ber und ist dort bis auf den heutigen Tag geblieben. Wenn dieser Vulkan nur in Sumer gewesen w�re, pflegte sie mir zu erz�hlen, dann w�re alles anders gekommen. Und vielleicht ist das wahr. Denn die Geschichte konnte kaum finsterer verlaufen, als es geschah.�</p><p>Nirgal war durch diese Darstellung �berrascht und wandte ein: �Aber jetzt machen wir einen Neuanfang.�</p><p>�Das ist richtig, Junge! Wir sind die Primitiven einer unbekannten Zivilisation. Wir leben in unserer eigenen techno-minoischen Matriarchie. Ha! Ich pers�nlich finde das prima. Mir scheint bereits, da� die Macht, die unsere Frauen �bernommen haben, nie so interessant gewesen ist. Macht ist nur die H�lfte des Jochs. Erinnerst du dich daran aus dem Zeug, das ich euch Kinder habe lesen lassen? Herr und Sklave tragen das Joch gemeinsam. Anarchie ist die einzige wahre Freiheit. Aber was auch immer die Frauen tun, scheint sich gegen sie zu richten. Wenn sie K�he der M�nner sind, arbeiten sie bis zum Umfallen. Wenn sie aber unsere K�niginnen und G�ttinnen sind, dann arbeiten sie nur um so h�rter, weil sie immer noch die Arbeit der K�he verrichten m�ssen und dann auch noch den Papierkram. Da gibt es keinen anderen Weg. Sei nur dankbar, da� du ein Mann bist und so frei wie der Himmel!�</p><p>Es war Ls 4, 22. Zweitm�rz im Marsjahr 32, und die Tage im S�den wurden k�rzer. Cojote fuhr die ganze Nacht angestrengt dahin, �ber schwierige und unsichtbare Wege durch ein Gel�nde, das immer rauher wurde, je weiter sie sich von der Polkappe entfernten. Sie hielten an, um bei Tag zu ruhen, und fuhren die ganze �brige Zeit. Nirgal bem�hte sich, wach zu bleiben, verschlief aber unweigerlich jedesmal einen Teil der Fahrt und auch noch einen Teil des Aufenthaltes am Tage, bis er mit Zeit und Raum v�llig durcheinander war.</p><p>Aber wenn er wach war, schaute er fast immer aus dem Fenster auf die sich st�ndig ver�ndernde Oberfl�che des Mars. Er konnte nicht genug davon bekommen. In dem geschichteten Terrain gab es unendliche Strukturen. Die abgeflachten Sandh�gel wurden vom Wind verweht, bis jede D�ne wie ein Vogelf�gel eingeschnitten war. Wenn das Gel�nde schlie�lich auf freies Urgestein auslief, wurden die geschichteten D�nen zu einzelnen Sandinseln, verstreut �ber ein wirres Gebiet von freiliegendem Regolith und Steinhaufen. Wohin er auch blickte, gab es rotes Gestein in der Gr��e von Kieseln bis zu immensen Felsbl�cken, die wie Geb�ude auf dem Sand standen. Die Sandinseln waren in dieser steinigen Gegend in jede Senke und H�hlung geduckt und dr�ngten sich auch um die F��e gro�er Bl�cke und an die Leeseiten niedriger Grate und in das Innere von Kratern.</p><p>Und Krater gab es �berall. Sie erschienen erst wie zwei Buckel am Horizont, die sich schnell als zusammenh�ngende Punkte einer niedrigen Leiste herausstellen. Sie kamen an Dutzenden dieser H�gel mit flachem Gipfel vorbei�� manche steil und scharf, andere niedrig und fast begraben, noch andere mit R�ndern, die durch kleinere sp�tere Einst�rze zerbrochen waren, so da� man direkt den Flugsand sehen konnte, der sie ausf�llte.</p><p>Eines Nachts kurz vor dem Morgengrauen hielt Cojote an.</p><p>�Fehlt etwas?�</p><p>�Nein. Wir haben Ray�s Lookout erreicht, und ich m�chte, da� du ihn siehst. In einer Stunde wird die Sonne da sein.�</p><p>So sa�en sie in den Fahrersesseln und erwarteten die D�mmerung.</p><p>�Junge, wie alt bist du?�</p><p>�Sieben.�</p><p>�Was hei�t das? Dreizehn Erdenjahre? Vierzehn?�</p><p>�So nehme ich an.�</p><p>�Oho! Du bist schon gr��er als ich.�</p><p>�Na und?� Nirgal verzichtete darauf hinzuweisen, da� das keine besondere Gr��e bedeutete. �Und wie alt bist du?�</p><p>�Einhundertundneun. Ah ah ha! Mach lieber die Augen zu, sonst fallen sie dir aus dem Kopf! Sieh mich nicht so an! Ich war alt am Tage meiner Geburt und werde jung sein, wenn ich sterbe.�</p><p>Sie d�sten dahin, w�hrend der Himmel am �stlichen Horizont allm�hlich eine tief purpurblaue Farbe annahm. Cojote summte ein Liedchen vor sich hin, als ob er eine Tablette Omegendorph eingenommen h�tte, wie er es oft abends in Zygote tat. Allm�hlich wurde klar, da� der Horizont weit entfernt war und sich um sie zu runden schien, eine schwarze krumme Wand, die unendlich weit entfernt war auf einer schwarzen steinigen Ebene. �He, Cojote!� rief Nirgal. �Was ist das?�</p><p>�Ha!� sagte Cojote, und er klang tief befriedigt.</p><empty-line/><p>Der Himmel wurde hell, und die Sonne brach pl�tzlich �ber die Oberkante der fernen Wand und blendete Nirgal f�r einige Zeit. Aber als die Sonne h�her stieg, wichen die Schatten auf der riesigen halbkreisf�rmigen Klippe Keilen von Licht, die scharf gezackte Einschnitte zeigten, welche die gro�e Kr�mmung der Wand �berzogen, die so gro� war, da� Nirgal nach Luft schnappte, die Nase dicht an die Windschutzscheibe gepre�t. Es war fast erschreckend, so gro�! �Cojote, was ist das?�</p><p>Cojote stie� eines seiner alarmierenden Gel�chter aus. Das animalische Gackern erf�llte den Wagen. �Du siehst, Junge, die Welt ist doch nicht so klein. Dies ist der Boden des Prometheus-Beckens. Das ist ein Ein-Sturzbecken, eines der gr��ten auf dem Mars, fast so gro� wie Argyre. Aber es ist nahe dem S�dpol aufgetroffen, so da� etwa die H�lfte seines Randes inzwischen unter der Polkappe und dem terrassierten Gel�nde begraben wurde. Die andere H�lfte ist diese gekr�mmte B�schung hier.� Er machte eine weite Handbewegung. �Eine Art von �bergro�er Caldera, aber hier nur halb, so da� man direkt hineinfahren kann. Diese kleine Anh�he ist der beste Platz, um sie zu sehen, den ich kenne.� Er rief eine Karte der Gegend auf und zeigte: �Wir befinden uns auf dem Ausl�ufer dieses kleinen Kraters hier, Vt, und blicken nach Nordwesten. Die Klippe dort sind die Promethei Rupes. Sie ist ungef�hr ein Kilometer hoch. Nat�rlich ist die Echusklippe drei Kilometer hoch, und die vom Olympus Mons ist sechs Kilometer hoch. H�rst du das, Mister Kleinplanet?�</p><p>Die Sonne stieg noch h�her und beleuchtete die gro�e Kurve der Klippe von oben. Die war tief zerschnitten durch Schluchten und kleinere Krater. Cojote sagte: �Das Prometheus-Versteck befindet sich in der Seite jenes gro�en Einschnittes.� Er wies auf die linke Seite der Kurve. �Krater Wj.�</p><p>W�hrend sie den ganzen langen Tag �ber warteten, schaute Nirgal fast st�ndig auf die gigantische Klippe. Die sah jedesmal anders aus, wenn die Schatten k�rzer wurden und wanderten, neue Merkmale zeigten und andere verdunkelten. Es h�tte Jahre erfordert, alles anzusehen; und er konnte sich nicht des Gef�hls erwehren, da� die Wand unnat�rlich oder sogar unm�glich hoch war. Cojote hatte recht�� die engen Horizonte hatten ihn genarrt. Er hatte sich nicht vorgestellt, da� die Welt <emphasis>so gro�</emphasis> sein k�nnte.</p><p>In der Nacht fuhren sie in den Krater Wj, eine der gr��ten B�schungen in der riesigen Wand. Und dann erreichten sie die gekr�mmte Klippe von Promethei Rupes. Sie ragte �ber ihnen auf wie die vertikale Seite des Universums selbst. Die Polkappe war nichts im Vergleich mit dieser Felsenmasse. Das bedeutete, die Klippe von Olympus Mons m��te� Er wu�te nicht, wie er sich das vorstellen konnte.</p><p>Unten am Fu� der Klippe, an einer Stelle, wo ungebrochener Fels fast senkrecht in flachen Sand abfiel, befand sich in einer Nische eine Schleusent�r. Drinnen war die Zufluchtsst�tte namens Prometheus, eine Anzahl weiter R�ume, die wie die Zimmer eines Bambushauses �bereinander lagen mit gebogenen Fenstern mit Filtern, die auf den Krater Wj und das gro�e Becken dahinter schauten. Die Bewohner des Asyls sprachen Franz�sisch, und Cojote auch, wenn er sich mit ihnen unterhielt. Sie waren nicht so alt wie Cojote und die anderen Issei, aber doch ziemlich betagt und von irdischer Gr��e, was bedeutete, da� sie zu Nirgal meistens aufschauen mu�ten, w�hrend sie in flie�endem, aber nicht akzentfreiem Englisch freundlich mit ihm redeten. �Du bist also Nirgal! <emphasis>Enchante!</emphasis> Wir haben von dir geh�rt und freuen uns, dich kennenzulernen.�</p><p>Eine Gruppe von ihnen f�hrte ihn herum, w�hrend Cojote andere Dinge erledigte. Ihr Asyl war ganz anders als Zygote. Es bestand, kurz gesagt, nur aus Zimmern. Es gab einige gro�e, die sich an der Wand auft�rmten, und kleine dahinter. Drei Fenster waren Gew�chsh�user, und alle R�ume im ganzen Quartier wurden sehr warm gehalten und waren voller Pflanzen, Wandbeh�ngen, Plastiken und Springbrunnen. Darum fand Nirgal es eingeschr�nkt, viel zu hei�, aber h�chst faszinierend.</p><p>Aber sie verweilten nur einen Tag und fuhren dann mit Cojotes Wagen in einen gro�en Aufzug, in dem sie eine Stunde lang sa�en. Als Cojote aus der gegen�berliegenden T�r fuhr, waren sie auf der H�he des unebenen Plateaus, hinter Promethei Rupes. Und hier bekam Nirgal einen neuen Schock. Als sie unten bei Ray�s Lookout gewesen waren, hatte die gro�e Klippe eine Grenze gebildet f�r das, was sie sehen konnten, und er war imstande gewesen, das zu verstehen. Aber oben auf der Klippe waren, wenn man zur�ckblickte, die Distanzen so gro�, da� Nirgal nicht erfassen konnte, was er sah. Es war nur eine unscharfe, schwindelerregende Masse von Buckeln und Farbflecken�� wei�, braun, rostrot und wieder wei�. Das war ihm unangenehm.</p><p>Cojote sagte: �Ein Sturm zieht auf�, und Nirgal erkannte pl�tzlich, da� die Farben �ber ihnen eine Flotte hoher fester Wolken waren, die �ber einen violetten Himmel fuhren mit der Sonne im Westen. Die Wolken waren oben wei�lich und ganz wie Lappen, aber unten dunkelgrau. Diese Wolkenunterseiten waren ihren K�pfen n�her als der Boden des Beckens, und sie waren flach ausgerichtet, als ob sie auf einem transparenten Boden glitten. Die Welt da unten war keineswegs so gleichm��ig, sondern br�unlich gefleckt. Ah, das waren die Schatten der Wolken, die sich sichtlich bewegten. Und die wei�e Sichel da drau�en in der Mitte war die Polkappe! Sie konnten die ganze Strecke bis nach Hause sehen. Da� er das Eis erkannte, gab ihm das letzte bi�chen an Perspektive, die er brauchte, um die Dinge zu verstehen. Und die Farbflecken stabilisierten sich zu einer buckligen, unebenen Ringlandschaft, die von ziehenden Wolkenschatten gefleckt <emphasis>war.</emphasis></p><p>F�r diese verwirrende Erkenntnis hatte Nirgal nur wenige Sekunden gebraucht, aber als er damit fertig war, sah er, da� Cojote ihn mit einem breiten Grinsen beobachtete.</p><p>�Wie weit k�nnen wir sehen, Cojote? Wie viele Kilometer?�</p><p>Cojote kicherte nur. �Junge, frag den Gro�en Mann! Oder rechne es dir selbst aus! Was, dreihundert Kilometer? So ungef�hr. F�r den Gro�en nur ein Sprung. Tausend Reiche f�r die Kleinen.�</p><p>�Ich m�chte die laufen.�</p><p>�Das tust du sicher. Oh, schau nur! Dort�� von den Wolken �ber der Kappe. Ein Blitz, siehst du ihn? Dieses leichte Flimmern�� das sind Blitze.�</p><p>Aber es gab auch gro�e Lichtf�den, die lautlos auftauchten und verschwanden, einer oder zwei alle paar Sekunden. Sie verbanden schwarze Wolken mit wei�em Boden. Endlich sah Nirgal Blitze mit eigenen Augen. Die wei�e Welt funkelte in die gr�ne und sch�ttelte sie. �Es geht nichts �ber einen gro�en Sturm�, versicherte Cojote. �Oh, drau�en im Wind zu sein! Wir haben diesen Sturm gemacht, Junge. Obwohl ich denke, da� ich sogar einen noch gr��eren machen k�nnte.�</p><p>Aber einen gr��eren konnte Nirgal sich �berhaupt nicht vorstellen. Was unter ihnen lag, war kosmisch weit�� elektrisch mit Farbe durchsetzt, winderf�llt in seiner Weitr�umigkeit. Er war wirklich etwas erleichtert, als Cojote ihren Wagen wendete und losfuhr. Der unscharfe Anblick verschwand, und der Rand der Klippe hinter ihnen wurde zu einem neuen Horizont.</p><p>�Was ist eigentlich ein Blitz?�</p><p>�Nun, Blitz�� Mist! Ich mu� gestehen, da� der Blitz eines jener Ph�nomene in dieser Welt ist, deren Erkl�rung ich nicht im Kopf behalten kann. Man hat es mir gesagt, aber es entf�llt mir immer wieder. Nat�rlich Elektrizit�t, etwas mit Elektronen oder Ionen, positiv und negativ, Ladungen, die sich in Gewitterk�pfen aufbauen, zum Boden hin entladen oder auch zugleich nach oben und unten springen, so glaube ich mich zu erinnern. Wer wei�? Kra-wumm! Das ist ein Blitz, he?�</p><p>Die wei�e Welt und die gr�ne, die sich aneinander reiben und dann zuschnappen. Nat�rlich.</p><p>Auf dem Plateau n�rdlich der Promethei Rupes waren mehrere Zufluchtsst�tten, einige davon in W�nden von B�schungen und Kraterr�ndern versteckt, andere einfach in Kratern unter klaren Zeltkuppeln gelegen, wo sie von keiner Polizei gesehen werden konnten. Als Cojote zum ersten Mal den Rand eines solchen hinauffuhr und sie durch das klare Zeltdach auf ein Dorf unter den Sternen schauten, war Nirgal wieder einmal erstaunt, wenn auch weniger als vorhin, �ber die Landschaft. Geb�ude wie die Schule, das Badehaus und die K�che, B�ume, Gew�chsh�user�� das war alles im Grunde vertraut. Aber wie konnte man damit zurechtkommen drau�en im Freien wie hier? Das war verwirrend.</p><p>Und so voller Menschen, von Fremden. Nirgal hatte theoretisch gewu�t, da� in den s�dlichen Zufluchtsst�tten viele Leute lebten, f�nftausend, wie man sagte, alles besiegte Rebellen aus dem Krieg von 2061. Aber es war etwas anderes, so schnell so viele von ihnen anzutreffen und zu sehen, da� das wirklich so war. Und der Aufenthalt in den nicht versteckten Siedlungen machte ihn �u�erst nerv�s. Er fragte Cojote: �Warum machen sie das? Warum werden sie nicht verhaftet und weggeschafft?�</p><p>�Du hast es erfa�t, Junge. Das k�nnte wohl sein. Aber es ist noch nicht passiert, und darum glauben sie, da� es nicht der M�he wert ist, sich zu verstecken. Du wei�t, das erfordert eine riesige Anstrengung. Man mu� die ganzen Einrichtungen f�r W�rmeabfuhr schaffen und f�r elektronische Tarnung, und man mu� die <emphasis>ganze Zeit</emphasis> au�er Sicht bleiben. Das ist eine f�rchterliche Schinderei. Und manche Leute hier unten wollen das gar nicht. Sie nennen sich die Demimonde, die Halbwelt. Sie haben Pl�ne daf�r, wenn man sie aufsp�rt oder besetzt. Die meisten haben Fluchtturmeis wie den unsrigen, und manche haben sogar einige Waffen versteckt. Aber sie denken, wenn sie drau�en an der Oberfl�che sind, gibt es keinen Grund, sie an erster Stelle zu kontrollieren. Die Leute in Christianopolis haben der UN rundheraus erkl�rt, da� sie hierher gekommen sind, um das Netz loszuwerden. Aber�� In diesem Punkt bin ich mit Hiroko einig. Da� einige von uns vorsichtiger sein m�ssen als sie. Die UN ist darauf aus, die Ersten Hundert zu erwischen, wenn du mich fragst. Und auch deren Familien, was f�r euch Kinder schlecht ist. Jedenfalls umfa�t die Widerstandsbewegung den Untergrund und die Demimonde. Und es ist f�r die verborgenen Zufluchtsst�tten eine gro�e Hilfe, die offenen St�dte zu haben. Darum freue ich mich, hier zu sein. In dieser Hinsicht sind wir von ihnen abh�ngig.�</p><p>Cojote wurde in dieser Stadt �berschwenglich begr��t wie �berall, ob es eine verborgene oder offene Siedlung war. Er lie� sich in der Ecke einer gro�en Garage am Kraterrand nieder und f�hrte einen flotten Tausch von Waren durch, einschlie�lich Saatgut, Software, Gl�hlampen, Ersatzteile und kleine Maschinen. Diese gab er nach langen Beratungen mit ihren Gastgebern aus in Handelssitzungen, die Nirgal nicht verstehen konnte. Und dann, nach einem kurzen Ausflug auf den Kraterboden, wo das Dorf �berraschend Zygote unter einer strahlenden Purpurkuppel �hnelte, waren sie wieder fort.</p><p>W�hrend der Fahrten zwischen den Asylen erkl�rte Cojote seine Handelsbesprechungen nicht sehr ausf�hrlich. �Ich bewahre diese Leute vor ihrem l�cherlichen Begriff von �konomie, das ist es! Eine Wirtschaft auf der Grundlage von Geschenken ist sch�n und gut; sie ist aber f�r unsere Situation nicht hinreichend organisiert. Es gibt kritische Dinge, die ein jeder haben mu�. Darum <emphasis>m�ssen</emphasis> die Menschen geben, was ein Widerspruch ist, nicht wahr? Darum versuche ich, ein rationales System zu entwickeln. Tats�chlich tun das Vlad und Marina, und ich versuche, es in die Tat umzusetzen, was bedeutet, da� ich den ganzen �rger bekomme.�</p><p>�Und dieses System��</p><p>�Nun, es ist eine zweispurige Angelegenheit, wo sie noch alles geben k�nnen, was sie wollen. Aber die Notwendigkeiten sind gegebene und korrekt verteilte Werte. Und, mein Gott! Du w�rdest nicht glauben, in was f�r Diskussionen ich da verwickelt werde. Die Menschen k�nnen solche Narren sein. Ich versuche es hinzukriegen, da� das Ganze zu einer stabilen �kologie f�hrt wie eines von Hirokos Systemen, worin jeder Zufluchtsort seine Nische f�llt und seine Spezialit�t beisteuert. Und was bekomme ich daf�r? Schm�hungen! Radikale Schm�hungen. Ich h�re auf, mit der Wurst nach dem Schinken zu werfen, und sie nennen mich einen R�uberhauptmann. Ich versuche, das Hamstern zu unterbinden, und sie nennen mich einen Faschisten. Diese Toren! Was sollten sie anfangen, wenn keiner von ihnen autark ist und die H�lfte paranoid?� Er stie� einen theatralischen Seufzer aus. �Auf jeden Fall machen wir Fortschritte. Christianopolis stellt Gl�hlampen her, und Mauss Hyde z�chtet neue Pflanzenarten, wie du gesehen hast, und Bogdanov Vishniac macht alles, was gro� und schwierig ist, wie Reaktorst�be und Tarnfahrzeuge und die meisten gro�en Roboter; und dein Zygote fertigt wissenschaftliche Instrumente und so weiter. Und ich verteile sie allenthalben.�</p><p>�Bist du der einzige, der das macht?�</p><p>�Beinahe. Die Leute sind eigentlich meistens selbstzufrieden, bis auf diese paar Kritiker. Sie alle bekommen Programme und S�mereien. Das sind die elementaren Erfordernisse. Und au�erdem ist es wichtig, da� nicht zu viele Menschen wissen, wo sich alle die verborgenen Zufluchtsst�tten befinden.�</p><p>Nirgal verdaute, was das alles zu bedeuten hatte, w�hrend sie durch die Nacht fuhren. Cojote fuhr fort �ber den Standard von Wasserstoffperoxid, ein neues System von Vlad und Marina. Nirgal tat sein Bestes, um zu folgen, fand es aber m�hsam, entweder weil die Begriffe schwierig waren oder weil Cojote bei den meisten seiner Erkl�rungen �ber die Schwierigkeiten schwadronierte, die er in bestimmten Asylen antraf. Nirgal beschlo�, Sax oder Nadia danach zu fragen, wenn er nach Hause k�me, und h�rte nicht mehr zu.</p><p>Das Land, durch das sie jetzt kamen, war beherrscht von Kraterringen, wobei die j�ngeren die �lteren �berlappten und sogar begruben. �Das nennt man S�ttigung mit Kratern. Sehr alter Boden.� Eine Menge der Krater hatte �berhaupt keine erhabenen R�nder, sondern nur einfache flache B�den als L�cher im Boden. �Was ist aus den R�ndern geworden?�</p><p>�Abgetragen.�</p><p>�Wodurch?�</p><p>�Ann sagt Eis und Wind. Sie sagt, da� im Laufe der Zeit nicht weniger als ein Kilometer von den s�dlichen Hochl�ndern abgetragen wurde.�</p><p>�Das w�rde alles wegnehmen.�</p><p>�Aber dann w�rde mehr wiederkommen. Dies ist altes Land.�</p><p>Zwischen Kratern war das Land mit lockerem Gestein bedeckt, und es war unglaublich uneben. Da gab es Senken, Anstiege, L�cher, Gr�ben, H�gel und T�ler. Nie einen Moment eben, au�er an Kraterr�ndern und gelegentlichen niedrigen Bodenwellen, die Cojote beide als Wege benutzte, wenn er konnte. Aber die Piste, der er �ber diese bewegte Landschaft folgte, war immer noch gewunden; und Nirgal konnte nicht glauben, da� man sie auswendig wissen konnte. Als er das erw�hnte, lachte Cojote: �Was hei�t auswendig wissen? Wir haben uns verirrt.�</p><p>Aber nicht wirklich oder nicht f�r lange. Die Rauchfahne eines Moholes erschien �ber dem Horizont, und Cojote fuhr darauf zu.</p><p>Er murmelte: �Das habe ich schon die ganze Zeit gewu�t. Das ist das Vishniac-Mohole. Es ist ein vertikaler Schacht von einem Kilometer Durchmesser, direkt ins Urgestein gegraben. In der Linie um den f�nfundsiebzigsten Breitengrad hat man vier Moholes angefangen, von denen zwei nicht mehr besetzt sind, nicht einmal von Robotern. Vishniac ist eins davon. Es wurde von einer Gruppe Bogdanovisten �bernommen, die auf seinem Grund leben.� Er lachte. �Das ist eine wundervolle Idee; denn sie k�nnen bis zum Boden in die Seitenwand graben, und da unten k�nnen sie so viel W�rme herausholen, wie sie wollen, und niemand kann sagen, da� das mehr ist als blo� ein ausgasendes Mohole. So k�nnen sie alles bauen, was sie m�gen, sogar Uran f�r Reaktorbrennst�be bearbeiten. Es ist jetzt eine ganze kleine Industriestadt. Auch einer meiner Lieblingsorte, bekannt f�r seine Parties.�</p><p>Er fuhr sie in einen der vielen kleinen Gr�ben, die das Land durchzogen, bremste und tastete auf seinen Schirm; und ein gro�er Fels schwenkte aus der Seite des Grabens heraus und gab einen schwarzen Tunnel frei. Cojote f�hr hinein, und die Felsent�r schlo� sich hinter ihnen. Nirgal hatte geglaubt, das ihn jetzt nichts mehr �berraschen k�nnte; aber er sah mit runden Augen zu, wie sie durch den Tunnel fuhren, dessen rohe W�nde eben au�erhalb der Ecken des Wagens waren. Es schien f�r immer so weiterzugehen. �Sie haben einige Zugangstunnels gegraben, so da� das Mohole v�llig unbesucht wirkt. Wir haben ungef�hr zwanzig Kilometer zu fahren.�</p><p>Schlie�lich schaltete Cojote die Scheinwerfer aus. Der Wagen rollte in die dunkle Nacht hinaus. Sie befanden sich auf einer steilen Stra�e, die offenbar in Schraubenlinien an der Wand des Moholes nach unten f�hrte. Die Lichter ihrer Instrumente waren wie kleine Laternen; und Nirgal konnte, wenn er durch sein Spiegelbild schaute, sehen, da� die Stra�e vier- oder f�nfmal so breit war wie der Wagen. Die volle Ausdehnung des Moholes war unm�glich zu erkennen; aber nach der Kr�mmung der Stra�e konnte er sch�tzen, da� sie enorm war. Er fragte �ngstlich: �Bist du sicher, da� wir mit der richtigen Geschwindigkeit kurven?�</p><p>Cojote sagte �rgerlich: �Ich vertraue dem Autopiloten. Es bringt Ungl�ck, dar�ber zu diskutieren.�</p><p>Der Wagen rollte die Stra�e hinunter. Nach mehr als einer Stunde Abstieg piepte es am Instrumentenbrett, und der Wagen kurvte in die gekr�mmte Felswand zu ihrer Linken. Sie fuhren in eine Garagenr�hre, die an ihre �u�ere Schleusent�r stie�.</p><p>In der Garage begr��te sie eine Gruppe von etwa zwanzig Personen und f�hrte sie an einer Reihe hoher R�ume vorbei zu einer ausgedehnten Kaverne. Die R�ume, die die Bogdanovisten des Moholes ausgegraben hatten, waren gro�, viel gr��er als in Prometheus. Die hinteren R�ume waren in der Regel zehn Meter hoch und in manchen F�llen zweihundert Meter tief. Und die Hauptkaverne konnte es selbst mit Zygote aufnehmen mit gro�en Fenstern, die auf das Loch f�hrten. Als er nach der Seite durch das Fenster blickte, sah Nirgal, da� das Glas von au�en wie die Steinfl�che aussah. Die filternden Beschichtungen mu�ten wirklich raffiniert sein; denn als der Morgen anbrach, str�mte das Licht sehr hell ein. Der Ausblick aus den Fenstern war durch die gegen�berliegende Wand des Moholes begrenzt und einen rundlichen Fleck des Himmels dar�ber. Aber die R�ume wirkten dadurch wundervoll weit und hell, ein Gef�hl unter dem Himmel, das Zygote nicht bieten konnte.</p><p>W�hrend des ganzen ersten Tages wurde Nirgal von einem kleinen dunkelh�utigen Mann namens Hilali an der Hand genommen, der ihn durch R�ume f�hrte und Leute bei der Arbeit unterbrach, um ihn vorzustellen. Die Menschen waren freundlich. �Du mu�t einer von Hirokos Kindern sein, nicht wahr? Oh, du bist Nirgal! Sehr erfreut, dich kennenzulernen. He John, Cojote ist hier. Heute abend gibt es eine Party!� Und sie zeigten ihm, was sie machten, und f�hrten ihn in kleinere R�ume hinter dem Mohole, wo unter hellem Licht Farmen waren und Werkst�tten, die sich bis weit in den Fels hinzuziehen schienen. Und alle waren sehr warm wie in einem Badehaus, so da� Nirgal st�ndig schwitzte. Er fragte Hilali: �Wohin habt ihr all das herausgearbeitete Gestein gebracht?� Denn zu den Bequemlichkeiten beim Aush�hlen einer Kuppel unter der Polkappe geh�rte, wie Hiroko gesagt hatte, da� das herausgeholte Trockeneis einfach in Gas verwandelt wurde.</p><p>Hilali sagte ihm: �Es s�umt die Stra�e nahe dem Boden des Moholes.� Die Frage schien ihn zu erfreuen.</p><p>Ihm gefielen alle Fragen, die Nirgal stellte. So ging es auch allen anderen Leuten. Die Menschen in Vishniac schienen im allgemeinen gl�cklich zu sein, ein roher Haufen, der immer eine Party veranstaltete, um Cojotes Ankunft zu feiern�� ein Vorwand neben vielen anderen, wie Nirgal annahm.</p><p>Hilali bekam auf seinem Armband einen Anruf von Cojote und f�hrte Nirgal in ein Labor, wo sie ihm von einem Finger ein St�ck Haut abnahmen. Dann gingen sie langsam wieder zu der gro�en Kaverne und kamen mit der Menge zusammen, die sich hinten an den K�chenfenstern aufgereiht hatte.</p><p>Nachdem man ein �ppiges, w�rziges Mahl aus Bohnen und Kartoffeln verzehrt hatte, begann die Party in der Kaverne. Eine gro�e undisziplinierte Steelband mit wechselnder Besetzung spielte rhythmische Staccatomelodien; und die Leute tanzten stundenlang danach, mit gelegentlichen Pausen, um einen scharfen Schnaps namens Kavajava zu trinken oder an einer Seite des Raums sich an verschiedenen Spielen zu beteiligen. Nachdem er den Kavajava gekostet und eine Tablette Omegendorph geschluckt hatte, die ihm Cojote gab, ging Nirgal hin und spielte mit der Band eine Ba�trommel. Danach setzte er sich auf einen kleinen Grash�gel in der Mitte des Raums. Er f�hlte sich so betrunken, da� er nicht mehr stehen konnte. Cojote hatte gleichm��ig getrunken, aber kein solches Problem. Er tanzte wild, h�pfte hoch auf Zehenspitzen und lachte. �Junge, du wirst nie die Freude deines Ge kennenlernen!� rief er Nirgal zu. �Das wirst du nie erfahren.�</p><p>Es kamen Leute vorbei und stellten sich vor. Manchmal baten sie Nirgal, seine warme Ber�hrung vorzuf�hren. Eine Schar von M�dchen seines Alters legte seine H�nde auf ihre Wangen, die sie mit ihren Drinks gek�hlt hatten; und als er sie erw�rmte, lachten sie mit runden Augen und luden ihn ein, noch andere Teile von ihnen zu w�rmen. Er stand aber auf und tanzte statt dessen mit ihnen. Er f�hlte sich locker und benommen und bewegte sich in kleinen Kreisen, um etwas von seiner inneren Energie loszuwerden. Als er summend wieder zu dem Grasbuckel kam, schl�ngelte sich Cojote her�ber und setzte sich gewichtig neben ihn. �Das Tanzen bei diesem Ge ist so sch�n, da� ich nie genug davon bekommen kann.� Er sah Nirgal mit schiefgeneigtem Kopf an, und seine grauen Haarzotteln fielen ihm �bers Gesicht. Nirgal hatte wieder den Eindruck, da� sein Gesicht irgendwie kaputt war, vielleicht durch einen gebrochenen Kinnbacken, so da� die eine Seite breiter war als die andere. Irgend etwas dieser Art. Nirgal schluckte bei dem Anblick.</p><p>Cojote fa�te ihn bei der Schulter und sch�ttelte ihn kr�ftig. Er rief: �Junge, es scheint, da� ich dein Vater bin!�</p><p>�Du machst Witze!� Ein elektrischer Blitz lief Nirgal �ber den R�cken und das Gesicht, als die beiden sich anstarrten. Er fragte sich, wie die wei�e Welt die gr�ne so gr�ndlich ersch�ttern k�nnte wie ein durch das Fleisch zuckender Blitz. Sie nahmen sich fest in die Arme.</p><p>Cojote sagte: �Ich scherze nicht!�</p><p>Sie schauten sich genau an. �Kein Wunder, da� du so schlau bist.� Er lachte vergn�gt. �Ah ha ha ha! Krawumm! Ich hoffe, du bist ganz in Ordnung.�</p><p>�Sicher�, sagte Nirgal grinsend, aber unbehaglich. Er kannte Cojote nicht gut; und der Begriff Vater war f�r ihn noch vager als der von Mutter. Darum war er seiner Gef�hle nicht ganz sicher. Genetisches Erbe, gewi�, aber was war das? Sie hatten alle irgendwo ihre Gene; und die Gene von Retortenkindern waren immer transgenisch oder so, sagte man.</p><p>Aber Cojote schien erfreut zu sein, obwohl er Hiroko auf hunderterlei Arten verfluchte. �Dieses Biest, dieser Tyrann! Matriarchie ist mir schnuppe! Sie ist verr�ckt! Ich staune �ber das, was sie alles macht. Obwohl darin eine gewisse Gerechtigkeit liegt. O ja; denn Hiroko und ich waren in grauer Vorzeit ein Team, als wir noch jung und in England waren. Das ist �berhaupt der Grund, weshalb ich hier auf dem Mars bin. Ein blinder Passagier in ihrem Privatraum, mein ganzes verdammtes Leben lang.� Er lachte und klopfte Nirgal wieder auf die Schulter. �Nun, Junge, du wirst sp�ter erfahren, wie dir diese Idee gef�llt.�</p><p>Er ging wieder los zum Tanzen und lie� Nirgal allein, um dar�ber nachzudenken. W�hrend Nirgal Cojotes Drehungen zusah, konnte er nur den Kopf sch�tteln. Er wu�te nicht, was er denken sollte, und im Moment war das Denken an sich schon �u�erst schwierig. Lieber tanzen oder ins Bad gehen.</p><p>Aber sie hatten keine �ffentlichen B�der. Er lief auf dem Tanzboden rings umher und machte daraus eine Art Tanz. Sp�ter kehrte er zu dem gleichen Buckel zur�ck. Dann sammelte sich um ihn eine Schar der Einwohner und auch Cojote. �He, gef�llt es dir, der Vater des Dalai Lama zu sein? Bekommst du daf�r keinen Namen?�</p><p>�Zur H�lle mit dir, Mann! Wie ich schon sagte, Ann meint, sie haben das Graben dieser Moholes am f�nfundsiebzigsten Breitengrad eingestellt, weil die Lithosph�re hier unten d�nner ist.� Cojote nickte geheimnisvoll. �Ich m�chte zu einem der aufgegebenen Moholes gehen und dessen Roboter wieder in Gang setzen und sehen, ob sie tief genug graben, um einen Vulkan anzubaggern.�</p><p>Alle lachten. Aber eine Frau sch�ttelte den Kopf. �Wenn du das tust, werden sie hier herunterkommen, um das zu pr�fen. Wenn du so etwas vorhast, solltest du nach Norden gehen und eines der Moholes bei sechzig Grad in Angriff nehmen. Auch die sind au�er Betrieb.�</p><p>�Aber Ann sagt, da� die Lithosph�re dort dicker ist.�</p><p>�Gewi�, aber die Moholes sind auch tiefer.�</p><p>�Hmmm�, machte Cojote.</p><p>Und die Unterhaltung ging zu ernsthafteren Themen �ber, zumeist die unvermeidlichen Knappheiten und die Entwicklungen im Norden. Aber als sie am Ende der, Woche Vishniac durch einen anderen und noch l�ngeren Tunnel verlie�en, wandten sie sich nach Norden, und alle fr�heren Pl�ne Cojotes waren verflogen. �Das ist die Geschichte meines Lebens, Junge.�</p><p>In der f�nften Nacht, da sie �ber die wirren Hochlande des S�dens fuhren, verlangsamte Cojote den Rover und umrundete den Rand eines gro�en alten Kraters, der fast bis zum Niveau der ihn umgebenden Ebene abgetragen war. An einer Fehlstelle in dem alten Rand konnte man sehen, da� der sandige Kraterboden durch ein riesiges rundes schwarzes Loch gekennzeichnet war. So etwas mu�te von der Oberfl�che aus wohl wie ein Mohole aussehen. Ein W�lkchen aus d�nnem Reif stand ein paar hundert Meter �ber dem Loch, wie durch einen Zaubertrick aus dem Nichts entstanden. Der Rand des Moholes war abgeschr�gt, so da� ein Betonband trichterartig unter einem Winkel von etwa f�nfundvierzig Grad nach unten f�hrte. Es war schwer zu sagen, wie gro� es war, weil es wegen des Moholes nur wie ein schmaler Streifen aussah. An seinem �u�eren Rand war ein hoher Drahtzaun. �Hmm�, sagte Cojote und sah aus dem Fenster. Er setzte in dem Hohlweg zur�ck und parkte. Dann zog er einen Schutzanzug an. �Bald zur�ck�, sagte er und kletterte in die Schleuse.</p><p>F�r Nirgal war es eine lange, sorgenvolle Nacht. Er schlief kaum und hatte am n�chsten Morgen qu�lende Angst, als er Cojote vor der Schleuse des Wagens erscheinen sah, kurz vor sieben Uhr, als die Sonne sich gerade anschickte aufzugehen. Er wollte sich schon �ber die L�nge von Cojotes Verschwinden beklagen. Als der aber hereinkam und den Helm abnahm, war deutlich, da� er in schlechter Stimmung war. W�hrend sie den Tag �ber so da sa�en, tastete Cojote in einer intensiven Besprechung auf seinem Computer und fluchte widerlich, offenbar ohne an seinen jungen hungrigen Schutzbefohlenen zu denken. Nirgal machte sich daran, f�r sie beide Essen aufzuw�rmen. Dann d�ste er unruhig dahin und erwachte, als der Rover einen Sprung nach vorn machte. Cojote sagte: �Ich werde versuchen, durch das Tor zu kommen. Eine tolle Sicherheit haben die hier bei dem Loch. Noch eine Nacht, dann m��te ich dahinter kommen.� Er wendete den Wagen und parkte auf dem gegen�berliegenden Rand. In der Abendd�mmerung ging er wieder zu Fu� los.</p><p>Wieder blieb er die ganze Nacht fort; und Nirgal konnte wieder kaum schlafen. Er fragte sich, was er wohl machen sollte, wenn Cojote nicht zur�ckk�me.</p><p>Und in der Tat war er bei Tagesanbruch nicht zur�ck. Der folgende Tag war fraglos der l�ngste in Nirgals Leben, und an dessen Ende hatte er keine Ahnung, was er tun w�rde. Versuchen, Cojote zu retten? Versuchen, nach Zygote oder Vishniac zur�ckzufahren? Zum Mohole hinuntergehen und sich selbst dem mysteri�sen Sicherheitssystem �berantworten, wie es auch sein mochte, das Cojote verschlungen hatte? All das schien unm�glich.</p><p>Aber eine Stunde nach Sonnenuntergang klopfte Cojote mit einem <emphasis>tik-tik-tik</emphasis> an den Wagen und war dann mit w�tendem Gesicht drinnen. Er trank einen Liter Wasser und noch den gr��ten Teil eines zweiten Liters. Dann blies er �rgerlich die Backen auf und sagte: �La� uns hier blo� wegkommen!�</p><p>Nach einigen Stunden schweigender Fahrt wollte Nirgal das Thema wechseln oder zumindest erweitern und sagte: �Cojote, wie lange denkst du, da� wir versteckt bleiben werden?�</p><p>�Nenne mich nicht Cojote! Ich bin nicht Cojote. Cojote ist da drau�en hinter den Bergen, atmet schon die Luft und tut, was er will, der Schuft. Ich�� mein Name ist Desmond. Du nennst mich <emphasis>Desmond,</emphasis> verstanden?�</p><p>�Okay�, sagte Nirgal �ngstlich.</p><p>�Was das anbetrifft, wie lange wir uns werden verstecken m�ssen, so denke ich f�r immer.�</p><p>Sie fuhren zur�ck zum Mohole Rayleigh, wo Cojote (er schien kein Desmond zu sein) zun�chst hatte hingehen wollen. Dieses Mohole war wirklich aufgegeben, ein unbeleuchtetes Loch im Bergland, dessen thermische Wolke wie das Gespenst eines Denkmals dar�ber stand. Sie konnten direkt in den leeren, mit Sand bedeckten Parkplatz und die Garage an seinem Rand fahren, zwischen eine kleine Flotte von Robotfahrzeugen, die von Persenning und Flugsand bedeckt waren. Cojote knurrte: �Das sieht eher so aus. Wir werden einen Blick hineinwerfen. Los, zieh deinen Schutzanzug an!�</p><p>Es war eigenartig, drau�en im Wind zu sein und auf dem Rand eines so enormen Dings zu stehen. Sie schauten �ber eine brusthohe Mauer und sahen das abgeschr�gte Betonband, welches das Loch umgab und etwa zweihundert Meter nach unten reichte. Um den eigentlichen Schacht zu sehen, mu�ten sie etwa ein Kilometer auf einer Stra�e hinuntergehen, die rundum in das Betonband eingeschnitten war. Dort konnten sie endlich �ber den Rand der Stra�e in die Finsternis hinabschauen. Cojote stand direkt auf dem Rand, was Nirgal nerv�s machte. Er kroch auf H�nden und Knien hin, um dar�ber zu blicken. Kein Anzeichen eines Bodens. Sie h�tten ebensogut ins Zentrum des Planeten schauen k�nnen. �Zwanzig Kilometer�, sagte Cojote �ber das Interkom. Er hielt eine Hand �ber den Rand, und Nirgal tat dasselbe. Er konnte den Aufwind sp�ren. �Okay, sehen wir zu, ob wir die Roboter in Gang bringen k�nnen!� Und sie kletteren die Stra�e wieder hinauf.</p><p>Cojote hatte viele ihrer Stunden am Tag mit dem Studium alter Programme auf seinem Computer verbracht. Jetzt schaltete er sich, nachdem sie Wasserstoffperoxid aus ihrem Anh�nger in zwei Robot-Behemoths auf dem Parkplatz umgepumpt hatten, in deren Kontrollpaneele ein und machte sich an die Arbeit. Als er damit fertig war, meinte er befriedigt, da� sie auf dem Boden des Mohole wie erforderlich funktionieren w�rden; und sie beobachteten die zwei Maschinen mit R�dern doppelt so hoch wie Cojotes Wagen, wie sie auf der gewundenen Stra�e nach unten rollten.</p><p>�Okay�, sagte Cojote und wurde wieder fr�hlich. �Sie werden die Energie aus ihren Sonnenpaddeln benutzen, um selbst Peroxidsprengstoff herzustellen, und langsam beginnen, bis sie vielleicht auf etwas Hei�es treffen. Vielleicht haben wir jetzt gerade einen Vulkanausbruch gestartet.�</p><p>�Ist das gut?�</p><p>Cojote lachte wild los. �Ich wei� nicht! Aber niemand hat das bisher gemacht, darum mu� man es mindestens empfehlen.�</p><p>Sie nahmen ihre planm��ige Reise wieder auf zwischen sowohl versteckten wie offenen Zufluchtsst�tten, und Cojote sagte �berall: �Wir haben das Mohole Rayleigh letzte Woche in Gang gesetzt. Habt ihr schon einen Vulkanausbruch gesehen?�</p><p>Niemand hatte einen gesehen. Rayleigh schien sich wie zuvor zu verhalten. Seine Dampfwolke war ungest�rt. �Nun, vielleicht klappt es nicht�, sagte Cojote. �Vielleicht wird es einige Zeit erfordern. Andererseits�� wenn das Mohole jetzt geschmolzene Lava am Boden h�tte, wer w�rde das merken?�</p><p>�Wir w�rden es merken�, sagten die Leute. Und manche f�gten hinzu: �Warum w�rdest du etwas so Bl�des machen? Du k�nntest ebensogut die Transnationale Beh�rde anrufen und ihnen sagen, sie sollten herunterkommen, um hier nach uns zu schauen.�</p><p>Also verzichtete Cojote darauf, das zu erw�hnen. Sie rollten von einem Asyl zum anderen: Mauss Hyde, Gramsci, Overhangs, Christianopolis�� An jeder Haltestelle wurde Nirgal begr��t; und oft kannten ihn die Leute schon im voraus durch seinen Ruf. Nirgal war immer wieder �berrascht durch die Mannigfalt und Anzahl der Zufluchtsst�tten, die zusammen ihre seltsame Welt bildeten, halb geheim und halb freiliegend. Und in dieser Welt befand sich nur ein kleiner Teil der Zivilisation des Mars. Wie m��ten die St�dte im Norden an der Oberfl�che wohl sein? Das lag jenseits seines Fassungsverm�gens, obwohl ihm schien, da�, w�hrend sich die Wunder der Reise eines nach dem anderen auftaten, sein Verst�ndnis etwas gr��er wurde. Man konnte schlie�lich nicht vor Erstaunen explodieren.</p><p>�Gut�, pflegte Cojote zu sagen, w�hrend sie fuhren (er hatte das inzwischen Nirgal beigebracht), �vielleicht haben wir einen Vulkanausbruch gestartet, vielleicht auch nicht. Aber es war auf jeden Fall eine neue Idee. Das ist eines der gr��ten Dinge, Junge, an diesem ganzen Marsprojekt: Es ist alles <emphasis>neu.�</emphasis></p><p>Sie wandten sich wieder nach S�den, bis die gespenstische Wand der Polkappe �ber den Horizont ragte. Bald w�rden sie wieder daheim sein.</p><p>Nirgal dachte an alle Zufluchtsst�tten, die sie besucht hatten. �Desmond, glaubst du wirklich, da� wir uns f�r immer verstecken m�ssen?�</p><p>�Desmond? Desmond? Wer ist dieser <emphasis>Desmond?�</emphasis> Cojote prustete. �O Junge, ich wei� das nicht. Das kann niemand sicher wissen. Die Menschen, die sich hier drau�en verstecken, wurden in einer seltsamen Zeit hinausgedr�ngt, als ihre Lebensgrundlage bedroht war; und ich bin nicht sicher, ob das immer noch der Fall ist in den St�dten, die sie im Norden an der Oberfl�che bauen. Die Bosse auf der Erde haben vielleicht ihre Lektion gelernt, und die Leute hier oben f�hlen sich behaglicher. Oder vielleicht liegt es nur daran, da� der Aufzug noch nicht wieder ersetzt wurde.�</p><p>�Es k�nnte also keine weitere Revolution geben?�</p><p>�Das wei� ich nicht.�</p><p>�Nicht, ehe nicht ein neuer Weltraumaufzug da ist?�</p><p>�Ich wei� es nicht. Aber der Aufzug wird kommen; und sie bauen da drau�en einige gro�e neue Spiegel. Man kann sie manchmal bei Nacht leuchten sehen oder direkt bei der Sonne. Es k�nnte also alles m�gliche geschehen, nehme ich an. Aber eine Revolution ist ein seltenes Ereignis. Und viele Revolutionen sind ohnehin reaktion�r. Siehst du, Bauern haben ihre Tradition, die Werte und Gebr�uche, die ihnen erlauben, zurechtzukommen. Aber sie leben so dicht an der Kante, da� eine schnelle Ver�nderung sie hinuntersto�en kann. Und in solchen Zeiten geht es nicht um Politik, sondern ums �berleben. Ich habe das selbst erlebt, als ich in deinem Alter war. Nun waren die Menschen, die man hierhergeschickt hat, nicht arm. Sie hatten aber ihre eigene Tradition und waren machtlos wie die Armen. Und als der Einflu� der 2050er Jahre zuschlug, wurde ihre Tradition ausradiert. Also k�mpften sie f�r das, was sie hatten. Und die Wahrheit ist, da� sie verloren. Man kann nicht mehr gegen die vorhandenen Kr�fte k�mpfen, besonders hier, weil die Waffen zu stark und unsere Asyle zu empfindlich sind. Wir m��ten uns sehr gut bewaffnen oder so etwas. Wir verstecken uns; und sie �berfluten den Mars mit neuen Volksmassen, mit Leuten, die an wirklich harte Bedingungen auf der Erde gew�hnt waren, so da� die Verh�ltnisse hier sie nicht so schwer treffen. Sie bekommen die Behandlung und sind zufrieden. Es gibt nicht mehr so viele Leute, die in die Asyle hinauszukommen suchen, wie wir es in den Jahren vor einundsechzig taten. Es gibt einige, aber nicht viele. So lange die Leute ihre Unterhaltungen haben und ihre eigene kleine Tradition, wei�t du, r�hren die keinen Finger.�</p><p>�Aber���, fing Nirgal an, brach aber ab.</p><p>Cojote sah seinen Gesichtsausdruck und lachte. �He, wer wei�? Recht bald werden wir einen neuen Aufzug auf Pavonis Mons haben; und sie werden h�chstwahrscheinlich ziemlich bald wieder anfangen, die Dinge v�llig zu verdrehen, diese �blen Halunken. Und ihr jungen Leute werdet wohl kaum m�gen, da� die Erde hier den gro�en Reibach macht. Wir werden sehen, wenn die Zeit kommt. Inzwischen haben wir unseren Spa�, nicht wahr? Wir lassen das Feuer nicht erl�schen.�</p><p>In dieser Nacht hielt Cojote den Wagen an und lie� Nirgal sich anziehen. Sie gingen hinaus und traten auf den Sand; und Cojote drehte Nirgal um, so da� er nach Norden blickte. �Schau auf den Himmel!�</p><p>Nirgal stand da und pa�te auf. Er sah, wie ein neuer Stern in Erscheinung trat, da �ber dem Nordhorizont. Er wuchs in Sekunden zu einem langen Kometen mit wei�em Schweif, der von Westen nach Osten flog. Als er etwa halbwegs �ber den Himmel gekommen war, brach der flammende Kopf des Kometen in St�cke, und helle Fragmente zerstreuten sich nach allen Richtungen und wurden schwarz.</p><p>�Einer der Eis-Asteroiden!� rief Nirgal.</p><p>Cojote knurrte: �Junge, ich kann dir sagen, das ist keine �berraschung. Nun, ich will dir etwas erz�hlen, das du nicht gewu�t hast. Das war der Eisasteroid 2089 C. Hast du gesehen, wie der am Ende platzte? Das war ein Anfang. Sie taten das mit Absicht. Wenn man sie beim Eintritt in die Atmosph�re explodieren l��t, kann man gr��ere Asteroiden einsetzen, ohne die Oberfl�che in Gefahr zu bringen. Und das war meine Idee! Ich sagte ihnen, ich w�rde das selbst tun. Ich gab dem Computer in Greg�s Place einen anonymen Vorschlag ein, als ich mit ihrem Kommunikationssystem herumspielte; und sie sind darauf angesprungen. Jetzt werden sie es die ganze Zeit so machen. Es wird in jeder Saison einen oder zwei solcher Brocken geben. Dadurch wird die Luft sehr schnell dichter. Schau, wie die Sterne zittern! Auf der Erde haben sie das die ganze Nacht getan. O Junge�� Das wird eines Tages auch hier geschehen. Luft, die du atmen kannst wie ein Vogel im Himmel. Vielleicht wird uns das helfen, die Ordnung auf dieser Welt zu �ndern. Man kann sich bei so etwas nie sicher sein.�</p><p>Nirgal schlo� die Augen und sah, wie rote Nachbilder des Eismeteors seine Augenlider trafen. Meteore wie wei�es Feuerwerk, die direkt in den Mantel L�cher bohrten, Vulkane�� Er drehte sich um und sah Cojote �ber die Ebene h�pfen. Sein Helm wirkte auf ihm merkw�rdig gro�, als ob er ein Mutant oder Schamane w�re, der den Kopf eines heiligen Tieres trug und wie ein Wechselbalg �ber den Sand tanzte. Dies war Cojote, ohne Zweifel sein Vater!</p><empty-line/><p>Dann hatten sie die Welt umrundet, wenn auch nur hoch in der S�dhemisph�re. Die Polkappe stieg �ber dem Horizont auf und wuchs, bis sie unter dem �berhang aus Eis waren, der nicht mehr so gro� wirkte wie zu Beginn der Reise. Sie fuhren daheim in den Hangar und stiegen aus dem kleinen Felsenwagen aus, den Nirgal in den vorangegangenen zwei Wochen so gut kennengelernt hatte, und gingen steif durch die Schleusen und den langen Tunnel in die Kuppel. Pl�tzlich waren sie inmitten all der vertrauten Gesichter, wurden gedr�ckt, get�tschelt und ausgefragt. Nirgal schreckte scheu vor der Aufmerksamkeit, die er erregte, zur�ck, aber Cojote erz�hlte f�r ihn alle Geschichten; und er brauchte nur zu lachen und die Verantwortung f�r das, was sie getan hatten, abzulehnen. Wenn er seine Verwandten anschaute, wurde ihm klar, wie klein diese seine Welt wirklich war. Die Kuppel hatte weniger als f�nf Kilometer Durchmesser und erhob sich um zweihundertf�nfzig Meter �ber den Teich. Eine kleine Welt.</p><p>Nachdem er wieder daheim war, ging er im fr�hen Morgenlicht los und f�hlte den angenehmen Bi� der Luft. Er betrachtete aus der N�he die Geb�ude und Bambusunterk�nfte des Dorfes in seinem Nest von H�geln und B�umen. Das sah alles so fremd und klein aus. Dann war er drau�en auf den D�nen, ging zu Hirokos Platz, w�hrend �ber ihm die M�wen flogen, und machte oft halt, nur um sich alles anzusehen. Er atmete den k�hlen Geruch von Tang und Salz des Strandes ein. Die tiefe Vertrautheit des Aromas l�ste sofort eine Million Erinnerungen aus, und er wu�te, da� er wieder daheim war.</p><p>Aber seine Heimat hatte sich ver�ndert. Oder er? Zwischen dem Versuch, Simon zu retten, und der Reise mit Cojote war er ein vom Rest abgesonderter J�ngling gewesen. Die ungew�hnlichen Abenteuer, nach denen er sich so gesehnt hatte, waren gekommen, und deren einziges Resultat war, da� er seinen Freunden entfremdet wurde. Jackie und Harmakhis hingen enger als je aneinander und wirkten wie ein Schild zwischen ihm und allen j�ngeren Sansei. Nirgal erkannte rasch, da� er es eigentlich gar nicht anders hatte haben wollen. Er wollte nur wieder in die Geschlossenheit seiner kleinen Gruppe eingehen und mit seinen Verwandten eins sein.</p><p>Als er sich aber unter sie mischte, verstummten sie, und Harmakhis f�hrte sie weg nach h�chst unerfreulichen Begegnungen. So blieb Nirgal nichts anderes �brig, als sich wieder den Erwachsenen zuzuwenden, die ihn nachmittags wie ganz selbstverst�ndlich bei sich aufnahmen. Vielleicht wollten sie ihm etwas von der rauhen Behandlung seiner Meute ersparen. Aber das hatte nur den Effekt, da� er noch mehr abgesondert wurde. Dagegen konnte man nichts machen. Eines Tages, als er mi�vergn�gt in dem grauen und fahlen Licht eines herbstlichen Nachmittags am Strand ging, erkannte er, da� seine Kindheit vorbei war. Das war sein Empfinden: er war jetzt etwas anderes, weder Erwachsener noch Kind, ein einsames Wesen, ein Fremder im eigenen Lande. Diese melancholische Erkenntnis verursachte ihm ein seltsames Vergn�gen.</p><p>Eines Tages nach dem Fr�hst�ck blieb Jackie mit ihm und Hiroko, die an diesem Tage gekommen war, um zu unterrichten, zur�ck und bat, an ihrer Nachmittagsstunde teilnehmen zu d�rfen. �Warum solltest du ihn unterrichten und nicht mich?�</p><p>Hiroko sagte ruhig: �Kein Grund. Bleib, wenn du willst. Hol deinen Leser und ruf auf: Thermische Technik, Seite eins null f�nf null. Wir werden als Beispiel die Kuppel von Zygote zum Modell nehmen. Sagt mir, welches der w�rmste Punkt unter der Kuppel ist.�</p><p>Nirgal und Jackie gingen das Problem an�� im Wettstreit und dennoch Seite an Seite. Er war so froh, da� sie da war, da� er sich kaum an das Problem erinnern konnte; und Jackie hob den Finger, ehe er nur seine Gedanken dar�ber geordnet hatte. Und sie lachte ihn an, etwas sp�ttisch, aber auch vergn�gt. Trotz aller enormen Ver�nderungen in ihnen beiden behielt Jackie jene F�higkeit, ansteckend zu lachen, ein Lachen, von dem ausgeschlossen zu sein so schmerzlich war��</p><p>Hiroko sagte ihnen: �Hier ist eine Frage f�r das n�chste Mal. Alle Namen f�r Mars in der Areophanie sind Namen, die ihm von Erdenleuten gegeben wurden. Ungef�hr die H�lfte davon bedeuten in den Sprachen, denen sie entstammen, <emphasis>Feuerstern.</emphasis> Aber das ist nur ein �u�erlicher Name. Die Frage ist, wie hei�t der eigentliche Name des Mars selbst?�</p><p>Einige Wochen sp�ter kam Cojote wieder vorbei, was Nirgal zugleich gl�cklich und nerv�s machte. Cojote unterrichtete die Kinder an einem Morgen, behandelte Nirgal aber zum Gl�ck so wie alle �brigen. �Die Erde ist in einem sehr schlechten Zustand�, sagte er ihnen, als sie an Vakuumpumpen der Tanks f�r fl�ssiges Natrium am Rickover arbeiteten, �und es wird nur noch schlimmer werden. Das macht ihre Kontrolle �ber den Mars f�r uns nur desto gef�hrlicher. Wir werden uns verstecken, bis wir uns v�llig von ihnen befreien k�nnen, und dann sicher abseits stehen, w�hrend sie in Wahnsinn und Chaos versinken. Erinnert euch an meine Worte! Dies ist eine ganz sichere Prophezeiung.�</p><p>Jackie erkl�rte: �Das ist nicht das, was John Boone gesagt hat.� Sie verbrachte viele Abendstunden mit der Erforschung von John Boones PC und zog jetzt die Schachtel aus der H�fttasche. Ohne das geringste Suchen nach einer Stelle sagte die freundliche Stimme aus dem Kasten: �Der Mars wird nie sicher sein, wenn die Erde es nicht auch ist.�</p><p>Cojote lachte heiser: �Ja gut, John Boone war so. Aber bedenkt, da� er tot ist, und ich bin noch da.�</p><p>�Ein jeder kann sich verstecken�, sagte Jackie scharf. �Aber John Boone ist nach hier herausgekommen und hat gef�hrt. Darum bin ich eine Anh�ngerin von ihm.�</p><p>�Du bist eine Anh�ngerin und ein Nachkomme von Boone�, rief Cojote und neckte sie. �Und die Boonesche Algebra hat nie gestimmt. Aber schau her, M�dchen, du mu�t deinen Gro�vater noch besser verstehen, als dich blo� eine Anh�ngerin von ihm <emphasis>zu</emphasis> nennen. Du kannst John Boone nicht zu einer Art Dogma machen und dem treu sein, was er war. Ich sehe, wie hier andere sogenannte Booneleute genau das tun, und es reizt mich zum Lachen, wenn ich davon nicht gerade Schaum vor dem Mund bekomme. Nun, wenn John Boone dich hier kennenlernen und auch nur eine Stunde zu dir sprechen w�rde, dann w�rde er danach ein Jackie-ist sein. Und wenn er Harmakhis tr�fe und zu ihm spr�che, w�rde er ein Harmakhist werden, vielleicht sogar ein Maoist. Genau so war er nun einmal. Und du mu�t sehen, da� das <emphasis>gut</emphasis> war; denn was er tat, war, da� er die Verantwortung f�r das Denken uns wieder auferlegte. Das hat uns gezwungen, einen Beitrag zu leisten, denn sonst k�nnte Boone nicht handeln. Sein Standpunkt war, da� nicht blo� ein jeder das tun k�nnte, sondern da� er es auch tun sollte.�</p><p>�Einschlie�lich aller Menschen auf der Erde�, antwortete Jackie.</p><p>�Nicht wieder so hastig!� rief Cojote. �O M�dchen, warum verl��t du nicht diese Jungen und heiratest mich auf der Stelle? Ich bekomme einen Ku� wie von dieser Vakuumpumpe, komm her!�, und er schwenkte die Pumpe auf sie zu, und Jackie stie� sie beiseite, schob ihn weg und rannte fort, nur des Spa�es halber. Sie war jetzt die schnellste L�uferin in Zygote von allen. Selbst Nirgal mit all seiner Ausdauer konnte nicht so sprinten wie sie. Und die Kinder lachten �ber Cojote, als er hinter ihr her hopste. Er war f�r einen Alten recht schnell, und er raste kreuz und quer hinter ihnen allen her, bis er schrie: �O mein Bein! Das werde ich euch heimzahlen. Ihr Jungen seid blo� eifers�chtig auf mich, weil ich euch euer M�dchen stehlen werde. Halt!�</p><p>Diese Art von H�nselei war Nirgal peinlich, und Hiroko mochte sie auch nicht. Sie sagte Cojote, er m�ge aufh�ren, aber der lachte sie nur aus. Er sagte: �Du bist diejenige, welche losgezogen ist und sich ein kleines Inzestlager geschaffen hat. Was willst du tun, sie kastrieren?� Er lachte �ber Hirokos finstere Miene. �Du wirst sie ziemlich bald fortgeben m�ssen, das ist es. Und ich k�nnte recht gut auch einige von ihnen gebrauchen.�</p><p>Hiroko schickte ihn weg; und bald danach war er wieder unterwegs. Und das n�chste Mal, als Hiroko unterrichtete, ging sie mit allen Kindern ins Bad, und sie setzten sich auf die feuchten Kacheln am seichten Ende und lie�en sich von dem dampfenden Wasser durchtr�nken, w�hrend Hiroko sprach. Nirgal sa� dicht bei Jackies langbeinigem nackten K�rper, den er so gut kannte, einschlie�lich all seiner dramatischen Ver�nderungen im letzten Jahr. Und er fand, da� er nicht imstande war, sie anzuschauen.</p><p>Seine alte nackte Mutter sagte: �Ihr wi�t, wie Genetik funktioniert. Ich habe euch das selbst gelehrt. Und ihr wi�t, da� viele von euch Halbbr�der und -schwestern sind, Onkel, Nichten und Vettern und so weiter. Ich bin f�r viele von euch Mutter oder Gro�mutter. Darum solltet ihr euch nicht paaren und zusammen Kinder haben. So einfach ist das, ein einfaches genetisches Gesetz.� Sie hielt die Hand hoch, wie wenn sie sagen wollte: Dies ist unser gemeinsamer K�rper.</p><p>�Aber alle lebenden Wesen sind voller Viriditas�, fuhr sie fort, �der gr�nen Kraft, die nach au�en hin gestaltet. Und so ist es normal, da� ihr einander lieben werdet, besonders jetzt, da eure K�rper aufbl�hen. Daran ist nichts Schlechtes, ganz gleich, was Cojote sagt. Er macht auf jeden Fall nur Witze. Aber in einem hat er recht: Ihr werdet bald viele andere Menschen eures Alters kennenlernen, und die werden schlie�lich Freunde und Partner und mit euch gemeinsam Eltern werden, euch n�herstehend als selbst eure Stammesverwandten, die ihr zu gut kennt, um sie je wie jemand anderen zu lieben. Wir sind hier alle St�cke von euch selbst. Und wahre Liebe gilt immer einem anderen.�</p><p>Nirgal richtete seine Augen mit leerem Blick fest auf die seiner Mutter. Er wu�te noch genau, wann Jackie ihre Beine zusammengepre�t hatte, er hatte die kleine Ver�nderung der Temperatur im Wasser gesp�rt, wenn sie zwischen ihnen herumwirbelte. Und ihm schien, da� seine Mutter nicht recht hatte mit einigem von dem, was sie gesagt hatte. Obwohl er Jackies K�rper so gut kannte, war sie ihm in vielfacher Hinsicht so fern wie jeder feurige Stern, strahlend und herrschs�chtig am Himmel. Sie war die K�nigin ihrer kleinen Gruppe und konnte ihn mit einem Blick vernichten, wenn sie wollte. Und das tat sie recht oft, obwohl er ihre Launen sein ganzes Leben lang studiert hatte. Darin lag mehr Fremdheit, als er bew�ltigen konnte. Und er liebte sie. Das wu�te er genau. Aber sie erwiderte diese Liebe nicht, jedenfalls nicht auf die gleiche Art. Ebensowenig liebte sie Harmakhis auf diese Weise, dachte er, zumindest nicht mehr. Das war ein schwacher Trost. Es war Peter, den sie in der Weise beobachtete wie er sie. Aber Peter war die meiste Zeit nicht da. Also liebte sie niemanden in Zygote so, wie Nirgal sie liebte. Vielleicht war es f�r sie schon so, wie Hiroko gesagt hatte; und Harmakhis und der Rest waren einfach zu gut bekannt. Ihre Br�der und Schwestern, ganz gleich, welche Gene dabei beteiligt waren.</p><p>Dann st�rzte eines Tages der Himmel wirklich ein. Der ganze h�chste Teil der Eisschicht brach von dem CO2 weg, brach durch das Netz in den Teich und �ber den Strand und die ihn umgebenden D�nen. Zum Gl�ck geschah das am fr�hen Morgen, als niemand da unten war. Aber die ersten Schl�ge und Ger�usche von Zerrei�en waren explosiv laut. Alle rannten an ihre Fenster und sahen den gr��ten Teil des Falls: Die gigantischen wei�en Eisbrocken fielen wie Bomben oder wirbelten herab wie h�pfende Teller. Dann explodierte die ganze Fl�che des Teichs und schwappte �ber die D�nen.</p><p>Menschen st�rmten aus ihren Zimmern; und in dem L�rm und der Panik scheuchten Hiroko und Maya die Kinder in die Schule, die ein eigenes Luftsystem besa�. Als einige Minuten vergangen waren und es schien, als ob die Kuppel halten w�rde, rannten Peter, Michel und Nadia durch den Schutt los. Sie vermieden und sprangen �ber wei�e Platten um den Teich herum zum Rickover-Reaktor, um sich zu vergewissern, ob noch alles in Ordnung war. Falls nicht, w�rde es f�r sie drei ein t�dliches Unternehmen sein und Lebensgefahr f�r jeden anderen. Nirgal konnte das Gegengestade des Teichs erkennen, das von Eisbergen �bers�t war. In der Luft schwirrten laut kreischende M�wen. Die drei Gestalten zw�ngten sich durch den schmalen, hohen Weg direkt unter dem Rande der Kuppel und verschwanden im Rickover. Jackie knabberte vor Angst an ihren Kn�cheln. Bald gaben sie telefonisch einen Bericht durch. Das Eis �ber dem Reaktor wurde von einem besonders engmaschigen Rahmen getragen und hatte gehalten.</p><p>Also waren sie f�r den Moment sicher. Aber nach einigen im Dorf in einem unangenehmen Zustand von Spannung und Mi�mut verbrachten N�chten offenbarte eine Untersuchung der Ursache des Einsturzes, da� die ganze Masse des Trockeneises �ber ihnen nur wenig eingesunken war und die von ihm zerbrochene Schicht aus Wasser-Eis durch das Netz hatte fallen lassen. Die Sublimation auf der Oberfl�che der Kappe beschleunigte sich offenbar betr�chtlich, seit die Luft dichter und die Welt w�rmer wurde.</p><p>W�hrend der n�chsten Wochen schmolzen die Eisberge im Teich langsam; aber Eisschollen �ber den D�nen schmolzen auch langsam und waren noch da. Den Kindern wurde nicht mehr gestattet, an den Strand zu gehen. Man wu�te noch nicht, wie gro� die restliche Eisschicht war.</p><p>In der zehnten Nacht nach dem Einsturz hielten sie im Speisesaal eine Vollversammlung ab, alle zweihundert Personen. Nirgal sah sich rundum seinen kleinen Stamm an. Die Sansei wirkten erschrocken, die Nisei trotzig und die Issei erstaunt. Die Alten hatten in Zygote seit vierzehn Marsjahren gelebt, und es fiel ihnen schwer, sich an irgendein anderes Leben zu erinnern. F�r die Kinder, die nie etwas anderes gekannt hatten, war es einfach unm�glich.</p><p>Es brauchte nicht gesagt zu werden, da� sie sich nicht der Oberfl�chenwelt ergeben w�rden. Und dennoch wurde die Kuppel unhaltbar, und sie waren eine zu gro�e Gruppe, um sich einem der anderen versteckten Asyle aufzudr�ngen. Eine Aufteilung w�rde das Problem l�sen. Aber das war kein erfreulicher Ausweg.</p><p>Es erforderte eine Stunde an Reden, um all dies klarzulegen. Michel sagte: �Wir k�nnten es mit Vishniac versuchen. Das ist gro�, und die w�rden uns willkommen hei�en.�</p><p>Aber es war das Heim der Bogdanovisten und nicht ihres. Das besagten die Gesichter der Alten. Pl�tzlich schien es Nirgal, da� sie von allen die gr��te Angst hatten.</p><p>�Ihr k�nntet euch weiter unter das Eis zur�ckziehen�, sagte er.</p><p>Alle sahen ihn an.</p><p>�Du meinst, wir sollten eine neue Kuppel schmelzen?� fragte Hiroko.</p><p>Nirgal zuckte die Achseln. Nachdem er die Idee ausgesprochen hatte, mi�fiel sie ihm.</p><p>�Dort ist die Kappe dicker�, erkl�rte Nadia. �Es wird lange dauern, bis sie so weit sublimiert, da� wir Schwierigkeiten bekommen. Bis dahin wird sich alles ge�ndert haben.�</p><p>Es herrschte Schweigen, und dann sagte Hiroko: �Das ist eine gute Idee. Wir k�nnen hier ausharren, bis eine neue Kuppel ausgeschmolzen ist, und dann die Sachen hin�berschaffen, soweit Raum verf�gbar wird. Es sollte nur ein paar Monate dauern.�</p><p><emphasis>�Shikata ga nai�,</emphasis> sagte Maya zynisch. Es <emphasis>gibt keine andere Wahl.</emphasis> Nat�rlich gab es andere M�glichkeiten. Aber ein gro�es neues Projekt schien ihr zu gefallen, ebenso wie Nadia. Und der Rest von ihnen sah erleichtert aus, weil sie eine Chance hatten, beisammen und verborgen zu bleiben. Die Issei hatten, wie Nirgal pl�tzlich sah, gro�e Angst, exponiert zu sein. Er lehnte sich zur�ck und wunderte sich dar�ber. Er dachte an die offenen St�dte, die er mit Cojote besucht hatte.</p><p>Sie benutzten Dampfschl�uche, die vom Rickover Energie erhielten, um einen neuen Tunnel zum Hangar zu schmelzen, und dann einen langen Tunnel unter der Kappe, bis das Eis dar�ber dreihundert Meter dick war. Dort hinten fingen sie an, eine neue runde Kaverne mit Kuppel zu sublimieren und ein seichtes Bett f�r einen neuen Teich. Das meiste CC�2-Gas wurde eingefangen, auf Au�entemperatur abgek�hlt und freigesetzt. Der Rest wurde in Sauerstoff und Kohlenstoff zerlegt und f�r den Gebrauch aufgehoben.</p><p>W�hrend die Aush�hlung lief, gruben sie die flachen Seitenwurzeln der gro�en Schneebambusse aus, hebelten sie aus dem Boden und schleppten sie auf ihrem gr��ten Lastwagen durch den Tunnel in die neue H�hle, wobei unterwegs Bl�tter abgerissen wurden. Sie demontierten die Geb�ude des Dorfes und bauten sie wieder auf. Die robotischen Bulldozer und Laster waren Tag und Nacht rund um die Uhr in Betrieb. Sie sch�pften den abgenutzten Sand von den alten D�nen und fuhren ihn in die neue H�hle. Er enthielt zu viel Biomasse (einschlie�lich Simon), als da� man ihn zur�cklassen k�nnte. Sie nahmen praktisch alles in der Schale mit. Als sie fertig waren, war die alte H�hle nur noch eine leere Blase auf dem Boden der Polkappe. Sandiges Eis oben, eisiger Sand unten. Die Luft darin war nur die Marsatmosph�re der Umgebung, 170 Millibar von zumeist Kohlendioxidgas bei 240 Kelvin. Ein d�nnes Gift.</p><p>Eines Tages ging Nirgal mit Peter zur�ck, um einen Blick auf die alte Stelle zu werfen. Es war schockierend, das einzige Heim, das er jemals hatte, zu einer solchen H�lse reduziert zu sehen. Das ganze Eis oben zerbrochen, der ganze Sand zerw�hlt, die kahlen Wurzell�cher des Dorfes wie schlimme Wunden g�hnend, der Teichboden sogar von seinen Algen entbl��t. Es sah klein und klapperig aus wie der Bau eines verzweifelten Tieres. Maulw�rfe in einem Loch, die sich vor den Geiern verstecken, hatte Cojote gesagt. �La� uns von hier weggehen!� sagte Peter traurig; und sie gingen zusammen durch den langen, kahlen und kaum erleuchteten Tunnel zum neuen Heim. Sie marschierten auf der Betonstra�e, die Nadia gebaut hatte, und die jetzt von Fahrspuren zerpfl�gt war.</p><p>Die neue Kuppel wurde nach einem neuen Plan angelegt, wobei sich das Dorf von der Tunnelschleuse entfernt befand, nahe einem Fluchttunnel, der unter dem Eis weit zu einem Ausgang im oberen Chasma Australe f�hrte. Die Gew�chsh�user wurden n�her bei den Laternen der Peripherie angelegt, die K�mme der D�nen waren h�her als zuvor, und die Wasserversorgung befand sich dicht beim Rickover-Generator. Es gab viele kleine Verbesserungen dieser Art, so da� es keine Kopie des alten Heims wurde. Und jeden Tag waren sie so emsig mit Bauarbeiten besch�ftigt, da� nicht viel Zeit blieb, viel �ber die Ver�nderung nachzudenken. Die Vormittagsstunden in der Schule waren seit dem Einsturz ausgefallen. Jetzt waren die Kinder nur noch eine wechselnde Arbeitsschar, die jedem zugeteilt wurde, der an dem betreffenden Tag am meisten Hilfe brauchte. Manchmal versuchten die Erwachsenen, die sie beaufsichtigten, ihre Arbeit zu einer Lektion zu nutzen. Hiroko und Nadia waren darin besonders gut; aber sie konnten nicht viel Zeit er�brigen und f�gten nur einen erl�uternden Satz den Anweisungen bei, die zu einfach waren, um �berhaupt einer Erkl�rung zu bed�rfen: das Festmachen von Wandbauteilen mit Spezialschl�sseln, das Herumschleppen von S�maschinen und Algenbottichen in den Gew�chsh�usern und so weiter. Es war eben Arbeit. Sie waren ein Teil der Belegschaft, die f�r die Aufgabe auch so noch zu klein war, trotz der vielseitigen Roboter, die wie Rover aussahen, die man ihrer Verkleidung beraubt hatte. Und Nirgal, der umherlief und arbeitete, war meistens gl�cklich.</p><p>Aber einmal, als er aus dem Schulhaus kam und den Speiseraum sah anstatt der gro�en St�mme von Creche Crescent, haute ihn der Anblick um. Seine alte vertraute Welt war dahin, und zwar f�r immer. So wirkte nun einmal die Zeit. Sie gab ihm einen Stich, der ihm Tr�nen in die Augen trieb, und er verbrachte den Rest des Tages irgendwie betroffen und distanziert, als ob er immer einen oder zwei Schritte hinter sich selbst her hinkte. Er beobachtete alles, was geschah, bar jeder Emotion, desinteressiert, wie er es nach Simons Tod gewesen war, in die wei�e Welt verbannt um einen Schritt au�erhalb der gr�nen. Es gab kein Anzeichen, da� er je aus einem solch melancholischen Zustand wieder herauskommen w�rde. Und wie k�nnte er wissen, ob das einmal wieder so sein w�rde? Alle Tage seiner Jugend waren entschwunden mit Zygote. Und sie w�rden nie wiederkehren, und auch dieser Tag w�rde vorbeigehen und entschwinden. Auch diese Kuppel w�rde langsam sublimieren und in sich zusammenfallen. Nichts w�rde dauern. Worauf kam es also an? Diese Frage qu�lte ihn manchmal stundenlang, entzog allem den Geschmack und die Farbe. Und als Hiroko bemerkte, wie niedergeschlagen er war, und sich erkundigte, was ihm fehle, fragte er sie rundheraus. Das war das Gute an Hiroko. Man konnte sie alles fragen, einschlie�lich der fundamentalen Fragen: �Hiroko, warum tun wir all dies? Wenn doch auf jeden Fall alles wei� wird?�</p><p>Sie sah ihn starr an wie ein Vogel, mit zur Seite geneigtem Kopf. Er glaubte, in dieser Neigung des Kopfes ihre Zuneigung zu ihm zu erkennen, war sich aber nicht sicher. W�hrend er �lter wurde, hatte er die Empfindung, da� er sie (wie auch alle anderen) immer weniger verst�nde.</p><empty-line/><p>�Es ist traurig, da� die alte Kuppel dahin ist, nicht wahr?� sagte sie. �Aber wir m�ssen uns auf das konzentrieren, was kommt. Auch das ist Viriditas. Sich nicht auf das konzentrieren, was wir geschaffen haben, sondern auf das, was wir schaffen werden. Die Kuppel war wie eine Bl�te, die welkt und abf�llt. Aber sie enth�lt den Samen einer neuen Pflanze, die w�chst. Und dann gibt es neue Bl�ten und neuen Samen. Die Vergangenheit ist dahin. Dar�ber nachzudenken macht dich nur melancholisch. Nun, als kleines M�dchen lebte ich in Japan auf der Insel Hokkaido. Ja, und ich war so jung wie du. Und ich kann dir nicht sagen, wie lange das her ist. Aber wir sind hier, du und ich, umgeben von diesen Pflanzen und diesen Leuten. Und wenn du ihnen deine Aufmerksamkeit zuwendest und sie wachsen und gedeihen lassen kannst, dann gewinnen die Dinge wieder Leben. Du f�hlst das <emphasis>kami</emphasis> in allen Dingen; und das ist alles, was du brauchst. Dieser Moment ist an sich alles, worin wir leben.�</p><p>�Und die alten Tage?�</p><p>Dar�ber lachte sie. �Du wirst erwachsen. Nun, du mu�t dich von Zeit zu Zeit an die alten Tage erinnern. Die waren doch gut, nicht wahr? Du hattest eine gl�ckliche Kindheit. Das ist ein Segen. Aber so werden auch diese Tage gut sein. Ergreif diesen Augenblick genau hier und frage dich selbst! Was fehlt jetzt? Hmmm?�� Cojote sagt, da� er dich und Peter auf eine neue Reise mitnehmen m�chte. Vielleicht solltest du gehen und wieder unter freien Himmel kommen. Was meinst du?�</p><empty-line/><p>Also wurden Vorbereitungen f�r eine neue Reise mit Cojote getroffen, und sie arbeiteten weiter an dem neuen Zygote, dem man informell wieder den Namen Gamete gegeben hatte. Nachts redeten die Alten in den umgezogenen Speises�len lange �ber ihre Lage. Sax, Vlad und Ursula wollten�� neben anderen�� wieder in die Oberfl�chenwelt zur�ck. Sie konnten ihre konkrete Arbeit in den versteckten Asylen nicht richtig leisten. Sie wollten wieder zur�ck in den vollen Strom medizinischer Wissenschaft, des Terraformens und Bauens. Hiroko sagte: �Wir werden uns nie verstellen k�nnen. Niemand kann seine Genome �ndern.�</p><p>�Es sind nicht unsere Genome, die wir ver�ndern sollten�, sagte Sax, �sondern die Archivdaten. Das ist es, was Spencer getan hat. Er hat seine physischen Merkmale in eine neue aktenkundige Identit�t verwandelt.�</p><p>�Und wir haben sein Gesicht kosmetisch manipuliert�, sagte Vlad.</p><p>�Ja, aber nur minimal wegen unseres Alters, nicht wahr? Keiner von uns sieht sich noch gleich. Jedenfalls k�nnten wir, wenn ihr etwas �hnliches t�tet wie er, neue Identit�ten annehmen.�</p><p>�Hat Spencer wirklich in alle diese Akten Zugriff bekommen?� fragte Maya.</p><p>Sax zuckte die Achseln. �Er wurde in Cairo zur�ckgelassen und hatte die M�glichkeit, in einige derjenigen einzudringen, die jetzt f�r Sicherheitszwecke benutzt werden. Das hat gen�gt. Ich m�chte etwas �hnliches versuchen. La�t uns sehen, was Cojote dazu sagt. Er steht �berhaupt nicht in irgendwelchen Dateien und m��te also wissen, wie er das geschafft hat.�</p><p>�Er war von Anfang an versteckt�, sagte Hiroko. �Das ist etwas anderes.�</p><p>�Nun ja, aber er k�nnte einige Ideen haben.�</p><p>�Wir k�nnten uns einfach in die Demimonde begeben�, erkl�rte Nadia, �und v�llig au�erhalb der Akten bleiben. Das m�chte ich gern versuchen.�</p><p>Maya nickte.</p><p>Jede Nacht besprachen sie diese Dinge. �Nun, eine kleine Ver�nderung des Aussehens k�nnte in Ordnung gehen. Ihr wi�t, Phyllis ist wieder da. Daran m�ssen wir denken.�</p><p>�Ich kann immer noch nicht glauben, da� sie �berlebt hat. Sie mu� neun Leben haben.�</p><p>�Auf jeden Fall kommen wir in zu vielen Nachrichtensendungen vor. Wir m�ssen vorsichtig sein.�</p><empty-line/><p>Eines Tages war Gamete ganz fertiggestellt. Aber Nirgal fand es nie richtig, wie sehr er sich auch auf seinen Bau zu konzentrieren bem�hte. Es war nicht sein Platz.</p><p>Von einem anderen Reisenden kam die Botschaft, da� Cojote bald zur�ck sein w�rde. Nirgal f�hlte, wie sich sein Puls beschleunigte. Wieder unter dem gestirnten Himmel sein, bei Nacht in Cojotes Felsenwagen von Asyl zu Asyl wandern��</p><p>Jackie sah ihn aufmerksam an, als er zu ihr dar�ber sprach. Und an jenem Nachmittag f�hrte sie ihn, nachdem sie aus dem Tagewerk entlassen waren, zu den neuen hohen D�nen hinunter und k��te ihn. Als er wieder bei Besinnung war, k��te er sie wieder, und dann k��ten sie sich leidenschaftlich, schmusten und berauschten sich an ihren Gesichtern. Erst knieten sie bei leichtem Nebel in einer Vertiefung zwischen zwei D�nen, dann lagen sie beieinander in einem Kokon aus ihren Daunenjacken, k��ten und ber�hrten sich, zogen sich gegenseitig die Hosen aus und schufen eine kleine H�lle aus ihrer eigenen W�rme. Sie stie�en Dampf aus und lie�en das Eis unter ihren Jacken knistern. All das geschah ohne Worte. Sie verschmolzen in einen starken, hei�en elektrischen Strom, Hiroko und der ganzen Welt zum Trotz. So ein Gef�hl war das also, dachte Nirgal berauscht, w�hrend er sich in ihr bewegte. Unter den Str�hnen von Jackies schwarzem Haar schimmerten Sandk�rner wie Juwelen, als ob winzige Eisblumen darin steckten. Pracht in allen Dingen.</p><p>Als sie fertig waren, krabbelten sie hoch, um �ber den Kamm der D�ne zu blicken und sich zu vergewissern, da� niemand auf sie zukam. Dann kehrten sie in ihr Nest zur�ck und <emphasis>zogen</emphasis> sich wieder an wegen der W�rme. Sie kuschelten sich aneinander und k��ten sich gierig ohne Eile. Und Jackie stie� ihn mit einem Finger an die Brust und sagte: �Jetzt geh�ren wir einander.�</p><p>Nirgal konnte nur gl�cklich nicken und k��te ihren Hals, das Gesicht in ihrem schwarzen Haar vergraben. �Jetzt geh�rst du mir�, sagte sie.</p><p>Er hoffte aufrichtig, da� das wahr w�re. Es war so, wie er es sich gew�nscht hatte, so weit er sich zur�ckerinnern konnte.</p><empty-line/><p>Aber an diesem Abend planschte Jackie im Badehaus durch das Becken, holte Harmakhis ein und dr�ckte ihn fest an sich. Dann r�ckte sie etwas ab und starrte Nirgal mit einer leeren Miene an. Ihre dunklen Augen waren in ihrem Gesicht wie L�cher. Nirgal sa� erstarrt im seichten Wasser und f�hrte, wie sich sein K�rper versteifte wie in Erwartung eines Schlages. Seine Hoden waren noch wund davon, da� er sich in sie ergossen hatte; und da stand sie an Harmakhis geschmiegt wie seit Monaten nicht und starrte ihn an wie ein Basilisk.</p><p>Ihn �berkam eine ganz erstaunliche Regung. Er erkannte, da� dies ein Augenblick war, an den er sich sein ganzes Leben lang erinnern w�rde, ein entscheidender Wendepunkt, direkt hier in dem dampfenden behaglichen Bad unter dem Adlerblick der statuenhaften Maya, gegen welche Jackie einen feinen Ha� hegte und die jetzt die drei scharf beobachtete, da sie etwas argw�hnte. So war das nun also. Jackie und Nirgal k�nnten einander geh�ren, und er geh�rte sicher zu ihr�� aber ihr Begriff von Zugeh�ren war nicht der seine. Der Schock davon benahm ihm den Atem. Es war, als ob das Dach seines Verst�ndnisses der Dinge zusammengebrochen w�re. Er sah sie an, verbl�fft, verletzt, allm�hlich w�tend. Sie schmuste mit Harmakhis nur um so mehr. Und er begriff. Sie hatte alle beide einkassiert! Ja, das ergab Sinn, es war sicher. Und Reull und Steve und Frantz waren ihr alle gleicherma�en ergeben. Vielleicht war das nur ein �berbleibsel ihrer Herrschaft �ber die kleine Gruppe, vielleicht auch nicht. Vielleicht hatte sie alle vereinnahmt. Und da Nirgal jetzt f�r sie ein Au�enseiter war, f�hlte sie sich mit Harmakhis wohler. Also war er ein Verbannter in seinem eigenen Heim und im Herzen seiner Liebe. Falls sie ein Herz h�tte!</p><p>Er wu�te nicht, ob irgendwelche dieser Eindr�cke richtig waren, und wu�te nicht, wie er das herausfinden k�nnte. Er war sich auch nicht sicher, ob er es �berhaupt herausfinden wollte. Er stieg aus dem Bad und ging in die Herrentoilette mit dem Gef�hl, da� Jackies Blick sich ihm in den R�cken bohrte und der von Maya auch.</p><p>In der Toilette erblickte er in einem Spiegel ein unvertrautes Gesicht. Er hielt an und erkannte es als sein eigenes, verzerrt durch Kummer.</p><p>Er n�herte sich langsam dem Spiegel und empfand wieder die seltsame Erregung, da� sich etwas momentan durch ihn hinzog. Er starrte in das Gesicht im Spiegel und erkannte, da� er nicht das Zentrum des Universums war oder dessen einziges Bewu�tsein, sondern eine Person wie alle anderen, die von anderen von au�en gesehen werden, so wie er andere sah, wenn er sie anschaute. Und dieser fremdartige Nirgal im Spiegel war ein eindrucksvoller schwarzhaariger Junge mit braunen Augen, stark und unwiderstehlich, fast ein Zwilling von Jackie, mit starken schwarzen Augenbrauen und einem� einem <emphasis>Blick!</emphasis> Er wollte von alledem nichts wissen. Aber er f�hlte die Kraft in seinen Fingerspitzen brennen und merkte, wie die Menschen ihn ansahen. Er begriff, da� er f�r Jackie eine gef�hrliche Macht der gleichen Art darstellen k�nnte, wie sie f�r ihn. Das w�rde ihre Verbindung mit Harmakhis als einen Versuch erkl�ren, ihn fernzuhalten, ein Gleichgewicht zu wahren, ihre Macht zu best�tigen�� zu zeigen, da� sie ein verbundenes Paar waren�� und Rivalen. Und ganz pl�tzlich verlie� die Spannung seine Brust, und er erbebte. Dann grinste er schief. Sie geh�rten wirklich einander. Aber er war immer noch er selbst.</p><empty-line/><p>Als also Cojote aufkreuzte und Nirgal bat, ihn auf einer neuen Fahrt zu begleiten, stimmte er sofort zu, sehr dankbar f�r diese Gelegenheit. Der Anflug von �rger auf Jackies Gesicht, als sie die Nachricht h�rte, war schmerzlich zu sehen. Aber ein anderer Teil von ihm jubelte �ber sein Anderssein, �ber seine F�higkeit, ihr zu entrinnen oder zumindest einige Distanz zu bekommen. Rivalen oder nicht�� er brauchte das.</p><empty-line/><p>Ein paar Abende sp�ter fuhren er und Cojote mit Peter und Michel von der riesigen Masse der Polkappe fort in das zerw�hlte Land, schwarz unter seiner Decke von Sternen.</p><p>Nirgal blickte zur�ck auf die helle wei�e Klippe mit einer wilden Mischung aus Gef�hlen. Aber Erleichterung dominierte. Da hinten w�rden sie immer tiefer unter das Eis bohren, bis sie in einer Kuppel unter dem S�dpol lebten. Indessen wirbelte die rote Welt wild durch den Kosmos, unter den Sternen. Pl�tzlich verstand er, da� er nie wieder unter der Kuppel leben w�rde und nie zur�ckkehren, au�er f�r kurze Besuche. Das war keine Sache der Wahl, sondern einfach die Art, wie es geschehen w�rde. Sein Schicksal oder seine Bestimmung. Er f�hlte es wie einen roten Stein in der Hand. Von nun an w�rde er heimatlos sein, sofern nicht eines Tages der ganze Planet sein Heim werden w�rde. Jeder Krater und jede Schlucht ihm vertraut, jede Pflanze, jeder Stein, jede Person�� alles in der gr�nen Welt und in der wei�en. Aber das (eingedenk des Sturms, den er vom Rande der Promethei Rupes gesehen hatte) war ein Unterfangen, das viele Leben besch�ftigen w�rde. Er mu�te anfangen zu lernen.</p></section></section><section><title><p>ZWEITER TEIL</p><p>Der Gesandte</p></title><section><p><emphasis>Asteroiden mit elliptischen Bahnen, die die Marsbahn kreuzen, rechnet man der Amor-Gruppe zu. Kommen sie der Sonne gar n�her als die Erde, spricht man von einer ApolloGruppe. Im Jahre 2088 kreuzte der als 2034 B bekannte Asteroid die Marsbahn etwa achtzehn Millionen Kilometer hinter dem Planeten; und bald danach dockte eine Gruppe robotischer Landevehikel vom Erdmond Luna kommend auf ihm an. 2034 B war eine rohe Kugel von etwa f�nf Kilometern Durchmesser mit einer Masse von ungef�hr f�nfzehn Milliarden Tonnen. Als die Raketen dort landeten, wurde er New Clarke genannt.</emphasis></p><p><emphasis>Schnell wurde eine Ver�nderung deutlich. Einige Vehikel senkten sich auf die staubige Oberfl�che des Asteroiden und fingen an zu bohren, auszuheben, zu stampfen, zu sortieren und zu bef�rdern. Ein Kernkraftwerk kam hinzu, Brennst�be wurden in Stellung gebracht. An einer anderen Stelle wurden �fen angeheizt und robotische Heizer zum Schaufeln eingeschaltet. Auf anderen Landern �ffneten sich Frachtbuchten, aus denen Roboter auf die Oberfl�che stelzten und sich an den unregelm��igen Steinfl�chen verankerten. Tunnelbohrer drangen ein. Staub flog um den Asteroiden herum in den Weltraum, fiel zur�ck oder entwich f�r immer. Lander steckten Rohre zusammen. Das Gestein des Asteroiden war kohlenstoffhaltiger Chondrit, mit einem guten Anteil an Wasser-Eis in Adern und Blasen durchsetzt. Bald begann die kombinierte Kette von Fabriken in den Landern mannigfache Materialien auf Kohlenstoffbasis und etliche Verbindungen zu produzieren. Schweres Wasser, das zu einem Sechstausendstel im Wasser-Eis des Asteroiden enthalten war, wurde ausgesondert. Aus ihm wurde Deuterium hergestellt. Aus den Karbonverbindungen wurden Teile angefertigt; und andere Teile, die mit einem anderen Frachter herbeigeschafft worden waren, wurden mit den neu in den Fabriken hergestellten zusammengef�gt. Es erschienen neue Roboter, die gr��tenteils aus dem Material von Clarke angefertigt worden waren. Und so wuchs die Anzahl der Maschinen, w�hrend Computer in den Landern die Schaffung eines ganzen Industriekomplexes leiteten.</emphasis></p><p><emphasis>Danach war der Proze� viele Jahre lang recht einfach. Die Hauptfabrik auf New Clarke stellte ein Kabel aus Karbonfilamenten von Nanorohren her. Diese Nanorohre bestanden aus Kohlenstoffatomen, die zu Ketten verbunden waren, so da� die sie zusammenhaltenden Kr�fte so stark waren, wie Menschen sie �berhaupt herstellen konnten. Die Filamente waren nur einige Dutzend Meter lang, aber mit �berlappenden Enden geb�ndelt. Dann wurden diese B�ndel ihrerseits geb�ndelt, bis das Kabel einen Durchmesser von neun Metern hatte. Die Fabriken stellten die Filamente her und b�ndelten sie mit Geschwindigkeiten, die gestatteten, das Kabel mit ungef�hr hundert Metern in der Stunde herauszuziehen, zehn Kilometern am Tag, Tagf�r Tag, Jahr um Jahr.</emphasis></p><p><emphasis>W�hrend sich dieser d�nne Strang aus geb�ndeltem Kohlenstoffin den Raum hinzog, bauten Roboter auf einer anderen Fl�che des Asteroiden einen Massentreiber, eine Maschine, die das Deuterium aus dem Wasser am Ort benutzte, um zermalmtes Gestein des Asteroiden mit einer Geschwindigkeit von zweihundert Kilometern in der Sekunde fortzuschleudern. Rings um den Asteroiden wurden auch kleinere Maschinen und konventionelle Raketen gebaut und mit Treibstoffversehen. Sie warteten auf die Zeit, da� sie gez�ndet wurden und die Funktion von Steuerd�sen �bernehmen konnten. Andere Fabriken bauten lange R�derfahrzeuge, die an dem wachsenden Kabel hin und her laufen konnten. Und als das Kabel aus dem Asteroiden hinauszuragen begann, wurden kleine Raketen und andere Maschinen daran befestigt.</emphasis></p><p><emphasis>Der Massentreiber feuerte. Der Asteroid fing an, sich in eine neue Bahn zu bewegen.</emphasis></p><p><emphasis>Es vergingen Jahre. Die neue Bahn des Asteroiden schnitt die Bahn des Mars so, da� er sich ihm bis auf zehntausend Kilometer n�herte. Und die Sammlung von Raketen auf dem Asteroiden feuerte so, da� die Schiverkraft des Mars ihn in eine zun�chst stark elliptische Bahn einfing. Die D�sen feuerten ab und zu weiter und regelten den Orbit. Das Kabel trat immer weiter heraus. Es vergingen weitere Jahre.</emphasis></p><p><emphasis>Etwas �ber ein Jahrzehnt, nachdem die ersten Lander den Boden ber�hrt hatten, war das Kabel ungef�hr drei�igtausend Kilometer lang. Die Masse des Asteroiden betrug etwa acht Milliarden Tonnen, und die Kabelmasse lag bei sieben Milliarden. Der Asteroid befand sich in einer elliptischen Bahn mit einer Periapsis von rund f�nfzigtausend Kilometern. Aber jetzt fingen alle Raketen und Massentreiber sowohl auf New Clarke wie auf dem Kabel selbst an zu feuern�� manche st�ndig, aber die meisten sto�weise. Einer der st�rksten je hergestellten Computer sa� in einer Frachtbucht und koordinierte die Daten von Sensoren und bestimmte, welche Raketen wann zu feuern hatten. Das Kabel, das um diese Zeit vom Mars weg zeigte, fing an, auf ihn zuzuschwingen wie im Zapfenwerk einer kunstvollen Uhr. Der Orbit des Asteroiden wurde kleiner und regelm��iger.</emphasis></p><p><emphasis>Auf New Clarke landeten zum ersten Mal seit jenem ersten Kontakt weitere Raketen, und Roboter darin begannen mit dem Bau eines Raumhafens. Die Spitze des Kabels fing an, sich auf den Mars hinabzusenken. Hier stieg die Komplexit�t des Computers zu einer fast metaphysischen H�he an; und der gravitative Tanz von Asteroid und Kabel mit dem Planeten wurde immer exakter und bewegte sich zu einer Musik, die st�ndig langsamer wurde, so da� auch die Bewegungen des gro�en Kabels, je n�her es seiner richtigen Position kam, immer langsamer wurden. Wenn jemand imstande gewesen w�re, dieses Schauspiel im vollen Umfang zu beobachten, dann h�tte es ausgesehen wie eine eindrucksvolle Demonstration von Zenons Paradoxon, in welchem der L�ufer sich der Ziellinie in immer halbierten Distanzen n�hert� Aber niemand hat je das volle Schauspiel gesehen, denn kein Zeuge verf�gte �ber die erforderlichen Sinne. Im Verh�ltnis gesehen war das Kabel viel d�nner als ein Haar. W�re es auf den Durchmesser eines Haares verkleinert worden, h�tte es immer noch eine L�nge von Hunderten von Kilometern gehabt. Und so war es nur auf kurze Strecken seiner vollen L�nge sichtbar. Man k�nnte vielleicht sagen, da� der Computer, der es dirigierte, den vollsten Eindruck von ihm hatte. F�r Beobachter unten auf der Oberfl�che des Mars in der Stadt Sheffield auf dem Vulkan Pavonis Mons, dem �Pfauenberg�, erschien das Kabel erstmals wie eine sehr kleine Rakete, die mit einer sehr d�nnen, daran befestigten Halteleine herunterkam. So etwas wie ein heller K�der und eine feine Angelschnur, die von irgendwelchen G�ttern im n�chsten Universum gehalten wurde. Aus dieser Perspektive eines Meeresbodens folgte das Kabel seiner Leitlinie nach unten in den massiven Betonbunker �stlich von Sheffield mit qu�lender Langsamkeit, bis die meisten Leute einfach aufh�rten, den vertikalen schwarzen Strich in der oberen Atmosph�re zu beachten.</emphasis></p><p><emphasis>Aber es kam der Tag, da das untere Ende des Kabels D�sen z�ndete, um in den B�en seine Position zu halten, sich in das Loch im Dach des Betonbunkers senkte und in seinem Haltering festmachte. Jetzt wurde das Kabel unterhalb des areosynchronen Punktes durch die Gravitation des Mars nach unten gezogen, w�hrend der oberhalb davon gelegene Teil bestrebt war, New Clarke in zentrifugalem Flug vom Planeten zu folgen. Und die Karbonfasern des Kabels hielten die Zugkraft aus, und der ganze Apparat rotierte mit der gleichen Geschwindigkeit wie der Planet. Er stand �ber Pavonis Mons in einer oszillierenden Vibration, durch die er Deimos ausweichen konnte. Das Ganze wurde noch von dem Computer auf New Clarke kontrolliert und die lange Reihe der auf der Karbonstr�hne angebrachten Raketen.</emphasis></p><p><emphasis>Der Aufzug war wieder da. Auf der einen Seite des Kabels wurden Wagen von Pavonis hochgezogen und andere von New Clarke heruntergelassen. Sie bildeten ein Gegengewicht, so da� dief�r beide Operationen erforderliche Energie erheblich gemindert wurde. Raumschiffe legten am Raumhafen von New Clarke an, und wenn sie ihn verlie�en, wurde ein Schleuderman�ver ausgef�hrt. Die Gravitationssenke des Mars wurde dadurch wesentlich verringert und sein ganzer Verkehr mit der Erde und dem �brigen Sonnensystem weniger kostspielig. Es war, als ob eine Nabelschnur wieder angebracht worden w�re.</emphasis></p><empty-line/></section><section><p>Er stand in der Mitte eines vollkommen geregelten Lebens, als man ihn einzog und zum Mars schickte.</p><p>Die Anweisung kam in Form eines Fax, das aus seinem Telefon erschien in dem Apartment, das Art Randolph erst im Monat zuvor gemietet hatte, nachdem er und seine Frau sich f�r eine Trennung auf Probe entschieden hatten. Das Fax war kurz:</p><p>�Lieber Arthur Randolph: William Fort l�dt Sie zu einem privaten Seminar ein. Ein Flugzeug wird San Francisco Airport um 09.00 verlassen am 22. Februar 2201.�</p><p>Art starrte das Papier erstaunt an. William Fort war der Gr�nder von Praxis, der Transnationalen, die seine Gesellschaft einige Jahre zuvor erworben hatte. Fort war sehr alt, und seine Stellung in der Transnationalen war, wie man sagte, so etwas wie die eines halb pensionierten Emeritus. Aber er hielt immer noch private Seminare ab, die allgemein bekannt waren, obwohl es nur sehr wenig konkrete Information �ber sie gab. Es hie�, da� er Leute aus allen Tochtergesellschaften der Transnat einl�de, da� sie sich in San Francisco trafen und mit einem Privatjet zu einem geheimen Ort geflogen wurden. Niemand wu�te, was dort geschah. Leute, die teilnahmen, wurden gew�hnlich danach versetzt, und falls nicht, hielten sie den Mund in einer Weise, die einen z�gern lie�. Es war also ein Geheimnis.</p><p>Art war �ber die Einladung �berrascht, beunruhigt, aber doch im Grunde erfreut. Vor seiner Einstellung war er Mitbegr�nder und technischer Direktor einer kleinen Firma namens Dumpmines gewesen, die das wertvolle Material barg, das man in einer verschwenderischeren Zeit weggeworfen hatte. Es war eine �berraschung gewesen, da� Praxis sie aufgekauft hatte, eine sehr angenehme �berraschung, da ein jeder in Dumpmines von der Besch�ftigung bei einer kleinen Firma zur Volont�rmitgliedschaft in einer der reichsten Organisationen in der Welt �berging. Er wurde mit ihren Aktien bezahlt, stimmte bei ihrer Politik mit und war frei, alle ihre Hilfsmittel in Anspruch zu nehmen.</p><p>Art war gewi� erfreut gewesen, und auch seine Frau, obwohl diese auch gejammert hatte. Sie selbst war von der Leitung Mitsubishis angestellt; und die gro�en Transnationalen waren, wie sie sagte, wie getrennte Welten. Da sie beide f�r verschiedene arbeite�� ten, drifteten sie unvermeidlich auseinander, noch mehr, als es schon geschehen war. Keiner von ihnen brauchte noch den anderen zur Erlangung von Langlebigkeitsbehandlungen, welche die Transnats zuverl�ssiger besorgten als die Regierung. Und so waren sie wie Menschen auf verschiedenen Schiffen, sagte sie, die aus der Bucht von San Francisco in unterschiedliche Richtungen ausliefen. Wirklich wie Schiffe, die sich nachts begegnen.</p><p>Art hatte geglaubt, da� sie zwischen Schiffen h�tten kommunizieren k�nnen, wenn seine Frau sich nicht so sehr f�r einen anderen ihrer Passagiere interessiert h�tte, einen Vizepr�sidenten von Mitsubishi, dem die ostpazifische Entwicklung unterstand. Aber Art war schnell in das Schlichtungsprogramm von Praxis aufgenommen worden und reiste h�ufig umher, um Vortr�ge zu halten oder in Disputen zwischen verschiedenen kleinen Tochtergesellschaften von Praxis Gutachten zu erstellen, die mit der Bergung von Ressourcen besch�ftigt waren. Und wenn er gerade in San Francisco war, war Sharon sehr selten zu Hause. Ihre Schiffe bewegten sich aus Rufdistanz auseinander, hatte sie gesagt; und er war zu zerm�rbt, um das zu bestreiten, und war auf ihren Vorschlag hin ausgezogen. Man h�tte sagen k�nnen�� hinausgeworfen.</p><p>Jetzt rieb er sich ein dunkles unrasiertes Kinn und las das Fax zum vierten Mal. Er war ein gro�er Mann, kr�ftig gebaut mit einer Tendenz zur Schlappheit�� �plump� hatte ihn seine Frau genannt, w�hrend seine Sekret�rin bei Dumpmines ihn �b�renhaft� nannte, was ihm lieber war. Er hatte tats�chlich die etwas ungeschlachte und watschelnde Erscheinung eines B�ren, aber auch dessen �berraschende Schnelligkeit und Kraft. Er hatte an der Universit�t Washington Schlu�mann gespielt, langsam zu Fu�, aber entschlossen in der Richtung und sehr schwer zu f�llen. �B�renmann� hatte man ihn genannt. Wer ihn angreift, tut das auf eigene Gefahr.</p><p>Er hatte Ingenieurwissenschaften studiert und danach in den �lfeldern von Iran und Georgien gearbeitet, wobei er einige Neuerungen entwickelt hatte, um �l aus sehr magerem Schiefer herauszuholen. Er hatte einen Magistergrad von der Universit�t Teheran w�hrend seiner T�tigkeit erworben, war dann nach Kalifornien gezogen und hatte sich mit einem Freund zusammengetan, der eine Firma gr�ndete, die Tiefseetauchger�te f�r Offshore-�lbohrungen herstellte, ein Unternehmen, das in immer tieferes Wasser vordrang, als zug�nglichere Vorr�te ersch�pft waren. Art hatte eine Anzahl von Verbesserungen an Tauchger�t und Unterwasserbohrern erfunden. Aber einige Jahre, die er in Druckkammern und auf dem Kontinentalsockel verbracht hatte, gen�gten ihm, und er hatte seine Anteile an seinen Partner verkauft und war wieder umgezogen. In rascher Folge hatte er eine Gesellschaft f�r den Bau von Habitaten in kaltem Milieu gegr�ndet, f�r eine Firma mit Sonnenpaddeln gearbeitet und Raketenstartger�ste gebaut. Jeder Job war fein gewesen, aber als die Zeit verging, hatte er herausgefunden, da� nicht die technischen Probleme ihn wirklich interessierten, sondern die menschlichen. Er besch�ftigte sich immer mehr mit Projektmanagement und kam dann zur Gutachtert�tigkeit. Er liebte es, sich in Argumente zu st�rzen und sie zu jedermanns Befriedigung zu l�sen. Das war Ingenieurwesen einer anderen Art, anspruchsvoller und ausf�llender als der mechanische Kram und auch schwieriger. Einige Gesellschaften, f�r die er in jenen Jahren arbeitete, waren Teile von Transnationalen; und er wurde in Gutachten �ber Grenzgebiete nicht nur zwischen seinen Firmen und anderen in den Transnationalen verwickelt, sondern auch in entlegenere Dispute, die eine Art von Urteil als dritte Partei erforderten. Er nannte das Sozialingenieurarbeit und fand es faszinierend.</p><p>Darum hatte er, als Dumpmines startete, die technische Leitung �bernommen und einige gute Arbeit geleistet an ihren Super-Rathjes, den gigantischen Robotervehikeln, die die Extraktion und Sortierung vor Ort besorgten. Aber mehr denn je beteiligte er sich an Labordiskussionen und dergleichen. Dieser Trend in seiner Karriere hatte sich nach der Einstellung durch Praxis beschleunigt. Und an Tagen, da eine solche Arbeit gut verlief, kam er immer nach Hause in der Erkenntnis, da� er Richter oder Diplomat h�tte werden sollen. Ja�� im Herzen war er Diplomat.</p><p>Das verwirrte ihn insofern, als es ihm nicht gelungen war, mit seiner Ehe zurechtzukommen. Und ohne Zweifel war das Zerw�rfnis Fort bekannt, oder wer immer zu dessen Seminar eingeladen hatte. Es war sogar m�glich, da� man sein altes Apartment verwanzt und die unerfreulichen Zust�nde zwischen ihm und Sharon mitgeh�rt hatte, die f�r keinen von beiden schmeichelhaft gewesen sein d�rften. Er fuhr bei diesem Gedanken zusammen, rieb sich immer noch sein unrasiertes Kinn, ging ins Bad und stellte den tragbaren Wassererhitzer an. Das Gesicht im Spiegel wirkte etwas niedergeschlagen. Unrasiert, f�nfzig, getrennt, den gr��ten Teil seines Lebens in falscher T�tigkeit, gerade erst mit seiner wahren Berufung beginnend�� das war nicht die Person, von der er annahm, die von William Fort Faxe erwarten durfte, sagte er sich.</p><p>Seine Frau oder Exfrau rief an und war ebenso erstaunt. �Das mu� ein Irrtum sein�, erkl�rte sie rundheraus, als Art ihr davon erz�hlte.</p><p>Sie hatte angerufen wegen einer ihrer Kameralinsen, die jetzt fehlte. Sie vermutete, da� Art sie mitgenommen h�tte, als er auszog. Art sagte: �Ich werde mich danach umsehen.� Er ging zum Schrank und schaute in seine beiden noch nicht ausgepackten Koffer. Er wu�te, da� die Linse nicht drin war, w�hlte aber ger�uschvoll beide durch. Sharon w�rde merken, wenn er versuchen sollte, das vorzut�uschen. W�hrend er suchte, sprach sie im Telefon weiter. Ihre Stimme erklang schwach durch das leere Apartment. �Das zeigt blo�, wie drollig dieser Fort ist. Du sollst zu einem Shangri-La kommen, und er wird Kleenex-Schachteln f�r die Schuhe benutzen und Japanisch sprechen; und du wirst seinen Krempel sortieren und lernen, in der Luft zu schweben, und ich werde dich nie wiedersehen. Hast du die Linse gefunden?�</p><p>�Nein. Sie ist nicht hier.� Als sie sich getrennt hatten, hatten sie ihren gemeinsamen Besitz geteilt. Sharon hatte ihr Apartment bekommen, das Unterhaltungszentrum, die Desktopanlage, die Kameras, die Pflanzen, das Bett und alle �brigen M�bel. Art hatte die TeflonBratpfanne erhalten. Keine seiner besten Entscheidungen. Aber es bedeutete, da� er jetzt nur sehr wenige Stellen hatte, wo er nach der Linse suchen konnte.</p><p>Sharon konnte einen einzigen Seufzer zu einem gedr�ngten Vorwurf machen. �Sie werden dir Japanisch beibringen, und wir werden dich nie wiedersehen. Was k�nnte William Fort von dir wollen?�</p><p>�Vielleicht Eheberatung?� sagte Art.</p><p>Viele Ger�chte �ber Forts Seminare erwiesen sich als zutreffend, was Art erstaunlich fand. Auf dem Internationalen Flughafen von San Francisco stieg er in einen gro�en starken Privatjet mit sechs weiteren M�nnern und Frauen, und nach dem Start wurden die Fenster, die offenbar doppelt polarisiert waren, schwarz und die T�r zum Cockpit geschlossen. Zwei Mitpassagiere Arts spielten Orientierung; und nachdem das Flugzeug mehrmals leicht nach links und rechts gekippt war, waren sie �bereinstimmend der Ansicht, da� sie in irgendeiner Richtung zwischen S�dwest und Nord flogen. Alle sieben tauschten Information aus. Sie waren alle technische Manager oder Gutachter aus dem gro�en Netz von Praxisgesellschaften. Sie waren aus der ganzen Welt nach San Francisco eingeflogen worden. Manche schienen dar�ber aufgeregt zu sein, da� man sie eingeladen hatte, den exklusiven Gr�nder der Transnationalen zu treffen. Andere waren besorgt.</p><p>Der Flug w�hrte sechs Stunden; und die um Orientierung bem�hten Passagiere sch�tzten w�hrend des Absteigens die �u�erste Grenze ihres Ortes ab. Das war ein Kreis, der Juneau, Hawaii, Mexico City und Detroit umfa�te, obwohl er auch noch gr��er sein konnte, wie Art bemerkte, falls sie sich in einem der neuen Luft-Weltraum-Jets bef�nden. Dann k�nnte es die halbe Erde sein. Als der Jet landete und hielt, wurden sie durch eine kleine Passage zu einem gro�en Lieferwagen mit verdunkelten Scheiben gef�hrt. Zwischen ihnen und dem Fahrersitz war eine fensterlose Schranke. Ihre T�ren wurden von au�en verschlossen.</p><p>Die Fahrt dauerte eine halbe Stunde. Dann hielt der Wagen, und sie wurden vom Fahrer hinausgelassen, einem �lteren Mann in Shorts und einem T-Shirt mit Bali-Reklame.</p><p>Sie blinzelten ins Sonnenlicht. Sie waren nicht auf Bali. Sie standen auf einem kleinen asphaltierten Parkplatz, umgeben von Eukalyptusb�umen, auf dem Boden eines kleinen Tals an der K�ste. Ein Ozean oder sehr gro�er See lag ungef�hr eine Meile entfernt im Westen. Es war nur ein kleiner Streifen davon zu sehen. Ein Bach lief durch das Tal und zu einer Lagune hinter einem Strand. Die Seitenw�nde des Tals waren auf der S�dseite von trockenem Gras bedeckt und Kakteen im Norden. Die Bergk�mme dar�ber waren kahler brauner Fels. �Baja?� vermutete einer der Orientierungsleute. �Ecuador? Australien?�</p><p>�San Luis Obisco?� sagte Art.</p><p>Ihr Fahrer f�hrte sie zu Fu� �ber eine schmale Stra�e zu einem kleinen umz�unten Grundst�ck, auf dem sieben zweist�ckige Holzh�user zwischen K�stenpinien auf dem Talboden beieinander standen. Zwei Geb�ude am Bach waren Wohnh�user; und nachdem sie ihr Gep�ck in zugewiesenen Zimmern darin abgelegt hatten, f�hrte der Fahrer sie zu einem Speisesaal in einem anderen Geb�ude, wo ein halbes Dutzend K�chenangestellte, alle recht betagt, ihnen ein schlichtes Mahl aus Salat und Eintopf vorsetzten. Danach wurden sie wieder in die Wohnh�user gebracht und sich selbst �berlassen.</p><p>Sie versammelten sich in einem zentralen Raum um einen Holzofen. Drau�en war es warm, und in dem Ofen brannte kein Feuer.</p><p>Der Orientierungsmensch namens Sam sagte: �Fort ist hundertzw�lf. Und die Behandlungen haben sein Gehirn nicht beeinflu�t.�</p><p>�Das tun sie nie�, sagte Max, der andere Orientierungsmensch.</p><p>Sie diskutierten einige Zeit �ber Fort. Sie alle hatten Dinge geh�rt; denn William Fort war eine der gro�en Erfolgsgeschichten in der Geschichte der Medizin, der Pasteur ihres Jahrhunderts. Der Mann, der den Krebs besiegte, wie die medizinischen Packungen etwas inkorrekt verk�ndeten. Der Mann, der den ordin�ren Schnupfen bezwang. Er hatte im Alter von vierundzwanzig Jahren Praxis gegr�ndet, um einige bahnbrechende Neuerungen gegen Viren zu vermarkten, und war mit siebenundzwanzig Multimilliard�r. Danach hatte er seine Zeit damit verbracht, Praxis zu einer der gr��ten Transnationalen der Welt zu machen. Achtzig Jahre st�ndiger Metastasen, wie Sam es formulierte. W�hrend er pers�nlich sich in eine Art von Ultra-Howard-Hughes verwandelte, so sagte man, und immer noch m�chtiger wurde, bis er wie ein Schwarzes Loch v�llig in dem Ereignishorizont seiner Macht verschwand. Max sagte: �Ich hoffe nur, da� er nicht zu geisterhaft wird.�</p><p>Die anderen Teilnehmer�� Sally, Amy, Elizabeth und George�� waren optimistischer. Aber sie alle waren gespannt auf ihre pers�nliche Begr��ung oder das Fehlen einer solchen. Und als im ganzen weiteren Verlauf des Abends niemand kam, um sie aufzusuchen, zogen sie sich besorgt in ihre Zimmer zur�ck.</p><p>Art schlief wie immer gut und wachte am Morgen bei dem leisen Ruf einer Eule auf. Der Bach gurgelte unter seinem Fenster. Es war noch graue D�mmerung und die Luft erf�llt von dem Nebel, der die K�stenpinien n�hrte. Von irgendwo her aus dem Grundst�ck kam ein klopfendes Ger�usch.</p><p>Er zog sich an und ging hinaus. Alles war triefend na�. Unten auf schmalen flachen Terrassen wuchsen Reihen von Kopfsalat und Spalier�pfeln, die so fest an Gestelle gebunden waren, da� sie nur ausgef�cherte B�sche bildeten.</p><p>Als Art zum unteren Ende der kleinen Farm jenseits der kleinen Lagune kam, bekamen die Dinge allm�hlich Farbe. Dort war ein Rasen wie ein Teppich unter einer gro�en alten Eiche ausgebreitet. Art f�hlte sich von dem Baum angezogen und ging zu ihm hin�ber. Er ber�hrte seine rauhe, rissige Borke. Dann h�rte er Stimmen. Auf einem Weg an der Lagune kam eine Reihe von Leuten entlang, die schwarze Wasserschutzanz�ge und Surfbretter oder lange, zusammengefaltete Schwingen trugen. Als sie vorbeikamen, erkannte er die Gesichter der K�chenmannschaft vom vorigen Abend und auch ihren Fahrer. Dieser winkte und ging weiter. Art ging zur Lagune hinunter. Das leise Ger�usch von Wellen murmelte in der salzigen Luft, und V�gel schwammen im Schilf.</p><p>Nach einer Weile ging Art wieder den Pfad hoch und traf im Speisesaal der Siedlung die �ltlichen Arbeiter wieder in der K�che an, wie sie Pfannkuchen schwenkten. Nachdem Art und die �brigen G�ste gespeist hatten, f�hrte sie der Fahrer die Treppe hinauf in einen gro�en Versammlungsraum. Sie nahmen auf Couchen Platz, die in einem Quadrat angeordnet waren. Gro�e Aussichtsfenster in allen vier W�nden lie�en viel von dem grauen Licht des Morgens ein. Der Fahrer sa� zwischen zwei Couchen auf einem Stuhl. Er sagte: �Ich bin William Fort. Ich freue mich, da� Sie alle hier sind.�</p><p>Er war bei n�herer Betrachtung ein seltsam aussehender alter Mann. Sein Gesicht war runzlig wie von hundert Jahren der Angst, aber die Miene, die es laufend zeigte, war heiter und gel�st. Wie ein Schimpanse mit Laborerfahrung, der jetzt Zen studiert, dachte Art. Oder blo� ein sehr alter Surfer oder Gleitflieger, verwittert, kahl und stupsn�sig. Jetzt musterte er sie einem nach dem andern. Sam und Max, die ihn als Fahrer und Koch nicht beachtet hatten, sahen unbehaglich aus; aber er schien davon keine Notiz zu nehmen. Er sagte: �Ein Anzeichen daf�r, wie voll die Welt von Menschen und deren Aktivit�ten ist, ist die prozentuale Verwendung des Nettoprodukts der bodenst�ndigen Photosynthese.�</p><p>Sam und Max nickten, als ob das die �bliche Art w�re, eine Versammlung zu er�ffnen.</p><p>�Darf ich mir Notizen machen?� fragte Art.</p><p>�Bitte�, sagte Fort. Er zeigte auf den Kaffeetisch in der Mitte des Quadrats aus Couchen, der von Papieren und Textger�ten bedeckt war. �Ich m�chte sp�ter einige Spiele veranstalten, darum sind hier Textger�te und Notizbl�cke, ganz wie Sie m�gen.�</p><p>Die meisten hatten ihre eigenen Leseger�te mit; und es gab ein kurzes stilles Durcheinander und Gelaufe, als sie sie holten. Inzwischen stand Fort auf und ging hinter ihren Couchen im Kreis herum, wobei er bei jeder Runde ein paar S�tze sprach.</p><p>Er sagte: �Wir nutzen jetzt ungef�hr achtzig Prozent des Nettoprim�rprodukts bodengebundener Photosynthese. Hundert Prozent sind wahrscheinlich unm�glich zu erreichen. Und unsere Kapazit�t auf weite Sicht wurde auf drei�ig Prozent gesch�tzt, so da� wir massiv �bers Ziel hinausschie�en, wie man sagt. Wir haben unser nat�rliches Kapital liquidiert, als ob es ein verf�gbares Einkommen w�re, und n�hern uns der Ersch�pfung gewisser Grundvorr�te wie �l, Holz, Boden, Metalle, S��wasser, Fisch und Vieh. Das macht eine kontinuierliche �konomische Expansion schwierig.�</p><p>Schwierig! <emphasis>schrieb Art.</emphasis> Kontinuierlich?</p><p>�Wir m�ssen fortfahren�, sagte Fort und warf Art einen scharfen Blick zu, der sein Notizger�t unauff�llig mit dem Arm abdeckte. �Kontinuierliche Expansion ist ein fundamentaler Satz der �konomie. Und deshalb ein fundamentaler Grundsatz des Universums selbst. Denn alles ist �konomie. Physik ist kosmische �konomie; Biologie ist zellulare �konomie, die Geisteswissenschaften sind soziale �konomie, Psychologie ist mentale �konomie und so weiter.�</p><p>Seine H�rer lauschten mi�mutig.</p><p>�Also expandiert alles. Aber das kann nicht geschehen im Widerspruch zum Gesetz der Erhaltung von Materie und Energie. Ganz gleich, wie wirksam Ihr Output ist, Sie k�nnen ihn nicht gr��er machen als den Input.�</p><p><emphasis>Art notierte:</emphasis> Output nicht gr��er als Input�� alles ist �konomie�� nat�rliches Kapital�� massiv �berzogen.</p><p>�Als Reaktion auf diese Situation hat eine Gruppe hier bei Praxis an etwas gearbeitet, das wir volle Welt�konomie nennen.�</p><p>�Sollte das eine �berf�llte Welt sein?� fragte Art.</p><p>Fort schien ihn nicht zu h�ren. �Nun sind, wie Daly sagte, von Menschen erzeugtes Kapital und nat�rliches Kapital nicht austauschbar. Das liegt auf der Hand; aber da die meisten �konomen es immer noch f�r austauschbar erkl�ren, mu� man das betonen. Wenn Sie ein Haus bauen, k�nnen Sie mit der Anzahl von Motors�gen und Zimmerleuten jonglieren, was bedeutet, da� sie austauschbar sind; aber Sie k�nnen es nicht mit der halben Menge an Bauholz erbauen, ganz gleich, wie viele S�gen oder Zimmerleute Sie haben. Versuchen Sie es, und Sie haben ein Luftschlo�. Und in einem solchen leben wir jetzt.�</p><p>Art sch�ttelte den Kopf und blickte auf seine Notizseite, die er wieder gef�llt hatte. <emphasis>Ressourcen und Kapital nicht austauschbar�� Motors�gen/Zimmerleute�� Luftschlo�.</emphasis></p><p>�Verzeihung!� sagte Sam. �Sagten Sie nat�rliches Kapital?�</p><p>Fort drehte sich schroff um und sah Sam an. �Ja?�</p><p>�Ich dachte, Kapital w�re definitionsgem�� von Menschen gemacht. Die erzeugten Produktionsmittel, wie wir es zu definieren gelernt haben.�</p><p>�Ja. Aber in einer kapitalistischen Welt hat das Wort <emphasis>Kapital</emphasis> immer mehr verschiedene Anwendungen bekommen. Zum Beispiel sprechen die Leute von menschlichem Kapital, welches Arbeit durch Bildung und Werkserfahrung ansammelt. Menschliches Kapital unterscheidet sich von der klassischen Art dadurch, da� man es nicht erben kann; und es kann nur gemietet, nicht aber geoder verkauft werden.�</p><p>�Wenn man nicht Sklaverei mitrechnet�, sagte Art.</p><p>Fort runzelte die Stirn. �Dieser Begriff von <emphasis>nat�rlichem Kapital</emphasis> �hnelt tats�chlich der traditionellen Definition mehr als menschliches Kapital. Es kann besessen und vererbt werden und in erneuerbares und nicht erneuerbares, vermarktetes und nicht vermarktetes unterteilt werden.�</p><p>�Wenn aber alles Kapital der einen oder anderen Art ist�, sagte Amy, �kann man verstehen, warum Leute denken, da� die eine Art mit der anderen austauschbar w�re. Wenn man sein von Menschen gewonnenes Kapital benutzt, um weniger nat�rliches Kapital zu nutzen, ist das keine Substitution?�</p><p>Fort sch�ttelte den Kopf. �Das ist Wirkungsgrad. Kapital ist eine Gr��e des Inputs, und Wirkungsgrad ist das Verh�ltnis von Output zu Input. Ganz gleich, wie leistungsf�hig Kapital ist, es kann nicht etwas aus nichts machen.�</p><p>�Neue Energiequellen���, warf Max ein.</p><p>�Aber wir k�nnen keinen Boden aus Elektrizit�t gewinnen. Fusionsenergie und sich selbst reproduzierende Maschinen haben uns enorme Mengen an Energie gebracht; aber wir m�ssen -Grundvorr�te haben, um diese Energie anzuwenden. Und so rennen wir zu einer Schranke, wo keine Substitutionen mehr m�glich sind.�</p><p>Fort starrte sie alle an und zeigte immer noch jene urt�mliche Ruhe, die Art zu Anfang aufgefallen war. Art blickte auf seine Notizen. <emphasis>Nat�rliches Kapital�� menschliches Kapital�� Energie gegen Materie�� Elektrischer Boden�� Bitte keine Substitutionen.</emphasis> Er grinste und schaltete auf eine neue Seite.</p><p>�Leider arbeiten die meisten �konomen noch mit dem Leere-Welt-Modell der �konomie�, erkl�rte Fort.</p><p>�Das Volle-Welt-Modell scheint offenkundig�, erwiderte Sally. �Das ist einfach gesunder Menschenverstand. Warum sollten irgendwelche �konomen es ignorieren?�</p><p>Fort zuckte die Achseln und machte eine neue schweigende Runde durch das Zimmer. Arts Hals wurde allm�hlich m�de.</p><p>�Wir verstehen die Welt durch Paradigmen. Der �bergang von einer �konomie der leeren Welt zu einer der vollen ist ein bedeutender Paradigmenwechsel. Max Planck hat einmal gesagt, da� ein neues Paradigma nicht siegt, indem es seine Gegner �berzeugt, sondern dadurch, da� seine Gegner schlie�lich aussterben.�</p><p>�Und jetzt sterben sie nicht aus�, sagte Art.</p><p>Fort nickte. �Die Behandlungen halten die Menschen im Gang. Und viele von ihnen haben Dauerposten.�</p><p>Sally machte ein mi�billigendes Gesicht. �Dann m�ssen sie eben lernen, ihre Denkweise zu �ndern.�</p><p>Fort sah sie an. �Das wollen wir eben jetzt versuchen. Zumindest theoretisch. Ich m�chte, da� Sie Strategien einer �konomie der vollen Welt erfinden. Das ist ein Spiel von mir. Wenn Sie Ihre Leseger�te in den Tisch einst�pseln, kann ich Ihnen die Ausgangsdaten liefern.�</p><p>Alle beugten sich vor und st�pselten sich in den Tisch ein.</p><p>Das erste Spiel, das Fort machen wollte, handelte davon, maximal versorgbare menschliche Bev�lkerungen zu sch�tzen. Sam fragte: �H�ngt das nicht von Annahmen �ber den Lebensstil ab?�</p><p>�Wir werden eine ganze Reihe von Annahmen machen.�</p><p>Er scherzte nicht. Sie gingen von Szenarien, in denen jedes f�r Ackerbau geeignete St�ck Land der Erde mit maximalem Wirkungsgrad bewirtschaftet wurde, �ber zu Szenarien, bei denen auch Jagen und Sammeln eine Rolle spielten. Von allgemeinem erheblichem Konsum zu allgemeinen Di�ten, um das Leben zu fristen. Ihre Textger�te stellten die Anfangsbedingungen ein; und dann klapperten sie los. Sie sahen gelangweilt, nerv�s oder ungeduldig und vertieft aus, benutzten Formeln, die der Tisch lieferte, oder auch eigene.</p><p>Damit waren sie bis zum Mittagessen und dann den ganzen Nachmittag besch�ftigt. Art liebte Spiele, und er und Amy waren immer vor den anderen fertig. Ihre Resultate f�r eine maximal versorgbare Bev�lkerung reichte von hundert Millionen (dem Modell des �unsterblichen Tigers�, wie Fort es nannte) bis zu drei�ig Milliarden (dem �Ameisenhaufen�-Modell).</p><p>�Das ist ein gro�er Spielraum�, bemerkte Sam.</p><p>Fort nickte und sah sie alle geduldig an.</p><p>�Aber wenn man Modelle mit den realistischsten Bedingungen betrachtet�, sagte Art, �kommt man gew�hnlich auf zwischen drei und acht Milliarden.�</p><p>�Und die gegenw�rtige Bev�lkerung betr�gt ungef�hr zw�lf Milliarden�, erwiderte Fort. �Also sind wir �ber das Ziel hinausgeschossen. Was tun wir jetzt daran? Immerhin gibt es Handelsgesellschaften, die arbeiten. Das Gesch�ftsleben wird nicht aufh�ren, weil es zu viele Menschen gibt. �konomie der vollen Welt ist nicht das Ende der �konomie, sondern nur das Ende von �business as usual�. Ich will, da� Praxis da zuerst die Kurve kriegt. So! Es herrscht Ebbe, und ich ziehe mich nach drau�en zur�ck. Sie k�nnen gern mitkommen. Morgen werden wir ein Spiel spielen, das hei�t ��bervoll�.�</p><p>Damit verlie� er das Zimmer, und sie waren sich selbst �berlassen. Sie gingen wieder in ihre Zimmer und dann, als es Zeit zum Abendessen war, in den Speisesaal. Fort war nicht da, aber einige seiner �ltlichen Gef�hrten vom vorigen Abend. Und zu ihnen gesellte sich jetzt eine Schar junger M�nner und Frauen, alle sauber, mit fr�hlichen Mienen und gesund aussehend. Sie sahen aus wie ein Wanderclub oder ein Schwimmverein, und mehr als die H�lfte waren weiblich. Sam und Max zogen die Augenbrauen hoch und herunter in einem einfachen Morsecode, der besagte: �Aha! Aha!� Die jungen Leute ignorierten das und servierten ihnen Dinner. Dann gingen sie wieder in die K�che. Art a� rasch und fragte sich, ob Sam und Max mit ihren Vermutungen recht hatten. Dann brachte er seinen Teller in die K�che und fing an, beim Abwaschen zu helfen. Zu einer jungen Frau sagte er: �Was bringt Sie hierher?�</p><p>�Das ist eine Art Ausbildungsprogramm�, erkl�rte sie. Sie hie� Joyce. �Wir sind alle Lehrlinge, die im letzten Jahr zu Praxis gesto�en sind und ausgew�hlt wurden, zur Ausbildung hierherzukommen.�</p><p>�Haben Sie zuf�llig heute �ber �konomie der vollen Welt gearbeitet?�</p><p>�Nein, Volleyball.�</p><p>Art ging wieder nach drau�en und w�nschte, er w�re f�r ihr Programm ausgew�hlt worden anstatt f�r seines. Er fragte sich, ob es hier eine Warmbadeanlage g�be, da unten mit Blick auf den Ozean. Das erschien nicht unm�glich; denn das Meer war k�hl, und wenn alles �konomie war, dann konnte man darin eine Investition sehen. Sozusagen zur Aufrechterhaltung der menschlichen Infrastruktur.</p><p>Wieder im Wohnbereich, sprachen seine Mitg�ste �ber den Tag. �Ich mag dieses Zeug nicht�, erkl�rte Sam.</p><p>�Wir stecken alle drin�, sagte Max finster. �Es gilt, bei einem Kult mitzumachen oder den Job zu verlieren.�</p><p>Die anderen waren nicht so pessimistisch. Amy meinte: �Vielleicht ist er blo� einsam.�</p><p>Sam und Max rollten die Augen und schauten zur K�che.</p><p>�Vielleicht wollte er immer Lehrer werden�, meinte Sally.</p><p>�Vielleicht will er, da� Praxis jedes Jahr um zehn Prozent w�chst�, erkl�rte George, �volle Welt oder nicht.�</p><p>Sam und Max nickten dazu, und Elizabeth machte ein �rgerliches Gesicht. �Vielleicht will er die Welt retten�, sagte sie grinsend.</p><p>�Stimmt!� erwiderte Sam, und Max und George kicherten.</p><p>�Vielleicht hat er diesen Raum verwanzt�, mutma�te Art grinsend. Damit wurde die Unterhaltung wie durch eine Guillotine abgeschnitten.</p><empty-line/><p>Die folgenden Tage waren dem ersten sehr �hnlich. Sie sa�en im Konferenzraum, und Fort ging um sie herum und redete den ganzen Morgen, manchmal zusammenh�ngend und manchmal nicht. Eines Morgens verbrachte er drei Stunden mit Auslassungen �ber den Feudalismus. Wie er der klarste politische Ausdruck der Dynamik von Dominanz bei Primaten w�re; wie er niemals wirklich aufgeh�rt h�tte; wie transnationaler Kapitalismus Feudalismus mit Gro�buchstaben w�re; wie die Aristokratie der Welt sich dar�ber klar werden m�sse; wie man kapitalistisches Wachstum in die Theorie vom Dauerzustand des Feudalmodells integrieren k�nnte. An einem anderen Morgen sprach er �ber eine kalorische Wertetheorie, genannt �ko-�konomik, die wohl zuerst von fr�hen Siedlern auf dem Mars entwickelt worden war. Sam und Max rollten bei dieser Kunde die Augen, w�hrend Fort weiter t�nte �ber Gleichungen von Taneev und Tokareva und unleserlich auf einem Zeichenbrett in der Ecke kritzelte.</p><p>Aber dieses Schema dauerte nicht an; denn ein paar Tage nach ihrer Ankunft kam aus dem S�den eine gro�e Flut. Fort stellte ihre Zusammenk�nfte ein und verbrachte seine ganze Zeit mit Surfen oder Gleiten �ber das Wasser in einem Vogelkost�m, welches ein leichter, eng anliegender Schwimmanzug mit breiten Fl�geln war, ein flexibler Hanggleiter, der die Muskelbewegungen des Fliegers in die passenden halbstarren Konfigurationen f�r erfolgreichen Flug umsetzte. Die meisten jungen Stipendiaten erhoben sich mit ihm in die Luft und flatterten umher wie Ikarusse, um danach tiefer zu gehen und rasch �ber die Luftkissen zu gleiten, die jede brechende Welle hochstie�. Luftsurfen wie die Pelikane selbst, die diesen Sport erfunden hatten.</p><p>Art ging hinaus und flitzte umher auf einem Wellenbrett. Er geno� das Wasser, das k�hl war, aber nicht so sehr, da� er unbedingt einen Schutzanzug gebraucht h�tte. Er fuhr nahe an die Welle heran, auf der Joyce ritt, und schwatzte mit ihr zwischen den L�ufen. Dabei stellte er fest, da� die anderen alten K�chenarbeiter gute Freunde Forts waren, Veteranen der ersten Jahre des Aufstiegs von Praxis zu Bedeutung. Die jungen Forscher sprachen von ihnen als den Achtzehn Unsterblichen. Von denen waren einige im Lager stationiert, w�hrend andere zu einer Art von Treffen erschienen, bei dem sie �ber Probleme konferierten, die aktuelle F�hrungsschicht von Praxis �ber Politik berieten, Seminare und Kurse abhielten und in den Wellen spielten. Diejenigen, die sich nicht f�r Wasser interessierten, arbeiteten in den G�rten.</p><p>Art musterte die G�rtner genau, als er wieder auf das Grundst�ck hinaufstieg. Sie arbeiteten in etwas, das wie Zeitlupentempo aussah, und redeten die ganze Zeit miteinander. Derzeit schien ihre Hauptarbeit das Abernten der Spalier�pfel zu sein.</p><p>Die Flut aus dem S�den hielt an, und Fort lie� Arts Gruppe wieder zusammenkommen. Eines Tages ging es um M�glichkeiten f�r Gesch�fte in einer vollen Welt; und Art begann zu verstehen, weshalb er und seine sechs Kollegen zur Teilnahme ausgesucht sein k�nnten. Amy und George arbeiteten �ber Empf�ngnisverh�tung, Sam und Max in industriellem Design, Sally und Elizabeth in Ackerbautechnik, und er selbst �ber Wiedergewinnung von Ressourcen. Sie arbeiteten alle schon in gesch�ftlichen Fragen der vollen Welt und erwiesen sich bei den nachmitt�glichen Spielen recht gut im Entwerfen neuer Verfahren.</p><p>An einem anderen Tage schlug Fort ein Spiel vor, in dem sie das Problem der vollen Welt durch R�ckkehr zu einer leeren Welt zu l�sen hatten. Sie sollten davon ausgehen, da� ein Pest�bertr�ger frei w�rde, der jeden in der Welt t�tete, der nicht die gerontologische Behandlung bekommen hatte. Wie w�rden die Pros und Contras einer solchen Aktion sein?</p><p>Die Gruppe starrte verlegen auf die Textger�te. Elizabeth erkl�rte, da� sie bei einem Spiel auf solch monstr�ser Grundlage nicht mitmachen w�rde.</p><p>Fort gab zu: �Es ist eine monstr�se Idee. Aber das macht sie nicht unm�glich. Sehen Sie, ich h�re so manche Sachen. Zum Beispiel gibt es unter der F�hrerschaft der gro�en Transnationalen Diskussionen und Argumente. Man h�rt, wie Ideen aller Art ganz ernsthaft dargelegt werden, darunter auch solche wie diese. Jedermann jammert dar�ber, und das Thema wechselt. Aber niemand erkl�rt, da� sie technisch unm�glich sind. Und manche scheinen zu denken, da� dadurch gewisse Probleme gel�st w�rden, die anders nicht zu bew�ltigen sind.�</p><p>Die Gruppe erwog diesen Gedanken mi�mutig. Art schlug vor, da� landwirtschaftliche Arbeiter knapp sein w�rden.</p><p>Fort blickte auf den Ozean hinaus und sagte nachdenklich: �Das ist das Grundproblem bei einem Zusammenbruch. Wenn man einmal einen startet, ist es schwer, einen Punkt zu bestimmen, an dem man zuversichtlich sagen kann, da� er aufh�rt. Machen wir weiter!�</p><p>Und das taten sie, recht niedergeschlagen. Sie spielten Reduktion der Bev�lkerung. Und nach der gerade erwogenen Alternative gingen sie ziemlich intensiv vor. Jede(r) war abwechselnd Beherrscher der Welt, wie Fort es ausdr�ckte, und legte seinen (oder ihren) Plan in einigem Detail dar.</p><p>Als Art an der Reihe war, sagte er: �Ich w�rde jeder lebenden Person ein Geburtsrecht geben, das sie erm�chtigt, Elternteil von drei Vierteln eines Kindes zu sein.�</p><p>Alle lachten, einschlie�lich Fort. Aber Art war hartn�ckig. Er erkl�rte, da� auf diese Weise jedes Elternpaar das Recht bek�me, anderthalb Kinder in die Welt zu setzen. Wenn sie dann eins h�tten, k�nnten sie das Recht auf das n�chste halbe entweder verkaufen oder von einem anderen Paar das Recht auf ein weiteres halbes erwerben und so dann ein zweites Kind haben. Die Preise f�r halbe Kinder w�rden nach dem klassischen Prinzip von Angebot und Nachfrage schwanken. Die sozialen Konsequenzen w�ren positiv. Leute, die sich Extrakinder w�nschten, m��ten daf�r Opfer bringen; und die, welche das nicht wollten, h�tten eine Einkommensquelle, um die anderen zu unterst�tzen. Wenn die Bev�lkerung weit genug gesunken w�re, k�nnte der Herrscher der Welt erw�gen, das Geburtsrecht auf ein Kind je Person zu senken, was einem demokratischen Gleichgewichtszustand nahe k�me. Aber in Anbetracht der Langlebigkeitsbehandlung d�rfte die Schranke von drei Vierteln lange in Kraft bleiben.</p><empty-line/><p>Als Art seinen Vorschlag fertig dargelegt hatte, blickte er von Notizen auf seinem Ger�t auf. Alle starrten ihn an.</p><p>�Drei Viertel eines Kindes�, wiederholte Fort grinsend, und alle lachten wieder. �Das gef�llt mir.� Das Gel�chter h�rte auf. �Ich w�rde auf dem offenen Markt einen Geldwert f�r ein Menschenleben festsetzen. Bisher ist das, was auf diesem Gebiet geleistet wurde, bestenfalls schlampig. Einkommen und Ausgaben auf Lebenszeit und dergleichen.� Er seufzte und sch�ttelte den Kopf. �Die Wahrheit ist, da� die �konomen die meisten Zahlen im Hinterzimmer ausbr�ten. Wert ist eigentlich keine �konomische Kalkulation. So nicht. Sehen wir zu, ob wir absch�tzen k�nnen, wie hoch der Preis f�r ein halbes Kind sein w�rde. Ich bin sicher, es w�rde Spekulation, Mittelspersonen und einen ganzen Marktapparat geben.�</p><p>Also besch�ftigten sie sich f�r den Rest des Nachmittags mit dem Dreiviertelspiel. Sie gerieten tief in die Marktverh�ltnisse und die Entw�rfe f�r Seifenopern hinein. Als sie fertig waren, lud Fort sie zu einer Grillparty am Strand ein.</p><empty-line/><p>Sie gingen wieder auf ihre Zimmer, zogen Windjacken an und gingen den Weg ins Tal hinunter im Licht des Sonnenuntergangs. Am Strand brannte an einer D�ne ein gro�es offenes Feuer, das von einigen jungen Studenten versorgt wurde. Als sie herangekommen waren und sich auf Decken um das Feuer hingesetzt hatten, landeten etwa ein Dutzend der Achtzehn Unsterblichen aus der Luft, liefen �ber den Sand und brachten ihre Fl�gel langsam herunter. Dann �ffneten sie die Rei�verschl�sse ihrer Anz�ge, wischten sich nasses Haar aus den Augen und unterhielten sich miteinander �ber den Wind. Sie halfen sich gegenseitig aus den langen Fl�geln und standen in ihren Badeanz�gen mit G�nsehaut zitternd da. Hundertj�hrige Flieger mit d�rren zum Feuer ausgestreckten Armen. Die Frauen waren ebenso muskul�s wie die M�nner und ihre wie von einer Million Jahren gezeichneten Gesichter blinzelten in die Sonne und lachten rings um das Feuer.</p><p>Art sah, wie Fort mit seinen alten Freunden scherzte und wie l�ssig sie einander abtrockneten. Geheimes Leben der Reichen und Ber�hmten! Sie a�en Hot Dogs und tranken Bier. Die Flieger gingen hinter eine D�ne und kamen zur�ck in Hosen und Trainingsblusen, erfreut, etwas l�nger am Feuer zu stehen und ihr feuchtes Haar auszuk�mmen. Es war tiefe D�mmerung, und die zur K�ste wehende Brise war salzig und k�hl. Die gro�e orangefarbene Flamme tanzte im Wind, und Licht und Schatten flackerten �ber Forts affen�hnliches Gesicht. Wie Sam fr�her gesagt hatte�� er sah keinen Tag �lter aus als achtzig.</p><p>Jetzt sa� er zwischen seinen sieben G�sten, die sich zusammendr�ngten. Er starrte in die Glut und fing wieder an zu reden. Die Leute auf der anderen Seite des Feuers fuhren in ihren Gespr�chen fort, aber Forts G�ste beugten sich vor, um ihn �ber dem Wind, den Wellen und dem knisternden Feuer zu h�ren. Ohne ihre Leseger�te im Scho� wirkten sie etwas hilflos.</p><p>�Sie k�nnen Menschen nicht dazu bringen, da� sie etwas tun�, sagte Fort. �Es kommt darauf an, sich selbst zu �ndern. In der �kologie gibt es ein sogenanntes Gr�nderprinzip. Die Bev�lkerung einer Insel beginnt mit einer kleinen Anzahl von Siedlern, die nur einen kleinen Bruchteil der Gene der Elternbev�lkerung besitzt. Das ist der erste Schritt zur Aussonderung. Ich denke, wir brauchen jetzt eine neue Spezies�� nat�rlich �konomisch gesprochen. Und Praxis selbst ist die Insel. Die Art, wie wir sie strukturieren, ist eine Art von technischer Manipulation der Gene, mit der wir zu ihr gekommen sind. Wir sind nicht verpflichtet, bei den Regeln zu bleiben, wie sie jetzt bestehen. Wir k�nnen eine neue Spezies machen. Nicht feudal. Wir haben den kollektiven Besitz, k�nnen gemeinsam Entscheidungen treffen und konstruktiv handeln. Wir arbeiten auf einen k�rperschaftlichen Zustand hin, �hnlich dem, den die B�rger in Bologna gemacht haben. Das ist eine Art von demokratisch kommunistischer Insel, die t�chtiger ist als der sie umgebende Kapitalismus und einen neuen Lebensstil schafft. Glauben Sie, da� eine solche Art von Demokratie m�glich ist? Wir werden sie an einem dieser Nachmittage durchspielen.�</p><p>�Was immer Sie sagen�, bemerkte Sam. Das trug ihm einen scharfen Blick von Fort ein.</p><empty-line/><p>Der n�chste Morgen war sonnig und warm. Fort entschied, da� das Wetter zu gut w�re, um drinnen zu bleiben. Also gingen sie wieder an den Strand und etablierten sich unter einer gro�en Markise nahe der Feuergrube zwischen K�hlschr�nken und H�ngematten, die zwischen den Stangen der Markise aufgespannt waren. Der Ozean war leuchtend hellblau, die Wellen klein, aber gekr�uselt. Sie wurden oft von Surfern in Schutzanz�gen besetzt. Fort sa� in einer H�ngematte und dozierte �ber Selbstsucht und Altruismus mit Beispielen aus �konomie, Soziobiologie und Bioethik.</p><p>Er kam zu dem Ergebnis, da� es so etwas wie Altruismus �berhaupt nicht gebe. Auf lange Sicht schaffte es nur Selbstsucht, wenn man die realen Kosten des Verhaltens ber�cksichtigte und sich vergewisserte, da� diese ordentlich bezahlt w�rden und sich nicht zu langfristigen Schulden anh�uften. In der Tat eine sehr gesunde �konomische Praxis, wenn sie richtig gelenkt und angewendet wurde. Das suchte er mittels der Spiele �ber selbsts�chtigen Altruismus zu beweisen, die sie dann machten�� wie das Dilemma des Gefangenen oder die Trag�die der Gemeinden.</p><p>Am n�chsten Tage trafen sie sich wieder im Surfcamp, und nach einem hin und her gehenden Gespr�ch �ber freiwillige Einfachheit machten sie ein Spiel, das Fort �Marcus Aurelius� nannte. Art geno� das Spiel wie auch alle anderen und spielte es gut. Aber jeden Tag wurden seine Notizen k�rzer. An diesem Tag lauteten sie insgesamt: <emphasis>Konsum</emphasis>�� <emphasis>Appetit�� k�nstliche Bed�rfnisse�� reale Bed�rfnisse�� Strohlager] Umwelteinflu�</emphasis> = <emphasis>Bev�lkerung</emphasis> x <emphasis>Appetit</emphasis> x <emphasis>Wirkungsgrad�� in den Tropen K�hlger�te kein Luxus�� K�hlh�user�� Sir Thomas More.</emphasis></p><p>An diesem Abend speisten die Konferenzteilnehmer allein, und ihre Diskussion beim Essen war schlapp. Art bemerkte: �Ich denke, dieser Ort ist eine St�tte freiwilliger Schlichtheit.�</p><p>�W�rde das auch f�r die jungen Studenten gelten?� fragte Max.</p><p>�Ich sehe nicht, da� die Unsterblichen viel mit ihnen anfangen.�</p><p>�Sie sehen nur gern zu�, erwiderte Sam. �Wenn Sie so alt sind�� �</p><p>�Ich frage mich, wie lange er uns hier zu behalten gedenkt�, sagte Max. �Wir sind erst eine Woche hier, und es ist schon langweilig.�</p><p>�Ich mag es irgendwie�, stellte Elizabeth fest. �Es ist erholsam.�</p><p>Art fand, da� er mit ihr �bereinstimmte. Er pflegte fr�h aufzustehen. Einer der Studenten verk�ndete jede Morgend�mmerung, indem er mit einem gro�en Holzhammer auf einen gro�en Holzblock schlug in einem abnehmenden Intervall, das Art jedesmal aus dem Schlaf riߠ� <emphasis>tock�� .tock�. lock� lock.. tock, toc toctoc toc-to- to-t-ttttt.</emphasis> Danach ging Art hinaus in den grauen feuchten Morgen voller Vogelstimmen. Der Klang der Wellen war st�ndig zu h�ren, als ob man ihm unsichtbare Muscheln an die Ohren hielte. Wenn er auf dem Pfad durch die Farm ging, fand er immer einige der Achtzehn Unsterblichen dort vor, die schwatzten, w�hrend sie mit Hacken oder Heckenscheren arbeiteten oder unter der starken Eiche sa�en und auf den Ozean hinausblickten. Fort war oft unter ihnen. Art konnte w�hrend der Stunde vor dem Fr�hst�ck umherwandern in dem Bewu�tsein, da� er den Rest des Tages in einem warmen Raum oder an einem warmen Strand mit Gespr�chen oder Spielen verbringen w�rde. War das wirklich so einfach? Er war sich nicht sicher. Es war entschieden erholsam. Er hatte nie eine solche Zeit verbracht.</p><p>Aber nat�rlich war mehr daran. Es war, wie Sam und Max ihn st�ndig erinnerten, eine Art Test. Sie wurden beurteilt. Der alte Mann beobachtete sie, und vielleicht auch die Achtzehn Unsterblichen und sogar die jungen Studenten, die �Lehrlinge�, die Art allm�hlich echt stark vorkamen, junge Draufg�nger, die einen gro�en Teil der t�glichen Arbeiten auf dem Grundst�ck erledigten und vielleicht auch f�r Praxis, selbst auf h�chstem Niveau�� in Absprache mit den Achtzehn oder vielleicht auch nicht. Er konnte sich vorstellen, nachdem er Forts weitschweifige Erg�sse angeh�rt hatte, wie man geneigt sein k�nnte, ihn zu �bergehen, wenn es zu praktischen Dingen kam. Und die Gespr�che beim Geschirrsp�ler hatten manchmal den Ton von Geschwistern, die dar�ber diskutierten, wie man mit unf�higen Eltern umging��</p><p>Auf jeden Fall ein Test. Als Art eines Abends in die K�che ging, um sich ein Glas Wasser vor dem Schlafengehen zu holen, kam er an einem kleinen Zimmer neben dem Speisesaal vorbei, wo eine Anzahl Leute, alt und jung, ein Videoband von der Morgensitzung mit Fort ansahen. Art ging sehr nachdenklich in sein Zimmer zur�ck.</p><empty-line/><p>Am folgenden Morgen ging Fort auf seine gewohnte Art im Kreis durch das Zimmer. �Die neuen Gelegenheiten f�r Wachstum nehmen nicht mehr zu.�</p><p>Sam und Max sahen einander kurz an.</p><p>�Das ist alles, worauf dieses Volle-Welt-Denken hinausl�uft. Also m�ssen wir die" neuen Wachstumsm�rkte identifizieren, die nicht zunehmen, und in sie einsteigen. Nun bedenken Sie, da� nat�rliches Kapital in vermarktbares und nichtvermarktbares unterteilt werden kann. Nichtvermarktbares nat�rliches Kapital ist das Substrat, aus dem alles vermarktbare Kapital herkommt. In Anbetracht seiner Knappheit und des Vorteils, den es bringt, w�re es nach der Standardtheorie von Lieferung und Nachfrage sinnvoll, seinen Preis unendlich hoch anzusetzen. Mich interessiert alles, was einen theoretisch unendlich hohen Preis hat. Das ist eine offenkundige Investition. Im Grunde ist es infrastrukturelle Investition, aber auf dem fundamentalsten biophyskalischen Niveau. Sozusagen Infra-Infrastruktur oder Bioinfrastruktur. Und das ist, was ich will, das Praxis anfangen soll. Wir erhalten und erbauen neu jegliche Bioinfrastruktur, die durch Liquidation entleert wurde. Das ist eine Investition auf lange Sicht, aber die Ertr�ge werden phantastisch sein.�</p><p>�Ist nicht die meiste Infrastruktur in �ffentlicher Hand?� fragte Art.</p><p>�Ja. Dies bedeutet, da� enge Zusammenarbeit mit den Regierungen erforderlich ist. Das j�hrliche Bruttoprodukt von Praxis ist viel gr��er als das der meisten L�nder. Worauf es ankommt, ist, L�nder mit kleinen j�hrlichen Bruttoprodukten und schlechten LZIs zu finden.�</p><p>�LZI?� fragte Art.</p><p>�Landeszukunftsindex. Das ist eine Alternative zum Bruttonationalprodukt. Es ber�cksichtigt Verschuldung, politische Stabilit�t, Umweltgesundheit und dergleichen. Eine n�tzliche Probe auf das BNP, die hilft, L�nder zu markieren, die unsere Hilfe brauchen k�nnten. Wir identifizieren sie, gehen zu ihnen und bieten ihnen eine massive Kapitalinvestition an plus politischen Rat, Sicherheit und was immer sie ben�tigen. Als Gegengabe erhalten wir Zugriff zu ihrer Infrastruktur. Wir haben also Zugang zu ihrer Arbeitskraft. Das ist eine klare Partnerschaft. Ich denke, da� ihr die Zukunft geh�rt.�</p><p>�Wie f�gen wir uns da ein?� fragte Sam und zeigte auf die Gruppe.</p><p>Fort sah alle nacheinander an. �Ich werde jedem von Ihnen einen anderen Auftrag erteilen. Ich will, da� Sie dies vertraulich behandeln. Sie werden in jedem Fall einzeln von hier fortgehen und zu verschiedenen Orten. Sie alle werden diplomatische Arbeit leisten als eine Verbindung zu Praxis wie auch spezifische Aufgaben haben, bei denen es auch um Investitionen von Bioinfrastruktur geht. Ich werden Ihnen die Details privatim mitteilen. Jetzt lassen Sie uns einen fr�hen Lunch einnehmen; und danach werde ich Sie jeweils einzeln treffen.�</p><p><emphasis>Diplomatische Arbeit!</emphasis> notierte sich Art.</p><empty-line/><p>Er verbrachte den Nachmittag mit Spazierg�ngen im Garten und sah sich die Spalierapfelb�sche an. Offenbar stand er nicht oben auf der Liste pers�nlicher Termine mit Fort. Dar�ber zuckte er die Achseln. Es war ein wolkiger Tag, und die Blumen im Garten waren feucht und spr�hten vor Leben. Es w�rde schwer sein, wieder in sein Apartment in San Jose zu ziehen. Er fragte sich, was Sharon wohl machte, ob sie je an ihn dachte. Ohne Zweifel trieb sie sich mit ihrem Vizedirektor herum.</p><p>Es war fast kurz vor Sonnenuntergang, und er wollte gerade wieder in sein Zimmer gehen und sich f�rs Dinner fertigmachen, als Fort auf dem Mittelweg erschien und sagte: �Ah, da sind Sie. Lassen Sie uns zur Eiche gehen!�</p><p>Sie setzten sich am Stamm des gro�en Baumes hin. Die Sonnenstrahlen drangen unter die niedrigen Wolken, und alles nahm die Farbe der Rosen an. �Sie leben an einem sch�nen Ort�, sagte Art.</p><p>Fort schien ihn nicht zu h�ren. Er schaute zu den von unten beleuchteten Wolken auf, die sich �ber ihnen zusammenballten.</p><p>Nach einigen Minuten der Kontemplation sagte er: �Wir wollen, da� Sie den Mars gewinnen.�</p><p>�Den Mars gewinnen?� wiederholte Art.</p><p>�Ja. In dem Sinne, wor�ber ich heute morgen gesprochen habe. Diesen national-transnationalen Partnerschaften geh�rt die Zukunft. Daran besteht kein Zweifel. Die alten Beziehungen der Gef�lligkeitsflaggen waren attraktiv; aber sie m�ssen weitergetrieben werden, so da� wir mehr Kontrolle �ber unser Investment haben. Das haben wir mit Sri Lanka gemacht und hatten dort in unserem Abkommen so viel Erfolg, da� alle anderen gro�en Transnationalen uns nachahmen und aktiv L�nder rekrutieren, die in Schwierigkeiten stecken.�</p><p>�Aber der Mars ist kein Land.�</p><p>�Nein. Aber er steckt in Schwierigkeiten. Als der erste Aufzug herunterst�rzte, war die �konomie in Scherben. Jetzt ist der neue Aufzug an Ort und Stelle, und es wird allerhand passieren. Ich will, da� Praxis die Kurve zuerst nimmt. Nat�rlich sind alle anderen gro�en Investitoren auch da und rennen um die Wette nach Positionen. Und das wird nur noch heftiger werden jetzt, da der neue Aufzug oben ist.�</p><p>�Wer betreibt den Aufzug?�</p><p>�Ein Konsortium unter Leitung von Subarashii.�</p><p>�Ist das nicht ein Problem?�</p><p>�Nun, es gibt den Dingen eine gewisse Sch�rfe. Aber die verstehen den Mars nicht. Sie sehen in ihm nur eine neue Quelle von Metallen. Sie sehen nicht die M�glichkeiten.�</p><p>�Die M�glichkeiten f�r� �</p><p>�F�r Entwicklung! Der Mars ist nicht blo� eine leere Welt, Randolph, in �konomischer Hinsicht ist er fast eine nicht existierende Welt. Seine Bioinfrastruktur mu� <emphasis>konstruiert</emphasis> werden, sehen Sie. Ich meine, man k�nnte blo� die Metalle herausholen und dann weiterziehen, was Subarashii und die anderen vorzuhaben scheinen. Aber so behandelt man ihn nicht anders als einen gro�en Asteroiden. Das ist t�richt; denn sein Wert als Operationsbasis, als ein richtiger Planet, �bersteigt bei weitem den Wert seiner Metalle. Alle seine Metalle zusammen machen ungef�hr zwanzig Billionen Dollar aus. Aber der Wert eines terraformten Mars liegt eher bei zweihundert Billionen Dollar. Das ist ungef�hr ein Drittel des derzeitigen Bruttowertes der Welt; und das ber�cksichtigt noch nicht geb�hrend den Wert seiner Seltenheit, meine ich. Nein, der Mars ist eine Bioinfrastrukturinvestition, genau wie die, �ber welche ich gesprochen habe. Genau das, wonach Praxis Ausschau h�lt.�</p><p>�Aber der Erwerb���, sagte Art. �Ich meine, wor�ber reden wir eigentlich? Von was��?�</p><p>�Nicht was, sondern wen.�</p><p>�Wen?�</p><p>�Den Untergrund.�</p><p>�Den Untergrund?�</p><p>Fort lie� ihm Zeit, dar�ber nachzudenken. Das Fernsehen, die Boulevardzeitungen und die Netze waren voll von Geschichten �ber die, welche 2061 �berlebt hatten, indem sie in unterirdischen Verstecken in der wilden S�dhemisph�re lebten, angef�hrt von John Boone und Hiroko Ai, die �berall Tunnels bauten, in Kontakt mit Fremdwesen, toten Ber�hmtheiten und derzeitigen Weltf�hrern� Art starrte Fort an, einen aufrichtigen derzeitigen Weltf�hrer, schockiert durch die pl�tzliche Vorstellung, da� an diesen durchsichtigen Phantasien etwas Wahres sein k�nnte. �Gibt es das wirklich?�</p><p>Fort nickte. �O ja. Ich stehe damit nicht in vollem Kontakt, verstehen Sie, und wei� nicht, wie umfangreich es ist. Aber ich bin sicher, da� manche der Ersten Hundert noch am Leben sind. Sie kennen die Theorien �ber Taneev-Tokareva, �ber die ich bei Ihrer Ankunft gesprochen habe? Nun, auch diese zwei und Ursula Kohl und das ganze biomedizinische Team lebten alle in dem Acheron-Vorsprung, n�rdlich von Olympus Mons. W�hrend des Krieges wurde die Anlage zerst�rt. Aber es gab keine Leichen an der Stelle. Also habe ich vor etwa sechs Jahren ein Team von Praxis hineingehen und die Anlage wieder aufbauen lassen. Als das getan war, nannten wir sie das Acheron-Institut und lie�en es leer zur�ck. Alles ist eingerichtet und startfertig; aber nichts geschieht dort au�er einer kleinen allj�hrlichen Konferenz �ber seine �konomie. Und letztes Jahr, als die Konferenz vorbei war, fand jemand von der Reinigungsgruppe ein paar Seiten in einem Faxbeh�lter. Auf einem Papier waren Bemerkungen. Keine Unterschrift, keine Quelle. Aber da war eine Arbeit, von der ich �berzeugt bin, da� sie von Taneev oder Tokareva geschrieben wurde oder jemandem, der mit ihrer Arbeit sehr vertraut war. Und ich halte das f�r ein kleines Signal.�</p><p>Ein sehr kleines Signal, dachte Art. Aber Fort schien seine Gedanken zu lesen.</p><p>�Ich habe gerade ein noch gr��eres Signal erhalten. Ich wei� nicht, von wem. Die sind sehr vorsichtig. Aber es gibt sie da drau�en.�</p><p>Art schluckte. Das war eine gro�e Nachricht, wenn sie stimmte. �Und so w�nschen Sie, da� ich���</p><p>�Ich w�nsche, da� Sie zum Mars gehen. Wir haben dort ein Projekt, das Ihre Tarngeschichte sein wird. Es handelt sich um die Bergung eines St�cks vom heruntergefallenen Aufzugkabel. Aber w�hrend Sie das tun, werde ich Arrangements treffen, da� Sie mit dieser Person zusammentreffen, die an mich herangetreten ist. Sie selbst brauchen nichts einzuleiten. Die werden den ersten Zug tun und Sie einweihen. Aber Achtung! Ich will nicht, da� Sie sie zu Beginn genau wissen lassen, was Sie vorhaben. Ich m�chte, da� Sie sich mit ihnen besch�ftigen. Herausfinden, wer sie sind und wie umfangreich ihre T�tigkeit ist und was sie wollen. Und wie wir mit ihnen umgehen k�nnten.�</p><p>�Ich w�re also eine Art von�� �</p><p>�Eine Art von Diplomat.�</p><p>�Ich wollte sagen�� eine Art von Spion.�</p><p>Fort zuckte die Achseln. �Das kommt darauf an, mit wem Sie zusammen sind. Dies Projekt mu� geheim bleiben. Ich habe mit vielen anderen transnationalen F�hrern zu tun; und das sind �ngstliche Leute. Erkannte Bedrohungen der bestehenden Ordnung werden oft sehr brutal angegriffen. Und manche von denen halten Praxis schon f�r eine Bedrohung. So gibt es derzeit dort einen verborgenen Arm zu Praxis; und diese Marserkundung mu� ein Teil davon sein. Glauben Sie, da� Sie es machen k�nnen?�</p><p>�Ich wei� nicht.�</p><p>Fort lachte. �Darum habe ich Sie f�r diesen Auftrag ausgesucht, Randolph. Sie wirken simpel.�</p><p>Ich bin auch simpel, sagte Art beinahe und bi� sich auf die Zunge. Statt dessen sagte er: �Warum mich?�</p><p>Fort sah ihn an. �Wenn wir eine neue Gesellschaft erwerben, durchmustern wir ihr Personal. Ich habe Ihre Akten gelesen. Ich dachte, Sie k�nnten das Zeug zum Diplomaten haben.�</p><p>�Oder zum Spion.�</p><p>�Das sind oft nur verschiedene Aspekte des gleichen Jobs.�</p><p>Art runzelte die Stirn. �Haben Sie mein Apartment verwanzt? Meine alte Wohnung?�</p><p>�Nein.� Fort lachte wieder. �Das machen wir nicht. Die Akten der Leute gen�gen uns.�</p><p>Art erinnerte daran, wie sp�t nachts eine ihrer Sitzungen angeschaut wurde.</p><p>�Das und eine Sitzung hier unten�, erg�nzte Fort. �Um Sie kennenzulernen.�</p><p>Art dachte dar�ber nach. Keiner der Achtzehn wollte diesen Job. Vielleicht auch nicht die Studenten. Nat�rlich ginge es fort zum Mars und dann in eine unsichtbare Welt hinein, �ber die niemand etwas wu�te, vielleicht f�r immer. Manche Leute k�nnten das nicht attraktiv finden. Aber f�r jemanden, der nicht wu�te, was er tun sollte, und sich vielleicht nach einer neuen Besch�ftigung umsah, vielleicht mit einem Potential f�r Diplomatie��</p><p>Also hatte sich alles dies als eine Art Interviewproze� herausgestellt. F�r einen Job, von dessen blo�er Existenz er nicht einmal etwas geahnt hatte. Mars-Erwerber, Chef der Erwerbung des Mars. Mars-Maulwurf. Ein Spion im Hause des Ares. Gesandter zum Mars-Untergrund. Oje, gerade ich! So dachte er.</p><p>�Was sagen Sie also?�</p><p>�Ich werde es machen�, sagte Art.</p><p>William Fort machte keine gro�en Umst�nde. In dem Moment, da Art zusagte, den Marsauftrag anzunehmen, beschleunigte sich sein Leben wie ein Video im Schnellvorlauf. Noch in dieser Nacht war er wieder in dem verschlossenen Wagen und dann im verschlossenen Jet. Diesmal ganz allein. Und als er �ber die Rollbahn marschierte, war in San Francisco Morgend�mmerung.</p><p>Er ging zum B�ro von Dumpmines und machte dort die Runde bei Freunden und Bekannten. Ja, sagte er immer wieder, ich habe einen Job auf dem Mars angenommen. Ein St�ck von dem alten Aufzugskabel zu bergen. Nur vor�bergehend. Die Bezahlung ist gut. Ich werde zur�ckkommen.</p><p>An diesem Nachmittag ging er nach Hause und packte. Das dauerte zehn Minuten. Da stand auf dem Herd die Bratpfanne, das einzige Zeichen seines fr�heren Lebens. Er nahm sie zu seinen Koffern und dachte, er k�nnte sie hineinbringen und mitnehmen. Die Koffer waren schon voll und verschlossen. Er ging zur�ck und setzte sich auf den einzigen Stuhl. Die Bratpfanne baumelte an seiner Hand.</p><p>Nach einer Weile rief er Sharon an. Er hoffte ein bi�chen, da� er nur ihren Anrufbeantworter erreichen w�rde. Aber sie war zu Hause. Er kr�chzte: �Ich gehe zum Mars.� Sie wollte es nicht glauben. Als sie es dann doch glaubte, wurde sie w�tend. Das war schlicht und einfach Desertion. Er entfloh ihr. Aber du hast mich dpch schon hinausgeworfen, versuchte Art zu sagen, aber sie hatte aufgelegt. Er lie� die Bratpfanne auf dem Tisch und schleppte seine Koffer zum B�rgersteig. Gegen�ber war ein �ffentliches Hospital, das die Langlebigkeitsbehandlung durchf�hrte, von der �blichen Menge umgeben, Leuten, die vermutlich bald an die Reihe kommen w�rden und drau�en auf dem Parkplatz kampierten, um sicher zu sein, da� nichts schiefginge. Die Behandlungen waren allen US-B�rgern gesetzlich garantiert; aber die Wartelisten f�r die �ffentlichen Einrichtungen waren so lang, da� es fraglich war, ob man lange genug leben w�rde, bis man an der Reihe w�re. Art sch�ttelte bei diesem Anblick den Kopf und winkte einem Taxi.</p><p>Er verbrachte seine letzte Woche auf der Erde in einem Motel in Cape Canaveral. Das war ein kl�glicher Abschied, da Canaveral Sperrgebiet war, haupts�chlich von Milit�rpolizei bewohnt und Servicepersonal, das sich gegen�ber den �als dahingeschieden Beklagten�, wie man die auf Abreise Wartenden nannte, �u�erst schlecht benahm. Die t�gliche Posse des Starts machte einen jeden danach entweder besorgt oder �rgerlich und in allen F�llen ziemlich taub. Die Leute gingen nachmittags herum mit klingenden Ohren und wiederholten: Was? Was? Was? Um dem Problem entgegenzuwirken, trugen die meisten Ortsans�ssigen Ohrpfropfen. Sie lie�en Teller auf dem Tisch eines Restaurants fallen, w�hrend sie mit Leuten in der K�che sprachen. Dann schauten sie pl�tzlich auf die Uhr, nahmen die St�psel aus der Tasche und steckten sie sich in die Ohren, und�� <emphasis>bum</emphasis>�� die n�chste Nova-Energia-Rakete ging los mit zwei daran befestigten Shuttles. Die ganze Welt zitterte wie Gelee. Die �Dahingeschiedenen� rannten auf die Stra�e mit den H�nden auf den Ohren. Sie bekamen eine neue Vorschau auf ihr Schicksal, starrten voller Panik auf die biblische Rauchs�ule und den Feuerpunkt, der �ber den Atlantik einschwenkte. Die Ans�ssigen blieben, wo sie waren, kauten Gummi und warteten, bis die Unterbrechung vorbei war. Nur einmal zeigten sie Interesse, als eines Morgens Flut herrschte und die Meldung kam, da� eine Gruppe von Partyl�wen zu dem Zaun geschwommen waren, der die Stadt umgab, und sich einen Weg nach innen geschnitten hatten, wo die Sicherheitsbeamten sie in das Gebiet gescheucht hatten, wo an diesem Tage der Start erfolgen sollte. Man sagte, einige Leute w�ren dabei verkohlt; und das gen�gte, um einige Einheimische hinauszulocken, um zu sehen, ob die Rauchs�ule und die Flamme etwas anders aussehen w�rden.</p><p>Dann war an einem Sonntagmorgen Art an der Reihe. Er wachte auf und zog sich den schlecht passenden Pullover an, der ihm geliefert worden war. Er f�hlte sich wie im Traum. Er stieg in den Wagen mit einem anderen Mann, der genau so benommen aussah, wie er sich f�hlte; und sie wurden zum Startgel�nde gefahren und nach Netzhaut, Fingerabdr�cken, Stimme und �u�erem Aussehen identifiziert. Dann wurde er, ohne �berhaupt ernsthaft dar�ber nachgedacht zu haben, was das alles zu bedeuten h�tte, in einen Aufzug gef�hrt und durch einen kurzen Tunnel in einen winzigen Raum, wo acht Sessel nach Art von Zahnarztst�hlen standen, in denen alle Leute mit aufgerissenen Augen sa�en. Dort nahm er Platz und wurde angeschnallt. Die T�r wurde geschlossen, unter ihm ert�nte ein vibrierendes Gebr�ll, er wurde angepre�t und wog danach nichts mehr. Er befand sich im Orbit.</p><p>Nach einer Weile schnallte sich der Pilot los. Die Passagiere taten das auch und gingen zu den zwei kleinen Fenstern, um hinauszuschauen. Schwarzer Weltraum, blauer Planet�� genau wie die Bilder, aber mit der erregenden Sch�rfe der Realit�t. Art blickte hinab auf Westafrika, und eine gro�e Welle von �belkeit �berkam ihn.</p><p>Er bekam gerade den leichtesten Anflug von Appetit wieder nach einem zeitlosen Intervall von Raumkrankheit, der in der realen Welt f�nf Tage h�tte dauern k�nnen, als sich eines der st�ndig verkehrenden Shuttles n�herte, nachdem es um die Venus herumgekurvt war und in einer Bahn an der Erde vorbei zum Mond gerade so weit aerodynamisch abgebremst hatte, da� die kleinen F�hren es einholen konnten. Irgendwann w�hrend seiner Raumkrankheit waren Art und die anderen Passagiere in eine dieser F�hren �berf�hrt worden, die dann zum rechten Zeitpunkt hinter einem der Linienshuttles herzischte. Die Beschleunigung war noch h�rter als beim Start von Canaveral; und danach war Art wieder schwindlig und unwohl. Noch mehr Schwerelosigkeit h�tte ihn get�tet. Er st�hnte schon bei dem blo�en Gedanken. Aber zum Gl�ck gab es in dem Linienshuttle einen Ring, der mit einem Tempo rotierte, das einigen R�umen eine sogenannte Marsschwere verlieh. Art bekam ein Bett im Revier, das einen davon einnahm, und blieb dort. Er konnte in dem besonders geringen Ge des Mars nicht richtig gehen. Er hopste und stolperte herum, f�hlte sich immer noch im Innern angeschlagen und schwindlig. Aber er blieb noch auf der rechten Seite der �belkeit, wof�r er dankbar war, obwohl das an sich kein besonders angenehmer Zustand war.</p><p>Das Shuttle f�r den interplanetaren Verkehr hatte eine merkw�rdige Gestalt. Wegen des h�ufigen aerodynamischen Bremsens in den Atmosph�ren von Erde, Venus und Mars hatte es ungef�hr die Figur eines Hammerhais. Der Ring rotierender R�ume befand sich nahe dem Heck, direkt vor dem Antriebszentrum und den Schleusen f�r die Zulieferf�hren. Der Ring drehte sich, und man ging mit dem Kopf zur Mittellinie des Schiffs. Die F��e zeigten nach unten auf die Sterne unter dem Fu�boden.</p><p>Nach etwa einer Woche unterwegs beschlo� Art, es noch einmal mit Schwerelosigkeit zu versuchen, da der rotierende Ring keine Fenster hatte. Er ging zu einer �bergangskammer, um in den sich nicht drehenden Teil des Schiffs zu gelangen. Die Kabinen befanden sich auf einem schmalen Ring, der sich mit dem GeRing bewegte, konnten aber verlangsamt werden, um sich dem Rest des Schiffs anzugleichen. Sie sahen aus wie Lastenfahrst�hle mit T�ren auf beiden Seiten. Wenn man in eine einstieg und den richtigen Knopf dr�ckte, bremste er w�hrend einiger Umdrehungen zum Halt; und die gegen�berliegende T�r �ffnete sich auf den Rest des Schiffs.</p><p>Also versuchte Art das. Als die Kabine langsamer wurde, begann er, Gewicht zu verlieren, und sein Schlund hob sich dementsprechend an. Als sich dann die andere T�r �ffnete, schwitzte er und hatte sich irgendwie an die Decke hochgesto�en, wo er sein Handgelenk verletzte, um sich abzufangen, ehe er mit dem Kopf anstie�. Schmerz k�mpfte mit der �belkeit, aber die �belkeit siegte. Es dauerte einige Karambolagen, bis er das Kontrollpaneel traf und auf den Knopf dr�ckte, der ihn wieder in den Gravitationsring zur�ckbrachte. Als die T�r aufging, lie� er sich sanft auf dem Boden nieder. Nach einer Minute kehrte die Marsschwere zur�ck, und die T�r, durch die er hereingekommen war, �ffnete sich wieder. Er h�pfte dankbar hinaus und litt nur noch an dem Schmerz eines verrenkten Handgelenkes. �belkeit war viel schlimmer als der Schmerz, dachte er�� wenigstens gewisse Stufen von Schmerz. Er w�rde seinen Blick nach drau�en durch die Fernseher bekommen.</p><p>Er blieb nicht allein. Die meisten Passagiere und die gesamte Besatzung verbrachten den gr��eren Teil ihrer Zeit in dem Gravitationsring, der deshalb recht besetzt war, wie ein volles Hotel, in dem die meisten G�ste ihre Zeit haupts�chlich im Restaurant und an der Bar verbrachten. Art hatte Berichte �ber die Streckenshuttles gesehen und gelesen, die diese wie fliegende Monte Carlos darstellten, mit st�ndigen Bewohnern aus der Zahl der Reichen und Gelangweilten. Eine popul�re Fernsehserie hatte gerade einen solchen Schauplatz.</p><p>Arts Schiff, die <emphasis>Ganesh,</emphasis> war nicht so. Es war klar, da� sie schon l�ngere Zeit durch das innere Sonnensystem fuhr, und immer voll ausgelastet. Die Innenr�ume wurden sch�big und schienen sehr klein zu sein, wenn man auf den Ring beschr�nkt war, viel kleiner, als man nach jenen Schiffen urteilte, die historische Shows �ber die <emphasis>Ares</emphasis> vermuten lie�en. Aber die Ersten Hundert hatten in ungef�hr f�nfmal so viel Raum gelebt als der Ring der <emphasis>Ganesh,</emphasis> die f�nfhundert Passagiere bef�rderte.</p><p>Aber die Reise dauerte nur drei Monate. Also setzte Art sich hin und schaute TV, wobei er sich auf Dokumentarfilme vom Mars konzentrierte. Er a� im Speiseraum, der so ausgestattet war, da� er wie der eines gro�en Ozeandampfers der 1920er Jahre aussah. Er spielte etwas im Casino, das wie eines der in Las Vegas der 1970er dekoriert war. Aber meistens schlief er und sah fern. Diese beiden Aktivit�ten gingen ineinander �ber, so da� er sehr deutlich vom Mars tr�umte, w�hrend die Filme eine sehr surreale Logik gewannen. Er sah die ber�hmten Videob�nder der Russell-Clayborn- Debatte und tr�umte in dieser Nacht, da� er erfolglos mit Ann Clayborn diskutierte, die genau wie in den Videos wie die Farmersfau in <emphasis>American Gothic</emphasis> aussah, nur hagerer und strenger. Auch ein anderer Film, der von einer fliegenden Sonde aufgenommen war, beeindruckte ihn stark. Die Sonde war von der Seite einer der gro�en Klippen von Marineris abgestiegen und fast eine Minute lang gefallen, ehe sie sich abfing und tief �ber das Gewirr von Fels und Eis auf dem Boden der Schlucht raste. In den folgenden Wochen tr�umte Art, da� er selbst diesen Sturz machte, und wachte erst beim Aufprall auf. Es schien, da� Teile seines Unterbewu�tseins f�hlten, seine Entscheidung, zum Mars zu gehen, sei ein Fehler gewesen. Er zuckte dar�ber die Achseln, a� seine Mahlzeiten und praktizierte sein Gehen. Er wartete seine Zeit ab. Irrtum oder nicht, er hatte sich verpflichtet.</p><p>Fort hatte ihm ein Chiffriersystem gegeben und ihn angewiesen, sich regelm��ig zu melden und zu berichten. Aber bei der �berfahrt fand er sehr wenig zu sagen. Er schickte pflichtbewu�t monatlich einen Bericht, immer dasselbe: <emphasis>Wir sind unterwegs. Alles sieht gut aus.</emphasis> Es kam nie eine Antwort.</p><p>Und dann schwoll der Mars auf den Bildschirmen an wie eine geschleuderte Orange, und bald danach wurden sie in ihre Gravitationsliegen durch eine �u�erst heftige Luftbremsung gepre�t und danach wieder in die Sitze ihrer Landef�hren. Aber Art �berstand diese einen platt machenden negativen Beschleunigungen wie ein Veteran. Nach einer Woche im Orbit, immer noch rotierend, dockten sie bei New Clarke an. Der hatte nur eine �u�erst geringe Schwerkraft, die die Leute kaum auf dem Boden hielt und den Eindruck erweckte, Mars w�re �ber den K�pfen. Arts Raumkrankheit kam wieder. Und er mu�te zwei Tage warten, ehe seine Reservierung f�r eine Fahrt im Aufzug kam.</p><p>Die Wagen des Lifts erwiesen sich als schmale hohe Hotels. Sie brachten ihre dicht gedr�ngte menschliche Fracht binnen f�nf Tagen zum Mars. Dabei herrschte keine nennenswerte Schwerkraft bis auf die letzten paar Tage, wenn sie immer st�rker wurde, bis der Aufzugswagen bremste und sich sanft in die Aufnahmevorrichtung senkte, die man die �Steckdose� nannte, gleich westlich von Sheffield auf Pavonis Mons. Dann wurde die Schwerkraft so �hnlich wie im Ring der <emphasis>Ganesh.</emphasis> Aber eine Woche Raumkrankheit hatte Art v�llig fertiggemacht. Als sich der Aufzugswagen �ffnete und sie in etwas hinausgeleitet wurden, das einem Flughafenterminal sehr �hnlich sah, fand er sich kaum imstande zu gehen und staunte, wie sehr �belkeit den Lebenswillen schw�chte. Es waren vier Monate vergangen, seit er das Fax von William Fort bekommen hatte.</p><p>Die Fahrt von der Steckdose nach Sheffield selbst erfolgte mit der U-Bahn, aber Art hatte sich zu elend gef�hlt, als da� er hinausgeschaut h�tte, selbst wo das m�glich gewesen w�re. Ersch�pft und unsicher wackelte er auf Zehenspitzen durch eine hohe Halle hinter jemandem von Praxis hinterher und sank dankbar in einem kleinen Zimmer auf ein Bett. Die Marsschwere f�hlte sich angenehm solide an, als er dalag. Nach einer Weile schlief er ein.</p><p>Als er aufwachte, konnte er sich nicht erinnern, wo er war. Er schaute sich in dem kleinen Raum um und fragte sich, ob Sharon weggegangen sei und warum ihr Schlafzimmer so klein geworden war. Dann fiel es ihm wieder ein. Er war auf dem Mars.</p><p>Er st�hnte und setzte sich auf. Er f�hlte sich hei� und dennoch von seinem K�rper getrennt. Alles pulsierte leicht, obwohl das Licht im Raum normal zu funktionieren schien. An der Wand gegen�ber der T�r waren Vorh�nge. Er stand auf, ging hin�ber und �ffnete sie mit einem einzigen Zug.</p><p>�He!� rief er und sprang zur�ck. Er hatte das Gef�hl, ein zweites Mal zu erwachen.</p><p>Es war wie der Blick aus dem Fenster eines Flugzeugs. Endloser freier Raum, ein fahl gefleckter Himmel, die Sonne wie ein Klumpen Lava. Und da weit unten zog sich eine steinige Ebene hin, flach und rund, als l�ge sie am Boden einer riesigen kreisf�rmigen Klippe�� f�r ein nat�rliches Gebilde wirklich extrem rund. Es war schwer zu sch�tzen, wie weit die gegen�berliegende Seite der Klippe entfernt war. Einzelheiten der Klippe waren vollkommen deutlich, aber Strukturen auf dem entgegengesetzten Rand waren sehr klein. Was wie ein Observatorium aussah, h�tte auf eine Nadelspitze gepa�t.</p><p>Dies, so folgerte er, war die Caldera von Pavonis Mons. Sie waren bei Sheffield gelandet, also konnte es da keinen Zweifel geben. Darum waren es etwa sechzig Kilometer quer durch den Kreis zu jenem Observatorium, wie sich Art nach den Dokumentarvideos erinnerte, und f�nf Kilometer bis zum Boden. Und all das v�llig leer, steinig, unber�hrt, urt�mlich. Der vulkanische Fels sah so kahl aus, als ob er erst vor einer Woche abgek�hlt w�re. Keine Spur von Menschen darin. Keine Anzeichen von Terraformung. Das mu�te vor einem halben Jahrhundert f�r John Boone genau so ausgesehen haben. Und so�� fremdartig. Und <emphasis>gro�.</emphasis> Art hatte in die Calderas von �tna und Vesuv geblickt, als er von Teheran aus Urlaub gemacht hatte; und das waren f�r irdische Begriffe gro�e Krater gewesen. Aber man h�tte tausend von ihnen in diesem� diesem <emphasis>Ding�</emphasis> diesem <emphasis>Loch</emphasis> unterbringen k�nnen��</p><p>Er schlo� die Vorh�nge und zog sich langsam an. Sein Mund ahmte die Form der unirdischen Caldera nach.</p><empty-line/><p>Eine freundliche F�hrerin von Praxis namens Adrienne, gro� genug, um auf dem Mars geboren zu sein, aber mit starkem australischem Akzent, holte ihn ab und unternahm mit ihm und einem halben Dutzend anderer Neuank�mmlinge eine Tour durch die Stadt. Es stellte sich heraus, da� ihre Zimmer auf dem tiefsten Niveau der Stadt lagen, obwohl es nicht lange das tiefste bleiben w�rde. Sheffield war in diesen Tagen dabei, sich nach unten zu bohren, um m�glichst vielen R�umen den Blick auf die Caldera zu bescheren, der Art so au�er Fassung gebracht hatte.</p><p>Ein Lift brachte sie fast f�nfzig Stockwerke h�her und entlie� sie in die Lobby eines funkelnagelneuen Gesch�ftsgeb�udes. Sie traten durch die gro�en Dreht�ren und kamen heraus auf einem breiten begr�nten Boulevard. Den gingen sie hinunter an flachen Geb�uden mit Fronten aus polierten Steinen und gro�en Fenstern vorbei, die von mit Gras bewachsenen Nebenstra�en getrennt waren und einer gro�en Anzahl von Baupl�tzen, da viele Geb�ude noch in verschiedenen Stadien der Fertigstellung waren. Es w�rde eine h�bsche Stadt werden, die H�user meist drei und vier Stockwerke hoch. Sie wurden h�her, als sie nach S�den kamen, weg vom Rand der Caldera. Die gr�nen Stra�en waren voller Menschen wie auch die gelegentlich auf schmalen, ins Gras eingelassenen Schienen fahrende Stra�enbahn. Es herrschte eine allgemeine Atmosph�re von Gesch�ftigkeit und Aufregung, ohne Zweifel verursacht durch den neuen Aufzug. Eine aufstrebende Stadt.</p><p>Der erste Ort, zu dem Adrienne sie brachte, lag gegen�ber einem Boulevard zum Rande der Caldera. Sie f�hrte die sieben Neuangekommenen hinaus in einen schmalen, sich windenden Park zu dem fast unsichtbaren Zeltdach, das die Stadt umschlo�. Die transparenten Stoffe wurden von gleichfalls durchsichtigen geod�tischen St�tzen gehalten, die in einer brusthohen Umfassungsmauer verankert waren. Adrienne erkl�rte ihnen: �Das Zeltdach mu� hier st�rker sein als sonst auf Pavonis �blich, weil die Atmosph�re drau�en �u�erst d�nn ist. Sie wird immer d�nner sein als im Tiefland�� um einen Faktor zehn.�</p><p>Sie f�hrte sie hinaus in eine Ausguckblase in der Zeltwand; und wenn sie zwischen ihren F��en nach unten schauten, konnten sie durch den transparenten Boden der Blase direkt auf den Boden der Caldera mehr als f�nftausend Meter unter ihnen blicken. Die Leute schrien angstvoll entz�ckt auf, und Art stampfte unbehaglich auf den klaren Fu�boden. F�r ihn gewann die Weite der Caldera jetzt Perspektive. Der Nordrand war ungef�hr so weit entfernt wie Mount Tamalpais und die Napa-Berge, wenn man zum Flughafen von San Jose hinabstieg. Das war keine au�ergew�hnliche Distanz. Aber die Tiefe da unten, die Tiefe! �ber f�nf Kilometer oder etwa zwanzigtausend Fu�. �Ein ganz beachtliches Loch�, sagte Adrienne.</p><p>Fernrohre auf Stativen und Schautafeln mit Karten erm�glichten ihnen, die fr�he Version von Sheffield zu betrachten, die sich jetzt auf dem Boden der Caldera befand. Art hatte unrecht gehabt hinsichtlich der urt�mlichen Natur der Caldera. Ein unauff�lliger Haufen aus Ger�ll am Boden der Klippe mit einigen hellen Punkten darin waren tats�chlich die Ruinen der urspr�nglichen Stadt.</p><p>Adrienne schilderte mit gro�em Genu� die Zerst�rung der Stadt im Jahre 2061. Das herunterfallende Aufzugskabel hatte nat�rlich in den ersten Momenten des Falls die Vororte �stlich seiner Steckdose zermalmt. Aber danach hatte sich das Kabel rund um den ganzen Planeten gewickelt und der S�dseite der Stadt einen massiven zweiten Schlag versetzt, der eine unentdeckte St�rstelle in dem Basaltrand losgerissen hatte. Etwa ein Drittel der Stadt hatte auf der falschen Seite dieses Bruchs gelegen und war f�nf Kilometer hinab auf den Boden der Caldera gest�rzt. Die restlichen zwei Drittel der Stadt waren flachgedr�ckt worden. Gl�cklicherweise waren die Bewohner gr��tenteils in den vier Stunden zwischen der Losl�sung von Clarke und dem zweiten Ankommen des Kabels evakuiert worden, so da� Verluste an Menschenleben minimal waren. Aber Sheffield war v�llig zerst�rt worden.</p><p>W�hrend langer Jahre danach, erz�hlte ihnen Adrienne, hatte die St�tte verlassen dagelegen, ein Wrack wie so viele andere St�dte nach dem Aufruhr von �61. Die meisten dieser anderen St�dte hatte man als Ruinen belassen; aber die Lage Sheffields blieb der ideale Platz zur Befestigung eines Weltraumaufzugs. Und als Subarashii in den sp�ten 2080ern anfing, den Bau eines neuen im Raum zu organisieren, folgten die Bauarbeiten am Boden rasch nach. Eine genaue areologische Untersuchung hatte keine anderen Fehlstellen im S�drand ergeben, so da� man zuversichtlich direkt auf der Kante an der gleichen Stelle wie zuvor wieder bauen konnte. R�umfahrzeuge hatten die Tr�mmer der alten Stadt beseitigt, das meiste davon einfach �ber den Rand geschoben und nur den �stlichsten Teil der Stadt um die alte Steckdose herum �brig gelassen als eine Art Denkmal der Katastrophe�� und auch als Zentrum einer kleinen Touristenindustrie, die durchaus einen bedeutenden Anteil des Einkommens der Stadt in den mageren Jahren erbracht hatte, ehe wieder ein Aufzug installiert worden war.</p><p>Adriennes n�chster Punkt bei der Tour f�hrte sie hinaus, um dieses erhaltene St�ck Geschichte zu besichtigen. Sie nahmen eine Stra�enbahn zu einem Tor in der Ostwand des Zeltes und gingen durch eine klare R�hre in ein kleineres Zelt, das die Ruinen bedeckte sowie die Betonmasse der alten Kabelanlage und das untere Ende des herabgest�rzten Kabels. Sie gingen auf einem eingez�unten Weg, der von Tr�mmern freigemacht war, und starrten neugierig auf die Fundamente und verdrehten Rohre.-Es sah aus wie das Ergebnis einer totalen Bombardierung.</p><p>Sie blieben unter dem stumpfen Ende des Kabels stehen, und Art betrachtete es mit professionellem Interesse. Der gro�e Zylinder aus schwarzen Karbonfilamenten sah nach dem Fall fast unbesch�digt aus. Adrienne sagte, das Ende w�re in den gro�en Betonbunker der Steckdose hineingerammt und dann einige Kilometer weit gezerrt worden, als das Kabel am Osthang von Pavonis herunterfiel. Das war keine besondere Beanspruchung f�r ein Material, das daf�r konstruiert war, der Zugkraft eines Asteroiden zu widerstehen, der �ber den areosynchronen Punkt hinausschwang.</p><p>Und so lag es nun da, als ob es darauf wartete, wieder hochgezogen und an Ort und Stelle gebracht zu werden. Zylindrisch, zwei Stockwerke hoch, die schwarze Masse besetzt mit Stahlschienen, Halteringen und dergleichen. Das Zelt bedeckte nur etwa hundert Meter von ihm. Danach lief es im Freien weiter nach Osten �ber das weite rundliche Plateau des Randes, bis es �ber dessen S�dkante verschwand, die ihren Horizont bildete. Von dem Planeten unten konnten sie nichts sehen. Aber drau�en, fern der Stadt, konnten sie besser denn je erkennen, da� Pavonis riesig gro� war. Allein der Rand hatte eine immense Ausdehnung. Er stellte ein rundes Gebilde flachen Landes von vielleicht drei�ig Kilometern Breite dar�� von dem steilen inneren Rand der Caldera bis zu dem etwas sanfteren Abfall der Flanken des Vulkans. Von ihrem Ausguck aus konnten sie nichts vom �brigen Teil des Mars sehen. Daher schien es, als st�nden sie auf einer hohen zirkul�ren Ringwelt unter einem dunklen lavendelfarbenen Himmel.</p><p>Gerade im S�den von ihnen hockte die neue Steckdose wie ein titanischer Betonbunker, aus dem das neue Aufzugskabel emporstieg wie eben ein solches. Aber es stand frei wie in einer Version des indischen Seiltricks, d�nn, schwarz und gerade wie eine Lotschnur, die vom Himmel herunterfiel, h�chstens nur bis zur H�he einiger gro�er Wolkenkratzer sichtbar und in Anbetracht der Ruinen, in denen sie standen, und der enormen Gr��e des kahlen Vulkangipfels so zerbrechlich wirkend, als w�re es ein einziges Filament aus Karbon-Nanorohr und nicht ein B�ndel aus Milliarden davon und die st�rkste je hergestellte Struktur. �Das ist unheimlich�, sagte Art. Er f�hlte sich leer und unsicher.</p><empty-line/><p>Nach ihrer Besichtigung der Ruinen f�hrte Adrienne sie wieder zu einem Cafe auf einem Platz in der Mitte der Stadt, wo sie Lunch hatten. Hier h�tten sie im Kern eines mond�nen Viertels einer beliebigen Stadt irgendwo sein k�nnen. Es h�tte Houston oder Tbilisi oder Ottawa sein k�nnen in einer Umgebung, wo ein ger�uschvoller Baubetrieb frischen Aufschwung markierte. Als sie wieder in ihre Zimmer gingen, war das U-Bahnsystem ihrem Auge ebenso vertraut. Und wenn sie hinausgingen, waren die Hallen der Praxis-Erdgeschosse wie die eines feinen Hotels. Alles h�chst vertraut, so sehr, da� es f�r ihn wieder ein Schock war, als er in sein Zimmer kam und den eindrucksvollen Anblick der Caldera hatte�� das kahle Gesicht des Mars, immens und steinig, das ihn wie ein Vakuum durchs Fenster zu saugen schien. Und tats�chlich w�rde ihn, wenn die Fensterscheibe zerbr�che, der Dekompressionsdruck sofort in diesen Raum saugen. Eine unwahrscheinliche Eventualit�t; aber die Vorstellung verursachte ihm eine unangenehme Erregung. Er schlo� die Vorh�nge.</p><p>Und danach hielt er die Vorh�nge geschlossen und neigte dazu, sich auf der vom Fenster entfernten Seite des Zimmers aufzuhalten. Morgens zog er sich an und verlie� den Raum rasch. Er nahm an Einf�hrungstreffen von Adrienne teil, an denen sich etwa ein Dutzend Neuank�mmlinge beteiligten. Nachdem er mit einigen von ihnen gefr�hst�ckt hatte, machte er nachmittags Spazierg�nge durch die Stadt und arbeitete ernstlich an seiner Geschicklichkeit zu gehen. Eines Abends schickte er Fort einen codierten Bericht: <emphasis>Auf dem Mars, mache Orientierung durch. Sheffield ist eine h�bsche Stadt. Mein Zimmer hat eine Aussicht.</emphasis> Mehr war nicht zu vermelden.</p><p>Adriennes Einf�hrung brachte sie zu einer Anzahl von Geb�uden der Praxis, sowohl in Sheffield wie oben am Ostrand, um Leute in den Marsunternehmungen der Transnationalen zu treffen. Praxis war auf dem Mars viel st�rker pr�sent als in Amerika. Auf seinen Nachmittagsspazierg�ngen versuchte Art, die relative St�rke der Transnationalen abzusch�tzen, nur nach den kleinen Schildern an den Seiten der Geb�ude. Alle die gr��ten Transnationalen waren da: Armscor, Subarashii, Oroco, Mitsubishi, die sieben Schweden, Shellalco, Gentine und so weiter. Jede nahm einen Geb�udekomplex ein oder ganze Areale in N�he der Stadt. Offensichtlich waren alle da wegen des neuen Aufzugs, der Sheffield wieder zur wichtigsten Stadt des Planeten gemacht hatte. Sie lie�en immer mehr Geld in die Stadt flie�en, gr�ndeten Unterabteilungen und sogar ganze Zeltvorst�dte. In jedem Bau war der krasse Reichtum der Transnationalen deutlich�� und auch, wie Art dachte, in der Weise, wie sich die Menschen bewegten. Zahllose Leute hopsten in den Stra�en genau so ungeschickt herum wie er. Neu eingetroffene Gesch�ftsleute oder Bergbauingenieure und dergleichen, die sich mit gerunzelter Stirn auf den Akt des Gehens konzentrierten. Es war keine Kunst, die gro�en jungen Eingeborenen dazwischen zu erkennen mit ihrer katzenhaften K�rperbeherrschung. Aber sie bildeten in Sheffield eine ausgesprochene Minderheit; und Art fragte sich, ob das auf dem Mars �berall so w�re.</p><p>Was die Architektur anging, so war Raum unter dem Zelt hochbegehrt; und darum waren die fertigen Geb�ude volumin�s, oft kubisch, und beanspruchten ihr Areal bis hin zur Stra�e und bis hinauf zum Zelt. Wenn alle Bauarbeiten fertig waren, w�rde es nur ein Netz mit zehn dreieckigen Plazas geben und die breiten Boulevards und den Park, der sich gekr�mmt l�ngs des Randes hinzog, um zu verhindern, da� die Stadt eine durchgehende Masse gedrungener Wolkenkratzer w�rde mit Fronten aus polierten Steinen in verschiedenen Schattierungen von Rot. Es war eine City f�rs Gesch�ft.</p><p>Und f�r Art sah es so aus, da� Praxis einen guten Anteil von diesem Gesch�ft bekommen w�rde. Subarashii war der Generalunternehmer f�r den Aufzug, aber Praxis lieferte die Software, wie sie sie f�r den ersten Aufzug gehabt hatten, und auch einige Wagen und einen Teil des Sicherheitssystems. Alle diese Zu-Weisungen waren, wie er erfuhr, von einem Komitee gemacht worden, das die ��bergangsbeh�rde der UN� hie�, vermutlich einen Teil der UN bildete, aber von den Transnationalen kontrolliert wurde. Und Praxis war in diesem Komitee ebenso angriffslustig gewesen wie alle anderen. William Fort h�tte sich vielleicht f�r Bioinfrastruktur interessiert; aber auch die gew�hnlichen Aktivit�ten lagen offensichtlich nicht au�erhalb der Bet�tigungen von Praxis. Es gab Arbeitsgruppen f�r den Bau von Wasserversorgungsanlagen, Bahnstrecken, Canyonst�dten, Windkraftgeneratoren und areothermalen Kraftwerken. Die beiden letzteren galten weithin als Vorhaben im Grenzbereich, da die neuen orbitalen Sammler von Sonnenenergie und ein Fusionskraftwerk in Xanthe sich so gut machten, nicht zu erw�hnen die �ltere Generation integraler Schneller Reaktoren. Aber lokale Energiequellen waren die Spezialit�t des Tochterunternehmens von Praxis � Energie von Unten�. Und das taten sie auch und arbeiteten schwer im Hinterland.</p><p>Das Tochterunternehmen von Praxis f�r Bergung, auf dem Mars das Gegenst�ck zu Dumpmines, hie� Ouroboros und war wie Energie von Unten ziemlich klein. In der Tat gab es, wie die Leute von Ouroboros Art schnell erz�hlten, als sie eines Morgens zusammenkamen, nicht viel M�llaufkommen auf dem Mars. Fast alles wurde wiederverwertet oder zur Schaffung von Ackerboden benutzt, so da� der Abfallplatz jeder Siedlung mehr zur Aufbewahrung diverser Materialien diente, die auf ihre besondere neue Verwendung warteten. Ouroboros machte es sich deshalb zur Aufgabe, alles an Abfall oder Abw�ssern zu sammeln, das etwas widerspenstig war�� giftig, ausgefallen oder einfach unpassend��, und dann Wege f�r dessen Verwendung zu finden.</p><p>Das Ouroboros-Team in Sheffield nahm ein Stockwerk im Wolkenkratzer von Praxis in der Innenstadt ein. Die Gesellschaft hatte zun�chst damit angefangen, die alte Stadt auszugraben, ehe die Ruinen so formlos �ber die Kante geschoben wurden. Ein Mann namens Zafir leitete das Projekt zur Bergung des heruntergefallenen Kabels; und er und Adrienne begleiteten Art zum Bahnhof, wo sie einen Lokalzug bestiegen und eine kurze Fahrt zum Ostrand unternahmen zu einer Reihe von Vorstadtzelten. Eines davon war das Vorratslager von Ouroboros, und gleich daneben befand sich neben vielen anderen Fahrzeugen eine wahrhaft gigantische mobile Verarbeitungsanlage, genannt �Das Biest�. Es sah aus wie ein �berdimensionales Kompaktauto und war fast v�llig robotisch. Ein anderes Biest war gerade ausw�rts, um das Kabel in West-Tharsis zu verarbeiten; und f�r Art war geplant, da� er eine Besichtigung vor Ort durchf�hren sollte. Also f�hrten Zafir und eine Schar Techniker Art herum in dem Trainingsvehikel, das in einem ger�umigen Gela� auf der h�chsten Etage endete, wo es Wohnm�glichkeiten gab f�r alle etwaigen Besucher.</p><p>Zafir war dar�ber begeistert, was Das Biest drau�en in West-Tharsis gefunden hatte. Er sagte: �Nat�rlich gibt uns schon die Bergung des Karbonfilamentes und der Schraubenwindungen aus Diamant-Gel einen grundlegenden Zustrom an Einkommen. Und wir haben Erfolg mit einigen exotischen Stoffen, die in Brekzien in der letzten Hemisph�re des Falls umgewandelt wurden. Was Sie aber interessieren wird, sind die Buckiekugeln.� Zafir war ein Experte f�r diese kleinen geod�tischen Kugeln namens Buckminsterfullerene und wurde enthusiastisch: �Temperaturen und Dr�cke in der West-Tharsis-Zone des Falls erwiesen sich als �hnlich denen, die bei dem Bogenreaktorverfahren zur Herstellung von Fullerenen angewandt wurden; und da gibt es einen hundert Kilometer langen Streifen, wo der Kohlenstoff auf der Bodenseite des Kabels fast v�llig aus Buckiekugeln besteht.� Und einige Superbuckies hatten bei ihrer Bildung Atome anderer Elemente in ihren Karbonk�figen eingefangen. Diese �vollen Fullerene� waren n�tzlich bei der Herstellung von Verbindungen, aber im Labor sehr kostspielig herzustellen wegen der enormen ben�tigten Energiemengen. Darum war dies ein h�bscher Fund. �Das Biest sortiert die verschiedenen Superbuckies aus, wo Ihre Ionenchromatographie ins Spiel kommt.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte Art. Er hatte bei Analysen in Georgien mit Ionenchromatographie gearbeitet; und dies war der offensichtliche Grund daf�r, da� er ins Hinterland geschickt wurde. Also trainierten in den n�chsten Tagen Zafir und einige darin bewanderte Techniker Art in der Bedienung des Biestes. Danach hatten sie ein gemeinsames Dinner in einem kleinen Restaurant in dem Vorortzelt auf dem Ostrand. Nach Sonnenuntergang hatten sie einen gro�artigen Blick auf Sheffield, das etwa drei�ig Kilometer um die Kr�mmung des Randes in der D�mmerung leuchtete wie eine Lampe auf dem schwarzen Abgrund.</p><p>W�hrend sie so a�en und tranken, wandte sich die Konversation selten dem Thema von Arts Projekt zu. Art dachte dar�ber nach und kam zu dem Schlu�, da� das wahrscheinlich eine absichtliche H�flichkeit der Kollegen ihm gegen�ber war. Das Biest arbeitete vollkommen selbst�ndig; und obwohl es einige Probleme bei der Aussortierung der k�rzlich entdeckten vollen Fullerene gab, m��te es vor Ort Ionenchromatographen geben, die die Arbeit h�tten tun k�nnen. Es gab also keinen offensichtlichen Grund, weshalb Praxis Art von der Erde daf�r h�tte heraufschicken sollen. Es mu�te also mehr an seiner Geschichte dran sein. Und so vermied die Gruppe dies Thema und ersparte Art die Peinlichkeit zu l�gen oder verlegenen Achselzuckens oder einer ausf�hrlichen Aufforderung zur Vertraulichkeit.</p><p>Art w�ren alle diese Tricks unangenehm gewesen, darum sch�tzte er ihr Taktgef�hl. Aber es brachte eine gewisse Distanz in ihre Gespr�che. Und er sah die anderen Neulinge von Praxis nur selten au�er bei Einf�hrungstreffen; und er kannte niemanden sonst in der Stadt oder anderswo auf dem Planeten. Darum war er etwas einsam, und die Tage vergingen mit einem zunehmenden Gef�hl des Unbehagens und sogar von Niedergeschlagenheit. Er hielt die Vorh�nge vor der Aussicht von seinem Fenster aus geschlossen und speiste in Restaurants, die entfernt vom Rand lagen. Es kam ihm fast zu sehr so vor wie in den Wochen auf der <emphasis>Ganesh,</emphasis> die f�r ihn jetzt eine miserable Erinnerung bildeten. Manchmal mu�te er sich des Gef�hls erwehren, da� es ein Fehler gewesen war zu kommen.</p><p>Und so trank er nach ihrer letzten Orientierungslektion bei einem Empfangsessen im Praxisgeb�ude mehr als gewohnt und tat einige Atemz�ge aus einem gro�en Kanister mit Lachgas. Das Inhalieren von Erholungsdrogen war orts�blich und bei Bauarbeitern auf dem Mars recht verbreitet, wie man ihm gesagt hatte. Und es gab sogar kleine Kanister mit verschiedenen Gasen in Automaten mancher �ffentlicher Herrentoiletten. Sicher verlieh die Salpeters�ure dem Champagner eine besondere Spritzigkeit. Das war eine h�bsche Kombination wie Erdn�sse und Bier oder Eiskrem und Apfeltorte.</p><p>Danach ging Art mit wirren Spr�ngen durch die Stra�en von Sheffield. Er empfand die Salpeters�ure als eine Art von Antischwerkraftwirkung, die zusammen mit dem Grundeffekt auf dem Mars ihm ein fast allzu gro�es Gef�hl von Leichtigkeit vermittelte. Technisch wog er etwa vierzig Kilo; aber beim Gehen f�hlte er sie mehr wie f�nf. Sehr seltsam, sogar unangenehm. Als ob man auf mit Butter beschmiertem Glas gehen w�rde.</p><p>Er stie� fast mit einem jungen Mann zusammen, der sichtlich gr��er war als er, so schlank wie ein Vogel und ebenso grazi�s, der schnell vor ihm abbog und ihn dann mit einer Hand auf der Schulter beruhigte, alles in einer glatten, flie�enden Bewegung.</p><p>Der junge Mann sah ihm ins Gesicht. �Sind Sie Arthur Randolph?�</p><p>�Ja�, sagte Art �berrascht, �der bin ich. Und wer sind Sie?�</p><p>�Ich bin derjenige, der sich mit William Fort in Verbindung gesetzt hat.�</p><p>Art blieb abrupt stehen und schwankte, um wieder auf die F��e zu kommen. Der junge Mann hielt ihn mit leichtem Druck senkrecht. Seine Hand lag fest auf Arts Oberarm. Er sah Art direkt an mit freundlichem L�cheln. Vielleicht zwanzig Jahre alt, sch�tzte Art, vielleicht j�nger�� ein h�bscher Bursche mit brauner Haut und dichten schwarzen Augenbrauen und Augen, die leicht asiatisch waren und �ber vorstehenden Backenknochen sa�en. Ein intelligenter Blick, voller Wi�begier und einer Art magnetischen Qualit�t, die schwer festzulegen war.</p><p>Art war er sofort sympathisch, ohne einen Grund, den er h�tte angeben k�nnen. Es war blo� ein Gef�hl. �Nennen Sie mich Art!� sagte er.</p><p>�Ich bin Nirgal�, sagte der J�ngling. �Lassen Sie uns zum Overlook Park hinuntergehen.�</p><p>Also ging Art mit ihm �ber den mit Gras bewachsenen Boulevard zu dem Park am Rand. Dort schlenderten sie �ber den Weg neben der Mauerkrone. Nirgal half Art bei seinen betrunkenen Wendungen, indem er freim�tig seinen Oberarm packte und ihn steuerte. Sein Griff hatte eine durchdringende elektrische Eigenschaft und war sehr warm, als ob der Junge Fieber h�tte. Aber in seinen dunklen Augen war kein Anzeichen davon.</p><p>�Warum sind Sie hier?� fragte Nirgal. Und seine Stimme und der Blick in seinen Augen machten die Frage zu etwas anderem als einer oberfl�chlichen Erkundigung. Art dachte �ber seine Antwort nach.</p><p>�Um zu helfen�, sagte er.</p><p>�Also wirst du zu uns sto�en?�</p><p>Wieder machte der junge Mann irgendwie klar, da� er etwas anderes, Fundamentales meinte.</p><p>�Ja, zu jeder Zeit, die ihr wollt�, versicherte Art.</p><p>Nirgal zeigte ein rasches, entz�cktes L�cheln, das er nur zum Teil �berwand, ehe er sagte: �Gut. Sehr gut. Aber schau, ich tue dies aus eigener Initiative. Verstehst du? Es gibt Leute, die es nicht billigen w�rden. Darum mu� ich dich bei uns einschmuggeln, als ob es ein Unfall w�re. Ist das deinerseits okay?�</p><p>�Das ist fein.� Art sch�ttelte etwas verwirrt den Kopf. �So hatte ich es ohnehin vor.�</p><p>Nirgal machte bei der Ausguckblase halt, ergriff Arts Hand und hielt sie fest. Sein Blick, so offen und nicht blinzelnd, war ein Kontakt anderer Art. �Gut. Danke! Jetzt mach nur weiter, was du tust. Geh zu eurem Bergungsprojekt, und man wird dich dort aufgreifen. Wir werden uns danach wieder begegnen.�</p><p>Und weg war er. Er ging durch den Park in Richtung auf den Bahnhof und bewegte sich mit den langen anmutigen Schritten, die f�r alle jungen Einheimischen typisch zu sein schienen. Art schaute ihm nach und bem�hte sich, alles �ber die Begegnung im Ged�chtnis zu behalten und seinen Finger auf das zu legen, das sie so inhaltsreich gemacht hatte. Er stellte fest, da� es einfach der Blick in dem Gesicht des jungen Mannes gewesen war, aber noch mehr, irgendeine heitere Kraft. Art entsann sich des pl�tzlich ausgebrochenen Grinsens, als Art gesagt (versprochen) hatte, mit ihnen zusammenzukommen. Art mu�te selbst grinsen.</p><p>Als er wieder in sein Zimmer kam, ging er direkt zum Fenster und �ffnete die Vorh�nge. Er trat zu dem Tisch an seinem Bett, setzte sich hin, stellte seinen Leser an und rief <emphasis>Nirgal</emphasis> auf. Unter diesem Namen war niemand registriert. Es gab ein Nirgal Vallis zwischen dem Argyre-Becken und Valles Marineris. Eines der besten Beispiele f�r einen von Wasser ausgetieften Kanal auf dem Planeten, wie die Eintragung sagte, lang und gewunden. Das Wort war der babylonische Name f�r Mars.</p><p>Art ging wieder ans Fenster und dr�ckte die Nase gegen das Glas. Er schaute direkt in den Schlund des Dings hinab, in das felsige Herz des Monsters selbst. Horizontale Streifen der gekr�mmten W�nde, die weite runde Ebene so weit unten, die scharfe Kante, wo sie auf die kreisrunde Wand stieߠ� die unendlichen Schattierungen von Kastanienbraun, Rostfarben, Schwarz, Br�unlich, Orange, Gelb, Rot� Das sog er ein, zum ersten Mal ohne Angst. Und w�hrend er in dieses enorme Loch zum Innern des Planeten blickte, wurde die Furcht in ihm pl�tzlich durch ein neues Gef�hl ersetzt; und er erschauerte und h�pfte auf der Stelle in einem kleinen Tanz. Er konnte mit der Aussicht zurechtkommen. Er konnte mit der Schwerkraft zurechtkommen. Er hatte einen Marsmenschen getroffen, ein Mitglied des Untergrundes, einen Burschen mit fremdartigem Charisma; und er w�rde mehr von ihm sehen, mehr von ihnen allen� Er war auf dem <emphasis>Mars.</emphasis></p><empty-line/><p>Und ein paar Tage sp�ter war er auf dem Westhang von Pavonis Mons und fuhr einen kleinen Rover �ber eine schmale Stra�e hinab, die parallel zu einem Band aus gest�rtem vulkanischem Ger�ll verlief, mit etwas, das wie der nach unten f�hrende Schienenstrang einer Zahnradbahn aussah. Er hatte an Fort eine letzte Meldung geschickt und ihm mitgeteilt, da� er aufbr�che, und die bis dahin einzige Antwort auf seine Reise erhalten: <emphasis>Ich w�nsche gute Reise.</emphasis></p><p>Die erste Stunde seiner Fahrt brachte das, was ihm ein jeder als h�chst eindrucksvolle Aussicht versprochen hatte. Er �berquerte den Westrand der Caldera und begann, die �u�ere B�schung des riesigen Vulkans hinunterzufahren. Das geschah etwa sechzig Kilometer westlich von Sheffield. Er fuhr �ber die S�dwestkante des gro�en Randplateaus und bewegte sich langsam nach unten. Da erschien in der Tiefe und weit entfernt ein weiter Horizont als ein leicht gekr�mmter dunstiger wei�er Streifen, wie die Erde aus dem Fenster eines Raumschiffs. Das war auch sinnvoll, da der Gipfel von Pavonis etwa f�nfundachtzigtausend Fu� �ber Amazonis Planitia aufragte. Es war also ein gewaltiger Anblick, die st�rkste m�gliche Erinnerung an die erstaunliche H�he der Tharsisvulkane. Und er hatte in diesem Moment eine gro�artige Sicht auf Arsia Mons, der als der s�dlichste der drei Vulkane auf Tharsis zu seiner Linken wie eine Nachbarwelt �ber den Horizont aufragte. Und was im Nordwesten �ber dem fernen Horizont wie eine schwarze Wolke aussah, konnte sehr wahrscheinlich Olympus Mons selbst sein!</p><p>So f�hrte die Fahrt am ganzen ersten Tag abw�rts, aber Arts Stimmung blieb hoch. �Toto, es gibt <emphasis>keine Chance,</emphasis> da� wir noch in Kansas sind. Wir sind�� <emphasis>weg,</emphasis> um den <emphasis>Zauberer</emphasis> zu sehen. Den wunderbaren Zauberer des Mars!�</p><p>Die Stra�e verlief parallel der Fallstrecke des Kabels. Dieses hatte die Westseite von Tharsis mit furchtbarer Wucht getroffen, nat�rlich nicht so heftig wie beim ersten Herumwickeln, aber ausreichend f�r die Erzeugung der interessanten Superbuckies, zu deren Erforschung Art ausgeschickt war. Das Biest, das er antreffen sollte, hatte allerdings bereits das Kabel in seiner N�he geborgen, und das Kabel selbst war fast v�llig verschwunden. Was allein �briggeblieben war, waren einige altmodisch wirkende Eisenbahngleise und eine dritte Schiene f�r Zahnr�der in deren Mitte. Das Biest hatte diese Schienen aus Kohlenstoff vom Kabel angefertigt und dann andere Teile des Kabels und Magnesium aus dem Boden benutzt, um kleine, mit eigener Energie versehene Zahnrad-Miniwagen zu bauen, die dann Fracht aus geborgenem Material die Flanke von Pavonis hinauf zu den Ouroboros-Werken in Sheffield bef�rderten. Sehr geschickt, dachte Art, als er sah, wie ein kleiner Robotwagen in der umgekehrten Richtung an ihm vorbeifuhr, die Gleise hinauf zur Stadt. Der kleine Waggon war schwarz, niedrig und wurde von einem einfachen Motor angetrieben, der in die Zahnspur griff, beladen mit einer Fracht, die ohne Zweifel haupts�chlich aus Filamenten von Karbon-Nanorohren bestand. Oben darauf lag ein gro�er rechteckiger Diamantblock. Art hatte in Sheffield davon geh�rt und war deshalb nicht von dem Anblick �berrascht. Der Diamant war aus den Doppelspiralen geborgen worden, die das Kabel verst�rkten, und die Bl�cke waren eigentlich viel weniger wert als die darunter verstauten Karbonfilamente. Sie waren nur eine Art Lukendeckel. Aber sie sahen h�bsch aus.</p><p>Am zweiten Tag seiner Fahrt erreichte Art den ungeheuren Kegel von Pavonis und kam zum eigentlichen Tharsisbuckel. Hier war der Boden mehr mit lockerem Gestein und Meteoritenkratern bedeckt als die Flanke des Vulkans. Und dort unten war alles mit angewehtem Schnee und Sand bedeckt in einem Gemisch, das nach gleichen Teilen von beidem aussah. Dies war der Firnhang von West-Tharsis, ein Gebiet, in das St�rme aus dem Westen oft Schnee abluden, der nie schmolz, sondern allj�hrlich zunahm und die darunterliegende Schicht zusammenpre�te. So bestand die Packung aus Firnschnee; aber nach weiteren Jahren w�rden die untersten Schichten zu Eis geworden sein und die Abh�nge zu Gletschern. Jetzt waren die H�nge noch gesprenkelt von gro�en Felsen, die aus dem Firn herausragten, und kleinen Kraterringen, zumeist weniger als ein Kilometer im Durchmesser, die so frisch aussahen, als ob sie erst gestern entstanden w�ren, abgesehen davon, da� sie jetzt mit sandigem Schnee gef�llt waren.</p><p>Als er noch viele Kilometer entfernt war, bekam Art Das Biest zu sehen, welches das Kabel barg. Sein Oberteil erschien �ber dem Westhorizont, und im Laufe der n�chsten Stunde kam auch der Rest zum Vorschein. Drau�en auf dem weiten, leeren Abhang wirkte das Ger�t etwas kleiner als sein Zwilling droben in OstSheffield, zumindest, bis Art unter seine Flanke fuhr, wo es ihm wieder klar wurde, da� es so gro� wie ein H�userblock war. Unten an einer Seite war ein quadratisches Loch, das genau wie die Einfahrt zu einer Parkgarage aussah. Art fuhr seinen Rover direkt zu diesem Loch�� Das Biest bewegte sich mit drei Kilometern am Tag, darum war es keine Kunst, es zu treffen�� und als er drinnen war, fuhr er eine gewundene Rampe empor und folgte einem kurzen Tunnel in eine Schleuse. Dort sprach er per Funk zu dem KI des Biestes; und hinter ihm schlossen sich die T�ren. Nach einer Minute konnte er einfach aus seinem Wagen aussteigen, zur T�r eines Aufzugs gehen und einen Lift zum Beobachtungsdeck nehmen.</p><empty-line/><p>Es dauerte nicht lange, um zu erkennen, da� das Leben im Innern des Biestes keineswegs aufregend war. Nachdem Art sich beim B�ro in Sheffield gemeldet und einen Blick auf den Ionenchromatographen unten im Labor geworfen hatte, begab er sich mit dem Rover wieder nach drau�en, um sich dort weiter umzusehen. Zafir versicherte ihm, da� es so zu gehen pflegte, wenn man mit dem Biest arbeitete. Die Rover waren wie Pilotfische, die um einen gro�en Wal herumschwimmen; und obwohl der Ausblick vom Beobachtungsdeck h�bsch und hoch war, verbrachten die meisten Leute schlie�lich einen guten Teil ihrer Zeit mit Umherfahren.</p><p>Also tat Art das auch. Das vor dem Biest heruntergefallene Kabel zeigte deutlich, da� es hier beim Auftreffen nach dem Fall viel h�rter gewesen war als zu Beginn des Absturzes. Es war hier zu fast einem Drittel seines Durchmessers eingegraben, und der Zylinder war abgeflacht und durch lange Risse entlang seiner Seiten gekennzeichnet, die seine Struktur zeigten, die aus B�ndeln von B�ndeln aus Karbon-Nanorohrfilament bestand, einer der festesten Substanzen, die die Materialkunde kannte, obwohl anscheinend das Material des Aufzugskabels jetzt noch st�rker war.</p><p>Das Biest hockte quer �ber diesem Wrack, etwa viermal so hoch wie das Kabel, dessen angekohlter schwarzer Halbzylinder in einem Loch an der Frontseite des Biestes verschwand, aus dem ein tiefes Brummen ert�nte mit fast subsonischer Vibration. Und dann glitt jeden Tag etwa um zwei Uhr nachmittags eine T�r an der R�ckseite des Biestes auf, oberhalb der bereits ausgeschiedenen Schienen; und ein Waggon mit Diamantdeckel rollte heraus. Er blitzte im Sonnenlicht und glitt auf Pavonis zu. Die Z�ge verschwanden �ber dem hohen Osthorizont etwa zehn Minuten nach ihrem Erscheinen aus dem Roboter in der Vertiefung, die jetzt zwischen ihm und Pavonis lag.</p><p>Nachdem er die t�gliche Abfahrt beobachtet hatte, pflegte Art eine Fahrt in dem �Pilotfisch�-Rover zu unternehmen, um Krater und gro�e isolierte Felsbl�cke zu untersuchen�� und sich nach Nirgal umzusehen oder wenigstens auf ihn zu warten. Nach ein paar solchen Tagen gew�hnte er es sich auch an, Schutzkleidung anzulegen und jeden Nachmittag einige Stunden spazierenzugehen. Er schlenderte neben dem Kabel oder dem Pilotfisch her oder kletterte in die Umgebung hinaus.</p><p>Es war ein merkw�rdig aussehendes Gel�nde, nicht nur wegen der gleichm��igen Verteilung von Millionen schwarzer Steine, sondern auch, weil die harte Firndecke durch Sandstrahl winde zu phantastischen Figuren gestaltet war: Grate, Pfeiler, tropfenf�rmige Schw�nze hinter jedem freistehenden Felsen usw. Diese Gebilde hie�en <emphasis>Sastrugi.</emphasis> Es machte Spa�, zwisehen diesen extravaganten aerodynamischen Extrusionen aus r�tlichem Schnee zu wandern.</p><p>Das machte er jeden Tag. Das Biest mahlte sich langsam nach Westen voran. Art fand, da� die vom Wind getroffenen kahlen Oberseiten der Felsen oft mit bunten Stellen gef�rbt waren, die Schuppen aus schnellen Flechten waren, einer rasch wachsenden Art�� jedenfalls rasch f�r Flechten. Art suchte einige Mustersteine aus, nahm sie mit ins Biest und las neugierig nach �ber Flechten. Dies waren offenbar k�nstlich geschaffene kryptoendolithische Flechten, was bedeutete, da� sie im Stein lebten und in dieser H�he genau am Rande des M�glichen existierten. Der Artikel �ber sie sagte, da� mehr als achtundneunzig Prozent ihrer Energie nur daf�r gebraucht w�rden, um am Leben zu bleiben. Und das stellte eine gro�e Verbesserung dar gegen�ber der irdischen Spezies, auf der sie beruhten.</p><empty-line/><p>Es vergingen weitere Tage und dann Wochen, aber was konnte er tun? Er blieb dabei, Flechten zu sammeln. Einer der Kryptoendolithen, die er fand, war nach Aussage des Leseger�ts die erste Spezies, die auf der Marsoberfl�che �berlebt hatte, und sie war von Mitgliedern der legend�ren Ersten Hundert entdeckt worden. Er zerbrach einige Steine, um besser sehen zu k�nnen, und fand B�nder von Flechten, die in den �u�eren Zentimetern des Steins wuchsen. Erst ein gelber Streifen direkt an der Oberfl�che, dann ein blauer Streifen darunter und dann ein gr�ner. Nach dieser Entdeckung machte er oft auf seinen Wanderungen halt, um sich hinzuknien und seine Gesichtsscheibe an farbige Steine zu halten, die aus dem Firn ragten. Er bestaunte die krustigen Schuppen und deren intensive blasse Farben�� gelb, oliv, khakigr�n, waldgr�n, schwarz und grau.</p><p>Eines Nachmittags fuhr er mit dem Pilotfisch weit nach Norden vom Biest und stieg aus, um herumzuklettern und Proben zu sammeln. Als er zur�ckkehrte, stellte er fest, da� sich die Schleusent�r an der Seite des Pilotfischs nicht �ffnen lie�. �Was, zum Teufel?� rief er laut.</p><p>Es war so lange her, da� er vergessen hatte, da� etwas passieren k�nnte. Das Ereignis hatte offenbar in Form einer elektronischen Panne stattgefunden. Er nahm an, da� es das w�re�� und wenn nicht, etwas anderes. Er rief �ber Interkom und versuchte jeden ihm bekannten Code auf dem Tastenfeld an der Schleusent�r, aber nichts hatte Erfolg. Und da er nicht wieder hinein konnte, konnte er auch nicht die Notsysteme einschalten. Und das Interkom seines Helms hatte eine sehr beschr�nkte Reichweite�� praktisch den Horizont��, der hier von Pavonis entfernt auf marsianische N�he geschrumpft war, nur wenige Kilometer nach allen Richtungen. Das Biest befand sich deutlich �ber dem Horizont; und obwohl er es wahrscheinlich zu Fu� erreichen konnte, gab es unterwegs eine Strecke, auf der sowohl das Biest <emphasis>wie</emphasis> der Pilotfisch unter dem Horizont sein w�rden�� und er allein in einem Anzug mit beschr�nktem Luftvorrat�</p><p>Pl�tzlich nahm die Gegend mit ihren schmutzigen Sastrugi sogar im hellen Sonnenschein ein fremdes, unheilvolles Aussehen an. �Zum Teufel!� sagte Art und dachte scharf nach. Schlie�lich war er ja hier drau�en, um vom Untergrund aufgegriffen zu werden. Nirgal hatte gesagt, da� das wie ein Unfall aussehen w�rde. Nat�rlich war das nicht unbedingt dieser Unfall; aber, ob er es war oder nicht, Panik w�rde nicht helfen. Am besten machte er die Arbeitshypothese, da� es ein reales Problem w�re; und er w�rde von hier weggehen. Er k�nnte versuchen, zum Biest zur�ckzukehren, oder er k�nnte versuchen, in den Pilotfisch-Rover zu gelangen.</p><p>Er �berlegte noch und tippte auf der Tastatur der Schleusent�r herum wie ein Schreibmaschinenchampion, als man ihm kr�ftig auf die Schulter klopfte. �Aaa!� schrie er und fuhr erschrocken herum.</p><p>Zwei M�nner in Schutzanz�gen und zerkratzten alten Helmen standen neben dem Rover. Durch die Gesichtsscheiben konnte er sie erkennen: eine Frau mit einem Gesicht wie ein Falke, die so aussah, als ob sie nach ihm hacken wollte, und ein kleiner Mann mit schmalem Gesicht und grauen Haarzotteln, die den Rand seiner Visierscheibe bedeckten wie die Bilderrahmen aus Tauen, die man gelegentlich in Matrosenkneipen findet.</p><p>Dies war der Mann, der Art auf die Schulter geklopft hatte. Jetzt hob er drei Finger und zeigte auf seine Armbandkonsole. Offenbar das Interkomband, das sie benutzten. Art schaltete es ein und rief: �He!� Er f�hlte sich mehr erleichtert, als er eigentlich sollte, in Anbetracht dessen, da� dies wahrscheinlich von Nirgal arrangiert worden war und er sich nie in Gefahr befunden hatte. �He, anscheinend bin ich von meinem Wagen ausgesperrt? K�nnt ihr mich mitnehmen?�</p><p>Sie starrten ihn an.</p><p>Der Mann lachte furchterregend und sagte: �Willkommen auf dem Mars!�</p></section></section><section><title><p>DRITTER TEIL</p><p>Ein weiter Weg</p></title><section><p><emphasis>Ann Clayborne fuhr den Geneva-Vorsprung hinunter und hielt alle paar scharfen Kehren an, um auszusteigen und Proben der Stra�eneinschnitte zu entnehmen. Die Transmarineris-Fernstra�e war nach �61 aufgegeben worden und verschwand jetzt unter dem schmutzigen Strom aus Eis und Steinen, der den Boden von Coprates Plasma bedeckte. Die Stra�e war ein arch�ologisches Relikt, eine Sackgasse.</emphasis></p><p><emphasis>Aber Ann studierte den Geneva-Vorsprung. Er war das letzte Ende eines viel gr��eren Lavadeichs, dessen gr��ter Teil in dem Plateau im S�den begraben war. Der Deich war einer von mehreren�� der nahe gelegenen Melas Dorsa, der Teils Dorsa weiter �stlich und der Solis Dorsa weiter westlich�� alle rechtwinklig zu den Marineris-Canyons und alle geheimnisvollen Ursprungs. Aber als die S�dwand von Melas Chasma zur�ckgewichen war durch Einsturz und Winderosion, wurde der harte Fels vines Deichs freigelegt. Und dies war der Geneva-Vorsprung, der den Schweizern eine perfekte Rampef�r ihre Stra�e die Canyonwand hinunter geliefert hatte. Jetzt verschaffte sie Ann eine angenehm frei liegende Basis f�r einen Deich. Es war m�glich, da� dieser und alle zugeh�rigen Deiche durch konzentrische Risse infolge des Aufstiegs von Tharsis entstanden waren. Aber sie k�nnten auch viel �lter sein, �berreste einer Spreizung von Basis und Breite infr�hester Vorzeit, als der Planet sich noch aufgrund seiner inneren W�rme ausdehnte. Wenn man den Basalt am Fu� des Deichs datieren k�nnte, w�rde das helfen, die Frage in dem einen oder anderen Sinne zu beantworten.</emphasis></p><p><emphasis>Also fuhr Ann in einem kleinen Felswagen langsam die von Reif bedeckte Stra�e hinunter. Man w�rde die Bewegung des Wagens aus dem Weltraum recht gut erkennen k�nnen; aber das machte ihr nichts aus. Sie war im vorigen Jahr durch die ganze s�dliche Hemisph�re gefahren ohne Vorsichtsma�nahmen, au�er wenn sie sich Cojotes versteckten Zufluchtspl�tzen zwecks Versorgung n�herte. Es war nichts passiert.</emphasis></p><p><emphasis>Sie erreichte den Boden des Vorsprungs, nur eine kurze Strecke von dem Strom aus Eis und Gestein entfernt, der jetzt den Boden des Canyons blockierte. Sie stieg aus und klopfte mit einem Geologenhammer am Boden des letzten Stra�eneinschnittes herum. Sie kehrte dem riesigen Gletscher den R�cken zu und machte sich nichts daraus. Sie war auf den Basalt konzentriert. Der Deich stieg vor ihr in die Sonne auf, eine perfekte Rampe zur Spitze der Klippe, etwa drei Kilometer �ber ihr und f�nfzig Kilometer im S�den. Auf beiden Seiten des Vorsprungs kr�mmte sich die riesige s�dliche Klippe von Melas Chasma in gro�en Einbuchtungen zur�ck und dann wieder nach au�en zu kleineren Vorspr�ngen�� ein kleiner Punkt auf dem fernen Horizont zur Linken und ein massives Vorgebirge etwa sechzig Kilometer zur Rechten, welches Ann Cape Solis nannte.</emphasis></p><p><emphasis>Vor langer Zeit hatte Ann vorausgesagt, da� stark beschleunigte Erosion jeder Anreicherung der Atmosph�re mit Wasser folgen w�rde; und auf beiden Seiten des Vorsprungs lie� die Klippe erkennen, da� sie recht gehabt hatte. Die Einbuchtung zwischen dem Geneva-Sporn und Cape Solis war immer tief gewesen; aber jetzt zeigten einige frische Erdrutsche, da� sie rasch noch tiefer wurde. Aber selbst die j�ngsten Narben waren ebenso wie der Rest der Riefen und Schichtung der Klippe mit Reif best�ubt. Die gro�e Wand hatte die Farbe von Zion oder Bryce nach Schneefall�� Rot mit Wei� gestreift.</emphasis></p><p><emphasis>Auf dem Boden des Canyons war ein sehr niedriger schwarzer Grat zu sehen, etwa zwei Kilometer westlich des Geneva-Vorsprungs und parallel zu ihm. Bei n�herem Zusehen schien die nicht mehr als brusthohe Erhebung wirklich aus dem gleichen Basalt zu bestehen wie der Vorsprung. Ann nahm ihren Hammer und schlug eine Probe ab.</emphasis></p><p><emphasis>Eine Bewegungfiel ihr ins Auge; und sie sprang hoch, um zu schauen. Cape Solis fehlte die Nase. Eine rote Wolke bl�hte sich von seinem Fu� auf.</emphasis></p><p><emphasis>Ein Erdrutsch! Sofort startete sie die Stoppuhr auf ihrem Armband, zog dann die binokulare Maske �ber ihre Gesichtsscheibe und hantierte mit der Sch�rfe, bis das ferne Bergland klar in ihrem Gesichtsfeld stand. Der von dem Abbruch freigelegte Fels war schw�rzlich und schien fast vertikal zu sein. Vielleicht eine sich abk�hlende Fehlstelle im Deich, falls auch das ein Deich war. Es sah aus wie Basalt. Und es schien, als ob sich der Bruch �ber die ganze H�he der Klippe erstreckt h�tte, ihre ganzen vier Kilometer.</emphasis></p><p><emphasis>Die Vorderseite der Klippe verschwand in der aufsteigenden Staubwolke, die sich aufbl�hte, ah w�re eine riesige Bombe hochgegangen. Einem entfernten, fast subsonischen Knall folgte ein schwaches Dr�hnen wie entfernter Donner. Ann sah auf mr Handgelenk: etwas unter vier Minuten. Die Schallgeschwindigkeit betrug auf dem Mars 252 Meter in der Sekunde. Also war die Distanz von sechzig Kilometern best�tigt. Ann hatte fast den ersten Moment des Falls gesehen.</emphasis></p><p><emphasis>Tief in der Einbuchtung gab auch-ein kleineres St�ck der Klippe nach, ohne Zweifel ausgel�st durch Sto�wellen. Aber im Vergleich mit dem zusammengebrochenen gro�en Eandst�ck, das Millionen Kubikmeter Gestein umfa�t hatte, sah es aus wie ein ganz gew�hnlicher Steinschlag. Es war phantastisch, wirklich einen dar ganz gro�en Erdrutsche zu sehen. Die meisten Areologen und Geologen hatten sich auf Explosionen oder Computersimulationen verlassen m�ssen. Einige in Volles Marineris verbrachte Wochen w�rden f�r sie das Problem l�sen.</emphasis></p><p><emphasis>Und da kam es nun. Es rollte �ber den Boden wie die Front einer Staubwolke, wie ein Zeitlupenfilm eines sich n�hernden Gewitters mit akustischen Effekten und allem. Es war wirklich eine recht weite Strecke vom Cape. Ann erkannte sofort, da� sie Zeugin eines weit ausgedehnten Erdrutsches war. Das war ein seltsames Ph�nomen, eines der ungel�sten R�tsel der Geologie. Die gro�e Mehrheit der Erdrutsche bewegt sich horizontal um weniger als die zweite Distanz ihres Falls. Aber einige wenige sehr gro�e scheinen den Gesetzen der Reibung zu trotzen und laufen horizontal zehnmal so weit, wie sie vertikal abst�rzen; und niemand wei�, warum das geschieht. Cape Solis war jetzt vier Kilometer gefallen und h�tte also nicht mehr als acht laufen sollen. Aber hier war es, ganz �ber den Boden von Melas, und lief den Canyon hinab auf Ann zu. Wenn es nur vierzehnmal seine vertikale Fallstrecke zur�cklegen w�rde, m��te es direkt �ber sie hinwegrollen und in die Geneva-Fortsetzung prallen.</emphasis></p><p><emphasis>Sie fokussierte ihren Feldstecher auf die Frontseite des Rutsches, die eben gerade als eine dunkle brodelnde Masse unter der wirbelnden Staubwolke zu erkennen war. Sie sp�rte, wie ihre Hand gegen den Helm zitterte, f�hlte sonst aber nichts. Keine Furcht, kein Bedauern�� wirklich nichts au�er einer gewissen Erleichterung. Sie hatte immer gesagt, da� das Terraformen sie t�ten w�rde. Sie lachte kurz auf und kniff dann die Augen zu, um die Frontseite des Erdrutsches besser zu erkennen. Die �lteste Standardhypothese zur Erkl�rung des weiten Laufens war, da� das Gestein �ber einer Luftschicht schwebte, die unter der Stelle des Falls zusammengepre�t gefangen war. Sp�ter hatten alte F�lle von weitem Laufen, die auf dem Mars und Erdmond entdeckt wurden, diese Idee in Zweifel gezogen, und Ann stimmte jenen zu, die argumentierten, da� jede unter dem Gestein eingefangene Luft rasch nach oben wegdiffundieren w�rde. Es mu�te aber irgendein Schmiermittel geben. Unter anderem waren vorgeschlagen worden: eine Schicht aus infolge der Reibung geschmolzenem Gestein, akustische Wellen, die durch den L�rm des Falls verursacht wurden, oder auch nur das energetische H�pfen der am Boden des Erdrutsches eingefangenen Partikel. Aber keine dieser Hypothesen war befriedigend; und niemand war sich sicher. Ann war mit einem geheimnisvollen Ph�nomen konfrontiert.</emphasis></p><p><emphasis>Nichts hinsichtlich der hier unter der Staubwolke auf sie zukommenden Masse wies auf die eine oder andere Theorie hin. Sicher gl�hte sie nicht wie geschmolzene Lava; und obwohl sie laut war, konnte man keinesfalls beurteilen, ob sie so laut war, da� sie auf ihrem sonischen Dr�hnen reiten k�nnte. Auf jeden Fall kam sie n�her, ganz gleich, durch welchen Mechanismus. Es sah ganz so aus, als ob, obwohl Ann eine Chance zu pers�nlicher Beobachtung hatte, ihr letzter Beitrag zur Geologie im Moment der Entdeckung verlorengehen w�rde.</emphasis></p><p><emphasis>Sie blickte auf ihre Uhr und war �berrascht zu sehen, da� schon zwanzig Minuten vergangen waren. Man wu�te, da� weite E�ufe schnell sein w�rden. Man sch�tzte, da� der Erdrutsch von Blackside in der Mojave-W�ste mit einhundertzwanzig Kilometern in der Stunde gelaufen war, wobei er eine Neigung von nur ein paar Grad nach unten glitt. Melas war im allgemeinen etwas steiler. Und tats�chlich kam die Front rasch n�her. Der L�rm wurde st�rker, wie direkt �ber einem grollender Donner. Die Staubwolke stieg h�her und blockierte die nachmitt�gliche Sonne.</emphasis></p><p><emphasis>Ann wandte sich um und schaute auf den gro�en Marineris-Gletscher hinaus. Sie war von ihm einmalfast get�tet worden, als der Ausbruch eines Wasserlagers die gro�en Canyons hinabstr�mte. Und Frank Chalmers war wirklich von ihm get�tet und irgendwo weit stromabw�rts im Eis begraben worden. Sein Tod war durch ihren Fehler verursacht worden, wor�ber die Gewissensbisse sie nie verlassen hatten. Es war nur ein Moment der Unaufmerksamkeit gewesen, aber eben doch ein Fehler. Und manche Fehler kann man nie wieder gutmachen.</emphasis></p><p><emphasis>Und dann war auch Simon gestorben, �berw�ltigt von einem Schwall seiner wei�en Blutzellen. Jetzt war sie an der Reihe. Die Erleichterung war so heftig, da� es geradezu schmerzte.</emphasis></p><p><emphasis>Sie hatte das Geschiebe vor sich. Der am Boden sichtbare Stein schien zu h�pfen, rollte aber nicht auf sie zu. Offenbar glitt er wirklich auf irgendeiner schmierenden Schicht. Geologen hatten fast intakte Wiesen im oberen Teil von Erdrutschen gefunden, die viele Kilometer zur�ckgelegt hatten. Also war das die Best�tigung von etwas Bekanntem. Es sah aber dennoch eigenartig aus, fast irreal. Ein niedriger Wall, der �ber das Land vorr�ckte, ohne sich zu �berschlagen�� wie durch einen Zaubertrick. Der Boden unter den F��en bebte; und Ann merkte, da� sie die H�nde zu F�usten geballt hatte. Sie dachte an Simon, der in seinen letzten Stunden mit dem Tode gek�mpft hatte, undfauchte. Es erschien ihr nicht richtig, da zu stehen und das Ende so fr�hlich zu begr��en. Sie wu�te, da� er es nicht billigen w�rde. Wie in einer seinem Geist geweihten Geste ging sie von dem niedrigen Lavadeich weg und lie� sich dahinter auf ein Knie nieder. Das grobe Korn des Basalts sah in dem braunen Licht stumpf aus. Sie f�hlte die Vibrationen und sah zum Himmel auf. Sie hatte getan, was sie konnte; und niemand konnte ihr einen Vorwurf machen. Jedenfalls war es t�richt, so zu denken. Niemand w�rde je erfahren, was sie hier machte, nicht einmal Simon. Und der Simon in ihrem Innern w�rde nie aufh�ren, sie zu plagen, ganz gleich, was sie t�te. Also war es Zeit auszuruhen und dankbar zu sein. Die Staubwolke rollte �ber den niedrigen Deich, es erhob sich ein Wind�</emphasis></p><p><emphasis>Bum! Sie wurde durch den Anprall des L�rms flach hingestreckt. Dann rappelte sie sich auf und schleppte sich �ber den Boden des Canyons, von Steinen �bersch�ttet. Sie steckte in einer dunklen Wolke und kroch auf H�nden und Knien. �berall um sie herum war Staub, das Gebr�ll knirschender Felsen erf�llte alles, und der Boden unter ihr sch�ttelte sich wie ein wildes Tier��</emphasis></p><p><emphasis>Das Kumpeln lie� nach. Ann war immer noch auf allen vieren und f�hlte den kalten Stein durch ihre Handschuhe und Kniesch�tzer. Windst��e reinigten die Luft. Sie war von Staub und Gesteinssplittern bedeckt.</emphasis></p><p><emphasis>Wackelig stand sie auf. Ihre H�nde und Knie schmerzten, und eine Kniescheibe war vor K�lte taub. Ihr linkes Handgelenk war verstaucht. Sie ging zu dem niedrigen Deich und schaute hin�ber. Der Erdrutsch war ungef�hr drei�ig Meter davor zum Halten gekommen. Der Boden davor war mit Ger�ll bedeckt, aber der Rand des eigentlichen Geschiebes war eine schwarze Wand aus pulverisiertem Basalt mit einem Neigungswinkel von etwa f�nfundvierzig Grad und zwanzig oder f�nfundzwanzig Meter hoch. Wenn sie auf dem Deich stehengeblieben w�re, h�tte der Anprall der Luft sie umgeworfen und get�tet. �Verdammt!� sagte sie zu Simon.</emphasis></p><p><emphasis>Die n�rdliche Grenze des Erdrutsches war bis zum MelasGletscher vorgedrungen, hatte das Eis geschmolzen und sich mit ihm zu einem dampfenden Trog von Felsbl�cken und Schlamm vermischt. Die Staubwolke machte es schwer, viel davon zu sehen. Ann �berquerte den Deich und ging zum Fu� des Geschiebes. Die Steine auf dem Boden waren noch hei�. Sie schienen st�rker zertr�mmert zu sein als die weiter oben. Ann starrte die neue schwarze Wand an. Ihr klangen die Ohren. Nicht fair, dachte sie. Nicht fair.</emphasis></p><p><emphasis>Sie ging zum Geneva-Vorsprung zur�ck. Sie f�hlte sich unwohl und benommen. Der Felsenwagen stand noch auf der Sackgasse, staubig, aber offenbar unbesch�digt. Lange Zeit brachte sie es nicht �ber sich, ihn zu ber�hren. Sie blickte zur�ck �ber die lange, rauchende Masse des Geschiebes�� ein schwarzer Gletscher, dicht bei einem wei�en. Endlich �ffnete sie die Schleuse und b�ckte sich hinein. Es gab keine andere Wahl.</emphasis></p><empty-line/></section><section><p>Ann fuhr jeden Tag ein kleines St�ck. Dann stieg sie aus und ging �ber den Planeten. Sie verrichtete ihre Arbeit verbissen wie ein Automat.</p><p>Zu beiden Seiten der Tharsish�he gab es eine Depression. Auf der Westseite war Amazonis Planitia, eine tiefliegende Ebene, die weit in die Gebirge des S�dens reichte. Im Osten lag der Chryse-Trog, eine Senke, die vom Argyrebecken durch den Margaritifer Sinus und Chryse Planitia verlief, den tiefsten Punkt der Senke. Der Trog lag durchschnittlich zwei Kilometer tiefer als seine Umgebung; und alles chaotische Gel�nde auf dem Mars sowie die alten Ausbruchkan�le befanden sich darin.</p><p>Ann fuhr nach Osten l�ngs des S�drandes von Marineris, bis sie sich zwischen Nirgal und Aureum Chaos befand. Sie hielt an, um sich bei dem Refugium namens Dolmenh�gel wieder zu versorgen, wo Michel und Kasei sie am Ende ihres R�ckzugs aus Marineris 2061 aufgenommen hatten. Es machte ihr nichts aus, das kleine Refugium wiederzusehen. Sie erinnerte sich kaum daran. Alle ihre Erinnerungen waren dahin, was sie als tr�stlich empfand. Sie arbeitete tats�chlich daran und konzentrierte sich mit solcher Intensit�t auf den Moment, da� selbst dieser entschwand. Jeder Augenblick war ein Lichtblitz in einem Nebel, als ob in ihrem Kopf etwas zerbr�che.</p><p>Gewi� datierte der Trog aus der Zeit vor dem Chaos und den Ausbruchskan�len, die ohne Zweifel wegen des Trogs dort lagen. Der Tharsis-Buckel war eine m�chtige Quelle von Ausgasung aus dem hei�en Zentrum des Planeten gewesen, alle die radialen und konzentrischen Frakturen darum entlie�en fl�chtige Substanzen aus dem tiefen Innern des Mars. Im Regolith war Wasser nach unten geflossen in die Depressionen zu beiden Seiten des Buckels. Es k�nnte sein, da� die Senken das direkte Resultat des Buckels w�ren, einfach indem die Lithosph�re auf den Au�engebieten, von wo sie hochgedr�ckt worden war, nach unten gebogen wurde. Es k�nnte aber auch sein, da� der Mantel sich unter den Depressionen gesenkt h�tte, so wie er unter dem Buckel aufgestiegen war. Standardmodelle der Konvektion w�rden einen solchen Gedanken unterst�tzen�� das Emporquellen mu�te schlie�lich irgendwo wieder nach unten f�hren, durch Hinabrollen an den Seiten und dem Hinterherziehen der Lithosph�re in der Umgebung.</p><p>Und dann war oben im Regolith Wasser wie gew�hnlich nach unten gelaufen und hatte sich in den Tr�gen gesammelt, bis die Reservoire aufbrachen und die Oberfl�che dar�ber zusammenbrach. Daher die Ausbruchkan�le und das Chaos. Das war ein gutes Arbeitsmodell, plausibel und stark, welches eine Menge von Merkmalen erkl�rte.</p><p>Also fuhr Ann jeden Tag und ging umher auf der Suche nach Best�tigung der Erkl�rung des Chrysetrogs durch Konvektion im Mantel. Sie wanderte �ber die Oberfl�che des Planeten, kontrollierte alte Seismographen und schlug Gesteinsproben ab. Es war jetzt schwierig, im Trog nach Norden vorzusto�en. Die Ausbr�che der Wasserlager von 2061 hatten den Weg fast blockiert und nur einen schmalen Spalt zwischen dem Ostende des gro�en Marineris-Gletschers und der Westseite eines kleineren Gletschers gelassen, der die ganze L�nge von Ares Vallis ausf�llte. Dieser Spalt war �stlich von Noctis Labyrinthus die erste Gelegenheit, den �quator zu �berschreiten, ohne �ber Eis zu geraten; und Noctis war sechstausend Kilometer entfernt. Darum hatte man in dem Spalt eine Piste und eine Stra�e gebaut und eine recht gro�e Kuppelstadt auf dem Rand des Galileikraters errichtet. S�dlich von Galilei war der engste Teil des Spaltes nur vierzig Kilometer breit, eine befahrbare ebene Zone zwischen dem �stlichen Arm des Hydaspis Chaos und des westlichen Teils von Aram Chaos. Es war schwer, durch diese Zone zu fahren und sich dabei unter dem Horizont zu halten; und Ann fuhr hart am Rande von Aram Chaos mit Blick auf das zertr�mmerte Gel�nde.</p><p>N�rdlich von Galilei war es leichter. Und dann war sie aus dem Spalt heraus und auf Chryse Planitia. Dies war das Herzsst�ck des Trogs mit einem Gravitationspotential von -0,65; der leichteste Fleck auf dem Planeten, sogar noch leichter als Hellas und Isidis.</p><p>Aber eines Tages fuhr sie auf den Gipfel eines einsamen Berges und sah, da� sich mitten in Chryse ein EisSee befand. Ein langer Gletscher war von Simud Vallis heruntergeflossen und hatte in dem tiefen Punkt von Chryse einen Teich gebildet, der sich ausgedehnt hatte, bis er zu einem See aus Eis wurde, der das Land bis �ber den Horizont im Norden, Nordosten und Nordwesten bedeckte. Ann fuhr langsam um sein westliches und dann sein n�rdliches Ufer herum. Der See hatte einen Durchmesser von zweihundert Kilometern.</p><p>Nahe dem Ende eines Tages hielt sie ihren Wagen auf dem Rand eines Geisterkraters an und schaute �ber die weite Fl�che von zerbrochenem Eis. Es hatte �61 so viele Ausbr�che gegeben. Es war klar, da� einige gute Areologen in jenen Tagen f�r die Rebellen gearbeitet hatten. Sie hatten Wasserreservoire gefunden und Explosionen von Reaktorschmelzen ausgel�st genau dort, wo die hydrostatischen Dr�cke am h�chsten waren. Ann hatte den Eindruck, da� sie viele ihrer Entdeckungen benutzt hatten.</p><p>Aber das war Vergangenheit und jetzt abgetan. All das war dahin. Hier und jetzt gab es nur diesen Eissee. Die alten Seismographen, die sie aufgefunden hatte, wiesen Aufzeichnungen auf, die St�rungen durch neuere Beben aus dem Norden vermeldeten, wo es nur geringe Aktivit�t h�tte geben sollen. Vielleicht bewirkte das Abschmelzen der n�rdlichen Polkappe, da� die Lithosph�re dort wieder nach oben dr�ngte und viele kleine Marsbeben ausl�ste. Aber die von den Seismographen aufgezeichneten Ersch�tterungen waren einzelne kurzperiodische St��e, eher wie Explosionen als wie Marsbeben. Ann hatte ihr Computerarchiv viele lange Abende hindurch studiert und war verwirrt.</p><p>Jeden Tag fuhr sie und ging dann zu Fu�. Sie verlie� den Eissee und wandte sich weiter nach Norden auf Acidalia zu.</p><p>Die gro�en Ebenen der Nordhemisph�re galten im allgemeinen als flach; und das waren sie gewi� im Vergleich mit der Chaosregion oder den Gebirgen des S�dens. Aber immerhin waren sie nicht so eben wie ein Spielplatz oder eine Tischfl�che, nicht einmal ann�hernd. �berall gab es Wellen, ein st�ndiges Auf und Ab von Buckeln und L�chern, Grate brechenden Urgesteins, Senken voll feiner Flugstoffe, gro�e zerkl�ftete Felder mit Felsbl�cken, isolierte H�gel und kleine Sinkl�cher� Es war anders als auf der Erde. Auf der Erde h�tte Boden die H�hlungen gef�llt, und Wind und Wasser und pflanzliches Leben h�tten die Berggipfel zernagt und abgetragen, und dann w�re das Ganze �berflutet worden oder fortgeschafft oder von Eisplatten flachgedr�ckt oder durch tektonische Einwirkung angehoben. Alles wurde weggerissen und Dutzende Male im Verlauf der �onen wieder aufgebaut und immer wieder durch Wetter, Fauna und Flora abgeflacht. Aber diese gewellten Ebenen, deren L�cher durch Metoritenaufprall geschlagen worden waren, hatten sich seit Milliarden von Jahren nicht ver�ndert. Und dabei geh�rten sie zu den j�ngsten Oberfl�chen auf dem Mars.</p><p>Es war m�hsam, durch solch klumpiges Gel�nde zu fahren, und man konnte sich sehr leicht verirren beim Gehen, besonders dann, wenn der Wagen genau so wie alle anderen Felsbl�cke aussah, die da verstreut lagen. Das galt vor allem, wenn man abgelenkt wurde. Mehr als einmal mu�te Ann ihr Fahrzeug durch Funksignal finden anstatt nach Sicht. Manchmal kam sie dicht heran, ohne es zu erkennen. Und dann wachte sie auf oder kam zu sich mit zitternden H�nden im nachtr�glichen Schock einer selbstvergessenen Tr�umerei.</p><p>Die besten Fahrrouten liefen entlang der niedrigen Grate und Deiche aus freiliegendem Urgestein. Wenn diese hohen Basaltwege miteinander in Verbindung gestanden h�tten, w�re es leicht gewesen. Aber meistens waren sie durch Querfalten unterbrochen, die zun�chst nur leichte Rillen waren, aber dann immer tiefer und breiter wurden, wenn man vorr�ckte�� in Folgen wie auseinanderkippende Brotscheiben, bis die Spalten aufrissen und mit Ger�ll und Grus gef�llt wurden und der Deich nur wieder Teil eines Felsblocks wurde.</p><p>Sie fuhr weiter nach Norden auf Vastitas Borealis zu. Acidalia, Borealis�� die alten Namen waren so eigenartig. Ann tat ihr Bestes, nicht mehr nachzudenken, aber w�hrend der langen Stunden im Wagen war es weniger gef�hrlich zu lesen, als zu versuchen, achtsam zu bleiben. Also las sie aufs Geratewohl in der Bibliothek ihres Computers. Oft landete sie da beim Anstarren areologischer Karten; und eines Abends bei Sonnenuntergang las sie nach einer solchen Sitzung etwas �ber Marsnamen nach.</p><p>Es zeigte sich, da� die meisten von Giovanni Schiaparelli stammten. Er hatte auf seinen teleskopischen Karten mehr als hundert Albedoobjekte benannt, deren meiste ebenso illusorisch waren wie die <emphasis>canali.</emphasis> Aber als die Astronomen der 1950er Jahre eine revidierte Karte von Albedoobjekten angefertigt hatten, die fotografiert werden konnten und die allgemeine Zustimmung fanden, wurden viele Namen Schiaparellis beibehalten.</p><p>Das war ein Tribut an seine besondere St�rke der Namengebung, die er besessen hatte. Er war ein angesehener klassischer Philologe und ein Erforscher biblischer Astronomie; und unter seinem Namen gab es lateinische, griechische, biblische und homerische Bez�ge in bunter Mischung. Er hatte aber auch wohl ein gutes Auge. Ein Beweis seines Talents war der Kontrast zwischen seinen Karten und den konkurrierenden Karten des neunzehnten Jahrhunderts. Zum Beispiel beruhte die Karte eines Engl�nders namens Proctor auf den Zeichnungen eines Reverend William Dawes. Darum gab es auf Proctors Karten, die nicht einmal zu den anerkannten Albedomerkmalen erkennbare Beziehungen hatten, einen Dawes-Kontinent, einen Dawes-Ozean, eine Dawes-Meerenge, ein Dawes-Meer und eine gegabelte Dawes-Bucht. Ebenso ein Airy-Meer, einen de la Rue-Ozean und ein Beer-Meer. Allerdings war das letztere ein Tribut f�r einen Deutschen namens Beer, der eine Marskarte gezeichnet hatte, die noch schlechter war als die von Proctor. Aber im Vergleich mit diesen war Schiaparelli ein Genie gewesen.</p><p>Aber nicht folgerichtig. Die Objekte auf dem Merkur wurden alle nach gro�en K�nstlern benannt und die auf der Venus nach ber�hmten Frauen. Wenn man eines Tages �ber deren Landschaften fahren oder fliegen w�rde, k�nnte man das Gef�hl haben, in koh�renten Welten zu leben. Nur auf dem Mars bewegte man sich in einem schrecklichen Mischmasch aus Tr�umen der Vergangenheit, die dem Kenner sagten, welch katastrophale Mi�verst�ndnisse des wahren Gel�ndes sie verrieten: der See der Sonne, die Goldebene, das Rote Meer, Pfauenberg, Ph�nix-See, Kimmerien, Arkadien, der Golf der Perlen, der Gordische Knoten, Styx, Hades, Utopia��</p><empty-line/><p>Auf den dunklen D�nen von Vastitas Borealis wurden Ann allm�hlich die Vorr�te knapp. Ihre Seismographen zeigten im Osten t�gliche Beben an, und sie fuhr dorthin. Bei ihren Spazierg�ngen im Freien studierte sie die granatroten Sandd�nen und deren Schichten, welche das fr�here Klima wie Jahresringe im Holz anzeigten. Aber Schnee und starke Winde rissen die K�mme der D�nen fort. Die Westwinde konnten �u�erst heftig sein, genug, um Schichten grobk�rnigen Sandes zu packen und gegen ihren Wagen zu schleudern. Der Sand lagerte sich immer in Form von D�nen ab. Das war eine einfache Sache der Physik; aber die D�nen w�rden ihren langsamen Marsch um die Welt aufnehmen, und ihr in fr�heren Zeiten aufgestellter Rekord w�rde hinf�llig sein.</p><p>Ann verdr�ngte diesen Gedanken und studierte das Ph�nomen, als ob es nicht durch neue k�nstliche Kr�fte gest�rt w�rde. Sie konzentrierte sich auf ihre Arbeit, packte ihren Geologenhammer und schlug damit Steinproben ab. Die Vergangenheit war St�ck f�r St�ck zerbr�ckelt. Zur�ckgelassen. Sie weigerte sich, daran zu denken. Aber immer wieder fuhr sie aus dem Schlaf hoch mit der Vorstellung, da� das schnell laufende Geschiebe auf sie zuk�me. Und wenn sie endg�ltig wach war, schwitzte und zitterte sie vor der hellen Morgend�mmerung und der wie brennender Schwefel flammenden Sonne.</p><p>Cojote hatte ihr eine Karte seiner Verstecke im Norden gegeben; und jetzt kam sie zu einem, das in einem Haufen haushoher Felsbl�cke versteckt war. Sie versorgte sich wieder und lie� eine kurze Notiz des Dankes zur�ck. Nach dem letzten Reiseplan, den Cojote ihr gegeben hatte, wollte er bald in diese Gegend kommen. Aber es gab kein Zeichen von ihm, und Warten hatte keinen Sinn. Also fuhr sie weiter.</p><empty-line/><p>Sie fuhr und sie ging. Aber sie konnte sich nicht helfen. Die Erinnerung an den Erdrutsch verfolgte sie. Was ihr Kummer machte, war nicht, da� sie knapp dem Tod entronnen war. Das war ohne Zweifel schon �fters passiert, meist so, da� sie es nicht bemerkt hatte. Nein, es war einfach, wie zuf�llig es gewesen war. Das hatte nichts mit Wert oder Fitness zu tun. Es war reine Kontingenz. Ein betontes Gleichgewicht�� ohne das Gleichgewicht. Wirkungen folgten nicht aus Ursachen; und man bekam nicht blo� einfach den Nachtisch serviert. Schlie�lich hatte sie zu viel Zeit im Freien verbracht und zu viel Strahlung abbekommem. Aber Simon war es, der gestorben war. Und sie war als einzige am Lenkrad eingeschlafen. Aber Frank war es, der gestorben war. Es war einfach eine Sache des Zufalls, ob man �berlebte oder ausgel�scht wurde.</p><p>Es war schwer zu glauben, da� nat�rliche Zuchtwahl �berhaupt ein solches Universum geschaffen h�tte. Da unter ihren F��en in den Vertiefungen zwischen den D�nen wuchsen Archaebakterien auf Sandk�rnern. Aber die Atmosph�re gewann rasch Sauerstoff, und alle Archaebakterien w�rden aussterben mit Ausnahme jener, die sich zuf�llig unter der Oberfl�che befanden, isoliert von dem Sauerstoff, der f�r sie so giftig war. Nat�rliche Auswahl oder Zufall? Man stand da, atmete Gase ein, w�hrend der Tod auf einen zuraste�� und wurde von Steinen bedeckt und starb, oder aber von Staub bedeckt und �berlebte. Und nichts, was man tat, spielte in diesem gro�en Entweder-Oder eine Rolle.</p><p>Eines Nachmittags, als sie aufs Geratewohl im Computer schm�kerte, um sich zwischen ihrer R�ckkehr zum Wagen und dem Abendessen abzulenken, lernte sie, da� die zaristische Polizei Dostojewski zur Exekution herausgef�hrt und erst nach mehreren Stunden des Wartens zur�ckgeholt hatte. Ann las den Bericht �ber diesen Vorfall zu Ende und sa� dann auf dem Fahrersitz mit den F��en auf dem Armaturenbrett da und starrte blind auf den Bildschirm. �ber sie ergo� sich wieder ein strahlender Sonnenuntergang. Das Tagesgestirn stand seltsam gro� und hell in der dichter werdenden Atmosph�re. Dostojewski war f�r sein ganzes Leben ver�ndert worden, erkl�rte der Autor in der umfassenden Biographie. Ein Epileptiker, der zu Gewaltt�tigkeit und Verzweiflung neigte. Es war ihm nicht gelungen, das Erlebnis zu integrieren. F�r immer w�tend, �ngstlich, besessen.</p><p>Ann sch�ttelte den Kopf und lachte. Sie �rgerte sich �ber den idiotischen Schreiber, der einfach nicht verstand. Nat�rlich <emphasis>integrierte man das Erlebnis nicht.</emphasis> Das war sinnlos. Und unm�glich.</p><empty-line/><p>Am n�chsten Tage erhob sich ein Turm �ber den Horizont. Sie hielt an und beobachtete ihn durch das Teleskop des Wagens. Dahinter war viel Bodennebel. Die Bebenanzeigen ihres Seismographen waren jetzt sehr stark und schienen etwa aus Norden zu kommen. Sie f�hlte sogar selbst eine Ersch�tterung, die bei den Sto�d�mpfern des Wagens wirklich sehr heftig sein mu�te. Es konnte m�glicherweise mit dem Turm zusammenh�ngen.</p><p>Sie stieg aus. Die Sonne war tief im dunstigen Westen fast untergegangen und der Himmel ein gro�er Bogen aus violetten Farben. Das Licht w�rde sich hinter ihr befinden und das Sehen sehr erschweren. Sie schl�ngelte sich zwischen D�nen durch und begab sich dann vorsichtig auf einen D�nenkamm, kroch die letzten Meter der Strecke und sah sich �ber den Grat den Turm an, der sich jetzt nur ein Kilometer im Osten befand. Als sie erkannte, wie nahe seine Basis war, dr�ckte sie das Kinn ganz auf den Boden zwischen Tr�mmerst�cke von der Gr��e ihres Helmes.</p><p>Es war eine Art von mobilem Bohrunternehmen, und zwar einem gro�en. Die massive Basis war flankiert von riesigen Lastwagen auf Raupen, wie man sie benutzt, um die gr��ten Raketen auf einem Raumhafen zu bef�rdern. Der Bohrturm ragte aus diesem Unget�m mehr als sechzig Meter empor; und die Basis und der untere Teil des Turms enthielten deutlich die Unterkunft der Techniker nebst Ausr�stung und Vorr�ten.</p><p>Hinter diesem Ding, eine kleine Strecke nach Norden abw�rts, war ein Meer aus Eis. Unmittelbar n�rdlich vom Bohrer ragten die K�mme der gro�en D�nen noch aus dem Eis�� erst als ein holpriger Sand und dann in Form Hunderter sichelf�rmiger Inseln. Aber einige Kilometer weiter drau�en verschwanden die D�nenspitzen, und es gab nur noch Eis.</p><p>Das Eis war rein, sauber, unter dem Himmel des Sonnenunterganges transparent purpurn�� klarer als alles Eis, das sie je auf der Oberfl�che des Mars gesehen hatte, und glatt, nicht zerkl�ftet wie alle Gletscher. Es dampfte schwach. Der Reif wurde vom Wind nach Osten geweht. Und au�en darauf liefen Menschen in Schutzanz�gen und Helmen Schlittschuh. Sie sahen aus wie Ameisen auf einer Sch�ssel Gelee.</p><empty-line/><p>In dem Moment, da sie das Eis erblickte, wurde es ihr klar. Vor langer Zeit hatte sie selbst die Hypothese erh�rtet, welche die Zweiteilung der Hemisph�ren erkl�rte. Danach war die tief gelegene glatte n�rdliche Hemisph�re nur ein riesengro�es Aufprallbecken, das Resultat einer kaum vorstellbaren Kollision in der Vorzeit zwischen Mars und einem fast ebenso gro�en Planetesimal. Das Gestein des aufschlagenden K�rpers war, soweit es nicht verdampfte, zu einem Teil des Mars selbst geworden. Und es gab Argumente in der Literatur, wonach die unregelm��igen Bewegungen im Mantel, die den Tharsisbuckel verursacht hatten, sp�te Entwicklungen waren infolge von St�rungen, die von dem Aufprall herr�hrten. Ann fand das nicht wahrscheinlich; aber es war klar, da� der gro�e Zusammensto� stattgefunden hatte, die Oberfl�che der ganzen n�rdlichen Hemisph�re weggewischt und sie um durchschnittlich vier Kilometer gegen�ber dem S�den niedriger gemacht hatte. Ein erstaunlicher Schlag. Aber das war in grauer Vorzeit geschehen. Ein Aufprall gleicher Gr��enordnung hatte wahrscheinlich die Geburt von Luna aus der Erde heraus bewirkt. Es gab sogar einige hartn�ckige Gegner der Aufprallhypothese, die argumentierten, da� der Mars, wenn er ebenso schwer getroffen worden w�re, einen ebenso gro�en Mond h�tte haben m�ssen.</p><p>Aber jetzt, als sie so auf dem Bauch lag und das gigantische Bohrger�st anschaute, kam sie zu der Ansicht, da� die n�rdliche Hemisph�re noch tiefer lag, als es zuerst den Anschein gehabt hatte, weil ihr Boden aus gewachsenem Fels erstaunlich tief lag, fast f�nf Kilometer unter dem Niveau der D�nen. Der Aufprall hatte so tief gewirkt, und dann hatte sich die Depression gr��tenteils wieder aufgef�llt mit einer Mischung von Auswurfmaterial aus dem gro�en Sto�, von durch Wind verwehtem Sand und Grus, sp�terem Aufprallmaterial, Erosionsstoffen, die von dem Abhang der Gro�en B�schung herunterglitten, sowie mit Wasser. Jawohl, Wasser, das wie immer den tiefsten Punkt gesucht hatte. Das Wasser in der j�hrlichen Reifkappe und den alten Ausbr�chen von Reservoirs, und von dem Ausgasen aus dem zertr�mmerten Urgestein und den Linsen in der Polkappe�� all das war schlie�lich zu diesem tiefen Gebiet gewandert und hatte sich zu einem wahrhaft enormen Reservoir unter der Oberfl�che vereinigt, einem See aus Eis und Fl�ssigkeit, der sich als Band um den ganzen Planeten herumzog und unter allem n�rdlich von 60� Breite lag mit Ausnahme ironischerweise einer Insel aus Urgestein, auf der die Polkappe selbst hockte.</p><empty-line/><p>Ann hatte selbst vor vielen Jahren dieses unterirdische Meer entdeckt; und nach ihren Sch�tzungen lagerten dort zwischen sechzig und siebzig Prozent des ganzen Wassers auf dem Mars. Es war wirklich der Oceanus Borealis, von dem manche Terraformer sprachen�� aber tief, tief begraben und gr��tenteils gefroren, vermischt mit Regolith und feinem Grus, ein Ozean der ewigen Gefrornis mit etwas Fl�ssigem unten auf dem tiefsten Urgestein. Alles war dort f�r immer eingeschlossen, oder, so hatte sie gemeint, weil der Permafrost-Ozean�� ganz gleich, wieviel W�rme die Terraformer auf die Oberfl�che des Planeten wirken lie�en�� nicht viel schneller als um ein Meter pro Jahrtausend auftauen w�rde. Und selbst wenn er schmelzen sollte, w�rde er unter der Oberfl�che bleiben. Das war einfach eine Folge der Schwerkraft.</p><p>Also stand der Bohrturm vor ihr. Sie suchten bergm�nnisch nach dem Wasser. Sie schlossen die fl�ssigen Reservoire direkt auf und schmolzen den Permafrost mit Sprengstoffen. Dann gewannen sie die Schmelze und pumpten sie auf die Oberfl�che. Das Gewicht des dar�berliegenden Regoliths w�rde helfen, das Wasser durch Rohre nach oben zu dr�cken. Das Gewicht von Wasser auf der Oberfl�che w�rde noch mehr dr�cken. Wenn es gen�gend Bohrt�rme wie diesen g�be, k�nnten sie eine enorme Menge an die Oberfl�che f�rdern. Schlie�lich w�rde man ein seichtes Meer haben. Dies w�rde wieder gefrieren und f�r einige Zeit ein Eis-See werden. Aber zwischen Erw�rmung der Atmosph�re, Sonnenlicht, Einwirkung von Bakterien und zunehmenden Winden w�rde der schlie�lich wieder schmelzen. Und dann g�be es einen Oceanus Borealis. Und die alte Vastitas Borealis mit ihren die Welt umschlie�enden schwarzen und granatfarbenen D�nen w�re der Boden eines Meeres. Ertrunken.</p><empty-line/><p>Ann ging zu ihrem Wagen zur�ck in der D�mmerung. Sie bewegte sich unbeholfen. Es war schwierig, die Schleusen zu �ffnen und den Helm abzunehmen.</p><p>Drinnen setzte sie sich mehr als eine Stunde vor der Mikrowelle hin, ohne sich zu bewegen. Bilder kamen ihr in den Sinn. Ameisen, die unter einem Vergr��erungsglas verbrannten, ein Ameisenh�gel, der hinter einem Damm aus Schlamm ertrank� Sie hatte gedacht, da� sie in dieser vor-posthumen Existenz, in der sie lebte, nichts mehr anr�hren k�nnte; aber ihre H�nde zitterten, und sie bemerkte nicht, wie der Reis und Lachs in der Mikrowelle kalt wurden. Der Rote Mars war dahin. Ihr Magen war ein kleiner Stein in ihrem Leib. In dem Zufallsstrom universeller Kontingenz spielte nichts eine Rolle. Und dennoch, dennoch��</p><p>Sie fuhr weg. Sie wu�te nicht, was sie sonst h�tte tun k�nnen. Die Ebene war glatter als gew�hnlich und der Horizont die �blichen f�nf Kilometer entfernt, wie es ihr von Underhill und den ganzen �brigen Tiefl�ndern vertraut war. Eine kleine Welt, vollst�ndig angef�llt mit kleinen schwarzen Steinen wie fossilen B�llen f�r mancherlei Sportarten, nur alle schwarz und mehr oder weniger facettiert. Das waren Windprodukte.</p><p>Sie stieg aus, ging umher und schaute sich um. Die Felsen zogen sie an. Sie marschierte eine weite Strecke nach Westen.</p><p>Eine Front niedriger Wolken rollte �ber den Horizont; und sie sp�rte, wie sie von B�en getroffen wurde. Im vorzeitigen Dunkel des pl�tzlich st�rmischen Nachmittags nahm das Feld der Steine eine geisterhafte Sch�nheit an. Sie stand in einer Scheibe aus tr�ber Luft, die zwischen zwei Fl�chen klumpiger Schw�rze brauste.</p><p>Die Felsen waren Basalt, der von den Winden an einer exponierten Fl�che poliert war, bis diese Fl�che flach abgetragen war. Das mochte eine Million Jahre gedauert haben. Und dann waren die darunterliegenden Tonschichten weggeblasen worden, oder eines der seltenen Marsbeben hatte die Gegend ersch�ttert; und der Stein war in eine neue Position geschoben worden und hatte eine andere Fl�che dargeboten. Und der Proze� hatte von neuem begonnen. Eine neue Facette wurde langsam von dem endlosen Fegen mikronkleiner Scheuerstoffe flach geschabt, bis sich wieder einmal das Gleichgewicht des Steins �nderte oder ein anderer Stein dagegen stie� oder etwas anderes ihn aus seiner Position r�ckte. Und dann w�rde es wieder losgehen. So erging es jedem Stein auf diesem Feld. Er verschob sich etwa jede Jahrmillion und lag dann still unter dem Wind�� Tag um Tag, Jahr um Jahr. So gab es hier <emphasis>Einkanter</emphasis> mit nur einer Facette und <emphasis>Dreikanter</emphasis> mit drei Facetten, <emphasis>Vierkanter, F�nfkanter</emphasis>�� bis hin zu nahezu perfekten Hexaedern, Oktaedern und Dodekaedern. Erzeugnisse des Windes. Ann hob einen nach dem andern hoch und dachte, wie viele Jahre ihre abgeflachten Seiten darstellten, und fragte sich, ob ihr Geist nicht �hnliche Abtragungen aufwiese, gro�e Teile, die von der Zeit abgeflacht wurden.</p><p>Es fing an zu schneien. Erst wirbelnde Flocken, dann gro�e weiche St�cke, die der Wind herunterrieseln lie�. Es war drau�en relativ warm, und der Schnee war matschig, dann graupelig und danach eine �ble Mischung aus Hagel und nassem Schnee, die mit einem scharfen Wind herabfiel. Als der Sturm weiter andauerte, wurde der Schnee sehr schmutzig. Offenbar war er lange in der Atmosph�re auf und ab getrieben und hatte dabei Grus und Staub und Rauchpartikel aufgesammelt, daraufhin mehr Fl�ssigkeit auskristallisiert und bei einem Aufwind in einem Gewitterkopf das wiederholt, bis das, was herunterkam, fast schwarz war. Schwarzer Schnee. Und dann fiel eine Art von gefrorenem Schlamm herab, der die L�cher und L�cken zwischen den Produkten des Windes f�llte, ihre Oberseiten zudeckte und dann an den Seiten herunterfiel, als der scharfe Wind eine Million kleiner Lawinen erzeugte. Ann torkelte ziellos und zwecklos dahin, bis sie sich einen Kn�chel verrenkte und mit fliegendem Atem stehenblieb, einen Stein in jeder kalten, mit Handschuhen bekleideten Hand haltend. Sie erkannte, da� das lange Geschiebe sich immer noch bewegte. Und schlammiger Schnee prasselte aus der schwarzen Luft und begrub die Ebene.</p><p>Aber nichts h�lt ewig, nicht einmal Stein und nicht einmal Verzweiflung.</p><p>Ann ging wieder zu ihrem Wagen, ohne zu wissen, wie und warum. Sie fuhr jeden Tag ein kleines St�ck und gelangte unbeabsichtigt zu Cojotes Versteck. Dort blieb sie eine Woche lang, ging �ber die D�nen und mampfte ihr Essen.</p><p>Dann eines Tages: �Ann, di da do?�</p><p>Sie verstand nur das Wort <emphasis>Ann.</emphasis> Erschreckt �ber die Wiederkehr ihres Zungenredens hielt sie beide H�nde an den Radiolautsprecher und versuchte zu sprechen. Es kam nichts heraus als ein erstickter Ton.</p><p>�Ann, di da do?�</p><p>Das war eine Frage.</p><p>�Ann�, sagte sie, als ob sie sich �berg�be.</p><p>Zehn Minuten sp�ter war sie in ihrem Wagen und dr�ckte ihn an sich. �Wie lange bist du schon hier?�</p><p>�Nicht� nicht lange.�</p><p>Sie setzten sich. Ann nahm sich zusammen. Es war wie lautes Denken. Sicher dachte sie noch in W�rtern.</p><p>Cojote redete weiter, vielleicht etwas langsamer als sonst, und sah sie scharf an.</p><p>Sie fragte ihn nach dem Eisbohrturm.</p><p>�Ah, ich habe mich gefragt, ob du auf einen solchen sto�en w�rdest.�</p><p>�Wie viele gibt es davon?�</p><p>�F�nfzig.�</p><p>Cojote sah ihren Gesichtsausdruck und nickte kurz. Er a� gierig; und sie hatte den Eindruck, da� er leer bei dem Versteck angekommen war. �Sie stecken eine Menge Geld in diese gro�en Projekte. Der neue Aufzug, diese Wasserbohrer, Stickstoff von Titan� ein gro�er Spiegel da drau�en zwischen uns und der Sonne, um mehr Licht auf uns zu werfen. Hast du davon geh�rt?�</p><p>Sie versuchte, sich zusammenzunehmen. F�nfzig. O Gott�</p><p>Das machte sie wild. Sie war auf den Planeten b�se gewesen, weil er ihr keine Pause g�nnte. Weil er sie erschreckte, aber nicht aktiv unterst�tzte. Aber das war eine andere Art von �rger. Und als sie jetzt da sa�, Cojote beim Essen zusah und �ber die �berschwemmung von Vastitas Borealis nachdachte, sp�rte sie, wie sich in ihr Wut zusammenzog wie eine pr�stellare Staubwolke�� zusammenballte, bis sie zusammenst�rzte und sich entz�ndete. Hei�e Wut. Das Gef�hl war schmerzlich. Und dennoch war es dieselbe alte Sache, �rger �ber das Terraformen. Die alte ausgebrannte Emotion, die in den fr�hen Jahren zu einer Nova explodiert war, ballte sich jetzt zusammen und ging wieder los. Sie wollte das nicht, wirklich nicht. Aber verdammt, der Planet schmolz unter ihren F��en. Er zerfiel. Zu Brei gestampft in einem Montanvorhaben der Erde.</p><p>Es mu�te etwas getan werden.</p><p>Und sie hatte wirklich etwas zu tun, sei es auch nur, um die Stunden auszuf�llen, die sie verbringen mu�te, ehe sich irgendein Vorfall ihrer erbarmte. Etwas, um die pr�posthumen Stunden herumzubringen. Rache eines Zombies�� nun, warum nicht? Bereit zu Gewaltt�tigkeit, bereit zu Verzweiflung��</p><p>�Wer baut sie?� fragte sie.</p><p>�Zumeist Consolidated. Es gibt Fabriken in Mareotis und Bradbury Point, die sie herstellen.� Cojote schlang noch einige Zeit weiter und sah sie dann an. �Das gef�llt dir wohl nicht?�</p><p>�Allerdings nicht.�</p><p>�M�chtest du ihm Einhalt gebieten?�</p><p>Sie gab keine Antwort.</p><p>Cojote schien zu verstehen. �Ich meine nicht, die ganze Terraformungsbem�hung zu stoppen. Aber es gibt einiges, das man tun kann. Die Fabriken in die Luft jagen.�</p><p>�Die w�rden sie blo� wieder aufbauen.�</p><p>�Das kann man nie sagen. Es w�rde sie hemmen. Es k�nnte gen�gend Zeit einbringen, bis etwas in globalerem Ma�stab geschieht.�</p><p>�Du denkst an die Roten?�</p><p>�Ja. Ich denke, die Leute w�rden sie als Rote bezeichnen.�</p><p>Ann sch�ttelte den Kopf. �Die brauchen mich nicht.�</p><p>�Nein. Aber vielleicht kannst du sie brauchen? Und du bist f�r sie eine Heldin, wie du wei�t. Du w�rdest ihnen mehr bedeuten als blo� eine weitere Person.�</p><p>Anns Geist war wieder leer geworden. Rote�� sie hatte nie an die geglaubt, nie geglaubt, da� eine solche Form des Widerstands funktionieren w�rde. Aber jetzt�� nun gut, selbst wenn es nicht klappen sollte, k�nnte es besser sein als Nichtstun. Man sollte sie mit einem Stock ins Auge stechen!</p><p>Und wenn es funktionierte��</p><p>�La� mich dar�ber nachdenken!�</p><p>Sie sprachen �ber andere Dinge. Pl�tzlich wurde Ann von einer j�hen Erm�dung befallen, was seltsam war, da sie so viel Zeit mit Nichtstun verbracht hatte. Aber so war es. Sprechen war eine anstrengende T�tigkeit, und sie war das nicht mehr gewohnt. Und Cojote war ein anstrengender Gespr�chspartner.</p><p>�Du solltest zu Bett gehen�, sagte er und unterbrach seinen Monolog. �Du siehst ersch�pft aus. Deine H�nde���Er half ihr auf. Sie legte sich in Kleidern auf ein Bett. Cojote breitete eine Decke �ber sie. �Du bist m�de. Ich �berlege, ob es bei dir nicht Zeit f�r eine neue Langlebigkeitsbehandlung ist, altes M�dchen.�</p><p>�Ich werde keine mehr nehmen.�</p><p>�Nein? Gut, du �berraschst mich. Aber schlaf jetzt! Schlaf!�</p><p>Sie zog mit Cojote zusammen wieder nach S�den, und abends a�en sie zusammen, und er erz�hlte ihr von den Roten. Das war eine lockere Gruppierung und nicht eine starr organisierte Bewegung. Wie der Untergrund selbst. Er kannte einige der Gr�nder: Ivana, Gene und Paul von dem Farmteam, die mit Hirokos Areophanie und ihrem Beharren auf Viriditas nicht �bereinstimmten, Kasei und Harmakhis und einige Zygote-Exogene, eine Menge von Arkadys Gefolgsleuten, die von Phobos heruntergekommen waren und dann mit Arkady aneinandergerieten �ber den Wert des Terraformens f�r die Revolution. Eine ganze Menge Bogdanovisten einschlie�lich Steve und Marian waren in den Jahren seit 2061 Rote geworden, wie auch Anh�nger des Biologen Schnelling und einige radikale japanische Nisei und Sansei von Sabishii und Araber, die wollten, da� der Mars f�r immer arabisch bleiben sollte. Au�erdem geflohene Gefangene von Korolyov und so weiter. Ein Haufen Radikaler. Nicht gerade ihr Typ, dachte Ann, denn sie hatte immer noch das Gef�hl, da� ihre Einw�nde gegen das Terraformen rationaler wissenschaftlicher Natur w�ren. Oder mindestens eine zu verteidigende ethische oder �sthetische Position. Aber dann kam in ihr pl�tzlich wieder der �rger hoch, und sie sch�ttelte den Kopf, von sich selbst angewidert. Wer war sie, da� sie �ber die Ethik der Roten urteilen k�nnte? Die hatten wenigstens ihren �rger ausgedr�ckt und zugeschlagen. Wahrscheinlich f�hlten sie sich besser, selbst wenn sie nichts ausgerichtet hatten. Und vielleicht hatten sie doch etwas ausgerichtet, zumindest in fr�heren Jahren, ehe das Terraformen in diese neue Phase von transnationalem Gigantismus eingetreten war.</p><empty-line/><p>Cojote beharrte darauf, da� die Roten das Terraformen erheblich verlangsamt h�tten. Manche von ihnen hatten sogar Rekorde erzielt in dem Versuch, den von ihnen bewirkten Unterschied zu quantifizieren. Es gab auch, wie er sagte, unter einigen Roten eine wachsende Bewegung, die Realit�t anzuerkennen und zuzugeben, da� das Terraformen kommen w�rde. Aber sie entwickelten Programme, die verschiedene Arten von Terraformen geringster Einwirkung bef�rworteten. �Es gibt einige sehr detaillierte Vorschl�ge f�r eine weitgehend Kohlendioxid enthaltende Atmosph�re, warm, aber arm an Wasser, die das Pflanzenleben f�rdern w�rde und bei der die Leute Gesichtsmasken tragen m��ten, wobei die Welt aber nicht in ein terrestrisches Modell gezw�ngt w�rde. Das ist sehr interessant. Es gibt auch etliche Vorschl�ge, bei denen die tiefen Zonen arktisch und f�r uns nur eben ertr�glich sind, w�hrend die h�herliegenden Gebiete oberhalb des Gro�teils der Atmosph�re bleiben und damit in einem nat�rlichem Zustand oder nahe daran. Die Calderas der vier gro�en Vulkane w�rden in einer solchen Welt besonders rein bleiben, so etwa sagen sie.�</p><empty-line/><p>Ann bezweifelte, da� die meisten dieser Vorschl�ge realisierbar w�ren oder die vorausgesagten Wirkungen haben k�nnten. Aber Cojotes Mitteilungen reizten sie dennoch. Er war, wie es schien, ein starker Bef�rworter aller Bem�hungen der Roten und war ihnen von Anfang an eine gro�e Hilfe gewesen. Er hatte ihnen aus dem Untergrund Asyl gew�hrt, ihre gegenseitigen Verbindungen gef�rdert und ihnen geholfen, ihre eigenen Zufluchsst�tten zu bauen, die sich haupts�chlich in den Mesas und dem un�bersichtlichen Gel�nde der Gro�en B�schung befanden, wo sie der terraformenden T�tigkeit nahe blieben und sich deshalb leichter einmischen konnten. Ja�� Cojote war ein Roter oder mindestens ein Sympathisant. �Eigentlich bin ich nichts. Ein alter Anarchist. Ich denke, du w�rdest mich jetzt einen Anh�nger von Boone nennen insofern, als ich an alles glaube, dessen Verwirklichung helfen w�rde, den Mars zu einem freien Mars zu machen. Manchmal denke ich, da� das Argument, eine f�r Menschen vertr�gliche Oberfl�che w�rde der Revolution helfen, gut ist. Manchmal nicht. Jedenfalls sind die Roten ein starkes Guerillapotential. Ich teile ihre Meinung, da� wir nicht hier sind, um etwa <emphasis>Kanada zu reproduzieren�� </emphasis>um Gottes willen! Also helfe ich. Ich bin gut im Verstecken, und es gef�llt mir.�</p><p>Ann nickte.</p><p>�Willst du dich also mit ihnen zusammentun? Oder dich wenigstens mit ihnen treffen?�</p><p>�Ich werde dar�ber nachdenken.�</p><empty-line/><p>Ihr Interesse an Gestein war dahin. Jetzt kam sie nicht umhin zu bemerken, wie viele Anzeichen von Leben es auf dem Land gab. In den zehner und zwanziger Graden des S�dens schmolz an Nachmittagen im Sommer Eis von den Gletschern des Ausbruchs, und das kalte Wasser str�mte abw�rts und teilte das Land in neue primitive Wasserscheiden. Es verwandelte die H�nge der Vorberge in etwas, das �kologen als <emphasis>Fellfields,</emphasis> eine Art von Bergmooren, kennen. Diese steinigen Stellen bildeten die ersten Lebensgemeinschaften, nachdem das Eis wich. Sie bestanden aus Algen, Flechten und Moosen. Sandiger Regolith, der von hindurchstr�mendem Wasser mit Mikrobakterien infiziert war, wurde erstaunlich rasch, wie sie meinte, zum Fellfield: und die empfindlichen Lebensformen wurden bald zerst�rt. Ein gro�er Teil des Regoliths auf dem Mars war ultratrocken gewesen, so d�rr, da� bei Kontakt mit Wasser starke chemische Reaktionen auftraten�� viel Freisetzung von Wasserstoffperoxid und Salzkristallisationen. Im wesentlichen wurde der Boden zersetzt und flo� als sandiger Schlamm stets nach unten in lockeren Terrassen, sogenannten Solifluktionsrinnen, und in mit Reif bedeckten neuen Proto-Fellfields. Die Merkmale des Gel�ndes verschwanden. Das Land schmolz. Nach langer eint�giger Fahrt durch ein derart ver�ndertes Gebiet sagte Ann zu Cojote: �Vielleicht werde ich zu ihnen sprechen.�</p><p>Aber erst kehrten sie nach Zygote zur�ck oder Gamete, wo Cojote zu tun hatte. Ann blieb in Peters Zimmer, da er fort war und der Raum, den sie sich mit Simon geteilt hatte, anderen Zwecken zugef�hrt worden war. Sie h�tte sowieso nicht darin bleiben k�nnen. Peters Zimmer lag unter dem von Harmakhis, ein rundes Bambussegment, in dem ein Pult, ein Stuhl und auf dem Boden eine Matratze waren sowie ein Fenster, das auf den Teich f�hrte. In Gamete war alles gleich, aber auch anders. Und trotz der Jahre, in denen sie Zygote regelm��ig besucht hatte, f�hlte sie sich mit nichts davon verbunden. Es war in der Tat hart, sich daran zu erinnern, wie Zygote gewesen war. Sie wollte sich auch nicht erinnern, sondern �bte sich st�ndig im Vergessen. Jedesmal, wenn ein Bild aus der Vergangenheit zu ihr kam, sprang sie auf und tat etwas, das Konzentration erforderte. Sie untersuchte Steinproben oder seismographische Aufzeichnungen oder kochte komplizierte Mahlzeiten oder ging aus, um mit den Kindern zu spielen, bis das Bild verbla�t und die Vergangenheit gebannt war. Mit einiger �bung konnte man der Vergangenheit fast v�llig trotzen.</p><p>Eines Abends steckte Cojote den Kopf durch die T�r in Peters Zimmer. �Hast du gewu�t, da� auch Peter ein Roter ist?�</p><p>�Was?�</p><p>�Das ist er. Aber er arbeitet unabh�ngig, meistens im Weltraum. Ich glaube, da� sein Rutsch vom Fahrstuhl herunter ihn auf den Geschmack daf�r gebracht hat.�</p><p>�Mein Gott!� sagte sie entt�uscht. Das war auch so ein zuf�lliges Ereignis. Nach allen Regeln h�tte Peter sterben sollen, als der Aufzug herabst�rzte. Wie gro� waren die Chancen daf�r, da� ein Raumschiff vorbeiflog und ihn bemerkte, allein in areosynchroner Umlaufbahn? Nein, das war l�cherlich. Es gab nichts als Kontingenz.</p><p>Aber sie war dennoch �rgerlich.</p><p>Sie ging schlafen, erregt durch diese Gedanken; und pl�tzlich tr�umte sie in ihrem Schlummer, da� sie und Simon durch den eindrucksvollsten Teil von Candor Chasma wanderten, auf jenem ersten Ausflug, den sie zusammen gemacht hatten, als alles unbefleckt war und sich seit einer Milliarde Jahren nicht ge�ndert hatte. Sie waren die ersten Menschen, die gemeinsam in dieser weiten Schlucht von geschichtetem Terrain und immensen W�nden gingen. Simon hatte es ebenso gefallen wie ihr. Und er war so schweigsam gewesen, so absorbiert in der Realit�t von Fels und Himmel. Es gab keinen besseren Gef�hrten f�r eine so glorreiche Betrachtung. Dann fing in dem Traum eine der riesigen W�nde des Canyons an einzust�rzen, und Simon sagte: �Eine lange Laufstrecke.� Und sie wachte abrupt auf und war schwei�gebadet.</p><p>Sie zog sich an, verlie� Peters Wohnung und ging hinaus in den kleinen Mesokosmos unter der Kuppel mit seinem hei�en Teich und dem Krummholz der flachen D�nen. Hiroko war ein besonderes Genie, da� sie sich einen solchen Platz ausdachte und dann viele andere �berredete, sich mit ihr darin niederzulassen. So viele Kinder zu empfangen ohne Genehmigung der V�ter, ohne Kontrolle der genetischen Manipulationen. Das war wirklich eine Form von Wahnsinn, ob g�ttlich oder nicht.</p><p>Da kam an dem eisigen Strand ihres kleinen Teichs eine Schar von Hirokos Brut an. Man konnte sie nicht mehr Kinder nennen; die j�ngsten waren f�nfzehn oder sechzehn irdische Jahre alt und die �ltesten�� die �ltesten hatten sich �ber die ganze Welt verteilt. Kasei war inzwischen wahrscheinlich f�nfzig und seine Tochter Jackie fast f�nfundzwanzig, eine Absolventin der neuen Universit�t in Sabiishii und in Demimondepolitik aktiv. Diese Gruppe von Retortenkindern war wieder auf Besuch in Gamete wie Ann selbst. Da waren sie und kamen am Strand heran. Jackie f�hrte die Gruppe an, eine gro�e, anmutige, junge Frau mit schwarzem Haar, durchaus sch�n und gebieterisch, ohne Zweifel die Anf�hrerin ihrer Generation. Falls es nicht der muntere Nirgal w�re oder der gr�blerische Harmakhis. Aber Jackie f�hrte sie. Harmakhis folgte ihr mit h�ndischer Ergebenheit, und sogar Nirgal hatte ein Auge auf sie. Simon hatte Nirgal gemocht und Peter auch. Ann sah, weshalb. Er war unter Hirokos Schar von Ektogenen der einzige, der sich nicht vor ihr dr�ckte. Der Rest karriolte selbstvergessen umher, K�nige und K�niginnen ihrer kleinen Welt; aber Nirgal hatte Zygote bald nach Simons Tod verlassen und war kaum je zur�ckgekommen. Er hatte in Sabishii studiert, was Jackie auf diese Idee gebracht hatte, und verbrachte jetzt die meiste Zeit in Sabishii oder drau�en mit Cojote oder Peter; oder er besuchte die St�dte des Nordens. War er also auch ein Roter? Unm�glich zu sagen. Aber er war an allem interessiert, nahm alles wahr, lief �berall herum, eine Art junger m�nnlicher Hiroko, falls so etwas m�glich w�re; aber weniger seltsam als Hiroko, sondern mehr mit anderen Leuten besch�ftigt, mehr menschlich.</p><empty-line/><p>Ann hatte nie im Leben eine normale Konversation mit Hiroko gef�hrt, die ein fremdartiges Bewu�tsein zu haben schien, mit anderen Bedeutungen f�r alle W�rter der Sprache und trotz ihrer Brillanz in �koplanung eigentlich gar keine Wissenschaftlerin, sondern eher eine Art Prophetin. Nirgal andererseits schien intuitiv den Kern von allem zu treffen, was der Person, mit der er sprach, am meisten am Herzen lag. Und er konzentrierte sich darauf und stellte eine Frage nach der anderen, wi�begierig, anpassungsf�hig und sympathisch. Als Ann ihn beobachtete, wie er am Strand hinter Jackie her trottete und hin und her lief, erinnerte Ann sich daran, wie langsam und vorsichtig sie an Simons Seite gegangen war. Wie er in jener letzten Nacht so erschrocken ausgesehen hatte, als Hiroko auf ihre besondere Art ihn dazu gebracht hatte, Lebewohl zu sagen. Das ganze Geschehen war f�r einen Jungen eine grausame Sache gewesen; aber Ann hatte damals keine Einw�nde erhoben. Sie war verzweifelt gewesen und bereit, alles m�gliche zu tun. Das war ein anderer Fehler gewesen, der nicht wiedergutzumachen war.</p><p>Sie starrte auf den gelben Sand unter ihren F��en, bis die Ektogenen vorbeigegangen waren. Es war eine Schande, da� Nirgal so von Jackie gefesselt war, die sich so wenig aus ihm machte. Jackie war auf ihre Art eine bemerkenswerte Frau, aber viel zu sehr wie Maya�� launisch und beeinflu�bar, auf keinen Mann fixiert au�er vielleicht auf Peter, der gl�cklicherweise (obwohl es damals nicht so ausgesehen hatte) eine Aff�re mit Jackies Mutter gehabt hatte und nicht im geringsten an Jackie interessiert war. Das war eine schmutzige Sache, und Peter und Kasei waren noch immer davon ferngehalten, und Esther war nie zur�ckgekehrt. Nicht Peters beste Stunde. Und die Effekte auf Jackie� O ja, da w�rde es Effekte geben (Achtung�� eine dunkle L�cke in ihrer tiefen Vergangenheit), ja, und es ging immer weiter, alle ihre dreckigen kleinen Leben, die sich in ihren sinnlosen Runden wiederholten��</p><p>Sie suchte sich auf die Zusammensetzung der Sandk�rner zu konzentrieren. Gelb war nicht gerade die gew�hnliche Farbe f�r Sand auf dem Mars. Ein sehr seltener granitischer Stoff. Sie fragte sich, ob Hiroko danach gesucht oder blo� Gl�ck gehabt h�tte.</p><p>Die Ektogene waren fort, dr�ben auf der anderen Seite des Teichs. Sie war allein am Strand, Simon irgendwo unter ihr. Es war hart, mit so etwas Verbindung zu halten.</p><p>Ein Mann kam �ber die D�nen auf sie zu. Er war klein; und sie dachte zuerst, es w�re Sax, dann Cojote. Aber er war keiner der beiden. Er z�gerte, als er sie sah, und an dieser Bewegung erkannte sie, da� es tats�chlich Sax war. Aber ein im Aussehen stark ver�nderter Sax. Vlad und Ursula hatten an seinem Gesicht soviel kosmetische Chirurgie vorgenommen, da� er nicht mehr wie der alte Sax aussah. Er wollte nach Burroughs gehen und dort mit einer biotechnischen Firma zusammenkommen mit Benutzung eines Schweizer Passes und einer von Cojotes viralen Identit�ten. Er ging wieder zum Terraformen. Ann blickte hinaus aufs Wasser. Er kam heran und versuchte, mit ihr zu reden. Er sah jetzt nicht wie Sax aus, sondern h�bsch, ein netter alter Tolpatsch. Aber es war noch der alte Sax, und sie wurde so �rgerlich, da� sie kaum denken konnte und von einer Sekunde zur anderen nur schwach behielt, wor�ber sie sprachen.</p><p>�Du siehst anders aus�, war alles, an was sie sich erinnerte. Trivialit�ten dieser Art. Wenn sie ihn ansah, dachte sie: Er wird sich nie ver�ndern. Aber sein neues Gesicht hatte einen erschreckend betroffenen Ausdruck, etwas T�dliches, das es heraufbeschw�ren k�nnte, wenn sie ihm nicht Einhalt gebieten w�rde�� Und so diskutierte sie mit ihm, bis er zum letztenmal eine Grimasse zog und wegging. Sie sa� lange da, wurde k�lter und zerstreuter. Endlich legte sie den Kopf auf die Knie und fiel in eine Art Schlaf.</p><p>Sie hatte einen Traum. Alle Ersten Hundert standen um sie herum, die Lebenden und die Toten. Sax mit seinem alten Gesicht und jener neuen Miene des Kummers in ihrer Mitte. Er sagte: �Nettogewinn in Komplexit�t.�</p><p>Vlad und Ursula sagten: �Nettogewinn in Sch�nheit.�</p><p>Hiroko sagte: �Nettogewinn in Sch�nheit.�</p><p>Nadia sagte: �Nettogewinn in G�te.�</p><p>Maya sagte: �Nettogewinn in emotionaler Intensit�t.� Und hinter ihr rollten John und Frank die Augen.</p><p>Arkady sagte: �Nettogewinn in Freiheit.�</p><p>Michel sagte: �Nettogewinn in Verst�ndnis.�</p><p>Von hinten sagte Frank: �Nettogewinn in Macht�, und John stie� ihn mit dem Ellbogen an und rief: �Nettogewinn in Gl�ck!�</p><p>Und dann starrten alle Ann an. Und sie stand auf, bebend vor Wut und Angst. Sie erkannte, da� allein sie unter ihnen �berhaupt nicht an die M�glichkeit des Nettogewinns von irgend etwas glaubte und da� sie eine verr�ckte Reaktion�rin war. Alles, was sie tun konnte, war, da� sie mit dem Finger auf sie zeigte und sagte: <emphasis>�Mars, Mars, Mars.�</emphasis></p><p>An diesem Abend erwischte sie nach dem Essen in dem gro�en Versammlungsraum Cojote allein und sagte: �Wann gehst du wieder hinaus?�</p><p>�In ein paar Tagen.�</p><p>�Bist du immer noch bereit, mich diesen Leuten vorzustellen, �ber die du gesprochen hast?�</p><p>�Ja, gewi�.� Er sah sie mit geneigtem Kopf an. �Das ist es, wo du hingeh�rst.�</p><p>Sie nickte blo�. Sie sah sich in dem Gemeinschaftsraum um und dachte: Lebwohl, Lebwohl! Gott sei Dank ist es weg!</p><p>Eine Woche sp�ter sa� sie mit Cojote in einem ultraleichten Flugzeug. Sie flogen in den N�chten nach Norden in das �quatorgebiet und dann weiter zu der Gro�en B�schung, zu den Deuteronilus Mensae n�rdlich von Xanthe�� einem wild zerkl�fteten Gel�nde, wo die Mensae wie ein Archipel von Inselgruppen ein Sandmeer punktierten. Das w�rde ein echter Archipel werden, dachte Ann, als Cojote zwischen zwei Inseln landete, wenn das Pumpen im Norden weiterging.</p><p>Cojote ging auf einem kurzen Streifen aus staubigem Sand herunter und rollte in einen Hangar, der in die Seite einer Mesa hineingegraben war. Als sie ausstiegen, wurden sie von Steve, Ivana und einigen weiteren Leuten begr��t und in einem Aufzug auf eine Etage direkt unter dem Gipfel der Mesa gebracht. Das n�rdliche Ende dieser Mesa hatte eine scharfe Felsenspitze, worin ganz oben ein gro�er dreieckiger Versammlungsraum ausgeh�hlt war. Als sie hineinging, blieb Ann �berrascht stehen. Eine Menge Leute, mindestens mehrere hundert, sa�en dicht gedr�ngt an langen Tischen, beugten sich vor und gossen sich gegenseitig Wasser ein zu Beginn eines Mahles. Die Menschen an der einen Tafel sahen sie und hielten inne. Dieser Effekt verbreitete sich durch den ganzen Raum, als die anderen sie bemerkten. Schlie�lich waren alle still. Dann stand einer auf und noch einer, und nach und nach alle. Einen Moment schien alles erstarrt zu sein. Dann fingen sie an zu applaudieren. Sie klatschten wild in die H�nde, ihre Gesichter strahlten. Sie stie�en Hochrufe aus.</p></section></section><section><title><p>VIERTER TEIL</p><p>Der Gelehrte als Held</p></title><section><p><emphasis>Halte es zwischen Daumen und Mittelfinger. F�hle die runde Kante. Beobachte die leichten Kr�mmungen des Glases. Eine Vergr��erungslinse. Sie hat die Einfachheit, Eleganz und Schwere eines steinzeitlichen Werkzeugs. Setz dich mit ihr an einem sonnigen Tage hin und halte sie �ber einen Haufen trockenem Reisig! Bewege sie auf und ab, bis du unter den Zweigen einen hellen Fleck siehst. Erinnerst du dich an das Eicht? Es ist, als ob die Zweige eine kleine Sonne eingefangen h�tten.</emphasis></p><p><emphasis>Der Amor-Asteroid, der zum Aufzugkabel versponnen worden war, bestand haupts�chlich aus kohlenstoffreichen Chondriten und Wasser. Die beiden Amor-Asteroiden, die von Robotlandern im fahr 2091 abgefangen wurden, bestanden zumeist aus Silikaten und Wasser.</emphasis></p><p><emphasis>Das Material von New Clarke wurde von ihren Robotmannschaften zu einer einzigen langen Karbonfaser versponnen. Das Material der beiden Silikatasteroiden wurde von ihren Robotmannschaften zu Blechen f�r Sonnensegel verarbeitet. Siliziumdampf wurde zwischen zehn Kilometer langen Rollen verfestigt und zu Blechen ausgezogen, die mit einer d�nnen Schicht aus Aluminium belegt waren. Und diese riesigen Spiegelfl�chen wurden durch Raumschiffe mit menschlichen Besatzungen zu kreisf�rmigen Konfigurationen ausgebreitet, die ihre Gestalt durch Rotation und Sonnenlicht beibehielten.</emphasis></p><p><emphasis>Von einem in eine polare Umlau�ahn um den Mars geschobenen Asteroiden, den sie �Birch� nannten, spannten sie die Spiegelfl�chen zu einem Ring von hunderttausend Kilometern Durchmesser auf. Dieser ringf�rmige Spiegel war gegen die Sonne gerichtet, so da� das von ihm reflektierte Eicht auf einen Punkt innerhalb der Marsbahn fiel, nahe ihrem Ersten Eagrangepunkt.</emphasis></p><p><emphasis>Der zweite Silikat-Asteroid, genannt �Solettaville�, war in die N�he dieses Eagrangepunktes ger�ckt worden. Dort spannten die Hersteller der Sonnensegel die Spiegelfl�chen in ein komplexes Gewebe aus vergitterten Ringen aus, die alle miteinander verbunden und so in Winkeln angeordnet waren, da� sie aussahen wie eine Linse aus kreisf�rmigen Jalousieblenden, die sich um eine Nabe drehten, die ein silberner Kegel war, mit der offenen Seite dem Mars zugewandt. Dieses gro�e zarte Objekt von zehntausend Kilometern Durchmesser, hell und imposant, wie es sich zwischen Mars und Sonne drehte, wurde �die Soletta� genannt.</emphasis></p><p><emphasis>Sonnenstrahlen, die die Soletta trafen, traten durch ihre Blenden und stie�en erst auf die Sonnenseite der einen und dann auf die n�chste nach drau�en, die auf den Mars gerichtet war. Sonnenlicht, das den Ring im polaren Orbit traf, wurde in den inneren Kegel der Soletta reflektiert; und diese entgegengesetzten Dr�cke hielten ihn in Position�� etwa hunderttausend Kilometer vom Mars entfernt, im Perihel n�her und im Aphel etwas weiter entfernt. Die Winkel der Gitterteile wurden von dem Computer der Soletta st�ndig justiert, um Orbit und Focus beizubehalten.</emphasis></p><p><emphasis>W�hrend der Dekade, in der diese zwei gro�en Schwungr�der aus ihren Asteroiden angefertigt wurden wie Silikatgewebe aus Felsenspinnen, sahen Beobachter auf dem Mars fast nichts von ihnen. Man konnte gelegentlich eine wei�e gekr�mmte Linie am Himmel erkennen oder zuf�lliges Aufleuchten bei Tag und Nacht, als ob die Brillanz eines viel gr��eren Universums durch die losen N�hte im Gewebe unserer Sph�re schiene.</emphasis></p><p><emphasis>Als dann die beiden Spiegel fertiggestellt waren, wurde das reflektierte Licht des Ringspiegels auf den Kegel der Soletta gerichtet. Deren zirkul�re Latten wurden justiert, und sie bewegte sich in einen etwas abweichenden Orbit.</emphasis></p><p><emphasis>Und eines Tages sahen die auf der Tharsis-Seite des Mars lebenden Menschen auf; denn der Himmel hatte sich verdunkelt. Sie erblickten eine Sonnenfinsternis, wie sie der Mars noch nie erlebt hatte. Die Sonne wurde angeknabbert, als ob da oben ein Mond von der Gr��e des irdischen ihre Strahlen blockierte. Dann ging die Finsternis weiter wie auf der Erde. Die dunkle Sichel schnitt immer tiefer in das glei�ende Rund, als die Soletta in ihre Position zwischen Mars und Sonne r�ckte. Aber ihre Spiegel waren noch nicht so ausgerichtet, da� sie das Licht hindurchtreten lie�en. Der Himmel wurde tief violett. Die Dunkelheit erfa�te den gr��eren Teil der Scheibe. Es blieb nur eine schmale leuchtende Sichel, bis auch die verschwand und die Sonne eine dunkle Scheibe am Himmel bildete, umrahmt vom Hauch der Korona. Und dann war sie v�llig verschwunden. Eine totale Sonnenfinsternis .. .</emphasis></p><p><emphasis>In der dunklen Scheibe erschien ein ganz schwaches Moiremuster, wie man es noch nie bei einer nat�rlichen Sonnenfinsternis gesehen hatte. Alle Leute auf der Tagesseite des Mars schnappten nach Luft und schauten mit zusammengekniffenen Augen nach oben. Und dann, als ob man eine Jalousie aufgezogen h�tte, kam die Sonne mit einemmal zur�ck.</emphasis></p><p><emphasis>Blendendes Licht!</emphasis></p><p><emphasis>Und noch blendender als je zuvor, da die Sonne nun merklich heller war als zuvor, ehe die seltsame Finsternis begonnen hatte. Jetzt wandelte man unter einer verst�rkten Sonne, deren Scheibe ungef�hr so gro� aussah wie auf der Erde. Das Licht war um mehr als zwanzig Prozent st�rker als vorher�� merklich heller und w�rmer auf der Haut. Die rote Fl�che der Ebenen war leuchtender. Als ob man pl�tzlich Flutlicht eingeschaltet h�tte und sie alle jetzt auf einer gro�en B�hne spazierten.</emphasis></p><p><emphasis>Ein paar Monate sp�ter wirbelte ein dritter Spiegel, viel kleiner als die Soletta, in die h�chsten Bereiche der Marsatmosph�re. Das war eine weitere Linse, aus kreisrunden Latten erbaut. Sie sah aus wie ein silbernes UFO. Sie fing etwas von dem Licht auf, das von der Soletta herabstr�mte, und b�ndelte es noch weiter auf ausgesuchte Punkte an der Oberfl�che des Planeten von weniger als einem Kilometer Durchmesser. Und sie flog wie ein Segelflugzeug �ber die Welt und hielt diesen konzentrierten Lichtstrahl im Focus, bis direkt auf dem Land kleine Sonnen zu erbl�hen schienen und das Gestein schmolz�� von fest zu fl�ssig und dann zu Feuer.</emphasis></p><empty-line/></section><section><p>Der Untergrund war nicht gro� genug f�r Sax Russell. Er wollte wieder an die Arbeit gehen. Er h�tte sich in die Demimonde begeben k�nnen und vielleicht eine leitende Position als Lehrer an der neuen Universit�t in Sabishii annehmen k�nnen, die au�erhalb des Netzes lief und viele seiner alten Kollegen deckte und manchen Kindern des Untergrunds Erziehung bot. Aber nach einigem Nachdenken kam er zu der Erkenntnis, da� er weder unterrichten noch an der Peripherie bleiben wollte. Er wollte wieder zum Terraformen zur�ck, wenn m�glich in das Herz des Projektes oder so nahe, wie er nur herankommen k�nnte. Und das bedeutete die Oberfl�chenwelt. K�rzlich hatte die Transnationale Beh�rde ein Komitee zur Koordinierung aller Arbeiten zur Terraformung gegr�ndet; und ein Team unter der F�hrung von Subarashii hatte den alten Auftrag zur Synthese bekommen, den Sax fr�her gehabt hatte. Das war ung�nstig, da Sax nicht Japanisch sprach. Aber die F�hrung im biologischen Teil des Unternehmens war den Schweizern �bertragen worden und wurde von einem Schweizer Kollektiv aus biotechnischen Firmen namens Biotique betrieben mit Hauptb�ros in Genf und Burroughs und engen Verbindungen zur transnationalen Praxis.</p><p>Also mu�te er sich zun�chst unter einem falschen Namen bei Biotique einschleichen und Burroughs zuweisen lassen. Desmond �bernahm dies und schrieb eine Computer-Persona f�r Sax, �hnlich der, die er vor Jahren Spencer gegeben hatte, als dieser nach Echus Overlook gegangen war. Spencers Persona und eine gr�ndliche kosmetische Chirurgie hatten ihm erm�glicht, erfolgreich in den Labors von Echus Overlook und sp�ter in Kasei Vallis zu arbeiten, dem eigentlichen Herzen der transnationalen Sicherheitsdienste.</p><p>Die neue Persona listete Saxens physische Identit�tsmerkmale auf�� Genom, Netzhaut, Stimme und Fingerabdr�cke��, alle leicht ver�ndert, so da� sie immer noch fast alle auf Sax selbst zutrafen, aber bei allen Vergleichssuchen in komparativen Netzen nicht auffielen. Diese Daten bekamen einen neuen Namen mit vollem terranischem Hintergrund, Kreditstatus und Einwanderungsdokumenten sowie einem viralen Untertext gegen alle konkurrierenden Identit�ten f�r die physischen Daten. Das ganze Paket wurde an das Schweizer Pa�b�ro geschickt, das solchen Ankommenden ohne Kommentar P�sse geliefert hatte. Und in der balkanisierten Welt der transnationalen Netze schien das zu funktionieren. Desmond sagte: �O ja, der Teil ist unproblematisch. Aber ihr Ersten Hundert seid alle Filmstars. Du brauchst auch ein neues Gesicht.�</p><p>Sax lie� mit sich reden. Er erkannte die Notwendigkeit, und sein Gesicht hatte ihm nie etwas bedeutet. Und in diesen Tagen sah sein Gesicht im Spiegel ohnehin dem nicht sehr �hnlich, das er sich gedacht hatte. Also lie� er Vlad an sich arbeiten und betonte die potentielle Bedeutung seiner Anwesenheit in Burroughs. Vlad war ein f�hrender Theoretiker des Widerstandes gegen die Transnationalen geworden und erkannte rasch, worauf es Sax ankam. Er sagte: �Die meisten von uns leben einfach in der Demimonde, aber ein paar Leute, die in Burroughs versteckt sind, w�ren eine feine Sache. Also k�nnte ich meine kosmetische Chirurgie auch in einer angespannten Situation wie deiner praktizieren.�</p><p>�Eine angespannte Situation�, sagte Sax. �Und m�ndliche Kontrakte sind bindend. Ich erwarte, h�bscher herauszukommen.�</p><p>Und es wurde eine wundervolle Arbeit, obwohl man das unm�glich sagen konnte, ehe die erheblichen Konfusionen verschwunden waren. Sie setzten ihm Zahnkronen auf, machten seine d�nne Oberlippe kr�ftiger, verliehen seiner Knopfnase eine erhabene Br�cke und eine leichte Kr�mmung. Sie machten seine Wangen schmaler und gaben ihm mehr Kinn. Sie schnitten sogar einige Muskeln in den Lidern ein, so da� er nicht so oft zwinkerte. Als die Narben verschwunden waren, sah er wie ein richtiger Filmstar aus, meinte Desmond. Wie ein Ex-Jockey, meinte Nadia. Oder ein fr�herer Tanzlehrer, sagte Maya, die seit vielen Jahren sich lange an die Anonymen Alkoholiker gehalten hatte. Sax, der die Wirkungen des Alkohols nie gemocht hatte, winkte ihr ab.</p><p>Desmond machte Fotos von ihm und tat sie in die neue Persona. Dann gab er dieses Konstrukt erfolgreich in die Akten von Biotique ein, zusammen mit einer Versetzungsanweisung von San Francisco nach Burroughs. Die Persona erschien eine Woche sp�ter in den Schweizer Pa�listen; und Desmond kicherte, als er sie sah. Er sagte und zeigte auf Saxens neuen Namen: �Steven Lindholm. Schweizer B�rger! Diese Leute decken uns ohne Zweifel. Ich gehe jede Wette ein, da� sie deine Persona dicht gemacht und dein Genom mit alten Akten und sogar mit meinen Ver�nderungen nachgepr�ft haben. Ich wette, da� sie herausgebracht haben, wer du wirklich bist.�</p><p>�Bist du sicher?�</p><p>�Nein. Sie sagen es ja nicht. Aber ich bin ziemlich sicher.�</p><p>�Ist das gut?�</p><p>�Theoretisch nicht. Aber in der Praxis ist es gut, wenn jemand es auf dich abgesehen hat, da� sie sich als Freunde verhalten. Und die Schweizer sind gute Freunde. Dies ist das f�nfte Mal, da� sie f�r eine Persona einen Pa� ausgestellt haben. Ich besitze sogar selbst einen und bezweifle, da� es ihnen gelungen ist herauszufinden, wer ich wirklich bin, weil ich nie erkennungsdienstlich erfa�t wurde wie ihr von den Ersten Hundert. Interessant, meinst du nicht auch?�</p><p>�Doch.�</p><p>�Das sind interessante Leute. Sie haben ihre eigenen Pl�ne, die ich nicht kenne. Aber ich mag sie. Ich glaube, da� sie beschlossen haben, uns zu decken. Vielleicht wollen sie blo� wissen, wer wir sind. Das werden wir nie genau erfahren; denn die Schweizer lieben ihre Geheimnisse sehr. Aber es macht nichts aus, warum, wenn man wei� wie.�</p><p>Sax zuckte bei diesem Gef�hl zusammen, war aber froh �ber den Gedanken, da� er unter Schweizer Schirmherrschaft sicher sein w�rde. Sie waren Leute von seiner Art�� rational, vorsichtig und methodisch.</p><p>Einige Tage, bevor er sich aufmachte, um mit Peter nach Burroughs zu fliegen, machte er einen Spaziergang rund um den Teich von Gamete, was er w�hrend seiner Jahre dort nur selten getan hatte. Der Teich war wirklich ein sauberes St�ck Arbeit. Hiroko war eine t�chtige Systemplanerin. Als sie und ihr Team vor so langer Zeit aus Underhill verschwunden waren, war Sax v�llig verwirrt gewesen. Er hatte nicht begriffen, warum, und sich lange Sorgen gemacht, da� sie anfangen w�rden, irgendwie gegen das Terraformen zu k�mpfen. Als es ihm gelungen war, eine Reaktion Hirokos dem Netz abzuringen, war er teilweise beruhigt. Sie schien dem Ziel des Terraformens im Grunde nicht abgeneigt zu sein, und ihre besondere Vorstellung von Viriditas war wohl nur eine andere Version des gleichen Themas.</p><p>Aber Hiroko schien die Geheimniskr�merei zu lieben, was von ihr sehr unwissenschaftlich war. Und w�hrend ihrer Jahre des Versteckens hatte sie sich bis zu falschen Informationen hinrei�en lassen. Auch als Mensch war sie keineswegs leicht zu verstehen; und erst nach einigen gemeinsam verbrachten Jahren war Sax davon �berzeugt worden, da� auch sie f�r den Mars eine f�r Menschen vertr�gliche Biosph�re w�nschte. Das war alles, was er an �bereinstimmung haben wollte. Und er konnte sich in diesem speziellen Projekt keinen besseren einzelnen Verb�ndeten vorstellen, es sei denn, es w�re der Vorsitzende dieses neuen �bergangskomitees. Und wahrscheinlich war auch der ein Verb�ndeter. Es gab wirklich nicht allzu viele Gegner.</p><p>Aber da am Strand sa� jemand, so mager wie ein Kranich. Ann Clayborne. Sax z�gerte, aber sie hatte ihn schon gesehen. Und so ging er weiter, bis er neben ihr stand. Sie schaute zu ihm auf und starrte dann wieder auf den wei�en Teich. Sie sagte: �Du siehst anders aus.�</p><p>�Ja.� Er f�hlte noch die wunden Stellen im Gesicht und Mund, obwohl die Narben verschwunden waren. Es war ein bi�chen so, als tr�ge man eine Maske, und das war ihm pl�tzlich unangenehm. �Ich bin immer noch derselbe�, f�gte er hinzu.</p><p>�Nat�rlich.� Sie schaute ihn nicht an. �Also willst du weg in die Oberwelt?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Um wieder an deine Arbeit zu gehen?�</p><p>�Ja.�</p><p>Sie sah zu ihm auf. �Was denkst du, wozu die Wissenschaft da ist?�</p><p>Sax zuckte die Achseln. Das war immer und ewig ihr altes Argument, ganz gleich, wie es anfing. Terraformen oder nicht; Terraformen, das ist die Frage� Er hatte diese Frage schon vor langer Zeit beantwortet und sie auch; und er w�nschte, sie k�nnten sich gerade darauf einigen, da� sie verschiedener Ansicht waren, und damit fertig. Aber Ann war unerm�dlich.</p><p>Er sagte: �Um Dinge zu kl�ren.�</p><p>�Aber Terraformen ist kein Ausrechnen.�</p><p>�Terraformen ist nicht Wissenschaft. Ich habe das nie gesagt. Es ist etwas, das die Menschen mittels der Wissenschaft tun. Angewandte Wissenschaft oder Technik. Das hast du. Die Wahl, was du tun willst mit dem, was du von der Wissenschaft lernst. Wie immer du es nennst.�</p><p>�Also ist es eine Sache von Werten.�</p><p>�Das nehme ich an.� Sax dachte dar�ber nach und versuchte, seine Gedanken �ber dieses tr�be Thema zu ordnen. �Ich nehme an, da� unsere� Meinungsverschiedenheit nur eine andere Seite von dem ist, was die Leute als Problem des Wertes von Fakten bezeichnen. Die Wissenschaft hat es mit Fakten zu tun und mit Theorien, die Fakten zu Beispielen machen. Werte bilden ein System anderer Art, ein menschliches Konstrukt.�</p><p>�Auch Wissenschaft ist ein menschliches Konstrukt.�</p><p>�Ja. Aber die Verbindung zwischen beiden Systemen ist nicht klar. Anfangend mit den gleichen Fakten, k�nnen wir zu verschiedenen Werten gelangen.�</p><p>�Aber die Wissenschaft selbst ist voller Werte�, erkl�rte Ann hartn�ckig. �Wir reden mit Nachdruck und Eleganz �ber Theorien, wir reden �ber klare Resultate oder ein sch�nes Experiment. Und das Verlangen nach Wissen ist besser als Ignoranz oder Geheimnis. Nicht wahr?�</p><p>�Das nehme ich an�, erwiderte Sax und dachte dar�ber nach.</p><p>�Deine Wissenschaft ist ein Satz von Werten�, fuhr Ann fort. �Das Ziel deiner Art von Wissenschaft ist die Etablierung von Gesetzen, von Regeln, von Exaktheit und Gewi�heit. Du willst alle Dinge erkl�rt haben. Du willst die Fragen nach dem Warum beantworten, bis hin zum Urknall. Du bist ein Reduktionist. Sparsamkeit und Eleganz und �konomie sind Werte f�r dich; und wenn du die Dinge einfacher machen kannst, ist das ein echter Erfolg, nicht wahr?�</p><p>�Aber das ist die wissenschaftliche Methode�, wandte Sax ein. �Das bin nicht nur ich, sondern das ist es, wie die Natur selbst funktioniert. Das tust du auch selbst.�</p><p>�Es gibt menschliche Werte, die in der Physik eingebettet sind.�</p><p>�Da bin ich nicht so sicher.� Er hielt die Hand hoch, um sie f�r eine Sekunde anzuhalten. �Ich sage nicht, da� es in der Wissenschaft keine Werte g�be. Aber Materie und Energie tun das ihre. Wenn du �ber Werte sprechen willst�� bitte sehr! Gewi� ergeben sie sich irgendwie aus Fakten. Aber das ist ein anderes Thema, eine Art Soziobiologie oder Bioethik. Vielleicht w�re es besser, einfach direkt �ber Werte zu sprechen. Das gr��te Gute f�r die gr��te Anzahl, oder so etwas.�</p><p>�Es gibt �kologen, die sagen w�rden, das w�re die wissenschaftliche Definition eines gesunden �kosystems. Eine andere Art, vom H�hepunkt eines �kosystems zu sprechen.�</p><p>�Ich denke, das ist ein Werturteil. Eine Art Bioethik. Interessant, aber��� Sax zwinkerte sie neugierig an und beschlo�, den Kurs zu �ndern. �Warum nicht hier einen Versuch mit einem optimalen �kosystem wagen, Ann? Ohne lebende Dinge kann man nicht von �kosystemen sprechen. Was vor uns hier auf dem Mars war, war keine �kologie, sondern nur Geologie. Man k�nnte sogar sagen, da� es hier vor langer Zeit einen Anfang von �kologie gab und da� dann etwas schiefgegangen ist und erfror, und da� wir jetzt gerade wieder anfangen.�</p><p>Sie murrte dar�ber, und er hielt inne. Er wu�te, da� sie an eine Art von innerem, nat�rlichem Wert f�r die mineralische Realit�t des Mars glaubte. Das war eine Version von dem, was die Leute als Landethik bezeichneten, aber ohne die Biota des Landes. Man k�nnte sagen: Stein-Ethik. �kologie ohne Leben. Wirklich ein spezifischer Wert!</p><p>Er seufzte. �Vielleicht ist es gerade das, wenn man �ber einen Wert spricht. Die Beg�nstigung lebender Systeme gegen�ber nicht lebenden. Ich meine, da� man Werten nicht entrinnen kann, wie du sagst. Es ist seltsam�� Meistens bin ich bestrebt, die Dinge klar zu machen. Warum sie so funktionieren, wie sie es tun. Aber wenn du mich fragst, warum ich das will�� oder was ich w�nsche, das h�tte geschehen sollen, auf was hin ich arbeite���Er zuckte die Achseln und bem�hte sich um Selbstverst�ndnis. �Das ist schwer auszudr�cken. Irgend etwas wie einen Nettogewinn an Information. Einen Reingewinn an Ordnung.� F�r Sax war das eine gute funktionale Beschreibung des Lebens selbst, von dessen Antagonie zur Entropie. Er hielt Ann die Hand hin in der Hoffnung, da� sie das verstehen und mindestens dem Paradigma ihrer Diskussion zustimmen w�rde, einer Definition des letzten Zieles der Wissenschaft. Schlie�lich waren sie doch beide Wissenschaftler, und es war ihr gemeinsames Unterfangen.</p><p>Aber sie sagte blo�: �So zerst�rst du das Antlitz eines ganzen Planeten. Eines Planeten mit einer klaren, Milliarden von Jahren alten Vergangenheit. Das ist nicht Wissenschaft. Es schafft einen geplanten Naturpark.�</p><p>�Es ist Anwendung von Wissenschaft f�r einen speziellen Wert. Einen, an den ich glaube.�</p><p>�Wie die Transnationalen auch.�</p><p>�Das vermute ich.�</p><p>�Es hilft ihnen sicher.�</p><p>�Es h�lt alles am Leben.�</p><p>�Bis es sie t�tet. Das Terrain ist destabilisiert. Jeden Tag gibt es Erdrutsche.�</p><p>�Stimmt.�</p><p>�Und sie t�ten. Pflanzen, Menschen. Das ist schon passiert.�</p><p>Sax wedelte mit der Hand, und Ann sah ihn mit einer j�hen Kopfbewegung an.</p><p>�Was ist das? Der unvermeidliche Mord? Was f�r ein Wert ist das?�</p><p>�Nein, nein. Ann, es gibt Unf�lle. Die Leute m�ssen auf gewachsenem Fels bleiben, au�erhalb der Erdrutschzonen. So etwas. Vorl�ufig.�</p><p>�Aber weite Gebiete werden zu Schlamm werden oder v�llig �berschwemmt werden. Wir sprechen �ber den halben Planeten.�</p><p>�Das Wasser wird nach unten ablaufen. Wasserscheiden bilden.�</p><p>�Du denkst an ertr�nktes Land. Und einen v�llig anderen Planeten. Oh, das ist schon ein feiner Wert! Und die Leute, die den Wert des Mars sch�tzen, wie er ist� Wir werden auf jedem Schritt des Weges gegen euch k�mpfen.�</p><p>Er seufzte. �Ich w�nsche, ihr t�tet das nicht. Gegenw�rtig w�rde eine Biosph�re uns mehr helfen als den Transnationalen. Diese k�nnen von den Kuppelst�dten aus operieren und die Oberfl�che mit Robotern bergm�nnisch ausbeuten, w�hrend wir uns verstecken und die meisten unserer Anstrengungen auf Geheimhaltung und �berleben konzentrieren. Wenn wir �berall auf der Oberfl�che leben k�nnten, w�re das f�r alle Arten von Widerstand viel einfacher.�</p><p>�F�r alles au�er Widerstand der Roten.�</p><p>�Ja, aber worauf kommt es jetzt gerade an?�</p><p>�Mars. Einfach Mars. Der Ort, den du nie kennengelernt hast.�</p><p>Sax schaute zu der wei�en Kuppel �ber ihnen auf und f�hlte Schmerz wie einen pl�tzlichen Anfall von Arthritis. Es war nutzlos, mit ihr zu diskutieren.</p><p>Aber irgend etwas in ihm veranla�te ihn, es weiter zu versuchen. �Schau, Ann, ich bin ein Bef�rworter von dem, was die Menschen das minimal lebensf�hige Modell nennen. Dieses verlangt eine atembare Atmosph�re von nur bis etwa zwei bis drei Kilometern H�he. Dar�ber w�rde die Luft f�r Menschen zu d�nn sein, und es w�rde �berhaupt nicht viel Leben irgendwelcher Art geben�� einige Pflanzen f�r gro�e H�hen, und dar�ber nichts, oder nichts Sichtbares. Das vertikale Relief des Mars ist so extrem, da� es weite Regionen geben kann, die oberhalb des gr��ten Teils der Atmosph�re bleiben. Das ist ein Plan, den ich f�r sinnvoll halte. Er dr�ckt eine verst�ndliche Anzahl an Werten aus.�</p><p>Sie antwortete nicht. Das war wirklich entt�uschend. Einmal, bei einem Versuch, Ann zu verstehen, mit ihr reden zu k�nnen, hatte er sich n�her mit der Philosophie der Wissenschaft besch�ftigt. Er hatte allerhand Material gelesen und sich besonders auf die LandEthik und das Grenzgebiet von Faktum und Wert konzentriert. Ach, leider hatte sich das nie als besonders hilfreich erwiesen. Im Gespr�ch mit ihr war er anscheinend nie f�hig gewesen, irgendwie n�tzlichen Gebrauch von dem zu machen, was er gelernt hatte. Wenn er jetzt auf sie hinunterblickte und den Schmerz in seinen Gelenken sp�rte, erinnerte er sich an etwas, das Thomas Kuhn �ber Priestley geschrieben hatte�� da� ein Wissenschaftler, der immer noch Widerstand leistet, nachdem sich seine s�mtlichen Kollegen einem neuen Paradigma zugewendet haben, vollkommen logisch und vern�nftig sein k�nnte, aber <emphasis>ipso facto</emphasis> aufgeh�rt h�tte, ein Wissenschaftler zu sein. Etwas derartiges schien Ann passiert zu sein, aber was war sie denn jetzt nun? Eine Konterrevolution�rin? Eine Prophetin?</p><p>Sie sah gewi� aus wie eine Prophetin�� harsch, hager, z�h, �rgerlich, unvers�hnlich. Sie w�rde sich nie �ndern, und sie w�rde ihm nie verzeihen. Und all das h�tte er ihr gerne gesagt, �ber den Mars, �ber Gamete, �ber Peter�� �ber Simons Tod, unter dem Ursula mehr zu leiden schien als sie� All das war unm�glich. Darum hatte er mehr als einmal aufgegeben, mit Ann zu sprechen. Es war so <emphasis>frustrierend,</emphasis> niemals irgendwo hin zu kommen, mit der Abneigung von jemandem konfrontiert zu sein, den er seit �ber sechzig Jahren kannte. Er hatte jede Diskussion gewonnen, hatte aber nie etwas erreicht. Manche Leute waren nun einmal so; aber dadurch wurde es nicht weniger entt�uschend. Es war wirklich erstaunlich, wieviel physiologisches Unbehagen durch eine rein emotionale Reaktion erzeugt werden konnte.</p><p>Ann fuhr mit Desmond am n�chsten Tag fort. Bald danach machte Sax mit Peter eine Reise nach Norden in einem der getarnten Flugzeuge, mit denen Peter �ber den ganzen Mars zu fliegen pflegte.</p><p>Peters Route nach Burroughs f�hrte sie �ber die Hellespontus Montes, und Sax blickte interessiert in das gro�e Becken von Hellas. Sie erwischten einen Schimmer von dem Eisfeld, das Low Point bedeckt hatte, eine wei�e Masse auf der dunklen Nachtseite. Aber Low Point selbst blieb �ber dem Horizont. Das war sehr schade; denn Sax war gespannt zu sehen, was �ber dem Mohole von Low Point geschah. Das war dreizehn Kilometer tief gewesen, als die Flut es gef�llt hatte. Und es war anzunehmen, da� das Wasser auf dem Boden fl�ssig geblieben war und vermutlich auch warm genug, um eine erhebliche Strecke anzusteigen. M�glicherweise war das Eisfeld in dieser Gegend ein von Eis bedeckter See mit beachtlichen Unterschieden an der Oberfl�che.</p><p>Aber Peter wollte seine Route nicht �ndern, um eine bessere Aussicht zu bekommen. Er sagte grinsend: �Du kannst hineinschauen, wenn du Stephen Lindholm bist. Du kannst es zu einem Teil deiner Arbeit f�r Biotique machen.�</p><p>Und so flogen sie weiter. Und in der n�chsten Nacht landeten sie in den zerkl�fteten Bergen s�dlich von Isidis, noch auf der hohen Seite der Gro�en B�schung. Dann ging Sax zu einem Tunneleingang, begab sich hinein und kam in die R�ckseite eines Abteils im Wartungskeller von Libya Station, die ein kleiner Bahnhofskomplex an der Kreuzung der Strecke Burroughs-Hellas und der neu wieder angelegten Strecke Burroughs-Elysium war. Als der n�chste Zug nach Burroughs ankam, erschien Sax aus einer Wartungst�r und mischte sich in die Menge, die aus dem Zug stieg. Er fuhr in den Hauptbahnhof von Burroughs, wo er von einem Mann von Biotique empfangen wurde. Und dann war er Stephen Lindholm, ein Neuling f�r Burroughs und den Mars.</p><p>Der Mann von Biotique, ein Personalsachbearbeiter, machte ihm Komplimente �ber sein geschicktes Gehen und brachte ihn in ein Apartment hoch in Hunt Mesa nahe dem Zentrum der alten Stadt. Die Labors und B�ros von Biotique befanden sich auch in Hunt Mesa, mit Fenstern, die auf den Kanalpark unten f�hrten. Eine Gegend mit teuren Mieten, wie es nur der Firma zustand, welche die Bioingenieurarbeiten des Terraformungsprojekts leitete.</p><p>Aus den Fenstern der Biotiqueb�ros konnte er den gr��ten Teil der alten City �berblicken, der ziemlich genau so aussah, wie er es in Erinnerung hatte. Nur hatten die W�nde der Mesa mehr Glasfenster und bunte horizontale B�nder aus Kupfer, Gold oder metallischem Gr�n oder Blau, als ob die Mesas wundervolle mineralische Fl�ze enthielten. Auch waren die Kuppeln, die oben auf den Mesas gestanden hatten, verschwunden. Ihre Geb�ude standen jetzt frei unter der viel gr��eren Kuppel, die nun alle neun Mesas �berspannte sowie alles dazwischen und darum herum. Die Technik des Kuppelbaus hatte einen Punkt erreicht, wo man weite Mesokosmen �berw�lben konnte; und Sax hatte geh�rt, da� eine Transnationale Hebes Chasma bedecken wollte�� ein Vorschlag, �ber den Sax selbst sich lustig gemacht hatte. Und jetzt taten sie es also. Man sollte nie die M�glichkeiten der Materialkunde �bersch�tzen. Das war klar.</p><p>Der alte Kanalpark von Burroughs und die breiten Grasboulevards, die vom Park zu den Mesas hinauff�hrten, waren jetzt Gr�nstreifen, die zwischen D�chern mit orangefarbenen Ziegeln verliefen. Die alte Doppelreihe aus Salzs�ulen stand noch neben dem blauen Kanal. Dort war sicher viel gebaut worden, aber die Konfiguration der Stadt war noch die gleiche. Nur an den Au�enbezirken konnte man deutlich sehen, wie sehr sich die Dinge ge�ndert hatten und wieviel gr��er die Stadt wirklich war. Die Stadtmauer lag gut au�erhalb der neun Mesas, so da� ein ziemlicher Teil des umgebenden Landes gesch�tzt war, worauf man inzwischen schon viel gebaut hatte.</p><p>Der Personalmensch machte mit Sax einen schnellen Rundgang durch Biotique und stellte ihn mehr Leuten vor, als er sich merken konnte. Dann wurde Sax gebeten, sich am n�chsten Morgen in seinem Labor zu melden. Den Rest des Tages hatte er zur Verf�gung, um sich einzugew�hnen.</p><p>Als Stephen Lindholm hatte er vor, Zeichen von intellektueller Energie, Umg�nglichkeit, Wi�begier und guter Stimmung zu geben. Darum verbrachte er sehr �berzeugend den Nachmittag damit, Burroughs kennenzulernen. Er ging von einem Bezirk in den andern und schlenderte �ber die breiten Rasenfl�chen, wobei er �ber das mysteri�se Ph�nomen des Wachstums von St�dten nachdachte. Das war ein kultureller Proze� ohne gute physikalische oder biologische Analogie. Er konnte keinen deutlichen Grund daf�r erkennen, weshalb dieses untere Ende von Isidis Planitia der Sitz der gr��ten Stadt auf dem Mars geworden war. Keiner der urspr�nglichen Gr�nde f�r die Ortswahl der Stadt war �berhaupt ausreichend, das zu erkl�ren. Soweit er wu�te, hatte sie als eine gew�hnliche Wegstation auf der Route von Elysium nach Tharsis angefangen. Vielleicht lag es gerade an diesem Mangel an strategischer Lage, da� sie gediehen war; denn sie war die einzige gr��ere Stadt, die 2061 nicht besch�digt oder zerst�rt worden war. Und so war es vielleicht nur ein Vorsprung an Wachstum in den Nachkriegsjahren gewesen. Man k�nnte analog zu dem betonten Modell der Evolution sagen, da� diese spezielle Spezies zuf�llig einen Einsturz �berlebt h�tte, der die meisten anderen Spezies ausgerottet hatte, und ihr eine offene �kosph�re zur Expansion geboten.</p><empty-line/><p>Und zweifellos bot die bogenf�rmige Gestalt der Region mit ihrem Archipel aus kleinen Mesas auch einen eindrucksvollen Anblick. Als er auf den breiten begrasten Boulevards herumging, schienen die neun Mesas gleichm��ig verteilt zu sein. Und jede Mesa sah anders aus. Ihre rauhen Felsw�nde unterschieden sich durch charakteristische Vorspr�nge, Pfeiler, glatte W�nde, �berh�nge und Spalten, und jetzt auch durch die horizontalen B�nder aus farbigen spiegelnden Fenstern und die Geb�ude und Parks, die auf den flachen Plateaus jeder Mesa sa�en. Von jedem Punkt der Stra�e aus konnte man immer einige Mesas sehen, verteilt wie pr�chtige Kathedralen; und das erfreute das Auge gewi�. Und wenn man dann einen Aufzug zu einem Gipfel der Mesas nahm, die alle etwa hundert Meter h�her lagen als der Boden der Stadt, hatte man eine Aussicht �ber die D�cher mehrerer verschiedener Distrikte und eine andere Perspektive f�r die anderen Mesas, und hinter ihnen auf das Land des Mars, weil man sich auf dem Boden einer sch�sselartigen Senke befand. �ber die flache Ebene von Isidis im Norden und den dunklen Anstieg von Syrtis im Westen; und im S�den konnte man die ferne Erhebung der Gro�en B�schung selbst sehen, die wie ein Himalaya am Horizont stand.</p><empty-line/><p>Nat�rlich war es eine offene Frage, ob eine h�bsche Aussicht bei der Gr�ndung einer Stadt eine Rolle spielte; aber es gab Historiker, die versicherten, da� viele alte griechische St�dte grunds�tzlich wegen ihrer Aussicht angelegt worden w�ren, trotz anderen Unbequemlichkeiten. Also war das mindestens ein m�glicher Faktor. Und auf jeden Fall war Burroughs jetzt eine stolze kleine Metropole von etwa hundertf�nfzigtausend Einwohnern und die gr��te Stadt auf dem Mars. Und sie wuchs immer noch. Gegen Ende seines Nachmittagsspaziergangs fuhr Sax mit einem der gro�en �u�eren Aufz�ge auf Branch Mesa, die n�rdlich vom Zentralpark lag, und konnte von diesem Plateau aus sehen, da� die n�rdlichen Ausl�ufer der Stadt die ganze Strecke bis zur Kuppelbasis mit Baupl�tzen �bers�t waren. Es liefen sogar einige Arbeiten um einige der entfernten Mesas au�erhalb der Kuppel. Offenbar war eine kritische Masse im Sinne der Gruppenpsychologie erreicht worden, eine Art Herdeninstinkt, der diese Stadt zur Hauptstadt gemacht hatte, zum sozialen Magneten und dem Herzen der Aktivit�t. Gruppendynamik war bestenfalls komplex und sogar (er schnitt eine Grimasse) unerkl�rlich.</p><empty-line/><p>Das war wie immer ung�nstig, weil Biotique Burroughs wirklich eine sehr dynamische Gruppe bildete. Und in den folgenden Tagen stellte Sax fest, da� es nicht einfach war, seinen Platz in der F�lle von Wissenschaftlern zu bestimmen, die an dem Projekt arbeiteten. Er hatte die Geschicklichkeit verloren, in einer neuen Gruppe seinen Weg zu finden, sofern er sie je gehabt hatte. Die Formel, um die Zahl m�glicher Beziehungen in einer Gruppe zu beherrschen, war <emphasis>n(n-l)/2,</emphasis> wo <emphasis>n</emphasis> die Anzahl der Individuen in der Gruppe ist, so da� f�r die 1000 Menschen in Biotique Burroughs sich 499500 m�gliche Beziehungen ergaben. Dies schien f�r Sax jenseits jeder M�glichkeit zu liegen, es zu begreifen. Selbst die 4950 m�glichen Beziehungen in einer Gruppe von 100, die hypothetische �Planungsgrenze� f�r die Gr��e menschlicher Gruppen, erschien plump. In Underhill war es wirklich so gewesen, wo sie eine Gelegenheit gehabt hatten, das zu pr�fen.</p><empty-line/><p>Es war also wichtig, in Biotique eine kleinere Gruppe zu finden, und Sax machte sich so ans Werk. Es war gewi� sinnvoll, sich zuerst auf sein Labor zu konzentrieren. Er war als Biophysiker dort eingetreten, was riskant war, ihn aber dorthin brachte, wo er in der Firma sein wollte. Und er hoffte, da� er sich w�rde behaupten k�nnen. Falls nicht, k�nnte er erkl�ren, da� er von der Physik zur Biophysik gekommen w�re, was auch stimmte. Sein Boss war eine Japanerin namens Ciaire, dem Aussehen nach mittleren Alters, eine sehr kongeniale Frau, die ihr Labor vorz�glich leitete. Bei seiner Ankunft setzte sie ihn an die Arbeit mit dem Team, das Pflanzen der zweiten und dritten Generation f�r die vergletscherten Gebiete der n�rdlichen Hemisph�re entwickelte. Diese neu hydrierten Milieus boten enorme neue M�glichkeiten f�r botanische Planung, da die Konstrukteure nicht mehr alle Spezies auf Xerophyten der W�ste gr�nden mu�ten. Sax hatte das vom allerersten Moment an kommen sehen, als er die Flut sah, die von Ius Chasma nach Melas hinunterdonnerte im Jahr 2061. Und jetzt, vierzig Jahre sp�ter, konnte er wirklich etwas daf�r tun.</p><empty-line/><p>Also stieg er sehr vergn�gt in die Arbeit ein. Zuerst mu�te er sich aufs laufende bringen �ber das, was schon dort in den Gletschergebieten ausgesetzt worden war. Er las gierig auf seine �bliche Art, sah Videob�nder an und erfuhr, da� bei der immer noch so d�nnen und kalten Atmosph�re das Ganze auf der Oberfl�che freigesetzte Eis sublimierte, bis seine exponierten Fl�chen zu einem feinen Gitterwerk zerfressen waren. Das bedeutete, es gab Milliarden kleiner und gro�er L�cher, in denen Leben wachsen konnte, direkt auf dem Eis. Und so geh�rten zu den ersten Formen, die weit verbreitet wurden, Spielarten von Schnee- und Eisalgen. Diese Algen waren verst�rkt worden durch preatophytische Merkmale; denn selbst wenn Eis zun�chst rein war, wurde es von Salz verkrustet durch den allgegenw�rtigen vom Wind verwehten Grus. Die genetisch modifizierten salzvertr�glichen Algen hatten sich sehr gut bew�hrt. Sie wuchsen in den gel�cherten Oberfl�chen der Gletscher und manchmal direkt in das Eis hinein. Und weil sie dunkler waren als das Eis, r�tlich oder schwarz oder gr�n, hatte das Eis unter ihnen die Neigung zu schmelzen, besonders an Sommertagen, wenn die Temperaturen deutlich �ber dem Gefrierpunkt lagen. So hatten tags�ber kleine Rinnsale begonnen, von den Gletschern und entlang ihrer R�nder herunterzustr�men. Diese feuchten mor�nenartigen Gebiete �hnelten einigen polaren und alpinen Gegenden der Erde. Bakterien und gr��ere Pflanzen aus diesen terrestrischen Landschaften, genetisch ver�ndert, um die penetrante Salzigkeit zu vertragen, waren zuerst vor einigen M-Jahren von Biotique ausges�t worden; und die Pflanzen gediehen zum gr��ten Teil so wie fr�her die Algen.</p><p>Jetzt versuchten die Planungsgruppen auf diesen fr�hen Erfolgen aufzubauen und eine breitere Menge gr��erer Pflanzen einzuf�hren, sowie einige Insekten, die so gez�chtet waren, da� sie den hohen Kohlendioxidgehalt der Atmosph�re vertrugen. Biotique besa� ein umfangreiches Material an Musterpflanzen zur Entnahme von Chromosomen und au�erdem 17 M-Jahre an Daten �ber Feldversuche. Damit hatte Sax eine Menge zu tun, um aufs laufende zu kommen. In seinen ersten Wochen im Labor und in dem Arboretum der Firma auf dem Hunt-Plateau konzentrierte er sich ganz auf die neue Pflanzenart und war zufrieden, sich seinen Weg in das gr��ere Bild zu gegebener Zeit zu bahnen.</p><p>Inzwischen gab es, wenn er nicht an seinem Pult mit Lesen besch�ftigt war oder durch die Mikroskope blickte oder in die diversen Gef��e mit Marsgew�chsen schaute oder oben im Arboretum war, f�r Stephen Lindholm noch genug t�gliche Arbeit, um ihn besch�ftigt zu halten. Im Labor war es nicht allzusehr anders, als wenn er Sax Russell w�re. Aber am Ende der Arbeitstage konnte er sich oft angestrengt bem�hen und mit der Gruppe zusammenkommen, die nach oben in eines der Cafes auf dem Plateau ging, um etwas zu trinken und �ber ihr Tagewerk und auch alles m�gliche andere zu plaudern.</p><p>Selbst dort fand er es �berraschend leicht, Lindholm zu �sein�, der, wie er fand, eine Menge Fragen stellte und oft lachte. Dessen Mund das Lachen irgendwie erleichterte.</p><p>Fragen der anderen�� gew�hnlich von Claire und einer englischen Immigrantin namens Jessica und einem Kenyaner namens Berkina�� hatten sehr selten etwas zu tun mit Lindholms Vergangenheit auf der Erde. Wenn es dazu kam, fand Sax es leicht, eine minimale Antwort zu geben. Desmond hatte Lindholm eine Vergangenheit gegeben in Saxens Heimatstadt Boulder in Colorado, was sehr geschickt war. Und dann konnte er die Frage auf den Fragenden zur�ckwenden in einer Technik, die er oft bei Michel beobachtet hatte. Die Leute waren so gl�cklich zu plaudern. Und Sax selbst war nie ein besonders Stiller gewesen wie Simon. Er hatte bei Gespr�chen immer mit hohem Einsatz gespielt; und wenn er sp�ter gelegentlich etwas beigesteuert hatte, war es deshalb, weil er nur interessiert war, wenn die Gewinnchancen ein gewisses Mindestniveau erreichten. Belangloses Geplauder war f�r gew�hnlich Zeitverschwendung. Aber es lie� immerhin Zeit vergehen, die sonst unangenehm leer gewesen w�re. Es schien auch Gef�hle von Einsamkeit zu mildern. Und seine neuen Kollegen f�hrten ohnehin meist recht interessante Fachgespr�che. Und so leistete er seinen Beitrag und erz�hlte ihnen von seinen Spazierg�ngen um Burroughs herum und stellte ihnen viele Fragen �ber das, was er gesehen hatte, und nach ihrer Vergangenheit und nach Biotique und der Lage auf dem Mars und so weiter. Das war f�r Lindholm ebenso sinnvoll wie f�r Sax.</p><empty-line/><p>Bei diesen Gespr�chen best�tigten seine Kollegen, besonders Claire und Berkina, was ihm bei seinen Spazierg�ngen klar geworden war, n�mlich da� Burroughs in gewisser Weise de facto die Hauptstadt des Mars wurde, indem die Zentralen aller gr��ten Transnationalen dort ihren Sitz hatten. Die Transnationalen waren derzeit die effektiven Herren auf dem Mars. Sie hatten es der Elfergruppe und den anderen reichen Industrienationen erm�glicht, den Krieg von 2061 zu gewinnen oder mindestens zu �berleben; und jetzt waren sie alle in einer einzigen Machtstruktur verflochten, so da� es nicht klar war, wer auf der Erde die Entscheidungen traf, die L�nder oder die Suprakorporationen. Aber auf dem Mars war das ganz klar. UNOMA war 2061 zusammengebrochen wie eine Kuppelstadt, und das Amt, welches an ihre Stelle getreten war, die �bergangsbeh�rde der UN, war eine Verwaltungsgruppe, die mit leitenden Pers�nlichkeiten der Transnationalen besetzt war auf Grund von Erlassen, die transnationale Sicherheitskr�fte erzwungen hatten. �Die UN hat eigentlich nichts damit zu tun�, sagte Berkina. �Damit ist der Name nur eine Tarnung.�</p><p>�Jeder nennt sie sowieso nur die �bergangsbeh�rde�, erkl�rte Claire.</p><p>�Sie k�nnen sehen, wer wer ist�, sagte Berkina. Und wirklich sah man in Burroughs h�ufig uniformierte transnationale Sicherheitspolizei. Sie trug rostfarbene Arbeitspullover mit Armbinden in verschiedenen Farben. Nicht gerade bedenklich, aber sie war da.</p><p>�Aber warum?� fragte Sax. �Wovor haben sie Angst?�</p><p>Claire sagte lachend: �Sie bef�rchten, da� Bogdanovisten aus den Bergen herauskommen. Das ist l�cherlich.�</p><p>Sax zog die Augenbrauen hoch und sagte nichts dazu. Er war neugierig, aber das war ein gef�hrliches Thema. Lieber blo� zuh�ren, wenn es von selbst zur Sprache kam. Wenn er aber durch Burroughs spazierte, beobachtete er danach die Leute sch�rfer und achtete auch bei der Sicherheitspolizei, die unterwegs war, darauf, wozu sie nach Ausweis ihrer Armbinden jeweils geh�rte. Consolidated, Amexx, Oroco�� Er fand es seltsam, da� sie keine einheitliche Truppe gebildet hatten. M�glicherweise waren die Transnationalen immer noch ebensosehr Rivalen wie Partner. Das w�rde nat�rlich zu konkurrierenden Sicherheitssystemen f�hren. Vielleicht w�rde das auch die Flut von Identifikationssystemen erkl�ren, welche es Desmond erm�glichte, seine Personae in ein System einzuschleusen und dann anderswohin schleichen zu lassen. Die Schweiz war offenbar geneigt, einige Leute zu decken, die aus dem Nichts in ihr System kamen, wie Saxens Erfahrung mit seiner eigenen Person bewies. Und ohne Zweifel verhielten sich andere L�nder und Transnationale genauso.</p><p>Also erzeugte bei der jetzigen politischen Lage die Informationstechnik nicht Totalisierung, sondern Balkanisierung. Arkady hatte eine solche Entwicklung vorhergesagt, aber Sax hatte eine solche M�glichkeit f�r irrational gehalten. Jetzt mu�te er einr�umen, da� es so weit gekommen war. Die Computernetze konnten mit den Ereignissen nicht Schritt halten, weil sie untereinander im Wettstreit lagen. Und so war es auch mit der Polizei in den Stra�en, die nach Leuten wie Sax Ausschau hielt.</p><p>Aber er war Stephen Lindholm. Er hatte Lindholms Zimmer in der Hunt Mesa und seine Routinen und Gewohnheiten und seine Vergangenheit. Sein kleines Studio-Apartment sah ganz anders aus als etwas, worin Sax h�tte wohnen m�gen. Die Kleidung war im Schrank, es gab keine Experimente im K�hlschrank oder auf dem Bett. Es waren nicht einmal Drucke an den W�nden von Escher oder Hundertwasser, nur einige unsignierte Skizzen von Spencer�� eine Indiskretion, die gewi� nicht zu entdecken war. Er war in seiner neuen Identit�t sicher. Und selbst wenn man ihn entdecken sollte, bezweifelte er, da� die Ergebnisse allzu verheerend sein w�rden. Er k�nnte sogar in der Lage sein, zu etwas wie seiner fr�heren Macht zur�ckzufinden. Er war immer unpolitisch gewesen, nur an Terraformung interessiert. Und er war wegen des Wahnsinns von �61 untergetaucht, weil es so aussah, als w�re es gef�hrlich, das nicht zu tun. Ohne Zweifel w�rden einige der jetzigen Transnationalen es so sehen und versuchen, ihn anzuwerben.</p><p>Aber all das war hypothetisch. In Wirklichkeit konnte er sich im Leben von Lindholm etablieren.</p><empty-line/><p>Als er das tat, entdeckte er, da� ihm seine Arbeit viel Freude machte. In den alten Tagen als Chef des ganzen Terraformungsprojekts war es unm�glich gewesen, in der Verwaltung nicht steckenzubleiben oder sich �ber s�mtliche Aufgaben zu verzetteln in dem Bem�hen, von allem genug zu wissen, um fundierte Entscheidungen treffen zu k�nnen. Nat�rlich hatte das zu mangelnder Tiefe in jeder Einzeldisziplin gef�hrt, was zu einem Verlust an Einsicht f�hrte. Aber jetzt war seine ganze Aufmerksamkeit darauf konzentriert, f�r das einfache �kosystem, das in den glazialen Regionen bef�rwortet worden war, neue Pflanzen zu entwickeln. Einige Wochen lang arbeitete er an der Schaffung einer neuen Flechte, welche die Grenzen der neuen Bioregionen erweitern sollte und auf einem Chasmoendolithen aus dem Wright Valley in der Antarktis beruhte. Die urspr�ngliche Flechte hatte in den Ritzen des antarktischen Gesteins gelebt; und hier wollte Sax dasselbe machen. Aber er versuchte den Algenteil der Flechte durch eine schnellere Alge zu ersetzen, damit der neue Symbiont schneller wachsen sollte als sein Vorbild, das ungemein langsam war. Gleichzeitig versuchte er, dem Pilzteil der Flechte einige preatophytische Gene aus salzvertr�glichen Pflanzen wie Tamariske und Gurkenkraut einzuf�gen. Diese konnten bei einem Salzgehalt dreimal so hoch wie Meerwasser leben, und der Mechanismus, der etwas mit der Durchl�ssigkeit von Zellw�nden zu tun hatte, war irgendwie �bertragbar. Wenn ihm das gel�nge, w�rde das Ergebnis eine sehr robuste und schnell wachsende neue Salzflechte sein. Es war sehr ermutigend, den Fortschritt zu sehen, der auf diesem Gebiet erzielt worden war seit ihren ersten Versuchen seinerzeit in Underhill, einen Organismus zu schaffen, der auf der Oberfl�che �berleben w�rde. Nat�rlich war die Oberfl�che damals schwieriger gewesen. Aber sie hatten auch gro�e Fortschritte in Genetik und der F�lle ihrer Methoden gemacht.</p><p>Ein sehr hartn�ckiges Problem war, die Pflanzen der geringen H�ufigkeit von Stickstoff auf dem Mars anzupassen. Die meisten gro�en Konzentrationen von Nitriten wurden nach ihrer Entdeckung freigesetzt und als Stickstoff in die Atmosph�re entlassen. Diesen Proze� hatte Sax in den 2040er Jahren initiiert und allgemeine Zustimmung gefunden, da die Atmosph�re dringend Stickstoff ben�tigte. Aber mit dem Boden war es genau so, und der kam zu kurz, wenn das meiste in die Luft geschickt wurde. Damit war das Pflanzenleben benachteiligt. Mit diesem Problem war noch nie eine irdische Pflanze konfrontiert gewesen, daher gab es keine erkennbaren Merkmale, die man in die Gene der Marsflora einf�gen k�nnte.</p><p>Das Stickstoffproblem war ein immer wieder auftauchendes Thema in ihren nachmitt�glichen Zusammenk�nften im Cafe Lowen auf dem Mesaplateau. �Stickstoff ist so wertvoll�, sagte Berkina, �da� er im Untergrund als Tauschmittel dient.� Sax nickte unbehaglich zu dieser Fehlinformation.</p><p>Die Cafegruppe dr�ckte ihre Verehrung f�r die Bedeutung von Stickstoff dadurch aus, da� man N2O aus kleinen Kanistern einatmete, die am Tisch die Runde machten. Man behauptete mit zweifelhafter Richtigkeit, aber in bester Stimmung, da� es der Terraformungsbem�hung helfen w�rde, wenn man dieses Gas ausatmete. Als der Kanister zum ersten Male an Sax ging, be�ugte er ihn mi�trauisch. Er hatte bemerkt, da� man diese Kanister in Toiletten kaufen konnte. Es gab jetzt in jeder Herrentoilette eine ganze Apotheke, Automaten an den W�nden, die Kanister mit Stickoxidul ausgaben sowie Omegendorph, Pandorph und andere mit Drogen versetzte Gase. Offenbar war Einatmen derzeit die Mode beim Drogenkonsum. Das interessierte ihn zwar nicht; aber jetzt nahm er den Kanister von Jessica, die sich an seine Schulter lehnte. Dies war ein Gebiet, wo sich die Gewohnheiten von Stephen und Sax offenbar unterschieden. Also atmete er aus und dr�ckte dann die kleine Gesichtsmaske an Mund und Nase, wobei er unter dem Material Stephens glattes Gesicht f�hlte.</p><p>Er atmete einen k�hlen Schwall des Gases ein, wartete kurz und atmete aus. Er hatte das Gef�hl, als ob alles Gewicht von ihm abfiele. Das war der subjektive Eindruck. Es war geradezu lustig zu sehen, wie stark die Stimmung auf chemische Manipulation reagierte, trotz allem, was diese f�r das heikle Gleichgewicht der Emotionen und sogar die Gesundheit ausmachte. Das war zun�chst keine angenehme Vorstellung. Aber im Moment kein Problem. Er mu�te l�cheln. Er blickte �ber die Br�stung auf die D�cher von Burroughs hinab und bemerkte zum ersten Mal, da� die neuen Bezirke im Westen und Norden zu blauen Ziegeld�chern und wei�en W�nden �bergingen, so da� sie griechisch wirkten, w�hrend die �lteren Stadtteile eher spanisch waren. Jessica war entschieden bem�ht, ihre Oberarme mit ihm in Kontakt zu halten. Vielleicht war ihre Ausgeglichenheit durch Heiterkeit gest�rt.</p><p>�Aber es ist Zeit, �ber die alpine Zone hinauszugehen!� sagte Claire. �Ich habe die Flechten satt und auch Moose und Gr�ser. Unsere Felder am �quator werden zu Wiesen, und wir haben sogar Krummholz, und die bekommen das ganze Jahr �ber eine Menge Sonnenlicht, und der atmosph�rische Druck am Boden der B�schung ist so hoch wie im Himalaya.�</p><p>�Auf den Gipfeln des Himalaya�, erkl�rte Sax und pr�fte sich mental. Er konnte f�hlen, da� dies eine Bemerkung nach Art von Sax gewesen war. Als Lindholm f�gte er hinzu: �Es gibt im Himalaya aber auch hochgelegene W�lder.�</p><p>�Stimmt genau. Stephen, seit du dich an die Flechten herangemacht hast, hast du Wunder gewirkt. Warum gehst du mit Berkina, Jessica und C. J. nicht an subalpine Pflanzen heran? Seht zu, ob wir einige kleine W�lder schaffen k�nnen.�</p><p>Sie stie�en auf diese Idee mit einem neuen Schu� Lachgas an, und der Gedanke, da� die salzigen gefrorenen Grenzen der Wasserausbr�che zu Wiesen und W�ldern w�rden, �berkam sie alle als h�chst lustig. �Wir brauchen Maulw�rfe�, sagte Sax und versuchte sein Grinsen zu verscheuchen. �Maulw�rfe und W�hlm�use sind sehr wichtig, um aus Fellfields Wiesen zu machen. Ich �berlege, ob wir eine Art Kohlendioxid vertragender arktischer Maulw�rfe bauen k�nnten.�</p><p>Seine Kollegen fanden das l�cherlich, aber er war einige Zeit in Gedanken vertieft und nahm das nicht wahr.</p><p>�H�r zu, Claire, meinst du, wir k�nnen hinausgehen und einen Blick auf einen Gletscher werfen? Arbeiten einige Leute an Ort und Stelle?�</p><p>Ciaire h�rte auf zu kichern und nickte. �Sicher. Da f�llt mir gerade etwas ein. Wir haben eine st�ndige Versuchsstelle mit einem guten Labor auf dem Arenagletscher. Und eine biotechnische Gruppe von Armscor ist an uns herangetreten, die bei der �bergangsbeh�rde einen m�chtigen Stein im Brett hat. Die m�chten hinausgehen, um die Station und das Eis zu sehen. Ich nehme an, sie wollen in Marineris eine �hnliche Station errichten. Wir k�nnen mit dieser Gruppe nach drau�en gehen, sie herumf�hren und einige Feldforschung leisten. Dabei schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe.�</p><p>Pl�ne f�r diesen Ausflug gingen vom Cafe Lowen ins Labor und dann zum Frontb�ro. Die Genehmigung kam schnell, wie bei Biotique �blich. Also arbeitete Sax einige Wochen heftig, um die Arbeit drau�en vorzubereiten. Nach dieser intensiven Periode packte er seine Tasche und nahm eines Morgens die U-Bahn zum Westtor. Dort fand er in der Schweizer Garage einige Leute vom B�ro zusammen mit mehreren Fremden. Die Vorstellungen waren noch im Gange. Er kam n�her. Claire sah ihn und zog ihn in die Menge. Sie wirkte aufgeregt. �Hier, Stephen, ich m�chte dich unserem Gast f�r den Ausflug vorstellen. Phyllis Boyle. Phyllis, das ist Stephen Lindholm.�</p><p>�Wie geht es Ihnen?� sagte Phyllis und hielt ihm die Hand hin.</p><p><strong>S</strong>ax ergriff ihre Hand und sch�ttelte sie. Er sagte: �Mir geht�s gut.�</p><p>Vlad hatte seine Stimmb�nder so pr�pariert, da� sie ein anderes Vokaltimbre lieferten, falls er je getestet w�rde, aber in Gamete hatten alle gesagt, da� er noch wie derselbe kl�nge. Und jetzt neigte Phyllis sich neugierig ihm zu, von irgend etwas alarmiert. Er sagte mit einem Blick auf Ciaire: �Es geht wohl gleich los. Ich hoffe, da� ich Sie nicht aufgehalten habe.�</p><p>�O nein, wir warten noch auf die Fahrer.�</p><p>�Ah�, entgegnete Sax. �Freue mich, Sie kennenzulernen�, sagte er h�flich zu Phyllis. Sie nickte und wandte sich mit einem letzten neugierigen Blick wieder den Leuten zu, mit denen sie gesprochen hatte. Sax versuchte, sich auf das zu konzentrieren, was Ciaire �ber die Fahrer sagte. Offenbar war das "Fahren eines Rovers �ber freies Gel�nde jetzt ein spezieller Beruf.</p><p>Sax fand, da� er ziemlich k�hl geworden war. Nat�rlich war K�hle ein Charakterzug von Sax. Wahrscheinlich h�tte er sich ganz �berschwenglich auf sie st�rzen m�ssen und sagen, da� er sie aus den alten Videos kannte und seit vielen Jahren bewunderte etc. Allerdings konnte er sich nicht vorstellen, wie jemand Phyllis bewundern k�nnte. Gewi� war sie recht kompromittiert aus dem Krieg herausgekommen�� auf der Seite der Gewinner, aber als einzige der Ersten Hundert, die sich so entschieden hatten. Nannte man so etwas einen Quisling? Irgend so etwas. Nun, sie war nicht die einzige der Ersten Hundert gewesen. Vasili war stets in Burroughs geblieben, und George und Edvard waren mit Phyllis auf Clarke gewesen, als dieser sich von dem Kabel trennte und aus der Ebene der Ekliptik hinausgeschleudert wurde. Das zu �berleben war wirklich ein sauberes St�ck Arbeit gewesen. Er h�tte es nicht f�r m�glich gehalten. Aber da war sie nun und plauderte mit der Schar ihrer Bewunderer. Zum Gl�ck hatte er vor einigen Jahren geh�rt, da� sie �berlebt hatte. Sonst w�re ihr Anblick ein Schock gewesen.</p><p>Sie sah immer noch wie etwa sechzig Jahre alt aus, obwohl sie im gleichen Jahr wie Sax geboren war und jetzt also 115 war. Mit silbernem Haar und blauen Augen, ihr Schmuck aus Gold und Blutstein, die Bluse aus einem Stoff, der in allen Regenbogenfarben changierte. Gerade jetzt war ihr R�cken leuchtend blau; er wurde aber smaragdgr�n, als sie sich umwandte, um ihn �ber die Schulter anzusehen. Er tat so, als ob er den Blick nicht bemerkte.</p><p>Dann kamen die Fahrer, und sie stiegen in die Rover und waren unterwegs. Gl�cklicherweise befand Phyllis sich in einem der anderen Wagen. Die Rover waren gro�e, mit Hydrazin betriebene Fahrzeuge, und sie fuhren auf einer Betonstra�e direkt nach Norden, so da� Sax nicht sah, warum spezielle Fahrer ben�tigt w�rden, au�er wenn es darum ging, mit der Geschwindigkeit der Wagen fertig zu werden. Sie rollten mit ungef�hr einhundertsechzig Kilometern in der Stunde dahin, und Sax, der an Rovergeschwindigkeiten von einem Viertel dessen gew�hnt war, fand, da� es schnell und glatt voranging. Die anderen Passagiere beklagten sich dar�ber, wie holprig und langsam die Fahrt w�re. Offenbar glitten jetzt Expre�z�ge mit etwa sechshundert Stundenkilometern �ber die Pisten.</p><p>Der Arenagletscher lag etwa achthundert Kilometer nordwestlich von Burroughs. Er ergo� sich von den Bergen der Syrtis Major nach Norden auf Utopia Planitia. Er verlief ungef�hr dreihundertf�nfzig Kilometer weit in einem Graben der Arena Fossae. Claire, Berkina und die anderen im Wagen erz�hlten Sax die Geschichte des Gletschers, und er tat sein Bestes, um starkes Interesse zu zeigen. Es war auch wirklich interessant; denn sie wu�ten, da� Nadia den Ausbruch des Arena-Wasserreservoirs verfolgt hatte. Einige Leute, die damals bei Nadia gewesen waren, waren nach dem Krieg in South Fossa gelandet. Dort war die Geschichte erz�hlt worden und hatte sich in der �ffentlichkeit herumgesprochen.</p><p>Diese Leute schienen tats�chlich zu glauben, da� sie viel �ber Nadia w��ten. Claire sagte Sax im Vertrauen: �Sie war gegen den Krieg und tat alles, was sie konnte, um ihm Einhalt zu gebieten und den Schaden wieder gutzumachen, noch w�hrend es geschah. Menschen, die sie in Elysium gesehen haben, sagten, da� sie �berhaupt niemals schliefe, sondern st�ndig Anregungsmittel nehme, um in Gang zu bleiben. Es hie�, sie h�tte sechstausend Leben gerettet in der Woche, da sie um South Fossa t�tig war.�</p><p>�Was ist aus ihr geworden?� fragte Sax.</p><p>�Das wei� niemand. Sie ist aus South Fossa verschwunden.�</p><p>�Sie wollte nach Low Point�, sagte Berkina. �Wenn sie dort gerade zur Zeit der Flut angekommen ist, kam sie wahrscheinlich ums Leben.�</p><p>�Ah!� Sax nickte feierlich. �Das war eine schlimme Zeit.�</p><p>�Sehr schlimm�, sagte Ciaire heftig. �So destruktiv. Ich bin sicher, sie hat die Terraformung um Jahrzehnte zur�ckgeworfen.�</p><p>�Obwohl die Wasserausbr�che n�tzlich gewesen sind�, murmelte Sax.</p><p>�Ja, aber die h�tte man auch in kontrollierter Weise erzeugen k�nnen.�</p><p>�Stimmt.� Sax zuckte die Achseln und lie� die Konversation ohne ihn weitergehen. Nach der Begegnung mit Phyllis war es etwas zu viel, in eine Diskussion �ber �61 zu geraten.</p><p>Er konnte immer noch nicht recht glauben, da� sie ihn erkannt hatte. Das Passagierabteil, in dem sie waren, hatte �ber den Fenstern blanke Magnesiumverkleidungen, und dort sah man neben den Gesichtern seiner neuen Kollegen auch das kleine Gesicht von Stephen Lindholm. Ein kahlk�pfiger alter Mann mit etwas gebogener Nase, welche die Augen etwas falkenhaft erscheinen lie�. Ausgepr�gte Lippen, ein starker Unterkiefer, ein Kinn�� nein, das sah ihm gar nicht �hnlich. Kein Grund, weshalb sie ihn h�tte erkennen sollen.</p><p>Aber das Aussehen war nicht alles.</p><p>Er versuchte, nicht daran zu denken, als sie nordw�rts �ber die Stra�e brummten. Er konzentrierte sich auf die Aussicht. Das Passagierabteil hatte ein kuppeif�rmiges Oberlicht sowie Fenster an allen vier Seiten, so da� er eine Menge sehen konnte. Sie fuhren den Abhang von West Isidis empor, einen Teil der Gro�en B�schung, der wie ein gro�er rasierter Deich aussah. Die gezackten dunklen Berge von Syrtis Major erhoben sich �ber dem Nordwesthorizont scharf wie S�gebl�tter. Die Luft war klarer als in den alten Tagen, obwohl sie inzwischen f�nfzehnmal so dick war. Aber es gab weniger Staub darin, da Schneest�rme den Grus hinunterdr�ckten und auf der Oberfl�che in einer Kruste fixierten. Nat�rlich wurde diese Kruste oft durch starke Winde zerbrochen, und die Partikel gelangten wieder in die Luft. Aber diese Bruchstellen waren auf einzelne Stellen beschr�nkt, und die den Himmel s�ubernden St�rme bekamen langsam die Oberhand.</p><p>Und auch der Himmel �nderte seine Farbe. Ganz oben zeigte er ein �ppiges Violett, �ber den westlichen Bergen war er wei�lich, das in Lavendel �berging und ein Violett, f�r das Sax keinen Namen kannte. Das Auge konnte Differenzen der Lichtfrequenz in einigen wenigen Wellenl�ngen unterscheiden. Darum reichten die paar Namen f�r die Unterschiede zwischen Rot und Blau keineswegs aus, um die Ph�nomene zu beschreiben. Aber wie man sie auch benennen mochte oder auch nicht�� es gab jetzt ganz andere Himmelsfarben als das Braun und Rosa der fr�hen Jahre. Nat�rlich w�rde ein Staubsturm dem Himmel immer wieder den urspr�nglichen Ockerton zur�ckgeben. Aber wenn die Atmosph�re ausgewaschen wurde, war ihre Farbe eine Funktion ihrer Dichte und chemischen Zusammensetzung. Gespannt darauf, wie sie in der Zukunft aussehen w�rde, nahm Sax seinen Computer aus der Tasche und fing an zu rechnen.</p><p>Er starrte auf den kleinen Kasten und erkannte pl�tzlich, da� es der von Sax Russell war. Wenn man ihn untersuchte, w�rde er ihn verraten. Das war so, als ob man einen echten Pa� bei sich h�tte.</p><p>Er verwarf diesen Gedanken, da man jetzt nichts daran �ndern konnte. Er konzentrierte sich auf die Farbe des Himmels. Bei sauberer Luft wurde die Himmelsfarbe haupts�chlich durch Lichtstreuung in den Luftmolek�len selbst verursacht. Damit war die Dichte der Atmosph�re kritisch. Der Luftdruck hatte bei ihrer Ankunft etwa 10 Millibar betragen und lag jetzt bei durchschnittlich 160. Aber da der Luftdruck durch das Gewicht der Luft erzeugt wurde, hatte es auf dem Mars ungef�hr dreimal so viel Luft erfordert, 160 Millibar �ber irgendeiner Stelle zu erzielen, als ein solcher Druck auf der Erde erfordert h�tte. Also mu�ten die 160 Millibar hier ebensoviel Licht streuen wie 480 Millibar auf der Erde. Das bedeutete, der Himmel �ber ihnen sollte etwa die dunkelblaue Farbe haben, wie man sie auf Fotos sieht, die im Gebirge �ber viertausend Meter H�he aufgenommen sind.</p><p>Aber die Farbe, welche die Fenster und das Oberlicht ihres Rovers erf�llte, war etwas mehr r�tlich; und selbst an klaren Morgen nach schweren St�rmen hatte Sax sie nicht so blau wie den irdischen Himmel gesehen. Er dachte weiter dar�ber nach. Ein anderer Effekt der geringeren Schwere auf dem Mars war, da� die Lufts�ule h�her reichte als auf der Erde. Es war m�glieh, da� die feinsten Gruspartikel praktisch im Schwebezustand waren und �ber die H�he der meisten Wolken hinausgetragen wurden, wo sie nicht mehr von St�rmen weggerissen werden konnten. Sax erinnerte sich, da� man Dunstschichten fotografiert hatte, die mindestens f�nfzig Kilometer hoch lagen, weit �ber den Wolken. Ein anderer Faktor k�nnte die Zusammensetzung der Atmosph�re sein. Kohlendioxidmolek�le streuen das Licht st�rker als Sauerstoff und Stickstoff, und der Mars hatte den besten Bem�hungen von Sax zum Trotz immer noch mehr CO2 in seiner Atmosph�re als die Erde. Die Effekte dieser Differenz w�rden sich berechnen lassen. Sax gab die Rayleighsche Gleichung f�r Streulicht ein, wonach die pro Einheitsvolumen Luft gestreute Lichtenergie der vierten Potenz der Wellenl�nge der einfallenden Strahlung proportional ist. Dann kritzelte er seine Schreibtafel voll, �nderte die Variablen, sah Handb�cher nach oder f�llte aus der Erinnerung gesch�tzte Gr��en ein.</p><p>Er kam zu dem Schlu�, da� der Himmel, wenn die Atmosph�re die Dichte von 1 Bar erreicht h�tte, wahrscheinlich milchig wei� werden w�rde. Er best�tigte auch, da� der Marshimmel am heutigen Tage theoretisch viel blauer sein m��te, wenn das blaue Streulicht sechzehnmal st�rker war als das rote. Dies lie� darauf schlie�en, da� Grusteilchen sehr hoch in der Atmosph�re den Himmel wohl r�ter machten. Wenn diese Erkl�rung stimmte, konnte man folgern, da� Farbe und Opazit�t des Marshimmels noch viele Jahre sehr gro�en Schwankungen unterliegen w�rden, je nach dem Wetter und anderen Einfl�ssen auf die Reinheit der Luft�</p><p>Und so arbeitete er weiter und versuchte, Strahlungsintensit�ten des Himmelslichts, Chandrasekhars Gleichung �ber Strahlungstransfer, Farbskalen, chemische Zusammensetzung des Aerosols und Legendresche Polynome in die Berechnung einzubeziehen, um die angularen Streuintensit�ten zu ermitteln, mit Riccati-Bessel-Funktionen die Streuquerschnitte zu bestimmen und so weiter. Das besch�ftigte ihn den gr��eren Teil der Fahrt zum Arenagletscher, wobei er sich scharf konzentrierte und die Welt und die Situation, in der er sich jetzt befand, ignorierte.</p><p>Zeitig an diesem Nachmittag kamen sie zu einer kleinen Stadt namens Bradbury, die unter ihrer Kuppel von der Nicosia-Klasse wie etwas aus Illinois aussah. Schwarz gepflasterte Stra�en zwischen Baumreihen, verglaste Verandas vor zweist�ckigen Backsteinh�usern mit Schindeld�chern, eine Hauptstra�e mit L�den und Parkuhren, ein Zentralpark mit einem wei�en Aussichtst�rmchen unter gro�en Ahornb�umen��</p><p>Sie wandten sich auf einer kleineren Stra�e nach Westen �ber den Gipfel von Syrtis Major. Die Stra�e bestand aus schwarzem Sand, der von Steinen ger�umt und mit einem Fixativ bespr�ht worden war. Die ganze Gegend war sehr dunkel. Syrtis Major war das erste Oberfl�chenmerkmal der Mars gewesen, das Christiaan Huygens am 28. November 1659 im Fernrohr gesehen hatte; und es war dieses dunkle Gestein, das ihm das erm�glicht hatte. Der Boden war fast schwarz, manchmal etwas auberginenpurpurn. Die H�gel und Gr�ben und B�schungen, durch die sich die Stra�e wand, waren schwarz, ebenso die zerfressenen Mesas und die <emphasis>Thulleyas</emphasis> oder kleinen Rippen, eine nach der anderen. Die gigantischen ausgeworfenen Felsbl�cke aber waren oft rostrot und erinnerten dadurch zwangsl�ufig daran, wo sie herkamen.</p><p>Dann fuhren sie �ber eine schwarze Rippe aus Urgestein, und der Gletscher lag vor ihnen. Er durchquerte die Welt wie ein in die Landschaft eingef�gter Donnerkeil. Eine Felsrippe auf der gegen�berliegenden Seite lief parallel zu der, wo sie sich befanden; und die beiden Rippen zusammen sahen aus wie alte Seitenmor�nen, obwohl sie in Wirklichkeit nur parallele Grate waren, welche die ausbrechende Flut kanalisiert hatten.</p><p>Der Gletscher war ungef�hr zwei Kilometer breit. Er schien nicht mehr als f�nf oder sechs Meter dick zu sein, war aber offenbar in einen Canyon heruntergelaufen, so da� es verborgene tiefe Stellen gab.</p><p>Ein Teil seiner Oberfl�che war wie gew�hnlicher Regolith, ebenso steinig und staubig, mit einer Art Kiesoberfl�che, die nichts von dem darunterliegenden Eis erkennen lie�. Andere Teile sahen aus wie chaotisches Terrain mit Gruppen wei�er Eiszacken, die aus einer Art Felsbl�cke herausragten. Einige dieser Eisnadeln waren zerbrochene Tafeln, zusammengedr�ngt wie der R�cken eines Stegosaurus und durchscheinend gelb vor der untergehenden Sonne.</p><p>Alles war reglos bis zum Horizont. Nirgends r�hrte sich etwas. Nat�rlich nicht, denn der Arenagletscher war dort schon seit vierzig Jahren. Aber Sax mu�te sich unfreiwillig des letzten Males erinnern, wo er so etwas gesehen hatte, und blickte unwillk�rlich nach S�den, als ob jeden Augenblick eine neue Flut hereinbrechen k�nnte.</p><empty-line/><p>Die Station von Biotique lag ein paar Kilometer stromaufw�rts auf dem Rand und Vorsprung eines kleinen Kraters, so da� man eine hervorragende Aussicht �ber den Gletscher hatte. Ganz kurz vor Sonnenuntergang, als einige st�ndige Bewohner die Station aktiviert hatten, ging Sax mit Claire und den G�sten von Armscor einschlie�lich Phyllis in einen gro�en Beobachtungsraum im Obergescho� der Station, um in den letzten Momenten des schwindenden Tages die zerbrochene Eismasse zu betrachten.</p><p>Selbst an einem relativ klaren Nachmittag wie diesem machten die horizontalen Strahlen der Sonne die Luft dunkelrot, und die Gletscheroberfl�che funkelte an tausend Stellen, wo das zerbrochene Eis das Licht zur�ckspiegelte. Die Mehrheit dieser scharlachroten Blinkstellen lag etwa zwischen der Erde und der Sonne, aber es gab auch anderswo einige solche Stellen auf dem Eis, wo die reflektierenden Fl�chen in schr�gen Winkeln standen. Phyllis wies darauf hin, wieviel gr��er die Sonne jetzt aussah, da Soletta in Position war. �Ist das nicht wundervoll? Man kann fast die Spiegel erkennen, nicht wahr?�</p><p>�Es sieht wie Blut aus.�</p><p>�Es sieht entschieden<emphasis>jurassisch</emphasis> aus.�</p><p>F�r Sax sah es aus wie ein G-Stern in einer Entfernung von etwa einer Astronomischen Einheit. Nat�rlich war das bezeichnend, da sie 1,5 Astronomische Einheiten entfernt waren. Was das Gerede von Rubinen oder Dinosaurieraugen anging��</p><p>Die Sonne glitt �ber den Horizont, und alle roten Lichtpunkte verschwanden sofort. Ein gro�er F�cher von D�mmerungsstrahlen breitete sich �ber den Himmel. Seine rosa B�ndel schnitten durch einen purpurdunklen Himmel. Phyllis jubelte �ber die Farben, die wirklich sehr klar und rein waren. Sie sagte: �Ich m�chte wissen, wie diese pr�chtigen Strahlen entstehen.� Automatisch machte Sax den Mund auf, um etwas �ber die Schatten von Bergen oder Wolken am Horizont zu sagen, als ihm einfiel, da� es <emphasis>a</emphasis> (vielleicht) nur eine rhetorische Frage gewesen war und da� <emphasis>b</emphasis> eine technische Antwort genau das w�re, was Russell Sax tun w�rde. Also schlo� er den Mund und �berlegte, was Stephen Lindholm in einer solchen Lage sagen w�rde. Diese Art von Selbstbewu�tsein war ihm neu und ausgesprochen unbequem; aber er w�rde mindestens manchmal etwas sagen m�ssen, weil lange Pausen ebenso typisch f�r Sax Russell waren und keineswegs Lindholm �hnlich, so wie er ihn bisher gespielt hatte. Also versuchte er sein Bestes.</p><p>Er sagte: �Denken Sie nur, wie nahe all diese Photonen gekommen sind, den Mars zu treffen; und jetzt werden sie statt dessen den ganzen Weg durch das Weltall laufen.�</p><p>Die Leute blinzelten bei dieser albernen Bemerkung. Aber sie f�hrte ihn in die Gruppe hinein und diente so ihrem Zweck.</p><p>Nach einiger Zeit gingen sie in den Speisesaal hinunter, um Pasta und Tomatenso�e zu verzehren und dazu frisch gebackenes Brot. Sax blieb am Haupttisch, a� und redete so viel wie die anderen und tat sein Bestes, den schwer definierbaren Regeln gesellschaftlicher Konversation nachzukommen. Er hatte diese nie gut verstanden, und um so schlechter, je mehr er dar�ber nachdachte. Er wu�te, da� man ihn immer f�r exzentrisch gehalten hatte. Er hatte die Geschichte geh�rt von den hundert transgenen Ratten, die sein Gehirn �bernommen h�tten.�� Es war ein seltsamer Moment gewesen, als er im Dunkeln vor der Labort�r gestanden hatte und h�rte, wie diese Geschichte mit gro�em Vergn�gen weitererz�hlt wurde von einer Generation Promovierter zur n�chsten. Er hatte dabei das seltene Unbehagen empfunden, sich als jemand anderen zu sehen, der h�chst drollig war.</p><p>Aber jetzt Lindholm. Er war ein sympathischer Bursche. Er wu�te, wie man zurechtkam. Jemand, der sich an einer Flasche guten kalifornischen Weins beteiligen und seinen Teil dazu beitragen konnte, da� eine Dinnerparty zu einem Fest wurde. Jemand, der intuitiv die geheimen Algorithmen guter Kameradschaft verstand, so da� er das System bedienen konnte, ohne �berhaupt daran zu denken.</p><p>Also rieb Sax sich den R�cken seiner neuen Nase und trank den Wein, der wirklich sein parasympathetisches Nervensystem so weit hemmte, da� er weniger verklemmt und mehr genie�bar wurde. Er plauderte sehr erfolgreich, wie er meinte, dahin, obwohl er mehrfach dadurch alarmiert wurde, wie er von Phyllis ins Gespr�ch gezogen wurde, die ihm am Tisch gegen�bersaߠ� und die Art, wie sie ihn anschaute und wie er zur�ckblickte! Auch f�r so etwas gab es Protokolle; aber die hatte er nie im geringsten begriffen. Jetzt erinnerte er sich daran, wie Jessica sich im Cafe Owen an ihn gelehnt hatte. Er trank noch ein halbes Glas, l�chelte, nickte und dachte unbehaglich �ber sexuelle Anziehung und deren Ursachen nach.</p><p>Jemand stellte Phyllis die unvermeidliche Frage, wie sie von Clarke entkommen w�re. Und als sie mit der Geschichte anfing, schaute sie oft Sax an, als ob sie ihm versichern wollte, da� sie das haupts�chlich f�r ihn erz�hlen w�rde. Er pa�te h�flich auf und widerstand einem Drang zu schielen, was sein Unbehagen h�tte verraten k�nnen.</p><p>Phyllis sagte zu dem, der ihr die Frage gestellt hatte: �Es gab keinerlei Warnung. In der einen Minute umkreisten wir den Mars am oberen Ende des Aufzuges und waren ersch�ttert �ber das,- was auf der Oberfl�che geschah, bem�ht, nach unseren besten Kr�ften eine M�glichkeit zu finden, der Unruhe ein Ende zu setzen; und in der n�chsten Minute gab es einen Sto� wie ein Erdbeben, und wir waren unterwegs hinaus aus dem Sonnensystem.� Sie l�chelte und machte eine Pause w�hrend des folgenden Gel�chters. Sax merkte, da� sie diese Geschichte schon oft genau so erz�hlt hatte.</p><p>Jemand sagte: �Sie m�ssen einen Schrecken bekommen haben.�</p><p>�Nun�, meinte Phyllis, �es ist seltsam, da� in einer Notlage gar keine Zeit f�r so etwas vorhanden ist. Sobald wir erkannten, was passiert war, wu�ten wir, da� jede Sekunde, die wir auf Clarke blieben, unsere �berlebenschancen um Hunderte von Kilometern verminderte. Also kamen wir im Befehlszentrum zusammen, z�hlten die K�pfe und besprachen alles und machten Inventur von allem, was uns zur Verf�gung stand. Das war hektisch, aber nicht panisch, wenn ihr versteht, was ich meine. Jedenfalls stellte sich heraus, da� im Hangar die �bliche Anzahl von Erde-Mars-Frachtern waren; und die Computerrechnung, da� wir den Schub von allen diesen brauchen w�rden, um uns wieder so rechtzeitig in die Ebene der Ekliptik zu bringen, da� wir das Jupitersystem kreuzen w�rden. Unsere Bahn f�hrte ebensosehr nach au�en wie nach oben, aber in die allgemeine Richtung auf Jupiter. Das war ein Segen. So war es jedenfalls, als es verr�ckt wurde. Wir mu�ten alle Frachter aus den Hangars bringen, neben Clarke fliegen, miteinander verbinden und mit allem beladen, was sie von Luft, Treibstoff und so weiter von Clarke fassen konnten. Und wir waren in diesem improvisierten Rettungsboot nur drei�ig Stunden nach dem Start unterwegs, was heute, wenn ich daran zur�ckdenke, fast unglaublich ist. Diese drei�ig Stunden�� �</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf, und Sax sah, da� in ihre Erz�hlung pl�tzlich eine echte Erinnerung einbrach, die sie leicht sch�ttelte. Drei�ig Stunden waren eine bemerkenswert schnelle Evakuierung, und ohne Zweifel war die Zeit in einer traumhaften Hetze von T�tigkeit vorbeigerauscht, in einem Geisteszustand, der von gew�hnlicher Zeit so verschieden war, da� man ihn f�r Transzendenz halten konnte.</p><p>�Danach galt es nur, sich in einigen Aufenthaltsr�umen zusammenzuquetschen, wir waren zweihundertsechsundachtzig Personen, und nach drau�en zu gehen, um entbehrliche Teile der Frachter wegzuschneiden. Und uns in der Hoffnung, da� der Treibstoff reichen w�rde, auf Kurs zum Jupiter zu bringen. Es dauerte l�nger als zwei Monate, bis wir sicher sein konnten, das Jupitersystem zu kreuzen, und weitere zehn Wochen, bis es wirklich so weit war. Wir benutzten den Jupiter selbst als Gravitationshebel und schwangen herum auf die Erde zu, die um diese Zeit n�her war als der Mars. Und wir schleuderten so scharf um Jupiter herum, da� wir die Atmosph�re der Erde brauchten und dazu die Schwerkraft des Mondes, um uns abzubremsen, weil wir fast keinen Treibstoff mehr hatten, als wir gerade um einen Faktor zwei die schnellsten Menschen der Geschichte waren. Ich glaube, es waren achtzigtausend Kilometer in der Stunde, als wir zum ersten Mal auf die Stratosph�re trafen. Eine wirklich n�tzliche Geschwindigkeit, da uns Nahrung und Luft ausgingen. Wir waren am Ende wirklich hungrig. Aber wir haben es geschafft. Und wir haben Jupiter so <emphasis>nahe</emphasis> gesehen.� Sie hielt Daumen und Zeigefinger ein paar Zentimeter dicht zusammen.</p><p>Die Leute lachten, und der Glanz in Phyllis� Auge hatte mit Jupiter nichts zu tun. Aber an ihre Mundwinkel trat ein scharfer Zug. Etwas am Ende der Geschichte hatte den Triumph irgendwie getr�bt.</p><p>Jemand fragte: �Und Sie waren doch die Anf�hrerin, nicht wahr?�</p><p>Phyllis hielt die Hand hoch, um zu sagen, da� sie das nicht abstreiten k�nne, obwohl sie es wollte. �Es war eine gemeinsame Bem�hung�, sagte sie. �Aber manchmal mu� jemand entscheiden, wenn man in einer ausweglosen Situation ist, oder auch nur einem Zwang zur Eile. Und ich war vor der Katastrophe die Chefin von Clarke gewesen.�</p><p>Sie lie� ihr breites L�cheln aufblitzen in der Zuversicht, da� man ihren Bericht genossen hatte. Sax l�chelte mit den �brigen und nickte, wenn sie in seine Richtung schaute. Er dachte, sie w�re eine attraktive Frau, aber nicht besonders helle. Oder lag es vielleicht nur daran, da� er sie nicht besonders mochte. Denn gewi� war sie in verschiedener Hinsicht sehr intelligent, eine gute Biologin, als sie auf dem Gebiet gearbeitet hatte, und sicher mit einem hohen Intelligenzquotienten. Aber es gab verschiedene Arten von Intelligenz; und nicht alle lie�en sich analytisch testen. Sax hatte in seiner Studentenzeit diese Tatsache erkannt. Es gab Leute, die bei einem Intelligenztest hervorragend abschneiden mochten und sehr gut in ihrer Arbeit waren, die aber gleichzeitig in ein Zimmer voller Menschen treten konnten, wo dann binnen einer Stunde die Leute darin �ber sie lachten oder sie sogar schm�hten. Das war nicht sehr erfreulich. Tats�chlich schienen f�r Sax etwa die �berm�tigsten Applaudierer, die zu jedermann freundlich und deshalb allgemein beliebt waren, eine Intelligenz zu praktizieren, die viel subtiler und variabler war als jede Physik, so etwa wie das neu aufkommende Gebiet der Mathematik, das man kaskadierendes Chaos nannte, nur weniger einfach. Es gab also mindestens zwei Arten von Intelligenz und vielleicht noch mehr: r�umlich, �sthetisch, moralisch oder ethisch, international, analytisch, synthetisch und so weiter. Und jene Menschen, die auf verschiedene Weise intelligent waren, waren wirklich Ausnahmeerscheinungen, die als etwas Besonderes herausragten.</p><p>Aber Phyllis, die sich in der Aufmerksamkeit ihrer Zuh�rer badete, von denen viele bedeutend j�nger waren als sie und, zumindest an der Oberfl�che, vor ihrer historischen Erscheinung Respekt hatten�� Phyllis war keine jener Vielwisser. Im Gegenteil wirkte sie eher tr�be, wenn es darum ging, was die Leute von ihr dachten. Sax, der wu�te, da� er diesen Mangel teilte, beobachtete sie mit dem besten Lindholml�cheln, das er aufbringen konnte. Aber es schien von ihrer Seite eine recht eitle Vorstellung zu sein, sogar ein bi�chen arrogant. Und Arroganz war immer dumm. Schwer zu erraten, was bei einer so erfolgreichen und attraktiven Person diese Unsicherheit sein k�nnte. Und attraktiv war sie gewi�.</p><p>Nach dem Abendessen gingen sie wieder in den Beobachtungsraum im obersten Stockwerk, und unter einer glitzernden Sch�ssel von Sternen wandte sich die Schar von Biotique der Musik zu. Es war das, was man Nuevo Calypso nannte, der Hit des Tages in Burroughs. Verschiedene Mitglieder der Gruppe holten Instrumente heraus und spielten, w�hrend andere sich in die Mitte des Raums begaben, um zu tanzen. Die Musik lief mit etwa hundert Taktschl�gen pro Minute, sch�tzte Sax. Ein perfektes biologisches Zeitma�, um die Herzen ein wenig anzuregen. Das Geheimnis der meisten Tanzmusik, nahm er an.</p><p>Und dann war Phyllis an seiner Seite, griff nach seiner Hand und zog ihn zwischen die T�nzer. Sax beherrschte sich, ihre Hand nicht wegzusto�en, und war sicher, da� seine Reaktion auf ihre l�chelnde Aufforderung bestenfalls k�mmerlich war. Er hatte nie im Leben getanzt, soweit er sich erinnern konnte. Aber so war nun einmal sein Leben. Stephen Lindholm hatte sicher viel getanzt. Also fing Sax an, sanft auf und ab zu h�pfen im Takt der Ba�stahltrommel. Er schwenkte die Arme unsicher an der Seite und l�chelte Phyllis an in einer verzweifelten Nachahmung l�ssigen Vergn�gens.</p><p>Sp�ter an diesem Abend tanzten die j�ngeren Biotiqueleute immer noch, und Sax nahm den Aufzug nach unten, um einige Tuben mit Eismilch aus der K�che zu holen. �Hier, hilf mir damit!� sagte Phyllis und nahm zwei der Plastikbeutel, die ihm an den Fingern baumelten. Als sie sich dann hinunterbeugte (sie war einige Zentimeter gr��er als er), k��te sie ihn voll auf den Mund. Er k��te zur�ck; aber es war so ein Schock, da� er nicht richtig zur Empfindung kam, als sie sich abwandte. Dann war die Erinnerung an ihre <emphasis>Zunge</emphasis> zwischen seinen Lippen wie ein zweiter Ku�. Er versuchte, nicht sehr verwirrt auszusehen; aber aus der Art ihres Lachens erkannte er, da� er versagt hatte. �Ich sehe, du bist gar nicht der Ladykiller, nach dem du aussiehst�, sagte sie. Das alarmierte ihn bei der gegebenen Situation noch mehr. Tats�chlich hatte ihm noch nie jemand so etwas angetan. Er versuchte, sich zusammenzunehmen, aber der Aufzug bremste, und die T�ren �ffneten sich zischend.</p><p>W�hrend des Desserts und des Restes der Party n�herte sich Phyllis ihm nicht wieder. Als aber der Zeitrutsch begann, ging er zu den Aufz�gen, um wieder in sein Zimmer zu gelangen. Und als sich die T�ren zu schlie�en begannen, schl�pfte Phyllis durch sie herein und k��te ihn wieder, als der Aufzug zu sinken anfing. Er legte die Arme um sie und k��te zur�ck, wobei er sich vorzustellen suchte, was Lindholm in einer solchen Lage tun w�rde und ob es irgendeinen Ausweg g�be, der nicht zu Schwierigkeiten f�hrte. Als der Aufzug bremste, lehnte Phyllis sich mit einem tr�umerischen unscharfen Blick an ihn und sagte: �Komm, bring mich in mein Zimmer!� Sax drehte sich etwas, ergriff ihren Arm wie ein empfindliches Laborger�t und lie� sich zu ihrem Zimmer f�hren, einer winzigen Kammer wie alle Schlafr�ume. In der T�r stehend, k��ten sie sich wieder, obwohl Sax das sichere Gef�hl hatte, da� dies seine letzte Chance zur Flucht war, elegant oder nicht. Aber er merkte, da� er ihre K�sse leidenschaftlich erwiderte. Und als sie sich zur�ckzog und murmelte: �Du k�nntest ebensogut hereinkommen�, folgte er ohne Widerrede. Tats�chlich hatte sich sein Penis schon halb versteift in seinem blinden Griff nach den Sternen, und alle seine Chromosomen brummten laut, die dummen Biester, bei seiner Chance zur Unsterblichkeit.</p><p>Es war lange her, da� er mit jemand au�er Hiroko verkehrt hatte; und diese Kontakte, obwohl freundlich und angenehm, waren nicht leidenschaftlich, sondern mehr eine Verl�ngerung ihres Badens. Hingegen war Phyllis, die an ihren Kleidern hantierte, w�hrend sie sich k�ssend auf ihr Bett fielen, deutlich erregt. Und diese Erregung �bertrug sich auf Sax durch eine Art unmittelbarer Ber�hrung. Seine Erektion sprang ihm prompt frei aus der Hose, als Phyllis sie an seinen Beinen herunterzog, wie zu einer Demonstration der eigenwilligen Gen-Theorie; und er konnte nur lachen und an dem langen Taillenrei�verschlu� ihres Pullovers ziehen. Lindholm m��te frei von allen Bedenken gewi� durch die Begegnung aufgereizt sein. Also galt das jetzt auch f�r ihn. Au�erdem kannte er Phyllis, auch wenn er sie nicht besonders mochte. Da war das alte Band der Ersten Hundert, die Erinnerung an jene gemeinsamen Jahre in Underhill�� es lag etwas Provokatives in der Vorstellung, mit einer Frau Geschlechtsverkehr zu haben, die er schon so lange kannte. Und jeder andere unter den Ersten Hundert war polygam gewesen, wie es schien, jeder au�er Phyllis und ihm. Also schickten sie sich jetzt dazu an. Und sie war sehr attraktiv. Es war auch wirklich etwas, das man sich w�nschte.</p><p>Alle diese n�chternen �berlegungen waren in diesem Moment leicht und wurden im sexuellen Ansturm der Sinne v�llig vergessen. Aber unmittelbar nach Aus�bung des Aktes machte Sax sich schon wieder Sorgen. Sollte er in sein Zimmer gehen, sollte er bleiben? Phyllis war eingeschlafen mit einer Hand auf seiner Flanke, wie um sich zu vergewissern, da� er bleiben w�rde. Im Schlaf sahen alle wie Kinder aus. Er betrachtete ihren K�rper und war wieder einmal leicht schockiert �ber den sexuellen Dimorphismus. Sie atmete so ruhig. Als ob sie blo� begehrt sein wollte. Ihre Finger waren noch an seine Rippen gedr�ckt. So blieb er also, aber er schlief nicht viel.</p><p>Sax ging an die Arbeit auf dem Gletscher und seiner Umgebung. Phyllis ging auch manchmal hinaus, war aber in ihrem Verhalten ihm gegen�ber immer diskret. Sax zweifelte, ob Claire (oder Jessica) gemerkt hatten, was geschehen war, oder ob sonst jemand es gemerkt hatte oder erkannte, da� es alle paar Tage wieder passierte. Das war eine weitere Komplikation. Wie w�rde Lindholm auf Phyllis� offenkundiges Verlangen nach Heimlichkeit reagieren? Aber letztlich kam es nicht darauf an. Lindholm war durch Ritterlichkeit oder Gef�lligkeit oder etwas derartiges mehr oder weniger gezwungen, sich so zu verhalten, wie Sax es getan h�tte. Und so behielten sie ihre Aff�re f�r sich, ziemlich so, wie sie es in Underhill getan haben w�rden oder auf der <emphasis>Ares</emphasis> oder in Antarctica. Alte Gewohnheiten sind schwer auszurotten.</p><p>Und da der Gletscher Ablenkung bot, war es recht leicht, die Aff�re geheimzuhalten. Das Eis und das zerkl�ftete Land um ihn herum war eine faszinierende Umgebung, und es gab da drau�en viel zu studieren und zu versuchen, es zu verstehen.</p><p>Die Oberfl�che des Gletschers erwies sich als �u�erst zerbrochen, wie die Literatur hatte erwarten lassen. Mit Regolith vermischt w�hrend der Flut und durchsetzt mit Kohlenstoffeinschl�ssen. Steine und Felsbl�cke, die auf der Oberfl�che eingefangen waren, hatten das Eis unter ihnen schmelzen lassen; und danach war es wieder gefroren in einem t�glichen Zyklus, bei dem sie alle zu etwa zwei Dritteln eingetaucht blieben. Alle Eiszacken, die sich wie m�chtige Dolmen �ber die zerrissene Fl�che des Gletschers erhoben, erwiesen sich bei n�herer Betrachtung als stark mit L�chern bedeckt. Das Eis war wegen der extremen K�lte br�chig und flo� wegen der geringen Schwerkraft nur langsam bergab. Nichtsdestoweniger bewegte es sich nach unten wie ein Flu� in Zeitlupe. Und weil ihre Quelle leer war, w�rde die ganze Masse schlie�lich auf Vastitas Borealis landen. Und Anzeichen dieser Bewegung konnte man in dem frisch gebrochenen Eis jeden Tag erkennen�� neue Spalten, umgefallene Eisnadeln, zerkl�ftete Eisberge. Diese frischen Fl�chen wurden rasch von kristallinen Eisblumen bedeckt, deren Salzgehalt die Kristallisation nur beschleunigte.</p><p>Durch dieses Milieu fasziniert, nahm Sax die Gewohnheit an, jeden Tag in der Morgend�mmerung hinauszugehen. Er folgte mit Flaggen markierten Spuren, die die Stationscrew angelegt hatte. In der ersten Stunde des Tages gl�hte das ganze Eis in starken r�tlichen T�nen, indem es Farben des Himmels reflektierte. Wenn direktes Sonnenlicht die zertr�mmerten Fl�chen des Gletschers traf, begann aus den Spalten und mit Eis bedeckten T�mpeln Dampf aufzusteigen, und die Eisblumen glitzerten wie �ppige Juwelen. An windstillen Morgen fing eine Inversionsschicht den Nebel in etwa zwanzig Metern H�he ab und bildete eine d�nne orangefarbene Wolke. Es war deutlich, da� das Wasser des Gletschers sich rasch in die Welt verteilte.</p><p>Als er durch die kalte Luft marschierte, ersp�hte Sax viele verschiedene Spezies von Schneealgen und Flechten. Die dem Gletscher zugekehrten H�nge der beiden seitlichen Grate waren besonders stark bev�lkert, gefleckt mit kleinen Stellen von Gr�n, Golden, Oliv, Schwarz, Rost und vielen anderen Farben�� im ganzen vielleicht drei�ig oder vierzig. Sax schlenderte vorsichtig �ber diese Pseudomor�nen, als ob er sich ebenso scheute, auf pflanzliches Leben zu treten wie auf irgendein Experiment im Labor. Wenn es auch wohl nicht so aussah, als ob die meisten Flechten es bemerken w�rden. Sie waren widerstandsf�hig. Nackter Fels und Wasser waren alles, was sie brauchten, dazu Licht, obwohl davon nicht viel notwendig zu sein schien. Sie wuchsen unter dem Eis, im Eis und sogar in por�sen Brocken durchscheinender Felsen. In etwas so Gastfreundlichem wie einem Spalt in der Mor�ne gediehen sie pr�chtig. Jede Spalte, in die Sax blickte, erfreute sich an Knollen isl�ndischer Flechte, gelb und bronze, die unter der Lupe feine gegabelte Stengel zeigten, umrahmt von Dornen. Auf flachen Felsen fand er die Krustenflechten�� knopfartig, zapfenf�rmig, mit Schilden, cancellaria, apfelgr�ne und rotorange Flechten, die auf eine Konzentration von Natriumnitrat im Regolith hinwiesen. Unter den Eisblumen ballten sich blasse graugr�ne Islandflechten, von denen viele wie zarte Stickereien aussahen. Wurmflechten waren dunkelgrau und zeigten unter der Lupe verwitterte Geweihe, die �u�erst zart aussahen. Und selbst wenn St�cke abbrachen, wuchsen die in ihren Pilzf�den eingeschlossenen Algenzellen einfach weiter und entwickelten sich zu noch mehr Flechten, die sich �berall anhefteten, wo sie zur Ruhe kamen. Vermehrung durch Zerteilung, in einer solchen Umgebung wirklich n�tzlich.</p><empty-line/><p>Also gediehen die Flechten, und au�er den Arten, die Sax identifizieren konnte mit Hilfe des kleinen Bildschirms auf seinem Armbandger�t, gab es noch viel mehr, die keiner verzeichneten Spezies zu entsprechen schienen. Er war an diesen nicht erfa�ten so interessiert, da� er einige Proben pfl�ckte, um sie mitzunehmen und Claire und Jessica zu zeigen.</p><p>Aber Flechten waren nur der Anfang. Auf der Erde nannte man Gebiete mit gebrochenem Gestein, das k�rzlich durch zur�ckweichendes Eis freigelegt wurde, Blockfelder oder Talus. Auf dem Mars war die entsprechende Zone der Regolith�� mithin der gr��ere Teil der Oberfl�che des Planeten. Taluswelt. Auf der Erde wurden diese Gebiete zuerst von Mikrobakterien und Flechten besiedelt, welche, zusammen mit chemischer Bew�sserung, begannen, den Fels in einen d�nnen unreifen Boden zu zerkleinern und langsam die Spalten zwischen Steinen aufzuf�llen. Im Laufe der Zeit gab es in diesem Mutterboden genug organisches Material, um andere Pflanzenarten zu tragen. In diesem Stadium sprach man von Fellfields <emphasis>(fell</emphasis> ist das g�lische Wort f�r Stein). Das war ein passender Name; denn es waren im Grunde Steinfelder, ein mit Steinen �bers�ter Boden, der Boden dazwischen und darunter weniger als drei Zentimeter dick, der eine Gemeinschaft kleiner, sich an den Boden schmiegender Pflanzen trug.</p><p>Und jetzt gab es auf dem Mars Fellfields. Claire und Jessica schlugen Sax vor, er m�ge den Gletscher �berqueren und l�ngs der Seitenmor�ne stromabw�rts klettern. Eines Morgens tat er das auch, entwischte Phyllis und machte nach etwa einer halben Stunde halt an einem kniehohen Steinblock. Unter ihm war ein feuchter Fleck flachen Bodens, der zu dem Felsentrog beim Gletscher abfiel und im sp�ten Morgenlicht schimmerte. An den meisten Tagen lief offenbar Schmelzwasser dar�ber. Schon in der �u�ersten Stille des Morgens konnte er unter der Gletscherkante kleine Rinnsale tr�pfeln h�ren. Es klang wie ein Chor aus winzigen h�lzernen Gl�ckchen. Und auf dieser kleinen Wasserscheide waren zwischen den F�den flie�enden Wassers Farbflecken, die �berall ins Auge sprangen�� Bl�ten. Also ein St�ck Fellfield mit seinem charakteristischen <emphasis>millefleur-Effekt.</emphasis> Die graue Fl�che gesprenkelt mit Punkten in Rot, Blau, Gelb, Rosa, Weiߠ�</p><p>Die Blumen sa�en auf kleinen Mooskissen zwischen haarigen Bl�ttern. Alle Pflanzen dr�ngten sich an den dunklen Boden, der wohl merklich w�rmer war als die Luft dar�ber. Nur Grashalme ragten mehr als ein paar Zentimeter �ber den Boden. Sax ging vorsichtig auf Zehenspitzen von Stein zu Stein, um nicht auf eine einzige Pflanze zu treten. Er kniete sich auf den Kies, um einige kleine Gew�chse zu betrachten. Die Lupe auf seiner Sichtplatte war auf st�rkste Vergr��erung gestellt. Lebhaft hell im Morgenlicht strahlten die klassischen Organismen der Fellfields: Moosfeuernelken mit ihren Ringen aus winzigen roten Bl�ten auf dunkelgr�ner Unterlage, ein Phloxkissen, f�nf Zentimeter Sprosse von Blaugras wie Glas im Licht, das die Pfahlwurzel des Phloxes benutzte, um seine eigenen zarten Wurzeln zu verankern� Da war eine purpurne Alpenprimel mit ihrem gelben Auge und tiefgr�nen Bl�ttern, welche schmale Tr�ge bildeten, um Wasser in die Rosette zu leiten. Viele Bl�tter dieser Pflanzen waren behaart. Da war ein intensiv blaues Vergi�meinnicht, dessen Bl�tenbl�tter mit warnenden Anticyaniden so �berschwemmt waren, da� sie fast purpurn wirkten�� jener Farbe, die der Himmel des Mars bei rund 230 Millibar erreichen w�rde laut Saxens Berechnungen auf der Fahrt nach Arena. Es war �berraschend, da� es f�r diese Farbe keinen Namen gab. Sie war so ausgepr�gt. Vielleicht war es Cyanblau.</p><p>Der Morgen verging, w�hrend er sich langsam von einer Pflanze zur andern bewegte und den Feldf�hrer seines Armbands benutzte zur Bestimmung von Sandwurz, Buchweizen, Katzenpfoten, Zwergklee und dessen Namensvetter Steinbrech, <emphasis>Saxifraga hirculus.</emphasis> Dessen kleine Zweige waren von langen Bl�ttern bedeckt und endeten in kleinen bla�blauen Bl�ten.</p><p>Was die Flechten betraf, so gab es viele, die er nicht identifizieren konnte. Sie wiesen Merkmale unterschiedlicher Spezies auf, sogar von Arten, oder waren v�llig unbekannt, ihre Z�ge eine seltsame Mischung von Eigent�mlichkeiten exotischer Biosph�ren. Manche sahen aus wie Unterwassergew�chse oder neue Arten von Kakteen. Vermutlich genetisch erzeugte Spezies, obwohl es �berraschte, da� sie nicht im F�hrer aufgef�hrt waren. Vielleicht Mutanten. Ah, aber da, wo eine breite Spalte eine tiefere Humusschicht und ein kleines Rinnsal angesammelt hatte, war ein Klumpen von Kobresia. Diese und die anderen Riedgr�ser wuchsen, wo es feucht war; und extrem absorbierender Rasen ver�nderte den Boden chemisch im langsamen �bergang vom Felfield zur alpinen Wiese. Jetzt, da er sie gesichtet hatte, konnte er kleine Wasserl�ufe erkennen, die durch Populationen von Riedgr�sern markiert waren. Sax kniete sich auf ein Polster, schaltete seine Lupe aus und schaute sich um. Und so niedrig, wie er war, konnte er pl�tzlich eine ganze Reihe kleiner Fellfields sehen, verteilt auf dem Abhang der Mor�ne wie Flecke eines Perserteppichs, zerzaust durch das vorbeiziehende Eis.</p><empty-line/><p>Zur�ck in der Station verbrachte Sax eine Menge Zeit mit Zur�ckgezogenheit in den Labors. Er betrachtete Pflanzenproben durch Mikroskope, lie� mannigfache Tests laufen und sprach mit Berkina, Claire und Jessica �ber die Ergebnisse.</p><p>�Sind das meistens Polyploide?� fragte Sax.</p><p>�Ja�, erkl�rte Berkina.</p><p>Polyploide waren in gro�en H�hen auf der Erde recht h�ufig, darum war es nicht �berraschend. Es war ein altes Ph�nomen�� Verdopplung oder Verdreifachung oder sogar Vervierfachung der urspr�nglichen Chromosomenanzahl in einer Pflanze. Diploiden Pflanzen mit zehn Chromosomen folgten polyploide mit zwanzig, drei�ig oder sogar vierzig Chromosomen. Hybridz�chter hatten dieses Ph�nomen seit Jahrzehnten benutzt, um phantastische Gartenpflanzen zu schaffen, weil polyploide gew�hnlich gr��er waren�� gr��ere Bl�tter, Bl�ten, Fr�chte, Zellengr��en. Au�erdem hatten sie oft einen gr��eren Spielraum als ihre Eltern. Diese Anpassungsf�higkeit machte sie besser zur Besiedlung neuer Gebiete, wie der R�ume unter einem Gletscher. In der Arktis der Erde gab es Inseln, wo achtzig der Pflanzen polyploid waren. Sax nahm an, da� es eine Strategie war, die destruktiven Effekte �berm��iger Mutationsraten zu vermeiden. Das w�rde erkl�ren, warum es vor allem in Gebieten mit starkem Ultraviolett vorkam. Intensive UV-Strahlung w�rde wohl eine Anzahl von Genen zerbrechen, aber wenn diese in den anderen Chromosomens�tzen repliziert w�rden, d�rfte es keinen genotypischen Schaden geben und kein Hindernis f�r Vermehrung.</p><p>�Wir finden, selbst wenn wir nicht mit Polyploiden angefangen h�tten, wie wir gew�hnlich tun, ver�ndern sie sich binnen weniger Generationen.�</p><p>�Habt ihr den Ausl�semechanismus daf�r untersucht?�</p><p>�Nein.�</p><p>Ein neues Mysterium. Sax schaute ins Mikroskop, verwirrt durch diese recht erstaunliche L�cke in dem bizarr gespaltenen Geflecht der biologischen Wissenschaft. Aber da konnte man nichts machen. Er hatte sich in den 2050er Jahren selbst in seinen Labors in Echus Overlook darum bem�ht; und es hatte so ausgesehen, als ob Polyploidie tats�chlich durch mehr UV-Strahlung angeregt w�rde, als der Organismus gewohnt war. Aber wie Zellen diesen Unterschied erkennen und dann ihre Chromosomenzahl wirklich verzwei-, drei- oder vierfachten��</p><p>�Ich mu� sagen, ich bin �berrascht, wie sehr alles aufbl�ht.�</p><p>Claire l�chelte fr�hlich. �Ich hatte gef�rchtet, da� du nach der Erde dies hier f�r recht unfruchtbar halten w�rdest.�</p><p>�O nein.� Er r�usperte sich. �Ich hatte wohl nichts erwartet. Oder blo� Algen und Flechten. Aber diese Fellfields scheinen zu gedeihen. Ich hatte gedacht, da� das l�nger dauern w�rde.�</p><p>�Auf der Erde w�rde es das auch. Aber du mu�t bedenken, wir streuen nicht blo� hier und da Samen aus und warten ab, was geschieht. Jede einzelne Spezies ist verst�rkt worden, um H�rte und Wachstumsgeschwindigkeit zu erh�hen.�</p><p>�Und wir haben jeden Fr�hling neu ges�t und mit Stickstoff-fixierenden Bakterien ged�ngt�, erg�nzte Berkina.</p><p>�Ich dachte, entnitrifizierende Bakterien w�ren der Schlager.�</p><p>�Die gibt es speziell in dicken Ablagerungen von Natriumnitrat, um den Wasserstoff in die Atmosph�re freizusetzen.�</p><p>�Mir scheint es immer noch zu schnell zu gehen. Und all das mu� vor Soletta geschehen sein.�</p><p>Jessica sagte von ihrem Pult auf der anderen Seite des Raums: �Es ist so, da� es hier keine Konkurrenz gibt. Die Bedingungen sind rauh, aber es sind sehr widerstandsf�hige Pflanzen. Und wenn wir sie hier aussetzen, gibt es keinen Wettbewerb, um sie zu bremsen.�</p><p>�Es ist eine freie Nische�, erkl�rte Ciaire.</p><p>�Und die Bedingungen hier sind besser als auf den meisten Stellen des Mars�, erg�nzte Berkina. �Im S�den f�llt der Winter ins Aphel. Dazu die gro�e H�he. Die Stationen da unten melden, da� die Sterblichkeit im Winter einfach verheerend ist. Aber der Perihelwinter hier ist viel milder, und wir sind nur einen Kilometer hoch. Das ist wirklich recht g�nstig. In vieler Hinsicht besser als die Antarktis.�</p><p>�Besonders, was das CO2-Niveau betrifft�, sagte Claire. �Ich frage mich, ob das nicht der Grund f�r einen Teil der Geschwindigkeit ist, von der du sprichst. Es ist so, als ob die Pflanzen �berm��ig aufgeladen w�ren.�</p><p>�Ah�, sagte Sax und nickte.</p><p>Also wurden die Fellfields zu G�rten. Sie wuchsen unnat�rlich schnell. Das hatte er nat�rlich gewu�t�� es war �berall auf dem Mars der Fall��, aber die so unfruchtbaren und verstreuten Fellfields hatten eigenwillig und wild genug ausgesehen, um ihn momentan zu verwirren. Und selbst wenn er bedachte, da� es sich um G�rten handelte, war er immer noch �berrascht, da� sie so kr�ftig waren.</p><p>�Gut, und jetzt ergie�t Soletta noch Sonnenlicht auf die Oberfl�che!� rief Jessica. Sie sch�ttelte wie mi�billigend den Kopf. �Die nat�rliche Sonneneinstrahlung betrug durchschnittlich f�nfundvierzig Prozent der auf der Erde; und jetzt, mit Soletta, sch�tzt man sie auf bis zu vierundf�nfzig.�</p><p>�Erz�hlt mir mehr �ber diese Soletta!� sagte Sax vorsichtig.</p><p>Sie taten das gemeinsam. Eine Gruppe Transnationaler unter F�hrung von Subarashii hatte ein Gitter mit Spiegeln aus Sonnensegeln gebaut, zwischen Sonne und Mars plaziert und so ausgerichtet, da� es Sonnenlicht fokussierte, das normalerweise knapp am Planeten vorbeiliefe. Ein ringf�rmiger St�tzspiegel, der in einer polaren Bahn umlief, reflektierte Licht auf die Soletta zur�ck, um den Druck des Sonnenlichts auszugleichen. Und dieses Licht wurde auch auf den Mars geworfen. Diese beiden Spiegelsysteme waren wirklich riesig im Vergleich zu den fr�hen Sonnensegeln von Frachtern, die Sax requiriert hatte, um Licht auf die Oberfl�che zu werfen; und das reflektierte Licht, das sie dem System zuf�gten, war wirklich von Bedeutung. Sax murmelte: �Es mu� ein Verm�gen gekostet haben, die zu bauen.�</p><p>�O ja, allerdings. Die gro�en Transnats investieren unglaublich.�</p><p>�Und sie sind damit noch nicht fertig�, sagte Berkina. �Sie planen, eine Luftlinse ein paar hundert Kilometer �ber der Oberfl�che fliegen zu lassen, die einen Teil des von Soletta kommenden Lichts fokussiert, um die Oberfl�che auf phantastische Temperaturen zu erhitzen, wie f�nftausend Grad�� �</p><p>�F�nftausend!�</p><p>�Ja, das glaube ich geh�rt zu haben. Sie planen, den Sand und den Regolith darunter zu schmelzen, wodurch alle fl�chtigen Stoffe in die Atmosph�re freigesetzt werden.�</p><p>�Aber was ist mit der Oberfl�che?�</p><p>�Sie wollen das in abgelegenen Gebieten machen.�</p><p>�In Reihen�, sagte Claire, �so da� es in Gr�ben endet?�</p><p>�Kan�len?� fragte Sax.</p><p>�Ja, das stimmt.� Sie lachten.</p><p>�Kan�le mit Glasw�nden�, sagte Sax, den der Gedanke an alle diese fl�chtigen Stoffe st�rte. Kohlendioxid w�rde darunter stark vertreten sein und vielleicht sogar den Hauptanteil bilden.</p><p>Aber er wollte nicht allzu viel Interesse an den gro�en Pl�nen der Terraformung zeigen. Er lie� das Thema fallen, und bald wandte sich das Gespr�ch wieder ihrer Arbeit zu. Sax sagte: �Gut, ich nehme an, da� einige Fellfields recht bald zu alpinen Wiesen werden k�nnten.�</p><p>�Oh, das sind sie schon�, sagte"Claire.</p><p>�Wirklich?�</p><p>�Nun ja, sie sind noch klein. Aber wenn du die Westkante etwa drei Kilometer hinunterkletterst�� hast du das schon einmal getan?��, wirst du sehen. Alpine Wiesen und auch Krummholz. Das ist gar nicht so schwer gewesen. Wir haben B�ume gepflanzt, ohne sie auch nur sehr zu ver�ndern, weil es sich zeigte, da� viele Arten von Fichten und Kiefern viel tiefere Temperaturtoleranzen haben, als sie in ihren Habitaten auf der Erde gebraucht h�tten.�</p><p>�Das ist seltsam.�</p><p>�Ein �berbleibsel aus der Eiszeit, nehme ich an. Aber jetzt kommt es uns gerade recht.�</p><p>�Interessant�, sagte Sax.</p><p>Und er verbrachte den Rest des Tages damit, da� er in die Mikroskope starrte, ohne etwas zu sehen, in Gedanken verloren. Das Leben ist so viel Geist, pflegte Hiroko zu sagen. Es war eine ganz eigenartige Angelegenheit, die Vitalit�t lebender Dinge, ihre Tendenz zur Fortpflanzung, was Hiroko ihre gr�ne Woge nannte, ihre Viriditas. Ein Streben nach einem Muster, das ihn sehr neugierig machte.</p><empty-line/><p>Bei der Morgend�mmerung des n�chsten Tages wachte er im Bett von Phyllis auf, die sich in die Laken neben ihm gewickelt hatte. Nach dem Dinner hatte sich die ganze Gesellschaft wie gew�hnlich in den Beobachtungsraum zur�ckgezogen; und Sax hatte das Gespr�ch mit Claire, Jessica und Berkina fortgesetzt. Jessica war sehr freundlich zu ihm gewesen, wie es ihre Art war. Phyllis hatte das gesehen und war ihm mit dem Aufzug in die Bader�ume gefolgt. Sie hatte ihn mit jener verf�hrerischen Umarmung �berfallen, und dann waren sie schlie�lich in das Stockwerk der Schlafr�ume und zu ihrem Zimmer gegangen. Und obwohl es Sax nicht gefallen hatte zu verschwinden, ohne den anderen gute Nacht zu sagen, gab er ihrem Dr�ngen nach, und sie liebten sich bis zur Ersch�pfung.</p><p>Als er sie jetzt ansah, erinnerte er sich mit Mi�mut ihres �berhasteten Aufbruchs. Es gen�gte die elementarste Soziobiologie, um so ein Verhalten zu erkl�ren. Wettbewerb um Partner, eine sehr fundamentale animalische Aktivit�t. Nat�rlich war Sax noch nie vorher das Subjekt einer solchen Konkurrenz gewesen, aber es gab nichts, auf das er bei dieser pl�tzlichen Manifestation stolz sein konnte. Es geschah ganz sicher wegen Vlads kosmetischer Chirurgie, die seinem Gesicht ein anziehendes Aussehen verliehen hatte. Obwohl es ihm v�llig unklar war, warum die eine Anordnung von Gesichtsz�gen attraktiver sein sollte als die andere. Er hatte �ber soziobiologische Erkl�rungen sexueller Attraktivit�t geh�rt, und er konnte sich vorstellen, da� manche davon eine gewisse G�ltigkeit haben mochten. Ein Mann w�rde sich nach einem Weib mit breiten H�ften umsehen, damit es seine Kinder sicher zur Welt bringen konnte, mit beachtlichen Br�sten, um seine Kinder zu stillen, mit langen Beinen, um diese in Sicherheit zu bringen, wenn Gefahr drohte, und so weiter. Eine Frau w�rde sich nach einem starken Mann umsehen, um ihre Kinder gut zu ern�hren und zu sch�tzen und starken Kindern ein Vater zu sein, und so weiter und so fort. Das ergibt irgendwie Sinn. Aber nichts davon hat etwas mit Gesichtsz�gen zu tun. F�r diese werden soziobiologische Erkl�rungen recht d�nn. Weit auseinanderstehende Augen f�r besseres Sehverm�gen? Gute Z�hne zur F�rderung der Gesundheit? Eine ausgepr�gte Nase, um nicht so leicht einen Schnupfen zu bekommen?�� Nein! So einfach war das nicht. Es war eine Sache zuf�lliger Konfigurationen, von etwas, das das Auge anspricht. Ein �sthetisches Urteil, in dem kleine nichtfunktionale Merkmale einen gro�en Unterschied ausmachen k�nnen, was darauf hinweist, da� praktische Anliegen keine Rolle spielen. Ein solcher Fall war ein Paar Zwillingsschwestern, die sich sehr �hnlich sahen; und dennoch war die eine unauff�llig gewesen, die andere hingegen sch�n. Nein, es ging um Millimeter Fleisch und Knochen und Knorpel, die zuf�llig in Muster pa�ten, die gefielen oder nicht.</p><p>Nun hatte Vlad also einige Ver�nderungen an seinem Gesicht vorgenommen, und jetzt wetteiferten Frauen um seine Aufmerksamkeit, obwohl er die gleiche Person war wie schon immer. Eine Person, an der Phyllis nie zuvor Interesse gezeigt hatte, als er so ausgesehen hatte, wie die Natur ihn geschaffen hatte. Es war schwer, deshalb nicht ein wenig zynisch zu sein. Begehrt zu werden�� aber wegen Trivialit�ten��</p><p>Er stieg aus dem Bett und zog einen der neuesten Leichtgewichtsanz�ge an, die so viel bequemer waren als die alten aus Stretchgewebe. Man mu�te sich gegen die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt isolieren und nat�rlich einen Helm und Lufttank tragen, aber es war keinerlei Notwendigkeit mehr, f�r Druck zu sorgen, um nicht die Haut zu sch�digen. Daf�r gen�gten schon 160 Millibar. Darum kam es nur noch auf warme Kleidung, Stiefel und den Helm an. Also dauerte das Ankleiden nur wenige Minuten, und dann war er wieder drau�en auf dem Gletscher.</p><p>Er ging �ber den knirschenden Rauhreif auf dem ausgeflaggten Hauptweg �ber den Eisstrom und wandte sich dann auf dem Westufer stromabw�rts, vorbei an den kleinen <emphasis>millefleur-Fellfields,</emphasis> die mit Reif bedeckt waren, der schon im Licht begonnen hatte zu schmelzen. Er kam an eine Stelle, wo der Gletscher eine kleine B�schung hinabfiel in einem kurzen rissigen Wasserfall. Er wandte sich auch ein paar Grad nach links und folgte den begrenzenden Graten. Pl�tzlich erf�llte die Luft ein lautes Krachen, dem ein dumpfes Ger�usch folgte, das in seinem Magen vibrierte. Er blieb stehen und lauschte. Er h�rte den entfernten Glockenton eines Stroms unter dem Eis. Er ging weiter und f�hlte sich mit jedem Schritt leichter und fr�hlicher. Das Morgenlicht war sehr klar und der Dampf auf dem Eis wie wei�er Rauch.</p><p>Und dann kam er im Schutz einiger gro�er Felsbl�cke zu einem Fellfield, das wie ein Amphitheater aussah und mit Blumen wie von Farbflecken �bers�t war. Und am Boden des Feldes war eine kleine alpine Wiese, nach S�den gewandt und verbl�ffend gr�n. Die Matten aus Gras und Ried waren alle von wei� bedeckten Wasserl�ufen durchzogen. Und rings um den Rand des Amphitheaters, in Spalten und unter Steinen gesch�tzt, duckte sich eine Anzahl Zwergb�ume.</p><p>Das also war Krummholz, das nach alpinen Wiesen die n�chste Station der Entwicklung von Gebirgslandschaften bildete. Die Zwergb�ume, die er ersp�ht hatte, waren tats�chlich Mitglieder gew�hnlicher Arten, zumeist wei�e Kiefer, <emphasis>Pinus contorta,</emphasis> die sich in dieser rauhen Umgebung von selbst zu einer Zwergform entwickelt hatte und die gesch�tzten R�ume umgab, in denen sie aufgeschossen war. Das waren die am meisten K�lte vertragenden B�ume der Erde; und offenbar hatte das Team der Biotique Salzvertr�glichkeit von B�umen wie Tamarisken hinzugef�gt. Alle wissenschaftlichen Methoden waren eingesetzt worden, um ihnen zu helfen. Und dennoch behinderten die extremen Bedingungen ihr Wachstum, bis B�ume, die drei�ig Meter hoch h�tten werden k�nnen, sich in kleinen geduckten Schutzflecken zusammendr�ngten, von Winden und Schneelasten abgeschoren wie von Heckenscheren. Daher der Name <emphasis>Krummholz,</emphasis> deutsch f�r �krummes Holz�, oder vielleicht �Elfenholz� f�r die Zone, wo es B�umen zuerst gelang, aus der Boden schaffenden T�tigkeit von Fellfields und alpinen Wiesen Nutzen zu ziehen. Baumgrenze.</p><p>Sax ging langsam durch das Amphitheater, trat auf Steine, inspizierte die Moose, Riedgr�ser und jeden einzelnen Baum. Die knorrigen kleinen Dinger waren verdreht, als ob sie von verr�ckten Bonsai-G�rtnern gezogen worden w�ren. �Oh, wie h�bsch!� sagte er mehr als einmal laut, wenn er einen Zweig oder Stamm betrachtete oder ein St�ck lameliierte Borke, die sich wie Bl�tterteig absch�lte. �Oh, wie h�bsch! Jetzt fehlen nur einige Maulw�rfe, W�hlm�use, Murmeltiere, Nerze und F�chse.�</p><p>Aber das Kohlendioxid betrug immer noch fast drei�ig Prozent in der Luft, vielleicht f�nfzig Millibar f�r sich allein. Alle S�ugetiere w�rden in einer solchen Luft rasch sterben. Darum hatte er sich immer dem Zweistufenplan der Terraformung in einer solchen Luft widersetzt, der vor allem anderen einen massiven Zuwachs an CO2 forderte. Als ob die Erw�rmung des Planeten das einzige Ziel w�re! Das Ziel waren aber Tiere auf der Oberfl�che. Das war nicht nur an sich gut, sondern auch gut f�r die Pflanzen, von denen viele Bedarf an Tieren hatten. Die meisten dieser Fellfieldpflanzen verbreiten sich nat�rlich allein; und es gab einige ver�nderte Insekten, die Biotique freigesetzt hatte, die da drau�en nach stupider �berlebensart von Insekten umherschwirrten, nur halb lebendig und nur ihre Aufgabe der Befruchtung erf�llend. Aber es gab viele andere symbiotische �kologische Funktionen, die Tiere erforderten, wie die Durchl�ftung des Bodens durch Maulw�rfe und W�hlm�use, oder die Verbreitung von Samen durch V�gel, ohne die Pflanzen nicht gedeihen konnten und manche �berhaupt nicht lebensf�hig w�ren. Nein, man mu�te den Kohlendioxidgehalt der Luft reduzieren, wahrscheinlich bis auf die zehn Millibar wie bei ihrer Ankunft, als es die einzige Luft gewesen war, die es gab. Darum war der Plan, den seine Kollegen erw�hnt hatten, den Regolith mit einer Linse in der Luft zu schmelzen, so beunruhigend. Das k�nnte ihre Probleme nur versch�rfen.</p><p>Inzwischen war da diese unerwartete Sch�nheit. Es vergingen Stunden, w�hrend er die Exemplare eines nach dem anderen inspizierte und besonders den spiraligen Stamm und die Zweige bewunderte, die flockige Borke und Ver�stelung der Nadeln bei einer kleinen Drehkiefer�� wirklich wie das St�ck einer pr�chtigen Skulptur. Und er hockte auf den Knien mit dem Gesicht im Ried und dem Hintern in der Luft, als Phyllis und Ciaire und eine ganze Schar in die Wiese hereinstr�mten, �ber ihn lachten und sorglos auf das lebendige Gras traten.</p><p>Phyllis blieb an diesem Nachmittag bei ihm wie schon zwei oder drei Male zuvor, und sie gingen zusammen zur�ck. Sax versuchte zuerst, die Rolle eines naiven F�hrers zu spielen und zeigte auf Pflanzen, die er gerade erst in der vorigen Woche kennengelernt hatte. Aber Phyllis stellte keine Fragen danach und schien nicht einmal zuzuh�ren, wenn er sprach. Es schien, da� sie in ihm nur ein Publikum haben wollte, einen Zeugen f�r ihr Leben. Also verzichtete er auf die Pflanzen, stellte Fragen, h�rte zu, und fragte weiter. Das war immerhin eine gute Gelegenheit, etwas �ber die derzeitige Machtstruktur auf dem Mars zu erfahren. Selbst wenn sie ihre eigene Rolle darin �bertrieb, war es doch informativ. Sie sagte: �Ich war erstaunt, wie schnell Subarashii den neuen Aufzug gebaut und in Stellung gebracht hat.�</p><p>�Subarashii?�</p><p>�Sie waren der Hauptkontraktor.�</p><p>�Und wer hat �ber den Kontrakt entschieden, UNOMA?�</p><p>�O nein. UNOMA ist durch die �bergangsbeh�rde der UN ersetzt worden.�</p><p>�Als du Pr�sidentin der �bergangsbeh�rde warst, bist du also effektiv die Pr�sidentin des Mars gewesen.�</p><p>�Nun, die Pr�sidentschaft wechselt unter den Mitgliedern. Sie gew�hrt nicht viel mehr Macht, als die anderen Mitglieder haben. Es ist nur f�r die Medien und zur Veranstaltung der Konferenzen. Routinearbeit.�</p><p>�Aber dennoch� �</p><p>�Oh, ich wei�.� Sie lachte. �Es ist eine Position, die viele meiner alten Kollegen begehrten, aber nie bekommen haben. Chalmers, Bogdanov, Boone, Toitovna. Ich frage mich, was sie gedacht haben w�rden, wenn sie es erlebt h�tten. Aber sie haben auf das falsche Pferd gesetzt.�</p><p>Sax wandte den Blick von ihr ab. �Warum also hat Subarashii den neuen Aufzug bekommen?�</p><p>�Das Lenkungskomitee der �bergangsbeh�rde hat daf�r gestimmt. Praxis hatte sich beworben, und keiner mag Praxis.�</p><p>�Jetzt, wo der Aufzug wieder da ist, glaubst du, da� sich die Dinge wieder ver�ndern werden?�</p><p>�Ja gewi�! Sicher! Seit den Unruhen haben viele Dinge an Einflu� gewonnen. Emigration, Bauen, Terraformen, Handel�� das ist alles langsamer geworden. Wir haben es kaum geschafft, einige der zerst�rten St�dte wieder aufzubauen. Es ist eine Art von Kriegsrecht, nat�rlich notwendig, wenn man bedenkt, was geschehen ist.�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Aber jetzt! Alle die aufgestapelten Metalle aus den letzten vierzig Jahren sind bereit f�r den Markt der Erde, und das wird die ganze �konomie der zwei Welten unglaublich stimulieren. Wir werden jetzt mehr Produktion von der Erde erleben und mehr Investitionen hier, auch mehr Emigration. Wir sind endlich bereit, mit den Dingen fertig zu werden.�</p><p>�Wie Soletta?�</p><p>�Genau! Das ist ein perfektes Beispiel f�r das, was ich meine. Es gibt hier Pl�ne aller Art f�r gro�e Investitionen.�</p><p>�Kan�le mit gl�sernen W�nden�, sagte Sax. Das w�rde die Moholes trivial aussehen lassen.</p><p>Phyllis sagte etwas �ber die gl�nzenden Aussichten f�r die Erde, und er sch�ttelte den Kopf, um ihn von Joules pro Quadratzentimeter frei zu machen. Er sagte: �Aber ich dachte, die Erde h�tte einige ernste Schwierigkeiten.�</p><p>�Oh, die Erde hat immer ernste Schwierigkeiten. Daran werden wir uns gew�hnen m�ssen. Nein, ich bin sehr optimistisch. Ich glaube, da� die Rezession sie da unten hart getroffen hat, besonders die kleinen Tiger und die Babytiger und nat�rlich die weniger entwickelten L�nder. Aber der Einstrom industrieller Metalle von hier wird die Wirtschaft f�r jedermann anregen, einschlie�lich der Umweltkontrollindustrien. Und leider sieht es so aus, als ob das Baumsterben f�r sie eine Menge anderer Probleme l�sen wird.�</p><p>Sax konzentrierte sich auf den Teil der Mor�ne, den sie emporstiegen. Hier hatte Solifluktion, das t�gliche Schmelzen von Grundeis auf einer Neigung, bewirkt, da� das lockere Regolith in einer Reihe von Vertiefungen und Rinnen nach unten gerutscht war; und obwohl alles grau und leblos aussah, verriet ein leichtes Muster wie winzige Kacheln, da� es tats�chlich mit blaugrauen Flockenflechten bedeckt war. In den Vertiefungen gab es Klumpen von etwas, das wie graue Asche aussah. Sax blieb stehen, um eine kleine Probe zu pfl�cken. �Schau!� sagte er br�sk zu Phyllis, �Schneelebermoos.�</p><p>�Es sieht aus wie Schmutz.�</p><p>�Das kommt, weil ein parasit�rer Schwamm darauf w�chst. Die Pflanze ist eigentlich gr�n. Siehst du diese kleinen Bl�tter? Das ist ein neues Wachstum, das der Pilz noch nicht bedeckt hat.� Unter Vergr��erung sahen die neuen Bl�tter aus wie gr�nes Glas.</p><p>Aber Phyllis machte sich nicht die M�he hinzuschauen. Sie fragte: �Wer hat das konstruiert?� Der Ton ihrer Stimme klang so, als ob der Planer schlechten Geschmack bewiesen h�tte.</p><p>�Ich wei� nicht. K�nnte niemand gewesen sein. Eine ganze Anzahl der Spezies hier drau�en sind nicht konstruiert worden.�</p><p>�Kann Evolution so schnell arbeiten?�</p><p>�Nun, du wei�t ja, es ist polyploidale Entwicklung.�</p><p>�Kenne ich nicht.�</p><p>Phyllis ging weiter, nicht sonderlich interessiert an dem kleinen grauen Exemplar. Schneeleberwurz. Wahrscheinlich sehr wenig behandelt oder sogar �berhaupt nicht konstruiert. Testexemplare, die hier unter den anderen ausgesetzt waren, um zu sehen, wie es ihnen ergehen w�rde. Und nach Meinung von Sax somit sehr interessant.</p><p>Aber irgendwo auf der Strecke hatte Phyllis das Interesse verloren. Sie war einmal eine erstklassige Biologin gewesen, und Sax fand es hart, sich den Verlust an Neugier vorzustellen, der an der Wurzel der Wissenschaft liegt und die einen dr�ngt, die Dinge zu verstehen. Aber sie wurden alt. Im Verlauf ihres unnat�rlichen Lebens lag es nahe, da� sie alle sich ver�ndern w�rden, vielleicht sogar grundlegend. Sax gefiel dieser Gedanke nicht, aber er war da. Wie alle anderen neuen Hundertj�hrigen hatte er immer mehr Schwierigkeiten, sich an Einzelheiten seiner Vergangenheit zu erinnern, besonders in den mittleren Jahren, an Dinge, die sich vor dem Alter von rund f�nfzig ereignet hatten. So verbla�ten f�r ihn die Jahre vor �61 und seine meisten Jahre auf der Erde. Und ohne voll funktionierende Erinnerungen w�rde man sich gewi� ver�ndern.</p><empty-line/><p>Als sie zur Station zur�ckkehrten, ging er verwirrt ins Labor. Er dachte, vielleicht w�ren sie polyploidal geworden, nicht als Individuen, sondern kulturell�� eine internationale Anordnung, die hier auftrat und dieselben Fasern effektiv vervierfachte und so die Anpassungsf�higkeit lieferte, in diesem fremdartigen Terrain trotz aller durch Stress bewirkten Mutationen zu �berleben��</p><p>Aber nein. Das war eher eine Analogie als eine Homologie. Was man in den Geisteswissenschaften ein heroisches Gleichnis oder eine Metapher nannte, falls er den Fachausdruck richtig verstand, oder eine andere Art literarischer Analogie. Und Analogien waren meistens bedeutungslos, eher eine Sache des Ph�notyps als des Genotyps (um eine andere Analogie zu benutzen). Das meiste in Poesie und Literatur, tats�chlich alle Geisteswissenschaften, von den Sozialwissenschaften ganz zu schweigen, waren, soweit Sax das sehen konnte, ph�notypisch. Sie gesellten sich zu einem riesigen Kompendium bedeutungsloser Analogien, die nicht halfen, Dinge zu erkl�ren, sondern nur eine verzerrte Vorstellung von ihnen f�rderten. Man k�nnte sagen, eine st�ndige konzeptuelle Betrunkenheit. Sax selbst bevorzugte sehr Exaktheit und begriffliche Kraft�� und warum nicht? Wenn drau�en 200 Kelvin herrschten, warum sollte man das nicht so sagen, anstatt �ber die Titten von Hexen und dergleichen zu reden und das ganze gro�e Gep�ck der unwissenden Vergangenheit herbeizuholen, um jede Begegnung mit sensorischer Realit�t zu verdunkeln? Das war absurd.</p><p>Also okay, es gab keine kulturelle Polyploidie. Es gab nur eine bestimmte historische Situation, die Konsequenz von allem, was vorhergegangen war�� getroffene Entscheidungen, deren Resultate sich v�llig ungeordnet �ber den Planeten verbreiteten und sich planlos entwickelten, wenn man so sagen konnte. Planlos. In dieser Hinsicht bestand eine gewisse �hnlichkeit zwischen Geschichte und Evolution, insofern beide von Kontingenz und Zufall bestimmt wurden, aber auch Entwicklungsstrukturen bildeten. Aber die Differenzen waren besonders im Zeitma�stab so kra�, da� �hnlichkeit wieder nicht mehr als eine Analogie wurde.</p><p>Nein, man sollte sich lieber auf Homologien konzentrieren, jene strukturellen �hnlichkeiten, die auf aktuelle physikalische Beziehungen hinwiesen und wirklich etwas <emphasis>erkl�rten.</emphasis> Das f�hrte nat�rlich wieder in die Wissenschaft zur�ck. Aber nach einer Begegnung mit Phyllis war es genau das, was er wollte.</p><p>Also vertiefte er sich wieder in das Studium von Pflanzen. Viele der von ihm gefundenen Fellfieldpflanzen hatten behaarte Bl�tter mit sehr dicken Oberfl�chen, was half, die Gew�chse vor der scharfen UV-Strahlung des Sonnenlichts auf dem Mars zu sch�tzen. Diese Anpassungen konnten recht gut Beispiele f�r Homologien sein, bei denen Spezies mit den gleichen Vorfahren alle famili�ren Z�ge bewahrt hatten. Oder es konnten Beispiele von Konvergenz sein, bei denen Spezies aus getrennten St�mmen durch funktionale Notwendigkeit zu den gleichen Formen gekommen waren. Und in diesen Tagen konnten sie auch einfach ein biotechnisches Produkt sein, bei dem die Z�chter unterschiedlichen Pflanzen die gleichen Merkmale verliehen, um die gleichen Vorteile zu erzielen. Es kam darauf an herauszufinden, worauf es ankam, um die Pflanze zu identifizieren, und dann in den Akten nachzusehen, ob sie von einem terraformenden Team geplant worden war. In Elysium gab es ein Labor von Biotique unter Leitung von Harry Whitebook, das viele der erfolgreichsten Pflanzen plante, besonders die Riedgr�ser; und eine Suche im Whitebook-Katalog ergab oft, da� seine Hand am Werk gewesen war. In diesem Fall beruhten die �hnlichkeiten oft auf k�nstlicher Konvergenz, indem Whitebook etwa behaarte Bl�tter in fast jede Blattpflanze einf�hrte, die er z�chtete.</p><p>Ein interessanter Fall von Geschichte, die Evolution nachahmt. Und da sie auf dem Mars eine Biosph�re schaffen wollten in kurzer Zeit, vielleicht 107mal schneller, als es auf der Erde gedauert hatte, mu�ten sie st�ndig in den Evolutionsakt selbst eingreifen. Daher w�rde die Biosph�re des Mars nicht ein Fall von Phylogenie sein, der Ontogenie wiederholt, auf jeden Fall kein in Mi�kredit geratener Begriff, sondern eine Geschichte, welche Evolution wiederholt. Oder vielmehr nachahmt, soweit es im Milieu des Mars m�glich ist. Oder sogar leitet. Geschichte, die Evolution lenkt. Das war ein erschreckender Gedanke.</p><p>Whitebook ging mit viel Sp�rsinn an die Aufgabe.</p><p>Zum Beispiel hatte er preatophytische Flechtenriffe gezogen, welche die Salze aufbauten, die sie in eine feinporige Kristallstruktur einbauten, so da� die resultierenden Pflanzen olivfarbene oder dunkelgr�ne Massen halbkristalliner Bl�cke waren. Wenn man durch einen Fleck von ihnen ging, war es, als ob man durch ein liliputanisches Gartenlabyrinth ginge, das zerdr�ckt, verlassen und halb von Sand bedeckt war. Die individuellen Bl�cke der Pflanzen waren zerbrochen oder gespalten und sahen geradezu von einer Krankheit befallen aus, die Pflanzen zu versteinern schien, w�hrend sie noch lebten und einen Existenzkampf f�hren mu�ten im Innern von zerbrochenen Schichten aus Malachit und Jade. Seltsam aussehend, aber sehr erfolgreich. Sax fand, da� eine ganze Anzahl dieser Flechten auf dem Grat der westlichen Mor�ne wuchs und in dem trockneren Regolith dahinter.</p><p>Er verbrachte einige Vormittage mit der Suche danach, und als er eines Morgens beim �berqueren des Grats �ber den Gletscher zur�ckblickte, sah er, wie sich ein sandiger Wirbelwind �ber dem Eis drehte, ein funkelnder kleiner rostfarbener Tornado, der sich stromabw�rts bewegte. Gleich danach wurde er von einem starken Wind mit B�en von mindestens hundert und dann sogar hundertf�nfzig Kilometern in der Stunde getroffen. Sax duckte sich schlie�lich hinter einem Flechtenriff und hob die Hand, um die Windgeschwindigkeit zu sch�tzen. Es war schwer, eine genaue Angabe zu versuchen, weil die dichter werdende Atmosph�re die Kraft der Winde verst�rkt hatte, so da� sie kr�ftiger schienen und schneller, als sie in Wirklichkeit waren. Alle Sch�tzungen aus den Eindr�cken aus den Tagen in Underhill lagen jetzt weit daneben. Die B�en, die ihn jetzt trafen, k�nnten sogar nur achtzig Kilometer in der Stunde langsam sein. Aber sie waren voller Sand, der gegen sein Visier prallte und die Sicht auf etwa hundert Meter verringerte. Nachdem er eine Stunde lang darauf gewartet hatte, da� der Sandsturm nachlie�, gab er es auf und kehrte zur Station zur�ck. Er �berschritt den Gletscher, indem er sich sehr vorsichtig von einer Flagge zur n�chsten bewegte, um nicht die Spur zu verlieren. Das war wichtig, wenn man gef�hrliche Stellen mit Spalten vermeiden wollte.</p><p>Einmal �ber das Eis gelangt, kehrte Sax schnell zur Station zur�ck und dachte �ber den kleinen Tornado nach, der die Ankunft des Windes verk�ndet hatte. Das Wetter war merkw�rdig. Drinnen rief er den meteorologischen Kanal und ging alle Information �ber das Wetter des Tages durch. Dann betrachtete er ein Satellitenfoto der Gegend. Eine Zyklonzelle kam von Tharsis herunter auf sie zu. Bei der dichter werdenden Luft waren die von Tharsis kommenden Winde wirklich kr�ftig. Sax f�rchtete, da� der Buckel immer ein Ankerpunkt in der Klimatologie des Mars bleiben w�rde. W�hrend der meisten Zeit w�rde sich der Strahlstrom der n�rdlichen Hemisph�re um sein Nordende herumwinden, wie es der Jetstrom der Erde bei den Rocky Mountains tat. Aber ab und zu w�rden sich Luftmassen zwischen den Vulkanen �ber den Tharsiskamm schieben und beim Aufsteigen ihre Fl�ssigkeit �ber dem Osthang abregnen. Dann w�rden diese dehydrierten Massen den Osthang hinunterrasen als Mistral des Gro�en Mannes oder Schirokko oder F�hn mit Winden so schnell und stark, da� sie mit zunehmender Dichte der Atmosph�re zum Problem wurden. Einige Kuppelst�dte auf der freien Fl�che w�rden so sehr gef�hrdet sein, da� sie sich in Krater oder Canyons zur�ckziehen oder mindestens nach und nach ihren Kuppelbau verst�rken m��ten.</p><p>W�hrend Sax dar�ber nachdachte, wurde das ganze Thema des Wetters so aufregend, da� er seine botanischen Studien aufgeben und sich die ganze Zeit ihm widmen wollte. In den alten Tagen h�tte er das gemacht und w�re einen Monat oder ein Jahr in die Klimatologie eingetaucht, bis seine Wi�begier befriedigt w�re und er �ber einen Beitrag zu allen auftretenden Problemen nachgedacht h�tte.</p><p>Aber das war, wie er jetzt sah, ein recht undiszipliniertes Unterfangen gewesen, das zu einer Art Schrotschu�methode und sogar einem gewissen Dilettantismus f�hrte. Jetzt, als Stephen Lindholm und f�r Ciaire und Biotique t�tig, mu�te er die Klimakunde aufgeben mit einem sehns�chtigen Blick auf die Satellitenfotos und ihre suggestiv wirbelnden neuen Wolkensysteme und konnte den anderen nur von dem Wirbelwind berichten und im Labor oder beim Essen erholsam �ber Wetter plaudern, w�hrend seine haupts�chliche Bem�hung sich wieder ihrem kleinen �kosystem zuwandte und seinen Pflanzen und wie man ihnen weiterhelfen konnte. Und als er gerade das Empfinden hatte, er w�rde die Besonderheiten von Arena lernen, waren diese durch seine neue Identit�t erzwungenen Beschr�nkungen gar nicht �bel. Sie bedeuteten, da� er gezwungen war, sich auf eine einzige Disziplin zu konzentrieren in einer Weise wie nie nach seiner Arbeit, die der Promotion gefolgt war. Und es wurde ihm immer klarer, welchen Lohn die Konzentration bot. Er konnte dadurch ein besserer Wissenschaftler werden.</p><empty-line/><p>Am n�chsten Tage zum Beispiel, als die Winde blo� frisch waren, ging er wieder hinaus und fand den Fleck mit Korallenflechten, den er untersucht hatte, als der Sandsturm ausbrach. Alle Spalten der Struktur waren mit Sand gef�llt, was den gr��ten Teil der Zeit der Fall gewesen sein mu�te. Also wischte er einen Spalt sauber und sah mit der zwanzigfachen Vergr��erung seiner Sehscheibe hinein. Die W�nde der Spalten waren mit sehr feinen Wimpern bedeckt, �hnlich den winzigen H�rchen auf exponierten Bl�ttern des alpinen Fingerkrauts. Es bestand offenbar keine Notwendigkeit, diese schon gut versteckten Fl�chen zu sch�tzen.</p><p>Vielleicht sollten sie �bersch�ssigen Sauerstoff aus den Geweben der halbkristallinen �u�eren Masse freisetzen. Spontan oder geplant? Er las in Beschreibungen auf seinem Handgelenk und erg�nzte sie mit diesem Exemplar, das wegen der Wimpern noch nicht erfa�t zu sein schien. Er nahm eine kleine Kamera aus der Schenkeltasche und machte eine Aufnahme, legte eine Probe der Wimpern in einen Beutel, tat diesen und die Kamera in die Tasche und ging weiter.</p><p>Er ging nach unten, um den Gletscher anzusehen. Er traf dort auf eine der vielen Verbindungen, wo die abfallende Flanke sich glatt mit dem ansteigenden Hang der Mor�nenrippe traf. Um Mittag war es auf dem Gletscher hell, als ob Teile des zerbrochenen Spiegels �berall das Sonnenlicht darauf reflektierten. Eisst�cke knirschten unter den F��en. Kleine Rinnsale vereinigten sich zu tief eingebetteten Str�men, die j�h in L�chern im Eis verschwanden. Diese L�cher hatten wie die Spalten mannigfache Schattierungen von Blau. Die Rippen der Mor�ne schimmerten wie Gold und schienen in der zunehmenden W�rme zu h�pfen. Irgend etwas an dem Anblick erinnerte Sax an den Soletta-Plan, und er pfiff durch die Z�hne.</p><p>Er richtete sich auf und reckte seinen R�cken. Er f�hlte sich sehr lebendig und wi�begierig, absolut in seinem Element. Der Wissenschaftler bei seiner Arbeit. Er lernte die immer frische prim�re Bem�hung von �Naturgeschichte� zu sch�tzen, ihre nahe Beobachtung von Dingen in der Natur: Beschreibung, Einordnung, Taxonomie�� der erste Versuch zu erkl�ren oder vielmehr dessen erster Schritt, einfach zu beschreiben. Wie gl�cklich waren ihm immer die Naturhistoriker vorgekommen in ihren Schriften�� Linne und sein wildes Latein, Lyell und seine Steine, Wallace und Darwin und ihr gro�er Schritt von Kategorie zu Theorie, von Beobachtung zu Paradigma. Sax konnte das f�hlen, gerade hier auf dem Arenagletscher im Jahre 2101, mit all den neuen Spezies, diesem bl�henden Proze� von Spezifikation, der halb menschlich und halb zum Mars geh�rig war�� einem Proze�, der sp�ter seine eigenen Theorien erfordern w�rde, irgendeine Art von Evo-Historie, von historischer Evolution oder Okopoesis oder einfach Marskunde, Areologie. Oder vielleicht Hirokos Viriditas. Theorien des Terraformungsprojekts�� nicht nur, was es anstrebte, sondern wie es wirklich funktionierte. Genaugenommen eine Naturgeschichte. Sehr wenig von dem, was geschah, konnte mit experimenteller Laborwissenschaft studiert werden. Darum w�rde die Naturgeschichte auf ihren Platz unter den Wissenschaften zur�ckfinden m�ssen als eine unter gleichen. Hier auf dem Mars waren alle Arten von Hierarchien zum Fall verurteilt; und das war keine sinnlose Analogie, sondern einfach eine pr�zise Beobachtung von dem, was alle sehen konnten.</p><p>Was alle sehen konnten. W�rde er das verstanden haben vor seiner Zeit hier drau�en? W�rde Ann verstehen? W�hrend er auf die wilde zerkl�ftete Fl�che des Gletschers blickte, stellte er fest, da� er an sie dachte. Jede kleine Scholle und Spalte ragte hervor, als h�tte er noch die zwanzigfache Vergr��erung eingeschaltet, aber mit unendlicher Tiefensch�rfe. Jede T�nung von Elfenbein und Rosa in den eingebuchteten Fl�chen, jeder spiegelnde Schimmer von Schmelzwasser, die buckligen H�gel am fernen Horizont�� alles war in diesem Augenblick chirurgisch klar und scharf. Und er hatte den Eindruck, da� sein Sehverm�gen nicht eine Sache des Zufalls war (zum Beispiel der Linsenwirkung von Tr�nen �ber seiner Hornhaut), sondern das Ergebnis eines neuen zunehmenden Verst�ndnisses der Landschaft. Es war eine Art kognitiver Vision, und er konnte nicht umhin, sich zu erinnern, da� Ann �rgerlich zu ihm gesagt hatte: <emphasis>Mars ist der Ort, den du nie gesehen hast.</emphasis></p><p>Er hatte das als eine Redeweise verstanden. Aber jetzt dachte er an Thomas Kuhn, der versicherte, da� Wissenschaftler, die unterschiedliche Paradigmen benutzten, in wortw�rtlich unterschiedlichen Welten existierten, und da� Epistemologie eine so integrale Komponente der Realit�t w�re. So haben Aristoteliker das Galileische Pendel einfach nicht gesehen, das f�r sie ein mit einiger Schwierigkeit fallender K�rper war. Und allgemein redeten Wissenschaftler, die �ber die relativen Verdienste konkurrierender Paradigmen diskutierten, einfach aneinander vorbei, indem sie die gleichen W�rter f�r unterschiedliche Realit�ten benutzten.</p><p>Auch das hatte er f�r eine Redewendung gehalten. Wenn er aber jetzt, absorbiert in der Klarheit des Eises, dar�ber nachdachte, mu�te er zugeben, da� es bestimmt das beschrieb, wie Ann immer empfunden hatte. Es war f�r sie beide eine Entt�uschung gewesen; und als Ann geschrien hatte, er habe nie den Mars gesehen, eine Feststellung, die in verschiedener Hinsicht offenbar falsch war, hatte sie vielleicht nur sagen wollen, da� er <emphasis>ihren</emphasis> Mars nicht gesehen h�tte, den Mars, welchen ihr Paradigma geschaffen hatte. Und das war ohne Zweifel richtig.</p><p>Aber jetzt sah er einen Mars wie nie zuvor. Nur war die Verwandlung dadurch gekommen, da� er sich wochenlang gerade auf jene Teile der Landschaft des Mars konzentriert hatte, die Ann verabscheute, die neuen Lebensformen. Also zweifelte er, ob der Mars, den er sah mit seinen Schnee-Algen und Eisflechten und den entz�ckenden kleinen Flecken von Perserteppich, die den Gletscher s�umten, der Mars von Ann w�re. Es war auch nicht der Mars seiner Kollegen bei der Terraformung. Es war eine Funktion von dem, was er glaubte und was er w�nschte�� es war <emphasis>sein</emphasis> Mars, der sich direkt vor seinen Augen entwickelte, immer dabei, etwas Neues zu werden. Er empfand wie einen Stich im Herzen den Wunsch, in genau diesem Moment Ann packen und am Arm zur westlichen Mor�ne hinunterf�hren zu k�nnen und laut zu rufen: Siehst du? Siehst du?</p><empty-line/><p>Statt dessen hatte er Phyllis, vielleicht die am wenigsten philosophische Person, die er je kennengelernt hatte. Er vermied sie, wenn er es tun konnte, ohne da� es so aussah, und verbrachte seine Tage auf dem Eis, im Wind unter dem weiten Himmel des Nordens oder auf den Mor�nen, wo er umherkroch und Pflanzen suchte. Wieder in der Station, plauderte er beim Essen mit Claire, Berkina und den anderen �ber das, was sie drau�en fanden und was es bedeutete. Nach dem Dinner zogen sie sich in den Beobachtungsraum zur�ck und redeten weiter. An manchen Abenden, besonders freitags und samstags, tanzten sie. Die Musik, die sie spielten, war immer Nuevo Calypso�� Gitarren und Stahltrommeln in schnellen, fast simultanen Melodien, die komplexe Rhythmen erzeugten, deren Analyse Sax gro�e Schwierigkeiten bereitete. Es waren oft 5/4-Takte, die mit 4/4 wechselten oder zugleich da waren. Offenbar ein Schema, das darauf abzielte, ihn aus dem Takt zu bringen. Zum Gl�ck war der aktuelle Tanzstil eine Art freier Bewegung, die zum Takt nur wenig Beziehung hatte. Wenn es Sax also nicht gelang, im Rhythmus zu bleiben, war er ziemlich sicher, da� er allein es merkte. Tats�chlich war es eine recht nette Unterhaltung, ganz f�r sich blo� im Zeitma� zu bleiben und in einer kleinen Gigue zum 5/4-Takt herumzuhopsen. Als er an die Tische zur�ckkehrte und Jessica ihm sagte: �Stephen, du bist wirklich ein guter T�nzer�, brach er in Gel�chter aus, erfreut, obwohl er wu�te, da� darin nichts zum Ausdruck kam als Jessicas Inkompetenz, �ber Tanz zu urteilen, oder ihr Versuch, ihm eine Freundlichkeit zu erweisen. Obwohl vielleicht das t�gliche Wandern �ber das Steinfeld sein Gleichgewicht und Zeitgef�hl verbesserte. Jede k�rperliche T�tigkeit konnte, wenn sie richtig studiert und ausge�bt wurde, ohne Zweifel mit betr�chtlicher Geschicklichkeit, wenn nicht gar Eleganz, vollbracht werden.</p><p>Sax und Phyllis sprachen oder tanzten miteinander nur so viel wie mit jedem anderen. Nur in der Geborgenheit ihrer Zimmer umarmten, k��ten und liebten sie sich. Es war die alte Geschichte einer geheimen Beziehung; und eines Morgens gegen vier Uhr, als Sax aus ihrem Zimmer in seines zur�ckkehrte, durchfuhr ihn j�he Furcht. Er hatte pl�tzlich den Eindruck, da� sein nicht diskutiertes Komplizentum bei diesem Verhalten ihn f�r Phyllis deutlich als einen der Ersten Hundert verraten haben m�sse. Wer anders k�nnte so bereitwillig auf ein so bizarres Verhalten kommen, als wenn es die nat�rlichste Sache der Welt w�re?</p><p>Aber wenn er nachdachte, schien Phyllis nicht auf derartige Nuancen zu achten. Sax hatte es fast aufgegeben, ihre Denkweise und Motivationen zu verstehen, da die Daten widerspr�chlich und trotz der Tatsache, da� sie ziemlich regelm��ig die Nacht miteinander verbrachten, ziemlich d�rftig waren. Sie schien haupts�chlich an den intertransnationalen Man�vern interessiert zu sein, die in Sheffield und auf der Erde stattfanden�� Verschiebungen im F�hrungspersonal, Tochtergesellschaften und Immobilienpreisen, die sicher ephemer und bedeutungslos waren, f�r sie aber h�chst fesselnd. Als Stephen blieb er an all diesem deutlich interessiert und stellte ihr Fragen, um seine Anteilnahme zu zeigen, wenn sie darauf zu sprechen kam. Wenn er aber fragte, was diese t�glichen Ver�nderungen in einem gr��eren strategischen Sinne zu bedeuten h�tten, war sie entweder nicht imstande oder nicht willens, erkl�rende Antworten zu geben. Offenbar war sie mehr an dem pers�nlichen Ergehen ihrer Bekannten interessiert als an dem System, das durch deren Laufbahnen zum Ausdruck kam. Ein fr�her bei Consolidated besch�ftigter leitender Angestellter, der jetzt bei Subarashii war, war zum Leiter von Aufzugsoperationen bef�rdert worden, und ein Manager von Praxis war im Busch verschwunden. Armscor hatte vor, Dutzende von Wasserstoffbomben im Megaregolith unter der n�rdlichen Polkappe explodieren zu lassen, um Wachstum und Erw�rmung des Meeres im Norden anzuregen. Und dieser letzte Umstand war f�r sie nicht interessanter als die beiden vorhergehenden.</p><p>Und vielleicht ergab es Sinn, die individuellen Karrieren der Leute zu verfolgen, die die gr��ten Transnationalen betrieben, und die Mikropolitik des Wettrennens um Macht zwischen ihnen. Schlie�lich waren sie ja die derzeitigen Herrscher der Welt. Also lag Sax an der Seite von Phyllis, h�rte ihr zu und machte Bemerkungen nach Art von Stephen. Er bem�hte sich, alle die Namen zu ordnen, und fragte sich, ob der Gr�nder von Praxis wirklich ein seniler Surfer w�re, ob Shellalco von Amexx �bernommen werden w�rde und ob die leitenden Teams der Transnationalen wirklich so scharfe Konkurrenten w�ren, da sie doch ohnehin die Welt beherrschten und alles hatten, was sie sich in ihrem pers�nlichen Leben w�nschen k�nnten. Vielleicht lag die Antwort wirklich in der Soziobiologie, und es war alles Dominanzgebaren von Primaten, bei dem man seinen Erfolg bei der Fortpflanzung in der Gemeinschaft steigern wollte. Das war vielleicht keine blo�e Analogie, wenn man die Firma als sein Kind ansah. Und dann konnte es wiederum in einer Welt, wo man unbegrenzt lange leben konnte, einfacher Selbstschutz sein. ��berleben der T�chtigsten� war Sax immer als eine leere Tautologie erschienen. Wenn aber Sozialdarwinismus an die Macht k�me, dann k�nnte dieses Konzept als religi�ses Dogma der herrschenden Ordnung an Bedeutung gewinnen��</p><p>Und dann rollte Phyllis sich zu ihm her�ber und k��te ihn, und er trat in den Bereich von Sex ein, wo andere Regeln zu herrschen schienen. Obwohl er Phyllis immer weniger liebte, je besser er sie kennenlernte, entsprach dem nicht das Ma�, in dem er von ihr angezogen wurde, sondern schwankte nach geheimnisvollen eigenen Gesetzen, ohne Zweifel von Hormonen angetrieben und begr�ndet, so da� er sich manchmal anstrengen mu�te, ihre Ber�hrungen zu akzeptieren, w�hrend er ein anderes Mal von einer Lust angetrieben wurde, die um so st�rker schien, je weniger sie mit Zuneigung vermischt war. Oder was noch sinnloser war�� eine durch Abneigung noch gesteigerte Lust. Diese letzte Reaktion war selten; und als sich der Aufenthalt in Arena hinzog und die Neuigkeit ihrer Aff�re verbla�te, fand Sax sich immer h�ufiger von ihrem Liebesspiel distanziert und neigte dazu, w�hrend dessen zu phantasieren und tief in Stephen Lindholm zu verfallen, der anscheinend mit Frauen zu schmusen schien, die Sax nicht kannte oder von denen er kaum geh�rt hatte, wie Ingrid Bergman oder Marylin Monroe.</p><empty-line/><p>Eines Morgens stand Sax nach einer beunruhigenden Nacht dieser Art auf, um aufs Eis zu gehen und Phyllis r�hrte sich, wachte auf und beschlo� mitzukommen.</p><p>Sie zogen sich an und traten hinaus in eine reine purpurne Morgend�mmerung. Schweigend kletterten sie die nahe Mor�ne an der Flanke des Gletschers hinunter und stiegen auf einer Reihe von Stufen ins Eis. Sax nahm den s�dlichsten ausgeflaggten Weg �ber den Gletscher, um die westliche Seitenmor�ne so weit stromaufw�rts zu besteigen, wie er an einem Vormittag gehen konnte.</p><p>Sie gingen zwischen kniehohen Auskerbungen von Eis dahin, die alle L�cher hatten wie Schweizer K�se und von Schneealgen rosa gefleckt waren. Phyllis war wie immer �ber das phantastische Gewirr entz�ckt und machte Bemerkungen �ber die ungew�hnlichsten Eisnadeln. Sie verglich die, an denen sie an diesem Morgen vorbeikamen, mit einer Giraffe, dem Eiffelturm, der Fl�che Europas etc. Sax blieb oft stehen, um St�cke aus Jadeeis zu untersuchen, die von Eisbakterien durchzogen waren. An ein paar Stellen lag das Jadeeis frei wie kalifornische Nachtkerzen, die von Schneealgen r�tlich gef�rbt waren. Das war ein seltsamer Effekt, wie ein gro�es Feld von Pistazieneis.</p><p>Also kamen sie nur langsam voran und waren noch auf dem Gletscher, als eine Reihe kleiner gedr�ngter Wirbelwinde hintereinander auftrat wie durch einen Zaubertrick. Braune Staubtromben, die von Eisteilchen glitzerten in einer rohen Linie, die vom Gletscher auf sie zu f�hrte. Dann brachen die Wirbelwinde in einer Art Fluktuation zusammen, und sie wurden von einem rauhen Windsto� getroffen, der pfeifend so stark bergab raste, da� sie sich hinknien mu�ten, um das Gleichgewicht zu bewahren. �Was f�r ein Sturm!� rief Phyllis ihm ins Ohr.</p><p>�Ein katabatischer Wind�, sagte Sax und sah eine Gruppe von Eisnadeln im Staub verschwinden. �Er kommt von Tharsis herunter.� Die Sicht verschlechterte sich. �Wir sollten versuchen, zur Station zur�ckzukommen.�</p><p>Also machten sie sich l�ngs des beflaggten Pfades auf den Weg und stapften von einen smaragdfarbenen Punkt zum n�chsten. Aber die Sicht wurde immer schlechter, bis sie nicht mehr von einer Markierung zur n�chsten sehen konnten. Phyllis sagte: �Hier, la� uns in den Schutz dieser Eisberge gehen!�</p><p>Sie ging auf die unscharfe Gestalt eines Vorsprungs im Eis zu, und Sax rannte hinter her und sagte: �Sei vorsichtig! Viele Eisnadeln haben an ihrer Basis Spalten.� Er langte hin, um ihre Hand zu ergreifen, als sie wie durch eine Fallt�r nach unten st�rzte. Er bekam ein hochgerecktes Handgelenk zu fassen, wurde hart zu Boden gerissen und stie� sich die Knie schmerzhaft auf dem Eis. Phyllis sackte noch weiter ab. Sie rutschte einen Schacht am Ende einer flachen Spalte hinunter. Er h�tte sie loslassen k�nnen, hielt aber instinktiv fest und wurde mit dem Kopf voran �ber die Kante gezogen. Sie glitten beide in den dicht gepackten Schnee am Boden der Spalte, und der Schnee gab unter ihnen nach, so da� sie weiter fielen und nach einem kurzen, aber f�rchterlichen Sturz auf frostigen Sand prallten.</p><p>Sax, der gr��tenteils auf Phyllis gelandet war, richtete sich unverletzt auf. �ber das Interkom kamen alarmierende saugende T�ne von Phyllis; aber bald wurde es klar, da� es ihr nur die Luft aus den Lungen gepre�t hatte. Als sie ihre Atmung wieder im Griff hatte, pr�fte sie unsicher ihre Gliedma�en und erkl�rte, sie sei okay. Sax bewunderte ihre Z�higkeit.</p><p>In dem Stoff �ber seinem rechten Knie war ein Ri�, aber sonst war er in Ordnung. Er nahm aus seiner Schenkeltasche etwas Klebeband und verschlo� den Ri�. Das Knie war noch ohne Schmerz gekr�mmt. Also verga� er es und stand auf.</p><p>Das Loch, das sie durch den Schnee �ber ihnen gesto�en hatten, befand sich etwa zwei Meter �ber seiner ausgestreckten Hand. Sie befanden sich in einer l�nglichen Blase, der unteren H�lfte einer Spalte, die ungef�hr wie eine Sanduhr geformt war. Die stromabw�rts liegende Wand ihrer kleinen Blase bestand aus Eis, w�hrend die stromaufw�rts liegende Wand mit Eis �berzogenes Gestein war. Der rohe Kreis des �ber ihren K�pfen sichtbaren Himmels hatte dunkle Pfirsichfarbe, und die bl�uliche Eiswand der Spalte schimmerte mit Reflexen des staubigen Sonnenlichts, so da� der Endeffekt etwas opaleszierend und recht malerisch war. Aber sie sa�en fest.</p><p>�Unser Piepsignal wird abgebrochen sein�, mutma�te Sax, �und dann werden sie kommen, um nachzusehen.�</p><p>�Ja, aber werden sie uns finden?� sagte Phyllis.</p><p>Sax zuckte die Achseln. �Der Piepser liefert eine Richtungsangabe.�</p><p>�Aber der Wind! Die Sicht kann auf Null heruntergehen.�</p><p>�Wir m�ssen hoffen, da� sie damit zurechtkommen werden.�</p><p>Die Spalte zog sich gen Osten wie ein enger flacher Gang hin. Sax duckte sich unter einer niedrigen Stelle und beleuchtete mit seiner Stirnlampe den Raum zwischen Eis und Fels. Er reichte so weit man sehen konnte in Richtung auf die Ostseite der Gletschers. Es war m�glich, da� er bis zu einer der kleinen H�hlen an der Seite des Gletschers reichte. Darum dachte er nach Absprache mit Phyllis daran, die Spalte auszukundschaften, und Phyllis da zu lassen, um sicher zu sein, da� etwaige Sucher, die das Loch fanden, auch jemanden auf seinem Boden finden w�rden.</p><p>Au�erhalb des starken Lichtkegels seiner Stirnlampe war das Eis intensiv kobaltblau, ein Effekt, der durch die Rayleighstreuung verursacht wurde, die auch das Himmelsblau hervorrief. Auch bei ausgeschalteter Stirnlampe war es ziemlich hell, was darauf schlie�en lie�, da� das Eis �ber ihnen nicht sehr dick war. Wahrscheinlich ebenso dick wie die Tiefe ihres Sturzes, so schien es ihm jetzt.</p><p>Die Stimme von Phyllis in seinem Ohr fragte, ob mit ihm alles in Ordnung w�re.</p><p>�Mir geht es gut. Ich denke�, erwiderte er. �Dieser Raum k�nnte dadurch entstanden sein, da� der Gletscher �ber eine querliegende B�schung geflossen ist. So k�nnte er bis nach drau�en f�hren.�</p><p>Aber dem war nicht so. Hundert Meter weiter schlo� sich das Eis auf der linken Seite und traf die steinige Seite rechts. Eine Sackgasse.</p><p>Auf dem R�ckweg ging er langsamer und hielt an, um Risse im Eis zu untersuchen und Felsenst�cke unter den F��en, die vielleicht von der B�schung losgerissen waren. In einer Spalte wurde das Kobalt des Eises blaugr�n. Als er mit einem Finger im Handschuh hineinlangte, zog er eine lange dunkelgr�ne Masse heraus, die an der Oberfl�che gefroren, aber darunter weich war. Es war eine lange dendritische Masse blaugr�ner Algen.</p><p>Er sagte: �Oho!�, pfl�ckte einige gefrorene Str�hnen ab und schob den Rest wieder an seine Stelle. Er hatte gelesen, da� Algen sich in das Gestein und Eis des Planeten einbohrten und Bakterien noch tiefer gingen. Aber einige hier unten wirklich eingegraben zu finden, so weit entfernt von der Sonne, gen�gte, um einen in Erstaunen zu versetzen. Er schaltete seine Stirnlampe wieder aus, und das helle Kobaltblau des eisigen Lichtes leuchtete um ihn herum, sanft und �ppig. So dunkel und so kalt�� wie konnte hier ein Lebewesen existieren? Wie schaffte es das?</p><p>�Stephen?�</p><p>�Ich komme�, sagte er zu Phyllis und kehrte wieder an ihre Seite zur�ck. �Schau, die ganze Strecke da unten sind blaugr�ne Algen.�</p><p>Er hielt es hin, damit sie es ansehen k�nnte, aber sie verwandte darauf nur den knappsten Blick. Er setzte sich hin, holte aus seiner Schenkeltasche einen Probebeutel und tat eine kleine Algenstr�hne hinein. Dann schaute er sie mit seiner zwanzigfachen Vergr��erungslinse an. Diese war nicht stark genug, um alles zu zeigen, was er sehen wollte; aber sie lie� die langen Fasern von dendritischem Gr�n erkennen, die schleimig wirkten, als sie auftauten. Sein Leseger�t enthielt Kataloge mit Fotos bei �hnlicher Vergr��erung; aber er konnte nicht die Spezies finden, die dieser in jedem Detail �hnelte. �Es k�nnte noch nicht erfa�t sein�, sagte er. �W�re das nicht etwas? Man mu� sich wirklich fragen, ob die Mutationsrate hier h�her ist als der Standard. Wir sollten Experimente anstellen, um das zu bestimmen.�</p><p>Phyllis antwortete nicht.</p><p>Sax behielt seine Gedanken f�r sich, w�hrend er weiter in den Katalogen suchte. Er war noch dabei, als sie in ihrem Radio rauhes Qu�ken und Zischen h�rten. Phyllis rief auf der allgemeinen Frequenz. Bald konnten sie in der Interkom Stimmen vernehmen, und nicht lange danach f�llte ein runder Helm das Loch �ber ihnen. �Hier sind wir!� rief Phyllis.</p><p>�Wartet eine Sekunde!� rief Berkina. �Wir bringen eine Strickleiter f�r euch.�</p><p>Und nach einer unbequemen schaukelnden Kletterei waren sie wieder auf der Oberfl�che des Gletschers, blinzelten in dem staubigen wechselnden Tageslicht und duckten sich gegen die B�en, die immer noch ziemlich stark waren. Phyllis lachte und erkl�rte in ihrer �blichen Art, was geschehen war. �Wir hielten uns an den H�nden, um uns nicht zu verlieren, und�� <emphasis>rums!�� </emphasis>ging es nach unten!� Ihre Retter beschrieben die brutale Gewalt der st�rksten Windst��e. Alles schien wieder normal zu sein. Aber als sie in die Station kamen und die Helme abnahmen, warf Phyllis Sax einen kurzen forschenden Blick zu, der wirklich sehr sonderbar war, als ob er ihr etwas enth�llt h�tte, das sie wachsam machte, als ob er sie da unten in der Spalte an etwas erinnert h�tte. Als ob er sich auf eine Weise verhalten h�tte, die ihn ohne Widerrede als ihren alten Kameraden Saxifrage Russell verriet.</p><p>W�hrend des n�rdlichen Herbstes arbeiteten sie rund um den Gletscher und sahen die Tage k�rzer und die Winde k�lter werden. Jede Nacht wuchsen auf dem Gletscher gro�e komplizierte Eisblumen und schmolzen erst am fr�hen Nachmittag kurz, wonach sie sich verh�rteten und als Basis f�r noch kompliziertere Bl�tter dienten, die am n�chsten Morgen erschienen. Die kleinen scharfen Kristallflocken brachen nach allen Richtungen von den gr��eren Fl�chen und Zacken darunter ab. Sie konnten nicht vermeiden, mit jedem Schritt ganze fraktale Welten zu zerdr�cken, wenn sie �ber das Eis stampften und nach den jetzt von Reif bedeckten Pflanzen Ausschau hielten, um zu sehen, wie sie mit der kommenden K�lte zurechtkamen. Wenn Sax �ber die unebene wei�e W�ste blickte und f�hlte, wie der Wind durch einen der dickeren isolierten Schutzanz�ge bi�, schien es ihm, als ob ein Sterben gro�en Ausma�es im Winter unausweichlich w�re.</p><p>Aber der Augenschein t�uschte. Nat�rlich k�nnte es ein winterliches Sterben geben. Aber die Pflanzen wurden h�rter, wie die �berwinternden G�rtner es nannten. Sie akklimatisierten sich an den kommenden Winter. Wie Sax erfuhr, was das ein dreistufiger Proze�, als er in dem d�nnen, hart gepackten Schnee nach den Zeichen suchte. Zuerst sp�rten phytochrome Uhren in den Bl�ttern die k�rzeren Tage�� und die wurden jetzt rasch k�rzer mit dunklen Wetterfronten, die etwa jede Woche durchzogen und schmutzigwei�en Schnee aus schwarzen, bauchigen Cumulunimbuswolken abluden. In der zweiten Stufe h�rte das Wachstum auf, Kohlenhydrate wanderten in die Wurzeln, und abschneidende S�ure sammelte sich in einigen Bl�ttern, bis diese abfielen. Sax fand Mengen von diesen Bl�ttern, die vergilbt oder braun noch an ihren Stengeln hingen, den Boden bedeckten und der noch lebenden Pflanze mehr Isolation boten. W�hrend dieser Stufe bewegte sich Wasser aus den Zellen in interzellulare Eiskristalle, und die Zellmembranen wurden dicker, w�hrend Zuckermolek�le in einigen Proteinen Wasser ersetzten. Dann, in der dritten und k�ltesten Stufe, bildete sich glattes Eis um die Zellen herum, ohne sie zu zerbrechen, in einem Proze�, den man als Vitrifikation (Verglasung) bezeichnete.</p><p>An dieser Stelle konnten die Pflanzen Temperaturen bis hinab zu 220 Kelvin vertragen, was ungef�hr die durchschnittliche Temperatur auf dem Mars vor ihrer Ankunft gewesen war, aber jetzt auch noch oft erreicht wurde. Und der Schnee, der in den immer h�ufiger werdenden St�rmen fiel, diente den Pflanzen praktisch zur Isolation, indem er den Boden, auf dem er lag, w�rmer hielt als die windige Oberfl�che.</p><p>W�hrend Sax mit taub gewordenen Fingern in dem Schnee w�hlte, fand er das Milieu darunter faszinierend, besonders die Anpassungen an das spektral blau gefilterte Licht, das durch drei Meter Schnee drang�� wieder ein Beispiel f�r Rayleighstreuung. Er h�tte diese Winterwelt gern alle sechs Monate der Saison selbst studiert. Es gefiel ihm unter den niedrigen dunklen Wolkenwellen auf der wei�en Fl�che des beschneiten Gletschers, wenn er sich gegen den Wind stemmte und durch Driften stapfte. Aber Claire wollte, da� er nach Burroughs zur�ckkehrte und in den dortigen Labors an einer Tundra-Tamariske arbeitete, mit der sie unter simulierten Freiland-Bedingungen kurz vor dem Erfolg standen. Und Phyllis und der Rest der Gruppe von Armscor und der �bergangsbeh�rde gingen auch zur�ck. So �berlie�en sie eines Tages die Station einer kleinen Mannschaft von Forschern und G�rtnern, bestiegen eine Wagenkarawane und fuhren zusammen nach S�den.</p><p>Sax hatte gemurrt, als er h�rte, da� Phyllis und ihre Gruppe mit ihnen zur�ckkehren w�rden. Er hatte gehofft, da� blo�e physische Trennung die Beziehung mit Phyllis beenden und ihn von diesem kontrollierenden Auge entfernen w�rde. Da sie aber beide gemeinsam zur�ckgingen, sah es so aus, als sollte irgendeine Ma�nahme ergriffen werden. Er m��te also Schlu� machen, wenn er ein Ende wollte. Und das tat er auch. Die ganze Idee eines Verh�ltnisses mit ihr war von Anfang an schlecht gewesen. Reden �ber die Flut des Unerkl�rlichen! Aber die Flut war vorbei, und ihm blieb die Gesellschaft einer Person, die bestenfalls aufreizend war und schlimmstenfalls gef�hrlich. Und nat�rlich war es kein angenehmer Gedanke, da� er die ganze Zeit in falscher �berzeugung gehandelt hatte. Kein Schritt auf dem Weg war ihm mehr als nur unbedeutend erschienen, aber alle zusammen ergaben etwas ziemlich Monstr�ses.</p><p>Als daher an ihrem ersten Abend in Burroughs sein Armband piepte und Phyllis erschien, um ihn zum Dinner herauszubitten, sagte er zu, beendete den Anruf und knurrte m�rrisch vor sich hin. Es w�rde ungem�tlich werden.</p><p>Sie gingen aus in ein Patiorestaurant, das Phyllis auf dem Ellis-H�gel kannte, westlich von Hunt Mesa. Auf Phyllis� Wunsch hin erhielten sie einen Ecktisch mit Blick auf den hohen Distrikt zwischen Ellis und Table Mountain, wo die Haine von Princess Park von neuen H�usern umgeben waren. Gegen�ber dem Park hatte Table Mountain so gl�serne W�nde, da� er wie ein riesiges Hotel aussah. Und die entfernteren Mesas waren nicht weniger gl�nzend.</p><p>Kellner und Kellnerinnen brachten eine Karaffe mit Wein und das Essen. Dadurch wurde das Geplapper von Phyllis unterbrochen, in dem es zumeist �ber die Neukonstruktion auf Tharsis ging. Sie schien aber sehr gern mit den Kellnern und Kellnerinnen zu plaudern.</p><p>Sie signierte Servietten f�r sie und fragte, woher sie k�men, wie lange sie schon auf dem Mars w�ren und so weiter. Sax a� ruhig und beobachtete Phyllis sowie Burroughs. Er wartete darauf, da� das Mahl ein Ende nehmen w�rde. Es schien stundenlang zu dauern.</p><p>Aber endlich waren sie fertig und fuhren mit dem Aufzug <emphasis>zum</emphasis> Talboden hinunter. Der Aufzug brachte Erinnerungen an ihre erste gemeinsame Nacht zur�ck, was Sax wirklich unangenehm war. Vielleicht f�hlte Phyllis �hnlich, denn sie r�ckte in die andere Seite der Kabine, und die lange Fahrt nach unten verging in Schweigen.</p><p>Und dann auf dem Rasen des Boulevards k��te sie ihn fl�chtig auf die Wange, dr�ckte ihn kurz fest an sich und sagte: �Stephen, es war ein sch�ner Abend und auch eine sch�ne Zeit drau�en in Arena. Ich werde nie unser kleines Abenteuer unter dem Gletscher vergessen. Aber jetzt mu� ich wieder zur�ck nach Sheffield und mich mit allem besch�ftigen, das sich da anh�uft, wei�t du. Ich hoffe, du wirst mich besuchen kommen, wenn du einmal da oben bist.�</p><p>Sax bem�hte sich, seine Miene zu beherrschen, und suchte sich vorzustellen, wie Stephen f�hlen und was er sagen w�rde. Phyllis war eine eitle Frau, und es war m�glich, da� sie die ganze Aff�re schneller vergessen w�rde, wenn sie es vermied, an die Verletzung zu denken, die sie jemandem zugef�gt hatte, indem sie ihn hatte fallenlassen, anstatt dar�ber zu gr�beln, warum er so erleichtert gewirkt hatte. Also versuchte Sax, die Stimme der Minderheit in seinem Innern zu lokalisieren, die �ber eine solche Behandlung gekr�nkt war. Er spannte seine Mundwinkel und schaute zur Seite. Er sagte blo�: �Ah!�</p><p>Phyllis lachte wie ein M�dchen und nahm ihn z�rtlich in die Arme. Sie mahnte ihn: �Mach schon! Es hat doch Spa� gemacht, nicht wahr? Und wir werden uns wiedersehen, wenn ich Burroughs besuche oder du einmal nach Sheffield kommst. Inzwischen�� was k�nnen wir sonst tun? Sei nicht traurig!�</p><p>Sax zuckte die Achseln. Das war so einleuchtend, da� man sich kaum vorstellen konnte, da� niemand au�er dem hartgesottensten Liebhaber etwas dagegen haben w�rde; und er hatte nie vorgegeben, ein solcher zu sein. Schlie�lich waren sie doch beide �ber hundert. �Ich wei߫, sagte er mit einem nerv�sen reuigen L�cheln. �Ich bin nur traurig, da� die Zeit gekommen ist.�</p><p>�Ich wei�.� Sie k��te ihn noch einmal. �Ich auch. Aber wir werden uns wieder begegnen, und dann werden wir sehen.�</p><p>Er nickte und schaute wieder nach unten. Wieder wurden ihm die Schwierigkeiten bewu�t, mit denen Schauspieler konfrontiert werden. Was sollte man tun?</p><p>Aber mit einem schnellen Lebewohl war sie weg. Sax sagte den Abschied mit einem raschen Blick �ber die Schulter.</p><empty-line/><p>Er ging �ber den Gro�en B�schungsboulevard auf Hunt Mesa zu. Das w�r�s also gewesen. Gewi� leichter, als er erwartet hatte. Tats�chlich sogar h�chst bequem. Aber ein Teil von ihm war immer noch beunruhigt. Er blickte auf sein Spiegelbild in den Schaufenstern, an denen er in den unteren Stockwerken von Hunt vorbeikam. Ein schlampiger alter Kauz? H�bsch? Nun, was immer das bedeutete. H�bsch f�r manche Frauen, manchmal. Von einer aufgegriffen und einige Wochen als Bettpartner benutzt, dann beiseite gesto�en, wenn es Zeit war, weiterzuziehen. Wahrscheinlich war das im Laufe der Jahre so vielen passiert, ohne Zweifel �fters Frauen als M�nnern in Anbetracht der Ungleichheit von Kultur und Fortpflanzung. Aber jetzt, wo Fortpflanzung nicht mehr in Frage kam, und die Kultur in Scherben lag� Sie war wirklich ziemlich schrecklich. Aber hinwiederum hatte er kein Recht, sich zu beklagen. Er hatte ihr bedingungslos zugestimmt und sie von Anfang an belogen, nicht nur �ber seine Identit�t, sondern auch �ber seine Gef�hle. Und jetzt war er frei davon und von allem, was damit zu tun hatte. Und von allem, das es bedrohte.</p><p>Er f�hlte eine Art Stimmungsaufschwung durch Stickoxydul und ging �ber die gro�e Treppe in der Vorhalle von Hunt zu seiner Etage und in sein kleines Apartment.</p><empty-line/><p>Sp�t in diesem Winter, w�hrend ein paar Wochen im Februar, fand in Burroughs die allj�hrliche Konferenz �ber das Terraformungsprojekt statt. Es war die zehnte derartige Konferenz, von den Veranstaltern als �M-38� bezeichnet, und es ging �ber neue Ergebnisse und neue Richtlinien. Es w�rden Wissenschaftler vom ganzen Mars teilnehmen, insgesamt fast dreitausend Personen. Die Zusammenk�nfte fanden in dem gro�en Konferenzzentrum in Table Mountain statt, w�hrend die teilnehmenden Forscher in Hotels der ganzen Stadt wohnten.</p><p>Jedermann in Biotique Burroughs ging zu den Versammlungen. Wer Experimente laufen hatte, um die er sich k�mmern mu�te, lief zwischendurch nach Hunt Mesa. Sax war verst�ndlicherweise an jedem Aspekt der Konferenz h�chst interessiert und ging an ihrem ersten Morgen zu Canal Park, kaufte sich Kaffee und Geb�ck und ging dann zum Konferenzzentrum hinauf, wo er fast der erste am Tisch f�r die Einschreibung war. Er empfing sein P�ckchen an Programm information, steckte sich sein Namensschild an die Jacke und ging durch die G�nge au�erhalb der Konferenzr�ume, nippte an seinem Kaffee, las das Programm dieses Morgens und schaute auf die an bestimmten Stellen der G�nge angeschlagenen Poster.</p><p>Hier, und zum ersten Mal seit mehr Jahren, als an die er sich erinnern konnte, f�hlte Sax sich bestens in seinem Element. Wissenschaftliche Konferenzen waren zu allen Zeiten und an allen Orten immer gleich, sogar bis hin zu der Weise, wie sich die Leute anzogen. Die M�nner in konservativen, etwas sch�bigen professoralen Jacken, alle in braun get�nten Farben, und die Frauen, vielleicht drei�ig Prozent von allen, in ungew�hnlich monotonen und strengen Businesskost�men. Viele Leute trugen noch Brillen, obwohl es kaum noch ein Sehproblem gab, das nicht chirurgisch behoben werden konnte. Die meisten hatten ihre Programmp�ckchen bei sich, und alle hatten ihr Namensschild auf dem Revers. In den verdunkelten Konferenzr�umen kam Sax an Vortr�gen und Diskussionen vorbei, die gerade anfingen; und auch hier war alles so wie immer. Redner standen vor Videoschirmen, die ihre Graphiken, Tabellen, Molekularstrukturen und so weiter zeigten. Sie sprachen in gestelzten Kadenzen, die zeitlich auf den Rhythmus ihrer Bilder abgestimmt waren, und benutzten einen Zeigestock, um auf die wichtigen Teile �berf�llter Diagramme hinzuweisen�� Die Zuh�rer, bestehend aus den drei�ig oder vierzig Kollegen, die am meisten an der dargestellten Arbeit interessiert waren, sa�en in Stuhlreihen nahe bei ihren Freunden, lauschten aufmerksam und bereiteten Fragen vor, die sie nach Ende der Darbietung stellen wollten.</p><p>F�r Menschen, die diese Welt liebten, war das ein sehr erfreulicher Anblick. Sax steckte den Kopf in mehrere R�ume, aber keine der Ausf�hrungen interessierte ihn so, da� er teilnehmen wollte. Bald befand er sich in einem Flur voller Poster und schnupperte weiter.</p><p>�Aufl�sung polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe in monomeren und gemischten surfaktanten Medien. � �Senkung nach dem Pumpen in der s�dlichen Vastitas Borealis.� �Epithelischer Widerstand gegen gerontologische Behandlung im dritten Stadium. � �Auftreten radialer gebrochener Wasserlager in den Rinnen von Aufprallbecken.� �Schwachstrom-Elektroporation langer Vektorplasmide. � �Katabatische Winde in Echus Chasma.� �Basisgenom f�r neue Kaktusarten.� �Wiederherstellung der Oberfl�chen von Marsgebirgen in der Region von Amenthes und Tyrrhena.� � Ablagerung der Natriumnitratschichten von Nilosyrtis.�</p><p>�Ein Verfahren zur Bestimmung beruflicher Exposition durch Chlorophenate mittels Analyse kontaminierterArbeitskleidung. �</p><p>Wie immer boten die Poster ein entz�ckendes Sammelsurium. Aus verschiedenen Gr�nden gab es mehr Poster als Vortr�ge�� oft die Arbeit graduierter Studenten an der Universit�t in Sabishii oder �ber Themen am Rande der Konferenz. Aber es gab da alles und war immer sehr interessant zu schm�kern. Und es hatte bei dieser Konferenz keinen ernsten Versuch gegeben, die Poster in den G�ngen thematisch zu ordnen, so da� �Verteilung von <emphasis>Rhizocarpon geographicum</emphasis> in den Ostcharitumbergen�, was das Schicksal einer Krustenflechte in gro�en H�hen behandelte, die bis zu viertausend Jahren leben konnte, sich gegen�ber einer ziemlich wichtigen meteorologischen Studie befand �ber �Entstehung von Graupelschnee in Salzpartikeln, die in Cirrus-, Altostratus- und Altocumuluswolken in zyklonalen Wirbeln in Nordtharsis gefunden wurden�.</p><p>Sax interessiere sich f�r alles, aber am l�ngsten besch�ftigten ihn die Poster, welche Aspekte des Terraformens beschrieben, die er initiiert hatte oder bei denen seine Hand im Spiel gewesen war. Eines davon, Absch�tzung der kumulativen W�rme, die von den Underhill-Windm�hlen freigesetzt wird�, hielt ihn auf. Er las es zweimal durch und empfand dabei eine leichte Entmutigung.</p><p>Die mittlere Temperatur der Marsoberfl�che hatte vor ihrer Ankunft etwa 220 K betragen; und es war ein allgemein angenommenes Ziel, sie auf etwas �ber den Gefrierpunkt des Wassers zu heben, der bei 273 K liegt.</p><p>Die Steigerung der Oberfl�chentemperatur eines ganzen Planeten um mehr als 53 K war eine sehr be�ngstigende Unternehmung, die, wie Sax ausgerechnet hatte, langfristige Zuf�hrung von nicht weniger als 3,5 x 106 Joule pro Quadratzentimeter der Marsoberfl�che erforderte. Sax hatte bei seinen Modellen immer einen Mittelwert von ungef�hr 274 K angestrebt, weil damit der Planet warm genug sein w�rde, um einen gro�en Teil des Jahres eine aktive Hydrosph�re zu haben und damit eine Biosph�re. Viele Leute bef�rworteten eine noch st�rkere Erw�rmung, aber Sax sah das Bed�rfnis daf�r nicht ein.</p><p>Auf jeden Fall wurden alle Verfahren, dem System W�rme zuzuf�hren, danach beurteilt, wie stark sie die globale mittlere Temperatur gesteigert hatten. Und dieses Poster, das die Wirkung von Saxens kleinen Windm�hlenerhitzern pr�fte, sch�tzte, da� diese w�hrend mehr als sieben Jahrzehnten nicht mehr als 0,05 K beigetragen h�tten. Und er konnte nichts Falsches in den verschiedenen Annahmen und Berechnungen des Posters finden. Nat�rlich war Erw�rmung nicht der einzige Grund gewesen, weshalb er die Windm�hlen verteilt hatte. Er hatte auch W�rme und Schutz f�r einen fr�h manipulierten Kryptoendolithen schaffen wollen, den er auf der Oberfl�che testen wollte. Aber alle diese Organismen waren kurz nach ihrer Freisetzung gestorben oder bald danach. Somit konnte man das Projekt nicht gerade zu seinen besseren Bem�hungen z�hlen.</p><p>Er ging weiter. �Anwendung von chemischen niveaumanipulierten Daten bei hydrochemischem Modellieren: Dao Vallis Watershed Hellas.� �Erh�hung von CO2-Toleranz bei Bienen. � �Epilimnetische S�uberung von Comptonausfall in den glazialen Seen von Marineris.� Beseitigung von Grus aus Reaktionsspurschienen. � �Globale Erw�rmung als Folge freigesetzter Karbone.�</p><p>Dies lie� ihn wieder innehalten. Das Poster war die Arbeit des Atmosph�renchemikers S. Simmon und einiger seiner Studenten. Seine Lekt�re bewirkte, da� Sax sich erheblich besser f�hlte. Als er 2042 zum Chef des Terraformungsprojekts gemacht wurde, hatte er sofort den Bau von Fabriken zur Produktion und Freisetzung in die Atmosph�re von einer besonderen Gew�chshausgasmischung veranla�t, die haupts�chlich aus Karbontetrafluorid, Hexafluor�than und Schwefelhexafluorid bestand, neben etwas Methan und Stickoxid. Das Poster bezeichnete dieses Gemisch als �russischenCocktail�, wie sein Echus-Overlook-Team es in den alten Tagen genannt hatte. Die Halokarbone darin waren starke Gew�chshausgase; und das Beste an ihnen war, da� sie nach au�en gehende planetare Strahlung im Bereich von acht bis zw�lf Mikron absorbierten, in dem sogenannten �Fenster�, wo weder Wasserdampf noch Kohlendioxid viel absorbierende Kraft besa�en. Dieses Fenster hatte, wenn es offen war, phantastische W�rmemengen wieder in den Weltraum entweichen lassen; und Sax hatte schon fr�h den Versuch bef�rwortet, es zu schlie�en, indem er genug von dem Cocktail freilie�, da� er zehn oder zwanzig Teile pro Million der Atmosph�re ausmachen w�rde, gem�� dem alten klassischen Modell von McKay <emphasis>et al.</emphasis> Darum wurden von 2042 an gro�e Anstrengungen unternommen, automatisierte Produktionsst�tten f�r Kohlenstoff, Schwefel und Fluorit zu errichten, deren Ertrag in die Atmosph�re entlassen wurde. Die hinausgepumpten Mengen waren jedes Jahr gesteigert worden, auch nachdem die zwanzig Teile pro Million erreicht waren, weil man diese Proportion in der immer dichter werdenden Atmosph�re beibehalten wollte und auch weil man die st�ndige Zerst�rung von Halokarbonen durch UV-Strahlung ausgleichen mu�te.</p><p>Und wie die Tabellen in dem Simmon-Poster verdeutlichten, hatten die Fabriken �ber 2061 und in den folgenden Dekaden weiter gearbeitet. Sie hielten das Niveau bei etwa sechsundzwanzig Teilen pro Million. Das Poster folgerte, da� diese Einleitung die Atmosph�re um rund 12 K erw�rmt h�tte.</p><p>Sax ging weiter mit einem kleinen L�cheln im Gesicht. Zw�lf Grad! Nun, das war etwas�� mehr als zwanzig Prozent der ganzen W�rme, die sie brauchten. Und das alles durch die fr�he und st�ndige Freisetzung eines h�bsch konzentrierten Gascocktails. Das war wirklich elegant. Einfache Physik hatte etwas so Tr�stliches an sich��</p><empty-line/><p>Aber inzwischen war es zehn Uhr, und H. X. Borazjani, einer der besten Atmosph�renphysiker auf dem Mars, begann eine grunds�tzliche Rede �ber die globale Erw�rmung. Offenbar hatte er vor, seine Berechnungen �ber die Beitr�ge aller Versuche zur Erw�rmung kundzutun, die bis 2100 gemacht worden waren, dem Jahr, ehe die Soletta in T�tigkeit getreten war. Nach der Beurteilung individueller Beitr�ge versuchte er herauszubekommen, ob irgendwelche synergistische Effekte abliefen. Sein Vortrag war darum einer der entscheidenden Beitr�ge zur Konferenz, da die Arbeit so vieler anderer Leute darin erw�hnt und beurteilt werden w�rde.</p><p>Der Vortrag fand in einem der gr��ten Konferenzr�ume statt, und der Saal war bei dieser Gelegenheit mit einigen tausend Personen dicht besetzt. Sax schl�pfte gerade zu Beginn hinein und stand im Hintergrund hinter der letzten Sitzreihe.</p><p>Borazjani war ein kleiner Mann mit dunkler Haut und wei�em Haar, der mit einem Zeigestock vor einem gro�en Schirm sprach, der jetzt Videobilder der verschiedenen Erw�rmungsmethoden zeigte, die man versucht hatte. Schwarzer Staub und Flechten an den Polen, die orbitalen Spiegel, die vom Erdmond her�bergesegelt waren, die Moholes, die Fabriken f�r Gew�chshausgase, die Eisasteroiden, welche in der Atmosph�re verbrannten, die denitrifizierenden Bakterien und alle �brigen Biota.</p><p>Sax hatte in den 2040er und 50er Jahren jeden einzelnen dieser Prozesse initiiert und betrachtete das Video mit noch mehr Interesse als das �brige Auditorium. Die einzige naheliegende Strategie zur Erw�rmung, die er in den fr�hen Jahren vermieden hatte, war die massive Freisetzung von Kohlendioxid in die Atmosph�re. Deren Bef�rworter hatten einen wilden Gew�chshauseffekt ausl�sen und eine CO2-Atmosph�re bis hin zu 2 Bar schaffen wollen mit dem Argument, da� dadurch der Planet m�chtig aufgeheizt werden und UV-Strahlung abgehalten und ein rasantes Pflanzenwachstum die Folge sein w�rde. Das war ohne Zweifel alles wahr, aber f�r Menschen und andere Tiere w�rde es giftig sein; und obwohl Bef�rworter des Planes von einer zweiten Phase sprachen, die das Kohlendioxid aus der Atmosph�re hinausfegen und durch ein atembares Gas ersetzen w�rde, waren ihre Methoden ebenso vage wie ihre Zeitskalen, die von einhundert bis zu zwanzigtausend Jahren schwankten. Und der Himmel w�rde w�hrend dieser ganzen Zeit milchwei� sein.</p><p>Sax hielt das nicht f�r eine elegante L�sung des Problems. Er bevorzugte sein Einphasenmodell, das direkt auf das letzte Ziel hinstrebte. Es bedeutete, da� sie etwas knapp an W�rme gewesen waren; aber Sax hielt diesen Nachteil der M�he f�r wert. Und er hatte sein Bestes getan, um Ersatz f�r die W�rme zu finden, die das Kohlendioxid zus�tzlich erbracht haben w�rde, wie zum Beispiel die Moholes. Leider lag Borazjanis Absch�tzung der von den Moholes gelieferten W�rme recht niedrig. Sie hatten alles in allem vielleicht 5 K zur mittleren Temperatur beigetragen. Nun, da konnte man nichts machen, dachte Sax, als er in seinen Computer Notizen eingab. Die einzige gute W�rmequelle war die Sonne. Darum seine aggressive Einf�hrung der orbitalen Sonnenspiegel, die j�hrlich wuchsen, indem Sonnensegler von Luna kamen, wo ein sehr leistungsf�higer Produktionsproze� sie aus lunarem Aluminium herstellte. Diese Flotten waren, wie Borazjani sagte, so gro� geworden, da� sie inzwischen mehr als 8 K zur mittleren Temperatur beitrugen.</p><p>Die reduzierte Albedo, eine Bem�hung, die nie sehr streng verfolgt worden war, hatte etwas mehr als 2 Grad hinzugef�gt. Die etwa zweihundert Kernreaktoren rings um den Planeten hatten weitere 1,5 Grad geliefert.</p><p>Dann kam Borazjani auf den Cocktail aus Gew�chshausgasen zu sprechen. Aber anstatt die Zahl von 12 K aus Simmons Poster zu benutzen, sch�tzte er sie auf 14 K und zitierte einen zwanzig Jahre alten Aufsatz von J. Watkins, der diese Annahme st�tzte. Sax hatte Berkina in der Reihe hinter ihm sitzen sehen. Jetzt rutschte er hin�ber und beugte sich nach unten, bis sein Mund an Berkinas Ohr lag. Er fl�sterte: �Warum benutzt er die Arbeit von Simmon?�</p><p>Berkina grinste und fl�sterte zur�ck: �Vor ein paar Jahren hat Simmon einen Aufsatz ver�ffentlicht, in dem er einen sehr komplexen Wert f�r die Wechselwirkung von UV mit Halokarbonen von Borazjani angenommen hatte. Er hat ihn leicht ver�ndert und das jenes erste Mal Borazjani zugeschrieben. Aber als er ihn sp�ter benutzte, hat er nur seinen eigenen Artikel zitiert. Das machte Borazjani w�tend, und er denkt, da� Simmons Aufs�tze �ber dieses Thema ohnehin von Watkins abgeleitet sind. Also geht er immer, wenn er �ber Erw�rmung spricht, auf Watkins� Werk zur�ck und tut so, als ob es das Zeug von Simmon �berhaupt nicht g�be.�</p><p>�Ah!� sagte Sax. Er richtete sich auf und l�chelte wider Willen �ber Borazjanis subtile, aber vielsagende Rache. Und Simmon sa� mit einem m�rrischen Gesicht im Auditorium.</p><p>Inzwischen war Borazjani zu den erw�rmenden Wirkungen von Wasserdampf und Kohlendioxid �bergegangen, welche in die Atmosph�re freigesetzt wurden. Er sch�tzte, da� das insgesamt weitere 10 K beitr�ge. Er sagte: �Einen Teil davon k�nnte man als synergistischen Effekt bezeichnen, da die Desorption von CO2 haupts�chlich durch andere Erw�rmung zustande kommt. Aber ich glaube nicht, da� wir anderweitig Synergie als einen nennenswerten Faktor bezeichnen k�nnen. Die Summe der von allen einzelnen Verfahren erzielten Erw�rmung pa�t sehr gut zu den Temperaturen, die ringsum vom Planeten gemeldet werden.�</p><p>Der Videoschirm zeigte seine letzte Tabelle, und Sax machte sich eine vereinfachte Notiz davon:</p><cite><p><emphasis>Von Borazjani</emphasis> am 14. Februar 2102:</p><p>Halokarbone: 14</p><p>H2O und CO2: 10</p><p>Moholes: 5</p><p>Vor-Soletta-Spiegel: 5</p><p>Reduzierte Albedo: 2</p><p>Kernreaktoren: 1,5</p></cite><p>Borazjani hatte die Windm�hlenerhitzer nicht einmal ber�cksichtigt. Sax tat es in seiner Notiz. Alles in allem kam er auf 37,55 K, ein sehr respektabler Schritt, wie er meinte, auf ihr Ziel einer Zunahme um 53 K zu. Sie arbeiteten erst seit sechzig Jahren daran; und schon erreichten die meisten Sommertage Temperaturen �ber dem Gefrierpunkt, so da� arktisches und alpines Pflanzenleben gedieh, wie er es im Gebiet des Arenagletschers gesehen hatte. Und das alles noch vor Einf�hrung der Soletta, welche die Sonneneinstrahlung um zwanzig Prozent steigerte.</p><p>Inzwischen hatte die Frageperiode begonnen, und jemand kam auf die Soletta zu sprechen. Er fragte Borazjani, ob sie notwendig w�re, da der Proze� ja auch mit anderen Methoden zu schaffen w�re.</p><p>Borazjani zuckte die Achseln genau so, wie Sax es getan h�tte. Er entgegnete: �Was hei�t <emphasis>notwendig?</emphasis> Das h�ngt davon ab, wie warm man es haben will. Nach dem von Russell in Echus Overlook aufgestellten Standardmodell ist es wichtig, die Kohlendioxidniveaus so niedrig wie m�glich zu halten. Wenn wir das tun, m�ssen andere Verfahren eingesetzt werden, um den Verlust an W�rme auszugleichen, den das CO2 erbracht h�tte. Man k�nnte sich die Soletta denken als einen Ausgleich f�r die endliche Reduktion von Kohlendioxid auf atembare Niveaus.�</p><p>Sax nickte widerwillig.</p><p>Dann stand jemand auf und sagte: �Meinen Sie nicht, da� das Standardmodell inad�quat ist angesichts der Menge an Stickstoff, von der wir jetzt wissen, da� wir sie haben?�</p><p>�Nicht, wenn der ganze Stickstoff in die Atmosph�re gebracht wird.�</p><p>Aber das war schwerlich zu schaffen, wie der Fragende rasch darlegte. Ein erheblicher Prozentsatz vom Ganzen w�rde im Boden bleiben und w�rde dort auch wirklich f�r Pflanzen gebraucht. Also bestand ein Mangel an Stickstoff, wie Sax immer gewu�t hatte. Und wenn sie den prozentualen Anteil an Kohlendioxid in der Luft so niedrig wie �berhaupt m�glich hielten, w�re der Anteil von Sauerstoff in der Luft gef�hrlich hoch wegen seiner Feuergef�hrlichkeit. Jemand stand auf und sagte, es w�re m�glich, den Mangel an Stickstoff durch Einf�hrung anderer tr�ger Gase, haupts�chlich Argon, auszugleichen. Sax spitzte den Mund. Er hatte seit 2042 Argon in die Atmosph�re eingef�hrt, da er dies Problem hatte kommen sehen; und es gab auch erhebliche Mengen von Argon im Regolith. Aber die waren nicht leicht freizusetzen, wie seine Ingenieure herausgefunden hatten und andere Leute jetzt betonten. Nein, die Balance von Gasen in der Atmosph�re entwickelte sich zu einem echten Problem.</p><p>Eine Frau stand auf und bemerkte, da� ein von Armscor geleitetes Konsortium Transnationaler ein st�ndiges Shuttlesystem errichtete, um Stickstoff aus der fast reinen Stickstoffatmosph�re von Titan zu gewinnen, ihn zu verfl�ssigen, zum Mars zu fliegen und in der oberen Atmosph�re zu verklappen. Sax zwinkerte dazu und stellte einige schnelle Berechnungen auf seinem Computer an. Seine Augenbrauen hoben sich, als er das Ergebnis sah. Es w�rde eine sehr gro�e Anzahl von Shuttlefl�gen erfordern oder aber extrem gro�e Shuttles. Es war bemerkenswert, da� jemand die Investierung f�r lohnend gehalten hatte.</p><p>Jetzt diskutierten sie wieder �ber die Soletta. Sie hatte sicher die F�higkeit, die 5 oder 8 K wettzumachen, die verloren gingen, wenn man den jetzigen Betrag an Kohlendioxid aus der Luft entfernte. Wahrscheinlich w�rde sie noch mehr W�rme liefern. Sax rechnete aus, da� es sogar 22 K sein k�nnten. Die Reinigung w�rde nicht einfach sein, wie jemand ausf�hrte. Ein nahe bei Sax stehender Mann aus einem Subarashii-Labor erhob sich, um zu verk�nden, da� sp�ter in der Konferenz ein Demonstrationsgespr�ch �ber die Soletta und die Luftlinse stattfinden w�rde, wo einige dieser Punkte gro�enteils gekl�rt werden sollten. Ehe er sich wieder setzte, f�gte er hinzu, da� etliche Fehler im Einphasenmodell die Schaffung eines Zweiphasenmodells als fast geboten erscheinen lie�en.</p><p>Die Leute rollten dabei die Augen, und Borazjani erkl�rte, da� die n�chste Zusammenkunft im Raum anfangen m�sse. Niemand hatte zu diesem geschickten Modell Bemerkungen gemacht, das alle Beitr�ge zu den verschiedenen W�rmemethoden so plausibel aussortiert hatte. Aber in gewisser Weise war das ein Zeichen von Respekt. Niemand hatte das Modell in Frage gestellt. Borazjanis �berlegenheit auf diesem Gebiet galt als sicher. Jetzt standen die Leute auf, und einige gingen hin, um mit ihm zu sprechen, und tausend Gespr�che brachen aus, als sich der Rest der Teilnehmer aus dem Raum ergo� und sich in die G�nge verteilte.</p><empty-line/><p>Sax ging mit Berkina zum Essen in einem Cafe am Fu�e der Branch Mesa. Um sie herum a�en Wissenschaftler aus allen Gegenden des Mars und sprachen �ber die Ereignisse des Morgens. �Wie nehmen an, es ist ein Teil pro Milliarde.�</p><p>�Nein, Sulfate verhalten sich konservativ.� Es klang so, als ob die Leute am Nachbartisch annahmen, es w�rde ein �bergang zum Zweiphasenmodell stattfinden. Eine Frau sagte etwas �ber die Erh�hung der mittleren Temperatur auf 295 K, sieben Grad h�her als der Durchschnitt auf der Erde.</p><p>Sax verdrehte die Augen bei all diesen Eindr�cken von Eile oder Gier nach W�rme. Er sah keinen Grund, �ber den Fortschritt entt�uscht zu sein, der bisher erreicht wurde. Das letzte Ziel des Projekts war schlie�lich nicht einfach W�rme, sondern eine annehmbare Oberfl�che. Die bisherigen Resultate schienen keinen Grund zur Klage zu geben. Die Atmosph�re hatte jetzt durchschnittlich 160 Millibar als Normalwert und bestand etwa zu gleichen Teilen aus Kohlendioxid, Sauerstoff und Stickstoff, mit Spuren von Argon und anderen Gasen. Das war nicht die Mischung, welche Sax am Ende sehen wollte. Aber sie war das Beste, das sie dem Fundus an fl�chtigen Stoffen f�r den Anfang zu geben vermochten. Es stellte einen substantiellen Schritt auf dem Weg zu der endg�ltigen Mischung dar, die Sax beabsichtigte. Sein Rezept f�r diese Mischung war nach der fr�hen Formulierung von Fogg:</p><cite><p>300 Millibar Stickstoff</p><p>160 Millibar Sauerstoff</p><p>30 Millibar Argon, Helium etc.</p><p>10 Millibar Kohlendioxid.</p><p>Mithin Gesamtdruck am Normalpunkt: 500 Millibar.</p></cite><p>Alle diese Betr�ge waren durch physikalische Erfordernisse und Beschr�nkungen verschiedener Art festgelegt worden. Der Gesamtdruck mu�te hoch genug sein, um Sauerstoff ins Blut zu dr�cken; und 500 Millibar erhielt man auf der Erde in H�hen von ungef�hr viertausend Metern, nahe der Obergrenze, bei der Menschen st�ndig leben konnten. Wenn das nun die Obergrenze war, dann w�re es am besten, wenn eine solch d�nne Atmosph�re mehr als den irdischen Prozentsatz an Sauerstoff enthielte. Aber es durfte nicht zu viel mehr sein, weil sonst Feuer schwer zu l�schen sein w�rden. Inzwischen mu�te der Sauerstoff unter 10 Millibar gehalten werden, da er sonst giftig w�re. Was Stickstoff betraf, je mehr, desto besser. Tats�chlich w�ren 780 Millibar ideal; aber der gesamte Bestand an Stickstoff auf dem Mars wurde jetzt auf weniger als 400 Millibar gesch�tzt. Also waren 300 Millibar so viel, wie man vern�nftigerweise in die Luft schicken k�nnte, und vielleicht noch mehr. Mangel an Stickstoff war in der Tat eines der gr��ten Probleme, mit denen die Terraformungsbem�hung konfrontiert war. Man brauchte mehr, als man hatte, sowohl in der Luft wie im Boden.</p><p>Sax starrte auf seinen Teller und a� schweigend. Er dachte angestrengt �ber alle diese Faktoren nach. Die Diskussionen des Vormittags hatten ihm Grund zur Frage gegeben, ob er damals 2042 die richtigen Entscheidungen getroffen hatte, ob der Bestand an fl�chtigen Stoffen seinen Versuch rechtfertigen w�rde, direkt in einer einzigen Stufe eine f�r Menschen ertr�gliche Oberfl�che anzusteuern. Nicht, da� man jetzt sehr viel daran tun k�nnte. Und wenn er alles bedachte, glaubte er immer noch, da� diese Entscheidungen richtig gewesen waren; <emphasis>shikata ga nai,</emphasis> wirklich, wenn sie noch bei ihren Lebzeiten frei auf der Oberfl�che des Mars herumgehen wollten. Selbst wenn ihre Lebensdauer erheblich verl�ngert sein sollte.</p><p>Aber es gab Leute, denen mehr an hohen Temperaturen gelegen zu sein schien als an Atembarkeit. Offenbar waren sie zuversichtlich, den Kohlendioxidpegel erheblich hochjagen zu k�nnen und dann das CO2 problemlos zu senken. Sax hatte dar�ber seine Zweifel. Jede Zweiphasenoperation w�rde schiefgehen, und zwar so, da� Sax nicht umhin kam sich zu fragen, ob sie nicht bei den Skalen von zwanzigtausend Jahren h�ngenbleiben w�rden, die bei den ersten Zweiphasenmodellen vorhergesagt worden waren. Der Gedanke bereitete ihm Kopfschmerzen. Er sah die Notwendigkeit nicht ein. Waren die Menschen wirklich gewillt, es mit einem so langfristigen Problem aufzunehmen? Konnten sie von den neuen gigantischen Techniken, die sich abzeichneten, so beeindruckt sein, da� sie glaubten, alles sei m�glich?</p><p>�Wie war die Pastrami?� fragte Berkina.</p><p>�Die was?�</p><p>�Die Pastrami. Das ist die Art von Sandwich, die du gerade gegessen hast, Stephen.�</p><p>�Oh, fein, fein. Sie mu� fein gewesen sein.�</p><empty-line/><p>Die Sitzungen des Nachmittags galten haupts�chlich den Problemen, die durch die Fortschritte in der Bem�hung um globale Erw�rmung aufgeworfen wurden. W�hrend die Oberfl�chentemperaturen stiegen und die Biota darunter tiefer in den Regolith einzudringen begannen, schmolz der Permafrost darunter, wie man gehofft hatte. Aber das erwies sich in einigen an Permafrost reichen Gebieten als katastrophal. Eines davon war ungl�cklicherweise gerade Isidis Planitia.</p><p>Ein gut besuchter Vortrag einer Areologin von einem Praxislabor in Burroughs beschrieb die Lage. Isidis war eines der gro�en alten Einsturzbecken, ungef�hr so gro� wie Argyre, dessen Nordseite v�llig abgetragen war und dessen S�drand jetzt einen Teil der Gro�en B�schung bildete. Eis unter der Oberfl�che war von der B�schung heruntergerutscht und hatte seit Jahrmilliarden im Becken Wasseransammlungen gebildet. Aber jetzt schmolz das Eis nahe der Oberfl�che und gefror im Winter wieder. Jetzt bewirkte dieser Zyklus von Frost und Tauen eine Bodenbewegung in noch nie dagewesenem Ausma�. Sie kam der �blichen Ausdehnung von zwei Gr��enordnungen, wie man sie von �hnlichen Ph�nomenen der Erde her kannte, ziemlich nahe. Karste und Dolinen, hundertmal gr��er als auf der Erde, ergaben gro�e L�cher und H�gel. �ber ganz Isidis bedeckten diese riesigen Mi�bildungen die Landschaft. Und nach ihrem Vortrag und einer Reihe aufw�hlender Dias f�hrte die Areologin eine gro�e Schar interessierter Wissenschaftler an das S�dende von Burroughs am Moeris Lacus Mesa vorbei zur Kuppelwand, wo die Nachbarschaft aussah, als w�re sie von einem Erdbeben verw�stet worden. Der Boden war aufgerissen und zeigte eine ansteigende Masse von Eis, die wie ein kahler runder H�gel aussah.</p><p>�Das ist ein feines Beispiel f�r einen Pingo�, sagte die Areologin mit der Miene eines Besitzers. �Die Eismassen sind relativ rein gegen�ber der Permafrostmatrix, und sie wirken in der Matrix wie Felsen. Wenn der Permafrost im Winter wieder gefriert, dehnt er sich aus, und alles, was in dieser Expansion festsitzt, wird zur Oberfl�che hinaufgedr�ckt. In der Tundra der Erde gibt es eine Menge Pingos, aber keinen so gro�en wie diesen.� Sie f�hrte die Gruppe �ber den zerbrochenen Beton hinauf, der eine ebene Stra�e gewesen war; und sie blickten von einem Kraterrand aus Gestein auf einen H�gel aus schmutzigwei�em Eis. �Wir haben ihn wie eine Beule gestartet. Jetzt schmelzen wir ihn und leiten ihn in die Kan�le.�</p><p>�Drau�en im Land w�rde aus so einem bald eine Oase werden�, sagte Sax zu Jessica. �Er w�rde im Sommer schmelzen und den Boden darunter bew�ssern. Wir sollten eine Gemeinschaft von Samen, Sporen und Rhizomen entwickeln, die wir drau�en im Land auf solche Stellen ausstreuen k�nnten.�</p><p>�Stimmt�, sagte Jessica. �Um aber realistisch zu sein�� das Permafrostgel�nde wird auf jeden Fall unter der Vastitas aufh�ren.�</p><p>�Hmm.�</p><p>Die Wahrheit war, da� Sax zeitweilig das Bohren und den Abbau in Vastitas vergessen hatte. Als sie zum Konferenzzentrum zur�ckgekehrt waren, sah er sich ausdr�cklich nach einem Vortrag um, der einen Aspekt dieser Arbeit beschrieb. Um vier Uhr gab es einen: �K�rzliche Fortschritte bei Pumparbeiten im Permafrost der n�rdlichen Polarlinse.�</p><p>Er verfolgte den Diavortrag des Redners ohne innere Beteiligung. Die Eislinse, die sich von der n�rdlichen Polkappe unter der Oberfl�che nach S�den ausdehnte, war wie der eingetauchte Teil eines Eisbergs und enthielt mehr als zehnmal soviel Wasser wie die sichtbare Kappe. Der Permafrost von Vastitas enthielt noch mehr. Aber das Wasser an die Oberfl�che zu schaffen�� wie die Bergung von Stickstoff aus der Atmosph�re des Titan�� war ein so gewaltiges Projekt, da� Sax es in den fr�hen Jahren gar nicht erwogen hatte. Es war damals einfach nicht m�glich gewesen. Alle diese gro�en Vorhaben�� die Soletta, der Stickstoff von Titan, die Anbohrung des n�rdlichen Ozeans, das h�ufige Eintreffen von Eis-Asteroiden�� hatten eine Gr��enordnung, mit der Sax kaum zurechtkam. Man dachte in diesen Tagen in gro�em Stil, die Transnationalen. Gewi� waren es die neuen M�glichkeiten in der Konstruktion und Materialkunde und das Aufkommen sich selbst reproduzierender Fabriken, welche die Projekte technisch machbar erscheinen lie�en. Aber die Anfangsinvestitionen waren immer noch enorm.</p><p>Was die damit verbundenen technischen M�glichkeiten anging, so stellte er fest, da� er sich recht schnell an diese Idee gew�hnte. Es war eine Erweiterung von dem, was sie in den alten Tagen gemacht hatten. Einige Anfangsprobleme hinsichtlich Material, Konstruktion und hom�ostatischer Kontrolle l�sen, wonach die Kr�fte wirklich betr�chtlich anwuchsen. Man k�nnte sagen, da� ihre Reichweite nicht mehr ihre Zugriffsm�glichkeit �berstieg. Das war angesichts der von ihnen bisweilen erstrebten Ziele ein erschreckender Gedanke.</p><p>Auf jeden Fall befanden sich jetzt mehr als f�nfzig Bohrplattformen in den n�rdlichen sechziger Breiten, die Brunnen bohrten und an ihren unteren Enden Einrichtungen zum Schmelzen von Permafrost einbrachten, die von geheizten Sammelg�ngen bis hin zu nuklearen Sprengstoffen reichten. Das neue Schmelzwasser wurde hochgepumpt und �ber die D�nen von Vastitas Borealis verteilt, wo es wieder gefror. Schlie�lich w�rde dieses Eis schmelzen, zum Teil unter seinem eigenen Gewicht; und dann h�tten sie einen Ozean in Form eines Ringes um die n�rdlichen sechziger und siebziger Breitengrade. Ohne Zweifel eine gute thermische Senke, wie alle Ozeane waren, obwohl es, solange es ein Eismeer blieb, durch seine zunehmende Albedo einen Nettow�rmeverlust f�r das globale System bedeuten w�rde. Wieder ein Beispiel daf�r, wie ihre Ma�nahmen einander widersprachen. Und so war auch die Lage von Burroughs selbst gegen�ber diesem neuen Meer. Die Stadt lag etwas unter dem am h�ufigsten zitierten Meeresniveau, dem Nullbezugspunkt. Die Leute redeten von einem Deich oder kleineren See; aber niemand war sich sicher. Interessant.</p><p>Also besuchte Sax jeden Tag die Konferenz, lebte in den stillen R�umen und Korridoren des Zentrums, schwatzte mit Kollegen und den Autoren von Postern sowie seinen Nachbarn in H�rs�len. Mehr als einmal mu�te er so tun, als ob er alte Kameraden nicht kennen w�rde. Er wurde recht nerv�s, weil er ihnen aus dem Weg gegangen war, wenn er konnte. Aber die Leute schienen nicht zu f�hlen, da� er sie an jemanden erinnerte, den sie kannten; und er konnte sich gr��tenteils auf die Wissenschaft konzentrieren. Das tat er mit Genu�. Menschen plauderten, stellten Fragen, diskutierten sachliche Details und Konsequenzen�� alles unter der gleichf�rmigen fluoreszierenden Helligkeit beim leisen Summen von Ventilatoren und Videomaschinen, als ob sie sich in einer Welt au�erhalb von Zeit und Raum bef�nden, im imagin�ren Raum reiner Wissenschaft, gewi� einer der gr��ten Errungenschaften des menschlichen Geistes�� einer Art utopischer Gemeinschaft, behaglich, hell und gesch�tzt. F�r Sax <emphasis>war</emphasis> eine wissenschaftliche Konferenz Utopie.</p><empty-line/><p>Aber die Sitzungen bei dieser Konferenz hatten einen anderen Ton, eine Art nerv�ser Spannung, die Sax noch nie zuvor erlebt hatte und die ihm nicht gefiel. Die Fragen nach den Referaten waren aggressiver und die Antworten schnell defensiv. Das reine Spiel wissenschaftlicher Disputation, das er so geno� (und das zugegebenerma�en nie ganz ungetr�bt war), wurde jetzt immer mehr durch reine Argumentierungen verd�nnt, durch offensichtliche Machtk�mpfe, die durch mehr als nur den �blichen Egoismus motiviert waren. Es war nicht wie Simmons unbewu�te Unterst�tzung durch Borazjani und Borazjanis erlesene Entgegnung. Es war mehr eine Sache direkten Angriffs. Wie am Ende einer Pr�sentation tiefer Moholes und der M�glichkeit, den Mantel zu erreichen, als ein kleiner kahler Mann von der Erde aufstand und sagte: �Ich denke nicht, da� das Grundmodell der Lithosph�re hier zutrifft.� Dann verlie� er den Raum.</p><p>Sax beobachtete das ohne jedes Verst�ndnis. �Was ist denn mit dem los?� fl�sterte er Claire zu.</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Er arbeitet f�r Subarashii an der Luftlinse, und die m�gen keine m�gliche Konkurrenz f�r Programme zum Schmelzen von Regolith.�</p><p>�Mein Gott!�</p><p>Das Frage-und-Antwort-Spiel ging weiter, ersch�ttert durch diese Vorstellung von Wahnsinn. Aber Sax schl�pfte aus dem Raum und starrte in der Halle neugierig dem Wissenschaftler von Subarashii nach. Was mochte der wohl denken?</p><p>Aber dieser Andersdenker war nicht der einzige, der sich seltsam benahm. Die Leute standen unter Stress, ihre Nerven waren angespannt. Nat�rlich stand sehr viel auf dem Spiel. Wie der Pingo unter Moeris Lacus in kleinem Ma�stab zeigte, w�rde man auf der Konferenz bald �ble Nebeneffekte bei den untersuchten Verfahren behandeln m�ssen. Nebeneffekte, die Geld, Zeit und vielleicht sogar Menschenleben kosten w�rden. Und es gab finanzielle Motivationen��</p><p>Und jetzt, als die abschlie�enden Tage n�her r�ckten, verlagerte sich das Programm von sehr speziellen Themen auf die allgemeineren Darbietungen und Workshops, einschlie�lich einiger Veranstaltungen im Hauptsaal �ber die gro�en neuen Projekte, die die Leute als �Monsterprojekte� bezeichneten. Diese w�rden so gro�e Auswirkungen haben, da� sie fast alle anderen Programme in Mitleidenschaft zogen. Als man sie diskutierte, argumentierte man praktisch politisch und sprach eher dar�ber, was als n�chstes zu tun w�re, denn dar�ber, was schon geschehen war. So etwas pflegte immer zu einem Gez�nk zu f�hren, aber nie mehr als gerade jetzt, wo die Leute anfingen, die Information aus den fr�heren Referaten zur Bef�rwortung ihrer eigenen Anliegen zu verwenden, um was es sich auch handeln mochte. Sie betraten jene ungl�ckliche Zone, wo Wissenschaft in Politik hin�berzugleiten begann und wo Vortragsskripten zu Kreditantr�gen wurden. Es war entt�uschend zu sehen, wie diese minderwertige Dunkelzone in das bis dahin neutrale Terrain einer Konferenz eindrang.</p><p>Wie Sax bei einem einsamen Fr�hst�ck �berlegte, war ein Teil davon ohne Zweifel durch die Big-Science- Dimension der Monsterprojekte bedingt. Die waren alle so aufwendig und schwierig, da� sie verschiedenen Transnationalen kontraktlich zugewiesen werden mu�ten. Das war oberfl�chlich eine plausible Strategie, ein zweckm��iges Vorgehen. Es bedeutete aber leider auch, da� die verschiedenen Angriffswinkel f�r das Terraformungsproblem jetzt interessierte Parteien hatten, die sie als die �besten� Methoden verteidigten und Daten verzerrten, um ihre eigenen Ideen zu verteidigen.</p><p>Zum Beispiel war Praxis zusammen mit der Schweiz f�hrend in der sehr extensiven Bioingenieurbem�hung. Darum verteidigten deren repr�sentative Theoretiker das Modell der <emphasis>�kopoiesis,</emphasis> wonach zum gegenw�rtigen Zeitpunkt kein weiterer Zustrom von W�rme oder fl�chtigen Stoffen notwendig w�re, und da� biologische Prozesse allein, unterst�tzt durch ein Minimum an �kologischer Technik, gen�gen w�rden, den Planeten auf die Niveaus zu terraformen, die in dem fr�hen Russell-Modell ins Auge gefa�t worden waren. Sax hielt diese Beurteilung f�r wahrscheinlich korrekt in Anbetracht des Eintreffens der Soletta, obwohl er ihre Daten f�r zu optimistisch einsch�tzte. Und au�erdem arbeitete er f�r Biotique, darum war sein Urteil vielleicht voreingenommen.</p><p>Aber die Wissenschaftler von Armscor waren unerbittlich, da� der geringe Stickstoffbestand alle �kologischen Hoffnungen zuschanden machen w�rde. Sie beharrten darauf, da� st�ndiges Eingreifen erforderlich sei. Und nat�rlich war es Armscor, der die Shuttles zum Herbeischaffen von Stickstoff aus Titan baute. Leute von Consolidated, denen die Bohrarbeiten in Vastitas unterstanden, betonten die vitale Bedeutung einer aktiven Hydrosph�re. Und Leute von Subarashii, die die neuen Spiegel unter sich hatten, hoben die gro�e Energie der Soletta und der Luftlinse hervor, um W�rme und Gase in das System zu pumpen, wodurch alles beschleunigt werden k�nnte. Es war immer ganz klar, welche Leute das eine oder das andere Programm bef�rworteten. Man brauchte nur auf ihre Namensschilder sehen und ihre institutionelle Zugeh�rigkeit erkennen und damit voraussagen, was sie unterst�tzen oder angreifen w�rden. Da� Wissenschaft so eklatant verzerrt wurde, bereitete Sax gro�en Kummer, und es schien ihm, da� es jedermann dort unangenehm w�re, sogar denen, die das praktizierten, was zu der allgemeinen Reizbarkeit und Abwehrhaltung beitrug. Ein jeder wu�te, was vor sich ging, aber niemandem gefiel es; und dennoch wollte keiner es zugeben.</p><p>Dies war nirgendwo deutlicher als in der Podiumsdiskussion des letzten Vormittags �ber die CO2-Frage. Daraus wurde rasch eine Verteidigung der Soletta und der Luftlinse, welche die beiden Wissenschaftler von Subarashii vehement vortrugen. Sax sa� im Hintergrund und h�rte sich ihre enthusiastische Beschreibung der gro�en Spiegel an, wobei er sich immer unbehaglicher f�hlte. Die Soletta an sich gefiel ihm, die nichts weiter war als die logische Fortsetzung der Spiegel, die er ganz zu Beginn in den Orbit gebracht hatte. Aber die tief fliegende Luftlinse war ganz deutlich ein <emphasis>�u�erst</emphasis> m�chtiges Instrument und w�rde, wenn man sie mit voller Kapazit�t auf die Oberfl�che richtete, Hunderte Millibar an Gasen in die Atmosph�re verdampfen lassen, zumeist Kohlendioxid, das sie nach Saxens Einphasenmodell nicht brauchten und das mit gro�er Wahrscheinlichkeit im Regolith gebunden bleiben w�rde. Nein�� �ber die Wirkungen dieser Luftlinse w�rde man etliche sehr scharfe Fragen stellen m�ssen; und die Leute von Subarashii w�rden streng kritisiert werden m�ssen, weil die das Schmelzen des Regoliths angefangen hatten, ohne irgendwen au�erhalb ihres b�rokratischen UNTA-Komitees zu befragen. Aber Sax wollte die Aufmerksamkeit nicht auf sich lenken und konnte deshalb nur da sitzen mit Ciaire und Berkina und seinem elektronischen Notizbuch. Er druckste in seinem Sessel herum und hoffte, da� ein anderer f�r ihn die harten Fragen stellen w�rde.</p><p>Und da es offenbar sehr harte Fragen gab, wurden sie auch gestellt. Ein Wissenschaftler von Mitsubishi, der mit Subarashii einen st�ndigen Privatkrieg f�hrte, stand auf und erkundigte sich sehr h�flich nach dem au�er Kontrolle geratenen Gew�chshauseffekt, der durch zu viel Kohlendioxid bewirkt werden k�nnte. Sax nickte energisch. Aber die Wissenschaftler von Subarashii entgegneten, da� dies gerade das w�re, worauf sie hofften, und da� es gar nicht genug W�rme geben k�nnte und da� ein letztlicher atmosph�rischer Druck von sieben- oder achthundert Millibar auf jeden Fall f�nfhundert vorzuziehen w�re. �Aber nicht, wenn es Kohlendioxid ist!� knurrte Sax Ciaire zu, die nickte. H. X. Borazjani stand auf und erkl�rte dasselbe. Ihm folgten andere. Viele im Raum benutzten noch Saxens Originalmodell als Schema f�r ihre Aktionen und betonten auf viele verschiedene Weisen die Schwierigkeit, jeden gro�en �berschu� an CO2 aus der Luft zu entfernen. Aber es gab auch eine ganze Reihe Wissenschaftler von Armscor und Consolidated wie auch Subarashii, die entweder erkl�rten, da� die S�uberung nicht schwierig sein w�rde oder da� eine an Kohlendioxid reiche Atmosph�re gar nicht so schlimm sein w�rde. Ein �kosystem, das haupts�chlich aus Pflanzen best�nde mit gegen Kohlendioxid resistenten Insekten und vielleicht einigen genetisch manipulierten Tieren w�rde in der warmen dichten Luft gedeihen; und die Leute k�nnten in Hemds�rmeln herumspazieren mit keiner gr��eren Behinderung als einer Gesichtsmaske.</p><p>Das brachte Sax auf die Palme, und zum Gl�ck war er nicht der einzige, so da� er sitzen bleiben konnte, w�hrend andere sich erhoben, um diese fundamentale �nderung beim Ziel des Terraformens in Frage zu stellen. Die Diskussion wurde rasch hitzig und sogar ruppig.</p><p>�Wir haben es nicht auf einen Dschungelplaneten abgesehen!�</p><p>�Ihr macht heimlich die Annahme, da� man Menschen genetisch so manipulieren kann, da� sie h�here Niveaus an Kohlendioxid vertragen. Aber das ist l�cherlich!�</p><p>Es wurde sehr bald deutlich, da� nichts zustande kommen w�rde. Niemand h�rte wirklich zu, und jeder hatte seine eigene Meinung, die eng nach den Interessen der jeweiligen Firma ausgerichtet war. Es war wirklich h��lich. Ein gegenseitiger Widerwille gegen den Ton der Debatte veranla�te alle au�er den unmittelbar Beteiligten, sich zur�ckzuziehen. Um Sax herum falteten Leute ihre Programme zusammen, stellten ihre Notizger�te ab und fl�sterten mit ihren Kollegen, w�hrend immer noch Menschen da standen und redeten�� ohne Zweifel ein schlechtes Benehmen. Aber nach kurzem Nachdenken wurde klar, da� sie jetzt �ber politische Entscheidungen stritten, die ohnehin nicht auf der Ebene aktiver Wissenschaftler zu treffen waren. Das gefiel niemandem; und die Leute fingen auch an aufzustehen und den Raum zu verlassen mitten in der Diskussion. Der �berw�ltigte Moderator der Sitzung, eine �berh�fliche Japanerin, die j�mmerlich aussah, �bert�nte die lauter werdenden Stimmen und regte an, die Sitzung zu beenden. Die Menschen str�mten in kleinen Gruppen in die Korridore. Manche redeten noch heftig mit ihren Verb�ndeten und trugen ihre F�lle jetzt vor, da sie sich nur bei ihren Freunden beklagen konnten.</p><p>Sax folgte Ciaire und Jessica und den anderen Leuten von Biotique �ber den Kanal und zu Hunt Mesa. Sie nahmen den Aufzug zum Plateau und speisten bei Antonio.</p><p>Sax, der seine Zunge nicht mehr l�nger im Zaum halten konnte, sagte: �Sie werden uns mit Kohlendioxid �berfluten. Ich glaube nicht, da� sie verstehen, welchen fundamentalen Schlag das dem Standardmodell versetzen wird.�</p><p>�Es ist ein v�llig anderes Modell�, sagte Jessica. �Ein zweiphasiges und schwerindustrielles.�</p><p>�Aber es wird Menschen und Tiere auf unbestimmte Zeit in Kuppeln gefangen halten�, gab Sax zu bedenken.</p><p>�Vielleicht ist das den Transnationalen egal�, meinte Jessica.</p><p>�Vielleicht gef�llt es ihnen sogar�, meinte Berkina.</p><p>Sax zog ein Gesicht.</p><p>�Es k�nnte auch einfach sein, da� sie, da sie diese Soletta und die Linse nun mal haben, sie auch benutzen wollen�, erkl�rte Ciaire. �Als ob man mit Spielsachen hantiert. Es erinnert so an das Vergr��erungsglas, mit dem man Feuer anz�ndet, wenn man zehn Jahre alt ist. Aber dies Ding ist zu gewaltig. Sie k�nnen es sich nicht leisten, es nicht zu benutzen. Und dann nennen sie die verbrannten Zonen Kan�le�� na ja!�</p><p>�Das ist so was von bl�d�, sagte Sax in scharfem Ton. Und als die anderen ihn etwas �berrascht anschauten, versuchte er, seinen Ton etwas zu mildern. �Nun, wi�t ihr, es ist einfach zu d�mlich. Es ist eine Art von verschwommener Romantik. Es wird keine Kan�le geben in dem Sinne n�tzlicher Verbindung von Wasserl�ufen. Und selbst wenn sie versuchen sollten, die zu benutzen, w�rden die Ufer aus Schlacke bestehen.�</p><p>�Glas, wie sie behaupten�, sagte Ciaire. �Und es ist immerhin einfach die Idee von Kan�len.�</p><p>�Es ist aber kein <emphasis>Spiel,</emphasis> was wir hier betreiben�, sagte Sax. Es war �u�erst schwer, Stephens Sinn f�r Humor dabei zu behalten. Aus irgendeinem Grund war es f�r ihn �rgerlich und richtig betr�blich. Sie hatten hier so gut angefangen, sechzig Jahre solider Leistung; und jetzt murksten verschiedene Leute mit verschiedenen Ideen und verschiedenen Spielsachen herum, stritten sich und arbeiteten gegeneinander. Sie brachten immer m�chtigere und aufwendigere Methoden zum Einsatz, aber mit immer weniger Koordination. Sie w�rden seinen Plan ruinieren!</p><p>Die Abschlu�sitzungen am Nachmittag waren gesch�ftsm��ig und bewirkten nichts, um seinen Glauben an die Konferenz als nicht interessierte Wissenschaft wiederherzustellen. Am Abend in seinem Zimmer verfolgte er die Lokalnachrichten im Fernsehen genauer denn je und suchte nach Antworten, die er nicht ganz formuliert hatte. Klippen st�rzten ein. Steine aller Gr��en wurden durch den Zyklus von Tauen und Gefrieren aus dem Permafrost gedr�ckt, wobei sich die Felsen von selbst zu charakteristischen polygonalen Mustern gruppierten. Steingletscher bildeten sich in Schluchten und Rinnen, in denen die Steine durch Eis freigepre�t wurden und dann in Massen hinabglitten, als w�ren sie richtige Eisgletscher. Pingos funkelten in den Ebenen des Nordens, ausgenommen nat�rlich dort, wo die gefrorenen Meere aus den Bohrplattformen herausquollen und das Land bew�sserten.</p><p>Es war eine Ver�nderung in massivem Ma�stab, die jetzt �berall deutlich wurde und sich jedes Jahr beschleunigte, als die Sommer w�rmer wurden und die Biota unter der Oberfl�che mehr in die Tiefe wuchsen�� w�hrend in jedem Winter immer noch alles steif gefror und auch in fast jeder Sommernacht ein bi�chen einfror. Ein so intensiver Zyklus von Gefrieren und Auftauen w�rde jede Landschaft in St�cke rei�en. Und die Landschaft des Mars war daf�r besonders empf�nglich, weil sie Jahrmillionen in d�rrer K�ltestarre verbracht hatte. Die Vergeudung von Massen f�hrte t�glich zu vielen Erdrutschen, und Katastrophen und F�lle von unerkl�rtem Verschwinden waren nicht ungew�hnlich. Das Fahren quer �bers Land war gef�hrlich geworden. Canyons und frische Krater waren keine sicheren Pl�tze mehr, um eine Stadt anzusiedeln oder auch nur eine Nacht zu verbringen.</p><p>Sax stand auf, ging zum Fenster seines Zimmers und blickte auf die Lichter der Stadt hinunter. All das war genau so, wie Ann es ihm vor langer Zeit vorhergesagt hatte. Ohne Zweifel nahm sie Meldungen von allen diesen Ver�nderungen mit Widerwillen zur Kenntnis, sie und alle anderen Roten. F�r sie war jeder Zusammenbruch ein Anzeichen daf�r, da� die Dinge schiefgingen anstatt richtig. In der Vergangenheit h�tte Sax dar�ber die Achseln gezuckt. Die Vergeudung von Masse setzte gefrorenen Boden der Sonne aus, erw�rmte ihn und offenbarte m�gliche Nitratquellen und dergleichen. Jetzt, mit der frischen Erinnerung an die Konferenz, war er sich nicht mehr so sicher.</p><p>Im Fernsehen schien sich niemand dar�ber Sorgen zu machen. Rote traten da nicht auf. Der Zusammenbruch von Landformen galt nicht mehr denn als eine Gelegenheit, nicht nur f�rs Terraformen, was als das ausschlie�liche Gesch�ft der Transnationalen angesehen wurde, sondern auch f�r Bergbau. Sax verfolgte die Meldung von einer frisch aufgefundenen Goldader mit ged�mpften Gef�hlen. Es war seltsam, wie viele Leute dem Reiz des Sch�rfbetriebes zug�nglich waren.</p><p>Das war der Mars zu Beginn des zweiundzwanzigsten Jahrhunderts gewesen. Als der Aufzug wiederkam, war anscheinend auch die alte Goldrauschmentalit�t wieder erwacht, als ob es wirklich ein offenkundiges Geschick w�re, mit gro�en Werkzeugen, die man nach links und rechts schwang, hinaus an die Grenze zu gehen�� kosmische Ingenieure, die sch�rften und bauten. Und das Terraformen, das sein Werk gewesen war, praktisch der einzige Zielpunkt seines Lebens seit sechzig Jahren und mehr, schien sich in etwas anderes zu verwandeln �</p><p>Sax begann unter Schlaflosigkeit zu leiden. Das hatte er fr�her nie erlebt, und er fand es recht unangenehm. Immer wieder wachte er auf, w�lzte sich herum, in seinem Geist rasteten Getriebe ein, und alles fing an zu wirbeln. Wenn klar war, da� er nicht wieder einschlafen w�rde, stand er auf, stellte den Computerschirm an und sah sich Videoprogramme an, sogar die Nachrichten, die er fr�her nie beachtet hatte. Er erkannte auf der Erde Anzeichen einer soziologischen Fehlfunktion. Zum Beispiel schienen sie nicht einmal versucht zu haben, ihre Gesellschaften dem Ansturm des Bev�lkerungsanstiegs infolge der gerontologischen Behandlungen anzupassen. Das h�tte elementar sein sollen�� Geburtenkontrolle, Quoten, Sterilisierung��, aber die meisten L�nder hatten nichts dergleichen getan. Es schien sich wirklich eine permanente Unterklasse der Nichtbehandelten zu entwickeln, besonders in den stark bev�lkerten armen L�ndern. An Statistiken war jetzt schlecht heranzukommen, da die UN im Sterben lag. Aber eine Untersuchung des Weltgerichtshofs behauptete, da� siebzig Prozent der Bev�lkerung der entwickelten Nationen die Behandlung bekommen h�tten, dagegen nur zwanzig Prozent in den armen L�ndern. Sax dachte, wenn dieser Trend lange anhielte, w�rde das zu einer Art von Klassenphysikalisation f�hren�� einem sp�ten Auftreten oder einer r�ckwirkenden Offenbarung der schwarzen Vision von Marx��, nur noch extremer als bei Marx selbst, weil Klassenunterschiede jetzt als echte Unterschiede infolge bimodaler Verteilung zum Ausdruck kommen w�rden, die schon fast an Artendifferenzierung grenzte��</p><p>Diese Divergenz zwischen arm und reich war gewi� gef�hrlich, schien aber auf der Erde als gegeben angenommen zu werden, als w�re sie ein Teil der Natur. Warum konnten sie nicht die Gefahr erkennen?</p><p>Er verstand die Erde nicht mehr, falls das je der Fall gewesen sein sollte. Er sa� zitternd in seinen schlaflosen N�chten da, zu m�de, um zu lesen oder zu arbeiten. Er konnte nur ein Programm der Erde nach dem anderen abrufen und besser zu verstehen suchen, was dort geschah. Denn das m��te er, wenn er den Mars verstehen wollte, da das Verhalten der Transnationalen hier letztlich durch irdische Ursachen angetrieben wurde. Er <emphasis>mu�te</emphasis> einfach verstehen. Aber die Nachrichtenvideos schienen sich rationalem Verst�ndnis zu entziehen. Dort unten gab es�� noch dramatischer als auf dem Mars�� keinen Plan.</p><p>Er ben�tigte eine Geschichtswissenschaft, aber leider gab es so etwas nicht. Geschichte ist lamarckisch, wie Arkady zu sagen pflegte, eine Bemerkung, die omin�s eindrucksvoll war angesichts der durch die ungleiche Verteilung der gerontologischen Behandlung bewirkten PseudoSpezifikation. Aber das war keine echte Hilfe. Psychologie, Soziologie, Anthropologie�� alle waren sie verd�chtig. Die wissenschaftliche Methode konnte auf keine Weise bei menschlichen Wesen angewandt werden, um n�tzliche Information zu erhalten. Es war das Problem von Faktum und Wert in anderer Form. Menschliche Realit�t konnte nur mit Werten erkl�rt werden. Und Werte waren gegen�ber wissenschaftlicher Analyse sehr resistent. Isolation von Faktoren zwecks Untersuchung, falsifizierbare Hypothesen, wiederholbare Experimente�� der ganze in der Laboratoriumsphysik entwickelte und praktizierte Apparat konnte einfach nicht zum Tragen kommen. Werte trieben die Geschichte an, welche ganz, unwiederholbar und kontingent ist. Man k�nnte das als ein lamarckisches oder chaotisches System charakterisieren; aber auch das waren nur Vermutungen. Denn �ber welche Faktoren redeten sie, welche Aspekte konnten durch Lernen erworben und weitergegeben werden�� oder kreisten auf eine sich nicht wiederholende, aber vorgezeichnete Weise?</p><p>Niemand konnte das sagen.</p><p>Er fing wieder an, �ber die Disziplin der Naturgeschichte nachzudenken, die ihn auf dem Arena-Gletscher so gefesselt hatte. Sie benutzte wissenschaftliche Methoden zum Studium der Geschichte der nat�rlichen Welt. Und in vielfacher Hinsicht war diese Geschichte ein ebensolches methodologisches Problem wie die menschliche Geschichte, gleicherma�en nicht wiederholbar und gegen Experimente resistent. Und wo menschliches Bewu�tsein nicht hineinspielte, war die Naturgeschichte oft recht erfolgreich, selbst wenn sie haupts�chlich auf Beobachtungen und Hypothesen beruhte, die nur durch weitere Beobachtungen nachgepr�ft werden konnten. Es war eine echte Wissenschaft. Sie hatte au�er Kontingenz und Unordnung einige g�ltige allgemeine Prinzipien der Evolution entdeckt�� Entwicklung, Anpassung, Komplexifizierung und noch viele weitere spezifischere Prinzipien, die durch die diversen Unterdisziplinen best�tigt wurden.</p><p>Was er brauchte, waren �hnliche Prinzipien, die die menschliche Geschichte beeinflussen. Das wenige, was er �ber Historiographie gelesen hatte, war nicht ermutigend. Es war entweder eine traurige Imitation der wissenschaftlichen Methode oder schlicht und einfach Kunst. Ungef�hr alle zehn Jahre revidierte eine neue historische Interpretation alles, was vorausgegangen war. Aber Revisionismus bot offenbar Freuden, die nichts mit der realen Beurteilung des jeweiligen Falles zu tun hatten. Soziobiologie und Bioethik erschienen aussichtsreicher. Aber sie neigten dazu, die Dinge am besten mit evolution�ren Zeitskalen zu erkl�ren. Aber Sax wollte etwas f�r die vergangenen <emphasis>und</emphasis> die n�chsten einhundert Jahre. Oder mindestens die letzten und kommenden f�nfzig.</p><p>Jede Nacht wachte er auf und konnte nicht wieder einschlafen. Er stand auf, setzte sich an den Bildschirm und gr�belte �ber diese Dinge, zu m�de, um richtig nachzudenken. Und als diese Nachtwachen anhielten, kam er immer mehr auf die Shows von 2061 zur�ck. Es gab jede Menge Videozusammenschnitte �ber die Ereignisse jenes Krieges, und einige davon scheuten sich nicht, ihn beim Namen zu nennen: <emphasis>Der Dritte Weltkrieg!</emphasis> So hie� die l�ngste, etwa sechzig Stunden umfassende Videoserie aus diesem Jahr. Sie war allerdings schlecht redigiert und zeitlich geordnet.</p><p>Man brauchte sich diese Serie nur einige Zeit anzuschauen, um zu erkennen, da� der Titel nicht reine Sensationshascherei war. In jenem verh�ngnisvollen Jahr hatten Kriege auf der ganzen Erde getobt; und die Analytiker, die sich str�ubten, vom Dritten Weltkrieg zu sprechen, schienen zu denken, da� er nur nicht lange genug gedauert h�tte, um daf�r in Betracht zu kommen. Oder da� er nicht der Wettstreit zweier gro�er globaler Allianzen gewesen, sondern eher konfus und komplex gewesen w�re. Unterschiedliche Quellen w�rden ihn als Nord gegen S�d erkl�ren oder Jung gegen Alt oder UN gegen Nationen oder Nationen gegen Transnationale oder Transnationale gegen Gef�lligkeitsflaggen oder Armeen gegen Polizei oder Polizei gegen B�rger�� so da� jeder Konflikt gleichzeitig herrschte. F�r eine Dauer von sechs oder acht Monaten war die Welt ins Chaos versunken.</p><p>Im Zuge seiner Streifz�ge durch Politikwissenschaft war Sax auf die Tabelle eines gewissen Herman Kahn gesto�en, genannt �Eskalationsleiter�, welche Konflikte nach ihrer Natur und Sch�rfe zu kategorisieren suchte. Kahns Leiter hatte vierundvierzig Stufen, die von der ersten, Deutliche Krise, �ber Kategorien wie Politische und Diplomatische Ma�nahmen, Feierliche und Formale Deklarationen und Offene Mobilmachung steiler �ber Stufen wie Demonstration von Gewalt, Qu�lende Gewaltakte, Dramatische Milit�rische Konfrontationen, Gro�er Konventioneller Krieg in die unerforschten Zonen von Knapper Nuklearer Krieg, Exemplarische Attacken gegen Privatbesitz, Ziviler Vernichtungsangriff bis hin zu Nummer vierundvierzig: Kampf oder Brutaler Krieg. Das war sicher ein interessanter Versuch mit Taxonomie und logischer Sequenz; und Sax begriff, da� die Kategorien aus vielen Kriegen der Vergangenheit abgeleitet waren. Und nach den Definitionen der Tabelle war 2061 direkt auf Stufe vierundvierzig emporgeschossen.</p><p>In diesem Mahlstrom war der Mars nicht mehr als ein spektakul�rer Kriegsschauplatz unter f�nfzig anderen gewesen. Sehr wenige allgemeine Programme �ber �61 widmeten ihm mehr als ein paar Minuten; und diese einfachen Zusammenschnitte hatte Sax die ganze Zeit gesehen. Die erfrorenen W�chter in Korolyov, die zerbrochenen Kuppeln, der Sturz des Aufzugs und dann der Fall von Phobos. Versuche zur Analyse der Lage auf dem Mars waren bestenfalls seicht. Der Mars hatte eine exotische Seitenschau geboten mit einigen guten Videos, aber sonst nichts, was ihn von dem allgemeinen Morast unterschiede. Nein. In einer schlaflosen Nacht wurde ihm klar: Wenn er 2061 verstehen wollte, mu�te er es sich selber zusammenst�ckeln aus den Prim�rquellen der Videob�nder von allen wackligen Schnappsch�ssen w�tender Massen, die St�dte in Brand setzten, und den gelegentlichen Pressekonferenzen mit verzweifelten frustrierten Anf�hrern.</p><p>Selbst das in chronologische Reihenfolge zu bringen war kein einfaches Unterfangen. Und es wurde auch sein Hauptinteresse f�r ein paar Wochen (in seinem Echus-Stil), da die zeitliche Einordnung von Ereignissen der erste Schritt war, um das zusammenzuf�gen, was geschehen war. Erst danach konnte man sich Gedanken �ber das Warum machen.</p><p>Im Laufe der Wochen begann er einen Sinn daf�r zu entwickeln. Sicher war die allgemeine Meinung korrekt. Das Aufkommen der Transnationalen in den 2040er Jahren hatte die B�hne vorbereitet und war die tiefste Ursache des Krieges. In jener Dekade, als Sax seine ganze Aufmerksamkeit auf das Terraformen des Mars konzentriert hatte, war eine neue Ordnung auf der Erde entstanden, als die Tausende multinationaler Korporationen in die Reihen kolossaler Transnationaler aufzugehen begannen. Wie bei der Entstehung eines Planeten, dachte er eines Nachts, wenn aus Planetesimalen Planeten werden.</p><p>Es war allerdings keine v�llig neue Ordnung. Die Multinationalen waren zumeist in den reichen Industrienationen aufgekommen, und so waren die Transnationalen in gewisser Hinsicht Ausdruck dieser Nationen, eine Ausdehnung von deren Macht in den Rest der Welt auf eine Weise, die Sax ein wenig an das wenige erinnerte, was er von den kolonialen und imperialen Systemen wu�te, die ihnen vorangegangen waren. Frank hatte so etwas gesagt. Der Kolonialismus sei nie ausgestorben, pflegte er zu erkl�ren, er habe nur die Namen ge�ndert und lokale Polizisten angeheuert. Wir sind alle Kolonien der Transnationalen.</p><p>Das war Franks Zynismus, wie Sax feststellte (mit dem Wunsch, diesen harten und bitteren Geist vor sich zu haben, um ihn zu unterweisen), denn nicht alle Kolonien waren gleich. Aber eins stimmte: Die Transnationalen waren so m�chtig, da� sie nationale Regierungen zu wenig mehr als zahnlosen Lakaien gemacht hatten. Und keine Transnationale hatte gegen�ber einer bestimmten Regierung oder der UN eine besondere Loyalit�t gezeigt. Aber sie waren Kinder des Westens�� Kinder, die sich nicht mehr um ihre Eltern k�mmerten, sie aber dennoch unterst�tzten. Denn die Archivdaten zeigten, da� die Industrienationen unter den Transnationalen aufgebl�ht waren, w�hrend die Entwicklungsnationen keinen R�ckhalt gehabt hatten, als gegeneinander um den Status der Gef�lligkeitsflagge zu k�mpfen. Und als daher 2060 die Transnationalen von verzweifelten armen L�ndern unter Besch�� gerieten, war es die Gruppe der Sieben und deren milit�rische Macht gewesen, die ihnen zur Verteidigung gekommen war.</p><p>Aber die unmittelbare Ursache? Nacht f�r Nacht durchst�berte er Videos der 2040er und 2050er nach Spuren von Mustern. Schlie�lich kam er zu der Entscheidung, da� es die Langlebigkeitsbehandlung gewesen war, welche das Fa� zum �berlaufen gebracht hatte. W�hrend der 2050er hatte sich die Behandlung durch die reichen L�nder ausgebreitet und damit die krasse Ungleichheit in der Welt wie einen Farbfleck unter dem Mikroskop illustriert. Und als sich die Behandlung ausbreitete, war die Lage immer gespannter geworden und auf der Leiter von Kahns Krisen emporgeklettert.</p><p>Die unmittelbare Ursache der Explosion von �61 schien, seltsam genug, ein Gerangel um den Weltraumaufzug zu sein. Der Aufzug war von Praxis betrieben, aber nach Aufnahme seiner eigentlichen T�tigkeit im Februar 2061 von Subarashii in einem Akt offener feindlicher �bernahme okkupiert worden. Subarashii war damals eine Konglomeration der meisten japanischen Firmen gewesen, die nicht in Mitsubishi aufgegangen waren, und eine aufsteigende Macht, sehr aggressiv und ehrgeizig. Nach Erwerb des Aufzugs�� einer von UNOMA gebilligten �bernahme�� hatte Subarashii sofort die Einwanderungsquoten erh�ht, wodurch die Lage auf dem Mars kritisch wurde. Gleichzeitig hatten die Konkurrenten von Subarashii auf der Erde sich gegen das gewandt, was praktisch eine �konomische Eroberung des Mars war. Und obwohl Praxis seine Bedenken auf legale Aktionen gegen die ungl�ckliche UN beschr�nkt hatte, war eine von Subarashiis Gef�lligkeitsflaggen, n�mlich Malaysia, von Singapore angegriffen worden, das eine Basis f�r Shellalco darstellte. Im April 2061 war schon ein gro�er Teil von S�dasien im Krieg. Bei den meisten K�mpfen handelte es sich um schon lange bestehende Konflikte wie Kambodscha gegen Vietnam oder Pakistan gegen Indien. Aber manche waren Angriffe auf Gef�lligkeitsflaggen wie in Birma und Bangladesch. Ereignisse in der Region hatten die Leiter der Eskalation mit t�dlicher Geschwindigkeit erklommen, als alte Feindschaften zu den neuen transnationalen Konflikten hinzukamen. Und im Juni hatte sich der Krieg �ber die ganze Erde ausgedehnt und dann auf den Mars �bergegriffen. Bis Oktober waren f�nfzig Millionen Menschen gestorben, und weitere f�nfzig Millionen sollten unter den Nachwirkungen sterben, da viele Basisdienste unterbrochen oder zerst�rt waren und eine frisch ausgebrochene Malaria ohne wirksame Vorbeugung oder Heilung blieb.</p><p>Sax schien das zu gen�gen, um trotz der K�rze die Bezeichnung als �Weltkrieg� zu rechtfertigen. Es war, wie er folgerte, eine t�dliche synergistische Kombination von K�mpfen unter den Transnationalen gewesen und von Revolutionen einer F�lle entrechteter Gruppen gegen die transnationale Ordnung. Aber die chaotische Gewaltt�tigkeit hatte die Transnationalen �berzeugt, ihre Dispute zu l�sen oder mindestens darzulegen. Und alle Revolutionen hatten versagt, besonders nachdem die Milit�rs der Gruppe der Sieben intervenierten, um die Transnationalen vor Zerst�ckelung in ihren Gef�lligkeitsflaggen zu bewahren. Alle die gigantischen milit�risch industriellen Nationen standen schlie�lich auf der gleichen Seite, was half, es zu einem sehr kurzen Weltkrieg zu machen gegen�ber den beiden vorherigen. Kurz, aber schrecklich. 2061 waren ungef�hr ebenso viele Menschen gestorben wie in den beiden anderen Weltkriegen zusammengenommen.</p><p>Der Mars war in diesem Dritten Weltkrieg nur ein Nebenschauplatz gewesen, eine Kampagne, in der einige Transnationale gegen eine flammende, aber unorganisierte Revolte �berreagiert hatten. Als es vorbei war, befand sich der Mars fest im Griff der gro�en Transnationalen, mit dem Segen der Gruppe der Sieben und der anderen Klienten der Transnationalen. Und die Erde war weitergetaumelt, um hundert Millionen Menschen weniger.</p><p>Aber sonst hatte sich nichts ge�ndert. Keines der Probleme war angegangen worden. Also k�nnte alles wieder passieren. Das war durchaus m�glich. Man k�nnte sogar sagen, da� es wahrscheinlich w�re.</p><p>Sax schlief weiterhin schlecht. Und obwohl er die Tage in den gew�hnlichen Routinen von Arbeit und Gewohnheit verbrachte, schien es ihm, da� er einige Dinge nun anders sah als vor der Konferenz. Ein weiterer Beweis, wie er m�rrisch feststellte, f�r die Vorstellung einer Vision als paradigmatisches Konstrukt. Aber jetzt war es so deutlich, da� die Transnationalen �berall waren. Hinsichtlich Autorit�t gab es kaum etwas anderes. Burroughs war eine Stadt der Transnationalen, und nach dem, was Phyllis gesagt hatte, traf das auch f�r Sheffield zu. Es gab keine nationalen wissenschaftlichen Teams, die in den Jahren vor der Konferenz fruchtbar gewesen w�ren. Und mit den Ersten Hundert�� tot oder versteckt�� war der Mars als Forschungsobjekt erloschen. Was es an Forschung gab, diente dem Projekt der Terraformung; er hatte gesehen, was f�r eine Wissenschaft da entstand. Nein, es gab in diesen Tagen nur noch angewandte Forschung.</p><p>Und als er sich umsah, gab es nur noch sehr wenige andere Anzeichen der alten Nationalstaaten. Die neuen machten den Eindruck, gr��tenteils bankrott zu sein, sogar die Gruppe der Sieben. Und die Transnationalen waren die Gl�ubiger, wenn �berhaupt jemand. Einige Berichte legten Sax den Gedanken nahe, da� die Transnationalen in gewisser Weise sogar kleinere L�nder als Kapitalanlage betrachteten in einem neuen Arrangement, das weit �ber die alten Kontrakte der Gef�lligkeitsflaggen hinausging.</p><p>Ein Beispiel f�r dieses neue Arrangement in etwas anderer Form war der Mars selbst, der effektiv im Besitz der gro�en Transnationalen zu sein schien. Und jetzt, da es wieder einen Aufzug gab, hatten sich der Export von Metallen und der Import von Menschen und G�tern enorm beschleunigt. Effektenkurse auf der Erde bl�hten sich hysterisch auf, um die Aktion zu markieren, ohne da� ein Ende abzusehen war, trotz der Tatsache, da� der Mars die Erde nur mit bestimmten Metallen in bestimmten Mengen versorgen konnte. Also war der Effektenmarkt wohl nur eine Seifenblase; und wenn er platzte, k�nnte alles sehr wohl wieder zusammenkrachen�� oder vielleicht auch nicht. Die �konomie war ein h�chst bizarres Gebiet, und es gab Hinweise, wonach der ganze B�rsenmarkt einfach zu irreal war, um �ber sich hinaus Wirkung zu zeigen. Aber wer wu�te, wann das geschehen w�rde? Sax, der durch die Stra�en von Burroughs wanderte und sich die Aush�nge der B�rsenkurse in den Fenstern der Gesch�fte ansah, behauptete bestimmt nicht, es zu wissen. Menschen waren eben nun mal keine rationalen Systeme.</p><empty-line/><p>Diese Grundwahrheit wurde best�tigt, als Desmond eines Abends an seiner T�r erschien. Der ber�hmte Cojote pers�nlich, der blinde Passagier, stand da ruhig und einfach im grellbunten Pullover eines Bauarbeiters, wobei diagonale Streifen von Aquamarin und K�nigsblau das Auge nach unten zu zitronengr�nen Stiefeln eines Schutzanzuges f�hrten. Viele Bauarbeiter in Burroughs, und es gab deren eine Menge, trugen die neuen leichten und geschmeidigen Schutzstiefel immer als eine Art modischer Aussage, und alle hatten helle Farben. Aber nur wenige erreichten die erstaunliche Qualit�t des fluoreszenten Gr�ns von Desmond.</p><p>Er grinste auf seine verr�ckte Art, als Sax diese Stiefel anstarrte. �Ja, sind sie nicht wundersch�n? Und sehr ablenkend.�</p><p>Was auch stimmte, da seine Haarzotteln in eine weite, rot-gelb-gr�ne M�tze gestopft waren. �berall auf dem Mars ein ungew�hnlicher Anblick. �Komm, gehen wir einen trinken!�</p><p>Er f�hrte Sax in eine billige Bar an der Kanalseite, die in die Flanke eines massiven entleerten Pingos eingebaut war. Die Bauarbeiter dort sa�en dicht gedr�ngt an langen Tischen und klangen meistens australisch. An der Kanalseite selbst warf eine besonders ruppige Gruppe Eisbrocken in der Gr��e von Kanonenkugeln in den Kanal hinaus. Ab und zu prallte einer davon auf das Gras am anderen Ufer, was Hurragebr�ll und oft eine Runde Stickoxydul f�r das Haus ausl�ste. Spazierg�nger am anderen Ufer machten an dieser Stelle einen gro�en Bogen.</p><p>Desmond bestellte ihnen vier Gl�schen Tequila und einen Inhalator f�r Lachgas. �Wir werden h�bsch bald Kakteen auf der Oberfl�che wachsen haben, nicht wahr?�</p><p>�Ich denke, das k�nntest du schon jetzt schaffen.�</p><p>Sie setzten sich ans Ende eines Tisches mit polternden Ellbogen, und Desmond redete Sax ins Ohr, w�hrend sie tranken. Er hatte einen ganzen Wunschzettel von Dingen, die Sax f�r ihn von Biotique stehlen sollte. S�mereien, Sporen, Rhizome, bestimmte Wachstumsmedien und schwer zu synthetisierende Chemikalien�� �Hiroko sagt, ich m��te dir mitteilen, da� sie das wirklich alles braucht, aber ganz besonders die S�mereien.�</p><p>�Kann sie die nicht selbst z�chten? Ich mag nicht klauen.�</p><p>Desmond sagte und unterstrich den Gedanken mit einer kr�ftige Prise Gas und danach einem Schluck Tequila: �Das Leben ist ein gef�hrliches Spiel. Ahhh!�</p><p>�Es ist nicht die Gefahr. Ich mag das einfach nicht tun. Ich arbeite mit diesen Leuten zusammen.�</p><p>Desmond zuckte die Achseln und antwortete nicht. Sax kam auf den Gedanken, da� diese Skrupel Desmond verletzen k�nnten, der den gr��ten Teil des einundzwanzigsten Jahrhunderts als Dieb und Straff�lliger gelebt hatte. Schlie�lich sagte Desmond: �Du wirst es nicht diesen Leuten wegnehmen. Du wirst es der Transnationalen wegnehmen, die Biotique besitzt.�</p><p>�Aber das ist ein Schweizer Kollektiv und Praxis�, entgegnete Sax. �Und Praxis sieht gar nicht so schlecht aus. Sie ist ein sehr lockeres egalit�res System und erinnert mich wirklich an Hiroko.�</p><p>�Au�er, da� sie Teil eines globalen Systems sind, in dem eine sehr kleine Oligarchie die Welt regiert. Du mu� den Kontext bedenken.�</p><p>�Oh, glaube mir, das tue ich�, versicherte Sax und erinnerte sich wieder an seine, schlaflosen N�chte. �Aber auch du mu�t unterscheiden.�</p><p>�Ja, ja. Und eine Unterscheidung ist, da� Hiroko diese Materialien braucht und nicht herstellen kann angesichts der Notwendigkeit, sich vor der Polizei zu verstecken, die von deiner wundervollen Transnationalen bezahlt wird.�</p><p>Sax zwinkerte m�rrisch.</p><p>�Au�erdem ist Diebstahl von Material eine der wenigen Widerstandsaktionen, die uns in diesen Tagen noch verblieben sind. Hiroko ist sich mit Maya einig, da� offene Sabotage nur die Verk�ndung der Existenz des Untergrundes w�re und eine Aufforderung f�r Repressionen und die Ausschaltung der Demimonde. Sie h�lt es f�r besser, eine Weile zu verschwinden und sie auf den Gedanken zu bringen, da� wir nie in gr��erer Zahl existiert haben.�</p><p>�Das ist eine gute Idee�, sagte Sax. �Aber ich bin �berrascht, da� du tust, was Hiroko sagt.�</p><p>�Sehr komisch!� sagte Desmond grinsend. �Jedenfalls halte ich es auch f�r eine gute Idee.�</p><p>�Wirklich?�</p><p>�Nein. Aber sie hat mich dazu beschwatzt. Es k�nnte dem Besten dienen. Auf jeden Fall gibt es noch eine Menge Material, das besorgt werden mu�.�</p><p>�W�rde nicht schon der Diebstahl an sich der Polizei einen Hinweis geben, da� wir noch da drau�en sind?�</p><p>�Keineswegs. Der ist so weit verbreitet, da� unsere Taten vor dem Niveau des Hintergrundes gar nicht auffallen werden. Es gibt eine Menge Jobs f�r Insider.�</p><p>�Wie mich.�</p><p>�Ja, aber du tust es doch nicht f�r Geld, nicht wahr?�</p><p>�Er gef�llt mir trotzdem immer noch nicht.�</p><p>Desmond lachte. Er entbl��te seinen steinernen Eckzahn und die alte Asymmetrie seines Kinnbackens und seiner ganzen unteren Gesichtsh�lfte. �Es ist das Geiselsyndrom. Du arbeitest mit ihnen, lernst sie kennen und entwickelst eine Sympathie f�r sie. Du mu�t aber bedenken, was sie hier machen. Los, mach den Kaktus fertig, und ich werde dir direkt hier in Burroughs einige Dinge zeigen, die du noch nicht gesehen hast.�</p><p>Es gab einen Aufruhr, als ein Eisbrocken das andere Ufer getroffen hatte, das Gras hinauf und �ber einen alten Mann gerollt war. Die Leute jubelten und hoben die Frau, welche den Wurf getan hatte, auf die Schultern; aber die Gruppe mit dem alten Mann rannte zur n�chsten Br�cke los. Desmond sagte: �Das wird mir zu laut. Komm, trink das und la� uns gehen!�</p><p>Sax kippte den Schnaps hinunter, w�hrend Desmond den Rest des Inhalators zu sich nahm. Dann verschwanden sie rasch, um dem sich anbahnenden Tumult zu entgehen. Sie gingen den Weg an der Seite des Kanals hoch an den Reihen der Barei�s�ulen entlang und zum Princess Park hinauf. Nach einer halben Stunde wandten sie sich nach rechts und erstiegen den begr�nten Toth Boulevard. Hinter Table Mountain gingen sie nach links und kamen zum westlichsten Teil der Kuppelwand, die sich in einem gro�en Bogen um Black Syrtis Mesa hinzog. �Schau, sie kommen auf die alten Sargquartiere f�r Arbeiter zur�ck�, erl�uterte Desmond. �Das ist jetzt die Standardbehausung bei Subarashii. Sieh aber, wie diese Einheiten in die Mesa eingef�gt sind! In den alten Tagen von Burroughs enthielt Black Syrtis eine Plutoniumverarbeitungsanlage, als sie noch reichlich au�erhalb der Stadt lag. Aber jetzt hat Subarashii Arbeitersiedlungen gleich daneben errichtet. Und sie haben die Aufgabe, die Fabrikation zu beaufsichtigen und f�r die Entfernung des Abfalls nach Norden zu Nili Fossae zu sorgen, wo ihn einige integrale Schnelle Reaktoren verwenden werden. Die Aufr�umaktion pflegte damals fast rein robotisch zu sein, aber die Roboter sind schwer zu kontrollieren. Sie fanden es billiger, f�r viele T�tigkeiten Menschen einzusetzen.�</p><p>�Aber die Strahlung���, sagte Sax zwinkernd.</p><p>�Ja�, sagte Desmond mit seinem wilden Grinsen. �Sie erhalten j�hrlich vierzig Rem.�</p><p>�Du machst Witze!�</p><p>�Keineswegs. Das sagen sie den Arbeitern, zahlen ihnen Erschwernislohn, und nach drei Jahren bekommen sie einen Bonus, der in der Behandlung besteht.�</p><p>�Wird ihnen diese sonst verwehrt?�</p><p>�Sax, sie ist teuer. Und es gibt Wartelisten. Auf diese Weise kann man die Liste �bergehen und die Kosten decken.�</p><p>�Aber vierzig Rem! Man kann keineswegs sicher sein, ob die Behandlung den dadurch angerichteten Schaden gutmacht.�</p><p>�Das wissen wir�, sagte Desmond m�rrisch. Es war nicht n�tig, auf Simon zu verweisen. �Das tut sie aber nicht.�</p><p>�Und Subarashii macht das blo�, um die Kosten zu senken?�</p><p>�Sax, bei einer so gro�en Kapitalanlage ist das wichtig. Es treten alle Formen zur Kostensenkung auf. Die Abwassersysteme in Black Syrtis sind zum Beispiel alle von dem gleichen System�� die medizinische Klinik und die S�rge und die Pflanzen in der Mesa.�</p><p>�Das ist wohl ein Witz!�</p><p>�Leider nicht. Meine Witze sind lustiger.�</p><p>Sax winkte ab.</p><p>�Schau�, sagte Desmond. �Es gibt keine beh�rdlichen Regelungen mehr. Keine Bauvorschriften oder dergleichen. Das ist es, was der Erfolg der Transnationalen von einundsechzig wirklich bedeutet. Sie machen jetzt ihre eigenen Gesetze. Und du wei�t, wie eines davon lautet.�</p><p>�Das ist doch aber einfach dumm.�</p><p>�Nun, du wei�t, da� diese spezielle Abteilung von Subarashii von Georgiern gef�hrt wird, und diese sind hier im Griff einer gro�en Stalin-Renaissance. Es ist eine patriotische Geste, da� sie ihr Land so stupide wie m�glich regieren. Das bedeutet auch Gesch�ft. Und nat�rlich sind die Spitzenmanager von Subarashii immer noch Japaner, und die glauben, da� Japan nur durch H�rte gro� geworden ist. Sie sagen, sie h�tten �61 das gewonnen, was sie im Zweiten Weltkrieg verloren haben. Sie sind hier oben die brutalsten Transnationalen; aber alle �brigen ahmen sie nach, um erfolgreich konkurrieren zu k�nnen. Praxis ist hierbei eine Anomalie. Das mu�t du immer bedenken.�</p><p>�Also belohnen wir sie, indem wir sie bestehlen.�</p><p>�Du bist derjenige gewesen, der sich angeschickt hat, f�r Biotique zu arbeiten. Vielleicht solltest du den Job wechseln.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Glaubst du, da� du diese Materialien von einer der Firmen Subarashiis bekommen kannst?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Aber von Biotique ginge das.�</p><p>�Wahrscheinlich. Aber die Sicherheit ist sehr streng.�</p><p>�Aber du k�nntest es machen.�</p><p>�Wahrscheinlich.� Sax dachte dar�ber nach. �Ich will etwas als Gegenleistung haben.�</p><p>�Ja?�</p><p>�Wirst du mich nach drau�en fliegen, damit ich einen Blick auf diese Brandzone der Soletta werfen kann?�</p><p>�Sicher! Ich m�chte sie selbst gern wiedersehen.�</p><empty-line/><p>Also verlie�en sie am n�chsten Nachmittag Burroughs mit dem Zug und fuhren die Gro�e B�schung hinauf. In Libya, siebzig Kilometer von Burroughs entfernt, stiegen sie aus, schl�pften in den Keller und die T�r ihres Verschlages, dann den Tunnel hinunter und hinaus auf die steinige Landschaft. In einem flachen Graben fanden sie dort einen Wagen von Desmond. Und als die Nacht kam, fuhren sie entl�ng der B�schung nach Osten zu einem kleinen Versteck der Roten im Rand des Du-Martheray-Kraters, nahe einem Streifen von flachem Urgestein, den die Roten als Startbahn benutzten. Desmond identifizierte Sax ihren G�sten nicht. Sie wurden in einen kleinen Hangar am Rand der Klippe gef�hrt. Dort stiegen sie in eines der alten getarnten Flugzeuge von Desmond ein, rollten auf den Felsenstreifen und starteten schlingernd nach unten. Einmal in der Luft, flogen sie langsam durch die Nacht nach Osten.</p><p>Sie flogen einige Zeit, ohne zu sprechen. Sax sah nur dreimal Lichter auf der dunklen Seite des Planeten. Einmal war es ein Bahnhof im Krater Escalante, einmal die d�nne, sich bewegende Linie eines um die Welt fahrenden Zuges, und zuletzt ein nicht identifiziertes Blinken in dem rauhen Land hinter der Gro�en B�schung. Sax fragte: �Was denkst du, was das ist?�</p><p>�Keine Ahnung.�</p><p>Nach einigen Minuten sagte Sax: �Ich habe Phyllis getroffen.�</p><p>�Wirklich? Hat sie dich erkannt?�</p><p>�Nein.�</p><p>Desmond lachte. �Meinst du wirklich?�</p><p>�Eine Menge alter Bekannter haben mich nicht erkannt.�</p><p>�Nun ja, aber Phyllis�� Ist sie immer noch Pr�sidentin der Ubergangsbeh�rde?�</p><p>�Nein. Sie schien das sowieso nicht f�r einen einflu�reichen Posten zu halten.�</p><p>Desmond lachte wieder. �Ein verr�cktes Weib. Aber sie hat jene Gruppe auf Clarke wieder in die Zivilisation zur�ckgebracht. Das mu� ich ihr lassen. Ich habe selbst gedacht, da� sie dahin w�ren.�</p><p>�Wei�t du mehr dar�ber?�</p><p>�Nun ja, ich habe mit zwei Leuten gesprochen, die dabei waren. Das war eines Abends in der Pingo-Bar. Man konnte sie dar�ber gar nicht zum Schweigen bringen.�</p><p>�Ist gegen Ende ihres Fluges etwas passiert?�</p><p>�Am Ende? Na ja, da ist jemand gestorben. Ich nehme an, da� eine Frau sich die Hand zerquetscht hat, als sie Clarke evakuierten. Und Phyllis war das, was einer �rztin am n�chsten kam, und hat sich deshalb w�hrend des ganzen Flugs um sie gek�mmert. Sie glaubte wohl, es zu schaffen; aber ich vermute, da� ihr etwas ausging�� die beiden, die mir die Geschichte erz�hlt haben, haben sich dar�ber nicht allzu deutlich ge�u�ert. Und der Patientin ging es immer schlechter. Phyllis rief eine Gebetsversammlung f�r sie ein; aber sie starb doch, ein paar Tage, ehe sie in das System der Erde eintraten.�</p><p>�Ah!� sagte Sax. �Phyllis scheint jetzt aber nicht mehr so�� religi�s zu sein.�</p><p>Desmond knurrte. �Das ist sie nie gewesen, wenn du mich fragst. Ihre Religion war das Gesch�ft. Du kannst richtige Christen besuchen wie die Leute unten in Christianopolis oder Bingen, und wirst feststellen, da� sie beim Fr�hst�ck nicht �ber Profite sprechen und das mit jener salbungsvollen <emphasis>Rechtschaffenheit</emphasis> bew�ltigen, die sie besitzen. Rechtschaffenheit�� mein Gott�� ist bei einer Person eine h�chst unerfreuliche Eigenschaft. Du wei�t doch, es mu� sein wie ein auf Sand gebautes Haus? Aber die Christen der Demimonde sind nicht so. Es sind Gnostiker, Qu�ker, Baptisten, Baha�i, Rastafarianer, was auch immer. Die angenehmsten Menschen im Untergrund, wenn du mich fragst. Und ich habe mit allen gehandelt. So hilfreich. Und ohne Pr�tentionen, da� sie mit Jesus die besten Freunde sind. Sie halten eng zu Hiroko und auch den Sufis. Da unten entwickelt sich eine Art von mystischem Netzwerk.� Er kicherte. �Aber jetzt Phyllis und all diese Businessfundamentalisten�� sie benutzen Religion, um Wucherei zu tarnen. Das hasse ich. Ich habe Phyllis tats�chlich nach unserer Landung nie etwas Religi�ses sagen h�ren.�</p><p>�Hattest du, nachdem wir gelandet waren, viel Gelegenheit, Phyllis sprechen zu h�ren?�</p><p>Wieder ein Gel�chter. �Mehr, als du dir denken k�nntest! Ich habe in jenen Jahren mehr gesehen als du, mein lieber Labormensch! Ich hatte <emphasis>�berall</emphasis> meine kleinen Verstecke.�</p><p>Sax machte ein skeptisches Ger�usch, und Desmond lachte und klopfte ihn auf die Schulter. �Wer sonst k�nnte dir sagen, da� du und Hiroko in den Jahren von Underhill ein Thema gewesen seid?�</p><p>�Hmm.�</p><p>�O ja, ich habe viel gesehen. Nat�rlich konnte man diese spezielle Beobachtung bei praktisch jedem Mann in Underhill machen und im Recht sein. Diese Hexe hat uns alle als Harem benutzt.�</p><p>�Polyandrie?�</p><p>�Zweifach, zum Teufel! Oder zwanzigfach!�</p><p>�Hmm.�</p><p>Desmond lachte ihn an.</p><empty-line/><p>Gleich nach der Fr�hd�mmerung erblickten sie eine wei�e Rauchwolke, die die Sterne auf einem ganzen Quadranten des Himmels verdunkelte. Einige Zeit war diese dichte Wolke die einzige Anomalie, die sie in der Landschaft erkennen konnten. Als sie dann weiterflogen und der Terminator des Planeten unter ihnen dahinglitt, erschien am Osthorizont vor ihnen ein breiter Streifen hellen Bodens. Ein orangefarbener Streifen oder Trog, der ungef�hr von Nordost nach S�dwest �ber das Land lief, verdunkelt von Rauch, der einem Abschnitt davon entstr�mte. Der Trog unter dem Rauch war wei� und turbulent, als ob eine kleine vulkanische Eruption auf diesen Fleck beschr�nkt w�re. Dar�ber stand ein Lichtstrahl oder eher ein Strahl aus erleuchtetem Rauch, so dicht und massiv, da� er wie eine physische S�ule war, die sich direkt nach oben erstreckte und weniger deutlich wurde, als die Rauchwolke d�nner und schw�cher wurde und dort verschwand, wo der Rauch seine gr��te H�he von rund zehntausend Metern erreichte.</p><p>Zuerst gab es kein Anzeichen von dem Ursprung dieses Strahls am Himmel. Die Luftlinse befand sich immerhin mehr als vierhundert Kilometer �ber ihnen. Dann glaubte Sax, etwas zu sehen wie den Geist einer Wolke, die sehr weit oben aufstieg. Vielleicht war es das, vielleicht auch nicht. Desmond war sich nicht sicher.</p><p>Aber am Fu� der Lichts�ule war die Sichtbarkeit keine Frage. Die Lichts�ule hatte eine Art biblischer Pr�senz, und der geschmolzene Fels unter ihr gl�hte wirklich in einem sehr strahlenden Wei�. Das war, was nach 5000 K aussah, wenn sie der freien Luft ausgesetzt wurden. Desmond sagte: �Wir m�ssen vorsichtig sein. Wenn wir in diesen Strahl fliegen, ginge es uns wie einer Motte in einer Flamme.�</p><p>�Ich bin sicher, da� der Rauch auch sehr turbulent ist.�</p><p>�Ja. Ich werde auf seiner Luvseite bleiben.�</p><p>Unten, wo die wei�e S�ule des beleuchteten Rauchs auf den orangefarbenen Kanal traf, wurde frischer Rauch in kr�ftigen St��en ausgeworfen, der von unten her unheimlich erhellt wurde. Im Norden des wei�en Flecks, wo das Gestein eine Gelegenheit hatte, sich abzuk�hlen, erinnerte der geschmolzene Kanal Sax an einen Film von den Ausbr�chen der Vulkane auf Hawaii. Helle gelborangefarbene Wellen stiegen in dem Kanal aus fl�ssigem Fels nach Norden auf, trafen gelegentlich auf Widerstand und platschten auf die dunklen Ufer des geschmolzenen Kanals. Der Kanal war ungef�hr zwei Kilometer breit und verlief nach beiden Richtungen �ber den Horizont. Sie konnten etwa zweihundert Kilometer davon sehen. S�dlich der Lichts�ule war das Kanalbett fast v�llig von sich abk�hlendem schwarzen Gestein bedeckt, durchz�gen von dunkelorangefarbenen Rissen. Der gerade Verlauf des Kanals und die Lichts�ule selbst waren die einzigen deutlichen Anzeichen, da� es sich nicht um einen nat�rlichen Lavakanal handelte. Aber diese Zeichen waren mehr als genug. Au�erdem hatte es auf der Oberfl�che des Mars seit vielen tausend Jahren keinerlei vulkanische T�tigkeit mehr gegeben.</p><p>Desmond flog dicht heran, kippte dann das Flugzeug scharf und nahm Nordkurs auf. �Der Strahl von der Luftlinse bewegt sich nach S�den, darum sollten wir weiter oben auf der Linie dichter herangehen k�nnen.�</p><p>Viele Kilometer weit verlief der Kanal aus geschmolzenem Gestein nach Nordosten, ohne sich zu ver�ndern. Als sie sich dann weiter von der aktuellen Brandzone entfernten, wurde das Orange der Lava dunkler und begann, sich von den Seiten her mit einer schwarzen Kruste zu bedecken, die durch hellere Spalten unterbrochen war. Jenseits davon war die Oberfl�che des Kanals so schwarz wie die Ufer zu beiden Seiten. Ein rein schwarzer Streifen, der �ber die rostfarbenen Gebirge von Hesperia verlief.</p><p>Desmond ging wieder auf S�dkurs und flog n�her an den Kanal heran. Er war ein grober Pilot, der das leichte Flugzeug r�cksichtslos herumjagte. Als die orangefarbenen Flecken wieder erschienen, stie� eine aufsteigende thermische B� die Maschine kr�ftig an, und er glitt ein wenig zur Seite. Das Licht des geschmolzenen Gesteins erhellte die Ufer des Kanals, die wie sehr schwarze rauchende Reihen von H�geln aussahen. Sax sagte: �Ich dachte, die sollten aus Glas bestehen.�</p><p>�Es ist Obsidian. Ich habe deutlich mehrere Farben gesehen. Wirbel aus verschiedenen Mineralien in dem Glas.�</p><p>�Wie weit erstreckt sich dieser Brand?�</p><p>�Sie schneiden von Cerberus bis Hellas, genau westlich von Tyrrhena und den Hadrica-Vulkanen.�</p><p>Sax stie� einen Pfiff aus.</p><p>�O ja, aber sie verfl�chtigen Karbonate viel zu schnell.�</p><p>�Das verdickt die Atmosph�re, nicht wahr?�</p><p>�Ja, aber mit CO2! Sie ruinieren den Planeten. Wir werden auf Jahre hinaus nicht imstande sein, die Luft zu atmen. Wir werden in den Kuppeln festsitzen.�</p><p>�Vielleicht glauben sie, das Kohlendioxid hinausdr�ngen zu k�nnen, wenn die Dinge warm geworden sind.� Desmond schaute ihn an. �Hast du genug gesehen?�</p><p>�Mehr als genug.�</p><p>Desmond stie� wieder sein unangenehmes Lachen aus und neigte das Flugzeug scharf zur Seite. Sie folgten dem Terminator nach Westen und flogen niedrig �ber die langen Schatten des Gel�ndes in der Fr�hd�mmerung.</p><p>�Sax, denk dar�ber nach! Die Menschen sind gezwungen, eine Weile in den St�dten zu bleiben, was g�nstig ist, wenn man die Dinge im Griff haben will. Man brennt Einschnitte mit diesem fliegenden Vergr��erungsglas und hat sehr rasch seine Atmosph�re von einem Bar und seinen warmen, feuchten Planeten. Dann hat man ein Verfahren, um das Kohlendioxid aus der Atmosph�re zu beseitigen. Man mu� da etwas im Sinn haben�� industriell oder biologisch oder beides. Und presto hat man eine zweite Erde, und das sehr schnell. Es k�nnte kostspielig sein���</p><p>�Es ist ganz bestimmt kostspielig! Alle diese gro�en Projekte m�ssen die Transnationalen um riesige Betr�ge zur�ckwerfen; und das tun sie, obwohl wir einen guten Schritt unterwegs sind zu zweihundertdreiundsiebzig Kelvin. Ich verstehe das nicht.�</p><p>�Vielleicht halten sie das f�r zu bescheiden. Schlie�lich ist es doch etwas k�hl, wenn man sich um den Gefrierpunkt bewegt. Man k�nnte es eine Art des Terraformens in einer Vision � la Sax Russell nennen. Praktisch, aber��� Er kicherte. �Oder vielleicht f�hlen sie sich gehetzt. Sax, die Erde ist ein Schlamassel.�</p><p>�Das wei� ich�, sagte Sax heftig. �Ich habe sie studiert.�</p><p>�Gut f�r dich! Nein, wirklich. Du wei�t also, da� Leute, die die Behandlung nicht bekommen haben, verzweifelt werden. Sie werden �lter, und ihre Chancen, sie je zu bekommen, scheinen sich zu verschlechtern. Und diejenigen, welche die Behandlung bekommen haben, besonders die an der Spitze, schauen sich um im Versuch herauszufinden, was sie tun sollen. Das Jahr einundsechzig hat sie gelehrt, was passieren kann, wenn die Dinge au�er Kontrolle geraten. Also kaufen sie L�nder auf wie schlechte Mangos am Ende des Markttags. Aber das scheint nicht zu helfen. Und hier gleich nebenan sehen sie einen frischen leeren Planeten, noch nicht ganz bereit zur Inbesitznahme, aber dicht davor. Voller Potential. Es k�nnte eine neue Welt werden. Au�er Reichweite der nicht behandelten Milliarden.�</p><p>Sax dachte dar�ber nach. �Du meinst eine Art von Wetterloch. Zum Entweichen, wenn es Schwierigkeiten gibt.�</p><p>�Genau. Ich denke, in diesen Transnationalen gibt es Leute, die den Mars so schnell wie m�glich terrageformt haben wollen. Notfalls mit allen erdenklichen Mitteln.�</p><p>�Ah!� sagte Sax. Und schwieg w�hrend der ganzen R�ckreise.</p><p>Desmond begleitete ihn nach Burroughs zur�ck; und als sie vom S�dbahnhof zu Hunt Mesa gingen, konnten sie �ber die Baumwipfel des Canal Parks blicken, durch den Schlitz zwischen Branch Mesa und Table Mountain zu Black Syrtis. �Machen die wirklich auf dem ganzen Mars so bl�dsinnige Dinge?� fragte Sax.</p><p>Desmond nickte. �Ich werde dir das n�chste Mal eine Liste bringen.�</p><p>�Tu das!� Sax sch�ttelte den Kopf, als er dar�ber nachdachte. �Es ergibt keinen Sinn. Es ber�cksichtigt nicht die lange Laufzeit.�</p><p>�Die denken kurzfristig.�</p><p>�Sie werden aber lange zu leben haben! Vermutlich werden sie noch an der Macht sein, wenn diese Politik �ber ihnen zusammenbricht.�</p><p>�Vielleicht sehen sie das anders. Sie �ndern oben an der Spitze oft die Jobs. Sie versuchen, sehr schnell durch Gr�ndung einer Firma Reputation aufzubauen, werden dann von jemand anderem angeheuert und versuchen es dann wieder. Da oben gibt es Spiele, das B�umchen zu wechseln.�</p><p>�Es spielt keine Rolle, auf welchem Platz sie gerade sind. Der ganze Raum wird einst�rzen! Sie ber�cksichtigen nicht die Gesetze der Physik.�</p><p>�Nat�rlich nicht. Hattest du das nicht schon fr�her bemerkt, Sax?�</p><p>�� wohl nicht.�</p><p>Nat�rlich hatte er gesehen, da� menschliche Angelegenheiten irrational und unerkl�rlich waren. Das konnte keinem entgehen. Aber jetzt erkannte er, da� er f�lschlicherweise angenommen hatte, die Menschen, die sich mit Regieren befa�ten, bem�hten sich in bestem Glauben, die Dinge rational laufen zu lassen mit Hinblick auf das langfristige Wohl der Menschheit und das sie tragende biophysische System. Desmond lachte, als Sax ihm das zu erkl�ren suchte. Er rief erregt: �Aber warum sonst sollte man ein so kompromittiertes Werk angehen, wenn nicht zu diesem Ziel?�</p><p>�Macht�, sagte Desmond. �Macht und Gewinn.�</p><p>�Ah!�</p><p>Sax war an solchen Dingen immer so wenig interessiert gewesen, da� er nur schwer -verstand, warum jemand so sein sollte. Was war pers�nlicher Gewinn anders als die Freiheit zu tun, was man wollte? Und was war Macht anders als die Freiheit zu tun, was man wollte? Und wenn man einmal diese Freiheit besa�, begann jedes Mehr an Reichtum oder Macht tats�chlich, die Anspr�che anderer einzuschr�nken und deren Freiheit zu mindern. Man wurde ein Sklave seines Reichtums oder seiner Macht, darauf beschr�nkt, dies die ganze Zeit zu besch�tzen. So war, richtig gesehen, die Freiheit eines Wissenschaftlers, mit einem Labor zur Verf�gung, die h�chste �berhaupt m�gliche Freiheit. Noch mehr Reichtum und Macht w�rden das nur behindern.</p><p>Desmond sch�ttelte den Kopf, als Sax diese seine Philosophie darstellte. �Manche Leute lieben es, anderen zu sagen, was sie tun sollen. Das geht ihnen noch �ber Freiheit. Hierarchie, verstehst du. Und ihr Platz in der Hierarchie. Solange er hoch genug ist. Alle an ihre Pl�tze gebunden. Das ist sicherer als Freiheit. Und viele Menschen sind Feiglinge.�</p><p>Sax sch�ttelte den Kopf. �Ich denke, es ist einfach die Unf�higkeit, den Begriff der sinkenden Ertr�ge zu verstehen. Als ob es von etwas Gutem nie zu viel geben k�nnte. Das ist sehr unrealistisch. Ich meine, in der Natur gibt es keinen Proze�, der konstant w�re ohne R�cksicht auf Quantit�t.�</p><p>�Die Lichtgeschwindigkeit.�</p><p>�Puh! Irrelevant. Physikalische Realit�t ist offenkundig kein Faktor bei diesen Berechnungen.�</p><p>�Gut formuliert.�</p><p>Sax sch�ttelte frustriert den Kopf. �Wieder Religion. Oder Ideologie. Wie pflegte Frank zu sagen? Eine imagin�re Beziehung zu einer realen Situation.�</p><p>�Der war ein Mann, der Macht liebte.�</p><p>�Gewi�.�</p><p>�Aber er hatte viel Phantasie.�</p><empty-line/><p>Sie hielten bei Saxens Apartment an und zogen sich um. Dann gingen sie auf den Gipfel der Mesa, um bei Antonio zu fr�hst�cken. Sax dachte noch �ber ihre Diskussion nach. �Das Problem liegt darin, da� Leute mit �bertriebener Sucht nach Reichtum und Macht Positionen erreichen, die ihnen diese im �berma� bescheren, und dann finden sie, da� sie ebenso deren Sklaven sind wie deren Herren. Danach werden sie entt�uscht und verbittert.�</p><p>�Wie Frank, meinst du.�</p><p>�Ja. Also scheinen die M�chtigen immer ein gest�rtes Verh�ltnis zu haben. Alles von Zynismus bis hin zu ausgewachsener Destruktivit�t. Sie sind nicht gl�cklich.�</p><p>�Aber sie sind m�chtig.�</p><p>�Allerdings. Und das ist nun unser Problem. Menschliche Angelegenheiten����� Sax machte eine Pause, um eines der Br�tchen zu essen, die gerade aufgetischt wurden. Er hatte gro�en Hunger�� �du meinst, sie sollten nach den Prinzipien der System-�kologie betrieben werden.�</p><p>Desmond lachte laut los und griff hastig nach einer Serviette, um sich das Kinn abzuwischen. Er lachte so laut, da� Leute an den Nachbartischen zu ihnen her�berschauten, was Sax etwas beunruhigte. Desmond setzte zu einer Antwort an, hielt inne und fing wieder an zu lachen: �Was f�r eine Vorstellung! Ah ha ha! O mein Saxifrag! Wissenschaftliches Management, he?�</p><p>�Nun, warum nicht?� sagte Sax hartn�ckig. �Ich denke, die Prinzipien, die das Verhalten der dominanten Spezies in einem stabilen �kosystem bestimmen, sind, soweit ich mich entsinne, recht einfach. Ich wette, da� ein Ausschu� von �kologen ein Programm aufstellen k�nnte, das in einer stabilen gutartigen Gesellschaft resultieren w�rde.�</p><p>�Wenn du nur die Welt regieren w�rdest!� rief Desmond und fing wieder an zu lachen. Er legte die Stirn auf die Tischkante und prustete los.</p><p>�Nicht gerade ich.�</p><p>�Nein, ich scherze.� Er richtete sich auf und beruhigte sich wieder. �Du wei�t, Vlad und Marina arbeiten jetzt schon seit Jahren an ihrer �ko-�konomie. Sie haben mich sogar beim Handel zwischen den Kolonien des Untergrundes eingesetzt.�</p><p>�Das wu�te ich nicht�, sagte Sax �berrascht.</p><p>Desmond sch�ttelte den Kopf. �Du mu�t mehr Aufmerksamkeit walten lassen, Sax. Im S�den haben wir jetzt schon seit Jahren durch �ko-�konomie gelebt.�</p><p>�Darum mu� ich mich k�mmern.�</p><p>�Ja.� Desmond grinste breit und w�re fast wieder losgeplatzt. �Du mu�t noch eine Menge lernen.�</p><p>Ihr Fr�hst�ck wurde serviert, zus�tzlich eine Karaffe Fruchtsaft, und Desmond schenkte ihre Gl�ser voll. Er stie� mit Sax an und sprach einen Toast aus: �Willkommen in der Revolution!�</p><p>Desmond fuhr in den S�den, nachdem er Sax ein Versprechen entlockt hatte, da� er f�r Hiroko von Biotique abstauben w�rde, was er k�nnte. �Ich mu� mich jetzt mit Nirgal treffen.� Er dr�ckte Sax an sich und war verschwunden.</p><p>Es verging etwa ein Monat, w�hrend dessen Sax �ber alles nachdachte, was er von Desmond und durch die Videos erfahren hatte. Er sichtete das vorsichtig und wurde dabei immer beunruhigter. Sein Schlaf wurde immer noch fast jede Nacht durch Stunden des Wachseins unterbrochen.</p><p>Dann erhielt er eines Morgens nach einer solchen ergebnislosen und ruhelosen Runde von Schlaflosigkeit einen Anruf auf seinem Armband. Es war Phyllis, die zu Sitzungen in der Stadt war und sich mit ihm zum Dinner treffen wollte.</p><p>Sax sagte zu, mit seiner �berraschung und Stephans Enthusiasmus. Er traf sie an diesem Abend bei Antonio. Sie k��ten sich auf europ�ische Art und wurden zu einem Ecktisch mit Blick auf die Stadt gef�hrt. Dort a�en sie ein Mahl, das Sax kaum bemerkte, und plauderten unverbindlich �ber die letzten Ereignisse in Sheffield und bei Biotique.</p><p>Nach dem Dessert hockten sie �ber Brandies. Sax hatte es nicht eilig zu gehen, da er sich nicht sicher war, was Phyllis f�r nachher vor hatte. Sie hatte kein deutliches Zeichen gegeben und schien es auch nicht eilig zu haben.</p><p>Jetzt lehnte sie sich in ihrem Sessel zur�ck und sah ihn fr�hlich an. �Du bist es doch wirklich, nicht wahr?�</p><p>Sax neigte den Kopf als Zeichen von Unverst�ndnis.</p><p>Phyllis lachte. �Es ist wirklich schwer zu glauben.</p><p>Sax Russell, du bist in den alten Tagen nie so gewesen. Ich h�tte in hundert Jahren nicht geahnt, da� du so ein Liebhaber sein w�rdest.�</p><p>Sax zwinkerte unbehaglich und schaute sich um. Er sagte mit Stephens Sorglosigkeit: �Ich m�chte hoffen, da� dir das mehr �ber dich sagt als �ber mich.� Die Tische in der N�he waren alle frei, und die Kellner lie�en sie allein. Das Restaurant w�rde in etwa einer halben Stunde schlie�en.</p><p>Phyllis lachte wieder; aber ihre Augen hatten einen strengen Ausdruck, und Sax erkannte pl�tzlich, da� sie w�tend war. Ohne Zweifel dar�ber �rgerlich, von einem Mann zum Narren gehalten worden zu sein, den sie seit mehr als achtzig Jahren kannte. Und auch dar�ber, da� er sich entschlossen hatte, sie zu t�uschen. Und warum nicht? Das zeigte einen sehr tiefen Mangel an Vertrauen, besonders von jemandem, der mit einem schlief. Das schlechte Gewissen wegen seines Verhaltens in Arena kam ihm wieder hoch und machte ihn ganz bedenklich. Aber was war da zu tun?</p><p>Er erinnerte sich an jenen Moment im Aufzug, wo sie ihn gek��t hatte und er �hnlich verbl�fft gewesen war. Abgesto�en erst durch ihr Nichterkennen und jetzt durch ihr Wiedererkennen. Das hatte eine gewisse Symmetrie. Und beide Male hatte er mitgespielt.</p><p>�Hast du noch mehr zu sagen?� fragte Phyllis.</p><p>Er spreizte die H�nde. �Wie kommst du auf diesen Gedanken?�</p><p>Wieder lachte sie �rgerlich und sah ihn dann mit schmalen Lippen an. Sie sagte: �Jetzt ist das so leicht zu sehen. Sie haben dir einfach eine Nase und ein Kinn verpa�t, wie ich annehme. Aber die Augen sind dieselben und die Kopfform. Es ist drollig, an was man sich erinnert und was man vergi�t.�</p><p>�Das stimmt.�</p><p>Tats�chlich war es keine Sache des Vergessens, sondern der Unf�higkeit, sich zu erinnern. Sax glaubte eher, da� die Erinnerungen noch irgendwie gespeichert waren.</p><p>�Ich kann mich an dein altes Gesicht wirklich nicht erinnern�, sagte Phyllis. �F�r mich warst du immer in einem Labor, die Nase an einen Bildschirm gedr�ckt. Du h�ttest ebensogut einen wei�en Labormantel tragen k�nnen, so wie ich dich in meinen Erinnerungen sehe. Eine Art gigantischer Labor-Ratte.� Jetzt begannen ihre Augen zu funkeln. �Aber irgendwo im Laufe der Zeit hast du es geschafft, recht gut menschliches Verhalten nachzuahmen, nicht wahr? Gut genug, um eine alte Freundin zu t�uschen, der es gefallen hat, wie du aussahst.�</p><p>�Wir waren keine alten Freunde.�</p><p>�Nein�, platzte sie heraus. �Ich denke nein. Du und deine alten Freunde haben versucht, mich zu t�ten, und haben den gr��ten Teil dieses Planeten zerst�rt. Und offenbar sind sie noch irgendwo da drau�en, sonst w�rdest du nicht hier sein. Sie m�ssen tats�chlich weit verbreitet sein; denn als ich einen DNACheck deines Spermas machen lie�, f�hrten die offiziellen Akten dich als Stephen Lindholm. Das hat mich einige Zeit von der Spur abgebracht. Aber es war etwas an dir, das mich verwunderte. Als wir in diese Spalte fielen. Das war es. Es erinnerte mich an etwas, das geschah, als wir in Antarctica waren. Du, Tatiana Durova und ich waren auf dem Nu�baum-Riegel, wo Tatiana sich den Kn�chel verrenkte und es windig wurde und sp�t und sie uns mit dem Helikopter zur Basis zur�ckbringen mu�ten. Und w�hrend wir warteten, hast du eine Art Felsenflechte gefunden�� �</p><p>Sax sch�ttelte ehrlich �berrascht den Kopf. �Daran erinnere ich mich nicht.� Und so war es auch. Das Jahr des Trainings und der Auswahl in den trockenen T�lern von Antarctica war anstrengend gewesen, f�r ihn aber jetzt nur noch eine undeutliche Angelegenheit; und dieser Vorfall wollte auf keinen Fall wiederkommen. Es war schwer zu glauben, da� das geschehen war. Er konnte sich nicht einmal mehr erinnern, wie die arme Tatiana Durova ausgesehen hatte.</p><p>In seine Gedanken versunken und in konzentrierter Suche nach seinen Erinnerungen aus jenem Jahr entging ihm etwas von dem, was Phyllis sagte. Aber dann bekam er mit: �� immer wieder mit meinen alten Kopien aus meinem PC verglichen�� und da warst du.�</p><p>�Die Speicher deines Computers verschlechtern sich vielleicht�, sagte er geistesabwesend. �Man stellt fest, da� die Stromkreise durch kosmische Strahlung gesch�digt werden, wenn man sie nicht von Zeit zu Zeit wieder auffrischt.�</p><p>Sie ignorierte diese schwache Bemerkung. �Worauf es ankommt, ist, da� Leute, die derartige Akten der �bergangsbeh�rde ver�ndern k�nnen, beobachtet werden m�ssen. Ich f�rchte, da� ich das nicht durchgehen lassen kann. Selbst wenn ich es wollte.�</p><p>�Was willst du damit sagen?�</p><p>�Ich bin mir nicht sicher. Das h�ngt davon ab, was du tust. Du k�nntest mir einfach sagen, wo du dich versteckst und mit wem und was vor sich geht. Du bist schlie�lich vor einem Jahr bei Biotique aufgekreuzt. Wo bist du vorher gewesen?�</p><p>�Auf der Erde.�</p><p>Ihr L�cheln war verzerrt. �Wenn das dein Kurs ist, werde ich gezwungen sein, einige meiner Kollegen um Hilfe zu bitten. In Kasei Vallis gibt es Sicherheitsbeamte, die in der Lage sein werden, deinem Ged�chtnis etwas aufzuhelfen.�</p><p>�Na, na!�</p><p>�Ich meine das nicht metaphorisch. Sie werden die Information nicht aus dir herauspr�geln oder etwas dergleichen tun. Es ist mehr eine Sache des Herausziehens. Sie legen dich darunter, stimulieren den Hippocampus und die Mandel und stellen Fragen. Die Menschen antworten einfach.�</p><p>Sax dachte dar�ber nach. Der Mechanismus des Ged�chtnisses war immer noch wenig erforscht, aber ohne Zweifel konnte etwas Grobes auf die Gebiete angewendet werden, von denen man wu�te, da� sie damit zu tun hatten. Schnelle Mikrowellen, punktgenauer Ultraschall�� wer wu�te was? Es w�re sicherlich gef�hrlich. Indessen��</p><p>�Nun?� fragte Phyllis.</p><p>Er starrte in ihr �rgerliches und triumphierendes L�cheln. Ein h�hnisches Grinsen. Ungeordnete Gedanken schwirrten ihm durch den Kopf. Desmond, Hiroko, die Kinder in Zygote, die riefen: Warum, Sax, warum? Er mu�te sein Gesicht ruhig halten, um seinen Widerwillen gegen sie zu verbergen, der ihn pl�tzlich wie eine Welle durchflutete. Vielleicht war diese Art von Abneigung das, was die Menschen Ha� nannten.</p><p>Nach einiger Zeit r�usperte er sich. �Ich denke, ich sollte es lieber dir erz�hlen.�</p><p>Sie nickte energisch, als ob sie diese Entscheidung selbst getroffen h�tte. Sie schaute sich um. Das ganze Restaurant war jetzt leer. Die Kellner sa�en an einem Tisch und tranken Grappa. �Los!� sagte sie. �Gehen wir in mein B�ro.�</p><p>Sax nickte und stand steif auf. Sein rechtes Bein war eingeschlafen. Er hinkte hinter ihr her. Sie sagten den Kellnern, die sich jetzt r�hrten, gute Nacht und gingen.</p><p>Sie stiegen in den Aufzug, und Phyllis dr�ckte den Knopf f�r die U-Bahn-Etage. Die T�r ging zu, und sie sanken hinab. Wieder in einem Aufzug. Sax holte tief Luft und warf dann den Kopf nach unten, als ob er etwas Ungew�hnliches auf dem Kontrollpaneel ansehen wollte. Phyllis folgte seinen Blick, und mit einer ruckartigen Bewegung schlug er sie auf die Seite des Kinnbackens. Sie prallte gegen die Seite des Aufzugs und brach benommen und japsend zusammen. Die zwei gr��ten Kn�chel seiner rechten Hand schmerzten Sax furchtbar. Er dr�ckte den Knopf f�r die zweite Etage �ber der U-Bahn, die einen langen Korridor nach Hunt Mesa hatte mit L�den zu beiden Seiten, die um diese Stunde geschlossen sein w�rden. Er packte Phyllis bei den Achselh�hlen und zog sie hoch. Sie war gr��er als er, schlaff und schwer; und als die T�r des Lifts aufging, bereitete er sich darauf vor, um Hilfe zu rufen. Aber drau�en stand niemand, und er schlang sich einen ihrer Arme um den Hals und zerrte sie hin�ber zu einem der kleinen Wagen, die dort zur Bequemlichkeit der G�ste standen, die die Mesa schnell oder mit einer Last passieren wollten. Er lie� Phyllis auf den R�cksitz fallen. Sie st�hnte. Es klang, als ob sie zu sich k�me. Er setzte sich vor ihr auf den Fahrerplatz und trat das Pedal bis zum Boden durch. Das kleine Fahrzeug brummte den Korridor entlang. Sax fand das Atmen m�hsam und schwitzte.</p><p>Er kam an zwei Toiletten vorbei und hielt an. Phyllis rollte hilflos vom Sitz und auf den Boden. Sie st�hnte noch lauter. Bald w�rde sie das Bewu�tsein wiedererlangen, falls das nicht schon der Fall war. Sax stieg aus und lief hin�ber, um zu sehen, ob die Herrentoilette frei war. Das war der Fall. Also rannte er wieder zum Wagen, zog Phyllis an den Schultern hoch und legte sie sich auf den R�cken. Er stolperte unter ihrem Gewicht, bis er die T�r der Toilette erreichte. Dann warf er sie hin. Ihr Kopf krachte auf den Betonfu�boden, und ihr St�hnen h�rte auf. Sax �ffnete die T�r und zog sie hindurch. Dann schlo� und verriegelte er sie.</p><p>Er setzte sich neben ihr auf den Fu�boden des Waschraums und rang nach Luft. Sie atmete noch, und ihr Puls war schwach, aber gleichm��ig. Sie schien in Ordnung zu sein, aber noch st�rker benommen, als nachdem er sie geschlagen hatte. Ihre Haut war bla� und feucht, und ihr Mund stand offen. Sie tat ihm leid, bis er daran dachte, da� sie gedroht hatte, ihn den Sicherheitstechnikern zu �bergeben, um ihm seine Geheimnisse zu entrei�en. Deren Methoden waren fortschrittlich, aber eine Tortur war es trotzdem. Und falls sie Erfolg h�tten, w�rden sie �ber die Fl�chtlinge im S�den und alle �brigen Bescheid wissen. Sobald sie eine allgemeine Vorstellung von dem hatten, was er wu�te, w�re es nicht m�glich, ihren Kombinationen von Drogen und Verhaltenssteuerung zu widerstehen.</p><p>Und selbst jetzt wu�te Phyllis schon zu viel. Die Tatsache, da� er eine so gute falsche Identit�t hatte, lie� auf eine ganze Infrastruktur schlie�en, die bis dahin verborgen gewesen war. Wenn sie einmal von deren Existenz wu�ten, k�nnten sie sie wahrscheinlich aufsp�ren. Hiroko, Desmond, Spencer, die in Kasei Vallis tief im System steckten, alle exponiert� Nirgal und Jackie, Peter, Ann� sie alle. Weil er nicht geschickt genug gewesen war, einem stupiden schrecklichen Weib wie Phyllis aus dem Wege zu gehen.</p><p>Er schaute sich um. Der Raum hatte die Gr��e von zwei Toilettenkabinen�� eine Kabine mit der Toilette und eine andere mit einem Ausgu�, einem Spiegel und der �blichen Wand mit Automaten f�r Sterilit�tspillen und Erfrischungsgas. Er betrachtete diese, atmete tief durch und �berdachte die Lage. Als ihm Pl�ne in den Kopf kamen, fl�sterte er seinem Armbandcomputer Anweisungen zu. Desmond hatte ihm einige sehr verheerende Virusprogramme gegeben. Er st�pselte sein Armband in das von Phyllis und wartete, da� die �bertragung stattfand. Mit einigem Gl�ck w�rde er ihr ganzes System zerst�ren. Pers�nliche Sicherheitsma�nahmen waren nichts gegen�ber Desmonds milit�risch fundierten Viren. Das behauptete jedenfalls Desmond selbst.</p><p>Aber da war immer noch Phyllis. Die Automaten f�r Erfrischungsgase an der Wand enthielten gr��tenteils Stickoxydul, jeder etwa zwei oder drei Kubikmeter davon. Der Raum hatte, wie er sch�tzte, ungef�hr f�nfunddrei�ig bis vierzig Kubikmeter. Das Ventilationsgitter befand sich nahe der Decke und konnte mit einem Streifen des neben der Sp�le auf einer Rolle sitzenden Handtuchs verstopft werden.</p><p>Sax steckte Geldchips in den Automaten und kaufte alle darin enthaltenen Gase auf. Zwanzig kleine Flaschen von Taschengr��e mit Masken f�r Nase und Mund. Und Lachgas w�rde etwas schwerer sein als die Luft in Burroughs.</p><p>Er nahm die kleine Schere aus dem Schl�sselfach seines Armbands und schnitt von der Endlosrolle des Handtuchs einen Streifen ab. Dann kletterte er auf den Toilettentank und verdeckte das L�ftungsgitter, indem er den Streifen in die Schlitze stopfte. Es gab noch L�cken, aber die waren klein. Er kletterte wieder herunter und ging zur T�r hin�ber. Dort am Boden war ein fast ein Zentimeter gro�er Spalt. Er schnitt noch einige Streifen von dem Handtuch ab. Phyllis schnarchte. Er ging zur T�r, �ffnete sie, bef�rderte die Gasflaschen mit einem Tritt hinaus und trat nach ihnen auf den Korridor. Er warf einen letzten Blick auf Phyllis, die mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden lag. Dann schlo� er die T�r. Er stopfte die Handtuchstreifen unter die T�r und lie� nur an einer Ecke eine kleine �ffnung. Nachdem er sich beiderseits auf dem Korridor umgeschaut hatte, setzte er sich hin, nahm eine Flasche, pa�te die flexible Maske dem Loch an und scho� den Inhalt in die Herrentoilette. Das tat er zwanzigmal und stopfte die leeren Flaschen in seine Taschen, bis die voll waren. Dann machte er f�r den Rest eine kleine Tragetasche aus dem letzten Streifen des Handtuchs. Er stand auf, ging zum Wagen und nahm im Fahrersitz Platz. Er trat auf das Pedal, und der Wagen sprang nach vorn in einer Bewegung entgegen derjenigen, die Phyllis aus dem R�cksitz auf den Boden geworfen hatte. Das hatte wohl weh getan.</p><p>Er hielt wieder an, stieg aus und lief klapprig zur Toilette zur�ck. Er ri� die T�r auf, ging mit angehaltenem Atem hinein, packte Phyllis bei den Fu�kn�cheln und zerrte sie in die Luft hinaus. Sie atmete noch und zeigte ein leichtes L�cheln. Sax widerstand der Versuchung, ihr einen Tritt zu versetzen, und lief zum Wagen zur�ck.</p><p>Er fuhr in vollem Tempo zur anderen Seite von Hunt Mesa und nahm dann den Lift zur U-Bahn-Etage. Er bestieg den n�chsten Zug und wartete bis zum S�dbahnhof. Er merkte, da� seine H�nde zitterten. Die beiden gro�en Kn�chel seiner rechten Hand waren geschwollen und fingen an, sich blau zu verf�rben. Sie schmerzten stark.</p><p>Am Bahnhof kaufte er ein Ticket nach S�den. Aber als er dies und seinen Personalausweis dem Mann an der Sperre gab, machte der runde Augen, und er und seine Kollegen zogen sofort ihre Pistolen, um ihn festzunehmen. Dabei riefen sie nerv�s nach Leuten in einem anderen Raum um Hilfe. Offenbar war Phyllis schneller zu sich gekommen, als ihn seine Berechnungen hatten annehmen lassen.</p></section></section><section><title><p>F�NFTER TEIL</p><p>Heimatlos</p></title><section><p><emphasis>Biogenese ist in erster Linie Psychogenese. Diese Wahrheit ist nirgends deutlicher zum Ausdruck gekommen als auf dem Mars, wo die Noosph�re der Biosph�re vorausging. Die Zone des Denkens hat den schweigenden Planeten erst aus der Ferne umh�llt und ihn mit Geschichten, Pl�nen und Tr�umen besiedelt bis zu dem Moment, da John ausstieg und sagte: Da sind wir. Von da an verbreitete sich die Gr�ne Kraft wie ein Lauffeuer, bis der ganze Planet von Viriditas pulsierte. Es war, als h�tte der Planet selbst gef�hlt, da� ihm etwas fehlte, und als ob beim Aufprall von Geist gegen Fels, Noosph�re gegen Lithosph�re, die fehlende Biosph�re mit der verbl�ffenden Pl�tzlichkeit der Papierblume eines Magiers in die L�cke gesprungen w�re.</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>So etwa kam es Michel Duval vor, der sich leidenschaftlich jedem Anzeichen von Leben in der rostigen �de widmete; der Hirokos Areophanie mit der Gier aufgegriffen hatte, mit der ein Mensch einen ihm zugeworfenen Rettungsring packt. Sie hatte ihm eine neue Sehweise gegeben. Um diese zu praktizieren, hatte er Anns Gewohnheit angenommen, in der Stunde vor Sonnenuntergang drau�en spazierenzugehen. In der Gegend mit ihren langen Schatten war f�r ihn jeder Grasfleck eine ersch�tternde Freude. In jedem kleinen St�ck Riedgras und Flechte sah er eine Provence im kleinen.</emphasis></p><p><emphasis>Das war seine Aufgabe, wie er sie jetzt verstand: die harte Arbeit, die auseinanderstrebende Gegens�tzlichkeit von Provence und Mars zu vers�hnen. Erf�hlte sich in diesem Vorhaben als Teil einer langen Tradition; denn er hatte k�rzlich bei seinen Studien bemerkt, da� die Geschichte des franz�sischen Denkens beherrscht war von Versuchen, extreme Antinomien zu l�sen. F�r Descartes waren es Geist und Leib gewesen, f�r Sartre Freudianismus und Marxismus, f�r Teilhard de Chardin Christentum und Evolution�� die Liste lie�e sich noch verl�ngern; und ihm schien, da� die besondere Qualit�t der franz�sischen Philosophie, ihre heroische Spannung und ihre Tendenz f�r einen langen Weg gro�artiger Irrt�mer, aus diesem wiederholten Versuch stammte, unm�gliche Gegens�tze zusammenzuspannen. Vielleicht waren das alle, einschlie�lich der seinigen, Angriffe des gleichen Problems, des Bem�hens, Geist und Materie zu verkn�pfen. Und vielleicht war dies der Grund, weshalb das franz�sische Denken so oft rhetorische Hilfsmittel begr��t hatte wie das semantische Rechteck�� Strukturen, welche diese auseinanderstrebenden Gegens�tze in Netzen verbinden k�nnten, die stark genug waren, sie zu halten.</emphasis></p><p><emphasis>Somit war es jetzt Michels Aufgabe, Geist und rostige Materie zusammenzukn�pfen, die Provence auf dem Mars zu entdecken. Zum Beispiel lie�en Krusten aus Flechten Teile der roten Ebene aussehen, als w�ren sie mit Jade �berzogen. Und jetzt, an den hellen Indigo-Abenden (unter dem alten roten Himmel hatte Gras braun ausgesehen), erlaubte die Farbe des Himmels jedem Grashalm, so rein gr�n auszusehen, da� die kleinen Rasenfl�chen zu vibrieren schienen. Der intensive Druck von Farbe auf die Netzhaut�� welche Wonne!</emphasis></p><p><emphasis>Und es war auch fast erschreckend, wie rasch diese primitive Biosph�re Wurzeln geschlagen hatte, aufgebl�ht war und sich verbreitet hatte. Es gab einen innewohnenden Aufschwung zum Leben, eine gr�ne elektrische Frische zwischen den Polen von Fels und Geist. Eine unglaubliche Kraft, die hier eingegriffen und die genetischen Ketten ber�hrt hatte, Sequenzen eingef�gt, neue Hybriden geschaffen hatte, ihnen geholfen, sich zu verbreiten, und ihre Milieus so ver�ndert hatte, da� sie wachsen konnten. Der nat�rliche Enthusiamus des Lebens f�r das Leben war �berall deutlich, wie es k�mpfte und sich so oft durchsetzte. Aber jetzt gab es auch leitende H�nde, eine Noosph�re, die alles von Anfang an umfing. Die gr�ne Kraft stie� mit jeder Ber�hrung ihrer Fingerspitzen in die Landschaft vor.</emphasis></p><p><emphasis>Also waren menschliche Wesen wirklich wie Zauberer�� bewu�te Sch�pfer, die wie frische junge G�tter �ber diese neue Welt schritten und immense alchemische Kr�fte entfalteten. Darum sah sich Michel einen jeden, dem er auf dem Mars begegnete, neugierig an und fragte sich bei der Betrachtung seines oft harmlosen �u�eren, welch neuer Paracelsus oder Isaac von Holland vor ihm stand und ob er Blei in Gold verwandeln oder Steine zu Bl�ten machen w�rde.</emphasis></p><empty-line/></section><section><p>Der von Cojote und Maya gerettete Amerikaner war auf den ersten Blick nicht auff�lliger als jede andere Person, die Michel auf dem Mars getroffen hatte. Vielleicht etwas wi�begieriger und wohl auch intelligenter. Ein st�mmiger watschelnder Mann mit einem dunklen Gesicht und einer sp�ttischen Miene. Aber Michel war es gewohnt, hinter solchen Gesichtern den transformativen Geist im Innern zu erkennen, und kam rasch zu dem Ergebnis, da� sie einen geheimnisvollen Mann in der Hand hatten.</p><p><strong>S</strong>ein Name war Art Randolph, sagte er, und er h�tte n�tzliches Material von dem heruntergefallenen Aufzug geborgen. �Karbon?� hatte Maya gefragt. Aber er hatte ihren sarkastischen Ton nicht mitbekommen oder ignoriert und antwortete: �Ja, aber auch�� und hatte eine ganze Liste exotisch zu Brekzien verwandelter Minerale heruntergerasselt. Maya hatte ihn nur angeschaut, aber er schien das nicht zu bemerken. Er hatte nur Fragen. Wer waren sie? Was taten sie da drau�en? Wohin w�rden sie ihn bringen? Was f�r eine Art von Wagen waren das hier? Waren sie wirklich aus dem Weltraum nicht zu sehen? Wie entledigten sie sich ihrer thermischen Spuren? Warum mu�ten sie aus dem Raum unsichtbar sein? Geh�rten sie zum Untergrund des Mars? Wer waren sie �berhaupt?</p><p>Niemand beeilte sich, diese Fragen zu beantworten, und schlie�lich sagte Michel ihm: �Wir sind Martier. Wie leben hier drau�en unabh�ngig allein.�</p><p>�Der Untergrund. Unglaublich! Ich h�tte gedacht, ihr Burschen w�ret eine Legende, um die Wahrheit zu sagen. Das ist gro�artig.�</p><p>Maya rollte nur mit den Augen und sagte, als ihr Gast sie bat, bei Echus Overlook abgesetzt zu werden, mit h��lichem Lachen: �Komm jetzt zur Sache!�</p><p>�Was meinst du?�</p><p>Michel erkl�rte ihm, da� sie ihn nicht freilassen k�nnten, ohne ihre Anwesenheit preiszugeben. Vielleicht w�rden sie ihn �berhaupt nicht freilassen k�nnen.</p><p>�Oh, ich w�rde es niemandem erz�hlen.�</p><p>Maya lachte wieder.</p><p>�Die Sache ist zu wichtig, als da� wir einem Fremden vertrauen k�nnten�, sagte Michel. �Und du k�nntest nicht imstande sein, ein Geheimnis zu bewahren. Du m��test erkl�ren, wie du dich so weit von deinem Fahrzeug entfernt hast.�</p><p>�Ihr k�nntet mich wieder dorthin bringen.�</p><p>�Wir lieben es nicht, Zeit mit so etwas zu verschwenden. Wir w�ren nicht nahe herangekommen, wenn wir nicht bemerkt h�tten, da� du in Schwierigkeiten stecktest.�</p><p>�Nun, das wei� ich zu sch�tzen. Aber ich mu� sagen, da� das hier nicht gerade nach Rettung aussieht.�</p><p>�Besser als die Alternative�, sagte Maya in scharfem Ton.</p><p>�Sehr wohl. Und ich sch�tze es wirklich. Aber ich verspreche, da� ich es niemandem erz�hlen werde. Es ist au�erdem nicht so, als ob die Leute nicht w��ten, da� ihr euch hier drau�en befindet. Das Fernsehen zu Hause hat die ganze Zeit �ber euch berichtet.�</p><p>Selbst Maya verstummte daraufhin. Sie fuhren weiter. Maya f�hrte �ber ihr Interkom ein lebhaftes russisches Gespr�ch mit Cojote, der im Rover vor ihnen war, und mit Kasei, Nirgal und Harmakhis. Cojote war unerbittlich. Wenn sie das Leben des Mannes gerettet hatten, konnten sie es sicher so einrichten, da� sie einige Zeit au�er Gefahr blieben. Michel berichtete den Kern der Gespr�che ihrem Gefangenen.</p><p>Randolph runzelte kurz die Stirn und zuckte dann die Achseln. Michel hatte noch nie erlebt, da� sich jemand so rasch mit neuen Lebensumst�nden zurechtfand. Die Kaltbl�tigkeit des Mannes war eindrucksvoll. Michel beobachtete ihn aufmerksam, behielt aber auch ein Auge auf den vorderen Bildschirm gerichtet. Randolph stellte schon wieder Fragen, diesmal �ber die Lenkung des Rovers. Er machte nur eine Bemerkung zu seiner Lage, nachdem er die Bedienung von Radio und Interkom angeschaut hatte. �Ich hoffe, ihr werdet mich eine Nachricht an meine Firma schicken lassen, damit die wissen, da� ich in Sicherheit bin. Ich habe f�r Dumpmines, einen Teil von Praxis, gearbeitet. Ihr und Praxis habt wirklich vieles gemeinsam. Auch die k�nnen sehr verschwiegen sein. Ich schw�re, ihr solltet euch um eurer eigenen Sache willen mit ihnen in Verbindung setzen. Ihr m��t doch gewisse codierte Frequenzen benutzen, nicht wahr?�</p><p>Keine Antwort von Maya oder Michel. Und sp�ter, als Randolph in das kleine Toilettenabteil des Rovers gegangen war, zischte Maya: �Er ist offenbar ein Spion. Er war so absichtlich drau�en, da� wir ihn aufgreifen w�rden.�</p><p>Das war typisch Maya. Michel versuchte nicht, mit ihr zu diskutieren, sondern zuckte nur die Achseln. �Jedenfalls behandeln wir ihn wie einen solchen.�</p><p>Und dann war er wieder drau�en zwischen ihnen und stellte weitere Fragen. Wo lebten sie? Wie war es, sich die ganze Zeit zu verstecken? Michel fand allm�hlich Spa� an dem, was mehr oder weniger wie eine schauspielerische �bung oder ein Test zu sein schien. Randolph wirkte v�llig offen, klug, freundlich, mit seinem dunklen Gesicht fast wie ein harmloses Mondkalb. Und dennoch beobachteten seine Augen sie sehr aufmerksam, und mit jeder nicht beantworteten Frage sah er interessierter und zufriedener aus, als ob er ihre Antworten durch Telepathie bek�me. Jeder Mensch besitzt eine gro�e Kraft, und jeder Mensch auf dem Mars ist ein Alchemist. Und obwohl Michel die Psychiatrie l�ngst aufgegeben hatte, konnte er immer noch erkennen, wenn ein Meister am Werk war. Er lachte fast �ber den zunehmenden Drang, den er in sich f�hlte, diesem ungeschlachten seltsamen Mann, der sich noch ungeschickt bei Marsschwere benahm, alles zu offenbaren.</p><p>Dann piepte ihr Radio, und eine komprimierte Nachricht, die nicht l�nger als zwei Sekunden dauerte, zwitscherte �ber die Lautsprecher. Randolph sagte hilflos: �Seht, genau so k�nntet ihr Praxis eine Mitteilung zukommen lassen.�</p><p>Aber als der Computer die Meldung fertig entschl�sselt hatte, war jeder Spa� verflogen. Sax war in Burroughs verhaftet worden.</p><empty-line/><p>Am fr�hen Morgen fuhren sie bis zu Cojotes Wagen vor und verbrachten den Tag mit Beratungen, was zu tun w�re. Sie sa�en in einem dicht gedr�ngten Kreis im Wohnabteil, alle Gesichter von Sorge gezeichnet�� alle mit Ausnahme ihres Gefangenen, der zwischen Nirgal und Maya sa�. Nirgal hatte ihm die H�nde gesch�ttelt und genickt, als w�ren sie alte Freunde, obwohl keiner ein Wort sprach. Aber die Sprache der Freundschaft bestand nicht in Worten.</p><p>Die Mitteilung �ber Sax war von Spencer gekommen �ber Nadia. Spencer arbeitete in Kasei Vallis, das eine Art neues Korolyov bildete, eine Sicherheitsstadt, sehr raffiniert und zugleich von sehr niedrigem Profil. Sax war in einen der dortigen Wohnblocks gebracht worden, und Spencer hatte das ausgekundschaftet und Nadia gemeldet.</p><p>�Wir m�ssen ihn herausholen, und zwar schnell�, sagte Maya. �Sie haben ihn erst seit ein paar Tagen.�</p><p><emphasis>�Den Sax Russell?�</emphasis> sagte Randolph. �Donnerwetter! Ich kann es nicht glauben. Wer seid ihr eigentlich? He, bist du Maya Toitovna?�</p><p>Maya verfluchte ihn in w�tendem Russisch. Cojote ignorierte sie alle. Er hatte nichts gesagt, seit die Nachricht eingetroffen war, und war am Schirm seines Computers besch�ftigt, um die Fotos der Wettersatelliten durchzumustern.</p><p>�Ihr k�nnt mich eigentlich auch laufen lassen�, sagte Randolph in die Stille. �Ich k�nnte ihnen nichts sagen, das sie nicht auch aus Russell herausholen k�nnten.�</p><p>�Der wird ihnen nichts sagen�, erkl�rte Kasei w�tend.</p><p>Randolph schwenkte die Hand. �Ihn ver�ngstigen, vielleicht ein wenig verletzen, ihn unter Druck und Drogen setzen und sein Gehirn an den richtigen Stellen anzapfen. Sie werden Antworten auf alle ihre Fragen bekommen. Sie haben das zu einer Wissenschaft gemacht, soweit ich wei�.� Er starrte Kasei an. �Auch du siehst mir bekannt aus. Macht nichts! Jedenfalls, wenn sie es herausquetschen k�nnen, pflegen sie es noch grausamer zu machen.�</p><p>�Woher wei�t du all das?� fragte Maya.</p><p>�Das ist allgemein bekannt�, erwiderte Randolph. �Vielleicht stimmt das alles nicht, aber�� �</p><p>�Ich will zu ihm�, sagte Cojote.</p><p>�Sie werden aber erfahren, da� wir hier drau�en sind�, gab Kasei zu bedenken.</p><p>�Das wissen sie sowieso. Was sie nicht wissen, ist, wo wir sind.�</p><p>�Au�erdem�, sagte Michel, �ist es unser Sax.�</p><p>�Hiroko wird nichts dagegen haben�, sagte Cojote.</p><p>�Und falls doch, kann sie uns gestohlen bleiben!� rief Maya. �Sagt ihr <emphasis>shikata ga nai!�</emphasis></p><p>�Es w�re mir ein Vergn�gen�, erkl�rte Cojote.</p><empty-line/><p>Die westlichen und n�rdlichen H�nge des Tharsis- Buckels waren im Vergleich zu dem �stlichen Abfall zu Noctis Labyrinthus unbewohnt. Es gab einige areothermale Stationen und Wasserquellen; aber ein gro�er Teil der Gegend war mit einer ganzj�hrigen Schneeschicht und festen und jungen Gletschern bedeckt. Winde aus dem S�den kollidierten mit den starken Nordwestwinden, die um Olympus Mons herum kamen, und die Schneest�rme konnten sehr heftig sein. Die protoglaziale Zone zog sich von der H�henlinie von sechs oder sieben Kilometern bis fast zum Fu� der gro�en Vulkane hin. Das war kein guter Ort zum Bauen und auch nicht als Versteck f�r getarnte Wagen.</p><p>Sie fuhren knapp �ber die Sastrugi und an z�hen Lavah�geln entlang, die als Stra�en dienten, nach Norden am Tharsis-Vulkan vorbei, der ungef�hr so gro� war wie Mauna Loa, obwohl er unter dem aufragenden Ascraeus wie ein Aschenkegel wirkte. In der n�chsten Nacht entfernten sie sich vom Schnee und wandten sich nach Nordosten �ber Echus Chasma. Am Tage versteckten sie sich unter der riesigen Ostwand von Echus, nur ein paar Kilometer n�rdlich des alten Hauptquartiers von Sax auf der Spitze der Klippe.</p><p>Die Ostwand von Echus Chasma war die h�chste Stelle der Gro�en B�schung�� eine drei Kilometer hohe Klippe, die tausend Kilometer schnurgerade nach Norden und S�den verlief. Die Areologen stritten sich noch �ber ihre Entstehung, da keine normale Kraft der Gel�ndeformation imstande schien, sie geschaffen zu haben. Sie war einfach ein Bruch im Gewebe der Dinge, der den Boden von Echus Chasma von dem Hochplateau Lunae Planum trennte. Michel hatte in seiner Jugend Yosemite Valley besucht und erinnerte sich noch an diese hochragenden Granitklippen. Aber die Wand, die hier vor ihnen stand, war so lang wie der ganze Staat Kalifornien und auf dem gr��ten Teil dieser Strecke drei Kilometer hoch, eine vertikale Wand, deren massive Fl�chen von rotem Fels kahl nach Westen blickten und bei jedem Sonnenuntergang wie die Flanke eines Kontinents ergl�hten.</p><p>An ihrem n�rdlichen Ende wurde diese unglaubliche Klippe weniger hoch, und knapp �ber 20� Nord wurde sie von einem tiefen breiten Kanal durchschnitten, der nach Osten durchs Lunae Plateau verlief hinab zum Chryse-Becken. Dieser gro�e Canyon war Kasei Vallis, eine der deutlichsten Manifestationen alter �berflutungen irgendwo auf dem Mars. Ein einziger Blick auf ein Satellitenfoto machte klar, da� eine sehr gro�e Flut einstmals Echus Chasma heruntergestr�mt war, bis sie eine Bresche in seiner gro�en Ostwand erreichte, vielleicht einen Graben. Das Wasser hatte sich durch dieses Tal direkt nach rechts gewandt und war mit phantastischer Kraft hindurchgebrochen. Dabei hatte es den Eingang bis zu einer glatten Kurve abgetragen, war �ber die �u�eren Ufer der Biegung geschwappt und hatte an Verbindungen des Gesteins ger�ttelt, bis sie ein komplexes Gitter enger Canyons bildeten. Ein zentraler Grat im Haupttal war zu einer langen Schleife einer tropfenf�rmigen Insel umgestaltet worden, die so hydrodynamisch wie ein Fischr�cken geformt war. Das innere Ufer des fossilen Wasserlaufs wurde von zwei Canyons zerschnitten, die gr��tenteils nicht von Wasser ber�hrt worden waren, gew�hnlichen Gr�ben, die zeigten, wie der Hauptkanal wahrscheinlich vor der Flut ausgesehen hatte. Die sp�teren Meteoriteneinschl�ge auf dem h�chsten Teil des inneren Ufers hatten die Gestaltung des Terrains abgeschlossen und frische steile Krater hinterlassen.</p><p>Vom Boden aus, wenn man langsam auf den Anstieg des �u�eren Ufers hinauffuhr, war es ein rundliches Tal mit dem schleifenf�rmigen Grat und den runden W�llen der Krater auf dem Anstieg der inneren Bank als besonders auff�lligen Merkmalen. Es war eine attraktive Landschaft, die in ihrer r�umlichen Pracht an die Gegend von Burroughs erinnerte. Der gro�e Streifen des Hauptkanals hatte eben erst begonnen, sich mit flie�endem Wasser zu f�llen, und w�rde ohne Zweifel einen seichten verzweigten Strom bilden, der �ber Kieseisteine lief und sich jede Woche neue Betten und Inseln grub��</p><p>Aber jetzt war es der Platz f�r das Gefangenenlager der Sicherheit der Transnationalen. Die beiden Krater auf dem inneren Ufer waren mit Kuppeln �berspannt worden, wie auch gro�e Teile des gitterartigen Gel�ndes auf dem �u�eren Ufer und ein Teil des Hauptkanals zu beiden Seiten der geschweiften Insel. Aber nichts davon wurde je im Fernsehen gezeigt oder in den Nachrichten erw�hnt. Es war nicht einmal auf den Karten eingezeichnet.</p><p>Aber Spencer war dort seit Baubeginn gewesen, und seine unregelm��igen Berichte nach drau�en hatten ihnen mitgeteilt, wof�r die neue Stadt dienen sollte. In diesen Tagen wurden fast alle Personen, die man auf dem Mars f�r schuldig an Verbrechen befunden hatte, zum Asteroideng�rtel hinausgeschickt, um ihre Strafen in Bergbauschiffen abzuarbeiten. Aber es gab Leute in der �bergangsbeh�rde, die ein Gef�ngnis auf dem Mars selbst haben wollten, und das war Kasei Vallis.</p><p>Au�erhalb des Eingangs zum Tal versteckten sie ihre Wagen in einer Ansammlung von Felsbl�cken, und Cojote studierte Wetterberichte. Maya war w�tend wegen der Verz�gerung, aber Cojote winkte ab. Er sagte ihr strikt: �Dies wird nicht einfach werden und ist �berhaupt nur unter bestimmten Umst�nden m�glich. Wir m�ssen darauf warten, da� einige Verst�rkungen eintreffen, und m�ssen auch das Wetter abwarten. Das ist etwas, das Spencer und Sax selbst mit zu planen geholfen haben und ist sehr geschickt, aber die Anfangsbedingungen m�ssen stimmen.�</p><p>Er ging wieder zu seinen Bildschirmen, ignorierte sie alle und sprach mit sich selbst oder dem Alchemisten des Schirms. Sein hageres dunkles Gesicht flimmerte in deren Licht. Wirklich ein Alchemist, dachte Michel, der wie �ber einer Retorte oder einem Tiegel bei der Arbeit zur Umwandlung des Planeten vor sich hin murmelt� eine gro�e Kraft. Und jetzt auf das Wetter konzentriert. Offenbar hatte er einige vorherrschende Muster in dem Strahlstrom entdeckt, die an bestimmte Punkte in der Landschaft gebunden waren. �Es ist eine Frage der vertikalen Skala�, sagte er schroff zu Maya, die ihn mit all ihren Fragen allm�hlich wie Randolph nervte. �Dieser Planet hat von oben bis unten eine Spanne von drei�ig Kilometern! Darum gibt es starke Winde.�</p><p>�Wie der Mistral�, meinte Michel.</p><p>�Ja. Katabatische Winde. Und einer der st�rksten f�llt hier von der Gro�en B�schung herunter.�</p><p>Aber die vorherrschenden Winde in der Gegend kamen aus dem Westen. Wenn diese die Echus-Klippe trafen, bildeten sich hochreichende Aufwinde; und Flieger in Echus Overlook nutzten sie sportlich und flogen jeden Tag in Segelflugzeugen oder Schwingengleitern.</p><p>Aber ziemlich h�ufig traten zyklonische Systeme dazu und brachten Wind aus dem Osten. Wenn das geschah, flutete kalte Luft �ber das von Schnee bedeckte Lunae-Plateau, vertrieb den Schnee und wurde dichter und k�lter, bis sie �ber das ganze Drainagegel�nde durch Kerben im Rand der gro�en Klippe hinausgedr�ckt war und die Winde wie eine Lawine hinunterst�rzten.</p><p>Cojote hatte diese katabatischen Winde schon einige Zeit studiert, und seine Berechnungen hatten ihn zu der Annahme gef�hrt, da� bei den richtigen Bedingungen�� scharfe Temperaturgegens�tze, eine entwickelte Sturmbahn von Ost nach West �ber das Plateau�� sehr leichte Eingriffe an bestimmten Stellen bewirken w�rden, da� die abw�rts f�hrenden Str�mungen zu vertikalen Taifunen w�rden, die ins Echus Chasma hinabrasten und mit immenser Gewalt nach Norden und S�den fegten. Als Spencer ihnen Art und Zweck der neuen Siedlung in Kasei Vallis darlegte, hatte Cojote sofort beschlossen, die Mittel zu schaffen, um solche Eingriffe in das Wettergeschehen vorzunehmen.</p><p>�Diese Idioten haben ihr Gef�ngnis in einem Windkanal gebaut�, knurrte er als Antwort auf Mayas Frage. �Also bauen wir ein Gebl�se. Oder vielmehr einen Schalter, um das Gebl�se anzustellen. Wir vergraben einige Verteiler von Silbernitrat oben auf der Klippe. Gro�e monstr�se D�senschl�uche. Dann einige Laser, um die Luft genau �ber der Str�mungszone zu verbrennen. Das erzeugt einen ung�nstigen Druckgradienten, der die normale Aufw�rtsstr�mung so d�mmt, da� sie st�rker ist, wenn sie schlie�lich durchbricht. Und Sprengstoffe auf der ganzen Strecke von der Klippenfront herunter, die Staub in den Wind dr�cken und ihn schwerer machen. Schaut, Wind erw�rmt sich beim Fall, und das w�rde ihn etwas verlangsamen, wenn er nicht so voller Schnee und Staub w�re. Ich bin f�nfmal von dieser Klippe hinuntergeklettert, um das alles einzurichten. Ihr h�ttet das sehen sollen. Habe auch einige Gebl�se angebracht. Nat�rlich ist die Energie des ganzen Apparates vernachl�ssigbar gegen�ber der Gesamtenergie des Windes; aber sensitive Abh�ngigkeit ist der ganze Schl�ssel f�r Wetter, und unsere Computersimulation hat die Punkte f�r die Ausgangsbedingungen ermittelt, die wir brauchen. So hoffen wir jedenfalls.�</p><p>�Du hast es nicht versucht?� fragte Maya.</p><p>Cojote starrte sie an. �Wir haben es im Computer ausprobiert. Es funktioniert prima. Wenn wir die Anfangsbedingungen von zyklonischen Winden mit einhundertf�nfzig Kilometern in der Stunde �ber Lunae bekommen, wirst du sehen.�</p><p>�Sie m�ssen in Kasei �ber diese katabatischen Winde Bescheid wissen�, erkl�rte Randolph.</p><p>�Aber ja. Nur welche Winde nach ihren Berechnungen einmal in tausend Jahren auftreten, glaube ich, k�nnen wir jederzeit erzeugen, wenn die Anfangsbedingungen Spitze sind.�</p><p>�Guerilla-Klimatologie�, sagte Randolph mit Stielaugen. �Wie nennst du das? Klimatage? Angriffsmeteorologie?�</p><p>Cojote tat, als ob er ihn nicht h�rte, obwohl Michel ein kurzes Grinsen zwischen seinen Haarstr�hnen bemerkte.</p><p>Aber dieses System konnte nur bei den richtigen Anfangsbedingungen funktionieren. Man konnte weiter nichts tun als dazusitzen und zu warten und hoffen, da� sie sich entwickelten.</p><p>W�hrend dieser langen Stunden hatte Michel den Eindruck, da� Cojote sich durch seinen Bildschirm hindurch in den Himmel schleudern mochte. �Los!� dr�ngelte der drahtige kleine Mann mit halber Stimme, die Nase gegen das Glas gepre�t. �Sto� zu, sto� zu! Komm �ber den Berg, du verdammter Wind! Pack zu und dreh dich zu einer dichten Spirale! Mach schon!�</p><p>Er ging durch den verdunkelten Wagen, w�hrend die anderen zu schlafen suchten, und murmelte: �Schau, ja schau!� und zeigte auf Merkmale auf Satellitenfotos, die keiner der anderen sehen konnte. Er sa� da und br�tete �ber meteorologische Daten, kaute Brot und fluchte. Er pfiff wie ein Wind. Michel lag auf der benachbarten Pritsche, den Kopf in die Hand gest�tzt, und sah fasziniert zu, wie der wilde Mann durch den d�steren Wagen schlich, eine kleine, im Schatten liegende, eigenbr�tlerische schamanenhafte Gestalt. Und der b�renhafte Brocken ihres Gefangenen hatte ein Auge offen und war ebenso wach, um diese n�chtliche Szene zu erleben. Er rieb sich mit h�rbarem Kratzen sein struppiges Kinn und schaute zu Michel, als das Fl�stern weiter ging: �Los, verdammt, mach schon�� Puste wie ein Oktoberorkan!�</p><p>Schlie�lich, am Ende des zweiten Tages ihres Wartens, stand Cojote auf und reckte sich wie eine Katze. �Es ist soweit. Die Winde sind da.�</p><p>W�hrend des langen Wartens waren einige Rote von Mareotis gekommen, um bei der Befreiung zu helfen; und Cojote hatte einen Angriffsplan mit ihnen ausgearbeitet, der auf Informationen beruhte, die Spencer geschickt hatte. Sie w�rden sich teilen und aus verschiedenen Richtungen auf die Stadt losgehen. Michel und Maya sollten einen Wagen auf das zerkl�ftete Terrain des �u�eren Ufers fahren, wo sie sich am Fu� einer kleinen Mesa mit Sicht auf die Kuppeln der �u�eren Bank verbergen konnten. Eine dieser Kuppeln barg eine medizinische Klinik, wo Sax w�hrend einiger Zeit festgehalten wurde�� laut Spencer ein Ort mit angenehm geringer Sicherheitsstufe, wenigstens im Vergleich mit dem Gef�ngniskomplex der inneren Bank, wo Sax zwischen Sitzungen in der Klinik steckte. Sein Stundenplan war schwankend; und Spencer konnte nicht sicher sein, an welcher Stelle Sax sich zu einer bestimmten Zeit befinden w�rde. Als also der Wind kam, sollten Michel und Maya in die Kuppel der �u�eren Bank eindringen und Spencer treffen, der bereit sein w�rde, sie zur Klinik zu f�hren. Der gr��ere Wagen mit Cojote, Kasei, Nirgal und Art Randolph sollte auf der inneren Bank mit einigen Roten zusammentreffen. Andere Wagen der Roten w�rden ihr Bestes tun, damit der Angriff wie eine Attacke gro�en Stils aus verschiedenen Richtungen, besonders dem Osten, aussah. �Wir werden die Rettung schaffen�, sagte Cojote und machte ein finsteres Gesicht vor seinen Schirmen. �Der Wind wird den Angriff machen.�</p><empty-line/><p>Also sa�en am n�chsten Morgen Maya und Michel in ihrem Wagen und warten auf den Wind. Sie konnten hinab �ber die �u�ere Bank bis zu dem gebogenen Grat blicken. W�hrend des Tages konnten sie in die gr�nen Blasenwelten schauen unter den Kuppeln der �u�eren Bank und dem Grat�� kleine Terrarien, die den roten sandigen Streifen des Tals unter sich hatten und durch klare Verbindungsr�hren und einige gew�lbte Br�ckenrohre verbunden waren. Es sah aus wie Burroughs vor vierzig Jahren, erstes Teilst�ck einer Stadt, die einst ein gro�es w�stes Trockental ausf�llen sollte.</p><p>Michel und Maya schliefen, a�en, sa�en da und beobachteten. Maya marschierte im Wagen auf und ab. Sie war jeden Tag nerv�ser geworden und trabte jetzt wie eine Tigerin im K�fig, die das Blut einer Mahlzeit gerochen hat. Statische Elektrizit�t sprang von ihren Fingerspitzen, als sie Michels Nacken streichelte, so da� ihre Ber�hrung schmerzte. Es war unm�glich, sie zu beruhigen. Michel stand hinter ihr, wenn sie im Fahrersitz Platz genommen hatte, und massierte ihr Schultern und Nacken, wie sie es bei ihm getan hatte. Aber es war, als wollte man Holzkl�tze kneten, und er sp�rte, wie seine Arme bei der Ber�hrung steif wurden.</p><p>Ihre Gespr�che waren unzusammenh�ngend und planlos, in freien Assoziationsspr�ngen. Am Nachmittag merkten sie, da� sie eine Stunde lang �ber die Tage in Underhill gesprochen hatten�� �ber Sax, Hiroko und sogar Frank und John.</p><p>�Erinnerst du dich, wie eine der �berw�lbten Kammern zusammenbrach?�</p><p>�Nein�, sagte Maya �rgerlich. �Das tue ich nicht. Erinnerst du dich an die Zeit, da Ann und Sax einen gro�en Streit �ber das Terraformen gehabt haben?�</p><p>�Nein�, sagte Michel seufzend. �Das kann ich nicht sagen.�</p><p>Sie konnten so lange Zeit vor- und zur�ckgehen, bis es schien, als ob sie in v�llig verschiedenen Underhills gelebt h�tten. Wenn sie sich beide an ein Ereignis erinnerten, war das ein Grund zum Jubeln. Bei allen Ersten Hundert wurden die Erinnerungen l�ckenhaft, wie Michel bemerkt hatte; und ihm schien, da� die meisten sich besser an ihre Kindheit auf der Erde erinnerten als ihre ersten Jahre auf dem Mars. Nun ja, sie erinnerten sich an ihre eigenen gr��ten Vorkommnisse und den allgemeinen Verlauf der Story. Aber die kleinen Ereignisse, die einem irgendwie in den Sinn kamen, waren f�r jeden verschieden. Das Versiegen und Wiederauftauchen von Erinnerungen warfen allm�hlich gro�e klinische und theoretische Probleme in der Psychologie auf, verschlimmert durch die vorher nie dagewesene Langlebigkeit, die jetzt erreicht war. Michel hatte ab und zu etwas in der Literatur dar�ber gelesen, und obwohl er l�ngst die klinisch-therapeutische Praxis aufgegeben hatte, stellte er seinen alten Kameraden immer noch Fragen wie eine Art von informellem Experiment, wie jetzt mit Maya. �Erinnerst du dich an dies, erinnerst du dich an das? Nein, nein, nein. An was erinnerst du dich denn?�</p><p>Die Art, wie Nadia uns herumgeschubst hat, sagte Maya, und er mu�te l�cheln. Die Art, wie sich die Bambusfu�b�den anf�hlten. Und erinnerst du dich daran, wie sie �ber die Alchemisten schimpfte? Warum nicht? sagte sie. So ging es immer weiter, bis es schien, als ob die privaten Underhills, in denen sie gelebt hatten, getrennte Universen gewesen w�ren, Riemannsche R�ume, die sich nur in der Ebene der Unendlichkeit schnitten, w�hrend jeder von ihnen derweilen in dem langen Bereich seines oder ihres Idiokosmos dahinwanderte.</p><p>Schlie�lich sagte Maya finster: �Ich erinnere mich kaum an etwas davon. Ich schaffe es kaum noch, an John zu denken. Und auch an Frank. Ich versuche es gar nicht mehr. Und dann wird irgend etwas irgendwie ausgel�st, und ich bin f�r alles andere verloren, w�hrend ich daran denke. Erinnerungen dieser Art sind so stark, als ob das, an was man sich erinnert, erst vor einer Stunde passiert w�re! Oder als ob es sich wiederholen w�rde.� Sie erschauderte unter seinen H�nden. �Ich hasse das. Wei�t du, was ich meine?�</p><p>�Nat�rlich. <emphasis>Memoire involuntaire.</emphasis> Aber ich erinnere mich auch, da� mir genau dasselbe passiert ist, als wir in Underhill lebten. Es liegt also nicht einfach am Altwerden.�</p><p>�Nein, es ist das Leben, was wir nicht vergessen k�nnen. Dennoch kann ich kaum Kasei anschauen�� �</p><p>�Ich wei�. Diese Kinder sind seltsam. Hiroko ist seltsam.�</p><p>�Das ist sie. Aber warst du damals gl�cklich? Nachdem du mit ihr abgehauen bist?�</p><p>�Ja.� Michel dachte daran zur�ck und bem�hte sich sehr, sich zu erinnern. Erinnerung war sicher das schwache Glied in der Kette� �Ja, ich war es sicher. Es kam darauf an, Dinge zuzugeben, die ich in Underhill zu unterdr�cken gesucht hatte. Da� wir Tiere sind. Da� wir sexuelle Kreaturen sind.� Er knetete ihre Schultern fester denn je, und sie lie� sie unter seinen H�nden rollen.</p><p>�Ich brauche mich nicht daran zu erinnern�, sagte sie mit kurzem Lachen. �Und hat Hiroko dir das zur�ckgegeben?�</p><p>�Ja, aber nicht blo� Hiroko. Evgenia, Rya�� wirklich sie alle. Nicht direkt� Nun ja, manchmal auch direkt. Aber nur insoweit, da� wir zugaben, K�rper zu haben, K�rper zu sein. Wir arbeiteten zusammen, sahen und ber�hrten einander. Ich brauchte das. Ich hatte ernstlich Schwierigkeiten. Und sie schafften es, das auch mit dem Mars zu verbinden. Du schienst nie mit so etwas Probleme gehabt zu haben, ich aber hatte sie wirklich. Ich war krank, Hiroko hat mich gerettet. F�r sie war es sinnvoll, unser Heim und unsere Nahrung aus dem Mars zu gewinnen. Eine Art von Liebe f�r ihn oder Befruchtung oder Geburtshilfe�� auf jeden Fall ein sinnlicher Akt. Dies war�s, was mich gerettet hat.�</p><p>�Das und ihre K�rper. Die von Hiroko, Evgenia und Rya.� Sie sah ihn �ber die Schulter mit einem t�ckischen Grinsen an, und er lachte. �Ich wette, da� du dich sehr gut erinnerst.�</p><p>�Gut genug.�</p><p>Es war Mittag, aber im S�den auf dem langen Hals von Echus Chasma wurde der Himmel dunkel. Michel sagte: �Vielleicht kommt es endlich.�</p><p>Wolken standen �ber der Gro�en B�schung, eine hochragende Masse von Cumulunimbus-Wolken, deren schwarze Unterseiten von Blitzen flimmerten und die drei Gipfel der Klippe streiften. Die Luft im Chasma war diesig, und die Kuppeln von Kasei Vallis zeichneten sich scharf unter diesem Dunst ab. Kleine Blasen klarer Luft standen �ber den Geb�uden und merkw�rdig ruhigen B�umen wie gl�serne Briefbeschwerer, die man auf die windige W�ste geworfen hatte. Sie w�rden warten m�ssen, selbst wenn die Winde k�men. Maya stand auf und marschierte wieder hin und her. Sie strahlte Energie aus, b�ckte sich, aus den niedrigen Fenstern zu blicken, und murmelte etwas auf russisch. B�en kamen auf und trafen den Wagen. Sie pfiffen und strichen �ber den gebrochenen Fels am Fu� der kleinen Mesa hinter ihnen.</p><p>Mayas Ungeduld machte Michel nerv�s. Es war wirklich so, als ob man mit einem wilden Tier eingesperrt w�re. Er lie� sich in den Fahrersitz fallen und schaute zu den Wolken auf, die �ber die B�schung rollten. Die geringe Schwere des Mars erlaubte, da� Gewitterk�pfe sich gewaltig hoch in den Himmel auft�rmten. Und diese immensen wei�en Massen mit ambo�artigen K�pfen machten zusammen mit der gewaltigen Klippenfront darunter, da� die Welt surrealistisch gro� aussah. Sie waren Ameisen in einer solchen Landschaft. Sie waren selbst die kleinen roten Leute.</p><p>Sicher w�rden sie in dieser Nacht den Rettungsversuch unternehmen. Sie hatten so schon zu lange warten m�ssen. Bei einer ihrer rastlosen Runden blieb Maya wieder hinter ihm stehen, ergriff die Muskeln zwischen seinen Schultern und seinem Nacken und dr�ckte sie. Das verursachte Schocks an seinem R�cken und Flanken und dann an der Innenseite seiner Oberschenkel. Er kr�mmte sich in ihrer Umklammerung und wandte sich in dem Drehsessel so um, da� er ihr seine Arme um die Taille schlingen und sein Ohr gegen ihr Brustbein dr�cken konnte. Sie bearbeitete weiter seine Schultern, und er f�hlte, wie Puls und Atem sich beschleunigten. Sie beugte sich her�ber und k��te ihn oben auf den Kopf. Sie kamen sich immer n�her, bis sie eng aneinandergedr�ngt waren. Maya knetete die ganze Zeit seine Schultern. Lange Zeit verharrten sie so.</p><p>Dann zogen sie sich in den Wohnraum des Wagens zur�ck und liebten sich. Voller Erwartung, wie sie waren, st�rzten sie sich mit voller Intensit�t hinein. Ohne Zweifel hatte das Gespr�ch �ber Underhill dies ausgel�st. Michel erinnerte sich lebhaft an sein unerlaubtes Begehren f�r Maya in jenen Jahren. Er vergrub sein Gesicht in ihrem Silberhaar und versuchte, mit ihr zu verschmelzen und tief in sie einzutauchen. Als ein katzenhaftes Tier, das sie war, stie� sie mit ebenso wilder Angriffslust zur�ck, um ihn tief in sich aufzunehmen. Diese Anstrengung machte ihn v�llig fertig. Es war gut, da� sie unter sich waren, denn ihr �berraschtes Hingerissensein �u�erte sich als eine Folge von St�hnen und �chzen und in einem geradezu elektrischen Sinnesrausch.</p><empty-line/><p>Danach lag er auf ihr, noch in ihr drin; und sie hielt sein Gesicht und schaute ihn an. �In Underhill habe ich dich geliebt�, sagte er.</p><p>�In Underhill habe auch ich dich geliebt�, sagte sie tr�ge. �Wirklich. Ich habe nie etwas dazu getan, weil ich mich t�richt gef�hlt h�tte gegen�ber John und Frank. Aber ich habe dich geliebt. Darum war ich so �rgerlich auf dich, als du verschwandest. Du warst mein einziger Freund. Du warst der einzige, mit dem ich ehrlich sprechen konnte. Du warst der einzige, der mir wirklich zugeh�rt hat.�</p><p>Michel erinnerte sich und sch�ttelte den Kopf. �Ich habe mich damals nicht besonders gut aufgef�hrt.�</p><p>�Vielleicht nicht. Aber du hast dich um mich gek�mmert, nicht wahr? Es war nicht blo� deine Aufgabe.�</p><p>�O nein, ich habe dich geliebt, ja. Maya, es war nicht blo� eine Aufgabe. Nicht f�r irgend wen oder irgend etwas.�</p><p>�Schmeichler!� sagte sie und stie� ihn an. �Du hast das immer getan. Du versuchtest, all die schrecklichen Dinge, die ich tat, bestm�glich zu verstehen.� Sie lachte kurz.</p><p>�Ja. Aber die waren gar nicht so schrecklich.�</p><p>�Sie waren es.� Sie zog den Mund zusammen. �Aber dann bist du einfach verschwunden!� Sie schlug ihn leicht ins Gesicht. �Du hast mich verlassen!�</p><p>�Das ohnehin. Ich mu�te es.�</p><p>Ihr Mund zog sich bitter zusammen, und sie schaute an ihm vorbei in den tiefen Abgrund all ihrer Jahre. Sie glitt die Sinuskurve ihrer Stimmungen hinunter in etwas noch Finstereres und Tieferes. Michel beobachtete das mit angenehmer Resignation. Er war lange Zeit gl�cklich gewesen und konnte an ihrem Mienenspiel erkennen, da� er, wenn er mit ihr zusammenbliebe, sein Gl�ck�� oder mindestens dies spezielle Gl�ck�� f�r sie eintauschen w�rde. Sein �Optimismus durch Politik� w�rde anstrengender werden, und er w�rde jetzt eine andere Antinomie in seinem Leben auszugleichen haben, die so auseinanderstrebend war wie die Provence und der Mars. Das war einfach Maya und Maya.</p><p>Sie lagen nebeneinander, jeder in seine Gedanken vertieft, blickten nach drau�en und f�hlten, wie der Rover �ber seinen Sto�d�mpfer rumpelte. Der Wind nahm zu, und der Staub str�mte jetzt von Echus Chasma und dann Kasei Vallis herunter in einer gespenstischen Nachahmung der gro�en Flut, die einst den Kanal ausgetieft hatte. Michel richtete sich auf, um die Schirme zu kontrollieren. ��ber zweihundert Kilometer in der Stunde.� Maya seufzte tief. Die Winde waren in alten Zeiten schneller gewesen, aber bei einer so viel dickeren Atmosph�re t�uschten diese geringen Geschwindigkeiten. Windst��e waren jetzt kr�ftiger als die alten inhaltslosen Str�mungen.</p><p>Sicher w�rden sie heute abend hineingehen. Es kam nur darauf an, das Signal von Cojote zu erhalten. Also legten sie sich zusammen hin und warteten, angespannt und entspannt zugleich. Sie massierten einander gr�ndlich, um die Zeit zu vertreiben und die Spannung zu mildern. Michel staunte immer noch �ber die katzenartige Anmut von Mayas langem, muskul�sem K�rper, der nach Jahren alt war, aber in fast jeder Hinsicht derselbe wie immer. So sch�n wie je.</p><p>Dann f�rbte endlich der Sonnenuntergang die dunstige Luft und die monumentalen Wolken im Osten, die jetzt die Front der Klippe bedeckten. Sie standen auf, wuschen sich ab mit Schw�mmen, verzehrten eine Mahlzeit, kleideten sich an und nahmen vorne im Rover Platz. Als die Sonne wie Quarz verschwand und das st�rmische Zwielicht auch, wurden sie wieder nerv�s.</p><p>Im Dunkeln war der Wind ein blo�es Ger�usch und ein unregelm��iges Erzittern des Rovers auf seinen harten Sto�d�mpfern. B�en trafen den Wagen so heftig, da� er manchmal mehrere Sekunden lang gegen den vollen Anprall nach unten gepre�t wurde und wie ein Tier, das sich aus dem Grund eines Stroms befreien will, auf und ab h�pfte. Dann lie�en die Windst��e nach, und der Wagen ruckte wild empor. Maya fragte: �Werden wir hineingehen k�nnen?�</p><p>�Hmm.� Michel war vor einigen schweren St��en drau�en gewesen, aber im Dunkeln konnte man nicht sicher sein, ob es noch schlimmer wurde oder nicht. Gewi� machte es einen solchen Eindruck; und das Anemometer verzeichnete jetzt Windst��e von zweihundertdrei�ig Kilometern in der Stunde. Aber im Lee ihrer kleinen Mesa war es unklar, ob diese echte Maxima darstellten oder nicht.</p><p>Er kontrollierte den Stand des feinen Abriebs und war nicht �berrascht festzustellen, da� es jetzt auch ein ausgewachsener Staubsturm war. Maya sagte: �La� uns n�her heranfahren! Das bringt uns schneller hin und macht es auch leichter, den Wagen wiederzufinden.�</p><p>�Eine gute Idee.�</p><p>Sie nahmen in den Fahrersitzen Platz und brachen auf. Au�erhalb des Schutzes der Mesa war der Wind schrecklich. Einmal wurde das H�pfen so stark, da� sie f�rchteten umgeworfen zu werden; und wenn sie den Wind von der Seite bekommen h�tten, w�re das leicht m�glich gewesen. So, mit R�ckenwind, rollten sie mit f�nfzehn Kilometern in der Stunde dahin, wenn es zehn h�tten sein sollen; und der Motor brummte �rgerlich, als sie den Wagen bremsten, damit er nicht noch schneller wurde. �Das ist zu viel Wind, nicht wahr?� fragte Maya.</p><p>�Ich glaube nicht, da� Cojote viel Kontrolle �ber ihn hat.�</p><p>�Guerillaklimatologie�, sagte Maya m�rrisch. �Der Mann ist ein Spion, dessen bin ich sicher.�</p><p>�Ich denke das nicht.�</p><p>Die Kameras zeigten nichts als ein Sternenloses schwarzes Tosen. Der Computer des Wagen f�hrte sie durch Koppelnavigation; und auf der Karte des Bildschirms wurden sie innerhalb zwei Kilometern Entfernung von der am weitesten s�dlich gelegenen Kuppel der �u�eren Bank verzeichnet. �Von hier aus sollten wir lieber gehen�, sagte Michael.</p><p>�Wie werden wir den Wagen wiederfinden?�</p><p>�Wir m�ssen den Ariadnefaden benutzen.�</p><p>Sie zogen sich an und gingen in die Schleuse. Als die Au�ent�r auf glitt, wurde die Luft sofort hinausgesaugt und versetzte ihnen einen kr�ftigen Sto�. Der Wind brauste um die T�r.</p><p>Sie traten aus der Schleuse und wurden von schweren St��en in den R�cken getroffen. Einer davon warf Michel auf H�nde und Knie, und er konnte durch den Staub nicht bis Maya sehen, die sich neben ihm in der gleichen Position befand. Er langte zur�ck in die Schleuse und nahm die Spule mit dem Faden in die Hand. Mit der anderen hielt er Maya. Er klemmte sich die Spule an den Oberarm.</p><p>Durch vorsichtiges Probieren merkten sie, da� sie stehen konnten, wenn sie sich tief geb�ckt vorw�rts bewegten, die Helme auf Taillenh�he, die H�nde erhoben und bereit, sich zu packen, falls sie umgeworfen w�rden. Sie stolperten langsam geradeaus und lie�en sich fallen, wenn starke B�en es unm�glich machten zu stehen. Der Boden unter ihnen war gerade eben zu sehen; und es war durchaus m�glich, mit dem Knie an einen Stein zu sto�en. Cojotes Wind war tats�chlich zu stark heruntergekommen. Aber dagegen konnte man nichts machen. Und sicher w�rden die Bewohner der Kasei-Kuppel nicht drau�en herumlaufen.</p><p>Eine B� warf sie wieder zu Boden, und Michel lie� den Wind �ber sich tosen. Es kostete Kraft, nicht weggerollt zu werden. Sein Armband war mit Mayas durch eine Sprechleitung verbunden, und er fragte: �Maya, geht es dir gut?�</p><p>�Ja. Und dir?�</p><p>�Ich bin in Ordnung.�</p><p>Allerdings schien er einen kleinen Ri� im Handschuh �ber dem Daumenballen zu haben. Er ballte die Faust und f�hlte, wie die K�lte an seinem Handgelenk emporkroch. Nun, es w�rde, so wie es aussah, nicht gleich eine Erfrierung geben oder Verletzung durch Druck. Er holte ein Anzugspflaster aus dem Fach seines Armbandes und klebte es fest. �Ich denke, wir sollten besser so kriechen.�</p><p>�Wir k�nnen nicht zwei Kilometer weit kriechen.�</p><p>�Das k�nnen wir, wenn wir m�ssen.�</p><p>�Aber ich denke nicht, da� wir das machen. Bleib einfach geduckt und sei bereit, dich fallen zu lassen!�</p><p>�Okay.�</p><p>Sie standen wieder auf, b�ckten sich tief und schlurften behutsam vorw�rts. Schwarzer Staub flog mit verbl�ffender Geschwindigkeit an ihnen vorbei. Michels Navigationsbild erhellte seine Visierscheibe unten vor dem Mund. Die erste Blasenkuppel war noch einen Kilometer entfernt, und zu seiner �berraschung zeigten die gr�nen Ziffern der Uhr 23:15:16 an. Sie waren schon eine Stunde drau�en. Das Heulen des Windes machte es schwer, Maya zu h�ren, selbst mit dem Interkom direkt am Ohr. Dr�ben auf der inneren Bank w�rden Cojote und die anderen und auch die roten Gruppen vermutlich bei ihrem �berfall auf die Wohnbereiche sein. Aber es gab keine M�glichkeit, das festzustellen. Sie mu�ten darauf vertrauen, da� der scharfe Wind diesen Teil der Unternehmung nicht aufgehalten oder zu sehr verlangsamt hatte.</p><p>Es war eine harte Arbeit, sich tief geb�ckt voranzuschieben, durch die Telefonleitung verbunden. Es ging immer weiter, bis Michels Schenkel brannten und der untere R�cken schmerzte. Endlich zeigte das Navigationsbild an, da� sie die s�dlichste Kuppel unmittelbar vor sich hatten. Sie konnten sie aber nicht ausmachen. Der Wind wurde noch st�rker; und sie krochen die letzten paar hundert Meter �ber schmerzhaft hartes Gestein. Die Ziffern der Uhr blieben bei 24:00:00 stehen. Schon kurz danach stie�en sie gegen die Betonkappe des Kuppelfundaments. �Schweizer Zeitplanung�, fl�sterte Michel. Spencer erwartete sie w�hrend des Zeitschlupfes; und sie hatten gedacht, da� sie an der Mauer h�tten warten m�ssen, bis er k�me. Er langte hoch und legte eine Hand leicht auf die Plastikhaut. Die war sehr straff und pulsierte mit der heranbrausenden Luft. �Bereit?�</p><p>�Ja�, sagte Maya mit gepre�ter Stimme.</p><p>Michel holte aus seiner Schenkeltasche ein kleines Luftgewehr. Er f�hlte, wie Maya dasselbe tat. Die Gewehre hatten verschiedene Zus�tze, vom Nageleinschlagen bis zu Impfungen. Jetzt hofften sie, damit die z�hen und elastischen Fasern der Kuppelhaut zu durchsto�en.</p><p>Sie trennten die Telefonleitung zwischen sich und dr�ckten beide ihre Waffen gegen die vibrierende unsichtbare Wand. Mit einem Sto� der Ellbogen sch�ssen sie zugleich.</p><p>Nichts geschah. Maya steckte sich die Sprechleitung wieder in ihr Armband. �Vielleicht werden wir es aufschlitzen m�ssen.�</p><p>�Kann sein. La� uns die beiden Waffen zusammentun und es noch einmal versuchen! Dieses Material ist kr�ftig, aber mit dem Wind�� �</p><p>Sie trennten sich wieder und versuchten es noch einmal. Ihre Arme wurden �ber die Einfassung geschleudert, und sie prallten hart gegen die Betonmauer. Es folgte ein lauter Knall und dann ein schw�cherer, danach ein zunehmendes Get�se und eine Reihe von Explosionen. Alle vier Schichten der Kuppelhaut bl�tterten ab zwischen den zwei St�tzpfeilern und vielleicht entlang der ganzen S�dseite, wodurch sicher das ganze Ding explodieren w�rde. Staub flog zwischen die schwach erleuchteten Geb�ude vor ihnen. Fenster wurden dunkel, als H�user ihre Lichter verloren. Manche schienen infolge des raschen Drucksturzes die Fenster einzub��en, obwohl es nirgends so schlimm war, wie es einmal h�tte sein k�nnen.</p><p>�Bist du okay?� fragte Michel �ber das Interkom. Er h�rte, wie Maya den Atem durch die Z�hne pre�te. �Ich hab mir den Arm verletzt�, sagte sie. �ber dem Brausen des Windes konnten sie den Alarm klingeln h�ren. �La� uns Spencer finden!� sagte sie rauh. Sie richtete sich auf und wurde heftig �ber die Einfassung gesto�en. Michel folgte rasch, fiel drinnen hart hin und rollte gegen sie. �Los!� sagte sie. Sie stolperten in die Gef�ngnisstadt des Mars.</p><empty-line/><p>In der Kuppel herrschte das Chaos. Staub machte die Luft zu einer Art von schwarzem Brei, der in einem phantastisch schnellen Gie�bach durch die Stra�en brauste, so laut, da� Michel und Maya einander kaum h�ren konnten, selbst wenn sie ihr Telefonkabel verbanden. Die Dekompression hatte einige Fenster und sogar eine Wand herausgedr�ckt, so da� die Stra�en mit Glasscherben und Betonbrocken �bers�t waren. Sie bewegten sich mit vorsichtigen Schritten Seite an Seite vorw�rts und fa�ten sich oft an den H�nden, um ihrer Positionen sicher zu sein. Maya riet: �Versuch dein infrarotes Helmsichtger�t!�</p><p>Michel schaltete es ein. Das Bild war gespenstisch. Die explodierten H�user gl�hten wie gr�ne Feuer.</p><p>Sie kamen zu dem gro�en Zentralgeb�ude, in dem Sax nach Spencers Auskunft sein w�rde, und fanden, da� es auch an einer ganzen Wand hellgr�n strahlte. Sie hofften, da� es Panzerw�nde aufwies zum Schutz der unterirdischen Klinik, wohin nach Spencers Aussage Sax gebracht worden war. Falls nicht, k�nnte ihr Rettungsversuch ihren Freund schon get�tet haben. Das war alles durchaus m�glich, urteilte Michel. Die �ber dem Boden befindlichen Stockwerke des Geb�udes waren Ruinen.</p><p>Und es war ein Problem, in die unteren Etagen zu gelangen. Vermutlich gab es einen Treppenschacht, der als Notschleuse diente; aber der war nicht leicht zu finden. Michel schaltete auf die allgemeine Frequenz und h�rte mit, wie eine wilde Diskussion durch das Tal tobte. Die Kuppel �ber dem kleineren der zwei Krater auf der inneren Bank war weggeblasen worden, und es waren Hilferufe zu h�ren. �Wir wollen uns verstecken und sehen, ob jemand herauskommt�, sagte Maya �ber Telefon.</p><p>Sie legten sich hinter einer Wand hin und warteten, etwas vor dem Wind gesch�tzt. Dann ging vor ihnen eine T�r auf, und Gestalten in Schutzanz�gen rannten die Stra�e hinunter und verschwanden. Als sie fort waren, eilten Maya und Michel zu der T�r und traten ein.</p><p>Es war ein Korridor, dekomprimiert, aber die Beleuchtung brannte, und ein Paneel an einer Wand zeigte rote Lichter. Das war eine Notschleuse. Schnell schlossen sie die �u�ere T�r und setzten den kleinen Raum wieder unter Druck. Sie standen vor der inneren T�r und sahen sich durch staubige Visierscheiben an. Michel wischte seine mit einem Handschuh ab und zuckte die Achseln. Vorher im Rover hatten sie �ber diesen Moment diskutiert. Er war die Crux des Unternehmens; aber sie hatten nicht alles voraussehen oder planen k�nnen. Und jetzt war der Augenblick da, und das Blut raste in Michels Adern, als ob es von dem Wind drau�en angetrieben w�rde.</p><p>Sie trennten die Telefonleitung wieder und zogen die Pistolen aus den Schenkeltaschen, die ihnen Cojote gegeben hatte. Michel scho� auf das T�rschlo�, und es ging zischend auf. Sie trafen auf drei M�nner in Schutzanz�gen, aber ohne Helme, die ver�ngstigt aussahen. Michel und Maya schossen auf sie. Sie st�rzten und blieben mit krampfhaften Zuckungen liegen.</p><p>Sie zerrten alle drei in einen Nebenraum und schlossen sie ein. Michel �berlegte, ob sie zu oft auf sie geschossen h�tten. Wenn das geschah, waren Herzrhythmusst�rungen oft die Folge. Sein K�rper schien sich ausgedehnt zu haben, bis er den Anzug ausf�llte; und ihm war sehr warm, und er atmete schwer und sto�weise. Pl�tzlich wurde der Korridor dunkel. Maya stellte ihre Stirnlampe an, und sie folgten deren staubigem Lichtkegel bis zur dritten T�r rechts, wo, wie Spencer gesagt hatte, Sax sein w�rde. Sie war verschlossen.</p><p>Maya nahm aus ihrer Schenkeltasche eine kleine Sprengladung und brachte sie �ber dem Griff und Schlo� an. Dann gingen sie einige Meter zur�ck. Als sie die Ladung z�ndete, prallte die T�r nach au�en. Sie flog, von innen durch die Explosion angetrieben, durch die Luft. Sie st�rmten hinein und fanden zwei M�nner, die eilig Helme auf ihre Anz�ge setzen wollten. Als sie Michel und Maya sahen, griff der eine zu einem H�fthalfter, w�hrend der andere zu einer Pultkonsole ging. Aber behindert durch die Notwendigkeit, ihre Helme zu sichern, gelang ihnen keines von beidem, ehe sie auf sie schossen. Sie gingen zu Boden.</p><p>Maya ging zur�ck und schlo� die T�r, durch die sie gekommen waren Sie gingen durch einen weiteren Korridor. Das war der letzte. Sie kamen zur T�r eines weiteren Raums, und Michel machte ein Zeichen. Maya hielt ihre Pistole mit beiden H�nden und nickte, da� sie bereit w�re. Michel trat die T�r ein, und Maya rannte hindurch, Michel dicht hinter ihr. Da stand jemand in Schutzanzug und Helm neben etwas, das wie ein Operationstisch aussah, und arbeitete an dem Kopf eines liegenden K�rpers. Maya scho� mehrere Male aus kurzer Distanz auf die stehende Person. Die krachte zu Boden wie von Faustschl�gen getroffen und rollte dann �ber den Boden, verzerrt durch Muskelkr�mpfe.</p><p>Sie eilten zu dem Mann auf dem Operationstisch. Es war Sax, obwohl Michel ihn mehr an seinem K�rper als an seinem Gesicht erkannte, das wie eine Totenmaske aussah mit zwei geschw�rzten Augen und einer zermalmten Nase dazwischen. Er schien mindestens bewu�tlos zu sein. Sie befreiten ihn von den Fesseln. An verschiedenen Stellen seines rasierten Kopfes waren Elektroden angebracht, und Michel zuckte zusammen, als Maya alle mit einem Ruck abri�. Michel holte einen leichten Notanzug aus seiner Schenkeltasche und machte sich daran, ihn Sax �ber seine lahmen Beine und den Rumpf zu ziehen. Er behandelte ihn in der Eile recht grob, aber Sax st�hnte nicht einmal. Maya kam zur�ck und nahm aus Michels Rucksack ein kleines Kopfst�ck aus Stoff und einen kleinen Tank. Das schlossen sie an Saxens Anzug an und stellten diesen an.</p><p>Mayas Hand dr�ckte das Handgelenk Michels so fest, da� er f�rchtete, die Knochen w�rden brechen. Sie st�pselte ihr Telefonkabel wieder in sein Armband und fragte. �Ist er am Leben?�</p><p>�Ich denke, ja. La� uns ihn hier hinausschaffen. Das k�nnen wir sp�ter feststellen.�</p><p>�Schau, was sie mit seinem Gesicht getan haben, diese Faschistenschweine!�</p><p>Die Person auf dem Boden, eine Frau, r�hrte sich. Maya ging hin und trat sie kr�ftig in den Bauch. Dann beugte sie sich vor und schaute in die Visier-Scheibe. �berrascht stie� sie einen Fluch aus. �Es ist Phyllis!�</p><p>Michel zerrte Sax aus dem Zimmer und den Korridor hinunter. Maya holte sie ein. Vor ihnen tauchte jemand auf, und Maya zielte mit ihrer Waffe, aber Michel schlug ihre Hand beiseite. Es war Spencer Jackson. Er erkannte ihn an den Augen. Spencer sagte etwas. Mit ihren aufgesetzten Helmen konnten sie ihn nicht h�ren. Er sah das und schrie: �Gott sei Dank, da� ihr gekommen seid! Sie waren mit ihm fertig und wollten ihn umlegen.�</p><p>Maya sagte etwas auf russisch, lief zu dem Raum zur�ck und warf etwas hinein. Dann kam sie wieder zu ihnen geeilt. Eine Explosion jagte Rauch und Tr�mmer aus dem Zimmer und sprenkelte die der T�r gegen�berliegende Wand.</p><p>�Nein!� rief Spencer. �Das war Phyllis!�</p><p><emphasis>�Ich wei�!�</emphasis> schrie Maya w�tend. Aber Spencer konnte sie nicht h�ren.</p><p>�Los!� dr�ngte Michel und lud sich Sax auf die Arme. Er machte Spencer ein Zeichen, sich einen Helm aufzusetzen. �La�t uns gehen, solange wir k�nnen.� Niemand schien ihn zu h�ren, aber Spencer setzte einen Helm auf und half dann Michel, Sax durch den Korridor und die Treppe zum Erdgescho� hinaufzutragen.</p><p>Drau�en war es noch lauter als vorher und ebenso finster. Es rollten Gegenst�nde �ber den Boden und flogen sogar durch die Luft. Michel bekam einen Sto� gegen die Visierplatte, der ihn umwarf.</p><p>Danach war er zwei Schritte hinter allem, was geschah. Maya steckte ein Telefonkabel in Spencers Armband und zischte ihnen beiden Anweisungen zu. Ihre Stimme war hart und pr�zise.</p><p>Sie hoben Sax auf die Kuppelumrandung und dar�ber. Dann krochen sie hin und her, bis sie die eiserne Spule fanden, an der ihr Ariadnefaden sa�.</p><p>Es war sofort klar, da� sie nicht in den Wind marschieren konnten. Sie mu�ten auf H�nden und F��en kriechen, wobei die Person in der Mitte Sax auf seinem oder ihrem R�cken tragen und die anderen beiden auf jeder Seite st�tzen mu�ten. Sie krochen immer weiter, dem Faden folgend. Ohne ihn h�tten sie keinerlei Hoffnung gehabt, den Rover wiederzufinden. Mit ihm konnten sie direkt auf ihr Ziel los kriechen. Ihre H�nde und Knie wurden vor K�lte taub. Michel entdeckte unter seiner Visierscheibe einen schwarzen Anflug von Staub und Sand. Irgendwann fiel ihm ein, da� die Scheibe schlimm verkratzt war.</p><p>Sie machten eine Ruhepause, als sie Sax dem n�chsten Tr�ger aufluden. Als er an der Reihe war, kniete Michel sich hin. Er japste und st�tzte seine Visierscheibe direkt auf den Boden, damit der Staub �ber ihn wegflog. Er sp�rte Grus auf der Zunge, bitter, salzig und schweflig�� der Geschmack der Angst oder des Todes auf dem Mars�� oder auch nur der seines Blutes. Das konnte er nicht sagen. Es war zu laut zum Nachdenken. Sein Hals schmerzte, er hatte Ohrensausen und rote W�rmer vor Augen. Das kleine rote Volk trat endlich aus seinem peripheren Blickfeld heraus, um direkt vor ihm zu tanzen. Er merkte, da� er kurz davor stand, bewu�tlos zu werden. Einmal glaubte er, sich �bergeben zu m�ssen, was in einem Helm lebensgef�hrlich war. Sein ganzer K�rper krampfte sich zusammen in der Bem�hung, es zur�ckzuhalten. Ein peinigender, schwei�iger arger Schmerz in allen seinen Muskeln und Zellen. Nach langem Kampf verging der Drang.</p><p>Sie krochen weiter. Es verging eine Stunde heftiger und wortloser Anstrengungen und noch eine. Michels Knie verloren ihre Taubheit zugunsten scharfer stechender Schmerzen und wurden wund. Manchmal lagen sie blo� auf dem Boden und warteten, bis eine besonders wilde B� vorbeigezogen war. Es war frappierend, wie der Wind jetzt sogar mit orkanartigen Geschwindigkeiten in einzelnen St��en kam. Der Wind erzeugte keinen gleichm��igen Druck, sondern eine Reihe ersch�tternder Schl�ge. Sie mu�ten so lange flach daliegen und diese Hammerschl�ge abwarten, da� man Zeit hatte, sich zu langweilen, den Geist schweifen zu lassen und zu d�sen. Es schien, als ob sie von der Morgend�mmerung erwischt werden k�nnten. Aber dann sah er auf der Uhr in seinem Visier die Ziffern. Es war erst 3:30 fr�h. Sie krochen weiter.</p><empty-line/><p>Und dann hob sich der Faden, und sie stie�en mit der Nase direkt auf die Schleusent�r des Rovers, an der er befestigt war. Sie schnitten ihn ab und hievten Sax blindlings in die Schleuse. Danach kletterten sie ersch�pft hinter ihm hinein. Sie schlossen die Au�ent�r. Feiner Staub wirbelte vom Pumpengebl�se herunter und tr�bte die grelle Luft. Michel starrte zwinkernd in die kleine Gesichtsplatte von Saxens Notkopfteil. Es war, als s�he man in eine Tauchermaske, und er bemerkte kein Anzeichen von Leben.</p><p>Als die innere T�r aufging, legten sie Helme, Stiefel und Anz�ge ab, kletterten in den Innenraum und schlossen die T�r rasch vor dem Staub. Michels Gesicht war feucht; und als er es abwischte, merkte er, da� es Blut war, hellrot in dem stark erleuchteten Raum. Er hatte Nasenbluten gehabt. Trotz der hellen Lichter war seine periphere Sicht tr�be, und der Raum war seltsam ruhig. Maya hatte einen �blen Schnitt �ber dem Schenkel, und die Haut darum war durch Erfrierungen wei�. Spencer wirkte ersch�pft, unverletzt, aber sichtlich ersch�ttert. Er zog Sax das Kopfst�ck herunter und plapperte dabei: �Ihr k�nnt nicht einfach Leute aus diesen Sonden herausrei�en. Das kann zu Hirnsch�den f�hren. Ihr h�ttet warten sollen, bis ich hinzukam. Ihr wu�tet nicht, was ihr tatet!�</p><p>�Wir haben nicht gewu�t, ob du kommen w�rdest�, sagte Maya. �Du warst sp�t dran.�</p><p>�Nicht so sehr. Ihr h�ttet nicht so in Panik verfallen sollen.�</p><p>�Das sind wir nicht.�</p><p>�Warum hast du ihn dann da herausgerissen? Und warum hast du Phyllis get�tet?�</p><p>�Sie war eine Peinigerin und M�rderin!�</p><p>Spencer sch�ttelte heftig den Kopf. �Sie war genau so eine Gefangene wie Sax.�</p><p>�Das war sie nicht.�</p><p>�Du wu�test es nicht. Du hast sie get�tet, weil es so aussah. Du bist nicht besser, als sie es sind.�</p><p>�Halt den Mund! Sie sind es, die uns qu�len. Du hast ihnen nicht Einhalt geboten, und darum mu�ten wir es tun.�</p><p>Maya fluchte auf russisch, kroch zum Fahrersitz und startete den Rover. �Schick Cojote die Nachricht!� fauchte sie Michel an.</p><p>Michel versuchte sich zu erinnern, wie er das Radio bedienen mu�te. Seine Hand l�ste mit einem Tastendruck die komprimierte Meldung aus, da� sie Sax h�tten. Dann ging er wieder zu Sax, der auf der Couch lag und schwach atmete. Er stand unter Schock. Teile seiner Kopfhaut waren rasiert worden. Seine Nase war blutig. Spencer wischte sie vorsichtig ab und sch�ttelte den Kopf. �Sie benutzen Infrarotstrahlen und geb�ndelten Ultraschall�, sagte er betr�bt. �Ihn da herauszunehmen, h�tte��� Er sch�ttelte den Kopf.</p><p>Der Puls von Sax ging schwach und unregelm��ig. Michel machte sich daran, ihm den Anzug auszuziehen. Dabei sah er, wie seine eigenen H�nde sich wie schwimmende Seesterne bewegten. Sie waren von seinem Willen losgel�st. Es war, als ob er mit einem besch�digten Telemanipulator zu arbeiten versuchte. Er f�hlte sich gel�hmt, verletzt und schwindlig. Spencer und Maya br�llten sich w�tend an und wurden richtig �rgerlich. Er konnte nicht verstehen, weshalb.</p><p>�Sie war ein Mistvieh!�</p><p>�Wenn man Menschen get�tet h�tte, weil sie Mistviecher waren, w�rst du nie von der <emphasis>Ares</emphasis> heruntergekommen!�</p><p>�H�rt auf!� sagte Michel leise zu ihnen. �Ihr beide.� Er begriff nicht ganz, was sie sagten; aber es war ganz deutlich ein Streit; und er wu�te, da� er ihn schlichten m��te. Maya gl�hte vor Wut und Schmerz, kreischte und br�llte. Spencer br�llte zur�ck und zitterte am ganzen K�rper. Sax lag noch im Koma. Ich werde mich wieder mit Psychotherapie besch�ftigen m�ssen, dachte Michel und kicherte. Er arbeitete sich bis zu einem Fahrersitz durch und versuchte, die Steuerorgane zu verstehen, die unter dem schwarzen Flugstaub au�erhalb der Windschutzscheibe tr�be schimmerten. �Fahr los!� rief er Maya verzweifelt zu. Sie sa� neben ihm und weinte heftig, beide H�nde an das Lenkrad geklammert. Michel legte ihr die Hand auf die Schulter, aber sie stie� sie so heftig weg, da� er fast aus dem Sitz kippte. �Erz�hle sp�ter!� sagte er. �Was geschehen ist, ist geschehen. Jetzt m�ssen wir nach Hause kommen.�</p><p>�Wir haben kein Zuhause�, kr�chzte Maya.</p></section></section><section><title><p>SECHSTER TEIL</p><p>Tariqat</p></title><section><p><emphasis>Der Gro�e Mann kam von einem gro�en Planeten. Er war ebenso ein Besucher auf der Durchreise wie Paul Bunyan, als er ihn entdeckte und anhielt, um sich umzuschauen. Und er war noch da, als Paul Bunyan ankam. Und darum mu�ten sie k�mpfen. Der Gro�e Mann gewann zuerst, wie ihr wi�t. Aber nachdem Paul Bunyan und sein gro�es blaues Stierkalb tot waren, war niemand da, mit dem man h�tte reden k�nnen; und der Mars warf�r den Gro�en Mann so, als ob er versuchen w�rde, auf einem Basketball zu leben. Also wanderte er eine Weile herum, zerlegte Dinge und versuchte, sie brauchbar zu machen. Dann gab er auf und verschwand.</emphasis></p><p><emphasis>Danach verlie�en die Bakterien im Innern von Paul Bunyan und seinem Stierkalb ihre K�rper und trieben sich in der Tiefe in dem warmen Wasser herum, das �ber dem Urgestein lag. Sie fra�en Methan und-Wasserstqffsulfid und widerstanden dem Gewicht von Milliarden Tonnen Fels, als ob sie auf einem Neutronenplaneten lebten. Ihre Chromosomen begannen sich zu teilen, eine Mutation nach der anderen; und bei der Fortpflanzungsrate von zehn Generationen am Tag dauerte es nicht lange, bis das gute alte Gesetz vom �berleben der T�chtigsten seine nat�rliche Auswahl traf. Es vergingen Milliarden Jahre. Und alsbald gab es eine ganze submarine Entwicklungsgeschichte, die sich durch die Risse im Regolith und die Zwischenr�ume von Sandk�rnern nach oben in den kalten kahlen Sonnenschein hinaufarbeitete. Alle Arten von Kreaturen, das alles breitete sich aus. Aber alles war winzig klein. Es gab Raum im Untergrund und im Meer; und sobald sie an die Oberfl�che stie�en, wurden gewisse Muster gepr�gt. Aber es gab nicht viel, das da Wachstum ermutigt h�tte. So entwickelte sich eine ganze chasmoendolithische Biosph�re, in der alles klein war. Die Wale hatten die Gr��e von Kaulquappen, die Sequoien wie Geweihflechten und so weiter. Es war, als ob das Verh�ltnis von zwei Gr��enordnungen, wonach die Dinge auf dem Mars immer hundertmal gr��er waren als ihre Entsprechungen auf der Erde, sich endg�ltig in die andere Richtung entschieden h�tte und darauf beharrte.</emphasis></p><p><emphasis>Und so brachte ihre Evolution das kleine rote Volk hervor. Seine Angeh�rigen sind wie wir oder sehen uns irgendwie �hnlich, wenn wir sie erblicken. Aber das Hegt daran, weil wir sie immer nur im Augenwinkel sehen. Wenn man ein Exemplar deutlich sieht, wird man erkennen, da� es wie ein ganz kleiner stehender Salamander aussieht, dunkelrot, obwohl die Haut offenbar einige Cham�leoneigenschaften besitzt und sie gew�hnlich die gleiche Farbe haben wie die Steine, zwischen denen sie stehen. Wenn man wirklich deutlich hinsieht, merkt man, da� die Haut Tafelflechten �hnelt, vermischt mit Sandk�rnern, und die Augen sind Rubine. Das istfaszinierend; aber man soll sich nicht zu sehr aufregen, weil man in Wahrheit nie dazu kommt, eines so deutlich zu sehen. Das ist einfach zu schwierig. Wenn sie stillhalten, k�nnen wir sie �berhaupt nicht sehen. Wir w�rden sie gar nicht sehen, au�er einige von ihnen, die, wenn sie in Stimmung sind, so sehr darauf vertrauen, einfrieren und verschwinden zu k�nnen, da� sie am Rande des Gesichtsfeldes herumspringen, blo� um einen zu verbl�ffen. Man sieht das zwar; aber dann h�ren sie auf, sich zu bewegen, sobald man das Auge auf sie richtet, und man kann sie nie wiederfinden.</emphasis></p><p><emphasis>Sie leben �berall, auch in allen unseren R�umen. Gew�hnlich gibt es ein paar in jedem Staubhaufen in den Ecken. Und wer kann von sich behaupten, keinen Staub in den Zimmerecken zu haben? Und wenn wir zu putzen anfingen, w�re es f�r sie eine Katastrophe. Die halten uns f�r verr�ckte Idioten, die ab und zu Wutanf�lle bekommen.</emphasis></p><p><emphasis>Ja, es stimmt, da� John Boone der erste Mensch war, der die kleinen roten Leute gesehen hat. Was h�tte man anderes erwarten sollen? Er hat sie binnen Stunden nach seiner Landung gesehen. Sp�ter lernte er, sie zu sehen, selbst wenn sie sich still verhielten. Dann fing er an, zu jenen zu sprechen, die er in seinen R�umen bemerkte, bis sie schlie�lich durchdrehten und antworteten. John und sie lehrten sich gegenseitig ihre Sprachen; und man kann immer noch h�ren, da� die kleinen roten Leute allerlei Ausdr�cke von Boone in ihrem Englisch benutzen. Schlie�lich reiste eine ganze Schar von ihnen mit Boone �berall hin. Das gefiel ihnen. Und John war keine besonders reinliche Person. Darum hatten sie ihre Stellen, wo sie sicher waren. Ja, in Nicosia gab es einige hundert von ihnen in der Nacht, da er get�tet wurde. Sie haben die Araber sp�ter erwischt. Eine ganze Armee der Kleinen war hinter ihnen her. Schrecklich.</emphasis></p><p><emphasis>Jedenfalls waren sie Freunde von John Boone, und sie waren ebenso traurig wie die �brigen, als er get�tet wurde. Es hat seither keinen Menschen gegeben, der ihre Sprache gelernt hat oder sie so gut kennenlernen konnte. Ja, John war auch der erste, der Geschichten �ber sie erz�hlt hat. Vieles von dem, was wir wissen, stammt von ihm wegen dieser besonderen Beziehung. Man sagt auch, da� �berm��iger Genu� von Omegendorph bewirkt, da� man schwache rote Punkte am Rande des Gesichtsfeldes- herumkriechen sieht. Aber warum fragt ihr?</emphasis></p><p><emphasis>Jedenfalls lebt seit Johns Tode das kleine rote Volk mit uns und dem�tigt uns. Es beobachtet uns mit seinen Rubinaugen und versucht herauszufinden, wie wir sind und warum wir was tun. Und wie sie mit uns handeln und bekommen k�nnen, was sie wollen: mit welchen Leuten sie reden und Freunde sein k�nnen, wer sie nicht alle paar Monate oder Wochen hinausfegt oder den Planeten ruinieren wird. Ganze Karawanenst�dte tragen das kleine Volk mit uns herum. Und sie werden bereit, wieder zu uns zu sprechen. Sie stellen sich vor, mit wem sie reden sollten. Sie fragen sich, wer von diesen gigantischen Idioten von Ka wei�.</emphasis></p><p><emphasis>Ja, das ist ihr Name f�r Mars. Sie nennen ihn Ka. Den Arabern gef�llt das, weil das arabische Wort f�r Mars Qahira ist; und den Japanern gefallt es auch, weil ihr Name daf�r Kasei ist. Es haben aber wirklich auf der Erde viele Namen f�r den Mars irgendwo den Laut ka in sich; und viele kleine rote Dialekte haben ihn als m�kah, was einen Laut hinzuf�gt, den es in vielen irdischen Namen auch f�r ihn gibt. Es ist m�glich, da� das kleine rote Volk in fr�heren Zeiten ein Raumfahrtprogramm hatte und einige von ihnen zur Erde gekommen sind, wo sie unsere Feen, Elfen und kleinen Leute ganz allgemein wurden; und da� sie um jene Zeit einigen Menschen erz�hlt haben, woher sie kamen, und uns den Namen mitgeteilt haben. Andererseits k�nnte es sein, da� der Planet selbst auf irgendeine hypnotische Art, die alle Beobachter beeinflu�t, den Namen suggeriert, ob diese direkt auf ihm stehen oder ihn als roten Stern am Himmel erblicken. Ich wei� nicht�� vielleicht liegt es an der Farbe. Ka.</emphasis></p><p><emphasis>Und so beobachtet uns der Ka, und sie fragen: Wer kennt Ka? Wer verbringt Zeit mit Ka und lernt Ka kennen und liebt es, Ka zu ber�hren, und geht auf Ka umher und l��t Ka in sich einstr�men und r�hrt den Staub in seinen R�umen nicht mehr an? Das werden die Menschen sein, zu denen wir sprechen werden, sagen sie. Bald werden wir uns ihnen vorstellen, sagen sie, so vielen von euch, die uns wie Ka zu sein scheinen. Und wenn wir das tun, solltet ihr besser bereit sein. Wir werden einen Plan machen. Es wird dann Zeit sein, alles aufzugeben und auf den Stra�en direkt in eine neue Welt zu marschieren. Es wird an der Zeit sein, Ka zu befreien.</emphasis></p><empty-line/></section><section><p>Sie fuhren schweigend nach S�den. Der Wagen h�pfte unter den Windst��en. Stunde folgte auf Stunde; und es kam kein Wort von Michel und Maya. Sie hatten komprimierte Funksignale vereinbart, die dem durch Blitze verursachten Rauschen sehr �hnlich klangen�� eines f�r Erfolg und eines f�r Mi�lingen. Aber das Radio zischte nur einmal, �ber dem brausenden Wind kaum h�rbar. Nirgal bekam immer mehr Angst, je l�nger er wartete. Es schien, da� ein Unheil ihre Gef�hrten auf der �u�eren Bank befallen hatte. Und angesichts dessen, wie extrem ihre eigene Nacht gewesen war�� das verzweifelte Kriechen durch die heulende Finsternis, die herumsausenden Tr�mmer, das wilde Schie�en in den zerfetzten Kuppeln��, waren die M�glichkeiten sehr schlecht. Der ganze Plan sah jetzt verr�ckt aus, und Nirgal wunderte sich �ber Cojotes Entschlu�. Der studierte den Bildschirm seines KI, murmelte vor sich hin und r�ckte mit seinen verletzten Schienbeinen hin und her�� Nat�rlich hatten die anderen den Plan gebilligt, wie auch Nirgal; und Maya und Spencer hatten bei seiner Formulierung geholfen, zusammen mit den Roten aus Mareotis. Und niemand hatte erwartet, da� der katabatische Orkan so streng sein w�rde. Aber Cojote war der Anf�hrer gewesen. Da gab es keinen Zweifel. Und jetzt sah er so verwirrt aus, wie Nirgal ihn nie gesehen hatte, �rgerlich, bek�mmert und erschrocken.</p><p>Dann kr�chzte das Radio, als gerade ein paar Blitze in der N�he eingeschlagen hatten, und die Entzifferung der Meldung erfolgte sofort. <emphasis>Erfolg.</emphasis> Sie hatten Sax auf der �u�eren Bank gefunden und herausgeschafft.</p><p>Die Stimmung im Wagen sprang von Tr�bsal auf Begeisterung, wie von einer Schleuder gesto�en. Sie br�llten zusammenhanglos, lachten und umarmten einander. Nirgal und Kasei wischten sich Tr�nen der Freude und Erleichterung aus den Augen, und Art, der w�hrend des �berfalls im Wagen geblieben war und es dann auf sich genommen hatte, umherzufahren und sie aus dem schwarzen Wind aufzulesen, klopfte sie so auf den R�cken, da� er sie durch das ganze Abteil stie�, und br�llte: �Gute Arbeit! Gute Arbeit!�</p><p>Cojote, von Schmerzkillern vollgepumpt, lie� sein verr�cktes Lachen h�ren. Nirgal f�hlte sich physisch leicht, als ob die Schwere in seiner Brust nachgelassen h�tte. Solche Extreme von Anstrengung, Besorgnis, Furcht�� und jetzt Freude�� machten ihm unbewu�t klar, da� es Momente gab, die sich einem f�r immer in den Geist einpr�gten, wenn man von der schockierenden Gegenwart der Realit�t getroffen wurde, die man so selten empfand und die jetzt wie eine Rakete im Innern z�ndete. Und er sah die gleiche Freude in den Gesichtern all seiner Gef�hrten leuchten. Wilde Tiere, die geistig ergl�hten.</p><empty-line/><p>Die Roten fuhren zu ihrem Versteck in Mareotis ab. Cojote fuhr scharf nach S�den, um sich mit Maya und Michel zu treffen. Das geschah in einer tr�ben schokoladefarbenen Morgend�mmerung weit oben auf Echus Chasma. Die Gruppe von dem Wagen der inneren Bank eilte hin�ber in den Wagen von Michel und Maya, um noch einmal zu feiern. Nirgal sprang durch die Schleuse und sch�ttelte Spencer die Hand, einem kleinen Mann mit rundem Gesicht, dessen H�nde zitterten. Nichtsdestoweniger sah er sich Nirgal genau an. Er sagte: �Sch�n, dich kennenzulernen. Ich habe von dir geh�rt.�</p><p>�Es ist alles wirklich gutgegangen�, sagte Cojote zu einem Chor lauter Proteste seitens Kasei, Art und Nirgal. Tats�chlich waren sie kaum mit dem Leben davongekommen, als sie auf der inneren Bank herumkrochen im Bem�hen, den Taifun und die von Panik ergriffene Polizei in der Kuppel zu �berleben und den Wagen zu finden, w�hrend Art sie zu finden suchte��</p><p>Mayas Blick machte ihrer Freude ein j�hes Ende. Tats�chlich wurde, nachdem die urspr�ngliche Freude des Wiedersehens vorbei war, klar, da� die Verh�ltnisse in ihrem Wagen nicht in Ordnung waren. Sax war gerettet worden, aber etwas zu sp�t. Er war gefoltert worden, wie Maya ihnen kurz mitteilte. Es war nicht klar, wieviel Schaden ihm zugef�gt wurde, als er bewu�tlos war.</p><p>Nirgal ging hinten in das Abteil, um nach ihm zu sehen. Er lag apathisch auf der Couch. Sein zerschmettertes Gesicht bot einen ersch�tternden Anblick. Michel kam zur�ck und setzte sich hin, benommen wie von einem Schlag auf den Kopf. Und zwischen Maya und Spencer schien ein Streit zu schwelen. Sie erkl�rten sich nicht, schauten sich aber nicht an und sprachen nicht miteinander. Maya war offensichtlich in �bler Stimmung. Nirgal kannte den Blick schon seit seiner Kindheit, obwohl er diesmal schlimmer war. Ihre Miene war hart, und die Mundwinkel waren nach unten gezogen.</p><p>�Ich habe Phyllis get�tet�, sagte sie zu Cojote.</p><p>Es trat Stille ein. Nirgal bekam kalte H�nde. Pl�tzlich, als er sich bei den anderen umsah, merkte er, da� sie alle verlegen waren. Die einzige Frau unter ihnen hatte den Mord begangen; und f�r eine Sekunde hatte das etwas Seltsames an sich, was sie alle empfanden, einschlie�lich Maya, die sich, ihrer Feigheit bewu�t, zur�ckhielt. Nichts davon war rational oder gar bewu�t bei ihnen, wie Nirgal erkannte, als er ihre Gesichter ansah, sondern etwas Primitives, Instinktives, Biologisches. Und so starrte Maya sie desto heftiger an. Sie verachtete ihr Entsetzen und konfrontierte sie mit der fremdartigen Feindseligkeit eines Adlers.</p><p>Cojote trat an ihre Seite und hob sich auf Zehenspitzen, um ihr einen Ku� auf die Wange zu geben, wobei er ihrem Blick unersch�tterlich standhielt. Er legte eine Hand auf ihren Arm und sagte: �Du hast Gutes getan. Du hast Sax gerettet.�</p><p>Maya sch�ttelte ihn ab und sagte: �Wir haben die Maschine gesprengt, an die sie Sax angeschlossen hatten. Ich wei� nicht, ob es uns gelungen ist, irgendwelche Aufzeichnungen zu vernichten. Wahrscheinlich nicht. Und ich wei�, da� sie ihn gehabt haben und da� jemand ihn zur�ckgebracht hat. Also gibt es keinen Grund zum Feiern. Sie werden hinter uns her sein mit allem, was sie bekommen haben.�</p><p>�Ich glaube nicht, da� sie so gut organisiert sind�, sagte Art.</p><p>�Du h�ltst den Mund!� fuhr Maya ihn an.</p><p>�Nun okay, aber schau, da sie jetzt von dir wissen, brauchst du dich nicht mehr so zu verstecken. Stimmt�s?�</p><p>�Wieder im Gesch�ft�, knurrte Cojote.</p><empty-line/><p>Sie fuhren diesen ganzen Tag weiter nach S�den, da der von dem katabatischen Sturm aufgew�hlte Staub gen�gte, sie vor Satellitenkameras zu verstecken. Die Spannung blieb. Maya war in finsterer Wut und nicht ansprechbar. Michel behandelte sie wie eine nicht explodierte Bombe und versuchte, sich immer nur auf die praktischen Angelegenheiten des Augenblicks zu konzentrieren, damit sie die schreckliche Nacht verg��e, die sie drau�en erlebt hatten. Aber das war nicht einfach, w�hrend Sax im Wohnabteil ihres Wagens auf einer Couch lag, bewu�tlos und mit all seinen Verletzungen. Nirgal sa� endlose Stunden bei Sax, eine Hand flach auf seine Rippen oder oben auf seinen Kopf gelegt. Etwas anderes konnte man nicht tun. Selbst ohne die schwarzen, blutunterlaufenen Augen h�tte er nicht so ausgesehen wie der Sax Russell, den Nirgal als Kind gekannt hatte. Es war ein in die Eingeweide dringender Schock, an ihm die Zeichen k�rperlicher Mi�handlung zu sehen�� ein positiver Beweis daf�r, da� sie in der Welt Todfeinde hatten. Dar�ber hatte sich Nirgal in den letzten Jahren immer wieder gewundert, so da� der Anblick von Sax pl�tzlich ein h��liches und �belkeit erregendes Faktum war. Nicht nur da� sie Feinde hatten, sondern es gab sogar Leute, die so etwas tun konnten und es im ganzen Verlauf der Geschichte getan hatten, wie die unglaublichen Erz�hlungen berichteten. Sie waren also doch real. Und Sax war nur eines von vielen Millionen Opfern.</p><p>W�hrend Sax schlief, rollte sein Kopf von der einen Seite auf die andere. Michel sagte: �Ich werde ihm Pandorphin spritzen. Ihm und dann auch mir.�</p><p>�Mit seinen Lungen stimmt etwas nicht�, sagte Nirgal.</p><p>�Wirklich?� Michel legte das Ohr auf Sax� Brust, horchte einige Zeit und pfiff. �Es ist etwas Fl�ssigkeit darin. Du hast recht.�</p><p>�Was haben sie mit ihm gemacht?� fragte Nirgal Spencer.</p><p>�Sie haben zu ihm gesprochen, w�hrend sie ihn in der Mangel hatten. Du wei�t, sie haben verschiedene Ged�chtniszentren im Hippocampus sehr genau geortet und mit Drogen und sehr feiner Ultraschallstimulation und schnellen Mikrowellen bearbeitet, um das, was sie tun, zu verfolgen�� Nun, dann geben die Menschen Antworten auf alle Fragen, oft sehr ausf�hrlich. Das haben sie mit Sax gemacht, als der Wind zuschlug und der Strom ausfiel. Das Notstromaggregat sprang sofort an, aber�� Er zeigte auf Sax. �Dabei, oder als wir ihn aus dem Apparat genommen haben�� �</p><p>Das war es also, weshalb Maya Phyllis Boyle get�tet hatte. Das Ende einer Kollaborateurin. Mord unter den Ersten Hundert�</p><p>�Nun�, murmelte Kasei in dem anderen Wagen vor sich hin, �es w�re nicht das erste Mal gewesen.� Es gab Leute, die Maya verd�chtigten, die Ermordung von John Boone arrangiert zu haben, und Nirgal hatte von Leuten geh�rt, die argw�hnten, auch das Verschwinden von Frank Chalmers h�tte ihr Werk sein k�nnen. Man nannte sie die Schwarze Witwe. Nirgal hatte diese Geschichten als boshaften Klatsch abgetan, der von Leuten verbreitet wurde, die Maya offenbar ha�ten, wie Jackie. Aber Maya sah jetzt wirklich h�chst gef�hrlich aus, wie sie in ihrem Wagen sa� und auf das Radio starrte, als ob sie daran d�chte, ihr Schweigen zu brechen und dem S�den eine Nachricht zu schicken. Wei�haarig, mit einer Habichtsnase und einem Mund wie eine Wunde�� Es machte Nirgal nerv�s, auch nur in dem gleichen Wagen zu sein wie sie, obwohl er gegen dieses Gef�hl ank�mpfte. Sie war immerhin eine seiner wichtigsten Lehrerinnen gewesen. Er hatte viele Stunden damit zugebracht, ihre ungeduldigen Lektionen in Mathematik, Geschichte und Russisch in sich aufzunehmen. Er hatte sie besser kennengelernt als irgendwelchen Lehrstoff und wu�te recht gut, da� sie keine M�rderin sein wollte, da� unter ihren Stimmungen, die sowohl k�hn wie matt, manisch und depressiv waren, eine einsame Seele litt, stolz und hungrig. Darum war in gewisser Weise dieses Unternehmen eine Katastrophe geworden, trotz des offensichtlichen Erfolgs.</p><p>Maya verlangte eisern, da� sie alle sich sofort in die s�dliche Polregion begeben sollten, um dem Untergrund zu berichten, was geschehen war.</p><p>�Das ist nicht einfach�, sagte Cojote. �Sie wissen, da� wir in Kasei Vallis gewesen sind, und da sie Zeit hatten, Sax zum Reden zu bringen, wissen sie wahrscheinlich, da� wir versuchen werden, nach S�den zu gelangen. Sie k�nnen genau so gut wie wir Karten lesen und sehen, da� der �quator praktisch blockiert ist von West-Tharsis bis hin zum Osten der Chaose.�</p><p>�Es gibt die L�cke zwischen Pavonis und Noctis�, warf Maya ein.</p><p>�Ja, aber es f�hren einige Pisten und Pipelines hindurch und zwei Windungen des Aufzugs. Ich habe unter denen allen Tunnels gebaut, aber wenn sie nachsehen, k�nnten sie einige davon finden oder unsere Wagen sehen.�</p><p>�Was schl�gst du also vor?�</p><p>�Ich meine, wir sollten n�rdlich um Tharsis und Olympus Mons herum und dann nach Amazonis hinunter, um dort den �quator zu �berqueren.�</p><p>Maya sch�ttelte den Kopf. �Wir m�ssen schnell nach S�den kommen, um sie wissen zu lassen, da� man sie entdeckt hat.�</p><p>Cojote dachte dar�ber nach und sagte: �Wir k�nnen uns teilen. Ich habe ein kleines Ultraleichtflugzeug in einem Versteck nahe dem Fu� von Echus Overlook stehen. Kasei kann dich und Michel hinf�hren und nach S�den zur�ckfliegen. Wir werden �ber Amazonis nachfolgen.�</p><p>�Was ist mit Sax?�</p><p>�Wir werden ihn direkt zu Tharsis Tholus schaffen. Dort gibt es ein Klinikzentrum der Bogdanovisten. Das ist nur zwei N�chte entfernt.�</p><p>Maya besprach es mit Michel und Kasei, ohne Spencer auch nur anzuschauen. Michel und Kasei hatten nichts dagegen, und schlie�lich nickte sie. �Einverstanden. Wir gehen in den S�den. Kommt nach, so schnell ihr k�nnt!�</p><empty-line/><p>Sie fuhren bei Nacht und schliefen bei Tag in ihrer alten Routine und schafften in zwei N�chten den Weg �ber Echus Chasma nach Tharsis Tholus, einem Vulkankegel am Nordrand des Tharsis-Buckels.</p><p>Dort befand sich eine Kuppelstadt der NicosiaKlasse auf der kahlen Flanke ihres Namensvetters. Die Stadt war ein Teil der Demimonde. Ihre meisten B�rger f�hrten ein geregeltes Leben im Netz der Oberfl�che; aber viele von ihnen waren Bogdanovisten, die halfen, bogdanovistische Fl�chtlinge in der Gegend zu unterst�tzen, ebenso wie Zufluchtsst�tten der Roten in Mareotis und auf der Gro�en B�schung. Sie halfen auch anderen Leuten in der Stadt, die das Netz verlassen oder ihm nie angeh�rt hatten. Die gr��te medizinische Klinik der Stadt geh�rte den Bogdanovisten und diente auch vielen im Untergrund.</p><p>Also fuhren sie direkt zur Kuppel hinauf in die Garage und stiegen aus. Bald kam ein kleiner Ambulanzwagen und eilte mit Sax zur Klinik in der N�he des Stadtzentrums. Der Rest von ihnen ging �ber die begr�nte Hauptstra�e hinterher und geno� die Ger�umigkeit nach all diesen Tagen in den Wagen. Art machte gro�e Augen �ber ihr Verhalten, und Nirgal erkl�rte ihm kurz die Demimonde, als sie zu einem Cafe gegen�ber der Klinik gingen mit einigen sicheren R�umen im Obergescho�.</p><p>In der Klinik besch�ftigte man sich sofort mit Sax. Einige Stunden nach ihrer Ankunft wurde Nirgal gestattet, gr�ndlich gereinigt sterile Kleidung anzulegen und hineinzugehen und sich zu ihm zu setzen.</p><p>Sie hatten ihn an ein Gebl�se angeschlossen, das eine Fl�ssigkeit durch seine Lungen blies. Man konnte sie in den klaren R�hren und der sein Gesicht bedeckenden Maske erkennen. Sie sah aus wie tr�bes Wasser. Es war ein schrecklicher Anblick, als ob sie ihn ertr�nken w�rden. Aber die Fl�ssigkeit war eine Mischung auf der Basis von Perfluorkohlenstoff, die Sax dreimal soviel Sauerstoff zuf�hrte, als es Luft getan h�tte. Und sie sp�lte den Dreck heraus, der sich in seiner Lunge angesammelt hatte, bl�hte zusammengebrochene Luftwege wieder auf und war mit verschiedenen Drogen und Arzneien angereichert. Die an Sax arbeitende �rztin erkl�rte Nirgal dies alles w�hrend ihrer T�tigkeit. �Er hatte ein Odem, darum ist die Behandlung etwas widerspr�chlich, aber sie funktioniert.�</p><p>Und so sa� Nirgal da, seine Hand auf dem Arm von Sax, und beobachtete die Fl�ssigkeit in der Maske, die am unteren Teil des Gesichts von Sax festgeklebt war und hinein- und heraussprudelte. �Es ist, als ob er in einem ektogenen Tank l�ge�, sagte Nirgal.</p><p>�Oder�, sagte die medizinische Technikerin mit einem belustigten Blick auf ihn, �in der Geb�rmutter.�</p><p>�Ja. Wird wiedergeboren. Sieht nicht einmal gleich aus.�</p><p>�Halt weiter die Hand auf ihm!� riet die Technikerin und ging fort. Nirgal sa� da und versuchte zu f�hlen, wie es Sax ging, suchte jene Vitalit�t in den ihr eigenen Prozessen zu f�hlen, das Wieder-zur�ck-Schwimmen in die Welt empor. Die Temperatur von Sax schwankte in beunruhigenden kleinen Hochs und Tiefs. Es kam weiteres �rztliches Personal, hielt Instrumente Sax an Kopf und Gesicht und sprach leise miteinander. �Einiger Schaden. Vorn links. Wir werden sehen.�</p><p>Einige Abende sp�ter, als Nirgal da war, kam dieselbe Technikerin und sagte: �Halt seinen Kopf, Nirgal! Linke Seite, ums Ohr. Gerade dar�ber, ja. Halt ihn dort und�� ja, so. Tu jetzt, was du machst!�</p><p>�Was?�</p><p>�Du wei�t schon. Schick W�rme in ihn hinein!� Und sie ging eilends fort, als ob sie �ber einen solchen Vorschlag selbst verwirrt w�re oder erschrocken.</p><p>Nirgal sa� da und konzentrierte sich. Er lokalisierte das Feuer im Innern und versuchte, etwas davon in seine Hand und hin�ber in Sax hineinstr�men zu lassen. W�rme, W�rme, ein zaghafter Schu� von Wei� in das Versehrte Gr�n geschickt� dann wieder f�hlen und der Versuch, die W�rme von Saxens Kopf zu erkennen.</p><p>Es vergingen Tage; und Nirgal verbrachte fast alle in der Klinik. Eines Nachts kam er von der K�che zur�ck, als die junge Technikerin �ber den Korridor auf ihn zugerannt kam, ihn am Arm fa�te und sagte: �Los, komm!� Ehe er es sich versah, war er unten in dem Raum und hielt Sax den Kopf. Dessen Atem ging in kurzen St��en, und alle seine Muskeln waren wie Dr�hte. Es waren drei �rzte da und noch einige Techniker. Ein Doktor streckte Nirgal einen Arm entgegen, und die junge Technikerin trat zwischen sie.</p><p>Er f�hlte, da� sich in Sax etwas r�hrte, als ob es fortginge oder wiederk�me�� irgendeine Passage. Er lie� in Sax jedes bi�chen Viriditas einstr�men, das er aufbringen konnte, pl�tzlich erschrocken und ber�hrt von Erinnerungen an die Klinik in Zygote, wo er mit Simon dagesessen hatte. Der Ausdruck von Simons Gesicht in der Nacht seines Todes. Die Fl�ssigkeit aus Perfluorkohlenstoff wirbelte in raschen flachen St��en in Sax hinein und heraus. Nirgal sah zu und dachte an Simon. Seine Hand verlor ihre W�rme, und er konnte sie nicht zur�ckbringen. Sax w�rde wissen, wer das mit so warmen H�nden war. Falls das etwas ausmachte. Aber das war alles, was er tun konnte�� Er strengte sich an und dr�ckte, als ob die Welt einfr�re, als ob er nicht nur Sax, sondern auch Simon zur�ckholen k�nnte, wenn er heftig genug dr�ckte. �Warum Sax?� sagte er leise in das Ohr bei seiner Hand. �Aber warum? Warum Sax? Warum nur?�</p><p>Der Perfluorkohlenstoff sprudelte. In dem �berm��ig stark beleuchteten Raum summte es. Die �rzte arbeiteten an den Maschinen und �ber Saxens K�rper, schauten einander und Nirgal an. Das Wort <emphasis>warum</emphasis> wurde zu einem reinen Ton, einer Art von Gebet. Es verging eine Stunde und noch mehr, langsam und furchtsam, bis sie in eine Art von zeitlosem Zustand verfielen. Nirgal h�tte nicht sagen k�nnen, ob es Tag oder Nacht war. Bezahlung f�r unsere K�rper, dachte er. Wir bezahlen.</p><empty-line/><p>Eines Abends, etwa eine Woche nach ihrer Ankunft, pumpten sie die Lungen von Sax aus und nahmen den Ventilator weg. Sax japste laut und atmete dann. Er war wieder ein Luftatmer, ein S�ugetier. Sie hatten seine Nase repariert, obwohl sie jetzt anders aussah, fast so flach, wie sie vor seiner kosmetischen Operation gewesen war. Seine Narben waren noch auff�llig.</p><p>Etwa eine Stunde sp�ter, nachdem sie den Ventilator entfernt hatten, kam er zu Bewu�tsein. Er blinzelte st�ndig. Er schaute sich in dem Raum um, blickte dann ganz nahe auf Nirgal und dr�ckte ihm kr�ftig die Hand. Aber er sprach nicht. Und einen Moment sp�ter war er eingeschlafen.</p><p>Nirgal ging hinaus in die gr�nen Stra�en der kleinen Stadt, die von dem Kegel des Tharsis Tholus beherrscht wurde, der sich in schwarzer und rostfarbener Majest�t wie ein flacher Fuji im Norden erhob. Er lief in seiner rhythmischen Art dahin, immer wieder um die Kuppelwand, etwas von seiner �bersch�ssigen Energie verausgabend. Sax und sein gro�es unerkl�rliches��</p><p>Sie wohnten in Zimmern �ber einem Cafe auf der anderen Stra�enseite, und dort fand er Cojote, wie er rastlos von Fenster zu Fenster tigerte, murmelte und wortlose Calypsomelodien sang. �Was fehlt?� fragte Nirgal.</p><p>Cojote schwenkte beide H�nde. �Jetzt, da Sax stabilisiert ist, sollten wir hier abhauen. Du und Spencer, ihr k�nnt Sax im Wagen betreuen, w�hrend wir nach Westen um Olympus herum fahren.�</p><p>�Okay�, sagte Nirgal. �Sobald sie sagen, da� Sax bereit ist.�</p><p>Cojote starrte ihn an. �Sie sagen, du h�ttest ihn gerettet. Du h�ttest ihn von den Toten zur�ckgeholt.�</p><p>Nirgal sch�ttelte den Kopf, schon durch diesen Gedanken allein erschrocken. �Er war nie gestorben.�</p><p>�Das habe ich vermutet. Aber sie sagen es so.� Cojote schaute ihn nachdenklich an. �Du wirst vorsichtig sein m�ssen.�</p><empty-line/><p>Sie fuhren bei Nacht rund um die Flanke von Nordtharsis.</p><p>Sax war auf der Couch in dem Abteil zwischen den Fahrern festgemacht. Einige Stunden nach ihrer Abfahrt sagte Cojote: �Ich m�chte eines der Bergbaucamps besuchen, die von Subarashii in Ceraunius betrieben werden.� Er schaute Sax an. �Geht das mit dir in Ordnung?�</p><p>Sax nickte. Die Waschb�rennarben waren jetzt gr�n und purpurn.</p><p>�Warum kannst du nicht sprechen?� fragte ihn Art.</p><p>Sax zuckte die Achseln und kr�chzte.</p><p>Sie rollten weiter.</p><p>Vom Boden der Nordseite des Tharsisbuckels erstreckt sich eine Gruppe paralleler Canyons, genannt Ceraunus Fossae. Es gibt etwa vierzig dieser Bruchstellen, je nachdem, wie man sie z�hlt, da manche Einbuchtungen Canyons sind, andere dagegen isolierte Grate oder tiefe Risse oder einfach Wellen im Gel�nde. Sie alle verlaufen nach Norden und S�den und schneiden ein in ein an Metall reiches Gebiet, eine Basaltmasse, die von unten durch alle Arten von Erzintrusionen durchzogen ist. Darum gab es dort viele Bergbauniederlassungen und mobile Bohranlagen. Als Cojote sie sich jetzt auf seinen Karten ansah, rieb er sich die H�nde. �Deine Gefangenschaft hat mir eine Gelegenheit gegeben, Sax. Da sie ohnehin wissen, da� wir hier drau�en sind, gibt es keinen Grund, weshalb wir nicht einige von ihnen arbeitslos machen und uns etwas Uran schnappen sollten, w�hrend wir da sind.�</p><p>Also hielt er eines Abends am s�dlichen Ende von Tractus Catena, dem l�ngsten und tiefsten Canyon. Sein Anfang bot einen seltsamen Anblick. Die relativ glatte Ebene war von etwas durchbrochen, das wie eine Rampe aussah, die in den Boden schnitt, etwa drei Kilometer weit und am Ende ungef�hr dreihundert Meter tief. Sie zog sich in einer vollkommen geraden Linie bis �ber den Horizont hin.</p><p>Sie schliefen w�hrend des Morgens und sa�en am Nachmittag nerv�s im Wohnabteil, sahen Satellitenfotos an und lauschten den Anweisungen Cojotes.</p><p>Art zupfte an seinem gro�en Kinn- und Backenbart. �K�nnte es sein, da� wir diese Bergleute t�ten werden?�</p><p>Cojote zuckte die Achseln. �Das k�nnte passieren.�</p><p>Sax sch�ttelte den Kopf heftig vor und zur�ck.</p><p>�Sei nicht so grob mit deinem Kopf!� sagte Nirgal zu ihm.</p><p>�Ich stimme Sax zu�, sagte Art rasch. �Ich meine, selbst wenn wir von moralischen Bedenken absehen, was ich nicht tue, ist so ein Vorgehen auch aus rein praktischen Gr�nden t�richt. Es ist t�richt, weil es von der Annahme ausgeht, da� deine Feinde schw�cher sind als du selbst und tun werden, was du willst, wenn du einige von ihnen umbringst. Aber die Leute sind nicht so. Ich meine, denkt dar�ber nach, wie es ausgehen wird! Ihr begebt euch in diesen Canyon hinunter und t�tet eine Gruppe von Leuten, die ihre Arbeit verrichten. Dann schlie�t ihr sie im Zufluchtsraum ein und ruiniert ihre Maschinen. Sp�ter kommen andere Leute herbei und finden die Leichen. Sie werden euch f�r immer hassen. Selbst wenn ihr eines Tages die Herrschaft �ber den Mars gewinnt, werden sie euch noch immer hassen und alles tun, was sie k�nnen, um Unheil zu stiften. Und das ist alles, was ihr geschafft habt, weil sie die Bergleute schnell ersetzen werden.�</p><p>Art sah Sax an, der sich auf der Couch aufgerichtet hatte, und beobachtete ihn genau. �Andererseits�� angenommen, ihr geht da hinunter, tut etwas, das die Bergleute veranla�t, ihren Schutzraum aufzusuchen, sperrt sie darin ein und ruiniert ihre Maschinen. Sie rufen um Hilfe, h�ngen da herum, und nach ein paar Tagen kommt jemand, sie zu retten. Sie toben zwar, denken aber auch, da� sie ebensogut tot sein k�nnten. Die Roten h�tten ihr Zeug kaputtgemacht und seien wie der Blitz abgehauen, und sie h�tten es nie gesehen. Sie h�tten sie t�ten k�nnen, haben das aber nicht getan. Und die Leute, die sie gerettet haben, w�rden dasselbe denken. Und dann, sp�ter, wenn ihr den Mars �bernommen h�ttet oder das versuchtet, erinnern sie sich, werden alle in das Geiselsyndrom verfallen und anfangen, f�r euch zu w�hlen. Oder mit euch zu arbeiten.�</p><p>Sax nickte. Spencer sah Nirgal an. Und dann taten das alle au�er Cojote, der auf seine Handfl�chen hinunterschaute, als ob er darin lesen w�rde. Dann blickte er auf und sah auch Nirgal an.</p><p>F�r Nirgal war es einfach, und er musterte Cojote etwas besorgt. �Art hat recht. Hiroko wird es uns nie verzeihen, wenn wir anfangen, Menschen ohne Grund zu t�ten.�</p><p>Cojote verzog das Gesicht, als ob er �ber ihre Milde entt�uscht w�re. Er sagte: �Wir haben gerade in Kasei Vallis eine ganze Menge Menschen get�tet.�</p><p>�Das war aber etwas anderes!� sagte Nirgal.</p><p>�Inwiefern?�</p><p>Nirgal z�gerte unsicher, und Art sagte rasch: �Das waren Folterknechte der Polizei, die unseren Kumpel hatten und sein Gehirn mit Mikrowellen bearbeitet haben. Sie haben bekommen, was sie verdient haben. Aber diese Burschen da unten im Canyon graben blo� Erz aus.�</p><p>Sax nickte. Er starrte sie alle h�chst intensiv an, und es schien sicher, da� er alles verstand und tief daran beteiligt war. Aber da er stumm war, konnte man das nur schwer beurteilen.</p><p>Cojote sah Art scharf an. �Ist das eine Mine von Praxis?�</p><p>�Ich wei� nicht. Das ist mir auch egal.�</p><p>�Hmm. Gut�� Cojote sah erst Sax an, dann Spencer und Nirgal, der merkte, da� seine Wangen gl�hten. �Also gut. Wir werden es auf eure Art versuchen.�</p><empty-line/><p>Und so stieg am Ende des Tages Nirgal mit Cojote und Art aus dem Rover. Der Himmel �ber ihnen war dunkel und voller Sterne, der westliche Quadrant, noch purpurn, warf ein rotes Licht, das ganz deutlich, aber zugleich ungewohnt war. Cojote ging voraus, und Art und Nirgal folgten ihm. Durch seine Visierscheibe sah Nirgal, da� Arts Augen an das Glas gedr�ckt waren.</p><p>Der Boden von Tractus Cartena war an einer Stelle durch ein querlaufendes St�rungssystem namens Trac- tus Traction unterbrochen, und das gebrochene Gitter in dieser Zone hatte ein f�r Fahrzeuge un�berwindliches System von Spalten gebildet. Die Bergleute des Tractus erreichten ihr Camp von der dar�ber befindlichen Wand des Canyons aus mittels Aufz�gen. Aber Cojote sagte, es w�re m�glich, Tractus Canyon zu durchqueren, indem man einem die Spalten verbindenden Pfad folgte, den er f�r sich markiert hatte. Viele seiner Widerstandsaktionen erforderten das Passieren �unwegsamen� Gel�ndes wie diesem hier. Das machte manche seiner besonders legend�ren �Besuche� m�glich und f�hrte ihn durch wildes Gel�nde, an das sich noch keiner herangewagt hatte. Und mit Nirgal, der manche der �berf�lle mitgemacht hatte, hatten sie einige wahrhaft wunderbar erscheinende Abenteuer bestanden�� einfach, indem sie herauskamen und zu Fu� reisten.</p><p>Also trabten sie den Boden des Canyons entlang in der gleichm��igen Gangart des Marsbewohners, die Nirgal vervollkommnet und mit einigem Erfolg auch Cojote gelehrt hatte. Art war nicht so geschickt; seine Schritte waren zu kurz, und er stolperte h�ufig. Aber er hielt mit. Nirgal begann die ungebundene Freude des Laufens zu sp�ren, das Schnellen von Stein zu Stein und das rasche Zur�cklegen gro�er Strecken aus eigener Kraft. Er geno� auch das rhythmische Atmen, das H�pfen des Lufttanks auf seinem R�cken und den tranceartigen Zustand, den er im Laufe der Jahre gelernt hatte mit Hilfe des Issei Nanao, der auf der Erde bei einem tibetischen Meister des <emphasis>lung-gom</emphasis> in die Schule gegangen war. Nanao behauptete, da� einige alte <emphasis>lung-gom-pas</emphasis> Gewichte h�tten tragen m�ssen, um nicht davonzufliegen. Und auf dem Mars schien das durchaus m�glich. Die Art, wie er �ber Felsbl�cke fliegen konnte, war begeisternd und eine Art Rausch.</p><p>Nirgal mu�te sich zur�ckhalten. Weder Cojote noch Art kannten <emphasis>lung-gom</emphasis> und konnten nicht mithalten, obwohl sie recht gut waren. Cojote wegen seines Alters, und Art, weil er erst k�rzlich auf den Mars gekommen war. Cojote kannte das Land und lief in kurzen vorsichtigen Tanzschritten, t�chtig und korrekt. Art polterte �ber das Gel�nde wie ein schlecht programmierter Roboter und stolperte oft, wenn er im Sternenlicht nicht so recht sah, wo er hintrat. Aber er blieb dennoch recht gut bei Atem. Nirgal lief ihnen voraus wie ein Hund. Art geriet zweimal in eine Staubwolke, und Nirgal rannte hin�ber, um nach ihm zu sehen. Aber beide Male stand Art wieder auf, winkte in dem Schweigen des Interkoms Nirgal zu und trabte weiter.</p><p>Nachdem sie eine halbe Stunde den Canyon hinuntergelaufen waren, der so gerade war, als ob er nach Plan eingeschnitten worden w�re, erschienen auf dem Boden Risse, die schnell tiefer wurden und sich miteinander verbanden, bis es unm�glich wurde, auf dem eigentlichen Boden des Canyons voranzukommen, da M er jetzt nur noch das gleichm��ige Niveau der Gipfel einer Anzahl von Inseln bezeichnete. Die tiefen Schlitze zwischen diesen Inseln waren stellenweise nur zwei oder drei Meter breit, aber drei�ig bis vierzig Meter tief.</p><p>Es war merkw�rdig, durch diese G�nge mit im allgemeinen flachen B�den zu gehen; aber Cojote f�hrte sie den Weg durch das Labyrinth, ohne an einer der vielen Verzweigungen zu z�gern. Er folgte einem Weg, den nur er kannte, und wendete sich dutzendemal nach links oder rechts. Ein Schlitz war so eng, da� sie beide W�nde zugleich ber�hren konnten und bei einer Wendung daran scheuerten.</p><p>Als sie auf der Nordseite des Spaltenlabyrinths herauskamen und aus einem schmalen Tal in der zerkl�fteten steilen B�schung auftauchten, welches das Ende der Plateau-Inseln bildete, stand vor ihnen, abgehoben von der westlichen Canyonwand, eine Kuppel. Ihr Bogenbau gl�hte wie der Kolben einer staubigen Gl�hlampe. In der Kuppel befanden sich mobile Anh�nger, Rover, Bohrer, Planierraupen und anderes Bergbauger�t. Es war eine Uranmine, genannt Pechblendengasse, weil der untere Abschnitt des Canyons als Boden ein extrem uranhaltiges Pegmatit war. Es war eine sehr ertragreiche Mine; und Cojote hatte geh�rt, da� das verarbeitete und dort w�hrend der Jahre zwischen den Aufz�gen gestapelte Uran noch nicht verschifft worden war.</p><p>Cojote lief �ber den Boden des Canyons zu der Kuppel, und Nirgal und Art folgten ihm. Im Innern war niemand zu sehen. Die einzige Beleuchtung lieferten einige Nachtlampen und die von den erleuchteten Fenstern eines gro�en Anh�ngerblocks nahe dem Zentrum kommende Helligkeit.</p><p>Cojote ging direkt zum n�chsten Schleusentor der Kuppel, und die anderen beiden folgten ihm. Er f�hrte den Stecker seines Armbandger�ts in das Schl�sselloch am Tor ein und fing an, auf seinem Armband zu tippen. Die �u�ere Schleusent�r ging auf. Es schien kein Alarm ausgel�st zu sein, und aus der T�r des Anh�ngers kamen keine Leute heraus. Cojote ging mit den beiden in die Schleuse, schlo� die Au�ent�r, wartete, bis die Schleuse dicht und unter Druck war, und �ffnete dann die innere T�r. Dann lief er zu der kleinen Versorgungsanlage neben dem Anh�nger. Nirgal rannte zu den Unterk�nften und st�rmte die Stufen zur T�r des Anh�ngers hinauf. Er hielt eine von Cojotes �Brechstangen� unter den T�rgriff, drehte das Zifferblatt zur Ausl�sung des Fixativs und dr�ckte die Stange gegen T�r und Wand des Anh�ngers. Dieser war aus einer Magnesiumlegierung, und das polymere Fixativ w�rde eine Art keramischer Verbindung zwischen dem Verschlu�riegel und dem Anh�nger herstellen, so da� die T�r festsa�. Dann lief er um den Anh�nger herum, machte dasselbe mit der anderen T�r und eilte dann zum Tor zur�ck. Er f�hlte Adrenalin durch die Adern jagen. Das war so ein toller Streich, da� er sich bewu�t an die Sprengladungen erinnern mu�te, die Cojote und Art in der ganzen Siedlung verteilten�� in den Lagerh�usern, an dem Kuppelstoff und auf dem Parkplatz f�r die Bergbau-Behemothe. Nirgal stie� zu ihnen, wie sie von einem Fahrzeug zum anderen liefen, die Treppen an deren Seiten emporstiegen, die T�ren manuell oder elektronisch �ffneten und kleine, von Cojote mitgebrachte B�chsen in die Fahrerh�user oder Kabinen schleuderten.</p><p>Aber da waren auch noch Hunderte von Tonnen an verarbeitetem Uran, die Cojote wegschleppen wollte. Das war zum Gl�ck unm�glich. Sie kamen aber zu einem Lagerhaus, wo sie einige der Robotlastwagen des Bergwerks beluden und darauf programmierten, da� sie in die Canyongebiete nach Norden fahren und ihre Fracht an Stellen abladen sollten, wo die Konzentrationen von Apatit hoch genug waren, um die Radioaktivit�t des verpackten Urans zu tarnen, so da� dies schwer wiederzufinden sein w�rde. Spencer hatte bezweifelt, da� diese Strategie funktionieren w�rde; aber Cojote sagte, da� dadurch das Uran nicht in dem Bergwerk verbleiben w�rde. Und sie alle freuten sich, bei jedem Plan mitzuhelfen, der ihn hindern k�nnte, tonnenweise Uran in das Frachtabteil ihres Felsenwagens zu packen, ob dessen Beh�lter strahlungssicher w�ren oder nicht.</p><p>Als das getan war, liefen sie zum Tor zur�ck, gingen hinaus und rannten los. Auf halber Entfernung vom Steilabbruch h�rten sie von der Kuppel her eine Reihe lauter Explosionen. Nirgal blickte �ber die Schulter, sah aber keinen Unterschied. Die Kuppel war noch immer schwach beleuchtet, und im Anh�nger brannte das Licht.</p><p>Er wandte sich um und lief weiter mit einem Gef�hl, als ob er fl�ge. Er war �berrascht zu sehen, wie Art vor ihm �ber den Boden des Canyons schwebte, jeder Schritt ein riesiger wilder Sprung wie ein Gepard auf der ganzen Strecke bis zur B�schung, wo er auf Cojote warten mu�te, bis der ihn einholte und sie durch das Spaltenlabyrinth zur�ckf�hrte. Wieder drau�en rannte er erneut los, so da� Nirgal beschlo� zu versuchen, ihn zu �berholen, nur um zu merken wie schnell er war. Er nahm den Sprintrhythmus auf und beschleunigte immer st�rker. Als er an Art vorbeikam, sah er, da� seine eigenen Springbocks�tze fast doppelt so weit waren wie die von Art im gleichm��igen Sprintstil, wo beide Beine so schnell wie m�glich zustie�en.</p><p>Sie kamen lange vor Cojote zu dem Felsenwagen und warteten auf ihn in der Schleuse, kamen wieder zu Atem und grinsten sich durch die Sichtscheiben an. Einige Minuten sp�ter war Cojote da und mit ihnen im Innern. Spencer setzte den Rover in Bewegung, als der Zeitschlupf gerade vorbei war und sie noch sechs Stunden Zeit zum Fahren vor sich hatten.</p><p>Drinnen lachten sie kr�ftig �ber Arts wildes Rennen. Aber der grinste nur und winkte ab. �Ich hatte keine Angst. Ich sage euch, es war diese Marsschwere. Ich lief einfach so wie gew�hnlich, aber meine Beine sprangen los wie die eines Tigers. Erstaunlich!�</p><p>Sie rasteten den Tag �ber und fuhren bei Dunkelheit wieder los. Sie kamen an der M�ndung eines langen Canyons vorbei, der von Ceraunius bis Jovis Tholus f�hrte. Da er eigenartigerweise weder gerade noch gewellt war, hie� er Krummer Canyon. Als die Sonne hoch kam, waren sie auf dem Vorfeld des Kraters Qr versteckt, genau n�rdlich von Jovis Tholus. Dies war ein gr��erer Vulkan als Tharsis Tholus, ja gr��er als jeder Vullkan auf der Erde; aber er befand sich auf dem hohen Sattel zwischen Ascraeus Mons und Olympus Mons, die beide im Osten und Westen zu sehen waren, aufragend wie weite Plateaukontinente, im Vergleich mit denen Jovis kompakt, freundlich und verst�ndlich schien�� ein Berg, auf den man hinaufgehen konnte, wenn man dazu Lust hatte.</p><p>An diesem Tage sa� Sax da und starrte stumm auf seinen Schirm, tippte versuchsweise darauf und bekam eine zuf�llige Folge von Texten, Karten, Diagrammen, Bildern und Gleichungen. Er wandte jedem den Kopf zu ohne ein Zeichen des Erkennens. Nirgal setzte sich neben ihn. �Sax, kannst du h�ren, was ich sage?�</p><p>Sax blickte ihn an.</p><p>�Kannst du meine Worte verstehen? Nicke, wenn du sie verstehst!�</p><p>Sax neigte den Kopf zur Seite. Nirgal seufzte, gepackt von diesem forschenden Blick. Sax nickte z�gernd.</p><empty-line/><p>In dieser Nacht fuhr Cojote wieder nach Westen auf Olympus und lenkte gegen Morgen den Rover direkt auf eine Wand aus l�chrigem und zermahlenem Basalt zu. Dies war der Rand eines von zahllosen gewundenen Schluchten durchschnittenen Tafellandes, wie Tractus Traction, nur in viel gr��erem Ma�stab, so da� es ein w�stes Terrain bildete wie eine ungeheure Erweiterung des Labyrinths von Traction. Das Tafelland war ein F�cher aus zerbrochener alter Lava, das �berbleibsel eines der fr�hesten Str�me von Olympus Mons, und bedeckte weicheren Tuff und Asche aus noch fr�heren Eruptionen. Wo die vom Wind erodierten Schluchten tief genug abgetragen waren, brachen ihre B�den in die Schicht aus weicherem Tuff durch, so da� einige Spalten enge Schlitze bildeten mit Tunnels auf ihrem Grund, abgerundet durch �onen von Wind. �Wie auf den Kopf gestellte Schl�ssell�cher�, sagte Cojote, obwohl Nirgal noch nie ein Schl�sselloch gesehen hatte, das diesen Gebilden auch nur entfernt �hnelte.</p><p>Cojote fuhr den Rover direkt in eine der schwarzgrauen Tunnelschluchten hinein. Mehrere Kilometer weiter aufw�rts hielt er den Wagen an neben einer Kuppelwand, die in den Tunnel wie eine Embolie eine erweiterte �u�ere Kurve einschnitt.</p><p>Dies war die erste verborgene Zufluchtsst�tte, die Art je gesehen hatte, und er machte ein entsprechend erstauntes Gesicht. Die Kuppel war vielleicht zwanzig Meter hoch und umfa�te einen hundert Meter langen Abschnitt der Kurve. Art �u�erte sich laut �ber die Gr��e, bis Nirgal lachen mu�te. Cojote sagte: �Jemand benutzt das schon. Seid also eine Sekunde lang still!�</p><p>Art nickte und beugte sich �ber Cojotes Schulter, um zu h�ren, was er �ber das Interkom sagte. Vor der Kuppelschleuse war ein Wagen geparkt, genau so verklumpt und steinig wie der ihre. �Ah!� sagte Cojote und schob Art zur�ck. �Das ist Vijjika. Die werden Orangen haben und vielleicht etwas Kava. Wir werden heute morgen eine Party veranstalten.�</p><p>Sie rollten bis zur Schleuse. Eine Andockr�hre trat hervor und klammerte sich um ihre vorgestreckte �u�ere T�r. Als alle Schleusent�ren ge�ffnet waren, begaben sie sich in die Kuppel. Sie b�ckten sich und nahmen Sax durch das Rohr mit.</p><p>Drinnen empfingen sie acht gro�e, dunkelh�utige Personen, f�nf Frauen und drei M�nner, eine auff�llige Schar, die sich freute, Gesellschaft zu haben. Cojote stellte sie vor, obwohl Nirgal Vijjika schon von der Universit�t in Sabishii her kannte und fest in die Arme nahm. Sie war erfreut, ihn wiederzusehen, und f�hrte sie alle nach hinten zu der sanften Kr�mmung der Klippenwand auf einen freien Platz zwischen Anh�ngern unter einem Oberlicht, das durch einen vertikalen Spalt in der alten Lava gebildet wurde. Unter diesem Strahl diffusen Tageslichts und dem noch diffuseren Licht aus der tiefen Schlucht au�erhalb der Kuppel setzten sich die Besucher auf breite flache Kissen um niedrige Tische, w�hrend einige ihrer Gastgeber sich an rundb�uchigen Samowaren zu schaffen machten. Cojote sprach mit Bekannten und tauschte Nachrichten aus. Sax sah sich blinzelnd um, und Spencer an seiner Seite machte ein ebenso erstauntes Gesicht. Er hatte seit �61 an der Oberfl�chenwelt gelebt, und sein Wissen �ber die Zufluchtsst�tten mu�te fast g�nzlich aus zweiter Hand stammen. Vierzig Jahre eines doppelten Lebens. Kein Wunder, da� er �berrascht war.</p><p>Cojote ging an die Samoware und verteilte aus einem freistehenden Schr�nkchen kleine Becher. Nirgal sa� neben Vijjika, einen Arm um ihre Taille gelegt, und sog ihre W�rme und ihr Gefl�ster ein�� und den langen Kontakt ihres Beins mit dem seinen. Art nahm auf ihrer anderen Seite Platz, sein breites Gesicht wie das eines Hundes in die Konversation getaucht. Vijjika stellte sich ihm vor und sch�ttelte ihm die Hand. Er nahm ihre langen zarten Finger in seine gro�e Pranke, als ob er sie k�ssen wollte. �Das sind Bogdanovisten�, erkl�rte Nirgal Art. Er lachte �ber seine Miene und reichte ihm einen der kleinen irdenen Becher von Cojote. �Ihre Eltern waren vor dem Krieg Gefangene in Korolyov.�</p><p>�Ah�, sagte Art. �Wir sind weit davon entfernt, nicht wahr?�</p><p>�O ja�, sagte Vijjika, �unsere Eltern haben die Transmarineris-Fernstra�e nach Norden befahren, kurz ehe sie �berflutet wurde, und kamen schlie�lich hierher. Da, nimm dieses Tablett von Cojote und teil Becher aus und stell dich jedem vor!�</p><p>Also machte Art die Runde, und Nirgal tauschte Neuigkeiten mit Vijjika aus. Sie erz�hlte ihm: �Du wirst nicht glauben, was wir in einem dieser Tufftunnels gefunden haben. Wir sind ganz phantastisch reich geworden.� Jetzt hatten alle ihre Tassen; darum machten sie einen Moment Pause und taten zusammen ihre ersten Schlucke. Dann kehrten sie nach einigem Hallo und Schl�rfen wieder zu ihren Gespr�chen zur�ck. Art begab sich wieder an Nirgals Seite.</p><p>�Hier, nimm selbst eine!� sagte Nirgal zu ihm. �Jeder mu� sich an dem Toast beteiligen, das ist so Sitte.�</p><p>Art nippte von seinem Becher und warf einen mi�trauischen Blick auf die Fl�ssigkeit, die schw�rzer war als Kaffee und �bel roch. Er schauderte. �Das ist wie Kaffee mit Lakritze. Giftiger Lakritze.�</p><p>Vijjika lachte und sagte: �Es ist Kavajava, eine Mischung von Kava und Kaffee. Sehr stark und riecht wie die H�lle. Und schwer zu bekommen. Gib aber nicht auf! Wenn du es schaffst, eine Tasse hinunterzubringen, wirst du finden, da� es sich lohnt.�</p><p>�Wenn du es sagst.� Mutig nahm er noch einen kr�ftigen Schluck und erschauerte wieder. �Schrecklich!�</p><p>�Ja, aber wir m�gen es. Manche Leute extrahieren blo� das Kavain aus dem Kava, aber ich halte das nicht f�r richtig. Rituale sollten auch etwas Unangenehmes an sich haben, sonst wei� man sie nicht richtig zu sch�tzen.�</p><p>�Hmm�, machte Art. Nirgal und Vijjika beobachteten ihn. Nach einer Weile sagte er: �Ich bin in einem Refugium des Untergrundes vom Mars. Werde berauscht durch eine komische f�rchterliche Droge in Gesellschaft einiger der sagenhaftesten verlorenen Mitglieder der Ersten Hundert. Und auch junger Eingeborener, von denen die Erde nie geh�rt hat.�</p><p>�Es wirkt schon�, bemerkte Vijjika.</p><p>Cojote sprach mit einer Frau, deren Gesicht, obwohl sie auf einem Kissen in der Lotoshaltung sa�, sich eben knapp unter seiner Augenh�he befand, als er vor ihr stand. �Sicher h�tte ich gern Lauchsamen�, sagte sie. �Aber du mu�t f�r etwas so Kostbares einen Tauschwert festsetzen.�</p><p>�So wertvoll sind sie nicht�, sagte Cojote in seiner �berzeugenden Art. �Ihr gebt uns schon mehr Stickstoff, als wir verbrennen k�nnen.�</p><p>�Gewi�, aber du mu�t erst Stickstoff haben, ehe du ihn geben kannst.�</p><p>�Das wei� ich.�</p><p>�Haben, ehe man gibt, und geben, ehe man verbrennt. Und hier haben wir diese enorme Ader von Natriumnitrat gefunden. Das ist reines <emphasis>caliche blanco,</emphasis> und diese �dl�nder sind damit gespickt. Es scheint hier ein Fl�z davon zu geben zwischen dem Tuff und der Lava, etwa drei Meter stark und sich erstreckend�� wir wissen noch nicht, wie weit. Das ist eine riesige Menge Stickstoff, und wir m�ssen sie loswerden.�</p><p>�Fein, fein�, sagte Cojote. �Aber das ist kein Grund, uns mit Geschenken zu �berh�ufen.�</p><p>�Das tun wir nicht. Du wirst achtzig Prozent von dem verbrennen, was wir dir geben.�</p><p>�Siebzig.�</p><p>�Na ja, siebzig. Und dann werden wir diese Samen haben und endlich anst�ndigen Salat bei unseren Mahlzeiten essen k�nnen.�</p><p>�Wenn ihr ihn ziehen k�nnt. Lauch ist sehr empfindlich.�</p><p>�Wir werden jeden D�nger haben, den wir brauchen.�</p><p>Cojote lachte. �Das nehme ich an. Aber das ist noch nicht alles. Ich sage dir was: Wir geben euch die Koordinaten f�r einen der Urantransporter, die wir nach Ceraunius geschickt haben.�</p><p>�Und du redest von �ppigen Geschenken!�</p><p>�O nein, denn es gibt keine Garantie, da� ihr das Zeug werdet bergen k�nnen. Aber ihr werdet wissen, wo es sich befindet, und wenn ihr es wirklich bergt, k�nnt ihr blo� noch ein Picobar Stickstoff verbrennen, und wir sind quitt. Wie w�re es damit?�</p><p>�Es kommt mir immer noch zu viel vor.�</p><p>�Du wirst dich nicht die ganze Zeit so f�hlen mit diesem <emphasis>caliche blanco,</emphasis> den ihr gefunden habt. Ist es wirklich eine solche Menge?�</p><p>�Tonnen davon. Millionen Tonnen. Diese �dl�nder sind durch und durch damit durchsetzt.�</p><p>�Na sch�n, vielleicht k�nnen wir von euch auch etwas Wasserstoffperoxid bekommen. Wir werden den Treibstoff f�r die Fahrt nach S�den ben�tigen.�</p><p>Art beugte sich vor, wie von einem Magneten angezogen. �Was ist <emphasis>caliche blanco?�</emphasis></p><p>Die Frau sagte: �Es ist fast reines Natriumnitrat.� Sie schilderte die Areologie dieser Gegend. Rhyolitischer Tuff�� das umgebende helle Gestein�� ist von der dunklen Andesitlava �berlagert worden, die das Tafelland bedeckt hat. Erosion hat den Tuff �berall da ausgeh�hlt, wo Risse in dem freigelegten Andesit waren und Senken am Tunnelboden bildeten. Dabei wurden gro�e Fl�ze von <emphasis>caliche</emphasis> frei, die zwischen den beiden Schichten gefangen waren. �Das <emphasis>caliche</emphasis> ist lockeres Gestein und Staub, zusammenzementiert mit Salzen und den Natriumnitraten.�</p><p>�Diese Schicht mu� von Mikroorganismen abgelagert worden sein�, sagte ein Mann hinter der Frau, aber die widersprach sofort.</p><p>�Es k�nnte auch aerothermal entstanden sein, oder durch einen Blitz, der von dem Quarz im Tuff angezogen wurde.�</p><p>Sie diskutierten weiter, wie es Leute tun, die zum tausendsten Mal eine Debatte wiederholen. Art unterbrach sie wieder mit der Frage nach <emphasis>caliche blanco.</emphasis> Die Frau erkl�rte, da� es sich um bis zu achtzig Prozent reines Natriumnitrat handle und darum in dieser an Stickstoff armen Welt sehr wertvoll sei. Auf dem Tisch lag ein Block davon, und sie reichte ihn Art. Dann diskutierte sie weiter mit ihrem Freund, w�hrend Cojote mit einem anderen Mann �ber Tauschgesch�fte sprach. Es ging um Wippen und T�pfe, Kilogramme und Kalorien, �quivalenz und �berlastung, Kubikmeter pro Sekunde und Picobare. Sie feilschten sachkundig und ernteten viel Gel�chter von den Zuh�rern.</p><p>An einer Stelle unterbrach die Frau Cojote mit einem Ruf: �Schau, wir k�nnen nicht einfach einen unbekannten Beh�lter mit Uran nehmen, von dem wir nicht sicher sind, ob wir ihn �berhaupt bekommen werden. Das ist entweder ein �bertrieben gro�es Geschenk, oder ihr wollt uns das Fell �ber die Ohren ziehen, je nachdem, ob wir den Lastwagen finden k�nnen oder nicht! Was f�r ein Gesch�ft ist das? Ich finde es auf jeden Fall einen lausigen Handel.�</p><p>Cojote wackelte boshaft mit dem Kopf. �Ich mu�te darauf zu sprechen kommen, sonst w�rdet ihr mich in <emphasis>caliche blanco</emphasis> begraben, nicht wahr? Wir sind hier drau�en unterwegs, wir haben einige S�mereien, aber sonst nicht viel. Bestimmt nicht Millionen Tonnen von frischem <emphasis>caliche.</emphasis> Und wir brauchen das Wasserstoffperoxid und auch die Teigwaren. Die sind keine Luxusware wie Salatsamen. Ich sage euch�� wenn ihr den Lastwagen findet, k�nnt ihr seinen Gegenwert verbrennen und habt uns immer noch anst�ndig bezahlt. Wenn ihr ihn nicht findet, dann schuldet ihr uns einen, das gebe ich zu; aber in diesem Fall k�nnt ihr ein Geschenk verbrennen, und dann sind wir auch quitt.�</p><p>�Es wird uns eine Woche Arbeit kosten und eine Menge Treibstoff, den Lastwagen zu bergen.� �In Ordnung. Wir werden noch zehn Picobar nehmen und sechs davon verbrennen.�</p><p>�Gemacht!� Die Frau sch�ttelte frustriert den Kopf. �Du bist ein harter Bursche.�</p><p>Cojote nickte und stand auf, um ihre Becher nachzuf�llen.</p><p>Art wandte den Kopf und sah Nirgal mit offenem Mund an. �Erkl�r mir bitte, was hier gerade vor sich gegangen ist.�</p><p>�Nun�, sagte Nirgal, der f�hlte, wie ihn die Wohligkeit des Kavas durchstr�mte, �sie handeln. Wir brauchen Nahrung und Treibstoff. Darum waren wir im Nachteil. Aber Cojote hat es sehr gut hingekriegt.�</p><p>Art hob den wei�en Block hoch. �Aber was hei�t das: Stickstoff bekommen und Stickstoff geben und Stickstoff <emphasis>verbrennen?</emphasis> Was�� verbrennst du dein Geld, wenn du es bekommst?�</p><p>�Nun ja, etwas davon schon.�</p><p>�Also haben beide versucht zu verlieren?�</p><p>�Zu verlieren?�</p><p>�Bei dem Gesch�ft zu kurz zu kommen?�</p><p>�Zu kurz?�</p><p>�Mehr zu geben, als sie bekamen?�</p><p>�Nun ja, sicher. Nat�rlich.�</p><p>�Oh, <emphasis>nat�rlich!�</emphasis> Art rollte mit den Augen. �Aber� du kannst doch nicht auch viel mehr geben, als du bekommst. Habe ich das verstanden?�</p><p>�Richtig. Das w�re eine rituelle Geschenkverteilung, wie sie bei Indianern �blich ist und <emphasis>potlatching</emphasis> genannt wird.�</p><p>Nirgal sah zu, wie sein neuer Freund das verdaute.</p><p>�Wenn du aber immer mehr gibst, als du bekommst, wie erh�ltst du irgendwas zum Geben�� wenn du verstehst, was ich meine?�</p><p>Nirgal zuckte die Achseln, sah Vijjika an und dr�ckte sie vielsagend um die Taille. �Ich denke, das mu�t du herausfinden. Oder machen.�</p><p>�Ah!�</p><p>�Es ist die �konomie des Schenkens�, sagte Vijjika.</p><p>�Die �konomie des <emphasis>Schenkens?�</emphasis></p><p>�Es ist ein Teil davon, wie wir hier drau�en mit den Dingen umgehen. F�r das alte System von Kaufen und Bezahlen gibt es eine Geldwirtschaft, wobei Einheiten von Wasserstoffperoxid als Geld dienen. Aber die meisten Leute versuchen, soviel sie k�nnen, nach dem Stickstoffstandard zu erledigen, welcher die Geschenk�konomie darstellt. Die Sufis haben damit angefangen und die Leute in Nirgals Heimat.�</p><p>�Und Cojote�, erg�nzte Nirgal. Obwohl er, wenn er sich seinen Vater ansah, verstehen konnte, da� Art sich Cojote nur schwer als Wirtschaftstheoretiker vorstellen konnte. Im Moment tippte Cojote gerade wild auf einer Tastatur neben einem anderen Mann. Und als er das Spiel, das sie machten, verlor, schubste er den Mann von seinem Sitzkissen und erkl�rte allen Leuten, da� ihm die Hand ausgerutscht sei. Er sagte: �Ich werde mit dir Armdr�cken um doppelt oder nichts.� Dann stemmten die M�nner ihre Ellbogen auf den Tisch, spannten ihre Unterarme und fingen damit an.</p><p>�Armdr�cken!� sagte Art. �Das ist etwas, das ich verstehen kann.�</p><p>Cojote verlor binnen Sekunden, und Art setzte sich hin, um den Gewinner herauszufordern. Er gewann nach Sekunden; und es wurde bald offensichtlich, da� ihm niemand widerstehen konnte. Sogar die Bogdanovisten scharten sich ihm gegen�ber. Drei oder vier H�nde umklammerten seine Faust und sein Handgelenk, aber er klatschte jede ihrer Kombinationen auf den Tisch. �Okay, ich gewinne�, sagte er schlie�lich und warf sich wieder auf sein Kissen. �Wieviel bin ich euch schuldig?�</p><empty-line/><p>Um die Strahlenh�fe zerkl�fteten Gel�ndes zu vermeiden, die sich n�rdlich von Olympus Mons zusammendr�ngen, mu�ten sie einen weiten Bogen nach Norden machen. Sie fuhren bei Nacht und schliefen bei Tage.</p><p>Art und Nirgal verbrachten viele Stunden dieser N�chte mit Fahren und Plaudern. Art stellte hunderterlei Fragen, und Nirgal fragte ebensooft zur�ck, da er von der Erde so fasziniert war wie Art vom Mars. Sie waren ein Paar, das gut zusammenpa�te, jeder sehr am anderen interessiert, was immer einen fruchtbaren Boden f�r Freundschaft bildet.</p><p>Nirgal war davor zur�ckgeschreckt, allein mit Erdenmenschen Kontakt aufzunehmen, als ihm der Gedanken in seinen Studentenjahren gekommen war. Es war sicher eine gef�hrliche Vorstellung, die ihn eines Nachts in Sabishii befallen und nie wieder losgelassen hatte. Er hatte monatelang viele Stunden damit verbracht, hier�ber nachzudenken, und Untersuchungen angestellt, an wen er sich wenden sollte, falls er sich dazu entschlie�en w�rde. Je mehr er lernte, desto st�rker wurde sein Gef�hl, da� das eine gute Idee w�re und da� eine Allianz mit einer irdischen Macht f�r ihre Hoffnung von kritischer Bedeutung w�re. Und trotzdem war er sich sicher, da� alle Mitglieder der Ersten Hundert keinen Kontakt riskieren wollten. Falls er es t�te, m��te er das von sich aus tun. Das Risiko, die Eins�tze��</p><p>Er versuchte es mit Praxis deshalb, weil er �ber die Firma gelesen hatte. Das war ein Schu� ins Dunkel, wie die meisten kritischen Unterfangen sind. Ein instinktiver Akt. Die Fahrt nach Burroughs, der Besuch der Praxisb�ros in Hunt Mesa, die wiederholten Ersuchen um eine Verbindung zu William Fort.</p><p>Er bekam diese Verbindung, obwohl das an sich noch nichts zu bedeuten hatte. Aber dann, im ersten Moment, da er auf der Stra�e in Sheffield an Art herangetreten war, erkannte er, da� er es richtig gemacht hatte. Schon in dem Aussehen des gro�en Mannes hatte eine Eigenschaft gelegen, die Nirgal sofort vertrauenerweckend fand�� eine gewisse Offenheit und l�ssige, freundliche Geschicklichkeit. Um das Vokabular seiner Kindheit zu gebrauchen�� eine �Ausgeglichenheit der beiden Welten�. Ein Mann, dem er vertraute.</p><p>Das Zeichen einer guten Tat ist, da� sie im R�ckblick unvermeidlich scheint. Jetzt, als die langen N�chte ihrer Reise im Schein der Infrarotsichtger�te verstrichen, sprachen die beiden M�nner zueinander, als s�hen sie sich im Infraroten. Ihr Dialog ging immer weiter und weiter, und sie lernten sich kennen�� und wurden Freunde. Nirgals impulsiver Griff zur Erde begann sich auszuwirken. Er konnte sie hier Stunde um Stunde vor sich sehen, einfach in der Miene von Art, der Neugier, dem <emphasis>Interesse.</emphasis></p><p>Sie sprachen �ber alles, so wie Menschen es eben tun. Ihre Vergangenheiten, ihre Ansichten, ihre Hoffnungen. Nirgal brauchte die meiste Zeit, um Zygote und Sabishii zu schildern. �Ich habe einige Jahre in Sabishii verbracht. Die Issei betreiben dort eine offene Universit�t. Es wurden keine Akten gef�hrt. Man besuchte einfach die Kurse, die man wollte, und hatte es mit seinem Lehrer zu tun und sonst niemandem. Sabishii funktioniert gr��tenteils in freiem Stil. Es ist die Hauptstadt der Demimonde wie Tharsis Tholus, nur gr��er. Eine wirklich bedeutende Stadt. Ich habe dort eine Menge Leute vom ganzen Mars kennengelernt.�</p><p>Die Romantik von Sabishii durchzog seinen Kopf: Erinnerungen belebten die Sprache in aller F�lle von Ereignissen und Gef�hlen. Alle individuellen Emotionen jener Zeit, so widerspr�chlich und unvereinbar sie auch sein mochten, wurden noch einmal zugleich in einem gedr�ngten polyphonen Akkord durchlebt.</p><p>�Das mu� wirklich sehr eindrucksvoll gewesen sein, nachdem man an einem Ort wie Zygote aufgewachsen war�, bemerkte Art.</p><p>�O ja, das war es. Es war wundervoll.�</p><p>�Erz�hl mir davon!�</p><p>Nirgal bewegte sich in seinem Sitz nach vorn, erschauerte und versuchte, etwas von dem zu �bermitteln, wie es gewesen war.</p><empty-line/><p>Zuerst war es so fremdartig gewesen. Die Issei hatten Unglaubliches vollbracht. Die Ersten Hundert hatten sich gezankt, gek�mpft, �ber den ganzen Planeten verteilt, einen Krieg angefangen und waren jetzt tot oder versteckt. Die erste Gruppe japanischer Siedler, die zweihundertvierzig, die Sabishii gegr�ndet hatten, gerade sieben Jahre nach dem Eintreffen der Ersten Hundert, waren in der N�he ihres Landeplatzes geblieben und hatten eine Stadt erbaut. Sie hatten alle nachfolgenden Ver�nderungen absorbiert, einschlie�lich der Plazierung eines Moholes dicht neben ihrer Stadt. Sie hatten die Grabungen einfach �bernommen und die Abf�lle als Baumaterial genutzt. Als die dichter werdende Atmosph�re es erm�glichte, hatten sie das umliegende Terrain, das steinig und hoch war, ein keineswegs leichtes Land, zu G�rten gestaltet, bis sie inmitten eines lockeren kleinen Waldes lebten, einem BonsaiKrummholz, mit alpinen T�lern in den Bergen dar�ber. In den Katastrophen von 2061 hatten sie sich nie ger�hrt, galten als neutral und waren von den Transnationalen in Ruhe gelassen worden. In dieser Einsamkeit hatten sie das ausgegrabene Gestein ihres Moholes genommen und daraus lange gewundene H�gel gemacht, die alle von Tunnels und R�umen durchzogen waren, bereit, Leute aus dem S�den aufzunehmen.</p><p>So hatten sie die Demimonde erfunden, die gebildetste und komplizierteste Gesellschaft auf dem Mars, voller Menschen, die sich auf der Stra�e wie Fremde begegneten, aber nachts in R�umen zusammenkamen, um zu reden, zu musizieren und sich zu lieben. Und selbst die nicht zur Unterwelt geh�renden Leute waren interessant, weil die Issei eine Universit�t ins Leben gerufen hatten, die Universit�t des Mars, wo viele Studenten, vielleicht ein Drittel von allen, jung und auf dem Mars geboren waren. Und ob diese jungen Eingeborenen von der Welt der Oberfl�che oder aus dem Untergrund stammten�� sie erkannten einander ohne die geringste Schwierigkeit an, wie Menschen der Heimat in Millionen subtiler Weisen, die keinem Erdgeborenen jemals zug�nglich sein konnten. Und so plauderten sie, machten Musik und schliefen miteinander; und nat�rlich wurde eine ganze Anzahl der Eingeborenen der Oberfl�che so in das Wissen vom Untergrund eingeweiht, bis es so schien, als ob alle Eingeborenen alles w��ten und nat�rliche Verb�ndete w�ren.</p><p>Zu den Professoren geh�rten viele Issei und Nisei von Sabishii, ebenso wie hervorragende Besucher vom ganzen Mars und sogar von der Erde. Die Studenten lebten, studierten und spielten in Stra�en und G�rten und offenen Pavillons, an Teichen und in Cafes und auf den breiten grasbewachsenen Boulevards in einer Art von marsianischem Kyoto.</p><p>Nirgal hatte die Stadt zum ersten Mal bei einem kurzen Besuch mit Cojote gesehen. Er hatte sie zu gro�, zu �berv�lkert und voll zu vieler Fremder gefunden. Aber Monate sp�ter, erm�det von dem Wandern im S�den mit Cojote und die gr��te Zeit so einsam, war ihm der Ort als einzig m�gliches Ziel erschienen. Sabishii!</p><p>Er war dorthin gegangen und in ein Zimmer unter einem Dach gezogen, kleiner als sein Bambusraum in Zygote, kaum gr��er als sein Bett. Er beteiligte sich an Kursen, L�ufen, Calypsobands und Cafegruppen. Er lernte, so viel sein Lektionar fassen konnte. Er stellte fest, wie unglaublich provinziell und ignorant er war. Cojote gab ihm Barren von Wasserstoffperoxid, die er den Issei verkaufte f�r das Geld, welches er brauchte. Jeder Tag war ein Abenteuer, fast ohne Terminplan, blo� etliche Begegnungen von Stunde zu Stunde, immer weiter und weiter, bis er mitunter ersch�pft zusammenbrach. Tags�ber studierte er Areologie und �kologisches Ingenieurwesen. Er gab diesen Disziplinen, die er in Zygote zu erlernen angefangen hatte, einen mathematischen Unterbau. In den �bungsstunden mit Etsa und in dem Werk selbst erkannte er, da� er etwas von der Begabung seiner Mutter geerbt hatte, das Ineinandergreifen aller Komponenten eines Systems deutlich zu sehen. Die Tage waren dieser au�erordentlich faszinierenden Arbeit gewidmet. So viele Menschenleben, die dem Gewinn dieser Masse des Wissens geweiht gewesen waren! So mannigfach waren die Kr�fte, die dieses Wissen ihnen in der Welt gegeben hatte!</p><p>Dann konnte es nachts passieren, da� er bei einem Freund auf den Boden krachte, nachdem er mit einem hundertvierzig Jahre alten Beduinen �ber den Transkaukasischen Krieg gesprochen hatte. Und in der n�chsten Nacht spielte er Ba�-Stahltrommel oder Marimbas bis zum Morgen mit zwanzig anderen unter Kavajava stehenden Lateinamerikanern oder Polynesiern. In der folgenden Nacht lag er mit einer dunkelh�utigen Sch�nheit der Band im Bett. Diese Frauen waren so heiter wie Jackie in h�chster Form und viel weniger kompliziert. Am n�chsten Abend ging er etwa mit Freunden zu einer Auff�hrung von Shakespeares <emphasis>King John</emphasis> und beobachtete das gro�e X, welches der Aufbau des Spiels machte, worin das Gl�ck Johns hoch begann und tief endete, w�hrend das des Bastards unten anfing und oben endete. Zitternd sa� er da und schaute die kritische Szene an, wo sich das X kreuzte, worin John den Tod des jungen Arthurs befiehlt. Danach ging er mit seinen Freunden die ganze Nacht in der Stadt spazieren. Sie redeten �ber das St�ck und was es ihnen �ber das Schicksal gewisser Issei zu sagen h�tte oder die verschiedenen M�chte auf dem Mars oder die Situation Mars/Erde selbst. Und dann, in der Nacht danach, nachdem er mit einigen von ihnen den Tag drau�en verbracht und in seinem Bem�hen, vom Land soviel wie m�glich zu sehen, tiefe Becken ausgekundschaftet hatte, blieben sie vielleicht drau�en und schliefen in einem kleinen Biwakzelt, kampierten in einem der hohen Ringw�lle �stlich der Stadt und w�rmten sich eine Mahlzeit auf, wenn �berall an dem purpurnen Himmel Sterne herauskamen und die alpinen Blumen in der Felswanne verbla�ten, die sie alle umspannte wie eine gigantische Handfl�che.</p><p>Tag um Tag lehrten ihn diese wechselseitigen Beziehungen mit Fremden mindestens ebensoviel wie die Vorlesungen. Nicht, da� Zygote ihn v�llig unwissend gelassen h�tte. Seine Bewohner hatten eine solche Vielfalt menschlichen Verhaltens geboten, da� f�r Nirgal in dieser Hinsicht nicht mehr viele �berraschungen �briggeblieben waren. Er war tats�chlich, wie er zu verstehen anfing, in etwas aufgewachsen, das eine Art Asyl von Exzentrikern war, von Menschen, die durch jene �beraus anstrengenden ersten Jahre auf dem Mars stark gepr�gt waren.</p><p>Aber es gab trotzdem noch einige �berraschungen. Zum Beispiel waren die Eingeborenen aus den n�rdlichen St�dten�� und nicht nur sie, sondern fast jeder, der nicht aus Zygote kam�� viel weniger k�rperlich kontaktfreudig untereinander, als Nirgal gewohnt war. Sie ber�hrten, umarmten und liebkosten sich nicht so sehr, sie schubsten und schlugen sich weniger und badeten nicht zusammen, obwohl manche es in den �ffentlichen B�dern von Sabishii lernten. Daher �berraschte Nirgal diese Leute immer wieder durch seine Eigenart. Er sagte drollige Dinge. Er liebte es, den ganzen Tag zu laufen. Aus welchen Gr�nden auch immer�� als die Monate vergingen und er an endlos zusammenh�ngenden Gruppen, Bands, Zellen und Gangs beteiligt war, wurde ihm bewu�t, da� er irgendwie herausfiel, da� ihm eine Clique von Cafe zu Cafe und von Tag zu Tag folgte. Da� es so etwas gab wie �Nirgals Haufe�. Er lernte rasch, diese Aufmerksamkeit abzuwimmeln, wenn er sie nicht mochte. Aber manchmal gefiel sie ihm doch.</p><p>Das geschah oft, wenn Jackie da war.</p><p>�Schon wieder Jackie!� stellte Art fest. Es war nicht das erste und auch nicht das zehnte Mal, da� sie aufgetaucht war.</p><p>Nirgal nickte und f�hlte seinen Puls rasen.</p><p>Auch Jackie war nach Sabishii gezogen, bald nach Nirgal. Sie hatte ein Zimmer in der N�he genommen und besuchte einige der gleichen Kurse. Und in der fluktuierenden Gruppe ihrer Kommilitonen prahlten sie manchmal voreinander, besonders in der sehr h�ufigen Situation, wenn der eine oder die andere dabei war, jemanden zu verf�hren oder verf�hrt zu werden.</p><p>Aber bald lernten sie, da� sie sich nicht darin tummeln konnten, wenn sie nicht andere Partner vertreiben wollten. Das mochten beide nicht. Also lie�en sie einander in Ruhe, au�er wenn der (die) eine die Partnerwahl des (der) anderen ernsthaft mi�billigte. So beurteilten sie in gewisser Weise die Partner des anderen und fanden sich mit dem Einflu� des anderen ab. Und alles das ohne ein Wort, mit diesem einzigen sichtbaren Zeichen der Macht �ber den anderen. Sie trieben es mit vielen anderen Leuten, machten neue Bekanntschaften und Freundschaften und hatten Aff�ren. Manchmal sahen sie sich wochenlang nicht. Aber dennoch, auf einem tieferen Niveau (Nirgal sch�ttelte ungl�cklich den Kopf, als er das Art klarzumachen suchte) �geh�rten sie einander� wenn einer von ihnen jemals die Bindung best�tigen wollte, antwortete der andere auf die Verf�hrung mit flammender Erregung, und sie explodierten. Das war in den drei Jahren, die sie in Sabishii waren, nur dreimal geschehen; aber Nirgal wu�te aus diesen Begegnungen, da� sie beide verbunden waren�� sicher durch ihre Kindheit und alles, was darin passiert war, aber auch durch noch mehr. Alles, was sie taten, war anders, als wenn sie es mit anderen taten, viel intensiver.</p><p>Unter seinen �brigen Bekanntschaften gab es nichts, das so mit Bedeutung oder Gefahr befrachtet gewesen w�re. Er hatte Freunde�� ein Dutzend, hundert, f�nfhundert. Er sagte immer ja. Er stellte Fragen und h�rte zu und schlief selten. Er ging zu den Versammlungen von f�nfzig verschiedenen politischen Organisationen und stimmte ihnen allen zu. Er verbrachte manche Nacht im Gespr�ch, entschied das Schicksal des Mars und dann der ganzen menschlichen Rasse. Mit manchen Menschen kam er besser aus als mit anderen. Er konnte mit einem Eingeborenen aus dem Norden sprechen und ihn sofort sympathisch finden und eine Freundschaft begr�nden, die ewig dauern w�rde. Das ging oft so. Aber gelegentlich wurde er durch eine Handlung h�chst �berrascht, die sich seinem Verst�ndnis g�nzlich entzog und ihn wieder daran erinnerte, was f�r ein kl�sterliches und sogar klaustrophobes Leben er in seiner Jugend in Zygote gef�hrt hatte, das ihn in mancher Hinsicht so unschuldig lie� wie eine Fee, die unter einem Schneckenhaus erzogen wurde.</p><p>�Nein, es ist nicht Zygote, das mich geformt hat�, sagte er zu Art und schaute sich um, um sich zu vergewissern, da� Cojote wirklich schlief. �Man kann sich seine Kindheit nicht aussuchen. Das geschieht einem einfach. Aber danach kann man eine Wahl treffen. Ich habe mich f�r Sabishii entschieden. Und das hat mich wirklich gemacht.�</p><p>�Vielleicht�, sagte Art und rieb sich das Kinn. �Aber die Kindheit besteht nicht blo� aus diesen Jahren. Es sind auch die Meinungen, die einen danach formen. Das ist der Grund daf�r, da� unsere Kindheit so lange w�hrt.�</p><empty-line/><p>Eines fr�hen Morgens erleuchtete der tief pflaumenblaue Himmel den grandiosen Nordgrat von Acheron im Norden, der wie ein Manhattan aus massivem Fels aufragte, noch nicht in individuelle Wolkenkratzer zerschnitten. Das Canyonland darunter hatte verschiedene Farben und verlieh dem zerkl�fteten Land ein buntes Aussehen. �Das sind eine Menge Flechten�, sagte Cojote. Sax kletterte in den Sitz neben ihm und dr�ckte fast die Nase an die Frontscheibe. Er zeigte so viel Lebhaftigkeit wie �berhaupt seit seiner Rettung.</p><p>Unmittelbar unter dem Gipfel der Acheronrippe war eine Reihe von Spiegelfenstern wie eine Diamantkette, und ganz oben auf dem Grat war ein langer gr�ner Federbusch unter dem fl�chtigen Schimmer eines Zeltes. �Es sieht so aus, als ob es wieder in Besitz genommen worden w�re�, rief Cojote.</p><p>Sax nickte.</p><p>Spencer, der �ber ihre Schultern blickte, sagte: �Ich m�chte wissen, wer da drin ist.�</p><p>�Niemand�, sagte Art. Sie sahen ihn an, und er fuhr fort: �Ich habe bei meiner Einweisung in Sheffield davon geh�rt. Es ist ein Projekt von Praxis. Sie haben es neu gebaut und alles fertig gemacht. Und jetzt warten sie blo�.�</p><p>�Warten auf was?�</p><p>�Eigentlich auf Sax Russell. Auf Taneev, Kohl, Tokareva, Russell�� Er sah Sax an und zuckte fast um Verzeihung bittend die Achseln.</p><p>Sax kr�chzte etwas, das wie ein Wort war.</p><p>�He!� sagte Cojote.</p><p>Sax r�usperte sich und versuchte es noch einmal. Sein Mund sch�rzte sich zu einem kleinen O, und tief aus seiner Kehle kam ein schrecklicher Ton: �W-w-w-w�� Er schaute zu Nirgal hin�ber und tat so, als ob dieser es w��te.</p><p>�Warum?� fragte Nirgal.</p><p>Sax nickte.</p><p>Nirgal f�hlte seine Wangen brennen, als ihm pl�tzlich ein elektrischer Schlag durch die Haut fuhr. Er sprang auf und dr�ckte den kleinen Mann fest an sich. �Du verstehst!�</p><p>�Nun, sie haben das als eine Art von Geste gemacht�, sagte Art. �Es war die Idee von Fort, dem Burschen, der Praxis gegr�ndet hat. Vermutlich hat er den Leuten von Praxis in Sheffield gesagt: Vielleicht werden sie zur�ckkommen. Ich wei� nicht, ob er die praktischen M�glichkeiten bedacht hat oder nicht.�</p><p>�Dieser Fort ist ein sonderbarer Kauz�, sagte Cojote, und Sax nickte wieder.</p><p>�Stimmt�, sagte Art. �Aber ich w�nschte, ihr k�nntet ihn kennenlernen. Er erinnert mich an die Geschichten, die ihr �ber Hiroko erz�hlt.�</p><p>�Wei� er, da� wir hier drau�en sind?� fragte Spencer.</p><p>Nirgals Puls machte einen Sprung, aber Art lie� kein Unbehagen erkennen. �Ich wei� nicht. Er vermutet es. Er w�nscht, da� ihr hier drau�en seid.�</p><p>�Wo lebt er?� fragte Nirgal.</p><p>�Ich wei� es nicht.� Art schilderte seinen Besuch bei Fort. �Ich wei� also nicht genau, wo er ist. Irgendwo auf dem Pazifik. Aber wenn ich ihm eine Mitteilung zukommen lassen k�nnte�� �</p><p>Niemand antwortete.</p><p>�Nun, vielleicht sp�ter�, sagte Art.</p><p>Sax schaute aus der niedrigen Windschutzscheibe des Rovers auf die entfernte Felsrippe, auf die d�nne Linie erleuchteter Fenster, welche die Labors dahinter markierte, leer und still. Cojote langte hin und dr�ckte seinen Nacken. �Du willst es zur�ckhaben, nicht wahr?�</p><p>Sax kr�chzte etwas.</p><empty-line/><p>Auf der leeren Ebene von Amazonis gab es einige Siedlungen jeder Art. Dies war das Hinterland; und sie rollten schnell hindurch nach S�den, Nacht f�r Nacht. Bei Tage schliefen sie in der verdunkelten Kabine des Wagens. Ihr gr��tes Problem war, passende Versteckpl�tze zu finden. Auf flachen freien Ebenen hob sich der Wagen wie ein erratischer Block aus der Eiszeit ab. Und Amazonis war fast ausschlie�lich freies Gel�nde. Gew�hnlich verbargen sie sich in dem Vorfeld aus Tr�mmern um einen der wenigen Krater, an denen sie vorbeikamen. Nach den morgendlichen Mahlzeiten �bte Sax manchmal seine Stimme und kr�chzte unverst�ndliche Worte in dem vergeblichen Bem�hen, sich mit ihnen zu unterhalten. Das regte Nirgal noch mehr auf, als es Sax selbst zu k�mmern schien, der, obwohl deutlich frustriert, keinen Schmerz zu empfinden schien. Aber er hatte nicht versucht, mit Simon in jenen letzten Wochen zu sprechen��</p><p>Cojote und Spencer waren sogar �ber diesen Fortschritt froh, und sie stellten Sax stundenlang Fragen und unterzogen ihn Tests, die sie dem Computerlektionar entnahmen, um herauszufinden, wo das Problem lag. Spencer sagte: �Offenbar Aphasie. Ich f�rchte, da� das Verh�r einen Schlag bewirkt hat. Und manche Schl�ge verursachen das, was man inkoh�rente Aphasie nennt.�</p><p>�Gibt es so etwas wie eine inkoh�rente Aphasie?� fragte Cojote.</p><p>�Offenbar. Inkoh�rent ist, wenn die Person nicht lesen oder schreiben kann und Schwierigkeiten hat zu sprechen oder die richtigen Worte zu finden, sich aber des Problems durchaus bewu�t ist.�</p><p>Sax nickte, als ob er die Beschreibung best�tigen wollte.</p><p>�Bei koh�renter Aphasie sprechen die Leute zwar eloquent, sind sich aber nicht bewu�t, da� das, was sie sagen, sinnlos ist.�</p><p>�Ich kenne eine Menge Menschen, die unter so was leiden�, sagte Art.</p><p>Spencer ignorierte ihn. �Wir m�ssen Sax zu Vlad, Ursula und Michel bringen.�</p><p>�Das tun wir auch.� Cojote dr�ckte Sax den Arm, ehe er sich auf seine Matte zur�ckzog.</p><empty-line/><p>In der f�nften Nacht nach dem Verlassen der Bogdanovisten n�herten sie sich dem �quator und der doppelten Sperre durch das heruntergefallene Kabel des Aufzugs. Cojote war schon fr�her durch dieses Gebiet gezogen und hatte dabei einen Gletscher benutzt, der von einem der Ausbr�che von Wasserreservoirs in Mangala Vallis 2061 gebildet worden war. W�hrend des Aufruhrs waren Wasser und Eis das alte Trockental hundertf�nfzig Kilometer weit hinabgestr�mt, und der Gletscher, der zur�ckblieb, als die Flut gefror, hatte beide Passagen des gefallenen Kabels bei 152� L�nge begraben. Cojote hatte eine Route ausfindig gemacht, die �ber einen ungew�hnlich glatten Streifen dieses Gletschers f�hrte und ihm die Durchfahrt erm�glichte.</p><p>Als sie sich dem Mangala-Gletscher n�herten, einer langen zerknitterten Masse aus mit Kies bedecktem, braunem Eis, stellten sie leider fest, da� sich die Stelle ver�ndert hatte, seit Cojote dort gewesen war. Er fragte dauernd: �Wo ist diese Rampe? Sie war genau hier.�</p><p>Sax kr�chzte und machte dann mit den H�nden knetende Bewegungen, wobei er dauernd durch die Frontscheibe auf den Gletscher blickte.</p><p>Nirgal hatte Schwierigkeiten, die Oberfl�che des Gletschers zu verstehen. Sie zeigte ein Durcheinander von schmutzigem Wei�, Grau, Schwarz und Braun, so vermischt, da� man kaum Gr��e, Gestalt oder Entfernung unterscheiden konnte. Er meinte: �Vielleicht ist es nicht die gleiche Stelle.�</p><p>Cojote sagte: �Ich wei� es.�</p><p>�Bist du sicher?�</p><p>�Ja. Ich habe Markierungen hinterlassen. Sieh, da ist eine. Diese in die seitliche Mor�ne eingesenkte Spur. Aber dahinter sollte eine Auffahrt zu glattem Eis liegen, und es ist nichts als ein Wall aus Eisbergen. Ich benutze diese Route schon seit zehn Jahren.�</p><p>�Du hast Gl�ck gehabt, da� du sie so lange gehabt hast�, sagte Spencer. �Diese Gletscher sind zwar langsamer als die auf der Erde, flie�en aber genauso bergab.�</p><p>Cojote grunzte nur. Sax kr�chzte und klopfte dann an die innere Schleusent�r. Er wollte hinausgehen.</p><p>�Meinetwegen�, brummte Cojote und betrachtete eine Karte auf dem Schirm. �Wir m�ssen den Tag sowieso hier verbringen.�</p><p>Also ging Sax fr�hmorgens �ber das Geschiebe, welches die Passage des Gletschers aufgepfl�gt hatte. Eine kleine aufrechte Kreatur mit einem Licht, das aus ihrem Helm schien, wie ein Tiefseefisch auf der Suche nach Nahrung. Irgend etwas bei dem Anblick machte Nirgal besorgt. Er zog sich an und ging nach drau�en, um dem alten Mann Gesellschaft zu leisten.</p><p>Er wanderte durch den angenehm frischen grauen Morgen, trat von einem Stein auf den anderen und folgte Sax bei seinem gewundenen Kurs durch die Mor�ne. Eine nach der anderen beleuchtete Saxens Stirnlampe gespenstische kleine Welten. Die D�nen waren von dornigen niedrigen Pflanzen durchsetzt, welche Spalten und L�cher unter Steinen f�llten. Alles war grau; aber das Grau der Pflanzen war oliv, khaki oder braun get�nt mit gelegentlichen hellen Flecken. Das waren Bl�ten�� in der Sonne zweifellos farbig, aber jetzt nur hellgrau unter dicken behaarten Bl�ttern schimmernd. �ber sein Interkom h�rte Nirgal, wie Sax sich r�usperte. Die kleine Gestalt zeigte auf einen Felsen. Nirgal hockte sich hin, um ihn zu inspizieren. In Spalten gab es da Gew�chse wie getrocknete Pilze mit schwarzen Punkten auf ihren verschrumpelten H�ten und von etwas gesprenkelt, das wie eine Schicht Salz aussah. Sax kr�chzte, als Nirgal eines ber�hrte, konnte aber nicht sagen, was er wollte. �R-r-r��</p><p>Sie sahen einander an. �Das ist okay�, sagte Nirgal, wieder betroffen durch die Erinnerung an Simon.</p><p>Sie gingen zu einer anderen Stelle mit Bl�ttern. Die Areale, welche Pflanzen trugen, wirkten wie kleine R�ume im Freien, getrennt durch Zonen aus trockenem Gestein und Sand. Sax verbrachte etwa f�nfzehn Minuten in jedem Fellfield und stolperte ungeschickt umher. Es gab viele verschiedene Arten von Pflanzen; und erst nachdem sie etliche Schluchten besucht hatten, begann Nirgal zu erkennen, da� einige immer wieder vorkamen. Keine davon �hnelte den Pflanzen, mit denen er in Zygote aufgewachsen war, noch waren sie wie irgend etwas in den Arboreten von Sabishii. Nur die Pflanzen der ersten Generation, die Flechten, Moose und Gr�ser, sahen durchaus vertraut aus, wie das, was in den hohen Senken �ber Sabishii den Boden bedeckte.</p><p>Sax sprach nicht wieder, aber seine Stirnlampe war wie ein Zeigefinger, und Nirgal richtete seine Stirnlampe oft auf die gleiche Stelle und verdoppelte damit die Beleuchtung. Der Himmel wurde rosa; und es war ihnen, als ob sie sich im Schatten des Planeten bef�nden, obwohl die Sonne genau �ber ihren K�pfen stand.</p><p>Dann sagte Sax: �Dr�!� und richtete seine Lampe auf einen steilen Kieshang, �ber dem ein Geflecht h�lzerner Zweige wuchs, wie ein Netz, das das Ger�ll an Ort und Stelle halten sollte.</p><p>�Dr�!�</p><p>�Dryade�, sagte Nirgal. Er erkannte es.</p><p>Sax nickte emphatisch. Die Steine unter ihren F��en waren mit hellgr�nen Flecken aus Flechten bedeckt. Sax deutete auf einen Fleck und sagte: �Ap-fel. Rot. Karte. Moos.�</p><p>�He�, sagte Nirgal. �Das hast du recht gut gesagt.�</p><p>Das Sonnenlicht warf Schatten �ber den Kieshang. Pl�tzlich wurden die kleinen Bl�ten der Dryade vom Licht hervorgehoben. Die elfenbeinfarbenen Bl�tenbl�tter umspannten goldene Staubgef��e. �Dry-ade�, kr�chzte Sax. Das Licht ihrer Stirnlampen war jetzt nicht mehr zu sehen, und die Bl�ten strahlten in der Farbe des Tageslichts. Nirgal h�rte im Interkom einen Ton und schaute Sax in den Helm. Er sah, da� der alte Mann weinte und ihm Tr�nen die Wangen herunterstr�mten.</p><p>Nirgal br�tete �ber Karten und Fotos der Region. �Ich habe eine Idee�, sagte er zu Cojote. Und in dieser Nacht fuhren sie zum Nicholson-Krater, vierhundert Kilometer nach Westen. Das herunterfallende Kabel h�tte quer �ber diesem gro�en Krater herunterkommen m�ssen, zumindest bei seiner ersten Runde; und Nirgal meinte, da� nahe dem Rand eine Unterbrechung oder L�cke sein k�nnte.</p><p>Als sie dann den niedrigen Berg mit flachem Gipfel hinaufrollten, der die n�rdliche Mor�nenb�schung des Kraters bildete, kamen sie zu dem erodierten Rand und sahen das unheimliche Bild einer schwarzen Linie, die sich in etwa vierzig Kilometern Entfernung quer mitten �ber den Krater hinzog und aussah wie das Artefakt einer l�ngst vergessenen Rasse von Riesen. Cojote begann: �Des Gro�en Mannes���</p><p>�Haarstr�hne�, schlug Spencer vor.</p><p>�Oder schwarze Zahnb�rste�, sagte Art.</p><p>Die innere Wand des Kraters war viel steiler als der �u�ere Vorsprung; es stand aber eine Anzahl von P�ssen zur Wahl. Sie fuhren ohne Schwierigkeiten den verfestigten Hang eines alten Erdrutsches hinunter und �berquerten dann den Kraterboden, wobei sie der Kr�mmung der westlichen inneren Wand folgten. Als sie sich dem Kabel n�herten, sahen sie, da� es aus einer Vertiefung herausragte, die es in den Rand gedr�ckt hatte, und sich elegant zum Kraterboden senkte wie das Tr�gerkabel einer vergrabenen H�ngebr�cke.</p><p>Sie fuhren langsam darunter. Wo es den Rand verlie�, befand es sich fast siebzig Meter �ber dem Kraterboden und ber�hrte ihn erst wieder nach mehr als einem Kilometer. Sie richteten die Kamera des Wagens nach oben und betrachteten gespannt das Bild auf dem Schirm. Aber der schwarze Zylinder zeigte vor den Sternen keine Merkmale, und sie konnten nur dar�ber spekulieren, was der Brand beim Absturz dem Karbon angetan haben k�nnte.</p><p>�Das ist famos�, bemerkte Cojote, als sie einen glatten Hang von durch Windwirkung entstandenen Ablagerungen hinauffuhren, �ber einen anderen Pa� im Rand und dann aus dem Krater hinaus. �Hoffen wir jetzt, da� es einen Weg �ber den n�chsten Pa� gibt.�</p><p>Von der S�dflanke Nicholsons konnten sie viele Kilometer nach S�den blicken, und in halber Entfernung zum Horizont war die schwarze Linie von der zweiten Runde des Kabels. Dieser Teil war viel st�rker aufgeschlagen als der erste, und zwei Streifen von Auswurfmaterial verliefen parallel zum Kabel wie Erdw�lle. Wie es schien, ragte das Kabel nur knapp aus dem Graben heraus, den es in das Gel�nde gedroschen hatte.</p><p>W�hrend sie sich zwischen ausgeworfenen Felsbl�cken hindurchwanden und n�her kamen, sahen sie, da� das Kabel eine zertr�mmerte Masse aus schwarzem Schrott war, ein H�gel aus Karbon, drei bis f�nf Meter h�her als die Ebene ringsum und steil an den Seiten, so da� es nicht m�glich schien, im Felsenwagen dar�berzufahren.</p><p>Aber weiter im Osten war eine Delle in dem Tr�mmerh�gel; und als sie an der Linie entlangfuhren, um das zu erkunden, stellten sie fest, da� ein Meteoriteneinsturz nach dem Fall des Kabels auf den Tr�mmern selbst gelandet war. Er hatte das Kabel zerschmettert und auch das ausgeworfene Material zu beiden Seiten und einen neuen flachen Krater gebildet, der ganz mit schwarzen Kabelfragmenten und gelegentlichen Diamantbruchst�cken, die im Innern des Kabels eine Spirale gebildet hatten, bestreut war. Es war ein unordentlicher Wust von einem Krater ohne definierten Rand, um ihnen den Weg zu versperren. Es sah so aus, als ob es m�glich w�re, eine Route hindurch zu finden.</p><p>�Unglaublich!� sagte Cojote.</p><p>Sax sch�ttelte heftig den Kopf. �Dei� Dei��</p><p>�Phobos�, sagte Nirgal, und Sax nickte.</p><p>�Meinst du?� rief Spencer.</p><p>Sax zuckte die Achseln, aber Spencer und Cojote diskutierten leidenschaftlich diese M�glichkeit. Der Krater war oval, ein sogenannter Badewannenkrater, was den Gedanken eines Aufsturzes unter flachem Winkel st�tzen w�rde. Und w�hrend ein willk�rlicher Meteorit, der das Kabel in den vierzig Jahren seit seinem Sturz getroffen h�tte, ein ungew�hnlicher Zufall gewesen w�re, waren die Fragmente von Phobos g�nzlich in der �quatorzone heruntergekommen. Darum w�re es weniger �berraschend, wenn ein St�ck von ihm das Kabel getroffen h�tte. �Aber immer noch sehr n�tzlich�, bemerkte Cojote, nachdem er sie �ber den kleinen Krater gesteuert und den Wagen nach S�den aus dem Bereich der Ausw�rfe hinausgebracht hatte.</p><p>Sie parkten dicht bei einem der letzten gro�en ausgeschleuderten Brocken, zogen sich an und gingen hinaus, um einen Blick auf die Stelle zu werfen.</p><p>�berall gab es in Brekzien verwandelte Steinklumpen, so da� es nicht deutlich war, welche St�cke des Meteoriten und welche beim Sturz des Kabels herausgerissen worden waren. Aber Spencer verstand sich sehr gut auf das Bestimmen von Mineralien und sammelte mehrere Proben, die er f�r exotische kohlenstoffhaltige Chondrite erkl�rte, sehr �hnlich den St�cken des aufgeprallten Meteoriten. Es w�rde eine chemische Analyse erfordern, um sicher zu sein; aber nachher, wieder im Wagen, betrachtete er sie unter Vergr��erung und erkl�rte sich zuversichtlich, da� es St�cke von Phobos w�ren. �Arkady hat mir, als er zum ersten Male herunterkam, ein St�ck gezeigt, das genauso war.� Sie reichten ein schwarzes St�ck herum, das sehr schwer verbrannt aussah. �Brekzienbildung durch Aufprall hat eine Metamorphose bewirkt�, sagte Spencer und sah sich den Stein genau an, als er wieder zu ihm kam. �Ich nehme an, man m��te es <emphasis>Phobosit</emphasis> nennen.�</p><p>�Auch nicht gerade das seltenste Mineral auf dem Mars�, erkl�rte Cojote.</p><empty-line/><p>S�d�stlich vom Nicholson-Krater liefen die zwei gro�en parallelen Canyons der Medusae Fossae �ber dreihundert Kilometer weit ins Herz der Gebirge des S�dens. Cojote beschlo�, nach East Medusa hinaufzufahren, dem gr��eren der beiden Br�che. �Ich liebe es, durch Canyons zu fahren, wenn ich kann, und zu sehen, ob die W�nde �berh�nge oder H�hlen haben. Auf diese Weise habe ich die meisten meiner Versteckpl�tze gefunden.�</p><p>�Was ist, wenn du auf eine steile B�schung st��t, die quer durch den ganzen Canyon geht?� fragte Nirgal.</p><p>�Ich mache kehrt. Das ist mir schon unerh�rt oft passiert, ohne Zweifel.�</p><p>Also fuhren sie den Rest der Nacht den Canyon hinauf, der, wie sich zeigte, gr��tenteils einen flachen Boden hatte. Als sie in der folgenden Nacht weiter nach S�den gingen, begann der Boden des Canyons anzusteigen in Stufen, die man immer bew�ltigen konnte. Dann erreichten sie ein neues h�heres Niveau des Bodens, und Nirgal, der fuhr, hielt den Wagen an. �Da oben gibt es H�user!�</p><p>Sie alle dr�ngten sich, um durch die Frontscheibe zu blicken. Am Horizont stand schweigend eine Ansammlung kleiner wei�er Geb�ude aus wei�em Stein.</p><p>Nachdem sie diese eine halbe Stunde lang mit den verschiedenen Sichtger�ten untersucht hatten, zuckte Cojote die Achseln. �Keine erkennbare Elektrizit�t oder W�rme. Sieht nicht so aus, als ob dort jemand wohnte. La�t uns einen Blick darauf werfen!�</p><p>Also fuhren sie auf die Gebilde zu und hielten vor einem massiven St�ck der Klippenwand an, das bis auf den Boden gerollt war. Sie stellten fest, da� die Geb�ude frei dastanden, ohne eine Kuppel um sie herum. Sie schienen solide Bl�cke aus wei�lichem Gestein zu sein, wie die <emphasis>caliche blanco</emphasis> im W�stenland n�rdlich von Olympus. Zwischen den Geb�uden standen reglos kleine wei�e Figuren auf wei�en, von wei�en B�umen umgebenen Plazas.</p><p>�Statuen�, sagte Spencer. �Eine Stadt aus Stein!�</p><p>Sax kr�chzte: �Mu�� Muh!�� du! sa!�</p><p>Spencer, Art und Cojote lachten. Sie klopften Sax auf die Schulter, als ob sie ihn in den Boden h�mmern wollten. Dann zogen sie sich alle wieder an und gingen hinaus, um sich genauer umzuschauen.</p><p>Die wei�en W�nde der Geb�ude schimmerten unheimlich im Sternenlicht wie gigantische Reklameplakate. Es waren etwa zwanzig Geb�ude und viele B�ume und etwa hundert Menschen�� und auch einige Dutzend L�wen, die frei unter die Leute verteilt waren. Alles aus wei�em Stein gehauen, den Spencer als Alabaster identifizierte. Die zentrale Plaza schien w�hrend eines aktiven Morgens versteinert worden zu sein. Es gab einen voll besuchten Bauernmarkt und eine um zwei Schach spielende M�nner gescharte Gruppe mit h�fthohen Figuren auf einem gro�en Brett. Die schwarzen Schachfiguren und die schwarzen Quadrate des Schachbretts hoben sich von ihrer Umgebung dramatisch ab. Onyx in einer Welt aus Alabaster.</p><p>Eine andere Gruppe von Statuen schaute einem Jongleur zu, der zu unsichtbaren B�llen aufblickte. Mehrere L�wen beobachteten diese Vorstellung genau, als ob sie bereit w�ren, etwas aus der Luft zu schlagen, falls der Jongleur zu dicht herank�me. Alle Gesichter der Statuen, menschlich oder katzenartig, waren abgerundet und fast ohne Kennzeichen; aber jede dr�ckte irgendeine Haltung aus.</p><p>Spencer sagte �ber Interkom: �Seht euch die kreisf�rmige Anordnung der Geb�ude an! Das ist bogdanovistische Architektur oder etwas �hnliches.�</p><p>�Kein Bogdanovist hat das je mir gegen�ber erw�hnt�, sagte Cojote. �Ich glaube nicht, da� jemand von ihnen einmal in dieser Gegend gewesen ist. Das ist hier ziemlich entlegen.� Er schaute sich um, durch die Visierscheibe war ein Grinsen zu erkennen. �Da mu� jemand allerhand Zeit damit verbracht haben.�</p><p>�Menschen machen seltsame Dinge�, sagte Spencer.</p><p>Nirgal wanderte um die R�nder des Konstrukts herum, ignorierte das Gerede im Interkom und schaute in ein undeutliches Gesicht nach dem anderen und in Toreing�nge aus wei�em Stein und wei�e Steinfenster. Sein Blut wallte. Es war, als ob der Bildhauer den Platz angefertigt h�tte, um zu ihm zu sprechen, um ihn mit seiner Vision zu treffen. Die wei�e Welt seiner Kindheit, die direkt in das Gr�n hinausstieߠ� oder hier drau�en ins Rot�</p><p>Und es war etwas Friedliches an diesem Ort. Nicht einfach die Stille, sondern die wunderbare Entspannung in all diesen Figuren, in der flie�enden Ruhe ihrer Haltungen. So konnte der Mars sein. Kein Sichverstecken mehr, kein Streit mehr. Die Kinder liefen auf dem Markt herum, die L�wen spazierten wie Katzen zwischen ihnen��</p><p>Nach einem ausgedehnten Rundgang durch die Alabasterstadt kehrten sie zum Wagen zur�ck und fuhren weiter. Etwa f�nfzehn Minuten sp�ter entdeckte Nirgal noch eine Statue, nur ein wei�es Basrelief, das aus der Klippe gegen�ber der Stadt auftauchte. �Die Medusa selbst�, sagte Spencer und unterbrach seinen n�chtlichen Trunk. Das basiliskische Starren der Gorgo war direkt zur�ck auf die Stadt gerichtet, und die steinernen Schlangen ihres Haares wanden sich von ihrem Haupt fort und zur�ck zur Klippe, als ob der Fels sie bei ihrem Pferdeschwanz aus Schlangen gepackt h�tte und verhinderte, da� sie v�llig aus dem Planeten herausschwebte.</p><p>�Wundersch�n�, sagte Cojote. �Erinnere dich an dieses Gesicht! Wenn es nicht ein Selbstbildnis des Bildhauers ist, irre ich mich sehr.� Er fuhr weiter, ohne anzuhalten, und Nirgal starrte neugierig auf das steinerne Gesicht. Es schien asiatisch zu sein, obwohl das vielleicht nur daher r�hrte, da� das Schlangenhaar nach hinten gezogen war. Er versuchte, sich die Gesichtsz�ge einzupr�gen in dem Gef�hl, da� es sich um etwas handelte, das er schon wu�te.</p><empty-line/><p>Sie kamen vor der D�mmerung aus dem MedusaCanyon heraus und machten halt, um sich den Tag �ber zu verstecken und ihre n�chste Strecke festzulegen. Jenseits des Burton-Kraters, der vor ihnen lag, durchschnitten die Memnonia Fossae das Land von Osten nach Westen �ber Hunderte von Kilometern und blockierten ihren Weg nach S�den. Sie mu�ten nach Westen ausweichen, auf die Krater Williams und Ejrikson zu, dann wieder nach S�den in Richtung Columbus-Krater und sich danach weiter s�dlich durch eine schmale L�cke in den Sirenum Fossae winden�� und so weiter. Sie vollf�hrten einen st�ndigen Tanz um Krater, Spalten, B�schungen und L�cher herum. Die Gebirge des S�dens waren �u�erst rauh im Vergleich mit den glatten Landschaften des Nordens. Art machte eine Bemerkung �ber diesen Unterschied, und Cojote sagte m�rrisch: �Mensch, das ist ein Planet. Da gibt es alle Arten von Land.�</p><p>Jeden Tag erwachten sie nach einem Wecker, der auf eine Stunde vor Sonnenuntergang gestellt war, und verbrachten das letzte Tageslicht mit dem Verzehr eines d�rftigen Fr�hst�cks und dem Betrachten der grellen Farben des Alpengl�hens, vermischt mit den Schatten �ber der zerkl�fteten Landschaft. Dann fuhren sie jede Nacht, ohne den Autopiloten �berhaupt benutzen zu k�nnen, Kilometer um Kilometer durch das rauhe Terrain. Nirgal und Art �bernahmen meistens zusammen die zweite Nachtschicht und setzten ihre langen Unterhaltungen fort. Wenn dann die Sterne verbla�ten und das reine Violett der Fr�hd�mmerung den Osthimmel f�rbte, suchten sie Stellen, wo der Felswagen unauff�llig sein w�rde�� in dieser Breite das Werk eines Augenblicks, da man nur anzuhalten brauchte, wie Art sagte. Sie nahmen eine gem�tliche Mahlzeit zu sich und betrachteten das grelle Licht des Sonnenaufgangs und die pl�tzlich von ihm geschaffenen gro�en Schattenw�rfe. Einige Stunden sp�ter nach einer Planungsbesprechung und gelegentlichen Ausfl�gen ins Freie verdunkelten sie die Frontscheibe und schliefen den ganzen Tag durch.</p><p>Am Ende eines solchen langen n�chtlichen Gespr�chs �ber ihrer beiden Kindheiten sagte Nirgal: �Ich glaube, da� ich erst in Sabishii von Zygote begriffen habe, da� es� �</p><p>�Ungew�hnlich war?� sagte Cojote von seiner Schlafmatte hinter ihnen. �Einzigartig? Bizarr? Hiroko-�hnlich?�</p><p>Nirgal war nicht �berrascht festzustellen, da� Cojote wach war. Der alte Mann hatte keinen tiefen Schlaf und murmelte oft einen tr�umerischen Kommentar zu den Gespr�chen von Nirgal und Art, den sie im allgemeinen ignorierten, da er meistens gleich wieder einnickte. Aber jetzt sagte Nirgal: �Zygote spiegelt Hiroko wider, denke ich. Sie ist sehr nach innen gekehrt.�</p><p>�Oha�, sagte Cojote. �Das war sie fr�her nicht.�</p><p>�Wann war das?� fuhr Art auf und drehte seinen Sessel, um Cojote in ihren kleinen Gespr�chskreis einzuschlie�en.</p><p>�Ach, noch vor dem Anfang. In pr�historischen Zeiten damals auf der Erde�, sagte Cojote.</p><p>�Hast du sie dort schon kennengelernt?�</p><p>Cojote grunzte bejahend.</p><p>Das war der Punkt, wo er immer abbrach, wenn er mit Nirgal sprach. Aber jetzt hier mit Art, da sie alle drei in der ganzen Welt munter waren in einem kleinen Kreis, der vom Infrarotschirm beleuchtet wurde, zeigte Cojotes entstelltes Gesicht einen anderen Ausdruck als seine gew�hnliche eigensinnige Abweisung; und Art beugte sich zu ihm hin�ber und fragte nachdr�cklich: �Wie bist du �berhaupt zum Mars gekommen?�</p><p>�O Gott!� sagte Cojote, rollte sich zur Seite und st�tzte den Kopf auf eine Hand. �Es ist schwer, sich an etwas zu erinnern, das so lange her ist. Es ist fast wie ein Epos, das ich einmal auswendig gelernt habe, aber nicht mehr aufsagen kann.�</p><p>Er schaute zu ihnen auf und schlo� dann die Augen, als ob er sich die Anfangsverse ins Ged�chtnis riefe. Die beiden j�ngeren M�nner sahen ihn erwartungsvoll an.</p><p>�Das lag nat�rlich alles an Hiroko. Sie und ich waren befreundet. Wir haben uns jung kennengelernt, als wir in Cambridge studierten. Uns beiden war in England kalt, darum haben wir einander gew�rmt. Das war, ehe sie Iwao traf und lange bevor sie die gro�e Mutterg�ttin der Welt wurde. Und wir hatten damals dort vieles gemeinsam. Wir waren in Cambridge Au�enseiter und waren gut bei unserer Arbeit. Und so lebten wir dort einige Jahre zusammen. Ganz �hnlich dem, was Nirgal �ber Sabishii gesagt hat. Sogar dem, was er �ber Jackie sagte. Obwohl Hiroko��</p><p>Er schlo� die Augen, als ob er es mit seinem geistigen Auge zu sehen bem�ht w�re.</p><p>�Seid ihr beisammen geblieben?� fragte Art.</p><p>�Nein. Sie kehrte nach Japan zur�ck, und ich ging f�r einige Zeit mit ihr, mu�te dann aber, als mein Vater starb, wieder nach Tobago gehen. So �nderten sich die Verh�ltnisse. Aber sie und ich blieben in Kontakt. Wir trafen uns bei wissenschaftlichen Kongressen. Dort stritten wir oder versprachen einander, uns ewig zu lieben. Oder beides. Wir wu�ten nicht, was wir wollten. Oder wie wir es bekommen konnten, wenn wir uns eingestanden, was wir wollten. Und dann begann die Auswahl der Ersten Hundert. Aber ich sa� in Trinidad im Gef�ngnis, weil ich gegen die Gesetze der Gef�lligkeitsflaggen protestiert hatte. Aber selbst wenn ich frei gewesen w�re, h�tte ich keine Chance gehabt, ausgew�hlt zu werden. Ich war mir nicht einmal sicher, ob ich �berhaupt gehen wollte. Aber Hiroko erinnerte sich entweder an unsere Gel�bnisse oder dachte, da� ich ihr n�tzlich sein w�rde. Ich bin mir nie dar�ber klar geworden, was von beidem. Also setzte sie sich mit mir in Verbindung und teilte mir mit, da� sie mich, falls ich Lust h�tte, in der Farm der <emphasis>Ares</emphasis> und dann in der Marskolonie verstecken w�rde. Sie hat immer k�hne Ideen gehabt, das mu� ich ihr lassen.�</p><p>�Ist dir dieser Plan nicht verr�ckt vorgekommen?� fragte Art mit gro�en Augen. �O doch!� sagte Cojote lachend. �Aber alle guten Pl�ne sind verr�ckt, nicht wahr? Und wenn ich mich nicht dazu entschlossen h�tte, w�rde ich Hiroko nie wiedergesehen haben.� Er sah mit verschmitztem L�cheln Nirgal an. �Also sagte ich zu. Ich war noch im Gef�ngnis, aber Hiroko hatte in Japan einige ungew�hnliche Freunde; und so wurde ich eines Nachts von drei maskierten M�nnern aus meiner Zelle gef�hrt, w�hrend alle W�rter schliefen. Wir nahmen einen Hubschrauber zu einem Tanker, und ich fuhr darauf nach Japan. Die Japaner bauten damals die Raumstation, welche die Russen und Amerikaner f�r die Montage der <emphasis>Ares</emphasis> brauchten; und ich wurde in einem der neuen Shuttles f�r die Verbindung zwischen Erde und Weltraum hinaufgeflogen und schl�pfte in die <emphasis>Ares,</emphasis> als der Bau gerade beendet war. Sie stopften mich hinein mit Teilen der Ausr�stung, die Hiroko bestellt hatte; und danach war ich mir selbst �berlassen. Von jenem Augenblick an bis jetzt lebte ich von meiner geistigen Wendigkeit! Deshalb war ich manchmal sehr hungrig, bis die <emphasis>Ares</emphasis> startete. Danach k�mmerte sich Hiroko um mich. Und als sie die Crew der Farm ins Vertrauen gezogen hatte, stellte sie mich denen vor, und es war noch einfacher. Schwierig wurde es auf dem Boden in den ersten Wochen nach der Landung. Ich kam herunter in einem Lander, der nur mit der Farmcrew besetzt war, und die Leute halfen mir, in einem Schlie�fach in einem Anh�nger unterzukommen. Hiroko lie� die Gew�chsh�user sehr schnell errichten, haupts�chlich, um mich aus diesem Versteck herauszubringen. So etwa hat sie es mir wenigstens erz�hlt.�</p><p>�Du hast in einem Schrank gelebt?�</p><p>�Einige Monate lang. Das war schlimmer als Gef�ngnis. Aber danach wohnte ich in dem Gew�chshaus und begann mit der Arbeit, indem ich einen Vorrat der Materialien anlegte, die wir f�r uns mitnehmen mu�ten. Iwao hatte gleich zu Beginn den Inhalt etlicher Frachtkisten versteckt. Und nachdem wir einen Rover aus Ersatzteilen gebaut hatten, verbrachte ich die meiste Zeit au�erhalb von Underhill. Ich erkundete das chaotische Terrain, fand einen guten Platz f�r unser geheimes Versteck und schaffte Sachen dorthin. Ich war mehr als jeder andere auf der freien Oberfl�che, sogar mehr als Ann. Als dann die Farm dorthin umgezogen war, pflegte ich einen gro�en Teil meiner Zeit auf eigene Faust zu verbringen. Nur ich und der Gro�e Mann wanderten �ber den Planeten. Ich sage euch, das war wie der Himmel. Nein, nicht Himmel, sondern Mars, Mars pur. Ich glaube, ich habe dabei irgendwie den Kopf verloren. Aber ich liebte es so�� Ich kann gar nicht dar�ber sprechen.�</p><p>�Du mu�t eine Menge Strahlung abbekommen haben.�</p><p>Cojote lachte. �O ja! Zwischen jenen Fahrten und dem Sonnensturm auf der <emphasis>Ares</emphasis> habe ich mehr Rems erwischt als jeder von den Ersten Hundert, au�er vielleicht John. Vielleicht ist es das gewesen. Jedenfalls� ��� er zuckte die Achseln und sah zu Art und Nirgal auf�� �bin ich hier. Der blinde Passagier.�</p><p>�Erstaunlich!� sagte Art.</p><p>Nirgal nickte. Er hatte seinen Vater nie dazu gebracht, auch nur ein Zehntel soviel Informationen �ber seine Vergangenheit preiszugeben; und jetzt schaute er von Art zu Cojote und wieder zur�ck und fragte sich, wie Art das geschafft hatte. Und auch f�r ihn; denn Nirgal hatte versucht, nicht nur das zu erz�hlen, was ihm geschehen war, sondern auch, was es bedeutet hatte. Und das war viel schwieriger. Offenbar war das ein besonderes Talent, das Art besa�, obwohl es sich sehr schwer festlegen lie�. Vielleicht war es irgendwie seine Miene, das nach innen schielende Interesse, seine n�chternen k�hnen Fragen, die auf Nettigkeiten verzichteten und direkt in das Wesen der Dinge zielten�� die Annahme, da� ein jeder sprechen und den Sinn seines Lebens ausdr�cken m�chte. Selbst wortkarge alte Einsiedler wie Cojote.</p><p>�Nun, so hart war es gar nicht�, fuhr Cojote fort. �Sich zu verbergen ist nie so schwierig, wie die Leute meinen. Das m��t ihr verstehen. Der schwierige Teil ist zu handeln, w�hrend man sich verbirgt.�</p><p>Bei diesem Gedanken runzelte er die Stirn und zeigte dann mit dem Finger auf Nirgal. �Das ist es, weshalb wir gelegentlich herauskommen und offen k�mpfen m�ssen. Das ist es, weshalb ich daf�r gesorgt habe, da� du nach Sabishii gegangen bist.�</p><p>�Was? Du hast mir gesagt, ich sollte nicht gehen!�� Du hast gesagt, es w�rde mich ruinieren!�</p><p>�Genau! Und so habe ich dich dazu gebracht, da� du gingst.�</p><p>Sie behielten diese n�chtlichen Gespr�che �ber den gr��eren Teil einer Woche bei. Als diese vorbei war, n�herten sie sich einer kleinen bewohnten Region, die das Mohole umgab, welches in der Mitte der Krater Hipparchus, Eudoxus, Ptolem�us und Li Fan gegraben worden war. Auf den Ausl�ufern dieser Krater gab es einige Uranminen; aber Cojote hatte keine Sabotageversuche mehr vor, und sie fuhren dicht an dem Ptolem�usmohole vorbei und entfernten sich so schnell wie m�glich aus der Gegend. Bald kamen sie zu den Thaumasia Fossae, dem f�nften oder sechsten gro�en Bruchsystem, das ihnen auf ihrer Reise begegnet war. Art fand es bemerkenswert, aber Spencer erkl�rte ihm, da� der Tharsis-Buckel von Bruchsystemen umgeben war, die seine Erhebung verursacht hatten. Und da sie den Buckel praktisch umrundeten, m��ten sie st�ndig darauf sto�en. Thaumasia war eines der gr��ten dieser Systeme. Und hier befand sich die gro�e Stadt Senzeni Na, die nahe einem anderen der Moholes auf 40� s�dlicher Breite gegr�ndet worden war, einem der ersten, die man gegraben hatte, und das immer noch eines der tiefsten war. Sie waren �ber zwei Wochen zu diesem Punkt unterwegs gewesen und mu�ten sich bei einem der Verstecke Cojotes neu versorgen.</p><p>Sie fuhren in den S�den von Senzeni Na und wanden sich gegen Morgen zwischen alten steinigen H�geln hindurch. Als sie aber von einer niedrigen gebrochenen B�schung zu dem unteren Ende eines Erdrutsches kamen, fing Cojote an zu fluchen. Der Boden war gezeichnet von Roverspuren und einem Haufen zertr�mmerter Gaszylinder, Nahrungskisten und Treibstoffbeh�lter.</p><p>Sie starrten das Bild an. �Dein Versteck?� fragte Art und rief damit eine neue Flut von Verw�nschungen hervor.</p><p>�Wer war das?� fragte Art. �Polizei?�</p><p>Keiner antwortete sofort. Sax ging zu einem Fahrersitz, um die Treibstoffanzeigen zu pr�fen. Cojote fluchte w�tend immer weiter und lie� sich in den anderen Fahrersitz fallen. Schlie�lich sagte er zu Art: �Das war keine Polizei. Au�er sie h�tten angefangen, Vishniac-Rover zu benutzen. Nein. Diese Diebe kamen aus dem Untergund, verdammt sollen sie sein! Wahrscheinlich ein Haufen, der in Argyre seine Basis hat. Ich kann mir sonst niemanden vorstellen, der das tun w�rde. Aber diese Bande wei�, wo sich einige meiner alten Verstecke befanden, und sie sind mir spinnefeind, seit ich eine Bergwerkssiedlung in den Charitums sabotiert habe, weil die danach geschlossen wurde und sie damit ihre Hauptversorgungsquelle verloren.�</p><p>�Ihr solltet versuchen, auf der gleichen Seite zu bleiben�, sagte Art.</p><p>�Halt�s Maul!� fauchte ihn Cojote an.</p><p>Dann startete Cojote den Felsenwagen und fuhr weg. Er sagte bitter: �Es ist immer dieselbe alte Geschichte. Der Widerstand f�ngt an, sich selbst zu bek�mpfen, weil das der einzige Gegner ist, den er schlagen kann. Passiert immerzu. Man kann keine Bewegung gr��er als f�nf Personen machen, ohne mindestens einen verdammten Idioten mit dabei zu haben.�</p><p>In diesem Stil machte er noch einige Zeit weiter. Endlich klopfte Sax auf eine Treibstoffuhr, und Cojote knurrte: �Ich wei�!�</p><p>Es war taghell, und er hielt in einer Schlucht zwischen zwei alten H�geln an. Sie verdunkelten die Fenster und lagen im Finstern auf ihren schmalen Matratzen.</p><p>�Wie viele Untergrundgruppen gibt es?� fragte Art.</p><p>�Das wei� niemand�, sagte Cojote.</p><p>�Du machst Witze!�</p><p>Nirgal antwortete, ehe Cojote wieder anfing. �In der s�dlichen Hemisph�re sind es ungef�hr vierzig. Und einige seit langem bestehende Meinungsverschiedenheiten zwischen ihnen werden gef�hrlich. Es gibt hier drau�en einige harte Gruppen. Radikale Rote, Schnellingsche Splittergruppen, Fundamentalisten verschiedener Pr�gung�� Das macht �rger.�</p><p>�Aber arbeitet ihr nicht alle f�r die gleiche Sache?�</p><p>�Ich wei� nicht.� Nirgal erinnerte sich an n�chtelange Diskussionen in Sabishii, die manchmal recht heftig wurden, unter Studenten, die eigentlich Freunde waren. �Vielleicht nicht.�</p><p>�Aber habt ihr das nicht gr�ndlich besprochen?�</p><p>�Nein, nicht offiziell.�</p><p>Art machte ein erstauntes Gesicht und sagte: �Das solltet ihr aber tun.�</p><p>�Was tun?� fragte Nirgal.</p><p>�Ihr solltet ein gemeinsames Treffen aller Untergrundgruppen veranstalten und sehen, ob ihr euch dar�ber einig seid, was ihr alle zu tun versucht. Wie man Streitfragen kl�rt und dergleichen.�</p><p>Au�er einem skeptischen Brummen von Cojote gab es hierauf keine Antwort. Nach langer Zeit sagte Nirgal: �Ich habe den Eindruck, da� manche dieser Gruppen Gametes �berdr�ssig sind, weil die Ersten Hundert darin sind. Niemand m�chte irgendeine Autonomie gegen�ber etwas aufgeben, das schon als das m�chtigste Sanktuarium angesehen wird.�</p><p>�Aber sie k�nnten bei einer Versammlung daran arbeiten�, sagte Art. �Das w�re ein Teil von deren Zweck. Unter anderem. Ihr alle m��t zusammenarbeiten, besonders wenn die transnationale Polizei aktiver wird nach dem, was sie aus Sax herausgeholt haben.�</p><p>Sax nickte dazu. Der Rest erwog es schweigend. Irgendwann w�hrend des Nachdenkens fing Art an zu schnarchen. Aber Nirgal blieb noch stundenlang wach und �berlegte.</p><p>Sie n�herten sich Senzeni Na in einiger Bedr�ngnis. Ihre Nahrungsvorr�te reichten aus, wenn sie sie rationierten; und die Wiederaufbereitung von Wasser und Gasen des Wagens war so leistungsf�hig, da� nur wenig verlorenging. Aber es fehlte einfach Treibstoff f�r den Wagen. Cojote sagte: �Wir brauchen etwa f�nfzig Kilo Wasserstoffperoxid.�</p><p>Er fuhr zum Rand des gr��ten Canyons von Thaumasia hinauf. Dort in der gegen�berliegenden Wand lag Senzeni Na hinter gro�en Glasscheiben, die Arkaden alle voller hoher B�ume. Der Boden des Canyons davor war bedeckt mit Gehr�hren, kleinen Kuppeln, dem gro�en Fabrikkomplex des Moholes und dem Mohole selbst, welches ein riesiges schwarzes Loch am S�dende des Komplexes bildete, und der Schutthalde, die im Canyon weit nach Norden hinaufreichte. Dies galt als das tiefste Mohole auf dem Mars, so tief, da� das Gestein auf dem Grund etwas plastisch wurde. Es �matschte sich��� wie Cojote es ausdr�ckte�� achtzehn Kilometer tief hinein, wobei die Lithosph�re in diesem Gebiet ungef�hr f�nfundzwanzig Kilometer stark war.</p><p>Der Betrieb des Moholes lief fast v�llig automatisch, und die Mehrheit der Stadtbev�lkerung n�herte sich ihm fast nie. Und viele der Robotlastwagen, die Gestein aus dem Loch heraufschafften, arbeiteten mit Wasserstoffperoxid als Treibstoff. Darum w�rden die Lagerh�user unten auf dem Canyonboden das haben, was sie ben�tigten. Und die Sicherheitsorgane dort stammten noch aus der Zeit vor den Unruhen und waren zum Teil von Boone organisiert. Darum d�rften sie Cojotes Methoden nur k�mmerlichen Widerstand leisten k�nnen, zumal da er in seinem Computer alle alten Programme von John besa�.</p><p>Der Canyon war aber au�ergew�hnlich lang, und der beste Weg f�r Cojote, auf den Canyonboden hinunterzukommen, war eine Kletterpiste, die etwa zehn Kilometer vom Mohole entfernt war.</p><p>�Das ist fein�, sagte Nirgal. �Ich werde es zu Fu� schaffen.�</p><p>�F�nfzig Kilo?� meinte Cojote.</p><p>�Ich werde mit ihm gehen�, sagte Art. �Ich bin wahrscheinlich keiner mystischen Levitation f�hig, kann aber laufen.�</p><p>Cojote dachte dar�ber nach und nickte. �Ich werde euch die Klippe hinunterbringen.�</p><p>Das tat er, und w�hrend des Zeitrutsches brachen Nirgal und Art auf mit leeren Rucks�cken �ber ihren Lufttanks und liefen locker �ber den glatten Boden des Canyons n�rdlich von Senzeni Na. Nirgal hatte den Eindruck, da� es eine leichte Unternehmung sein w�rde. Sie kamen ohne Probleme zu dem Moholekomplex. Das Sternenlicht wurde hier verst�rkt durch das diffuse Licht der Stadt, das aus dem Glas drang und an der gegen�berliegenden Wand reflektiert wurde. Cojotes Programm f�hrte sie so schnell durch eine Garagenschleuse und in den Bereich des Lagerhauses, als ob sie jedes Recht h�tten, dort zu sein, und ohne ein Anzeichen, da� sie Alarm ausgel�st h�tten. Als sie aber im Lagerhaus selbst drin waren und kleine Beh�lter mit Wasserstoffperoxid in ihre Rucks�cke stopften, gingen pl�tzlich alle Lichter an, und T�ren von Notausg�ngen schlossen sich.</p><p>Art rannte sofort zu der der T�r gegen�berliegenden Wand, brachte eine Ladung an und ging zur Seite. Die Ladung explodierte mit lautem Knall und sprengte ein betr�chtliches Loch in die d�nne Wand des Lagerhauses. Schon waren beide drau�en und schlichen sich zwischen riesigen Schleppseilen zur Au�enwand. Aus der Schleuse des Gehrohres liefen Gestalten in Schutzanz�gen von der Stadt heraus; und die beiden Eindringlinge mu�ten sich hinter eine Schleppleine ducken, die so gro� war, da� sie in dem Spalt zwischen zwei einzelnen Traktorkabeln stehen konnten. Nirgal f�hlte, wie sein Herz gegen das Metall pochte. Die Gestalten drangen ins Lagerhaus ein, und Art rannte heraus und brachte eine weitere Ladung an. Deren Lichtblitz blendete Nirgal, und er kroch durch das Loch im Zaun und rannte los, ohne etwas zu sehen und ohne die drei�ig Kilo der Treibstoffbeh�lter zu sp�ren, die auf seinem R�cken h�pften und ihm die Lufttanks ins Kreuz stie�en. Art war wieder vor ihm, bei der Marsgravitation schlimm au�er Kontrolle. Aber dennoch rannte er in gro�en hohen Spr�ngen vorw�rts. Nirgal mu�te fast lachen, als er es schaffte, ihn einzuholen. Er fand seinen Rhythmus, und als er kurz vor ihm war, zeigte er durch sein Beispiel, wie er seine Arme richtig gebrauchen m��te�� in einer Art von Schwimmbewegung anstelle des schnellen Pumpens, das Art so oft aus dem Gleichgewicht brachte. Trotz der Dunkelheit und ihrem Tempo schien es Nirgal, da� Art allm�hlich langsamer w�rde.</p><p>Und sie liefen dahin. Nirgal �bernahm die F�hrung und versuchte, die sauberste Route �ber den Canyonboden zu finden, die am wenigsten mit Steinen bestreut war. Das Licht der Sterne erschien mehr als ausreichend, ihren Weg zu erhellen. Art stampfte zu seiner Rechten voran und dr�ngte ihn zur Eile. Es wurde fast ein Wettrennen, und Nirgal lief viel schneller, als er es von sich aus oder unter normalen Verh�ltnissen getan h�tte. So war ein gro�er Teil davon Rhythmus, W�rme und deren Abgabe aus dem Rumpf in die Haut und dann den Schutzanzug. Es war �berraschend zu sehen, wie Art mit ihm Schritt hielt, ohne den Vorteil irgendeiner Ausbildung. Er war ein kr�ftiger Kerl.</p><p>Sie liefen fast an Cojote vorbei, der hinter einem Felsen hervortrat und sie so erschreckte, da� es sie wie Kegel umhaute. Dann erklommen sie gemeinsam die steinige Piste, die er auf der Wand der Klippe markiert hatte, und befanden sich auf dem Rand wieder unter der Kuppel voller Sterne. Die hellen Lichter von Senzeni Na waren wie ein Raumschiff, das in die gegen�berliegende Klippe getaucht war.</p><p>Zur�ck im Felsenwagen schnappte Art nach Luft, noch au�er Atem von dem Lauf durch den Canyon. Er sagte zu Nirgal: �Du mu�t mir�� dieses <emphasis>lung-gom</emphasis> beibringen. Mein Gott, l�ufst du schnell!�</p><p>�Nun, du auch. Ich wei� nicht, wie du das machst.�</p><p>�Angst.� Er sch�ttelte den Kopf und sog die Luft ein. �So etwas ist gef�hrlich�, beklagte er sich bei Cojote.</p><p>Cojote erwiderte heftig: �Es war nicht meine Idee. Wenn diese Schufte nicht meine Vorr�te gestohlen h�tten, h�tten wir das nicht tun m�ssen.�</p><p>�Nun ja, aber du leistest dir doch die ganze Zeit solche St�cke, nicht wahr? Und das ist gef�hrlich. Ich meine, du solltest etwas anderes machen als Sabotage im Hinterland. Etwas, das zum System pa�t.�</p><empty-line/><p>Es stellte sich heraus, da� f�nfzig Kilo das absolute Minimum waren, welches sie brauchten, um nach Hause zu kommen. Darum krochen sie dahin nach Abschaltung aller nicht lebensnotwendigen Systeme. Darum war das Innere des Wagens dunkel und recht kalt. Drau�en war es auch kalt. Wegen der l�nger werdenden N�chte des fr�hen s�dlichen Winters erschien Reif auf dem Boden, und es gab Schneetreiben. Salzkristalle in dem Gest�ber dienten als Keime f�r Eisflocken, die so dick wie Eisblumen wurden. Zwischen diesen wei�en Kristallfeldern, die im Sternenlicht matt schimmerten, navigierten sie, bis diese zu einer gro�en Decke von Schnee, Rauhreif und Eisblumen verschmolzen. Sie fuhren langsam dar�ber hin, bis eines Nachts das Wasserstoffperoxid zu Ende ging. Art sagte: �Wir h�tten mehr holen sollen.�</p><p>�Halt den Mund!� knurrte Cojote.</p><p>Sie fuhren weiter mit Batteriekraft, die nicht lange vorhalten w�rde. Im Dunkel des unbeleuchteten Wagens war das von der wei�en Welt drau�en kommende Licht gespenstisch. Keiner von ihnen sagte etwas, au�er um wichtige Punkte des Fahrens zu besprechen. Cojote war zuversichtlich, da� die Batterien sie weit genug bis nach Hause bringen w�rden. Und wenn etwas schiefgehen sollte, wenn eines der von Eis blockierten R�der mit seiner Achse steckenbleiben w�rde, h�tten sie es mit Gehen versuchen m�ssen, dachte Nirgal. Laufen. Aber Spencer und Sax w�rden nicht weit laufen k�nnen.</p><p>In der sechsten Nacht nach dem �berfall auf Senzeni Na aber wurde gegen Ende des Zeitrutsches der frostige Boden vor ihnen zu einer rein wei�en Linie, die am Horizont dicker wurde und sich dann von ihm l�ste. Wei�e Klippen der S�dpolkappe. Art sagte ginsend: �Das sieht wie eine Hochzeitstorte aus.�</p><p>Sie hatten die Batteriekraft fast ganz ersch�pft, so da� der Wagen langsamer zu werden anfing. Aber Gamete lag nur ein paar Kilometer im Uhrzeigersinn um die Polkappe entfernt. Und so lenkte Cojote den Wagen kurz nach Tagesanbruch in die au�erhalb liegende Garage im Nadia-Komplex am Kraterrand. Das letzte St�ck marschierten sie. Frischer Reif knirschte unter ihren F��en im Morgenlicht mit seinen langen Schatten unter dem gro�en wei�en �berhang von Trockeneis.</p><p>Gamete gab Nirgal das gleiche Gef�hl wie immer, n�mlich da� er versuchen w�rde, sich Kleider anzuziehen, die viel zu klein waren. Aber diesmal war Art bei ihm, und so war der Besuch dadurch interessant, da� er einem neuen Freund sein altes Heim zeigte. Jeden Tag f�hrte Nirgal ihn herum, erkl�rte Besonderheiten des Platzes und machte ihn mit Leuten bekannt. Wenn er den Wandel von Mienen beobachtete, die in Arts Gesicht offen zum Ausdruck kamen, von Erstaunen bis hin zu Unglauben, so empfand er das als wirklich eigenartig. Die wei�e Eiskuppel, die Winde, Nebel, V�gel, der Teich, das stets unter Frost stehende Dorf, seltsam ohne Schatten, seine wei�blauen Geb�ude, die von der Sichel aus Bambusbaumh�usern umrahmt wurden�� Es war ein ungew�hnlicher Ort. Und Art fand s�mtliche Issei ebenso erstaunlich. Er sch�ttelte ihnen die H�nde und sagte: �Ich habe euch im Video gesehen und freue mich sehr, euch kennenzulernen.� Nachdem er Vlad und Ursula, Marina und Iwao vorgestellt worden war, bemerkte er leise zu Nirgal: �Das ist wie ein Wachsfigurenkabinett.�</p><p>Nirgal brachte ihn zu Hiroko hinunter; und sie war wie �blich freundlich und distanziert. Sie behandelte Art mit etwa der gleichen Herzlichkeit, die sie Nirgal zukommen lie�. Mutterg�ttin der Welt� Sie waren in ihren Labors; und da sie sich von ihr irgendwie beunruhigt f�hlten, f�hrte Nirgal Art zu den Ektogentanks und erkl�rte, um was es sich handelte. Art machte ganz runde Augen, wenn er �berrascht war, und jetzt waren sie wie wei�blaue Kugeln. �Die sehen aus wie K�hlschr�nke�, sagte und starrte Nirgal an. �War es einsam?�</p><p>Nirgal zuckte die Achseln und schaute nach unten auf die kleinen klaren Fenster wie Bullaugen. Einstmals hatte er darin geschwommen, tr�umend und strampelnd�� Es war schwer, sich die Vergangenheit vorzustellen, und schwer, an sie zu glauben. Milliarden von Jahren lang hatte er nicht existiert. Und dann eines Tages, in diesem kleinen schwarzen Kasten� eine pl�tzliche Erscheinung, Gr�n im Wei�, Wei� im Gr�n.</p><p>�Es ist hier so kalt�, bemerkte Art, als sie wieder hinausgingen. Er trug einen gro�en geliehenen Mantel mit Textilfutter und hatte die Kapuze �ber den Kopf gezogen.</p><p>�Wir m�ssen eine Schicht aus Wassereis aufrechterhalten, die das Trockeneis bedeckt. So bleibt die Luft gut. Darum ist sie immer ein wenig unter dem Gefrierpunkt, aber nicht viel. Mir selbst gef�llt es. Ich halte es f�r die beste Temperatur von allen.�</p><p>�Kindheit.�</p><p>�Allerdings.�</p><empty-line/><p>Sie besuchten Sax jeden Tag, und er kr�chzte dann zum Gru� �Hallo!� oder �Lebt wohl!� und versuchte sein Bestes, um zu sprechen. Michel arbeitete jeden Tag stundenlang mit ihm. Er sagte ihnen: �Es ist entschieden Aphasie. Vlad und Ursula haben ihn gescannt; der Schaden steckt im linken vorderen Sprachzentrum. Er hat M�he, das Wort zu finden, und denkt manchmal, da� er es erwischt hat. Aber was herauskommt, sind synonyme, antonyme oder tabuisierte W�rter. Ihr solltet h�ren, wie er sagen kann: <emphasis>�Schlimme Resultates</emphasis> Es ist f�r ihn frustrierend, aber die Verbesserung gegen�ber seiner speziellen Versehrtheit ist oft gut. Allerdings langsam. Es ist im Grunde so, da� andere Teile des Gehirns lernen m�ssen, die Funktionen des gesch�digten Teils zu �bernehmen. So�� arbeiten wir daran. Es ist h�bsch, wenn es gut vorangeht. Und es k�nnte nat�rlich schlimmer sein.�</p><p>Sax, der sie w�hrenddessen angeschaut hatte, nickte seltsam und sagte: �Ich will lehren. <emphasis>Sprechen.�</emphasis></p><empty-line/><p>Von allen Leuten in Gamete, mit denen Nirgal Art bekannt machte, kam dieser am besten mit Nadia zurecht. Sie waren zu Nirgals �berraschung sofort voneinander angezogen. Aber er freute sich dar�ber und sah seine alte Lehrerin z�rtlich an, als sie in Beantwortung des Schwalls von Arts Fragen ihrerseits ein Gest�ndnis ablegte. Ihr Gesicht wirkte sehr alt im Vergleich zu ihren auffallenden hellbraunen Augen mit den gr�nen Flecken um die Pupillen�� Augen, die freundliches Interesse und Intelligenz ausstrahlten und Belustigung �ber Arts Fragen.</p><p>Am Ende verbrachten sie drei Stunden miteinander in Nirgals Zimmer. Sie plauderten und schauten auf das Dorf hinunter oder durch die �u�eren Fenster zum Teich. Art ging in dem kleinen Zylinder zwischen T�r und Fenstern hin und her und betastete die Einschnitte in dem gl�nzenden gr�nen Holz. �Nennt ihr das Holz?� fragte er mit Blick auf den Bambus. Nadia lachte und sagte: �Ich nenne es Holz. Es ist Hirokos Idee, in diesen Dingern zu leben. Und die ist gut. Gute Isolation, unglaubliche Festigkeit, keine Zimmermannsarbeit au�er Installation von T�r und Fenstern�� �</p><p>�Ich vermute, diesen Bambus h�ttest du gern in Underhill gehabt, nicht wahr?�</p><p>�Die R�ume waren dort zu klein. Vielleicht in den Arkaden. Im �brigen ist diese Spezies erst k�rzlich entwickelt worden.�</p><p>Sie richtete jetzt Fragen an ihn und stellte dutzendweise Erkundigungen �ber die Erde an. Was benutzten sie jetzt als Baumaterial f�r H�user? W�rden sie Fusionsenergie kommerziell verwenden? War die UN durch den Krieg von �61 unwiederbringlich gesch�digt? W�rden sie versuchen, einen Raumaufzug f�r die Erde zu bauen? Wieviel Prozent der Bev�lkerung haben Altersbehandlung bekommen? Welche der gro�en Transnationalen waren am m�chtigsten? K�mpften sie unter sich um die Vorherrschaft?</p><p>Art beantwortete diese Fragen so ausf�hrlich er konnte; und obwohl er wegen der Unzul�nglichkeit seiner Antworten den Kopf sch�ttelte, lernte Nirgal f�r sich daraus eine Menge, und Nadia schien dasselbe zu empfinden. Und beide mu�ten recht oft lachen. Als Art seinerseits Nadia Fragen stellte, waren ihre Antworten freundlich, aber sehr unterschiedlich in ihrer Ausf�hrlichkeit. Wenn sie �ber ihre laufenden Projekte sprach, ging sie ins Detail. Sie freute sich, die Dutzende von Bauvorhaben zu beschreiben, an denen sie in der S�dhemisph�re arbeitete. Wenn er ihr aber in seiner k�hnen, direkten Art Fragen stellte nach den fr�hen Jahren in Underhill, zuckte sie gew�hnlich blo� die Achseln, selbst wenn er sich nach Details der Bauten erkundigte. Sie sagte meistens: �Ich kann mich wirklich nicht sehr gut erinnern.�</p><p>�Na, mach schon!�</p><p>�Nein, das ist die Wahrheit. Das ist wirklich ein Problem. Wie alt bist du?�</p><p>�F�nfzig. Oder einundf�nfzig, sch�tze ich. Ich habe das Datum nicht verfolgt.�</p><p>�Nun, ich bin einhundertzwanzig. Mach kein so entsetztes Gesicht! Mit den Behandlungen ist das gar nicht so alt�� du wirst sehen! Ich habe gerade erst vor zwei Jahren die Behandlung wiederholt und bin nicht gerade wie ein Teenager, f�hle mich aber recht gut. Sogar sehr gut. Aber ich denke, das Ged�chtnis ist das schwache Glied. Es k�nnte sein, da� das Gehirn nicht so viel fa�t. Oder vielleicht versuche ich es auch blo� nicht. Aber ich bin nicht der einzige Mensch mit diesem Problem. Maya geht es noch schlimmer als mir. Und jeder in meinem Alter beklagt sich dar�ber. Vlad und Ursula werden besorgt. Ich bin �berrascht, da� sie damals, als sie die Behandlungen entwickelten, nicht daran gedacht haben.�</p><p>�Vielleicht haben sie es danach vergessen.�</p><p>Wohl zu ihrer eigenen �berraschung mu�te sie lachen.</p><p>Sp�ter beim Essen, als sie wieder �ber ihre Baupl�ne gesprochen hatten, sagte Art ihr: �Du solltest wirklich versuchen, eine Zusammenkunft all dieser Untergrundgruppen zustande zu bringen.�</p><p>Maya sa� an ihrem Tisch und sah Art so mi�trauisch an wie schon in Echus Chasma. �Das ist nicht m�glich�, erkl�rte sie. Sie sah viel besser aus als damals, als sie sich getrennt hatten, dachte Nirgal�� ausgeruht, gro�, geschmeidig, grazi�s, strahlend. Sie schien die Schuld des Mordes abgesch�ttelt zu haben wie einen Mantel, den sie nicht mochte.</p><p>�Warum nicht?� fragte Art sie. �Ihr h�ttet es sehr viel besser, wenn ihr auf der Oberfl�che leben k�nntet.�</p><p>�Das ist klar. Und wir k�nnten in die Demimonde einziehen, wenn das so einfach w�re. Aber auf der Oberfl�che und im Orbit gibt es eine gro�e Polizeitruppe; und das letztemal, als sie uns gesehen haben, versuchten sie, uns so schnell wie m�glich zu t�ten. Und die Art, wie sie Sax behandelt haben, gibt mir keine Zuversicht, da� sich die Dinge gewandelt haben.�</p><p>�Das sage ich auch nicht. Aber ich denke, da� es Dinge gibt, die du tun k�nntest, um ihnen wirksamer entgegenzutreten. Zum Beispiel sich zusammenzuschlie�en und einen Plan zu machen. Kontakt mit Organisationen an der Oberfl�che aufnehmen, die euch helfen w�rden. So etwas.�</p><p>�Wir haben solche Kontakte�, sagte Maya k�hl. Aber Nadia nickte. Und in Nirgals Kopf tobten Bilder seiner Jahre in Sabishii. Ein Treffen des Untergrunds��</p><p>�Die von Sabishii w�rden bestimmt kommen�, sagte er. �Sie machen schon die ganze Zeit solche Sachen. Das ist eben praktisch die Demimonde.�</p><p>�Du solltest auch daran denken, Verbindung mit Praxis aufzunehmen�, sagte Art. �Mein fr�herer Chef William Fort w�rde an einer solchen Zusammenkunft sehr interessiert sein. Und alle Mitglieder von Praxis sind mit Neuerungen besch�ftigt, die dir gefallen w�rden.�</p><p>�Dein<emphasis>fr�herer</emphasis> Chef?� sagte Maya.</p><p>�Gewi߫, sagte Art mit leichtem L�cheln. �Jetzt bin ich mein eigener Chef.�</p><p>�Ich denke, da� du eher unser Gefangener bist�, erkl�rte Maya scharf.</p><p>�Wenn du von Anarchisten gefangen bist, ist es dasselbe, nicht wahr?�</p><p>Nadia und Nirgal lachten, aber Maya machte ein brummiges Gesicht und wandte sich ab.</p><p>�Ich meine, ein Meeting w�re eine gute Idee�, sagte Nadia. �Wir haben Cojote zu lange allein das Netzwerk betreiben lassen.�</p><p>�Das habe ich geh�rt!� rief Cojote vom n�chsten Tisch.</p><p>�Gef�llt dir diese Idee nicht?� fragte ihn Nadia.</p><p>Cojote zuckte die Achseln. �Wir m�ssen etwas tun, das ist ohne Zweifel richtig. Sie wissen jetzt, da� wir hier unten sind.�</p><p>Das l�ste ein nachdenkliches Schweigen aus.</p><p>Nadia sagte zu Art: �Ich gehe in der n�chsten Woche nach Norden. Wenn du willst, kannst du mit mir kommen. Du auch, Nirgal, wenn du Lust hast. Ich werde eine Menge Zufluchtsst�tten besuchen, und wir k�nnen mit ihnen �ber eine Versammlung sprechen.�</p><p>�Sicher�, sagte Art mit erfreuter Miene. Und Nirgals Geist raste los, als er an die M�glichkeiten dachte. Da� er wieder in Gamete war, machte einen schlafenden Teil seines Geistes wieder lebendig, und er sah deutlich die zwei Welten als eine einzige. Das Wei� und Gr�n, in zwei verschiedene Dimensionen gespalten, durchdrangen einander�� wie der Untergrund und die Oberfl�chenwelt, unbeholfen in der Demimonde vereint. Eine Welt ohne Brennpunkt�</p><empty-line/><p>Also kamen in der n�chsten Woche Art und Nirgal mit Nadia zusammen und fuhren nach Norden. Wegen der Verhaftung von Sax wollte Nadia nicht riskieren, in einer offenen Stadt l�ngs ihres Weges zu bleiben, und schien noch nicht einmal den anderen versteckten Zufluchtsst�tten zu trauen. Sie geh�rte zu den Konservativsten unter den Alten, was Geheimhaltung betraf. W�hrend der Jahre des Verstecktseins hatte sie wie Cojote ein ganzes System eigener Schutzr�ume geschaffen; und jetzt fuhren sie von einem zum n�chsten, verbrachten die kurzen Tage mit Schlafen und Abwarten in relativem Komfort. W�hrend der Wintertage konnten sie nicht fahren, weil der Nebel d�nner geworden war und ein kleineres Areal umfa�te; und in diesem Jahr war er oft nicht mehr als ein leichter Dunst oder niedriges flockiges Gew�lk, das �ber das rauhe klumpige Land wirbelte. Eines Morgens fuhren sie nach zehn Uhr im Nebel einen unebenen Steilhang hinunter, und Nadia erkl�rte, da� Ann ihn als den Rest eines fr�heren Chasma Australe identifiziert h�tte. �Sie sagt, es gibt hier unten buchst�blich Dutzende fossile Chasma Australes, die zu fr�heren Zeiten im Zyklus der Pr�zession in unterschiedlichen Winkeln eingeschnitten wurden.� Und der Nebel verzog sich, so da� sie pl�tzlich viele Kilometer weit sehen konnten, bis hin zu den gezackten Eisw�nden an der M�ndung des jetzigen Chasma Australe, das in der Ferne schimmerte. Sie waren blo�gestellt. Dann schl�ssen sich die Wolken wieder �ber ihnen und h�llten sie in d�steres flie�endes Wei�, als ob sie in einem Schneesturm f�hren, in dem die Flocken so fein waren, da� sie der Schwerkraft spotteten und st�ndig in der Schwebe dahingetrieben wurden.</p><p>Nadia verabscheute diese Art von Blo�legung, wie kurz sie auch sein mochte, und fuhr daher fort, sich tags�ber zu verstecken. Sie blickten aus den kleinen Fenstern ihrer Schutzr�ume auf wirbelnde Wolken, die manchmal das Licht in funkelnden Gruppierungen brachen, so hell, da� es mitunter schmerzte. Sonnenstrahlen brachen durch Wolkenl�cken und trafen die langen Ketten und Grate des blendend wei�en Landes. Einmal erlebten sie sogar eine volle Schneeblindheit, als alle Schatten verschwanden und auch alles sonst. Eine rein wei�e Welt, in der nicht einmal der Horizont ausfindig zu machen war.</p><p>An anderen Tagen warfen Eisb�gen bla� pastellfarbene Kurven auf das intensive Wei�; und als einmal die Sonne tief �ber dem Land durchbrach, war sie von einem ebenso hellen Ring umgeben. Die Landschaft flammte bei diesem Schauspiel wei� auf, nicht gleichm��ig, sondern an Stellen, die sich in den unabl�ssigen Winden rasch verschoben. Art lachte, als er das sah, und jubelte st�ndig �ber die Eisblumen, die jetzt so gro� waren wie B�sche und besetzt mit Nadeln und F�chern wie aus Spitzen, die an den Ecken zusammenwuchsen, so da� an manchen Stellen der Boden v�llig verschwand. Dann fuhren sie �ber eine knisternde Fl�che aus Bl�tenbl�ttern, die sie zu Hunderten unter ihren R�dern zerdr�ckten. Nach solchen Tagen waren die langen dunklen N�chte fast eine Erholung.</p><p>Die Tage vergingen, einer wie der n�chste. Nirgal fand es sehr bequem, mit Art und Nadia zu reisen. Sie waren beide ausgeglichen, ruhig und lustig. Art war 51, Nadia 120 und Nirgal erst 12, was ungef�hr 25 Erdjahren entsprach. Aber trotz der gro�en Altersunterschiede verhielten sie sich zueinander auf gleieher Stufe. Nirgal konnte seine Ideen an ihnen ungehindert ausprobieren, und sie lachten oder murrten nie, selbst wenn sie Probleme sahen und darlegten. Und ihre Ideen f�gten sich tats�chlich meistenteils recht gut zusammen. Sie waren in der politischen Sprache des Mars gem��igte gr�ne Assimiliationisten�� Booneaner, wie Nadia es nannte. Und sie hatten �hnliche Temperamente, was Nirgal noch nie bei jemandem erlebt hatte, weder beim Rest seiner Familie in Gamete noch bei seinen Freunden in Sabishii.</p><p>W�hrend sie alln�chtlich plauderten, besuchten sie kurz einige der gro�en Zufluchtsst�tten des S�dens, stellten Art den Leuten dort vor und schnitten den Gedanken einer Zusammenkunft oder eines Kongresses an. Sie brachten ihn in das bogdanovistische Vishniac und setzten ihn in Erstaunen �ber den gewaltigen Komplex, der tief in das Mohole eingelassen war�� viel gr��er als jedes Asyl. Arts gro�e Augen waren so ausdrucksvoll wie Worte und vermittelten Nirgal deutlich das Gef�hl, das er als Kind gehabt hatte, als er mit Cojote zum ersten Mal dort gewesen war.</p><p>Die Bogdanovisten waren deutlich an einer Zusammenkunft interessiert, aber Mikhail Yangel, der einzige von Arkadys Kameraden, der 2061 �berlebt hatte, fragte Art, was der langfristige Sinn eines solchen Meetings sein w�rde.</p><p>�Die Oberfl�che wieder in Besitz zu nehmen.�</p><p>�Ich verstehe.� Mikhail machte gro�e Augen. �Nun, ich bin sicher, da� ihr daf�r unsere Unterst�tzung haben w�rdet. Die Leute haben sich gef�rchtet, dies Thema �berhaupt zur Sprache zu bringen.�</p><p>�Sehr gut!� sagte Nadia, als sie weiter nach Norden fuhren. �Wenn die Bogdanovisten ein Meeting bef�rworten, wird es wohl zustande kommen. Die meisten versteckten Zufluchtsst�tten sind entweder bogdanovistisch oder stark von ihnen beeinflu�t.�</p><p>Von Vishniac aus besuchten sie die Asyle um den Holmes-Krater herum, die als das industrielle Herzland� des Untergrundes bekannt waren. Auch diese Kolonien waren meistens bogdanovistisch mit jeder Menge kleiner sozialer Variationen, beeinflu�t durch fr�he Sozialphilosophen auf dem Mars wie den Gefangenen Schnelling oder Hiroko oder Marina oder John Boone. Andererseits hatten die frankophonen Utopisten in Prometheus ihre Siedlung auf Ideen gegr�ndet, die von Rousseau und Fourier bis Foucault und Nemy reichten�� Feinheiten, die Nirgal bei seinem ersten Besuch entgangen waren. Derzeit wurden sie stark beeinflu�t durch die Polynesier, die k�rzlich auf dem Mars eingetroffen waren und deren gro�e warme Kammern Palmen und flache Teiche beherbergten, so da� es Art mehr wie Tahiti vorkam als Paris.</p><empty-line/><p>In Prometheus stie� Jackie Boone pers�nlich zu ihnen, die dort von Freunden, die nach S�den reisten, zur�ckgelassen worden war. Sie wollte eigentlich direkt nach Gamete weiterfahren, war aber bereit, lieber mit Nadia zu reisen, als noch l�nger zu warten. Und Nadia war bereit, sie mitzunehmen. Als sie also weiterfuhren, hatten sie Jackie dabei.</p><p>Die l�ssige Kameraderie des ersten Teils ihrer Reise verschwand. Jackie und Nirgal hatten sich in Sabishii mit ihrer Beziehung in ihrem �blichen ungeregelten und unbestimmten Zustand getrennt; und Nirgal mi�fiel es, wenn das Wachstum seiner neuen Freundschaften unterbrochen wurde. Art war offenbar angetan von ihrer physischen Pr�senz. Sie war gr��er als er und schwerer als Nirgal. Und Art beobachtete sie auf eine Weise, die er f�r verstohlen hielt, die alle anderen aber bemerkten, nat�rlich einschlie�lich Jackie selbst. Nadia rollte deswegen mit den Augen, und sie stritt sich mit Jackie �ber Kleinigkeiten wie Schwestern. Als dies wieder einmal der Fall gewesen war und Jackie und Nadia sich anderswo in einem Asyl befanden, fl�sterte Art Nirgal zu: �Sie ist genau wie Maya! Kommt dir das nicht so vor? Die Stimme, das Gehabe�� �</p><p>Nirgal lachte. �Wenn du ihr das sagst, bringt sie dich um.�</p><p>�Ah!� sagte Art und sah Nirgal von der Seite an. �Ihr beide seid also immer noch��?�</p><p>Nirgal zuckte die Achseln. In gewisser Weise war das interessant. Er hatte Art genug von seiner Beziehung zu Jackie erz�hlt, da� dieser wissen mu�te, es gab etwas Fundamentales zwischen ihnen beiden. Jetzt war Jackie sich fast sicher, da� sie bei Art Anklang finden und ihn der Schar ihrer G�nstlinge zuf�gen w�rde, wie sie es mit M�nnern zu tun pflegte, die sie mochte oder f�r wichtig hielt. Sie hatte bis dahin noch nicht herausgefunden, wie wichtig Art war; aber danach w�rde sie auf ihre �bliche Weise handeln, und was w�rde Art dann tun?</p><p>So war ihre Reise nicht mehr die gleiche. Jackie pr�gte den Dingen wie immer ihren Stempel auf. Sie stritt mit Nirgal und Nadia, sie machte sich beil�ufig an Art heran, indem sie ihn gleichzeitig becircte und kritisierte, wie es bei einer Bekanntschaft zu sein pflegte. Sie zog ihr Hemd aus, um sich in Nadias Schutzr�umen mit einem Schwamm zu waschen, oder legte eine Hand auf seinen Arm, wenn sie ihm Fragen stellte �ber die Erde. Ein andermal ignorierte sie ihn v�llig und schwenkte um in nur ihr eigene Welten. Es war, als ob man in dem Rover mit einer gro�en Katze lebte, einem Panther, der einem im Scho� schnurren mochte oder einen quer durchs Zimmer jagen konnte�� alles mit vollendeter nerv�ser Grazie.</p><p>Ja, so war Jackie. Und dann war da ihr Lachen, das durch den Wagen ert�nte zu Dingen, die Art oder Nadia sagten. Und ihre Sch�nheit und ihr starker Enthusiasmus bei Diskussionen der Lage auf dem Mars.</p><p>Als sie entdeckte, was sie auf dieser Reise vorhatten, war sie darum sofort daf�r begeistert. Das Leben bekam mehr Schwung, wenn sie da war, ohne Zweifel. Und Art hatte, obwohl er Stielaugen machte, wenn sie badete, etwas, das Nirgal wie eine verschmitzte Sch�rfe in seinem L�cheln vorkam beim Genu� ihrer hypnotisierenden Aktivit�ten. Einmal erwischte Nirgal ihn, wie er Nadia einen Blick zuwarf, der entschieden belustigt war. Obwohl Art also Jackie recht gut leiden konnte und sie gern anschaute, schien er nicht hoffnungslos hingerissen zu sein. Das hing m�glicherweise mit seiner Freundschaft mit Nirgal zusammen. Nirgal konnte nicht sicher sein, aber ihm gefiel dieser Gedanke, der weder in Zygote noch in Sabishii verbreitet gewesen war.</p><p>Jackie ihrerseits schien geneigt, Art als einen Faktor in der Organisierung einer allgemeinen Versammlung abzuschreiben, als ob sie das selbst �bernehmen wollte. Aber dann besuchten sie eine kleine neomarxistische Zufluchtsst�tte im Gebirge von Mitchell (das nicht gebirgiger war als das des S�dens. Der Name war ein Relikt aus der Fernrohrzeit), und es stellte sich heraus, da� diese Neomarxisten mit der Stadt Bologna in Italien in Verbindung standen und mit der indischen Provinz Kerala�� und mit B�ros von Praxis an diesen beiden Stellen. Also hatten sie mit Art eine Menge zu besprechen und hatten offensichtlich ihre Freude daran. Am Ende des Besuches sagte einer von ihnen zu ihm: �Es ist wundervoll, was du tust, und du bist genau wie John Boone.�</p><p>Jackie ri� den Kopf herum, um Art anzublicken, der verlegen den Kopf sch�ttelte. Sie sagte automatisch: �Nein, das ist er nicht.�</p><p>Aber danach behandelte sie ihn ernsthafter. Nirgal konnte blo� lachen. Jede Erw�hnung des Namens John Boone war f�r Jackie wie ein Zauberspruch. Wenn sie mit Nadia Johns Theorien diskutierten, konnte er ein bi�chen verstehen, warum sie so empfand. Vieles von dem, was Boone f�r den Mars gewollt hatte, war h�chst sinnvoll; und Nirgal hatte den Eindruck, da� Sabishii insbesondere ein Ort von Boone war. Aber f�r Jackie ging es �ber eine rationale Reaktion hinaus. Es hatte zu tun mit Kasei und Esther und Hiroko, sogar mit Peter�� mit einem Komplex von Gef�hlen, die sie auf einer Ebene angesprochen hatten wie sonst nichts.</p><empty-line/><p>Sie zogen weiter nach Norden, in Gebiete, die noch st�rker mitgenommen waren als die, welche sie hinter sich gelassen hatten. Es war vulkanisches Land, wo zu der rauhen H�he des s�dlichen Gebirges noch die alten zerfallenen Piks von Australis Tholus und Amphitrites Patera hinzukamen. Diese beiden Vulkane umklammerten ein Gel�nde aus Lavastr�men, wo der schw�rzliche Fels des Landes zu grotesken Klumpen, Wellen und Str�men erstarrt war. Einst hatten sich diese Str�me wei�gl�hend �ber die Oberfl�che ergossen. Und selbst jetzt noch, hart, schwarz und im Lauf der Zeiten zertr�mmert, war der fl�ssige Ursprung ganz deutlich erkennbar.</p><p>Am auffallendsten von diesen Lavaresten waren lange niedrige H�gelketten wie zu festem schwarzen Fels versteinerte Drachenschw�nze. Sie schl�ngelten sich viele Kilometer weit �ber das Land. Oft verschwanden sie in beiden Richtungen am Horizont und zwangen die Reisenden zu langen Umwegen. Diese Gesteinsr�cken waren alte Lavakan�le. Der Fels, aus dem sie bestanden, hatte sich als h�rter erwiesen als das Land, das sie urspr�nglich �berschwemmt hatten. Und in den nachfolgenden �onen war das Land abgetragen worden und hatte die schwarzen H�gel auf der Oberfl�che liegen lassen, �hnlich dem heruntergefallenen Aufzugskabel, nur viel gr��er.</p><p>Einer der R�cken in der Dorsa-Brevia-Region war k�rzlich zu einem geheimen Asyl ausgebaut worden. So fuhr Nadia ihren Rover auf einem gewundenen Weg durch vorspringende Lavaw�lste und dann in eine ger�umige Garage in der Seite des gr��ten schwarzen Berges, den sie gesehen hatten. Sie stiegen aus und wurden von einer kleinen Gruppe freundlicher Fremder empfangen, von denen Jackie einige schon getroffen hatte. In der Garage gab es keinen Hinweis darauf, da� der angrenzende Raum sich irgendwie von anderen unterscheiden w�rde, die sie schon besucht hatten; und so gingen sie in eine gro�e zylindrische Schleuse und zur anderen T�r hinaus. Es war f�r sie ein gro�er Schock, da� sich vor ihnen ein freier Raum befand, der offenbar das ganze Innere des H�gels einnahm. Dieser war n�mlich hohl. Der leere Innenraum war etwa zylindrisch, eine R�hre, die vielleicht hundert Meter vom Boden bis zur Decke ma�, dreihundert Meter von Wand zu Wand, und sich so weit erstreckte, wie sie in beiden Richtungen sehen konnten. Arts Mund war wie ein Querschnitt des Tunnels. Er rief dauernd: �Oha, seht euch das an! Donnerwetter!�</p><p>Eine ganze Anzahl der Gesteinsr�cken war hohl, wie ihre Gastgeber ihnen sagten. Lavatunnels, wie es viele auf der Erde gab; aber der gewohnte Sprung um zwei Gr��enordnungen galt auch hier. Und diese R�hre war wirklich hundertmal so gro� wie die gr��te irdische. Wie eine junge Frau namens Ariadne Art erkl�rte, hatten sich die Lavastr�me, als sie noch flossen, an den R�ndern abgek�hlt und verh�rtet. Danach war hei�e Lava weiter durch den �rmel geflossen, bis die Fluten aufgeh�rt hatten. Und die restliche Lava hatte sich in einen Teich aus Feuer entleert und zylindrische H�hlen zur�ckgelassen, die bisweilen f�nfzig Kilometer lang waren.</p><p>Der Boden dieses Tunnels war nahezu eben und jetzt bedeckt von D�chern und Parks, Teichen und Hunderten junger B�ume, die in Hainen aus Bambus und Kiefern gepflanzt waren. Lange Risse im Dach des Tunnels hatten als Basis f�r gefilterte Oberlichter gedient aus geschichteten Materialien, die dieselben visuellen und thermischen Merkmale boten wie der �brige Bergr�cken, aber in den Tunnel lange Streifen sonniger brauner Luft hineinlie�en, so da� selbst die dunkelsten Teile des Tunnels nur so tr�be waren wie an einem wolkigen Tag.</p><p>Der Tunnel von Dorsa Brevia war vierzig Kilometer lang, wie Ariadne ihnen mitteilte, als sie eine Treppe hinuntergingen, obwohl es auch Stellen gab, wo das Dach sich nach innen w�lbte oder Lavapfropfen die H�hlung fast ausf�llten. �Wir haben nat�rlich nicht das ganze Ding abgedichtet. Es ist mehr, als wir brauchen, und auch mehr, als wir �berhaupt warm und unter Druck halten k�nnten. Aber wir haben jetzt ungef�hr zw�lf Kilometer dichtgemacht in Segmenten von je einem Kilometer L�nge mit Schotts aus Zeltstoff dazwischen.�</p><p>�Donnerwetter!� sagte Art wieder. Nirgal war ebenso beeindruckt, und Nadia war deutlich begeistert. Selbst Vishniac war nichts im Vergleich hiermit.</p><p>Jackie war schon nahe dem unteren Ende der langen Treppe, die von der Garagenschleuse zu einem Park unter ihnen f�hrte. Als sie ihr folgten, sagte Art: �Jede Kolonie, zu der du mich gef�hrt hast, habe ich f�r die gr��te gehalten. Und ich habe mich immer geirrt. Warum sagst du mir nicht einfach, ob die n�chste so wie Hellas sein wird oder etwas dergleichen?�</p><p>Nadia lachte. �Dies ist die gr��te, die ich kenne. Die allergr��te!�</p><p>�Warum bleibt ihr da alle in Gamete, wo es so kalt und d�ster ist? W�rden nicht die Menschen aus allen Zufluchtsst�tten hier hereinpassen?�</p><p>�Wir wollen nicht, da� alle an einer Stelle sind�, entgegnete sie. �Was diesen Ort hier betrifft, so hat es ihn vor einigen Jahren noch gar nicht gegeben.�</p><p>Unten auf dem Boden des Tunnels schienen sie sich in einem Wald zu befinden, unter einem Himmel aus schwarzem Stein, der von langen gezackten hellen Spalten zerrissen war. Die vier Reisenden folgten einer Gruppe ihrer Gastgeber zu einem Komplex von Geb�uden mit d�nnen Holzw�nden und steilen, an den Ecken hochgebogenen D�chern. In einem davon wurden sie einer Schar �lterer Frauen und M�nner in bunten, bauschigen Gew�ndern vorgestellt und zu einem gemeinsamen Mahl eingeladen.</p><p>Beim Essen erfuhren sie mehr �ber die St�tte, zumeist von Ariadne, die neben ihnen sa�. Sie war erbaut und in Besitz genommen worden durch die Nachkommen von Menschen, die zum Mars gekommen waren und sich in den 2050ern mit den Verschwundenen zusammengetan hatten. Sie hatten die St�dte verlassen und in dieser Gegend kleine Refugien besiedelt, in ihren Bem�hungen unterst�tzt durch die Sabishiianer. Sie waren von Hirokos Areophanie stark beeindruckt, und ihre Gesellschaft wurde von manchen als Matriarchat bezeichnet. Sie hatten einige alte matriarchalische Kulturen studiert und einige ihrer Br�uche auf die alte minoische Kultur und die nordamerikanischen Hopi gegr�ndet. Darum verehrten sie eine G�ttin, die das Leben auf dem Mars repr�sentierte, eine Art Personifikation von Hirokos Viriditas oder eine Verg�ttlichung von Hiroko selbst. Der Sitte gem�� geh�rte der Haushalt der Frau des Hauses und wurde von ihr an die j�ngste Tochter weitergegeben in ultimo genitur, wie Ariadne es nannte, einen Brauch der Hopi. Und wie bei den Hopi zogen die M�nner bei der Heirat in die H�user der Frauen.</p><p>�Gef�llt das den M�nnern?� fragte Art wi�begierig.</p><p>Ariadne lachte �ber seine Miene. �Es gibt nichts, um M�nner gl�cklicher zu machen als gl�ckliche Frauen. So sagen wir.� Und sie warf Art einen Blick zu, der ihn �ber die Bank zu ihr hinzuziehen schien.</p><p>�Das finde ich sinnvoll�, sagte Art.</p><p>�Wir alle teilen uns die Arbeit�� Verl�ngerung der Tunnelsegmente, Landwirtschaft, Kindererziehung, alles was getan werden mu�. Jede und jeder versucht, nicht nur in seiner Spezialisierung t�chtig zu sein. Das ist eine Sitte, die, wie ich meine, von den Ersten Hundert stammt und von den Sabishiiern.�</p><p>Art nickte. �Und wie viele seid ihr hier?�</p><p>�Derzeit etwa viertausend.�</p><p>Art stie� �berrascht einen Pfiff aus.</p><p>An diesem Nachmittag wurden sie im Tunnel durch einige Kilometer ausgebauter Segmente gef�hrt, viele davon bewaldet und alle mit einem gro�en Flu�, der den Tunnelboden herunterstr�mte und sich in einigen Segmenten zu gro�en Teichen verbreiterte. Als Ariadne sie wieder zu der ersten Kammer zur�ckbrachte, die den Namen Zakros trug, erschienen fast tausend Personen zu einem Essen im Freien im gr��ten Park. Nirgal und Art gingen umher, sprachen mit den Leuten und genossen ein schlichtes Mahl aus Brot, Salat und gebratenem Fisch. Die Menschen hier schienen der Idee eines Untergrundkongresses zug�nglich zu sein. Sie hatten vor Jahren etwas �hnliches versucht, aber damals nicht viel Anklang gefunden�� sie hatten Listen der Zufluchtsst�tten in der Region. Jetzt sagte eine der �lteren Frauen mit Autorit�t, da� sie gern dabei Gastgeber sein w�rden, da sie gen�gend Platz hatten, um eine gro�e Zahl an G�sten zu beherbergen und zu betreuen.</p><p>�Oh, das w�re wundervoll!� sagte Art mit einem Blick auf Ariadne.</p><p>Sp�ter stimmte auch Nadia zu und sagte: �Das w�re sehr hilfreich. Viele Leute werden sich der Idee einer Zusammenkunft widersetzen, weil sie argw�hnen, die Ersten Hundert w�rden versuchen, die Leitung des Untergrundes zu �bernehmen. Wenn die Veranstaltung aber hier abgehalten wird und die Bogdanovisten dahinter stehen�� �</p><p>Als Jackie hinzukam und von dem Anerbieten h�rte, dr�ckte sie Art an sich. �Oh, es wird stattfinden! Und das ist genau das, was John Boone gemacht h�tte. Es ist wie das Meeting, das er auf Olympus Mons einberufen hat.�</p><p>Sie verlie�en Dorsa Brevia und wandten sich auf der Ostseite des Hellasbeckens wieder nach Norden. W�hrend der N�chte dieser Fahrt holte Jackie oft John Boones KI Pauline hervor, den sie studiert und katalogisiert hatte. Sie spielte Ausschnitte seiner Gedanken �ber einen unabh�ngigen Staat ab. Diese waren ungeordnet und weitschweifig�� �berlegungen eines Mannes mit mehr Enthusiasmus (und Omegendorph) als analytischer Begabung. Aber manchmal schl�pfte er in eine Rolle und improvisierte in der Art seiner ber�hmten Reden. Und das konnte faszinierend sein. Er hatte ein Geschick f�r freie Assoziationen, durch die seine Ideen wie eine logische Folge klangen, auch wenn sie es nicht waren.</p><p>�Schaut, wie oft er �ber die Schweizer spricht!� sagte Jackie. Sie klang wie John, stellte Nirgal pl�tzlich fest. Sie hatte lange ausgiebig mit Pauline gearbeitet, und ihr Verhalten war davon beeinflu�t. Johns Stimme, Mayas Wesen�� auf solche Weise trugen sie die Vergangenheit mit sich. �Wir m�ssen uns vergewissern, da� einige Schweizer an dem Kongre� teilnehmen.�</p><p>�Wir haben J�rgen und die Gruppe bei Overhangs�, sagte Nadia.</p><p>�Aber die sind doch nicht wirklich so schweizerisch?�</p><p>�Man wird sie fragen m�ssen�, sagte Nadia. �Aber wenn du an Schweizer Beamte denkst, so gibt es davon eine Menge in Burroughs; und die haben uns hier geholfen, ohne uns �berhaupt nur etwas davon zu sagen. Etwa f�nfzig von uns haben jetzt schweizerische P�sse. Sie bilden einen gro�en Teil der Demimonde.�</p><p>�Wie bei Praxis�, warf Art ein.</p><p>�Ja ja. Jedenfalls werden wir mit der Gruppe in Overhangs sprechen. Die d�rften Kontakte mit den Schweizern an der Oberfl�che haben, dessen bin ich sicher.�</p><p>Nord�stlich des Vulkans Hadriaca Patera besuchten sie eine Stadt, die von Sufis gegr�ndet worden war. Die Originalstruktur war in die Seite einer Canyonklippe eingebaut in einer Art von Mesa Verde HighTech. Eine d�nne Reihe von Geb�uden, die an der Stelle eingef�gt waren, wo der imposante �berhang der Klippe zur�ckzuweichen und sich auf den Boden des Canyons hinabzusenken begann. Steile Treppen in Gehrohren verliefen von dem unteren Hang zu einer kleinen Betongarage; und um diese herum war eine Anzahl von Blasenkuppeln und Gew�chsh�usern entstanden. In diesen Kuppeln lebten Leute, die bei den Sufis studieren wollten. Einige kamen von den Zufluchtsst�tten, einige aus den St�dten des Nordens. Viele waren Eingeborene, aber es gab auch manche, die neu von der Erde angekommen waren. Zusammen hofften sie, den ganzen Canyon zu �berdachen mit Verwendung von Material, das f�r das neue Kabel entwickelt worden war, um eine enorme Verbreitung von Kuppelmaterial zu f�rdern.</p><p>Nadia wurde sofort bei den Diskussionen der Konstruktionsprobleme, die bei einem solchen Projekt auftreten w�rden, hinzugezogen, die, wie sie ihnen vergn�gt sagte, mannigfach und streng sein w�rden. Ironischerweise machte die dicker werdende Atmosph�re alle Kuppelprojekte schwieriger, weil die Kuppeln nicht mehr durch den Luftdruck unter ihnen so weit aufgeblasen werden konnten wie fr�her. Und obwohl die extrem zugfesten und au�erordentlich belastbaren neuen Karbonverbindungen mehr als genug leisten w�rden, w�ren Ankerpunkte, die solche Gewichte halten k�nnten, fast unm�glich zu finden. Aber die Ingenieure vor Ort waren zuversichtlich, da� leichtere Zeltstoffe und neue Verankerungsverfahren helfen k�nnten; und die W�nde des Canyons, so sagten sie, w�ren solide. Sie befanden sich im oberen Bereich von Reull Vallis, und alte Minierungen waren in sehr hartes Material eingedrungen. Gute Ankerpunkte k�nnte es �berall geben.</p><p>Es wurde kein Versuch gemacht, irgendeine dieser Aktivit�ten vor Satellitenbeobachtung zu verheimlichen. Die runde Mesawohnst�tte der Sufis in Margaritifer und deren Hauptsiedlung im S�den, Rumi, waren ebenso unverborgen. Dennoch waren sie nie irgendwie von irgendwem bel�stigt noch von der �bergangsbeh�rde kontaktiert worden. Deshalb dachte einer ihrer Anf�hrer, ein kleiner schwarzer Mann namens Dhu el-Nun, da� die Angst des Untergrundes �bertrieben w�re. Nadia widersprach h�flich. Als Nirgal sie in die Enge trieb, sah sie ihn fest an. �Sie jagen die Ersten Hundert.�</p><p>Sie dachten dar�ber nach, w�hrend die Sufis sie durch die Treppenrohre zu ihrer Klippenwohnung hinauff�hrten. Sie waren schon vor der Morgend�mmerung angekommen, und Dhu hatte die Besucher alle nach oben auf die Klippe zu einem Willkommensfr�hst�ck eingeladen. Also folgten sie den Sufis und setzten sich an einem gro�en Tisch in einem langen Raum nieder, dessen Au�enwand ein durchgehendes gro�es Fenster mit Blick auf den Canyon war. Die Sufis waren wei� gekleidet, w�hrend die Leute aus den Kuppeln im Canyon gew�hnliche Jumper trugen, meistens rostfarben. Die Menschen g�ssen sich gegenseitig Wasser ein und plauderten beim Essen. �Ihr seid auf unserer <emphasis>tariqat�,</emphasis> sagte Dhu el-Nun zu Nirgal. Er erkl�rte, da� dies der geistige Weg eines Menschen sei, sein Pfad zur Realit�t. Nirgal nickte, betroffen durch die Gelungenheit der Definition. Sie war genau, wie ihm das Leben immer vorgekommen war. �Du mu�t dich gl�cklich f�hlen�, erwiderte Dhu. �Du mu�t achtgeben.�</p><p>Nach einer Mahlzeit aus Brot, Erdbeeren und Yoghurt und schlammig dickem Kaffee wurden die Tische und St�hle wegger�umt, und die Sufis tanzten eine <emphasis>sema</emphasis> oder Wirbeltanz. Sie psalmodierten und sangen zur Musik eines Harfenisten und einiger Trommler und dem Gesang der Canyonbewohner. Wenn die T�nzer an ihren G�sten vorbeikamen, legten sie ihre Handfl�chen ganz sanft an die Wangen der G�ste. Die Ber�hrungen waren so leicht wie das Vorbeistreifen eines Fl�gels. Nirgal schaute zu Art in der Erwartung, da� er genau solche Stielaugen machen w�rde wie gew�hnlich bei den mannigfachen Ph�nomenen des Lebens auf dem Mars; aber der l�chelte vielsagend und schlug Zeigefinger und Daumen zusammen im Rhythmus des Taktes und sang mit den anderen. Und am Ende des Tanzes trat er vor und rezitierte etwas in einer Fremdsprache, woraufhin die Sufis l�chelten und ihm danach laut applaudierten.</p><p>�Einige meiner Lehrer in Teheran waren Sufis�, erkl�rte er Nirgal, Nadia und Jackie. �Sie bildeten einen gro�en Teil von dem, was man die persische Renaissance nennt.�</p><p>�Und was hast du rezitiert?� fragte Nirgal.</p><p>�Ein persisches Gedicht von Jalaluddin Rumi, dem Meister der tanzenden Derwische. Ich habe die �bersetzung nie sehr gut gelernt:</p><p>�Ich starb als Mineral und wurde Pflanze Starb als Pflanze und gewann f�hlende Form Starb als Tier und kleidete mich als Mensch�� Bis durch mein Sterben ich immer weiter schwand���</p><p>Ach, ich kann mich an den Rest nicht erinnern. Aber manche dieser alten Sufis waren gute Ingenieure.�</p><p>�Es w�re gut, wenn sie das hier w�ren�, sagte Nadia und deutete mit einem Kopfnicken auf die Leute, mit denen sie �ber die �berkuppelung des Canyons gesprochen hatte.</p><p>Auf jeden Fall zeigten sich die Sufis hier sehr begeistert hinsichtlich der Idee eines Untergrundkongresses. Wie sie erkl�rten, war ihre Religion synkretistisch. Sie hatte manche Elemente nicht nur aus den mannigfachen Typen und Nationalit�ten des Islams entlehnt, sondern auch von den �lteren asiatischen Religionen, denen der Islam begegnet war, und auch von neueren wie den Baha�i. Hier w�rde man etwas �hnlich Flexibleres brauchen, sagten sie. Inzwischen hatte sich ihre Konzeption des Gebens schon im ganzen Untergrund als einflu�reich erwiesen, und einige ihrer Theoretiker arbeiteten mit Vlad und Marina �ber �ko-�konomie. Als der Morgen verstrich und sie auf den sp�twinterlichen Aufgang der Sonne warteten und �ber den dunklen Canyon nach Osten schauten, machten sie sehr rasch einige praktische Vorschl�ge bez�glich des Treffens. Dhu sagte ihnen: �Ihr solltet so bald wie m�glich zu den Beduinen und den anderen Arabern gehen. Die m�chten in der Liste der Befragten nicht untenan stehen.�</p><p>Dann erhellte sich der Osthimmel sehr langsam von dunklem Pflaumenblau zu Lavendel. Die gegen�berliegende Klippe war niedriger als die, auf der sie standen. Darum konnten sie �ber das dunkle Plateau einige Kilometer weit nach Osten blicken zu einer niedrigen H�gelkette, die den Horizont bildete. Die I;" Sufis deuteten auf den Spalt in den H�geln, wo die Sonne aufsteigen w�rde. Einige begannen wieder zu psalmodieren. �In Elysium gibt es eine Gruppe Sufis, die unsere Wurzeln im Mithraismus und Zoroastrismus zur�ck erforschen�, berichtete Dhu. �Manche sagen, es g�be jetzt Mithraisten auf dem Mars, die Ahura Mazda, die Sonne, verehren. Sie halten die Soletta f�r religi�se Kunst wie ein Glasfenster in einer Kathedrale.�</p><p>Als der Himmel intensiv rosa war, sammelten sich die Sufis um ihre vier G�ste und schoben sie sanft in eine Anordnung vor den Fenstern: Nirgal dicht bei Jackie, Nadia und Art hinter ihnen. �Heute seid ihr unser buntes Glas�, sagte Dhu ruhig. H�nde erhoben Nirgals Unterarm, bis er den von Jackie ber�hrte und er ihn ergriff. Sie wechselten einen raschen Blick und schauten dann nach vorn auf die Berge am Horizont. Art und Nadia hielten sich ebenso an den H�nden, und ihre freien H�nde wurden auf Nirgals und Jackies Schultern gelegt. Das Psalmodieren um sie herum wurde lauter. Der Chor der Stimmen intonierte Worte in Farsi. Die langen wohlt�nenden Vokale zogen sich endlose Minuten lang hin.</p><p>Und dann durchstie� die Sonne den Horizont, und die Font�ne aus Licht explodierte �ber dem Land, str�mte in das weite Fenster und �ber sie, so da� sie blinzeln mu�ten und ihre Augen tr�nten. Durch Soletta und die dicker werdende Atmosph�re war die Sonne sichtlich gr��er als in der Vergangenheit, bronzefarben, zusammengedr�ckt und durch die verschiedenen Inversionsschichten schimmernd. Jackie dr�ckte fest Nirgals Hand, und er schaute sich impulsiv um. Auf der wei�en Wand bildeten alle ihre Schatten eine Art zusammenh�ngender Tapete, schwarz auf wei�. Und bei der Intensit�t des Lichts war das ihren Schatten am n�chste Wei� am hellsten von allem, nur leicht get�nt durch die Farben des Regenbogens, der sie alle umfing.</p><empty-line/><p>Als sie aufbrachen, folgten sie dem Rat der Sufis und nahmen das Lyell-Mohole als Ziel, eines der vier auf 70� s�dlicher Breite liegenden Moholes. In diesem Gebiet hatten die Beduinen aus West�gypten einige Karawansereien eingerichtet, und Nadia war mit einem ihrer F�hrer bekannt. Also beschlossen sie, es zu versuchen und ihn zu finden.</p><p>W�hrend sie fuhren, dachte Nirgal intensiv �ber die Sufis nach und dar�ber, was ihre einflu�reiche Pr�senz �ber den Untergrund und die Demimonde aussagte. Die Menschen hatten die Oberfl�che aus vielen verschiedenen Gr�nden verlassen, und es war wichtig, das zu bedenken. Sie alle hatten alles aufgegeben und ihr Leben riskiert. Aber sie hatten sehr angespannt ganz verschiedene Ziele verfolgt. Manche hofften, radikal neue Kulturen zu installieren wie in Zygote oder Dorsa Brevia oder den Sanktuarien der Bogdanovisten. Andere wie die Sufis wollten an alten Kulturen festhalten, die sie in der globalen Ordnung der Erde bedroht sahen. Jetzt waren alle diese Teile des Widerstandes im Bergland des S�dens verstreut, vermischt, aber dennoch getrennt. Es gab keinen offensichtlichen Grund, warum sie sich eine Vereinigung w�nschen sollten. Viele von ihnen hatten sich speziell darum bem�ht, von herrschenden M�chten loszukommen�� Transnationalen, dem Westen, Amerika, dem Kapitalismus��, allen Machtsystemen mit Totalit�tsanspruch. Gerade von zentralen Systemen hatten sie weite Distanz gewinnen wollen. Das er�ffnete schlechte Aussichten f�r Arts Plan; und als Nirgal diese Besorgnis �u�erte, stimmte ihm Nadia zu. �Ihr seid Amerikaner, das ist f�r uns die Schwierigkeit.� Art machte gro�e Augen. Aber dann fuhr Nadia fort: �Nun, Amerika gilt auch als Schmelztiegel. Darum konnten Menschen von �berall her kommen und ein Teil von ihm werden. So war die Theorie. Es gibt f�r uns da manches zu lernen.�</p><p>�Das Ergebnis, zu dem Boone schlie�lich kam, war, da� es nicht m�glich ist, eine Marskultur ganz von vorn zu erfinden�, sagte Jackie. �Er sagte, sie sollte eine Mischung des Besten von jedem sein, der hierhergekommen ist. Das ist der Unterschied zwischen BooneAnh�ngern und Bogdanovisten.�</p><p>�Ja�, sagte Nadia stirnrunzelnd. �Aber ich denke, wir sind beide im Unrecht. Ich glaube nicht, da� wir sie von Anfang an erfinden k�nnen; und ich denke nicht, da� es ein Gemisch geben wird. Zumindest nicht auf lange Zeit. In der Zwischenzeit wird es eine Menge koexistierender verschiedener Kulturen geben, meine ich. Aber ob so etwas m�glich ist�� Sie zuckte die Achseln.</p><empty-line/><p>Die Probleme, denen man sich stellen mu�te, gewannen Gestalt bei ihrem Besuch in der Karawanserei der Beduinen. Diese Beduinen beuteten die Gegend weit s�dlich zwischen den Kratern Dana und Lyell, den Sisyphi Cavi und Dorsa Argentea bergm�nnisch aus. Sie fuhren umher in mobilen Abbauger�sten in der Art, wie sie auf der Gro�en B�schung entwickelt worden und jetzt allgemein �blich waren. Sie brachten Lagerst�tten an der Oberfl�che ein und zogen dann weiter. Die Karawanserei war blo� eine kleine Kuppel, die wie eine Oase an Ort und Stelle gelassen wurde, um in Notf�llen benutzt zu werden oder wenn sie sich ausruhen wollten.</p><p>Niemand h�tte einen gr��eren Kontrast zu den �therischen Sufis bilden k�nnen als die Beduinen. Diese zur�ckhaltenden unsentimentalen Araber trugen moderne Jumper und schienen in der Mehrzahl meistens m�nnlich zu sein. Als die Reisenden dort ankamen, war eine Bergbaukarawane gerade dabei aufzubrechen; und als sie h�rten, was die Reisenden besprechen wollten, machten sie ein m�rrisches Gesicht und fuhren trotzdem weg. �Noch mehr Booneismus. Damit wollen wir nichts zu tun haben.�</p><p>Die Reisenden speisten mit einer Gruppe aus M�nnern in dem gr��ten in der Karawanserei verbliebenen Rover. Frauen erschienen aus einem Rohr vom n�chsten Wagen, um die Sch�sseln zu servieren. Jackie sah das mit einer finsteren Miene an, die Mayas h�tte sein k�nnen. Als einer der j�ngeren Araber, der neben ihr sa�, ein Gespr�ch in Gang zu bringen versuchte, fand er das wirklich schwierig. Nirgal unterdr�ckte dabei ein L�cheln und wandte sich Nadia und einem alten Bedu namens Zeyk zu, dem Anf�hrer dieser Gruppe, den Nadia schon kannte. Er sagte freundlich: �Ach, die Sufis. Niemand bel�stigt die, weil sie offenbar harmlos sind. Wie V�gel.�</p><p>Sp�ter beim Essen erw�rmte Jackie sich nat�rlich f�r den jungen Araber, weil er ein bestechend h�bscher Mann war mit langen dunklen Wimpern, die klare braune Augen s�umten, einer Adlernase, vollen roten Lippen, einem scharfen Kinn und einer leicht vertraulichen Art, die durch Jackies Sch�nheit nicht eingesch�chtert zu sein schien, die der seinen in gewisser Hinsicht �hnlich war. Sein Name war Antar, und er entstammte einer bedeutenden Bedu-Familie. Art, der an dem niedrigen Tisch ihnen gegen�ber sa�, schien �ber diese sich entwickelnde Freundschaft entsetzt zu sein; aber Nirgal hatte das nach ihren Jahren in Sabishii noch eher als Jackie kommen sehen, und es bereitete ihm auf eigenartige Weise fast Vergn�gen, Jackie in T�tigkeit zu sehen. Es war wirklich ein eindrucksvoller Anblick�� sie, die stolze Tochter der gr��ten Matriarchie seit Atlantis, und Antar, der stolze Erbe der extremsten Patriarchie auf dem Mars, ein junger Mann mit so reiner Grazie und Verhaltensweise, als w�re er der K�nig der Welt.</p><p>Nach dem Essen verschwanden die beiden. Nirgal lehnte sich fast ohne schmerzliche Empfindungen zur�ck und plauderte mit Nadia, Art, Zeyk und Zeyks Frau Nazik, die zu ihnen herausgekommen war. Zeyk und Nazik waren alte Hasen auf dem Mars, die John Boone pers�nlich gekannt hatten und mit Frank Chalmers befreundet gewesen waren. Im Gegensatz zu der Vorhersage der Sufis standen sie der Idee eines Kongresses wohlwollend gegen�ber und stimmten zu, da� Dorsa Brevia ein guter Ort f�r seine Veranstaltung sein w�rde.</p><p>�Was wir brauchen, ist Gleichheit ohne Gleichf�rmigkeit�, sagte Zeyk an einer Stelle und zwinkerte ernsthaft bei der Wahl dieser Worte. Das kam dem nahe genug, was Nadia auf der Fahrt dorthin gesagt hatte, da� es Nirgals Aufmerksamkeit in besonderem Ma�e fesselte. �Es ist kein leichtes Unterfangen, das zu arrangieren, aber wir m�ssen es sicher versuchen und Streit vermeiden. Ich werde die Kunde in der arabischen Gemeinschaft verbreiten. Oder mindestens bei den Bedus. Ich mu� sagen, im Norden gibt es Araber, die sich sehr stark mit den Transnationalen, speziell Amexx, engagiert haben. Alle arabischen L�nder fallen an Amexx, eines nach dem anderen. Eine sehr seltsame Paarung. Aber Geld��� Er rieb die Finger aneinander. �Ihr wi�t schon. Jedenfalls werden wir uns mit unseren Freunden in Verbindung setzen. Und die Sufis werden uns helfen. Sie sind dabei, hier unten die Mullahs zu werden; und den Mullahs gef�llt das nicht, aber mir.�</p><p>Andere Entwicklungen machten ihm Sorge. �Armscor hat die Schwarzmeergruppe �bernommen, und das ist eine sehr schlimme Kombination�� alte Afrikaanderf�hrung und Sicherheitsorgane aus allen Mitgliedstaaten, von denen die meisten Polizeistaaten sind�� Ukraine, Georgien, Moldawien, Aserbeidschan, Armenien, Bulgarien, T�rkei, Rum�nien.� Er z�hlte sie an den Fingern auf und r�mpfte die Nase. �Denkt einige Zeit �ber diese Geschichten nach! Und sie haben auf der Gro�en B�schung Basen errichtet, praktisch ein Band um den ganzen Mars. Und sie stehen fest zur �bergangsbeh�rde.� Er sch�ttelte den Kopf. �Die werden uns zerschmettern, wenn sie k�nnen.�</p><p>Nadia nickte zustimmend, und Art, der von dieser Aussage �berrascht zu sein schien, bombardierte Zeyk mit hundert Fragen.</p><p>Einmal sagte er: �Ihr verbergt euch aber nicht.�</p><p>�Wir haben Zufluchtsst�tten, wenn wir sie brauchen�, sagte Zeyk. �Und wir sind bereit zu k�mpfen.�</p><p>�Glaubst du, da� es dazu kommen wird?� fragte Art.</p><p>�Dessen bin ich sicher.�</p><empty-line/><p>Viel sp�ter, nach etlichen weiteren T��chen schlammigen Kaffees, sprachen Zeyk, Nazik und Nadia miteinander �ber Frank Chalmers. Alle drei l�chelten dabei besonders freundlich. Nirgal und Art h�rten zu; aber es war schwer, von diesem Mann eine Vorstellung zu bekommen, der schon tot war, lange ehe Nirgal geboren wurde. Es war wirklich ein schockierender Gedanke, wie alt die Nissei waren und da� sie eine solche Gestalt nur durch Videob�nder kennengelernt hatten. Schlie�lich platzte Art heraus: �Aber wie war er eigentlich?�</p><p>Die drei Alten dachten dar�ber nach.</p><p>Zeyk sagte langsam: �Er war ein zorniger Mann. Er hat allerdings den Arabern zugeh�rt und uns respektiert. Er hat einige Zeit mit uns gelebt und unsere Sprache erlernt. Es gibt gewi� nur wenige Amerikaner, die das je getan haben. Und so haben wir ihn gern gehabt. Aber er war nicht leicht zug�nglich. Und er war zornig. Ich wei� nicht, warum. Etwas in seinen Jahren auf der Erde, vermute ich. Er hat nie dar�ber gesprochen. Er hat �berhaupt nie �ber sich selbst gesprochen. Aber in ihm steckte ein Gyroskop, das sich wie ein Pulsar drehte. Und er hatte finstere Stimmungen. Sehr finstere. Wir haben ihn in Erkundungsrovern hinausgeschickt, um zu sehen, ob er sich selbst helfen k�nnte. Das klappte nicht immer. Ab und zu hat er uns beschimpft, obwohl er unser Gast war.� Zeyk l�chelte bei der Erinnerung. �Einmal hat er uns Sklavenhalter genannt�� direkt ins Gesicht beim Kaffee.�</p><p>�Sklavenhalter?�</p><p>Zeyk machte eine Handbewegung. �Er war w�tend.�</p><p>�Er hat uns dann am Ende gerettet�, sagte Nadia zu Zeyk, aus tiefen Gedanken erwachend. �Das war �61.� Sie erz�hlte ihnen von einer langen Fahrt die Valles Marineris hinunter, die zu der gleichen Zeit stattfand, da der Ausbruch des Compton-Reservoirs den gro�en Canyon �berschwemmte, und wie die Flut, als sie von ihr fast frei geworden waren, Frank erfa�t und davongerissen hatte. �Er stieg bei einem Felsen aus dem Wagen; und wenn er nicht so rasch gehandelt h�tte, w�re der ganze Wagen verloren gewesen.�</p><p>�Oh�, sagte Zeyk, �ein gl�cklicher Tod.�</p><p>�Ich glaube nicht, da� er so gedacht hat.�</p><p>Die Issei lachten alle kurz, griffen dann zu ihren leeren Tassen und brachten einen kleinen Toast auf ihren verstorbenen Freund aus. �Ich vermisse ihn�, sagte Nadia, als sie ihre Tasse absetzte. �Ich habe nie gedacht, da� ich das sagen w�rde.�</p><p>Sie verstummte, und Nirgal, der sie ansah, hatte das Gef�hl, als ob die Nacht sie verw�hnte und versteckte. Er hatte sie nie �ber Frank Chalmers sprechen h�ren. Eine Menge ihrer Freunde waren in der Revolte gestorben. Auch ihr Partner Bogdanov, dem immer noch so viele Menschen folgten.</p><p>�W�tend bis zum Ende�, sagte Zeyk. �F�r Frank ein gl�cklicher Tod.�</p><empty-line/><p>Von Lyell aus bewegten sie sich weiter entgegen dem Uhrzeigersinn um den S�dpol, machten bei Asylen oder Kuppelst�dten halt und tauschten Neuigkeiten und Waren aus. Christianopolis war die gr��te Zeltstadt in der Region, Handelszentrum f�r alle kleineren Siedlungen s�dlich von Argyre. Die Zufluchtsst�tten in der Gegend waren meistens von Roten besiedelt. Nadia bat alle Roten, die sie trafen, Ann Clayborne Mitteilungen �ber den Kongre� zu �berbringen. �Ich nehme an, da� wir eine telefonische Verbindung haben, aber sie antwortet mir nicht.� Eine Menge der Roten hielten ein Meeting deutlich f�r eine schlechte Idee oder zumindest Zeitvergeudung. S�dlich vom Schmidt-Krater hielten sie bei einer Siedlung von Bologna-Kommunisten, die in einem ausgeh�hlten Berg lebten, verloren die Orientierung in einer der wildesten Zonen der s�dlichen Gebirge, einer Region, in der das Reisen sehr schwierig war wegen der vielen wandernden Grate und Gr�ben, die Rover nicht bew�ltigen konnten. Die Bologneser gaben ihnen eine Karte, in der einige Tunnels und Aufz�ge verzeichnet waren, die sie in der Gegend installiert hatten, um die Gr�ben zu passieren oder auf Grate hinauf- und wieder herunterzukommen. �Wenn wir die nicht h�tten, w�rden unsere Ausfl�ge nur aus Umwegen bestehen.�</p><p>Nahe einem ihrer verborgenen Grabentunnels war eine kleine Kolonie von Polynesiern, die in einem kurzen Lavatunnel lebten, dessen Boden sie mit Wasser und drei Inseln versehen hatten. Der Graben war auf seiner S�dseite hoch mit Eis und Schnee bedeckt. Aber die Polynesier, von denen die meisten von der Insel Vanuatu stammten, hielten das Innere ihres Asyls bei gem�tlichen Temperaturen; und Nirgal fand die Luft so hei� und feucht, da� sie schwer zu atmen war, selbst wenn man blo� auf einer Sandbank sa� zwischen einem schwarzen Teich und einer Reihe geneigter Palmen. Gewi�, so dachte er, als er sich umschaute, konnte man die Polynesier zu denen rechnen, welche eine Kultur zu schaffen suchten, die einige Aspekte ihrer archaischen Vorfahren verwirklichte. Es zeigte sich auch, da� sie sich mit primitiven Regierungsformen �berall in der Geschichte der Erde besch�ftigt hatten. Sie waren begeistert �ber die Idee, das, was sie in diesen Studien gelernt hatten, bei dem Kongre� mitzuteilen. Darum war es kein Problem, ihre Zustimmung zur Teilnahme zu erhalten.</p><p>Um die Idee des Kongresses zu feiern, hatten sie sich am Strand zu einem Fest versammelt. Art, der zwischen Jackie und einer polynesischen Sch�nen namens Tanna sa�, strahlte entz�ckt, w�hrend er an einer Kokosnu�schale mit Kava nippte. Nirgal lag vor ihnen ausgestreckt im Sand und h�rte zu, wie Jackie und Tanna lebhaft �ber das sprachen, was Tanna als Eingeborenenbewegung bezeichnete. Das war, wie sie sagte, keine einfache Nostalgie zur�ck in die Vergangenheit, sondern vielmehr ein Versuch, neue Kulturen zu erfinden, die Aspekte fr�herer Zivilisationen in HighTech- Formeri des Mars integrierten. �Der Untergrund ist selbst eine Art Polynesien�, erkl�rte Tanna. �Kleine Inseln in einem gro�en Ozean aus Stein. Einige davon stehen in den Karten, andere nicht. Und eines Tages wird es ein richtiger Ozean sein, und wir werden drau�en auf den Inseln sein und unter dem Himmel gedeihen.�</p><p>�Darauf trinke ich�, sagte Art und tat es. Ein Teil der archaischen polynesischen Kultur, den sie, wie Art hoffte, integrierten, war offenbar ihre ber�hmte sexuelle Freundlichkeit. Aber Jackie machte die Dinge auf ungeschickte Art kompliziert, indem sie sich auf Arts Arm st�tzte, entweder um ihn aufzureizen oder mit Tanna zu konkurrieren. Art sah gl�cklich, aber besorgt aus. Er hatte seine Schale mit dem verderblichen Kava ziemlich rasch geleert und schien so und zwischen den zwei Frauen in einer wonnigen Konfusion zu stecken. Nirgal h�tte beinahe laut gelacht. Es schien m�glich, da� auch einige andere der jungen Frauen beim Fest daran interessiert sein k�nnten, an der archaischen Weisheit teilzuhaben�� nach ihren auf ihn gerichteten Blicken zu schlie�en. Andererseits k�nnte Jackie aufh�ren, Art zu reizen. Das machte nichts aus. Es d�rfte eine lange Nacht werden, und der kleine Tunnelozean von Neu-Vanuatu war so warm wie die alten B�der in Zygote. Nadia war schon da drau�en und schwamm in dem flachen Wasser mit einigen M�nnern, die ein Viertel so alt waren wie sie. Nirgal stand auf, legte seine Kleidung ab und ging hinaus ins Wasser.</p><empty-line/><p>Es wurde schon so sp�t im Winter, da� selbst auf 80� Breite die Sonne f�r eine oder zwei Stunden um Mittag herauskam. Und w�hrend dieser kurzen Intervalle ergl�hten die dahinziehenden Nebel in pasteiloder metallfarbenen T�nen�� an manchen Tagen rosa, an anderen kupfern, bronze und golden. Und stets wurden die zarten Farben von dem Reif auf dem Boden eingefangen und reflektiert, so da� es manchmal schien, als durchquerten sie eine Welt, die g�nzlich aus Juwelen best�nde, aus Amethysten, Rubinen und Saphiren.</p><p>An anderen Tagen br�llte der Wind und belud den Rover mit einer Ladung Frost und verlieh der Welt ein flie�endes Aussehen wie unter Wasser. In den kurzen Stunden mit Sonnenlicht arbeiteten sie daran, die R�der des Rovers freizumachen. Die Sonne sah in dem Nebel aus wie ein Fleck gelber Flechte. Einmal, nachdem ein solcher Sturm aufgeh�rt hatte, war auch die Nebelkappe verschwunden, und das Land bildete bis zum Horizont eine malerische Vielfalt von Eisblumen. Und �ber dem n�rdlichen Horizont dieses zerkl�fteten Diamantfeldes stand eine hohe schwarze Wolke, die in den Himmel aufstieg aus einer Quelle, die nicht weit hinter dem Horizont zu liegen schien.</p><p>Sie hielten an und gruben einen der kleinen Schutzr�ume Nadias aus. Nirgal sah zu der dunklen Wolke und dann auf die Karte. Er sagte: �Ich denke, dies k�nnte das Rayleigh-Mohole sein. Cojote hat dort auf der ersten Reise, die ich mit ihm gemacht habe, die Robotbagger gestartet. Ich m�chte wissen, ob dabei etwas herausgekommen ist.�</p><p>�Ich habe hier in der Garage einen kleinen Erkundungsrover verstaut�, sagte Nadia. �Du kannst den nehmen und hinfahren, wenn du willst. Ich w�rde es auch gern tun, mu� aber nach Gamete zur�ck. Ich soll dort �bermorgen mit Ann zusammenkommen. Sie hat offenbar von dem Kongre� geh�rt und will mir einige Fragen stellen.�</p><p>Art dr�ckte sein Interesse aus, Ann Clayborne kennenzulernen. Er war von einem Video beeindruckt, das er von ihr auf seinem Flug zum Mars gesehen hatte. �Es w�re so, als tr�fe man Jeremiah.�</p><p>�Ich werde mit dir kommen�, sagte Jackie zu Nirgal.</p><empty-line/><p>So verabredeten sie, sich in Gamete zu treffen, und Art und Nadia setzten sich in dem gro�en Rover dorthin in Marsch, w�hrend Nirgal und Jackie in Nadias Aufkl�rer losfuhren. Die hohe Wolke stand immer noch vor ihnen �ber der Eislandschaft, eine dicke S�ule aus dunkelgrauen Ballen, flach gedr�ckt in der Stratosph�re, zu verschiedenen Zeiten in verschiedene Richtungen. Als sie n�her kamen, erschien es immer sicherer, da� die Wolke aus dem schweigenden Planeten aufstieg. Und als sie an die Kante einer Bodenwelle kamen, sahen sie, da� das Land in der Entfernung frei von Eis war. Der Boden war so steinig wie im Hochsommer, aber dunkler�� ein fast rein schwarzer Fels, der aus langen orangefarbenen Rissen in seiner kissenartig gebl�hten Oberfl�che Rauch ausstie�. Und genau hinter dem Horizont, der sechs Kilometer entfernt war, w�lzte sich die schwarze Wolke empor wie ein Mohole, das zur Nova geworden war. Der hei�e Gasrauch explodierte nach au�en und flatterte rasch in die H�he.</p><p>Jackie fuhr ihren Wagen auf den Gipfel der h�chsten Erhebung in der Gegend. Vor dort konnte sie bis zur Quelle der Wolke sehen; und es war genau so, wie Nirgal im ersten Moment vermutet hatte, als er sie erblickte. Das Rayleigh-Mohole war jetzt ein niedriger H�gel, schwarz bis auf seine orangefarbenen Risse. Die Wolke str�mte aus einem Loch in diesem H�gel aus. Der Rauch war dunkel, dicht und tr�be. Eine Zunge aus nacktem schwarzem Fels erstreckte sich bergab gen S�den, in ihrer Richtung, und dann nach rechts zur Seite.</p><p>W�hrend sie im Wagen sa�en und stumm hinsahen, kippte ein gro�er Teil des niedrigen schwarzen H�gels �ber dem Mohole zur Seite und brach ab, und fl�ssiges orangefarbenes Gestein ergo� sich, gelbe Funken spr�hend, schnell zwischen die schwarzen Brocken. Das intensive Gelb wurde rasch orange und dann noch dunkler.</p><p>Danach bewegte sich nur noch die Rauchwolke. �ber dem Ventilator und Motorger�usch konnten sie einen dr�hnenden Basso continuo h�ren, interpunktiert durch laute Explosionen, die zeitlich zu pl�tzlichen Raucheruptionen aus dem Schlot pa�ten. Der Wagen vibrierte leicht auf seinen Sto�d�mpfern.</p><p>Sie blieben auf dem H�gel und beobachteten. Nirgal hingerissen, Jackie erregt und gespr�chig. Sie machte viele Bemerkungen und wurde dann still, als St�cke der Lava von dem H�gel abbrachen und weitere Erg�sse von geschmolzenem Gestein zur Folge hatten. Wenn sie durch das Infrarotger�t des Wagens blickten, war der H�gel ein strahlender Smaragd mit blendend wei�en Rissen; und die Zunge aus Lava, die �ber die Ebene flo�, war hellgr�n. Es dauerte ungef�hr eine Stunde, bis der orangefarbene Fels im visuellen Licht schwarz wurde, aber im Infrarot wurde das Smaragdgr�n binnen etwa zehn Minuten dunkelgr�n. Gr�n ergo� sich empor in die Welt; und das Wei� brach durch es hindurch.</p><p>Sie verzehrten eine Mahlzeit; und als sie die Teller wuschen, bewegte Jackie Nirgal in der engen K�che mit den H�nden herum, sanft, wie sie in Neu-Vanuatu gewesen war, mit hellen Augen und einem leichten L�cheln. Nirgal kannte diese Zeichen und liebkoste sie, als sie sich in den kleinen Raum hinter den Fahrersitzen begab, erfreut �ber die erneuerte Intimit�t, die so selten und so kostbar war. Er sagte: �Ich wette, da� es drau�en warm ist.�</p><p>Ihr Kopf flog herum, und sie sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an.</p><p>Ohne ein weiteres Wort zogen sie sich an und gingen in die Schleuse. Sie hielten sich bei den behandschuhten H�nden, w�hrend sie darauf warteten, da� sie sich �ffnete. Danach traten sie aus dem Wagen und gingen �ber das trockene rostfarbene Ger�ll. Sie dr�ckten sich fest die H�nde und schl�ngelten sich um Buckel, L�cher und brusthohe Felsbl�cke auf das neue Areal zu. Jeder trug in der freien Hand ein d�nnes Isolationsp�ckchen. Sie h�tten sprechen k�nnen, taten das aber nicht. Die Luft schob sie hin und wieder nach vorn; und sogar durch die Schichten seines Schutzanzugs konnte Nirgal f�hlen, da� sie warm war. Der Boden unter ihren F��en zitterte leicht, und das Dr�hnen war weit entfernt, vibrierte aber in seinem Magen. Es war alle paar Sekunden durch einen dumpfen Knall akzentuiert oder einen sch�rferen krachenden Laut. Ohne Zweifel war es gef�hrlich, hier drau�en zu sein. Da war ein kleiner runder H�gel, sehr �hnlich dem, auf dem ihr Wagen geparkt war, welcher einen Blick auf die Zunge hei�er Lava aus etwas geringerer Entfernung gestattete. Ohne sich zu besprechen, gingen sie auf ihn zu. Sie erklommen den letzten Hang mit gro�en Schritten, sich immer fest an den H�nden haltend.</p><p>Vom Gipfel des H�gels aus konnten sie weit �ber den neuen schwarzen Strom blicken und sein sich verschiebendes Netzwerk aus orangefarbenen Rissen. Der L�rm war betr�chtlich. Es schien klar, da� jede neue Lavaeruption von der anderen Seite der schwarzen Masse hinunterrinnen w�rde. Sie befanden sich auf einem hohen Punkt am Ufer eines Stroms, wobei ein offenkundiger Wasserlauf von links nach rechts f�hrte, wenn sie darauf hinunterblickten. Nat�rlich konnte eine pl�tzliche gro�e Flut sie �berw�ltigen. Aber das war eher unwahrscheinlich. Und auf jeden Fall waren sie hier in keiner gr��eren Gefahr, als in der sie im Wagen geschwebt hatten.</p><p>Alle diese �berlegungen brachen ab, als Jackie ihre Hand von der seinen frei machte und anfing, ihren Handschuh auszuziehen. Nirgal tat dasselbe und rollte den Stoff hoch, bis Handgelenk und Daumen frei waren. Der Handschuh l�ste sich von seinen Fingerspitzen und fiel herunter. Er rechnete, da� es etwa 278 K w�ren, frisch, aber nicht besonders kalt. Und dann wehte ihn ein Schwall warmer Luft an und danach von hei�er Luft, vielleicht 315 K, der schnell vorbeiging. Es folgte wieder die k�hlere Luft, der seine Hand zuerst ausgesetzt gewesen war. W�hrend er seinen anderen Handschuh herunterzog, wurde ihm klar, da� hier �berall diese hohe Temperatur herrschte, aber bei jedem Windsto� etwas anders war.</p><p>Jackie hatte schon ihre Jacke vom Helm getrennt und den Rei�verschlu� vorn ganz ge�ffnet. Und w�hrend Nirgal jetzt zusah, zog sie sie aus und entbl��te ihren Oberk�rper. Die Luft traf sie, und eine G�nsehaut lief �ber ihren K�rper. Sie beugte sich vor, um ihre Stiefel auszuziehen, und ihr Lufttank lag in der H�hlung ihres R�ckgrats. Die Rippen traten unter ihrer Haut hervor. Nirgal ging zu ihr und zog ihr von hinten die Hose herunter. Sie griff nach hinten, zog ihn an sich und dr�ckte ihn auf den Boden. Sie fielen beide eng umschlungen hin und drehten sich schnell, um auf die isolierenden Unterlagen zu kommen. Der Boden war sehr kalt. Sie legten ihre Kleidung ab, und sie lag auf dem R�cken mit dem Lufttank �ber ihrer rechten Schulter. Er lag auf ihr. In der k�hlen Luft war ihr K�rper erstaunlich warm. Er strahlte Hitze aus wie Lava. W�rmewellen trafen ihn von unten und von der Seite. Ihr rosiger, muskul�ser K�rper umklammerte ihn fest mit Armen und Beinen, im Sonnenlicht aufregend greifbar. Sie dr�ckten die Visierscheiben aneinander.</p><p>Ihre Helme stie�en heftig Luft aus, um die undichten Stellen an Schultern, Rumpf und Schl�sselbein auszugleichen.</p><p>Sie schauten sich einige Zeit in die Augen, getrennt durch eine doppelte Glasschicht, welche das einzige zu sein schien, das ihr v�lliges Verschmelzen in ein einziges Wesen verhindern konnte. Die Empfindung war so stark, da� sie gef�hrlich wurde. Sie stie�en immer wieder mit den K�pfen zusammen, um den Wunsch nach Verschmelzung auszudr�cken. Aber sie wu�ten, da� sie sicher waren. Jackies Augen hatten einen seltsamen Rand zwischen Iris und Pupille. Deren kleine schwarze Fenster waren tiefer als jedes Mohole, eine Senke ins Zentrum des Universums. Nirgal mu�te einfach wegschauen! Er richtete sich von ihr hoch, um ihren langen K�rper zu betrachten, der, so �berw�ltigend er war, dennoch weniger �berw�ltigend war als die Tiefe ihrer Augen. Breite geschmeidige Schultern, ein ovaler Nabel, die so feminine L�nge ihrer Schenkel� Er schlo� die Augen. Es war wie ein Zwang. Und dann war er in ihr. Der Boden bebte unter ihnen in einer zarten, aber intensiven seismischen Verz�ckung. Dieser lebende Fels. Als Nirgals Nerven und Haut anfingen zu trommeln und singen, wandte er den Kopf, um auf die flie�ende Lava zu blicken. Und dann f�gte sich alles zusammen.</p><empty-line/><p>Sie verlie�en den Rayleigh-Vulkan und fuhren zur�ck in die Dunkelheit der Nebelkapuze. In der zweiten Nacht, nachdem sie Rayleigh verlassen hatten, n�herten sie sich Gamete. In dem dunklen Grau einer besonders tiefen Mittagsd�mmerung kamen sie heran und unter den gro�en �berhang aus Eis. Pl�tzlich beugte Jackie sich mit einem Schrei vor, schaltete den Autopiloten aus und trat voll die Bremse durch.</p><p>Nirgal hatte vor sich hin ged�st, wurde unsanft wach, als er gegen das Lenkrad stie�, und schaute hinaus, um zu sehen, was da los war.</p><p>Die Klippe, wo die Garage gewesen war, war zertr�mmert. Ein gro�er Eissturz war von der Klippe abgebrochen und hatte die Stelle versch�ttet, wo die Garage gewesen war. Das Eis zuoberst war sehr inhomogen, wie durch eine Explosion. Jackie schrie: �Oh, sie haben es in die Luft gejagt! Sie haben sie alle get�tet!�</p><p>Nirgal war, als h�tte man ihm einen Schlag in den Magen versetzt. Er wunderte sich, welchen physischen Schock Furcht ausl�sen konnte. Sein Geist war taub. Er schien nichts zu f�hlen�� weder Angst noch Verzweiflung, nichts. Er griff hin�ber und dr�ckte Jackies Schulter�� sie zitterte�� und starrte besorgt durch den dichten wehenden Nebel.</p><p>�Dort ist der Notausgang�, sagte er. �Man hat sie bestimmt nicht kalt erwischt.� Der Tunnel f�hrte durch einen Arm der Polkappe zu Chasma Australe, wo es in der Eiswand eine Zuflucht gab. �Aber���, sagte Jackie und schluckte. �Aber wenn sie keine Warnung bekommen haben?�</p><p>Nirgal �bernahm das Steuer und sagte: �La� uns zu dem Asyl in Australe fahren!�</p><p>Er polterte �ber die Eisblumen mit der H�chstgeschwindigkeit, die der Wagen hergab, konzentrierte sich auf das Terrain und versuchte nicht zu denken. Er hatte nicht einmal Lust, zu der anderen Zufluchtsst�tte zu fahren�� um sie dann wom�glich leer vorzufinden. Damit w�re seine letzte Hoffnung dahin, der einzige Weg, diese Katastrophe abzuwenden. Er w�re am liebsten gar nicht angekommen, sondern f�r immer um die Polkappe gefahren, ungeachtet der qu�lenden Besorgnis. Jackies Atem ging pfeifend, und von Zeit zu Zeit st�hnte sie. Bei Nirgal war es nur eine Benommenheit, eine Unf�higkeit zu denken. Ich f�hle �berhaupt nichts, dachte er verwundert. Aber alle m�glichen Bilder von Hiroko blitzten st�ndig vor ihm auf wie auf den Bildschirm geworfen oder standen wie Gespenster drau�en im treibenden Nebel. Es war sehr gut m�glich, da� der Angriff aus dem Weltraum oder durch ein Projektil aus dem Norden erfolgt war. In diesem Falle h�tte es keine Warnung gegeben. Die gr�ne Welt wurde ausgel�scht, und nur die wei�e Welt des Todes w�re �briggeblieben. Die Farben aus allem herausgezogen wie in dieser Winterwelt aus grauem Nebel.</p><p>Er straffte die Lippen und konzentrierte sich auf die Eislandschaft. Er fuhr mit einer R�cksichtslosigkeit, die ihm bisher fremd gewesen war. Die Stunden vergingen, und er bem�hte sich nach Kr�ften, nicht an Hiroko, Nadia, Art oder Sax oder sonst einen der �brigen zu denken. Seine Familie, Nachbarn, seine Stadt und Nation�� alle unter dieser einen kleinen Kuppel. Er kr�mmte sich �ber seinen verkrampften Magen und konzentrierte sich auf das Fahren, auf jeden kleinen Buckel und jedes Loch, dem er trotzen mu�te in dem vergeblichen Bem�hen, die Fahrt weniger holprig zu machen.</p><p>Sie mu�ten etwa dreihundert Kilometer im Uhrzeigersinn fahren und dann den gr��ten Teil der L�nge von Chasma Australe hinauf, wo sich der Weg im Sp�twinter verengte und so von Eisbl�cken versperrt war, da� es nur eine einzige Route hindurch gab, die durch schwache kleine Transponderbaken markiert war. Hier war er gezwungen langsamer zu werden. Aber unter dem dunklen Nebel konnten sie alle Stunden durchfahren. Das taten sie, bis sie die niedrige Wand erreichten, die das Asyl bezeichnete. Es waren erst vierzehn Stunden seit ihrer Abfahrt von dem Tor von Gamete vergangen�� eine gro�e Leistung bei so zerkl�ftetem eisigem Terrain��, aber Nirgal bemerkte das nicht einmal. Wenn das Asyl leer war��</p><p>Wenn es leer war�� DieTaubheit in ihm verschwand rasch, als sie sich der niedrigen Wand am Anfang der Schlucht n�herten. Kein Zeichen war zu sehen, da� irgendwer oder irgendwas da w�re. Nirgals Furcht brach wie wei�es Magma aus Rissen in schwarzer Lava hervor. Sie spritzte heraus und schwappte durch ihn hindurch und wurde zu einer unertr�glichen Zerrei�probe in jeder seiner Zellen��</p><p>Dann flackerte unten an der Wand ein Licht auf, und Jackie schrie �Ah!�, als h�tte man sie mit einer Nadel gestochen. Nirgal beschleunigte, und der Wagen raste auf die Eiswand zu. Er h�tte ihn beinahe daraufkrachen lassen. Im letzten Moment erst trat er auf die Bremse. Die gro�en Drahtr�der rutschten ganz kurz und kamen zum Stehen. Jackie st�lpte ihren Helm auf und kletterte in die Schleuse. Nirgal kam nach, und nach einem qu�lend langsamen Druckausgleich lie�en sie sich auf den Boden fallen und rannten zu der Schleusent�r in einer flachen Nische des Eises. Die T�r ging auf, und zwei Gestalten in Schutzanz�gen sprangen mit Gewehren in der Hand heraus. Jackie rief etwas �ber die allgemeine Frequenz; und binnen einer Sekunde dr�ckten die sie an sich.</p><p>So weit, so gut, obwohl man sich vorstellen konnte, da� sie sie blo� tr�steten. Nirgal war immer noch von banger Erwartung gequ�lt, als er hinter einer Frontscheibe Nadias Gesicht erblickte. Sie machte ihm ein Zeichen mit erhobenem Daumen, und er merkte, da� er den Atem seit einer Zeit angehalten hatte, die ihm wie die ganzen letzten f�nfzehn Stunden vorkam. Jackie weinte vor Erleichterung, und Nirgal f�hlte sich auch dazu geneigt; aber das v�llige Verschwinden der Taubheit und dann die Furcht hatten ihn blo� ersch�ttert und ersch�pft gemacht, jenseits von Tr�nen.</p><p>Nadia f�hrte ihn an der Hand in die Zufluchtsst�tte, als ob sie dies verst�nde. Und als die Schleuse geschlossen war und unter Druck gesetzt wurde, begann Nirgal erst die Stimmen auf der allgemeinen Frequenz zu verstehen: �Ich hatte solche Angst. Ich dachte, ihr w�ret tot.�</p><p>�Wir sind aus dem Fluchttunnel gekommen, wir haben sie kommen sehen�� �</p><p>Im Innern nahmen sie die Helme ab und lie�en sich hundertmal umarmen. Art klopfte Nirgal auf die Schulter. �So froh, euch beide zu sehen!� Er dr�ckte Jackie fest an sich, hielt sie dann auf Armesl�nge vor sich und blickte mit Zustimmung und Bewunderung in ihr verrotztes, rot�ugiges, m�dchenhaftes Gesicht, als ob er gerade in diesem Moment erkennen w�rde, da� auch sie menschlich war und keine katzenhafte G�ttin.</p><p>W�hrend sie durch den engen Tunnel zu den R�umen des Asyls gingen, erz�hlte ihnen Nadia mit finsterem Gesicht die Geschichte. �Wir sahen sie kommen und zogen uns durch den Nottunnel zur�ck. Dann lie�en wir beide Kuppeln und alle Tunnels einst�rzen Damit haben wir wohl eine ganze Anzahl von ihnen get�tet, aber ich wei� nicht, wie viele sie hineingeschickt hatten oder wie weit sie gekommen sind. Cojote ist drau�en und beschattet sie, um zu sehen, ob er etwas sagen kann. Jedenfalls ist es geschehen.�</p><p>Am Ende des Tunnels war ein enges Asyl aus einigen kleinen R�umen mit rohen W�nden, B�den und Decken aus isolierenden Tafeln, die direkt an Hohlr�ume im Eis grenzten. Jedes Zimmer lag strahlenf�rmig um eine zentrale Kammer, die als K�che und Speisesaal diente. Jackie umarmte dort alle au�er Maya bis hin zu Nirgal. Sie hielten einander fest, und Nirgal f�hlte sie zittern und merkte, da� auch er selbst zitterte in einer Art von synchroner Vibration. Die schweigsame, verzweifelte und angstvolle Fahrt w�rde ihre Verbindung ebenso st�rken wie ihr Liebesspiel am Vulkan oder noch mehr�� das war schwer zu sagen. Er war zu m�de, um die starken unbestimmten Emotionen, die ihn durchstr�mten, zu verstehen. Er machte sich von Jackie frei und setzte sich hin, pl�tzlich bis zu Tr�nen ersch�pft. Hiroko sa� neben ihm, und er h�rte ihr zu, wie sie ausf�hrlich erz�hlte, was geschehen war.</p><p>Der Angriff hatte begonnen mit dem pl�tzlichen Auftauchen einiger Raumflugzeuge, die sich in einer Gruppe auf die Ebene vor dem Hangar st�rzten. Darum bekamen sie drinnen zun�chst keine Warnung, denn die Leute im Hangar hatten mit Verwirrung reagiert. Sie telefonierten zwar nach drinnen, um die anderen zu warnen, vers�umten aber, Cojotes Verteidigungssystem zu aktivieren, das sie offenbar einfach vergessen hatten. Cojote war dar�ber sehr emp�rt, wie Hiroko sagte, und das konnte Nirgal sich gut vorstellen. Er sagte: �Man mu� Angriffe von Luftlandetruppen gleich im ersten Ansatz stoppen.� Statt dessen hatten sich die Leute im Hangar in die Kuppel zur�ckgezogen. Nach einigem Durcheinander waren sie alle im Fluchttunnel beisammen, und sobald sie �ber den Explosionspunkt hinaus waren, hatte Hiroko befohlen, die Schweizer Verteidigung zu ergreifen und die Kuppel zum Einsturz zu bringen. Kasei und Harmakhis hatten gehorcht, und so war die ganze Kuppel heruntergekommen und hatte alle Angreifer, die sich in ihrem Innern befanden, get�tet und unter Millionen Tonnen Trockeneis begraben. Strahlungsmessungen deuteten darauf hin, da� der Rickover-Reaktor nicht aufgeschmolzen war, obwohl er sicher mit allem anderen zermalmt worden war. Cojote war mit Peter durch einen Seitentunnel verschwunden aus einem eigenen Fluchtloch. Hiroko wu�te nicht genau, wohin sie gegangen waren. �Aber ich denke, da� diese Raumflieger jetzt in schauerlichen Schwierigkeiten stecken.�</p><p>Also war Gamete dahin und die H�lle von Zygote auch. Irgendwann in der Zukunft w�rde die Polkappe durch Sublimation verschwinden und ihre plattgedr�ckten �berreste freigeben, dachte Nirgal zerstreut. Aber vorerst war alles begraben und v�llig unzug�nglich.</p><p>Und hier waren sie nun. Sie waren nur mit einigen KIs und den Schutzanz�gen auf dem R�cken herausgekommen. Und jetzt waren sie im Krieg mit der �bergangsbeh�rde (vermutlich), mit einem Teil der Macht, die sie schon da drau�en angegriffen hatte.</p><p>�Wer waren sie?� fragte Nirgal.</p><p>Hiroko sch�ttelte den Kopf. �Das wissen wir nicht. Cojote hat gesagt, die �bergangsbeh�rde. Aber es gibt im Sicherheitsdienst der UNTA eine Menge verschiedener Einheiten; und wir m�ssen herausfinden, ob das jetzt die neue Polizei der �bergangsbeh�rde ist oder ob irgendeine Einheit wild geworden ist.�</p><p>�Was werden wir tun?� fragte Art.</p><p>Zuerst antwortete niemand.</p><p>Schlie�lich sagte Hiroko: �Wir werden um Asyl bitten m�ssen. Ich denke, Dorsa Brevia hat den meisten Platz.�</p><p>�Was ist mit dem Kongre�?� fragte Art, der durch die Erw�hnung von Dorsa Brevia daran erinnert wurde.</p><p>�Ich meine, wir brauchen ihn jetzt mehr denn je�, sagte Hiroko.</p><p>Maya runzelte die Stirn und erkl�rte: �Es k�nnte gef�hrlich sein zusammenzukommen. Du hast einer Menge Leute davon erz�hlt.�</p><p>�Das mu�ten wir�, sagte Hiroko. �Darauf kommt es ja gerade an.� Sie sah sich bei allen um; und nicht einmal Maya wagte, ihr zu widersprechen. �Jetzt m�ssen wir das Risiko auf uns nehmen.�</p></section></section><section><title><p>SIEBTER TEIL</p><p>Was ist zu tun?</p></title><section><p><emphasis>Die wenigen gro�en Geb�ude in Sabishii waren mit poliertem Stein verkleidet, der nach Farben ausgesucht war, die auf dem Mars ungebr�uchlich waren: Alabaster, Jade, Malachit, Jaspis, T�rkis, Onyx, Lapislazuli. Die kleineren Geb�ude waren aus Holz. Nachdem sie bei Nacht gefahren waren und sich bei Tage versteckt hatten, war es f�r die Besucher ein Vergn�gen, im Sonnenschein zwischen niedrigen h�lzernen Geb�uden spazierenzugehen, zwischen Platanen und Ahornb�umen, durch Steing�rten und �ber breite Boulevards mit Rasen, vorbei an von Zypressen ges�umten Kan�len, die sich gelegentlich zu Teichen verbreiterten und von hoch gew�lbten Br�cken �berspannt waren. Sie waren hier fast unter dem �quator, und Winter bedeutete nichts. Sogar im Aphel bl�hten Hibiskus und Rhododendron, und Fichten und mancherlei Bambusarten sch�ssen hoch in die warme, bewegte Luft empor.</emphasis></p><p><emphasis>Die alten Japaner begr��ten ihre Besucher als alte und gesch�tzte Freunde. Die Issei von Sabishii trugen kupferne Jumper, gingen barfu�, hatten lange Pferdeschw�nze und viele Ohrringe und Halsb�nder. Einer von ihnen, kahl, mit einem sch�tteren wei�en Bart und runzligem Gesicht, machte mit den G�sten einen Spaziergang, damit sie sich nach dem langen Fahren die Beine vertreten k�nnten.</emphasis></p><p><emphasis>Er hie� Kenji und war der erste Japaner gewesen, der den Mars betreten hatte, obwohl das niemand mehr erw�hnte.</emphasis></p><p><emphasis>An der Stadtmauer sahen sie enorme Felsbl�cke, die auf nahen Bergspitzen balancierten und phantastische Formen hatten.</emphasis></p><p><emphasis>�Bist du jemals bei den Medusae Fossae gewesen?�</emphasis></p><p><emphasis>Kenji l�chelte nur und sch�ttelte den Kopf. Die Kami- Steine auf den Bergen waren durchsetzt von Zimmern und Vorratsr�umen, wie er ihnen sagte. Und bei dem Labyrinth des Moholes w�rden sie jetzt sehr viel Leute unterbringen, zwanzigtausend an der Zahl, f�r die Dauer eines Jahres. Die Besucher nickten. Es schien m�glich, da� das notwendig sein w�rde.</emphasis></p><p><emphasis>Kenji f�hrte sie in den �ltesten Teil der Stadt zur�ck, wo man den G�sten Zimmer in dem urspr�nglichen Komplex gegeben hatte. Die R�ume waren kleiner und schlichter als die meisten Studentenapartments der Stadt und hatten eine Patina von Alter und Gebrauch, die sie mehr zu Nestern als zu Zimmern machte. Die Issei schliefen noch in einigen davon.</emphasis></p><p><emphasis>W�hrend die Besucher durch diese R�ume gingen, sahen sie einander nicht an. Der Kontrast zwischen ihrer Geschichte und der von Sabishii war zu stark. Verwirrt, zerstreut und in sich gekehrt betrachteten sie das Mobiliar. Und nach dem Abendessen, als eine Menge Sake durch die Kehlen gelaufen war, sagte einer: �Ach, h�tten wir doch nur etwas wie dieses gemacht!�</emphasis></p><p><emphasis>Nanao fing an, eine Bambusfl�te zu spielen.</emphasis></p><p><emphasis>�F�r uns war es leichter�, sagte Kenji. �Wir waren alle zusammen Japaner. Wir hatten ein Vorbild.�</emphasis></p><p><emphasis>�Es sieht mir nicht sehr wie das Japan aus, an das ich mich erinnere.�</emphasis></p><p><emphasis>�Nein. Aber das ist nicht das wahre Japan.�</emphasis></p><p><emphasis>Sie nahmen ihre Tassen und ein paar Flaschen und stiegen �ber Treppen zu einem Pavillon hinauf oben auf einem h�lzernen Turm dicht bei ihrem Wohnkomplex. Dort oben konnten sie auf die B�ume und D�cher der Stadt herabsehen und die zerkl�ftete Gruppe von Felsbl�cken vor dem schwarzen Horizont erkennen. Es war die letzte Stunde der D�mmerung, und au�er einem Lavendelstreifen im Westen zeigte der Himmel ein tiefes Mitternachtsblau, das gro�z�gig mit Sternen bes�t war. In einem Hain aus Feuerahorn unten hing eine Kette von Lampions.</emphasis></p><p><emphasis>�Wir sind die wahren Japaner. Was ihr in Tokio seht, ist transnational. Es gibt ein anderes Japan. Nat�rlich k�nnen wir nie zu ihm zur�ckkehren. Es war eine Feudalkultur in jeder Hinsicht und hatte Z�ge, die wir nicht akzeptieren k�nnen. Aber was wir hier tun, hat seine Wurzel in jener Kultur. Wir versuchen, einen neuen Weg zu finden, einen Weg, der den alten f�r diesen Platz wiederentdeckt oder neu erfindet.�</emphasis></p><p><emphasis>�Kasei Nippon.�</emphasis></p><p><emphasis>�Ja, aber nicht blo� f�r den Mars! Auchf�r Japan. Als ein Modell f�r sie. Verstehst du? Ein Beispiel f�r das, was sie werden k�nnen.�</emphasis></p><p><emphasis>Und so tranken sie Reiswein unter den Sternen. Nanao spielte seine Fl�te, und unten im Park unter den Papierlaternen lachte jemand. Die Besucher sa�en da, aneinandergelehnt, tranken und gr�belten. Sie redeten einige Zeit �ber alle Zufluchtsst�tten, wie unterschiedlich sie waren und wieviel sie dennoch gemein hatten. Sie wurden betrunken.</emphasis></p><p><emphasis>�Dieser Kongre� ist eine gute Idee.�</emphasis></p><p><emphasis>Die Besucher nickten in verschiedenem Ma�e von Zustimmung.</emphasis></p><p><emphasis>�Es ist genau das, was wir brauchen. Ich meine, seit wie vielen Jahren sind wir jetzt schon zusammengekommen, um Johns Fest zu begehen? Und das war gut. Sehr erfreulich. Sehr wichtig. Wir haben es um unserer selbst willen gebraucht. Aber jetzt �ndern sich die Dinge schnell. Wir k�nnen nicht so tun, als w�ren wir ein Geheimbund. Wir m�ssen uns mit dem Rest von ihnen befassen.�</emphasis></p><p><emphasis>Einige Zeit redeten sie �ber Einzelheiten. Teilnehmer des Kongresses, Sicherheitsma�nahmen, problematische Themen.</emphasis></p><p><emphasis>�Wer hat das Ei angegriffen�� das Ei?�</emphasis></p><p><emphasis>�Ein Sicherheitsteam von Burroughs. Subarashii und Armscor haben eingerichtet, was sie eine Sabotageuntersuchungseinheit nennen. Und sie haben die �bergangsbeh�rde dazu gebracht, diese Ma�nahme abzusegnen. Sie werden wieder in den S�den kommen. Da gibt es keinen Zweifel. Wir warten schon fast zu lange.�</emphasis></p><p><emphasis>�Sie haben die Institution�� die Information�� von mir?�</emphasis></p><p><emphasis>Ein Knurren. �Ihr solltet aufh�ren, euchf�r so wichtig zu halten.�</emphasis></p><p><emphasis>�Das ist sowieso gleichg�ltig. Das liegt alles daran, weil wieder ein Aufzug in Betrieb ist.�</emphasis></p><p><emphasis>�Und sie bauen auch noch einen f�r die Erde. Und so���</emphasis></p><p><emphasis>�Wir sollten lieber handeln.�</emphasis></p><p><emphasis>Als dann die irdenen Sakiflaschen die Runde machten und leer wurden, gaben sie diese Ernsthaftigkeit auf und plauderten �ber das vergangene Jahr, Dinge, die sie in der Wildnis gesehen hatten, Klatsch �ber beiderseitige Bekanntschaften und neue Witze, die man geh�rt hatte. Nanao brachte ein P�ckchen mit Ballons; und die f�llten sie und stie�en sie in die n�chtliche Brise �ber der Stadt hinaus und sahen zu, wie sie zu den B�umen und alten Wohnst�tten hinunterschwebten. Sie reichten einen Zylinder mit Stickoxidul herum, taten Atemz�ge und lachten. Die Sterne bildeten �ber ihren K�pfen ein dichtes Netz. Man erz�hlte Geschichten vom Weltraum und vom Asteroideng�rtel. Sie versuchten, mit ihren Taschenmessern aufgestellte Holzst�cke zu treffen, und versagten. �Dieser Kongre� wird etwas sein, das wir nema-washi nennen. Vorbereiten des Bodens.�</emphasis></p><p><emphasis>Zwei standen auf, umarmten sich und schwankten, bis sie das Gleichgewicht wiedergefunden hatten. Dann streckten sie ihre kleinen Tassen zu einem Toast hin.</emphasis></p><p><emphasis>�N�chstes Jahr auf Olympus.�</emphasis></p><p><emphasis>�N�chstes Jahr auf Olympus!� wiederholten die anderen und tranken.</emphasis></p><empty-line/></section><section><p>Es war Ls 180, M-Jahr 40, als sie nacheinander in Dorsa Brevia eintrafen, einer nach dem anderen, in kleinen Wagen und Flugzeugen aus dem ganzen S�den. Eine Gruppe von Roten und Karawanenarabern kontrollierte die Ausweise der Leute im Vorfeld, und weitere Rote und Bogdanovisten waren in Bunkern rund um die Dorsa stationiert f�r den Fall, da� es Schwierigkeiten geben sollte. Aber die Sicherheitsexperten von Sabishii glaubten, da� man in Burroughs, Hellas oder Sheffield nichts von der Konferenz wu�te. Und wenn sie erkl�rten weshalb, pflegten die Leute sich zu beruhigen; denn sie waren offensichtlich weit in die R�ume der UNTA vorgedrungen und praktisch durch die ganze Struktur transnationaler Macht auf dem Mars. Das war ein weiterer Vorteil der Demimonde, sie konnten in beiden Richtungen agieren.</p><p>Als Nadia zusammen mit Art und Nirgal ankam, wurden sie zu ihren G�stequartieren in Zakros, dem s�dlichsten Segment des Tunnels, gef�hrt. Nadia setzte ihr Gep�ck in einem kleinen h�lzernen Zimmer ab und spazierte durch den gro�en Park und dann in die weiter n�rdlich gelegenen Segmente. Sie fand alte Freunde und traf Fremde und f�hlte sich voller Hoffnung. Es war ermutigend zu sehen, wie alle diese Leute, die so viele verschiedene Gruppen repr�sentierten, in Scharen durch die gr�nen Parks und Pavillons str�mten. Sie betrachtete die in dem Park beim Kanal sich dr�ngenden Massen�� etwa dreihundert Personen waren gerade in Sicht�� und lachte.</p><p>Die Schweizer von Overhangs kamen an dem Tag an, bevor die Konferenz beginnen sollte. Man sagte, sie h�tten drau�en in ihren Rovern kampiert und auf das festgesetzte Datum gewartet. Mit sich brachten sie einen ganzen Schwung von Tagesordnungsentw�rfen und Protokollen f�r die Versammlung; und als Nadia und Art h�rten, wie eine Schweizerin ihre Pl�ne darlegte, stie� Art Nadia mit dem Ellbogen an und fl�sterte: �Wir haben ein Monstrum geschaffen.�</p><p>�O nein�, fl�sterte Nadia zur�ck. Sie blickte gl�cklich �ber den gro�en Zentralpark in dem von S�den aus dritten Segment des Tunnels, das Lato hie�. Das Oberlicht war ein langer bronzefarbener Spalt in dem dunklen Dach, und Morgenlicht erf�llte die gro�e Kammer mit der Art von Photonenregen, nach dem sie sich den ganzen Winter gesehnt hatte. Braunes Licht allenthalben, die Bambusgew�chse, Kiefern und Zypressen ragten �ber die D�cher und strahlten wie gr�nes Wasser. �Wir brauchen eine Struktur, oder es w�rde nur eine allgemeine Ungebundenheit geben. Die Schweizer sind Form ohne Inhalt, wenn du verstehst, was ich meine.�</p><p>Art nickte. Er war sehr schnell und manchmal schwer zu verstehen; denn er nahm vier oder f�nf Stufen auf einmal und nahm an, da� sie ihm gefolgt w�re. ��berrede sie einfach dazu, da� sie mit den Anarchisten Kava trinken!� brummte er und begann, eine Runde um die Versammlung zu machen.</p><p>Und als an diesem Abend Nadia mit Maya durch Gournia zu einer Reihe von K�chen unter freiem Himmel an der Kanalseite ging, kam sie an Art vorbei und sah, da� er genau das tat. Er schleppte Mikhail und einige andere Bogdanovisten hin�ber zu einem Tisch mit Schweizern, wo Jurgen, Max, Sibilla und Priska fr�hlich mit einer Gruppe, die um sie herum stand, schwatzten. Ihre Stimmen klangen in diversen Sprachen wie aus dem Computer und zeigten stets den flotten kehligen Schweizer Akzent. �Art ist ein Optimist�, sagte Nadia zu Maya, w�hrend sie weitergingen.</p><p>�Art ist ein Idiot�, erwiderte Maya.</p><p>Inzwischen waren in dem langen Sanktuarium etwa f�nfhundert Besucher, die ungef�hr f�nfzig Gruppen repr�sentierten. Der Kongre� sollte am n�chsten Morgen beginnen. Darum war in dieser Nacht die Geselligkeit laut, von Zakros bis Falasana. Der Zeitrutsch wurde mit Gebr�ll und Gesang ausgef�llt. Arabisches Geheul harmonisierte mit Jodlern, und die Strophen von �Waltzing Matilda� bildeten eine Gegenstimme zur Marseillaise.</p><empty-line/><p>Nadia stand am n�chsten Morgen fr�h auf. Sie fand Art schon drau�en beim Pavillon im Zakrospark, wie er St�hle in klassischem bogdanovistischem Stil kreisf�rmig anordnete. Nadia empfand einen Stich von Schmerz und Bedauern, als ob Arkadys Geist durch sie gewandelt w�re. Ihm h�tte dieses Meeting gefallen. Es war genau das, wozu er oft aufgerufen hatte. Sie ging, um Art zu helfen. �Du bist fr�h auf.�</p><p>�Ich bin aufgewacht und konnte nicht wieder einschlafen.� Er hatte eine Rasur n�tig. �Ich bin nerv�s!�</p><p>Sie lachte. �Dies wird Wochen dauern, Art. Das wei�t du.�</p><p>�Ja, aber die Anf�nge sind wichtig.�</p><p>Um zehn Uhr waren alle St�hle besetzt, und der Pavillon dahinter war von stehenden Beobachtern gedr�ngt voll. Nadia stand hinter dem Zygote-Sektor des Kreises und sah interessiert zu. Es schienen etwas mehr M�nner als Frauen pr�sent zu sein und etwas mehr Eingeborene als Emigranten. Die meisten Leute trugen �bliche einteilige Jumper�� die der Roten waren rostfarben��, aber auch viele farbige zeremonielle Gew�nder waren zu sehen: Roben, Kleider, Pantalons, Anz�ge, bestickte Hemden, freie Brust, eine Menge Halsb�nder, Ohrringe und andere Schmucksachen. Alle Bogdanovisten trugen Schmuck mit St�cken aus Phobosit, dessen schwarze Klumpen gl�nzten, wo sie flach geschnitten und poliert worden waren.</p><p>Die Schweizer standen im Mittelpunkt, d�ster in ihren grauen Bankeranz�gen; Sibilla und Priska trugen dunkelgr�ne Abendkleider. Sibilla er�ffnete die Versammlung, und die �brigen Schweizer wechselten sich ab, w�hrend sie in qu�lenden Details das von ihnen ausgearbeitete Programm erl�uterten. Sie machten Pausen, um Fragen zu beantworten, und baten um Bemerkungen bei jedem Rednerwechsel. W�hrend dessen ging eine Gruppe Sufis in rein wei�en Hemden und Pantalons au�en rings um den Kreis herum und teilte Kr�ge mit Wasser und Bambusbecher aus. Sie bewegten sich mit ihrer gewohnten t�nzerischen Grazie. Als alle Leute Becher hatten, gossen die Delegierten an der Front jeder Gruppe Wasser f�r die Schar zu ihrer Linken ein, und dann tranken sie alle. Drau�en in der Menge der Zuschauer waren die Vanuatuaner an einem Tisch und schenkten kleine Tassen mit Kava, Kaffee oder Tee ein. Art teilte diese aus an solche, die es wollten. Nadia l�chelte bei seinem Anblick, wie er sich durch das Gedr�nge schon wie ein Sufi in Zeitlupe bewegte und von den Tassen mit Kava nippte, die er verteilte.</p><p>Das Programm der Schweizer sollte mit einer Reihe von Arbeitsveranstaltungen beginnen, die in offenen R�umen durch ganz Zakros, Gournia, Lato und Malia verteilt waren. Alle w�rden aufgezeichnet werden. Beschl�sse, Empfehlungen und Fragen sollten als Basis f�r eine nachfolgende Diskussion bei einem der beiden allgemeinen laufenden Meetings dienen. Eine davon sollte sich ungef�hr auf die Probleme der Erreichung von Unabh�ngigkeit konzentrieren und die andere auf das, was danach k�me. Es ging um die Mittel und Ziele, wie Art bemerkte, als er kurz bei Nadia haltmachte.</p><p>Als die Schweizer mit der Darlegung des Programms fertig waren, waren sie bereit anzufangen. Eine zeremonielle Er�ffnung war ihnen nicht in den Sinn gekommen. Werner, der als letzter sprach, erinnerte die Leute daran, da� die ersten Workshops in einer Stunde anfangen w�rden�� und das war es dann. Sie waren fertig.</p><p>Aber ehe sich die Menge zerstreute, trat Hiroko hinter die Leute von Zygote und ging langsam in den Mittelpunkt des Kreises. Sie trug einen bambusgr�nen Jumper und keinen Schmuck�� eine hohe, schlichte Gestalt, wei�haarig und unbefangen. Und dennoch waren alle Augen fest auf sie gerichtet. Und als sie die H�nde hob, standen alle auf, die gesessen hatten. In der folgenden Stille stockte Nadia der Atem. Sie dachte, wir sollten jetzt haltmachen. Keine Meetings. Dies hier ist gerade richtig, unsere gemeinsame Anwesenheit, unsere gemeinsame Verehrung f�r diese eine Person.</p><p>Hiroko sagte, laut genug, da� alle es h�ren konnten: �Wir sind Kinder der Erde. Und dennoch stehen wir hier, in einem Lavatunnel auf dem Planeten Mars. Wir sollten nicht vergessen, ein wie seltsames Schicksal das ist. Leben ist �berall ein R�tsel und ein kostbares Wunder; aber hier sehen wir noch besser seine heilige Macht. La�t uns dessen jetzt eingedenk sein und unsere Verehrung darbringen.�</p><empty-line/><p>Die Arbeitssitzungen fanden in Erkern statt, die in den Parks verstreut waren, oder in R�umen mit drei W�nden in den an diese Parks angrenzenden �ffentlichen Geb�uden. Die Schweizer hatten kleine Gruppen zur Leitung der Workshops bestimmt; und die �brigen Konferenzteilnehmer besuchten die sie jeweils am meisten interessierenden Veranstaltungen, so da� es manchmal f�nf Personen waren und manchmal f�nfzig.</p><p>Nadia wanderte w�hrend des ersten Tages von einem Workshop zum andern, die vier s�dlichsten Segmente des Tunnels auf und ab. Sie fand, da� eine ganze Anzahl Leute dasselbe taten, und erst recht Art, der alle Workshops beobachten zu wollen schien, so da� er an jeder Stelle nur ein paar S�tze mitbekam.</p><p>Nadia geriet in einen Workshop, der die Ereignisse von 2061 diskutierte. Sie war interessiert, wenn auch nicht �berrascht, unter den Teilnehmern Maya, Ann, Sax, Spencer und sogar Cojote zu finden sowie viele andere. Der Raum war dicht gef�llt. Sie nahm an: Die wichtigsten Dinge zuerst. Und es gab so viele bohrende Fragen zu �61: Was war geschehen? Was war schiefgegangen, und warum?</p><p>Aber nach zehn Minuten Zuh�ren sank ihre Stimmung. Die Leute waren aufgeregt, ihre Beschuldigungen tief empfunden und bitter. Nadias Magen verkrampfte sich wie seit Jahren nicht mehr, als Erinnerungen an die mi�lungene Revolte in sie eindrangen.</p><p>Sie sah sich in dem Raum um und versuchte, sich auf die Gesichter zu konzentrieren und von den Gespenstern in ihrem Inneren abzulenken. Sax sa� neben Spencer und beobachtete wie ein Vogel. Er nickte, als Spencer erkl�rte, 2061 h�tte sie gelehrt, da� sie eine vollst�ndige Erfassung aller milit�rischen Kr�fte im System des Mars brauchen w�rden. Er sagte: �Das ist eine <emphasis>notwendige Vorbedingung</emphasis> f�r jede erfolgreiche Aktion.�</p><p>Aber dieses St�ck gesunden Menschenverstands wurde von jemandem niedergebr�llt, der darin einen Vorwand zu sehen schien, Aktion zu vermeiden�� offenbar ein Neuling auf dem Mars, der sofortige Massens�uberung und bewaffneten Angriff auf die St�dte forderte.</p><p>Ganz lebhaft erinnerte Nadia sich an eine Diskussion mit Arkady �ber dieses Thema und konnte es pl�tzlich nicht mehr aushalten. Sie ging ins Zentrum des Raums.</p><p>Nach einiger Zeit verstummten alle bei ihrem Anblick, und sie sagte: �Ich bin es satt, da� diese Sache in rein milit�rischen Ausdr�cken diskutiert wird. Das ganze Modell der Revolution mu� neu durchdacht werden. Das ist es, was Arkady �61 zu tun vers�umt hat; und das ist es, warum das ein so blutiges Unheil geworden ist. H�rt jetzt auf mich! So etwas wie bewaffnete Revolution auf dem Mars kann es nicht geben. Die Systeme zur Lebenserhaltung sind zu verwundbar.�</p><p>Sax kr�chzte: �Aber wenn die Oberfl�che lebenst�chtig�� <emphasis>lebenstr�chtig</emphasis>�� ist, dann sind die Erhaltungssysteme nicht so�� �</p><p>Nadia sch�ttelte den Kopf. �Die Oberfl�che kann kein Leben tragen und wird es auch in vielen Jahren nicht k�nnen. Und selbst wenn das so w�re, m��te man die Revolution �berdenken. Seht, selbst wenn Revolutionen erfolgreich gewesen sind, haben sie so viel Zerst�rung und Ha� bewirkt, da� immer irgendein schrecklicher R�ckschlag eintrat. Das liegt im Wesen der Methode. Wenn man Gewalt w�hlt, schafft man sich Feinde, die immer Widerstand leisten werden. Und skrupellose M�nner werden Revolutionsf�hrer. Daher sind sie an der Macht, wenn die Revolution vor�ber ist, und dann wohl ebenso schlimm wie das, an dessen Stelle sie getreten sind.�</p><p>�Nicht in�� <emphasis>American�,</emphasis> sagte Sax, dem die Augen herausquollen vor Anstrengung, die Worte richtig herauszubringen.</p><p>�Dar�ber wei� ich nichts. Aber meistens hat es gestimmt. Gewalt zeugt Ha�, und dann gibt es schlie�lich einen R�ckprall. Das ist unvermeidlich.�</p><p>�Ja�, sagte Nirgal mit seinem gew�hnlichen scharfen Ausdruck, der sich durchaus nicht von Saxens Grimasse unterschied. �Aber wenn die Leute die Zufluchtsst�tten angreifen und zerst�ren, haben wir keine gro�e Wahl.�</p><p>�Die Frage ist: Wer schickt diese Kr�fte aus?� sagte Nadia. �Und wer sind die Leute in diesen Kr�ften selbst? Ich bezweifle, da� diese Personen uns irgendwie feindlich gesinnt sind. Sie k�nnten, was das angeht, ebenso leicht auf unserer Seite stehen wie gegen uns. Es sind ihre Befehlshaber und Eigner, auf die wir uns konzentrieren sollten.�</p><p>�Ent-haup-tung�, rief Sax.</p><p>�Das h�re ich nicht gern. Ihr braucht einen anderen Ausdruck.�</p><p>�Obligatorischer R�ckzug?� schlug Maya bissig vor. Die Leute lachten, und Nadia sah ihre alte Freundin an.</p><p>�Erzwungene Arbeitslosigkeit�, sagte Art laut von hinten, der gerade eingetroffen war.</p><p>�Du meinst einen Staatsstreich�, sagte Maya. �Nicht gegen die gesamte Bev�lkerung auf der Oberfl�che k�mpfen, sondern nur gegen die F�hrerschaft und deren Leibw�chter.�</p><p>�Und vielleicht deren Armeen�, unterstrich Nadia. �Wir haben kein Zeichen, da� sie unzufrieden oder gleichg�ltig sind.�</p><p>�Nein. Aber w�rden sie ohne Befehle ihrer Anf�hrer k�mpfen?�</p><p>�Einige vielleicht. Es ist schlie�lich ihr Job.�</p><p>�Ja, aber f�r sie steht kein gro�es Ziel dahinter�, sagte Nadia, der dieser Gedanke kam, w�hrend sie sprach. �Ohne Patriotismus oder Volksverbundenheit oder irgendeine andere Art von Heimatgef�hl, um das es ginge, glaube ich nicht, da� diese Leute bis zum Tode k�mpfen w�rden. Sie wissen, da� sie auf Befehl losgeschickt werden, um die M�chtigen zu sch�tzen. Da tritt ein mehr den Gleichheitsgedanken verfechtendes System auf, und sie k�nnten einen Konflikt der Loyalit�ten empfinden.�</p><p>�Pensionsverg�tungen�, witzelte Maya, und die Leute lachten wieder.</p><p>Aber von hinten sagte Art: �Warum sollte man es nicht so formulieren? Wenn man sich die Revolution nicht als Krieg vorstellen will, mu� man daf�r etwas anderes haben. Warum also nicht �konomie? Nennt es einen Wechsel der Verfahren. Das ist es, was die Leute von Praxis tun, wenn sie �ber menschliches Kapital sprechen oder Bioinfrastruktur�� alles in �konomischen Fachausdr�cken formuliert. Das ist irgendwie komisch, aber es spricht jene an, f�r die �konomie das wichtigste Paradigma ist. Das schlie�t bestimmt die Transnationalen ein.�</p><p>Nirgal sagte grinsend: �Also machen wir die lokale F�hrung arbeitslos und geben ihrer Polizei eine Gehaltserh�hung, w�hrend wir sie umschulen.�</p><p>�Na ja, so etwas.�</p><p>Sax sch�ttelte den Kopf und sagte: �K�nnen nicht erreichen. Brauchen Gewalt.�</p><p>Nadia war hartn�ckig. �Es mu� etwas ver�ndert werden, um ein neues �61 zu vermeiden. Man mu� dar�ber nachdenken. Vielleicht gibt es historische Modelle, aber nicht die, welche du erw�hnt hast. Etwas mehr als zum Beispiel die samtenen Revolutionen, welche die Sowjet�ra beendet haben.�</p><p>�Aber dabei waren ungl�ckliche Bev�lkerungen betroffen�, sagte Cojote von hinten. �Und sie haben in einem System stattgefunden, das zerfiel. Hier gelten nicht die gleichen Bedingungen. Den Leuten geht es recht gut. Sie f�hlen sich gl�cklich, da� sie hier sind.�</p><p>�Aber die Erde�� in Schwierigkeiten�, erkl�rte Sax. �Zerf�llt.�</p><p>�Hmm�, machte Cojote und setzte sich zu Sax, um dar�ber zu sprechen. Das Gespr�ch mit Sax war zwar immer noch frustrierend, aber dank seiner Arbeit mit Michel war es m�glich. Es machte Nadia gl�cklich zu sehen, wie Cojote sich mit ihm beriet.</p><p>Die Diskussion um sie herum ging weiter. Die Leute stritten �ber Revolutionstheorien; und wenn sie �ber 2061 selbst zu reden versuchten, waren sie behindert durch alten Groll und einen fundamentalen Mangel an Verst�ndnis f�r das, was in jenen alptraumhaften Monaten geschehen war. Das wurde besonders deutlich, als Mikhail und einige fr�here Insassen von Korolyov dar�ber zu streiten begannen, wer die Wachen ermordet h�tte.</p><p>Sax stand auf und schwenkte seine KI �ber dem Kopf.</p><p>Er kr�chzte: �Brauchen Fakten <emphasis>zuerst.</emphasis> Dann die Dialyse�� die <emphasis>Analyse.�</emphasis></p><p>�Eine gute Idee�, sagte Art sofort. �Wenn diese Gruppe eine kurze Geschichte des Krieges f�r den Gesamtkongre� zusammenstellen kann, w�re das wirklich n�tzlich. Wir k�nnen uns davon die Diskussion �ber revolution�re Methodik f�r die Generalversammlungen aufheben�� okay?�</p><p>Sax nickte und setzte sich. Eine ganze Anzahl Leute verlie� die Versammlung, und der Rest beruhigte sich und scharte sich um Sax und Spencer. Das waren jetzt meist Kriegsveteranen, wie Nadia bemerkte, aber da waren auch Jackie, Nirgal und einige andere Eingeborene. Nadia hatte etwas von der Arbeit gesehen, die Sax in Burroughs zur Frage von �61 geleistet hatte, und hoffte jetzt, da� man mit Augenzeugenberichten einiger anderer Veteranen zu einem besseren grundlegenden Verst�ndnis des Krieges und seiner letzten Ursachen kommen w�rde�� fast ein halbes Jahrhundert, nachdem er vorbei war. Aber als sie das Art gegen�ber zur Sprache brachte, sagte der, da� das ganz und gar nicht atypisch w�re. Er ging mit der Hand auf ihrer Schulter neben ihr und schien unbek�mmert zu sein �ber all das, was er an diesem Morgen gesehen hatte bei der ersten vollen Offenlegung vor der widerspenstigen Natur des Untergrunds. Er r�umte ein: �Sie stimmen vielem nicht zu. Aber das f�ngt immer so an.�</p><empty-line/><p>Sp�t am zweiten Nachmittag erschien Nadia in dem Workshop, der der Frage des Terraformens gewidmet war. Wie sie meinte, war das wohl die umstrittenste Frage, und die Beteiligung an dieser Arbeitssitzung brachte das zum Ausdruck. Der Raum am Rande vom Lato-Park war gedr�ngt voll; und vor Beginn des Meetings verlegte der Moderator es nach drau�en in den Park auf den Rasen oberhalb des Kanals.</p><p>Die anwesenden Roten beharrten darauf, da� das Terraformen an sich ihren Hoffnungen zuwiderlaufe. Wenn die Marsoberfl�che f�r Menschen lebensm�glich w�rde, so argumentierten sie, w�rde sie Land im Wert einer ganzen Erde darstellen; und angesichts der akuten Bev�lkerungssituation und Umweltprobleme auf der Erde und des gegenw�rtig dort im Bau befindlichen Aufzugs als Gegenst�ck zu dem auf dem Mars w�rden die Gravitationssenken �berwunden, und es w�rde sicher eine Massenauswanderung folgen und damit jede M�glichkeit einer Unabh�ngigkeit des Mars entschwinden.</p><p>Leute, die f�r Terraformung waren, man nannte sie die Gr�nen oder einfach Gr�n, da sie keine eigene Partei waren, argumentierten, da� es mit einer f�r Menschen vertr�glichen Oberfl�che m�glich sein w�rde, �berall zu leben, und da� in diesem Fall der Untergrund an der Oberfl�che sein w�rde und sehr viel weniger durch Kontrolle oder Angriff gef�hrdet und damit in einer viel besseren Position, die Macht zu �bernehmen.</p><p>Diese beiden Ansichten wurden in jeder m�glichen Kombination und Variation er�rtert. Und es waren Ann Clayborne und Sax Russell beide anwesend im Zentrum des Meetings und gaben immer h�ufiger Stellungnahmen ab, bis die anderen Anwesenden zu reden aufh�rten, zum Schweigen gebracht durch die Autorit�t dieser zwei alten Antagonisten. Man sah ihnen zu, wie sie wieder zur Sache gingen.</p><p>Nadia verfolgte diese sich langsam anbahnende Kollision mit Bedauern. Sie hatte Sorge um ihre beiden Freunde. Und sie war nicht die einzige, die das Bild beunruhigend fand. Die meisten Anwesenden hatten das ber�hmte Videoband der Diskussion von Ann und Sax in Underhill gesehen; und deren Geschichte war sicher wohlbekannt als einer der gro�en Mythen der Ersten Hundert�� ein Mythos aus einer Zeit, da die Dinge einfacher gewesen waren und ausgepr�gte Pers�nlichkeiten sich f�r klar definierte Themen einsetzen konnten. Jetzt war nichts mehr einfach; und als sich die alten Gegner inmitten dieser neuen gemischten Gruppe Auge in Auge trafen, lag eine besondere Elektrizit�t in der Luft, eine Mischung aus Nostalgie, Spannung und kollektivem <emphasis>dej� vu</emphasis> und einem Wunsch (gerade in ihrem Innern, dachte Nadia bek�mmert), da� diese beiden irgendwie zu einer Vers�hnung finden m�chten, um ihrer selbst und ihrer aller willen.</p><p>Aber da waren sie nun und standen im Zentrum der Menge. Ann hatte schon in der Welt mit ihrem Argument verloren, und das schien ihr Verhalten auszudr�cken. Sie war bedr�ckt und fast desinteressiert. Die feurige Ann der ber�hmten B�nder war nirgends mehr zu sehen. Sie sagte: �Sobald die Oberfl�che allgemein zug�nglich ist��� sie sagte <emphasis>sobald,</emphasis> nicht<emphasis>falls</emphasis>��, �werden hier Milliarden sein. Solange, wie wir in Schutzr�umen leben m�ssen, wird Logistik die Bev�lkerung bei Millionen halten. Und das ist die Gr��e, die erforderlich ist, wenn man eine erfolgreiche Revolution anstrebt.� Sie zuckte die Achseln. �Wenn ihr es wolltet, k�nntet ihr das heute schaffen. Unsere Zufluchtsst�tten sind verborgen, die der anderen aber nicht. Brecht sie auf! Sie haben niemanden, der zur�ckschie�t. Sie sterben, ihr �bernehmt. Terraformen beseitigt diesen Einflu�.�</p><p>�Ich m�chte kein Teil davon sein�, sagte Nadia prompt. Sie konnte nicht anders. �Du wei�t, was es hie�, einundsechzig in den St�dten zu leben.�</p><p>Auch Hiroko war da. Sie sa� beobachtend im Hintergrund und sprach jetzt zum ersten Mal: �Eine auf Genozid gegr�ndete Nation ist nicht das, was wir wollen.�</p><p>Ann zuckte die Achseln. �Du willst eine unblutige Revolution, aber das ist unm�glich.�</p><p>�O doch!� sagte Hiroko. �Eine Seidenrevolution, eine Aerogelrevolution. Ein integraler Teil der Areophanie. Das ist es, was ich will.�</p><p>�Okay�, sagte Ann. Mit Hiroko konnte niemand streiten. Das war unm�glich. �Aber selbst so w�re es leichter, wenn man eine lebensf�hige Oberfl�che h�tte. Dieser Staatsstreich, von dem du sprichst�� du solltest dar�ber nachdenken. Wenn du die Kraftwerke in den gr��eren St�dten �bernimmst und sagst: �Jetzt haben wir die Macht�, dann d�rfte die Bev�lkerung wohl notgedrungen zustimmen. Wenn aber Milliarden Menschen auf einer lebensf�higen Oberfl�che sind und du einige Personen arbeitslos machst und erkl�rst, da� du die Macht h�ttest, dann w�rden die wahrscheinlich sagen: �Die Macht wor�ber?� und dich ignorieren.�</p><p>�Dies�, sagte Sax langsam, �dies schl�gt vor�� �bernehmen�� w�hrend Oberfl�che nicht lebensf�hig. Dann Proze� fortsetzen�� als unabh�ngig.�</p><p>�Sie werden dich haben wollen�, sagte Ann. �Wenn sie die Oberfl�che offen sehen, werden sie kommen und dich holen.�</p><p>�Nicht, wenn sie zusammenbrechen�, sagte Sax.</p><p>�Die Transnationalen werden von Firmen beherrscht�, sagte Ann. �Denk daran!�</p><p>Sax warf Ann einen pr�fenden Blick zu, und anstatt �ber ihre Argumente hinwegzugehen, wie er es in den alten Debatten meist getan hatte, schien er sich im Gegenteil sehr stark darauf zu konzentrieren und beobachtete jeden ihrer Schachz�ge, blinzelte, wenn er �ber ihre Worte nachdachte, und antwortete dann noch z�gernder, als seine Sprechprobleme erkl�ren w�rden. Bei seinem ver�nderten Gesicht hatte Nadia manchmal den Eindruck, als ob diesmal jemand anders diskutierte�� nicht Sax, sondern ein Bruder von ihm, ein Tanzlehrer oder fr�herer Boxer mit einer gebrochenen Nase und einer Sprachbehinderung, der sich geduldig bem�hte, die richtigen Worte zu finden und dabei oft Fehler machte.</p><p>Und dennoch war der Effekt der gleiche. �Terraformung�� unumkehrbar�, kr�chzte er. �W�re taktisch�� <emphasis>technisch�� </emphasis>schwer�� zu starten�� zu stoppen. Bem�hung gleich einem�� gemacht. Und k�nnte nicht. Und�� Umwelt kann�� eine Waffe in unserem Fall sein�� in unserem�� <emphasis>Anliegen.</emphasis> Auf jeder Stufe.�</p><p>�Inwiefern?� fragten verschiedene Leute, aber Sax erkl�rte sich nicht n�her. Er konzentrierte sich auf Ann, die ihn mit eigenartiger Miene ansah, als ob sie verbittert w�re.</p><p>Sie sagte: �Wenn wir auf dem Weg zur Lebensf�higkeit sind, dann stellt der Mars f�r die Transnationalen einen unglaublichen Wert dar. Vielleicht sogar ihre Rettung, wenn die Dinge dort unten auf der Erde wirklich schiefgehen. Sie k�nnen hierherkommen, die Macht �bernehmen und ihre eigene neue Welt haben und die Erde zum Teufel gehen lassen. Wenn das geschieht, sind wir vom Gl�ck verlassen. Ihr habt gesehen, was einundsechzig passiert ist. Ihnen stehen gigantische Milit�rkr�fte zur Verf�gung, und so werden sie ihre Macht hier behalten.�</p><p>Sie zuckte die Achseln. Sax blinzelte, als er dar�ber nachdachte. Er nickte sogar. Nadia f�hlte, wie ihr Herz sich verkrampfte, als sie die beiden ansah. Sie waren fast so leidenschaftslos, als ob es ihnen nichts ausmachte oder als ob die Teile von ihnen, welche das k�mmerte, den Teilen, die das nicht taten, die Waage hielten. Beide schienen in ihren fr�her siebziger Jahren zu stehen, so da� Nadia, wenn sie sie anschaute und ihren eigenen nerv�sen Puls f�hlte, kaum glauben konnte, da� sie jetzt �ber 120 z�hlten, unmenschlich alt und so�� ver�ndert, irgendwie verschlissen, �bers�ttigt, ersch�pft�� oder mindestens dar�ber hinaus, sich bei einem blo�en Wortwechsel �berm��ig zu erregen.</p><p>Sie wu�ten jetzt, welch geringe Bedeutung Worte in der Welt hatten. Und so schwiegen sie jetzt und sahen einander nur noch in die Augen, in einer Auseinandersetzung befangen, aus der fast jede Wut gewichen war.</p><p>Aber andere glichen ihre Nachdenklichkeit mehr als aus, und die j�ngeren Hei�sporne gingen wie der Teufel darauf los. F�r die j�ngeren Roten war Terraformung nichts weiter als ein Teil des imperialen Vorgehens. Ann war im Vergleich mit ihnen gem��igt. Sie griffen in ihrer Wut sogar Hiroko an. �Nenne das nicht Areoformung!� schrie sie eine an; und Hiroko sah gleichg�ltig diese gro�e junge Frau an, eine blonde Walk�re, die der Gebrauch des Wortes fast tollw�tig machte. �Es ist <emphasis>Terraformung,</emphasis> was du meinst und tust. Es Areoformung zu nennen ist eine L�ge, bei der einem schlecht wird.�</p><p>�Wir terraformen den Planeten�, sagte Jackie zu der Frau. �Aber der Planet areoformt uns.�</p><p>�Und auch das ist eine L�ge!�</p><p>Ann starrte Jackie w�tend an und sagte: �Das hat dein Gro�vater vor langer Zeit zu mir gesagt, wie du vielleicht wei�t. Aber ich warte immer noch darauf, was <emphasis>Areoformung</emphasis> bedeuten soll.�</p><p>Jackie sagte zuversichtlich: �Das ist jedem passiert, der hier geboren wurde.�</p><p>�Wieso? Du bist auf dem Mars geboren. Inwiefern bist du anders?�</p><p>Jackie machte ein finsteres Gesicht und erwiderte: �Wie alle anderen Eingeborenen. Mars ist alles, was ich kenne und an dem mir liegt. Ich wurde in einer Kultur aufgezogen, die aus Z�gen vieler unterschiedlicher irdischer Vorfahren besteht, vermischt zu einem neuen Marswesen.�</p><p>Ann zuckte wieder die Achseln. �Ich sehe nicht, wie du so anders bist. Du erinnerst mich an Maya.�</p><p>�Zum Teufel mit dir!�</p><p>�Wie Maya sagen w�rde. Und das ist euer Areoformen. Wir sind menschlich und bleiben menschlich, ganz gleich, was John Boone gesagt hat. Er hat viel geredet, davon ist nichts je wahr geworden.�</p><p>�Noch nicht�, sagte Jackie. �Aber der Proze� wird verlangsamt, wenn er in den H�nden von Leuten liegt, die seit f�nfzig Jahren keinen neuen Gedanken gehabt haben.� Dar�ber lachten viele j�ngere Leute. �Und die es gewohnt sind, in eine politische Diskussion willk�rlich pers�nliche Beleidigungen einzuflechten.�</p><p>So stand sie da und blickte Ann an. Sie wirkte ruhig und entspannt bis auf das Blitzen ihrer Augen, das Nadia wieder daran erinnerte, was f�r eine Macht Jackie war. Fast alle Eingeborenen standen hinter ihr. Daran gab es keinen Zweifel.</p><p>Hiroko sagte zu Ann: �Wenn wir uns hier nicht ver�ndert haben, wie erkl�rst du da die Roten? Wie erkl�rst du die Areophanie?�</p><p>Ann zuckte die Achseln. �Es gibt eben Ausnahmen.�</p><p>Hiroko sch�ttelte den Kopf. �In uns ist ein Geist des Ortes. Landschaft hat tiefe Effekte auf die menschliche Psyche. Du bist eine Studentin von Landschaften und eine Rote. Du mu�t zugeben, da� das wahr ist.�</p><p>Ann erwiderte: �Wahr f�r manche, aber nicht f�r alle. Die meisten Menschen empfinden diesen Geist des Ortes offenbar nicht. Eine Stadt gleicht sehr der anderen. In Wirklichkeit sind sie in jeder wichtigen Beziehung austauschbar. Also kommen Leute in eine Stadt, und was ist der Unterschied? Es gibt keinen. Darum denken sie nicht mehr an Zerst�rung des Landes au�erhalb der Stadt, als sie es auf der Erde getan haben.�</p><p>�Man kann diesen Menschen beibringen, anders zu denken.�</p><p>�Nein, ich glaube nicht, da� man das kann. Du hast sie zu sp�t erwischt. Bestenfalls kannst du ihnen befehlen, anders zu handeln. Das ist aber keine Areoformung durch den Planeten, sondern Indoktrination, Umerziehungslager und dergleichen. Eine faschistische Areophanie.�</p><p>��berredung�, entgegnete Hiroko. �Bef�rwortung, Argumentation durch Beispiel, �berzeugung durch Argumente. Es mu� nicht Zwang sein.�</p><p>�Die aerogele Revolution�, sagte Ann sarkastisch. �Aber Aerogel hat sehr wenig Einflu� auf Geschosse.�</p><p>Mehrere Leute redeten zugleich, und f�r einen Moment war der Faden der Er�rterung verloren. Die Diskussion spaltete sich sofort in hundert kleinere Debatten, da hier zu viele etwas sagen wollten, das sie bisher nicht vorgebracht hatten. Es war offenkundig, da� das noch stundenlang so weitergehen k�nnte und Tag f�r Tag.</p><p>Ann und Sax setzten sich wieder hin. Nadia entfernte sich kopfsch�ttelnd aus der Menge. Am Rande der Versammlung traf sie auf Art, der auch den Kopf gelassen sch�ttelte.</p><p>�Unglaublich�, sagte er.</p><p>�Glaub es nur!�</p><p>Die Tage des Kongresses entwickelten sich ganz �hnlich wie die ersten, mit guten oder schlechten Workshops, danach dem Dinner und dann langen Abenden mit Gespr�chen oder Parties. Nadia stellte fest, da�, w�hrend die alten Emigranten nach dem Essen wieder an die Arbeit zu gehen pflegten, die jungen Eingeborenen dazu neigten, die Konferenzen nur als Arbeit bei Tage anzusehen, w�hrend in den N�chten gefeiert wurde, meist bei dem gro�en warmen Teich in Phaistos. Das war wieder einmal eine Sache der Neigungen mit vielen Ausnahmen in beiden Richtungen. Aber Nadia fand es interessant.</p><p>Sie selbst verbrachte ihre Abende meistens auf den Speiseterrassen von Zakros, machte sich Notizen �ber die Meetings des Tages, sprach mit den Leuten und dachte �ber die Dinge nach. Nirgal arbeitete oft mit ihr zusammen und Art auch, wenn er nicht mit Menschen zusammenkam, die tags�ber diskutiert hatten, um zusammen Kava zu trinken und dann in Phaistos eine Party zu besuchen.</p><p>In der zweiten Woche nahm sie die Gewohnheit an, einen Abendspaziergang das Rohr hinauf zu unternehmen, oft bis hin zu Falasarna. Danach ging sie zur�ck und pflegte mit Nirgal und Art zusammenzukommen f�r ihre letzte Man�verkritik des Tages, wof�r sie sich auf einem Patio trafen, der sich auf einem kleinen Lavabuckel in Lato befand. Die beiden M�nner waren auf ihrer langen Heimreise von Kasei Vallis Freunde geworden und wurden unter dem Druck des Kongresses wie Br�der. Sie sprachen �ber alles, verglichen ihre Eindr�cke, testeten Theorien, entwickelten Pl�ne zur Beurteilung durch Nadia und beschlossen, eine Art von Dokument �ber den Kongre� abzufassen. Nadia war ein Teil davon�� vielleicht als �ltere Schwester oder einfach die gro�m�tterliche Babuschka. Einmal, als sie Schlu� gemacht hatten und ins Bett wankten, sprach Art vom �Triumvirat�. Ohne Zweifel mit ihr als Pompejus. Aber sie tat ihr Bestes, um sie mit ihren Analysen des gr��eren Bildes zu beeinflussen.</p><p>Es gab mannigfache Meinungsverschiedenheiten unter den dortigen Gruppen, wie sie ihnen sagte; aber einige waren fundamental. Es gab solche f�r und solche gegen revolution�re Gewalt. Es gab solche, die in den Untergrund gegangen waren, um an bedrohten Kulturen festzuhalten, und solche, die verschwunden waren, um radikal neue soziale Ordnungen zu schaffen. Und es schien Nadia auch immer sicherer, da� es auch wesentliche Differenzen zwischen jenen gab, die von der Erde eingewandert waren, und denen, die auf dem Mars geboren waren.</p><p>Es gab also Meinungsverschiedenheiten jeder Art, bei denen keine klare Anpassung zu erkennen war. Eines Abends kam Michel Duval zu ihnen auf einen Drink; und als Nadia ihm das Problem schilderte, nahm er seine KI und fing an, Diagramme aufzustellen aufgrund von etwas, das er das semantische Rechteck� nannte. Mit diesem Schema machten sie hundert verschiedene Skizzen der unterschiedlichen Dichotomien im Versuch, eine Darstellung zu finden, die ihnen helfen w�rde zu verstehen, welche Ann�herungen und Oppositionen es darunter geben k�nnte. Sie erhielten einige interessante Schemata, aber man konnte nicht sagen, da� blendende Erkenntnisse vom Bildschirm auf sie zusprangen, obwohl ein besonders unordentliches semantisches Viereck mindestens Michel suggestiv vorkam: Gewalt und Nichtgewalt, Terraformung und Nichtterraformung bildeten die urspr�nglichen vier Ecken; und in der zweiten Kombination um dieses erste Rechteck hatte er Bogdanovisten, Rote, Hirokos Areophanie und die Muslims und andere kulturell Konservative untergebracht. Was dieses <emphasis>combinatoire</emphasis> aber hinsichtlich Aktionen anzeigte, war nicht klar.</p><empty-line/><p>Nadia fing an, die t�glichen Meetings zu besuchen, die allgemeinen Fragen bez�glich einer m�glichen Marsregierung gewidmet waren. Diese waren ebenso desorganisiert wie die Diskussionen �ber revolution�re Methoden, aber weniger emotional und oft viel substantieller. Sie fanden jeden Tag in einem kleinen Amphitheater statt, das die Minoer in die Seite des Tunnels in Malia geschnitten hatten. Von diesem Halbrund aus B�nken blickten die Teilnehmer �ber Bambus- und Kiefernb�ume und Terrakottad�cher �ber den ganzen Tunnel�� von Zakros bis Falasarna.</p><p>Die Gespr�che wurden von etwas anderen Leuten besucht als die Revolutionsdebatten. Es wurde ein Bericht aus einem der kleineren Workshops zur Diskussion gestellt; und es pflegten die meisten derer, die an diesem teilgenommen hatten, auch das gr��ere Meeting zu besuchen, um zu sehen, welche Bemerkungen �ber ihren Bericht gemacht w�rden. Die Schweizer hatten Workshops f�r alle Aspekte von Politik, �konomie und Kultur im allgemeinen angesetzt. Darum waren die allgemeinen Diskussionen wirklich sehr umfassend.</p><p>Vlad und Marina schickten �fters Berichte �ber ihren Workshop f�r Finanzen. Jeder Bericht versch�rfte und erweiterte ihr sich entwickelndes Konzept von �ko�konomie. �Es ist sehr interessant�, meldete Nadia Nirgal und Art bei ihrer n�chtlichen Zusammenkunft auf dem Buckelpatio. �Eine Menge Leute kritisieren Vlads und Marinas urspr�ngliches System, einschlie�lich der Schweizer und Bologneser. Sie kommen im Grunde zu dem Schlu�, da� das Geschenksystem, welches zuerst im Untergrund angewandt wurde, an sich nicht gen�gt, weil es zu schwer im Gleichgewicht zu halten ist. Es gibt Probleme der Knappheit und des Hortens; und wenn man anf�ngt, Standards einzuf�hren, ist es so, als ob man von den Leuten Geschenke erzwingen wollte, was ein Widerspruch ist. Das hat Cojote immer gesagt, und darum hat er sein Tauschnetz aufgebaut. Also arbeiten sie auf ein rationalisierteres System hin, in dem Grunderfordernisse in einer geregelten Wirtschaft mit Wasserstoffperoxid verteilt werden, wo die Preise der Dinge nach ihrem kalorischen Wert festgesetzt sind. Wenn man dann �ber die Notwendigkeiten hinausgeht, kommt die Geschenk�konomie ins Spiel mit einem Stickstoff Standard. Somit gibt es zwei Ebenen, den Bedarf und das Geschenk, oder was die Sufis im Workshop das Animalische und das Humane nennen, ausgedr�ckt durch die unterschiedlichen Standards.�</p><p>�Das Gr�ne und das Wei�e�, sagte Nirgal zu sich.</p><p>�Und gef�llt den Sufis dieses duale System?� fragte Art.</p><p>Nadia nickte. �Heute, nachdem Marina das Verh�ltnis der zwei Ebenen dargelegt hatte, sagte Dhu el-Nun zu ihr: �Die Mevlana h�tten es nicht besser machen k�nnen.��</p><p>�Ein gutes Zeichen�, sagte Art vergn�gt.</p><p>Andere Workshops waren weniger spezifisch und darum weniger fruchtbar. Einer, der an einem in Aussicht genommenen Grundgesetz arbeitete, war �berraschend verdrie�lich. Aber Nadia erkannte schnell, da� dieses Thema in einem tiefen Schacht kultureller Sorgen steckte. Viele sahen es offenbar als eine Gelegenheit daf�r, da� eine Kultur den Rest beherrschen sollte. Zeyk rief: �Das habe ich schon immer seit Boone gesagt. Der Versuch, uns allen eine Gruppe von Werten aufzuzwingen, ist reiner Atat�rkismus. Es mu� jedem sein eigener Weg erlaubt sein.�</p><p>�Das kann aber nur bis zu einem gewissen Punkt gestattet sein�, sagte Ariadne. �Wie, wenn eine Gruppe hier ihr Recht auf eigene Sklaven beansprucht?�</p><p>Zeyk zuckte die Achseln. �Das w�rde jenseits der Grenzen des Erlaubten liegen.�</p><p>�Du gibst also zu, da� es ein Grundgesetz der Menschenrechte geben m��te?�</p><p>�Das liegt auf der Hand�, sagte Zeyk k�hl.</p><p>Mikhail sprach f�r die Bogdanovisten. Er sagte: �Jede soziale Hierarchie ist eine Form von Sklaverei. Unter dem Gesetz sollte ein jeder v�llig gleich sein.�</p><p>�Hierarchie ist eine nat�rliche Tatsache�, sagte Zeyk. �Sie ist unausweichlich.�</p><p>�Gesprochen wie ein arabischer Mann�, sagte Ariadne. �Aber wir sind hier nicht nat�rlich, wir sind marsianisch. Und wo Hierarchie zu Unterdr�ckung f�hrt, mu� sie abgeschafft werden.�</p><p>�Die Hierarchie der rechten Gesinnung�, sagte Zeyk.</p><p>�Oder des Primates von Gleichheit und Freiheit.�</p><p>�Wenn n�tig, erzwungen.�</p><p>�Ja!�</p><p>�Also erzwungene Freiheit.� Zeyk winkte entt�uscht ab.</p><p>Art rollte einen Wagen mit Getr�nken auf die B�hne und schlug vor: �Vielleicht sollten wir uns auf einige aktuelle Rechte konzentrieren. Vielleicht einen Blick auf die verschiedenen Erkl�rungen der Menschenrechte auf der Erde werfen und sehen, ob sie f�r uns hier angepa�t werden k�nnen.�</p><p>Nadia ging weiter, um in einige andere Meetings hineinzuh�ren. Landnutzung, Eigentumsrecht, Kriminalrecht, Erbschaftswesen�� Die Schweizer hatten das Thema der Regierung in eine erstaunliche Anzahl von Unterkategorien aufgeteilt. Die Anarchisten waren ver�rgert, unter ihnen an erster Stelle Mikhail. �M�ssen wir wirklich all dies durchkauen?� fragte er immer wieder. �Nichts davon sollte sich durchsetzen. Gar nichts!�</p><p>Nadia h�tte erwartet, da� Cojote unter denen sein w�rde, die mit ihm stritten; aber der sagte blo�: �Wir m�ssen das alles diskutieren. Selbst wenn du keinen Staat willst oder nur einen minimalen Staat, mu�t du das Punkt f�r Punkt durchsprechen. Zumal die meisten Minimalisten genau das �konomische und Polizeisystem behalten wollen, in dem sie privilegiert bleiben. Das hei�t f�r euch Libertinisten�� Anarchisten, die Polizeischutz vor ihren Sklaven haben wollen. Nein! Wenn ihr den minimalen Staat anstrebt, m��t ihr ihn von Grund auf durchsprechen.�</p><p>Mikhail sagte: �Aber ich meine�� <emphasis>Erbschaftsrecht?�</emphasis></p><p>�Gewi�, warum nicht? Das ist ein kritischer Punkt. Ich sage, es sollte �berhaupt keine Erbschaft geben, vielleicht au�er ein paar pers�nlichen Objekten, die man weitergibt. Aber alles �brige sollte an den Mars zur�ckfallen. Es ist ein Teil der Gabe, nicht wahr?�</p><p>�Alles �brige?� fragte Vlad interessiert. �Aber woraus soll das genau bestehen? Niemand wird etwas besitzen von Land, Wasser, Luft, Infrastruktur, GenStamm, Informationspool�� was bleibt dann zum Weitergeben?�</p><p>Cojote zuckte die Achseln. �Dein Haus? Dein Sparkonto? Ich meine, werden wir kein Geld haben? Und werden die Leute nicht �bersch�sse ansammeln, wenn sie k�nnen?�</p><p>�Du mu�t in die Finanzsitzungen gehen�, sagte Marina zu Cojote. �Wir hoffen, Geld auf Basis von Wasserstoffperoxid zu schaffen und die Preise f�r Dinge nach Energiewerten zu bemessen.�</p><p>�Aber Geld wird es immer noch geben, nicht wahr?�</p><p>�Ja, aber wir erw�gen zum Beispiel umgekehrte Zinsen bei Sparguthaben, so da� das, was man von dem Ertrag nicht wieder in Gebrauch genommen hat, als Stickstoff in die Atmosph�re entlassen wird. Du w�rst �berrascht, wie schwer es ist, in diesem System eine positive pers�nliche Bilanz zu behalten.�</p><p>�Wenn du es aber schafftest?�</p><p>�Nun, ich pflichte dir bei�� im Todesfall sollte es an den Mars zur�ckgehen und f�r einen �ffentlichen Zweck genutzt werden.�</p><p>Sax wandte zweifelnd dagegen ein, da� dies der bioethischen Theorie widerspr�che, wonach menschliche Wesen wie alle Tiere stark motiviert seien, um f�r ihre Nachkommenschaft zu sorgen. Dieses Streben k�nne man in der ganzen Natur beobachten und in allen menschlichen Kulturen, wodurch Verhalten oft als sowohl egoistisch wie altruistisch erkl�rt w�rde. �Versuche, die babylonische�� die <emphasis>biologische�� </emphasis>Basis der Kultur�� durch Dekret zu �ndern� fordert �rger heraus.�</p><p>Cojote sagte: �Vielleicht sollte eine animalische Vererbung gestattet sein�, sagte Cojote. �Genug, um diesen animalischen Instinkt zu befriedigen, aber nicht genug, um auf Dauer eine reiche Elite zu erm�glichen.�</p><p>Marina und Vlad fanden das gewi� verlockend und fingen an, neue Formeln in ihre Computer einzugeben. Aber Mikhail, der neben Nadia sa� und sein Programm f�r den Tag durchsah, war immer noch frustriert. Er sagte mit einem Blick auf die Liste: �Ist das wirklich Teil eines konstituierenden Prozesses? Zonencodes, Energieproduktion, Abfallentsorgung, Transportsysteme, Pestmanagement, Eigentumsrecht, Beschwerdesysteme, Strafrecht, schiedsrichterliche Verfahren, Gesundheitscodes?�</p><p>Nadia seufzte. �Ich vermute, ja. Denk daran, wie schwer Arkady �ber Architektur gearbeitet hat!�</p><p>�Schulpl�ne? Ich glaube, von Mikropolitik geh�rt zu haben. Aber das ist l�cherlich.�</p><p>�Nanopolitik�, sagte Art.</p><p>�Nein, Pikopolitik! Femtopolitik!�</p><p>Nadia stand auf, um Art zu helfen, den Getr�nkewagen zu den Workshops im Dorf unterhalb des Amphitheaters zu schieben. Art lief immer noch von einem Meeting zum n�chsten, rollte Speise und Trank hinein und erwischte dann ein paar Minuten der Reden, ehe er weiterzog. Es gab acht bis zehn Meetings am Tage, und Art tauchte noch bei allen auf. An den Abenden, wenn immer mehr Delegierte ihre Zeit mit Parties verbrachten oder im Tunnel auf und ab spazierten, traf sich Art weiterhin mit Nirgal, und sie sahen sich B�nder in leichtem Schnellgang an, so da� alle wie V�gel sprachen, und verlangsamten nur, um sich Notizen zu machen oder �ber den einen oder anderen Punkt zu diskutieren. Wenn Nadia mitten in der Nacht aufstand, um ins Bad zu gehen, kam sie an der Diele vorbei, wo die beiden an ihren Aufzeichnungen arbeiteten, und sah sie in ihren Sesseln schlummern. Ihre offenen M�nder flackerten unter dem Schimmer der Debatte auf dem Bildschirm.</p><p>Aber morgens war Art zusammen mit den Schweizern auf und brachte die Dinge in Gang. Nadia versuchte, ein paar Tage mitzuhalten, fand aber, da� die Fr�hst�cksworkshops unsicher waren. Die Leute sa�en an Tischen herum, tranken Kaffee und a�en Obst und Geb�ck und starrten sich an wie Zombies: Wer bist du? sagten ihre tr�ben Blicke. Was tue ich hier? Wo sind wir? Warum schlafe ich nicht in meinem Bett?</p><p>Aber es konnte auch genau umgekehrt sein. An manchen Morgen kamen die Leute geduscht und erfrischt herein, munter durch Kaffee oder Kavajava, voller neuer Ideen und bereit zu harter Arbeit, um Fortschritte zu erzielen. Wenn die anderen gleichgestimmt waren, konnte alles flott gehen. Eine der Sitzungen �ber Eigentum verlief so; und f�r eine Stunde schien es, als ob sie alle Probleme gel�st h�tten hinsichtlich Vereinbarung von Ich und Gesellschaft, privatem Vorteil und Gemeinwohl, Selbstsucht und Altruismus�� Aber am Ende sahen ihre Notizen ebenso vage und widerspr�chlich aus wie die aus einer anderen verdrie�lichen Sitzung. �Es ist die Bandaufzeichnung der ganzen Sitzung, die sie repr�sentieren mu߫, sagte Art, nachdem er versucht hatte, eine Zusammenfassung zu schreiben.</p><p>Aber die Mehrzahl der Sitzungen war nicht so erfolgreich. Tats�chlich bestanden die meisten nur aus langgezogenen Diskussionen. Eines Morgens traf Nadia auf Antar, den jungen Araber, mit dem Jackie w�hrend ihrer Reise Zeit verbracht hatte, und sie h�rte, wie er zu Vlad sagte: �Ihr werdet nur die sozialistische Katastrophe wiederholen!�</p><p>Vlad zuckte die Achseln. �Sei nicht so hastig bei der Beurteilung dieser Periode! Die sozialistischen L�nder waren vom Kapitalismus von au�en und Korruption von innen bedroht. Das konnte kein System �berleben. Wir d�rfen das Baby des Sozialismus nicht mit dem stalinistischen Badewasser aussch�tten, sonst verlieren wir viele sicher anst�ndige Konzepte, die wir ben�tigen. Die Erde ist im Griff des Systems, das den Sozialismus besiegt hat, und das ist ganz offensichtlich eine irrationale und destruktive Hierarchie. Wie k�nnen wir daher mit ihr umgehen, ohne zermalmt zu werden? Wir m�ssen �berall nach Antworten daf�r suchen�� einschlie�lich der Systeme, welche die herrschende Ordnung besiegt hat.�</p><p>Art schob einen Wagen mit Speisen in den n�chsten Raum, und Nadia ging mit ihm hinaus.</p><p>�Mensch, ich w�nschte, Fort w�re hier!� brummte Art. �Das sollte er sein, ganz gewi� w�nsche ich das.�</p><p>Im n�chsten Meeting diskutierten sie �ber die Grenzen von Toleranz, um Dinge, die einfach nicht erlaubt sein d�rften ohne R�cksicht auf ihre m�gliche religi�se Bedeutung. Jemand rief: �Erz�hlt das den Muslims!�</p><p>Jurgen kam aus dem Raum und machte ein entt�uschtes Gesicht. Er nahm ein Br�tchen von dem Wagen und ging mit ihnen. Beim Essen sagte er: �Liberale Demokratie sagt, da� kulturelle Toleranz wesentlich ist; aber man braucht sich nicht weit von liberalen Demokraten zu entfernen, bis diese sehr intolerant werden.�</p><p>�Wie l�sen die Schweizer dieses Problem?� fragte Art.</p><p>Jurgen zuckte die Achseln. �Ich glaube nicht, das wir das tun.�</p><p>�Mensch, ich w�nschte, Fort w�re hier!� sagte Art. �Ich habe ihn vor einiger Zeit zu erreichen versucht, um ihm davon zu erz�hlen, ich habe sogar die Verbindungen der Schweizer Regierung benutzt, aber nie eine Antwort erhalten.�</p><empty-line/><p>Der Kongre� ging fast einen Monat lang weiter. Schlafentzug und vielleicht eine zu starke Abh�ngigkeit von Kava machten Art und Nirgal immer hagerer und benommener, bis Nadia bei Nacht erschien und sie zu Bett brachte. Sie schob sie auf Sofas und versprach, Zusammenfassungen der B�nder zu schreiben, die sie nicht durchgesehen hatten. Sie konnten in dem Raum schlafen und knurrten, wenn sie auf den schmalen Couchen aus Bambus und Schaumstoff her�ber rollten. Eines Nachts stand Art pl�tzlich auf und sagte noch im Halbschlaf <emphasis>zu</emphasis> Nadia: �Ich verliere den Gehalt der Dinge. Ich sehe jetzt blo� Formen.�</p><p>�Du wirst Schweizer, ja? Geh wieder schlafen!�</p><p>Er haute sich wieder hin. �Ich war verr�ckt zu denken, da� ihr Leute irgend etwas gemeinsam w�rdet tun k�nnen�, murmelte er.</p><p>�Schlaf weiter!�</p><p>Wahrscheinlich war es verr�ckt, dachte sie, als er schnaufte und schnarchte. Sie stand auf und ging zur T�r. Sie f�hlte im Kopf das Gef�hlsdurcheinander, welches ihr sagte, da� sie nicht w�rde schlafen k�nnen. Also ging sie hinaus in den Park.</p><p>Die Luft war noch warm und die schwarzen Oberlichter voller Sterne. Die L�nge des Tunnels erinnerte sie pl�tzlich an einen der vollen R�ume in der <emphasis>Ares.</emphasis> Nur waren sie hier gewaltig vergr��ert, aber unter Anwendung der gleichen �sthetik. Schwach erhellte Pavillons, die dunklen pelzartigen Klumpen kleiner W�lder�� Ein Spiel �ber die Erbauung einer Welt. Aber hier ging es um eine echte Welt. Zun�chst waren die Besucher des Kongresses fast schwindlig vor seinem enormen Potential; und manche, wie Jackie und andere Eingeborene, waren jung und unersch�tterlich genug, um immer noch diesen Eindruck zu haben. Aber f�r viele der anderen Repr�sentanten begannen sich die unl�sbaren Probleme zu zeigen wie knorrige Knochen unter schrumpfendem Fleisch. Der Rest der Ersten Hundert, die alten Japaner von Sabishii�� die sa�en in diesen Tagen herum, pa�ten auf und dachten angestrengt nach, wobei ihre Haltung von Mayas Zynismus bis zu Marinas �ngstlicher Besorgnis variierte.</p><p>Und dann sah sie tief unter sich im Park Cojote, der leicht beschwipst aus dem Wald kam mit einer jungen Frau, die ihn um die Taille gefa�t hatte. �O mein Schatz�, rief er mit weit ausgebreiteten Armen durch den langen Tunnel, �k�nnten wir beide uns mit dem Schicksal verb�nden�� um dies j�mmerliche Schema der Dinge ganz zu erfassen��, w�rden wir es doch in Scherben schlagen und dann�� es n�her dem Verlangen des Herzens neu gestalten!�</p><p>Ja wirklich, dachte Nadia l�chelnd und ging in ihr Zimmer.</p><empty-line/><p>Es gab einige Gr�nde zur Hoffnung. Einerseits war Hiroko beharrlich, besuchte alle Tage Meetings, �u�erte dazu ihre Gedanken und gab den Leuten das Gef�hl, sie h�tten in diesem Moment das wichtigste Meeting erw�hlt. Und Ann arbeitete auch�� obwohl sie, wie Nadia dachte, alles zu kritisieren schien, finsterer denn je�� und Spencer und Sax, Maya und Michel, und Vlad mit Ursula und Marina. Tats�chlich schienen die Ersten Hundert f�r Nadia besser in diesem Streben vereint zu sein als in irgend etwas, das sie seit der Gr�ndung von Underhill getan hatten, als ob es ihre letzte Chance w�re, die Dinge in Ordnung zu bringen und sich von dem angerichteten Schaden zu erholen. Etwas um ihrer toten Freunde willen zu tun.</p><p>Und sie waren nicht die einzigen, die arbeiteten. W�hrend die Meetings weitergingen, bekamen die Leute ein Gesp�r daf�r, wer wollte, da� der Kongre� ein greifbares Ziel erreichen m��te; und diese Leute gew�hnten es sich an, eben diese Meetings zu besuchen. Sie arbeiteten hart, um Kompromisse zu finden und Resultate auf Bildschirmen zu erzielen in Form von Empfehlungen und dergleichen. Sie mu�ten Besuche von jenen dulden, die mehr an Effekthascherei als Ergebnissen interessiert waren. Aber sie m�hten sich weiter ab.</p><p>Nadia konzentrierte sich auf diese Anzeichen von Fortschritt und arbeitete daran, Nirgal und Art auf dem laufenden, aber auch satt und ausgeruht zu halten. Es kamen Leute in ihre Suite: �Man hat uns aufgetragen, dies den gro�en Drei zu �berbringen.� Viele ernsthafte Arbeiter waren interessant. Eine Frau von Dorsa Brevia namens Charlotte war eine angesehene Wissenschaftlerin in Verfassungsfragen und errichtete f�r sie eine Art Rahmenwerk, einem in der Schweiz �hnlichen Verfahren, worin Themen, die behandelt werden mu�ten, angeordnet wurden, ohne sie zu ersch�pfen. �Freut euch!� sagte sie den dreien eines Morgens, als die mit tr�ber Miene herumsa�en. �Ein Zusammensto� von Doktrinen ist eine Chance. Der amerikanische Verfassungskongre� war einer der erfolgreichsten aller Zeiten, und man hat ihn mit etlichen sehr starken Antagonismen begonnen. Die Form der von ihm geschaffenen Regierung spiegelt das Mi�trauen wider, das diese Gruppen gegeneinander hegten. Kleine Staaten waren anf�nglich besorgt, von den gr��eren �berw�ltigt zu werden; darum gibt es einen Senat, in dem alle Staaten gleich sind, und ein Haus, in dem die gr��eren Staaten mit ihren gr��eren Zahlen vertreten sind. Diese Struktur ist eine Reaktion auf ein spezifisches Problem, versteht ihr? Dasselbe gilt f�r die dreifachen Kontrollen und Ausgleiche. Darin steckt ein institutionalisiertes Mi�trauen gegen�ber Autorit�t. Auch die Schweizer Verfassung enth�lt vieles davon. Und wir k�nnen das hier machen.�</p><p>So gingen sie hinaus, bereit zur Tat, zwei energische junge M�nner und eine verbrauchte alte Frau. Es war seltsam, dachte Nadia, zu sehen, wer als F�hrer aus derartigen Situationen hervorging. Es mu�ten nicht unbedingt die Brillantesten oder am besten Informierten sein, wie Marina oder Cojote sich erwiesen, obwohl beide Eigenschaften hilfreich waren, obwohl diese beide wichtig waren. Aber Anf�hrer waren solche, auf die das Volk h�ren w�rde. Magnetische Pers�nlichkeiten. Und in einer Menge so starker Intellekte und Charaktere war ein solcher Magnetismus sehr selten und sehr schwer zu finden. Sehr m�chtig��</p><empty-line/><p>Nadia besuchte ein Meeting, das einer Er�rterung von Beziehungen zwischen Mars und Erde in der Zeit nach der Unabh�ngigkeit galt. Cojote war da und rief: �La�t sie zur H�lle fahren! Das ist ihr eigenes Werk. La�t sie sich aufraffen, wenn sie k�nnen. Und wenn sie das tun, k�nnen wir sie besuchen und Nachbarn sein. Aber andernfalls werden sie, wenn wir versuchen, ihnen zu helfen, uns vernichten.�</p><p>Viele Rote und Marsradikale nickten energisch, vor allem Kasei. Der war k�rzlich zur Geltung gekommen als ein F�hrer der Gruppe Marsradikaler, eines separatistischen Fl�gels der Roten, dessen Mitglieder nichts mit der Erde zu tun haben wollten und willig waren, Sabotage, Zerfledderung, Terrorismus und bewaffnete Revolte zu unterst�tzen�� �berhaupt jedes erforderliche Mittel, um das zu erreichen, was sie wollten. Sie bildeten wirklich eine der am wenigsten zug�nglichen Gruppen. Nadia fand es traurig zu sehen, da� Kasei ihre Partei ergriff und sogar anf�hrte.</p><p>Maya stand auf, um Cojote zu antworten. Sie sagte: �Eine h�bsche Theorie, aber sie ist unm�glich. Das ist wie die rote Haltung von Ann. Wir m�ssen mit der Erde verhandeln. Also k�nnten wir uns jetzt �berlegen, wie, und sollten uns nicht davor verstecken.�</p><p>�Solange die sich im Chaos befinden, m�ssen wir tun, was wir k�nnen, um zu helfen�, sagte Nadia. �Einflu� in die Richtung aus�ben, in die wir sie gehen lassen wollen.�</p><p>Jemand sagte: �Die zwei Planeten sind <emphasis>ein</emphasis> System.�</p><p>�Was meinst du damit?� fragte Cojote. �Es sind unterschiedliche Welten. Sie k�nnten sicher zwei Systeme sein.�,</p><p>�Informationsaustausch.�</p><p>�Wir sind f�r die Erde ein Modell oder Experiment�, sagte Maya. �Ein Gedankenexperiment, aus dem die Menschheit lernen soll.�</p><p>�Ein wirkliches Experiment�, erwiderte Nadia. �Das ist kein Spiel mehr. Wir k�nnen es uns nicht leisten, rein theoretische Positionen attraktiv zu finden.� Als sie das sagte, schaute sie Kasei und Harmakhis und deren Kameraden an. Aber sie merkte, da� es keinen Eindruck machte.</p><p>Noch mehr Meetings und Reden, ein schnelles Mahl und ein anderes Meeting mit den Issei von Sabishii, um �ber die Demimonde als ein Sprungbrett f�r ihre Bem�hungen zu sprechen. Dann ging es zur n�chtlichen Besprechung mit Art und Nirgal. Aber die M�nner waren ersch�pft, und sie schickte sie ins Bett. �Wir werden beim Fr�hst�ck reden.�</p><p>Auch sie war m�de, aber weit davon entfernt, schl�frig zu sein. Also machte sie ihren n�chtlichen Spaziergang nach Norden von Zakros durch den Tunnel. Sie hatte k�rzlich einen hohen Weg entdeckt, der l�ngs der Westwand des Tunnels verlief. Er war in den Basalt geschnitten, wo die Kr�mmung des Zylinders der Wand ein Gef�lle von f�nfundvierzig Grad verlieh. Von diesem Weg aus konnte sie �ber die Baumwipfel in die Parks blicken. Und wo der Weg auf einen kleinen Vorsprung in Knossos ausbog, konnte sie den Tunnel in seiner ganzen L�nge bis zu beiden Horizonten �berschauen. Die ganze enge Welt war schwach erleuchtet durch Stra�enlampen, die von unregelm��igen gr�nen Bl�tterkugeln umgeben waren, sowie die wenigen Fenster, in denen noch Licht brannte, und eine Kette Lampions in den Kiefern von Gournias Park. Das war eine so elegante Konstruktion. Es schmerzte sie etwas, an die langen in Zygote verbrachten Jahre zu denken�� unter Eis, in kalter Luft und bei k�nstlichem Licht. Wenn sie nur von diesen Lavatunnels gewu�t h�tten��</p><p>Bei dem n�chsten Segment, Phaistos, war der Boden fast ganz von einem langen, seichten Teich erf�llt, wo sich der langsam von Zakros herunterflie�ende Kanal verbreiterte. Versenkte Leuchtk�rper am einen Ende des Teichs verwandelten sein Wasser in einen seltsamen, dunklen, funkelnden Kristall. Sie beobachtete, wie eine Gruppe darin planschte. Die K�rper schimmerten in dem beleuchteten Wasser und verschwanden im Dunkel. Amphibische Kreaturen, Salamander�� Vor sehr langer Zeit hatte es auf der Erde Wassertiere gegeben, die keuchend ans Ufer gekrochen waren. Die m��ten unten im Ozean einige recht ernste Debatten �ber das Verhalten gef�hrt haben, wie Nadia einf�ltig dachte. Herausgehen oder nicht, und wenn ja, wie und wann�� In der Ferne erklang Gel�chter. Sterne f�llten die Oberlichter zum Bersten�</p><p>Sie machte kehrt und ging �ber eine Treppe zum Boden des Tunnels und dann zur�ck nach Zakros auf den Wegen und auf Gras dem Kanal folgend, wobei sie in wirren, sich jagenden Bildern nachdachte. Wieder in ihrer Suite, legte sie sich auf das Bett und schlief sofort ein. Sie tr�umte gegen Morgen von Delphinen, die durch die Luft schwammen.</p><p>Aber mitten in diesem Traum wurde sie grob von Maya geweckt, die auf russisch sagte: �Es sind einige von der Erde hier. Amerikaner.�</p><p>�Von der Erde��, wiederholte Nadia. Und bekam Angst.</p><p>Sie zog sich an und ging hinaus, um zu schauen. Es stimmte: Da stand Art mit einer kleinen Gruppe von Terranern, M�nnern und Frauen ihrer eigenen Gr��e und anscheinend auch ungef�hr ihres Alters. Sie waren unsicher auf den Beinen, als sie sich den Hals ausrenkten, wie sie erstaunt die gro�e Kammer betrachteten. Art versuchte, sie vorzustellen und gleichzeitig Erl�uterungen zu geben, was selbst seiner Revolverschnauze einige Schwierigkeit bereitete. �Ja, ich habe sie eingeladen, ich wu�te nicht�� he, Nadia�� das ist mein alter Chef, William Fort.�</p><p>�Wenn man vom Teufel spricht��, sagte Nadia und sch�ttelte dem alten Mann die Hand. Er hatte einen festen Griff. Ein kahlk�pfiger Mann mit Stubsnase, gebr�unt und runzlig, mit einer angenehm unbestimmten Miene.</p><p>�� Sie sind gerade angekommen. Die Bogdanovisten haben sie hereingebracht. Ich habe Mr. Fort vor einiger Zeit eingeladen, aber nie wieder von ihm geh�rt und wu�te nicht, da� er kommen w�rde, und bin ganz �berrascht und nat�rlich erfreut.�</p><p><emphasis>�Du</emphasis> hast ihn eingeladen?� fragte Maya.</p><p>�Jawohl. Ihm liegt sehr daran, uns zu helfen. Das ist es.�</p><p>Maya wurde w�tend, aber nicht auf Art, sondern auf Nadia. �Ich habe dir gesagt, er ist ein Spion�, sagte sie auf russisch.</p><p>�Ja, das hast du�, entgegnete Nadia und sagte dann auf englisch zu Fort: �Willkommen auf dem Mars!�</p><p>�Ich freue mich, hier zu sein�, sagte Fort. Und es sah so aus, als ob er es auch so meinte. Er grinste albern, als ob er zu vergn�gt w�re, eine ruhige Miene zu bewahren. Seine Begleiter schienen sich nicht so sicher zu sein. Es war ungef�hr ein Dutzend, jung wie alt. Einige l�chelten, aber viele sahen unsicher und mi�trauisch aus.</p><p>Nach einigen unbehaglichen Minuten f�hrte Nadia Fort und seine kleine Gruppe von Mitarbeitern zu den G�stewohnungen in Zakros; und als Ariadne kam, wies sie den Besuchern Zimmer zu. Wohin h�tten sie sonst gehen k�nnen? Die Nachricht war schon durch ganz Dorsa Brevia und zur�ck geeilt; und wenn Menschen nach Zakros kamen, dr�ckten ihre Gesichter ebensosehr Mi�fallen wie Neugier aus. Aber die Besucher waren immerhin f�hrende Personen einer der gr��ten Transnationalen und offenbar allein und ohne Sp�rger�te an sich, wie die Sabishiianer erkl�rt hatten. Man mu�te mit ihnen etwas unternehmen.</p><p>Nadia veranla�te, da� die Schweizer eine Vollversammlung zur Stunde des Lunches einberiefen, und forderte dann die neuen G�ste auf, sich in ihren R�umen frisch zu machen und danach bei dem Meeting zu sprechen. Die Terraner nahmen die Einladung dankbar an. Die Unsicheren unter ihnen sahen beruhigt aus. Fort selbst schien bereits in Gedanken eine Rede vorzubereiten.</p><p>Drau�en, au�erhalb der G�stewohnungen in Zakros, sah sich Art einer erregten Volksmenge gegen�ber. �Wie kommst du auf den Gedanken, da� du derartige Entscheidungen f�r uns treffen k�nntest?� fragte Maya, die f�r viele von ihnen sprach. �Du, der du nicht einmal dazugeh�rst! Du, ein Spion unter uns! Sich mit uns anfreunden und uns dann hinter unserem R�cken verraten!�</p><p>Art breitete die Arme aus, sein Gesicht von Erregung ger�tet, und bewegte die Schultern wie zur Abwehr von Schm�hungen oder um sich hindurchzuschl�ngeln f�r einen Appell an die Leute hinter Maya, welche vielleicht blo� neugierig waren. Er sagte: �Wir brauchen Hilfe. Wir k�nnen das, was wir wollen, nicht ganz allein schaffen. Praxis ist anders. Die sind mehr wie wir als jene. Das kann ich euch sagen.�</p><p>Maya erkl�rte: �Du hast nicht das Recht, uns etwas zu sagen. Du bist unser Gefangener.�</p><p>Art kniff die Augen zu und wedelte mit den H�nden. �Man kann nicht gleichzeitig ein Gefangener und ein Spion sein, oder doch?�</p><p>�Du kannst jede Art von Verr�ter zugleich sein!� rief Maya.</p><p>Jackie ging zu Art und sah mit ernstem und intensivem Blick auf ihn hinunter. �Du wei�t, da� diese Praxisgruppe jetzt permanent marsianisch werden m��te, ob sie will oder nicht�� wie du.�</p><p>Art nickte. �Ich habe ihnen gesagt, das k�nnte passieren. Offenbar k�mmerte sie das nicht. Sie wollen helfen, das sage ich dir. Sie repr�sentieren die einzigen Transnationalen, die anders handeln, die Ziele haben, die den unseren �hnlich sind. Sie sind aus eigenem Antrieb hierhergekommen, um zu sehen, ob sie helfen k�nnen. Sie sind <emphasis>interessiert.</emphasis> Warum sollten wir uns deswegen so aufregen? Das ist eine <emphasis>g�nstige Gelegenheit.�</emphasis></p><p>�Wir wollen sehen, was Fort sagt�, erwiderte Nadia.</p><empty-line/><p>Die Schweizer hatten die Sondersitzung im Amphitheater von Malia anberaumt; und als sich die Schar der Delegierten versammelte, half Nadia, die neu Hinzugekommenen durch das Tor des Segments zur Stelle zu leiten. Die waren noch sichtlich ersch�ttert durch die Gr��e des Tunnels von Dorsa Brevia. Art trippelte mit geweiteten Augen um sie herum und wischte sich h�chst nerv�s mit dem �rmel Schwei� von der Stirn. Nadia mu�te dar�ber lachen. Irgendwie hatte die Ankunft von Fort sie in gute Stimmung versetzt. Sie wu�te nicht, wie sie sich deren erwehren sollte.</p><p>Also nahm sie mit der Praxisgruppe in der ersten Reihe Platz und sah zu, wie Art Fort auf die B�hne geleitete und vorstellte. Fort nickte und sprach einen Satz. Dann neigte er den Kopf und schaute zu der hinteren Reihe des Amphitheaters auf und erkannte, da� seine Stimme nicht verst�rkt wurde. Er holte tief Luft und fing noch einmal an. Seine gew�hnlich ruhige Stimme schwebte hinaus mit der Sicherheit eines alten Schauspielers und trug gut zu jedem Anwesenden.</p><p>�Ich m�chte dem Volk von Subarashii daf�r danken, da� sie mich nach S�den zu dieser Konferenz gebracht haben.�</p><p>Art duckte sich, als er zu seinem Platz zur�ckkehrte, wandte sich um und sagte hinter vorgehaltener Hand zu Fort: �Das ist Sabishii.�</p><p>�Was ist das?�</p><p>�Sabishii. Sie sagten Subarashii., Das ist die Transnationale. Die Ansiedlung, durch die Sie hierhergekommen sind, hei�t Sabishii. Sabishii bedeutet �einsam�, Subarashii aber �wundervoll�.�</p><p>�Wundervoll�, sagte Fort und schaute Art merkw�rdig an. Dann zuckte er die Achseln und legte los�� ein alter Terraner mit ruhiger, aber durchdringender Stimme und einem etwas umherschweifenden Stil. Er beschrieb Praxis, wie sie angefangen hatte und wie sie jetzt arbeitete. Als er auf die Beziehungen von Praxis zu den anderen Transnationalen zu sprechen kam, dachte Nadia, es g�be �hnlichkeiten zu den Beziehungen auf dem Mars zwischen dem Untergrund und den Welten an der Oberfl�che, die ohne Zweifel durch Forts Beschreibung geschickt ins Licht ger�ckt wurden. Und es schien ihr nach dem Schweigen hinter ihr, als ob Fort recht gut das Interesse der Menge fesselte. Aber dann sagte er etwas �ber Okokapitalismus und da� er die Erde als eine volle Welt betrachtete, w�hrend der Mars noch eine leere sei. Da sprangen drei oder vier Rote hoch.</p><p>�Was meinen Sie damit?� rief einer von ihnen. Nadia sah, wie Art im Scho� die H�nde rang; und bald erkannte sie, weshalb. Die Antwort von Fort war lang und seltsam. Sie erl�uterte, was er als �kokapitalismus bezeichnete, worin die Natur als Bioinfrastruktur angesprochen wurde, die Menschen dagegen als menschliches Kapital. Wenn sie nach hinten schaute, sah Nadia, da� viele Leute die Stirn runzelten. Vlad und Marina steckten die K�pfe zusammen, und Marina dr�ckte Tasten auf ihrem Handgelenk. Pl�tzlich sprang Art auf und unterbrach Fort mit der Frage, was Praxis jetzt t�te und was seiner Meinung nach die Rolle von Praxis auf dem Mars w�re.</p><p>Fort starrte Art an, als ob er ihn nicht erkennen w�rde. �Wir haben mit dem Weltgerichtshof zusammengearbeitet. Die UN hat sich nie von 2061 erholt und gilt jetzt weithin als ein Artefakt des Zweiten Weltkriegs. Damit haben wir unseren besten Schiedsrichter bei internationalen Streitigkeiten verloren. Inzwischen sind die Konflikte aber weitergegangen, von denen manche ernster Natur sind. Immer mehr solcher Konflikte sind von der einen oder anderen Partei vor den Weltgerichtshof getragen worden; und Praxis hat eine Organisation von Freunden des Gerichtshofes ins Leben gerufen, die sich bem�ht, ihm in jeder m�glichen Weise Unterst�tzung zu geben. Wir halten uns an seine Regeln, geben ihm Geld und Menschen und versuchen, Schiedsspruchtechniken zu entwickeln und so weiter. Wir haben uns an einem neuen Verfahren beteiligt, wo, wenn zwei internationale K�rperschaften irgendwelcher Art ein Mi�verst�ndnis haben und beschlie�en, sich dem Schiedsspruch zu unterwerfen, diese in ein einj�hriges Programm mit dem Weltgerichtshof eintreten, dessen Gutachter eine Handlungsweise zu finden suchen, die beide Seiten befriedigt.</p><p>Nach Ablauf des Jahres fa�t der Gerichtshof Beschl�sse �ber alle offenen Fragen; und wenn das funktioniert, wird ein Vertrag unterzeichnet; und wir sind bestrebt, diese Vertr�ge auf jede uns m�gliche Weise zu unterst�tzen. Indien hat Interesse gezeigt, hat das Programm mit Sikhs im Panjab durchgezogen, und das klappt bisher. Andere F�lle habe sich als schwieriger erwiesen. Es ist aber lehrreich gewesen. Das Konzept von Halbautonomie gewinnt gro�e Beachtung. Bei Praxis glauben wir, da� Nationen niemals wirklich souver�n gewesen sind, sondern immer nur halbautonom in Beziehung zum Rest der Welt. Metanationale sind halbautonom, Individuen sind halbautonom, Kultur ist halbautonom in Beziehung zur �konomie, Werte sind halbautonom in Beziehung zu Preisen�� Es gibt einen neuen Zweig der Mathematik, der Halbautonomie in formal logischen Ausdr�cken zu beschreiben sucht.�</p><p>Vlad, Marina und Cojote versuchten gleichzeitig, Fort zuzuh�ren, sich zu beraten und Notizen zu machen. Nadia stand auf und winkte Fort zu.</p><p>�Unterst�tzen andere Transnationale das Weltschiedsgericht ebenso?� fragte sie.</p><p>�Nein. Die Metanationalen vermeiden es und benutzen die UN als Gummistempel. Ich f�rchte, sie glauben noch an den Mythos der Souver�nit�t.�</p><p>�Aber das klingt wie ein System, das nur funktioniert, wenn beide Seiten ihm zustimmen.�</p><p>�Ja. Alles, was ich Ihnen sagen kann, ist, da� Praxis sehr interessiert ist und da� wir versuchen, Br�cken zwischen dem Weltgerichtshof und allen M�chten auf der Erde zu bauen.�</p><p>�Warum?� fragte Nadia.</p><p>Fort hob die H�nde in einer Art sehr �hnlichen Geste. �Kapitalismus funktioniert nur, wenn es Wachstum gibt. Aber Wachstum ist nicht l�nger Wachstum, sehen Sie. Wir m�ssen nach innen wachsen und uns neu verflechten.�</p><p>Jackie stand auf. �Aber auf dem Mars konnten Sie in klassisch kapitalistischem Stil wachsen, nicht wahr?�</p><p>�Ich denke, ja.�</p><p>�Vielleicht ist das also alles, was Sie von uns wollen? Ein neuer Markt? Diese leere Welt, von der Sie vorhin gesprochen haben?�</p><p>�Nun, in Praxis sind wir auf den Gedanken gekommen, da� der Markt nur ein sehr kleiner Teil der Gemeinschaft ist. Und wir sind an deren allem interessiert.�</p><p>�Was wollen Sie also von uns?� schrie jemand von hinten.</p><p>Fort l�chelte: �Ich m�chte beobachten.�</p><empty-line/><p>Das Meeting endete bald danach, und die regul�ren Nachmittagssitzungen fanden statt. Nat�rlich beherrschte bei denen allen die Ankunft der Praxisgruppe zumindest einen Teil der Diskussion. Zum Leidwesen f�r Art wurde, als sie in n�chtlicher Runde die B�nder durchsahen, klar, da� Fort und sein Team dem Kongre� mehr als ein trennendes denn verbindendes Element erschienen war. Viele konnten eine Transnationale nicht als g�ltiges Mitglied des Kongresses akzeptieren. So war das also. Cojote kam vorbei und sagte zu Art: �Erz�hle mir nicht, wie anders Praxis ist! Das ist ein uralter Trick, wie er im Buche steht. Wenn sich die Reichen nur anst�ndig benehmen w�rden, w�re das System okay. Das ist Unsinn. Das System legt alles zu sehr fest. Es ist das System, das sich �ndern mu�.�</p><p>�Fort redet davon, es zu ver�ndern�, wandte Art ein. Aber Fort war darin sein eigener �rgster Feind mit seiner Gewohnheit, klassische �konomische Fachausdr�cke zur Beschreibung seiner neuen Ideen zu benutzen. Die einzigen, die sich f�r dieses Vorgehen interessierten, waren Vlad und Marina. F�r die Bogdanovisten, Roten und Marsradikalen stellte es terranisches Gesch�ftsgebaren wie �blich dar; und damit wollten sie nichts zu tun haben. Kein Gesch�ftsverkehr mit einer Transnationalen, rief Kasei auf einem Band und erhielt Applaus. �Sie sagten: Kein Abkommen mit Terra �berhaupt!� F�r diese Gruppe war die einzige Frage, ob man ihm und seiner Gruppe erlauben w�rde fortzugehen oder nicht. Manche meinten, da� sie wie Art jetzt Gefangene des Untergrundes w�ren.</p><p>Aber Jackie stand in dem gleichen Meeting auf, um die Position Boones einzunehmen, wonach man alles der Sache dienlich machen m�sse. Sie verachtete diejenigen, welche Fort prinzipiell ablehnten. Zu ihrem Vater sagte sie scharf: �Wenn ihr schon Besucher als Geiseln nehmen wollt, warum nutzt ihr sie nicht aus? Warum nicht mit ihnen sprechen?�</p><p>So gab es praktisch eine neue Spaltung zus�tzlich zu allen anderen: Isolationisten und Anh�nger von zwei Welten.</p><p>Im Verlauf der n�chsten Tage verhielt sich Fort zu der ihn umgebenden Kontroverse so, da� er sie ignorierte�� bis zu dem Ausma�, da� es Nadia so schien, da� er sie vielleicht gar nicht wahr genommen h�tte. Die Schweizer baten ihn, einen Workshop �ber die derzeitige Situation auf der Erde abzuhalten. Dieser war sehr stark besucht. Fort und seine Leute beantworteten in jeder Sitzung ausf�hrlich Fragen. Fort schien sich hierbei damit zu begn�gen, alles zu akzeptieren, was sie ihm �ber den Mars erz�hlten. Und wenn er es betrachtete, gab er keinerlei Empfehlungen. Er hielt sich an die Erde und gab nur Schilderungen. Als Antwort auf eine Frage sagte er: �Die Transnationalen sind bis auf das runde Dutzend ihrer gr��ten zusammengebrochen. Die haben alle Entwicklungskontrakte mit mehr als einer lokalen Regierung geschlossen. Wir nennen diese die Metanationalen. Die gr��ten sind Subarashii, Mitsubishi, Consolidated, Amexx, Armscor, Mahjari und Praxis. Die n�chsten zehn oder f�nfzehn sind auch recht gro�; und danach ist man wieder bei transnationaler Gr��e angelangt. Aber die werden rasch den Metanationalen einverleibt. Die gro�en Metanationalen sind jetzt die gr��ten Weltm�chte, insofern sie die Weltbank, die Elfergruppe und alle ihre Klientel-L�nder kontrollieren.�</p><p>Sax bat ihn, eine Metanationale n�her zu definieren.</p><p>�Vor ungef�hr zehn Jahren wurde Praxis von Sri Lanka gebeten, ins Land zu kommen, die �konomie zu �bernehmen und zwischen den Tamilen und Singhalesen zu vermitteln. Das taten wir. Die Resultate waren gut, aber w�hrend dieses Arrangements wurde klar, da� unsere Beziehung mit einer nationalen Regierung etwas Neues war. Das wurde in gewissen Kreisen beachtet. Dann entzweite sich vor einigen Jahren Amexx mit der Elfergruppe, entzog ihr ihre s�mtlichen Guthaben und legte sie in den Philippinen an. Das ungleiche Verh�ltnis zwischen Amexx und den Philippinen, nach Bruttojahresprodukt auf gr��enordnungsm��ig hundert zu eins gesch�tzt, f�hrte zu einer Situation, wo Amexx dieses Land praktisch �bernahm. Das war die erste reale Metanationale, obwohl nicht klar war, ob es sich um etwas Neues handelte, bis dieses Arrangement von Subarashii nachgeahmt wurde, als die viele ihrer Operationen nach Brasilien verlegten. Jetzt war deutlich, da� es tats�chlich etwas Neues war, nicht wie die alte Beziehung mit Gef�lligkeitsflaggen. Eine Metanationale �bernimmt die fremde Schuld und die internationale �konomie ihrer Klientel-L�nder, wie es die UN in Kambodscha oder Praxis in Sri Lanka gemacht haben, aber viel umfassender. Bei diesen Arrangements wird die Klientelregierung die Instanz zur Verst�rkung der Wirtschaftspolitik der Metanationalen. Im allgemeinen werden dadurch sogenannte Sparma�nahmen versch�rft; aber alle Regierungsbeamten werden viel besser bezahlt als zuvor, einschlie�lich Armee, Polizei und Nachrichtendienste. Damit hat man das Land praktisch gekauft. Und jede Metanationale hat die Mittel, mehrere L�nder zu kaufen. Amexx hat eine solche Beziehung zu den Philippinen, den nordafrikanischen L�ndern, Portugal, Venezuela und f�nf oder sechs kleineren L�ndern.�</p><p>�Hat Praxis das auch gemacht?� fragte Marina.</p><p>Fort sch�ttelte den Kopf. �In gewisser Weise ja, aber wir haben versucht, den Beziehungen einen anderen Charakter zu geben. Wir haben mit L�ndern verhandelt, die gro� genug waren, um die Partnerschaft ausgeglichener zu gestalten. Wir hatten Abmachungen mit Indien, China und Indonesien. Das waren alles L�nder, die durch den Vertrag �ber den Mars von 2057 betrogen worden waren und uns deshalb veranla�ten, herzukommen und Untersuchungen wie diese hier anzustellen. Wir haben auch mit einigen anderen L�ndern, die noch unabh�ngig sind, Abmachungen eingeleitet. Aber wir sind nicht exklusiv in diese L�nder eingedrungen und haben nicht versucht, ihnen ihre Wirtschaftspolitik zu diktieren. Wir haben versucht, uns an unsere Version des Transnationalismus zu halten, aber im Ma�stab der Metanationalen. Wir hoffen, f�r die L�nder, mit denen wir Gesch�fte machen, als Alternative zum Metanationalismus zu fungieren. Eine Ressource, um mit dem Weltgerichtshof, der Schweiz und einigen anderen K�rperschaften au�erhalb der sich abzeichnenden metanationalen Ordnung weiterzumachen.�</p><p>�Praxis ist eben <emphasis>anders�,</emphasis> erkl�rte Art.</p><p>�Aber das System ist das System�, meinte Cojote aus dem Hintergrund des Raums beharrlich.</p><p>Fort zuckte die Achseln. �Ich denke, wir machen das System.�</p><p>Cojote sch�ttelte nur den Kopf.</p><p>�Wir m�ssen damit verhalten�� <emphasis>verhandeln�,</emphasis> sagte Sax.</p><p>Und er fing an, Fort Fragen zu stellen. �Welches ist das gr�bste�� das <emphasis>gr��te?�</emphasis> Es waren stockende, abgerissene, kr�chzende Fragen. Aber Fort ignorierte seine Schwierigkeiten und antwortete sehr ausf�hrlich, so da� die meisten sich anschlie�enden PraxisWorkshops in einer Befragung von Fort durch Sax bestanden, worin ein jeder viel erfuhr �ber die anderen Metanationalen, ihre Anf�hrer, ihre innere Struktur, ihre Klientel-L�nder, ihr gegenseitiges Verhalten und ihre Geschichte, besonders die Rollen, welche ihre Vorg�ngerorganisationen im Chaos um 2061 gespielt hatten. �Warum die Eier�� nein, ich meine die�� zerbrechen?�</p><p>Fort war im historischen Detail schwach und seufzte ungl�cklich �ber das Versagen seiner pers�nlichen Erinnerungen an diese Periode. Aber sein Bericht �ber die aktuelle Situation auf der Erde war ausf�hrlicher, als sie ihn je zuvor bekommen hatten, und half, Fragen zur metanationalen Aktivit�t auf dem Mars zu kl�ren, nach denen sie sich alle gefragt hatten. Die Metanationalen benutzten die �bergangsbeh�rde als einen Weg, ihre eigenen Meinungsverschiedenheiten zu mildern. Sie waren uneins �ber Territorien. Sie lie�en die Demimonde in Ruhe, weil sie den Eindruck hatten, da� deren Untergrundaspekte vernachl�ssigbar w�ren und leicht �berwacht werden k�nnten. Und so weiter. Nadia h�tte Sax einen Ku� geben k�nnen�� sie tat das auch�� und k��te Spencer und Michel daf�r, da� sie Sax w�hrend dieser Sitzungen unterst�tzt hatten; denn obwohl Sax sich verbissen durch seine Sprachschwierigkeiten durchqu�lte, hatte er oft einen roten Kopf vor Frustration und schlug mit der Faust auf seine Tabellen. Gegen Schlu� sagte er zu Fort: �Was will Praxis denn�� <emphasis>bum!</emphasis>�� vom Mars?�</p><p>Fort sagte: �Wir f�hlen, da� das, was hier geschieht, daheim R�ckwirkungen haben wird. Wir haben gerade eine sich abzeichnende Koalition progressiver Elemente auf der Erde festgestellt, von denen die meisten in China, Praxis und der Schweiz sind. Danach gibt es Dutzende kleinerer Elemente, die aber weniger m�chtig sind. Es k�nnte kritisch sein, welchen Weg Indien in dieser Situation geht. Die meisten Metanationalen scheinen es als Entwicklungssenke zu betrachten in dem Sinne, da� es, ganz gleich, wieviel sie hineintun, sich nicht ver�ndern wird. Das ist nicht unsere Ansicht. Und wir halten auch den Mars in einer anderen Weise f�r kritisch als eine aufsteigende Macht. Darum wollen wir auch hier die progressiven Elemente finden und ihnen zeigen, was wir tun. Und sehen, was sie davon halten.�</p><p>�Interessant!� sagte Sax.</p><p>Und so war es auch. Aber viele Leute blieben eisern ablehnend gegen�ber Verhandlungen mit einem Metanationalen von der Erde. Und inzwischen gingen alle anderen Diskussionen �ber alle die anderen Themen ungemindert weiter und wurden oft noch gegens�tzlicher, je l�nger man dar�ber redete.</p><p>An diesem Abend sch�ttelte Nadia bei ihrer Zusammenkunft auf dem Patio den Kopf. Sie wunderte sich dar�ber, wie sehr die Leute f�hig waren, das zu ignorieren, was sie gemeinsam hatten, und wie verbissen sie sich �ber beliebig kleine Differenzen zwischen ihnen stritten. Sie sagte zu Art und Nirgal: �Vielleicht ist die Welt einfach zu kompliziert, als da� irgendein Plan funktionieren k�nnte. Vielleicht sollten wir uns nicht um einen globalen Plan bem�hen, sondern nur um etwas, das zu uns pa�t. Und dann hoffen, da� der Mars unter etlichen unterschiedlichen Systemen zurechtkommen kann.�</p><p>�Ich glaube, da� auch das nicht gehen wird�, entgegnete Art.</p><p>�Aber was denn sonst?�</p><p>Er zuckte die Achseln. �Das wei� ich noch nicht.� Und er ging mit Nirgal fort, um B�nder durchzusehen.</p><p>Er verfolgte etwas, das f�r Nadia eine immer weiter zur�ckweichende Fata Morgana zu sein schien.</p><p>Nadia ging zu Bett. Im Einschlafen dachte sie, wenn es ein Bauprojekt w�re, so w�rde sie es zerrei�en und von neuem anfangen.</p><p>Das Traumbild eines einst�rzenden Geb�udes ri� sie wach. Nach einer Weile verzichtete sie seufzend auf weiteren Schlaf und ging zu einem Spaziergang hinaus. Art und Nirgal schliefen in dem Raum mit den B�ndern. Ihre Gesichter waren auf die Tischplatte gedr�ckt und flackerten unter dem auf schnellen Vorlauf gestellten Bildschirm. Drau�en fauchte die Luft durch die Tore nach Norden nach Gournia hinein, und sie folgte ihr auf dem hohen Weg. Knisternde Bambusbl�tter, Sterne im Oberlicht� dann die leichten T�ne von Gel�chter, die vom Phaistosteich durch den Tunnel her�ber klangen.</p><p>Die Unterwasserbeleuchtung des Teichs war eingeschaltet, und eine Menge war wieder beim Baden. Aber jetzt war auf der gegen�berliegenden Seite des Tunnels, auf der gekr�mmten Wand ungef�hr in gleicher H�he mit ihr, eine beleuchtete Plattform, auf der sich acht Personen dr�ngten. Einer begab sich von der Plattform weg auf eine Art Brett, duckte sich und packte die Vorderkante des Brettes, das offenbar nur wenig Reibung bot. Ein nackter Mann mit nassem, hinter ihm flatternden Haar flog die gekr�mmte schwarze Seite des Tunnels hinunter und wurde schneller, bis er �ber einen Felsvorsprung hinausscho� und �ber den Teich flog. Er �berschlug sich und platschte mit Schwung in das Wasser. Dann kam er rasch wieder hoch und wurde allseitig mit Beifall bedacht.</p><p>Nadia ging hinunter, um zuzuschauen. Jemand anders brachte das Brett die Treppe hinauf wieder zur Plattform. Der Mann, der es geritten hatte, stand im flachen Wasser und strich sein Haar zur�ck. Nadia erkannte ihn nicht, bis sie am Ufer des Teichs war und er in das von unten kommende Licht geriet. Es war William Fort.</p><p>Nadia legte ihre Kleider ab und ging ins Wasser hinaus, das sehr warm war, auf K�rpertemperatur oder h�her. Ohne einen Laut scho� eine weitere Gestalt in die Tiefe, wie ein Surfer auf einer gewaltigen Felsenwelle. �Das Gef�lle sieht bedrohlich aus�, sagte Fort zu seinen Gef�hrten, �aber bei so geringer Schwerkraft kann man damit gerade zurechtkommen.�</p><p>Die Frau, die jetzt auf dem Brett ritt, wurde hoch �ber das Wasser geschleudert. Sie machte einen perfekten Bogen r�ckw�rts und stie� dann ins Wasser. Als sie auftauchte, erhielt sie lauten Beifall. Inzwischen hatte eine andere Frau das Brett genommen und kletterte aus dem Teich, dicht am Fu� der in den Stein gehauenen Treppe.</p><p>Fort begr��te Nadia mit einem Kopfnicken. Er stand bis zur H�fte im Wasser. Sein K�rper war drahtig unter alter runzliger Haut. Auf seinem Gesicht war die gleiche Miene lockeren Vergn�gens, die er in den Workshops gezeigt hatte. �Wollen Sie es versuchen?� fragte er sie.</p><p>�Vielleicht sp�ter�, sagte sie und sah sich bei den Leuten im Wasser um. Sie suchte herauszufinden, welchen Parteien im Kongre� sie angeh�rten. Als sie merkte, was sie tat, schnaubte sie, angewidert durch sich und durch die Beharrlichkeit von Politik, die jeden anstecken konnte, wenn er das zulie�.</p><p>Aber dennoch stellte sie fest, da� die Leute im Wasser meistens junge Eingeborene waren, von Zygote, Sabishii, Neu-Vanuatu, Dorsa Brevia, dem Vishniac-Mo hole und Christianopolis. Es waren kaum sprechende Delegierte darunter, und ihre Macht war f�r Nadia schwer einzusch�tzen. Wahrscheinlich hatte es nicht so viel zu bedeuten, da� sie sich hier bei Nacht nackt im warmen Wasser versammelten und eine Party feierten.</p><p>Die meisten kamen von Orten, wo �ffentliche B�der �blich waren. Darum waren sie es gewohnt, mit jemandem herumzuplanschen, den sie sonst w�rden bek�mpft haben.</p><p>Wieder kam eine Frau schreiend den Abhang herunter, hob ab und flog in die Tiefen des Teichs. Die Leute schwammen auf sie zu wie Haifische auf Blut. Nadia duckte sich unter das Wasser, das leicht salzig schmeckte Als sie die Augen �ffnete, sah sie �berall Kristallblasen platzen und dann schwimmende K�rper, die sich wie Delphine �ber die glatte dunkle Fl�che des Bodens schl�ngelten. Ein unvertrautes Bild�</p><p>Sie kam wieder hoch und dr�ckte ihr Haar aus. Fort stand zwischen den jungen Leuten wie ein gebrechlicher Neptun und betrachtete sie in seiner seltsam gelassenen Weise. Vielleicht, dachte Nadia, waren diese Eingeborenen wirklich die neue Kultur des Mars, von der Boone gesprochen hatte, die unter ihnen aufkam, ohne da� sie es richtig merkten. �bermittlung von Information �ber Generationen hinweg barg immer viele Fehler. So war die Evolution nun einmal. Und selbst wenn Menschen aus sehr verschiedenen Gr�nden in den Untergrund gegangen waren, so schienen sie hier doch alle zu konvergieren in einer Art von Leben, das steinzeitliche Aspekte hatte und vielleicht auf eine Urkultur hinter allen Differenzen zur�ckgriff oder nach vorn auf eine neue Synthese hin. Es spielte keine Rolle, welches von beiden�� es konnte beides zugleich sein. Also gab es hier vielleicht eine Verbindung.</p><p>So etwas schien die sanft vergn�gte Miene Forts Nadia irgendwie zu sagen, als Jackie Boone in ihrer ganzen Walk�renpracht die Tunnelwand herunter scho� und �ber sie hinwegflog, wie aus einer Zirkuskanone geschossen.</p><p>Das von den Schweizern aufgestellte Programm n�herte sich seinem Ende. Die Organisatoren riefen schnell zu einer dreit�gigen Ruhepause auf, der eine Generalversammlung folgen sollte.</p><p>Art und Nirgal verbrachten diese Tage in ihrem kleinen Konferenzraum, gingen fast rund um die Uhr Videob�nder durch, redeten endlos und tippten wie wild auf ihren Computern. Nadia lie� sie machen, l�ste Knoten, wenn sie uneins waren, und schrieb die Abschnitte um, die ihnen nicht recht gelungen vorkamen. Wenn sie hinzukam, fand sie oft einen von ihnen in seinem Sessel schlafend, w�hrend der andere von seinem Bildschirm gebannt war. �Schau�, kr�chzte er dann, �was h�ltst du hiervon?� Nadia las den Schirm ab und machte Bemerkungen, w�hrend sie ihnen Essen unter die Nasen schob, was den Schlafenden oft aufweckte. �Sieht aussichtsreich aus. La�t uns wieder an die Arbeit gehen!�</p><p>Und so gingen am Morgen der Generalversammlung Art, Nirgal und Nadia zusammen auf die B�hne des Amphitheaters, und Art nahm seinen Computer mit auf das Proszenium. Er stand da und sah auf die versammelte Menge, als ob er von ihrem Anblick �berrascht w�re. Nach einer langen Pause sagte er: �Wir sind tats�chlich in vielen Punkten einer Meinung.�</p><p>Das erregte Gel�chter. Aber Art hielt seinen Computer �ber den Kopf wie die Gesetzestafeln vom Sinai und las dann laut vom Schirm ab: �Programmpunkte f�r eine Marsregierung!�</p><p>Er blickte �ber den Schirm hinweg auf die Menge, die in aufmerksames Schweigen verfiel.</p><empty-line/><p>�<strong>Eins</strong>: Die Gesellschaft des Mats wird aus vielen unterschiedlichen Kulturen zusammengesetzt sein. Es ist besser, sie sich als eine Welt vorzustellen denn als eine Nation. Religionsfreiheit und kulturelle Praxis m�ssen gew�hrleistet sein.</p><p>Keine Kultur oder Gruppe sollte imstande sein, den Rest zu beherrschen.</p><p><strong>Zwei:</strong> Innerhalb dieses Rahmens von Verschiedenheit mu� dennoch gew�hrleistet sein, da� alle Individuen auf dem Mars gewisse unver�u�erliche Rechte haben, einschlie�lich der materiellen Grundlagen der Existenz, Gesundheitsf�rsorge und Gleichheit vor dem Gesetz.</p><p><strong>Drei:</strong> Land, Luft und Wasser des Mars stehen unter der gemeinsamen Verwaltung der menschlichen Familie und k�nnen nicht Eigentum irgendeiner Person oder Gruppe sein.</p><p><strong>Vier:</strong> Die Fr�chte der Arbeit einer Person geh�ren dieser und k�nnen nicht Eigentum einer anderen Person oder Gruppe werden. Gleichzeitig ist die menschliche Arbeit auf dem Mars Teil eines gemeinschaftlichen Unternehmens und dem Gemeinwohl gewidmet. Das Wirtschaftssystem des Mars mu� diese beiden Tatsachen ausdr�cken und Eigeninteresse mit den Interessen der Gemeinschaft im gro�en im Gleichgewicht halten.</p><p><strong>F�nf:</strong> Die metanationale Ordnung, die auf der Erde herrscht, ist gegenw�rtig nicht f�hig, die beiden obigen Prinzipien zu verk�rpern und kann hier keine Anwendung finden. An ihrer Stelle m�ssen wir eine �konomie verordnen, die auf �kologischer Wissenschaft beruht. Das Ziel der Marswirtschaft ist nicht � Ertr�gliche Entwicklung�, sondern ein aufrechtzuerhaltendes Gedeihen seiner ganzen Biosph�re.</p><p><strong>Sechs:</strong> Die Landschaft des Mars hat gewisse eigene �Rechte des Standortes�, denen Rechnung zu tragen ist. Das Ziel unserer Umweltver�nderungen sollte deshalb minimalistisch und �kologisch kreativ sein und die Werte der Areophanie widerspiegeln. Es wird vorgeschlagen, da� als Ziel von Umweltver�nderungen angestrebt wird, nur jenen Teil des Mars, der unterhalb der Vierkilometerlinie liegt, f�r Menschen lebensf�hig zu gestalten. Gr��ere Erhebungen, die etwa drei�ig Prozent des Planeten ausmachen, w�rden dann in einem Zustand verbleiben, der in gewisser Hinsicht ihren urt�mlichen Verh�ltnissen �hnelt, und als nat�rliche Wildzonen existieren.</p><p><strong>Sieben:</strong> Die Besiedlung des Mars ist ein einzigartiger historischer Proze�, da sie die erste Besiedlung eines anderen Planeten durch die Menschheit bedeutet. Als solche sollte sie in einem Geist der Achtung vor diesem Planeten und vor der Seltenheit von Leben im Weltall unternommen werden. Was wir hier tun, wird Pr�zedenzf�lle f�r weitere menschliche Besiedlungen im Sonnensystem schaffen und Ma�st�be setzen und auch Modelle f�r die menschliche Beziehung zur Umwelt der Erde anregen. Somit hat der Mars einen besonderen Platz in der Geschichte. Daran sollte man sich erinnern, wenn wir die notwendigen Entscheidungen hinsichtlich des Lebens hier treffen.�</p><empty-line/><p>Art lie� seinen Computer sinken und blickte auf die Menge. Die sah ihn schweigend an. �Nun gut�, sagte er und r�usperte sich. Er gab Nirgal ein Zeichen. Der kam herauf und trat neben ihn.</p><p>Nirgal sagte: �Das ist alles, was wir aus den Workshops herauspicken konnten, dem, wie wir meinten, jeder hier zustimmen k�nnte. Es gibt noch eine Menge von Punkten, die, wie ich das Gef�hl habe, von einer Mehrheit der Gruppen hier akzeptiert werden k�nnte, aber nicht von allen. Wir haben auch von diesen partiellen Zustimmungspunkten Listen gemacht und werden sie alle f�r euch zur Pr�fung anschlagen. Wir glauben sicher, da� wir, wenn wir mit auch nur einem sehr allgemein gehaltenen Dokument von hier weggehen k�nnen, etwas Bedeutungsvolles geschafft haben werden. Bei einem Kongre� wie diesem besteht die Tendenz, die Differenzen immer deutlicher zu sehen; und ich glaube, da� diese Tendenz in unserer Situation noch gesteigert ist, weil eine Marsregierung gegenw�rtig eine Art theoretischer �bung bleibt. Aber wenn sie zu einem praktischen Problem wird, wenn wir handeln m�ssen, dann werden wir uns nach einer gemeinsamen Basis umschauen, und ein Dokument wie dieses wird uns helfen, sie zu finden.</p><p>Wir haben f�r jeden der Hauptpunkte des Dokuments eine Menge spezifischer Bemerkungen. Wir haben mit Jur gen und Priska dar�ber gesprochen, und die haben vorgeschlagen, eine Woche von Meetings anzusetzen, in der jeweils ein Tag einem der sieben Punkte gewidmet ist, so da� ein jeder Bemerkungen und Revisionen anbringen kann. Am Ende k�nnen wir dann sehen, ob wir irgend etwas ausgelassen haben.�</p><p>Es gab ein schwaches Gel�chter. Eine Menge Leute nickten.</p><p>�Wie w�re es, wenn die Sicherung der Unabh�ngigkeit an erster Stelle k�me?� rief Cojote von hinten.</p><p>�Wir konnten uns keinerlei �hnliche Punkte der �bereinstimmung vorstellen, um sie aufzuschreiben�, erwiderte Art. �Vielleicht sollten wir auch einen Workshop einrichten, um das zu versuchen.�</p><p><emphasis>�Vielleicht</emphasis> sollte das so sein!� rief Coyote. �Ein jeder kann zustimmen, da� die Dinge anst�ndig und die Welt gerecht sein sollten. Aber der Weg, wie man dahin kommt, ist <emphasis>immer</emphasis> das Problem. Ein wirkliches Problem.�</p><p>�Nun, ja und nein�, sagte Art. �Was wir hier haben, ist mehr ein Wunsch, da� die Dinge anst�ndig sein sollten. Was die Methoden angeht, so werden sich die Dinge, wenn wir mit diesen Zielen im Sinn herangehen, vielleicht selbst darbieten. Das hei�t, was wird uns am sichersten zu diesen Zielen f�hren? Welche Mittel legen diese Ziele nahe?�</p><p>Er sah sich in der Menge um und zuckte die Achseln. �Schaut, wir haben versucht, eine Zusammenstellung zu entwerfen von allem, was ihr auf eure verschiedene Art hier gesagt habt. Wenn es also an spezifischen Vorschl�gen f�r Mittel zur Erlangung von Unabh�ngigkeit mangelt, so kommt das vielleicht daher, weil ihr alle auf dem Niveau allgemeiner Auffassungen h�ngengeblieben seid, was das Handeln betrifft, wo viele von euch anderer Meinung sind. Das einzige, was ich euch vorschlagen k�nnte, ist, da� ihr versucht, die verschiedenen Kr�fte auf dem Planeten zu identifizieren, und dann absch�tzt, welchen Widerstand sie gegen die Unabh�ngigkeit leisten k�nnten. Und dann m��t ihr eure Aktionen dem Widerstand anpassen. Nadia hat davon gesprochen, die ganze Methodologie der Revolution neu zu �berdenken; und einige haben �konomische Modelle vorgeschlagen, die Idee eines ausgeglichenen Auskaufens oder sonstwas. Aber als ich �ber diesen Begriff einer Reaktion nach Ma� nachdachte, erinnerte mich das an integrierte Seuchenbek�mpfung, wi�t ihr�� das System in der Landwirtschaft, wo mannigfache Methoden unterschiedlicher Strenge angewandt werden, um mit den bestehenden Seuchen fertig zu werden.�</p><p>Die Leute lachten dar�ber, aber Art schien das nicht zu bemerken. Er wirkte entmutigt durch die mangelnde Billigung des allgemeinen Dokuments. Entt�uscht. Und Nirgal sah �rgerlich aus.</p><p>Nadia wandte sich um und sagte laut: �Wie w�re es mit einer Runde Applaus f�r unsere Freunde hier, die es geschafft haben, �berhaupt etwas aus diesem Chaos heraus zusammenzustellen?�</p><p>Die Leute klatschten. Einige stie�en Hochrufe aus. Einen Moment lang klang das ganz enthusiastisch. Aber es h�rte rasch auf, und die Leute verlie�en das Amphitheater. Sie sprachen miteinander und stritten sich schon wieder.</p><empty-line/><p>So gingen die Debatten weiter, bei denen es jetzt um das Dokument von Art und Nirgal ging. Bei Durchsicht der B�nder erkannte Nadia, da� �ber die Substanz aller Punkte eine recht gute �bereinstimmung bestand, mit Ausnahme des sechsten, der das Niveau der Terraformung betraf. Die meisten Roten wollten das Konzept der niedrigen Vertr�glichkeit nicht annehmen. Sie betonten, da� der gr��te Teil des Planeten unterhalb der Vierkilometerlinie l�ge und da� die h�heren Gebiete wesentlich kontaminiert w�rden, wenn die tieferen vertr�glich w�ren. Sie redeten davon, die jetzt im Gange befindlichen Prozesse industrieller Terraformung seien zu demontieren und es sei zu den langsamsten biologischen Methoden zur�ckzukehren, welche das radikale �kokreative Modell forderte. Einige bef�rworteten die Schaffung einer d�nnen CO2- Atmosph�re, die f�r Pflanzen geeignet w�re, aber nicht f�r Tiere, da das eine f�r die fl�chtigen Stoffe und bisherige Geschichte des Mars nat�rlichere Situation w�re. Andere waren daf�r, die Oberfl�che so nahe wie m�glich in dem vorgefundenen Zustand zu belassen und eine sehr kleine Bev�lkerung unter Kuppeld�chern zu halten. Diese Leute schimpften �ber die schnelle Zerst�rung der Oberfl�che durch industrielles Terraformen in w�sten T�nen und verurteilten besonders die �berschwemmung von Vastitas Borealis und die g�nzliche Aufschmelzung der Landschaft durch die Soletta und die Luftlinse.</p><p>Aber als die sieben Tage verstrichen, wurde es immer deutlicher, da� dieser Punkt des Entwurfs der einzige war, der allgemein diskutiert wurde, w�hrend die anderen gr��tenteils nur der Feinabstimmung bedurften. Viele waren angenehm �berrascht, da� der Entwurf wenigstens soviel Zustimmung gefunden hatte. Mehr als einmal sagte Nirgal �rgerlich: �Warum �berrascht? Wir haben keine Punkte zurechtgemacht, sondern nur aufgeschrieben, was die Leute sagen.�</p><p>Und die Leute nickten dazu und gingen wieder zu den Meetings und arbeiteten wieder an den Punkten. Nadia hatte den Eindruck, da� �berall aus Chaos Zustimmung aufkam, ausgel�st durch die Versicherung seitens Art und Nirgal, da� sie best�nde. Einige Sitzungen in dieser Woche endeten mit einer Art Kavajavarausch politischer �bereinstimmung. Die verschiedenen Aspekte von Staat waren endlich in eine Gestalt geschmiedet, der viele Parteien beipflichten konnten.</p><p>Aber der Streit �ber Verfahren wurde nur noch heftiger. Er ging hin und her�� Nadia gegen Cojote, Kasei, die Roten, die Marsradikalen und viele Bogdanovisten. �Durch Mord kannst du nicht bekommen, was wir wollen!��� �Sie werden diesen Planeten nicht aufgeben! Politische Macht beginnt an der M�ndung eines Gewehrlaufs!�</p><p>Eines Abends nach einer solchen ausgelassenen Veranstaltung fand sich eine gro�e Menge in den flachen Stellen des Teichs von Phaistos zusammen, um sich zu entspannen. Sax sa� auf einer Unterwasserbank und sch�ttelte den Kopf. �Radikal, liberal. Wer es nie geschafft hat, wieder zuzustimmen. Vorher�, sagte er.</p><p>Art steckte den Kopf ins Wasser und zog ihn prustend wieder heraus. M�de und entt�uscht sagte er: �Wie w�re es mit integrierter Seuchenbek�mpfung? Wie mit dieser Idee angeordneter Pensionierung?�</p><p>�Erzwungene Arbeitslosigkeit�, berichtigte Nadia.</p><p>�Enthauptung�, sagte Maya.</p><p>�Was auch immer�, sagte Art und bespritzte sie. �Samtene Revolution. Seidenrevolution.�</p><p>�Aerogel�, warf Sax ein. �Leicht, stark. Unsichtbar.�</p><p>�Das ist einen Versuch wert�, meinte Art.</p><p>Ann sch�ttelte den Kopf. �Das wird nie funktionieren.�</p><p>�Es ist besser als ein neues Einundsechzig�, widersprach Nadia.</p><p>Sax sagte: �Besser, wenn wir uns auf einen Platz einigen�� einen <emphasis>Plan.�</emphasis></p><p>�Aber das k�nnen wir nicht�, erwiderte Maya.</p><p>Art war hartn�ckig. �Die Front ist breit. La�t uns herausgehen und das tun, womit uns wohl ist.�</p><p>Sax, Nadia und Maya sch�ttelten alle zugleich den Kopf. Als Ann das sah, lachte sie laut heraus. Und dann sa�en alle in dem Teich beisammen und kicherten �ber etwas, das sie nicht wu�ten.</p><p>Die abschlie�ende Vollversammlung fand am sp�ten Nachmittag statt im Zakrospark, wo alles angefangen hatte. Nadia hatte den Eindruck, da� die Stimmung ziemlich konfus war, da die meisten Leute nur murrend von der Dorsa-Brevia-Deklaration befriedigt waren, die jetzt um einiges l�nger war als der urspr�ngliche Entwurf von Art und Nirgal. Jeder Punkt wurde von Priska laut vorgelesen und mit Zustimmung bedacht. Aber verschiedene Gruppen schrien f�r manche Punkte lauter als f�r andere. Und als die Lesung beendet war, war der allgemeine Applaus kurz und sachlich. Niemand konnte damit gl�cklich sein; und Art und Nirgal sahen ersch�pft aus.</p><empty-line/><p>Der Applaus war zu Ende, und einen Moment lang sa�en alle blo� da. Keiner wu�te, was als n�chstes zu tun w�re. Die mangelnde Zustimmung zur Frage der Methoden schien sich bis zu diesem Augenblick hinzuziehen. Was zun�chst? Was jetzt? Gingen sie einfach nach Hause? Hatten sie ein Heim? Der Moment zog sich unangenehm lang, sogar schmerzlich hin (wie sehr h�tten sie John gebraucht!), so da� Nadia erleichtert war, als jemand etwas rief�� ein Ausruf, der einen b�sen Zauber zu brechen schien. Sie schaute sich um, als die Leute wohin zeigten.</p><p>Dort stand auf einem Treppenabsatz hoch auf der Wand des schwarzen Tunnels eine gr�ne Frau. Sie war unbekleidet, hatte eine gr�ne Haut und leuchtete in einem Strahl der Nachmittagssonne, der aus einem Oberlicht herunterkam. Mit grauem Haar, barfu�, ohne Schmuck�� v�llig nackt bis auf einen gr�nen Umhang. Und was bei Nacht in dem Teich �blich war, erschien in diesem hellen Tageslicht gef�hrlich und herausfordernd�� ein Schock f�r die Sinne, eine Herausforderung f�r ihre Vorstellung davon, was ein politischer Kongre� war oder sein k�nnte.</p><p>Es war Hiroko. Sie stieg langsam die Treppe herunter, in ruhigem gemessenem Schritt. Ariadne, Charlotte und einige andere minoische Frauen standen unten an der Treppe und erwarteten sie, zusammen mit Hirokos engstem Anhang aus der verborgenen Kolonie�� Iwao, Evgenia, Michel und alle �brigen aus der kleinen Schar. W�hrend Hiroko herunterkam, fingen sie an zu singen. Als sie sie erreichte, schm�ckten sie sie mit Ketten hellroter Bl�ten. Ein Fruchtbarkeitsritus, dachte Nadia, der direkt in einen pal�olithischen Teil ihrer Geister zur�ckreichte und sich hier mit Hirokos Areophanie vermischte.</p><p>Als Hiroko den Fu� der Treppe verlie�, hatte sie ein kleines Gefolge, das die Namen des Mars sang: �Al-Qahira, Ares, Auqakuh, Bahram� und so weiter. Eine gro�e Mischung archaischer Silben, bei der einige von ihnen einschalteten: �Ka�� ka�� ka���</p><p>Sie f�hrte sie den Pfad hinunter, zwischen B�umen hindurch und wieder auf den Rasen hinaus zu der Versammlung im Park. Sie ging direkt mitten durch die Menge mit feierlicher entr�ckter Miene auf ihrem gr�nen Gesicht. Viele standen auf, als sie vorbeikam. Jackie Boone trat aus der Menge, gesellte sich zu der Gruppe des Gefolges, und ihre gr�ne Gro�mutter fa�te sie bei der Hand. Die beiden beschriften den Weg durch die Menge, die vor ihnen zur�ckwich, die alte Matriarchin, gro�, stolz, durchaus alt, knorrig wie ein Baum und so gr�n wie die Bl�tter eines Baumes; Jackie noch gr��er, jung und anmutig wie eine T�nzerin, das schwarze Haar flo� ihr auf den R�cken. Ein Raunen ging durch die Menge. Und als die beiden und die ihnen folgende Menge zum Zentralweg am gro�en Kanal hinunterschritten, standen die Leute auf und folgten ihnen. Die Sufis unter ihnen bildeten tanzend eine Girlande um sie herum. <emphasis>�Ana el-Haqq, ana Al-Qahira, ana el-Haqq, ana Al-Qahira</emphasis>�� � Und so gingen tausend Leute den Kanalweg hinunter hinter den beiden Frauen und ihrem Gefolge her. Die Sufis sangen, andere sangen St�cke aus Hirokos Areophanie, und der Rest begn�gte sich damit zu folgen.</p><p>Nadia ging dahin, hielt die H�nde von Nirgal und Art und f�hlte sich gl�cklich. Sie waren schlie�lich doch Tiere, ganz gleich, wo sie sich entschlossen hatten zu leben. Sie empfand etwas wie Verehrung, eine in ihrer Erfahrung sehr seltene Emotion�� Verehrung f�r die G�ttlichkeit des Lebens, die so sch�ne Formen annahm.</p><p>Am Teich legte Jackie ihren rostfarbenen Jumper ab. Sie und Hiroko standen in kn�cheltiefem Wasser, sahen sich in die Augen und hielten ihre gefalteten H�nde so hoch, wie sie reichen konnten. Die anderen minoischen Frauen vereinten sich mit dieser Br�cke. Alt und jung, gr�n und rosig��</p><p>Die versteckten Kolonisten gingen zuerst unter der Br�cke hindurch, darunter Maya selbst, Hand in Hand mit Michel. Und dann defilierten Leute aller Art unter der Mutterbr�cke hindurch in etwas, das den Eindruck der millionsten Wiederholung eines Millionen Jahre alten Rituals erweckte, von etwas, das in ihren Genen codiert war und ihr ganzes Leben lang gewirkt hatte. Die Sufis tanzten unter den gefalteten H�nden immer noch in ihren wei�en bauschigen Gew�ndern. Dies war f�r die anderen ein Vorbild, die angekleidet blieben, aber direkt in das Wasser tauchten und sich unter die nackten Frauen duckten. Zeyk und Nazik f�hrten auf dem Weg und psalmodierten: <emphasis>�Ana Al-Qahira, ana el-Haqq, ana Al-Qahira, ana el-Haqq.�</emphasis> Sie sahen aus wie Hindus im Ganges oder Baptisten im Jordan. So legten am Ende viele ihre Kleider ab. Aber alle gingen ins Wasser. Und sie sahen sich um bei dieser instinktiven und dennoch h�chst bewu�ten Wiedergeburt. Viele trommelten auf die Wasseroberfl�che mit rhythmischem Planschen zur Begleitung des Gesangs und der Rezitationen��</p><p>Nadia bemerkte immer und immer wieder, wie sch�n doch Menschen waren. Sie dachte, da� Nacktheit die soziale Ordnung gef�hrden k�nnte, weil sie zu viel Realit�t offenbarte. Die Menschen standen voreinander mit allen ihren Unvollkommenheiten, ihren Geschlechtsmerkmalen und ihren Hinweisen auf Sterblichkeit�� aber die meisten mit ihrer erstaunlichen Sch�nheit, die in dem r�tlichen Licht des Sonnenuntergangs im Tunnel kaum zu glauben und kaum zu verstehen oder zu erwidern war. Bei Sonnenuntergang hatte es eine starke r�tliche T�nung�� aber offenbar nicht genug f�r manche Rote, die eine ihrer Frauen mit einer roten Farbe einrieben, die sie sich besorgt hatten, wohl um eine kontr�re Figur zu Hiroko zu schaffen. Politisches Baden! Nadia st�hnte. Aber alle Farben gingen im Teich ab und machten das Wasser braun.</p><p>Maya schwamm durch die seichten Stellen und stie� Nadia mit einem gebieterischen Knuff tiefer in den Teich. Sie sagte auf russisch: �Hiroko ist ein Genie. Vielleicht ist sie ein verr�cktes Genie, aber ein Genie ist sie trotzdem.�</p><p>�Mutterg�ttin der Welt�, sagte Nadia und ging zu Englisch �ber, w�hrend sie durch das warme Wasser zu einer kleinen Gruppe der Ersten Hundert und der Issei von Sabishii schwamm. Dort standen Ann und Sax nebeneinander, Ann gro� und hager, Sax klein und rundlich. Sie sahen genau so aus wie in den alten Tagen in den B�dern von Underhill, wenn sie dieses oder jenes diskutierten. Sax hatte das Gesicht beim Sprechen in Konzentration verzerrt. Nadia lachte �ber diesen Anblick und bespritzte sie.</p><p>Fort schwamm an ihre Seite. Er bemerkte: �Ich h�tte die ganze Konferenz so laufen lassen sollen. Oh, der wird st�rzen!� Und in der Tat rutschte ein Surfer, der von der krummen Wand herunterglitt, von seinem fallenden Brett ab und landete schm�hlich im Teich. �Seht, ich mu� wieder nach Hause fahren, um helfen zu k�nnen. Au�erdem heiratet eine Urururenkelin in vier Monaten.�</p><p>�K�nnen Sie so schnell zur�ckreisen?� fragte Spencer.</p><p>�Ja, mein Schiff ist schnell.� Eine Raumfahrtabteilung von Praxis baute Raketen, die einen modifizierten Dyson-Antrieb benutzten, um w�hrend des Fluges kontinuierlich zu beschleunigen und dann zu bremsen, was eine fast direkte Flugbahn zwischen den Planeten erm�glichte.</p><p>�Nach Bonzenart�, sagte Spencer.</p><p>�Bei Praxis stehen die allen zur Verf�gung, wenn sie in Eile sind. Wenn man die Erde besuchen will, sollte man sich umschauen, welche Verbindungen direkt sind.�</p><p>Niemand machte dazu eine Bemerkung, obwohl einige die Augenbrauen hochzogen. Aber es war auch keine Rede mehr davon, ihn aufzuhalten.</p><p>Die Menschen trieben umher wie Quallen in einem langsamen Wasserstrudel, schlie�lich beruhigt durch die W�rme, das Wasser und das, was an Wein und Kava in Bambusbechern herumgereicht wurde, und durch die Tatsache, da� das abgeschlossen war, wozu sie hergekommen waren. Das war nicht perfekt, wie die Leute sagten�� bestimmt nicht perfekt��, aber immerhin etwas, besonders bei den wichtigen Punkten vier oder drei�� wirklich ein Manifest�� ein Anfang, ein wirklicher Anfang�� mit ernsten Schw�chen�� besonders Punkt sechs�� entschieden nicht perfekt��, aber wohl doch denkw�rdig. Jemand, der im seichten Wasser sa�, sagte: �Aber das hier ist Religion, und mir gefallen alle diese h�bschen K�rper; aber die Vermischung von Staat und Religion ist eine gef�hrliche Sache� �</p><p>Nadia und Maya gingen Arm in Arm ins tiefere Wasser hinaus und plauderten mit jedem, den sie kannten. Eine Gruppe der jungen Leute von Zygote sah sie, Rachel, Tiu, Frantz, Steve und die �brigen. Sie riefen: �He, die beiden Hexen!� und kamen herbei, um sie mit Umarmungen und K�ssen zu erdr�cken. Kinetische Realit�t, dachte Nadia, somatische Realit�t, haptische Realit�t�� die Macht der Ber�hrung, oh� Ihr Phantomfinger klopfte, was seit undenklicher Zeit nicht mehr geschehen war.</p><p>Sie gingen weiter, die Ektogenen von Zygote im Schlepptau, und kamen zu Art, der da mit Nirgal und einigen anderen M�nnern stand, alle wie magnetisch dorthin gezogen, wo Jackie noch bei der halb gr�nen Hiroko stand, das feuchte Haar �ber die nackten Schultern angeklatscht und den Kopf lachend zur�ckgeworfen. Der Sonnenuntergang strahlte von ihr zur�ck und verlieh ihr eine hyperreale heraldische Macht. Art sah wirklich gl�cklich aus; und als Nadia ihn an sich zog, legte er ihr einen Arm �ber die Schulter und belie� ihn dort. Ihr guter Freund, eine sehr solide somatische Realit�t.</p><p>Maya sagte zu ihm: �Das war gut gemacht. Es war so, wie John Boone es gemacht h�tte.�</p><p>�Das war es nicht�, widersprach Jackie automatisch.</p><p>�Ich habe ihn gekannt�, sagte Maya und sah sie tadelnd an, �und du nicht. Und ich sage, es war so, wie John es gemacht h�tte.�</p><p>Sie standen da und starrten einander an, die alte wei�haarige Sch�nheit und die junge schwarzhaarige Sch�nheit. Nadia fand etwas Urt�mliches in dem Bild, urspr�nglich, urzeitlich, urig�� Sie sind die zwei Hexen, wollte sie Jackies Meute hinter ihr sagen. Aber das wu�ten sie sicher schon. Sie sagte, um den Bann zu brechen: �Niemand ist so, wie John war�, und dr�ckte John an sich. �Aber es war gut gemacht.�</p><p>Kasei kam planschend hoch. Er hatte stumm dabeigestanden, und Nadia wunderte sich etwas �ber ihn, den Mann mit dem ber�hmten Vater, der ber�hmten Mutter und Tochter� Und langsam wurde er selbst eine Macht unter den Roten und Marsradikalen hier drau�en am Rande einer Splitterbewegung, wie der Kongre� gezeigt hatte. Nein, es war nicht leicht zu sagen, was Kasei von diesem Leben hielt. Er warf Jackie einen Blick zu, der schwer zu verstehen war�� Stolz, Eifersucht, eine Art von Vorwurf�� und sagte: �Jetzt k�nnten wir John Boone gebrauchen.� John Boone, der erste Mensch auf dem Mars, ihr fr�hlicher John, der in Underhill gern im Butterflystil schwamm an Nachmittagen, die wie diese Zeremonie erschienen waren. Nur war das in dem ersten Jahr zu Beginn ihre allt�gliche Realit�t gewesen��</p><p>�Und Arkady�, sagte Nadia, immer noch bestrebt, die Dinge zu entsch�rfen. �Und Frank.�</p><p>�Wir k�nnen ohne Frank Chalmers auskommen�, sagte Kasei bitter.</p><p>�Warum sagst du das?� rief Maya. �Wir k�nnten uns gl�cklich sch�tzen, wenn wir ihn jetzt hier h�tten! Er w�rde wissen, wie man mit Fort und Praxis, mit den Schweizern und euch Roten und den Gr�nen umgeht, mit allen. Frank, Arkady und John�� die k�nnten wir alle jetzt dringend gebrauchen.� Ihr Mund war hart und nach unten gezogen. Sie sah Jackie und Kasei an, als ob sie sie herausforderte zu sprechen. Dann legte sie die Lippen in Falten und schaute weg.</p><p>�Das ist es, weshalb wir ein neues Einundsechzig vermeiden m�ssen�, sagte Nadia.</p><p>�Das werden wir�, versicherte Art und dr�ckte sie noch einmal an sich.</p><p>Nadia sch�ttelte bek�mmert den Kopf. Der H�hepunkt ging immer so schnell vorbei. �Wir k�nnen das nicht entscheiden�, sagte sie. �Es liegt nicht g�nzlich in unseren H�nden. Wir werden also sehen.�</p><p>�Diesmal wird es anders sein�, erkl�rte Kasei hartn�ckig.</p><p>�Wir werden sehen.�</p></section></section><section><title><p>ACHTER TEIL</p><p>Soziale Ingenieurkunst</p></title><section><p><emphasis>Wo bist du geboren?</emphasis></p><p><emphasis>Denver.</emphasis></p><p><emphasis>Wo bist du aufgewachsen ?</emphasis></p><p><emphasis>Rock. Boulder.</emphasis></p><p><emphasis>Wie warst du als Kind?</emphasis></p><p><emphasis>Ich wei� nicht.</emphasis></p><p><emphasis>Schildere mir deine Eindr�cke!</emphasis></p><p><emphasis>Ich wollte wissen, warum.</emphasis></p><p><emphasis>Du warst neugierig?</emphasis></p><p><emphasis>Sehr neugierig.</emphasis></p><p><emphasis>Hast du mit naturwissenschaftlichen Bauk�sten gespielt?</emphasis></p><p><emphasis>Mit allen.</emphasis></p><p><emphasis>Und deine Freunde?</emphasis></p><p><emphasis>Ich erinnere mich nicht.</emphasis></p><p><emphasis>�berleg doch einmall</emphasis></p><p><emphasis>Ich glaube nicht, da� ich viele Freunde hatte.</emphasis></p><p><emphasis>Warst du als Kind beidh�ndig?</emphasis></p><p><emphasis>Ich erinnere mich nicht.</emphasis></p><p><emphasis>Denke an deine Experimente1. Hast du dazu beide H�nde benutzt?</emphasis></p><p><emphasis>Ich glaube, das war oft n�tig.</emphasis></p><p><emphasis>Hast du mit der rechten Hand geschrieben ?</emphasis></p><p><emphasis>Ich wei� nicht. Ja doch. Als Kind.</emphasis></p><p><emphasis>Und hast du etwas mit der linken Hand gemacht? Die Z�hne geputzt, das Haar gek�mmt, auf Dinge gezeigt, B�lle geworfen?</emphasis></p><p><emphasis>Das habe ich alles mit der rechten Hand getan. W�rde es etwas ausmachen, wenn es anders gewesen w�re?</emphasis></p><p><emphasis>Nun, siehst du, in F�llen von Aphasie f�gen sich die starken Rechtsh�nder recht gut in ein bestimmtes Profil ein. Aktivit�ten sind lokalisiert, oder besser gesagt: koordiniert, an bestimmten Stellen im Gehirn. Wenn wir genau die Probleme bestimmen, welche der Aphasiker hat, k�nnen wir recht gut sagen, wo die Verletzungen im Gehirn lokalisiert sind. Und umgekehrt. Aber bei Linksh�ndern und Beidh�ndern gibt es kein solches Muster. Man k�nnte sagen, da� jedes links- und beidh�ndige Gehirn anders organisiert ist.</emphasis></p><p><emphasis>Du wei�t, die meisten ektogenen Kinder Hirokos sind Linkser.</emphasis></p><p><emphasis>Ja, ich wei�. Ich habe mit ihr dar�ber gesprochen; aber sie behauptet, nicht zu wissen warum. Sie sagt, es k�nnte daher kommen, da� sie auf dem Mars geboren sind.</emphasis></p><p><emphasis>Findest du das plausibel?</emphasis></p><p><emphasis>Nun, �ber H�ndigkeit wei� man auf jeden Fall noch wenig, und die Effekte der geringeren Schwere�� die werden wir in Jahrhunderten in Ordnung bringen, oder nicht?</emphasis></p><p><emphasis>Ich nehme das an.</emphasis></p><p><emphasis>Gef�llt dir etwa diese Idee nicht?</emphasis></p><p><emphasis>Antworten w�ren mir lieber.</emphasis></p><p><emphasis>Wie, wenn alle deine Fragen beantwortet w�rden? W�rest du dann zufrieden?</emphasis></p><p><emphasis>Ich finde es schwer, mir einen solchen�� Zustand vorzustellen. Nur ein sehr kleiner Prozentsatz meiner Fragen w�rde Antworten haben.</emphasis></p><p><emphasis>Aber das ist doch wundervoll. Meinst du nicht auch?</emphasis></p><p><emphasis>Nein. Dem zuzustimmen w�re nicht wissenschaftlich.</emphasis></p><p><emphasis>Verstehst du unter Wissenschaft nicht mehr als Antworten auf Fragen?</emphasis></p><p><emphasis>Ich sehe darin ein System, Antworten zu erzeugen.</emphasis></p><p><emphasis>Und was ist der Zweck davon ?</emphasis></p><p><emphasis>� Zu wissen.</emphasis></p><p><emphasis>Und was wirst du mit deinem Wissen anfangen?</emphasis></p><p><emphasis>� Neues zu finden.</emphasis></p><p><emphasis>Aber warum?</emphasis></p><p><emphasis>Ich wei� nicht. So bin ich nun eben.</emphasis></p><p><emphasis>Sollten nicht einige deiner Fragen in diese Richtung gehen�� herauszufinden, warum du so bist, wie du bist?</emphasis></p><p><emphasis>Ich glaube nicht, da� man befriedigende Antworten finden kann auf Fragen nach�� der menschlichen Natur. Man sollte sie sich lieber als eine Black Box vorstellen. Man kann die wissenschaftliche Methode nicht anwenden. Nicht gut genug, um seiner Antworten sicher zu sein.</emphasis></p><p><emphasis>In der Psychologie glauben wir, wissenschaftlich ein bestimmtes Leiden identifiziert zu haben, bei dem eine Person alles wissen mu�, weil sie sich f�rchtet, nichts zu wissen. Pappel hat das Monocausotaxophilie genannt, die Liebe zu einzelnen Ursachen, die alles erkl�ren. Das kann zur Angst wegenfehlender Ursachenf�hren. Weil dieses Fehlen gef�hrlich sein k�nnte. Das Suchen nach Wissen wird prim�r defensiv, insofern es ein Weg ist, Angst zu verneinen, wenn man wirklich Angst hat. Im schlimmsten Fall ist es nicht einmal das Suchen nach Wissen; denn wenn die Antworten eintreffen, h�ren sie auf, von Interesse zu sein, da sie nicht l�nger gef�hrlich sind. So da� die Realit�t als solche einer solchen Person gleichg�ltig ist.</emphasis></p><p><emphasis>Ein jeder sucht Gefahr zu meiden. Aber Motivationen sind immer vielfach. Und von Person zu Person verschieden. Und unterschiedlich von Aktion zu Aktion. Von einer Zeit zur anderen. Jegliche Schemata sind eine Sache der Spekulation des Beobachters.</emphasis></p><p><emphasis>Psychologie ist eine Wissenschaft, bei der der Beobachter eng in das Subjekt der Beobachtung einbezogen wird.</emphasis></p><p><emphasis>Das ist einer der Gr�nde, weshalb ich sie nicht f�r eine Wissenschaft halte.</emphasis></p><p><emphasis>Doch, sie ist sicher eine Wissenschaft. Einer ihrer Grunds�tze lautet: Wenn du mehr wissen willst, mu�t du dich mehr bem�hen, jeder Astronom liebt die Sterne. Warum sollte er sie sonst so intensiv studieren?</emphasis></p><p><emphasis>Weil sie Geheimnisse sind.</emphasis></p><p><emphasis>Woran ist dir gelegen?</emphasis></p><p><emphasis>Mir liegt an Wahrheit.</emphasis></p><p><emphasis>Die Wahrheit ist kein sehr guter Liebhaber.</emphasis></p><p><emphasis>Ich bin nicht auf Liebe aus.</emphasis></p><p><emphasis>Bist du sicher?</emphasis></p><p><emphasis>Nicht sicherer als jeder andere, der �ber Motivationen nachdenkt.</emphasis></p><p><emphasis>Du gibst zu, da� wir Motivationen haben?</emphasis></p><p><emphasis>Ja. Aber die Wissenschaft kann sie nicht erkl�ren.</emphasis></p><p><emphasis>Sie sind also Teil deines gro�en Unerkl�rlichen?</emphasis></p><p><emphasis>ja.</emphasis></p><p><emphasis>Und so richtest du deine Aufmerksamkeit auf andere Dinge?</emphasis></p><p><emphasis>Ja.</emphasis></p><p><emphasis>Aber die Motivationen sind immer noch da?</emphasis></p><p><emphasis>Oja.</emphasis></p><p><emphasis>Was hast du gelesen, als du jung warst?</emphasis></p><p><emphasis>Alles m�gliche.</emphasis></p><p><emphasis>Was waren einige deiner Lieblingsb�cher?</emphasis></p><p><emphasis>Sherlock Holmes. Die Denkmaschine. Dr. Thorndyke.</emphasis></p><p><emphasis>Haben deine Eltern dich bestraft, wenn du aufgebracht warst?</emphasis></p><p><emphasis>Ich glaube nicht. Sie mochten es nicht, wenn ich Unruhe und L�rm machte. Aber ich denke, da� sie in dieser Hinsicht ganz normal waren.</emphasis></p><p><emphasis>Hast du sie jemals aufgeregt gesehen?</emphasis></p><p><emphasis>Ich kann mich nicht erinnern.</emphasis></p><p><emphasis>Hast du je erlebt, da� sie gebr�llt oder geweint haben?</emphasis></p><p><emphasis>Ich habe sie nie br�llen geh�rt. Ich denke, da� meine Mutter manchmal geweint hat.</emphasis></p><p><emphasis>Wu�test du, weshalb?</emphasis></p><p><emphasis>Nein.</emphasis></p><p><emphasis>Hast du dich gefragt, weshalb?</emphasis></p><p><emphasis>Ich erinnere mich nicht. W�rde das etwas ausmachen, wenn es so gewesen w�re?</emphasis></p><p><emphasis>Was meinst du?</emphasis></p><p><emphasis>Ich meine, wenn ich eine Art von Vergangenheit gehabt h�tte, h�tte ich mich immer noch in eine beliebige Person verwandeln k�nnen. In Abh�ngigkeit von meiner Reaktion auf die�� Ereignisse. Und wenn ich eine andersartige Vergangenheit gehabt h�tte, w�ren die gleichen Variationen gefolgt. So da� deine Richtung zu fragen nutzlos ist. Insofern, als sie keine erkl�rende Strenge besitzt. Sie ist eine Nachahmung der wissenschaftlichen Methode.</emphasis></p><p><emphasis>Ich finde deinen Begriffvon Wissenschaft ebenso armselig wie deine wissenschaftlichen Aktivit�ten. Im Grunde sagst du, wir sollten den menschlichen Geist nicht auf wissenschaftliche Weise studieren, weil er zu komplex ist, das Studium leicht zu machen. Das ist nicht sehr mutig von dir. Das Universum au�erhalb von uns ist auch komplex; aber du r�tst nicht, es zu vermeiden. Warum dann so mit dem inneren Universum?</emphasis></p><p><emphasis>Du kannst nicht Faktoren isolieren und Bedingungen wiederholen, du kannst keine kontrollierten Experimente anstellen und keine falsifizierbaren Hypothesen aufstellen. Der Apparat der Wissenschaft steht dir nicht zur Verf�gung.</emphasis></p><p><emphasis>Denke einmal �ber die ersten Wissenschaftler nach1.</emphasis></p><p><emphasis>Die Griechen?</emphasis></p><p><emphasis>Noch fr�her. Die Vorgeschichte war nicht blo� ein formloser und zeitloser Zyklus der Jahreszeiten, mu�t du wissen. Wir tendieren dazu, uns jene Leute so vorzustellen, als �hnelten sie unserem unbewu�ten Verstand. Aber so waren sie nicht. Seit mindestens hunderttausend Jahren sind wir schon so intellektuell wie jetzt. Wahrscheinlich sogar eher seit einer halben Million Jahren. Und jedes Zeitalter hatte seine gro�en Wissenschaftler, und die alle mu�ten im Kontext ihrer Zeiten arbeiten wie wir auch. F�r diefr�hen Menschen gab es kaum eine Erkl�rung f�r irgend etwas. Die Natur war so ganz und komplex und geheimnisvoll wie unser Geist f�r uns jetzt. Aber was konnten sie machen? Sie mu�ten doch irgendwo anfangen. Daran mu�t du immer denken. Und es erforderte Tausende von Jahren, um die Pflanzen, die Tiere, den Gebrauch von Feuer, Steine, �xte, Bogen, Pfeile, Unterkunft, Kleidung kennenzulernen. Danach T�pferei, Ernten, Metallurgie. Alles so langsam und mit so gro�er Anstrengung. Und das alles wurde durch Worte m�ndlich weitergegeben von einem Gelehrten zum n�chsten. Und ohne Zweifel haben w�hrend der ganzen Zeit Menschen gesagt: Das ist zu komplex, um irgend etwas sicher sein zu k�nnen. Warum sollten wir das alles versuchen? Galilei hat gesagt: �Die Alten hatten guten Grund, sichf�r die ersten Wissenschaftler unter den G�ttern zu halten, da sie sahen, da� gew�hnliche Geister so wenig Neugier haben. Die kleinen Hinweise, mit denen die gro�en Erfindungen begannen, geh�rten nicht einem trivialen, sondern einem �bermenschlichen Geist.� �bermenschlich! Oder nur den besten Teilen unserer selbst, den k�hnen Geistern jeder Generation. Den Wissenschaftlern. Und im Verlauf der Jahrhunderte haben wir ein Weltmodell zusammengest�ckelt, ein Paradigma, das doch recht genau und m�chtig ist?</emphasis></p><p><emphasis>Aber haben wir nicht in all diesen Jahren ebenso hart�� mit wenig Erfolg�� versucht, uns selbst zu verstehen?</emphasis></p><p><emphasis>Mag sein. Vielleicht dauert das l�nger. Aber schau, wir haben auch ein gutes St�ck Fortschritt erzielt. Und nicht erst in j�ngster Zeit. Allein durch Beobachtung entdeckten die Griechen die vier Temperamente; und erst k�rzlich haben wir genug �ber das Gehirn gelernt, um sagen zu k�nnen, was die neurologische Basis dieses Ph�nomens ist.</emphasis></p><p><emphasis>Glaubst du an die vier Temperamente?</emphasis></p><p><emphasis>O ja. Sie lassen sich, wenn man will, durchs Experiment best�tigen. Wie so viele, viele Dinge �ber den menschlichen Geist. Vielleicht ist das keine Physik, vielleicht wird es nie Physik sein. Es k�nnte sein, da� wir blo� komplexer und unvorhersehbarer sind als das Weltall.</emphasis></p><p><emphasis>Das ist wohl wenig wahrscheinlich. Schlie�lich bestehen wir doch aus Atomen.</emphasis></p><p><emphasis>Aber aus lebendigen! Angetrieben durch die gr�ne Kraft, lebendig mit Geist, dem gro�en Unerkl�rlichen!</emphasis></p><p><emphasis>Chemische Reaktionen��</emphasis></p><p><emphasis>Aber warum Leben? Das ist mehr als Reaktionen. Es gibt einen Zug zur Komplizierung, der dem physikalischen Gesetz der Entropie direkt entgegengesetzt ist. Warum sollte das sein?</emphasis></p><p><emphasis>Ich wei� nicht.</emphasis></p><p><emphasis>Warum mi�f�llt es dir, wenn du nicht sagen kannst, warum?</emphasis></p><p><emphasis>Ich wei� nicht.</emphasis></p><p><emphasis>Das Mysterium des Lebens ist eine heilige Sache. Es ist unsere Freiheit. Wir sind aus der physikalischen Realit�t herausgeschossen und existieren jetzt in einer Art gott�hnlicher Freiheit; und das Mysterium ist ein integraler Teil davon.</emphasis></p><p><emphasis>Nein. Wir sind immer noch physische Realit�t. Atome mit ihren Umlaufbahnen. In den meisten Ma�st�ben determiniert, in einigen anderen zufallsbedingt.</emphasis></p><p><emphasis>Ah so. Wir sind verschiedener Ansicht. Aber in beiden F�llen ist es der Beruf des Gelehrten, alles zu erforschen. Ungeachtet der Schwierigkeiten! Offen zu bleiben, Mehrdeutigkeit zu akzeptieren. Zu versuchen, mit dem Objekt der Forschung zu verschmelzen. Zuzugeben, da� es Werte gibt, die das ganze Vorhaben durchziehen. Es zu lieben. Darauf hinzuarbeiten, die Werte zu entdecken, durch die wir leben sollten. Bestrebt zu sein, diese Werte in der Welt zur Geltung zu bringen. Zu erforschen�� und mehr als das�� zu erschaffen!</emphasis></p><p><emphasis>Dar�ber mu� ich nachdenken.</emphasis></p><empty-line/></section><section><p>Beobachtung ist nie genug. Au�erdem war es ohnehin nicht ihr Experiment. Desmond kam nach Dorsa Brevia, und Sax ging, ihn aufzusuchen. �Fliegt Peter immer noch?�</p><p>�Nun ja. Er verbringt einen guten Teil seiner Zeit im Raum, wenn du das meinst.�</p><p>�Kannst du mich mit ihm in Verbindung bringen?�</p><p>�Sicher kann ich das.� Desmonds ruiniertes Gesicht zeigte einen seltsamen Ausdruck. �Dein Sprechen wird immer besser. Was haben sie mit dir gemacht?�</p><p>�Gerontologische Behandlungen. Auch Wachstumshormon, L-Dopa, Serotonin und andere Chemikalien. Irgendein Zeug von Seesternen.�</p><p>�Haben dir ein neues Gehirn wachsen lassen, he?�</p><p>�Ja. Jedenfalls Teile, Synergische synaptische Stimulation. Auch viele Gespr�che mit Michel.�</p><p>�Oha!�</p><p>�Ich bin es aber immer noch.�</p><p>Desmond stie� ein tierisches Gel�chter aus. �Das sehe ich. H�r zu! Ich werde in ein paar Tagen wieder fort sein und dich zu Peters Flughafen bringen.�</p><empty-line/><p>Haben ein neues Gehirn wachsen lassen. Nicht ganz der richtige Ausdruck daf�r. Die Verletzung hatte im hinteren Drittel der unteren frontalen Hirnwindung stattgefunden. Infolge von gezielter Ultraschallerinnerungs- und -Sprachstimulierung war Gewebe abgestorben. Ein Gehirnschlag. Brocasche Aphasie. Schwierigkeit mit dem motorischen Sprachapparat, wenig Satzmelodie, Schwierigkeit beim Ansatz zu �u�erungen, Reduktion auf Telegrammstil, meistens Hauptw�rter und einfachste Formen von Verben. Eine Reihe von Tests ergab, da� die meisten anderen kognitiven Funktionen nicht beeintr�chtigt waren. Er war sich nicht allzu sicher. Er hatte es verstanden, wenn Leute zu ihm sprachen; sein Denkverm�gen war, soweit er sah, ziemlich gleich geblieben, und er hatte keine M�he mit den r�umlichen und anderen nichtlinguistischen Tests gehabt. Aber wenn er zu sprechen versuchte, gab es pl�tzlich Versagen�� im Mund und im Verstand. Dinge verloren ihre Namen.</p><p>Seltsamerweise blieben sie auch ohne Namen noch Dinge. Er konnte sie sehen und �ber sie nachdenken in Form von Gestalten oder Zahlen. Formale Beschreibung. Mannigfache Kombinationen von Kegelschnitten und den sechs achsensymmetrischen Rotationsfl�chen, Ebene, Kugel, Zylinder, Katenoid, Unduloid und Nodoid: Gestalten ohne Namen, die aber selbst Namen waren. Eine geometrisch-r�umliche Sprache.</p><p>Aber es zeigte sich, da� es schwer war, sich ohne W�rter zu erinnern. Man hatte anfangs eine Methode entlehnen m�ssen�� die r�umlich orientierte Methode des Ged�chtnispalastes. Eine Stelle im Gehirn wurde so eingerichtet, da� sie dem Innern der Labors von Echus Overlook �hnelte, an das er sich so gut erinnerte, da� er im Geist darin umhergehen konnte, auch ohne Namen. Und an jedem Ort ein Objekt, oder ein anderer Ort oder ein Z�hlwerk. Die ganzen Acheronlabors. Ganz oben der K�hlschrank von Boulder, Colorado. So erinnerte er sich an alle Gestalten in seinem Kopf durch ihren Platz in dem mentalen Labor.</p><p>Und dann kam manchmal der Name. Aber wenn er ihn kannte und auszusprechen versuchte, war es leicht m�glich, da� der falsche aus seinem Mund kam. Er hatte immer in diese Richtung tendiert. Nach manchen Sitzungen mit bestem Denken, wenn f�r ihn alles ganz klar gewesen war, war es gelegentlich schwierig gewesen, seine Gedanken auf den Ort der Sprache zu �bertragen, der nicht recht zu der Art des Denkens pa�te, das er vollzogen hatte. Dadurch hatte das Sprechen Arbeit erfordert. Aber ganz anders war sein stockendes, erratisches, unzuverl�ssiges Tasten, das gew�hnlich entweder versagte oder in die Irre f�hrte. Schmerzlich. Dennoch sicher Wernickes Aphasie vorzuziehen, bei der man gel�ufig plapperte, ohne zu merken, da� das �berhaupt keinen Sinn ergab. Gerade so, wie er eine pr�morbide Tendenz gehabt hatte, die W�rter f�r Dinge zu verlieren, gab es Leute, die zu Wernickes Aphasie neigten ohne die Entschuldigung einer Verletzung des Gehirns. Wie Art festgestellt hatte, war Sax sein Problem lieber.</p><empty-line/><p>Ursula und Vlad waren zu ihm gekommen. Ursula sagte: �Aphasie ist bei jeder Person anders. Es gibt Muster und Gruppen von Symptomen, die gew�hnlich mit bestimmten Verletzungsformen bei rechtsh�ndigen Erwachsenen einhergehen. Aber bei au�ergew�hnlichen Gehirnen gibt es eine Menge Ausnahmen. Wir sehen schon, da� die kognitiven Funktionen sehr gro� geblieben sind f�r jemanden mit deinem Ma� an Sprechschwierigkeiten. Wahrscheinlich hat sich ein gro�er Teil deines mathematischen und physikalischen Denkens ohne Verwendung von Sprache abgespielt.�</p><p>�Das stimmt.�</p><p>�Und wahrscheinlich war es geometrisches Denken anstatt analytisches, das in der rechten Hemisph�re des Gehirns stattfand und nicht in der linken. Deine rechte Hemisph�re war ausgespart.�</p><p>Sax nickte. Er getraute sich nicht zu sprechen.</p><p>�Auch die Aussichten f�r Genesung variieren weitgehend. Eine Besserung gibt es fast immer. Besonders Kinder sind sehr anpassungsf�hig. Wenn sie Kopfverletzungen haben, kann selbst eine begrenzte Verletzung ernste Probleme bereiten, aber es kommt fast immer zur Heilung. Man kann einem Kind eine ganze Hirnh�lfte entfernen, wenn es notwendig ist. Dann werden alle Funktionen von der restlichen H�lfte wieder erlernt. Das geschieht wegen des unglaublichen Wachstums im kindlichen Gehirn. Bei Erwachsenen ist es anders. Da ist bereits eine Spezialisierung eingetreten, so da� definierte Verletzungen einen spezifischen begrenzten Schaden bewirken. Wenn aber erst einmal eine bestimmte Fertigkeit in einem reifen Gehirn zerst�rt ist, gibt es oft keine merkliche Verbesserung.�</p><p>�Die <emphasis>Hand</emphasis>�� die Behandlung.�</p><p>�Genau. Aber schau, das Gehirn ist eben eine der Stellen, wo die gerontologische Behandlung die gr��te Schwierigkeit hat, nachhaltig zu wirken. Wir haben aber daran gearbeitet. Wir haben ein Stimulationsprogramm entwickelt, das in Abstimmung mit der Behandlung eingesetzt wird, wenn man mit F�llen von Hirnschaden konfrontiert ist. Es k�nnte ein regul�rer Teil der Therapie werden, wenn die Versuche weiterhin gute Ergebnisse zeitigen. Wir haben es noch nicht bei sehr vielen Versuchen mit Menschen eingesetzt. Die Injektion erh�ht die Plastizit�t des Gehirns durch Anregung des Wuchses von Axonen und Dendriten in der Wirbels�ule und der Sensitivit�t von Hebb-Synapsen. Das Corpus callosum wird besonders beeinflu�t und die der verletzten Hemisph�re gegen�berliegende Seite. Durch Lernen k�nnen dort ganze neue Netzwerke aufgebaut werden.�</p><p>�Macht das!� sagte Sax.</p><empty-line/><p>Vernichtung ist Erschaffung. Wie ein kleines Kind werden. Sprache als Raum, als eine Art mathematischer Notation. Geometrische Lokalisierungen im Labor des Ged�chtnisses. Lesen. Karten, Codes, Substitutionen, die geheimen Namen der Dinge. Das triumphale Anst�rmen eines Wortes. Die Freude am Plaudern. Die Wellenl�nge jeder Farbe nach Zahl. Dieser Sand ist orangefarben, braun, blond, siena, umbra, gebrannte siena, ocker. Der Himmel ist zartblau, lavendel, malve, violett, preu�ischblau, indigo, mitternachtsblau. Man schaue nur auf beschriftete Farbtafeln, die reiche Intensit�t von Farben, den Klang der W�rter! Er wollte mehr. Ein Name f�r jede Wellenl�nge des Spektrums. Warum nicht? Warum so knickerig? Die Wellenl�nge von 0,59 Mikron ist so viel mehr blau als die von 0,6. Und 0,61 ist so viel roter�� Sie brauchten mehr W�rter f�r Purpurt�ne, so wie die Eskimos mehr W�rter f�r Schnee brauchten. Die Leute haben immer dieses Beispiel benutzt; und die Eskimos hatten ungef�hr zwanzig W�rter f�r Schnee. Aber Forscher hatten mehr als dreihundert W�rter f�r Schnee. Und wer hat je gew�rdigt, da� die Wissenschaftler ihrer Welt Aufmerksamkeit geschenkt haben? Keine zwei Schneeflocken sind gleich. Die Stelle, wo sich mein Arm beugt, ist mein Ellbogen! Mars sieht aus wie ein K�rbis! Die Luft ist kalt. Und vergiftet von Kohlendioxid.</p><p>Es gab Teile seiner inneren Sprache, die v�llig aus alten Klischees bestanden. Sie kamen ohne Zweifel daher, was Michel als ��bererlernte� Aktivit�ten in seiner Vergangenheit bezeichnete, die seinen Geist so durchsetzt hatten, da� sie den Schaden �berlebten. Wenn man dann durch diese bequemen Formulierungen hindurchschnitt, als ob sie von einer v�llig getrennten Sprache stammten, gab es die neuen Vorstellungen und die neuen Phrasen, die danach tasteten, sie auszudr�cken. Synaptische Energien. Aktuelle Sprache aus beiden Bereichen war stets erw�nscht. Die Heiterkeit der Normalit�t. Wie sehr hatte er sie f�r garantiert gehalten! Michel kam jeden Tag vorbei, um zu reden, und half ihm, sein neues Gehirn aufzubauen. Michel hegte einige sehr alarmierende Ansichten f�r einen Mann der Wissenschaft. Die vier Elemente, die vier Temperamente, alchemistische Formulierungen aller Art, philosophische Standpunkte, die als Wissenschaft gl�nzten�</p><p>�Hast du mich nicht einmal gefragt, ob ich Blei in Gold verwandeln k�nnte?�</p><p>�Ich glaube nicht.�</p><p>�Warum verbringst du so viel Zeit darauf, mit mir zu sprechen, Michel?�</p><p>�Ich spreche gern mit dir, Sax. Du sagst jeden Tag etwas Neues.�</p><p>�Ich werfe Dinge gern mit meiner linken Hand.�</p><p>�Das habe ich gesehen. Vielleicht wird aus dir einmal ein Linkser. Oder ein Beidh�nder; denn dein linkes Gehirn ist so stark. Ich kann mir nicht vorstellen, da� es viel zur�ckbleiben wird, ungeachtet der Verletzung.�</p><p>�Der Mars sieht aus wie eine Kugel alter Planetesimale mit einem Eisenkern.�</p><empty-line/><p>Desmond flog Sax zu dem Sanktuarium der Roten im Wallace-Krater, wo Peter sich oft aufhielt. Und da war er auch. Peter, Sohn des Mars, gro�, schnell und kr�ftig, freundlich, wenn auch unpers�nlich, distanziert, von seiner Arbeit und seinem Leben absorbiert. �hnlich wie Simon. Sax sagte ihm, was er tun wollte und weshalb. Er stolperte immer noch gelegentlich beim Sprechen. Aber es war so viel besser als zuvor, da� es ihn kaum st�rte, wenn es vorkam. Immer vorw�rts! Wie das Reden in einer fremden Sprache. F�r ihn waren jetzt alle Sprachen fremd. Au�er sein eigenes Idiom von Formen. Aber das war keine Erschwerung. Im Gegenteil ein Trost, da� es so gut ging. Da� sich der Nebel vor den Namen lichtete, da� Verbindungen zwischen Geist und Mund wiederhergestellt waren. Selbst auf eine neue und riskante Art. Eine Chance zu lernen. Manchmal gefiel ihm der neue Weg. Die Realit�t eines Menschen konnte in der Tat von seinem wissenschaftlichen Paradigma abh�ngen; aber am meisten hing sie von der Struktur seines Gehirns ab. Wenn man die ver�nderte, konnten die Paradigmen auch folgen. Man kann Fortschritt nicht bek�mpfen, auch nicht progressive Differenzierung. �Verstehst du?�</p><p>�O ja, ich verstehe�, sagte Peter mit breitem Grinsen.</p><p>�Ich halte das f�r eine sehr gute Idee. Sehr wichtig. Ich werde ein paar Tage brauchen, um das Flugzeug herzurichten.�</p><p>Ann kam in der Zufluchtsst�tte an. Sie sah ersch�pft und alt aus. Sie begr��te Sax kurz. Ihre Abneigung war so stark wie je. Sax wu�te nicht, was er ihr sagen sollte. War das ein neues Problem?</p><p>Er beschlo� zu warten, bis Peter mit ihr gesprochen h�tte, und zu sehen, ob das einen Unterschied machte. Er wartete. Inzwischen bel�stigte ihn niemand, wenn er nicht sprach. �berall Vorteile.</p><p>Ann kam von einem Gespr�ch mit Peter zur�ck, um mit den anderen Roten an ihrer kleinen Tafel zu speisen, und sah ihn tats�chlich neugierig an. Sie schaute �ber die K�pfe der anderen zu ihm her, als ob sie eine neue Klippe auf der Landschaft des Mars beobachtete, unverwandt und sachlich. Beurteilend. Eine Zustands�nderung in einem dynamischen System ist ein Datenpunkt, der f�r eine Theorie spricht. Unterst�tzend oder verwirrend. Was bist du? Warum tust du dies?</p><p>Er begegnete ihrem Blick ruhig und versuchte, ihn zu erwidern und zur�ckzugeben. Ja, ich bin immer noch Sax. Ich habe mich ver�ndert. Warum hast du dich nicht ver�ndert? Warum schaust du mich so an? Ich habe eine Verletzung erlitten. Das todgeweihte Individuum gibt es nicht mehr, nicht ganz. Ich habe eine experimentelle Behandlung erfahren, ich f�hle mich wohl, ich bin nicht der Mann, den du gekannt hast. Und warum hast du dich nicht ver�ndert?</p><p>Wenn gen�gend Daten die Theorie st�ren, k�nnte die Theorie falsch sein. Wenn die Theorie fundamental ist, m��te man das Paradigma wechseln.</p><p>Sie setzte sich hin, um zu essen. Es war zweifelhaft, ob sie seinen Geist in solchem Detail gelesen hatte. Es war aber dennoch ein gro�es Vergn�gen, ihrem Auge standhalten zu k�nnen!</p><p>Sax stieg mit Peter in das kleine Cockpit, und gleich nach dem Zeitschlupf polterten sie die Rollbahn aus Urgestein entlang, beschleunigten stark und richteten sich dem schwarzen Himmel entgegen. Das gro�e stromlinige Flugzeug vibrierte unter ihnen.</p><p>Sax lehnte sich in seinem Sitz zur�ck und wartete darauf, da� das Flugzeug �ber den Berg an seiner h�chsten Stelle kurvte. Es wurde bei dem steilen Anstieg langsamer, bis es in einem sanften Aufwind durch die hohe Stratosph�re war und den �bergang vom Flugzeug zur Rakete vollzog, als die Atmosph�re in hundert Kilometern H�he extrem d�nn wurde, wo die Gase des Russell-Cocktails t�glich durch auftreffende UV-Strahlen vernichtet wurden. Die Haut der Maschine gl�hte vor Hitze. Durch das Filterglas des Cockpits hatte die Sonne eine Farbe wie beim Untergehen. Ohne Zweifel beeinflu�te das ihr Sehverm�gen bei Nacht. Auf dem Planeten unter ihnen war alles dunkel bis auf wenige Flecke von durch Sterne erhellten Gletschern im Hellasbecken. Sie stiegen immer noch. Eine sich erweiternde Kreisbewegung. Sterne erf�llten die Finsternis mit etwas, das wie eine enorme schwarze Halbkugel aussah, die auf einer riesigen schwarzen Ebene stand. N�chtlicher Himmel, n�chtlicher Mars. Sie stiegen weiter auf. Die Rakete leuchtete durchscheinend gelb, t�uschend hell und glatt. Sie war das Neueste in Vishniac, zum Teil von Spencer konstruiert, und bestand aus einer intermetallischen Verbindung, haupts�chlich Gamma-Titan und Aluminium, das superplastisch gemacht war zur Anfertigung hitzebest�ndiger Maschinenteile wie auch der Au�enhaut, die etwas dunkler wurde, als sie noch h�her stiegen und abk�hlte. Sax konnte sich das sch�ne Gitterwerk der Legierung vorstellen im Schema eines Geflechts aus Nodoiden und Katenoiden wie Haken und �sen, das in der Hitze wild vibrierte. Solche Sachen baute man in diesen Tagen. Flugzeuge vom Boden bis in den Weltraum. Man k�nnte in seinen Hinterhof gehen und in einer Aluminiumdose zum Mars fliegen.</p><p>Sax sagte, was er danach als n�chstes zu tun gedachte.</p><p>�Denkst du, da� Vishniac das machen kann?�</p><p>�O ja.�</p><p>�Es gibt da einige Konstruktionsprobleme.�</p><p>�Ich wei�, ich wei�. Aber die werden sie l�sen. Ich meine, man mu� kein Raketenwissenschaftler sein, um einer zu werden.�</p><p>�Das ist sehr wahr.�</p><p>Peter sang, um die Stunden herumzubringen. Sax fiel ein, wenn er den Text kannte, wie bei �Sixteen Tons�, einem befriedigenden Lied. Peter erz�hlte die Geschichte, wie er dem fallenden Aufzug entkommen war. Wie es gewesen war, in einem Anzug f�r Au�enbordarbeiten zwei Tage lang allein zu schweben. �Es hat mich irgendwie auf den Geschmack gebracht, das ist alles. Ich wei�, da� das merkw�rdig klingt.�</p><p>�Ich verstehe es.� Die Formen hier drau�en waren so gro� und rein. Die Farbe der Dinge.</p><p>�Wie war es, wieder zu lernen?�</p><p>�Ich mu� mich darauf konzentrieren und scharf nachdenken. Mich �berraschen st�ndig manche Dinge. Dinge, die ich fr�her wu�te und vergessen habe. Dinge, die ich nie gewu�t habe. Dinge, die ich erst kurz vor der Verletzung gelernt habe. Diese Periode liegt gew�hnlich f�r immer im Dunkel. Aber sie war so wichtig. Als ich am Gletscher arbeitete. Ich mu� mit deiner Mutter dar�ber reden. Es ist nicht so, wie sie denkt. Wei�t du, das Land� Die neuen Pflanzen da drau�en. Die gelbe Schmetterlingssonne. Das mu� nicht��</p><p>�Du solltest mit ihr sprechen.�</p><p>�Sie mag mich nicht.�</p><p>�Rede mit ihr, wenn wir zur�ckkommen!�</p><p>Das H�henmesser zeigte 250 Kilometer �ber der Oberfl�che an. Das Flugzeug stieg der Cassiopeia entgegen. Jeder Stern hatte eine unterschiedliche Farbe. Oder es waren mindestens f�nfzig verschiedene. Unter ihnen am Ostende der schwarzen Scheibe erschien der Terminator, zebraartig gestreift in Ocker und Schattenschwarz. Die schmale Sichel des von der Sonne erhellten Mars erweckte die klare Vorstellung der Scheibe als eines gro�en Sph�roids. Eine Kugel, die durch die Galaxis von Sternen rotiert. Der gro�e kontinentale Berg von Elysium w�lbte sich �ber den Horizont. Seine Gestalt war durch die horizontalen Schatten deutlich abgezeichnet. Sie schauten die ganze L�nge seines eingesattelten R�ckens entlang. Hecates Tholus war hinter dem Kegel von Elysium Mons fast versteckt. Albor Tholus lag seitlich entfernt.</p><p>�Da ist es�, sagte Peter und zeigte durch das transparente Cockpit nach oben. �ber ihnen im Osten erschien der �stliche Rand der Luftlinse silbrig im Fr�hlicht. Der Rest davon lag noch im Schatten des Planeten.</p><p>�Sind wir nahe genug?� fragte Sax.</p><p>�Beinahe.�</p><p>Sax schaute wieder auf die zunehmend dicker werdende Sichel des Morgens hinunter. Dort, auf dem dunklen rauhen Bergland von Hesperia, bl�hte sich eine Rauchwolke direkt hinter dem Terminator ins Morgenlicht. Selbst auf ihrer H�he befanden sie sich noch in dieser Wolke, in dem Teil, der nicht mehr zu sehen war. Die Linse selbst glitt auf dieser unsichtbaren Thermik und benutzte deren Auftrieb und den Lichtdruck der Sonne, um ihre Position �ber der Brandzone zu halten.</p><p>Jetzt war die ganze Linse im Sonnenlicht. Sie sah aus wie ein riesiger Fallschirm mit nichts darunter. Ihr Silber war auch violett himmelsfarben. Die Glocke war ein Kugelabschnitt von tausend Kilometern Durchmesser mit dem Zentrum etwa f�nfzig Kilometer �ber dem Rand. Sie rotierte wie eine Frisbeescheibe. Oben war ein Loch, durch welches das Sonnenlicht direkt durchtrat. �berall anderswo reflektierten die runden Spiegelstreifen, die die Glocke bildeten, das Licht von der Sonne und der Soletta einw�rts und nach unten auf einen sich auf der Oberfl�che bewegenden Punkt, der so viel Licht abstrahlte, da� er Basalt anz�ndete. Die Spiegel der Linse erhitzten auf fast 900 K, und der verfl�ssigte Fels da unten erreichte 5000 K und gaste fl�chtige Stoffe aus.</p><p>Sax kam, als er das gro�e �ber ihnen fliegende Objekt betrachtete, das Bild eines Vergr��erungsglases in den Sinn, das man �ber trockenes Gras und einen Espenzweig h�lt: Rauch, Flamme, Feuer. Die konzentrierten Strahlen der Sonne. �Sind wir noch nicht nahe genug? Es scheint direkt �ber uns zu sein.�</p><p>�Nein, wir befinden uns noch nicht unter der Kante. Ich w�rde mich nicht unter dies Ding begeben, obwohl ich annehme, da� die Strahlung uns nicht gerade braten w�rde, solange wir dem Brennpunkt fernbleiben. Es bewegt sich immerhin mit fast tausend Kilometern in der Stunde �ber die Brennzone.�</p><p>�Wie D�senflugzeuge in meiner Jugend.�</p><p>�Oh!� Auf einer Konsole blinkte gr�nes Licht. �Okay, los geht�s!�</p><p>Er zog den Kn�ppel an, und das Flugzeug stand auf dem Schwanz und stieg direkt zur Linse auf, die noch hundert Kilometer �ber ihnen war und ziemlich weit westlich von ihnen. Peter dr�ckte auf der Konsole einen Knopf. Die Maschine machte einen Ruck, als eine Salve fliegender Geschosse unter ihren Stummelfl�geln erschien, mit ihnen aufstieg, dann wie Magnesiumblitze z�ndete und nach oben wegscho� auf die Linse zu. An dem riesigen silbrigen UFO erschienen gelbe Flammen wie Nadelstiche, die schlie�lich au�er Sicht kamen. Sax wartete mit zusammengepre�ten Lippen ab und versuchte, sein Zwinkern zu unterdr�cken.</p><p>Die Vorderseite der Linse begann sich aufzul�sen. Sie war ein zartes Gebilde, nichts als eine gro�e rotierende Glocke aus B�ndern von Sonnensegeln. Sie zerfiel mit erstaunlicher Geschwindigkeit. Ihre Vorderkante rollte unter sie, bis sie auf und ab taumelte und lange B�nder in Schleifen nach sich zog, die wie die verhedderten Schw�nze einiger zerbrochener Flugdrachen aussahen, die alle gleichzeitig herunterfielen. Immerhin anderthalb Milliarden Kilogramm von Sonnensegelmaterial, die sich aufl�sten, w�hrend sie auf langer Flugbahn in die Tiefe flatterten. Es sah langsam aus, weil es so gro� war, obwohl sich die gro�e Masse des Materials wahrscheinlich noch mit mehr als der Endgeschwindigkeit bewegte. Eine guter Teil davon w�rde verbrennen, ehe er die Oberfl�che traf. Siliciumregen.</p><p>Peter flog eine Kehre und folgte dem Abstieg, wobei er sich �stlich davon hielt. So konnte er noch am violetten Morgenhimmel unter sich sehen, wie sich die Hauptmasse zu einem grellen Licht erhitzte und Feuer fing wie ein gro�er Komet mit einem behaarten verfilzten Silberschweif, der auf den braunen Planeten st�rzte. Alles fiel herunter.</p><p>�Ein guter Schu߫, bemerkte Sax.</p><empty-line/><p>Zur�ck in Wallace Krater wurden sie als Helden begr��t. Peter wehrte alle Gl�ckw�nsche ab. �Es war Saxens Idee. Der Flug selbst war keine gro�e Sache, nur ein weiterer Erkundungsflug bis auf das Schie�en. Ich wei� nicht, warum wir nicht fr�her daran gedacht haben.�</p><p>�Sie werden blo� eine neue in Stellung bringen�, sagte Ann am Rande der Menge und sah Sax mit eigenartiger Miene an.</p><p>�Aber sie sind so verwundbar�, sagte Peter.</p><p>�Geschosse von der Oberfl�che in den Weltraum�, sagte Sax, der sich etwas nerv�s f�hlte. �Kann man alle im Orbit befindlichen Objekte erlassen�� <emphasis>erfassen.�</emphasis></p><p>�Das haben wir schon getan�, erwiderte Peter. �Einige von ihnen haben wir nicht identifiziert, aber die meisten sind klar.�</p><p>�Ich m�chte gern die Liste sehen.�</p><p>�Ich m�chte mit dir sprechen�, sagte Ann finster zu ihm.</p><p>Und die anderen verlie�en schnell den Raum und sahen einander mit hochgezogenen Brauen an wie eine Schar von Art Randolphs.</p><p>Sax nahm in einem Bambussessel Platz. Es war ein kleiner fensterloser Raum. Es h�tte eines der Tonnenzimmer ganz zu Beginn in Unterhill sein k�nnen. Die Gestalt stimmte. Auch die Anordnung. Backstein war ein so stabiles Material. Ann zog einen Sessel her�ber, setzte sich ihm gegen�ber und beugte sich vor, um ihm ins Gesicht zu blicken. Sie wirkte �lter. Die vielgepriesene Anf�hrerin der Roten, prahlerisch, unheimlich, gespenstisch. Er l�chelte. Sein Mund sagte zu beider �berraschung: �Bist du etwa f�r eine gerontologische Behandlung f�llig?�</p><p>Ann �berging die Frage als eine Frechheit. Sie sagte mit bohrendem Blick: �Warum wolltest du die Linse herunterholen?�</p><p>�Sie gefiel mir nicht.�</p><p><emphasis>�Das</emphasis> wei� ich. Aber warum?�</p><p>�Sie war nicht notwendig. Es wird ohnehin schnell genug w�rmer. Es gibt keinen Grund zur Beeilung. Wir brauchen nicht einmal viel mehr W�rme. Und sie hat gro�e Mengen von Kohlendioxid freigesetzt. Das wird schwer auszur�umen sein. Und es hat sehr h�bsch festgesessen. Es ist schwierig, CO2 aus Karbonaten zu gewinnen. Solange man das Gestein nicht schmilzt, bleibt es drin.� Er sch�ttelte den Kopf. �Das war dumm. Sie haben es blo� gemacht, weil sie es konnten. Kan�le! Ich glaube nicht an Kan�le.�</p><p>�Es war f�r dich also nicht die richtige Art von Terraformung.�</p><p>�Das stimmt.� Er erwiderte ruhig ihren Blick. �Ich glaube an die Terraformung, wie sie in Dorsa Brevia entworfen wurde. F�r Menschen vertr�glich bis zu einer bestimmten H�he. Dar�ber ist die Luft zu d�nn und zu kalt. Langsam machen. �kogestaltung. Ich mag keine der gro�en neuen Methoden der Schwerindustrie. Vielleicht etwas Stickstoff von Titan. Aber nichts von dem �brigen.�</p><p>�Was ist mit den Ozeanen?�</p><p>�Ich wei� nicht. Abwarten, was ohne Pumpen geschieht?�</p><p>�Was ist mit der Soletta?�</p><p>�Ich wei� nicht. Die zus�tzliche Sonneneinstrahlung macht vielleicht weniger Erw�rmung durch industrielle Gaserzeugung notwendig. Oder andere Verfahren. Aber�� wir k�men ohne das aus. Ich dachte, die D�mmerungsspiegel w�ren genug.�</p><p>�Aber das liegt nicht mehr in deinen H�nden.�</p><p>�Allerdings nicht.�</p><p>Sie sa�en eine Weile schweigend da. Ann schien nachzudenken. Sax beobachtete ihr verwittertes Gesicht und fragte sich, wann sie die letzte Behandlung gehabt hatte. Ursula empfahl, sie mindestens alle vierzig Jahre zu wiederholen.</p><p>�Ich hatte unrecht�, sagte sein Mund. Als sie ihn ansah, versuchte er, den Gedanken zu verfolgen. Es war eine Sache von Formen, Geometrien und mathematischer Eleganz. Ein in Stufen rekombinierendes Chaos. Sch�nheit ist das Werk eines seltsamen Sch�pfers. �Wir h�tten warten sollen, ehe wir anfingen. Ein paar Jahrzehnte Studium des urspr�nglichen Zustands. Das h�tte uns gesagt, wie wir vorgehen m��ten. Ich dachte nicht, da� sich die Dinge so rasch �ndern w�rden. Meine Ausgangsidee war mehr wie eine Art von �kogestaltung.�</p><p>Sie zog den Mund zusammen. �Aber jetzt ist es zu sp�t.�</p><p>�Ja. Es tut mir leid.� Er hob die Hand und drehte sie um. Alle Linien waren da dieselben wie immer. �Du solltest die Behandlung bekommen.�</p><p>�Ich werde sie nicht mehr nehmen.�</p><p>�O Ann, sag das nicht! Wei� Peter davon? Wir brauchen euch. Ich meine�� wir brauchen dich.�</p><p>Sie stand auf und ging aus dem Zimmer.</p><empty-line/><p>Sein n�chstes Projekt war komplizierter. Obwohl Peter vertrauensw�rdig war, waren die Leute von Vishniac unsicher. Sax erkl�rte, so gut er konnte. Peter half ihm. Die Einw�nde betrafen praktische Fragen. Zu gro�? Mehr Bogdanovisten verpflichten. Unm�glich zu verheimlichen? Das �berwachungsnetz unterbrechen. Er sagte ihnen, Wissenschaft sei sch�pferisch. Peter entgegnete, das w�re keine Wissenschaft. Es w�re Technik. Mikhail stimmte zu. Dieser Teil des Projektes gefiel ihm. Zerfleddern war ein Teil �kologischen Ingenieurwesens. Aber sehr schwierig zu arrangieren. Sax riet ihnen, die Schweizer zu verpflichten. Oder sie mindestens in Kenntnis zu setzen. Die m�gen sowieso keine �berwachung. Praxis unterrichten.</p><p>Die Dinge fingen an, Gestalt anzunehmen. Aber es dauerte lange, bis Sax und Peter wieder in einem Raumflugzeug starteten. Diesmal begaben sie sich mit Raketenkraft v�llig aus der Stratosph�re und weit dar�ber hinaus. Zwanzigtausend Kilometer �ber ihr, bis sie sich Deimos n�herten und mit ihm ein Rendezvous machten.</p><p>Die Schwere auf dem kleinen Mond war so gering, da� es mehr ein Andocken war als eine Landung. Jackie Boone, die bei dem Projekt geholfen hatte, meist dicht bei Peter (das war ein klarer Fall), lenkte das Flugzeug hinein. Sax hatte durch das Cockpitfenster eine vorz�gliche Sicht. Die schwarze Oberfl�che von Deimos schien mit einer dicken Schicht von Regolith bedeckt zu sein. Alle Krater waren fast darin begraben und ihre R�nder sanfte runde Gr�bchen in der Staubdecke. Der kleine l�ngliche Mond hatte keine regelm��ige Gestalt, sondern war vielmehr aus einigen rundlichen Facetten zusammengesetzt. Fast ein dreiachsiges Ellipsoid. Ein altes Robotlandeger�t hockte nahe der Mitte des Kraters Voltaire. Die kupfernen gelenkigen Verstrebungen und K�sten waren blind durch feinen dunklen Staub.</p><p>Sie hatten ihren Landeplatz auf einer Bodenwelle zwischen Fl�chen gew�hlt, wo helleres kahles Gestein aus der Staubschicht herausragte. Die Erhebungen waren alte Splitternarben, wo in fr�herer Zeit Einschl�ge von dem kleinen Mond St�cke abgeschlagen hatten. Jackie brachte sie sanft auf einer Erhebung westlich der Krater Swift und Voltaire herunter. Deimos hatte wie fr�her auch Phobos gebundene Rotation, was ihrem Vorhaben g�nstig war. Der dem Mars stets gegen�berliegende Punkt diente als Ausgang der Z�hlung von L�nge und Breite, ein sehr sinnvoller Gedanke. Die H�he, auf der sie herunter gekommen waren, lag nahe dem �quator auf 90� L�nge. Ungef�hr zehn Kilometer zu gehen vom Gegenpunkt zum Mars.</p><p>Als sie sich der Bodenwelle n�herten, verschwand der Rand von Voltaire unter dem schwarzen gerundeten Horizont. Staub wurde weggeblasen, als das Raketentriebwerk dar�ber war. Nur wenige Zentimeter Staub bedeckten das Muttergestein. Kohliger Chondrit, f�nf Milliarden Jahre alt. Sie dockten mit einem harten Sto� an, h�pften weg und drifteten wieder langsam herunter. Sax konnte den Zug der Schwerkraft in Richtung des Flugzeugbodens sp�ren, aber er war sehr schwach. Wahrscheinlich wog er nicht mehr als einige Kilogramm.</p><p>Weitere Raketen landeten auf der Anh�he beiderseits von ihnen. Sie warfen Staub ins Vakuum, wo sie langsam herunterschwebten. Alle Vehikel h�pften beim Auftreffen und senkten sich dann sanft durch ihre Staubwolken herab. Binnen einer halben Stunde waren acht Flugzeuge auf der Bodenwelle aufgereiht in beiden Richtungen bis nahe an den Horizont. Zusammen boten sie ein eigenartiges Bild. Die intermetallischen Verbindungen ihrer runden Oberfl�chen schimmerten wie Chitin unter dem chirurgischen Glanz ungefilterten Sonnenlichts. Die Klarheit des Vakuums lie� alle Kanten �berscharf erscheinen. Traumhaft.</p><p>Jedes Flugzeug trug eine Komponente des Systems. Robotische Bohrer, Tunnelbauer und Pressen. Rohre zum Sammeln von Wasser, die hier waren, um die Adern von Eis in Deimos zu schmelzen. Eine Fabrik zum Separieren von schwerem Wasser, etwa ein Teil auf sechstausend im gew�hnlichen Wasser enthalten. Eine weitere Anlage sollte aus dem schweren Wasser Deuterium gewinnen. Ein kleiner Tokamak, der durch eine Fusionsreaktion von Deuterium mit Deuterium Energie lieferte. Zuletzt waren da noch Steuerungsd�sen, obwohl die meisten davon sich an Bord von Flugzeugen befanden, die auf anderen Seiten des Mondes gelandet waren.</p><p>Die bogdanovistischen Techniker, die mit dem Ger�t heraufgekommen waren, besorgten den gr��ten Teil der Installation. Sax legte einen der an Bord sperrigen befindlichen Druckanz�ge an, ging durch die Schleuse auf die Oberfl�che, um nachzusehen, ob das Flugzeug mit den Steuerd�sen f�r das Voltaire-Gebiet gelandet war.</p><p>Die gro�en geheizten Stiefel waren beschwert, und er war dar�ber froh. Die Entweichgeschwindigkeit betrug nicht mehr als f�nfundzwanzig Kilometer in der Stunde. Das hie�, mit einem Anlauf w�rde man direkt von dem Mond wegspringen k�nnen. Es war recht schwierig, das Gleichgewicht zu halten. Millionen ganz kleiner Bewegungen brachten einen voran. Jeder Schritt warf eine kr�ftige Wolke schwarzen Staubes auf, der langsam zu Boden sank. Oben auf dem Staub gab es verstreute Steine, gew�hnlich in kleinen Nischen, die sie bei der Landung gebildet hatten. Auswurfsmaterial, das den kleinen Mond ohne Zweifel oftmals umrundet hatte, ehe es wieder herunterfiel. Er hob einen Stein auf wie einen schwarzen Baseball. Er schleuderte ihn mit der richtigen Geschwindigkeit, drehte sich um und wartete, bis er um die Welt geflogen war, um ihn dann in Brusth�he aufzufangen. Ausgez�hlt beim ersten Mal. Ein neuer Sport: Satellitenwerfen, Orbitalsquash.</p><p>Der Horizont war nur ein paar hundert Meter entfernt und �nderte sich merklich mit jedem Schritt�� Kraterr�nder, Splitter grate und Felsbl�cke schauten �ber die staubige Kante, w�hrend er sich m�hsam darauf zu bewegte. Leute hinten auf der Kante und zwischen den Fliegern standen immer anders aufrecht als er und waren von ihm weg geneigt. Die Klarheit war erstaunlich. Seine Fu�abdr�cke hinterlie�en eine tiefe Spur im Staub. Die dar�ber h�ngenden Staubwolken senkten sich, je weiter entfernt sie waren, bis sie sich vier oder f�nf Schritte dahinter ablagerten.</p><p>Peter kam aus der Schleuse heraus und ging in seine Richtung. Jackie folgte. Peter war einzige Mann, den er je gesehen hatte, zu dem Jackie sich hingezogen f�hlte in jener hilflosen Weise des orbitalen Objekts, des in Liebe verlorenen, das sich nach orbitalem Zerfall sehnte. Peter war auch der einzige Mann, den Sax je gesehen hatte, welcher in keiner Weise auf Jackies verliebte Aufmerksamkeiten reagierte. Die Perversit�t des Herzens. Wie in seiner Zuneigung zu Phyllis, einer Frau, die er nicht gemocht hatte. Einer Frau mit verr�ckten Ansichten. Aber vielleicht lag darin etwas Rationales. Wenn jemand �ber einem umherirrt, mu� man sich �ber dessen Urteilsverm�gen wundern. Etwas dieser Art.</p><p>Jetzt blieb Jackie Peter auf den Fersen wie ein Hund; und obwohl ihre Gesichtsscheiben kupfern get�nt waren, konnte Sax an Jackies Bewegungen erkennen, da� sie zu ihm sprach und ihn irgendwie umschmeichelte. Sax schaltete auf die allgemeine Frequenz und mischte sich in ihr Gespr�ch.</p><p>�Warum wurden die Swift und Voltaire genannt?� fragte Jackie.</p><p>�Die haben beide die Existenz der Marsmonde vorausgesagt�, erwiderte Peter. �Sie haben das in B�chern ein Jahrhundert fr�her beschrieben, ehe die Monde entdeckt wurden. In <emphasis>Gullivers Reisen</emphasis> gibt Swift sogar ihre Distanzen und Umlaufzeiten an und lag nicht weit daneben.�</p><p>�Du machst Witze.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Wie, in aller Welt, hat er das gemacht?�</p><p>�Ich wei� nicht. Blinder Zufall, vermute ich.�</p><p>Sax r�usperte sich. �Sequenz.�</p><p>�Was?� fragten sie.</p><p>�Die Venus hat keinen Mond, die Erde einen, Jupiter vier. Der Mars m��te also zwei haben. Da man sie nicht sehen konnte, waren sie vermutlich klein. Und nahe. Deshalb schnell.�</p><p>Peter lachte. �Swift mu� ein kluger Mensch gewesen sein.�</p><p>�Oder seine Quelle. Aber es war dennoch blindes Gl�ck. Die Sequenz war ein Zufall.�</p><empty-line/><p>Sie blieben bei einer anderen Absprengungskante stehen, von der aus sie den Rand des Kraters Swift sehen konnten als einen fast eingegrabenen Kamm am n�chsten Horizont. Ein kleines graues Raketenflugzeug stand wie eine Fata Morgana auf dem schwarzen Staub. Der Mars nahm fast den ganzen Himmel ein, eine riesige orangefarbene Welt. Die Nacht senkte sich auf die �stliche Sichel. Iisidis war direkt �ber ihnen; und obwohl sie Burroughs nicht ausmachen konnten, wiesen die Ebenen im Norden gro�e wei�e Flecken auf. Gletscher, die schmolzen, um Eis-Seen zu werden und der Anfang eines Eismeeres. Oceanus Borealis. Eine gewellte Wolkenschicht lag direkt auf das Land geheftet und erinnerte pl�tzlich daran, wie die Erde von der <emphasis>Ares</emphasis> sich dargeboten hatte. Das war eine Kaltfront, die von Syrtis Major kam. Das wei�e Wolkenmuster war genau so, wie es auf der Erde gewesen w�re. Zyklische Wellen aus Kondensationspartikeln.</p><p>Sax verlie� den Kamm und ging zu den Flugzeugen zur�ck. Die hohen steifen Stiefel waren das einzige, das ihn aufrecht hielt, und seine Fu�kn�chel schmerzten. Als ob man auf dem Meeresboden ginge, nur mit weniger Widerstand. Weltallozean.</p><p>Er griff hinunter und grub im Staub. Zehn Zentimeter kein Naturgestein, dann zwanzig. Es h�tte f�nf oder zehn Meter tief sein k�nnen oder sogar noch mehr. Die von ihm aufgew�hlten Staubwolken fielen in ungef�hr f�nfzehn Sekunden auf die Oberfl�che zur�ck. Der Staub war so fein, da� er sich bei jeder Art von Atmosph�re unendlich lange h�tte schwebend halten k�nnen. Aber in dem Vakuum fiel er wie alles andere herunter. Ausgeworfene Brocken. Es gab nicht viel, das sie zur�ckgezogen h�tte. Man w�rde Staub in den Weltraum sto�en k�nnen. Sax �berquerte eine niedrige Bodenwelle und konnte pl�tzlich �ber die abfallende Ebene der n�chsten Facette sehen. Es war ganz klar, da� der kleine Mond durch irgendein altsteinzeitliches Werkzeug geformt war, mit Facetten, die vor Urzeiten durch Hiebe abgetrennt worden waren. Ein dreiachsiges Ellipsoid. Merkw�rdig, da� er eine so kreisf�rmige Umlaufbahn hatte, eine der kreisf�rmigsten im ganzen Sonnensystem. Das w�rde man nicht erwarten bei einem eingefangenen Asteroiden noch bei vom Mars bei einem der gro�en Aufschl�ge ausgeworfenen St�cken. Was blieb da noch? Einfang vor sehr langer Zeit. Mit anderen K�rpern in Umlaufbahn, um diese regelm��ig zu gestalten. Zack, zack. Splitter. Spallation. Die Sprache war so sch�n. Felsen schlagen auf Felsen im Ozean des Raums. Schlagen St�cke ab und fliegen fort. Bis sie alle entweder in den Planeten krachen oder weggeschleudert werden. Alle bis auf zwei. Mondbombe. Schie�stand. Rotieren gerade schneller als der Mars selbst da oben, so da� jeder Punkt auf der Marsoberfl�che ihn jedesmal sechzig Stunden lang am Himmel hat. Recht passend. Das Bekannte war gef�hrlicher als das Unbekannte, ganz gleich, was Michel sagte. <emphasis>Bum bum,</emphasis> auf den jungfr�ulichen Fels eines jungfr�ulichen Mondes mit einem jungfr�ulichen Geist. Der Kleine Prinz. Die �ber den Horizont ragenden Flugzeuge sahen absurd aus, wie Insekten aus einem Traum. Aus Chitin, mit Gelenken, bunt, winzig in dem gestirnten Schwarz auf dem von einer Staubdecke verh�llten Gestein.</p><p>Sax kletterte wieder in die Schleuse.</p><empty-line/><p>Es war Monate sp�ter, und er war allein in Echus Chasma, als die Roboter auf Deimos ihre Bauarbeiten beendeten und das Deuterium den Antriebsmotor z�ndete. Eintausend Tonnen zermalmten Gesteins wurden in jeder Sekunde ausgesto�en bei einer Geschwindigkeit von zweihundert Kilometern in der Sekunde. Alles flog in der Bahnebene und tangential zur Flugbahn hinaus. In vier Monaten, wenn etwa ein halbes Prozent der Masse des Mondes ausgesto�en w�re, w�rde der Motor ausgeschaltet werden. Deimos w�re dann 614 287 Kilometer vom Mars entfernt und nach den Berechnungen von Sax unterwegs v�llig aus dem Einflu� des Mars heraus, um wieder ein freier Asteroid zu werden.</p><p>Jetzt flog er am Nachthimmel, eine unregelm��ige graue Kartoffel, weniger hell als Venus oder die Erde, bis auf einen neuen Kometen, der aus seiner Seite herausloderte. Ein toller Anblick. Meldungen in beiden Welten. Skandal! Sogar im Widerstand umstritten, wo die Leute f�r und wider diskutierten. Lauter Gez�nk. Hiroko wurde dessen langsam �berdr�ssig und verduftete schnell aus der Gegend. Sie konnte seine Gestalt f�hlen. Ja, nein. Was, wo? Wer hat das getan? Warum?</p><p>Ann meldete sich auf dem Handgelenkapparat, um mit w�tendem Gesicht dieselben Fragen zu stellen.</p><p>�Er war eine perfekte Waffenplattform, wenn sie ihn wie Phobos zu einer Milit�rbasis gemacht h�tten�, sagte Sax. �Wir w�ren darunter hilflos gewesen.�</p><p>�Du hast das also auf die vage Chance hin getan, er k�nnte zu einem Milit�rst�tzpunkt ausgebaut werden?�</p><p>�Wenn Arkady und seine Leute Phobos nicht auf diese vage Chance hin fertig gemacht h�tten, w�ren wir damit nicht fertig geworden. Man h�tte uns get�tet. Jedenfalls haben die Schweizer geh�rt, da� es geschehen w�rde.�</p><p>Ann sch�ttelte den Kopf und starrte ihn an, als w�re er von Sinnen. Ein verr�ckter Saboteur. Er erwiderte entschlossen den Blick. Als sie die Verbindung trennte, zuckte er die Achseln und rief die Bogdanovisten an. �Die Roten haben einen Katalog davon�� von allen Objekten im Orbit um den Mars. Dann brauchen wir Systeme, um von der Oberfl�che in den Raum zu schie�en. Spencer wird helfen. Silos am �quator. Inaktive Moholes. Versteht ihr?�</p><p>Sie bejahten das. Man mu�. kein Raketenspezialist sein. Und wenn es je wieder so weit kommen sollte, w�rde man sie nicht aus dem Weltraum beharken.</p><empty-line/><p>Einige Zeit sp�ter, er war sich nicht sicher, wie lange, erschien Peter auf dem kleinen Schirm des Felsenwagens, den Sax sich von Desmond geliehen hatte. �Sax, ich bin in Kontakt mit einigen Freunden, die an dem Aufzug arbeiten; und wenn Deimos schneller wird, geraten die Schwingungen des Kabels, die das abwehren sollen, aus dem Zeitplan. Es k�nnte sein, da� die n�chste in seiner Bahn zu einer Kollision mit dem Aufzug f�hren wird. Aber meine Freunde schaffen es nicht, da� der Computer f�r die Kabelnavigation auf sie reagiert. Er ist offenbar gegen Input von au�en abgeschirmt, um Sabotage zu verhindern�� du verstehst. Und die Idee, da� Deimos seine Geschwindigkeit �ndert, ist etwas, das sie nicht akzeptieren k�nnen. Hast du irgendwelche Vorschl�ge?�</p><p>�La� es sich selbst um sich k�mmern!�</p><p>�Was?�</p><p>�Speist die Daten �ber Deimos in die KI ein! Das mu� sie irgendwie mitkriegen. Und sie ist darauf programmiert, eine Kollision zu vermeiden. Richtet ihre Aufmerksamkeit auf die Daten! Erkl�rt, was geschehen ist. Vertraut ihr!�</p><p>�Vertrauen?�</p><p>�Ja, sprecht zu ihr!�</p><p>�Sax, wir versuchen es. Aber die Programmierung gegen Sabotage ist wirklich stark.�</p><p>�Sie wacht �ber die Oszillationen, um Deimos zu vermeiden. Solange der in der Liste der Ziele steht, solltet ihr okay sein. Gib nur die Daten ein!�</p><p>�Nun gut, wir werden es versuchen.�</p><p>Es war Nacht, und Sax ging nach drau�en. Er ging in der Dunkelheit spazieren unter der gewaltigen Klippe der Gro�en B�schung in dem Gebiet eben n�rdlich davon, wo Kasei Vallis die Wand durchbrochen hatte. <emphasis>Sei</emphasis> bedeutete auf japanisch Stern und <emphasis>ka</emphasis> Feuer. Also Feuerstern. Im Chinesischen war es dasselbe. Dort war <emphasis>huo</emphasis> die Silbe, welche die Japaner <emphasis>ka</emphasis> aussprachen, und <emphasis>hsing</emphasis> war <emphasis>sei. Huo Hsing:</emphasis> Feuerstern, der am Himmel brennt. Man sagte, die kleinen Roten M�nner nannten ihn Ka. Wir leben auf Feuer. Sax verteilt Samen im Sand. Die harten kleinen N�sse keimten dicht unter der Oberfl�che des Sandes, der den Boden von Chasma bildete. Wie Johnny Fireseed. Dort am s�dlichen Himmel brannte Deimos. Er wurde auf seinem Weg zwischen den Sternen langsamer und rollte mit seinem eigenen Tempo nach Westen. Er wurde jetzt durch den nadelspitzgro�en Kometen an seinem �stlichen Ende vorangetrieben. Der sich �ber Tharsis erhebende Aufzug war nicht zu sehen und der neue Clarke vielleicht einer der schw�cheren Sterne am S�dwesthimmel. Das lie� sich unm�glich sagen. Sax trat zuf�llig gegen einen Stein, b�ckte sich und pflanzte noch einen Samen ein. Nachdem die Samen alle waren, gab es f�r einen Anfang P�ckchen mit einer neuen Flechte zu verteilen. Eine chasmoendolithische Rasse, sehr robust, sehr schnell zu verbreiten und sehr schnell im Aussto�en von Sauerstoff. Ein sehr gro�es Verh�ltnis von Oberfl�che zu Volumen. Sehr trocken.</p><p>Ein Piepser auf dem Handgelenk. Sax schaltete die Stimme auf das Interkom seines Helms, w�hrend er fortfuhr, noch mehr N�sse aus seiner Schenkeltasche zu fischen und in den Sand zu dr�cken, wobei er sich h�tete, die Wurzeln von Riedgras oder anderen Pflanzen zu besch�digen, die wie pelzige schwarze Steine den Boden bedeckten.</p><p>Es war Peter, der mit aufgeregter Stimme anrief. �Sax, Deimos n�hert sich ihnen jetzt; und die KI scheint erkannt zu haben, da� er sich nicht an seiner gew�hnlichen Stelle im Orbit befindet. Es ist ein Wirrwarr entstanden, sagen sie. Die Richtungsd�sen sind in diesem ganzen Sektor etwas zu fr�h gestartet worden; darum hoffen wir, da� das System reagiert.�</p><p>�Kannst du nicht die Oszillation berechnen?�</p><p>�Doch, aber der Computer ist widerspenstig. Ein sturer Hund. Die Sicherheitsprogramme sind h�bsch wasserdicht. Wir k�nnen aber aus unabh�ngigen Berechnungen gerade genug herausfinden, um zu sehen, da� es eine recht knappe Passage werden wird.�</p><p>Sax richtete sich auf und stellte auf seinem Armbandger�t selbst Berechnungen an. Die Umlaufperiode von Deimos hatte mit ungef�hr 109 077 Sekunden angefangen. Der Antrieb war�� er war sich nicht sicher�� etwa hundert Millionen Sekunden in T�tigkeit gewesen und hatte den kleinen Mond schon merklich angeschoben, aber auch seinen Bahnradius vergr��ert�� Sax rechnete in der gro�en Stille weiter. Wenn Deimos an dem Aufzugskabel vorbeikam, war dieses gew�hnlich im Maximum seiner Oszillation in diesem Sektor, einige f�nfzig Kilometer oder mehr entfernt, weit genug, da� die gravitative St�rung zu klein war, um bei den Justierungen der Kabeld�sen eine Rolle zu spielen. Diesmal w�rden die Beschleunigung und Ausw�rtsbewegung von Deimos den Zeitplan umwerfen. Das Kabel w�rde sich zu bald wieder der Bahnebene von Deimos n�hern. Es kam also darauf an, die Oszillation von Glarke zu verlangsamen und entsprechend auf der ganzen L�nge des Kabels Korrekturen anzubringen. Eine komplizierte Geschichte und kein Wunder, da� die KI nicht im Detail angeben konnte, was sie tat. Wahrscheinlich war sie damit besch�ftigt, andere Computer hinzuzuschalten, um die erforderliche Rechenkapazit�t zu bekommen. Die Figuren der Operation�� Mars, das Kabel, Clarke, Deimos�� gaben ihr ganz sch�n Stoff zum Nachdenken.</p><p>�Okay, hier kommt es heran�, sagte Peter.</p><p>Sax ftagte �berrascht: �Befinden sich deine Freunde auf H�he des Orbits?�</p><p>�Sie sind einige hundert Kilometer darunter, aber ihr Aufzugswagen ist unterwegs nach oben. Sie haben mich mit ihren Kameras zusammengeschaltet, und�� he!�� da kommt er�� Jawohl! Ka wow, Sax, er mu� das Kabel um ungef�hr drei Kilometer verfehlt haben! Er ist direkt an ihrer Kamera vorbeigesaust.�</p><p>�Eine Meile ist so gut wie hundert Meilen.�</p><p>�Wieso?�</p><p>�Zumindest im Vakuum ist es so.� Aber jetzt war er mehr als blo� ein vorbeiziehender Stein. �Was ist mit dem Schweif der von dem Antriebsmotor ausgesto�enen Stoffe?�</p><p>�Ich werde mich erkundigen�� Sie sagen, sie w�ren vor Deimos abgeschaltet worden.�</p><p>�Gut!� Sax schaltete aus. Eine kluge Voraussicht seitens der KI. Noch ein paar Passagen, und Deimos w�rde sich oberhalb von Clarke befinden, und das Kabel m��te ihm nicht weiter ausweichen. Vorerst w�rden sie, solange der Navigationscomputer an die Gefahr glaubte, wie er es jetzt offenbar tat, nichts zu f�rchten haben.</p><p>Sax hatte in dieser Hinsicht eine geteilte Meinung. Desmond sagte, er w�rde sich freuen, wenn das Kabel wieder herunterk�me. Aber nur wenige stimmten ihm zu. Sax hatte sich dagegen entschieden, in der Sache eine einseitige Aktion zu unternehmen, da er sich nicht sicher war, was er �ber diese Verbindung mit der Erde f�hlte. Am besten einseitige Aktionen auf Dinge beschr�nken, deren er sich sicher war. Und so b�ckte er sich wieder und setzte noch einen Samen ein.</p></section></section><section><title><p>NEUNTER TEIL</p><p>Die Hitze des Augenblicks</p></title><section><p><emphasis>Es ist immer eine Herausforderung, ein neues Land zu bewohnen. Sobald das Kuppeldach �ber Nirgal Vallis fertig war, setzte Separation de VAtmosphere einige ihrer gr��ten mesokosmischen Luftmaschinen in Gang, und bald war die Kuppel mit einer Mischung aus Stickstoff, Sauerstoff und Argon bei 500 Millibar gef�llt, die aus der umgebenden Luft herausgezogen und gefiltert worden war, die jetzt bei 250 Millibar lag. Und die Siedler aus Cairo und Senzeni Na und �berall sonst auf den zwei Welten zogen ein.</emphasis></p><p><emphasis>Zuerst wohnten die Leute in mobilen Anh�ngern dicht bei kleinen transportablen Gew�chsh�usern; und w�hrend sie den Boden des Canyons mit Bakterien und Pfl�gen bearbeiteten, benutzten sie Gew�chsh�user zur Aufzucht ihrer ersten Ernten und der B�ume und Bambusst�mme, mit denen sie ihre H�user bauen wollten, und der W�stenpflanzen, die sie au�erhalb der Farmen verbreiten w�rden. Die Smektit-Tone der Canyonsohle waren eine sehr gute Basis f�r einen nutzbaren Boden, obwohl sie Biota, Stickstoff und Pottasche hinzuf�gen mu�ten. Es gab reichlich Phosphor und gew�hnlich mehr Salze, als sie brauchten.</emphasis></p><p><emphasis>So verbrachten sie ihre Tage damit, den Boden anzureichern, Getreide in Gew�chsh�usern zu ziehen und robuste Pflanzen f�r Salzw�sten anzusiedeln. Sie trieben im ganzen Tal auf und ab Handel. Kleine Marktweiler bildeten sich fast am Tage des Einzugs. Ebenso Wege zwischen Heimst�tten und eine Hauptstrecke, die neben dem Flu� mitten durch das ganze Tal verlief. Nirgal Vallis hatte kein Wasserreservoir an seinem oberen Ende; darum pumpte man �ber eine Rohrleitung von Marineris gen�gend Wasser dorthin, um einen kleinen Flu� str�men zu lassen. Sein Wasser wurde am Uzboi-Tor gesammelt und wieder zum oberen Ende des Zeltes zur�ckgepumpt.</emphasis></p><p><emphasis>Die Heimst�tten waren je etwa ein halbes Hektar und fast ein jeder versuchte, auf dieser Fl�che den Gro�teil seiner Nahrung zu ziehen. Die meisten Leute teilten ihr Land in sechs Miniaturfelder auf und f�hrten in jeder Saison Frucht- und Weidewechsel durch. Jeder hatte seine eigenen Theorien �ber Ackerbau und Bodenverbesserung. Die meisten erzeugten eine kleine Ernte an N�ssen, Fr�chten oder Nutzholz zum Verkauf. Manche hielten Schafe, Ziegen, Schweine und K�he. Die K�he waren fast alle von sehr kleinw�chsiger Rasse, nicht viel gr��er als Schweine.</emphasis></p><p><emphasis>Sie versuchten, die Farmen unten am Canyonboden am Flu� zu halten, und lie�en die h�heren Fl�chen unter den W�nden des Canyons wild. Sie f�hrten eine Gruppe von W�stentieren aus dem amerikanischen S�dwesten ein, so da� Eidechsen, Schildkr�ten und Eselhasen in der N�he lebten, sowie Cojoten, Rotluchse und Falken, die unter ihren H�hnern und Schafen aufr�umten. Sie hatten eine Invasion von Alligatoreidechsen und dann von Kr�ten. Die Gr��e der Populationen regulierte sich langsam, aber es gab oft starke Schwankungen. Die Pflanzen begannen, sich selbst�ndig zu verbreiten. Das Land sah bald so aus, als ob Leben ganz nat�rlich dahin geh�rte. Die W�nde aus rotem Fels standen unver�ndert da, kahl und gezackt �ber der neuen Flu�welt.</emphasis></p><p><emphasis>Am Samstagmorgen war Markttag, und die Leute fuhren mit vollen Lieferwagen zu den Marktweilern. Eines Morgens im Winter �42 versammelten sie sich in Playa Blanco unter dunklem, bew�lktem Himmel, um Sp�tgem�se, Meierei-Erzeugnisse und Eier zu verkaufen. �Wei�t du, man kann sagen, in welchen Eiern lebende K�ken sind. Man nimmt sie alle, tut sie in einen Eimer Wasser und wartet, bis alles ganz still ist. Die Eier, welche dann zittern, sind die mit lebenden K�ken darin. Die kann man wieder unter die Hennen legen und den Rest essen.�</emphasis></p><p><emphasis>�Ein Kubikmeter Wasserstoffperoxid sind zw�lfhundert Kilowattstunden! Au�erdem wiegt es anderthalb Tonnen. So viel wirst du nie ben�tigen.�</emphasis></p><p><emphasis>�Wir versuchen, es in den Bereich von milliardstel Teilen zu bringen, hatten aber noch kein Gl�ck.�</emphasis></p><p><emphasis>�Centro de Educaci�n y Tecnologia in Chile, die haben wirklich mit Fruchtwechsel gro�artige Arbeit geleistet. Du w�rdest es nicht glauben. Komm her und sieh es dir an!�</emphasis></p><p><emphasis>�Es kommt ein Gewitter auf.�</emphasis></p><p><emphasis>�Wir halten auch Bienen.�</emphasis></p><p><emphasis>�Maja ist Nepali, Baghram ist Persisch, Mawrth ist Walisisch. Nun ja, es klingt wie Lispeln, aber ich spreche es wahrscheinlich nicht richtig aus. Sie sprechen es wahrscheinlich Moth oder Mort oder Mars aus.�</emphasis></p><p><emphasis>Dann verbreitete sich wie ein Lauffeuer die Kunde auf dem Marktplatz: �Nirgal ist hier! Er wird im Pavillon sprechen�� �</emphasis></p><p><emphasis>Und da war er. Er ging schnell am Kopf einer zunehmenden Volksmenge, gr��te alte Freunde und sch�ttelte die H�nde von Leuten, die sich ihm n�herten. Jeder im Weiler folgte ihm und dr�ngte sich in den Pavillon und Volleyballplatz am westlichen Ende des Marktes. Wildes Gebr�ll �bert�nte den L�rm der Menge.</emphasis></p><p><emphasis>Nirgal stieg auf eine Bank und begann zu reden. Er sprach �ber ihr Tal und das andere neue, mit Kuppeln bedeckte Land auf dem Mars und was das bedeutete. Als er aber zu der Situation der zwei Welten im gro�en �berging, brach das Gewitter �ber ihren K�pfen mit Get�se los. Blitze schlugen in die Ableiter, und man erlebte in rascher Folge Regen, Schnee, Hagel und danach Schlamm.</emphasis></p><p><emphasis>Die Kuppel �ber dem Tal war so steil wie die einer Kirche. Staub und Grus wurden durch die statische Ladung seiner �u�eren Schicht abgesto�en. Regen lief einfach ab, und Schnee rutschte herunter und h�ufte sich unten an den Seiten auf und bildete Haufen, die von riesigen robotischen Schneepfl�gen mit langen abgewinkelten Blasezus�tzen weggepustet wurden, die w�hrend Schneest�rmen an den Fundamenten auf und ab fuhren. Aber Schlamm war ein Problem. Mit dem Schnee vermischt, bildete er kalte Klumpen, hart wie Beton, auf dem Kuppeldach genau �ber dem Fundament; und diese dichten Schichten konnten so schwer werden, da� sie die Kuppel besch�digten. Das war im Norden schon einmal vorgekommen.</emphasis></p><p><emphasis>Als das Unwetter sich verschlimmerte und das Licht im Canyon sich tr�bte, sagte Nirgal deshalb: �Wir sollten uns lieber nach oben begeben.� Und alle stiegen in die Wagen und fuhren zum n�chsten Aufzug, der im Innern der Canyonwand zum oberen Rande f�hrte. Oben angelangt, �bernahmen die Leute, die Bescheid wu�ten, die Schneepfl�ge und betrieben sie von Hand, so da� die gro�en Gebl�se jetzt Dampf �ber die Schneewehen spr�hten, um sie von der Kuppel herunterzusp�len. Alle anderen bildeten Gruppen und zogen von Hand gezogene Dampfkarren heraus, um die von den Schneepfl�gen heruntergeholten Haufen aus Schlamm vom Fundament wegzuschaffen. Dabei half Nirgal. Er lief mit einem Dampfschlauch umher, als ob er einen anstrengenden neuen Sport aus�ben w�rde. Niemand konnte mit ihm Schritt halten, aber alle steckten schnell bis zur H�fte in kaltem wirbelnden Schlamm, wobei die Windst�rke �ber 150 lag und massive tiefschwarze Wolken die ganze Zeit immer mehr auf sie herunterspien. Der Wind stieg auf 180 Kilometer in der Stunde, aber das machte keinem etwas aus. Er half auch mit, die Kuppel vom Schlamm zu s�ubern. Sie erledigten einen Streifen nach dem andern und bewegten sich mit dem Wind nach Westen, indem sie Str�me von Schlamm in das nicht �berdachte Uzboi Vallis jagten.</emphasis></p><p><emphasis>Als das Unwetter abflaute, war die Kuppel sch�n klar, aber das Land auf beiden Seiten von Nirgal Vallis war tief von gefrorenem Schlamm bedeckt, und die Leute waren durchn��t. Sie dr�ngten sich wieder in die Aufz�ge und kamen ersch�pft und kalt auf dem Boden das Canyons an. Sie schauten sich an�� v�llig schwarze Gestalten mit Ausnahme ihrer Sichtscheiben. Nirgal legte seinen Helm ab, und da war er wieder, kr�ftig, lachend und unersch�tterlich. Als er von seinem Helm Schlamm abkratzte und auf sie warf, ging das Gerangel los. Die meisten fanden es klug, die Helme aufzubehalten; und es war ein seltsames Bild, wie sich da auf dem dunklen Boden dieses Canyons blinde schlammige Gestalten mit Dreckklumpen bewarfen und in den Flu� hinausliefen, wo sie herumrutschten, als sie rangen und untertauchten.</emphasis></p><empty-line/></section><section><p>Maya Katarina Toitovna erwachte in �bler Laune, gest�rt durch einen Traum, den sie absichtlich verga�, als sie aus dem Bett rollte. Als ob man nach dem ersten Gang ins Bad die Wassersp�lung zog. Tr�ume waren gef�hrlich. Sie zog sich an mit dem R�cken zum Spiegel �ber dem Ausgu� und ging dann hinunter in den Speiseraum. Ganz Sabishii war in dem typisch marsianisch- japanischen Stil erbaut. Ihre Nachbarschaft sah aus wie ein Zengarten, lauter Kiefern und Moos zwischen polierten roten Steinbl�cken. Das war sch�n auf eine karge Art, die Maya unangenehm fand, eine Art Tadel f�r ihre Runzeln. Sie ignorierte das, so gut sie konnte, und konzentrierte sich auf das Fr�hst�ck. Die tote Langeweile der t�glichen Notwendigkeiten. An einem anderen Tisch a�en Vlad, Ursula und Marina zusammen mit einer Gruppe der Issei von Sabishii. Diese hatten alle rasierte K�pfe und sahen in ihren Arbeitsjumpern aus wie Zenm�nche. Einer von ihnen stellte einen kleinen Schirm �ber ihrem Tisch an, und es begann eine Nachrichtensendung von der Erde, eine metanationale Produktion von Moskau, die den gleichen Bezug zur Realit�t hatte wie fr�her die <emphasis>Pravda.</emphasis> Manche Dinge �nderten sich nie. Dies war die Fassung in Englisch. Das Englisch des Sprechers war besser als ihr eigenes, selbst nach all diesen Jahren. �Jetzt die letzten Neuigkeiten von diesem f�nften Tage des August 2114.�</p><empty-line/><p>Maya versteifte sich in ihrem Sessel. In Sabishii war es Ls 246, der vierte Tag des zweiten Novembers. Die Tage waren kurz und die N�chte ziemlich warm f�r dies Marsjahr 44. Maya hatte keine Ahnung, was das irdische Datum war, und das schon seit Jahren nicht mehr. Aber da unten war es ihr Geburtstag. Ihr�� sie mu�te nachrechnen�� einhundertdrei�igster Geburtstag.</p><p>Ihr war �bel. Sie runzelte die Stirn, warf ihr halb verzehrtes Fr�hst�ck auf den Teller und starrte es an. In ihren Kopf flatterten Gedanken wie V�gel aus einem Baum heraus. Sie konnte sie nicht verfolgen. Es war, als ob sie leer w�re. Was bedeutete dieses schreckliche unnat�rliche Alter? Warum hatten sie gerade in diesem Moment den Schirm angestellt?</p><p>Sie lie� das halbmondf�rmig abgebissene Br�tchen liegen, das ein omin�ses Aussehen angenommen hatte, und ging hinaus in das herbstliche Morgenlicht. Unten an dem lieblichen Hauptboulevard des alten Viertels von Sabishii, gr�n vom Rasen und rot von Feuerahorn mit breiten Wipfeln, stand ein Ahornbaum vor der tief stehenden Sonne und flammte scharlachrot auf. Auf der ihrer Wohnung gegen�berliegenden Seite des Platzes sah sie Yeli Zudov, der mit einem kleinen Kind, vielleicht Mary Dunkels Ururenkelin, kegelte. Es waren jetzt viele der Ersten Hundert in Sabishii. Das machte sich gut als ihre Demimonde. Alle waren in die lokale Wirtschaft eingebunden und im alten Stadtviertel, mit falschen Identit�ten und Schweizer P�ssen�� alles erstaunlich solide, so da� sie an der Oberfl�che leben konnten. Und alles ohne die Erfordernis kosmetischer Chirurgie, die Sax so ver�ndert hatte; denn das Alter hatte dies f�r sie besorgt. Sie waren unkenntlich so, wie sie waren. Maya konnte durch die Stra�en von Sabishii gehen, und die Leute w�rden nur ein altes Weib neben vielen anderen sehen. Falls die �bergangsbeh�rde sie anhielt, w�rde sie sich als eine Ludmilla Novosibirskaya ausweisen. Aber die Wahrheit war, man w�rde sie nicht anhalten.</p><p>Sie ging durch die Stadt und versuchte, von sich selbst loszukommen. Vom Nordende der Kuppel aus konnte sie au�erhalb der Stadt die gro�e Halde des Gesteins erkennen, das aus dem Mohole von Sabishii herausgew�hlt worden war. Sie bildete einen langen gebogenen H�gel, der aufw�rts zum Horizont hin verlief �ber die gro�en Krummholzbecken von Tyrrhena. Man hatte die Halde so angelegt, da� sie von oben einen Drachen darstellte, der die eif�rmigen Kuppeln der Stadt in seinen Klauen hielt. Eine im Schatten liegende Spalte, die die Halde querte, markierte die Stelle, wo eine Klaue aus dem schuppigen Fleisch der Kreatur heraustrat. Die Morgensonne leuchtete wie das silberne Auge des Drachen, das sie �ber die Schulter anblickte.</p><p>Mayas Armband piepste, und sie nahm �rgerlich den Ruf an. Es war Marina. Sie sagte: �Saxifrage ist hier. Wir werden uns in einer Stunde am westlichen Steingarten treffen.�</p><p>�Ich werde dort sein�, sagte Maya und trennte die Verbindung.</p><p>Was w�rde das wohl f�r ein Tag werden? Sie ging nach Westen am Stadtrand entlang, zerstreut und deprimiert. Einhundertdrei�ig Jahre alt. Auf der Erde gab es in Georgien am Schwarzen Meer Abkhasier, die solches Alter ohne Behandlung erreicht haben sollten. Vermutlich kamen sie auch jetzt noch ohne so etwas aus�� die gerontologische Behandlung war nur partiell auf der Erde verbreitet. Sie folgte den Isobaren von Geld und Macht, und die Abkhasier waren immer arm gewesen. Gl�cklich, aber arm.</p><p>Sie versuchte, sich daran zu erinnern, wie es in Georgien gewesen war, in der Gegend, wo der Kaukasus auf das Schwarze Meer trifft.</p><p>Die Stadt hie� Sukhumi. Sie glaubte, sie in der Jugend besucht zu haben. Ihr Vater war Georgier gewesen. Aber sie konnte sich an kein Bild erinnern, nicht im geringsten. Sie konnte sich �berhaupt an gar keinen Teil der Erde erinnern�� Moskau, Baikonur, die Aussicht von <emphasis>Novy Mir</emphasis>�� nichts davon. Das Gesicht ihrer Mutter �ber dem K�chentisch, grimmig l�chelnd, wenn sie b�gelte oder kochte. Maya wu�te, da� das geschehen war, weil sie die Worte der Erinnerung von Zeit zu Zeit �bte, wenn sie traurig war. Aber die aktuellen Bilder�� Ihre Mutter war erst zehn Jahre gestorben, ehe die Behandlungen zug�nglich wurden, sonst k�nnte sie vielleicht noch jetzt leben. Sie w�re 150�� keineswegs unsinnig; denn der derzeitige Altersrekord war um 170 und kletterte immer noch h�her ohne ein Anzeichen, da� er je aufh�ren w�rde. Nur Unf�lle, seltene Krankheiten und gelegentlich �rztliche Kunstfehler t�teten in diesen Tagen behandelte Personen. Das und Mord. Auch Selbstmord.</p><p>Maya kam zu den westlichen Steing�rten, ohne eine der sauberen engen Stra�en des alten Viertels von Sabishii gesehen zu haben. So endeten die alten Leute, indem sie sich nicht an j�ngste Ereignisse erinnerten, weil sie sie beim ersten Mal nicht sahen. Verlorene Erinnerung, noch ehe sie aufkommen konnte, weil man sich so intensiv auf die Vergangenheit konzentrierte.</p><p>Vlad, Ursula, Marina und Sax sa�en auf einer Parkbank gegen�ber den urspr�nglichen Habitaten von Sabishii, die noch benutzt wurden, zumindest von G�nsen und Enten. Der Teich, die Br�cke und B�nke aus losem Gestein und Bambus konnten direkt einem alten Holzschnitt oder Seidengem�lde entnommen sein. Ein Cliche. Jenseits der Kuppelwand bl�hte sich wei� die gro�e thermische Wolke des Moholes, dichter denn je, wenn das Loch tiefer und die Atmosph�re feuchter wurde.</p><p>Maya setzte sich auf eine Bank ihren alten Gef�hrten gegen�ber und sah sie grimmig an. Gefleckte, runzlige alte Knacker und Vetteln. Sie sahen fast wie Fremde aus, wie Leute, denen sie nie begegnet war. Ah, aber da waren Marinas stechende verschleierte Augen und Vlads leichtes L�cheln�� nicht �berraschend beim Gesicht eines Mannes, der achtzig Jahre lang mit zwei Frauen gelebt hatte, augenscheinlich in Harmonie und sicher in einer vollkommen isolierten Vertraulichkeit. Obwohl es hie�, Marina und Ursula seien ein lesbisches Paar und Vlad nur eine Art Kamerad oder Scho�tier. Aber das konnte niemand sicher sagen. Auch Ursula machte ein zufriedenes Gesicht wie immer. Jedermanns Lieblingstante. Doch, mit Konzentration konnte man sie erkennen. Nur Sax sah ganz anders aus, ein schmucker Mann mit einer gebrochenen Nase, die er noch nicht hatte richten lassen. Sie stand in der Mitte seines frisch versch�nten Gesichts wie eine Anklage gegen sie, als ob sie ihm das angetan h�tte und nicht Phyllis. Er sah ihr nicht ins Auge, sondern betrachtete ruhig die zu seinen F��en quakenden Enten, als ob er sie studieren w�rde. Der Wissenschaftler bei der Arbeit. Nur war er jetzt ein verr�ckter Wissenschaftler, der alle ihre Pl�ne �ber den Haufen warf und mit dem nicht vern�nftig zu reden war.</p><p>Maya zog den Mund zusammen und sah Vlad an.</p><p>Er sagte: �Subarashii und Amexx erh�hen die Zahl der Truppen der �bergangsbeh�rde. Wir haben von Hiroko eine Nachricht bekommen. Sie haben die Einheit, welche Zygote angegriffen hat, zu einer Art Expeditionstruppe verst�rkt, die sich jetzt nach S�den bewegt, zwischen Argyre und Hellas. Sie scheinen nicht zu wissen, wo sich die meisten verborgenen Zufluchtsst�tten befinden, kontrollieren aber nacheinander alle hei�en Punkte. Sie sind in Christianopolis eingedrungen und haben es als Operationsbasis �bernommen. Es sind ungef�hr f�nfhundert Mann, schwer bewaffnet und aus dem Orbit gesch�tzt. Hiroko sagt, da� sie nur mit M�he Cojote, Kasei und Harmakhis davon abhalten kann, die Guerilleros des Mars zu einem Angriff gegen sie zu f�hren. Wenn sie aber noch mehr Sanktuarien finden, sind die Radikalen zum Angriff entschlossen.�</p><p>Damit waren die wilden jungen Burschen von Zygote gemeint, dachte Maya bek�mmert. Sie hatten sie m�hsam gro�gezogen, die Ektogenen und die ganze Sansei-Generation�� jetzt fast vierzig und kampfesl�stern. Und Peter und Kasei und der Rest der Nisseigeneration n�herten sich den Siebzigern und h�tten im regul�ren Lauf der Dinge l�ngst die Anf�hrer ihrer Welt sein m�ssen. Aber sie standen immer noch im Schatten ihrer nicht sterbenden Eltern. Welche Gef�hle mochte das bei ihnen wecken? Wie konnten sie mit solchen Gef�hlen handeln? Vielleicht dachten sich einige, da� eine neue Revolution gerade richtig w�re, um ihnen ihre Chance zu geben. Revolution war schlie�lich das Reich der Jungen.</p><p>Die Alten sa�en da und beobachteten schweigend die Enten. Eine d�stere, niedergeschlagene Gruppe. Maya fragte: �Was ist aus den Christen geworden?�</p><p>�Einige sind nach Hiranyagarbha gegangen. Der Rest ist dageblieben.�</p><p>Falls die Kr�fte der �bergangsbeh�rde die Gebirge im S�den eroberten, dann k�nnte1 der Untergrund die St�dte infiltriert haben. Aber zu welchem Zweck? So d�nn verstreut k�nnten sie nicht der Ordnung zweier Welten trotzen, da diese auf der Erde ihre Basis hatte. Maya hatte pl�tzlich das unangenehme Gef�hl, das ganze Unabh�ngigkeitsprojekt w�re nur ein Traum, eine kompensatorische Phantasie f�r die gebrechlichen �berlebenden einer verlorenen Sache.</p><p>�Wei�t du, weshalb diese Aufstockung der Sicherheit erfolgt ist?� fragte sie Sax. �Das haben jene gro�en Sabotagen bewirkt.�</p><p>Sax lie� nicht erkennen, ob er ihr zuh�rte.</p><p>�Es ist jammerschade, da� wir uns in Dorsa Brevia nicht auf einen Aktionsplan festgelegt haben�, sagte Vlad.</p><p>�Dorsa Brevia�, sagte Maya �rgerlich.</p><p>�Es war eine gute Idee�, widersprach Marina.</p><p>�Vielleicht. Aber ohne einen von allen angenommenen Aktionsplan war das konstitutionelle Zeug bloߠ� � Maya machte eine Handbewegung, �ein Bau von Sandburgen. Ein Spiel.�</p><p>�Der Gedanke war�, sagte Vlad, �da� jede Gruppe tun w�rde, was sie f�r das beste hielt.�</p><p>�Das war der Gedanke im Jahre einundsechzig�, erkl�rte Maya. �Und wenn jetzt Cojote und die Radikalen einen Guerillakrieg anfangen und es wirklich losgeht, dann sind wir genau wieder so weit wie damals 2061.�</p><p>�Was denkst du, das wir tun sollten?� fragte Ursula neugierig.</p><p>�Wir sollten selbst die Macht �bernehmen! <emphasis>Wir</emphasis> machen den Plan, und <emphasis>wir</emphasis> entscheiden, was zu tun ist. Wir verbreiten das im ganzen Untergrund. Wenn wir daf�r nicht die Verantwortung �bernehmen, dann ist es unsere Schuld, was immer geschieht.�</p><p>�Das ist es, was Arkady versucht hat�, erkl�rte Vlad.</p><p>�Arkady hat es wenigstens versucht! Wir sollten auf dem aufbauen, was an seiner Arbeit gut gewesen ist.� Sie lachte kurz. �Ich h�tte nie gedacht, da� ich mich selbst dies w�rde sagen h�ren. Aber wir sollten mit den Bogdanovisten zusammenarbeiten und dann mit jedem, der zu uns sto�en will. Wir m�ssen die F�hrung �bernehmen! Wir sind die Ersten Hundert, wir sind die einzigen mit der Autorit�t, es zu schaffen. Die von Sabishii werden uns helfen, und die Bogdanovisten werden anr�cken.�</p><p>�Wir brauchen auch Praxis�, sagte Vlad. �Praxis und die Schweizer. Es mu� ein Staatsstreich werden und kein allgemeiner Krieg.�</p><p>�Praxis will uns helfen�, sagte Marina. �Was ist aber mit den Radikalen?�</p><p>�Wir m�ssen sie zwingen�, erkl�rte Maya. �Ihre Versorgung abschneiden, ihnen ihre Mitglieder wegnehmen�� �</p><p>�Das f�hrt zum B�rgerkrieg�, wandte Ursula ein.</p><p>�Nun ja, man mu� ihnen Einhalt gebieten! Wenn sie eine Revolte zu fr�h beginnen und die Metanationalen �ber uns kommen, ehe wir bereit sind, sind wir verloren. Alle die unkoordinierten Angriffe bei ihnen m��ten aufh�ren. Sie erreichen nichts, sondern erh�hen nur die Unsicherheit und machen die Dinge f�r uns noch schwieriger. Solche Sachen, wie Deimos aus seiner Bahn sto�en, machen sie nur noch mehr auf unsere Pr�senz aufmerksam, ohne sonst etwas auszurichten.�</p><p>Sax, der immer noch die Enten beobachtete, sagte in seiner eigenartigen flotten Art: �Es gibt einhundertvierzehn Schiffe f�r die Verbindung zwischen Erde und Mars. Vierundsiebzig Objekte sind im Orbit�� im <emphasis>Orbit</emphasis> um den Mars. Der neue Clarke ist eine voll verteidigte Raumstation. Deimos stand f�r dasselbe zur Verf�gung als milit�rische Basis. Eine Waffenplattform.�</p><p>�Es war ein leerer Mond�, sagte Maya. �Was die Vehikel im Orbit angeht, so werden wir uns damit zu gegebener Zeit besch�ftigen m�ssen*.�</p><p>Sax schien wieder nicht zur Kenntnis zu nehmen, da� sie etwas gesagt hatte. Er starrte auf die verfluchten Enten und blinzelte leicht. Von Zeit zu Zeit sah er Marina an.</p><p>Marina sagte: �Es mu� eine richtige Enthauptung sein, wie Nirgal und Art in Dorsa Brevia gesagt haben.�</p><p>�Mal sehen, ob wir den Hals finden k�nnen�, meinte Vlad trocken.</p><p>Maya wurde immer noch w�tender auf Sax und sagte: �Wir sollten uns jeder eine der gr��eren St�dte vornehmen und das Volk dort zu einem vereinigten Widerstand organisieren. Ich m�chte nach Hellas zur�ckkehren.�</p><p>�Nadia und Art sind in South Fossa�, sagte Marina. �Aber wir werden alle der Ersten Hundert brauchen, damit sie sich mit uns vereinigen, wenn das funktionieren soll.�</p><p>�Die Ersten Neununddrei�ig�, sagte Sax.</p><p>�Wir brauchen auch Hiroko�, warf Vlad ein. �Und sie wird auch Cojote etwas zur Vernunft bringen.�</p><p>�Das schafft keiner�, sagte Marina. �Aber Hiroko brauchen wir wirklich. Ich werde nach Dorsa Brevia gehen und mit ihr reden, und wir werden versuchen, den S�den in Schach zu halten.�</p><p>�Sax?� fragte Vlad.</p><p>Sax schreckte aus seiner Tr�umerei auf und blinzelte Vlad an. Immer noch kein Blick f�r Maya, selbst als sie �ber ihren Plan diskutierten. Er sagte: �Integrierte Seuchenbek�mpfung. Man zieht zwischen dem Unkraut kr�ftigere Pflanzen. Und dann wird es von diesen verdr�ngt. Ich werde Burroughs �bernehmen.�</p><p>W�tend, weil Sax ihr die kalte Schulter zeigte, stand Maya auf und ging um den kleinen Teich herum. Sie blieb am gegen�berliegenden Ufer stehen und packte mit beiden H�nden das Gel�nder am Weg. Sie sah zu den anderen dr�ben am Wasser hin�ber, die auf ihren B�nken sa�en wie Rentner, die �ber Essen, das Wetter, die Enten und das letzte Schachturnier schwatzten. Verdammt Sax! W�rde er ihr f�r immer Phyllis zum Vorwurf machen, dieses abscheuliche Weibsst�ck?</p><p>Pl�tzlich vernahm sie schwach, aber deutlich ihre Stimmen. Hinter dem Weg befand sich eine gekr�mmte Wand, die fast um den ganzen Teich herumlief, und ihre Position war ihnen genau gegen�ber. Offenbar wirkte die Wand wie eine perfekte kleine Fl�stergalerie. Die zarten Stimmen ert�nten einen Sekundenbruchteil sp�ter als die kleinen Mundbewegungen.</p><p>�Zu schade, da� Arkady nicht mehr lebt�, sagte Vlad. �Die Bogdanovisten w�rden sehr viel leichter einlenken.�</p><p>�Ja�, sagte Ursula. �Er und John und Frank fehlen uns.�</p><p>�Frank�, sagte Marina �rgerlich. �Wenn er John nicht get�tet h�tte, w�re alles dies nicht passiert.�</p><p>Maya blinzelte. Das Gel�nder hielt sie fest.</p><p>�Was?� schrie sie, ohne nachzudenken. �ber dem Teich fuhren die kleinen Gestalten zusammen und sahen sie an. Maya machte sich mit einer Hand nach der anderen vom Gel�nder los und rannte halb um den Teich, wobei sie zweimal stolperte.</p><p>�Was meinst du damit?� br�llte sie Marina an, als sie n�her kam. Die Worte brachen ungewollt aus ihr hervor.</p><p>Vlad und Ursula trafen sie einige Schritte vor den B�nken. Marina blieb sitzen und schaute verdrie�lich weg. Vlad breitete die H�nde aus, und Maya stie� direkt dazwischen hindurch, um an Marina heranzukommen. �Was behauptest du da f�r �ble Dinge?!� schrie sie. Ihre Stimme tat ihr in der eigenen Kehle weh. �Warum? Warum? Es waren Araber, die John get�tet haben. Das wei� jeder!�</p><p>Marina machte eine Grimasse und sch�ttelte mit zu Boden gerichtetem Blick den Kopf.</p><p>�Na und?� schrie Maya.</p><p>�Das war eine Redensart�, sagte Vlad von hinten. �Frank hat in jenen Jahren viel unternommen, John zu untergraben. Du wei�t, da� das wahr ist. Manche sagen, er h�tte die Muslimbruderschaft gegen John aufgehetzt. Das ist alles.�</p><p>�Pah!� sagte Maya. �Wir haben alle untereinander gestritten. Das besagt nichts.�</p><p>Dann merkte sie, da� Sax sie direkt anschaute�� jetzt endlich, wo sie w�tend war��, anschaute mit einer eigenartigen Miene, k�hl und schwer zu deuten�� ein Blick der Anklage, der Rache, oder was? Sie hatte auf russisch geschrien, und die anderen hatten ebenso geantwortet; und sie nahm nicht an, da� Sax es sprach. Vielleicht war er nur darauf neugierig, was sie alle so erregt hatte. Aber die Antipathie in diesem starren Blick�� als ob er best�tigte, was Marina gesagt hatte�� es wie einen Nagel in sie einh�mmerte!</p><p>Maya drehte sich um und floh.</p><empty-line/><p>Sie befand sich vor der T�r zu ihrem Zimmer, ohne sich zu erinnern, da� sie Sabishii durchquert hatte, und warf sich drinnen aufs Bett wie in die Arme ihrer Mutter. Aber in dem sch�nen schlichten Raum fuhr sie bald wieder hoch, schockiert durch die Erinnerung an ein anderes Zimmer, das sie vom Mutterleib an verfolgt hatte in einem anderen Moment von Schreck und Angst� keine Antworten, keine Ablenkung, kein Entrinnen�� �ber der kleinen Sp�le sah sie ihr Gesicht wie in einem eingerahmten Portr�t�� hager, alt, rotger�nderte Augen wie die Augen einer Eidechse. Ein Alptraum verursachendes Bild. Das war es. Als sie den blinden Passagier auf der <emphasis>Ares</emphasis> erblickt hatte, das Gesicht, das sie durch ein Gef�� mit Algen gesehen hatte. Cojote! Ein Schock, der sich nicht als Halluzination erwiesen hatte, sondern als Realit�t.</p><p>Und so k�nnte es sein mit dieser Mitteilung �ber Frank und John.</p><p>Sie versuchte, sich zu erinnern. Mit aller Gewalt wollte sie sich an Frank Chalmers richtig erinnern. Sie hatte mit ihm in jener Nacht in Nicosia gesprochen bei einer Begegnung, die sich nicht durch ihre Unbeholfenheit und Spannung auszeichnete. Frank war wie immer bedr�ckt und abweisend gewesen�� Sie waren genau in dem Moment beisammen gewesen, da John bewu�tlos geschlagen, in die Farm gezerrt und dort dem Tode �berlassen worden war. Frank h�tte nicht�</p><p>Aber nat�rlich gab es Surrogate. Man konnte immer Leute daf�r bezahlen, da� sie f�r einen t�tig wurden. Nicht, da� die Araber an Geld f�r sich interessiert gewesen w�ren. Aber Stolz, Ehre, ehrenhaft bezahlt, oder f�r irgendeine politische Gegenleistung, die W�hrung, die Frank immer so geschickt ausgegeben hatte��</p><p>Aber sie konnte sich so wenig an jene Jahre erinnern, an die Einzelheiten. Wenn sie sich darauf konzentrierte und dazu zwang, sich zu erinnern, war es erschreckend, wie wenig herauskam. Fragmente, Momente. Scherben einer ganzen Zivilisation. Einmal war sie so w�tend gewesen, da� sie eine Kaffeetasse von einem Tisch heruntergesto�en hatte, wobei der abgebrochene Henkel wie ein halb verzehrtes Br�tchen auf dem Tisch liegengeblieben war. Aber wo war das gewesen und wann und mit wem? Sie konnte sich nicht sicher sein. �Aahh!� rief sie wider Willen; und das antediluvianische Gesicht im Spiegel widerte sie pl�tzlich mit seinem pathetischen reptilartigen Schmerz an. Sie war fr�her einmal eine Sch�nheit gewesen, sie war darauf stolz gewesen, sie hatte sie wie ein Skalpell benutzt. Jetzt� Ihr Haar hatte sich in den letzten Jahren bei der letzten Behandlung von wei� zu stumpf-grau ver�ndert. Und jetzt wurde es d�nner�� um Gottes willen!�� und nur an einigen Stellen/aber nicht an anderen. Abscheulich. Und fr�her eine Sch�nheit. Es war einmal. Dieses falkenartige pr�chtige Gesicht�� und jetzt? Als ob die Baronin Blixen, in ihrer Jugend einst eine erlesene Sch�nheit, zu der syphilitischen Hexe Isak Dinesen zusammengeschrumpft w�re und dann Jahrhunderte lang weitergelebt h�tte wie ein Vampir oder Zombie�� eine verw�stete lebende Eidechsenleiche. 130 Jahre alt. Herzlichen Gl�ckwunsch zum Geburtstag!</p><p>Sie ging zum Ausgu� und zog die Seite des Spiegels heraus. Dahinter war ein kleines, �berf�lltes, medizinisches Fach. Nagelscheren auf dem obersten Regal. Irgendwo auf dem Mars fertigten sie Nagelscheren an, ohne Zweifel aus Magnesium. Sie holte sie herunter, zog sich eine Haarstr�hne vom Kopf, bis es weh tat, und schnitt sie dann direkt �ber der Haut ab. Die Klingen waren stumpf; aber sie zog kr�ftig genug, da� sie funktionierten. Sie mu�te aufpassen, sich nicht in die Kopfhaut zu schneiden. Ein winziger Rest ihrer Eitelkeit w�rde das nicht zulassen. Also war es ein langer, langweiliger m�hsamer und schmerzhafter Job. Aber irgendwie ein Trost, weil er so ablenkend, methodisch und destruktiv war.</p><p>Der erste Schnitt war grob genug, um eine Menge von Zurichten erforderlich zu machen, was lange dauerte. Eine Stunde. Aber sie schaffte es nicht, die Haare gleich lang zu kriegen, und holte schlie�lich den Rasierapparat aus der Dusche und rasierte sich. Mit Toilettenpapier betupfte sie die stark blutenden Schnitte und ignorierte die entbl��ten alten Narben und Vertiefungen in dem kahlen Sch�del so dicht unter der Haut. Es war hart, dies zu tun, ohne je das monstr�se Gesicht anzuschauen, das sich unter der Vorderseite des Sch�dels befand.</p><p>Als sie fertig war, starrte sie unbarmherzig die Mi�geburt im Spiegel an: androgyn, verwittert, verr�ckt. Das Gesicht wurde geierhaft: Kahlkopf, lappiger Hals, kleine Augen, Hakennase und der heruntergezogene lippenlose Mund. W�hrend sie dieses h��liche Gesicht anstarrte, gab es sehr lange Momente, wo sie sich an gar nichts �ber Maya Toitovna erinnern konnte. Sie stand eingefroren in der Gegenwart, allem fremd.</p><empty-line/><p>Beim Klopfen an der T�r machte sie einen Sprung. Der Schreck erl�ste sie. Sie z�gerte, pl�tzlich besch�mt und sogar erschrocken. Ein anderer Teil von ihr kr�chzte: �Herein!�</p><p>Die T�r ging auf. Es war Michel. Er sah sie und blieb auf der Schwelle stehen. �Nun?� sagte sie. Sie sah ihn an und kam sich nackt vor.</p><p>Er schluckte und neigte den Kopf. �Sch�n wie immer.� Mit schiefem Grinsen.</p><p>Sie mu�te lachen. Dann setzte sie sich aufs Bett und fing an zu weinen. Sie wischte sich die Augen und sagte: �Manchmal w�nsche ich, ich k�nnte aufh�ren, Toitovna zu sein. Ich bin dessen so �berdr�ssig, und all dessen, was ich getan habe.�</p><p>Michel setzte sich neben sie. �Wir sind in unseren Ichs eingesperrt bis zum Ende. Das ist der Preis, den man f�r das Denken zahlt. Aber wer m�chte lieber�� Misset�ter oder Idiot sein?�</p><p>Maya sch�ttelte den Kopf. �Ich war unten im Park mit Vlad, Ursula und Marina und mit Sax, der mich ha�t. Ich habe sie alle angeschaut, und wir m�ssen wirklich etwas unternehmen. Aber als ich sie ansah und mich an alles erinnerte�� zu erinnern suchte��, da schienen wir alle solch�� Versehrte Leute zu sein.�</p><p>�Es ist viel geschehen�, sagte Michel und legte seine Hand auf die ihre.</p><p>�Hast du Schwierigkeiten, dich zu erinnern?� Maya erschauerte und packte seine Hand wie ein Flo�. �Manchmal werde ich so �rgerlich, da� ich alles vergesse.� Sie lachte schniefend. �Das hei�t, ich bin entweder eine Verbrecherin oder eine Idiotin�� um deine Frage zu beantworten. Wenn man vergi�t, ist man von der Vergangenheit frei, aber nichts hat etwas zu bedeuten. Also gibt es kein Entrinnen��� sie fing wieder an zu weinen. �Erinnerung oder Vergessen, beides tut gleich weh.�</p><p>Michel sagte sanft: �Probleme mit dem Ged�chtnis sind in unserem Alter nicht ungew�hnlich. Besonders Erinnerung auf mittlere Distanz, sozusagen. Es gibt �bungen, die da helfen.�</p><p>�Es ist doch kein Muskel.�</p><p>�Ich wei�. Aber die Kraft des Ged�chtnisses scheint durch Gebrauch st�rker zu werden. Und der Akt der Erinnerung kr�ftigt anscheinend auch das Ged�chtnis selbst. Das ergibt Sinn, wenn man dar�ber nachdenkt. Synapsen werden physisch verst�rkt oder ersetzt. So etwas.�</p><p>�Aber dann, wenn man das, an was man sich erinnert, nicht ertragen kann�� o Michel�� Sie holte tief, aber ungleichm��ig Luft. �Sie haben�� Marina hat gesagt, da� Frank John ermordet h�tte. Sie sagte es zu den anderen, als sie glaubte, da� ich es nicht h�ren w�rde. Sie sagte es so, als ob es allgemein bekannt w�re!� Sie fa�te ihn bei der Schulter und dr�ckte, als k�nne sie mit ihren Fingern die Wahrheit aus ihm herauspressen. �Michel, sag mir die Wahrheit! Ist das richtig? Ist es das, was nach euer aller Meinung geschah?�</p><p>Michel sch�ttelte den Kopf. �Niemand wei�, was geschehen ist.�</p><p>�Ich war dort! Ich war in jener Nacht in Nicosia, und sie nicht. Ich war mit Frank zusammen, als es passierte. Er hatte keine Ahnung, das schw�re ich.�</p><p>Michel blinzelte unsicher, und sie sagte: �Mach nicht so ein Gesicht!�</p><p>�Ich nicht, Maya. Ich will damit gar nichts ausdr�cken. Ich mu� dir alles mitteilen, was ich geh�rt habe, und versuchen, mich auch selbst zu erinnern. Es hat Ger�chte gegeben�� alle Arten von Ger�chten!�� �ber das, was in jener Nacht geschah. Es stimmt, manche sagen, Frank war�� beteiligt. Oder hatte Verbindungen zu den Saudis, die John t�teten. Da� er sich mit dem, der sp�ter starb, am n�chsten Tage traf und so weiter.�</p><p>Maya weinte st�rker. Sie beugte sich �ber ihren verkrampften Magen und legte ihr Gesicht Michel auf die Schulter. Ihre Rippen hoben und senkten sich. �Ich kann es nicht aushalten. Wenn ich nicht wei�, was geschah�� wie kann ich mich da erinnern? Wie kann ich auch nur an sie denken?�</p><p>Michel hielt sie und beruhigte sie durch seine Umarmung. Er dr�ckte immer wieder ihre R�ckenmuskeln. �Ah, Maya!�</p><p>Nach langer Zeit setzte sie sich auf, ging zur Sp�le und wusch sich das Gesicht mit kaltem Wasser, vermied es aber, in den Spiegel zu blicken. Sie ging wieder zum Bett und setzte sich, �u�erst mutlos mit langsam eindringender Schw�rze in jedem Muskel.</p><p>Michel ergriff wieder ihre Hand. �Ich frage mich, ob es nicht hilft, wenn man wei�. Oder mindestens so viel wei�, wie man kann. Nachzuforschen, wei�t du. �ber John und Frank zu lesen�� es gibt jetzt nat�rlich B�cher�� Und die anderen Leute befragen, die in Nicosia gewesen sind, besonders die Araber, die Selim el-Hayil vor seinem Tod gesehen haben. Es w�rde dir eine Art von Kontrolle geben. Es w�re keine exakte Erinnerung, aber auch kein Vergessen. Das sind nicht die einzigen zwei Alternativen, so seltsam das scheinen mag. Wir m�ssen unsere Vergangenheit akzeptieren, verstehst du? Wir m�ssen sie durch einen Akt der Phantasie zu einem Teil dessen machen, was wir jetzt sind. Das ist ein kreativer, aktiver Proze�. Der ist nicht einfach. Aber ich kenne dich, und du bist vielleicht besser, wenn du aktiv bist und etwas Kontrolle hast.�</p><p>Sie sagte: �Ich wei� nicht, ob ich das kann. Ich kann es nicht ertragen, nicht zu wissen, habe aber Angst davor. Besonders, wenn es wahr ist.�</p><p>�Sieh zu, wie du dich dabei f�hlst�, schlug Michel vor. �Versuche es und sieh zu! Da beide Alternativen zugegebenerma�en schmerzhaft sind, k�nnte es sein, da� du Aktion der anderen Alternative vorziehst.�</p><p>�Nun gut!� Sie schn�ffelte und warf einen Blick durch das ganze Zimmer. Aus dem Raum an der anderen Seite des Spiegels starrte sie eine m�rderische Fratze an. �Mein Gott, ich bin so h��lich!� sagte sie. Der Widerwillen lie� sie fast sich erbrechen.</p><p>Michel stand auf und ging zum Spiegel. Er sagte: �Es gibt etwas, das man k�rperliche dysmorphe Unordnung nennt. Das h�ngt zusammen mit durch Besessenheit erzwungener Unordnung und mit Depression. Ich habe schon l�ngst bei dir Anzeichen davon gesehen.�</p><p>�Es ist mein Geburtstag.�</p><p>�Oh! Das ist ein Problem, mit dem du fertig werden kannst.�</p><p>�Geburtstage?�</p><p>�K�rperliche dysmorphe Unordnung.�</p><p>�Ich will keine Drogen nehmen.�</p><p>Er h�ngte ein Handtuch �ber den Spiegel und sah sie an. �Was meinst du? Vielleicht ist es einfach ein Mangel an Serotonin. Eine biochemische Insuffizienz. Eine Krankheit. Nichts, deswegen man sich sch�men m��te. Wir nehmen alle Drogen. Clomipramin ist bei diesem Problem sehr hilfreich.�</p><p>�Ich werde es mir �berlegen.�</p><p>�Und keine Spiegel.�</p><p>�Ich bin kein Kind!� knurrte sie. �Ich wei�, wie ich aussehe.� Sie sprang auf und ri� das Handtuch vom Spiegel herunter. Verr�ckter Reptilgeier, Pterodaktylus, wild�� Es war irgendwie eindrucksvoll.</p><p>Michel zuckte die Achseln. Er zeigte ein leichtes L�cheln. Machte ein Gesicht, das sie schlagen oder k�ssen wollte. Er liebte Eidechsen.</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf, um ihn frei zu machen. �Nun gut. Etwas unternehmen, sagst du.� Sie dachte dar�ber nach. �Ich ziehe Aktion gewi� der Alternative vor in der gegenw�rtigen Situation.� Sie erz�hlte ihm von der Nachricht aus dem S�den und was sie den anderen vorgeschlagen hatte. �Die machen mich so w�tend. Sie warten blo� auf eine Katastrophe, um wieder loszuschlagen. Alle au�er Sax; und der ist eine unsichere Kanone mit all seinen Sabotagen. Er ber�t sich mit niemandem au�er diesen Narren, welche er hat. Wir m�ssen etwas <emphasis>Koordiniertes</emphasis> unternehmen!�</p><p>�Gut�, sagte er nachdr�cklich. �Ich stimme zu. Das m�ssen wir tun.�</p><p>Sie sah ihn an. �Wirst du mit mir nach Hellas Basin gehen?�</p><p>Er l�chelte, ein spontanes Grinsen reiner Freude.</p><p>Von Entz�cken, da� sie gefragt hatte. Es drang in ihr Herz, als sie das sah.</p><p>Er sagte: �Ja. Ich habe hier noch etwas zu erledigen, kann das aber rasch tun. Nur ein paar Wochen.� Und er l�chelte wieder. Sie sah, da� er sie liebte. Nicht blo� als Freund oder Arzt, sondern auch als Liebhaber. Und doch mit einer gewissen Distanz, einer Michel-Distanz, irgendwie therapeutisch. So da� sie noch atmen konnte. Geliebt zu werden und noch zu atmen. Noch einen Freund zu haben.</p><p>�Also kannst du es noch aushalten, mit mir beisammen zu sein, auch wenn ich so aussehe?�</p><p>�O Maya!� Er lachte. �Ja, du bist immer noch sch�n, wenn du das wissen willst. Und das tust du auch noch, Gott sei Dank!� Er zog sie an sich, ging dann zur�ck und betrachtete sie. �Es ist etwas herb, wird aber reichen.�</p><p>Sie stie� ihn fort. �Und niemand wird mich erkennen.�</p><p>�Niemand, der dich nicht kennt.� Er stand auf. �Los! Hast du Hunger?�</p><p>�Ja. La� mich nur mich umziehen!�</p><p>Er setzte sich auf das Bett und sah ihr dabei zu. Er sog sie in sich ein, der alte Bock. Ihr K�rper war erstaunlicherweise immer noch menschlich, auffallend weiblich in diesem l�cherlich posthumen Alter. Wenn sie her�berk�me und ihm eine Brust ins Gesicht dr�ckte, w�rde er wie ein Kind daran saugen. Statt dessen kleidete sie sich an. Sie f�hlte, wie sich ihre Stimmung von Grund auf hob. Der beste Moment in der ganzen Sinuswelle, wie die Wintersonnenwende f�r die Menschen der Steinzeit, wenn man wei�, da� die Sonne eines Tages wiederkommen wird.</p><p>�Das ist gut�, sagte Michel. �Wir brauchen dich wieder als Anf�hrerin, Maya. Siehst du, du besitzt die Autorit�t. Die nat�rliche Autorit�t. Und es ist gut, das Werk zu verbreiten und f�r dich, dich auf Hellas zu konzentrieren. Ein sehr guter Plan. Aber du mu�t wissen�� dazu geh�rt mehr als �rger���</p><p>Sie zog sich einen Sweater �ber den Kopf (ihr nackter Skalp f�hlte sich merkw�rdig kahl und roh an) und schaute ihn dann �berrascht an. Er hob mahnend einen Finger. �Dein �rger wird helfen, kann aber nicht alles sein. Frank war nichts als �rger. Und du siehst, wohin ihn das gef�hrt hat. Du mu�t nicht nur gegen das k�mpfen, was du ha�t, sondern auch das, was du liebst. Verstehst du? Und darum mu�t du herausfinden, was es ist, das du liebst. Du mu�t dich daran erinnern oder es erschaffen.�</p><p>�Ja, ja�, sagte sie, pl�tzlich verwirrt. �Ich <emphasis>liebe</emphasis> dich. Aber halt jetzt den Mund!� Sie hob gebieterisch das Kinn. �La� uns essen gehen!�</p><p>Der Zug von Sabishii zur Strecke Burroughs-Hellas war nur vier Wagen lang, eine kleine Lokomotive und drei Passagierwaggons, nicht mehr als halb voll. Maya ging durch bis zu den letzten Sitzen im Schlu�wagen. Die Leute schauten sie an, aber nur kurz. Niemand schien durch ihren Mangel an Haar beunruhigt zu sein. Es gab auf dem Mars ja eine Menge Geierweiber, selbst in diesem Zug, die auch Jumper in Kobalt, Rost oder Hellgr�n trugen und ebenso alt und verwittert waren. Das war eine Art Cliche f�r die alten Marsveteranen, die von Anfang da waren, alles gesehen hatten und bereit waren, einen mit Geschichten �ber Staubst�rme und verklemmte Schleusent�ren zu Tr�nen zu langweilen.</p><p>Nun, es war so schon recht. Es h�tte nichts gebracht, wenn die Leute einander anstie�en und riefen: Da ist Toitovna! Dennoch konnte sie nicht umhin, sich alt und vergessen zu f�hlen. Das war bl�de. Sie mu�te vergessen werden. Und dabei half H��lichkeit. Die Welt liebt es, die H��lichen zu vergessen.</p><p>Sie plumpste in ihren Sitz und starrte nach vorn. Offenbar hatte Sabishii Besuch von einem Kontingent japanischer Touristen gehabt, die sich alle in gegen�berliegenden Sitzen vorn im Wagen zusammendr�ngten, schwatzten und mit ihren Videobrillen umschauten. Ohne Zweifel zeichneten sie jede Minute ihres Lebens auf, Aufzeichnungen, die niemand je anschauen w�rde.</p><p>Der Zug glitt sanft vorw�rts, und sie waren unterwegs. Sabishii war immer noch eine kleine Kuppelstadt im Gebirge; aber das h�glige Land zwischen der Stadt und der Hauptpiste war gefleckt mit behauenen spitzen Steinen und kleinen, in die Klippen gebohrten Schutzr�umen. Alle nach Norden gewandten H�nge waren mit dem Schnee der ersten Herbstst�rme bedeckt, und das Sonnenlicht scho� in blendenden Strahlen von glatten Spiegeln aus Eis, wenn sie an gefrorenen Teichen vorbeischwebten. Die niedrigen dunklen B�sche stammten alle von Vorfahren in Hokkaido, und die Vegetation gab dem Land eine dornenartige schwarzgr�ne Struktur. Es war eine Ansammlung von Bonsaig�rten, deren jeder eine durch ein rauhes Meer von zerbrochenem Gestein isolierte Insel war.</p><p>Die japanischen Touristen fanden diese Landschaft nat�rlich entz�ckend. Obwohl sie m�glicherweise von Burroughs kamen als neue Einwanderer, die die erste japanische Landungsstelle besuchten, als ob sie eine Reise von Tokyo nach Kyoto machten. Oder vielleicht waren sie Eingeborene und hatten Japan nie gesehen. Das w�rde sie merken, wenn sie sie gehen sah. Aber das spielte keine Rolle.</p><p>Die Piste verlief genau n�rdlich vom Krater Jarry-Desloges, der von au�en wie eine gro�e runde Mesa aussah. Das Vorfeld war ein breiter F�cher aus beschneitem Schutt, punktiert von B�umen, die sich an den Boden duckten, und eine scheckige Anordnung von dunkel- und hellgr�nen Flechten, Alpenblumen und Heidekraut. Jede Art hatte die f�r sie typische Farbe, und das ganze Feld war bes�t mit erratischen Bl�cken, die bei der Entstehung des Kraters vom Himmel gefallen waren. Das Ergebnis war wie ein Areal aus rotem Gestein, das von unten durch eine regenbogenfarbene Flut ertr�nkt wurde.</p><p>Maya schaute leicht erstaunt auf die lebhafte Bergflanke. Schnee, Flechten, Heidekraut, Kiefern. Sie wu�te, da� sich die Dinge ge�ndert hatten, w�hrend sie unter der Polkappe versteckt gewesen war, da� es fr�her anders gewesen war. Und sie in einer Steinwelt gelebt und alle eindrucksvollen Ereignisse jener Jahre erlebt hatte. Ihr Herz war unter deren Ansturm zu Stishovit zerdr�ckt worden. Aber es war hart, mit etwas davon Verbindung zu finden. Sei es, sich zu erinnern, oder sei es, etwas zu f�hlen bei dem, an das sie sich erinnern konnte. Sie lehnte sich zur�ck und versuchte, sich zu entspannen und alles auf sich zukommen zu lassen, was auch kommen mochte.</p><p>� Es war weniger eine spezifische Erinnerung an ein bestimmtes Ereignis, als vielmehr ein zusammengesetztes Bild: Frank Chalmers, der w�tend denunzierte oder verlachte oder explodierte. Michel hatte recht: Frank war ein zorniger Mensch gewesen. Aber das war nicht alles. Sie wu�te das vielleicht mehr als jeder sonst. Sie hatte ihn friedlich erlebt, oder wenn nicht friedlich�� vielleicht hatte sie das nie gesehen��, so doch zumindest gl�cklich. Oder etwas dergleichen. �ber sie ver�rgert, um sie bem�ht, in sie verliebt�� all das hatte sie erlebt. Und da� er sie wegen eines kleinen Betruges anbr�llte, oder wegen gar nichts�� auch das hatte sie sicher erlebt. Weil er sie geliebt hatte.</p><p>Aber wie war er nun <emphasis>wirklich</emphasis> gewesen? Oder vielmehr: Warum war er so gewesen? W�rde es jemals eine Erkl�rung daf�r geben, warum wir selbst waren? Sie hatte sehr wenig �ber ihn gewu�t, ehe sie sich kennenlernten. Ein ganzes Leben dr�ben in Amerika, eine Inkarnation, die sie nicht gesehen hatte. Der st�mmige schwarze Mann, den sie in Antarctica getroffen hatte�� selbst diese Person war f�r sie fast verloren, �berlagert durch alles, was auf der <emphasis>Ares</emphasis> geschehen war und auf dem Mars. Aber davor nichts oder fast nichts. Er war Chef der NASA gewesen, hatte das Marsprogramm ins Leben gerufen�� ohne Zweifel mit demselben �tzenden Stil, den er in sp�teren Jahren gezeigt hatte Er war kurze Zeit verheiratet gewesen, wie sie sich zu erinnern glaubte. Wie mochte das gewesen sein? Arme Frau! Maya l�chelte. Aber dann h�rte sie wieder Marinas schwache Stimme, die sagte: �Wenn Frank nicht John get�tet h�tte�, und sie erschauerte. Sie schaute auf das Lektionar in ihrem Scho�. Die japanischen Passagiere vorn im Wagen sangen ein Lied, offenbar ein Trinklied, da sie eine Flasche herumgehen lie�en. Jarry-Desloges lag jetzt hinter ihnen, und sie glitten am Nordrand der Iapygia-Senke entlang, einer ovalen Depression, die sie ein gutes St�ck lang sehen konnten, ehe der Horizont sie abschnitt. Die Senke war voller Krater, und im Innern eines jeden Ringes gab es eine eigene getrennte �kologie. Es war, als ob man in einen zerbombten Blumenladen blickte, wo die K�rbe �berall verstreut und meistens zerbrochen waren. Aber hier war ein Korb mit gelber Tapete, dort mit einem rosa Palimpsest oder wei�e, blaue oder gr�ne Teppiche�</p><p>Sie tippte auf ihr Leseger�t und rief <emphasis>Chalmers</emphasis> auf.</p><p>Es war eine immense Bibliographie: Artikel, Interviews, B�cher, Videos, eine ganze Bibliothek mit seinen Verlautbarungen an die Erde, diplomatischen, historischen, bibliographischen, psychologischen, psychoanalytischen Inhalts; Kom�dien und Trag�dien in jedem Medium, einschlie�lich anscheinend einer Oper. Das hie�, da unten auf der Erde gab es eine gr��liche Koloraturs�ngerin, die ihre Gedanken �u�erte.</p><p>Sie schaltete erschrocken das Ger�t aus. Nachdem sie einige Minuten tief geatmet hatte, stellte sie es wieder an und rief die Akte auf. Sie konnte es nicht ertragen, sich Videos oder Standbilder anzuschauen. Sie suchte die k�rzesten im Druck erschienenen biographischen Artikel aus popul�ren Magazinen, w�hlte eines davon aufs Geratewohl aus und fing an zu lesen.</p><empty-line/><p>Er war in Savannah, Georgia, 1976 geboren und in Jacksonville, Florida, aufgewachsen. Seine Eltern lie�en sich scheiden, als er sieben war. Danach lebte er meistens bei seinem Vater in Apartments nahe Jacksonville Beach, einem Gebiet mit billigen Stuckgeb�uden am Strand, die in den 1940er Jahren entstanden waren hinter einer verfallenden Seepromenade mit Shrimpsbuden und Hamburgertreffs. Manchmal lebte er bei einer Tante und einem Onkel nahe der Ortsmitte, die von den gro�en Wolkenkratzern der Versicherungsgesellschaften beherrscht wurde. Seine Mutter zog nach Iowa, als er acht war. Sein Vater ging dreimal zu den Anonymen Alkoholikern.</p><p>Er war Klassensprecher auf dem College und der Kapit�n seiner Footballmannschaft, auf der er im Mittelfeld spielte, und seiner Baseballmannschaft, wo er Catcher war. Er leitete ein Projekt, um den St.-Johns- River von den erstickenden Hyazinthen zu s�ubern. �Die Eintragung in seinem Handbuch der Senioren ist so lang, da� man unbedingt annehmen mu�, da� da etwas nicht stimmt.� Er wurde von Harvard angenommen und erhielt ein Stipendium. Nach einem Jahr wechselte er auf das MIT �ber, wo er als Ingenieur und Astronom graduierte. F�nf Jahre lang lebte er allein in einem Zimmer �ber einer Garage in Cambridge. Es ist sehr wenig Information �ber ihn erhalten. Es scheint, da� ihn nur wenige Leute gekannt haben. �Er ist wie ein Geist durch Boston gewandelt.�</p><p>Nach dem College nahm er eine Stellung beim National Service Corps in Fort Walton Beach, Florida, an. Und hier stieg er rasch in die nationale Szene auf. Er betreute eines der erfolgreichsten zivilen Arbeitsprogramme, das mit dem National Security Council zusammenhing, und baute Unterk�nfte f�r karibische Immigranten, die durch Pensacola kamen. Hier lernten ihn Tausende kennen, zumindest in seinem Arbeitsleben. �Sie stimmen alle �berein, da� er ein begeisternder Anf�hrer war, der sich unabl�ssig den Immigranten widmete, um ihre Eingliederung in die amerikanische Gesellschaft zu f�rdern.� In diesen Jahren war es, da� er Priscilla Jones heiratete, die sch�ne Tochter einer prominenten Pensacola-Familie. Die Leute sprachen von einer politischen Karriere. �Er war auf dem Gipfel der Welt.�</p><p>Dann wurde 2004 der Dienst im NSC beendet, und 2005 kam er in Huntsville, Alabama, zum Astronautenprogramm. In dem gleichen Jahr scheiterte seine Ehe. Im Jahr 2007 wurde er Astronaut und stieg rasch in eine leitende Position in der Verwaltung auf. Einer seiner l�ngsten Raumfl�ge dauerte sechs Wochen auf der amerikanischen Raumstation, allein mit dem aufsteigenden Stern des Kameraden John Boone. 2015 wurde er Chef der NASA, w�hrend Boone Kapit�n der Raumstation wurde. Chalmers und Boone brachten zusammen das �Mars-Apollo�-Programm durch die Instanzen der amerikanischen Regierung; und danach schaffte Boone 2020 die erste Marslandung. Sie beide geh�rten zu den Ersten Hundert und gingen 2027 zum Mars.</p><empty-line/><p>Maya starrte die klaren schwarzen Lettern des lateinischen Alphabets an. Die Leitartikel mit ihren Schlagzeilen und Ausrufungszeichen hatten unzweifelhaft ihre suggestiven Momente. Ein mutterloser Junge mit einem Vater, der trank. Ein schwer arbeitender idealistischer junger Mann, der es zu etwas brachte und dann im gleichen Jahr seine Stellung und seine Frau verlor. Das Jahr 2005 w�rde es wert sein, in mehr Details betrachtet zu werden. Danach schien er sich �ber sich selbst ziemlich im klaren zu sein. Das war es, was es im allgemeinen bedeutete, Astronaut zu sein bei der NASA oder Glavkosmos. Man versuchte immer, mehr Zeit im Weltraum zu bekommen, man machte freiwillig B�rodienst, um die Macht zu bekommen, �fter hinauszugehen�� Seit dieser Zeit in seinem Leben l�uteten in den kurzen Darstellungen die Glocken in �bereinstimmung mit dem Frank, den sie gekannt hatte. Nein, es waren die Jugend, die Kindheit, was man sich nur schwer als Frank vorstellen konnte.</p><p>Sie rief wieder den Index auf und ging die Liste des biographischen Materials durch. Da war ein Artikel mit dem Titel: �Gebrochene Versprechen. Frank Chalmers und das National Service Corps. � Maya gab den Code daf�r ein, und der Text erschien. Sie lie� ihn durchlaufen, bis sie seinen Namen sah.</p><empty-line/><p>Wie viele Menschen mit grundlegenden Strukturproblemen in ihrem Leben verbrachte Chalmers seine Pensacola-Jahre mit rastloser Aktivit�t. Wenn er keine Zeit zum Ausruhen hatte, hatte er auch keine Zeit zum Nachdenken. Das war f�r ihn eine erfolgreiche Strategie schon in der Hochschule gewesen, wo er zus�tzlich zu all seinen Schulaktivit�ten zwanzig Stunden in der Woche an einem literarischen Programm gearbeitet hatte. Und in Boston machte ihn seine akademische Belastung zu etwas, das ein Klassenkamerad als unsichtbaren Mann� bezeichnete. Wir wissen �ber diese Periode seines Lebens weniger als �ber jede andere. Es gibt Ger�chte, wonach er in dem ganzen ersten Winter in Boston in seinem Wagen gelebt und sich der Toiletten einer Turnhalle auf dem Campus bedient h�tte. Erst nachdem er den Wechsel zum MIT vollzogen hatte, haben wir eine Anschrift f�r ihn�</p><empty-line/><p>Maya schaltete auf schnellen Vorlauf�� <emphasis>klick klick.</emphasis></p><empty-line/><p>Zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts war der Entenschnabel von Florida eines der �rmsten Gebiete der Nation�� mit starker illegaler karibischer Einwanderung, dem Schlie�en der lokalen Milit�rbasen und zus�tzlich noch dem Hurrikan Dale, der gro�es Elend bewirkte. Ein Mitarbeiter des National Service Corps sagte: �Es war, als ob man in Afrika arbeiten w�rde.� In seinen drei Jahren dort bekommen wir unser bestes Bild von Chalmers als einem sozialen Wesen. Er besorgte Zuweisungen zur Ausweitung eines Besch�ftigungsprogramms, das auf die gesamte K�ste gro�e Wirkung hatte, und half Tausenden, die nach Dale in Behelfsunterk�nfte gezogen waren. Trainingsprogramme lehrten Tausende, sich ihre Heimst�tten selbst zu bauen, die inzwischen Fertigkeiten lernten, die sie anderswo gebrauchen konnten. Diese Programme waren bei den Empf�ngern �u�erst beliebt; aber es gab eine Opposition seitens der lokalen Entwicklungsindustrie. Chalmers war deshalb umstritten und scheint in den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts oft in den lokalen Medien aufgetreten zu sein, wo er enthusiastisch das Programm verteidigte und als Teil einer volkst�mlichen sozialen Aktion bef�rwortete. In einem Gastkommentar f�r das Walton Beach Journal schrieb er: �Die offenkundige L�sung ist, alle unsere Energien auf das Problem zu richten und an ihm systematisch zu arbeiten. Wir m�ssen Schulen bauen, um unsere Kinder das Lesen zu lehren, und sie fortschicken, damit sie �rzte werden, die uns heilen, und Rechtsgelehrte, um daf�r zu sorgen, da� wir unseren gerechten Anteil bekommen. Wir m�ssen uns eigene H�user und eigene Farmen schaffen und uns selbst ern�hren.�</p><p>Die Ergebnisse in Pensacola und Fort Walton Beach zeitigten die gr��eren lokalen Bewilligungen aus Washington und entsprechende Kredite beteiligter Korporationen. Auf dem H�hepunkt im Jahre 2004 besch�ftigte das Pensacola Coast NSC zwanzigtausend Personen und war einer der Hauptfaktoren, die f�r das, was man die �Golfrenaissance� nannte, verantwortlich waren. Die Ehe von Chalmers mit Priscilla Jones, Tochter einer der alten reichen Familien von Panama City, schien diese neue Synthese von Armut und Privileg in Florida zu symbolisieren, und die beiden waren etwa zwei Jahre lang ein prominentes Paar in der Gesellschaft der Golfk�ste.</p><p>Die Wahlen von 2004 machten dieser Periode ein Ende. Die abrupte Aufhebung des NSC war eine der ersten Amtshandlungen der neuen Regierung. Chalmers verbrachte zwei Monate in Washington, um vor dem Haus und Unteraussch�ssen des Senats auszusagen.</p><p>Er versuchte, ein Gesetz zur Wiederaufnahme des Programms durchzubringen. Das Gesetz wurde angenommen, aber die beiden Senatoren von Florida und der Kongre�abgeordnete des Distrikts von Pensacola bef�rworteten es nicht, und der Kongre� war au�erstande, das Veto der Exekutive zu �berstimmen. Die neue Regierung sagte, das NSC �bedrohe Marktkr�fte�, und so endete es. Die Anklage und Verurteilung von neunzehn Kongre�m�nnern (einschlie�lich des Vertreters von Pensacola) wegen lobbyistischer Unregelm��igkeiten in der Bauindustrie kam acht Jahre sp�ter. Inzwischen war das NSC tot und seine Veteranen zerstreut.</p><p>F�r Frank Chalmers war es eine Wasserscheide. Er zog sich in eine Privatsph�re zur�ck, aus der er in vielfacher Hinsicht nie wieder herauskam. Die Ehe �berlebte den Umzug nach Huntsville nicht; und Priscilla heiratete bald in zweiter Ehe einen Freund der Familie, den sie vor Chalmers� Ankunft in der Gegend kennengelernt hatte. In Washington f�hrte Chalmers ein einfaches Leben, in dem die NASA sein ausschlie�liches Interesse gewesen zu sein scheint. Er war ber�hmt f�r seine Achtzehnstundentage und den enormen Einflu�, den sie auf das Geschick der NASA hatten. Diese Erfolge machten Chalmers in der Nation ber�hmt; aber niemand bei der NASA oder anderswo in Washington konnte behaupten, ihn gut zu kennen. Die fanatischen �berstunden dienten wieder als Maske, hinter welcher der idealistische Sozialarbeiter der Golfk�ste endg�ltig verschwand.</p><empty-line/><p>Eine St�rung vorn am Wagen veranla�te Maya aufzublicken. Die Japaner standen auf, holten Gep�ck herunter; und es wurde jetzt klar, da� sie Eingeborene von Burroughs waren. Die meisten waren ungef�hr zwei Meter gro�, gesellige junge Leute mit beim Lachen blitzenden Z�hnen und einheitlich gl�nzendem schwarzen Haar. Schwerkraft, Di�t, was es auch sein mochte, die auf dem Mars geborenen Menschen wurden gro�. Diese japanische Gruppe erinnerte Maya an die Ektogenen in Zygote, jene seltsamen Kinder, die wie Unkraut gewachsen waren�� Jetzt �ber den Planeten verstreut. Diese ganze kleine Welt war dahin wie alle anderen vor ihr.</p><p>Maya zog eine Grimasse und lie� ihr Leseger�t impulsiv auf die Abbildungen zu dem Artikel vorlaufen. Dort fand sie ein Foto von Frank im Alter von dreiundzwanzig Jahren, zu Beginn seiner Arbeit im NSC. Ein dunkelhaariger junger Mann mit einem entschlossenen, zuversichtlichen L�cheln, der in die Welt schaute, als w�re er bereit, ihr etwas zu verk�nden, das sie nicht w��te. So jung und so klug. Auf den ersten Blick dachte Maya, es w�re die Unschuld der Jugend, so wissend auszusehen: Aber das Gesicht sah in Wirklichkeit nicht unschuldig aus. Er hatte keine unschuldige Kindheit gehabt. Aber er war ein K�mpfer, hatte seine Methode gefunden und war erfolgreich. Eine Macht, die nicht geschlagen werden konnte. Das ungef�hr schien das L�cheln zu sagen.</p><p>Aber wenn man der Welt einen Tritt gibt, bricht man sich das Bein. So pflegte man in Kamtschatka zu sagen.</p><p>Der Zug bremste und glitt zu einem sanften Halt. Sie waren im Bahnhof von Fournier, wo die Nebenstrecke von Sabishii mit der Hauptpiste von Burroughs nach Hellas zusammentraf.</p><p>Die Japaner von Burroughs verlie�en im G�nsemarsch den Wagen, und Maya schaltete ihr Lektionar aus und folgte. Die Station war nur eine kleine Kuppel s�dlich vom Krater Fournier. Das Innere war einfach, eine T-f�rmige Kuppel. Leute str�mten dutzendweise in Gruppen oder einzeln �ber die drei Etagen des Innern, die meisten in schlichten Arbeitsjumpern, viele aber auch in Gesch�ftsanz�gen oder Uniformen der Metanationalen oder auch in salopper Kleidung, die in diesen Tagen aus weiten Pantalons, Blusen und Mokassins bestand.</p><p>Maya fand den Anblick so vieler Leute etwas be�ngstigend und bewegte sich unbeholfen an den Reihen der Kioske und den dicht besetzten Cafes vor den Fahrbahnen entlang. Niemand erwiderte den Blick einer solchen kalten verwitterten Androgyne. Sie f�hlte den k�nstlichen Luftzug auf ihrer Kopfhaut und stellte sich vorn an, um den n�chsten Zug nach S�den zu bekommen. In Gedanken sah sie immer wieder das Foto aus dem Buch vor sich. War er wirklich einmal so jung gewesen?</p><p>Um ein Uhr kam der Zug von Norden her an. Sicherheitsw�chter kamen aus einem Raum neben den Cafes; und unter deren gelangweilten Blicken legte sie das Handgelenk auf ein tragbares Kontrollger�t und stieg ein. Eine neue Prozedur, aber einfach. Aber als sie ihren Platz gefunden hatte, raste ihr Herz. Offenbar hatten die von Sabishii mit Hilfe der Schweizer das neue Sicherheitssystem der �bergangsbeh�rde geschlagen. Aber sie hatte immer noch Grund zur Besorgnis. Sie war Maya Toitovna, eine der ber�hmtesten Frauen in der Geschichte dieser Welt und eine der gesuchtesten Kriminellen auf dem Mars, w�hrend die Passagiere auf ihren Pl�tzen zu ihr aufschauten, als sie nur mit einem blauen Blauwolljumper auf dem nackten K�rper zwischen ihren Reihen hindurchschritt.</p><p>Nackt, aber unsichtbar wegen H��lichkeit. Und die Wahrheit war, da� mindestens die H�lfte der Insassen des Waggons ebenso alt aussahen wie die Marsveteranen, die wie siebzig aussahen und doppelt so alt h�tten sein k�nnen, runzlig, mit grauem Haar, kahl werdend, strahlengesch�digt und mit dunklen Brillen, verteilt unter all den frischen jungen Eingeborenen wie Herbstbl�tter zwischen Immergr�n. Und da unter ihnen jemand, der wie Spencer Jackson aussah. Als sie ihr Gep�ck auf das Regal �ber sich warf, blickte sie auf den dritten Sitz vor ihr. Der kahle Sch�del des Mannes sagte ihr wenig, aber sie war sich ziemlich sicher, da� er es war. Pech! Im allgemeinen versuchten die Ersten Hundert (die Ersten Neununddrei�ig) niemals zusammen zu reisen. Aber es kam immer mal vor, da� sie der Zufall zusammenf�hrte.</p><p>Sie setzte sich an den Fensterplatz und fragte sich, was Spencer wohl machte. Zuletzt hatte sie geh�rt, da� er und Sax im Mohole von Vishniac ein technisches Team gebildet h�tten zum Zwecke einer Waffenforschung, �ber die sie zu niemandem sprachen. So �hnlich hatte Vlad gesagt. So geh�rte er also zu Saxens verr�cktem gesetzwidrigem Zerst�rungsteam, wenigstens bis zu einem gewissen Grad. Das sah ihm eigentlich nicht �hnlich, und sie fragte sich, ob er der m��igende Einflu� gewesen w�re, der neuerdings in den Aktivit�ten von Sax zu erkennen war. War Hellas sein Ziel, oder kehrte er zu den Sanktuarien im S�den zur�ck? Nun, das w�rde sie bestenfalls in Hellas herausbringen, da es Vorschrift war, einander zu ignorieren, sofern man nicht unter vier Augen war.</p><p>Also ignorierte sie Spencer�� falls er es war, und auch die Passagiere im Wagen. Der Sitz neben ihr blieb frei. Ihr gegen�ber waren zwei M�nner um die F�nfzig in Anz�gen, dem Aussehen nach Einwanderer, die offenbar zusammen mit zwei weiteren ihnen �hnlichen reisten, die vor ihr sa�en. Als der Zug aus der Bahnhofskuppel herausfuhr, diskutierten sie �ber irgendein Spiel, das sie zusammen gemacht hatten: �Er hat �ber eine Meile geschlagen und hat Gl�ck gehabt, da� er es wiedergefunden hat.� Offenbar Golf. Amerikaner oder so etwas. Metanationale Beamte, die unterwegs waren, um in Hellas etwas zu beaufsichtigen. Sie sagten nicht, was.</p><p>Maya nahm ihr Lektionar und setzte die Kopfh�rer auf. Sie rief <emphasis>Novy Pravda</emphasis> ab und sah sich die kleinen Bilder von Moskau an. Es war m�hsam, sich auf die Stimmen zu konzentrieren, und es machte sie schl�frig. Der Zug eilte nach S�den. Der Reporter klagte �ber den zunehmenden Konflikt zwischen Armscor und Subarashii �ber den sibirischen Entwicklungsplan. Das war ein Fall f�r Krokodilstr�nen, da die russische Regierung seit Jahren gehofft hatte, die beiden Riesen gegeneinander ausspielen und eine Versteigerungsaktion f�r die sibirischen �lfelder in die Wege leiten zu k�nnen, anstatt von einer vereinigten metanationalen Front alle Bedingungen diktiert zu bekommen. Es war wirklich erstaunlich, da� diese zwei Metanationalen sich zu so etwas herabgelassen hatten. Maya erwartete nicht, da� das andauern w�rde. Es lag aber im Interesse der Metanationalen, zusammenzuhalten und sich zu vergewissern, da� es immer darauf ankam, die verf�gbaren Ressourcen aufzuteilen und nie um sie zu k�mpfen. Falls sie sich zankten, k�nnte das empfindliche Gleichgewicht der Kr�fte bei ihnen zusammenbrechen�� eine M�glichkeit, deren sie sich gewi� bewu�t waren.</p><p>Sie lehnte schl�frig den Kopf zur�ck und schaute aus dem Fenster auf das vorbeiziehende Land. Sie glitten jetzt in die Senke Iapygia hinab und hatten einen weiten Blick nach S�dwesten. Es sah aus wie die Grenze zwischen Taiga und Tundra in Sibirien, so, wie sie in dem Nachrichtenprogramm dargestellt wurde, das sie gerade angesehen hatte. Ein gro�es, vom Frost zerrissenes und wirres, geneigtes Gel�nde, ganz von Schnee und Eis verkrustet, wobei der kahle Fels von Flechten und amorphen Haufen olivgr�ner und khakifarbener Moose bedeckt war und Korallenkakteen und Zwergb�ume jedes flache Loch f�llten. In einem flachen Tal verteilte Pingos wirkten wie Akne, die mit einer schmutzigen Salbe bestrichen war. Maya schlummerte einige Zeit.</p><p>Das Bild des dreiundzwanzigj�hrigen Frank ri� sie aus dem Schlaf. Sie dachte tr�ge �ber das nach, was sie gelesen hatte, und versuchte, es sich zusammenzureimen. Der Vater: Was hatte ihn veranla�t, dreimal zu den Anonymen Alkoholikern zu gehen und sie zweimal (oder dreimal?) wieder zu verlassen? Das klang nicht gut. Und dann, wie als Reaktion darauf, das arbeitsw�tige Verhalten, das genau so war, wie der Frank, den sie gekannt hatte, auch wenn die T�tigkeit nicht frankgem�� idealistisch war. Soziale Gerechtigkeit�� daran hatte der Frank, den sie kannte, nicht geglaubt. Er war ein politischer Pessimist gewesen, st�ndig in einem Nachhutgefecht bestrebt zu verhindern, da� aus dem Schlimmen das Schlimmste w�rde. Eine Art von Schadensbegrenzung und, sofern man manchen Glauben schenken konnte, pers�nlicher Steigerung. Ohne Zweifel richtig. Obwohl Maya f�hlte, da� er immer mehr Macht angestrebt hatte, um mehr Schadensbegrenzung aus�ben zu k�nnen. Diese beiden Motive konnte niemand trennen. Sie waren verflochten wie das Moos und der Stein drau�en in der Senke. Die Macht hatte viele Gesichter.</p><p>Wenn Frank nur nicht John get�tet h�tte� Sie starrte auf das Lektionar, stellte es an und tastete Johns Namen ein. Die Bibliographie war endlos. Sie sah nach; 5146 Eintragungen. Und das war eine Auswahl! Frank hatte h�chstens einige hundert gehabt. Sie schaltete auf Index und rief auf: �Tod durch���</p><p>Dutzende Eintragungen, Hunderte! Kalt und dennoch schwitzend sah Maya rasch die Liste durch. Die Berner Verbindung, die Muslimbruderschaft, die MarsErsten, UNOMA, Frank, sie, Helmut Bronski. Sax, Samantha. Allein am Titel konnte sie erkennen, da� alle Theorien von T�terschaft bei seinem Tode vertreten waren. Nat�rlich. Konspirationstheorien waren immer popul�r. Die Leute w�nschten, da� solche Katastrophen etwas mehr als individuelle Verr�cktheit auf sich h�tten. Darum ging die Jagd los.</p><p>Aus Widerwillen gegen die Vollst�ndigkeit der Liste wollte sie die Akte fast abschalten. Aber�� wovor hatte sie eigentlich Angst? Sie �ffnete eine der vielen Bibliographien, und auf dem Schirm erschien ein Bild von John. Ein Nachwehen ihres alten Schmerzes durchfuhr sie und hinterlie� eine blasse emotionslose Verzweiflung. Sie ging zum Schlu�kapitel.</p><empty-line/><p>Der Nicosia-Krawall war eine fr�he Manifestation der Spannungen, die 2061 explodierten. Es gab schon eine gro�e Anzahl arabischer Techniker, die in minimalen Behausungen lebten und in unmittelbarer N�he zu ethnischen Gruppen, gegen die sie historischen Groll hegten, und auch gegen Verwaltungsbeamte, deren bessere Wohnverh�ltnisse und Privilegien beim Reisen und Ausgehen ins Auge stachen. Eine fl�chtige Mischung aus verschiedenen Gruppen kam zu ihrer Gr�ndungsfeier nach Nicosia herunter, und die Stadt war einige Tage extrem �berf�llt.</p><empty-line/><p>klick klick</p><empty-line/><p>Die Gewaltt�tigkeit ist nie befriedigend erkl�rt worden. Jensens Theorie, wonach der innerarabische Konflikt, angestachelt durch den libanesischen Befreiungskrieg gegen Syrien, den Krawall von Nicosia ausgel�st haben soll, ist nicht ausreichend. Es wurden auch Angriffe auf die Schweizer bezeugt sowie ein hohes Ma� an willk�rlicher Gewaltt�tigkeit, die alle unm�glich allein durch den arabischen Konflikt zu erkl�ren sind.</p><p>Die offiziellen eidlichen Zeugenaussagen von Bewohnern Nicosias in jener Nacht lassen die Ausl�sung des Konflikts im dunkeln. Einige Berichte lassen die Anwesenheit eines agent provocateur vermuten, der nie identifiziert wurde.</p><empty-line/><p>klick klick</p><empty-line/><p>Um Mitternacht, als der Zeitrutsch begann, war Saxifrage Russell in einem Cafe in der Stadtmitte, Samantha Hoyle war auf einer Tour an der Stadtmauer, und Frank Chalmers und Maya Toitovna hatten sich im Westpark getroffen, wo einige Stunden zuvor die Reden gehalten worden waren. In der Medina war es schon zu K�mpfen gekommen. John Boone ging �ber den Zentralboulevard, um die St�rung zu untersuchen, desgleichen Sax Russell aus einer anderen Richtung. Bei etwa zehn Minuten im Zeitrutsch wurde Boone von einer Gruppe aus drei bis sechs jungen M�nnern bedr�ngt, die von einigen als �Araber� identifiziert wurden. Boone wurde niedergeschlagen und in die Medina gezerrt, ehe irgendwelche Augenzeugen reagieren konnten; und eine improvisierte Suche ergab kein Anzeichen von ihm. Erst um 0.27 wurde er von einer gr��eren Suchgruppe in der Farm der Stadt gefunden und von dort in das n�chste Krankenhaus gebracht auf dem Zypressenboulevard. Russell, Chalmers und Toitovna halfen, ihn zu tragen��</p><p>Eine neue St�rung im Wagen brachte Maya aus dem Text. Ihre Haut war feucht und k�hl, und sie zitterte leicht. Manche Erinnerungen verschwanden nie, sosehr man sie auch unterdr�ckte. Wider Willen erinnerte Maya sich genau an das Glas auf der Stra�e, eine Gestalt im Gras, die auf dem R�cken lag, und Franks verwirrte Miene, sowie das ganz andere Erstaunen bei John.</p><p>Pl�tzlich waren vorn im Wagen Beamte. Sie standen im Mittelgang und bewegten sich langsam voran. Sie pr�ften Ausweise und Reisedokumente. Andere waren am hinteren Ende das Wagens postiert.</p><p>Maya stellte ihr Leseger�t ab. Sie beobachtete die drei Polizisten und f�hlte, wie ihr Puls sich leicht beschleunigte. Das war neu. Sie hatte es noch nie erlebt, und die anderen im Wagen anscheinend auch nicht. Es herrschte allgemeines Schweigen. Jeder im Wagen h�tte inkorrekte Papiere haben k�nnen. Dieser Umstand machte ihr Schweigen irgendwie solidarisch. Aller Augen richteten sich auf die Polizei. Niemand schaute umher, um zu sehen, wer vielleicht bla� wurde.</p><p>Die drei Polizisten k�mmerten sich nicht darum und schienen auch nicht an den Leuten interessiert zu sein, die sie befragten. Sie machten unter sich Scherze, w�hrend sie sich �ber die Restaurants in Odessa unterhielten, und bewegten sich gelassen von einer Reihe zur n�chsten wie Schaffner. Sie machten den Leuten Zeichen, ihre H�nde auf das kleine Leseger�t zu legen, pr�ften dann beil�ufig die Ergebnisse, verglichen nur ein paar Sekunden die Gesichter der Leute mit den Fotos, die auf ihren Ausweisen erschienen.</p><p>Sie kamen zu Spencer, und Mayas Herz schlug schneller. Spencer (falls er es war) hielt ruhig die Hand auf das Ger�t und schien direkt den Sitz vor sich anzusehen. Pl�tzlich war an seiner Hand etwas sehr vertraut. Da unter den Adern und Leberflecken war zweifellos Spencer Jackson. Sie erkannte ihn an den Knochen. Der Polizist mit dem Stimmenleser hielt diesen kurz Spencer ans Gesicht. Dann warteten alle. Endlich bekam er eine schnelle Zeile auf dem Leser und ging weiter. Zwei Personen von Maya entfernt. Selbst die �berschwenglichen Gesch�ftsleute waren nun ged�mpft, als ob es lachhaft w�re, da� solche Ma�nahmen jetzt sogar schon im Zug eingef�hrt wurden. Das gefiel niemandem. Es war ein Fehler, so etwas zu machen. Maya gewann dadurch Mut und blickte aus dem Fenster. Sie stiegen die S�dseite der Niederung empor. Der Zug glitt den sanften Anstieg der Strecke �ber niedrige H�gel hinauf, von denen jeder etwas h�her war als der vorige. Er fuhr immer mit der gleichen Geschwindigkeit wie auf einem Zauberteppich �ber den noch zauberhafteren Teppich der bunten Landschaft.</p><p>Jetzt standen sie vor ihr. Der ihr am n�chsten Stehende trug �ber seinem rostfarbenen Uniformjumper einen G�rtel, an dem mehrere Instrumente hingen, einschlie�lich Bet�ubungspistole. �Bitte Identit�tspr�fung.� Er trug ein Namensschild mit Foto und Dosimeter und einem Etikett, das besagte: �bergangsbeh�rde der Vereinten Nationen. Ein junger Einwanderer von etwa f�nfundzwanzig Jahren mit schmalem Gesicht, der m�de aussah. Er drehte sich um und sagte zu dem weiblichen Beamten hinter sich: �Ich liebe den Kalbsparmesan, den sie hier zubereiten.�</p><p>Das Leseger�t auf ihrem Handgelenk f�hlte sich warm an. Die Beamtin musterte sie genau. Maya ignorierte den Blick und sah auf ihr Handgelenk. Sie w�nschte, sie h�tte eine Waffe. Dann sah sie in das Kameraauge des Lesers von Stimme und Auge. Der junge Mann fragte: �Was ist Ihr Ziel?�</p><p>�Odessa.�</p><p>Ein Moment Ungewissen Schweigens.</p><p>Dann ein hohes Piepen. �Angenehmen Aufenthalt!�, und sie waren weg.</p><p>Maya versuchte langsam und gleichm��ig zu atmen. Die Leser am Handgelenk ma�en den Puls; und wenn er �ber etwa 110 lag, meldeten sie das dem Applikator. Das war eine Art einfacher L�gendetektor. Offenbar war sie unter dem Strich geblieben. Aber ihre Stimme und ihre Netzhaut. Die waren nie ge�ndert worden. Die Schweizer Pa�identit�t mu�te wirklich m�chtig sein und die fr�heren Identit�ten �berspielen, wenn man sie abfragte, mindestens in diesem Sicherheitssystem. Hatten die Schweizer das getan oder die von Sabishii oder Cojote oder Sax oder eine ihr unbekannte Macht? Hatte man sie wirklich erfolgreich identifiziert und gehen lassen, um ihr so nachzusp�ren, da� sie sie zu mehr der fl�chtigen Hundert f�hren w�rde? Das k�nnte ebenso wahrscheinlich sein wie das �berwinden der gro�en Datenbanken�� vielleicht sogar noch wahrscheinlicher.</p><p>Aber im Moment lie� man sie in Ruhe. Die Polizei war gegangen. Maya klopfte mit den Fingern auf das Leseger�t, und ohne nachzudenken rief sie ihre letzte Lekt�re wieder auf. Michel hatte recht. Sie f�hlte sich z�h und hart, als sie sich wieder in diesen Stoff versenkte. Theorien zur Erkl�rung des Todes von John Boone. John war get�tet worden; und jetzt wurde sie von der Polizei kontrolliert, w�hrend sie in einem gew�hnlichen Zug �ber den Mars reiste. Es war ganz deutlich zu f�hlen, da� es da eine gewisse Ursache und Wirkung gab, da� es nicht so sein w�rde, wenn John gelebt h�tte.</p><empty-line/><p>Alle Hauptfiguren dieser Nacht sind angeklagt, hinter dem Mord zu stehen: Russell und Hoyle wegen scharfer Meinungsverschiedenheiten in der MarsErst-Politik; Toitovna wegen eines Streits in Liebessachen; und die ethnischen oder nationalen Gruppen auf Grundlage echter oder eingebildeter politischer Quereten. Aber sicher war im Laufe der Jahre der Hauptverdacht auf die Person von Frank Chalmers gefallen. Obwohl man beobachtet hatte, da� er zur Zeit des Angriffs mit Toitovna beisammen war (wobei in einigen Theorien Toitovna als zus�tzliche oder mitwirkende Verschw�rerin genannt wird), machen seine Beziehungen mit den �gyptern und Saudis in Nicosia und sein lange w�hrender Konflikt mit Boone unvermeidbar, da� er oft als letzte Ursache der Ermordung Boones angesehen wird. Wenige, wenn �berhaupt einige, bestreiten, da� Selim el-Hayil der Anf�hrer der drei Araber war, die vor ihren Selbstmorden oder Morden ein Gest�ndnis abgelegt haben. Aber das verst�rkt nur den Verdacht gegen Chalmers, der ein Vertrauter el-Hayils war. Samisdat und Dokumente f�r nur einmaligen Gebrauch sollen die Geschichte erz�hlen, da� sich der �blinde Passagier� in Nicosia befand und Chalmers in dieser Nacht im Gespr�ch mit el-Hayil beobachtet haben soll. Da der �blinde Passagier� ein mythischer Mechanismus ist, mit dem die Leute die anonymen Wahrnehmungen des gew�hnlichen Marsbewohners verbinden, ist es durchaus m�glich, da� eine solche Geschichte die Beobachtungen von Menschen wiedergibt, die Zeugen waren, aber nicht als solche bekannt werden wollten.</p><empty-line/><p>Maya klickte auf den Schlu�.</p><empty-line/><p>El-Hayil war im Sp�tstadium eines t�dlichen Krampfes, als er in das Hotel eindrang, das von den �gyptern bewohnt war, und den Mord an Boone gestand mit der Versicherung, da� er der Anf�hrer gewesen sei, aber von Rashhid Abou und Buland Besseisso des Ahad- Fl�gels der Muslimbruderschaft Unterst�tzung gehabt h�tte. Die Leichen von Abou und Besseisso wurden sp�ter an diesem Nachmittag in einem Zimmer in der Medina gefunden, vergiftet durch Gerinnungsmittel, die sie sich selbst oder gegenseitig beigebracht zu haben schienen. Die tats�chlichen M�rder von Boone waren damit alle tot. Warum sie das taten und mit wem sie zusammengearbeitet haben k�nnten, wird man nie erfahren. Es hat nicht zum ersten Mal eine solche Lage gegeben und auch nicht zum letzten Mal, denn wir verbergen ebenso viel, wie wir suchen.</p><empty-line/><p>Bei der Durchsicht von Fu�noten wurde Maya wieder davon ersch�ttert, was f�r ein Thema das war, diskutiert von Historikern und Forschern und Konspirationsfanatikern jeder Schattierung. Mit einem Schauder des Widerwillens schaltete sie das Ger�t ab, wandte sich dem Doppelfenster zu und schlo� fest die Augen. Sie bem�hte sich, den Frank wiederherzustellen, den sie gekannt hatte, und auch Boone. Sie hatte seit Jahren kaum an John gedacht; so gro� war der Schmerz gewesen. Andererseits hatte sie aber auch nicht an Frank denken wollen. Jetzt w�nschte sie sich beide zur�ck.</p><p>Der Kummer war zu einem peinigenden Gespenst geworden, und sie mu�te sie wiederhaben um ihres eigenen Lebens willen. Sie mu�te wissen.</p><p>Der �mythische� blinde Passagier�� Sie knirschte mit den Z�hnen und hatte wieder jene halluzinatorische Angst bei seinem ersten Anblick, sein Gesicht durch das gebogene Glas verzerrt und gro��ugig. Wu�te der etwas? War er wirklich in Nicosia gewesen? Desmond Hawkins, der blinde Passagier, der �Cojote�. Er war ein merkw�rdiger Mensch. Maya hatte nie mit ihm unbefangen reden k�nnen. Schwer zu sagen, ob sie jetzt dazu imstande sein w�rde, da es sein mu�te. Aber sie bezweifelte es.</p><p>Was ist los? hatte sie Frank gefragt, als sie das Gebr�ll h�rten.</p><p>Ein hartes Achselzucken, ein abgewandter Blick. Etwas, das in der Hitze des Moments geschehen war. Wo hatte sie das schon einmal geh�rt? Er hatte weggeblickt, als er das sagte, als ob er ihren Blick nicht ertragen k�nnte. Als ob er irgendwie zu viel gesagt h�tte.</p><p>Die Bergketten um das Hellasbecken waren im westlichen Halbmond die ausgedehntesten. Sie hie�en Hellespontus Montes, die Gebirge des Mars, die am meisten an irdische erinnerten. Nach Norden, wo die Strecke von Sabishii und Burroughs in das Becken f�hrte, waren die Berge schmaler und weniger hoch. Das lag nicht so sehr am Gebirge, als vielmehr an der ungleichen Senkung zum Boden des Beckens hin. Das Land zog sich in niedrigen konzentrischen Wellen zum Norden hin. Die Piste f�hrte durch diesen h�gligen Hang nach unten, oft in Spitzkehren �ber lange Rampen, die in die Flanken der immer niedriger werdenden Gebirgswellen geschnitten waren. An den Wendepunkten wurde der Zug viel langsamer; und Maya konnte oft minutenlang aus ihrem Fenster entweder direkt auf den kahlen Basalt des H�henzugs blicken, den sie hinunterfuhren, oder weit �ber das nordwestliche Hellas, das noch dreitausend Meter unter ihnen lag�� eine gro�e flache Ebene, die im Vordergrund ocker-, olivgr�n- und khakifarben war und dann fern am Horizont ein Gewirr von schmutzigem Wei� zeigte, das wie ein zerbrochener Spiegel glitzerte. Das war der Gletscher von Low Point. Er war noch gr��tenteils gefroren, taute aber in jedem Jahr mehr auf, mit Schmelzt�mpeln an der Oberfl�che und tieferen Teichen weit unten. Diese Teiche wimmelten von Leben und brachen gelegentlich an die Oberfl�che durch oder sogar auf das benachbarte Land; denn dieser Eiszipfel wuchs schnell an. Man pumpte Wasser aus Reservoiren unter dem umgebenden Gebirge auf den Boden des Beckens. Die starke Depression im nordwestlichen Teil des Beckens, wo Low Point und das Mohole gewesen waren, war das Zentrum des neuen Meeres, das �ber tausend Kilometer lang und �ber Low Point bis zu dreihundert Kilometer breit war. Und es lag an der tiefsten Stelle des Mars. Eine vielversprechende Situation, wie Maya schon bei ihrer Landung sofort behauptet hatte.</p><p>Die Stadt Odessa war auf dem Nordhang des Beckens angelegt auf der H�he von �1�km, wo man den Wasserspiegel des Meeres stabilisieren wollte. Es war also ein Hafen, der auf Wasser wartete. Zu diesem Zweck war der S�drand der Stadt auch eine lange Strandpromenade oder Corniche, eine breite begr�nte Esplanade, die innerhalb der Kuppel verlief, die in der Ecke von einer hohen Wassermauer gesch�tzt war, die jetzt noch auf kahlem Boden stand. Der Anblick der Wassermauer machte, als der Zug jetzt n�her kam, den Eindruck einer halben Stadt, von der ein s�dlicher Teil abgesplittert und verschwunden war.</p><p>Dann rollte der Zug in den Bahnhof der Stadt, und die Aussicht wurde abgeschnitten. Der Zug hielt, und Maya holte ihre Tasche herunter und stieg hinter Spencer aus. Sie sahen sich nicht an. Als sie aber aus dem Bahnhof heraus waren, gingen sie mit einer losen Schar von Leuten zu einer Haltestelle der Stra�enbahn und stiegen in den gleichen blauen Wagen, der hinter dem Park der Strandpromenade entlangfuhr, welche an die Wassermauer grenzte. Nahe dem Westende der Stadt stiegen sie beide bei der gleichen Haltestelle aus.</p><p>Dort, hinter und �ber einem Freiluftmarkt mit Schatten spendenden Platanen, lag ein dreist�ckiger Apartmentkomplex in einem ummauerten Hof mit jungen Zypressen an den Seitenw�nden. Jedes Stockwerk des Geb�udes war hinter dem unteren zur�ckgesetzt, so da� die beiden oberen Etagen Balkons hatten, die mit B�umen in T�pfen und Blumenk�sten an den Gel�ndern geschm�ckt waren. Als Maya die Treppe zum Tor des Hofes emporstieg, erinnerte sie die Architektur des Hauses irgendwie an Nadias eingegrabene Kaskaden. Aber hier, wo die Nachmittagssonne hinter dem Markt stand, sah es mit wei� gekalkten W�nden und blauen L�den aus wie am Mittelmeer oder dem Schwarzen Meer�� keineswegs einigen modischen Apartmentblocks mit Meeresblick in Odessa un�hnlich. Am Tor wandte sie sich um und blickte �ber die Platanen des Marktes hinweg. Die Sonne ging �ber dem Hellespontus-Gebirge im Westen unter; und drau�en auf dem fernen Eis schimmerten Sonnenreflexe so gelb wie Butter.</p><p>Maya folgte Spencer durch den Garten und in das Haus, meldete sich nach ihm beim Pf�rtner an und ging in das ihr zugewiesene Apartment. Das ganze Geb�ude geh�rte Praxis, und einige Apartments galten als sicher, einschlie�lich des ihrigen und ohne Zweifel Spencers. Sie stiegen zusammen in den Aufzug und fuhren zum dritten Stock, ohne zu sprechen. Mayas Apartment war von dem Spencers vier T�ren entfernt. Sie trat ein. Zwei ger�umige Zimmer, eines mit einer Kochecke, ein Bad und ein leerer Balkon. Vom K�chenfenster aus konnte man den Balkon und das ferne Eis �berblicken.</p><p>Sie legte ihre Tasche aufs Bett und ging wieder nach drau�en zum Markt, um etwas zum Essen zu holen. Sie kaufte von H�ndlern mit Karren und Sonnenschirmen, setzte sich auf eine Bank auf dem Gras am Rande der Strandpromenade, a� Souvlakia und trank Retsina aus einer kleinen Flasche, w�hrend sie die Menge beobachtete, die l�ssig ihren Abendspaziergang machte. Die n�chste Ecke des vereisten Sees schien etwa vierzig Kilometer entfernt zu sein, und jetzt lag alles bis auf den �stlichsten Teil des Eises im Schatten von Hellespontus, der von Dunkelblau nach Osten in das Rosa des Alpengl�hens �berging.</p><p>Spencer nahm neben ihr auf der Bank Platz und bemerkte: �Ein sch�ner Anblick.�</p><p>Sie nickte und a� weiter. Sie bot ihm die Retsinaflasche an, und er sagte: �Nein, danke�, und wies auf sein halb verzehrtes Tamale. Sie nickte und kaute weiter.</p><p>Als sie fertig war, fragte sie: �Woran arbeitest du?�</p><p>�Teile f�r Sax. Unter anderem Biokeramik.�</p><p>�F�r Biotique?�</p><p>�F�r eine Schwestergesellschaft. Sie stellt �Meeresmuscheln� her.�</p><p>�Was?�</p><p>�Das ist der Name der Gesellschaft, eine andere Abteilung von Praxis.�</p><p>�Da wir gerade von Praxis sprechen�� Sie sah ihn an.</p><p>�Ja. Sax braucht diese Teile ziemlich dringend.�</p><p>�F�r Waffen?�</p><p>�Ja.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Kannst du ihn einige Zeit im Zaum halten?�</p><p>�Ich kann es versuchen.�</p><p>Sie sahen zu, wie das Sonnenlicht sich aus dem Himmel zur�ckzog und wie eine Fl�ssigkeit nach Westen lief. Hinter ihnen gingen in den B�umen �ber dem Markt Lichter an, und die Luft wurde k�hl. Maya f�hlte sich dankbar, da� ein alter Freund neben ihr sa�, in behaglichem Schweigen. Spencers Verhalten ihr gegen�ber stand zu Sax in starkem Kontrast. In seiner Freundlichkeit lag seine Entschuldigung f�r seine Beschuldigungen im Wagen nach Kasei Vallis und seine Verzeihung dessen, was sie Phyllis angetan hatte. Das sch�tzte sie�� Und auf jeden Fall war er einer von der Urfamilie; und es war sch�n, das bei einem weiteren Unternehmen zu haben. Ein neuer Anfang, eine neue Stadt, ein neues Leben�� wieviel war das jetzt?</p><p>�Hast du Frank sehr gut gekannt?� fragte sie.</p><p>�Eigentlich nicht. Nicht so, wie du und John ihn kannten.�</p><p>�Denkst du� denkst du, er k�nnte mit der Ermordung Johns etwas zu tun gehabt haben?�</p><p>Spencer blickte weiter auf das blaue Eis am schwarzen Horizont. Endlich nahm er die Retsinaflasche von der Bank neben ihr und trank. �Spielt das jetzt noch eine Rolle?�</p><p>Sie hatte viele der fr�hen Jahre im Hellasbecken gearbeitet. Sie war �berzeugt gewesen, da� dessen tiefe Lage es zu einem naheliegenden Platz f�r Besiedlung machen w�rde. Inzwischen war das Land oberhalb der �1-Kilometerlinie stellenweise rund um das Becken besiedelt an Stellen, bei deren Erkundung sie unter den ersten gewesen war. Sie hatte ihre alten Aufzeichnungen dar�ber in ihrem Computer und machte sich jetzt als Ludmilla Novosibirskaya daran, sie zu benutzen.</p><p>Ihr Arbeitsplatz war bei der hydrologischen Gesellschaft, die das Becken flutete. Das Team war Teil eines Konglomerates von Organisationen, die das Becken entwickelten, darunter die �lkompanien der Schwarzmeer-Wirtschaftsgruppe, der russischen Gesellschaft, die versucht hatte, das Kaspische Meer und den Aralsee wiederzubeleben, und die Firma �Deep Waters�, die im Besitz von Praxis war. Zu Mayas Aufgaben geh�rte die Koordinierung der vielen hydrologischen Arbeiten in der Region. Darum war sie wieder dazu gekommen, das Herz des Hellasprojekts zu sehen, genau wie in den alten Tagen, als sie die treibende Kraft hinter dem ganzen Ding gewesen war. Das war in verschiedener Hinsicht und manchmal sogar auf seltsame Weise befriedigend. Zum Beispiel wurde ihre Stadt Low Point (eine irrt�mliche Platzwahl, wie sie zugeben mu�te) jeden Tag tiefer unter Wasser gesetzt. Es war h�bsch, die Vergangenheit zu ertr�nken��</p><p>Also hatte sie ihre Arbeit und ihr Apartment, das sie mit gebrauchten M�beln, K�chenzubeh�r und Topfpflanzen f�llte. Und Odessa erwies sich als eine angenehme Stadt. Sie war grunds�tzlich aus gelbem Stein und braunen Ziegeln erbaut und an einer Stelle des Beckenrandes gelegen, die sich mehr als �blich einw�rts kr�mmte, so da� jeder Teil der Stadt auf das Zentrum der trockenen Wasserfront blickte und jeder Teil einen gro�artigen Ausblick �ber das Becken nach S�den hatte. Die unteren Distrikte waren L�den, Gesch�ften und Parks gewidmet, und die h�heren waren Wohngebiete mit G�rten. Die Stadt lag knapp �ber 30� s�dlicher Breite. Darum war sie jetzt vom Herbst in den Fr�hling gekommen, wobei die gro�e hei�e Sonne auf die abgestuften Stra�en der oberen Stadt schien und den Schnee des Winters vom Rand der Eismassen wegschmolz und den Gipfeln des Hellespontus-Gebirges am westlichen Horizont. Eine h�bsche kleine Stadt.</p><p>Und ungef�hr einen Monat nach ihrer Ankunft kam Michel von Sabishii herunter und �bernahm das Apartment gleich neben ihrem. Auf ihre Bitte hin richtete er eine Verbindungst�r zwischen ihren Wohnzimmern ein, und danach gingen sie zwischen den beiden Apartments hin und her, als w�re es eines, und lebten in einer ehelichen Gemeinschaft, die Maya noch nie erfahren hatte, eine Normalit�t, die sie sehr erholsam fand. Sie liebte Michel nicht leidenschaftlich; aber er war ein guter Freund, ein guter Liebhaber und ein guter Arzt. Wenn sie ihn um sich hatte, war das so, als h�tte sie einen Anker in sich, der sie davor bewahrte, in Verz�ckungen der Hydrologie oder revolution�re Glut zu verfallen oder auch tief in schreckliche Abgr�nde politischer Verzweiflung oder pers�nlichen Widerwillen zu versinken. Das Auf und Ab der Sinuswelle ihrer Stimmungen war eine hilflose Schwingung, die sie ha�te; und alles, was Michel hinsichtlich Amplitudenmodulation tat, sch�tzte sie sehr. Sie hatten keine Spiegel in den Apartments, was zusammen mit Clomipramin half, den Zyklus zu d�mpfen. Aber die B�den von T�pfen und die Fenster bei Nacht verk�ndeten ihr die schlechte Kunde, wenn es sie interessierte. Was oft genug der Fall war.</p><p>Mit Spencer unten in der Halle bewirkte das Geb�ude einen leichten Anklang an Underhill, gelegentlich verst�rkt durch Besuche von au�erhalb der Stadt, die ihr Apartment in seiner Eigenschaft als sicheres Haus nutzten. Wenn andere der Ersten Hundert vorbeikamen, gingen sie aus und spazierten an der wasserlosen Wasserfront entlang, sahen auf den Eishorizont und tauschten die Neuigkeiten aus wie alte Leute �berall. MarsErst, gef�hrt von Kasei und Harmakhis, wurde immer noch radikaler. Peter arbeitete beim Aufzug, wie eine Motte wieder zu seinem Mond hingezogen. Sax hatte vorerst seine verr�ckte Sabotagekampagne eingestellt und konzentrierte sich, Gott sei Dank, auf seine industriellen Bem�hungen im Mohole von Vishniac, wo er Boden-Orbit-Geschosse und dergleichen baute. Maya sch�ttelte �ber diese Nachricht den Kopf. Es war nicht milit�rische Macht, mit der sie etwas erreichen w�rden. In dieser Hinsicht war sie mit Nadia, Nirgal und Art einer Meinung. Sie w�rden etwas anderes brauchen, etwas, das sie sich noch nicht vorstellen konnte. Und diese L�cke in ihren Gedanken war eines der Dinge, das sie auf der Sinuswelle ihrer Stimmungen abw�rts zu f�hren pflegte und zu den Dingen geh�rte, die sie wahnsinnig machten.</p><empty-line/><p>Ihre Arbeit der Koordinierung der verschiedenen Aspekte des Flutungsprojekts begann interessant zu werden. Sie fuhr mit der Stra�enbahn oder ging zu Fu� in die B�ros im Stadtzentrum und arbeitete dort schwer, um all die Berichte zu bearbeiten, die von den vielen Tauchermannschaften und Bohrstationen eingingen�� alle voll von begeisterten Sch�tzungen, wieviel Wasser sie in das Becken w�rden tun k�nnen, und begleitet von Anforderungen um mehr Ger�t und Personal, bis alles zusammen mehr ergab, als Deep Waters liefern konnte. Vom B�ro aus war es schwierig, die wettstreitenden Anspr�che zu beurteilen, und Mayas technischer Stab rollte blo� mit den Augen und zuckte die Achseln. Einer sagte: �Es ist so, als ob man einen Wettbewerb von L�gnern beurteilen w�rde.�</p><p>Und dann gingen auch Berichte aus allen Siedlungen rund um das Becken ein, die in Bau waren. Nicht alle Leute, die daran arbeiteten, kamen von der Schwarzmeergruppe oder den daran beteiligten Metanationalen. Eine Menge war einfach unidentifiziert. Eine Tauchermannschaft w�rde das Vorhandensein einer Kuppelstadt kundtun, die offiziell nicht existierte, und es dabei belassen. Und die beiden gro�en Canyonprojekte in Dao Vallis und dem System Harmakhis-Reull waren ganz deutlich von mehr Leuten bev�lkert, als aus der offiziellen Dokumentation hervorging�� Leuten, die deshalb unter angenommenen Identit�ten leben mu�ten wie sie, oder gar v�llig au�erhalb des Netzes lebten. Das war wirklich sehr interessant.</p><p>Eine Piste rund um Hellas war gerade im vergangenen Jahr fertig geworden, eine schwierige Ingenieurarbeit, da der Rand des Beckens von Spalten und Rissen durchbrochen und von einer schweren Dosis aus dem Orbit abgest�rzter Objekte mit Kratern bes�t war. Aber jetzt war die Strecke fertig, und Maya beschlo�, ihre Neugier zu befriedigen und eine Reise zur pers�nlichen Inspektion aller Tiefwasser-Projekte zu unternehmen und in einige neue Siedlungen hineinzuschauen.</p><p>Zur Begleitung auf dieser Reise erbat sie die Gesellschaft einer ihrer Areologinnen, einer jungen Frau namens Diana, deren Berichte aus dem Ostbecken gekommen waren. Diese waren knapp und nicht bemerkenswert; aber Maya hatte von Michel erfahren, da� sie ein Kind von Esthers Sohn Paul war. Esther hatte Paul sehr bald nach dem Verlassen von Zygote bekommen und, soweit Maya wu�te, niemals jemandem erz�hlt, wer Pauls Vater war. Also k�nnte Kasei Esthers Gatte gewesen sein, in welchem Falle Diana Jackies Nichte und Johns und Hirokos Urenkelin w�re. Oder es h�tte Peter gewesen sein k�nnen. Dann w�re sie Jackies Halbnichte und Anns und Simons Urenkelin. Maya fand das in jedem Fall interessant, und die junge Frau war bestimmt eine Yonsei, ein Marskind der vierten Generation und als solche f�r Maya interessant ohne R�cksicht auf ihre Vorfahren.</p><p>Sie war auch an sich interessant, wie sich zeigte, als Maya sie einige Tage vor ihrer Reise im B�ro von Odessa traf. Mit ihrer Gr��e (�ber zwei Meter und trotzdem sehr rundlich und muskul�s) und ihrer gel�ufigen Anmut und asiatischen Z�gen mit betonten Backenknochen wirkte sie wie die Angeh�rige einer neuen Rasse, die dort Maya in diesem neuen Winkel der Welt Gesellschaft leisten sollte.</p><empty-line/><p>Es stellte sich heraus, da� Diana von dem Hellasbecken und seinem verborgenen Wasser ganz besessen war. Sie redete stundenlang dar�ber, so lange und in solchem Detail, da� Maya �berzeugt wurde, das R�tsel der Elternschaft sei gel�st. Eine derart vom Mars besessene Person mu�te mit Ann Clayborne verwandt sein. Damit ergab sich, da� Paul Peter zum Vater gehabt hatte. Maya sa� im Zug neben der gro�en jungen Frau, beobachtete sie oder schaute aus dem Fenster auf den steilen Nordhang des Beckens. Sie stellte Fragen und sah, wie Diana ihre Knie gegen die Sitzbank vor ihr dr�ckte. Man machte die Z�ge nicht gro� genug f�r die Eingeborenen.</p><p>Was Diana vor allem faszinierte, war, da� das Hellasbecken sich als von viel mehr Wasser unter dem Boden umgeben erwiesen hatte, als die areologischen Modelle hatten erwarten lassen. Diese w�hrend der letzten Dekade durch Feldforschung gelungene Entdeckung hatte das laufende Hellasprojekt inspiriert und das hypothetische Meer zu einer greifbaren M�glichkeit gemacht. Es hatte auch die Areologen gezwungen, ihre theoretischen Modelle der Fr�hgeschichte des Mars zu revidieren, und das Volk veranla�t, �ber die R�nder der gro�en Einsturzbecken des Planeten hinauszuschauen. Es waren Forschungsexpeditionen unterwegs in den Charitum und Nereidum Montes rund um Argyre und dem South Isidis umgebenden Gebirge.</p><p>Rings um Hellas stand man fast vor der Fertigstellung der Bestandsaufnahme. Man hatte alles in allem vielleicht drei�ig Millionen Kubikmeter gefunden, obwohl manche Taucher erkl�rten, sie seien noch lange nicht zufrieden. �Gibt es einen Weg festzustellen, wann sie fertig sind?� fragte Maya Diana und dachte an alle Anforderungen, die ihr B�ro �berschwemmten.</p><p>Diana zuckte die Achseln. �Nach einiger Zeit hat man �berall hingeschaut.�</p><p>�Was ist mit dem Boden des Beckens selbst? K�nnte die Flutung alle unsere M�glichkeiten zerst�ren, dort einige Reservoire herauszubekommen?�</p><p>�Nein.� Fast kein Wasser, berichtete sie Maya, war unter dem Beckenboden selbst vorhanden. Dieser war durch den urspr�nglichen Aufprall ausgetrocknet und bestand jetzt aus einem etwa ein Kilometer dicken ��lischen Sediment und darunter einer harten Schicht aus zu Brekzien verwandeltem Gestein, die sich w�hrend der kurzen, aber enormen Dr�cke des Aufpralls gebildet hatte. Die gleichen Dr�cke hatten auch rund um den Beckenrand tiefe Br�che bewirkt; und infolge der Br�che hatten aus dem Innern des Planeten ungew�hnlich starke Ausgasungen stattgefunden. Von unten waren fl�chtige Substanzen hochgesickert und abgek�hlt, und der Wasseranteil davon hatte sich in Wasserreservoiren und vielen Zonen stark ges�ttigten Permafrostes gesammelt.</p><p>�Ein ganz betr�chtlicher Aufschlag�, bemerkte Maya.</p><p>�Das war er gewi�.� Diana sagte, in der Regel w�ren die aufschlagenden Brocken etwa halb so gro� wie das Kraterbecken, das sie formten (wie historische Gestalten, dachte Maya); darum h�tte das aufprallende Planetesimal in diesem Fall ungef�hr zweihundert Kilometer Durchmesser gehabt. Es w�re auf einem alten, schon mit Kratern bedeckten Gebirge niedergegangen. Gewisse Anzeichen lie�en darauf schlie�en, da� es wohl ein gew�hnlicher Asteroid gewesen war, gr��tenteils kohlehaltiger Chondrit mit viel Wasser und etwas Nickel im Innern. Er hatte beim Auftreffen eine Geschwindigkeit von rund 72 000 Kilometern in der Stunde gehabt und war in einem leicht nach Osten gerichteten Winkel aufgeprallt, was die gro�e verw�stete Region �stlich von Hellas erkl�rte sowie die hohen und verh�ltnism��ig regelm��igen konzentrischen Ringe der Hellespontus-Berge im Westen.</p><p>Dann f�hrte Diana noch eine andere Daumenregel an, die Maya zu frei assoziierten Analogien mit der menschlichen Geschichte veranla�te: Je gr��er der aufschlagende K�rper, desto weniger von ihm �berlebte den Aufprall. So war in diesem Fall fast jedes St�ck in dem kataklysmischen Sto� verdampft, obwohl sich unter dem Krater Gledhill ein kleiner Bolide befand, den einige Areologen f�r h�chstwahrscheinlich das �berbleibsel des Planetesimals hielten, vielleicht ein Zehntausendstel des Originals oder noch weniger. Sie erkl�rten, da� er alles an Eisen und Nickel liefern w�rde, das sie jemals ben�tigen w�rden, falls sie sich die M�he machen m�chten, danach zu graben.</p><p>�Ist das zu machen?� fragte Maya.</p><p>�Eigentlich nicht. Es ist billiger, die Asteroiden auszubeuten.�</p><p>Was ja auch geschah, dachte Maya finster. Ein Gef�ngnisurteil bedeutete jetzt unter dem j�ngsten UNTA-Regime Jahre im Asteroideng�rtel auf den streng eingegrenzten Bergwerksschiffen und Robotern.</p><p>Wirksam, wie die �bergangsbeh�rde sagte. Gef�ngnisse, die zugleich weit entfernt und profitabel waren.</p><p>Aber Diana dachte immer noch an die grauenhafte Entstehung des Beckens. Der Aufprall hatte vor etwa dreieinhalb Milliarden Jahren stattgefunden, als die Lithosph�re des Planeten d�nner gewesen war und sein Inneres hei�er. Die durch das Ereignis freigesetzten Energien konnte man sich schwer vorstellen. Die im Laufe ihrer ganzen Geschichte von den Menschen erzeugte Energie war im Vergleich damit ein Nichts. Und die resultierende vulkanische Aktivit�t war betr�chtlich gewesen. Um Hellas herum gab es eine Anzahl alter Vulkane, die kurz nach dem Aufprall entstanden waren, einschlie�lich Australis Tholus im S�dwesten, Amphitrites Patera im S�den und Hadriaca Patera und Tyrrhena Patera im Nordosten. Man hatte festgestellt, da� alle diese vulkanischen Gebiete in ihrer N�he Reservoire an fl�ssigem Wasser hatten.</p><p>Zwei dieser Wasserspeicher waren in alten Zeiten an die Oberfl�che durchgebrochen und hatten auf dem Osthang des Beckens zwei typische sinusf�rmige, von Wasser ausgeh�hlte T�ler hinterlassen: Dao Vallis auf dem welligen abfallenden Gebiet von Hadriaca Patera und weiter s�dlich ein zusammenh�ngendes Paar von T�lern, das sogenannte Harmakhis-Reull-System, das sich mehr als tausend Kilometer hinzog. Die Wasserreservoire oberhalb dieser T�ler waren seit ihren Ausbr�chen im Laufe von �onen wieder aufgef�llt worden; und jetzt hatten gro�e Bautrupps Dao �berkuppelt und arbeiteten an Harmakhis-Reull. Sie lie�en das Wasser aus den Reservoiren die langen eingeschlossenen Canyons zu Ausl�ssen am Boden des Beckens herunterflie�en. Maya war an diesen gro�en Vermehrungen der bewohnbaren Oberfl�che h�chst interessiert; und Diana, die damit gut Bescheid wu�te, beabsichtigte, sie mitzunehmen und einige Freunde in Dao zu besuchen.</p><p>Ihr Zug fuhr den ganzen ersten Tag �ber den Nordrand von Hellas, wobei fast st�ndig das Eis auf dem Boden des Beckens in Sicht war. Sie passierten eine kleine, am Berghang gelegene Stadt namens Sebastopol, deren Steinw�nde am Nachmittag in florentinischem Gelb leuchteten. Danach kamen sie zu Hell�s Gate, dem �H�llentor� am unteren Ende von Dao Vallis. Sie verlie�en sp�t am Nachmittag den Bahnhof von Hell�s Gate heraus und schauten auf eine gro�e neue Kuppelstadt hinunter, die unter einer riesigen H�ngebr�cke lag. Diese Br�cke trug die Bahnstrecke und die Piste und �berspannte Dao Vallis von der Canyon�ffnung an, so da� ihre T�rme mehr als zehn Kilometer voneinander entfernt waren. Vom Rand des Canyons an der Br�cke, wo sich der Bahnhof befand, konnten sie in die sich erweiternde M�ndung des Canyons bis zum Boden des Beckens hinunterschauen, �ber dem eine Gruppe zerzauster, stellenweise von der Sonne beleuchteter Wolken schwebte. In der anderen Richtung konnte man weit in die steile und enge Welt des eigentlichen Canyons hinaufblicken. Als sie auf einer Stra�e mit Stufen und Zickzackkehren in die Stadt hinuntergingen, war die neue Kuppel �ber dem Canyon nur als ein roter Dunst zus�tzlich zur Farbe des Abendhimmels zu erkennen, was durch feine Staubablagerungen auf der Kuppel selbst zustande kam.</p><p>�Wir werden uns morgen auf der Randstra�e stromaufw�rts begeben, um einen �berblick zu bekommen�, sagte Diana. �Dann kommen wir auf dem Canyonboden zur�ck, damit du sehen kannst, wie es ist, sich hier zu befinden.� Sie gingen die Stra�e hinunter, die siebenhundert Stufen hatte. In der Innenstadt von Hell�s Gate gingen sie spazieren und speisten. Dann stiegen sie wieder zum B�ro von Deep Waters hinauf, das auf der Talwand gleich unter der Br�cke lag. Sie blieben dort in Zimmern. Am n�chsten Morgen gingen sie zu einer Garage am Bahnhof und liehen einen kleinen Rover der Firma.</p><p>Diana �bernahm das Lenkrad und fuhr sie nach Nordosten hinunter, parallel zum Canyonrand auf einer Stra�e, die dicht bei dem massiven Betonfundament f�r die Kuppel des Canyons verlief. Obwohl die Gewebe so transparent waren, da� man sie kaum sah, bedeutete das blo�e Gewicht des Dachs f�r den Anker eine starke Beanspruchung. Der Betonblock des Fundaments versperrte ihnen die Sicht in den Canyon selbst; und als sie dann zum ersten Aussichtspunkt kamen, hatte Maya seit Hell�s Gate nicht mehr hineingesehen. Diana fuhr auf einen kleinen Parkplatz auf dem breiten Fundament. Sie parkten, setzten Helme auf und stiegen aus dem Wagen. Dann gingen sie eine Holztreppe hinauf, die freischwebend in den Himmel zu reichen schien, obwohl man bei n�herem Zusehen erkannte, da� der klare Aerogelbalken die Treppe trug und danach die Schichten der Kuppel, die sich von ihren Tr�gern zu anderen hin erstreckten, die man nicht sehen konnte. Am oberen Ende der Treppe war eine kleine Plattform mit Gel�nder, die einen Blick auf den Canyon viele Kilometer weit stromaufw�rts und stromabw�rts er�ffnete.</p><p>Und es war wirklich ein Strom zu sehen. Der Boden von Dao Vallis hatte in der Mitte einen Flu�. Der Canyonboden war gr�n gefleckt, oder, um genauer zu sein, mit einer Sammlung von Gr�n. Maya identifizierte Tamarisken, dreibl�ttrige Pappeln, Espen, Zypressen, Sykomoren, Zwergeichen, Schneebambus�� und dann auf dem steilen Vorfeld und den steinigen H�ngen am Fu� der Canyonw�nde mannigfaltiges Buschwerk und niedrige Kletterpflanzen und nat�rlich Riedgras, Moos und Flechten. Und durch dies ganze erlesene Arboretum str�mte ein Flu�.</p><p>Das war kein blauer Strom mit wei�en Katarakten. Das Wasser in den langsameren Abschnitten war tr�be und rostfarben. In den Stromschnellen und Wasserf�llen bildete es rosigen Schaum. Klassische Marsfarben, die, wie Diana sagte, durch den Grus bewirkt wurden, der wie glazialer Schlick im Wasser schwebte�� und auch durch die reflektierte Farbe des Himmels, die inzwischen eine Art verschwommener Malvent�nung angenommen hatte und um die verschleierte Sonne herum lavendelfarben wurde, so gelb wie die Iris eines Tigerauges.</p><p>Aber ganz gleich, welche Farbe das Wasser hatte, es war ein flie�ender Strom in einem offensichtlich durch Wasser gebildeten Tal, friedlich an manchen Stellen, wild bewegt an anderen, mit Kiesfurten, Sandb�nken, quirligen Abschnitten und br�ckligen Inselb�gen, hier eine tiefe tr�ge U-f�rmige Schleife, dann viele Stromschnellen und weit stromaufw�rts einige kleine Katarakte. Man konnte erkennen, wie unter dem h�chsten Wasserfall der Gischt von Rot fast zu Wei� wurde und wei�e Flecken flu�abw�rts getrieben wurden, um an Felsbl�cken und Baumst�mpfen h�ngen zu bleiben, die vom Ufer hereinragten.</p><p>�Dao River�, sagte Diana. �Von den Leuten, die hier wohnen, auch Rubinflu� genannt.�</p><p>�Wie viele sind es?�</p><p>�Einige tausend. Die meisten leben ziemlich nahe von Hell�s Gate. Stromaufw�rts gibt es Familienanwesen und dergleichen. Und dann nat�rlich die Station des Wasserreservoirs, wo ein paar hundert von ihnen arbeiten.�</p><p>�Ist es eines der gr��ten Reservoire?�</p><p>�Ja. Ungef�hr drei Millionen Kubikmeter Wasser. Also pumpen wir es in flie�endem Tempo heraus. Du siehst es hier. Ungef�hr hunderttausend Kubikmeter j�hrlich.�</p><p>�Also gibt es in drei�ig Jahren keinen Flu� mehr?�</p><p>�Allerdings. Obwohl sie einiges Wasser wieder in einer R�hre hochpumpen und dann wieder freilassen. Oder wer weiߠ� wenn die Atmosph�re feucht genug wird, k�nnten die Flanken von Hadriaca eine hinreichend gro�e Schneedecke ansammeln, da� sie als Wassereinzugsgebiet dienen w�rde. Dann w�rde der Flu� mit den Jahreszeiten schwanken, aber das tun Fl�sse ja sowieso, nicht wahr?�</p><p>Maya blickte auf die Szene hinunter, die so sehr wie etwas aus ihrer Jugendzeit aussah, wie irgendein Fluߠ� Der obere Rioni in Georgien? Der Colorado, den sie einmal bei einem Amerikabesuch gesehen hatte? Sie konnte sich nicht erinnern. Das ganze Leben damals war so undeutlich. �Es ist sch�n. Und so� � Sie sch�ttelte den Kopf. Das Bild hatte eine Eigenschaft, die sie nie gesehen zu haben glaubte, als ob es au�erhalb der Zeit l�ge, ein prophetischer Blick in eine ferne Zukunft.</p><p>�Hier, la� uns die Stra�e ein St�ck weiter gehen und Hadriatica anschauen!�</p><p>Maya nickte, und sie kehrten zum Wagen zur�ck. W�hrend sie bergauf fuhren, stieg die Stra�e ein paarmal hoch genug, um ihnen einen neuen Blick nach unten auf den Canyonboden zu gew�hren; und Maya sah, da� der kleine Flu� weiter durch Felsen und Vegetation str�mte. Aber Diana machte keine Pause, und Maya sah keine Spuren von Siedlungen.</p><p>Am oberen Ende des �berkuppelten Canyons lag der gro�e Betonblock einer physikalischen Fabrik, der den Gasaustauschmechanismus und die Pumpenstation enthielt. Ein Wald von Windm�hlen stand auf dem ansteigenden Hang n�rdlich der Station. Die gro�en Propeller zeigten alle nach Westen und drehten sich langsam. Dar�ber erhob sich der breite Kegel von Hadriaca Patera, einem Vulkan, dessen Flanken ungew�hnlicherweise von einem dichten Netz sich �berschneidender Lavakan�le gefurcht waren, bei denen die sp�teren die fr�heren durchbrachen. Jetzt hatte die Schneelast des Winters die Kan�le angef�llt, aber nicht den freiliegenden schwarzen Stein dazwischen, der durch die starken Winde freigeblasen war, welche die Schneest�rme begleiteten. Das Resultat war ein enormer schwarzer Kegel, der in den Himmel ragte, bekr�nzt mit Hunderten verwickelter wei�er B�nder.</p><p>�Sehr h�bsch�, sagte Maya. �Kann man das vom Canyonboden aus sehen?�</p><p>�Nein. Aber viele an diesem Ende arbeiten sowieso auf dem Rand, bei der Zisterne oder dem Kraftwerk. So sehen sie das jeden Tag.�</p><p>�Diese Siedler, was sind das f�r Leute?�</p><p>Diana sagte: �Wir wollen hingehen und sehen.� Maya nickte. Sie freute sich �ber Dianas Stil, der sie sehr stark an Anns erinnerte. Die Sansei und Yonsei waren Maya alle fremd, aber Diana viel weniger als die meisten�� vielleicht etwas verschlossen, aber im Vergleich mit ihren exotischeren Zeitgenossinnen und den Kindern von Zygote erfreulich normal.</p><p>W�hrend Maya dies dachte und Diana beobachtete, fuhr Diana ihren Rover in den Canyon eine steile Stra�e hinunter, die �ber einen gigantischen alten Gebirgsausl�ufer nahe dem oberen Ende von Dao f�hrte. Hier war es, wo der urspr�ngliche Wasserausbruch stattgefunden hatte; aber es gab nur sehr wenig chaotisches Terrain�� blo� titanische Ger�llh�nge, die fast den Sch�ttungswinkel erreichten.</p><p>Der Canyonboden selbst war im wesentlichen eben und ungebrochen. Sie fuhren bald dar�ber hin auf einem Regolithweg, der mit einem Fixativ befestigt war und so nahe wie m�glich am Flu� entlang verlief. Nach ungef�hr einer Stunde kamen sie an einer gr�nen Wiese vorbei, die sich in eine scharfe Biegung hineinschmiegte. Im Mittelpunkt dieser Wiese, in einer Gruppe von Kiefern und Espen, waren niedrige Schindeld�cher zusammengedr�ngt. Aus einem einzelnen Kamin stieg schwacher Rauch auf.</p><p>Maya betrachtete die Siedlung (Viehstall und Weide, Gem�segarten, Tenne, Bienenst�cke) und bewunderte ihre Sch�nheit und archaische Vollst�ndigkeit, ihre scheinbare Abgesondertheit von dem gro�en Rotsteinplateau �ber dem Canyon�� Abgesondertheit von allem Realen, von Geschichte und der Zeit selbst. Ein Mesokosmos. Was dachte man wohl in diesen kleinen H�usern auf dem Mars von der Erde und all ihren Problemen? Warum sollte man sich darum Sorgen machen?</p><p>Diana hielt den Wagen an. Ein paar Leute kamen heraus und gingen �ber die Wiese, um zu sehen, wer sie waren. Der Druck in der Kuppel betrug f�nfhundert Millibar, was half, das Gewicht der �berdachung zu tragen, da der Luftdruck im Freien jetzt bei ungef�hr zweihundertf�nfzig Millibar lag. Also stie� Maya die Schleuse des Wagens auf und ging ohne ihren Helm hinaus. Sie f�hlte sich aber sofort unbekleidet und unbehaglich.</p><p>Diese Siedler waren alle junge Eingeborene. Viele von ihnen waren in den letzten Jahren von Burroughs und Elysium gekommen. Wie sie sagten, lebten auch einige von der Erde in dem Tal, nicht viele; aber es gab ein Praxisprogramm, das Gruppen aus kleineren L�ndern herbrachte. Und hier im Tal hatte man k�rzlich einige Schweizer, Griechen und Navajos begr��t Es gab auch eine russische Siedlung unten bei Hell�s Gate. Darum h�rte man in dem Tal verschiedene Sprachen; aber Englisch war die Lingua franca und f�r die meisten Eingeborenen ihre erste Sprache. Ihr Englisch hatte Akzente, die Maya noch nicht geh�rt hatte, und sie machten drollige grammatische Fehler, mindestens f�r ihr Ohr. Zum Beispiel war fast jedes Verbum nach dem ersten im Pr�sens. �Wir sind stromab gegangen, und einige Schweizer arbeiten auf dem Flu�. Stabilisieren an manchen Stellen die Ufer mit Pflanzen oder Steinen. Sie sagen, in einigen Jahren ist das Flu�bett gen�gend gegl�ttet, damit das Wasser klar wird.�</p><p>�Es wird die Farbe der Klippen und des Himmels haben�, sagte Maya.</p><p>�Ja, nat�rlich. Aber klares Wasser sieht irgendwie besser aus als schlammiges Wasser.�</p><p>�Woher wi�t ihr das?� fragte Maya.</p><p>Sie blinzelten und runzelten die Stirn und dachten nach. �Einfach davon, wie es in der Hand aussieht, nicht wahr?�</p><p>Maya l�chelte. �Es ist wundervoll, da� ihr so viel Platz habt. Unglaublich, welch weite R�ume sie heutzutage �berdachen k�nnen.�</p><p>Sie zuckten die Achseln, als ob sie dar�ber noch nicht nachgedacht h�tten. Einer sagte: �Wir erwarten den Tag, wenn wir die Kuppel endlich abnehmen k�nnen. Wir vermissen den Regen und den Wind.�</p><p>�Wieso wi�t ihr davon?�</p><p>Jedenfalls wu�ten sie.</p><p>Maya und Diana fuhren weiter. Sie kamen an sehr kleinen D�rfern vorbei. Isolierte Farmen. Eine Schafweide. Weing�rten. Obstg�rten. Bebaute Felder. Gro�e volle Gew�chsh�user, die wie Labors gl�nzten. Einmal lief vor ihrem Wagen ein Cojote �ber den Weg. Dann erblickte Diana auf einem kleinen Rasenst�ck unter einem Abhang einen Braunb�ren und sp�ter einige Schafe. In den kleinen D�rfern handelten die Leute auf offenen Marktpl�tzen mit Nahrungsmitteln und Werkzeug und sprachen �ber die Ereignisse des Tages. Sie verfolgten die Nachrichten von der Erde nicht und kamen Maya in dieser Hinsicht erstaunlich unwissend vor. Bis auf eine kleine russische Gemeinde, die ein schlechtes Russisch sprach, das Maya trotzdem Tr�nen in die Augen trieb, und die ihr erz�hlte, da� die Dinge auf der Erde in St�cke gingen. Wie gew�hnlich. Sie waren gl�cklich, im Canyon zu sein.</p><p>In einem der kleinen D�rfer war ein Markt im Freien in vollem Gange, und dort war mitten in der Menge Nirgal, der einen Apfel mampfte und heftig nickte, als jemand mit ihm redete. Er sah Maya und Diana aus dem Wagen steigen, eilte herbei, nahm Maya in die Arme und hob sie hoch. �Maya, was tust du hier?�</p><p>�Einen Ausflug von Odessa. Dies ist Diana, Pauls Tochter. Und was machst du hier?�</p><p>�Oh, ich besuche das Tal. Die haben einige Probleme mit dem Boden, bei denen ich zu helfen versuche.�</p><p>�Erz�hl mir davon!�</p><p>Nirgal war �kologie-Ingenieur und schien einiges von Hirokos Talent geerbt zu haben. Der Mesokosmos des Tals war relativ neu, man pflanzte noch allenthalben; und obwohl der Boden pr�pariert worden war, lie� Mangel an Stickstoff und Pottasche viele Pflanzen nicht gedeihen. W�hrend sie um den Marktplatz gingen, sprach Nirgal dar�ber, zeigte auf lokale und importierte Erzeugnisse und schilderte die �konomie des Tals. �Sie sind also nicht autark?� fragte Maya.</p><p>�Nein, nein. Nicht einmal ann�hernd. Aber sie ziehen eine Menge ihrer Nahrung und handeln mit anderen Produkten oder geben sie ab.�</p><p>Nirgal schien sich gut auf �ko-�konomie zu verstehen. Und er hatte schon eine Menge Freunde hier. Er kamen Leute, die ihn umarmten, und da er einen Arm um Mayas Schultern gelegt hatte, wurde sie mit einbezogen und einem jungen Eingeborenen nach dem anderen vorgestellt, die sich alle hocherfreut zeigten, Nirgal wiederzusehen. Er erinnerte sich an alle ihre Namen, fragte nach ihrem Befinden und merkte sich die Fragen, w�hrend sie weiter �ber den Markt schlenderten, vorbei an Tischen mit Brot und Gem�se und S�cken voll Gerste und Kunstd�nger und K�rben voll Beeren und Pflaumen, bis sich um sie herum eine kleine Volksmenge gebildet hatte wie eine mobile Party, die sich schlie�lich um lange Kieferntische vor einer Kneipe niederlie�. Nirgal behielt Maya w�hrend des ganzen Restes des Nachmittags an seiner Seite; und sie betrachtete all die jungen Gesichter, entspannt und gl�cklich. Ihr fiel auf, wie sehr Nirgal John �hnelte, wie die Menschen sich vor ihm erw�rmten und dann gegeneinander warm wurden. Jede Gelegenheit wie ein Fest, von seinem Charme angetan. Sie schenkten sich gegenseitig Getr�nke ein, sie spendierten Maya ein �ppiges Mahl �alles Eigenbau, alles Eigenbau und redeten miteinander in ihrem schnellen Mars-Englisch, schwatzten �ber Klatsch und erz�hlten ihre Tr�ume.</p><p>Oh, Nirgal war schon ein ganz besonderer Bursche, so weltentr�ckt wie Hiroko und doch gleichzeitig h�chst normal. Zum Beispiel war Diana an seiner anderen Seite einfach eingeh�ngt, und eine Menge der anderen jungen Frauen sahen so aus, als w�ren sie gern an ihrer oder Mayas Stelle. Vielleicht war das in der Vergangenheit gewesen. Nun, es hatte gewisse Vorteile, eine alte Babuschka zu sein. Sie konnte ihn schamlos bemuttern, und er grinste nur; und sie konnten nichts tun. Gewi� hatte er etwas Charismatisches an sich: schmale Kiefer, beweglicher fr�hlicher Mund, weit auseinanderstehende braune und leicht asiatische Augen, starke Augenbrauen, ungew�hnlich schwarzes Haar, ein langer grazi�ser K�rper, obwohl er nicht so gro� war wie die meisten von ihnen. Nichts Au�ergew�hnliches. Es war haupts�chlich sein Verhalten, freundlich, wi�begierig und zu Frohsinn geneigt.</p><p>�Was ist mit Politik?� fragte sie ihn sp�t an diesem Abend, als sie zusammen vom Dorf zum Flu� gingen. �Was sagst du dazu?�</p><p>�Ich benutze das Dokument von Dorsa Brevia. Meines Erachtens sollten wir es sofort in Kraft setzen, in unserem allt�glichen Leben. Die meisten Leute in diesem Tal haben das offizielle Netz verlassen, siehst du, und leben in der alternativen �konomie.�</p><p>�Das habe ich gemerkt. Das ist mir hier besonders aufgefallen.�</p><p>�Na sch�n, und du siehst, was passiert. Den Sansei und Yonsei gef�llt es. Sie halten es f�r ein bei ihnen gewachsenes System.�</p><p>�Die Frage ist, was die UNTA davon h�lt.�</p><p>�Was kann sie da machen? Ich glaube nicht, da� sie sich darum k�mmert, soweit ich sehe.� Er war st�ndig auf Reisen und war das schon seit Jahren und hatte viel vom Mars gesehen, viel mehr als Maya, wie ihr klar wurde. �Wir sind schwer zu sehen und scheinen sie nicht herauszufordern. Also machen sie sich um uns keine Gedanken. Sie wissen nicht einmal, wie weit verbreitet wir sind.�</p><p>Maya sch�ttelte zweifelnd den Kopf. Sie standen am Ufer des Flusses, der an dieser Stelle gurgelnd �ber Untiefen str�mte. Seine n�chtlich purpurne Oberfl�che reflektierte kaum das Licht der Sterne. Nirgal sagte: �Er ist so schlammig.�</p><p>�Es ist eine Art politischer Partei, Nirgal, oder eine soziale Bewegung. Du mu�t ihr einen Namen geben.�</p><p>�Oh! Nun, manche sagen, wir w�ren Boone-Anh�nger oder eine Fl�gelgruppe von MarsErsten. Ich selbst gebe ihm keinen Namen. Vielleicht Ka. Oder Freier Mars. Wir sagen das als eine Art Gru�. Verbum, Nomen�� was immer. Freier Mars.�</p><p>�Hmm�, sagte Maya und f�hlte den k�hlen feuchten Wind auf der Wange und Nirgals Arm um ihre Taille. Eine alternative �konomie, die ohne die Regel des Gesetzes funktionierte, war verlockend, aber gef�hrlich. Sie konnte sich in eine von Gangstern beherrschte schwarze �konomie verwandeln; und kein idealistisches Dorf w�rde viel dagegen ausrichten k�nnen. Darum war sie ihres Erachtens als L�sung f�r die �bergangsbeh�rde irgendwie illusorisch.</p><p>Als sie aber Nirgal gegen�ber diese Vorbehalte �u�erte, stimmte er zu. �Ich halte es nicht f�r den endg�ltigen Schritt. Aber ich denke, es hilft. Es ist das, was wir jetzt tun k�nnen. Und dann, wenn die Zeit kommt� �</p><p>Maya nickte in der Dunkelheit. Sie gingen zusammen ins Dorf zur�ck, wo die Party noch im Gange war. Jedenfalls brachten die f�nf jungen Frauen es zuwege, da� sie die letzten an Nirgals Seite waren, als die Party endete; und mit einem nur leicht verkrampften Lachen (wenn sie jung w�re, h�tten sie keine Chance gehabt) �berlie� sie ihn ihnen und ging zu Bett.</p><empty-line/><p>Nachdem sie zwei Tage lang von dem Marktdorf stromabw�rts gefahren waren, immer noch vierzig Kilometer von Hell�s Gate entfernt, kamen sie an eine Windung des Canyons und konnten seine ganze L�nge �bersehen, bis zu den T�rmen der H�ngebr�cke der Bahn. Wie etwas aus einer anderen Welt, dachte Maya, mit einer v�llig anderen Technik. Die T�rme waren sechshundert Meter hoch und standen zehn Kilometer voneinander entfernt�� eine wahrhaft immense Br�cke, die die Stadt von Hell�s Gate zwergenhaft erscheinen lie�, die erst nach einer weiteren Stunde �ber dem Horizont auftauchte und dann von dessen Rand an in Sicht kam. Ihre Geb�ude ergossen sich in den steilen Canyon wie eine dramatische K�stenstadt in Spanien oder Portugal, aber ganz im Schatten der riesigen Br�cke. Riesig, ja; aber in Chryse gab es Br�cken, die doppelt so gro� waren. Und bei den st�ndigen Verbesserungen im Material war kein Ende abzusehen. Das Karbon-Nanotubenfilament des neuen Aufzugs hatte eine Zugfestigkeit, die selbst die Erfordernisse des Aufzugs in den Schatten stellte. Und damit w�rde man an der Oberfl�che jede Br�cke bauen k�nnen, die man sich �berhaupt nur vorstellen konnte. Man sprach davon, Marineris zu �berbr�cken; und es gab Witze, da� man zwischen den Vulkanen auf Tharsis Drahtseilbahnen einrichten w�rde, um den Leuten die vertikalen Abstiege zwischen den drei Piks zu ersparen.</p><p>Wieder zur�ck in Hell�s Gate, lieferten Maya und Diana den Wagen in der Garage ab und hatten ein gro�es Dinner in einem Restaurant auf halber H�he der Mauer unter der Br�cke. Danach hatte Diana sich mit Freunden verabredet; darum entschuldigte sich Maya und ging zum B�ro von Deep Waters und in ihr Zimmer. Aber au�erhalb der Glast�ren, �ber ihrem kleinen Balkon w�lbte sich der gro�e Bogen der Br�cke zwischen den Sternen und erinnerte sie an Dao Canyon und dessen Bewohner; und das schwarze Hadriaca mit den wei�en B�ndern seiner mit Schnee gef�llten Kan�le. Sie hatte M�he einzuschlafen. Sie ging ins Freie und setzte sich in eine Decke gekuschelt auf ihrem Balkon in einen Sessel, um w�hrend eines gro�en Teils der Nacht die Unterseite der gigantischen Br�cke zu betrachten und �ber Nirgal und die jungen Eingeborenen nachzudenken und was sie wollten.</p><empty-line/><p>Am n�chsten Morgen hatten sie den n�chsten Zug rund um Hellas nehmen wollen; aber Maya bat Diana, sie statt dessen zum Boden des Beckens hinauszufahren, um selbst zu sehen, was mit dem Wasser geschah, das den Dao-Flu� hinabstr�mte. Diana gew�hrte ihr gern diese Bitte.</p><p>Am unteren Ende der Stadt ergo� sich der Flu� in ein enges Reservoir, das von einer dicken Betonmauer und einer Pumpe umschlossen war, die sich direkt an der Kuppelwand befanden. Au�erhalb der Kuppel wurde das Wasser quer �ber das Becken in einer dicken isolierten Rohrleitung gepumpt, die auf drei Meter hohen Pfeilern ruhte. Diese Pipeline verlief �ber den breiten sanften Abhang des Beckens, und sie folgten ihr in einem anderen Rover der Firma, bis die verfallenen Klippen von Hell�s Gate �ber den niedrigen D�nen hinter ihnen verschwanden. Eine weitere Stunde sp�ter waren die Br�ckent�rme immer noch sichtbar und ragten �ber den Horizont empor.</p><p>Ein paar Kilometer weiter verlief die Pipeline �ber einer r�tlichen Fl�che aus zerbrochenem Eis�� wie ein Gletscher, nur da� sie sich nach links f�cherartig �ber die Ebene verbreitete, so weit sie sehen konnten. Das war faktisch die derzeitige K�ste ihres neuen Sees oder mindestens eine Bucht davon, die an Ort und Stelle gefroren war. Die Rohrleitung f�hrte �ber das Eis und senkte sich dann darunter, um einige Kilometer vom Ufer entfernt zu verschwinden.</p><p>Ein kleiner, fast versunkener Kraterring ragte aus dem Eis hervor wie eine doppelte gekr�mmte Halbinsel. Diana folgte Fahrspuren auf die eine Halbinsel, bis sie im Eis so weit drau�en waren, wie sie kommen konnten. Die sichtbare Welt vor ihnen war v�llig von Eis bedeckt; und hinter ihnen lag die ansteigende B�schung aus Sand. �Diese Bucht erstreckt sich jetzt sehr weit hinaus�, sagte Diana und zeigte auf ein silbriges Flimmern am westlichen Horizont.</p><p>Maya nahm einen Feldstecher vom Armaturenbrett. Am Horizont konnte sie etwas ausmachen, das wie der Nordrand der Eisbucht zu sein schien, dort, wo er wieder ansteigendem Sand und D�nen Platz machte. Vor ihren Augen kippte an dieser Grenze ein St�ck Eis um. Es sah aus wie ein Gletscher in Gr�nland, der ins Meer kalbt; nur da� es beim Auftreffen auf den Sand in Hunderte wei�er St�cke zerbrach. Dann kam ein Wasserschwall, der dunkel �ber den Sand str�mte. Staub wirbelte auf vom Flu� weg und wurde vom Wind nach S�den getragen. Die R�nder des neuen Flusses begannen sich wei� zu f�rben; aber Maya sagte, das w�re nichts gegen�ber der erschreckenden Geschwindigkeit, mit der 2061 die Flut in Marineris eingefroren war. Hier blieb es fast ohne jeden Eisnebel minutenlang fl�ssig in der freien Luft! Oh, die Welt war schon w�rmer und die Atmosph�re dichter. Manchmal hier unten im Becken bis zu 260 Millibar; und die Au�entemperatur betrug im Moment 271 K. Ein sehr angenehmer Tag! Maya musterte mit dem Feldstecher die Eisfl�che und sah, da� sie weithin von dem hellen wei�en Schimmer der Schmelzwasserpf�tzen gesprenkelt war, die sauber und glatt wieder gefroren waren.</p><p>�Die Dinge ver�ndern sich�, sagte Maya, wenn auch nicht zu Diana, welche auch nicht antwortete.</p><p>Schlie�lich war die Flut aus neuem dunklen Wasser auf ihrer ganzen Fl�che wei� geworden und h�rte auf, sich zu bewegen. �Es kommt jetzt von irgendwo anders heraus�, sagte Diana. �Es wirkt wie Sedimentation in einem Flu�delta. Der Hauptkanal f�r diese Bucht befindet sich s�dlich von hier.�</p><p>�Ich bin froh, da� ich dies gesehen habe. La� uns zur�ckkehren!�</p><p>Sie fuhren wieder nach Hell�s Gate und a�en wieder gemeinsam zu Abend auf der gleichen Restaurantterrasse unter der gro�en Br�cke. Maya stellte Diana viele Fragen �ber Paul, Esther, Kasei, Nirgal, Rachel, Emily, Reull und den Rest von Hirokos Brut und deren Kinder und Kindeskinder. Was machten sie jetzt? Was hatten sie vor zu tun? Hatte Nirgal viele Anh�nger?</p><p>�O ja, nat�rlich. Du hast gesehen, wie es ist. Er reist die ganze Zeit umher, und es gibt ein ganzes Netz von Eingeborenen in den n�rdlichen St�dten, die sich um ihn k�mmern. Freunde und Freunde von Freunden und so weiter.�</p><p>�Und du meinst, diese Leute w�ren bereit, eine���</p><p>�Eine neue Revolution zu unterst�tzen?�</p><p>�Ich wollte sagen �Unabh�ngigkeitsbewegung�.�</p><p>�Wie immer du es nennst, sie werden es unterst�tzen. Sie werden Nirgal unterst�tzen. Die Erde ist f�r sie ein Alptraum, der uns verschlingen will. Das wollen sie nicht.�</p><p>�Sie?� fragte Maya l�chelnd.</p><p>�Oh, ich auch.� Diana l�chelte zur�ck. �Wir.�</p><p>W�hrend sie weiter rund um Hellas fuhren, hatte Maya Grund, sich an dieses Gespr�ch zu erinnern. Ein Konsortium aus Elysium ohne jede Verbindung mit Metanationalen oder UNTA, die Maya entdecken konnte, hatte gerade die �berdachung der Harmakhis- Reull-T�ler beendet mit der gleichen Methode, die bei Dao angewendet worden war. Jetzt befanden sich Hunderte von Menschen in diesen zwei miteinander verbundenen Canyons damit besch�ftigt, die Bel�ftungsanlagen einzurichten, Boden aufzubereiten und die entstehende Biosph�re im Mesokosmos der Canyons zu s�en und zu pflanzen. Ihre Gew�chsh�user und Fabriken vor Ort produzierten viel von dem, was sie f�r ihre Arbeit brauchten, und Metalle und Gase wurden aus dem �dland von Hesperia im Osten gewonnen und an der M�ndung des Harmakhis-Tales, genannt Sukhumi, in die Stadt gebracht. Diese Leute verf�gten �ber die Starterprogramme und die S�mereien und schienen nicht viel von der �bergangsbeh�rde zu halten. Sie hatten sie nicht um Erlaubnis gebeten, sich bei ihrem Projekt zu beteiligen, und zeigten offenen Widerwillen gegen die offiziellen Crews der Schwarzmeergruppe, die gew�hnlich metanationale Repr�sentanten der Erde waren.</p><p>Aber sie waren erpicht auf Arbeitskr�fte und freuten sich, von Deep Waters mehr Techniker und vielseitige Kr�fte zu bekommen und jedes Ger�t, das sie von deren Hauptquartier schnorren konnten. Praktisch jede Gruppe, die Maya in der Region Harmakhis-Reull traf, war auf Hilfe versessen; und die meisten waren junge Eingeborene, die zu denken schienen, da� sie die gleiche Chance mit der Ausr�stung h�tten wie jeder andere, selbst wenn sie nicht mit Deep Waters oder einer anderen Firma verb�ndet waren.</p><p>Und �berall s�dlich von Harmakhis-Reull in den zerkl�fteten H�geln aus Material von Meteoriteneinst�rzen hinter dem Rand des Beckens gab es W�nschelruteng�nger auf der Suche nach Wasserlagern. Wie in den �berdachten Canyons waren die meisten dieser Leute auf dem Mars geboren und viele erst nach 2061. Und sie waren v�llig anders. Ihre Interessen und Enthusiasmen lie�en sich absolut keiner anderen Generation vermitteln, als ob eine generische Drift oder disruptive Selektion eine bimodale Verteilung bewirkt h�tte, so da� Mitglieder des alten <emphasis>Homo sapiens</emphasis> jetzt den Planeten gemeinsam mit einem neuen <emphasis>Homo ares</emphasis> bewohnen w�rden, mit Kreaturen, die gro�, schlank, grazi�s und v�llig heimisch waren und die in tiefer Selbstversenkung miteinander plauderten, wenn sie die Arbeit verrichteten, die aus dem Hellas-Becken ein Meer machen w�rde.</p><p>Und dieses gigantische Projekt war f�r sie eine ganz nat�rliche Arbeit. Bei einem Halt auf der Piste stiegen Maya und Diana aus und fuhren mit einigen Freunden Dianas auf einen der Grate von Zea Dorsa, der sich zum s�d�stlichen Viertel des Beckengrundes hinzog. Jetzt waren die meisten dieser Dorsa oder Bergr�cken Halbinseln, die unter einer anderen Eisbucht endeten; und Maya schaute auf die Gletscherspalten zu beiden Seiten hinunter und versuchte, sich eine Zeit vorzustellen, da die Meeresoberfl�che tats�chlich Hunderte von Metern �ber ihr liegen w�rde, so da� diese zerkl�fteten alten Basaltrippen nur noch Ausschl�ge auf dem Sonar eines Schiffes sein w�rden, bewohnt von Seesternen, Garnelen, Krill und vielerlei Arten k�nstlich gez�chteter Bakterien. Diese Zeit war nicht mehr weit entfernt, so erstaunlich dieser Gedanke war. Aber Diana und ihre Freunde, besonders die von griechischer�� oder war es t�rkischer?�� Abstammung, diese jungen Ruteng�nger des Mars waren weder von dieser nahe bevorstehenden Zukunft noch der ungeheuren Gr��e ihres Projekts eingesch�chtert. Es war ihr Werk, ihr Leben. F�r sie hatte das menschliche Ausma�e und nichts Unnat�rliches an sich. Ganz einfach�� auf dem Mars bestand Menschenwerk aus pharaonischen Projekten wie diesem. Meere erschaffen. Br�cken bauen, neben denen die Golden Gate Bridge sich wie ein Spielzeug ausnahm. Sie beachteten nicht einmal diese H�gelkette, die nur noch f�r einige Zeit zu sehen sein w�rde. Sie sprachen �ber andere Dinge, �ber gemeinsame Freunde in Sukhumi und dergleichen.</p><p>�Das ist ein ungeheures Unterfangen!� sagte Maya ihnen energisch. �Das �bertrifft um Gr��enordnungen alles, was irgendein Volk bisher hat schaffen k�nnen! Dieses Meer wird die Ausma�e des Karibischen haben. Auf der Erde hatte es nie ein Projekt wie dieses gegeben. Auch nicht ann�hernd!�</p><p>Eine nette Frau mit sch�ner Haut lachte und sagte: �Ich gebe keinen Pfifferling f�r die Erde.�</p><empty-line/><p>Die neue Strecke bog um den s�dlichen Rand und �berquerte steile Grate und Schluchten, die Axius Valles hie�en. Diese Unebenheiten verliefen von den Randbergen bis in das Becken hinunter und zwangen die Strecke abwechselnd zu gro�en Br�ckenbauten oder tiefen Schneisen oder Tunnels. Der Zug, den sie nach Zea Dorsa bestiegen hatten, war ein kurzer privater, der dem B�ro in Odessa geh�rte, so da� Maya ihn an den meisten kleinen Bahnh�fen entlang dieser Strecke halten lassen und aussteigen konnte, um die Wassersucher und Bautrupps kennenzulernen und mit ihnen zu sprechen. An einer Station waren nur auf der Erde geborene Einwanderer, f�r Maya viel besser zu verstehen als die fr�hlichen Eingeborenen. Es waren Menschen von mittlerer Gr��e, die erstaunt und begeistert umherliefen oder entt�uscht und sich beklagend, aber auf jeden Fall sich der Ungeheuerlichkeit ihres Vorhabens bewu�t waren. Sie f�hrten Maya in einen Tunnel im Bergr�cken; und es stellte sich heraus, da� diese Bodenwelle ein Lavatunnel war, der von Amphitrites herunterf�hrte. Seine zylindrische H�hlung war ebenso gro� wie die von Dorsa Brevia, aber sehr stark geneigt. Die Ingenieure pumpten das Wasser aus dem Reservoir von Amphitrite hinein und benutzten sie als Pipeline zum Boden des Beckens. Als daher jetzt die grinsenden, auf der Erde geborenen Wasserbautechniker sie in eine in die Seite der Lavar�hre gehauene Aussichtsgalerie f�hrten und schwarzes Wasser den riesigen Tunnel hinabraste, wobei es selbst mit zweihundert Kubikmetern in der Sekunde kaum den Boden bedeckte und das Dr�hnen seines Gusses in dem leeren Basaltzylinder widerhallte, fragten die Emigranten: �Ist das nicht gro�artig?� Und Maya nickte, erfreut, mit Menschen zusammenzusein, deren Reaktionen sie verstehen konnte. �Gerade wie ein verdammt gro�er Gewitterabflu�, nicht wahr?�</p><p>Aber wieder im Zug nickten die jungen Eingeborenen zu Mayas Ausrufen�� Lavar�hre als Pipeline�� sehr gro�, ja gewiߠ� ersparte ihnen eine Rohrleitung f�r die weniger beg�nstigten Unternehmen, ja? Und dann diskutierten sie weiter �ber etwas auf dem Boden des Beckens, das Maya nicht sehen konnte.</p><empty-line/><p>Der Zug f�hrte sie weiter um den S�dwestbogen des Beckens, und die Strecke f�hrte nach Norden. Sie �berquerten vier oder f�nf gr��ere Pipelines, die sich aus hohen Canyons in den Hellespontus Montes zu ihrer Linken herausschl�ngelten. Diese Canyons lagen zwischen kahlen gezackten Felsgraten wie etwas aus Nevada oder Afghanistan. Ihre Gipfel waren wei� von Schnee. Aus den Fenstern zur Rechten auf dem Boden des Beckens breiteten sich noch mehr Flecken aus zerbrochenem Eis aus, oft gekennzeichnet durch die flachen wei�en Flecken neuer Erg�sse. Auf den H�geln neben der Piste war man dabei, kleine Kuppelst�dte zu bauen, die an die Toscana erinnerten. Maya sagte zu Diana: �Auf diesen niedrigen H�geln wird es sich gut leben lassen. Sie liegen zwischen dem Gebirge und dem Meer, und aus einigen dieser Canyonm�ndungen k�nnten kleine H�fen werden.�</p><p>Diana nickte. �Gut f�r die Schiffahrt.�</p><p>Nach der letzten Kurve ihrer Rundfahrt mu�te die Strecke den Niesten-Gletscher �berqueren, den gefrorenen Rest des m�chtigen Ausbruchs, der 2061 Low Point �berschwemmt hatte. Diese Passage war schwierig gewesen, da der Gletscher an seiner schmalsten Stelle f�nfunddrei�ig Kilometer breit war und noch niemand Zeit und Ger�t aufgebracht hatte, eine H�ngebr�cke dar�ber zu bauen. Statt dessen waren mehrere Pylonen durch das Eis gerammt und im Gestein darunter verankert worden. Diese Pfeiler hatten stromaufw�rts Eisbrecher; und an der anderen Seite war eine Art Pontonbr�cke befestigt, die �ber das flie�ende Eis des Gletschers glitt mittels glatter Unterlagen, die sich ausdehnten oder zusammenzogen, um Senkungen und Hebungen im Eis zu kompensieren.</p><p>Der Zug wurde langsamer, um �ber diesen Ponton zu fahren. Als sie dar�berfuhren, blickte Maya stromaufw�rts. Sie konnte erkennen, wo der Gletscher aus der L�cke zwischen zwei krallenartigen Berggipfeln kam, ganz nahe beim Niesten-Krater. Rebellen, die man nie identifizieren hatte k�nnen, hatten das Wasserreservoir von Nielsen mit einer thermonuklearen Explosion aufgebrochen und einen der f�nf oder sechs gr��ten Ausbr�che von �61 ausgel�st, fast so gro� wie derjenige, welcher die Marineris-Canyons heimgesucht hatte. Das Eis darunter war immer noch etwas radioaktiv. Aber es lag unter der Br�cke still und gefroren da. Die Nachwirkung jener schrecklichen Flut war nur ein erstaunlich zerbrochenes Feld von Eisbl�cken. Neben Maya sagte Diana etwas �ber Kletterer, die gern zum Spa� die Eisf�lle des Gletschers emporstiegen. Maya erschauerte vor Entsetzen. Die Menschen waren so verr�ckt. Sie dachte an Frank, der von der Marinerisflut hinweggerissen worden war, und fluchte laut.</p><p>�Das gef�llt dir nicht?� fragte Diana.</p><p>Sie fluchte wieder.</p><p>Eine isolierte Rohrleitung f�hrte auf der Mittellinie des Eises unter dem Ponton durch und nach unten auf Low Point zu. Sie waren immer noch dabei, den Boden des gebrochenen Reservoirs trockenzulegen. Maya hatte den Bau von Low Point beaufsichtigt. Sie hatte dort viele Jahre gelebt, mit einem Ingenieur, an dessen Namen sie sich jetzt nicht erinnern konnte. Und jetzt pumpten sie hoch, was am Boden des Niestenreservoirs �brig geblieben war, um es dem Wasser �ber jener versunkenen Stadt zuzuf�gen. Der gro�e Ausbruch von �61 war jetzt auf die Wassermenge einer kleinen Pipeline reduziert worden, kanalisiert und reguliert.</p><p>Maya f�hlte in sich den turbulenten Mahlstrom von Emotionen aufger�hrt durch alles, was sie auf ihrer Rundreise gesehen hatte, und durch alles, was geschehen war und noch geschehen w�rde�� Ah, die Fluten in ihr, die Sto�wellen in ihrem Gem�t! Wenn sie blo� ihren Geist ebenso einz�umen k�nnte wie die es mit diesem Wasserlager getan hatten�� es trockenlegen, kontrollieren, bes�nftigen! Aber die hydrostatischen Dr�cke waren so stark und die Ausbr�che, wenn sie kamen, so wild. Keine Pipeline konnte das verkraften.</p><empty-line/><p>�Die Dinge ver�ndern sich�, sagte sie zu Michel und Spencer. �Ich glaube, da� wir die Dinge nicht mehr verstehen.�</p><p>Sie richtete sich wieder in ihrem Leben in Odessa ein, froh, zur�ck zu sein, aber auch verwirrt und wi�begierig sah sie alles neu. An der Wand �ber ihrem Tisch im B�ro hatte sie eine Zeichnung Spencers von einem Alchemisten, der einen gro�en Band in eine turbulente See schleuderte. Unten hatte er geschrieben: �Ich werde mein Buch ertr�nken.�</p><p>Sie verlie� jeden Morgen fr�h ihr Apartment und ging die Corniche hinunter zum B�ro von Deep Waters nahe der trockenen Uferfront, neben einer anderen Firma von Praxis namens Separation de l�Atmosphere. Dort arbeitete sie tags�ber in der Leitung des Synthese-Teams. Sie koordinierte die Feldeinheiten und konzentrierte sich jetzt auf die kleinen mobilen Operationen, die sich um den Boden des Beckens bewegten und in letzter Minute Minerale sch�rften und das Eis wieder herrichteten. Gelegentlich arbeitete sie am Entwurf dieser kleinen unterwegs befindlichen Weiler und geno� die R�ckkehr zur Ergonomie, ihrer �ltesten Disziplin au�er der Kosmonautik. Eines Tages, als sie am Austausch von Raumabteilen arbeitete, blickte sie auf ihre Skizzen und f�hlte einen Ansturm von <emphasis>deja vu.</emphasis> Sie �berlegte, ob sie genau diese Arbeit schon fr�her einmal gemacht h�tte, irgendwann in der verlorenen Vergangenheit. Sie fragte sich auch, warum diese Fertigkeiten in der Erinnerung so festsa�en, w�hrend Wissen so verg�nglich war. Sie konnte sich um keinen Preis an die Ausbildung erinnern, die ihr diese ergonomische Erfahrung vermittelt hatte; aber dennoch besa� sie sie trotz den vielen Dekaden, die vergangen waren, seit sie diese zum letzten Mal angewandt hatte.</p><p>Aber ihr war eigenartig zumute. An manchen Tagen kam das Gef�hl des <emphasis>dej� vu</emphasis> so f�hlbar wie ein Stich wieder, so da� jedes einzelne Ereignis des Tages den Eindruck erweckte, es sei schon einmal geschehen. Das war eine Empfindung, die um so unangenehmer wurde, je l�nger sie anhielt, bis die Welt zu einem akuten schrecklichen Kerker wurde und sie nur noch eine Kreatur des Schicksals war�� ein Uhrwerk, unf�hig, etwas zu tun, das sie in einer vergessenen Vergangenheit schon einmal gemacht hatte. Einmal, als das fast eine Woche andauerte, war sie davon fast gel�hmt. Sie hatte den Sinn des Lebens noch nie so sehr in Frage gestellt. Michel war deswegen recht besorgt und versicherte ihr, da� es sich wahrscheinlich um die mentale Manifestation eines physischen Problems handelte. Das glaubte Maya irgendwie, half praktisch aber wenig, da nichts, was er verordnete, ihr dazu verhalf, dieses Gef�hl zu lindern. Sie konnte nur durchhalten und darauf hoffen, da� die Erregung vergehen w�rde.</p><p>Wenn es vorbei war, tat sie ihr Bestes, um diese Erfahrung zu vergessen. Wenn sie aber wieder kam, sagte sie zu Michel: �O mein Gott, ich f�hle es wieder.� Und er sagte dann: �Ist das nicht schon fr�her passiert?� Sie lachten beide, und sie gab sich gro�e M�he. Sie versenkte sich in die Details ihrer laufenden Arbeit, machte Pl�ne f�r die Teams der Wassersucher und gab ihnen ihre Anweisungen auf Grund der Meldungen von Areographen am Rande und der eingehenden Resultate anderer Suchtrupps. Das war eine interessante und sogar aufregende Arbeit, eine Art gigantischer Schatzsuche, die eine st�ndige Fortbildung in Areographie erforderte, in die geheimen Verhaltensweisen von Wasser unter der Oberfl�che des Mars. Diese intensive Besch�ftigung half schon ziemlich beim <emphasis>dej� vu;</emphasis> und nach einiger Zeit wurde es nur eine von vielen eigenartigen Regungen, die ihr der Geist bescherte. Schlimmer als die Aufheiterungen, aber besser als die Depressionen oder die gelegentlichen Momente, wenn sie, anstatt zu f�hlen, da� etwas schon vorher passiert war, durch die Empfindung getroffen wurde, da� etwas Derartiges noch nie geschehen w�re, auch wenn sie etwas so Triviales tat wie das Besteigen einer Stra�enbahn. Michel nannte das mit besorgter Miene <emphasis>jamais vu.</emphasis> Offenbar sehr gef�hrlich. Aber man konnte nichts dagegen tun. Manchmal war es nicht gerade hilfreich, mit jemandem zu leben, der in psychologischen Fragen ausgebildet war. Man k�nnte leicht nur noch zu einem interessanten Studienobjekt werden. Sie w�rde einige Pseudonyme brauchen, um sich zu beschreiben.</p><p>Auf jeden Fall, an den Tagen, da sie sich gl�cklich und wohl f�hlte, arbeitete sie v�llig hingegeben und h�rte irgendwann zwischen vier und sieben m�de und befriedigt auf. Sie ging heim in dem charakteristischen Licht des sp�ten Tages in Odessa. Die ganze Stadt lag im Schatten von Hellespontus, der Himmel war deshalb hell und bunt, und die Wolken waren leuchtend bestrahlt, wenn sie �ber das Eis nach Osten zogen und alles darunter im reflektierten Licht schimmerte, in jener unendlichen Farbskala zwischen Blau und Rot, jeden Tag und jede Stunde verschieden.</p><p>Maya schlenderte l�ssig unter den belaubten B�umen im Park und durch das verschlossene Tor in das Praxisgeb�ude, dann hinauf ins Apartment, um mit Michel zu Abend zu essen, der gew�hnlich einen langen Tag hinter sich hatte, an dem er heimwehkranke, neu von der Erde Angekommene oder Oldtimer mit mannigfachen Beschwerden wie Mayas <emphasis>dej� vu</emphasis> oder Spencers Bewu�tseinsspaltung behandelte: Erinnerungsverlust, Anomie, Phantomger�che und dergleichen�� seltsame gerontologische Probleme, die sich bei k�rzer lebenden Menschen selten eingestellt hatten und bedrohlich warnten, da� die Behandlungen das Gehirn nicht so voll erfa�ten, wie sie sollten.</p><p>Es kamen immer nur sehr wenige Nisei oder Yonsei, ihn zu konsultieren, was ihn �berraschte. �Ohne Zweifel ist das ein gutes Zeichen f�r die langfristigen Aussichten der Besiedlung des Mars�, sagte er eines Abends, als er von einem ruhigen Tag aus seinem B�ro im Erdgescho� heraufkam.</p><p>Maya zuckte die Achseln. �Sie k�nnten verr�ckt sein, ohne es zu wissen. Ich hatte einen so �hnlichen Eindruck, als ich um das Becken gereist bin.�</p><p>Michel sah sie pr�fend an. �Meinst du verr�ckt oder blo� anders?�</p><p>�Ich wei� nicht. Sie scheinen sich blo� nicht dessen bewu�t zu sein, was sie tun.�</p><p>�Jede Generation ist ihre eigene geheime Gesellschaft. Und diese Leute sind etwas, das man Are- Urgen, also Marswerker, nennen k�nnte. Es ist ihre Natur, den Planeten zu bearbeiten. Das mu�t du ihnen lassen.�</p><p>Gew�hnlich duftete das Apartment, wenn Maya heimkam, von Michels Versuchen mit K�che der Provence, und auf dem Tisch stand eine offene Flasche Rotwein. Den gr��ten Teil des Jahres speisten sie drau�en auf dem Balkon. Und wenn er in der Stadt war und Lust hatte, kam Spencer zu ihnen, ebenso wie h�ufig andere Besucher. Beim Essen sprachen sie �ber die t�gliche Arbeit und die Ereignisse rund um die Welt und auf der Erde.</p><p>So lebten sie nun die gew�hnlichen Tage eines gew�hnlichen Lebens, <emphasis>la vie quotidienne.</emphasis> Michel geno� es mit ihr mit seinem verschmitzten L�cheln, ein kahlk�pfiger Mann mit elegantem gallischen Gesicht, ironisch und gut gelaunt und immer objektiv. Das Licht des Abends konzentrierte sich auf den Streifen des Himmels �ber den schwarzen gezackten Gipfeln von Hellespontus. Strahlende rosa, silberne und violette T�ne wurden ged�mpft zu dunklem Indigo und tiefem Schwarz; und ihre Stimmen wurden oft leiser im letzten Teil der D�mmerung, den Michel <emphasis>entre chien et loup</emphasis> nannte. Dann nahmen sie ihre Teller, gingen wieder hinein und s�uberten die K�che�� alles gewohnheitsm��ig, alles bekannt, tief in jenem <emphasis>dej� vu,</emphasis> das man selbst bestimmt und das einen gl�cklich macht.</p><empty-line/><p>Und dann hatte Spencer an manchen Abenden f�r sie den Besuch eines Meetings vorgesehen, gew�hnlich bei einer Gemeinschaft in der oberen Stadt. Diese hatten lose Verbindung mit MarsErst; aber die Leute, die zu den Versammlungen kamen, sahen den MarsErsten kaum �hnlich, die Kasei beim Kongre� in Dorsa Brevia gef�hrt hatte. Sie waren mehr wie Nirgals Freunde in Dao, j�nger, weniger dogmatisch, mehr in sich gekehrt und gl�cklicher. Es beunruhigte Maya, sie zu sehen, obwohl sie es wollte; und sie verbrachte den Tag vor einer Versammlung im Zustand rastloser Erwartung. Dann pflegte sie im Praxisgeb�ude nach dem Dinner eine kleine Schar von Spencers Freunden aufzusuchen und auf ihrem Weg durch die Stadt zu begleiten. Sie nahmen Stra�enbahnen und gingen dann zu Fu�, gew�hnlich bis in die oberen Bereiche von Odessa, wo die Apartments mehr �berv�lkert waren.</p><p>Hier wurden ganze H�user allm�hlich zu alternativen Festungen, in denen die Bewohner ihre Miete bezahlten und einige Jobs unten in der Stadt hatten, sich aber sonst von der offiziellen �konomie absonderten. Sie trieben Ackerbau in Gew�chsh�usern und auf Terrassen und D�chern, besch�ftigten sich mit Programmierung, Konstruktion und Herstellung von kleinen Ger�ten und Werkzeug f�r den Ackerbau, um sie unter sich zu verkaufen, zu tauschen oder zu schenken. Ihre Zusammenk�nfte fanden in Wohnr�umen der Gemeinschaft statt oder drau�en in den kleinen Parks und G�rten der Oberstadt unter B�umen. Manchmal kamen Gruppen von Roten au�erhalb der Stadt zu ihnen.</p><p>Maya bat zun�chst Leute, sich vorzustellen, und erfuhr dann mehr. Die meisten von ihnen waren in ihren Zwanziger-, Drei�iger- oder Vierzigerjahren, geboren in Burroughs, Elysium oder Tharsis oder in Lagern auf Acidalia oder der Gro�en B�schung. Es gab auch immer einen kleinen Prozentsatz an alten Marsveteranen und einige neue Einwanderer, oft aus Ru�land, die Maya gefielen. Es gab Agronomen, �ko-Ingenieure, Bauarbeiter, Techniker, Technokraten, Stadtbeamte und Dienstleistungspersonal. In ihrer sich entwickelnden Wirtschaft wurden immer mehr derartige Arbeiten geleistet. Die Geb�ude in ihrer Gemeinschaft waren zun�chst Mietskasernen mit Einzimmerwohnungen und gemeinsamen Bader�umen. Sie gingen oder fuhren mit der Stra�enbahn zu ihren Jobs in der Innenstadt, vorbei an den festungsartigen Villen hinter der Corniche, die von den auf Besuch befindlichen leitenden Beamten der Metanationalen belegt wurden. (Jeder bei Praxis wohnte in derartigen Apartments, was beif�llig vermerkt wurde.) Sie hatten alle die Behandlung erhalten und hielten das f�r normal. Sie waren schockiert zu h�ren, wie diese auf der Erde als Instrument der Kontrolle gehandhabt wurde, f�gten das dann aber ihrer Liste von �beln auf der Erde hinzu. Sie waren hervorragend gesund und wu�ten nur sehr wenig �ber Krankheit oder �berf�llte Kliniken. Es war unter ihnen ein beliebter Brauch, in einem Schutzanzug ins Freie zu gehen und dann einen einzigen Atemzug der umgebenden Luft zu tun. Es hie�, da� man damit jedes erdenkliche Leiden abt�ten k�nne. Sie waren gro� und kr�ftig. Sie hatten in ihren Augen einen Blick, den Maya eines Abends erkannte. Es war der Ausdruck in den Augen des jungen Frank auf dem Foto, das sie in ihrem Archiv gesehen hatte�� dieser Idealismus, diese zornige Sch�rfe, dieses Wissen, da� die Dinge nicht in Ordnung waren, diese Zuversicht, sie regeln zu k�nnen. Die Jungen, so dachte sie, bildeten die nat�rliche W�hlerschaft der Revolution.</p><p>Und da waren sie nun in ihren kleinen Zimmern und kamen zusammen, um die vorliegenden Themen zu er�rtern. Sie sahen m�de aus, aber gl�cklich. Parties geh�rten wie alles andere zu ihrem sozialen Leben. Es war wichtig, das zu verstehen. Und Maya ging �fters mitten ins Zimmer, setzte sich, wenn m�glich, auf einen Tisch und sagte: �Ich bin Toitovna. Ich war hier von Anfang an.�</p><p>Sie pflegte dar�ber zu sprechen, wie es in Underhill gewesen war. Sie war bestrebt, sich zu erinnern, bis sie sich in ihrer Rolle als personifizierte Geschichte ereiferte im Versuch zu erkl�ren, warum die Dinge auf dem Mars so waren, wie sie waren. Sie sagte ihnen: �Schaut, es f�hrt kein Weg zur�ck.� Physiologische Ver�nderungen hatten ihnen die Erde f�r immer verschlossen, Einwanderern und Eingeborenen gleicherma�en, aber besonders den Eingeborenen. Sie waren jetzt auf jeden Fall Bewohner des Mars. Sie mu�ten ein unabh�ngiger Staat sein, vielleicht souver�n, mindestens halbautonom. Halbautonomie k�nnte gen�gen angesichts der Realit�ten der zwei Welten und w�rde es rechtfertigen, von einem freien Mars zu sprechen. Aber bei dem gegenw�rtigen Stand der Dinge waren sie nicht mehr als Eigentum und hatten keine reale Macht �ber ihr eigenes Leben. Entscheidungen wurden f�r sie in hundert Millionen Kilometern Entfernung getroffen. Ihr Heim war in Metallst�cke zerhackt und fortgeschafft worden. Das war eine Vergeudung, die niemandem diente au�er einer kleinen metanationalen Elite, die die zwei Welten wie feudale Lehen betrieb. Nein, sie mu�ten frei sein�� und keineswegs so, da� sie sich von der schrecklichen Situation der Erde abkoppelten, sondern um imstande zu sein, einen realen Einflu� auf das auszu�ben, was da drunten geschah. Andernfalls w�ren sie nur hilflose Zeugen der Katastrophe und w�rden nach den ersten Scharen von Opfern in den Mahlstrom hineingezogen. Das war unertr�glich. Sie mu�ten handeln.</p><p>Die kommunalen Gruppen waren f�r diese Botschaft sehr aufgeschlossen, wie auch die mehr traditionellen Gruppen der MarsErsten und die urbanen Bogdanovisten und sogar einige Rote. F�r sie alle unterstrich Maya bei jedem Meeting die Wichtigkeit, ihre Aktionen zu koordinieren. �Revolution ist kein Ort f�r Anarchie! Wenn wir Hellas jeder von sich aus zu f�llen versuchten, k�nnten wir leicht die Arbeit jedes anderen zunichte machen und vielleicht sogar die Minus-Eins-Kontur �berschreiten und alles zerst�ren, f�r das wir gearbeitet haben. Hiermit ist es ebenso. Wir m�ssen zusammenarbeiten. Das haben wir 2061 nicht getan, und darum war das ein solches Fiasko. Es war gegenseitige Interferenz statt Synergie, versteht ihr? Das war t�richt. Diesmal m�ssen wir zusammenarbeiten.�</p><p>�Erz�hl das den Roten!� pflegten die Bogdanovisten zu sagen. Und Maya durchbohrte sie dann mit einem Blick und sagte: �Jetzt spreche ich zu <emphasis>euch.</emphasis> Ihr m�gt nicht h�ren, wie ich zu <emphasis>denen</emphasis> spreche.� Dar�ber mu�ten sie lachen und beruhigten sich bei dem Gedanken, wie sie einen anderen tadelte. Da� man sie f�r die Schwarze Witwe hielt, die B�se, die sie verfluchen k�nnte, die Medea, die sie t�ten k�nnte, war ein unwichtiger Teil ihres Einflusses auf sie; sie lie� aber ab und zu die Messer erkennen. Sie stellte ihnen harte Fragen; und obwohl sie gew�hnlich hoffnungslos naiv waren, waren ihre Antworten wirklich eindrucksvoll, besonders wenn sie �ber den Mars selbst sprachen. Einige von ihnen sammelten enorme Mengen an Information. Inventar metanationaler R�stkammern, Flughafensysteme, Pl�ne von Kommunikationszentren, Listen und Standortprogramme f�r Satelliten und Raumfahrzeuge, Netzwerke und Datenbasen. Wenn man ihnen zuh�rte, schien bisweilen das ganze Unternehmen m�glich zu sein. Nat�rlich waren sie jung und in vielem unwissend, so da� es leicht war, sich ihnen �berlegen zu f�hlen. Aber sie verf�gten �ber animalische Vitalit�t, Gesundheit und Energie. Und schlie�lich waren sie doch Erwachsene, so da� Maya, wenn sie sie beobachtete, bei anderen Gelegenheiten verstand, da� die ger�hmte Erfahrung des Alters nur eine Sache von Wunden und Narben war und da� sich junge Geister zu alten Geistern ebenso wie junge K�rper zu alten K�rpern verhalten k�nnten: st�rker, vitaler, weniger durch Schaden verkr�mmt.</p><p>Also behielt sie das im Sinn, auch wenn sie ihnen so streng Lektionen erteilte wie seinerzeit den Kindern in Zygote. Und nach ihren Unterrichtsstunden war sie bem�ht, sich unter sie zu gesellen und blo� zu plaudern, gemeinsam etwas zu essen und ihren Geschichten zu lauschen. Nach einer solchen Stunde pflegte Spencer zu verk�nden, da� sie gehen m�sse. Damit sollte immer angedeutet werden, da� sie aus einer anderen Stadt zu Besuch w�re; obwohl sie, da sie manche ihrer Gesichter in den Stra�en von Odessa gesehen hatte, auch sie gesehen haben mu�ten und mindestens annahmen, da� sie viel Zeit in der Stadt zubringen w�rde. Aber sp�ter f�hrten Spencer und seine Freunde mit ihr eine raffinierte Routine durch, um sicher zu sein, da� man ihnen nicht folgte. Und der gr��te Teil der Gruppe verkr�melte sich in den mit Treppen versehenen Gassen der oberen Stadt, ehe sie das westliche Viertel und das Haus von Praxis erreichten. Dann schl�pften sie durch das Tor hinein, das sich mit einem lauten Ton schlo� und sie daran erinnerte, da� das sonnige Doppelapartment, welches sie mit Michel teilte, eine sichere Behausung war.</p><p>Eines Abends nach einem sehr lebhaften Treffen mit einer Gruppe junger Ingenieure und Areologen tippte sie auf ihrem Lektionar und fand das Foto des jungen Frank in jenem Artikel und druckte eine Kopie davon aus. Der Aufsatz hatte das Bild einer damaligen Zeitung entnommen, und es war schwarzwei� und recht k�rnig. Sie klebte das Foto neben den Schrank �ber der K�chensp�le und f�hlte sich alt und verwirrt.</p><p>Michel blickte von seinem Computer auf, schaute es an und nickte zustimmend. �Es ist erstaunlich, wieviel man aus den Gesichtern der Leute lesen kann.�</p><p>�Frank war nicht dieser Ansicht.�</p><p>�Er f�rchtete einfach diese F�higkeit.�</p><p>�Hmm�, sagte Maya. Sie konnte sich nicht entsinnen. Statt dessen erinnerte sie sich an die Gesichter der Leute bei der Versammlung dieses Abends. Es stimmte, sie hatten alles offenbart. Sie waren wie Masken gewesen, die genau die S�tze ausdr�ckten, die ihre Herren gesprochen hatten. Die Metanationalen waren au�er Kontrolle. Sie setzten die Dinge unter Druck. Sie waren selbsts�chtig. Metanationalismus ist eine neue Art von Nationalismus, aber ohne jedes Heimatgef�hl. Er ist eine Art von Geldpatriotismus, eine Art von Krankheit. Die Menschen leiden, nicht so sehr hier, wie vielmehr auf der Erde. Und wenn es sich nicht �ndert, wird das auch hier geschehen. Man wird uns anstecken.</p><p>Mit dem Blick auf dem Foto war das alles gesagt, jener wissende, zuversichtliche, redliche Glanz. Er konnte sich zu Zynismus wandeln, ohne Zweifel. Frank war der Beweis daf�r. Es war m�glich, diese Glut zu brechen oder zu verlieren. Und Zynismus konnte sehr ansteckend sein. Sie w�rden handeln m�ssen, ehe das geschah. Nicht zu fr�h, aber auch nicht zu � sp�t. Die Zeitplanung w�re am wichtigsten. Aberwenn sie es richtig abpa�ten��</p><empty-line/><p>Eines Tages traf im B�ro eine Nachricht von Hellespontus ein. Sie hatten ein neues Wasserreservoir entdeckt, sehr tief im Vergleich mit den anderen, sehr weit vom Becken entfernt und sehr gro�. Diana vermutete, da� fr�here Eiszeiten westlich der Gebirgskette von Hellespontus verlaufen sein und dort unter der Oberfl�che zur Ruhe gekommen sein k�nnten�� mehr als zw�lf Millionen Kubikmeter, mehr als jedes andere Wasserlager. Damit stieg die Menge des lokalisierten Wassers von achtzig auf hundertzwanzig Prozent der Menge, die n�tig war, um das Becken bis zur Linie von minus einem Kilometer zu f�llen.</p><p>Das war eine aufregende Nachricht, und die ganze Schar des Hauptquartiers versammelte sich in Mayas B�ro, um dar�ber zu diskutieren und es in den gro�en Karten einzutragen. Die Areographen trugen schon Routen der Pipelines �ber das Gebirge ein und debattierten �ber die relativen Vorteile verschiedener Arten von Rohrleitungen. Das Low-Point-Meer, im B�ro �der Teich� genannt, ern�hrte schon eine kr�ftige biotische Gemeinschaft, die auf der Nahrungskette des antarktischen Krills beruhte; und es gab am Boden eine sich ausdehnende Schmelzzone, die vom Mohole und dem zunehmenden Gewicht der vielen Tonnen Eis erw�rmt wurde, die von oben dr�ckten. Zunehmender Luftdruck und st�ndig steigende Temperaturen bedeuteten, da� auch an der Oberfl�che immer mehr geschmolzen wurde. Damit gab es mehr freie Oberfl�chen und Erw�rmung durch Licht und Sonnenschein, bis es zu Packeis und dann Tr�mmereis kam. An diesem Punkt w�rde frisch hineingepumptes Wasser, das korrekt gezielt war, um die Corioliskr�fte zu verst�rken, eine entgegen dem Uhrzeigersinn laufende Str�mung in Gang setzen.</p><p>Sie redeten immer weiter dar�ber und trieben das Spiel immer noch weiter voran, bis sie schlie�lich loszogen, um mit einem �ppigen Lunch zu feiern. Es war fast ein schockierender Anblick, wie die Corniche �ber der steinigen Ebene des leeren Beckenbodens stand. Aber heute w�rde man sich nicht durch die Gegenwart abschrecken lassen. Sie hatten beim Lunch eine Menge Wodka getrunken und gaben sich darum f�r den Rest des Nachmittags frei.</p><p>Als Maya dann wieder in ihr Apartment kam, war sie nicht recht in Form, mit dem Anblick von Kasei, Jackie, Antar, Art, Harmakhis, Rachel, Emily, Frantz und einigen Freunden von ihnen fertig zu werden, die sich alle in ihrem Wohnzimmer versammelt hatten. Sie waren auf der Durchreise bei einem Ausflug nach Sabishii, wo sie sich mit Freunden von Dorsa Brevia treffen wollten und dann nach Burroughs gehen, um dort einige Monate zu arbeiten. Sie gratulierten�� bis auf Art�� beil�ufig zur Entdeckung des neuen Wasserlagers, waren aber nicht wirklich interessiert. Dies und die j�he �berf�llung ihres Apartments machten Maya m�rrisch, und es half auch nicht, da� sie noch unter dem Einflu� des Wodkas stand oder da� Jackie so �bersch�umend war. Diese hatte ihre H�nde zugleich �ber Antar (den ungeschlagenen Ritter des vorislamischen Epos, wie er ihr einmal verk�ndet hatte) und dem verdrie�lichen Harmakhis, die sich beide unter ihrer Ber�hrung r�kelten, ohne da� es ihnen etwas auszumachen schien, ob sie sich mit dem anderen besch�ftigte oder mit Frantz spielte. Maya ignorierte das. Wer wu�te, welcher Perversion die Ektogenen f�hig waren, die wie ein Wurf Katzen aufgezogen worden waren. Und jetzt waren sie Landstreicher, Zigeuner, Radikale, Revolution�re oder was auch immer�� wie Nirgal. Nur hatte dieser einen Beruf und einen Plan, w�hrend dieser Haufen�� nun, sie zwang sich, mit ihrem Urteil zur�ckhaltend zu sein. Aber sie hatte ihre Zweifel.</p><p>Sie sprach mit Kasei, der gew�hnlich seri�ser war als die j�ngeren Ektogenen�� ein grauhaariger reifer Mann, der im Aussehen, aber nicht in der Diktion, John etwas �hnlich war. Sein steinerner Eckzahn war entbl��t wie ein Hauer, als er finster das Benehmen seiner Tochter ins Auge fa�te. Ungl�cklicherweise steckte er diese ganze Zeit voller Pl�ne, die Welt von dem Kasei-Vallis-Komplex zu befreien. Offenbar hatte er die R�ckverlegung von Korolyov in das Tal, welches seinen Namen trug, als eine Art pers�nlicher Kr�nkung empfunden; und der Schaden, den der Komplex durch ihren �berfall zur Rettung von Sax bewirkt hatte, hatte nicht gen�gt, ihn zu bes�nftigen. Er hatte ihm wohl nur Appetit auf mehr gemacht. Kasei war ein temperamentvoller, Unheil ausbr�tender Mann�� vielleicht war das von John gekommen��, obwohl er eigentlich nicht sehr wie John oder Hiroko war, was Maya liebenswert fand. Aber sein Plan, Kasei Vallis zu vernichten, war ein Fehler. Offenbar hatten er und Cojote ein Dechiffrierprogramm entwickelt, das alle Codes f�r Kasei Vallis geknackt hatte. Und nun plante er, die Wachen zu st�rmen, die Bewohner der Stadt in Rover mit einem festen Kurs nach Sheffield zu sperren und dann alle Geb�ude und Einrichtungen im Tal in die Luft zu jagen.</p><p>Das k�nnte klappen oder auch nicht, war aber in jedem Fall eine Kriegserkl�rung und ein sehr ernster Versto� gegen die schroffe Strategie, die man eingehalten hatte, seit Spencer es geschafft hatte, Sax daran zu hindern, weiter Objekte aus dem Himmel zu schie�en. Die Strategie bestand darin, einfach von der Oberfl�che des Mars zu verschwinden. Keine Repressalien, keine Sabotage, niemanden anzutreffen in irgendwelchen Zufluchtsst�tten, auf die sie zuf�llig stie�en� Selbst Ann schien diesem Plan wenigstens einige Beachtung zu schenken. Maya erinnerte Kasei daran, w�hrend er seinen Plan hoch lobte. Sie ermunterte ihn, bei gegebener Zeit darauf zur�ckzukommen.</p><p>Kasei jammerte: �Aber dann w�rden wir bestimmt nicht in der Lage sein, die Codes zu knacken. Es ist eine einmalige Gelegenheit. Und es ist nicht so, als ob sie nicht w��ten, da� wir hier drau�en sind nach dem, was Sax und Peter mit der Luftlinse und Deimos gemacht haben. Sie halten uns wahrscheinlich f�r noch gr��er, als wir sind.�</p><p>�Aber sie wissen es nicht. Und wir wollen diesen Eindruck von Geheimnis und dieser Unsichtbarkeit beibehalten. Unsichtbar ist unbesiegbar, wie Hiroko sagt. Bedenk aber, wie sehr sie die Pr�senz ihrer Sicherheitstruppen erh�ht haben, seit Sax losgeschlagen hat! Und wenn sie Kasei Vallis verl�ren, k�nnten sie eine riesige Streitmacht an dessen Stelle setzen. Und das macht es nur schwieriger, am Ende zu siegen.�</p><p>Kasei sch�ttelte hartn�ckig den Kopf. Jackie kam quer durch den Raum dazwischen und sagte fr�hlich: �Maya, mach dir keine Sorgen! Wir wissen, was wir tun.�</p><p>�Das ist etwas, worauf du stolz sein kannst. Die Frage ist: Was halten die anderen von uns davon? Oder bist du jetzt die Marsprinzessin?�</p><p>�Nadia ist die Marsprinzessin�, sagte Jackie und ging in den K�chenwinkel. Maya machte hinter ihr ein m�rrisches Gesicht und merkte, da� Art sie merkw�rdig ansah. Er zuckte nicht mit der Wimper, als sie ihn anstarrte; und sie ging in ihr Zimmer, um sich umzuziehen. Michel war dort, um aufzur�umen und Platz f�r Leute zu machen, die auf dem Fu�boden schlafen sollten. Es d�rfte eine ungem�tliche Nacht werden.</p><p>Als Maya am n�chsten Morgen fr�h aufstand, um ins Bad zu gehen, f�hlte sie sich verkatert. Art war schon auf. Er fl�sterte �ber die auf dem Boden schlafenden K�rper: �Willst du ausgehen und Fr�hst�ck besorgen?�</p><p>Maya nickte. Als sie angezogen war, gingen sie die Treppen hinunter, durch den Park und �ber die Corniche, die in den horizontalen Strahlen der Morgensonne fahl aussah. Sie machten bei einem Cafe halt, das gerade seinen Abschnitt des Fu�weges abgesp�lt hatte. Auf der von der D�mmerung gef�rbten wei�en Wand des Hauses war mit einem Stift sauber, klein und leuchtend rot etwas geschrieben.</p><empty-line/><cite><p>ES F�HRT KEIN WEG ZUR�CK.</p></cite><empty-line/><p>�Mein Gott!� rief Maya.</p><p>�Was ist?�</p><p>Sie zeigte auf das Graffito.</p><p>�O ja�, sagte Art. �Das siehst du heutzutage in ganz Sheffield und Burroughs angemalt. Pr�gnant, nicht wahr?�</p><p>�Ka Wow.�</p><p>Sie sa�en in der k�hlen Luft an einem kleinen runden Tisch, a�en Pasteten und tranken Kaffee. Das Eis am Horizont blitzte wie Diamanten und lie� einige Bewegung darunter erkennen. �Was f�r ein phantastischer Anblick!� sagte Art.</p><p>Maya schaute den st�mmigen Erdenmenschen genau an, erfreut �ber seine Reaktion. Er war ein Optimist wie Michel, aber besonnener und nat�rlicher. Bei Michel war es Politik, bei Art Temperament. Sie hatte ihn immer f�r einen Spion gehalten, seit dem ersten Moment, als sie ihn aus seiner allzu bequemen Panne drau�en auf ihrem Weg gerettet hatten. Ein Spion f�r William Fort, f�r Praxis, vielleicht f�r die �bergangsbeh�rde und vielleicht auch f�r andere. Aber jetzt war er so lange unter ihnen gewesen�� ein enger Freund von Nirgal, von Jackie und auch von Nadia��, und sie arbeiteten jetzt wirklich mit Praxis zusammen, hingen f�r Nachschub, Schutz und Nachrichten von der Erde davon ab. Sie war sich nicht mehr so sicher, nicht nur, ob Art ein Spion w�re, sondern was in diesem Falle ein Spion war.</p><p>Sie sagte: �Du mu�t sie veranlassen, diesen Angriff auf Kasei Vallis nicht durchzuf�hren.�</p><p>�Ich glaube nicht, da� sie auf meine Erlaubnis warten.�</p><p>�Du wei�t, was ich meine.�</p><p>�Na sch�n�, sagte Art. �Ich nehme an, sie sind besorgt, den Code nicht noch einmal knacken zu k�nnen. Aber Cojote scheint sehr zuversichtlich, da� er das Protokoll hat. Und Sax war es, der ihm dabei geholfen hat.�</p><p>�Sag das ihnen!�</p><p>�Sie h�ren mehr auf dich als auf mich.�</p><p>�Stimmt.�</p><p>�Wir k�nnten einen Wettbewerb machen, auf wen Jackie am wenigsten h�rt.�</p><p>Maya lachte laut auf. �Den w�rde jeder gewinnen.�</p><p>Art grinste. �Du solltest deine Ratschl�ge dem PC Pauline eingeben und ihn dazu bringen, Boones Stimme nachzuahmen.�</p><p>Maya lachte wieder. �Eine gute Idee.�</p><p>Sie sprachen �ber das Hellasprojekt, und sie erl�uterte die Bedeutung der neuen Entdeckung westlich von Hellespontus. Art hatte mit Fort Kontakt gehabt und schilderte die Feinheiten der letzten Entscheidung des Weltgerichtshofs, von denen Maya noch nicht geh�rt hatte. Praxis hatte einen Proze� gegen Consolidated angestrengt, weil die ihren Raumaufzug f�r die Erde in Columbien festmachen wollten, was der Stelle in Ecuador zu nahe war, die Praxis ins Auge gefa�t hatte, so da� beide Stellen gef�hrdet w�ren. Das Gericht hatte zugunsten von Praxis entschieden, war aber von Consolidated ignoriert worden, die weiter gemacht und eine Basis in ihrem neuen Klientellande eingerichtet hatten. Sie waren schon darauf vorbereitet, ihr Aufzugskabel dort herunterkommen zu lassen. Die anderen Metanationalen freuten sich, da� der Weltgerichtshof eine Schlappe erlitten hatte, und unterst�tzten Consolidated aufjede m�gliche Weise, was f�r Praxis �rger bedeutete.</p><p>�Aber diese Metanationalen st�nkern doch immerzu, nicht wahr?� sagte Maya.</p><p>�Das stimmt.�</p><p>�Man sollte einen gro�en Streit zwischen einigen von ihnen einf�deln.�</p><p>Art hob die Augenbrauen. �Ein gef�hrlicher Plan!� �F�r wen?�</p><p>�F�r die Erde.�</p><p>�Ich k�mmere mich den Teufel um die Erde�, sagte Maya und lie� jedes Wort auf der Zunge zergehen.</p><p>�Willkommen im Club!� sagte Art kleinlaut; und sie lachte wieder.</p><p>Zum Gl�ck reiste Jackies Schar bald nach Sabishii ab. Maya beschlo�, zum Ort des neu entdeckten Wasserlagers zu fahren. Sie nahm einen Zug entgegen dem Uhrzeigersinn um das Becken, �ber den Gletscher Niesten und dann nach S�den den gro�en Westhang hinab an der Bergstadt Montepulciano vorbei zu einem winzigen Bahnhof, der Yaonisplatz hie�. Von dort fuhr sie in einem kleinen Wagen auf einer Stra�e, die einem Gebirgstal durch die m�chtigen Schluchten von Hellespontus folgte.</p><p>Die Stra�e war nicht mehr als ein grober Einschnitt im Regolith, durch Fixativ gesichert, von Transpondern markiert und an schattigen Stellen durch Wehen aus hartem Sommerschnee behindert. Sie f�hrte durch eine merkw�rdige Gegend. Aus dem Weltraum wirkte Hellespontus visuell und areomorphologisch ziemlich gleichm��ig, da das ausgeworfene Material in konzentrischen Ringen heruntergefallen war. Aber an der Oberfl�che waren diese konzentrischen Ringe kaum wahrzunehmen. �briggeblieben waren unregelm��ig verteilte Haufen von Steinen, die chaotisch vom Himmel gefallen waren. Und die phantastischen Dr�cke, die der Aufprall gezeitigt hatte, hatten zu vielerlei bizarren Metamorphosen gef�hrt. Am h�ufigsten waren gewaltige Schuttkegel, konische Felsbl�cke, die durch den Aufprall in St�cke jeder Gr��e gebrochen waren, so da� manche L�cken hatten, in die man hineinfahren konnte, w�hrend andere einfach als Kegel auf dem Boden standen, mit mikroskopischen Fehlstellen, die wie bei altem Porzellan jeden Zentimeter ihrer Oberfl�che bedeckten.</p><p>Maya fuhr durch diese zerst�ckelte Landschaft und f�hlte sich etwas beunruhigt durch die h�ufigen <emphasis>kami-</emphasis> Steine. Da waren Schuttkegel, die auf der Spitze gelandet waren und darauf balancierten, bei anderen war weicheres Material darunter erodiert, bis sie zu riesigen Dolmen wurden; gigantische Reihen von Fangz�hnen, gro�e Lingam-S�ulen mit einer Kappe darauf wie zum Beispiel die als �Phallus des Gro�en Mannes � bekannte; wild aufgeschichtete Platten, deren ber�hmteste �Teller in der Sp�le� genannt wurde; gro�e W�nde aus hexagonalem S�ulenbasalt; andere W�nde, die so glatt und blank waren wie riesige St�cke von Jaspis.</p><p>Der �u�erste konzentrische Ring der Auswurfst�cke �hnelte am ehesten einer gew�hnlichen Bergkette und sah an diesem Nachmittag aus wie etwas aus dem Hindukusch, kahl und gewaltig unter rasch dahinziehenden Wolken. Die Stra�e kreuzte diese Kette in einem hohen Pa� zwischen zwei massigen Bergspitzen. In dem zugigen Pa� hielt Maya an und schaute zur�ck. Sie sah nichts als eine ganze Welt spitzer Berge�� Piks und Grate, alle ganz kahl mit Wolkenschatten und Schnee, und hier und da ein gelegentlicher Kraterring, der den Dingen ein echt unirdisches Aussehen verlieh.</p><p>Voraus senkte sich das Land zu dem von Kratern vernarbten Noachis Planum. Dort unten war ein Lager von Bergleuten mit Rovern, die wie eine Wagenburg kreisf�rmig angeordnet waren. Maya fuhr �ber die rauhe Stra�e z�gig bis zum Camp und erreichte es am sp�ten Nachmittag. Dort wurde sie von einer kleinen Schar alter Beduinenfreunde begr��t sowie von Nadia, die auf Besuch war, um sich �ber den Bohrturm f�r das k�rzlich entdeckte Wasserlager zu beratschlagen. Sie alle waren davon beeindruckt. �Es zieht sich �ber den Proctor-Krater hinaus und wahrscheinlich bis zu Kaiser�, sagte Nadia. �Und es sieht so aus, als reiche es weit nach S�den, so weit, da� es ebenso ausgedehnt w�re wie das Reservoir von Australis Tholus. Habt ihr daf�r je eine n�rdliche Grenze festgestellt?�</p><p>�Ich denke, ja�, sagte Maya und fing an, auf ihrem Handgelenk zu tippen, um das herauszufinden. Sie redeten w�hrend eines fr�hen Dinners die ganze Zeit �ber Wasser und machten nur gelegentlich eine Pause, um andere Neuigkeiten auszutauschen. Danach sa�en sie in Zeyks und Naziks Rover und erholten sich mit Sherbet, den Zeyk herumgehen lie�, und starrten in die Glut eines kleinen Kohlenfeuers, auf dem Zeyk vorher frischen Kebab gebraten hatte. Das Gespr�ch drehte sich zwangsl�ufig um die gegenw�rtige Lage; und Maya sagte wieder, was sie zu Art gesagt hatte, n�mlich da� sie Zwist zwischen den Metanationalen auf der Erde stiften sollten.</p><p>�Das bedeutet Weltkrieg�, sagte Nadia scharf. �Und wenn das Muster zutrifft, w�rde es der bisher schlimmste werden.� Sie sch�ttelte den Kopf. �Es mu� einen besseren Weg geben.�</p><p>�Wir brauchen uns nicht einzumischen, um das auszul�sen�, sagte Zeyk. �Sie sind schon jetzt auf der Spirale nach unten.�</p><p>�Meinst du?� fragte Nadia. �Nun, wenn es passiert�� werden wir eine Chance f�r einen Coup hier haben, vermute ich.�</p><p>Zeyk sch�ttelte den Kopf. �Dies ist ein Fluchtloch. Es wird Zwang erfordern, um die Machthaber dazu zu bringen, einen solchen Ort aufzugeben.�</p><p>�Es gibt verschiedene Arten von Zwang�, sagte Nadia. �Auf einem Planeten, wo die Oberfl�che noch t�dlich ist, sollten sich M�glichkeiten finden, bei denen man keine Menschen erschie�en mu�. Es m��te eine ganz neue Technik der Kriegsf�hrung geben. Ich habe mit Sax dar�ber gesprochen, und er stimmt zu.�</p><p>Maya knurrte, und Zeyk grinste. �Seine Methoden �hneln den alten, soweit ich sehe. Diese Luftlinse herunterzuholen�� das hat uns gefallen! Deimos aus der Bahn schie�en�� gut. Aber ich kann zu einem gewissen Grad erkennen, worauf er aus ist. Wenn die Marschflugk�rper herauskommen�� �</p><p>�Wir m�ssen uns vergewissern, da� es nicht soweit kommt.� Nadia machte das st�rrische Gesicht, das sie aufsetzte, wenn ihre Ideen konkretisiert wurden; und Maya schaute sie �berrascht an. Nadia eine revolution�re Strategin�� das h�tte sie nicht f�r m�glich gehalten. Nun, ohne Zweifel dachte sie daran, um ihre Bauprojekte zu sch�tzen. Oder an ein Bauvorhaben selbst, in einem anderen Medium.</p><p>�Du solltest kommen und zu den Gemeinden in Odessa sprechen�, riet ihr Maya. �Die sind im Grunde Anh�nger von Nirgal.�</p><p>Nadia stimmte zu und b�ckte sich, um mit einem kleinen Sch�rhaken eine Kohle wieder in die Mitte des Beckens zur�ckzuschieben. Sie sahen dem brennenden Feuer zu, ein seltener Anblick auf dem Mars; aber Zeyk liebte Feuer so sehr, da� er die M�he in Kauf nahm. Feine Schichten grauer Asche flatterten �ber das marsartige Orange hei�er Kohlen. Zeyk und Nazik sprachen leise und schilderten die arabische Lage auf dem Planeten, die komplex war wie gew�hnlich. Die Radikalen unter ihnen waren fast alle in Karawanen drau�en unterwegs, suchten nach Metallen und Wasser und areothermalen Stellen, sahen harmlos aus und taten nie etwas, das enth�llen k�nnte, da� sie nicht zur metanationalen Ordnung geh�rten. Aber sie waren drau�en, warteten und waren bereit zur Tat.</p><p>Nadia stand auf, um zu Bett zu gehen. Als sie fort war, sagte Maya z�gernd: �Erz�hlt mir von Chalmers!�</p><p>Zeyk sah sie ruhig und unger�hrt an. �Was willst du wissen?�</p><p>�Ich m�chte wissen, wer mit der Ermordung Boones zu tun hatte.�</p><p>Zeyk blinzelte unbehaglich und klagte: �Das war eine sehr komplizierte Nacht in Nicosia. Man redet unter Arabern endlos dar�ber. Es wird erm�dend.�</p><p>�Was sagen sie also?�</p><p>Zeyk schaute zu Nazik, und die sagte: �Das Problem ist, da� sie alle etwas anderes sagen. Niemand wei�, was wirklich geschah.�</p><p>�Aber ihr wart dort. Ihr habt etwas davon gesehen. Erz�hlt mir erst einmal, was ihr gesehen habt!�</p><p>Da sah Zeyk sie scharf an und nickte. �Sehr wohl.� Er holte Atem und fa�te sich. Feierlich, als ob er Zeugnis ablegte, sagte er: �Wir waren nach den Reden, die ihr gehalten habt, in Hajr el-kra Meshab versammelt. Die Leute waren gegen Boone erbost wegen eines Ger�chts, er habe den Plan zum Bau einer Moschee auf Phobos gestoppt; und seine Rede hatte nichts gen�tzt. Uns hat die neue Gesellschaft des Mars, �ber die er sprach, nie gefallen. Also murrten wir, als Frank vorbeikam. Ich mu� sagen, es war ein ermutigender Anblick, ihn in diesem Moment zu sehen. Uns schien, er w�re der einzige mit einer Chance, sich Boone zu widersetzen. So blickten wir auf ihn; und er ermutigte uns. Er mi�achtete Boone auf subtile Art und machte Witze, die unseren �rger gegen Boone verst�rkten, w�hrend Frank als einziges Bollwerk gegen ihn erschien. Ich war �ber Frank wirklich verstimmt, weil er die jungen Leute noch mehr aufhetzte. Selim el-Hayil und einige seiner Freunde vom Ahad-Fl�gel waren da, und sie waren aufgebracht�� nicht blo� gegen Boone, sondern auch gegen den Fetah-Fl�gel. Wei�t du, die Ahad und die Fetah waren �ber verschiedene Themen zerstritten�� Panaraber gegen Nationalisten, Beziehungen zum Westen, Verhalten gegen�ber Sufis� In jener j�ngeren Generation der Bruderschaft gab es eine fundamentale Spaltung.�</p><p>�Sunniten und Schiiten?� fragte Maya.</p><p>�Nein. Eher konservativ und liberal, wobei die Liberalen sich f�r s�kular hielten und die Konservativen f�r religi�s, sowohl Sunniten wie Schiiten. Und el Hayil war ein F�hrer der konservativen Ahad. Und er hatte der Karawane angeh�rt, mit der Frank in diesem Jahr gereist war. Sie hatten oft miteinander gesprochen, und Frank hatte ihm viele Fragen gestellt, sich in ihn direkt hineingedr�ngt, wie das seine Art war, bis er f�hlte, jemanden oder dessen Partei zu verstehen.�</p><p>Maya nickte und verstand diese Beschreibung.</p><p>�Also hatte Frank ihn gekannt. Und in dieser Nacht h�tte el-Hayil fast �ber einen Punkt gesprochen, entschied sich aber, es nicht zu tun, als Frank ihm einen Blick zuwarf. Ich habe das gesehen. Dann ging Frank fort, und el-Hayil fast unmittelbar danach.�</p><p>Zeyk machte eine Pause, um von seinem Kaffee zu trinken und nachzudenken.</p><p>�Das war in den n�chsten paar Stunden das Letzte, was ich von ihnen gesehen habe. Es fing an h��lich zu werden, kurz bevor Boone get�tet wurde. Jemand ritzte Slogans auf die Fenster der Medina, und die Ahads dachten, es w�ren Fetahs; und einige Ahads griffen eine Gruppe von Fetahs an. Danach k�mpften sie in der ganzen Stadt, auch gegen einige amerikanische Bautrupps. Es geschah einiges. Es fanden auch andere K�mpfe statt. Es war, als ob alle pl�tzlich verr�ckt geworden w�ren.�</p><p>Maya nickte. �Daran erinnere ich mich auch.�</p><p>�Nun gut, wir h�rten, da� Boone verschwunden w�re, und gingen zum syrischen Tor hinunter, um die Schleusencodes zu �berpr�fen, ob jemand dort hinausgegangen w�re. Wir fanden, da� jemand hinausgegangen und nicht zur�ckgekommen war. Darum waren wir auf den Weg nach drau�en, als wir die Nachricht �ber ihn h�rten. Wir konnten es nicht glauben. Wir gingen in die Medina. Dort waren alle versammelt, und alle sagten, da� es wahr sei. Ich ging in das Krankenhaus, nachdem ich mich etwa eine halbe Stunde durch die Menge bewegt hatte. Ich sah ihn. Du warst dort.�</p><p>�Ich erinnere mich nicht.�</p><p>�Nun, du warst da, aber Frank war schon gegangen. Also sah ich John und ging wieder hinaus und sagte den anderen, da� es wahr w�re. Sogar die Ahads waren schockiert, dessen bin ich sicher�� Nasir, Ageyl, Abdullah� �</p><p>�Ja�, sagte Nazik.</p><p>�Aber el-Hayil und Rashid Abou und Buland Besseisso waren dort nicht mit uns. Und wir waren wieder zur�ck in der Wohnung gegen�ber Hajr el-kra Meshab, als sehr laut an die T�r geklopft wurde. Als wir �ffneten, fiel el-Hayil in den Raum. Ihm war schon sehr �bel. Er schwitzte und versuchte sich zu �bergeben. Seine Haut war ganz ger�tet und fleckig. Seine Kehle war geschwollen, und er konnte kaum sprechen. Wir halfen ihm ins Bad und sahen, da� er an Erbrochenem erstickte. Wir riefen Yussuf herein und versuchten, Selim in unserem Wagen zur Klinik zu schaffen, als er uns stoppte. Er sagte: �Sie haben mich get�tete Wir fragten ihn, wie er das meinte, und er sagte: �Chalmers�.�</p><p>�Das hat er gesagt?� fragte Maya.</p><p>�Ich sagte: �Wer hat das getan?�, und er sagte: �Chalmers.��</p><p>Wie aus gro�er Entfernung h�rte Maya, wie Nazik sagte: �Aber da war noch mehr.�</p><p>Zeyk nickte. �Ich sagte: �Was meinst du damit?�, und er sagte: �Chalmers hat mich get�tet. Chalmers und Boone.� Nazik und ich jammerten, als wir das h�rten, und Selim packte mich am Arm.� Zeyk holte mit beiden H�nden aus und ergriff einen unsichtbaren Arm. <emphasis>��Er wollte uns vom Mars verjagen.�</emphasis> Das sagte er auf eine Weise, die ich nie vergessen werde. Er glaubte das sicher. Da� Boone vorhatte, uns irgendwie vom Mars zu verjagen!� Zeyk sch�ttelte den Kopf, immer noch ungl�ubig.</p><p>�Was geschah dann?�</p><p>�Er��� Zeyk breitete die H�nde aus. �Er hatte einen Anfall. Er fa�te sich an die Kehle, dann alle seine Muskeln�� Zeyk ballte die F�uste. �Er verkrampfte sich und h�rte auf zu atmen. Wir versuchten, ihn wieder zum Atmen zu bringen, aber vergeblich. Ich wu�te nicht�� Tracheotomie? K�nstliche Beatmung? Antihistamine?� Er zuckte die Achseln. �Er starb in meinen Armen.�</p><p>Es herrschte ein langes Schweigen, w�hrend Maya zusah, wie Zeyk sich erinnerte. Seit jener Nacht in Nicosia war fast ein halbes Jahrhundert vergangen, und Zeyk war damals schon alt gewesen.</p><p>�Ich bin �berrascht, wie gut du dich erinnerst�, sagte sie. �Meine eigene Erinnerung, selbst an N�chte wie diese� �</p><p>�Ich erinnere mich an alles�, sagte Zeyk d�ster.</p><p>�Er hat das entgegengesetzte Problem wie alle anderen�, sagte Nazik und sah ihren Gatten an. �Er erinnert sich an zu viel. Er schl�ft nicht gut.�</p><p>�Hmm.� Maya �berlegte. �Was war mit den anderen zwei?�</p><p>Zeyk zog den Mund zusammen. �Das kann ich nicht sicher sagen. Nazir und ich haben den Rest der Nacht damit verbracht, uns mit Selim zu besch�ftigen. Man diskutierte dar�ber, was mit seiner Leiche geschehen sollte. Ob man sie zur Karawane hinausschaffen und dann verheimlichen solle, was geschehen war, oder sofort die Beh�rden einschalten.�</p><p>Oder mit einem einzelnen toten M�rder zu den Beh�rden gehen, dachte Maya und beobachtete Zeyks beherrschte Miene. Vielleicht war auch dar�ber diskutiert worden. Er erz�hlte die Geschichte nicht in der gleichen Weise. �Ich wei� nicht, was wirklich mit ihnen geschah. Ich habe das nie herausgebracht. In jener Nacht waren viele von Ahad und Fetah in der Stadt, und Yussuf hatte geh�rt, was Selim gesagt hatte. Es h�tten also ihre Feinde, ihre Freunde oder sie selbst sein k�nnen. Sie starben sp�ter in jener Nacht in einem Zimmer in der Medina. Gerinnungsmittel.�</p><p>Zeyk zuckte die Achseln.</p><p>Wieder Schweigen. Zeyk seufzte und f�llte seine Tasse nach. Nazik und Maya lehnten ab.</p><p>�Aber seht ihr�, sagte Zeyk, �das ist blo� der Anfang. Das ist es, was wir gesehen haben und was wir dir zuverl�ssig mitteilen konnten. Danach� oje!� Er schnitt eine Grimasse. �Diskussionen, Spekulationen, Verschw�rungstheorien jeder Art. Das �bliche, nicht wahr? Es ist noch nie jemand einfach ermordet worden. Schon seit euren Kennedys kommt es immer darauf an, wie viele Geschichten man erfinden kann, um das gleiche Tatsachenmaterial zu erkl�ren. Das ist das gro�e Vergn�gen bei der Verschw�rungstheorie�� nicht Erkl�rung, sondern Story. Es ist wie bei Scheherazade.�</p><p>�Du glaubst an keine dieser Geschichten?� fragte Maya und f�hlte sich pl�tzlich hoffnungslos.</p><p>�Nein. Daf�r habe ich keinen Grund. Die Ahad und Fetah hatten einen Konflikt. Das wei� ich. Frank und Selim standen irgendwie in Verbindung. Wie das Nicosia beeinflu�te�� ob es das tat�� Er atmete tief aus. �Ich wei� es nicht und sehe auch nicht, wie jemand das wissen k�nnte. Die Vergangenheit� Allah verzeih mir, die Vergangenheit schien ein D�mon zu sein, um hier meine N�chte zu peinigen.�</p><p>�Es tut mir leid.� Maya stand auf. Der helle kleine Raum wirkte pl�tzlich beengt und �berladen. Sie erhaschte einen Blick auf die abendlichen Sterne in einem Fenster und sagte: �Ich werde drau�en etwas Spazierengehen.�</p><p>Zeyk und Nazik nickten, und Nazik half ihr beim Anlegen des Helms. �Bleib nicht zu lange!� sagte sie.</p><p>Der Himmel war dicht bedeckt mit den gew�hnlichen eindrucksvollen Sternbildern. Am Westhorizont lag ein malvenfarbenes Band. Hellespontus ragte im Osten auf. Sp�tes Alpengl�hen verlieh seinen Gipfeln ein tiefes Rosa, das an das Indigo dar�ber grenzte. Beide Farben waren so rein, da� die �bergangslinie zu vibirieren schien.</p><p>Maya ging langsam auf eine Erhebung in vielleicht einem Kilometer Entfernung zu. In den Ritzen unter ihren F��en war etwas im Wachsen. Flechten oder darauf sitzendes Moos, deren Gr�n ganz schwarz erschien. Wo es ging, trat sie auf Steine. Pflanzen hatten es auf dem Mars schwer genug, ohne da� man auch noch darauf trat. Alles Lebewesen. Die K�hle der D�mmerung drang in sie ein, bis sie beim Gehen das X der Heizfilamente in den Hosen an ihren Knien f�hlte. Sie stolperte und zwinkerte, um deutlicher zu sehen. Der Himmel war voller verschwommener Sterne. Irgendwo im Norden im Aureum Chaos lag der K�rper von Frank Chalmers in einem Durcheinander von Eis und Sedimenten mit seinem Schutzanzug als Sarg. Get�tet, w�hrend er die �brigen von ihnen davor rettete, hinweggesp�lt zu werden. Allerdings w�rde er einer solchen Darstellung energisch widersprochen haben. Er w�rde hartn�ckig erkl�ren, da� es nur ein durch falsche Zeiteinteilung verursachter Unfall gewesen w�re. Es war aber das Resultat davon, da� er mehr Energie hatte als jeder sonst, Energie, die durch seine Wut gen�hrt wurde�� auf sie, auf John, auf UNOMA und alle M�chte auf der Erde. Auf seine Frau. Auf seinen Vater. Auf seine Mutter und sich selbst. Auf alles. Der zornige Mann. Der zornigste Mann, der je gelebt hatte. Und ihr Liebhaber. Und der M�rder ihres anderen Liebhabers, der gro�en Liebe ihres Lebens, John Boone, der sie vielleicht alle h�tte retten k�nnen. Der f�r immer ihr Partner h�tte sein k�nnen.</p><p>Und sie hatte sie gegeneinander gehetzt.</p><p>Jetzt war der Himmel schwarz und voller Sterne. Nur noch ein tief purpurnes Band war am westlichen Horizont verblieben. Mayas Tr�nen waren mit ihren Gef�hlen dahin. Es war nichts mehr �brig als die schwarze Welt und ein schmaler Stich purpurner Bitterkeit, wie eine in die Nacht hinein blutende Wunde.</p><p>Manche Dinge mu� man vergessen. <emphasis>Shikata ga nai.</emphasis></p><p>Wieder in Odessa tat Maya das einzige, was sie mit dem tun konnte, das sie gelernt hatte, und verga� es. Sie st�rzte sich in die Arbeit am Hellasprojekt, verbrachte lange Stunden im B�ro �ber Berichten und bestimmte Teams f�r die verschiedenen Bohr- und Baustellen. Mit der Entdeckung des westlichen Wasserlagers hatten die W�nschelrutengruppen an Dringlichkeit eingeb��t; und es wurde mehr Nachdruck auf das Anzapfen und Auspumpen der schon gefundenen Reservoire gelegt und die Infrastruktur der Siedlungen am Rande. So folgten Bohrmannschaften auf die Wassersucher. Nach diesen kamen Leute f�r Pipelines; und auf der ganzen Strecke gab es Zeltgruppen, sowie auf dem Reull-Canyon oberhalb Harmakhis, die den Sufis bei einer schlimm zerfressenen Canyonwand halfen. Auf einem zwischen Dao und Harmakhis gebauten Raumhafen trafen neue Immigranten ein. Diese zogen in das obere Dao und halfen bei der Umgestaltung von Harmakhis- Reull und auch bei der Errichtung der anderen neuen Kuppelst�dte rings um den Rand. Das war eine massive logistische Aufgabe und entsprach in fast jeder Hinsicht Mayas altem Traum f�r die Entwicklung von Hellas. Aber jetzt, da es tats�chlich geschah, f�hlte sie sich �u�erst h��lich und einsam. Sie war sich nicht l�nger sicher, was sie f�r Hellas wollte oder f�r den Mars oder f�r sich selbst. Oft f�hlte sie sich der Gnade der Fl�gel ihrer Launen ausgeliefert, welche in den Monaten nach dem Besuch bei Zeyk und Nazik (obwohl sie diese Zuordnung vermied) besonders heftig waren, eine unregelm��ige Schwankung zwischen Hochstimmung und Verzweiflung, wobei die Zeit der Ausgeglichenheit durch das Wissen verdorben wurde, entweder auf dem Weg nach oben oder nach unten zu sein.</p><p>Sie war in diesen Monaten oft unfreundlich zu Michel, oft gereizt durch seine Gelassenheit, die Art, wie er mit sich in Frieden zu sein schien und durch sein Leben tr�delte, als ob seine Jahre mit Hiroko alle seine Fragen beantwortet h�tten. Um eine Reaktion zu erzielen, sagte sie zu ihm: �Du bist schuld. Wenn ich dich brauchte, warst du nie da. Du hast nicht deine Pflicht erf�llt.�</p><p>Michel pflegte das zu ignorieren und bes�nftigte sie so lange, bis sie w�tend wurde. Er war jetzt nicht ihr Therapeut, sondern ihr Liebhaber. Wenn man seinen Liebhaber nicht �rgerlich machen konnte, was f�r ein Liebhaber war er dann? Sie erkannte die schreckliche Verbindung, in der man steckte, wenn der Liebhaber auch der Therapeut war, so da� ein objektives Auge und eine bes�nftigende Stimme zu dem distanzierenden Verhalten eines professionellen Benehmens wurden. Ein Mann, der seinen Job tat�� es war unertr�glich, von einem solchen Auge beurteilt zu werden, als ob er allein �ber allem st�nde und selbst keinerlei Probleme und Emotionen h�tte, die er nicht beherrschen k�nnte. So etwas war zu mi�billigen. Und so (im Versuch zu vergessen): �Ich habe sie beide get�tet! Ich habe sie eingefangen und gegeneinander ausgespielt, um meine eigene Macht zu st�rken. Ich habe es vors�tzlich getan, und du warst <emphasis>�berhaupt keine Hilfe!</emphasis> Es war alles auch dein Fehler!�</p><p>Er murmelte etwas und begann besorgt zu werden, als er sah, was kommen w�rde, wie einer der h�ufigen St�rme, die �ber Hellespontus in das Becken bliesen. Und sie lachte und schlug ihn heftig ins Gesicht. Sie gab ihm einen Sto�, als er zur�ckwich. Sie br�llte: �Komm her, du Feigling, rapple dich auf!�, bis er auf den Balkon hinauslief und die T�r mit dem Absatz geschlossen hielt. Dabei starrte er auf die B�ume im Park und schimpfte laut auf franz�sisch, w�hrend sie gegen die T�r h�mmerte. Einmal zerbrach sie sogar eine Scheibe, da� ihm das Glas �ber den R�cken rieselte. Da ri� er die T�r auf und dr�ngte sich, immer noch auf franz�sisch fluchend, an ihr vorbei und durch die Zimmert�r ins Freie.</p><p>Aber gew�hnlich wartete er blo�, bis sie zusammenbrach und anfing zu weinen. Dann kam er zur�ck und redete englisch, was die R�ckkehr seiner Gelassenheit anzeigte. Und mit nur leicht entt�uschter Miene nahm er die unertr�gliche Therapie wieder auf. Er sagte dann etwa: �Schau, wir standen damals alle unter einem gro�en Druck, ob wir es merkten oder nicht. Es war eine h�chst k�nstliche Situation und auch gef�hrlich. Wenn wir in irgendeiner Anzahl verschiedener Wege versagt h�tten, h�tten wir alle sterben k�nnen. Wir mu�ten Erfolg haben. Einige von uns kamen mit Druck besser zurecht als andere. Ich war da nicht so gut und du auch nicht. Aber jetzt sind wir hier. Und die Dr�cke gibt es immer noch, manche anders, manche dieselben. Aber wir kommen besser mit ihnen zurecht, wenn du mich fragst. Die <emphasis>meiste</emphasis> Zeit.�</p><p>Und dann ging er weg zu einem Cafe an der Corniche und hockte eine oder zwei Stunden �ber einem Cassis und entwarf Gesichter auf seinem Lektionar, bissige Karikaturen, die er l�schte, sobald sie fertig waren. Sie wu�te das; denn an manchen Abenden ging sie nach drau�en und fand ihn. Sie sa� schweigend bei ihrem Glas Wodka neben ihm und entschuldigte sich durch die Haltung ihrer Schultern. Wie konnte sie ihm sagen, da� es ihr half, ab und zu zu streiten, da� es sie wieder auf den nach oben f�hrenden Ast der Kurve brachte�� wie konnte sie ihm das sagen, ohne dieses zynische L�cheln bei ihm auszul�sen, das Melancholie und Bedr�ckung verriet? Au�erdem wu�te er Bescheid. Er wu�te und verzieh. Er sagte dann: �Du hast sie beide geliebt, aber auf verschiedene Weise. Und es gab bei ihnen auch Dinge, die dir nicht gefielen. Au�erdem, was immer du gemacht hast, du konntest nicht die Verantwortung f�r ihre Taten �bernehmen. Sie haben erw�hlt, was sie taten, und du warst nur ein Faktor.�</p><p>Es half ihr, das zu h�ren. Und es half ihr zu k�mpfen. Es w�rde alles in Ordnung sein. Sie w�rde sich besser f�hlen, wenigstens ein paar Wochen oder ein paar Tage lang. Die Vergangenheit war ohnehin so mit L�chern gespickt, eine struppige Sammlung von Bildern. Schlie�lich w�rde sie wirklich vergessen. Obwohl die am festesten haftenden Erinnerungen durch einen Leim aus Schmerz und Gewissensbissen gebunden zu sein schienen. Darum d�rfte es einige Zeit dauern, sie zu vergessen, auch wenn sie so nagend, schmerzlich und nutzlos waren. Nutzlos! Besser sich auf die Gegenwart zu konzentrieren.</p><p>W�hrend sie eines Nachmittags, allein in ihrem Apartment, diese �berlegungen anstellte, starrte sie lange auf des Bild des jungen Frank an der Sp�le. Sie �berlegte, es herunterzunehmen und wegzuwerfen. Ein M�rder. Sich auf die Gegenwart konzentrieren. Aber auch sie war eine M�rderin. Und auch der, welcher ihn zum Mord getrieben hatte. Wenn man immer alles auf alles zur�ckf�hrte. Auf jeden Fall war er dabei irgendwie ihr Gef�hrte gewesen. Als sie lange dar�ber nachgedacht hatte, entschied sie sich, das Foto h�ngen zu lassen.</p><p>Aber im Lauf der Monate und des langen Rhythmus der Tage mit dem Zeitrutsch und der sechs Monate w�hrenden Jahreszeiten wurde das Bild nicht mehr als ein Teil der Ausstattung, wie das Gestell mit Zangen und h�lzernen Schaufeln oder die aufgeh�ngte Reihe von T�pfen und Pfannen mit kupfernen B�den oder die kleinen Salz-und-Pfeffer-Beh�lter in Schiffsform. Das war alles ein Teil der B�hne, die f�r diesen Akt des Spiels eingerichtet war, wie sie manchmal dachte. So dauerhaft das auch schien, es w�rde v�llig verschwinden, wie alle vorgegangenen Einrichtungen verschwunden waren, w�hrend sie zur n�chsten Inkarnation fortschritt. Oder auch nicht.</p><p>So vergingen die Wochen und dann die Monate, vierundzwanzig im Jahr. Der Monatserste fiel hintereinander so viele Monate lang auf einen Montag; da� das f�r immer festgelegt zu sein schien. Und dann war ein Drittel eines Marsjahres vergangen, und endlich erschien eine neue Jahreszeit; es verging ein Monat von siebenundzwanzig Tagen, und pl�tzlich fiel der Erste auf einen Sonntag, und nach einer Weile w�rde das auch als ewige Norm erscheinen, einen Monat nach dem anderen. Und so ging es immer und immer weiter. Die langen Jahre des Mars drehten sich langsam im Kreise.</p><p>Drau�en rings um Hellas schien man die meisten wichtigen Wasserlager entdeckt zu haben, und die Bem�hungen verschoben sich v�llig auf bergm�nnische Arbeiten und Rohrbau. Die Schweizer hatten k�rzlich etwas erfunden, das sie eine gehende Pipeline nannten, eigens f�r die Arbeit in Hellas gemacht und oben auf Vastitas Borealis installiert. Diese verr�ckten Apparate rollten durch die Gegend und verteilten das Grundwasser gleichm��ig �ber das Land, so da� man den Boden des Beckens erfassen konnte, ohne direkt am Ende fester Pipelines Berge von Eis zu erzeugen, wie man es zuvor zu tun pflegte.</p><p>Maya zog mit Diana los, um eines dieser Rohre in T�tigkeit zu sehen. Aus einem dar�ber schwebenden Luftschiff sah es fast aus wie ein auf dem Boden liegender Gartenschlauch, der sich unter dem hohen Druck des herauschie�enden Wassers hin und her schl�ngelte.</p><p>Unten auf dem Boden war es noch eindrucksvoller und sogar bizarr. Die Pipeline war riesig gro� und rollte majest�tisch �ber Schichten aus glattem Eis, das schon abgelagert war. Auf flachen Pylonen, die in m�chtigen Ponton-Skis endeten, wurde das Rohr einige Meter �ber dem Eis gehalten und bewegte sich mit mehreren Kilometern in der Stunde, gesto�en durch den aus seiner D�se schie�enden Wasserstrahl, die in verschiedene, durch Computer bestimmte Richtungen zeigte. Wenn die Pipeline bis zum Ende ihres Bogens geglitten war, drehten Motoren die D�se; und die Pipeline wurde langsamer, hielt an und kehrte die Richtung um.</p><p>Das Wasser scho� in einem dicken wei�en Strahl aus der D�se, der einen Boden bildete und in einem Spr�hregen aus rotem Staub und wei�en Reifschwaden auf die Oberfl�che schlug. Dann flo� das Wasser �ber den Grund in gro�en schlammigen schleifenf�rmigen G�ssen, wurde langsam, setzte sich flach ab, wurde wei� und wandelte sich langsam zu Eis. Das war allerdings kein reines Eis; sondern N�hrstoffe und verschiedene St�mme von Eisbakterien waren dem Wasser aus gro�en Bioreservoiren hinzugef�gt worden, die hinten an der K�stenlinie lagen. Darum hatte das neue Eis eine milchig rosige F�rbung und schmolz schneller als reines Eis. Ausgedehnte Schmelzteiche, praktisch seichte Seen von vielen Quadratkilometern Fl�che, waren in diesem Sommer ein t�gliches Ereignis und auch an sonnigen Tagen im Fr�hling und Herbst. Die Hydrologen meldeten auch gro�e Schmelzteiche unter der Oberfl�che. Und als die Temperaturen weltweit zu steigen begannen und die Eisablagerungen im Becken dicker wurden, schmolzen die Bodenschichten anscheinend unter dem Druck. So glitten gro�e Eisschollen �ber diese Schmelzzonen auch die sanftesten H�nge hinunter und sammelten sich in gro�en Haufen �ber allen besonders tief gelegenen Punkten des Beckenbodens in Gebieten, die phantastische �dl�nder aus Druckgraten, Eiszacken und Schmelzt�mpeln waren, die jede Nacht einfroren, und Eisbl�cken wie umgest�rzte Wolkenkratzer. Diese gro�en instabilen Eishaufen verschoben sich und zerbrachen, wenn sie in der W�rme des Tages schmolzen, mit donnernden Explosionsschl�gen, die man in Odessa und jeder anderen am Rang gelegenen Stadt h�rte. Dann froren die Haufen in jeder Nacht mit dr�hnendem Krachen wieder ein, bis an vielen Stellen auf dem Boden des Beckens ein unvorstellbares Tr�mmerchaos herrschte.</p><empty-line/><p>�ber solche Fl�chen zu fahren war unm�glich, und der einzige Weg, die Vorg�nge auf dem gr��ten Teil des Beckens zu beobachten, war aus der Luft. In einer Woche im Herbst M-48 beschlo� Maya, mit Diana, Rachel und einigen anderen einen Ausflug zu der kleinen Siedlung auf der Anh�he im Zentrum des Beckens zu unternehmen. Man nannte sie schon Insel Minus Eins, obwohl sie noch nicht ganz eine Insel war, da die Zea Dorsa noch nicht �berflutet waren. Aber es war nur eine Sache von Tagen, bis das letzte St�ck davon bedeckt sein w�rde. Und Diana dachte, wie auch einige andere Hydrologen im B�ro, es w�re eine gute Idee, hinauszugehen und das historische Ereignis zu beobachten.</p><p>Kurz vor dem geplanten Abreisetermin erschien Sax selbst in ihrem Apartment. Er war unterwegs von Sabishii nach Vishniac und war vorbeigekommen, um Michel zu besuchen. Maya freute sich, da� sie bald fort sein und deshalb w�hrend seiner Anwesenheit, die sicher kurz sein w�rde, nicht anwesend sein m��te. Es war ihr immer noch unangenehm, in seiner N�he zu sein; und es war klar, da� das auf Gegenseitigkeit beruhte. Er vermied weiter, ihrem Blick zu begegnen, und redete mit Michel und Spencer. Niemals ein Wort f�r sie! Nat�rlich hatten er und Michel Hunderte von Stunden w�hrend Saxens Rehabilitierung verbracht; aber es erboste sie trotzdem.</p><p>Als er von ihrer bevorstehenden Reise zu Minus Eins h�rte und fragte, ob er mitkommen d�rfe, war sie darum sehr unangenehm �berrascht. Aber Michel warf ihr blitzartig einen beschw�renden Blick zu; und Spencer fragte, ob auch er mitkommen k�nne, ohne Zweifel, um zu verhindern, da� sie Sax aus dem Luftschiff sto�en w�rde. Und so stimmte sie m�rrisch zu.</p><p>Als sie dann einige Morgen sp�ter starteten, hatten sie �Stephen Lindholm� und �George Jackson� dabei, zwei alte M�nner, �ber die Maya sich nicht bem�hte, den anderen Auskunft zu geben, da sie sah, da� Diana, Rachel und Frantz alle wu�ten, wer sie waren. Die jungen Leute waren alle etwas ged�mpft, als sie in die lange Gondel des Luftschiffs kletterten, weshalb Maya die Lippen mi�mutig zusammenzog. Es w�rde nicht dieselbe Reise werden, wie sie ohne Sax geworden w�re.</p><empty-line/><p>Die Fahrt von Odessa zur Insel- Minus Eins dauerte etwa vierundzwanzig Stunden. Das Luftschiff war kleiner als die pfeilspitzenf�rmigen Behemothe der fr�hen Jahre. Dieses war ein zigarrenf�rmiges Vehikel, genannt <emphasis>Drei Diamanten;</emphasis> und die Gondel, welche den Kiel bildete, war lang und ger�umig. Obwohl die ultraleichten Propeller stark genug waren, um einige Geschwindigkeit zu entwickeln und recht starken Winden zu widerstehen, kam es Maya doch vor wie eine kaum kontrollierte Drift. Das Summen der Motoren war unter dem Brausen des Westwindes kaum vernehmbar. Sie trat an ein Fenster und schaute nach unten, den R�cken Sax zugekehrt.</p><p>Der Blick aus den Fenstern war vom Moment des ersten Aufstiegs an wunderbar; denn Odessa bot in seiner Kuppel am n�rdlichen Abhang ein h�bsches Bild mit seinen schr�gen Ziegeld�chern und belaubten B�umen. Und nachdem man sich einige Stunden nach S�dosten durch die Luft gepfl�gt hatte, bedeckte die Eis-Ebene des Beckens die ganze sichtbare Fl�che der Welt, als ob sie �ber einen arktischen Ozean oder eine Eiswelt fl�gen.</p><p>Sie fuhren in etwa tausend Metern H�he mit ungef�hr f�nfzig Kilometern in der Stunde dahin. W�hrend des Nachmittags am ersten Tag war die zerkl�ftete Eislandschaft unter ihnen schmutzigwei� und reichlich gefleckt von Schmelzt�mpeln von himmelpurpurner Farbe, die gelegentlich wie Silber aufblitzten, wenn sie die Sonne spiegelten. Einige Zeit konnten sie im Westen ein Muster spiralf�rmiger eisfreier Stellen sehen, wo lange schwarze Streifen offenen Wassers die Stelle des �berfluteten Moholes von Low Point anzeigten.</p><p>Bei Sonnenuntergang wurde das Eis zu einem Gewirr von Dunkelrot, Orange und Elfenbeinfarben mit Streifen aus langen schwarzen Schatten. Danach flogen sie durch die Nacht unter den Sternen �ber eine helle, rissige wei�e Landschaft. Maya schlief unbequem auf einer der langen B�nke unter den Fenstern und wachte vor der Morgend�mmerung auf, die ein neues Wunder an Farben darstellte. Das Purpur des Himmels erschien viel dunkler als das Rosa darunter, eine Umkehrung, die alles unwirklich erscheinen lie�.</p><p>Gegen Mitte des Morgens an diesem Tag kam wieder Land in Sicht. �ber den Horizont schwebte ein Oval ockerfarbener, aus dem Eis ragender Berge, etwa hundert Kilometer lang und f�nfzig breit. Diese Erhebung war das Gegenst�ck von Hellas zu dem zentralen Buckel, den man auf dem Boden mittelgro�er Krater fand, und hoch genug, um gut �ber dem geplanten Wasserspiegel zu bleiben. Damit erhielt das k�nftige Meer eine recht betr�chtliche zentrale Insel.</p><p>Die Siedlung Minus Eins auf der Nordwestspitze des Hochlandes war von hier aus nicht mehr als eine Ansammlung von Startbahnen, Luftschiffmasten und einer unordentlichen Gruppe kleiner Geb�ude, von denen einige unter einer kleinen Stationskuppel und die �brigen isoliert und ungesch�tzt dastanden, wie vom Himmel geworfene Betonkl�tze. Dort lebte niemand au�er einem kleinen technischen und wissenschaftlichen Stab, obwohl Areologen ab und zu auf Besuch einfielen.</p><p>Die <emphasis>Drei Diamanten</emphasis> kurvte herum, machte an einem der Masten fest und wurde zu Boden gezogen. Die Passagiere verlie�en die Gondel durch eine Landeb�hne und wurden vom Leiter der Station zu einem kurzen Rundgang durch den Flughafen und den Wohnkomplex gef�hrt.</p><p>Nach einem Dinner im Speisesaal des Habitats, das nicht der Rede wert war, zogen sie sich an und machten einen Spaziergang im Freien. Sie wanderten durch die verstreuten Nutzgeb�ude und bergab dahin, wo nach Aussage eines Einheimischen die endg�ltige K�ste verlaufen w�rde. Als sie dort waren, stellten sie fest, da� aus dieser H�he kein Bis zu sehen war. Bis zum nahen Horizont in einigen Kilometern Entfernung war alles eine sandige, mit Ger�ll �bers�te Ebene.</p><p>Maya schlenderte ziellos hinter Diana und Frantz her, der eine Romanze anzufangen schien. Neben ihnen ging ein anderes Paar, das auf der Station wohnte, beide noch j�nger als Diana, Arm in Arm und sehr z�rtlich. Sie waren beide gut �ber zwei Meter gro�, aber nicht geschmeidig und gertenschlank wie die meisten jungen Eingeborenen. Dieses Paar hatte mit Gewichten hantiert, bis sie trotz ihrer Gr��e so st�mmig waren wie Schwerathleten auf der Erde. Sie waren riesig und dennoch sehr leichtf��ig. Sie f�hrten eine Art Felsblockballett �ber die zerstreuten Steine dieser leeren K�ste auf. Maya sah ihnen zu und staunte wieder �ber die neue Spezies. Hinter ihr kamen Sax und Spencer, und sie sagte etwas dar�ber auf der alten Frequenz der Ersten Hundert. Aber nur Spencer sagte etwas �ber Ph�notyp und Genotyp. Sax ignorierte die Bemerkung und ging zur Ebene hinunter.</p><p>Spencer kam mit, und Maya folgte ihnen. Sie bewegte sich langsam �ber all den neuen Arten. Da gab es Grasb�schel auf dem Sand zwischen den Ger�llsteinen und auch niedrige Bl�tenpflanzen, Unkraut, Kakteen, B�sche und sogar einige kleine verkr�ppelte B�ume, an die Seite von Felsbl�cken geschmiegt. Sax ging behutsam umher, b�ckte sich, um Pflanzen zu betrachten, und stand mit unsicherem Blick auf, als ob ihm das Blut aus dem Kopf gestr�mt w�re, als er in die Hocke gegangen war. Oder vielleicht war das eine Miene der �berraschung, wie Maya sie noch nie bei Sax gesehen hatte. Es war wirklich �berraschend, hier drau�en ein so �ppiges Leben zu finden, wo niemand etwas angebaut hatte. Oder vielleicht hatten es die auf dem Flughafen stationierten Wissenschaftler getan. Und das Becken lag tief, war warm und feucht� Die jungen Marsleute weiter oben tanzten �ber alles hinweg und vermieden grazi�s die Pflanzen, ohne von ihnen irgendwie Notiz zu nehmen.</p><p>Sax blieb vor Spencer stehen und neigte seinen Helm nach hinten, um in Spencers Gesichtsscheibe zu blicken. �Diese Pflanzen werden alle ertrinken�, sagte er m�rrisch, fast als ob er eine Frage stellte.</p><p>�Das stimmt�, sagte Spencer.</p><p>Sax warf einen kurzen Blick auf Maya. Seine H�nde in den Handschuhen waren erregt zusammengepre�t. Was, wollte er sie auch des Mordes an Pflanzen beschuldigen?</p><p>�Aber die organische Substanz wird sp�ter Leben im Wasser erhalten, nicht wahr?� sagte Spencer.</p><p>Sax sah sich blo� um. Als sein Blick sie streifte, sah Maya, da� er wie bek�mmert zwinkerte. Dann machte er sich wieder auf den Weg durch den verschlungenen Teppich aus Pflanzen und Steinen.</p><p>Spencer begegnete Mayas Blick und hob die H�nde, als ob er sich daf�r entschuldigen wollte, da� Sax sie ignorierte. Maya machte kehrt und ging wieder hangaufw�rts zur�ck.</p><p>Schlie�lich ging die ganze Gruppe den Hang auf einem spiraligen Grat nach oben, �ber die Minus-Eins- Kontur zu einem Buckel gleich n�rdlich der Station, wo sie hoch genug waren, um einen Blick auf das Eis am Westhorizont zu bekommen. Der Flughafen lag unter ihnen und erinnerte Maya an Underhill oder die antarktischen Stationen�� ungeplant, ungegliedert, ohne jedes Gef�hl f�r das, was die Inselstadt sicher werden w�rde. W�hrend sie grazi�s �ber die Steine schritten, spekulierten die jungen Leute dar�ber, wie diese Stadt aussehen w�rde�� eine K�stenferienst�tte, dessen waren sie sich sicher, jeder Hektar bebaut oder mit G�rten, mit Bootsh�fen in jeder kleinen Einbuchtung l�ngs der K�ste, mit Palmen, Str�nden und Pavillons�� Maya schlo� die Augen � und versuchte sich vorzustellen, was die jungen Leute beschrieben. Dann �ffnete sie sie wieder und sah Fels, Sand und verk�mmerte kleine Pflanzen. Nichts davon war ihr in den Sinn gekommen. Was auch immer die Zukunft bringen mochte, es w�rde f�r sie eine �berraschung sein. Sie konnte sich kein Bild davon machen, es war eine Art von <emphasis>jamais vu,</emphasis> das die Gegenwart bedr�ngte. Eine pl�tzliche Vorahnung des Todes �berkam sie; und sie k�mpfte darum, sie abzusch�tteln. Niemand konnte sich die Zukunft vorstellen. Eine leere Stelle in ihrem Kopf bedeutete da nichts Das war normal. Nur die Anwesenheit von Sax st�rte sie und erinnerte sie an Dinge, an die zu denken sie sich nicht leisten konnte. Nein, es war ein Segen, da� die Zukunft leer war. Die Freiheit von <emphasis>deja vu.</emphasis> Ein au�erordentlicher Segen.</p><p>Sax tr�delte hinterher und schaute weg in das Becken unter ihnen.</p><empty-line/><p>Am n�chsten Tage stiegen sie wieder in die <emphasis>Drei Diamanten</emphasis> und fuhren nach S�dosten, bis der Kapit�n einen Anker genau westlich von Zea Dorsa auswarf. Es war ziemlich lange her, seit Maya mit Diana und deren Freunden nach dort hinausgefahren war; und jetzt waren die Bergketten nur noch kahle steinerne Halbinseln, die sich in das zerbrochene Eis auf Minus Eins erstreckten und nacheinander unter das Eis tauchten mit Ausnahme der gr��ten, die noch eine ungebrochene Leiste darstellte, welche zwei rauhe Eismassen teilte, von denen die westliche deutlich zweihundert Meter tiefer lag als die im Osten. Dies, sagte Diana, war die letzte Landverbindung zwischen Minus Eins und dem Rand des Beckens. Wenn dieser Isthmus �berflutet war, w�rde die Erhebung in der Mitte eine wirkliche Insel sein.</p><p>Die Eismasse auf der Ostseite des restlichen R�ckens befand sich der Kammlinie sehr nahe. Der Luftschiffskapit�n gab mehr Ankertau aus, und sie schwebten unter dem herrschenden Wind nach Osten, bis sie sich direkt �ber dem Kamm befanden, wo sie deutlich sehen konnten, da� nur noch einige Meter Gestein zu �berwinden waren. Und weiter im Osten war eine wandernde Pipeline, ein blauer Schlauch, der auf seinen Ski-Pylonen langsam vorw�rts und r�ckw�rts glitt, w�hrend seine D�se Wasser auf die Oberfl�che spr�hte. Unter dem Dr�hnen der Propeller konnten sie von unten her gelegentliches Donnern und St�hnen h�ren, einen ged�mpften Krach, einen lauten Knall wie von einem Kanonenschu�. Unter dem Eis gab es fl�ssiges Wasser, wie Diana erkl�rte; und das Gewicht neuen Wassers dar�ber lie� einige Eisbl�cke �ber leicht untergetauchte R�cken scharren. Der Kapit�n deutete nach S�den; und Maya sah, wie eine Reihe von Eisbergen in die Luft flog wie von Sprengstoff hochgejagt, die nach verschiedenen Richtungen flogen und wieder auf das Eis st�rzten, wo sie in tausend St�cke zerbrachen. Der Kapit�n sagte: �Wir sollten uns lieber ein bi�chen zur�ckziehen. Es w�re besser f�r meinen Ruf, wenn wir nicht von einem Eisberg abgeschossen w�rden.�</p><p>Die D�se der wandernden Pipeline zeigte ihnen den Weg. Und dann war mit einem leichten seismischen Krachen die letzte vollst�ndige Bergkette �berwunden. Ein Schwall dunklen Wassers scho� den Fels hinauf und ergo� sich dann �ber die Westseite des Kamms in einem einige hundert Meter breiten Wasserfall. Das Wasser fiel in einer langsamen l�ssigen Fl�che zweihundert Meter in die Tiefe. Im Vergleich mit der gro�en Eiswelt, die sich in jeder Richtung bis zum Horizont erstreckte, was das nur ein Rinnsal; aber es flo� stetig dahin. Das Wasser auf der �stlichen Masse war jetzt zu beiden Seiten von Eis kanalisiert, die Katarakte donnerten, und das Wasser auf der westlichen Seite f�cherte sich in hundert Str�men �ber das gebrochene Eis aus. Maya str�ubten sich vor-Angst die Haare im Nacken. Wahrscheinlich eine Erinnerung an die Marineris-Flut, meinte sie, konnte es aber nicht sicher sagen.</p><p>Langsam nahm das Volumen des Wasserfalls ab; und in weniger als einer Stunde war alles langsam geworden und dann gefroren, zumindest an der Oberfl�che. Obwohl es ein sonniger Herbsttag war, waren da unten achtzehn Grad unter Null, und eine Reihe zerfetzter Cumulunimbuswolken n�herte sich von Westen und zeigte eine Kaltfront an. So kam der Wasserfall zum Stehen. Aber zur�ckgeblieben war ein frischer Eisfall, der die Bodenwelle mit tausend glatten wei�en Z�pfen bedeckte. Damit war die H�gelkette zu zwei Vorgebirgen geworden, die sich nicht ganz vereinigten wie alle anderen Ketten der Dorsa, die wie Gruppen zusammengeh�riger Rippen in das Eis eintauchten. Halbinseln, die zusammenpa�ten. Das Hellasmeer war jetzt geschlossen und Minus Eins wirklich eine Insel.</p><p>Danach machten die Bahnfahrten um Hellas herum und die verschiedenen Fernfl�ge auf Maya einen anderen Eindruck, als sie das verflochtene Netzwerk von Gletschern und Eisw�sten als das neue Meer selbst erkannte, das anstieg, auff�llte und herumplatschte. Und tats�chlich wuchs der fl�ssige See unter dem Oberfl�cheneis nahe Low Point im Fr�hling und Sommer viel schneller an, als er im Herbst und Winter schrumpfte. Und starke Winde wirbelten an den eisfreien Stellen Wellen auf, die im Sommer das Eis zwischen sich zerbrachen und Gebiete von losem Packeis schufen mit schwimmenden Schollen, die, wenn sie die steilen kleinen Schwellen hinabglitten, ein solches Get�se machten, da� Gespr�che in Luftschiffen dar�ber schwierig wurden.</p><p>Und im Jahr M-49 erreichten die Flie�mengen aus allen angezapften Wasserlagern ihre H�chstwerte. Zusammengenommen pumpten sie t�glich 2500 Kubikmeter in das Meer�� ein Betrag, der in ungef�hr sechs Marsjahren das Becken bis zur Linie von minus einem Kilometer anf�llen w�rde. Maya kam das gar nicht so lang vor, besonders da sie den Fortschritt direkt hier am Horizont von Odessa sehen konnten. In Winterzeiten w�rden die schwarzen St�rme, die �ber das Gebirge zogen, den ganzen Boden des Beckens mit einer Decke aus aufregend wei�em Schnee einh�llen. Im Fr�hling w�rde der Schnee schmelzen, aber der neue Rand des Eismeeres w�re n�her als im vorangegangenen Herbst.</p><p>In der n�rdlichen Hemisph�re war es ziemlich genau so, wie Nachrichten und Mayas gelegentliche Reisen nach Burroughs besagten. Die gro�en n�rdlichen D�nen von Vastitas Borealis wurden rasch �berschwemmt, da die wahrhaft enormen Reservoire unter Vastitas und der Polgegend auf die Oberfl�che gepumpt wurden von Bohrplattformen, die mit dem Eis h�her stiegen, wenn sich das Eis unter ihnen ansammelte. In den Nordsommern ergossen sich gro�e Fl�sse von der abschmelzenden Polkappe herunter, schnitten Kan�le durch die Sandschichten und liefen abw�rts, bis sie sich mit dem Eis vereinigten. Und einige Monate, nachdem Minus Eins zur Insel geworden war, zeigten die Nachrichten ein Video von einem nackten Landstrich in Vastitas, der unter einer dunklen Flut aus Westen, Osten und Norden verschwand. Das schuf offenbar die letzte Verbindung zwischen den Eislappen. Also gab es jetzt ein die Welt umschlie�endes Meer im Norden. Nat�rlich war es noch l�ckenhaft und bedeckte nur etwa die H�lfte des Landes zwischen den sechziger und siebziger Breiten; aber nach Ausweis von Satellitenfotos gab es schon gro�e Buchten aus Eis, die nach S�den in die tiefen Senken von Chryse und Isidis hineinreichten.</p><p>Die �berflutung des Restes von Vastitas w�rde noch ungef�hr zwanzig weitere Marsjahre erfordern, da die Menge des zum F�llen von-Vastitas Borealis erforderlichen Wassers viel gr��er war als die f�r Hellas ben�tigte. Aber die Pumparbeiten da oben waren auch gr��er, so da� die Dinge z�gig vorangingen. Und alle Sabotageakte der Roten konnten nur eine Kerbe in diesen Fortschritt schlagen. Tats�chlich beschleunigte sich der Fortschritt noch, trotz zunehmender St�rversuchen, denn einige der neuen Bergbauverfahren, die angewandt wurden, waren recht radikal und wirkungsvoll. Die Nachrichtenprogramme zeigten ein Video der j�ngsten Methode, die mit gro�en thermonuklearen Explosionen tief unter Vastitas arbeitete. Dadurch wurde der Permafrost auf gro�en Arealen geschmolzen und belieferte die Pumpen mit mehr Wasser. Auf der Oberfl�che �u�erten sich diese Sprengungen als pl�tzliche Eisbeben, welche das Eis an der Oberfl�che in einen blasigen Matsch verwandelten. Das fl�ssige Wasser gefror schnell an der Oberfl�che, pflegte aber darunter fl�ssig zu bleiben. �hnliche Explosionen unter der n�rdlichen Polkappe bewirkten Fluten, die fast so stark waren wie die gro�en Ausbr�che von 2061. Und all dieses Wasser str�mte in Vastitas hinunter.</p><p>Unten im B�ro von Odessa verfolgte man all dies mit professionellem Interesse. Eine k�rzliche Neuabsch�tzung der Menge von Wasser unter der Oberfl�che hatte die Ingenieure von Vastitas ermuntert, ein endg�ltiges Meeresniveau sehr nahe beim genormten Wert anzustreben, dem fr�her in den Zeiten der Marsforschung aus dem Himmel festgesetzten NormalNull. Diana und andere Hydrologen in Deep Waters dachten, da� Senkung des Landes in Vastitas als Folge des Abbaus von Wasserlagern und von Permafrost dazu f�hren w�rde, da� sie dort am Ende ein Meeresniveau etwas unter der Norm haben w�rden. Aber da oben schienen sie zuversichtlich, da� sie das bei der Rechnung ber�cksichtigt h�tten und die Marke erreichen w�rden.</p><p>Das Herumspielen mit verschiedenen Meeresniveaus auf einer Karte aus der KI des B�ros machte es klar, welche Gestalt der kommende Ozean haben w�rde. An vielen Stellen w�rde die Gro�e B�schung seine s�dliche K�stenlinie bilden. Das w�rde manchmal einen sanften Abhang bedeuten, im zerrissenen Gel�nde Archipele und an gewissen Stellen dramatische Meeresklippen. Angeschnittene Krater w�rden gute H�fen ergeben. Das Elysium-Massiv w�rde ein Inselkontinent werden und die Reste der n�rdlichen Polkappe ebenfalls. Das Land unter der Kappe war im Norden das einzige Gebiet gut oberhalb der Null-Kilometer-Kontur.</p><p>Ganz gleich, f�r welches Meeresniveau sie sich entschieden, ein gro�er s�dlicher Arm des Ozeans w�rde Isidis Planitia bedecken, das tiefer lag als der gr��te Teil von Vastitas. Und es wurden auch Reservoire in den Gebirgen um Isidis hineingepumpt. Es w�rde also eine gro�e Bucht die alte Ebene f�llen; und deswegen errichteten Bautrupps einen langen Deich in einem Bogen um Burroughs herum. Diese Stadt lag der Gro�en B�schung recht nahe; lag aber knapp unter der Normh�he. Darum w�rde sie genau so eine Hafenstadt werden wie Odessa�� eine Hafenstadt an einem die Welt umspannenden Ozean.</p><p>Der Deich, den sie um Burroughs bauten, war zweihundert Meter hoch und dreihundert Meter breit. Maya fand das Projekt, einen Deich zu errichten, um die Stadt zu sch�tzen, beunruhigend, obwohl nach den Luftbildern klar war, da� es sich um ein weiteres pharaonisches Monument handelte, hoch und massiv. Es verlief hufeisenf�rmig mit beiden Enden oben auf dem Hang der Gro�en B�schung und war so gro�, da� es Pl�ne gab, darauf Bauten zu errichten und einen modischen Lido daraus zu machen, mit kleinen Bootsh�fen an der Wasserseite. Aber Maya erinnerte sich, wie sie einstmals in Holland auf einem Deich gestanden hatte mit dem Land auf der einen Seite, das niedriger war als die Nordsee auf der anderen. Das war ein sehr verwirrender Eindruck gewesen, mehr von Ungleichgewicht als Schwerelosigkeit. Und auf mehr rationaler Ebene war es so, da� Nachrichtenprogramme von der Erde jetzt zeigten, wie alle Deiche dort st�ndig durch einen ganz langsamen Anstieg des Meeresspiegels bis an die Grenzen beansprucht wurden infolge der zwei Jahrhunderte fr�her bewirkten globalen Erw�rmung. Schon ein Anstieg um ein Meter gef�hrdete viele tiefliegende Gebiete der Erde; und der n�rdliche Ozean des Mars sollte im kommenden Jahrzehnt um einen vollen Kilometer steigen. Wer konnte sagen, da� sie imstande sein w�rden, das endg�ltige Niveau so fein hinzukriegen, da� ein Damm ausreichen w�rde? Mayas Arbeit in Odessa hatte sie gegen�ber einer solchen Kontrolle mi�trauisch gemacht, obwohl sie es in Hellas nat�rlich auch selbst probierten und glaubten, es geschafft zu haben. Allerdings hatten sie es besser, da die Lage von Odessa keinen gro�en Fehlerspielraum lie�. Die Hydrologen sprachen auch davon, den �Kanal�, den die Luftlinse vor ihrer Zerst�rung gebrannt hatte, als Ablauf in den n�rdlichen Ozean zu benutzen, falls ein solcher n�tig sein sollte. Fein f�r sie, aber der n�rdliche Ozean w�rde keinen solchen R�cklauf haben.</p><p>�Oh�, sagte Diana, �sie pumpen jeden �berschu� immer in das Argyre-Becken.�</p><empty-line/><p>Auf der Erde wurden Revolten, Brandstiftung und Sabotage t�gliche Waffen der Leute, die die Behandlung nicht bekommen hatten�� die Sterblichen, wie man sie nannte. Um alle gro�en St�dte entstanden ummauerte Siedlungen, Festungsvororte, wo jene, die die Behandlung bekommen hatten, ihr ganzes Leben verbringen konnten mit Benutzung von Fernverbindungen, Fernbedienungen, tragbaren Generatoren und sogar Gew�chshausnahrung, ja sogar Luftfiltriersystemen. Faktisch wie in den Kuppelst�dten auf dem Mars.</p><p>Eines Abends ging Maya, die von Michel und Spencer genug hatte, aus, um allein zu essen. Sie hatte oft das Bed�rfnis, allein zu sein. Sie ging zu einem Eckcafe am Fu�weg gegen�ber der Corniche und setzte sich an einen Tisch im Freien unter B�umen, die mit Lampions beh�ngt waren. Sie bestellte Antipasto und Spaghetti und a� zerstreut, wozu sie eine kleine Karaffe Chianti trank und dem Spiel einer kleinen Band lauschte. Der Leader spielte eine Art Akkordeon mit lauter Kn�pfen, ein sogenanntes Bandonion, und seine Kameraden spielten Violine, Gitarre, Piano und Ba�. Eine Schar runzliger alter M�nner, Burschen ihres Alters, tobten umher mit einer flotten Attacke durch melancholisch lustige Lieder�� Zigeunermelodien, Tangos, alte Schmachtfetzen, die sie gemeinsam zu improvisieren schienen�� Nach dem Essen blieb sie noch lange Zeit sitzen, h�rte ihnen zu, geno� ein letztes Glas Wein und dann einen Kaffee. Sie sah den anderen beim Essen zu und hatte �ber sich die Bl�tter und hinter der Corniche die ferne Eislandschaft. �ber Hellespontus w�lzten sich Wolken heran. Sie versuchte so wenig wie m�glich zu denken. Das funktionierte eine Weile, und sie machte einen wonnevollen Ausflug in ein �lteres Odessa, in ein Europa des Geistes, das so s�� und traurig war wie die Duette von Geige und Akkordeon. Aber dann fingen die Leute am Nebentisch an, dar�ber zu diskutieren, ein wie hoher Prozentsatz der Erdbev�lkerung die Behandlung erhalten h�tte�� die einen meinten zehn Prozent, andere vierzig��, ein Zeichen des Informationskrieges oder einfach des Ma�es an Chaos, das dort herrschte. Als sie sich von ihnen abwandte, bemerkte sie eine Schlagzeile auf dem Nachrichtenschirm �ber der Bar und las die S�tze, die von rechts nach links abrollten. Der Weltgerichtshof hatte seine T�tigkeit unterbrochen, um von Den Haag nach Bern umzuziehen; und Consolidated hatte die Gelegenheit dieser Unterbrechung genutzt, um gewaltsam die Besitzt�mer von Praxis in Kaschmir an sich zu bringen, was praktisch den Beginn eines Staatsstreichs oder Kleinkriegs gegen die kaschmirische Regierung von der Basis von Consolidated in Pakistan aus bedeutete. Indien w�rde nat�rlich mit hineingezogen werden. Und Indien hatte in letzter Zeit auch mit Praxis gute Gesch�ftsbeziehungen gepflegt. Indien contra Pakistan, Praxis contra Consolidated�� der gr��te Teil der Weltbev�lkerung nicht behandelt und verzweifelt�</p><p>Als Maya an diesem Abend nach Hause kam, sagte Michel, da� dieser �berfall f�r den Weltgerichtshof eine Hebung seines Ansehens bedeute, insofern Consolidated seine Aktion zeitlich auf den Umzug des Gerichts abgestimmt h�tte. Aber angesichts der Verw�stung in Kaschmir und der Umkehrentwicklung f�r Praxis war Maya nicht in der Stimmung, ihm zuzuh�ren. Michel war so stur optimistisch, da� es ihr manchmal unklug erschien oder zumindest erschwerte, ihm nahe zu sein. Eines mu�te man zugeben: Sie lebten in einer sich verd�sternden Situation. Der Zyklus von Wahnsinn kam auf der Erde wieder in Gang in seiner unerbittlichen Sinuswelle, einer Welle, die noch schlimmer war als die Mayas. Bald w�rden sie wieder in einem jener unkontrollierten Paroxysmen stecken und darum ringen, der Vernichtung zu entgehen. Das konnte sie f�hlen. Sie erlebten einen R�ckfall.</p><p>Maya machte sich zur Gewohnheit, regelm��ig in dem Eckcafe zu speisen, die Band zu h�ren und allein zu sein. Sie sa� mit dem R�cken zur Bar; aber es war unm�glich, sich nicht Gedanken zu machen �ber die Erde, ihren Kurs und ihre Erbs�nde. Sie versuchte zu verstehen, sie versuchte, es so zu sehen, wie Frank es gesehen h�tte, und versuchte, seine Stimme zu h�ren, wie er es analysierte. Die Gruppe der Elf (die alte G-7 plus Korea, Azania, Mexico und Ru�land) hatte noch nominell das Kommando �ber einen gro�en Teil der Macht der Erde in Form von Milit�r und Kapital. Die einzigen echten Konkurrenten f�r diese alten Dinosaurier waren die gro�en Metanationalen, die wie Athene aus den Transnationalen hervorgegangen waren. Die gro�en Transnationalen�� und in der �konomie der zwei Welten war definitionsgem�� nur f�r etwa ein Dutzend von ihnen Raum�� waren nat�rlich daran interessiert, L�nder in der Elfergruppe zu �bernehmen, wie sie es mit so vielen kleineren L�ndern schon getan hatten. Die Metanationalen, die bei diesem Bem�hen Erfolg h�tten, w�rden wahrscheinlich das Spiel um die Vorherrschaft untereinander gewinnen. Darum versuchten einige von ihnen, die G-11 zu teilen und zu erobern. Dabei taten sie ihr Bestes, die Elf gegeneinander aufzuhetzen oder einige zu bestechen, um die Reihen zu brechen. In dieser ganzen Zeit konkurrierten sie gegeneinander, so da�, w�hrend einige sich mit G-11-L�ndern verb�ndet hatten, um sie sich unterzuordnen, andere sich auf �rmere L�nder oder die Babytiger konzentriert hatten, um deren Kraft zu st�rken. So gab es ein komplexes Gleichgewicht der Kr�fte. Die st�rksten alten Nationen standen gegen die gr��ten neuen Metanationalen; und die Islamische Liga, Indien, China und die kleineren Metanationalen existierten als unabh�ngige Kraftzentren und M�chte, �ber die man nichts voraussagen konnte. Somit war das Gleichgewicht der Kr�fte wie jedes momentane Gleichgewicht zerbrechlich. Das mu�te so sein, da die H�lfte der Erdbev�lkerung in Indien und China lebte�� ein Umstand, den Maya nie ganz glauben oder verstehen konnte. Geschichte war so seltsam; und man konnte nicht wissen, zu welcher Seite dieser H�lfte der Menschheit sich die Waage neigen w�rde.</p><p>Und nat�rlich warf das zuerst die Frage auf, warum es so viel Streit gab. Warum nur, Frank? dachte sie, w�hrend sie dasa� und den ergreifenden melancholischen Tangos lauschte. Was ist die Motivation dieser metanationalen Herrscher? Aber sie konnte sein zynisches Grinsen sehen aus den Jahren, da sie ihn gekannt hatte. Reiche haben lange Halbwertszeiten, hatte er ihr gegen�ber einmal bemerkt. Und die Idee des Imperiums hat die l�ngste Halbwertszeit von allen. Darum sa�en da Leute herum und versuchten noch, Dschingis Khan zu sein und die Welt ohne R�cksicht auf die Kosten zu regieren�� leitende Angestellte in den Metanationalen, Anf�hrer in der Gruppe der Elf, Generale in den Armeen��</p><p>Nun hatte die Erde, wie ihr mentaler Frank ruhig und brutal zu verstehen gab, eine begrenzte Fassungskraft. Die Menschen hatten sie �berzogen. Viele w�rden deshalb sterben. Das wu�te ein jeder. Der Kampf um Rohstoffe war entsprechend verbissen. Die K�mpfer waren v�llig rational. Aber verzweifelt.</p><p>Die Musiker spielten weiter. Ihre schroffe Nostalgie war im Verlauf der Monate noch bitterer geworden, und der lange Winter kam; und sie spielten im schneeigen D�mmerlicht, w�hrend sich die ganze Welt verdunkelte, <emphasis>entre chien et loup.</emphasis> In diesem so kleinen und mutigen Bandoniongewinsel, in diesen leichten Melodien, die allen entgegent�nten, war normales Leben, an das man sich hartn�ckig klammerte in einem Lichtfleck unter B�umen mit kahlen Zweigen.</p><p>Diese Besorgnis war ihr so vertraut. So hatte man sich in den Jahren vor �61 gef�hlt. Obwohl sie sich nicht an irgendwelche einzelnen Ereignisse und Krisen der letzten Vorkriegsperiode erinnern konnte, konnte sie sich dennoch jenes Gef�hls entsinnen, als ob es durch einen vertrauten Geruch angeregt w�rde. Wie nichts eine Rolle zu spielen schien, wie selbst die besten Tage bla� und k�hl waren unter den schwarzen Wolken, die sich im Westen zusammenballten. Wie die Freuden der Stadt eine groteske verzweifelte Sch�rfe gewannen. Alle sa�en sozusagen mit dem R�cken zur Bar und taten ihr Bestes, um einem Gef�hl von Einschr�nkung und Hilflosigkeit entgegenzuwirken. O ja, das war echtes <emphasis>dej� vu.</emphasis></p><empty-line/><p>Wenn sie dann durch Hellas reisten und mit Gruppen des Freien Mars zusammenkamen, war Maya den Leuten dankbar, die kamen und sich bem�hten zu glauben, da� ihre Aktionen einen Unterschied bewirken k�nnten, selbst angesichts des gro�en Wirbels, der sich unter ihnen drehte. Maya erfuhr von ihnen, da� Nirgal, wohin er kam, offenbar gegen�ber den anderen Eingeborenen darauf beharrte, da� die Lage auf der Erde f�r ihr eigenes Schicksal kritisch w�re, so gro� die Entfernung auch scheinen mochte. Und das hatte Wirkung. Jetzt waren die Leute, die zu den Versammlungen kamen, voll von Nachrichten �ber Consolidated, Amexx und Subarashii und die j�ngsten neuen Einf�lle der UNTA-Polizei in das Gebirge des S�dens, welche dazu gezwungen hatten, Overhangs und viele versteckte Zufluchtsst�tten aufzugeben. Der S�den wurde entleert. Alle, die sich versteckt gehalten hatten, str�mten nach Hiranyagarbha, Odessa oder in die Canyons von Ost-Hellas.</p><p>Einige der jungen Eingeborenen, die Maya traf, schienen zu denken, da� die Aneignung des S�dens durch die UNTA im Grunde gut w�re, da sie den Countdown ausl�sen w�rde. Sie wandte sich sofort gegen solche Auffassungen und sagte ihnen: �Es sind nicht sie, die den Zeitplan bestimmen d�rften. Das liegt bei <emphasis>uns,</emphasis> und wir m�ssen auf unseren Augenblick warten. Und dann alle zusammen handeln. Wenn ihr das nicht einseht��</p><p>Dann seid ihr <emphasis>Narren!</emphasis></p><p>Aber Frank hatte bei seinen Auftritten immer wild um sich geschlagen. Diese Leute brauchten etwas mehr�� oder, um genauer zu sein, sie verdienten etwas mehr. Etwas Positives, etwas, das-sie ebenso zog wie antrieb. Frank hatte das auch gesagt, aber selten danach gehandelt. Sie mu�ten verf�hrt werden wie die n�chtlichen T�nzer an der Corniche. Wahrscheinlich waren diese Menschen an allen anderen Abenden der Woche drau�en bei der Promenade an der Wasserfront. Und Politik mu�te etwas von jener erotischen Energie hinzugewinnen, sonst handelte es sich nur um <emphasis>ressentiment</emphasis> und Schadensbegrenzung.</p><p>Also verf�hrte Maya sie. Sie tat es selbst dann, wenn sie besorgt, erschrocken oder in schlechter Stimmung war. Sie stand zwischen ihnen und dachte an Sex mit diesen gro�en geschmeidigen jungen M�nnern; und dann setzte sie sich in ihrer Mitte hin und stellte ihnen Fragen. Sie sah ihnen in die Augen, ihnen, die so gro� waren, da� sie, wenn sie auf einem Tisch sa�, mit ihnen in Augenh�he war, wenn sie auf St�hlen sa�en. Sie verwickelte sie in eine Konversation, die so vertraulich und vergn�glich war, wie sie es nur machen konnte. Was verlangten sie vom Leben, vom Mars? Oft lachte sie laut auf bei ihren Antworten, �berrascht durch ihre Harmlosigkeit oder ihren Witz. Sie hatten selbst schon von Marsbildern getr�umt, die radikaler waren als alles, an das Maya glauben konnte. Von einem Mars, der wirklich unabh�ngig war, gleichmacherisch, gerecht und fr�hlich. Und in mancher Weise hatten sie diese Tr�ume schon verwirklicht. Viele von ihnen hatten jetzt ihre kleinen Bauten zu ger�umigen kommunalen Apartments umgestaltet; und sie arbeiteten in ihrer alternativen Wirtschaft, die immer weniger Verbindung mit der �bergangsbeh�rde oder den Metanationalen hatte�� einer �konomie, die beherrscht wurde von Marinas �ko-�konomie und Hirokos Areophanie, von den Sufis und Nirgal und diesem vagabundierenden Zigeunerregiment der Jungen. Sie hatten das Gef�hl, f�r immer zu leben. Sie f�hlten sich in einer Welt sinnlicher Sch�nheit. Ihre Gefangenschaft in Kuppeln war normal, aber nur ein �bergang. Eine Geborgenheit in warmen mesokosmischen Muttersch��en, auf die unausweichlich ihr Hinaustreten auf eine freie lebendige Oberfl�che folgen w�rde�� durch ihre Geburt, jawohl!</p><p>Sie waren embryonische Are-urgen, um Michels Ausdruck zu gebrauchen, junge G�tter, die ihre Welt betrieben und wu�ten, da� sie frei werden sollten, und zuversichtlich waren, dahin zu kommen, und zwar bald.</p><p>Es kamen schlechte Nachrichten von der Erde, und der Besuch der Versammlungen stieg an. Und in diesen Meetings herrschte keine Stimmung von Angst, sondern von Entschlossenheit wie in der Miene von Frank auf dem Foto �ber ihrer Sp�le. Ein Kampf zwischen den fr�heren Verb�ndeten Armscor und Subarashii um Nigeria f�hrte zum Einsatz biologischer Waffen (beide Seiten lehnten die Verantwortung ab), so da� Menschen, Tiere und Pflanzen in Lagos und seiner Umgebung von schrecklichen Krankheiten heimgesucht wurden. In den Versammlungen jenes Monats sprachen die jungen Leute w�tend und mit blitzenden Augen vom Mangel jeder Gesetzlichkeit auf der Erde, dem Fehlen jeglicher Autorit�t, der man vertrauen k�nnte. Die metanationale Weltordnung war zu gef�hrlich, als da� man ihr gestatten d�rfe, den Mars zu beherrschen!</p><p>Maya lie� sie eine Stunde lang reden, ehe sie etwas anderes sagte als: �Ich wei�.� Und ob sie es w��te! Ihr kamen fast die Tr�nen, wenn sie sah, wie entsetzt sie �ber Ungerechtigkeit und Grausamkeit waren. Dann nahm sie die Punkte der Erkl�rung von Dorsa Brevia einzeln vor und schilderte, wie ein jeder ausdiskutiert war und was er besagte und wie sich seine Verwirklichung in der realen Welt f�r ihr Leben auswirken w�rde. Die jungen Leute wu�ten dar�ber mehr als sie; und diese Teile der Diskussion feuerten sie mehr an als alles Jammern �ber die Erde. Weniger besorgt und mehr begeistert. Und bei dem Versuch, eine auf die Deklaration gegr�ndete Zukunft zu schildern, brachte sie sie oft zum Lachen. Lustige Szenarien einer kollektiven Harmonie, alle zufrieden und gl�cklich. Sie kannten die �rgerliche gedr�ngte Realit�t ihrer gemeinsamen Apartments, und so war es wirklich lustig. Das Licht in den Augen lachender junger Marsmenschen�� selbst Maya, die nie lachte, f�hlte, wie ein leichtes L�cheln die unsichtbare Karte von Runzeln ver�nderte, die ihr Gesicht darstellte.</p><p>So pflegte sie dann die Versammlung zu beenden in dem Gef�hl, da� eine gute Arbeit geleistet worden war. Wozu n�tzte schlie�lich eine Utopie ohne Freude? Was war der Sinn all ihres Bem�hens, wenn es nicht das Lachen der Jungen einschlo�? Dies war es, was Frank nie begriffen hatte, zumindest nicht in seinen sp�teren Jahren. Und so w�rde sie Spencers Sicherheitsma�nahmen aufgeben und die Leute bei den Meetings aus ihren Zimmern f�hren, hinab zu den trockenen K�sten oder in Parks oder Cafes, um spazierenzugehen oder zu trinken oder ein sp�tes Mahl zu sich zu nehmen, in dem Gef�hl, da� sie einen der Schl�ssel zur Revolution gefunden hatte, einen Schl�ssel, von dessen Existenz Frank nie gewu�t, sondern sie nur vermutet hatte, wenn er John ansah.</p><p>�Nat�rlich�, sagte Michel, als sie nach Odessa zur�ckkehrte und versuchte, ihm davon zu erz�hlen. �Aber Frank hat �berhaupt nicht an Revolution geglaubt. Er war ein Diplomat, ein Zyniker, ein Konterrevolution�r. Freude lag nicht in seinem Wesen. F�r ihn war alles Schadensbegrenzung.�</p><p>Aber Michel war mit ihr in diesen Tagen oft entzweit. Er neigte dazu, zu explodieren, anstatt zu bes�nftigen, wenn sie erkennen lie�, da� sie einen Kampf brauchte; und das gefiel ihr so gut, da� sie feststellte, sie brauchte nicht ann�hernd so oft zu streiten. �Mach schon!� entgegnete sie auf seine Charakterisierung von Frank und schob Michel auf ihr Bett und vergewaltigte ihn, nur weil es Spa� machte und um ihn ins Reich der Freude zu ziehen und ihn zu zwingen, das zuzugeben. Sie wu�te ganz genau, da� er es f�r seine Pflicht hielt, sie immer auf die mittlere Linie ihrer Stimmungsschwankungen zu dr�ngen. Das konnte sie verstehen und sch�tzte den Halt, den er ihr zu geben suchte. Aber manchmal, wenn sie auf den H�hepunkt der Kurve zuraste, sah sie keinen Grund, diese kurzen Momente eines Flugs ohne Schwere nicht zu genie�en, so etwas wie einen spirituellen Orgasmus�� Und so griff sie nach seinem Penis und rubbelte ihn auf dieses Niveau und schaffte es, da� er eine oder zwei Stunden lang l�chelte. Dann war es ihnen m�glich, durch den Park in einer Stimmung von Entspannung und Frieden zum Cafe zu gehen und dort mit dem R�cken zur Bar zu sitzen und dem Flamenco-Gitarristen oder der alten Tangokapelle zu lauschen, die ihre <emphasis>piazzollas</emphasis> spielte. Sie plauderten beil�ufig �ber die Arbeiten rund um das Becken. Oder sie redeten �berhaupt nicht.</p><empty-line/><p>Eines Abends im Sp�tsommer des Jahres M-49 gingen sie mit Spencer zum Cafe hinunter und blieben w�hrend der langen D�mmerung sitzen bei der Betrachtung von dunkel-kupfrigen Wolken, die unter dem purpurnen Himmel unbewegt �ber dem fernen Eis gl�hten. Die vorherrschenden Westwinde trieben Luftmassen �ber Hellespontus, so da� sich dramatische Wolkenfronten �ber dem Eis aufbauten, die bald ein Teil ihres allt�glichen Lebens waren. Aber einige Wolken waren anders�� metallische geschweifte feste Objekte wie steinerne Statuen, die nie von einem Wind einfach weggeblasen werden konnten. Von ihren schwarzen Unterseiten schossen Blitze auf das darunterliegende Eis.</p><p>W�hrend sie diese eigenartigen Statuen beobachteten, h�rten sie ein tiefes Dr�hnen, und der Boden bebte leicht unter den F��en, und das Besteck klapperte auf dem Tisch. Sie nahmen ihre Gl�ser und standen auf wie alle anderen in dem Cafe. In der best�rzten Stille sah Maya, da� alle automatisch nach S�den blickten, hinaus aufs Eis. Die Leute str�mten aus dem Park zur Corniche und standen dann schweigend mit dem Blick nach drau�en an der Kuppelwand. Dort im verschwindenden Indigo des Sonnenuntergangs unter den kupfernen Wolken konnte man soeben eine Bewegung erkennen, ein blinkendes Schwarz und Wei� am Rande der wei�en und schwarzen Masse, das sich auf die Ebene zu bewegte. �Wasser�, sagte jemand am Nebentisch.</p><p>Alle bewegten sich wie unter einem Traktorstrahl mit den Gl�sern in der Hand. Alle anderen Gedanken waren verschwunden, als sie an den Rand der Wasserfront kamen und vor der brusthohen Kuppelmauer standen und in die Schatten auf der Ebene blinzelten. Schwarz auf Schwarz, das mit wei�en Flecken durchsetzt hin und her schwankte. Zum zweiten Mal erinnerte Maya sich wieder an die Marinerisflut und erschauerte. Die Erinnerung bedr�ngte sie wie Sodbrennen in der Speiser�hre. Die S�ure benahm ihr fast den Atem und war sehr wirksam, diesen Teil ihrer Gedanken auszul�schen. Es war das Hellasmeer, das auf sie zukam�� ihr Meer, ihre Idee, die jetzt den Hang des Beckens �berschwemmte. Eine Million Pflanzen starb, wie Sax ihr ins Gewissen gerufen hatte. Die Ansammlung von Schmelzwasser bei Low Point war immer gr��er und gr��er geworden, hatte sich mit anderen Schmelzwasserlagern vereinigt und das m�rbe Eis dazwischen und darum herum geschmolzen, erw�rmt durch den langen Sommer, die Bakterien und die Dampfstrahlen von Explosionen, die man in dem umgebenden Eis ausgel�st hatte. Ein Eiswall im Norden mu�te gebrochen sein, und jetzt schw�rzte die Flut die Ebene s�dlich von Odessa. Der n�chste Rand war nicht mehr als f�nfzehn Kilometer entfernt. Jetzt war das meiste, was man vom Becken sehen konnte, ein pfeffer- und salzfarbenes Durcheinander, wobei sich der im Vordergrund dominierende Pfeffer zusehends immer mehr in Salz verwandelte. Das Land wurde in der gleichen Zeit heller, wie der Himmel dunkler wurde, was den Dingen ein unnat�rliches Aussehen verlieh. Reifd�mpfe stiegen vom Wasser auf und gl�hten in dem, was von Odessa selbst reflektiertes Licht zu sein schien.</p><p>Es verging vielleicht eine halbe Stunde, w�hrend der alle auf der Corniche schweigend dastanden und beobachteten, in einer Erstarrung befangen, die erst nachlie�, als die Flut gefroren und die D�mmerung vorbei war. Dann ert�nten pl�tzlich wieder menschliche Stimmen und elektrische Musik aus einem Cafe weiter unten. Lachen klang auf. Maya ging in prickelnder Laune an die Bar und bestellte Champagner f�r den Tisch. Denn mit einemmal war ihre Stimmung im Einklang mit den Ereignissen; und sie war geneigt, den bizarren Anblick ihrer entfesselten Kr�fte zu feiern, die sich drau�en in der Gegend zu allgemeiner Besichtigung darboten. Sie brachte einen Trinkspruch f�r das ganze Cafe aus:</p><p>�Auf das Hellasmeer und alle Seeleute, die darauf fahren werden, Eisbergen und St�rmen trotzend, um die andere K�ste zu erreichen!�</p><p>Alle stie�en Hochrufe aus; und die Menschen l�ngs der ganzen Corniche griffen es auf und jubelten auch in wilder Erregung. Die Zigeunerkapelle stimmte die Tangoversion eines Shantys an, und Maya f�hlte, wie das kleine L�cheln die steife Haut ihrer Wangen f�r den ganzen Rest des Abends lockerte. Selbst eine lange Diskussion �ber die M�glichkeit einer neuen Flut, die den Schutzdeich von Odessa �bersp�len k�nnte, konnte das L�cheln nicht von ihrem Gesicht verscheuchen. Unten im B�ro hatten sie die M�glichkeiten wirklich sehr genau berechnet, und jedes �berschwappen, wie sie es nannten, war unwahrscheinlich oder sogar unm�glich. Odessa w�rde nichts passieren.</p><empty-line/><p>Aber aus der Ferne kamen Nachrichten, die sie ersch�tterten. Auf der Erde hatten die Kriege in Nigeria und Azania einen schweren weltweiten Konflikt zwischen Armscor und Subarashii ausgel�st. Christliche, islamische und hinduistische Fundamentalisten sahen sich gezwungen, die Langlebigkeitsbehandlung f�r ein Werk Satans zu erkl�ren. Viele Nichtbehandelte traten diesen Bewegungen bei, �bernahmen lokale Regierungen und f�hrten direkte Massenangriffe gegen die metanationalen Ma�nahmen in ihrem Bereich durch. Inzwischen versuchten alle gro�en Metanationalen, die UN wieder zum Leben zu erwecken und als Alternative zum Weltgerichtshof zu propagieren. Viele der gr��ten metanationalen Klienten und jetzt auch die Elfergruppe machten dabei mit. Michel hielt das f�r einen Sieg, da es wieder die Angst vor dem Weltgerichtshof anzeigte. Und er sagte, jede St�rkung einer internationalen K�rperschaft wie der UN w�re besser als nichts. Aber jetzt waren zwei konkurrierende Schlichtungssyteme in Kraft, von denen das eine durch die Metanationalen kontrolliert wurde, was es leichter machte, demjenigen zu entgehen, das einem nicht gefiel.</p><p>Und auf dem Mars standen die Dinge nicht viel besser. Die UNTA-Polizei trieb sich im S�den herum, ungehindert, au�er durch gelegentliche �berraschende Explosionen bei ihren Robotfahrzeugen; und Prometheus war das letzte versteckte Sanktuarium, das entdeckt und geschlossen worden war. Von all den gro�en Verstecken blieb nur Vishniac verborgen. Dort hatte man sich schlafend gestellt, um so durchzuhalten. Das S�dpolgebiet war nicht mehr ein Teil des Untergrunds.</p><p>In dieser Lage war es nicht �berraschend, wie erschreckt manchmal die Leute waren, die zu den Versammlungen kamen. Es geh�rte Mut dazu, bei einem Untergrund mitzumachen, der sichtlich schrumpfte wie die Minus-Eins-Insel. Maya nahm an, da� die Menschen durch �rger, Emp�rung und Hoffnung dazu getrieben wurden. Aber sie hatten auch Angst. Es gab keine Gewi�heit, da� diese Bewegung etwas w�rde ausrichten k�nnen.</p><p>Und es w�re leicht, einen Spion in diese neu Hinzukommenden einzuschleusen. Maya fand es manchmal schwer, ihnen zu vertrauen. Konnten sie alle das sein, was sie zu sein vorgaben? Es war einfach unm�glich, dessen sicher zu sein. Eines Abends begegnete sie einem jungen Mann, dessen Aussehen ihr nicht gefiel; und nach dem Meeting, das ohne H�hepunkte verlief, war sie mit Spencers Freunden gleich ins Apartment gegangen und hatte Michel davon erz�hlt. Der sagte: �Mach dir keine Sorge!�</p><p>�Was meinst du damit, <emphasis>keine Sorge?�</emphasis></p><p>Er zuckte die Achseln. �Die Mitglieder beobachten sich gegenseitig st�ndig. Sie bem�hen sich darum, alle miteinander bekannt zu sein. Und Spencers Team ist bewaffnet.�</p><p>�Das hast du mir nie gesagt.�</p><p>�Ich dachte, du w��test es.�</p><p>�Mach schon! Du kannst mich nicht f�r dumm verkaufen.�</p><p>�Das tue ich nicht, Maya. Jedenfalls ist das alles, was wir tun k�nnen, falls wir uns nicht v�llig verstecken.�</p><p>�Das schlage ich nicht vor. H�ltst du mich etwa f�r feige?�</p><p>Michel machte ein saures Gesicht und sagte etwas auf franz�sisch. Dann holte er tief Luft und schleuderte ihr einen seiner franz�sischen Fl�che entgegen. Maya bemerkte aber, da� er das vors�tzlich tat. Er war zu der Ansicht gekommen, da� die Streitigkeiten f�r sie gut w�ren und kathartisch f�r ihn, so da� man sie, falls unvermeidlich, als eine Art therapeutischer Methode fortsetzen k�nnte. Das war f�r Maya unertr�glich. Ohne weiter zu �berlegen, ging sie in die K�che, nahm einen kupfernen Topf und schwang ihn gegen ihn. Er war so �berrascht, da� es ihm kaum gelang, ihn wegzusto�en.</p><p>Er br�llte: <emphasis>�Putaine! Pourquoi ce ga? Pourquoi?�</emphasis></p><p>�Ich will nicht g�nnerhaft behandelt werden�, sagte sie, dar�ber befriedigt, da� er jetzt richtig w�tend war, aber auch selbst rasend. �Du verdammter Seelenklempner, wenn du in deinem Job nicht so schlecht w�rst, h�tten die Ersten Hundert nicht so durchgedreht, und diese Welt w�re nicht so im Eimer. Das ist alles deine Schuld.� Und sie schlug die T�r zu und ging ins Cafe, um dar�ber zu br�ten, wie schrecklich es war, einen Schrumpfkopf als Partner zu haben, aber auch �ber ihr h��liches Benehmen, da� sie so schnell die Beherrschung verloren hatte und ihn angegriffen hatte. Diesmal kam er nicht herunter, um ihr Gesellschaft zu leisten, obwohl sie bis zum Ladenschlu� dort sitzen blieb.</p><p>Und dann, kurz nachdem sie heimgekommen war, sich auf die Couch gelegt hatte und eingeschlafen war, klopfte es an der T�r schnell und zart auf eine sofort erschreckende Weise. Michel rannte hin und sah durch das Guckloch. Es war Marina.</p><p>Marina setzte sich gewichtig neben Maya auf die Couch und sagte, w�hrend sie zitternd ihre H�nde hielt: �Sie haben Sabishii erobert. Sicherheitstruppen. Hiroko und ihr ganzer innerer Kreis waren da zu Besuch und auch alle aus dem S�den, die seit Beginn der �berf�lle hergekommen waren. Und auch Cojote. Sie alle waren dort. Auch Nanao, Etsu und alle Issei� �</p><p>�Haben sie sich nicht gewehrt?� fragte Maya.</p><p>�Sie haben es versucht. Am Bahnhof wurden etliche Leute get�tet. Das hat sie gehemmt; und ich denke, da� einige in das Labyrinth der Moholehalde gelangt sind. Aber sie haben das ganze Gebiet abgesperrt und sind durch die Kuppelw�nde eingedrungen. Es war genau wie einundsechzig in Cairo. Das schw�re ich.�</p><p>Pl�tzlich fing sie an zu weinen. Maya und Michel setzten sich zu beiden Seiten von ihr hin. Sie hielt die H�nde vors Gesicht und st�hnte. Das war f�r die gew�hnlich so starke Marina so ungew�hnlich, da� die Realit�t ihrer Mitteilung betroffen machte.</p><p>Marina setzte sich auf und wischte sich Augen und Nase. Michel gab ihr ein Taschentuch. Sie fuhr ruhig fort: �Ich f�rchte, da� viele von ihnen get�tet worden sind. Ich war mit Vlad und Ursula drau�en in einer jener entfernten Steinblockklausen. Wir blieben dort drei Tage lang, gingen dann zu einer versteckten Garage und entkamen in Felswagen. Vlad ging nach Burroughs und Ursula nach Elysium. Wir versuchen, so viele der Ersten Hundert zu benachrichtigen, wie wir k�nnen. Besonders Sax und Nadia.�</p><p>Maya stand auf, zog sich an, ging dann durch den Gang und klopfte bei Spencer an die T�r. Dann ging sie wieder in die K�che und setzte Teewasser auf, wobei sie es vermied, das Bild von Frank anzuschauen, der ihr zusah und sagte: <emphasis>Ich habe es dir gesagt. So pflegt das zu geschehen.</emphasis> Maya kam mit den Teetassen ins Wohnzimmer und sah, wie ihre H�nde zitterten, da� ihr die hei�e Fl�ssigkeit �ber die Finger flo�. Michels Gesicht war bla� und verschwitzt, und er h�rte �berhaupt nichts von dem, was Marina sagte. Nat�rlich�� wenn Hirokos Gruppe dort gewesen war, hatten sie seine ganze Familie erwischt, entweder gefangen oder get�tet.</p><p>Maya verteilte die Teetassen; und als Spencer hereinkam und man ihm die Geschichte erz�hlt hatte, nahm Maya ein Kleid und legte es Michel �ber die Schultern und sch�mte sich sehr f�r den j�mmerlichen Zeitpunkt ihrer Attacke gegen ihn. Sie setzte sich neben ihn, t�tschelte seinen Schenkel und versuchte, ihm durch die Ber�hrung mitzuteilen, da� sie da war, da� sie auch seine Familie war und da� alle ihre Spiele vorbei waren, soweit sie dazu imstande w�re. Ihn nicht mehr wie ein Scho�tier oder einen Sandsack zu behandeln�</p><p>Da� sie ihn liebte. Aber sein Schenkel war wie warme Keramik; und er bemerkte offenbar nicht die Ber�hrung ihrer Hand und war sich kaum ihrer Anwesenheit bewu�t. Sie kam auf den Gedanken, da� gerade in Momenten gr��ter Not die Menschen am wenigsten f�reinander tun konnten.</p><p>Sie stand auf und gab Spencer etwas Tee. Dabei vermied sie, das blasse Bild ihres Gesichts im K�chenfenster anzuschauen, das verkniffene harte Geierauge, das sie nie ertragen konnte. Man kann nie zur�ckschauen.</p><p>Im Moment konnte man nichts weiter tun als dazusitzen und die Nacht herumzubringen. Zu versuchen, die Nachricht zu verarbeiten und ihr zu widerstehen. So sa�en sie nur da, redeten und h�rten zu, wie Marina die Geschichte in immer gr��erem Detail erz�hlte. Sie t�tigten auf den Verbindungen von Praxis Anrufe, um mehr herauszufinden. Sie waren schlapp und stumm in ihren eigenen �berlegungen, jeder in seinem einsamen Universum gefangen. Die Minuten vergingen wie Stunden und die Stunden wie Jahre. Es war die h�llisch verschlungene Raumzeit der g�nzlichen Nachtwache, das �lteste der menschlichen Rituale, wenn Menschen ohne Erfolg einer blinden Katastrophe Sinn abzugewinnen suchen.</p><empty-line/><p>Als endlich die D�mmerung kam, war der Himmel bedeckt und die Kuppel mit Regentropfen bespr�ht. Einige qualvoll langsame Stunden sp�ter begann der Proze�, mit allen Gruppen in Odessa Verbindung aufzunehmen. Im Laufe dieses und des n�chsten Tages verbreitete sich die Nachricht, die von Mangalavid und den anderen Nachrichtendiensten unterdr�ckt worden war. Aber allen war klar, da� etwas geschehen war wegen des pl�tzlichen Fehlens von Sabishii bei den gew�hnlichen Gespr�chen, sogar in Angelegenheiten von gemeinsamem Interesse. Ger�chte flogen hin und her und gewannen an Schwung mangels verl��licher Nachrichten. Sie reichten von Sabishiis Unabh�ngigkeit bis zu seiner Ausradierung. Aber in den angespannten Versammlungen der folgenden Woche berichteten Maya und Spencer jedem, was Marina gesagt hatte; und dann verbrachten sie die anschlie�enden Stunden mit Beratungen, was man machen k�nnte. Maya tat ihr Bestes, um die Leute zu �berreden, sich nicht zu Aktionen dr�ngen zu lassen, ehe sie bereit w�ren. Aber das war ein m�hsames Unterfangen. Die Leute waren w�tend und erschreckt, und es gab in dieser Woche viele Vorf�lle in der Stadt und Umgebung von Hellas und auf dem ganzen Mars�� Demonstrationen, kleinere Sabotagen, Angriffe auf Stellungen und Personal des Sicherheitsdienstes, Ausf�lle gro�er Computer, Verlangsamungen bei der Arbeit. �Wir m�ssen ihnen zeigen, da� wir uns so etwas nicht gefallen lassen k�nnen!� sagte Jackie im Netz. Sie schien �berall gleichzeitig zu sein. Selbst Art stimmte ihr zu: �Ich denke, zivile Proteste durch die allgemeine Bev�lkerung, soviel wir nur aufbringen k�nnen, k�nnte sie bremsen. K�nnte bewirken, da� diese Schufte es sich zweimal �berlegen, ehe sie wieder so etwas tun.�</p><p>Nichtsdestoweniger stabilisierte sich die Lage nach einiger Zeit. Sabishii kehrte ins Netz und zu Bahnfahrpl�nen zur�ck, und das Leben fing dort wieder an, obwohl es nicht mehr dasselbe war wie zuvor, da eine gro�e Polizeimacht als Besatzung dablieb, welche die Tore und den Bahnhof �berwachte und sich bem�hte, alle Hohlr�ume im Labyrinth der Halde aufzufinden. W�hrend dieser Zeit f�hrte Maya eine Reihe langer Gespr�che mit Nadia, die in South Fossa arbeitete, und mit Nirgal und Art und sogar mit Ann, die von einem ihrer Verstecke in Aureum Chaos anrief. Sie waren sich alle einig, da� sie sich, ganz gleich, was in Sabishii geschehen w�re, im Moment jedes Versuchs einer allgemeinen Erhebung enthalten m��ten. Sogar Sax rief bei Spencer an, um zu sagen, da� er �Zeit brauchen Was Maya tr�stlich fand, da es ihre �berzeugung st�tzte, da� die Zeit noch nicht gekommen war. Da� man sie provozieren w�rde in der Hoffnung, vorzeitig eine Revolte zu versuchen. Ann, Kasei, Jackie und die anderen Radikalen�� Harmakhis, Antar, sogar Zeyk�� waren �ber das Warten ungl�cklich und pessimistisch hinsichtlich seines Sinnes. Maya sagte ihnen: �Ihr versteht nicht. Da drau�en w�chst eine ganze neue Welt heran, und je l�nger wir warten, desto st�rker wird sie. Haltet nur durch!�</p><p>Dann bekamen sie etwa einen Monat nach der Schlie�ung von Sabishii auf ihren Armbandger�ten eine kurze Mitteilung von Cojote�� einen kurzen Ausschnitt mit seinem schiefen Gesicht, das ungew�hnlich ernst aussah, wonach er durch das Labyrinth geheimer Tunnels in der Moholehalde entkommen w�re und sich jetzt in einem seiner Verstecke bef�nde. �Was ist mit Hiroko?� fragte Michel sofort. �Was ist mit Hiroko und den �brigen?�</p><p>Aber Cojote war schon weg.</p><p>�Ich glaube nicht, da� sie Hiroko geschnappt haben�, sagte Michel sofort. Er ging im Zimmer herum, ohne zu merken, da� er sich bewegte. �Weder Hiroko noch sonst jemand von ihnen! Wenn man sie gefangen h�tte, so h�tte die �bergangsbeh�rde das bestimmt verk�ndet. Ich wette, da� Hiroko die Gruppe wieder in den Untergrund gef�hrt hat. Sie waren seit Dorsa Brevia nicht mit den Dingen zufrieden, sie sind eben nicht gut bei Kompromissen. Darum sind sie als erste abgehauen. Alles, was seither geschehen ist, hat nur ihre Ansicht best�rkt, da� sie uns nicht zutrauen k�nnen, die Welt zu erbauen, die sie anstreben. Also haben sie diese Chance genutzt, wieder zu verschwinden. Vielleicht hat sie der �berfall auf Sabishii gezwungen, dies zu tun, ohne uns zu benachrichtigen.�</p><p>�Vielleicht�, sagte Maya und bem�hte sich glaubhaft zu klingen. Das klang wie eine Ablehnung seitens Michels. Aber wenn es ihm half�� wen k�mmerte das? Und Hiroko war zu allem f�hig. Maya mu�te aber ihre Antwort plausibel und Maya-�hnlich machen, sonst w�rde er merken, da� sie ihn nur beruhigte. �Aber wohin w�rden sie gehen?�</p><p>�Zur�ck ins Chaos, m�chte ich annehmen. Viele der alten Zufluchtsst�tten gibt es noch.�</p><p>�Aber was ist mit dir?�</p><p>�Sie werden es mich wissen lassen.�</p><p>Er dachte dar�ber nach und sah sie an. �Oder vielleicht denken sie, da� du jetzt meine Familie bist.�</p><p>So hatte er in jener ersten schrecklichen Stunde ihre Hand doch gesp�rt. Aber er schenkte ihr ein so trauriges schiefes L�cheln, da� sie zusammenzuckte und versuchte, ihn mit einer Umarmung an sich zu dr�cken, ihm richtig eine Rippe zu brechen, um ihm zu zeigen, wie sehr sie ihn liebte und wie wenig sie eine so traurige Miene liebte. �Damit haben sie recht�, sagte sie grob. �Aber sie m��ten auf jeden Fall mit dir Kontakt aufnehmen.�</p><p>�Das werden sie. Dessen bin ich mir sicher.�</p><p>Maya hatte keine Ahnung, was1 sie von dieser Theorie Michels halten sollte. Cojote war also wirklich durch das Labyrinth in der Halde entkommen und d�rfte so vielen seiner Freunde geholfen haben, wie er konnte. Und Hiroko w�rde wahrscheinlich als erste auf dieser Liste stehen. Sie w�rde Cojote deshalb sicher das n�chste Mal, wenn sie ihn traf, die H�lle hei� machen. Aber er hatte ihr vorher nichts erz�hlt. Tot, gefangen oder im Versteck, ganz gleich was�� es war ein grausamer Schlag gegen die Sache, da Hiroko das nat�rliche Zentrum f�r einen so gro�en Teil des Widerstandes war.</p><p>Aber sie war so eigenartig gewesen. Maya war, gr��tenteils unbewu�t und ungewollt, nicht v�llig ungl�cklich dar�ber, da� Hiroko von der Bildfl�che verschwunden war, wie auch immer es dazu gekommen sein mochte. Maya war nie imstande gewesen, mit Hiroko zu kommunizieren und sie zu verstehen. Obwohl sie sie geliebt hatte, machte es sie nerv�s, da� eine so starke unberechenbare Kraft umherzog und die Lage kompliziert machte.</p><p>Und es war beunruhigend gewesen, da� es unter den Frauen eine andere gro�e Kraft gab, auf die sie absolut keinen Einflu� hatte. Nat�rlich w�re es schlimm, wenn ihre ganze Gruppe gefangen genommen oder, noch schlimmer, get�tet worden w�re. Wenn sie sich aber entschlossen hatten, wieder zu verschwinden, war das gar keine so schlechte Sache. Es w�rde die Dinge vereinfachen zu einer Zeit, da sie verzweifelt um Vereinfachung bem�ht waren, und w�rde Maya mehr potentielle Kontrolle �ber die kommenden Ereignisse geben.</p><p>Also hoffte sie von ganzem Herzen, da� Michels Theorie stimmen m�ge, und nickte ihm zu und tat so, als ob sie auf eine reservierte realistische Weise seiner Analyse zustimmen w�rde. Und dann ging sie fort zur n�chsten Versammlung, um wieder einmal eine Kommune w�tender Eingeborener zu beruhigen. Es vergingen Wochen und dann Monate. Es schien so, als h�tten sie die Krise �berlebt. Aber auf der Erde wurde die Lage immer noch schlimmer; und Sabishii, ihre Universit�tsstadt, das Juwel der Demimonde, stand unter einer Art Kiegsrecht. Und Hiroko war verschwunden. Hiroko, die ihr Herz war. Selbst Maya, die sich zun�chst in gewisser Weise gefreut hatte, sie los zu sein, f�hlte sich durch ihre Abwesenheit immer mehr bedr�ckt. Die Konzeption des Freien Mars war schlie�lich doch ein Teil der Areophanie gewesen�� und sollte auf blo�e Politik, auf das �berleben der T�chtigsten reduziert werden��</p><p>Der Geist schien aus den Dingen gewichen zu sein. Und w�hrend der Winter verging und die Nachrichten von der Erde von eskalierenden Konflikten berichteten, stellte Maya fest, da� die Leute immer verzweifelter nach Zerstreuung strebten. Die Parties wurden lauter und wilder, die Corniche war eine n�chtliche Orgie, und an besonderen Abenden wie Fastnacht oder Neujahr war sie mit allen Einwohnern der Stadt vollgestopft, die mit wilder Fr�hlichkeit tanzten, tranken und sangen, unter den kleinen roten Mottos, die auf jede Wand gepinselt waren: ES F�HRT KEIN WEG ZUR�CK!�� FREIER MARS. Aber wie nur? Wie?</p><p>Das Neujahr war in diesem Winter besonders wild. Es war M-Jahr 50; und die Leute feierten den gro�en Jahrestag stilvoll. Maya ging mit Michel die Corniche auf und ab und sah hinter ihrem Domino neugierig zu, wie die Reihen der Tanzenden in Wellen vorbeizogen. Sie schaute auf alle die langen jungen tanzenden Leiber, die Gesichter maskiert, aber zumeist bis zur Taille nackt wie aus einem alten indischen Bild. Br�ste und Glieder grazi�s h�pfend zu dem neuen Calypso dr�hnender Stahltrommeln�� Oh, es war wunderbar! Und diese jungen Fremden waren unwissend, aber sch�n. Wie sch�n! Und diese Stadt, die �ber der trockenen Wasserfront stand, hatte sie geholfen zu erschaffen�� Sie f�hlte sich hineingezogen, vorbei am �quinoktium und in den strahlenden Ansturm auf Euphorie. Vielleicht war es nur ein Vorfall in ihrer Biochemie, wahrscheinlich ausgel�st durch die tr�be Lage der zwei Welten, <emphasis>entre chien et loup,</emphasis> aber jedenfalls war es da, und sie f�hlte es in ihrem K�rper. Also zog sie Michel in eine Tanzreihe und tanzte immer weiter, bis sie vor Schwei� gl�nzte. Es war ein gro�artiges Gef�hl.</p><p>Sie sa�en eine Weile in ihrem Cafe beisammen. Das stellte sich geradezu als ein Treffen der Ersten Neununddrei�ig heraus. Sie, Michel und Spencer, Vlad, Ursula und Marina und Yela Zukov und Mary Dunkel, die einem Monat nach der Schlie�ung aus Sabishii entkommen waren. Ferner Mikhail Yangel von Dorsa Brevia und Nadia, die von South Fossa herunter gekommen war. Sie waren ihrer zehn. �Eine dezimierte Anzahl�, wie Mikhail bemerkte. Sie bestellten eine Flasche Wodka nach der anderen, als ob sie die Erinnerung an die anderen neunzig ertr�nken k�nnten, einschlie�lich ihrer armen Farmgruppe, die bestenfalls wieder verschwunden, schlimmstenfalls aber ermordet worden war. Die Russen unter ihnen, die in dieser Nacht erstaunlich in der Mehrheit waren, begannen alle die alten heimatlichen Toasts auszubringen: Auf unsere Gesundheit! La�t uns einen hinter die Binde gie�en! La�t uns saufen, bis uns die Augen �bergehen! La�t uns saufen, bis der Nabel gl�nzt! La�t uns alles auslecken bis zum letzten Tropfen! Und so weiter und so weiter, bis Michel, Mary und Spencer erstaunte und entsetzte Gesichter machten. Mikhail sagte ihnen, das w�re wie mit Eskimos und Schnee.</p><p>Und dann gingen sie wieder hinaus, um zu tanzen. Die zehn bildeten eine eigene Reihe und schl�ngelten sich riskant durch die jungen Leute. F�nfzig lange Marsjahre; und sie lebten noch und tanzten noch! Das war ein Wunder!</p><p>Aber wie immer bei der nur zu sicher f�lligen Schwankung von Mayas Launen kam am Gipfel der tote Punkt, der pl�tzliche Absturz. An diesem Abend war es, als sie hinter den anderen Masken die vom Rausch getr�bten Augen bemerkte und sah, wie alle dabei waren, sich davonzumachen, und ihr Bestes taten, um sich in ihre private Welt zu fl�chten, wo sie mit niemandem mehr Verbindung haben w�rden als mit dem/der Geliebten dieser Nacht. Und da gab es keine Unterschiede. �La� uns nach Hause gehen!� sagte sie zu Michel, der noch im Takt der Musik vor ihr herumh�pfte und sich am Anblick all der jungen schlanken Leute von Mars erfreute. �Ich halte das nicht l�nger aus.�</p><p>Er wollte aber bleiben und auch die anderen. Darum ging sie schlie�lich allein heim, durch das Tor, den Garten und die Treppe hinauf in ihr Apartment. Hinter ihr ert�nte laut der L�rm der Feier.</p><p>Und da an dem Schrank �ber der Sp�le l�chelte der junge Frank �ber ihren Kummer. Nat�rlich nimmt es diesen Verlauf, sagte der scharfe Blick des jungen Mannes. Auch ich kenne diese Geschichte und habe sie auf dem harten Weg gelernt. Geburtstage, Hochzeiten, gl�ckliche Momente�� sie verfliegen. Sie sind dahingegangen. Sie hatten nie etwas zu bedeuten. Das knappe, stechende und entschlossene L�cheln, und die Augen� Es war, als blickte man in die Fenster eines leeren Hauses. Mary stie� eine Kaffeetasse von der Anrichte. Sie zerbrach auf dem Fu�boden. Der Griff drehte sich, und sie schrie laut auf, sank zu Boden, klammerte die Arme um die Knie und weinte.</p><empty-line/><p>Im neuen Jahr kamen dann Meldungen �ber verst�rkte Sicherheitsma�nahmen in Odessa selbst. Es schien, da� die UNTA die Lektion von Sabishii gelernt hatte und sich anschickte, die anderen St�dte vorsichtiger anzugehen. Neue P�sse, Sicherheitskontrollen an jedem Tor und jeder Garage, beschr�nkter Zugang zu den Z�gen. Man raunte, da� sie besonders auf die Ersten Hundert Jagd machten und sie beschuldigten, die �bergangsbeh�rde st�rzen zu wollen.</p><p>Nichtsdestoweniger wollte Maya, da� die Versammlungen f�r den Freien Mars weitergingen, und Spencer war immer noch bereit, sie mitzunehmen. �So lange wir k�nnen�, sagte sie. Und so gingen sie eines Nachts zusammen die langen Steintreppen der oberen Stadt hinauf. Michel war bei ihnen zum ersten Mal seit dem Angriff auf Sabishii; und Maya schien es, da� er sich recht gut von dem Schock der Nachricht erholte, von jener schrecklichen Nacht, in der Marina an die T�r geklopft hatte.</p><p>Aber bei diesem Meeting kamen noch Jackie Boone und der Rest ihrer Gruppe hinzu, sowie Antar und Leute aus Zygote, die mit dem um Hellas herum fahrenden Zug eingetroffen waren auf der Flucht vor den UNTA-Truppen im S�den und sehr w�tend nach dem Angriff auf Sabishii, kriegerischer denn je. Das Verschwinden von Hiroko und ihrer inneren Gruppe hatte die Ektogenen zum �u�ersten getrieben. Hiroko war doch f�r viele von ihnen die Mutter; und sie alle schienen sich einig zu sein, da� die Zeit gekommen w�re, aus der Deckung herauszugehen und eine Rebellion gro�en Stils zu veranstalten. Jackie sagte der Versammlung, es sei keine Zeit mehr zu verlieren, wenn sie die Leute von Sabishii und die versteckten Kolonisten retten wollten.</p><p>�Ich glaube nicht, da� sie Hirokos Leute erwischt haben�, sagte Michel. �Ich denke, sie sind mit Cojote in den Untergrund gegangen.�</p><p>�Das w�nschst du dir�, sagte Jackie zu ihm; und Maya f�hlte, wie sich ihre Oberlippe zusammenzog.</p><p>�Sie h�tten uns ein Zeichen gegeben, wenn sie ernstlich in Schwierigkeiten stecken w�rden�, erwiderte Michel.</p><p>Jackie sch�ttelte den Kopf. �Sie w�rden nicht wieder ins Versteck gehen, jetzt, da die Lage kritisch zu werden beginnt.� Harmakhis und Rachel nickten. �Und au�erdem, was ist mit den Sabishiianern und dem Gef�ngnis von Sheffield? Und auch hier wird es passieren. Nein, die �bergangsbeh�rde ergreift �berall die Macht. Wir m�ssen jetzt handeln!�</p><p>Jackie machte blo� ein �rgerliches Gesicht, als ob Michel ein Narr w�re, ein schwacher optimistischer ver�ngstigter Idiot. Mayas Puls machte einen Sprung, und sie merkte, da� sie mit den Z�hnen knirschte.</p><p>�Wir k�nnen jetzt nicht handeln! Wir sind nicht bereit�, sagte sie scharf.</p><p>Jackie blitzte sie an. �Wenn es nach dir ginge, w�ren wir nie bereit! Wir w�rden warten, bis sie den ganzen Planeten dicht gemacht haben, und w�ren dann nicht imstande, irgend etwas zu tun, selbst wenn wir es wollten. Genau so h�ttest du es gern, dessen bin ich sicher.�</p><p>Maya scho� aus ihrem Sitz hoch. �Es gibt kein �sie� mehr. Es gibt vier oder f�nf Metanationale, die um den Mars k�mpfen, genau so, wie sie um die Erde k�mpfen. Wenn wir uns mitten darin erheben, werden wir im Kreuzfeuer einfach niedergeschossen. Wir m�ssen unseren Augenblick w�hlen; und das mu� geschehen, wenn sie einander verletzt haben und wir eine echte Chance auf Erfolg haben. Sonst wird man uns erdr�cken; und es ist genau wie einundsechzig. Es gibt nur wildes Get�mmel und Chaos und Tote!�</p><p>Jackie schrie: �Einundsechzig, das ist bei dir immer dasselbe. Die perfekte Ausrede f�r Nichtstun! Sabishii und Sheffield sind stillgelegt, und Burroughs ist geschlossen, und Hiranyagarbha und Odessa werden als n�chste drankommen, und der Aufzug schafft jeden Tag noch mehr Polizei herunter, und sie haben Hunderte von Menschen get�tet oder eingesperrt wie meine Gro�mutter, die die wahre F�hrerin von uns allen ist. Und du redest nur �ber einundsechzig! Einundsechzig hat dich zum Feigling gemacht!�</p><p>Maya holte aus und schlug sie heftig ins Gesicht. Jackie sprang sie an, so da� Maya gegen die Tischkante fiel und ihr die Luft aus der Lunge gepre�t wurde. Trotzdem gelang es ihr, ein Handgelenk von Jackie zu packen, und sie bi� in den angespannten Unterarm so fest sie konnte in der ernsten Absicht, ihr eine Verletzung beizubringen. Dann zerrte man sie auseinander und hielt sie fest. Der Raum tobte, alle br�llten einschlie�lich Jackie, die schrie: �Weibsbild! Verfluchtes Weibsbild! <emphasis>M�rderin!�</emphasis> Und Maya h�rte auch aus ihrer Kehle zwischen Atempausen Worte kommen wie: �Bl�de Schlampe, du bl�de kleine Schlampe!� Die Leute hielten ihr und auch Jackie die H�nde vor den Mund und zischten: �Pst, pst! Still! Sie werden uns h�ren, sie werden uns melden. Die Polizei wird kommen!�</p><p>Endlich nahm Michel seine Hand von Mayas Mund, und sie fauchte ein letztes Mal: �Bl�de kleine Schlampe!� Dann setzte sie sich wieder hin und sah sie alle mit einem scharfen Blick an, der traf und mindestens die H�lfte von ihnen zur Ruhe brachte. Jackie wurde freigelassen und fing an, leise zu fluchen. Maya fuhr so wild dazwischen: <emphasis>�Halt�s Maul!�,</emphasis> da� Michel wieder zwischen sie trat. Fl�sternd kr�chzte Maya: �Alle deine Boys am Schwanz herumziehen und sich einbilden, eine F�hrerin zu sein, und das ohne einen einzigen Gedanken in deinem leeren Kopf���</p><p>�Das h�re ich mir nicht an!� schrie Jackie, und alle machten: <emphasis>�Psst!�,</emphasis> und sie rannte in den Gang hinaus. Das war ein Fehler, ein R�ckzug; und Maya stand wieder auf und benutzte die Zeit, um die anderen mit aufreibendem Fl�stern wegen ihrer Dummheit zu beschimpfen. Und dann, als sie ihr Temperament ein wenig im Griff hatte, pl�dierte sie daf�r, Zeit zu gewinnen. Die qu�lende Sch�rfe ihrer Wut lag knapp unter der Oberfl�che einer rationalen Bitte um Geduld, Zielstrebigkeit und Beherrschung�� ein Argument, das keiner Antwort bedurfte. W�hrend dieser ganzen Beschw�rung starrten sie nat�rlich alle im Raum an, als w�re sie eine blutige Gladiatorin, wirklich die Schwarze Witwe. Und da ihr die Z�hne weh taten, weil sie sie in Jackies Arm geschlagen hatte, konnte sie kaum den Anspruch erheben, das perfekte Muster einer intelligenten Diskussionsteilnehmerin zu sein. Sie f�hlte, ihr Mund m�sse geschwollen sein, so sehr pochte er; und sie k�mpfte gegen ein zunehmendes Gef�hl von Erniedrigung an und machte weiter, k�hl, leidenschaftlich und anma�end. Das Meeting endete mit einer tr�ben und gr��tenteils nicht ausgesprochenen �bereinkunft, jeden Massenaufstand zu verschieben und weiterhin unten zu bleiben.</p><p>Als n�chstes erinnerte sie sich, auf einen Sitz in der Stra�enbahn geplumpst zu sein zwischen Michel und Spencer und versucht zu haben, nicht zu weinen. Sie w�rden Jackie und den Rest ihrer Gruppe aufnehmen m�ssen, solange sie in Odessa waren. Schlie�lich war ihr Haus ja sicher. Es war also eine Situation, in der sie nicht entkommen konnte. Inzwischen w�rden Polizeibeamte vor der Versorgungsfabrik und den B�ros der Stadt stehen und die Handgelenke kontrollieren, ehe sie Leute einlie�en. Wenn sie nicht wieder zur Arbeit ginge, k�nnte man sehr wohl versuchen, ihr nachzusp�ren und nach dem Grund zu fragen; wenn sie aber zur Arbeit ginge und kontrolliert w�rde, war es nicht sicher, ob ihre Identifikation auf dem Handgelenk und ihr Schweizer Pa� ausreichen w�rden, da� man sie passieren lassen w�rde. Es gab Ger�chte, da� die nach �61 erfolgte Balkanisierung von Information allm�hlich auf gr��ere integrierte Systeme zur�ckgef�hrt w�rde, die einige Vorkriegsdaten bewahrt hatten. Darum die Forderung neuer P�sse. Und falls sie in eines dieser Systeme geriete, w�re sie geliefert. Man w�rde sie nach den Asteroiden oder Kasei Vallis verfrachten, foltern und ihren Geist zerst�ren wie bei Sax. �Vielleicht ist es an der Zeit�, sagte sie zu Michel und Spencer. �Wenn sie alle St�dte und Strecken blockieren, was haben wir da f�r eine Wahl?�</p><p>Sie antworteten nicht. Sie wu�ten ebenso wenig, was zu tun w�re, wie sie selbst. Pl�tzlich schien das ganze Unabh�ngigkeitsprojekt wieder ein Phantasiegebilde zu sein, ein Traum, der jetzt genauso unm�glich war wie damals, als Arkady daf�r eingetreten war. Arkady, der so fr�hlich gewesen war und so sehr im Unrecht. Sie w�rden nie von der Erde frei sein�� nie. Sie waren da hilflos.</p><p>�Ich m�chte erst mit Sax sprechen�, sagte Spencer.</p><p>�Und Cojote�, sagte Michel. �Ich mu� ihn noch nach mehr von dem fragen, was in Sabishii geschehen ist.�</p><p>�Und Nadia�, sagte Maya beklommen. Nadia h�tte sich f�r sie gesch�mt, wenn sie sie bei dieser Versammlung gesehen h�tte. Und das tat weh. Sie brauchte Nadia, die einzige Person auf dem Mars, deren Urteil sie noch vertraute.</p><p>Als sie die Stra�enbahnen wechselten, beklagte sich Spencer Michel gegen�ber: �Mit der Atmosph�re ist etwas Merkw�rdiges im Gange. Ich will h�ren, was Sax dazu zu sagen hat. Die Sauerstoffwerte steigen schneller, als ich erwartet h�tte, besonders auf Nord- Tharsis. Es ist so, als w�re ein wirklich erfolgreiches Bakterium ohne jede selbstm�derischen Gene eingeschleust worden. Sax hat sein altes Team von Echus Overlook praktisch wieder beisammen, alle noch am Leben, und sie haben in Acheron und Da Vinci an Projekten gearbeitet, �ber die sie uns nichts erz�hlen. Das ist wie damals bei diesen verdammten Windm�hlenheizern. Darum will ich mit ihm sprechen. Wir m�ssen uns dabei zusammentun, sonst� �</p><p>�Sonst einundsechzig�, betonte Maya.</p><p>�Ich wei�, ich wei�. Du hast damit recht, Maya. Das hei�t, ich stimme zu. Ich hoffe, da� das auch f�r hinreichend viele des Restes von uns gilt.�</p><p>�Wir werden mehr tun m�ssen als blo� hoffen.�</p><p>Das bedeutete, sie w�rde hinausgehen und es selbst machen. V�llig in den Untergrund gehen, von Stadt zu Stadt reisen, von Unterschlupf zu Unterschlupf, wie Nirgal es schon seit Jahren tat, ohne einen Job oder ein Heim, mit so vielen revolution�ren Zellen zusammenkommen, wie sie konnte, und versuchen, sie bei der Stange zu halten. Oder sie mindestens davon abhalten, da� sie es zu fr�h t�ten. Arbeit am Hellasprojekt w�rde nicht mehr m�glich sein.</p><p>Somit war also dieses Leben vorbei. Sie stieg aus der Stra�enbahn und blickte kurz �ber den Park zur Corniche, machte dann kehrt und ging durch das Tor und den Garten, die Treppe hinauf und �ber den vertrauten Korridor. Sie f�hlte sich schwer und alt und �u�erst ersch�pft. Sie steckte den richtigen Schl�ssel ins Schlo�., ohne nachzudenken, ging in das Apartment und sah ihre Sachen an, Michels Haufen von B�chern, den Kandinsky-Druck �ber der Couch, Spencers Zeichnungen, den abgenutzten Kaffeetisch, den abgenutzten E�tisch mit den St�hlen, die Kochecke, wo alles an seinem Platz war einschlie�lich des kleinen Gesichtes am Schrank �ber der Sp�le. Vor wie vielen Lebenszeiten hatte sie dieses Gesicht kennengelernt? Alle diese M�belst�cke w�rden ihrer Wege gehen. Sie stand mitten im Zimmer, aufgebraucht und vereinsamt, bek�mmert wegen dieser Jahre, die fast unmerklich verstrichen waren, fast eine Dekade produktiver Arbeit, voll echten Lebens, die jetzt dieser letzte Sturm der Geschichte wegblasen w�rde in einem Paroxysmus, den sie jetzt versuchen m��te zu lenken oder mindestens zu �berdauern. Sie m��te ihr Bestes tun, um ihn in die Wege zu lenken, die ihnen erlauben w�rden zu �berleben. Verdammt sei die Welt, verdammt ihre Zudringlichkeit, ihre gedankenlose Last, ihr unerbittlicher Lauf durch die Gegenwart, der Leben zerst�rte, wie es so kam� Sie hatte dieses Apartment, diese Stadt und dieses Leben gern gehabt, mit Michel, Spencer, Diana und allen ihren Arbeitskolleginnen und -kollegen, allen ihren Gewohnheiten, ihrer Musik und ihren kleinen t�glichen Freuden.</p><p>Sie schaute traurig Michel an, der in der T�r hinter ihr stand und umherblickte, als ob er den Platz seiner Erinnerung einpr�gen wollte. Ein gallisches Achselzucken. Er sagte: �Nostalgie im Anr�cken� und versuchte zu l�cheln. Auch er hatte dieses Gef�hl. Er verstand, es war diesmal nicht einfach ihre Stimmung, sondern die Realit�t selbst.</p><p>Sie machte eine Anstrengung und l�chelte zur�ck, ging hin und fa�te seine Hand. Unten im Treppenhaus war ein Gepolter zu h�ren, als die Zygotegruppe heraufkam. Sie konnten in Spencers Apartment bleiben, diese Kerle. �Wenn es gelingt, werden wir eines Tages zur�ckkommen�, sagte Maya.</p><p>Sie gingen im frischen Morgenlicht zum Bahnhof hinunter, vorbei an all den Cafes, bei denen noch die St�hle auf den feuchten Tischen standen. Am Bahnhof riskierten sie ihre alten Personalausweise und bekamen ohne Schwierigkeiten Tickets. Sie nahmen einen entgegen dem Uhrzeigersinn fahrenden Zug nach Montepulciano, legten gemietete Schutzanz�ge und Helme an und gingen aus dem Zelt hinaus bergab und verschwanden von der Karte der Oberfl�chenwelt in einer steilen Schlucht der Vorberge. Dort wartete Cojote auf sie in einem Felsenwagen und fuhr sie mitten durch Hellespontus ein sich verzweigendes Netz von T�lern hinauf �ber einen Pa� nach dem anderen in dieser chaotischen Bergkette, die genau so wild war, wie vom Himmel fallendes Gestein erwarten lie�, ein alptraumhaftes Labyrinth, bis sie auf der H�he des westlichen Hanges waren, am Rabe-Krater vorbei und auf den von Kratern umgebenen Bergen des Noachis-Gebirges. Und so waren sie wieder au�erhalb des Netzes und reisten so, wie Maya es noch nie getan hatte.</p><empty-line/><p>Cojote half ihnen sehr beim ersten Teil dieser Unternehmung. Maya hatte den Eindruck, da� er nicht mehr derselbe war�� bedr�ckt und sogar besorgt durch die Eroberung von Sabishii. Er wollte ihre Fragen nach Hiroko und den versteckten Kolonisten nicht beantworten. Er sagte so oft �Ich wei� es nicht�, da� sie anfing, ihm zu glauben, besonders als sich sein Gesicht endlich in einen erkennbaren menschlichen Ausdruck von Kummer verwandelt hatte. Die ber�hmte unersch�tterliche Unbek�mmertheit war verschwunden. �Ich wei� wirklich nicht, ob sie herausgekommen sind oder nicht. Ich war schon drau�en in dem Labyrinth der Halde, als der Angriff begann; und ich bin so schnell wie m�glich in einem Wagen hinausgekommen. Doch aus diesem Ausgang ist sonst niemand gekommen. Aber ich war auf der Nordseite, und sie k�nnten nach S�den hinausgegangen sein. Auch sie befanden sich in dem Haldenlabyrinth, und Hiroko hat Notschutzr�ume genau wie ich. Aber ich wei� es einfach nicht.�</p><p>�Dann wollen wir losgehen und sehen, ob wir es herausfinden k�nnen�, sagte Maya.</p><p>Also fuhr er sie nach Norden zu einem Punkt unter der Strecke von Sheffield nach Burroughs durch einen langen Tunnel, der gerade etwas breiter war als sein Wagen. Die Nacht verbrachten sie in diesem schwarzen Loch, erg�nzten ihre Vorr�te aus eingelassenen Geheimkammern und schliefen den unbehaglichen Schlaf von H�hlenforschern. In der N�he von Sabishii fuhren sie in einen anderen verborgenen Tunnel hinunter und legten einige Kilometer zur�ck, bis sie in eine kleine Garagenh�hle gelangten. Die war ein Teil des Haldenlabyrinths der Leute von Sabishii, und die klotzigen Steinh�hlen dahinter waren wie neolithische Ganggr�ber. Sie wurden durch Neonlampen beleuchtet und von Vulkanschloten erw�rmt.</p><p>Sie wurden dort von Nanao Nakayama begr��t, einem Issei, der so fr�hlich wie immer schien. Sabishii war mehr oder weniger zu ihnen zur�ckgekehrt; und obwohl sich UNTA-Polizei in der Stadt und besonders an den Toren und dem Bahnhof befand, hatte sie immer noch keine Ahnung von dem vollen Umfang der Haldenkomplexe und war daher nicht imstande, die Bem�hungen Sabishiis, dem Untergrund zu helfen, v�llig zu verhindern. Sabishii war, wie er es ausdr�ckte, nicht mehr eine offene Demimonde; aber sie waren noch aktiv.</p><p>Indessen wu�te auch er nicht, wie es Hiroko ergangen war. Er sagte: �Wir haben nicht gesehen, da� die Polizei irgendwelche von ihnen abgef�hrt hat. Aber wir haben Hiroko und ihre Gruppe auch nicht hier unten gefunden, nachdem sich die Lage beruhigt hatte. Wir wissen nicht, wohin sie gegangen sind.� Er zupfte an seinem T�rkisohrring, offensichtlich verwirrt. �Ich denke, die haben sich wohl zu eigenen Pl�tzen begeben. Hiroko war immer darauf bedacht, �berall, wohin sie kam, ein Schlupfloch anzulegen. Das hat Iwao mir einmal erz�hlt, als wir am Ententeich eine Menge Sake getrunken haben. Und mir scheint, da� das Verschwinden eine Gewohnheit Hirokos ist, aber nicht eine der �bergangsbeh�rde. Wir k�nnen also vermuten, da� sie sich dazu entschlossen hat. Aber jetzt wollt ihr sicher ein Bad nehmen und etwas zu essen haben. Und dann k�nnt ihr mit einigen Sansei und Yonsei sprechen, die mit uns ins Versteck gegangen sind. Das w�rde ihnen guttun.�</p><p>So blieben sie �ber eine Woche im Labyrinth, und Maya kam mit verschiedenen Gruppen der k�rzlich Verschwundenen zusammen. Sie verbrachte die meiste Zeit damit, sie zu ermutigen und ihnen zu versichern, da� sie recht bald wieder auf die Oberfl�che und sogar nach Sabishii w�rden hinauskommen k�nnen. Die Sicherheitsma�nahmen wurden sch�rfer, aber die Netze waren leicht zu durchdringen und die alternative �konomie zu ausgedehnt, um eine totale Kontrolle zu erm�glichen. Die Schweiz w�rde ihnen neue P�sse geben, Praxis w�rde ihnen Arbeit beschaffen, und sie w�rden wieder im Gesch�ft sein. Es war aber wichtig, da� sie ihre Anstrengungen koordinierten und der Versuchung widerst�nden, zu fr�h loszuschlagen.</p><p>Nanao sagte Maya nach einem solchen Treffen, da� Nadia in South Fossa �hnliche Appelle �u�erte und da� das Team von Sax sie um mehr Zeit b�te.</p><p>Es gab also einige �bereinstimmung hinsichtlich der Politik, zumindest unter den Oldtimern. Es waren also die radikaleren Gruppen, die am schwierigsten von ihnen im Zaum zu halten waren; und hier hatte Cojote den gr��ten Einflu�. Er wollte pers�nlich einige Fl�chtlinge der Roten besuchen, und Maya und Michel kamen mit, um nach Burroughs zu gelangen.</p><p>Das Gebiet zwischen Sabishii und Burroughs war von Krateraufschl�gen ges�ttigt, so da� sie sich bei Nacht zwischen runden H�geln mit flachen Gipfeln hindurchwanden und bei der D�mmerung jedesmal in kleinen Schutzr�umen an den R�ndern anhielten, die gedr�ngt voller Roter waren, die sich Maya und Michel gegen�ber nicht besonders gastfreundlich zeigten. Aber sie h�rten Cojote sehr aufmerksam zu und tauschten mit ihm Nachrichten aus �ber Dutzende von Orten, von denen Maya nie geh�rt hatte. In der dritten derartigen Nacht kamen sie den steilen Hang der Gro�en B�schung hinunter durch einen Archipel von Mesa-Inseln und dann j�h auf die glatte Ebene von Isidis. Sie konnten weit �ber das Becken blicken bis dahin, wo ein H�gel wie der der Moholes von Sabishii quer �ber das Land verlief in einer gro�en Kurve vom Krater Du Martheray auf der Gro�en B�schung nach Nordwesten auf Syrtis zu. Das war der neue Deich, wie Cojote ihnen sagte, erbaut von einer Robotermannschaft aus dem Elysium- Mohole. Der Deich war wirklich massiv und sah aus wie einer der Basalt-Dorsa des S�dens, nur verriet seine samtige Struktur, da� er aus aufgeh�uftem Regolith bestand und nicht aus hartem vulkanischem Gestein.</p><p>Maya betrachtete die lange Bodenwelle. Die sich �berst�rzenden Konsequenzen ihrer Aktionen schienen irgendwie au�er Kontrolle geraten zu sein.</p><p>Sie konnten versuchen, Bollwerke zu errichten, um sie zusammenzuhalten. Aber w�rden diese D�mme halten?</p><empty-line/><p>Dann waren sie wieder in Burroughs, hineingelangt durch das s�d�stliche Tor mit ihren Schweizer Ausweisen und sicher in einem Haus, das von Bogdanovisten aus Vishniac betrieben wurde, die jetzt f�r Praxis arbeiteten. Das gesch�tzte Haus war ein luftiges helles Apartment etwa halbwegs auf der n�rdlichen Mauer von Hunt Mesa mit einem Blick �ber das zentrale Tal bis zu Branch Mesa und Double Decker Butte. Das Apartment dar�ber war ein Tanzstudio, und viele Stunden des Tages lebten sie mit einem schwachen <emphasis>bum</emphasis>�� <emphasis>bum-bum�� bum�� bum-bum.</emphasis> Direkt �ber dem Horizont markierte eine unregelm��ige Wolke aus Staub und Dampf, wo die Roboter noch am Deich arbeiteten. Jeden Morgen schaute Maya nach dort hinaus und dachte �ber die Nachrichten von Mangalavid und die langen .Berichte von Praxis nach. Dann ging es an das Tagewerk, das v�llig im Untergrund stattfand und sich oft auf Zusammenk�nfte im Apartment beschr�nkte oder die Arbeit an Videonachrichten. Es war also durchaus nicht so �hnlich wie das Leben in Odessa, und es war schwer, irgendwelche Gewohnheiten zu entwickeln, was ihr eine ungute und d�stere Stimmung bereitete.</p><p>Aber sie konnte immer noch durch die Stra�en der gro�en Stadt gehen als eine anonyme B�rgerin wie tausend andere. Sie spazierte am Kanal entlang oder sa� in Restaurants um den Princess Park oder auf einem der weniger beliebten Mesagipfel. Und wohin sie auch ging, sah sie die klaren roten Buchstaben ihrer Graffiti: FREIER MARS! Oder MACHT EUCH BEREIT! Oder, als ob sie eine Halluzination einer Warnung durch ihre eigene Seele h�tte: ES F�HRT KEIN WEG ZUR�CK. Diese Mitteilungen wurden, soweit sie sehen konnte, von der Bev�lkerung ignoriert und oft durch Putzkolonnen entfernt; aber sie tauchten immer wieder in ihrem hellen Rot auf, gew�hnlich auf englisch, manchmal aber auch auf russisch, dessen altes Alphabet ihr wie ein lange verlorener Freund war, wie ein unterschwelliger Blitz aus dem kollektiven Unterbewu�tsein der Leute, falls sie eines hatten. Und irgendwie verloren die Botschaften nie ihren kleinen elektrischen Schock. Es war erstaunlich, welch starke Effekte mit so einfachen Mitteln erzielt werden konnten. Man k�nnte die Menschen wohl zu allem veranlassen, wenn man lange genug davon sprach.</p><p>Ihre Begegnungen mit kleinen Zellen der verschiedenen Widerstandorganisationen verliefen gut, obwohl ihr immer klarer wurde, da� es darunter tiefe Unterschiede aller Art gab, besonders die Abneigung, welche die Roten und Leute von MarsErst gegen die Bogdanovisten und Frei-Mars-Gruppen hegten, die die Roten als Gr�ne und somit eine neue Manifestation des Gegners ansahen. Das konnte �rger geben. Aber Maya tat, was sie konnte; und mindestens h�rte ihr jeder zu, so da� sie glaubte, einigen Fortschritt zu erzielen. Und langsam erw�rmte sie sich f�r Burroughs und ihr verborgenes Leben darin. Michel arrangierte f�r sie eine Routine mit den Schweizern und Praxis und mit den Bogdanovisten, die jetzt in der Stadt versteckt waren�� eine sichere Routine, die ihr gestattete, recht h�ufig mit Gruppen zusammenzukommen, ohne jemals die Integrit�t der sicheren H�user zu gef�hrden, die sie eingerichtet hatten. Und jedes Meeting schien ein wenig zu helfen. Das einzige unl�sbare Problem war, da� so viele Gruppen nach sofortiger Revolution riefen�� Rot oder Gr�n, sie neigten dazu, der radikalen F�hrung von Anns Roten im Hinterland zu folgen und den jungen Hei�spornen um Jackie. Es gab immer mehr F�lle von Sabotage in den St�dten, was eine entsprechende Versch�rfung der polizeilichen �berwachung ausl�ste, bis es sehr m�glich erschien, da� es bald voll losgehen w�rde. Maya begann sich als eine Art Bremse zu sehen, und es raubte ihr den Schlaf, wenn sie sich dar�ber Sorgen machte, wie wenig Leute diese Botschaft h�ren wollten. Andererseits war sie auch diejenige, welche die alten Bogdanovisten und andere Gruppen von Veteranen �ber die Macht der Eingeborenenbewegung in Kenntnis setzen mu�te und sie aufzuheitern hatte, wenn sie deprimiert wurden. �Ann im �dland und ihre Roten zerst�ren grimmig Stellungen. Das darf nicht geschehen!� sagte Maya ihnen immer und immer wieder, obwohl es kein Anzeichen gab, da� Ann diese Botschaft bekam.</p><p>Es gab aber auch ermutigende Anzeichen. Nadia war in South Fossa und baute dort eine starke Bewegung auf, die unter ihrem Einflu� zu stehen schien und eng verbunden war mit Nirgal und dessen Gruppe. Vlad, Ursula und Marina hatten ihre alten Labors in Acheron unter der �gide der nominell leitenden Biotechfirma von Praxis wieder besetzt. Sie waren in st�ndiger Verbindung mit Sax, der mit seinem alten Terraformungsteam in einem Refugium im Krater Da Vinci war und von den Minoern in Dorsa Brevia unterst�tzt wurde. Die Besiedlung dieser gro�en Lavar�hre war viel weiter nach Norden ausgedehnt worden als w�hrend des Kongresses; und die meisten der neuen Segmente dienten als Zuflucht f�r die Fl�chtlinge aus den weiter s�dlich gelegenen zerst�rten oder aufgegebenen Zufluchtsst�tten. Au�erdem waren dort viele Fabriken eingerichtet worden. Maya sah Videos von Leuten, die in kleinen Wagen von einem �berkuppelten Segment ins andere fuhren und unter dem klaren braunen Licht arbeiteten, das von den gefilterten Oberlichtern herunterstrahlte. Sie waren mit etwas besch�ftigt, das man nur als R�stungsproduktion bezeichnen konnte. Sie bauten getarnte Flugzeuge, getarnte Wagen, Boden-Orbit-Flugk�rper, verst�rkte Bunkerblocks (von denen einige schon in der Lavar�hre selbst installiert waren, falls sie je angegriffen w�rde) sowie Luft-Boden-Abwehrflugk�rper, Antisatellitenwaffen, Handwaffen und, wie die Minoer Maya verraten hatten, eine Vielfalt �kologischer Waffen, die Sax selbst entwarf.</p><p>Arbeiten dieser Art und die Zerst�rung der Zufluchtsst�tten im S�den hatten etwas geschaffen, das von weitem wie eine Art Kriegsfieber in Dorsa Brevia aussah; und auch das machte Maya Sorgen. Sax, der mittendrin steckte, war eine sture, brillante, hirngesch�digte, entsicherte Kanone, ein gutgl�ubiger wahnsinniger Wissenschaftler. Er hatte niemals direkt mit ihr gesprochen; und seine Schl�ge gegen die Luftlinse und Deimos, obwohl sehr wirksam, hatten nach ihrer Ansicht die Verst�rkung der Angriffe von UNTA gegen den S�den verursacht. Maya schickte st�ndig Botschaften, die zu Zur�ckhaltung und Geduld mahnten, bis Ariadne �rgerlich antwortete: �Maya, das wissen wir. Wir arbeiten hier mit Sax und wissen, was wir vorhaben; und was du sagst, ist entweder selbstverst�ndlich oder falsch. Wenn du helfen willst, sprich zu den Roten! Aber wir brauchen das nicht.�</p><p>Maya fluchte �ber das Video und sprach mit Spencer dar�ber. Der sagte: �Sax denkt, da� wir, wenn wir losschlagen, einige Waffen brauchen werden, sei es auch nur als Reserve. La� ihn mit mir reden, ja?�</p><p>�Was ist aus der Idee der Enthauptung geworden?�</p><p>�Vielleicht glaubt er, die Guillotine zu bauen. Schau, sprich mit Nirgal und Art dar�ber! Oder sogar Jackie.�</p><p>�Gut! Schau, ich m�chte mit Sax reden. Er <emphasis>mu�</emphasis> mit mir einmal reden, zum Donnerwetter! Bring ihn dazu, willst du?�</p><p>Spencer versprach, es zu versuchen, und arrangierte eines Morgens einen Anruf �ber seine private Leitung zu Sax. Art nahm ihn entgegen, versprach aber, Sax an die Leitung kommen zu lassen. �Maya, er ist in diesen Tagen besch�ftigt. Das gef�llt mir. Die Leute nennen ihn General Sax.�</p><p>�Um Himmels willen!�</p><p>�Das geht schon in Ordnung. Sie reden auch von General Nadia und General Maya.�</p><p>�So nennen sie mich bestimmt nicht.� Die Schwarze Witwe oder noch wahrscheinlicher das Biest. Die M�rderin. Sie wu�te Bescheid.</p><p>Und Arts Zwinkern verriet ihr, da� sie recht hatte. Er sagte: �Na sch�n, wie auch immer. Bei Sax ist es eine Art Scherz. Die Leute reden von der Rache der Labor-Ratten und dergleichen.�</p><p>�Mir gef�llt das nicht.� Die Idee einer neuerlichen Revolution schien jetzt ein Eigenleben zu entfalten, einen Impuls bar jeder realen Logik. Man machte einfach, was man schon immer gemacht hatte. Au�er Mayas Kontrolle und auch au�erhalb der Kontrolle jedes anderen. Selbst ihre kollektiven Bem�hungen, zerstreut und versteckt, wie sie waren, schienen nicht koordiniert oder mit einer klaren Vorstellung dessen konzipiert zu sein, was sie unternehmen sollten und warum. Es geschah einfach.</p><p>Maya versuchte, etwas davon Art darzulegen, und er nickte. �Ich nehme an, das ist Geschichte. Das ist widerw�rtig. Man mu� auf dem Tiger reiten und ihn festhalten. Du hast in diesem Moment eine Menge verschiedener Leute, und die alle haben ihre eigenen Vorstellungen. Aber schau, ich denke, wir machen es besser als beim letztenmal. Ich arbeite an einigen Initiativen unten auf der Erde und verhandle mit der Schweiz und einigen Leuten beim Weltgerichtshof und so weiter. Und Praxis h�lt uns gut auf dem laufenden dar�ber, was auf der Erde zwischen den Metanationalen geschieht. Dies bedeutet, da� wir nicht einfach in etwas hineingerissen werden, das wir nicht verstehen.�</p><p>�Gewi߫, r�umte Maya ein.</p><p>Die von Praxis heraufgeschickten Nachrichten und Analyseb�ndel waren weit gr�ndlicher als alle kommerziellen Nachrichtensendungen. Und als die Metanationalen fortfuhren, in das hineinzutreiben, was man Metanatricid nannte, waren sie hier in ihren Zufluchtsst�tten und sicheren H�usern imstande, dem Schlag auf Schlag zu folgen. Subarashii �bernahm Mitsubishi und dann seinen alten Gegner Armscor und zerstritt sich dann mit Amexx, das schwer daran arbeitete, die Vereinigten Staaten aus der Elfergruppe herauszubrechen. Das sahen sie alles von innen her. Nichts h�tte der Situation in den 2050ern weniger �hnlich sein k�nnen. Und das war ein Trost, allerdings nur ein geringer.</p><p>Und dann war Sax auf dem Bildschirm hinter Art und sah sie an. Er sah, wer das war, und sagte: �Maya!�</p><p>Sie schluckte heftig. Hatte er ihr also wegen Phyllis verziehen? Verstand er, warum sie das getan hatte? Sein neues Gesicht lie� nichts erkennen. Es war so teilnahmslos, wie sein altes gewesen war, und noch schwerer zu deuten, weil es noch so ungewohnt war.</p><p>Sie nahm sich zusammen und fragte, welches seine Pl�ne w�ren.</p><p>�Plan?� sagte er. �Wir sind noch mit Vorbereitungen besch�ftigt. Wir m�ssen auf ein ausl�sendes Ereignis warten. Einen <emphasis>Ausl�ser.</emphasis> Sehr wichtig. Es gibt eine Anzahl M�glichkeiten, die ich im Auge habe. Aber bis jetzt noch nichts.�</p><p>�Fein!� sagte sie. �Aber h�r zu, Sax!� Und dann erz�hlte sie ihm alles, was ihr Sorgen machte�� die St�rke der UNTA-Truppen, die von den gro�en zentristischen Metanationalen gehalten wurden; das st�ndige Dr�ngen auf Gewalt in den radikaleren Fl�geln des Untergrunds und das Gef�hl, da� sie in das gleiche alte Verhaltensmuster verfielen. Und w�hrend sie sprach, zwinkerte er auf seine alte Art, so da� sie erkannte, da� wirklich er es war, der ihr unter diesem neuen Gesicht zuh�rte�� da� er ihr endlich wieder zuh�rte. Darum wurde sie ausf�hrlicher, als sie beabsichtigt hatte, und sprudelte alles heraus, ihr Mi�trauen gegen Jackie, die Angst, wieder in Burroughs zu sein�� alles. Es war, als spr�che sie zu einem Beichtvater oder vor Gericht. Sie flehte den rein rationalen Wissenschaftler an, es nicht wieder so weit kommen zu lassen. Nicht selbst wieder durchzudrehen. Sie h�rte sich stammeln und erkannte, wie ver�ngstigt sie war.</p><p>Und er blinzelte mit einer Art neutraler Sympathie, aber am Ende zuckte er die Achseln und sagte wenig. Das war jetzt General Sax, distanziert und schweigsam, der zu ihr aus der fremden Welt innerhalb seines neuen Verstandes sprach.</p><p>Er sagte ihr: �Gib mir zw�lf Monate! Ich brauche noch zw�lf Monate.�</p><p>�Okay, Sax.� Sie f�hlte sich irgendwie ermutigt. �Ich werde mein Bestes tun.�</p><p>�Danke, Maya.�</p><p>Und er war fort. Sie sa� da und starrte auf den kleinen Schirm der KI. Sie f�hlte sich leer, zu Tr�nen ger�hrt und erleichtert. Vorerst freigesprochen.</p><p>Sie ging also entschlossen wieder an die Arbeit, traf sich fast jede Woche mit Gruppen und machte gelegentliche Ausfl�ge au�erhalb des Netzes nach Elysium und Tharsis, um zu Zellen in den hohen St�dten zu sprechen. Cojote k�mmerte sich um ihre Reisen und flog sie n�chtlicherweise �ber den Planeten, was sie an einundsechzig erinnerte. Michel k�mmerte sich um ihre Sicherheit und besch�tzte sie mit Hilfe eines Teams von Eingeborenen einschlie�lich etlicher Ektogener von Zygote, die sie von einem sicheren Haus zum anderen schafften in jeder Stadt, die sie besuchten. Und sie redete und redete und redete. Es kam nicht nur darauf an, sie zum Warten anzuhalten, sondern auch sie zu koordinieren und zu zwingen zuzugeben, da� sie auf der gleichen Seite standen. Manchmal schien es, als ob sie Wirkung erzielte. Das konnte sie an den Gesichtern der Leute sehen, die kamen, um sie zu h�ren. Bei anderen Gelegenheiten galt ihr ganzes Bem�hen, den radikalen Elementen Z�gel anzulegen. Es gab jetzt viele davon, und es wurden t�glich mehr: Ann und die Roten, Kaseis MarsErst-Leute, die Bogdanovisten unter Mikhail, Jackies �Booner�, die arabischen Radikalen unter F�hrung von Antar, der einer von vielen Liebhabern Jackies war, Cojote, Harmakhis, Rachel� Es war, als versuche sie, eine Lawine aufzuhalten, in der sie selbst gefangen war und nach Klumpen griff, w�hrend sie mit ihnen hinabrollte. In einer solchen Situation begann das Verschwinden von Hiroko immer mehr und mehr als Verh�ngnis aufzuragen.</p><p>Die Anf�lle von <emphasis>deja vu</emphasis> kamen st�rker denn je wieder. Sie hatte schon fr�her in einer solchen Zeit in Burroughs gelebt. Vielleicht war das alles. Aber das Gef�hl war so verwirrend, wenn es auftrat, diese tiefe, unersch�tterliche �berzeugung, da� alles vorher schon genau passiert w�re, so unausweichlich, als ob es eine ewige Wiederkehr g�be�� So wachte sie dann auf und ging ins Bad; und ganz gewi� war all dies schon fr�her geschehen, einschlie�lich der ganzen Steifheit und kleinen Schmerzen. Dann ging sie hinaus, traf Nirgal und einige seiner Freunde und erkannte, da� es ein echter Anfall war und nicht blo� eine Koinzidenz. Alles war schon einmal so passiert. Alles war wie ein Uhrwerk. Schicksalsschl�ge. Nun gut, sie w�rde nachdenken und es ignorieren. Das ist also Realit�t. Wir sind Kreaturen des Schicksals. Mindestens wei� man nicht, was als N�chstes geschehen wird.</p><empty-line/><p>Sie redete endlos mit Nirgal, darum bem�ht, ihn zu verstehen und selbst von ihm verstanden zu werden. Sie lernte von ihm, ahmte ihn jetzt bei Versammlungen nach�� sein strahlendes, freundliches und ruhiges Vertrauen, das die Menschen so zu ihm hinzog. Sie waren beide ber�hmt, man sprach �ber sie beide in den Nachrichten, sie beide waren bei der UNTA auf der Liste der meistgesuchten Personen. Sie durften sich beide nicht auf der Stra�e sehen lassen. Also hatten sie eine Bindung; und sie lernte von ihm alles, was sie konnte, und glaubte, da� er auch von ihr lernen w�rde. Jedenfalls hatte sie Einflu�. Es war eine gute Beziehung, ihre beste Verbindung zu den Jungen. Er machte sie gl�cklich und gab ihr Hoffnung.</p><p>Da� das alles aber im erbarmungslosen Griff eines �berm�chtigen Schicksals geschehen mu�te! Das Wiederzusehen-Glauben, das Schon-einmal-Gewesen war laut Michel nur eine chemische Erscheinung des Gehirns, eine neurale Verz�gerung oder Wiederholung, eine neurale Schleife, die den Eindruck vermittelte, da� die Gegenwart auch eine Art von Vergangenheit w�re. Vielleicht war es das. Also akzeptierte sie diese Diagnose und nahm ohne Klage und ohne Hoffnung alles ein, was er ihr verschrieb. Jeden Morgen und jeden Abend �ffnete sie die Tasche in dem Beh�lterstreifen, den er jede Woche f�r sie herrichtete, und nahm alle Art von Pillen, die darin waren, ohne Fragen zu stellen. Sie schlug nicht mehr auf ihn ein. Sie f�hlte sich nicht mehr dazu gedr�ngt. Vielleicht hatte er endlich den richtigen medizinischen Cocktail f�r sie gemixt. Das hoffte sie. Sie ging mit Nirgal aus zu Versammlungen und kam ersch�pft wieder nachHause in das Apartment unter dem Tanzstudio. Aber oft fand sie dann keinen Schlaf. Ihre Gesundheit verschlechterte sich. Sie war oft krank. Verdaungsbeschwerden, Ischias, Brustschmerzen� Ursula empfahl ihr eine Wiederholung der gerontologischen Behandlung. Das hilft immer, sagte sie. Und mit den neuesten genomischen Scan-Verfahren schneller denn je. Aber Maya glaubte, da� sie keine Woche auslassen d�rfe. Sp�ter, sagte sie Ursula. Wenn dies alles vorbei ist.</p><empty-line/><p>In manchen N�chten, wenn sie nicht schlafen konnte, las sie etwas �ber Frank. Sie hatte das Foto aus der Wohnung in Odessa mitgebracht, und es hing jetzt an der Wand neben ihrem Bett in dem sicheren Haus in Hunt Mesa. Sie empfand immer noch den Druck dieses elektrisierenden Blickes; und so las sie manchmal in den schlaflosen Stunden etwas �ber ihn und versuchte, mehr �ber seine diplomatischen Bem�hungen zu erfahren. Sie hoffte, Dinge zu finden, in denen er gut gewesen war, um sie nachzuahmen, und auch das herauszubringen, was ihrer Meinung nach falsch gewesen war.</p><p>Nach einem anstrengenden Besuch in Sabishii und der noch in seinem Haldenlabyrinth versteckten Kommune fiel sie eines Nachts in ihrem Apartment �ber ihrem Lektionar in Schlaf, das ein Buch �ber Frank gezeigt hatte. Dann wurde sie durch einen Traum �ber Frank aufgeweckt. Ruhelos ging sie hinaus ins Wohnzimmer des Apartments, holte sich einen Becher Wasser und fuhr fort, in dem Buch zu lesen.</p><p>Es handelte besonders von den Jahren zwischen der Vertragskonferenz von 2057 und dem Ausbruch der Unruhen im Jahr 2061. Das waren die Jahre, in denen Maya ihm am n�chsten gewesen war; aber sie erinnerte sich nur l�ckenhaft daran, wie in Lichtblitzen�� Momente elektrischer Intensit�t, getrennt durch lange Perioden �u�erster Finsternis. Und die Darstellung in diesem Buch z�ndete in ihr �berhaupt keine Gef�hle des Wiedererkennens, obwohl sie ziemlich oft im Text erw�hnt wurde. Eine Art von historischem <emphasis>jamais vu.</emphasis></p><p>Cojote schlief auf der Couch und st�hnte in einem Traum auf. Dann erwachte er und sah sich um, um die Lichtquelle zu finden. Er tappte auf dem Weg zum Bad hinter ihr her und blickte ihr �ber die Schulter. �Ah�, sagte er bedeutungsvoll. �Man sagt viel �ber ihn.� Und er ging den Korridor hinunter.</p><p>Als er zur�ckkam, sagte Maya: �Ich nehme an, du wei�t es besser.�</p><p>�Ich wei� �ber Frank manches, das viele nicht wissen. Soviel ist sicher.�</p><p>Maya starrte ihn an. �Sag mir nichts! Auch du bist in Nicosia gewesen.� Dann fiel ihr ein, da� sie das irgendwo gelesen hatte.</p><p>�Das war ich, jetzt, da du es erw�hnst.�</p><p>Er setzte sich schwer auf die Couch und starrte auf den Fu�boden. �Ich habe Frank in jener Nacht gesehen, wie er Ziegelsteine durch Fenster warf. Er hat den Krawall eigenh�ndig gestartet.�</p><p>Er schaute hoch und begegnete ihrem Blick. �Er sprach mit Selim el-Hayil im Apexpark etwa eine halbe Stunde, ehe John angegriffen wurde. Nun kannst du dir selbst ein Bild machen.�</p><p>Maya bi� die Z�hne zusammen und sah auf das Lektionar, ohne ihn zu beachten.</p><p>Er streckte sich auf der Couch aus und fing an zu schnarchen.</p><p>Das war wirklich ein alter Hut. Und wie Zeyk klargemacht hatte, w�rde niemand je diesen Knoten entwirren, ganz gleich, was sie gesehen hatten oder nach ihrer Erinnerung gesehen zu haben glaubten. Niemand konnte so weit in der Vergangenheit einer Sache sicher sein, nicht einmal der eigenen Erinnerungen, die sich bei jeder Wiederholung leicht ver�nderten. Die einzigen Erinnerungen, denen man vertrauen konnte, waren jene ungebetenen Ausbr�che aus der Tiefe, die <emphasis>memoires involuntaires,</emphasis> die so lebhaft waren, da� sie wahr sein mu�ten. Sie betrafen aber oft unwichtige Ereignisse.</p><p>Nein. Cojote war auch nur ein weiterer unzuverl�ssiger Zeuge wie alle anderen.</p><p>Als die Worte des Textes wieder erschienen, las sie weiter.</p><empty-line/><p>Chalmers� Bem�hungen, den Ausbruch der Gewalt zu stoppen, waren nicht erfolgreich, weil er den vollen Umfang des Problems einfach nicht kannte. Wie die meisten der restlichen Ersten Hundert konnte er sich nie den vollen Umfang der Marsbev�lkerung in den 2050er Jahren vorstellen, die damals bereits �ber einer Million lag. Und w�hrend er dachte, der Widerstand w�rde von Arkady Bogdanov gef�hrt, weil er ihn kannte, bemerkte er nicht den Einflu� von Oskar Schnelling in Korolyov oder die weitverbreiteten roten Bewegungen wie Freies Elysium oder die namenlosen Verschwundenen, die zu Hunderten die etablierten Siedlungen verlie�en. Infolge von Unwissenheit und mangelnder Vorstellungskraft wandte er sich nur einem kleinen Bruchteil des Problems zu.</p><empty-line/><p>Maya hielt inne, reckte sich und schaute zu Cojote hin�ber. Was war nun wirklich wahr? Sie versuchte, sich in jene Jahre zur�ckzuversetzen und zu erinnern. Frank hatte es nicht gemerkt, oder doch? <emphasis>Mit Nadeln spielen, wenn die Wurzeln krank sind.</emphasis> Hatte Frank ihr das gesagt, irgendwann zu jener Zeit?</p><p>Sie konnte sich nicht entsinnen. <emphasis>Mit Nadeln spielen, wenn die Wurzeln krank sind.</emphasis> Diese �u�erung stand im Raum, getrennt von allem anderen, von jedem Kontext, der ihr Sinn verleihen k�nnte. Aber sie hatte den sehr starken Eindruck, da� Frank gewu�t hatte, was es da drau�en f�r einen riesigen unsichtbaren Kreis von Unzufriedenheit und Widerstand gab. Niemand hatte das tats�chlich besser gewu�t! Wie konnte das diesem Autor entgangen sein? �berhaupt, wie konnte ein Historiker, der in einem Sessel sa� und die Aufzeichnungen sichtete, jemals das wissen, was sie gewu�t hatten, jemals erfassen, was sie damals gef�hlt hatten, die br�chige kaleidoskopische Natur der t�glichen Krise? Jeden Moment des Sturms, den sie gek�mpft hatten��</p><p>Sie suchte sich an Franks Gesicht zu erinnern; und da kam ihr ein Bild von ihm in den Sinn, wie er am Tisch eines Cafes kl�glich vorgebeugt sa� und sich der wei�e Henkel einer Kaffeetasse unter seinen F��en drehte; und sie hatte die Tasse zerbrochen. Aber warum? Sie konnte sich nicht erinnern. Sie tippte das Buch auf dem Schirm weiter nach vorn, �berflog mit jedem Absatz Monate. Die trockene Analyse war weit entfernt von allem, an das sie sich erinnern konnte. Dann fiel ihr ein Satz ins Auge; und sie las weiter, als ob eine Hand an ihrer Kehle l�ge und sie dazu zwingen w�rde:</p><empty-line/><p>Seit ihrer ersten Liaison in Antarctica hatte Toitovna einen Einflu� auf Chalmers, den er nie aufgab, ganz gleich, wie sehr das seinen eigenen Pl�nen schadete. Als er daher im letzten Monat vor Ausbruch der Unruhen aus Elysium zur�ckkehrte, traf Toitovna mit ihm in Burroughs zusammen; und sie blieben eine Woche beisammen, w�hrend der andere erkannten, da� sie sich stritten. Chalmers wollte in Burroughs bleiben, wo der Konflikt kritisch war; aber Toitovna wollte, da� er nach Sheffield zur�ckkehrte. Eines Abend erschien er in einem Cafe am Kanal so w�tend und aufgeregt, da� die Kellner Angst bekamen und, als Toitovna erschien, erwarteten, da� er explodieren w�rde. Aber er sa� blo� da, als sie ihn an jede Verbindung erinnerte, die sie zusammen gehabt hatten, und was sie einander schuldig waren und �berhaupt ihre ganze Vergangenheit. Schlie�lich beugte er sich ihren W�nschen und kehrte nach Sheffield zur�ck, wo er nicht imstande war, die zunehmende Gewaltt�tigkeit in Elysium und Burroughs unter Kontrolle zu bringen. Und so kam es zur Revolution.</p><empty-line/><p>Maya starrte auf den Schirm. Das war falsch! Alles falsch! Nichts dergleichen war geschehen! Eine Liaison in Antarctica? Nein, niemals!</p><p>Aber sie hatte einmal in einem Restaurant mit ihm eine Auseinandersetzung gehabt� Es war ohne Zweifel m�glich, da� man das beobachtet hatte� Schwer zu sagen. Aber dieses Buch war bl�de, vollgestopft mit unerwiesener Spekulation, �berhaupt keine Geschichte. Oder vielleicht waren alle Geschichten so, wenn man wirklich dort gewesen war und so ein richtiges Urteil haben konnte. Alles L�gen. Sie versuchte, es sich wieder zu vergegenw�rtigen. Sie bi� die Z�hne zusammen, versteifte sich, und ihre Finger kr�mmten sich, als ob sie damit Gedanken ausgraben k�nnte. Aber es war, als ob man an einem Stein kratzen w�rde. Und als sie sich jetzt an diese besondere Konfrontation in einem Cafe zu erinnern versuchte, kam ihr �berhaupt kein visuelles Bild in den Sinn. Die Phrasen aus dem Buch �berlagerten das. <emphasis>Sie erinnerte ihn an jede Verbindung, die sie jemals gehabt hatten.</emphasis> Nein! Eine �ber einen Tisch gebeugte Gestalt�� da war das Bild��, und es blickte schlie�lich zu ihr auf��</p><p>Aber es war das jugendliche Gesicht von ihrer K�chenwand in Odessa.</p><p>Sie st�hnte und fing an zu weinen. Sie knabberte an ihren geballten F�usten und schluchzte.</p><p>�Ist was nicht in Ordnung? Kann ich dir helfen?� fragte Cojote undeutlich von der Couch her.</p><p>�Nein.�</p><p>�Etwas holen?�</p><p>�Nein.�</p><p>Frank war durch B�cher ausgel�scht. Und durch Zeit. Die Jahre waren vergangen; und f�r sie, sogar f�r sie, wurde Frank Chalmers zu einer winzigen historischen Figur neben anderen. Er stand da wie eine Person, die man durch das falsche Ende eines Fernrohrs anblickt. Ein Name in einem Buch. Jemand, �ber den man etwas lesen konnte, zusammen mit Bismarck, Talleyrand und Machiavelli. Und ihrem Frank�� dahin.</p><empty-line/><p>An den meisten Tagen verbrachte sie ein paar Stunden damit, mit Art die Berichte von Praxis durchzugehen im Bem�hen, Verhaltensmuster zu finden und zu verstehen. Durch Praxis bekamen sie solche Mengen an Daten, da� sie vor dem Gegenteil des Problems standen, welches sie in der Krise vor �61 gehabt hatten�� nicht zu wenig Information, sondern zu viel. Jeden Tag wurden die Schrauben in einer Vielfalt von Krisen enger angezogen; und Maya war oft am Rand der Verzweiflung. Einige L�nder, die der UN angeh�rten, s�mtlich Klienten von Consolidated oder Subarashii, verlangten, den Weltgerichtshof abzuschaffen, da seine Funktionen �berfl�ssig w�ren. Die meisten Metanationalen erkl�rten sofort ihre Unterst�tzung f�r diese Idee; und da der Weltgerichtshof vor langer Zeit als eine Agentur der UN angefangen hatte, gab es Leute, die diese Aktion als legal erkl�rten und ihr eine gewisse historische Berechtigung zuschrieben. Aber das erste Ergebnis war der Abbruch einiger laufender Verfahren, was zu K�mpfen in der Ukraine und Griechenland f�hrte. �Wer ist verantwortlich?� fragte Maya Art. �Gibt es jemanden, der so etwas veranla�t?�</p><p>�Nat�rlich. Einige Metanationale haben Pr�sidenten, und alle haben Verwaltungsr�te. Sie kommen zusammen und besprechen die Dinge und entscheiden, welche Anweisungen zu erteilen sind. Das ist wie mit Fort und den achtzehn Unsterblichen bei Praxis, aber Praxis ist demokratischer als die meisten. Und dann ernennen die metanationalen Aussch�sse das Exekutivkomitee f�r die �bergangsbeh�rde. Diese trifft einige lokale Entscheidungen. Ich k�nnte dir die Namen nennen, aber ich glaube nicht, da� die so m�chtig sind wie die Leute daheim.�</p><p>�Macht nichts.� Nat�rlich waren Menschen verantwortlich. Aber niemand hatte die Kontrolle. Das war zweifellos auf beiden Seiten der Fall. Sicher war es beim Widerstand so. Sabotage, besonders gegen die Plattformen des Vastitas-Ozeans, war jetzt allgemein verbreitet; und sie wu�te, wessen Idee das war. Sie sprach mit Nadia dar�ber, mit Ann in Verbindung zu kommen, aber Nadia sch�ttelte blo� den Kopf. �Keine Chance. Ich habe seit Dorsa Brevia nicht mehr mit Ann sprechen k�nnen. Sie ist eine der radikalsten Roten, die es gibt.�</p><p>�Wie immer.�</p><p>�Nun, ich denke, da� sie das fr�her nicht gewesen ist. Aber jetzt spielt das keine Rolle.�</p><p>Maya sch�ttelte den Kopf und ging wieder an die Arbeit. Sie verbrachte jetzt immer mehr Zeit in Zusammenarbeit mit Nirgal. Sie nahm seine Weisungen entgegen und beriet ihn ihrerseits. Er bildete mehr denn je den besten Kontakt unter den Jungen und war auch der Einflu�reichste und obendrein gem��igt. Er wollte auf einen Ausl�ser warten und dann genau wie sie eine konzertierte Aktion organisieren. Und das war nat�rlich einer der Gr�nde, der sie zu ihm hinzog. Aber es lag auch an seinem Charakter, seiner warmen und fr�hlichen Haltung und seiner Achtung vor ihr. Er h�tte nicht st�rker von Jackie verschieden sein k�nnen, obwohl Maya wu�te, da� die beiden eine sehr enge und komplexe Beziehung hatten, die bis in die gemeinsame Kindheit zur�ckreichte. Aber sie schienen jetzt einander entfremdet zu sein, was ihr gar nicht unlieb war, und politisch h�chst uneinig. Jackie war wie Nirgal eine charismatische F�hrungspers�nlichkeit und rekrutierte gro�e neue Scharen in ihren �Booneschen� Fl�gel von MarsErst, der sofortige Aktion bef�rwortete und sie daher mehr in die Richtung von Harmakhis als von Nirgal r�ckte, auf jeden Fall in politischer Hinsicht. Maya tat alles, was sie konnte, um Nirgal in dieser Spaltung unter den Eingeborenen zu unterst�tzen. Bei jeder Versammlung argumentierte sie f�r gr�n, gem��igt, gewaltlos und zentral koordiniert. Aber sie sah deutlich, da� die Mehrheit der neuerdings politisierten Eingeborenen in den St�dten von Jackie und MarsErst angezogen wurden, die im allgemeinen rot, radikal, gewaltt�tig und anarchisch waren. Jedenfalls sah sie es so. Und die zunehmenden Streiks, Demonstrationen, Stra�enk�mpfe und Sabotagen konnten ihre Analyse nur best�rken.</p><p>Es waren aber nicht blo� die meisten der neuen eingeborenen Hinzugekommenen, die zu Jackie gingen, sondern auch Scharen unzufriedener Einwanderer, die zuletzt eingetroffen waren. Diese Tendenz verbl�ffte sie; und sie beklagte sich dar�ber bei Art, als sie eines Tages den Praxisbericht durchgegangen waren.</p><p>�Nun�, sagte er diplomatisch, �es ist gut, so viele Einwanderer wie m�glich auf unserer Seite zu haben.�</p><p>Wenn er nicht gerade in direkter Verbindung zur Erde stand, verbrachte er nat�rlich viel seiner Zeit damit, zwischen Widerstandsgruppen hin und her zu eilen und sie zur Zustimmung zu bewegen. Das war seine Parteipolitik. �Aber warum gehen sie zu ihr?� fragte Maya.</p><p>�Nun� du wei�t, diese Einwanderer kommen an, und einige von ihnen h�ren von den Demonstrationen oder sehen eine�, erkl�rte Art. �Dann fragen sie herum und h�ren Geschichten, und manche h�ren, da� die Eingeborenen, wenn sie losz�gen und sich an einer Demonstration beteiligten, sie deswegen gern haben w�rden. Verstehst du? Vielleicht k�nnten manche der jungen eingeborenen Frauen, die sie anh�ren, freundlich zu ihnen sein, nicht wahr? <emphasis>Sehr</emphasis> freundlich. Also machen sie mit in der Erwartung, da� vielleicht eines dieser gro�en M�dchen, wenn sie mithelfen, sie am Ende des Tages mit nach Hause nehmen wird.�</p><p>�Oho!� sagte Maya.</p><p>�Nun, du wei�t doch. Das passiert bei einigen von ihnen.�</p><p>�Und so bekommt Jackie alle die neuen Rekruten.�</p><p>�Na ja, ich bin nicht sicher, ob das nicht auch f�r Nirgal eine Rolle spielt. Und ich wei� nicht, ob die Leute zwischen ihnen einen gro�en Parteienunterschied machen. Das ist ein feiner Punkt, dessen du dir mehr bewu�t bist als sie.�</p><p>�Hmm.�</p><p>Sie erinnerte sich, da� Michel ihr einmal gesagt hatte, es k�me ebenso sehr darauf an, f�r das zu argumentieren, was sie liebte, wie gegen das, was sie ha�te. Und sie liebte Nirgal. Das war sicher. Er war ein wunderbarer junger Mann, der feinste Eingeborene von allen. Gewi� war es nicht recht, jene Arten von Motivierungen aufzustacheln, jene erotische Energie, die die Leute auf die Stra�en lockte� Wenn die Menschen nur <emphasis>sensibler</emphasis> w�ren! Jackie tat ihr verdammt Bestes, sie in eine zweite ungeplante Revolte zu f�hren, deren Folgen <emphasis>verheerend</emphasis> sein konnten.</p><p>�Ein Teil der Leute folgt auch dir, Maya.�</p><p>�Was?�</p><p>�Du hast mich geh�rt.�</p><p>�Mach schon! Sei kein Narr!�</p><p>Obwohl das ein h�bscher Gedanke war. Vielleicht konnte sie den Kampf um Kontrolle auch auf diese Ebene ausdehnen. Allerdings h�tte sie einen Nachteil. Eine Partei der Alten gr�nden. Nun, das waren sie ja praktisch schon. Das war damals in Sabishii ihre ganze Idee gewesen, da� die Issei den Widerstand �bernehmen und auf den richtigen Weg leiten sollten. Und eine gro�e Anzahl von ihnen hatte viele Jahre ihres Lebens gerade diesem Ziel gewidmet. Aber im Endeffekt hatte es nicht funktioniert. Sie waren an Zahl weit unterlegen. Und die neue Majorit�t war eine neue Spezies mit eigenen Gedanken. Die Issei konnten nur den Tiger reiten und ihr Bestes tun. Sie seufzte.</p><p>�M�de?�</p><p>�Ersch�pft. Diese Arbeit bringt mich noch um.�</p><p>�G�nn dir etwas Ruhe!�</p><p>�Wenn ich zu diesen Leuten spreche, f�hle ich mich manchmal wie ein vorsichtiger, konservativer, feiger Neinsager. Immer tu dies nicht, tu das nicht! Davon wird mir �bel. Ich frage mich manchmal, ob Jackie nicht im Recht ist.�</p><p>�Machst du Witze?� sagte Art mit gro�en Augen. �Du bist die einzige, die diese Show zusammenh�lt, Maya. Du und Nadia und Nirgal. Und ich. Aber du bist die mit der�� der Aura.� Er meinte den Ruf als M�rderin. �Du bist blo� m�de. Ruh dich etwas aus! Es ist gleich der Zeitrutsch.�</p><empty-line/><p>In einer anderen Nacht weckte Michel sie auf. Auf der anderen Seite des Planeten hatten Sicherheitskr�fte von Armscor, die Subarashii einverleibt worden sein sollten, der regul�ren Polizei von Subarashii die Kontrolle des Aufzugs entrissen; und in der Stunde der Ungewi�heit hatte eine Gruppe von MarsErsten die neue Steckdose au�erhalb Sheffield zu erobern versucht. Der Anschlag war fehlgeschlagen, die meisten des Sturmtrupps wurden get�tet, und schlie�lich hatte Subarashii wieder die Kontrolle von Sheffield und Clarke und allem, was dazwischen lag, �bernommen und auch noch von dem gr��ten Teil von Tharsis. Jetzt war dort sp�ter Nachmittag, und auf den Stra�en von Sheffield war eine gro�e Menschenmenge erschienen, um gegen die Gewalt oder die Eroberung zu demonstrieren. Das war unm�glich zu sagen. Es hatte keinen Zweck. Maya sah mit Michel benommen zu, wie Polizeitrupps in Schutzanz�gen und mit Helmen die demonstrierenden Massen zerteilten und mit Tr�nengas und Gummikn�ppeln vertrieben. �Idioten!� rief Maya. �Warum tun sie das? Sie werden das ganze Milit�r der Erde auf uns hetzen!�</p><p>Michel sagte, w�hrend er auf den kleinen Schirm schaute: �Es sieht so aus, als ob sie sich zerstreuten. Wer wei�, Maya? Bilder wie diese k�nnten das ganze Volk elektrisieren. Sie gewinnen diese Schlacht, b��en aber �berall an Unterst�tzung ein.�</p><p>Maya streckte sich vor dem Schirm auf einer Couch aus. Sie war noch nicht wach genug, um nachzudenken. Sie sagte: �Vielleicht. Aber es wird schwieriger denn je, die Leute so lange zur�ckzuhalten, wie Sax w�nscht.�</p><p>Michel winkte mit dem Gesicht zum Bildschirm ab. �Wie lange kann er erwarten, da� du das schaffst?�</p><p>�Ich wei� nicht.�</p><p>Sie sahen zu, wie die Reporter von Mangalavid die Krawalle als von Terroristen gesponsorte Gewaltakte bezeichneten. Maya st�hnte. Spencer sa� vor einem anderen Computerschirm und sprach mit Nanao in Sabishii.</p><p>�Der Sauerstoff nimmt so rasch zu. Da drau�en mu� etwas ohne Selbstmordgene sein. Die Kohlendioxidniveaus? Ja, sie sinken fast ebenso schnell� Ein Heer wirklich gut Kohlenstoff fixierender Bakterien da drau�en, die sich explosionsartig vermehren. Ich habe Sax danach gefragt, und er blinzelt bloߠ� Jawohl, er ist wie Ann au�er Kontrolle. Und die ist drau�en und sabotiert jedes Projekt, an das sie herankommen kann.�</p><p>Als Spencer ausschaltete, sagte Maya zu ihm: �Wie lange will Sax uns eigentlich noch hinhalten?�</p><p>Spencer zuckte die Achseln. �Bis wir etwas bekommen, das er f�r einen Ausl�ser h�lt. Oder eine koh�rente Strategie. Wenn wir aber die Roten und die MarsErsten nicht stoppen k�nnen, spielt es keine Rolle mehr, was Sax will.�</p><empty-line/><p>So schlichen die Wochen dahin. In Sheffield und South Fossa begann eine Kampagne regul�rer Stra�endemonstrationen. Maya dachte, das w�rde ihnen nur noch mehr Sicherheitspersonal bescheren, aber Art sprach zu deren Gunsten. �Wir m�ssen die �bergangsbeh�rde wissen lassen, wie weit der Widerstand verbreitet ist, damit, wenn der Moment kommt, sie nicht versuchen, uns aus Unwissenheit zu vernichten, Verstehst du, was ich meine? An dieser Stelle m�ssen sie sich verha�t und an Zahl unterlegen f�hlen. Zum Teufel, gro�e Volksmassen in den Stra�en sind ungef�hr das einzige, was Regierungen angst macht, wenn du mich fragst.�</p><p>Und ob Maya zustimmte oder nicht, sie konnte nichts daran �ndern. Jeder Tag verging, und sie konnte nur so hart wie m�glich arbeiten, indem sie reiste und mit einer Gruppe nach der anderen zusammenkam, w�hrend in ihrem K�rper ihre Muskeln sich infolge der Anspannung verkrampften und sie nachts kaum schlafen konnte, nicht mehr als eine oder zwei Stunden der Ersch�pfung vor der D�mmerung.</p><empty-line/><p>Eines Morgens im n�rdlichen Fr�hling des M-Jahres 52, Erdjahr 2127, wachte sie erfrischter auf als sonst. Michel schlief noch. Sie zog sich an und ging allein hinaus, quer �ber die gro�e Zentralpromenade zu den Cafes am Kanal. Das war das Sch�ne an Burroughs: Trotz verst�rkter Sicherheit an den Toren und Bahnh�fen konnte man in manchen Stunden noch frei in der Stadt umhergehen, und unter der Menge war wenig Gefahr, herausgegriffen zu werden. So setzte sie sich hin, trank Kaffee und a� Geb�ck und schaute auf die gro�en grauen Wolken, die �ber ihr dahinzogen, den Hang von Syrtis hinab und auf den Deich im Osten zu. Die Luftzirkulation in der Kuppel war stark, was dem dar�ber zu Sehenden eine gewisse kinetische Anpassung gab. Das war seltsam. Wie sehr hatte sie sich daran gew�hnt, da� die Bilder am Himmel nicht zu dem Gef�hl des Windes unter dem Kuppeldach pa�ten. Die lange, schlanke, gebogene R�hre der Br�cke zwischen Ellis Butte und Hunt Mesa war gef�llt mit den ameisen�hnlichen Gestalten von Menschen, die zu ihrer morgendlichen Arbeit strebten. Sie f�hrten ein normales Leben.</p><p>Sie stand eilends auf, zahlte ihre Rechnung und machte einen langen Spaziergang. Sie schlenderte an den Reihen der wei�en Bareiss�ulen entlang und durch den Princess Park zu den neuen Kuppeln, um die Pingoh�gel herum, wo sich die derzeit in Mode befindlichen Apartments befanden. Hier in dem hohen westlichen Distrikt konnte man weit hinunterblicken und die Stadt in ihrer ganzen Ausdehnung sehen, die B�ume und D�cher getrennt durch die Promenade und ihre Kan�le, die gro�en, weitr�umig verteilten Mesas, die riesigen Kathedralen �hnelten. Ihre Seiten aus nacktem Gestein waren rissig und gefurcht. Horizontale Reihen blitzender Fenster waren der einzige Hinweis, da� jede von ihnen eine eigene Stadt war, eine kleine Welt, die gemeinsam mit anderen auf der roten Sandebene unter der immensen unsichtbaren Kuppel lebte und mit ihnen verbunden war durch aufsteigende Fu�g�ngerbr�cken, die wie Seifenblasen blitzten. Ah, Burroughs!</p><p>So ging sie mit den Wolken zur�ck, durch enge Stra�en zwischen Asphaltblocks und G�rten, zu Hunt Mesa und ihrer Wohnung unter dem Tanzstudio.</p><p>Michel und Spencer waren nicht da; und l�ngere Zeit stand sie einfach am Fenster und sah zu, wie die Wolken �ber die Stadt eilten. Sie versuchte, Michels Aufgabe zu �bernehmen, n�mlich ihre Launen zu b�ndigen und sich selbst in ein stabiles Zentrum zur�ckzuziehen. Von der Decke kamen kleine ungeordnete Klopft�ne. Eine neue Klasse begann. Dann war das Klopfen im Gang vor der T�r, und zwar ziemlich laut. Sie ging hin. Ihr Herz pochte wie die Decke.</p><p>Es waren Jackie und Antar, Art und Nirgal, Rachel und Frantz und der Rest der Ektogenen von Zygote, die hereinstr�mten und mit Schallgeschwindigkeit redeten, so da� sie sie nicht ganz verstehen konnte. Sie begr��te sie so herzlich, wie sie konnte, da Jackie dabei war. Dann nahm sie sich zusammen und entfernte allen Ha� aus ihren Augen und sprach mit allen, auch mit Jackie, �ber ihre Pl�ne. Sie waren nach Burroughs gekommen, um bei der Organisation einer Demonstration unten im Kanalpark zu helfen. Man hatte durch die Zellen Mitteilung gemacht, und sie hofften, da� auch viele der nicht angeschlossenen B�rger zu ihnen sto�en w�rden. Maya sagte: �Hoffentlich wird das keine Ma�regelungen beschleunigen.�</p><p>Jackie l�chelte ihr zu, nat�rlich triumphierend. Sie sagte: �Bedenke immer, es f�hrt kein Weg zur�ck.�</p><p>Maya rollte mit den Augen und ging, um Wasser auf den Herd zu stellen. Sie versuchte ihre Bitterkeit zu unterdr�cken. Sie w�rden mit allen Zellenleitern in der Stadt zusammenkommen; und Jackie w�rde das Meeting leiten und alle zu sofortiger Rebellion anstiften, ohne da� Sinn oder Strategie beteiligt waren. Und Maya w�rde nichts dagegen tun k�nnen. Die Zeit war leider vorbei, da sie ihr den Mist austreiben konnte.</p><p>Also ging sie herum, nahm den Leuten die M�ntel ab, gab ihnen Bananen und stie� ihre F��e von den Sofakissen. Sie f�hlte sich wie ein Dinosaurier unter S�ugetieren, ein Dinosaurier in einem neuen Klima, unter flinken hei�en Kreaturen, die ihr triumphierendes Einherstolzieren ha�ten, ihren langsamen Hieben trotzten und hinter ihrem nachschleppenden Schwanz Wettrennen veranstalteten.</p><p>Art kam l�ssig heraus, um ihr beim Austeilen der Teetassen zu helfen, strubbelig und schlapp wie immer. Sie fragte ihn, was er von Fort geh�rt h�tte, und er gab ihr den t�glichen Bericht von der Erde. Subarashii und Consolidated wurden von fundamentalistischen Armeen angegriffen, von etwas, das wie eine fundamentalistische Allianz aussah, obwohl das nur eine Illusion sein konnte, da die christlichen und islamischen Fundamentalisten einander ha�ten und beide die fundamentalistischen Hindus verachteten. Die gro�en Metanationalen hatten die neue UN benutzt, um zu warnen, da� sie ihre Interessen mit entsprechender St�rke verteidigen w�rden. Praxis, Amexx und die Schweiz hatten auf Einschaltung des Weltgerichtshofes gedr�ngt und Indien desgleichen, aber sonst niemand. Michel sagte: �Mindestens haben sie noch Angst vor dem Weltgerichtshof.� Aber f�r Maya sah es eher so aus, als ob sich der Metanatricid zu einem Krieg zwischen den Wohlhabenden und den �Sterblichen� entwickelte, der viel explosiver sein k�nnte�� totaler Krieg anstelle von Enthauptungen.</p><p>Maya und Art besprachen die Lage, w�hrend sie den Leuten im Apartment Tee servierten. Ob Spion oder nicht, Art kannte die Erde und hatte ein scharfes politisches Urteilsverm�gen, was sie hilfreich fand. Er war wie ein voll ausgereifter Frank. Stimmte das? Irgendwie wurde sie an Frank erinnert; und obwohl sie nicht genau sagen konnte, weshalb, gefiel es ihr irgendwie. Niemand sonst h�tte eine �hnlichkeit in diesem plumpen, listigen Mann gesehen. Es war ihre Auffassung und allein die ihre.</p><p>Dann str�mten noch mehr Leute in das Apartment, Zellenleiter und Besucher von au�erhalb der Stadt. Maya sa� hinten und h�rte zu, als Jackie zu ihnen sprach. Ein jeder im Widerstand, dachte Maya beim Zuh�ren, war um seiner selbst willen dabei. Die Art, wie Jackie ihren Gro�vater als Symbol gebrauchte und wie eine Fahne schwenkte, um ihre Truppen zu sammeln, war widerlich. Nicht John war es gewesen, der ihr ihre Anh�nger verschafft hatte, sondern ihre wei�e pralle Bluse, dieses Luder! Kein Wunder, da� Nirgal von ihr entfremdet war.</p><p>Jetzt redete sie ihnen dringend zu mit ihrer gew�hnlichen z�ndenden Botschaft, die enthusiastisch sofortige Rebellion empfahl ungeachtet der vereinbarten Strategie. Und f�r diese sogenannten Boone-Anh�nger war Maya nichts weiter als eine alte Liebschaft dieses gro�en Mannes oder vielleicht der Grund daf�r, da� er get�tet wurde; eine fossile Odaliske, ein historisches �rgernis, ein Objekt menschlichen Begehrens wie Helena von Troja, die von Faust wieder herbeizitiert wurde, substanzlos und geisterhaft. Ach, das war zum Verr�cktwerden! Aber Maya behielt eine k�hle Miene, stand auf und ging mit abgewandtem Gesicht in der K�che ein und aus. Sie tat, was Liebchen so machten, sie machte es den Leuten gem�tlich und verpflegte sie gut. Mehr konnte sie im Moment nicht tun.</p><p>Sie stand in der K�che und blickte aus dem Fenster auf die D�cher hinab. Sie hatte jeden Einflu� auf den Widerstand verloren, den sie je gehabt hatte. Das ganze Ding w�rde losgelassen, ehe Sax oder sonstweiche der �brigen, auf die es ankam, bereit waren. Jackie redete im Wohnzimmer geschwollen weiter daher, um eine Demonstration zu organisieren, die zehntausend, vielleicht f�nfzigtausend Leute in den Park bringen k�nnte. Wer k�nnte das sagen? Und wenn die Sicherheit mit Tr�nengas, Gummigeschossen und Gummikn�ppeln reagierte, w�rden Menschen verletzt und einige Personen get�tet werden. Get�tet ohne einen strategischen Zweck, Personen, die tausend Jahre h�tten leben k�nnen. Und Jackie machte immer noch weiter, strahlend und begeistert. Sie brannte wie eine Flamme. Oben brach die Sonne durch eine Wolkenl�cke wie helles Silber und verd�chtig gro�. Art kam in die K�che, setzte sich an den Tisch, schaltete seine KI ein und steckte das Gesicht hinein. �Ich habe auf dem Handgelenk eine Nachricht von Praxis daheim bekommen.� Er las den Schirm ab, wobei seine Nase ihn fast ber�hrte.</p><p>Maya fragte unsicher: �Bist du kurzsichtig?�</p><p>�Ich glaube, nicht. O Mann! <emphasis>Ka bum.</emphasis> Ist Spencer da drau�en? Hol ihn her!�</p><p>Maya ging zur T�r und machte Spencer ein Zeichen. Er kam herein. Jackie ignorierte die St�rung und redete weiter. Spencer setzte sich neben Art, der sich jetzt mit runden Augen und rundem Mund zur�ckgelehnt hatte, an den K�chentisch. Spencer las ein paar Sekunden und lehnte sich dann auch zur�ck. Er sah mit einer seltsamen Miene zu Maya hin�ber und sagte: �Das ist es!�</p><p>�Was?�</p><p>�Der Ausl�ser.�</p><p>Maya ging zu ihm hin und las �ber seine Schulter.</p><p>Sie hielt sich an ihm fest in einer bizarren Empfindung von Schwerelosigkeit. Die Lawine war nicht mehr aufzuhalten. Sie hatte ihre Arbeit getan, wenn auch nur knapp. Im Moment des Versagens hatte sich das Schicksal gewendet.</p><p>Nirgal kam in die K�che, um zu fragen, was los w�re, angezogen durch etwas in ihren leisen Stimmen. Art sagte es ihm; und seine Augen leuchteten auf. Er konnte seine Erregung nicht verhehlen. Er wandte sich an Maya und fragte: �Ist das wahr?�</p><p>Sie h�tte ihn daf�r k�ssen k�nnen. Statt dessen nickte sie, da sie sich nicht zu sprechen getraute, und ging zur T�r des Wohnzimmers. Jackie war noch mitten in ihrer Ansprache, und es machte Maya die gr��te Freude, sie zu unterbrechen. �Die Demonstration f�llt aus.�</p><p>�Was soll das hei�en?� fragte Jackie aufgebracht und �rgerlich. �Warum?�</p><p>�Weil wir statt dessen eine Revolution haben.�</p></section></section><section><title><p>ZEHNTER TEIL</p><p>Phasenwechsel</p></title><section><p><emphasis>Sie waren beim Pelikansurfen, als Lehrlinge, die am Strand auf und ab h�pften, sie alarmierten, da� etwas nicht stimmte. Sie flogen zur�ck zum Strand, steckten ihre Apparate in denfeuehten Sand und erhielten die Nachricht. Eine Stunde sp�ter waren sie am Flughafen und starteten kurz danach in einem kleinen Skunksworks-Raumflugzeug namens Gollum. Sie nahmen S�dkurs, und als sie irgendwo �ber Panama drei�ig Kilometer hoch waren, z�ndete der Pilot die Raketen. Sie wurden ein paar Minuten lang in ihre f�r hohes Ge berechneten Sitze gepre�t. Die drei Passagiere sa�en in Cockpitsesseln hinter dem Piloten und Copiloten und konnten aus ihren Fenstern die Au�enhaut des Flugzeugs sehen, die wie Zinn aussah und anfing zu gl�hen, was sich schnell in ein starkes Gelb verwandelte mit einer leichten Bronzet�nung, immer heller, bis es aussah, als w�ren sie Sadrach, Mesach und Abed-Nego, die im Feuerofen sa�en und keinen Schaden nahmen.</emphasis></p><p><emphasis>Als die Haut an Glut verlor und der Pilot in Horizontalflug �berging, befanden sie sich etwa hundertdrei�ig Kilometer �ber der Erdoberfl�che und schauten auf den Amazonas hinunter und das sch�ne gebogene R�ckgrat der Anden. W�hrend des Fluges nach S�den erz�hlte einer der Passagiere, ein Geologe, den anderen beiden mehr �ber die Lage.</emphasis></p><p><emphasis>�Die westantarktische Eisdecke ruhte auf Urgestein, das sich unter dem Meeresspiegel befindet. Es ist kontinentales Land, nicht Meeresboden; und unter Westantarctica befindet sich eine geothermisch sehr aktive Becken- und Grenzzone.�</emphasis></p><p><emphasis>�Westantarctica?� fragte Fort zwinkernd.</emphasis></p><p><emphasis>�Das ist die kleinere H�lfte mit der Halbinsel, die in Richtung S�damerika zeigt, und dem Ross-Eisschelf, Die westliche Eisdecke liegt zwischen den Bergen der Halbinsel und dem Transantarktischen Gebirge in der Mitte des Kontinents. Hier, sehen Sie her, ich habe einen Globus dabei.� Er holte aus der Tasche einen aufblasbaren Globus, ein Kinderspielzeug, blies ihn auf und reichte ihn im Cockpit herum.</emphasis></p><p><emphasis>�Also die westliche Eisdecke hier ruhte auf dem Urgestein unter Meeresniveau. Aber das Land darunter ist warm, und es gibt dort unten einige Vulkane unter dem Eis. Darum ist das Eis am Boden etwas geschmolzen. Dieses Wasser mischt sich mit Sedimenten aus den Vulkanen und bildet eine Substanz aus Geschiebelehm, die man Tilit nennt. Es hat eine Konsistenz wie Zahnpasta. Wenn das Eis �ber dieses Tilit gleitet, bewegt es sich schneller als gew�hnlich. Deshalb befanden sich in der westlichen Eisdecke Eisstr�me, wie schnelle Gletscher, deren R�nder aus langsamerem Eis bestanden. Zum Beispiel lief der Eisstrom B t�glich zwei Meter, w�hrend das Eis um ihn herum nur zwei im Jahr zur�cklegte. Und B war f�nfzig Kilometer breit und einen Kilometer tief. Er bildete also einen h�llischen Strom, der zusammen mit etwa einem halben Dutzend anderer Eisstr�me in das Ross-Eisschelf lief.� Er bezeichnete diese unsichtbaren Str�me mit der Fingerpitze.</emphasis></p><p><emphasis>�Hier�� wo die Eisstr�me und das Eisschelf im allgemeinen sich vom Urgestein trennten und ins Rossmeer zu hinausschwammen�� das nannte man die Auflauflinie.�</emphasis></p><p><emphasis>�Ah�, sagte einer von Forts Freunden. �Globale Erw�rmung?�</emphasis></p><p><emphasis>Der Geologe sch�ttelte den Kopf. �Unsere globale Erw�rmung hat auf all dies nur wenig Einflu� gehabt. Sie hat die Temperaturen und Meeresniveaus ein wenig angehoben; aber wenn das alles war, was geschah, h�tte das hier keinen gro�en Unterschied ausgemacht. Das Problem ist, da� wir uns immer noch in der interglazialen Erw�rmung befinden, die am Ende der letzten Eiszeit begann. Und diese Erw�rmung schickt etwas, das wir einen thermischen Impuls nennen, durch die polaren Eisdecken nach unten. Dieser Impuls l�uft seit achttausend Jahren nach unten. Und die Auflauflinie der westlichen Eisdecke hat sich seit achttausend Jahren landeinw�rts bewegt. Und jetzt bricht einer der Vulkane unter dem Eis da unten aus. Eine gro�e Eruption. Jetzt ungef�hr drei Monate alt. Die Auflauflinie hat schon vor einigen Jahren angefangen, sich schneller zur�ckzuziehen, und befand sich dem ausgebrochenen Vulkan sehr nahe. Es sieht so aus, als h�tte die Eruption die Auflauflinie direkt zu dem Vulkan gebracht; und jetzt flie�t Meerwasser zwischen Eisdecke und Urgestein direkt in eine aktive Eruption hinein. Und so bricht die Eisdecke auf. Sie steigt hoch, gleitet ins Rossmeer hinaus und wird von Str�mungen fortgetragen.�</emphasis></p><p><emphasis>Die H�rer starrten auf den kleinen aufblasbaren Globus. Inzwischen befanden sie sich �ber Patagonien. Der Geologe beantwortete ihre Fragen und zeigte auf dem Globus auf bestimmte Stellen. Wie er ihnen sagte, hatte sich so etwas schon fr�her und sogar schon mehrmals ereignet. Westantarctica war Ozean, trockenes Land oder Eisdecke gewesen�� viele Male in den Jahrmillionen, seit tektonische Bewegungen diesen Kontinent in seine heutige Position gebracht hatten. Und es schien etliche instabile Punkte in den langfristigen Temperatur�nderungen zu geben�� er nannte sie Instabilit�tsausl�ser��, welche im Lauf von Jahren massive Ver�nderungen bewirkt hatten. �Dieses klimatologische Zeug ist praktisch instantan, soweit es Geologen betrifft. Es gibt �brigens auch in der Eiskappe von Gr�nland �berzeugende Hinweise darauf, da� sie sich binnen drei Jahren von glazial zu interglazial ver�ndert hat.� Der Geologe sch�ttelte den Kopf.</emphasis></p><p><emphasis>�Und diese Aufbr�che der Eisdecke?� fragte Fort.</emphasis></p><p><emphasis>�Nun, wir denken, die k�nnten in ein paar hundert Jahren ablaufen, was �brigens noch sehr schnell ist. Ein Ausl�seereignis. Aber diesmal macht der Vulkanausbruch es viel schlimmer. Sehen Sie hier, da ist der Bananeng�rtel.�</emphasis></p><p><emphasis>Er zeigte nach unten; und sie sahen quer �ber der Drake- Meerenge eine schmale, vereiste, gebirgige Halbinsel, die in die gleiche Richtung zeigte wie der Schwanzfortsatz von Feuerland.</emphasis></p><p><emphasis>Der Pilot kippte nach rechts und dann schw�cher nach links und begann eine weite l�ssige Schwenkung. W�hrend sie hinunterblickten, lag unter ihnen das aus Satellitenfotos vertraute Bild von Antarctica; aber alles war jetzt leuchtend gef�rbt und gegliedert. Das Kobaltblau des Ozeans, die G�nsebl�mchenkette zyklonischer Wolkensysteme, die verwirbelt nach Norden zog, die schimmernde Masse des Eises und die Flottillen winziger Eisberge, wei� im Blau.</emphasis></p><p><emphasis>Aber die vertraute Q-Gestalt des Kontinents in dem Gebiet hinter dem Komma der antarktischen Halbinsel erschien merkw�rdig fleckig, mit klaffenden blauschwarzen Rissen im Wei�. Und das Rossmeer war sogar noch st�rker zerrissen durch ozeanblaue Fjorde und ein radiales Muster t�rkisblauer Risse. Und vor der K�ste des Rossmeeres schwammen tafelf�rmige Eisberge auf den S�dpazifik zu, die wie davontreibende St�cke des Kontinents selbst aussahen. Der gr��te schien ungef�hr ebenso gro� zu sein wie die S�dinsel von Neuseeland oder sogar noch gr��er.</emphasis></p><p><emphasis>Nachdem sie einander die gr��ten Tafelberge gezeigt hatten und auch die mannigfachen Merkmale der gebrochenen und verkleinerten Eisdecke (der Geologe zeigte, wo nach seiner Meinung der Vulkan unter dem Eis lag, aber das sah nicht anders aus als der Rest der Decke), setzten sie sich einfach wieder hin und beobachteten.</emphasis></p><p><emphasis>Nach einer Weile sagte der Geologe: �Das da ist der Ronne-Eisschelf selbst und die Weddell-See. Ja, auch da gleitet etwas hinein. Da oben, wo McMurdo zu sein pflegte, auf der anderen Seite des Ross-Eises. Eis wurde �ber die Bucht gedr�ckt und hat die Siedlung �berrannt.�</emphasis></p><p><emphasis>Der Pilot begann eine zweite Runde um den Kontinent.</emphasis></p><p><emphasis>�Welchen Effekt wird das haben?��fragte Fort.</emphasis></p><p><emphasis>�Nun, theoretische Modelle sprechen von einer Erhebung des Meeresniveaus um etwa sechs Meter.�</emphasis></p><p><emphasis>�SechsMeter1.�</emphasis></p><p><emphasis>�Nun, es wird einige Jahre dauern bis zum vollen Anstieg; aber es hat entschieden angefangen. Der Ausbruch dieser Katastrophe wird den Meeresspiegel binnen Wochen um etwa zwei oder drei Meter heben. Was von der Eisdecke �brigbleibt, wird binnen Monaten, h�chstens weniger Jahre, aufschwimmen; und das wird zus�tzliche drei Meter ausmachen.�</emphasis></p><p><emphasis>�Wie k�nnte das den ganzen Ozean so sehr anheben?�</emphasis></p><p><emphasis>�Es ist eine Menge Eis.�</emphasis></p><p><emphasis>�So viel Eis kann es nicht sein!�</emphasis></p><p><emphasis>�O doch. Das ist der gr��te Teil des S��wassers in der Welt, da unter uns. Seien Sie blo� dankbar, da� die ostantarktische Eisdecke gut und stabil ist. Wenn sie abgleiten w�rde, erh�ben sich die Meeresspiegel um sechzig Meter.�</emphasis></p><p><emphasis>�Sechzig Meter sind eine ganze Masse�, sagte Fort.</emphasis></p><p><emphasis>Sie beendeten eine neue Runde. Der Pilot sagte: �Wir sollten umkehren.�</emphasis></p><p><emphasis>�Das reicht fiir jeden Strand in der Welt�, sagte Fort. �Ich meine, wir sollten wieder an unsere Arbeit gehen.�</emphasis></p><empty-line/></section><section><p>Als die zweite Revolution auf dem Mars begann, war Nadia im oberen Canyon von Shalbatana Vallis. Man k�nnte in gewissem Sinne sagen, da� sie sie ausgel�st hat.</p><p>Sie hatte South Fossa zeitweilig verlassen, um die Klause von Shalbatana zu inspizieren, die denen �ber Nirgal Vallis und in den T�lern von Ost-Hellas �hnlich war. Ein langes Kuppeldach �ber einer gem��igten �kologie mit einem Flu�, der den Boden des Canyons herunterstr�mte, in diesem Fall durch Pumpen aus dem Reservoir von Lewis, 170 Kilometer weit im S�den. Shalbatana bildete eine lange Reihe leichter S-Windungen, so da� der Talboden sehr malerisch wirkte. Aber der Bau der Kuppel war schwierig gewesen.</p><p>Nichtsdestoweniger hatte Nadia das Projekt nur mit einem kleinen Teil ihrer Aufmerksamkeit geleitet. Der Rest blieb auf die sprunghaften Entwicklungen auf der Erde konzentriert. Sie war in t�glicher Verbindung mit ihrer Gruppe in South Fossa und mit Art und Nirgal in Burroughs; und die hielten sie �ber alle j�ngsten Nachrichten auf dem laufenden. Besonders interessierte sie sich f�r die Aktivit�ten des Weltgerichtshofs, der versuchte, sich als Schiedsrichter in dem wachsenden Konflikt der Metanationalen von Subarashii und der Elfergruppe mit Praxis, der Schweiz und der sich anbahnenden Allianz von China und Indien zu etablieren. Er wollte, wie Art es ausdr�ckte, �als eine Art von Weltgericht fungieren. Diese Bem�hung war aussichtslos erschienen, als die Krawalle der Fundamentalisten begannen und die Metanationalen sich auf die Selbstverteidigung vorbereiteten. Und Nadia hatte ungl�cklicherweise gefolgert, da� die Dinge auf der Erde sich wieder auf einer Spirale nach unten ins Chaos bewegen w�rden.</p><p>Aber alle diese Krisen schrumpften zu Bedeutungslosigkeit, als Sax sie anrief, um ihr von dem Zusammenbruch der westantarktischen Eisdecke zu berichten. Sie nahm diesen Anruf an ihrem Pult in einem Bau-Anh�nger entgegen und starrte auf das kleine Gesicht im Schirm. �Was meinst du mit zusammengebrochen?�</p><p>�Sie hat sich vom Urgestein abgehoben. Ein Vulkan bricht aus. Sie rutschte ins Meer und wird durch Meeresstr�mungen zerbrochen.�</p><p>Das Videobild, das er sendete, war ein Schnitt, der in Punta Arena aufgenommen war, einer chilenischen Hafenstadt, deren Docks verschwunden und Stra�en �berflutet waren. Dann kam ein Schnitt auf Port Elizabeth im s�dafrikanischen Azania, wo die Situation ziemlich dieselbe war.</p><p>�Wie schnell ist das?� fragte Nadia. �Ist es eine Gezeitenwelle?�</p><p>�Nein. Mehr wie eine sehr starke Springflut. Aber die wird nie mehr verschwinden.�</p><p>�Also ist gen�gend Zeit zum Evakuieren, aber nicht genug, um etwas zu bauen�, sagte Nadia. �Und du sprichst von <emphasis>sechs Metern?�</emphasis></p><p>�Aber nur f�r die n�chsten paar� Niemand wei� genau, wie lange. Ich habe Sch�tzungen gesehen, wonach nicht weniger als ein Viertel der Erdbev�lkerung betroffen sein wird.�</p><p>�Das glaube ich. O Sax���</p><p>Eine weltweite panische Flucht auf h�her liegendes Terrain. Nadia starrte auf den Schirm und f�hlte sich wie gel�hmt, als sie sich �ber das Ausma� der Katastrophe klarer wurde. Die K�stenst�dte w�rden unter Wasser stehen. <emphasis>Sechs Meter!</emphasis> Sie fand es schwer, sich vorzustellen, da� irgendeine m�gliche Eismasse imstande sein k�nne, den Meeresspiegel nur um einen Meter anzuheben�� aber <emphasis>sechs!</emphasis> Das war, wenn es dessen noch bedurft h�tte, ein ersch�tternder Beweis daf�r, da� die Erde doch gar nicht so gro� war. Oder aber, da� die westantarktische Eisdecke riesig war. Nun, sie hatte ein Drittel des Kontinents bedeckt und war, wie die Berichte angaben, mehr als drei Kilometer dick. Das war eine Menge Eis. Sax sagte etwas �ber die ostantarktische Eisdecke, die anscheinend nicht bedroht war.</p><p>Maya sch�ttelte den Kopf, um sich von diesem Geschw�tz freizumachen, und konzentrierte sich auf die Nachrichten.</p><p>Bangladesh w�rde man ganz evakuieren m�ssen, das waren dreihundert Millionen Menschen. Ferner die K�stenst�dte Indiens wie Kalkutta, Madras und Bombay. Dann London, Kopenhagen, Istanbul, Amsterdam, New York, Los Angeles, New Orleans, Miami, Rio, Buenos Aires, Sydney, Melbourne, Singapore, Hong-Kong, Manila, Djakarta, Tokio�� Und das waren nur die gro�en St�dte. An der K�ste lebte eine Menge Leute, in einer Welt, die schon durch �berbev�lkerung und abnehmende Ressourcen ernsthaft in Not war. Und jetzt wurden alle elementaren Bed�rfnisse durch Salzwasser ertr�nkt.</p><p>�Sax, wir sollten ihnen helfen�, sagte sie. �Nicht blo߅ �</p><p>�Es gibt nicht viel, das wir tun k�nnen. Und das k�nnen wir am besten tun, wenn wir frei sind. Erst das eine, dann das andere.�</p><p>�Versprichst du das?�</p><p>�Ja�, sagte er und sah �berrascht aus. �Ich meine, ich werde tun, was ich kann.�</p><p>�Darum bitte ich ja.� Sie dachte dar�ber nach. �Hast du auf deiner Seite alles bereit?�</p><p>�Ja. Wir wollen mit Fernlenkgeschossen gegen alle �berwachungs- und Waffensatelliten anfangen.�</p><p>�Was ist mit Kasei Vallis?�</p><p>�Damit besch�ftige ich mich gerade.�</p><p>�Wann willst du losschlagen?� �Wie w�re es mit morgen?�</p><p>�Morgen?�</p><p>�Ich mu� mich sehr bald um Kasei k�mmern. Die Bedingungen sind gerade jetzt g�nstig.�</p><p>�Was hast du vor?�</p><p>�La� uns versuchen, morgen anzufangen. Es hat keinen Sinn, Zeit zu vergeuden.�</p><p>�Mein Gott!� sagte Nadia und dachte scharf nach. �Wir sind gerade dabei, hinter die Sonne zu gehen?�</p><p>�Ja.�</p><p>Diese Position vis-a-vis zur Erde hatte in diesen Tagen mehr symbolischen Charakter, da die Nachrichtenverbindungen durch viele Asteroidenrelais gesichert waren. Aber sie bedeutete doch, da� selbst die schnellsten Shuttles Monate brauchen w�rden, um von der Erde zum Mars zu gelangen.</p><p>Nadia holte tief Luft und sagte: �Also los!�</p><p>�Ich hoffte, da� du das sagen w�rdest. Ich werde die in Burroughs anrufen und Bescheid geben.�</p><p>�Werden wir uns in Underhill treffen?� Das war ihr derzeitiger Treffpunkt in Notf�llen. Sax befand sich in einem Refugium im Da Vinci-Krater, wo viele seiner Geschosse stationiert waren Darum konnten beide in Tagesfrist nach Underhill gelangen.</p><p>�Ja, morgen�, sagte er und war weg.</p><p>Und so l�ste Nadia die Revolution aus.</p><empty-line/><p>Sie fand eine Nachrichtensendung mit dem Satellitenfoto aus der Antarktis und sah es verst�rt an. Kleine Stimmen auf dem Bildschirm plapperten rasch dahin. Die eine behauptete, die Katastrophe w�re ein Sabotageakt seitens Praxis, die angeblich L�cher in die Eisdecke gebohrt und Wasserstoffbomben auf dem antarktischen Urgestein angebracht h�tte. Sie rief angewidert: �Immer noch damit besch�ftigt!� Kein anderer Nachrichtendienst stellte diese Behauptung auf oder widersprach ihr. Es war ohne Zweifel ein Teil des Chaos und wurde von allen anderen Berichten �ber die Flut weggesp�lt. Aber der Metanatricid dauerte an. Und sie waren ein Teil davon.</p><p>Alle Existenz reduzierte sich sofort darauf in einer Weise, die stark an 2061 erinnerte. Maya f�hlte, da� sich ihr Magen wie fr�her verkrampfte, �ber alle gew�hnlichen Spannungszust�nde hinaus zu einer Walnu� im Zentrum ihres Wesens, schmerzhaft und zusammenpressend. Sie hatte k�rzlich Medizin eingenommen, um Geschw�ren vorzubeugen; aber die war f�r diesen Anfall j�mmerlich unzureichend. Ruhig sein! Dies ist der Moment. Du hast ihn erwartet, du hast daf�r gearbeitet. Du hast die Basis daf�r gelegt. Jetzt kam das Chaos. Im Herzen jedes Phasenwechsels gab es eine Zone von herabst�rzendem, rekombinierendem Chaos. Aber es gab Methoden, die zu verstehen und damit umzugehen.</p><p>Maya ging durch das kleine mobile Habitat und blickte kurz hinab auf die idyllische Sch�nheit des Canyonbodens von Shalbatana mit seinem kiesroten Flu� und den neuen B�umen sowie Streifen von Baumwolle auf den Ufern und Inseln. Wenn die Dinge drastisch schiefgingen, war es m�glich, da� nie wieder jemand in Shalbatana wohnen w�rde, da� dies eine leere Blasenwelt bleiben w�rde, bis Schlammst�rme das Dach eindr�ckten oder in der mesokosmischen �kologie etwas versagte. Nun��</p><p>Sie zuckte die Achseln, weckte ihre Crew und wies sie an, sich fertig zu machen, um nach Underhill aufzubrechen. Sie sagte ihnen, warum; und da sie alle auf die eine oder andere Art zur Widerstandsbewegung geh�rten, jubelten sie.</p><p>Es war knapp nach der D�mmerung an einem vermutlich warmen Fr�hlingstag, an dem sie in leichten Schutzanz�gen mit Kapuzen und Gesichtsmasken h�tten arbeiten k�nnen, wobei nur die isolierten harten Stiefel Nadia an die plumpe Kleidung der fr�hen Jahre erinnerten. Freitag, Ls 101, 2. Zweitjuli im M-Jahr 52, irdisches Datum (sie sah auf ihr Armband) 12. Oktober 2127. Irgendwie nahe dem hundertsten Jahrestage ihrer Ankunft, obwohl niemand dieses Datum zu feiern schien. Hundert Jahre! Das war ein bizarrer Gedanke.</p><p>Also eine neue Julirevolution und zudem auch noch eine Oktoberrevolution. Eine Dekade nach dem zweihundertsten Jahrestag der bolschewistischen Revolution, wie sie sich zu erinnern glaubte. Das war noch ein seltsamer Gedanke. Nun, aber auch sie hatten es versucht. Alle Revolution�re im ganzen Verlauf der Geschichte. Zumeist verzweifelte Bauern, die f�r das Leben ihrer Kinder k�mpften. Wie in ihrem Ru�land. So viele in jenem bitteren zwanzigsten Jahrhundert, die alles wagten, um ein besseres Leben zu schaffen. Aber dennoch hatte es zur Katastrophe gef�hrt. Das war erschreckend, als ob die Geschichte eine Folge von Wellen menschlicher Angriffe gegen Elend w�re, die immer mi�langen.</p><p>Aber die Russin in ihr, das sibirische Kleinhirn, beschlo�, das Oktoberdatum als gutes Omen anzusehen. Oder als eine Mahnung, was man nicht tun d�rfe, im Hinblick auf 2061. Sie konnte in ihrem sibirischen Geist dies ihnen allen widmen. Dem heroischen Leid der sowjetischen Katastrophe, allen ihren Freunden, die 2061 gestorben waren, Arkady, Alex, Sasha, Roald, Janet, Evgenia und Samantha, allen denen, die noch in ihren Tr�umen und ihren abgeschw�chten schlaflosen Erinnerungen spukten, wie Elektronen um die eiserne Walnu� in ihrem Innern kreisten und sie mahnten, nichts zu verkrampfen, sondern es diesmal richtig zu machen und den Sinn ihrer Leben und ihrer Tode wiedergutzumachen. Sie entsann sich, da� jemand ihr gesagt hatte: �Wenn ihr das n�chste Mal eine Revolution habt, dann versucht es lieber auf eine andere Art.�</p><p>Und jetzt waren sie soweit. Aber es gab Guerillaverb�nde der MarsErsten unter Kaseis Befehl, ohne Kontakt mit dem Hauptquartier in Burroughs, sowie tausend andere Faktoren, die ins Gewicht fallen w�rden und deren meiste v�llig au�er ihrer Kontrolle waren. Ein kaskadenartig herabst�rzendes rekombinierendes Chaos. Wie anders w�rde es also wohl diesmal kommen?</p><empty-line/><p>Sie brachte ihre Crew in Rovern zu dem kleinen Bahnhof einige Kilometer im Norden. Von dort fuhren sie in einem G�terzug auf einer mobilen Piste, die f�r die Arbeiten in Shalbatana angelegt worden war und zur Hauptstrecke zwischen Sheffield und Burroughs f�hrte. Diese St�dte waren beide Bollwerke der Metanationalen, und Nadia bef�rchtete, da� diese sich bem�hen w�rden, die Verbindungsstrecke zu sichern. In diesem Sinn war Underhill strategisch wichtig, da seine Besetzung die Strecke abschneiden w�rde. Aber gerade aus diesem Grunde wollte sie von Underhill wegkommen und �berhaupt von dem ganzen Pistensystem. Sie wollte in die Luft gehen, wie sie es �61 getan hatte. Alle in jenen paar Monaten erworbenen Instinkte wollten wieder die Herrschaft �bernehmen, als ob Sechsundsechzig Jahre nicht vergangen w�ren. Und diese Instinkte rieten ihr, sich zu verstecken.</p><p>W�hrend sie nach S�dwesten �ber die W�ste fuhren, welche die L�cke zwischen Ophir und Juventae Chasmas schlie�t, hielt sie mit ihrem Armband Verbindung zu Saxens Hauptquartier im Krater Da Vinci. Dessen technischer Stab bem�hte sich, seinen trockenen Stil nachzuahmen; aber es war deutlich, da� sie ebenso aufgeregt waren wie Mayas junge Bauleute. Es kamen zugleich f�nf von ihnen ans Armband, um ihr mitzuteilen, da� sie eine Sperre der Boden-Orbit-Geschosse ausgel�st h�tten, welche Sax in versteckten �quatorialen Silos w�hrend der letzten zehn Jahre untergebracht hatte. Und diese Sperre sei wie ein Feuerwerk losgegangen und h�tte alle orbitalen Waffenplattformen der Metanationalen weggeputzt, die sie kannten, und auch viele ihrer Nachrichtensatelliten. �Wir haben mit der ersten Welle achtzig Prozent von ihnen erwischt! Wir haben unsere eigenen Nachrichtensatelliten hochgeschickt! Jetzt besch�ftigen wir uns mit ihnen von Fall zu Fall� �</p><p>Nadia unterbrach: �Funktionieren eure Satelliten?�</p><p>�Wir finden sie prima! Wir k�nnen das erst nach einem vollen Test genau sagen, aber alle sind jetzt sehr besch�ftigt.�</p><p>�La�t uns einen davon jetzt ausprobieren! Und das machen einige von euch dringend�� verstanden? Wir brauchen ein redundantes System, ein <emphasis>sehr</emphasis> redundantes System.�</p><p>Sie schaltete aus und gab einen der Frequenz- und Verschl�sselungscodes ein, den Sax ihr gegeben hatte. Ein paar Sekunden sp�ter sprach sie mit Zeyk, der in Odessa war und half, die Aktivit�ten im Hellasbecken zu koordinieren. Er sagte, bislang ginge alles nach Plan. Nat�rlich w�ren sie erst ein paar Stunden dabei; aber es schien, da� sich die Organisationsarbeiten von Michel und Maya gelohnt h�tten, weil alle Mitglieder der Zellen in Odessa in die Stra�en gestr�mt waren und den Leuten sagten, was geschah. Sie hatten eine spontane Arbeitsniederlegung und Demonstration entflammt. Sie waren jetzt dabei, den Bahnhof zu sperren, die Corniche und die meisten anderen �ffentlichen Pl�tze mit einem Schlage zu besetzen, der bald zu einer v�lligen �bernahme f�hren d�rfte. Das Personal der �bergangsbeh�rde in der Stadt z�ge sich auf den Bahnhof oder die Versorgungsanlage zur�ck, wie Zeyk gehofft hatte. �Wenn die meisten von ihnen drin sind, werden wir die KI der Anlage �berspielen; und dann wird es ein Kerker sein, in dem sie festsitzen. Wir haben die Kontrolle �ber die Reserven der Lebenserhaltungssysteme der Stadt �bernommen.</p><p>Darum k�nnen sie sehr wenig unternehmen oder h�chstens sich in die Luft sprengen. Aber wir denken, das werden sie nicht tun. Eine Menge der UNTA- Leute hier sind Syrer unter Niazi; und ich spreche mit Rashid, w�hrend wie versuchen, die physikalische Anlage von au�en stillzulegen, nur um uns zu vergewissern, da� niemand da drin sich entschlie�t, ein M�rtyrer zu werden.�</p><p>�Ich glaube nicht, da� es unter den Metanationalen zu viele M�rtyrer geben wird�, sagte Nadia.</p><p>�Das hoffe ich auch nicht, aber wer kann es sagen? So weit, so gut hier, immerhin. Und anderswo rund um Hellas ist es sogar noch leichter gewesen. Die Sicherheitskr�fte waren minimal, und die meisten der Bev�lkerung sind Eingeborene oder radikalisierte Einwanderer; und sie haben die Sicherheit einfach umzingelt und sie gewarnt, irgendwie gewaltt�tig zu werden. Es hat sich entweder ein Unentschieden ergeben, oder die Sicherheitskr�fte wurden entwaffnet. Dao und Harmakhis-Reull haben sich zu freien Canyons proklamiert und jeden, der will, eingeladen, dort bei Bedarf Zuflucht zu suchen.�</p><p>�Gut!�</p><p>Zeyk h�rte die �berraschung in ihrer Stimme und warnte: �Ich glaube nicht, da� es in Burroughs und Sheffield so leicht sein wird. Und wir m�ssen den Aufzug stillegen, damit sie nicht anfangen k�nnen, von Clarke aus auf uns zu schie�en.�</p><p>�Zumindest sitzt Clarke �ber Tharsis fest.�</p><p>�Gewi�. Aber es w�re h�bsch, das Ding zu packen, damit nicht wieder der Aufzug auf uns herunterkracht.�</p><p>�Ich wei�. Ich habe geh�rt, da� die Roten mit Sax an einem Plan f�r die Kaperung arbeiten.�</p><p>�Allah sch�tze uns! Nadia, ich mu� Schlu� machen. Sag Sax, da� die Pl�ne f�r die Fabrik tadellos funktioniert haben. Und h�re, ich meine, wir sollten herkommen und uns mit dir im Norden zusammentun. Wenn wir Hellas und Elysium schnell sichern k�nnen, wird das unsere Chancen mit Burroughs und Sheffield erh�hen.�</p><p>Also ging es mit Hellas wie geplant. Und was ebenso oder sogar noch wichtiger war, sie hatten noch Verbindung miteinander. Das war kritisch. Unter allen Alptr�umen von �61 gab es unter den Szenen, die in ihrer Erinnerung blitzartig durch Angst oder Schmerz aufleuchteten, wenige, die schlimmer waren als das Gef�hl absoluter Hilflosigkeit, als ihr Kommunikationssystem zusammengebrochen war. Danach spielte nichts von dem, was sie taten, eine Rolle. Sie waren wie Insekten gewesen, denen man die Antennen abgerissen hat und die hilflos herumtaumeln. Darum hatte Nadia im Lauf der letzten Jahre Sax wiederholt gedr�ngt, er m�ge vordringlich einen Plan zum Schutz ihrer Nachrichtenverb indun�� gen aufstellen. Und er hatte eine ganze Flotte sehr kleiner Kommunikationssatelliten gebaut und jetzt in den Orbit gebracht, die getarnt und so gut wie m�glich gepanzert waren. Bisher funktionierten sie wie geplant. Und die eiserne Walnu� in Nadia war zwar nicht verschwunden, dr�ckte aber nicht mehr so heftig auf ihre Rippen. Ruhe, sagte sie zu sich. Dies ist der Moment und der einzige Moment. Konzentrier dich darauf!</p><empty-line/><p>Die mobile Piste erreichte die gro�e �quatoriale Linie, die im Vorjahr neu angelegt worden war, um das Eis von Chryse zu vermeiden. Und sie rangierten auf die Piste f�r Nahverkehrsz�ge und fuhren nach Westen. Ihr Zug war nur drei Waggons lang; und Nadias ganze Crew, �ber drei�ig Personen, waren alle im ersten Wagen beisammen, um die eingehenden Meldungen auf dem Bildschirm des Wagens zu verfolgen. Es gab offizielle Nachrichten von Mangalavid in South Fossa, die wirr und inkonsistent waren. Sie verbanden normale Wetterberichte und dergleichen mit kurzen Meldungen �ber Anschl�ge in vielen St�dten. Nadia hielt ihr Armband in Kontakt mit entweder Da Vinci oder dem sicheren Haus der Freimarsleute in Burroughs. W�hrend der Fahrt beobachtete sie sowohl den Schirm im Wagen wie ihr Handgelenk und nahm gleichzeitige Kurzmeldungen auf, als ob sie einer polyphonen Musik lauschte. Sie stellte fest, da� sie die beiden Quellen gleichzeitig ohne Schwierigkeiten verfolgen konnte, und hungerte nach mehr. Praxis sendete st�ndig Berichte �ber die Lage auf der Erde, die konfus war, aber nicht so unzusammenh�ngend und undurchsichtig wie 2061. Einerseits hielt Praxis sie auf dem laufenden; und andererseits galt viel der laufenden Aktivit�t auf der Erde der Evakuierung der K�stenbewohner aus dem Bereich der Fluten, die bisher wie sehr starke Springfluten waren, wie Sax es erwartet hatte. Der Metanatricid ging weiter in Form von operativen Schl�gen und Enthauptungsunternehmungen, Sto�truppangriffen und Gegenangriffen auf verschiedene Komplexe und Hauptquartiere von Firmen in Verbindung mit legalen Aktionen und Propaganda aller Art, einschlie�lich einer Anzahl von Prozessen und Gegenverfahren, die endlich beim Weltgerichtshof anh�ngig gemacht worden waren, was Nadia ermutigend fand. Aber diese strategischen Angriffe und Man�ver waren angesichts der globalen �berschwemmung zweitrangig. Und selbst in ihren schlimmsten Formen (Videos von explodierenden Bomben, verungl�ckten Flugzeugen, Stra�en, die durch Bomben mit Kratern �bers�t waren) waren sie immer noch unendlich viel besser als jede Art eines eskalierenden Krieges, der in biologischer Form Millionen t�ten k�nnte. Das wurde deutlich in einem schockierenden Bericht aus Indonesien, der �ber den Schirm des Wagens kam. Eine radikale Befreiungsgruppe aus Ost-Timor hatte auf die Insel Java eine noch nicht identifizierte Seuche losgelassen, so da� zu mit den Lasten der �berschwemmung Hunderttausende kamen, die an der Krankheit starben. Auf einem Kontinent w�rde eine solche Seuche eine fatale Katastrophe bedeuten; und es gab keine Garantie, da� das nicht doch noch passieren w�rde.</p><p>Aber inzwischen war mit dieser einen schrecklichen Ausnahme der Krieg da unten das, was man das Chaos des Metanatricids nannte, das sich als ein Kampf auf h�chster Ebene abspielte. Ein Vorgehen faktisch �hnlich dem, was sie auf dem Mars versuchten. Das war in gewisser Weise tr�stlich, obwohl die Metanationalen, wenn sie sich diesen Stil aneigneten, wohl auch ebenso auf dem Mars Krieg f�hren k�nnten�� wenn nicht im ersten Moment der �berraschung, so doch sp�ter, wenn sie sich neu organisiert hatten. Und in dem eingehenden Nachrichtenstrom aus Praxis in Genf gab es einen omin�sen Punkt, der darauf deutete, da� sie vielleicht schon reagierten. Ein schnelles Shuttle mit einer gro�en Macht von �Sicherheitsexperten� hatte vor drei Monaten die Erdbahn in Richtung Mars verlassen, wie die Meldung sagte, und wurde �in wenigen Tagen� auf dem Mars erwartet. Diese Meldung wurde jetzt laut der UN-Pressestelle freigegeben, um die Sicherheitskr�fte zu ermutigen, die durch Krawalle und Terrorismus bedr�ngt wurden.</p><p>Nadias Konzentration auf die Nachrichten wurde unterbrochen durch das Erscheinen eines der gro�en die Welt umrundenden Z�ge auf der Piste neben ihnen. Eine Sekunde lang glitten sie sanft �ber das rumplige Plateau von Ophir Planum, w�hrend der gro�e Zug mit f�nfzig Waggons an ihnen vorbeirauschte. Aber er wurde nicht langsamer, und darum konnte man nicht sagen, wer, wenn �berhaupt jemand, hinter seinen verdunkelten Fenstern sa�. Dann war er an ihnen vorbei und bald danach am Horizont verschwunden.</p><p>Die Nachrichtensendungen gingen in ihrem rasenden Tempo weiter. Die Reporter waren offensichtlich durch die Ereignisse des Tages �berrascht�� Krawalle in Sheffield, Arbeitsniederlegungen in South Fossa und Hephaestus. Die Vorf�lle �berschnitten sich in so rascher Folge, da� Nadia im Zweifel war, ob sie real w�ren.</p><p>Als sie nach Underhill kamen, hielt Nadias Gef�hl von Unwirklichkeit an; denn die verschlafene und halb aufgegebene alte Siedlung sprudelte vor Aktivit�t wie im Jahre M-l. Sympathisanten des Widerstandes str�mten den ganzen Tag herein von kleinen Stationen um Ganges Catena und Hebes Chasma und dem Nordwall von Ophir Chasma. Die lokalen Bogdanovisten hatten sie offenbar zu einem Marsch gegen die kleine Einheit von UNTA-Sicherheitspersonal organisiert, das beim Bahnhof stationiert war. Das hatte zu einem Unentschieden direkt au�erhalb der Station gef�hrt unter der Kuppel, die die alte Arkade und den urspr�nglichen Quadranten von Tonnengew�lben bedeckte und jetzt sehr klein und kurios wirkte.</p><p>Als Nadias Zug einfuhr, war gerade ein lauter Streit im Gange zwischen einem Mann mit Lautsprecher, der von etwa zwanzig Leibw�chtern umgeben war, und der aufm�pfigen Menge ihnen gegen�ber. Nadia stieg aus, sobald der Zug hielt, und ging hin�ber zu der Gruppe, die den Bahnhofsvorsteher und seine Truppen umzingelt hatte. Sie requirierte einen Lautsprecher von einer erstaunt aussehenden jungen Frau und br�llte damit los. �Bahnhofsvorsteher! Bahnhofsvorsteher! Bahnhofsvorsteher!� Sie wiederholte das auf englisch und russisch; und alle waren still geworden, um herauszufinden, wer sie war. Ihr Team von Bauleuten hatte sich durch die Menge vorgearbeitet; und als sie sah, da� sie in Stellung waren, ging sie direkt auf den Haufen von M�nnern und Frauen in ihren Flakjacken zu. Der Bahnhofsvorsteher erwies sich als ein Oldtimer des Mars. Sein Gesicht war verwittert und trug eine Narbe auf der Stirn. Seine junge Mannschaft trug die Abzeichen der �bergangsbeh�rde und sah ver�ngstigt aus. Nadia lie� den Lautsprecher zur Seite gleiten und sagte: �Ich bin Nadia Cherneshevsky. Ich habe diese Stadt erbaut. Und wir �bernehmen die Kontrolle �ber sie. F�r wen arbeitest du?�</p><p>�F�r die �bergangsbeh�rde der Vereinten Nationen�, sagte der Bahnhofsvorsteher entschlossen und starrte sie an, als w�re sie dem Grabe entstiegen.</p><p>�Aber welche Einheit? Welche Metanationale?�</p><p>�Wir sind eine Mahjari-Einheit�</p><p>�Mahjari arbeitet jetzt mit China zusammen und China mit Praxis und Praxis mit uns. Wir stehen auf derselben Seite; und du wei�t es noch nicht. Und ganz gleich, was du davon h�ltst, wir sind hier in der �bermacht.� Sie rief der Menge zu: �Jeder Bewaffnete m�ge die Hand erheben!�</p><p>Alle in der Menge hoben die Hand; und ihre ganze Crew hielt Bet�ubungsgewehre oder Nagelpistolen oder Flammenwerfer hoch.</p><p>�Wir wollen kein Blutvergie�en�, sagte Nadia zu dem immer dichter werdenden Haufen von Leibw�chtern vor sich. �Wir wollen euch nicht einmal gefangennehmen. Da steht unser Zug. Ihr k�nnt ihn nehmen, nach Sheffield fahren und euch mit dem Rest eures Teams zusammentun. Dort werdet ihr den neuen Stand der Dinge erfahren. Sonst werden wir den Bahnhof hier verlassen und in die Luft jagen. Wir �bernehmen so oder so die Macht; und es w�re t�richt, wenn irgend jemand get�tet w�rde, weil die Revolte schon gewonnen ist. Nehmt also den Zug! Ich w�rde raten, nach Sheffield zu gehen, wo ihr, wenn ihr wollt, eine Fahrt mit dem Aufzug nach drau�en bekommen k�nnt. Wenn ihr aber f�r einen freien Mars arbeiten wollt, dann k�nnt ihr euch gleich jetzt und hier mit uns vereinigen.�</p><p>Sie sah den Mann ruhig an und f�hlte sich erleichterter, als sie den ganzen Tag gewesen war. Der Mann senkte den Kopf, um sich mit seiner Mannschaft zu beraten. Sie redeten fast f�nf Minuten fl�sternd miteinander.</p><p>Dann sah der Mann sie wieder an. �Wir werden euren Zug nehmen.�</p><p>Und so wurde Underhill die erste befreite Stadt.</p><empty-line/><p>In dieser Nacht ging Nadia hinaus zum Anh�ngerparkplatz, der sich nahe bei der Mauerkappe des neuen Zeltes befand. Die beiden Habitats, die nicht in Labors umgewandelt worden waren, waren noch mit der Ausstattung der alten Wohnungen versehen. Nachdem Nadia sie besichtigt hatte, ging sie wieder hinaus und durch die Tonnengew�lbe und das Alchemistenquartier. Dann kehrte sie zu dem zur�ck, in dem sie gewohnt hatte, und legte sich mit dem Gef�hl von Ersch�pfung auf eine der Matratzen auf dem Boden.</p><p>Es war wirklich seltsam, zwischen all den Geistern zu liegen und zu versuchen, die Anwesenheit jener vergangenen Zeit wieder in sich zu f�hlen. Zu seltsam. Trotz ihrer Ersch�pfung konnte sie nicht schlafen. Gegen Morgen hatte sie eine undeutliche Vision, da� sie sich um das Auspacken der G�ter von Frachtraketen k�mmerte, robotische Fliesenleger programmierte und einen Anruf Arkadys von Phobos entgegennahm. Sie schlief in diesem Zustand sogar einige Zeit und d�ste ungem�tlich dahin, bis ein Kribbeln in ihrem Phantomfinger sie aufweckte.</p><p>Und als sie dann knurrend aufstand, war es genauso schwer, sich vorzustellen, da� sie in einer Welt voller Aufruhr erwachte, in der Millionen Menschen darauf warteten, was der Tag bringen w�rde. W�hrend sie sich in der Enge ihres ersten Heims auf dem Mars umschaute, schien es ihr pl�tzlich, als ob sich die W�nde in einem sehr leichten Rhythmus bewegten, einer Art doppelter Vision, als ob sie in dem schwachen Fr�hlicht durch einen temporalen Stereogucker blickte, der alle vier Dimensionen zugleich mit einem pulsierenden halluzinatorischen Licht offenbarte.</p><p>Sie fr�hst�ckten in den Tonnengew�lben, in der gro�en Halle, wo Sax sich einst f�r die Vorteile einer Terraformung des Mars eingesetzt hatte. Sax hatte diese Diskussion gewonnen; aber Ann k�mpfte immer noch darum, als ob nicht alles l�ngst entschieden worden w�re.</p><p>Nadia konzentrierte sich auf die Gegenwart, auf ihren Computerschirm und die Flut von Nachrichten, die an diesem Samstag morgen eingingen. Der obere Teil des Bildes galt Mayas sicherem Haus in Burroughs und der untere Teil Praxismeldungen von der Erde. Maya verhielt sich heroisch wie gew�hnlich. Sie zitterte vor Erwartung und kommandierte alle herum, damit sie ihrer Ansicht entsprachen, wie alles geschehen solle, hager und doch in innerer Erregung rotierend. W�hrend Nadia zuh�rte, wie sie die letzten Entwicklungen schilderte, verzehrte sie methodisch ihr Fr�hst�ck und nahm das vorz�gliche Brot von Underhill kaum wahr. In Burroughs war schon Nachmittag, und der Tag war gesch�ftig gewesen. Jede Stadt auf dem Mars war in Aufruhr. Auf der Erde waren inzwischen alle K�stengebiete �berschwemmt, und die Massenverschiebungen bewirkten im Landesinnern ein Chaos. Die neue UN hatte die Aufst�ndischen auf dem Mars als herzlose Opportunisten verurteilt, die ein Leid, wie es noch nie vorgekommen war, ausn�tzten, um ihre eigene selbsts�chtige Sache zu f�rdern. �Nur allzu wahr�, sagte Nadia zu Sax, als er zur T�r hereinkam, frisch vom Da Vinci-Krater. �Ich wette, da� sie uns das sp�ter vorhalten werden.�</p><p>�Nicht, wenn wir ihnen aus ihrer Schei�e heraushelfen.�</p><p>�Hmm.� Sie bot ihm Brot an und betrachtete ihn genau. Trotz seiner ver�nderten Gesichtsz�ge sah er jeden Tag Sax immer �hnlicher, wie er unger�hrt dastand und blinzelte, w�hrend er sich in der alten Backsteinkammer umschaute. Es schien, als ob Revolution das Letzte w�re, das er im Kopf hatte. Sie sagte: �Bist du bereit, nach Elysium zu fliegen?�</p><p>�Das wollte ich dich gerade fragen.�</p><p>�Gut. La� mich mein Gep�ck holen.�</p><p>W�hrend sie ihre Kleider und den Computer in ihren alten Rucksack warf, piepte ihr Armband. Es war Kasei. Sein langes graues Haar flatterte wild um sein tief runzliges Gesicht, das eine ganz seltsame Mischung von John und Hiroko darstellte. Johns Mund, im Moment zu einem breiten Grinsen verzogen, und Hirokos orientalische Augen, die jetzt vor Vergn�gen geschlitzt waren. Nadia sagte: �Hallo, Kasei, ich glaube nicht, dich auf meinem Armband schon fr�her einmal gesehen zu haben.�</p><p>�Besondere Umst�nde�, erkl�rte er unersch�ttert. Sie war gewohnt, ihn sich als einen m�rrischen Mann vorzustellen; aber der Ausbruch der Revolution hatte offenbar sehr kr�ftigend auf ihn gewirkt. Sie erkannte pl�tzlich an seiner Miene, da� er sein ganzes Leben lang darauf gewartet hatte. �Schau, Cojote und ich und eine Schar von Roten sind hier oben in Chasma Borealis; und wir haben den Reaktor und den Damm gesichert. Alle, die hier arbeiten, sind kooperativ gewesen.�</p><p>�Ermutigend!� schrie jemand neben ihm.</p><p>�Ja, es hat hier viel Unterst�tzung gegeben, mit Ausnahme eines Sicherheitsteams von etwa hundert Personen, das im Reaktor eingesperrt ist. Die Idioten drohen, ihn zu schmelzen, wenn wir ihnen nicht freies Geleit nach Burroughs geben.�</p><p>�So?� fragte Nadia.</p><p>�So?� wiederholte Kasei und lachte. �Cojote sagt, wir sollten dich fragen, was zu tun w�re.�</p><p>Nadia knurrte: �Wieso, finde ich schwer zu glauben.�</p><p>�He, auch hier glaubt das keiner. Aber das ist es, was Cojote gesagt hat; und wir m�gen den alten Schurken gew�hren lassen, wenn wir k�nnen.�</p><p>�Na sch�n, gebt ihnen freies Geleit nach Burroughs! Das ist ein hirnloser Mensch, wenn ich je einen gesehen habe. Es wird nichts ausmachen, wenn in Burroughs hundert Bullen mehr sind; und je weniger Reaktoren schmelzen, desto besser. Wir waten noch in der Strahlung vom letzten Mal herum.�</p><p>Sax kam herein, w�hrend Kasei dar�ber nachdachte. �Okay!� sagte er dann. �Wenn du es sagst. Wir sprechen uns sp�ter. Ich mu� gehen, ka.�</p><p>Nadia schaute �rgerlich auf ihren leeren Bildschirm am Armband.</p><p>�Um was ging es da?� fragte Sax.</p><p>�Du hast mich erwischt�, sagte Nadia und schilderte das Gespr�ch, w�hrend sie versuchte, Cojote anzurufen. Sie bekam keine Verbindung.</p><p>�Nun, du bist der Koordinator�, sagte Sax.</p><p>�Mist!� Nadia warf sich ihren Rucksack �ber die Schulter. �La� uns gehen!�</p><empty-line/><p>Am Montag abend ging Nadia mit Sax Sie flogen in einer neuen 51B, sehr klein und sehr schnell. Sie w�hlten einen gro�en Rundkurs, der nordwestlich �ber den Eis-See von Vastitas f�hrte und die metanationalen Bollwerke von Ascraeus und Echus Overlook vermied. Bald nach den Start konnten sie das Eis erblicken, das Chryse im Norden anf�llte. Die zerkl�fteten schmutzigen Eisberge waren mit roten Schneealgen und amethystfarbenen Schmelzt�mpeln gepunktet. Die alte Transponderstra�e nach Chasma Borealis war nat�rlich l�ngst verschwunden, wie auch das ganze System zum Wassertransport nach S�den vergessen und nur eine technische Fu�note f�r die Geschichtsb�cher war. W�hrend Nadia auf das Eischaos hinunterschaute, erinnerte sie sich pl�tzlich daran, wie das Land bei jener ersten Reise ausgesehen hatte, die endlosen Berge und T�ler, die Trichter und die gro�en schwarzen D�nen, das unglaublich geschichtete Gel�nde in den letzten Sandgebieten vor der Polkappe�� das alles war jetzt verschwunden und von Eis �berw�ltigt. Und die Polkappe selbst war ein Gewirr aus gro�en Schmelzzonen und Eisstr�men, schlammigen Fl�ssen und von Eis bedeckten fl�ssigen Teichen�� jede Art von Matsch, und alles von dem hohen runden Plateau herunterbrechend, auf dem die Polkappe ruhte, hinab in das die Welt umspannende n�rdliche Meer.</p><p>Eine Landung kam deshalb w�hrend eines gro�en Teils ihres Fluges nicht in Betracht. Nadia beobachtete nerv�s die Instrumente. Sie war sich nur zu gut all dessen bewu�t, was in einem neuen Flugzeug w�hrend einer Krise versagen konnte, wenn die Wartung darniederlag und menschliches Vorsagen Konjunktur hatte.</p><p>Dann erschienen wei�e und schwarze Rauchwolken im S�dwesten am Horizont, die in einem offenbar kr�ftigen Wind nach Osten zogen. �Was ist das?� fragte Nadia und r�ckte im Flugzeug nach links, um hinauszusehen.</p><p>�Kasei Vallis�, sagte Sax von Pilotensitz her.</p><p>�Was ist da passiert?�</p><p>�Es brennt.�</p><p>Nadia starrte ihn an. �Was meinst du?�</p><p>�Dort im Tal gibt es schwere Vegetation. Und l�ngs des Fu�es der Gro�en B�schung. Gr��tenteils harzige B�ume und B�sche. Auch Feuersaatb�ume. Arten, die Feuer brauchen, um sich zu verbreiten. Von Biotique entwickelt. Dornige harzige B�rentraube, Riesensequoia und einige andere.�</p><p>�Woher wei�t du das?�</p><p>�Ich habe sie gepflanzt.�</p><p>�Und jetzt hast du sie in Brand gesteckt?�</p><p>Sax nickte. Er schaute auf den Rauch hinunter.</p><p>�Aber, Sax, ist nicht der Prozentsatz von Sauerstoff in der Atmosph�re jetzt wirklich hoch?�</p><p>�Vierzig Prozent.�</p><p>Sie starrte ihn weiter an und war pl�tzlich mi�trauisch. �Das hast du auch so hochgetrieben, nicht wahr? Mein Gott, Sax, du h�ttest die ganze Welt in Brand stecken k�nnen!�</p><p>Sie sah auf den Boden der Rauchwolke hinunter. Da in der tiefen Senke von Kasei Vallis war eine Flammenlinie, der vordere Rand des Feuers, die strahlend wei� brannte anstatt gelb. Es sah aus wie geschmolzenes Magnesium. Sie schrie: �Das wird niemand ausl�schen! Du hast die Welt angez�ndet!�</p><p>Sax sagte �Das Eis. In Windrichtung gibt es nichts als das Eis, welches Chryse bedeckt. Es sollten nur ein paar tausend Quadratkilometer abbrennen.�</p><p>Nadia sah ihn erstaunt und entsetzt an. Sax schaute noch auf das Feuer hinunter, beobachtete aber die meiste Zeit die Instrumente des Flugzeugs mit einer seltsamen Miene�� reptilienhaft, versteinert, h�chst unmenschlich.</p><p>Die Sicherheitskomplexe der Metanationalen in der Kr�mmung von Kasei Vallis kamen �ber den Horizont. Alle Kuppeln brannten lodernd wie Pechfackeln. Die Krater am inneren Ufer spieen wei�e Flammen in die Luft. Offensichtlich wehte ein starker Wind von Echus Chasma herunter und wurde wie in einem Trichter durch Kasei Vallis gedr�ckt und fachte die Flammen an. Ein Feuersturm. Und Sax sah hinunter, ohne zu blinzeln. Seine Kinnbacken waren verkrampft.</p><p>�Flieg nach Norden!� wies ihn Nadia an. �Mach, da� wir von hier wegkommen!�</p><p>Er kippte das Flugzeug, und sie sch�ttelte den Kopf. Tausende von Quadratmetern verbrannt. Diese ganze so m�hsam eingef�hrte Vegetation�� Sauerstoffgehalt der Atmosph�re betr�chtlich erh�ht� Sie sah verdrie�lich auf die merkw�rdige Kreatur, die neben ihr sa�.</p><p>�Warum hast du mir nichts davon gesagt?�</p><p>�Ich wollte nicht, da� du mich aufh�ltst.�</p><p>So einfach war das.</p><p>�Du hast also solche Macht?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Du wolltest, da� ich manches nicht erfahren sollte?�</p><p>�Nur dies hier�, sagte Sax. Seine Kinnmuskeln arbeiteten in einem Rhythmus, der sie pl�tzlich an Frank Chalmers erinnerte. �Die Gefangenen sind alle in den Asteroidenabbau gebracht worden. Dies war der Ausbildungsplatz f�r ihre Geheimpolizei. F�r die, welche nie aufgeben. Die Folterer.� Er richtete seinen eidechsenhaften Blick auf sie. �Ohne sie sind wir besser dran.� Und er wandte sich wieder seinen Armaturen zu.</p><p>Nadia blickte immer noch auf die wilde wei�e Linie des Feuersturms zur�ck, als das Radio des Flugzeugs in ihrem Code piepte. Diesmal war es Art, mit angstvoll verzerrter Miene. �Ich brauche deine Hilfe�, rief er. �Anns Leute haben Sabishii zur�ckerobert, und eine Menge Sabishiier sind aus dem Labyrinth herausgekommen, um es wieder zu besetzen, und die Roten, die da die Macht haben, sagen denen, sie sollten verschwinden.�</p><p>�Was?�</p><p>�Ich weiߠ� das hei�t, ich glaube nicht, da� Ann noch dabei ist. Und sie antwortet nicht auf meine Anrufe. Da drau�en gibt es Rote, neben denen sie wie eine Boone-Anh�ngerin dasteht, das schw�re ich. Aber ich habe Ivana und Raul erreicht und sie dazu gebracht, die Roten in Sabishii zu stoppen, bis ich von dir geh�rt habe. Das ist das Beste, was ich tun konnte.�</p><p>�Warumich?�</p><p>�Ich denke, Ann hat ihnen gesagt, da� sie auf dich h�ren sollen.�</p><p>�Schei�e!�</p><p>�Nun, wer sonst sollte es machen? Maya hat sich zu viele Feinde gemacht, als sie in den letzten paar Jahren die Dinge zusammenhielt.�</p><p>�Ich dachte, du w�rest hier der gro�e Diplomat.�</p><p>�Das bin ich auch. Aber ich habe festgestellt, da� ein jeder daf�r war, deinem Urteil zu vertrauen. Das war das Beste, was ich tun konnte. Es tut mir leid, Nadia. Ich werde dir aber in jeder Weise helfen, die du von mir verlangst.�</p><p>�Du w�rdest es viel besser machen, nachdem du mich so etabliert hast.�</p><p>Er grinste. �Es ist nicht mein Fehler, da� alle dir vertrauen.�</p><p>Nadia schaltete ab und versuchte die verschiedenen Frequenzen der Roten. Ann konnte sie erst nicht finden. Aber w�hrend sie durch die Kan�le ging, h�rte sie genug Meldungen, um zu erkennen, da� da junge rote Radikale waren, die Ann sicher verurteilen w�rde, wie sie hoffte�� Leute, die, w�hrend die Revolte noch in der Schwebe war, emsig damit besch�ftigt waren, Plattformen in Vastitas zu sprengen, Kuppeln aufzuschlitzen, Pisten zu zerst�ren und zu drohen, ihre Zusammenarbeit mit den anderen Rebellen zu beenden, wenn diese nicht bei ihren Sabotagen mitmachten und alle ihre Forderungen erf�llten und so weiter und so fort.</p><p>Endlich antwortete Ann auf Nadias Ruf. Sie sah aus wie eine r�chende Furie, schlicht und einfach verr�ckt. �Schau�, sagte Nadia zu ihr ohne Vorrede, �ein unabh�ngiger Mars ist die beste Chance, die du jemals haben wirst, um das zu bekommen, was du willst. Du versuchst die Revolution als Geisel f�r deine Interessen zu nehmen. Die Leute werden sich aber erinnern. Ich warne dich! Du kannst dich f�r alles einsetzen, was du willst, wenn wir die Lage unter Kontrolle haben; aber es ist einfach Erpressung, was du da tust. Es ist ein Dolchsto� in den R�cken. Du bringst besser die Roten in Sabishii dazu, die Stadt ihren Bewohnern zur�ckzugeben.�</p><p>�Wie kommst du auf den Gedanken, da� ich ihnen sagen k�nnte, was sie tun sollen?� erwiderte Ann s�uerlich.</p><p>�Wer anders, wenn nicht du?�</p><p>�Wie kommst du darauf, da� ich mit dem, was sie tun, nicht einverstanden w�re?�</p><p>�Ich habe den Eindruck, da� du eine vern�nftige Person bist. Deshalb!�</p><p>�Ich erhebe nicht den Anspruch, andere Leute herumzukommandieren.�</p><p>�Diskutiere mit ihnen, wenn du ihnen keine Befehle erteilen kannst! Sag ihnen, da� schon gr��ere Revolten als die unsrige mi�lungen sind wegen solcher Stupidit�t. Sag ihnen, sie sollen Verst�ndnis zeigen!�</p><p>Ann trennte die Verbindung, ohne zu antworten.</p><p>�Mist!� sagte Nadia.</p><p>Ihre KI spie weiter Nachrichten aus. Die Expeditionsstreitmacht der UNTA kam aus den Gebirgen im S�den zur�ck und schien nach Hellas oder Sabishii unterwegs zu sein. Sheffield war noch unter der Kontrolle von Subarashii. In Burroughs war die Lage offen. Sicherheitskr�fte schienen die Kontrolle zu haben; aber aus Syrtis und von �berall her str�mten Fl�chtlinge in die Stadt, und es war auch ein Generalstreik im Gange. Die Videos lie�en darauf schlie�en, da� der gr��te Teil der Bev�lkerung den Tag drau�en auf den Boulevards und in den Parks verbringen w�rde mit Demonstrationen gegen die �bergangsbeh�rde oder auch nur, um zu sehen, was vor sich ging.</p><p>�Wir m�ssen wegen Burroughs etwas unternehmen�, sagte Sax.</p><p>�Ich wei�.�</p><p>Sie flogen wieder nach S�den, vorbei am Buckel von Hecates Tholus am Nordende des Elysium-Massivs zum Raumflughafen von South Fossa. Ihr Flug hatte zw�lf Stunden gedauert, aber sie waren durch neun Zeitzonen nach Westen gereist und hatten die Datumsgrenze bei 180� L�nge �berschritten, so da� es Sonntag mittag war, als ihr Flughafen-Bus sie zum Rande von South Fossa und durch die Schleuse in die Kuppel brachte.</p><p>South Fossa und die anderen St�dte von Elysium, Hephaestus und Elysium Fossa, hatten sich alle gro�artig f�r einen freien Mars entschieden. Sie bildeten eine gewisse geographische Einheit. Ein s�dlicher Arm des Eises von Vastitas verlief jetzt zwischen dem Elysium-Massiv und der Gro�en B�schung; und obwohl er bereits durch Pontonbr�cken �berspannt war, stand Elysium im Begriff, ein Inselkontinent zu werden. In allen drei gro�en St�dten waren Massen auf die Stra�en gestr�mt und hatten die B�ros und physikalischen Versorgungsanlagen der Stadt besetzt. Ohne die Drohung mit Angriffen aus dem Orbit zu ihrer Unterst�tzung hatten die geringen Polizeikr�fte der �bergangsbeh�rde in den St�dten entweder Zivil angezogen und waren in der Menge verschwunden oder in den Zug nach Burroughs gestiegen. Elysium war unzweifelhaft ein Teil des freien Mars.</p><p>Unten in den B�ros von Mangalavid stellten Nadia und Sax fest, da� eine gro�e bewaffnete Schar von Rebellen den Bahnhof erobert hatte und jetzt damit besch�ftigt war, vierundzwanzig und eine halbe Stunde t�glich auf allen vier Kan�len Videoberichte zu senden, die alle mit der Revolte sympathisierten, mit langen Interviews von Menschen in allen unabh�ngigen St�dten und Stellungen. Der Zeitrutsch war einer Zusammenfassung der Ereignisse des Vortages gewidmet.</p><p>Einige abseits gelegene Bergbaustationen in den radialen Schluchten von Elysium und den Phlegra-Bergen waren reine Unternehmungen der Metanationalen, zumeist von Amexx und Subarashii. Diese waren weitgehend mit neuen Emigranten besetzt, die in ihren Camps eingeschlossen waren und entweder still geworden waren oder jeden, der versuchte, sie zu bel�stigen, bedrohten. Einige hatten sogar ihre Absicht erkl�rt, den Planeten wieder zu erobern oder durchzuhalten, bis Verst�rkungen von der Erde eintr�fen. Nadia gab den Rat, sie zu ignorieren. �Geht ihnen aus dem Weg und ignoriert sie! Blockiert ihr Kommunikationssystem, wenn ihr k�nnt, und la�t sie in Ruhe!�</p><p>Meldungen von anderswo her auf dem Mars waren aussichtsreicher. Senzeni Na war in den H�nden von Leuten, die sich als Boone-Anh�nger bezeichneten, obwohl sie nicht mit Jackie verbunden waren. Es waren Issei, Sansei und Yonsei, die ihr Mohole sofort John Boone genannt und Thaumasia zu einer �Neutralen St�tte Dorsa Brevia� proklamiert hatten. Korolyov, jetzt nur noch eine kleine Bergbaustadt, hatte fast so heftig wie 2061 revoltiert; und seine B�rger, viele von ihnen Abk�mmlinge der alten Gef�ngnisbev�lkerung, hatten die Stadt in Sergei Pavlovich Korolyov umbenannt und zu einer inoffiziellen anarchistischen Freizone erkl�rt. Die alten Gef�ngniskomplexe sollten zu einem riesigen Basar und kommunalen Wohngebiet umgewandelt werden, wobei die Fl�chtlinge von der Erde besonders willkommen gehei�en wurden. Nicosia war ebenso eine freie Stadt. Cairo stand unter der Kontrolle von Amexx-Sicherheitstruppen. Odessa und der Rest der St�dte des Hellasbeckens hielten noch an Unabh�ngigkeit fest, obwohl die Strecke rund um Hellas an einigen Stellen unterbrochen war. Das System der magnetischen Schwebebahnen war in dieser Hinsicht schlecht. Damit die Strecken und Z�ge funktionierten, mu�ten die Magnetsysteme arbeiten, die aber leicht zu unterbrechen waren. Aus diesem Grund fuhren viele Z�ge leer oder wurden gestrichen, als die Leute auf Rover oder Flugzeuge umstiegen, um sicher zu sein, da� sie nicht irgendwo in der Wildnis strandeten in Fahrzeugen, die nicht einmal R�der hatten.</p><p>Nadia und Sax verbrachten den Rest des Sonntags damit, da� sie Entwicklungen �berpr�ften und, wenn sie gefragt wurden, Vorschl�ge f�r Problemsituationen machten. Im allgemeinen hatte Nadia den Eindruck, da� die Dinge gut liefen. Aber am Montag kam schlechte Kunde von Sabishii. Das Expeditionscorps der UNTA war dort aus dem s�dlichen Gebirge eingetroffen und hatte nach einem schweren, die ganze Nacht dauernden Kampf mit den roten Guerilleros den Oberfl�chenteil der Stadt wieder erobert. Die Roten und die urspr�nglichen Sabishiier hatten sich in das Haldenlabyrinth oder ausw�rtige Schutzr�ume zur�ckgezogen; es war klar, da� es im Labyrinth zu anhaltenden blutigen K�mpfen kommen w�rde. Art sagte voraus, da� die Sicherheitskr�fte nicht imstande sein w�rden, in das Labyrinth einzudringen, und deshalb gezwungen sein m��ten, Sabishii aufzugeben und mit Bahn oder Flugzeug nach Burroughs zu fliehen, um sich mit den bereits dort befindlichen Kr�ften zusammenzuschlie�en. Aber man konnte keineswegs sicher sein; und das arme Sabishii war durch den Angriff schwer angeschlagen und wieder in den H�nden der Sicherheit.</p><p>Am Montag abend ging Nadia mit Sax los, um etwas zu essen aufzutreiben. Der Canyon von South Fossa war voller ausgewachsener B�ume. Riesige Sequoias ragten �ber ein unteres Stockwerk von Kiefern, Wacholdern und im tieferen Teil des Canyons Espen und Eichen empor. W�hrend sie durch den Park am Flu�ufer gingen, wurden Nadia und Sax von den Mangalavidleuten einer Gruppe nach der anderen vorgestellt, zumeist Eingeborene und alles unbekannte Gesichter, aber alle sehr erfreut, sie kennenzulernen. Das war deutlich. Es war eigenartig, so viele Menschen offenbar fr�hlich zu sehen. Im normalen Leben fiel einem das gar nicht auf, wie Nadia bemerkte. �berall L�cheln, Fremde, die miteinander sprachen� Es gab vieles, was entschwand, wenn eine soziale Ordnung zerbrach. Anarchie und Chaos waren gewi� allzu m�glich, aber auch Gemeinschaft.</p><p>Sie speisten in einem Freiluftrestaurant am Hauptstrom und kehrten dann in die B�ros von Mangalavid zur�ck. Nadia setzte sich wieder vor ihren Bildschirm und machte sich daran, mit so vielen Organisationskomitees zu sprechen, wie sie erreichen konnte. Sie f�hlte sich wie Frank 2061 und bediente die Telefone in wilder Eile. Erst jetzt waren sie in Verbindung mit dem ganzen Mars; und sie hatte den klaren Eindruck, da� sie, wenn sie auch keineswegs die F�hrung hatte, doch zumindest ein gutes Gef�hl daf�r besa�, was vor sich ging. Und das war wirklich Gold wert. Die eiserne Walnu� in ihrem Magen fing an, sich mehr in so etwas wie Holz zu verwandeln.</p><p>Nach einigen Stunden begann sie, zwischen einem Anruf und dem n�chsten f�r Sekunden in Schlaf zu fallen. In Underhill und Shalbatana war jetzt Mitternacht; und sie hatte seit dem Anruf von Sax wegen Antarctica nicht viel geschlafen. Das bedeutete vier oder f�nf Tage ohne Schlaf�� nein, halt��, sie rechnete nach: drei Tage. Obwohl es sich schon wie drei Wochen anf�hlte.</p><p>Sie hatte sich gerade auf einer Couch hingelegt, als es ein Geschrei gab und alle in den Korridor rannten und dann hinaus auf die mit Steinen gepflasterte Plaza vor den Mangalavidb�ros. Nadia torkelte hinter Sax her, der sie am Arm packte und half, Balance zu halten.</p><p>Offenbar gab es ein Loch im Kuppeldach. Die Leute zeigten hin, aber Nadia konnte es nicht erkennen.</p><p>�Hier sind wir jetzt besser dran�, sagte Sax mit einem leicht befriedigten Zug um den Mund. �Der Druck unter dem Dach ist nur um hundertf�nfzig Millibar h�her als au�en.�</p><p>�Darum zerplatzen die D�cher nicht wie angestochene Ballons�, sagte Nadia und erinnerte sich schaudernd an einige �berkuppelte Krater von 2061.</p><p>�Und selbst wenn etwas Au�enluft eindringt, ist es zumeist Sauerstoff und Stickstoff. Es gibt noch zu viel Kohlendioxid, aber nicht so viel, da� wir alle sofort vergiftet w�rden.�</p><p>�Wenn das Loch aber gr��er w�re�, sagte Nadia.</p><p>�Gewi�.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Wir m�ssen den ganzen Planeten sichern, um wirklich in Sicherheit zu sein.�</p><p>�Gewi�.�</p><p>Nadia ging g�hnend wieder hinein. Sie setzte sich wieder an ihre KI und verfolgte die vier Mangalavidkan�le, zwischen denen sie rasch hin und her schaltete. Die meisten gro�en St�dte waren entweder offen f�r Unabh�ngigkeit oder in verschiedenen Pattsituationen, bei denen die Sicherheit die Kontrolle �ber die physikalischen Versorgungsanlagen hatte, aber nichts passierte und ein gro�er Teil der Bev�lkerung in den Stra�en wartete, um zu sehen, was als n�chstes geschehen w�rde. Es gab eine Anzahl von St�dten und Camps der Firmen, die noch ihre Metanationalen unterst�tzten. Aber im Falle von Bradbury Point und Huo Hsing Vallis, benachbarten St�dten auf der Gro�en B�schung, hatten sich ihre metanationalen Eltern Amexx und Mahjari auf der Erde bek�mpft. Welchen Einflu� das auf diese n�rdlichen St�dte haben w�rde, war nicht klar; aber Nadia war sicher, da� es ihnen nicht helfen k�nnte, ihre Lage zu kl�ren.</p><p>Es gab noch etliche wichtige St�dte im Griff von Subarashii und Amexx, und diese dienten als Magnete f�r isolierte Sicherheitseinheiten von Metanationalen und UNTA. Burroughs war offenbar unter ihnen f�hrend; aber das galt auch f�r Cairo, La�witz, Sudbury und Sheffield. Im S�den kamen die Menschen aus den Zufluchtsst�tten, welche nicht aufgegeben oder vom Expeditionscorps zerst�rt worden waren, aus ihren Verstecken heraus; und in Vishniac bauten die Bogdanovisten eine Oberfl�chenkuppel �ber dem alten Parkplatz f�r Robotfahrzeuge dicht bei ihrem Mohole. Also w�rde der S�den ohne Zweifel wieder seine Position als Bollwerk des Widerstandes gewinnen, soviel das wert war. Nadia hielt nicht viel davon. Und die n�rdliche Polkappe war in ihrer Umwelt so ungeordnet, da� es kaum eine Rolle spielte, wer sie innehatte. Das meiste von ihrem Eis wurde nach Vastitas abgef�hrt, aber die Polkappe bedeckte sich in jedem Winter mit frischem Schnee. Sie war die ungastlichste Gegend auf dem Mars, und es waren fast gar keine Dauersiedlungen dort �briggeblieben.</p><p>Also bestand die umstrittene Zone haupts�chlich in den gem��igten und �quatorialen Breiten, in dem Band um den Planeten, das vom Vastitas-Eis im Norden und den zwei gro�en Becken im S�den begrenzt wurde. Und dazu geh�rte nat�rlich auch der Weltraum. Aber Saxens Angriff auf metanationale orbitale Objekte war offenbar erfolgreich gewesen, und seine Entfernung von Deimos aus der N�he sah jetzt wirklich wie ein gl�cklicher Schlag aus. Indessen war der Aufzug noch immer in H�nden der Metanationalen, und Verst�rkungen von der Erde waren jederzeit f�llig. Und Sax in Da Vinci hatte offenbar seine meisten Waffen bei dem ersten Angriff aufgebraucht.</p><p>Was die Soletta und den Ringspiegel anging, waren diese so gro� und zerbrechlich, da� man sie unm�glich verteidigen konnte. Falls jemand sie zerst�ren wollte, w�re das wohl m�glich. Aber Nadia sah keinen Grund daf�r. Und falls es gesch�he, h�tte sie sofort Rote aus ihren eigenen Reihen als T�ter in Verdacht.</p><p>Und wenn sie es tun sollten, w�rde ein jeder ohne dieses zus�tzliche Licht auskommen wie schon vorher. Sie m��te Sax fragen, was er davon hielte. Und mit Ann dar�ber sprechen, um zu erfahren, welches ihre Position war. Oder vielleicht war es besser, ihr keine Ideen in den Kopf zu setzen. Sie w�rde selbst sehen m�ssen, wie es lief. Was sonst noch��?</p><empty-line/><p>Sie schlief mit dem Kopf auf dem Bildschirm ein. Als sie wieder aufwachte, lag sie ausgehungert auf der Couch, und Sax las ihren Schirm. �Es sieht schlecht aus in Sabishii�, sagte er, als er sah, wie sie sich aufrappelte. Sie ging ins Bad, und als sie zur�ckkam, blickte sie ihm �ber die Schulter und las weiter, w�hrend er redete. �Die Sicherheit kam mit dem Labyrinth nicht zurecht. Darum sind sie nach Burroughs fortgegangen. Aber schau!�</p><p>Er hatte zwei Bilder auf dem Schirm. Oben eines von Sabishii, das so wild brannte wie vorher Kasei Vallis. Unten Truppen, die in den Bahnhof von Burroughs str�mten. Sie trugen leichten K�rperschutz und hatten automatische Waffen. Ihre F�uste schlugen in die Luft. Burroughs war anscheinend voll dieser Sicherheitskr�fte; und die hatten Branch Mesa und Double Decker Butte als Wohnquartiere erobert. Also waren zusammen mit den UNTA-Truppen in der Stadt jetzt Sicherheitsteams aus sowohl Subarashii wie Mahjari�� praktisch alle gro�en Metanationalen waren vertreten, was Nadia veranla�te, sich zu fragen, was auf der Erde wirklich zwischen denen geschah, ob sie etwa eine Art von Vereinbarung oder <emphasis>ad hoc</emphasis>-.Allianz geschlossen h�tten infolge der Krise. Sie rief Art in Burroughs an, um ihn zu fragen, was er meinte.</p><p>Er sagte: �Vielleicht sind diese Einheiten auf dem Mars so abgeschnitten, da� sie ihren eigenen Frieden machen. Vielleicht sind sie v�llig auf sich allein gestellt.�</p><p>�Wenn wir aber noch Kontakt mit Praxis haben�� �</p><p>�Na ja, aber wir haben sie �berrascht. Sie waren sich nicht �ber den Umfang der Sympathie f�r den Widerstand bewu�t, und so konnten wir die g�nstige Lage ausn�tzen. Mayas Strategie des Losschiagens hat sich in diesem Sinne bew�hrt. Nein, diese Teams k�nnten gerade jetzt recht gut isoliert sein. In diesem Fall k�nnten wir den Mars schon jetzt als unabh�ngig ansehen und mitten in einem B�rgerkrieg befindlich dar�ber, wer hier die Kontrolle hat. Ich meine, wenn diese Leute in Burroughs uns anrufen und sagen: Okay, der Mars ist eine Welt, gro� genug f�r mehr als eine Regierungsform. Ihr habt eure, und wir haben Burroughs. Versucht nicht, uns die unsere zu nehmen�� was w�rden wir dann sagen?�</p><p>�Ich glaube nicht, da� jemand in der Sicherheit der Metanationalen in diesen Ma�st�ben denkt�, sagte Nadia. �Es ist erst drei Tage her, da� die Dinge �ber sie hereingebrochen sind.� Sie zeigte auf den Bildschirm. �Schau, da ist Derek Hastings, Chef der �bergangsbeh�rde. Er war Leiter der Mission Control in Houston, als wir losgeflogen sind, und er ist gef�hrlich�� schlau und sehr hartn�ckig. Er wird einfach durchhalten, bis jene Verst�rkungen landen.�</p><p>�Was sollten wir also deiner Meinung nach tun?�</p><p>�Ich wei� es nicht.�</p><p>�K�nnen wir Burroughs einfach allein lassen?�</p><p>�Das glaube ich nicht. Wir w�ren viel besser dran, wenn wir mit einer vollst�ndigen Eroberung wieder hinter der Sonne zum Vorschein k�men. Wenn es belagerte Truppen von der Erde gibt, die heroisch in Burroughs durchhalten, werden sie fast sicher heraufkommen, um sie zu retten. Es eine Rettungsaktion nennen und dann auf den ganzen Planeten losgehen.�</p><p>�Es w�re nicht leicht, Burroughs einzunehmen mit all den Truppen darin.�</p><p>�Ich wei�.�</p><p>Sax hatte auf einer anderen Couch im Zimmer geschlafen und �ffnete jetzt ein Auge. �Die Roten sprechen davon, es zu �berfluten.�</p><p>�Was?�</p><p>�Es liegt unter dem Niveau des Eises von Vastitas. Und unter dem Eis befindet sich Wasser. Ohne den Deich�� �</p><p>�Nein�, sagte Nadia. �In Burroughs sind zweihunderttausend Menschen und nur ein paar tausend Leute von den Sicherheitstruppen. Was sollen die Leute denn machen? So viele Menschen kann man nicht evakuieren. Das ist verr�ckt. Es ist wieder ganz wie 2061.� Je mehr sie dar�ber nachdachte, desto w�tender wurde sie. �Was k�nnen die denken?�</p><p>�Macht es einfach als eine Drohung!� sagte Art �ber den Schirm.</p><p>�Drohungen wirken nicht, wenn die Leute, denen man droht, glauben, da� man sie nicht ausf�hren kann.�</p><p>�Vielleicht werden sie es glauben.�</p><p>Nadia sch�ttelte den Kopf. �So dumm ist Hastings nicht. Zum Teufel, er k�nnte seine Truppen �ber den Raumhafen evakuieren und die Bev�lkerung ersaufen lassen! Und dann werden wir zu Ungeheuern, und die Erde w�rde noch sicherer �ber uns kommen. Nein! Auf keinen Fall!�</p><p>Sie stand auf und sah sich nach etwas Fr�hst�ck um. Als sie dann die Reihe von Backwaren in der K�che anschaute, stellte sie fest, da� ihr der Appetit vergangen war. Sie nahm eine Tasse Kaffee und ging wieder ins B�ro zur�ck. Sie sah, da� ihr die H�nde zitterten.</p><p>Im Jahre 2061 war Arkady mit einer Splittergruppe konfrontiert gewesen, die einen kleinen Asteroiden auf Kollisionskurs mit der Erde geschickt hatte. Das sollte nur eine Drohung sein. Aber der Asteroid war explodiert in der gr��ten von Menschen bewirkten Explosion der Geschichte. Und danach war der Krieg auf dem Mars pl�tzlich so t�dlich geworden wie nie zuvor. Und Arkady war hilflos gewesen, dem Einhalt zu gebieten.</p><p>Und das k�nnte wieder geschehen.</p><p>Sie ging wieder ins B�ro und sagte zu Sax: �Los! Wir m�ssen nach Burroughs.�</p><p>In Revolutionen gelten Sitten so wenig wie Gesetze. Da aber die Natur vor einem Vakuum zur�ckschreckt, schrecken die Menschen vor Anarchie zur�ck.</p><p>So machen Gewohnheiten ihre ersten Exkursionen in das neue Gel�nde wie Bakterien in Gestein. Danach folgen Prozeduren, Protokolle und ein ganzes Feld sozialer Er�rterungen auf dem Wege zu dem Hochwald das Gesetzes�� Nadia sah, da� Leute (manche Leute) tats�chlich zu ihr kamen, um Streitf�lle zu kl�ren, wobei sie sich ihrem Urteil unterwarfen. Vielleicht hatte sie nicht die F�hrung, aber sie war ihr ganz nahe. Das Allgemeine L�sungsmittel, wie Art sie nannte, oder General Nadia, wie Maya boshaft �ber ihr Armband gesagt hatte. Das verursachte Nadia nur Schaudern, was Maya beabsichtigt hatte. Nadia zog etwas vor, das sie Sax �ber Armband seiner getreuen Schar von Technikern sagen geh�rt hatte, die alle im Begriff waren, junge Saxe zu werden: �Nadia ist der ernannte Schiedsrichter, sprecht mit ihr dar�ber!� Das war die Macht der Namen. Schiedsrichter anstatt General. Sie hatte den Auftrag, das zustande zu bringen, was Art den �Phasenwechsel� nannte. Sie hatte geh�rt, wie er diesen Ausdruck bei einem langen Interview f�r Mangalavid brauchte, mit seiner ausdruckslosen Miene, die es sehr schwer machte zu sagen, ob er scherzte oder nicht. �Oh, ich meine nicht, da� es wirklich eine Revolution ist, was wir erleben, nein. Es ist hier ein v�llig nat�rlicher Schritt. Darum ist es mehr eine evolution�re oder Entwicklungsangelegenheit, oder das, was man in der Physik als Phasenwechsel bezeichnet.�</p><p>Seine nachfolgenden Bemerkungen zeigten Nadia, da� er eigentlich gar nicht wu�te, was ein Phasenwechsel war. Aber sie wu�te es und fand den Gedanken verlockend. Verdampfung irdischer Autorit�t, Kondensation lokaler Macht, schlie�lich der Tau�� wie man auch dar�ber denken mochte. Schmelzen trat ein, wenn die thermische Energie der Teilchen gro� genug war, um die intrakristallinen Kr�fte zu �berwinden, die sie in Position hielten. Wenn man also die Ordnung der Metanationalen als die kristalline Struktur ansah� Aber dann machte es einen gro�en Unterschied, ob die zusammenhaltenden Kr�fte inter-ionisch oder intermolekular waren. Natriumchlorid schmilzt inter-ionisch bei 801 �C; Methan schmilzt intermolekular bei �183��C. Was f�r eine Art von Kr�ften war es also? Und wie hoch lag die Temperatur?</p><p>An dieser Stelle zerschmolz die Analogie selbst. Aber Namen waren im menschlichen Kopf ohne Zweifel m�chtig. Phasenwechsel, integrierte Seuchenbek�mpfung, selektive Arbeitslosigkeit�� alle diese Ausdr�cke zog sie dem alten t�dlichen Wort <emphasis>Revolution</emphasis> vor; und sie freute sich, da� man sie bei Mangalavid und in den Stra�en allgemein gebrauchte.</p><p>Aber sie erinnerte sich, da� es in Burroughs und Sheffield f�nftausend schwerbewaffnete Sicherheitstruppen gab, die sich immer noch f�r eine Polizei hielten, die mit bewaffneten Aufst�ndischen konfrontiert war. Und um damit fertig zu werden, w�rde man mehr brauchen als Semantik.</p><p>Aber zum gr��ten Teil liefen die Dinge besser, als sie gehofft hatte. Das war irgendwie auch eine Sache der Demographie. Es schien, da� fast jede Person, die auf dem Mars geboren war, sich jetzt in den Stra�en befand oder st�dtische �mter besetzte, sowie Bahnh�fe, Raumflugh�fen�� all dies, nach den Interviews in Mangalavid zu schlie�en, v�llig (und unrealistisch, wie Nadia meinte) unduldsam der Idee gegen�ber, da� M�chte auf <emphasis>einem anderen Planeten</emphasis> sie in irgendeiner Weise kontrollieren k�nnten. Das war hier fast die H�lfte der jetzigen Bev�lkerung des Mars. Und auch ein guter Prozentsatz der Oldtimer war auf ihrer Seite, sowie einige der neuen Emigranten. �Nenn sie Immigranten!!� riet Art �ber das Telefon. �Oder Neuank�mmlinge. Nenne sie Siedler oder Kolonisten, je nachdem, ob sie mit uns sind oder nicht. Das hat Nirgal gemacht; und ich denke, da� es den Leuten hilft, �ber die Lage nachzudenken.�</p><p>Auf der Erde war die Situation weniger klar. Die Metanationalen von Subarashii k�mpften noch mit denen im S�den, waren aber im Rahmen der gro�en �berschwemmung zu einer bitteren Episode geworden. Es war schwer zu sagen, was die Menschen auf der Erde im allgemeinen �ber den Konflikt auf dem Mars dachten.</p><p>Aber was auch immer sie denken mochten, ein schnelles Shuttle w�rde bald mit Verst�rkungen f�r die Sicherheit eintreffen. Darum wurden die Widerstandsgruppen von �berall her mobilisiert, sich auf Burroughs zusammenzuziehen. Art tat, was er konnte, um dieses Unternehmen aus dem Innern von Burroughs her zu unterst�tzen, indem er all jenen, die unabh�ngig daran gedacht hatten zu kommen (es lag ja schlie�lich nahe), sagte, da� ihre Idee gut w�re und sie Gegnern des Plans zureden sollten. Er war in Nadias Augen ein subtiler Diplomat�� gro�, sanft, unpr�tenti�s, ohne Anma�ung und �undiplomatisch�. Er neigte den Kopf, wenn er mit Leuten konferierte, und gab ihnen den Eindruck, da� sie es w�ren, die den Fortschritt vorantrieben. Wirklich unerm�dlich. Und sehr schlau. Bald kamen viele Gruppen zu ihm, einschlie�lich der Roten und der Guerilleros von MarsErst, die sich ihr Anr�cken immer noch als eine Art von Attacke oder Belagerung vorzustellen schienen. Nadia hatte den deutlichen Eindruck, da�, w�hrend die Roten, die sie kannte�� Ivana, Gene, Raul, Kasei��, mit ihr in Verbindung blieben und zustimmten, sie als Schiedsrichter anzuerkennen, es da drau�en radikalere Gruppen von Roten und MarsErst-Leuten gab, f�r die sie irrelevant oder sogar ein Hindernis war. Dies machte sie w�tend, weil sie sicher war, da� die radikaleren Elemente, wenn Ann sie v�llig unterst�tzte, auch kommen w�rden. Sie beklagte sich dar�ber bitterlich bei Art, nachdem sie eine Verlautbarung der Roten gesehen hatte, die die westliche H�lfte der �Konvergenz� auf Burroughs regelte. Art ging ans Werk, �berredete Ann dazu, einen Anruf entgegenzunehmen, und verband sie mit Nadia.</p><p>Und da war sie wieder, wie eine Furie der Franz�sischen Revolution, so kalt und grimmig wie immer. Ihr letztes Gespr�ch �ber Sabishii lag schwer zwischen ihnen. Dieses Thema war strittig geworden, als die UNTA Sabishii wiedererobert und niedergebrannt hatte. Aber Ann war offenbar immer noch �rgerlich, was Nadia beunruhigend fand.</p><p>Nach k�mmerlicher Begr��ung artete ihr Gespr�ch fast sofort in eine Auseinandersetzung aus. Ann sah die Revolte deutlich als eine Chance, alle Bem�hungen f�r Terraformung zu beseitigen und so viele St�dte und Menschen wie m�glich vom Planeten zu entfernen, notfalls durch direkten Angriff. Erschreckt von dieser apokalyptischen Vision, diskutierte Nadia mit ihr erst scharf und dann w�tend. Aber Ann hatte sich in eine ihr eigene Welt zur�ckgezogen. Sie erkl�rte k�hl: �Ich w�re ebenso gl�cklich, wenn Burroughs zerst�rt w�rde.�</p><p>Nadia knirschte mit den Z�hnen. �Wenn du Burroughs zerst�rst, zerst�rst du <emphasis>alles.</emphasis> Wohin sollten wohl die Leute darin gehen? Du w�rst nicht besser als eine M�rderin, eine Massenm�rderin. Simon w�rde sich sch�men.�</p><p>Ann machte ein m�rrisches Gesicht. �Ich sehe, da� Macht korrumpiert. Verbinde mich mit Sax! Ich bin dieser Hysterie �berdr�ssig.�</p><p>Nadia gab den Anruf an Sax weiter und ging fort. Es war nicht Macht, die die Menschen verdarb, sondern es waren die Narren, welche die Macht korrumpierten. Nun, es k�nnte sein, da� sie sich zu schnell aufgeregt hatte und zu grob gewesen war. Aber sie war erschreckt von jener finsteren Stelle in Anns Innerem, dem Teil, der zu allem f�hig war; und Angst korrumpierte noch mehr als Macht. Wenn man beides kombinierte��</p><p>Hoffentlich hatte sie Ann so stark schockiert, da� diese finstere Stelle in ihre Ecke zur�ckgedr�ngt wurde. Das war schlechte Psychologie, wie Michel sanft darlegte, als sie ihn in Burroughs anrief, um dar�ber zu sprechen. Eine Strategie, die sich aus Angst ergab. Aber sie f�rchtete, nicht anders zu k�nnen. Revolution bedeutete die Zerst�rung einer Struktur und Schaffung einer anderen. Aber Zerst�ren war leichter als Erschaffen, und deshalb waren diese beiden Teile des Aktes nicht notwendigerweise dazu bestimmt, gleicherma�en erfolgreich zu sein. In diesem Sinne war die Konstruktion einer Revolution wie der Bau eines Bogens. Solange nicht beide S�ulen vorhanden und der Schlu�stein an Ort und Stelle waren, konnte praktisch jeder Bruch das ganze Ding herunterkrachen lassen.</p><empty-line/><p>Also brachen am Samstag abend, f�nf Tage nachdem Nadia von Sax angerufen worden war, etwa hundert Personen nach Burroughs auf�� in Flugzeugen, da die Pisten als f�r Sabotage zu verwundbar galten. Sie flogen �ber Nacht zu einer steinigen Landebahn bei einem gro�en Refugium von Bogdanovisten in der Wand des Kraters Du Martheray auf der Gro�en B�schung s�d�stlich von Burroughs. Sie landeten in der D�mmerung, w�hrend die Sonne wie ein Klumpen Quecksilber durch Nebel aufstieg und entfernte Berge im Norden auf der tiefen Isidis-Ebene beleuchtete.</p><p>Dort war ein neuer Eis-See, dessen Fortschritt nach S�den nur durch die gebogene Linie des Deichs gehemmt wurde, der sich wie ein langer Damm aus Erde �ber das Land kr�mmte/ der er ja auch genaugenommen war.</p><p>Um bessere Sicht zu bekommen, stieg Nadia auf das oberste Gescho� des Refugiums von Du Martheray, wo ein Beobachtungsfenster, das als horizontaler Spalt gleich unter dem Rand getarnt war, einen Blick hinab zur Gro�en B�schung und dem neuen Deich und dem dagegen dr�ckenden Eis freigab. Sie starrte lange hin und trank Kaffee, gemischt mit einer Dosis Kava. Im Norden lag das Eismeer mit seinen zusammengedr�ngten Eisnadeln und langen Druckspalten und den Gegend von Burroughs:</p><empty-line/><image l:href="#5"/><empty-line/><p>flachen wei�en Fl�chen gro�er geschmolzener und �berfrorener Seen. Direkt unter ihr lagen die ersten niedrigen H�gel der Gro�en B�schung, gefleckt mit stachligen Fl�chen von Acheron-Kakteen, die sich wie Korallenriffe �ber den Fels ausbreiteten. Abgestufte Wiesen von schwarzgr�nem Tundramoos folgten dem Lauf kleiner gefrorener Fl�sse, die von der B�schung herunterstr�mten. Von weitem sahen diese Fl�sse aus wie Kieselalgen, die in Ritzen des roten Gesteins gestopft waren.</p><p>Und dann verlief in mittlerer Entfernung der neue, W�ste vom Eis trennende Deich wie eine kahle braune Narbe, die zwei getrennte Realit�ten zusammenn�hte.</p><p>Nadia verbrachte lange Zeit damit, ihn im Feldstecher zu mustern. Sein s�dliches Ende war eine Halde aus Regolith, die den Ausl�ufer des Kraters Wg hinauflief und direkt am Kraterrand endete, der etwa einen halben Kilometer �ber dem Normalnull lag, gut �ber dem erwarteten Meeresniveau. Der Deich verlief von Wg nach Nordwesten. Von ihrem hohen Aussichtsplatz hoch auf der B�schung konnte Nadia etwa vierzig Kilometer davon �berschauen, ehe er am Horizont verschwand, genau westlich vom Krater Xh. Dieser war fast bis zum Rand von Eis umgeben, so da� sein rundes Innere einem merkw�rdigen roten Senkloch glich. �berall anderswo hatte sich das Eis gegen den Deich in die H�he gepre�t, soweit Nadia sehen konnte. Die W�stenseite des Deichs schien mindestens zweihundert Meter hoch zu sein, obwohl das schwer zu beurteilen war, da sich unterhalb des Deichs ein breiter Graben befand. Auf der anderen Seite staute sich das Eis ziemlich hoch, bis zur H�lfte oder noch mehr.</p><p>Der Deich war an der Krone etwa dreihundert Meter breit. Soviel verlagerter Regolith�� Nadia stie� einen respektvollen Pfiff aus�� stellte mehrere Jahre der Arbeit dar durch ein sehr gro�es Team von robotischen Sch�rfk�belbaggern und Kanalgrabmaschinen. Aber lockerer Regolith! Ihr schien, da� der Deich, so gewaltig er f�r jeden menschlichen Ma�stab war, doch nicht viel bedeutete, um einen Ozean aus Eis zusammenzuhalten. Und Eis war noch der leichtere Teil bei der Sache. Wenn es schmolz, w�rden die Wellen und Str�mungen Regolith wie Staub wegrei�en. Und das Eis schmolz auch schon. Es hie�, da� immense Massen davon �berall unter der schmutzigwei�en Oberfl�che l�gen und auch direkt am Deich, wo sie hineinsickerten.</p><p>�Wird man nicht diese ganze Aufsch�ttung durch Beton ersetzen m�ssen?� fragte sie Sax, der sie begleitet hatte und durch seinen eigenen Feldstecher mit hinschaute.</p><p>�Verkleiden�, sagte er. Nadia erwartete eine schlechte Nachricht, aber er fuhr fort: �Man mu� den Deich mit einer Diamantschicht verkleiden. Die w�rde ziemlich lange halten. Vielleicht ein paar Millionen Jahre.�</p><p>�Hmm�, machte sie. Wahrscheinlich war das richtig. Vielleicht k�nnte von unten etwas einsickern. Aber auf jeden Fall w�rde man, wie auch immer die besonderen Umst�nde sein mochten, das System st�ndig warten m�ssen, und ohne Fehlerspielraum, da Burroughs nur f�nfzig Kilometer s�dlich vom Deich lag und etwa hundertf�nfzig Meter tiefer. Ein merkw�rdiger Platz, um zu verrecken. Nadia richtete ihr Glas in Richtung zur Stadt, aber die lag gerade hinter dem Horizont etwa siebzig Kilometer im Nordwesten. Nat�rlich konnten Deiche wirksam sein. Die in Holland hatten jahrhundertelang gehalten und Millionen Menschen und Hunderte von Quadratkilometern gesch�tzt�� bis zu der j�ngsten �berschwemmung. Und auch jetzt w�rden diese gro�en Deiche halten und zuerst durch flankierende Fluten durch Deutschland und Belgien gef�hrdet werden. Deiche konnten gewi� wirksam sein. Aber es war trotzdem ein seltsames Schicksal.</p><p>Nadia richtete ihren Feldstecher auf das zerrissene Gestein der Gro�en B�schung. Was aus der Ferne wie Blumen aussah, waren in Wirklichkeit massive Haufen von Korallenkaktus. Ein Strom sah aus wie eine Treppe aus violetten Polstern. Der rohe rote Stein lie� die Landschaft sehr eindrucksvoll, surreal und sch�n erscheinen�� Nadia wurde von einem j�hen Ausbruch von Angst davor betroffen, da� etwas mi�lingen und sie pl�tzlich get�tet werden k�nnte, daran gehindert, noch mehr von dieser Welt und ihrer Entwicklung mitzuerleben. Das k�nnte passieren. Jeden Augenblick konnte ein Gescho� aus dem violetten Himmel heraussto�en. Dies Refugium war ein �bungsziel, wenn irgendein ver�ngstigter Batteriechef drau�en beim Raumhafen von Burroughs von seiner Existenz erf�hre und beschl�sse, mit dem Problem reinen Tisch zu machen. Sie k�nnten binnen Minuten nach einer solchen Entscheidung tot sein.</p><p>Aber so war das Leben auf dem Mars. Sie konnten binnen Minuten wie immer durch jede Menge unerwarteter Ereignisse tot sein. Sie lie� den Gedanken fallen und ging mit Sax die Treppe hinunter.</p><empty-line/><p>Sie wollte nach Burroughs hineingehen und etwas sehen, um an Ort und Stelle zu sein und sich selbst ein Urteil zu bilden. Umhergehen und die B�rger der Stadt anschauen, sehen, was sie machten und sagten. Sp�t am Donnerstag sagte sie zu Sax: �Komm, la� und hineingehen und einen Blick darauf werfen!�</p><p>Aber das schien unm�glich zu sein. �Die Sicherheit ist an allen Toren sehr streng�, sagte Maya ihr �ber das Armband. �Und die ankommenden Z�ge werden am Bahnhof scharf kontrolliert. Dasselbe gilt f�r die U-Bahn zum Raumhafen. Die Stadt ist geschlossen. Wir sind praktisch Geiseln.�</p><p>�Was geschieht, k�nnen wir auf dem Bildschirm sehen�, erkl�rte Sax. �Das macht nichts aus.�</p><p>Nadia stimmte mi�mutig zu. Offenbar <emphasis>shikata ga nai.</emphasis> Aber die Situation gefiel ihr nicht, da sie sich nach ihrer Meinung zu rasch einem Patt n�herte, mindestens lokal. Und sie war h�chst neugierig auf die Verh�ltnisse in Burroughs. �Sag mir, wie es steht!� sagte sie zu Maya �ber die Telefonverbindung.</p><p>�Nun, sie haben die Kontrolle �ber die Infrastruktur�, sagte Maya. �Physikalische Versorgungsanlage, Tore und so weiter. Aber sie sind nicht genug Leute, um die Menschen in Hausarrest zu halten oder zur Arbeit zu zwingen und dergleichen. Sie scheinen also nicht zu wissen, was sie als n�chstes tun sollen.�</p><p>Nadia konnte das verstehen, da auch sie einen Verlust empfand. Jede Stunde kamen mehr Sicherheitskr�fte in die Stadt mit Z�gen aus Kuppelst�dten, die man aufgegeben hatte. Diese neu Angekommenen vereinigten sich mit ihren Kameraden und blieben in N�he der Versorgungsanlage und der Stadtb�ros. Sie bewegten sich unbehelligt in schwerbewaffneten Gruppen in der Stadt. Sie waren in Wohnbezirken von Branch Mesa, Double Decker Butte und Black Syrtis Mesa einquartiert; und ihre Anf�hrer trafen sich mehr oder weniger st�ndig im UNTA-Hauptquartier in Table Mountain. Aber sie erteilten keine Befehle.</p><p>Somit waren die Dinge unbehaglich in der Schwebe. Die B�ros von Biotique und Praxis dienten allen noch als Informationszentren. Sie verbreiteten Nachrichten von der Erde und dem Rest des Mars auf Bulletintafeln und Computertexten. Diese Medien bedeuteten zusammen mit Mangalavid und anderen privaten Kan�len, da� jedermann �ber die letzten Entwicklungen gut informiert war. Auf den gro�en Boulevards und in den Parks sammelten sich von Zeit zu Zeit gro�e Menschenmassen. Aber, h�ufiger waren die Leute in Dutzenden kleiner Gruppen verteilt, die in einer Art aktiver Paralyse umherzogen, irgendwie zwischen einem Generalstreik und Geiselkrise. Ein jeder wartete darauf, was als n�chstes geschehen w�rde. Die Leute schienen in guter Stimmung zu sein. Viele L�den und Restaurants waren noch offen, und Video-Interviews, die darin auf Band aufgenommen wurden, zeigten sie freundlich.</p><p>Nadia beobachtete sie, w�hrend sie eine Mahlzeit hinunterschlang, und f�hlte ein schmerzhaftes Verlangen, dort drin zu sein und selbst zu den Leuten zu sprechen. Etwa um zehn an diesem Abend erkannte sie, da� sie noch stundenlang nicht w�rde schlafen k�nnen. Sie rief wieder Maya an und bat sie, eine Vidcambrille aufzusetzen und f�r sie in der Stadt spazierenzugehen. Maya, ebenso rastlos wie sie, wenn nicht noch mehr, willigte gern ein.</p><empty-line/><p>Bald war Maya aus dem sicheren Haus heraus, trug eine Videobrille und �bertrug Bilder von dem, was sie ansah, an Nadia, die im Gemeinschaftsraum des Du Martheray-Refugiums aufmerksam in einem Sessel vor einem Bildschirm sa�. Sax und einige andere sahen ihr �ber die Schultern, verfolgten das h�pfende Bild, welches Maya mit ihrer Kamera erhielt, und lauschten ihrem laufenden Kommentar.</p><p>Sie ging schnell den Boulevard der Gro�en B�schung hinunter zum Zentraltal. Als sie sich dort zwischen den Wagenverk�ufern befand, verlangsamte sie ihren Schritt und sah sich gem�chlich um, damit Nadia ein Panoramabild der Szene bekommen konnte. �berall waren Leute drau�en, plauderten in Gruppen und genossen eine gewisse festliche Stimmung. Zwei Frauen in der N�he von Maya begannen ein angeregtes Gespr�ch �ber Sheffield. Eine Gruppe von Neuank�mmlingen ging direkt auf Maya zu und fragte sie, was als N�chstes passieren w�rde. Sie erwarteten sicher, da� sie das w��te. �Blo�, weil ich so alt bin�, stellte Maya m�rrisch fest, als sie fort waren. Nadia mu�te dar�ber l�cheln. Aber dann erkannten einige junge Leute Maya wirklich und kamen her, um sie fr�hlich zu begr��en. Nadia beobachtete diese Begegnung aus Mayas Sicht und merkte, wie sehr von Stars besessen diese Leute schienen. So also sah die Welt f�r Maya aus! Kein Wunder, da� sie sich f�r etwas so Besonderes hielt, wenn die Menschen sie ansahen, als w�re sie eine gef�hrliche G�ttin, die gerade aus einer Sage herausgetreten war�</p><p>Das war in mehr als einer Hinsicht beunruhigend. Nadia schien es, da� ihre alte Gef�hrtin Gefahr lief, von der Sicherheit festgenommen zu werden, und sie sagte ihr das auch �ber ihr Armbandger�t. Aber das Bild auf dem Schirm wackelte, als Maya den Kopf sch�ttelte und sagte: �Schau nur, da� da keine Bullen zu sehen sind! Die Sicherheit ist um die Tore und Bahnh�fe zusammengezogen; und denen bleibe ich fern. Au�erdem�� warum sollten sie sich die M�he machen, mich zu verhaften? Sie haben doch praktisch diese ganze Stadt unter Arrest.�</p><p>Maya folgte einem gepanzerten Fahrzeug, als es �ber den begrasten Boulevard fuhr und vorbeikam, ohne langsamer zu werden, als ob es ihren Standpunkt illustrieren wollte. Maya sagte finster: �Das geschieht, damit ein jeder die Waffen sehen kann.�</p><p>Sie ging zum Kanalpark hinunter, machte dann kehrt und stieg den Weg zum Table Mountain hoch. Es war kalt in dieser Nacht in der Stadt. Vom Kanal gespiegelte Lichter zeigten, da� das Wasser sich mit Eis bedeckte. Falls die Sicherheit aber gehofft hatte, die Leute zu entmutigen, war das nicht gelungen. Der Park war dicht gef�llt, und es kamen immer mehr Leute hinzu. Man dr�ngte sich um Aussichtserker, Cafes oder gro�e orangefarbene Heizspiralen. Und �berall sah Maya, da� noch mehr Menschen in den Park str�mten. Einige h�rten Musikern zu, andere unterhielten sich mittels kleiner Schulterverst�rker, wieder andere sahen sich auf ihren Handgelenken oder Lektionarschirmen die Nachrichten an. Jemand rief: �Massenversammlung um Mitternacht! Zusammenkunft im Zeitrutsch!�</p><p>Maya sagte scharfsinnig: �Ich habe davon nichts geh�rt. Das mu� Jackies Werk sein.�</p><p>Sie sah sich so rasch um, da� das Bild auf Nadias Schirm verschwamm. �berall Menschen. Sax ging an einen anderen Schirm und rief das sichere Haus in Hunt Mesa an. Art antwortete dort, aber bis auf ihn war das Haus fast leer. Jackie hatte in der Tat zu einer Massendemonstration w�hrend des Zeitrutsches aufgerufen. Das hatte sich �ber alle Medien der Stadt herumgesprochen. Nirgal war mit ihr drau�en.</p><p>Nadia teilte Maya das mit, und die fluchte l�sterlich. �F�r eine solche Sache ist es viel zu riskant. <emphasis>Verdammt</emphasis> soll sie sein!�</p><p>Aber jetzt konnte sie nichts mehr daran �ndern. Tausende str�mten �ber die Boulevards in den Kanalpark und Princess Park; und wenn Maya sich umschaute, konnte man auf den R�ndern der Mesas und in den Gehr�hren der Fu�g�ngerbr�cken �ber dem Kanalpark kleine, dichtgedr�ngte Gestalten erkennen. �Die Redner werden im Princess Park auftreten�, erkl�rte Art �ber Saxens Schirm.</p><p>�Du solltest dort hinaufkommen, Maya�, sagte Nadia, �und zwar schnell. Nur du k�nntest die Lage unter Kontrolle halten.�</p><p>Maya marschierte los; und w�hrend sie sich ihren Weg durch die Menge bahnte, sprach Nadia st�ndig zu ihr und gab ihr Ratschl�ge, was sie sagen sollte, falls sie eine Gelegenheit zum Sprechen bek�me. Ihre Worte �berschlugen sich geradezu; und als sie eine Pause machte, brachte Art eigene Gedanken zur Sprache, bis Maya sagte: �Aber warte, ist etwas davon wahr?�</p><p>�Mach dir keine Sorgen, ob es wahr ist!� sagte Nadia.</p><p>�Mach dir keine Sorgen, ob es wahr ist!� schrie Maya in ihr Armband. �Mach dir keine Sorgen, ob das, was ich zu hunderttausend Leuten sage und was ich jedermann auf den zwei Welten sage, wahr ist oder nicht!�</p><p>�Wir werden es wahr machen�, sagte Nadia. �Versuch es nur!�</p><p>Maya fing an zu laufen. Andere gingen in die gleiche Richtung wie sie durch den Kanalpark zu der erh�hten Stelle zwischen Ellis Butte und Table Mountain, und ihre Kamera zeigte h�pfende Bilder von Hinterk�pfen und gelegentlichen aufgeregten Gesichtern, die sich ihr zuwandten, wenn sie schrie, damit man ihr Platz machte. Lautes Gebr�ll und Hochrufe wogten durch die Menge vor ihr, die immer noch dichter wurde, bis Maya langsamer wurde und sich durch L�cken zwischen Gruppen hindurchdr�ngen und winden mu�te. Die meisten dieser Leute waren jung und viel gr��er als Maya. Nadia ging an Saxens Schirm, um die Bilder der Mangalavidkameras anzusehen, die zwischen einer Kamera auf der Rednertrib�ne, die auf dem Rande eines alten Buckels �ber Princess Park stand, und einer Kamera hoch auf einer der Fu�g�ngerbr�cken hin und her wechselten. Beide Ausschnitte zeigten, da� die Menge gewaltig zunahm. Vielleicht achtzigtausend Personen, sch�tzte Sax, dessen Nase von dem Schirm einen Zentimeter entfernt war, als ob er sie einzeln z�hlen w�rde. Art gelang es, sich zu Maya mit Nadia zuzuschalten; und er und Nadia sprachen weiter zu ihr, w�hrend sie sich ihren Weg durch die Menge nach vorn erk�mpfte.</p><p>Antar hatte eine kurze z�ndende Rede auf arabisch gehalten, w�hrend Maya sich endg�ltig durch die Menge nach vorn dr�ckte und Jackie jetzt vor einer Reihe von Mikrofonen auf der Rednertrib�ne stand und eine perfekte Rede hielt, die durch die gro�en Lautsprecher auf dem H�gel verst�rkt und dann weiter verst�rkt wurde durch die Zusatzlautsprecher, die im ganzen Princess Park angebracht waren, und auch durch Schulterlautsprecher, Lektionare und Armbandger�te, bis ihre Stimme �berall war. Da aber jeder Satz ein Echo vom Table Mountain und Ellis Butte hervorrief und mit Hochrufen begr��t wurde, konnte man sie doch nur einen Teil der Zeit h�ren. �� werden nicht erlauben, da� der Mars als Ersatzwelt benutzt wird�� von einer herrschenden Clique, die in erster Linie f�r die Zerst�rung der Erde verantwortlich ist� das gleiche Unheil auf dem Mars anrichten, wenn wir sie gew�hren lassen� nicht geschehen! Denn dies ist jetzt ein freier Mars! Freier Mars! Freier Mars!�</p><p>Dann reckte sie einen Finger gen Himmel; und die Menge br�llte diese Worte, bei jeder Wiederholung immer noch lauter, und fiel bald in einen Rhythmus, in dem sie alle zusammen rufen konnten: <emphasis>�Freier Mars! Freier Mars! Freier Mars!�</emphasis></p><p>W�hrend die riesige und noch zunehmende Menge dies skandierte, begab sich Nirgal auf den Buckel und zur Plattform. Als die Leute ihn sahen, fingen viele an zu rufen: <emphasis>�Nir-gal�,</emphasis> entweder im Rhythmus mit �Freier Mars� oder in den Pausen dazwischen, so da� in einem enormen Choral-Kontrapunkt daraus <emphasis>�Freier Mars (Nir-gal) Freier Mars (Nir-gal)�</emphasis> wurde.</p><p>Als er das Mikrofon erreichte, bat Nirgal mit einer Handbewegung um Ruhe. Aber die Rufe h�rten nicht auf, sondern �nderten sich v�llig zu <emphasis>�Nir-gal, Nir-gal, Nir-gal�</emphasis> mit einem Enthusiasmus, der greifbar war und im Schall dieser gro�en kollektiven Stimme vibrierte, als ob jeder einzelne Mensch da drau�en ein Freund von ihm w�re und kolossal �ber seine Erscheinung erfreut. Und Maya dachte, da� er in seinem Leben so viel gereist war, da� das nicht sehr von der Wahrheit entfernt w�re.</p><p>Allm�hlich verstummten die rhythmischen Rufe, bis das Ger�usch der Menge ein allgemeines Summen war, ziemlich laut, �ber dem aber Nirgals verst�rkte Begr��ung recht gut zu h�ren war. W�hrend er sprach, bewegte sich Maya weiter durch die Menge zum Buckel. Und als das Volk ruhiger wurde, war es f�r sie leichter, durchzukommen. Als dann Nirgal zu sprechen begann, blieb sie auch stehen und beobachtete ihn blo� noch. Manchmal fiel ihr wieder ein, sich w�hrend der Hochrufe und des Applauses, womit manche S�tze endeten, weiter nach vorn zu bewegen.</p><p>Sein Redestil war ged�mpft, freundlich und ruhig. Man konnte ihn leichter h�ren. Er sagte: �F�r jene von uns, die auf dem Mars geboren sind, ist dies unsere Heimat.�</p><p>Er mu�te fast eine Minute pausieren, als die Menge jubelte. Nadia sah wieder, da� es meistens Eingeborene waren. Maya war kleiner als fast alle da drau�en.</p><p>Nirgal fuhr fort: �Unsere K�rper bestehen aus Atomen, die k�rzlich noch ein Teil des Regoliths waren. Wir sind durch und durch Marsmenschen. Wir sind menschliche Wesen, die mit diesem Planeten dauernd biologisch verbunden sind. Er ist unsere Heimat. Wir sind hier zu Hause, nicht auf der Erde. Es f�hrt kein Weg zur�ck.� Weitere Hochrufe ert�nten bei diesem sehr gut bekannten Schlagwort.</p><p>�Nun, was jene angeht, die auf der Erde geboren wurden, da gibt es allerhand verschiedene Arten. Wenn Menschen an einen neuen Ort umziehen, so beabsichtigen manche dazubleiben und ihn zu ihrer neuen Heimat zu machen. Diese nennen wir Siedler. Andere kommen, um hier eine Weile zu arbeiten und dann wieder dorthin zu gehen, woher sie gekommen sind. Diese nennen wir Besucher. Jetzt sind Eingeborene und Siedler nat�rliche Verb�ndete. Schlie�lich sind Eingeborene auch nur die Kinder fr�herer Siedler. Dies hier ist Heimat f�r uns alle. Was Besucher angeht, so ist auch f�r sie auf dem Mars Raum. Wenn wir sagen, da� der Mars frei ist, soll das nicht hei�en, da� Erdenmenschen nicht mehr herkommen k�nnen. Keineswegs! Wir alle sind Kinder der Erde, so oder so. Sie ist unsere Mutterwelt, und wir werden ihr in jeder Weise helfen, soweit wir k�nnen.�</p><p>Der L�rm nahm ab. Die Menge schien etwas �berrascht zu sein durch diese Aussage.</p><p>Nirgal fuhr fort: �Aber es liegt auf der Hand, da� das, was hier geschieht, nicht von Kolonialisten entschieden werden sollte oder von irgend jemand unten auf der Erde.� Es kamen Hochrufe auf, die etwas von dem, was er sagte, �bert�nten, ��eine einfache Feststellung unseres Verlangens nach Selbstbestimmung�� unser nat�rliches Recht� die treibende Kraft der menschlichen Geschichte. Wir sind keine Kolonie und wollen auch nicht als eine solche behandelt werden. So etwas wie eine Kolonie gibt es nicht mehr. Wir sind ein freier Mars.�</p><p>Weitere Hochrufe, lauter denn je, gingen �ber in weitere Skandierung von: <emphasis>�Freier Mars! Freier Mars!�</emphasis></p><p>Nirgal unterbrach den Chor: �Was wir jetzt als freie Marsmenschen zu tun beabsichtigen, ist, da� wir jeden Erdenmenschen willkommen hei�en, der zu uns kommen will. Ob er hier eine Weile leben und dann zur�ckkehren will oder sich hier auf Dauer niederlassen will. Und wir beabsichtigen auch, alles zu tun, womit wir der Erde in ihrer jetzigen Umweltkrise helfen k�nnen. Wir haben einige Erfahrung mit �berschwemmungen (Beifall), und wir k�nnen helfen. Aber diese Hilfe wird von jetzt an nicht mehr durch Metanationale vermittelt werden, die nur ihre Profite daraus ziehen wollen. Sie wird als freies Geschenk kommen. Sie wird dem Volk der Erde mehr n�tzen als alles, was man von uns als einer Kolonie herausziehen kann. Das gilt ganz w�rtlich f�r die Menge an Ressourcen und Arbeit, die vom Mars zur Erde �berf�hrt werden wird. Und wir hoffen und vertrauen darauf, da� ein jeder auf beiden Welten das Erstarken eines freien Mars begr��en wird.�</p><p>Nirgal trat zur�ck und schwenkte die Hand; und die Hochrufe und Rezitationen brachen wieder aus. Nirgal stand auf der Plattform l�chelnd und winkend. Er sah vergn�gt aus, aber irgendwie unsicher, was als N�chstes zu tun w�re.</p><p>W�hrend dieser ganzen Rede und des Beifalls hatte Maya sich weiter langsam vorgearbeitet; und Nadia konnte jetzt in ihrem Videobild erkennen, da� sie am Rande der Plattform in der ersten Reihe stand. Ihre Arme verdeckten das Bild immer wieder; und Nirgal bemerkte ihre Bewegungen und schaute sie an.</p><p>Als er sah, wer sie war, l�chelte er, kam gleich her�ber und half ihr, auf die Plattform zu kommen. Er f�hrte sie zu den Mikrofonen, und Nadia bekam ein letztes Bild von einer �berraschten und �rgerlichen Jackie Boone, ehe Maya ihre Videobrille abstreifte. Das Bild auf Nadias Schirm ruckte heftig und zeigte schlie�lich die Planken der Plattform. Nadia fluchte und eilte mit starkem Herzklopfen hin�ber zu Saxens Schirm.</p><p>Sax hatte noch das Bild von Mangalavid, das jetzt von der Kamera auf der Gehr�hre von der Br�cke zwischen Ellis Butte und Table Mountain kam. Aus diesem Winkel konnte man das Menschenmeer sehen, das die Anh�he umgab und das zentrale Tal der Stadt bis weit in den Kanalpark hinein f�llte. Es mu�te bestimmt fast die ganze Einwohnerschaft von Burroughs sein. Auf der Behelfsb�hne schien Jackie Nirgal etwas ins Ohr zu br�llen. Nirgal antwortete ihr nicht und schritt mitten in ihrem Appell zu den Mikrofonen. Maya sah neben Jackie klein und alt aus, war aber stolz wie ein Adler; und als Nirgal ank�ndigte: �Hier ist Maya Toitovna!�, gab es m�chtigen Applaus.</p><p>Maya fuchtelte mit den H�nden, w�hrend sie nach vorn trat, und sagte in die Mikrofone: �Ruhe! Ruhe! Danke! Danke! <emphasis>Seid still!</emphasis> Wir haben hier noch einige wichtige Ank�ndigungen zu machen.�</p><p>�Mein Gott, Maya!� sagte Nadia und klammerte sich an die Lehne von Saxens Sessel.</p><p>�Jawohl, der Mars ist jetzt unabh�ngig. Ruhe! Aber wie Nirgal gerade gesagt hat, bedeutet dies nicht, da� wir unabh�ngig von der Erde existieren. Das ist unm�glich. Wir beanspruchen Souver�nit�t gem�� internationalem Recht und appellieren an den Weltgerichtshof, diesen legalen Status sofort zu best�tigen. Wir haben vorl�ufige Vertr�ge unterzeichnet, welche diese Unabh�ngigkeit versichern, und richten diplomatische Beziehungen mit der Schweiz, Indien und China ein. Wir haben auch eine nichtexklusive wirtschaftliche Partnerschaft mit der Organisation Praxis geschlossen. Diese wird wie alle Arrangements, die wir treffen, nicht auf Gewinn gerichtet sein, sondern gemeinn�tzig und dazu bestimmt, beiden Welten maximal von Vorteil zu sein. Mit allen diesen Abkommen zusammengenommen beginnt die Schaffung unserer formalen, legalen und semiautonomen Beziehung zu den verschiedenen gesetzlichen K�rperschaften der Erde. Wir erwarten volle sofortige Best�tigung und Ratifizierung aller dieser Abkommen durch den Weltgerichtshof, die Vereinten Nationen und alle anderen relevanten Institutionen.�</p><p>Auf diese Ank�ndigung gab es Applaus; und obwohl der nicht so laut war wie vorher f�r Nirgal, lie� Maya die Leute gew�hren. Als sie etwas ruhiger geworden waren, fuhr sie fort:</p><p>�Was die Lage hier auf dem Mars angeht, so haben wir die Absicht, uns hier sofort in Burroughs zu versammeln und die Erkl�rung von Dorsa Brevia als Ausgangspunkt f�r die Etablierung einer freien Marsregierung zu benutzen.�</p><p>Wiederum Applaus, viel enthusiastischer. �Ja, ja�, sagte Maya ungeduldig und versuchte, sie wieder zur Ruhe zu bringen. �Ruhe! Herh�ren! Vor all diesem m�ssen wir das Problem der Opposition ansprechen. Wie ihr wi�t, treffen wir uns hier im Hauptquartier der Streitkr�fte der �bergangsbeh�rde der Vereinten Nationen, die in diesem Augenblick zusammen mit allen �brigen von uns zuh�ren, da im Innern von Table Mountain.� Sie zeigte dorthin.</p><p>�Falls sie nicht herauskommen, um sich mit uns zu verbinden.� Hochrufe, Gebr�ll, Sprechch�re. ��Ich will denen jetzt sagen, da� wir ihnen nicht �belwollen. Seht ihr, es ist jetzt Sache der �bergangsbeh�rde zu erkennen, da� der <emphasis>�bergang</emphasis> eine neue Gestalt gewonnen hat. Und ihren Sicherheitskr�ften zu befehlen, da� sie aufh�ren, uns kontrollieren zu wollen. Ihr k�nnt uns nicht kontrollieren!� Wilde Hochrufe, ��wollen euch nichts B�ses. Und wir versichern euch, da� ihr freien Zugang zum Raumhafen habt, wo es Flugzeuge gibt, die euch alle nach Sheffield bringen k�nnen und von dort nach Clarke, falls ihr euch nicht in dieser neuen Aufgabe mit uns zusammentun wollt. Dies ist keine Belagerung oder Blockade. Es ist ganz einfach� �</p><p>Und sie h�rte auf, streckte beide H�nde aus; und die Menge jubelte ihr zu.</p><empty-line/><p>Durch den L�rm der Sprechch�re versuchte Nadia, zu Maya, die noch auf der B�hne stand, durchzudringen, aber sie konnte sie offenbar nicht h�ren. Aber endlich blickte Maya auf ihr Armband. Das Bild vibrierte. Ihr Arm zitterte.</p><p>�Maya, das war gro�artig! Ich bin so stolz auf dich.�</p><p>�Na ja, jeder kann Geschichten erfinden.�</p><p>Art sagte laut: �Sieh zu, ob du sie dazu bringen kannst, sich zu zerstreuen!�</p><p>�Richtig!� sagte Maya.</p><p>�Sprich mit Nirgal!� schlug Nadia vor. �Veranlasse ihn und Jackie, es zu tun! Sag ihnen, sie sollen den Leuten versichern, da� es keinen Angriff auf Table Mountain oder dergleichen geben wird. �berla� das ihnen beiden!�</p><p>�O ja!� rief Maya. �Wir werden Jackie das machen lassen, nicht wahr?�</p><p>Danach schwenkte das kleine Bild am Armband �berall hin, und der L�rm war so gro�, da� die angeschlossenen Beobachter nichts erkennen konnten. Die Mangalavidkameras zeigten einen gro�en Volkshaufen auf der B�hne in Beratung.</p><p>Nadia ging weg und setzte sich auf einen Stuhl. Sie f�hlte sich so ausged�rrt, als ob sie die Rede h�tte selbst halten m�ssen. Sie sagte: �Maya war gro�artig. Sie hat sich an alles erinnert, was ich ihr gesagt habe. Jetzt m�ssen wir es nur noch verwirklichen.�</p><p>�Das blo�e Aussprechen macht es real�, sagte Art. �Zum Teufel, ein jeder auf beiden Welten hat das gesehen. Praxis wird schon dran sein. Und die Schweiz wird uns sicher decken. Nein, wir werden es in die Tat umsetzen.�</p><p>�Es kann sein, da� die �bergangsbeh�rde nicht einverstanden ist�, wandte Sax ein. �Hier ist eine Nachricht von Zeyk gekommen. Rote Kommandos sind von Syrtis heruntergekommen. Sie haben das westliche Ende des Deichs besetzt und bewegen sich schnell darauf nach Osten. Sie sind nicht weit vom Raumhafen entfernt.�</p><p>Nadia schrie: �Genau das haben wir vermeiden wollen! Wissen die �berhaupt, was sie da anrichten?�</p><p>Sax zuckte die Achseln.</p><p>�Der Sicherheit wird das gar nicht behagen�, sagte Art.</p><p>�Wir sollten direkt mit denen reden�, sagte Nadia und �berlegte. �Ich habe �fters mit Hastings gesprochen, als er die Mission Control leitete. Ich kann mich nicht sehr gut an ihn erinnern, glaube aber nicht, da� er ein eklatant verr�ckter Typ war.�</p><p>�Es k�nnte nicht schaden herauszufinden, was er denkt�, sagte Art.</p><empty-line/><p>Also ging Nadia in ein ruhiges Zimmer, setzte sich vor einen Schirm, rief das UNTA-Hauptquartier in Table Mountain an und wies sich aus. Obwohl es schon zwei Uhr morgens war, kam sie in ungef�hr f�nf Minuten zu Hastings durch.</p><p>Sie erkannte ihn sofort wieder, obwohl sie sein Gesicht l�ngst vergessen zu haben glaubte. Ein kleiner gequ�lter Technokrat mit schmalem Gesicht und einigem Temperament. Als er sie auf dem Schirm sah, schnitt er eine Grimasse. �Wieder ihr Leute. Wir haben die falschen Hundert geschickt. Das habe ich immer gesagt.�</p><p>�Ohne Zweifel.�</p><p>Nadia studierte sein Gesicht und suchte sich vorzustellen, was f�r ein Mann im vorigen Jahrhundert Mission Control geleitet haben k�nnte und dann im n�chsten die �bergangsbeh�rde. Er hatte sich mit ihnen oft gestritten, als sie auf der <emphasis>Ares</emphasis> waren. Er hatte ihnen jede kleine Abweichung von den Regeln vorgeworfen und war richtig w�tend geworden, wenn sie bei Versp�tung unterwegs eine Zeitlang aufgeh�rt hatten, Videos zur�ckzusenden. Ein sturer B�rokrat von der Art, die Arkady verabscheut hatte. Aber ein Mann, mit dem man vern�nftig reden konnte.</p><p>Oder so schien es ihr zuerst. Sie diskutierte mit ihm zehn oder f�nfzehn Minuten lang und sagte ihm, da� die Demonstration, die er gerade drau�en im Park erlebt hatte, nur ein Teil von dem war, was �berall auf dem Mars geschehen war. Und da� sie frei w�ren, zum Flughafen zu gehen und sich zu entfernen.</p><p>Hastings sagte: �Wir werden nicht gehen.�</p><p>Seine UNTA-Kr�fte kontrollierten, wie er ihr sagte, die Versorgungsanlage, und deshalb geh�re ihm die Stadt. Die Roten k�nnten vielleicht den Deich erobern; aber es g�be keine Chance, da� sie ihn brechen w�rden, da es in der Stadt zweihunderttausend Menschen g�be, die praktisch Geiseln w�ren. Mit dem n�chsten Shuttle von der Erde sei das Eintreffen von fachm�nnischen Verst�rkungen f�llig, die in den n�chsten vierundzwanzig Stunden in den Orbit eintreten sollten. Also seien die Reden bedeutungslos und nur eine Pose.</p><p>Er war ruhig, als er Nadia dies sagte. W�re er nicht so m�rrisch gewesen, h�tte Nadia ihn sogar angenehm gefunden. H�chstwahrscheinlich hatte er Anweisungen von daheim bekommen, da� er fest in Burroughs sitzen bleiben und auf die Verst�rkungen warten solle. Ohne Zweifel hatte man der UNTA-Division in Sheffield dasselbe mitgeteilt. Und mit Burroughs und Sheffield in ihren H�nden und Verst�rkungen, die jede Minute f�llig waren, war es nicht �berraschend, da� sie glaubten, die Oberhand zu haben. Man k�nnte sogar sagen, sie h�tten recht. Hastings sagte Nadia: �Wenn die Leute hier Vernunft annehmen, werden wir hier wieder die Kontrolle haben. Das einzige, auf das es jetzt wirklich ankommt, ist ohnehin die antarktische �berschwemmung. Es ist entscheidend wichtig, die Erde in ihrer Notzeit zu unterst�tzen.�</p><p>Nadia gab auf. Hastings war offensichtlich ein hartnackiger Bursche und hatte �berdies einen Punkt f�r sich. Also beendete sie die Konferenz so h�flich, wie es ihr m�glich war, mit der Bitte, ihn sp�ter wieder kontaktieren zu d�rfen. Sie hoffte, damit Arts diplomatischen Stil getroffen zu haben. Dann kehrte sie wieder zu den anderen zur�ck.</p><p>Im weiteren Verlauf der Nacht verfolgten sie unabl�ssig alle Berichte, die von Burroughs und anderswo eingingen. Es geschah zu viel, als da� Nadia sich h�tte wohl f�hlen k�nnen, wenn sie zu Bett ginge, und offenbar hatten Sax, Steve, Mariana und die anderen Bogdanovisten in Du Martheray ziemlich das gleiche Gef�hl. Also sa�en sie in ihren Sesseln zusammengesunken mit ger�teten Augen da und st�hnten, w�hrend die Stunden vergingen und die Bilder auf dem Schirm flimmerten. Einige Rote sonderten sich deutlich von der Hauptkoalition der Widerstandes ab und folgten einem eigenen Aktionsplan. Sie verst�rkten ihre Kampagne von Sabotage und direkten Angriffen auf dem ganzen Planeten, eroberten kleine Posten mit Gewalt, setzten dann die Leute daraus in Wagen und jagten die Stellungen in die Luft. Eine andere �Rote Armee� st�rmte auch erfolgreich die physikalische Anlage in Cairo, t�tete viele der W�chter darin und veranla�te den Rest, sich zu ergeben.</p><p>Dieser Sieg hatte ihnen Mut gemacht, aber anderswo waren die Ergebnisse nicht so gut. Nach den Anrufen einiger zerstreuter �berlebender schien eine Attacke der Roten auf die physikalische Anlage in La�witz diese zerst�rt und die Kuppel massiv besch�digt zu haben, so da� diejenigen, welche sich nicht in sichere Geb�ude oder nach drau�en in Wagen hatten retten k�nnen, elend umgekommen waren. �Was tun die blo�?� schrie Nadia. Aber niemand antwortete ihr. Diese Gruppen erwiderten ihre Anrufe nicht. Und Ann ebensowenig.</p><p>Nadia sagte besorgt: �Ich m�chte wenigstens ihre Pl�ne mit den �brigen von uns diskutieren. Wir k�nnen die Dinge nicht au�er Kontrolle geraten lassen. Das ist zu gef�hrlich�� �</p><p>Sax spitzte mit m�rrischer Miene den Mund. Sie gingen in den Speiseraum, um etwas zu essen und dann etwas auszuruhen. Nadia mu�te sich zum Essen zwingen. Es war genau eine Woche her seit Saxens erstem Anruf, und sie konnte sich nicht erinnern, in dieser Woche etwas gegessen zu haben. Sie merkte, da� sie wirklich Hei�hunger hatte, und fing an, R�hrei hinunterzuschlingen.</p><p>Als sie mit dem Essen fast fertig waren, beugte Sax sich vor und sagte: �Du hast davon gesprochen, �ber Pl�ne zu diskutieren.�</p><p>�Was?� sagte Nadia mit halb zum Mund gehobener Gabel.</p><p>�Nun, dieses ankommende Shuttle mit der Eingreiftruppe der Sicherheit an Bord?�</p><p>�Was ist damit?� Nach dem Flug �ber Kasei Vallis war sie sich nicht sicher, ob Sax vern�nftig war. Die Gabel in ihrer Hand fing sichtlich an zu zittern.</p><p>�Nun, ich habe einen Plan�, sagte er. �Meine Gruppe in Da Vinci hat ihn eigentlich ausgedacht.�</p><p>Nadia bem�hte sich, die Gabel ruhig zu halten. �Erz�hl!�</p><empty-line/><p>F�r Nadia war der Rest dieses Tages verschwommen, da sie jeden Versuch, sich auszuruhen, aufgab. Sie versuchte, rote Gruppen zu erreichen, entwarf mit Art Botschaften an die Erde und berichtete Maya, Nirgal und dem Rest in Burroughs das Neueste von Sax. Es schien, da� der Gang der Ereignisse, der schon beschleunigt war, sich auf etwas geschaltet hatte, das rasend rotierte und jetzt �ber jede Kontrolle hinaus war, so da� keine Zeit mehr blieb, um zu essen oder zu schlafen oder ins Bad zu gehen. Aber all dies mu�te getan werden; und so schleppte sie sich in die Damentoilette und duschte ausgiebig. Dann a� sie ein spartanisches Fr�hst�ck mit Brot und K�se und streckte sich danach auf einer Couch aus und bekam etwas Schlaf. Aber es war jener unruhige leichte Schlaf, bei dem ihr Verstand weiter arbeitete und unklare verzerrte Gedanken �ber die Ereignisse des Tages w�lzte, wobei die Stimmen im Raum einbezogen wurden. Nirgal und Jackie kamen nicht zurecht. War das f�r die �brigen ein Problem?</p><p>Dann war sie wieder auf, so ersch�pft wie zuvor. Die Leute im Zimmer redeten noch �ber Jackie und Nirgal. Nadia ging ins Bad und bem�hte sich dann um Kaffee.</p><p>Zeyk und Nazik und ein gro�es arabisches Kontingent waren in Du Martheray eingetroffen, w�hrend sie schlief; und jetzt steckte Zeyk den Kopf in die K�che. �Sax sagt, das Shuttle wird gleich ankommen.�</p><p>Du Martheray lag nur sechs Grad n�rdlich vom �quator. Darum hatten sie eine gute Position, um das Luftbremsman�ver der ankommenden F�hre zu beobachten, das kurz nach Sonnenuntergang stattfinden sollte. Das Wetter spielte mit, und der Himmel war wolkenlos und sehr klar. Die Sonne senkte sich, der Osthimmel wurde dunkel, und die Farben �ber Syrtis im Westen boten ein Spektrum, das von Gelb, Orange, einem schmalen Streifen Gr�n �ber Blau bis Indigo reichte. Dann verschwand die Sonne �ber den schwarzen Bergen, und die Farben des Himmels vertieften sich und wurden transparent, als ob das Himmelsgew�lbe pl�tzlich hundertmal so gro� geworden w�re.</p><p>Und inmitten dieser Farbspiele, zwischen den zwei Abendsternen, flammte ein dritter wei�er Stern auf und scho� am Himmel empor unter Hinterlassung eines kurzen geraden Kondensstreifens. Dies war das gew�hnliche dramatische Bild, welches Shuttles beim Bremsen in der Luft boten, wenn sie in die obere Atmosph�re eintauchten. Es war bei Tage fast so gut sichtbar wie bei Nacht. Es dauerte nur etwa eine Minute, um den Himmel von einem Horizont zum andern zu �berqueren, wie langsame, leuchtende Sternschnuppen.</p><p>Aber diesmal wurde es immer schw�cher, als es noch hoch im Westen war, bis es schlie�lich als matter Stern erlosch und verschwand.</p><p>Der Beobachtungsraum von Du Martheray war �berf�llt, und viele stie�en bei diesem ungewohnten Anblick laute Rufe aus, obwohl man sie vorher in Kenntnis gesetzt hatte. Als die Erscheinung v�llig vorbei war, bat Zeyk Sax, sie f�r die, welche die volle Geschichte nicht geh�rt hatten, zu erkl�ren. Sax sagte ihnen, da� das Fenster f�r den Eintritt in die Umlaufbahn f�r luftgebremste Shuttles sehr eng w�re. Es gab nur wenig Fehlerspielraum. Nun hatten Saxens Techniker im Krater Da Vinci eine Rakete mit einer Nutzlast aus Metallst�cken�� vor allem mit zerkleinertem Eisenschrott, sagte er�� ausger�stet und ein paar Stunden zuvor abgeschossen. Diese Nutzlast war in der Einschu�bahn des herankommenden Shuttles f�r den Marsorbit ein paar Minuten vor dessen Eintreffen explodiert und hatte die Metallst�cke in einem Band ausgeworfen, das in horizontaler Richtung breit, in vertikaler aber schmal war. Nun wurden orbitale Einf�delungen nat�rlich vollkommen von Computern gesteuert. Als das Radar des Shuttles den Schrottfleck identifiziert hatte, gab es f�r die KI des Shuttles nur wenige Alternativen der Navigation. Unter den Schrott zu tauchen w�rde das Shuttle durch dichtere Schichten der Atmosph�re tragen, so da� es h�chstwahrscheinlich verbrannte; durch die Tr�mmerwolke hindurchzusto�en h�tte die Gefahr gehabt, den Hitzeschild zu durchl�chern und auch zu verbrennen. Also <emphasis>shikata ga nai.</emphasis> In Anbetracht der einprogrammierten Risikoniveaus mu�te der Computer den Flug mit Luftbremsung abbrechen, indem er das Shuttle �ber das Hindernis hinwegfliegen lie� und damit wieder aus der Atmosph�re hinausschleuderte. Dies bedeutete, da� sich das Shuttle noch weiter aus dem Sonnensystem hinausbewegte mit nahezu seiner H�chstgeschwindigkeit von vierzigtausend Kilometern in der Stunde.</p><p>Zeyk fragte Sax: �Haben sie irgendeine M�glichkeit, langsamer zu werden au�er Luftbremsung?�</p><p>�Nicht wirklich. Darum bremsen sie ja mit der Luft.�</p><p>�Also ist das Shuttle dem Untergang geweiht?�</p><p>�Nicht unbedingt. Sie k�nnen einen anderen Planeten als Gravitationshebel benutzen, um herumzukurven und wieder hierher oder zur Erde zur�ckzugelangen.�</p><p>�Dann sind sie also jetzt unterwegs zum Jupiter?�</p><p>�Nun, Jupiter befindet sich derzeit leider auf der anderen Seite des Sonnensystems.�</p><p>Zeyk grinste. �Sind sie unterwegs zum Saturn?�</p><p>Sax sagte: �Sie k�nnten es vielleicht schaffen, nacheinander sehr nahe an einigen Asteroiden vorbeizufliegen, um ihren <emphasis>Kurs</emphasis> umzulenken.�</p><p>Zeyk lachte; und obwohl Sax noch weiter �ber Strategien zur Kurskorrektur sprach, redeten zu viele andere Leute, als da� man ihn noch h�tte h�ren k�nnen.</p><empty-line/><p>Also brauchten sie sich keine weiteren Sorgen mehr wegen Verst�rkungen der Sicherheit von der Erde her zu machen, wenigstens nicht unmittelbar. Aber Nadia meinte, da� dieser Umstand die UNTA-Polizei in Burroughs veranlassen k�nnte, sich in der Falle zu f�hlen und damit f�r sie noch gef�hrlicher zu werden. Und gleichzeitig r�ckten die Roten weiter st�ndig der Stadt im Norden vor, was ohne Zweifel das Gef�hl des Eingesperrtseins f�r die Sicherheitstruppen erh�hte. In der gleichen Nacht, in der das Shuttle vorbeiflog, nahmen Gruppen Roter in gepanzerten Wagen den Deich endg�ltig in Besitz. Dies bedeutete, da� sie dem Raumhafen von Burroughs gef�hrlich nahe waren, der nur zehn Kilometer nordwestlich der Stadt lag.</p><p>Auf dem Bildschirm erschien Maya. Sie sah nicht anders aus als vor ihrer gro�en Rede. �Wenn die Roten den Raumhafen erobern�, sagte sie zu Nadia, �dann wird die Sicherheit in Burroughs festsitzen.�</p><p>�Ich wei�. Das ist es ja, was wir gerade nicht wollen. Besonders jetzt.�</p><p>�Ich wei�. Kannst du diese Leute unter Kontrolle halten?�</p><p>�Sie fragen mich nicht mehr um Rat.�</p><p>�Ich dachte, du w�rest hier die gro�e F�hrerin.�</p><p>�Ich dachte, du w�rest es�, erwiderte Nadia prompt.</p><p>Maya lachte rauh und humorlos.</p><p>Eine andere Mitteilung kam von Praxis, ein B�ndel Nachrichten von der Erde, das �ber Vesta als Relais gesendet worden war. Das meiste davon enthielt die letzte Information �ber die Flut und die Katastrophen in Indonesien und vielen anderen K�stengebieten; aber es gab auch einige politische Neuigkeiten, darunter einige F�lle von Nationalisierung metanationalen Eigentums durch die Milit�rs einiger Klientell�nder im S�dlichen Club, von denen die PraxisAnalytiker annahmen, sie k�nnten der Anfang einer Revolte von Regierungen gegen Metanationale sein. Was die Massendemonstration in Burroughs anging, so hatte sie in vielen L�ndern Aufsehen erregt und war sicher ein Thema in Regierungsb�ros und Amtsstuben rund um die Welt. Die Schweiz hatte best�tigt, da� sie mit einer Regierung des Mars diplomatische Beziehungen aufnehmen w�rde, die �sp�ter ernannt werden w�rde�, wie Art grinsend erkl�rte. Praxis hatte dasselbe getan. Der Weltgerichtshof hatte verlauten lassen, da� er das von der Friedlichen Neutralen Koalition Dorsa Brevia gegen UNTA angestrengte Verfahren erw�gen w�rde�� ein Proze�, der von den Medien der Erde als �Mars contra Terra� bezeichnet wurde��, und zwar sobald wie m�glich. Und das Linienshuttle hatte seinen mi�lungenen Eintritt in die Marsatmosph�re gemeldet. Offenbar plante es, im Asteroidengebiet umzukehren. Aber Nadia fand es h�chst ermutigend, da� keines dieser Ereignisse auf der Erde die ersten Schlagzeilen eingenommen hatte, wo das durch die �berschwemmungen verursachte Chaos immer noch die Spitzenstellung in der allgemeinen Aufmerksamkeit behauptete. �berall gab es Millionen Fl�chtlinge, und viele davon in unmittelbarer Bedr�ngnis��</p><p>Aber gerade darum hatten sie die Revolte zu diesem Zeitpunkt begonnen. Die Unabh�ngigkeitsbewegungen hatten die meisten St�dte unter ihrer Kontrolle. Sheffield war immer noch eine Hochburg der Metanationalen; aber dort war Peter Clayborne als Oberbefehlshaber aller Aufst�ndischen in Pavonis, der ihre Aktivit�ten so koordinierte, da� sie es nicht Burroughs hatten gleichtun k�nnen. Das war zum Teil deshalb so, weil viele der radikalsten Elemente Tharsis vermieden hatten und weil andererseits die Lage in Sheffield �u�erst schwierig war und wenig Raum zum Man�vrieren bot. Die Aufst�ndischen kontrollierten jetzt Arsia und Ascraeus und die kleine wissenschaftliche Station im Krater Zp auf Olympus Mons; und sie beherrschten sogar den gr��ten Teil der Stadt Sheffield. Aber die Steckdose des Aufzugs und der ganze sie umgebende Teil der Stadt waren fest in den H�nden der Sicherheitspolizei, die schwer bewaffnet war. Also hatte Peter alle H�nde voll auf Tharsis zu tun und w�rde ihnen bei Burroughs nicht helfen k�nnen. Nadia sprach kurz mit ihm, schilderte die Lage in Burroughs und bat ihn, Ann anzurufen und sie zu bitten, da� die Roten sich zur�ckhalten m�chten. Er versprach zu tun, was er k�nnte, schien aber nicht zuversichtlich zu sein, da� er das Ohr seiner Mutter h�tte.</p><p>Danach versuchte Nadia einen neuen Anruf bei Ann, kam aber nicht durch. Dann wollte sie Hastings erreichen. Er nahm ihren Anruf entgegen. Aber das Gespr�ch war nicht produktiv. Hastings war nicht mehr die angenehme entt�uschte Person der vergangenen Nacht. Er rief w�tend: �Diese Eroberung des Deichs? Was versuchen die zu beweisen? Denkt ihr, ich glaube, da� sie den Deich zerst�ren, wenn in der Stadt zweihunderttausend Menschen sind, von denen die meisten auf eurer Seite stehen? Das ist absurd! Aber h�r mir zu, in dieser Organisation gibt es Leute, denen die Gefahr nicht gef�llt, in die die Bev�lkerung ger�t. F�r die kann ich nicht die Verantwortung �bernehmen, wenn diese Leute nicht vom Deich verschwinden�� und aus ganz Isidis Planitia! Seht zu, da� sie dort abhauen!�</p><p>Und er trennte die Verbindung, ehe Nadia auch nur antworten konnte, abgelenkt durch jemanden au�erhalb des Schirms, der mitten in dieser Tirade hereingekommen war. Ein ver�ngstigter Mann, dachte Nadia und sp�rte wieder in ihrem Innern die eiserne Walnu�. Ein Mann, der sich nicht mehr als Herr der Lage f�hlte. Ohne Zweifel eine korrekte Beurteilung. Aber der letzte Ausdruck in seinem Gesicht hatte ihr nicht gefallen. Sie versuchte sogar zur�ckzurufen; aber in Table Mountain wollte niemand mehr antworten.</p><empty-line/><p>Einige Stunden sp�ter weckte Sax sie in ihrem Sessel auf, und sie fand heraus, wor�ber Hastings so besorgt gewesen war. Sax sagte ihr mit ernster Miene: �Die UNTA, welche Sabishii verbrannt hat, ist mit Panzerwagen losgezogen und hat versucht, den Roten den Deich zu entrei�en. Offenbar hat es einen Kampf um den der Stadt am n�chsten liegenden Abschnitt gegeben. Und wir haben gerade von einigen Roten geh�rt, da� der Deich durchsto�en ist.�</p><p>�Was?�</p><p>�In die Luft gejagt. Sie hatten L�cher gebohrt und Ladungen angebracht als Drohung. Und beim Kampf haben sie die gez�ndet. Das ist alles, was sie gesagt haben.�</p><p>�O mein Gott!� Sie ging mit wild klopfendem Herzen zum n�chsten Schirm. Es war drei Uhr morgens. �Gibt es eine Chance, da� Eis die L�cke verstopfen und als Damm dienen wird?�</p><p>Sax blinzelte. �Das glaube ich nicht. H�ngt davon ab, wie gro� die L�cke ist.�</p><p>�K�nnen wir mit Gegensprengungen die L�cke schlie�en?�</p><p>�Das glaube ich nicht. Schau, hier gibt es Videos, die einige Rote s�dlich des Lochs vom Deich gesendet haben.� Er zeigte auf einen Schirm, der ein Infrarotbild sendete mit Schwarz zur Linken und Dunkelgr�n zur Rechten und einem waldgr�nen Ergu� in der Mitte. �Da in der Mitte, das ist die Explosionszone, w�rmer als der Regolith. Die Sprengung ist anscheinend dicht bei einem Bereich von fl�ssigem Wasser angesetzt worden. Oder es war eine Explosion, die so angebracht war, da� sie das Eis hinter dem Bruch verfl�ssigte. Jedenfalls kommt eine Menge Wasser hindurch. Und das wird die L�cke erweitern. Nein, wir haben echt ein Problem.�</p><p>�Sax!� rief sie und hielt sich an seiner Schulter fest, w�hrend sie auf den Schirm sah. �Die Leute in Burroughs, was sollen die machen? Verdammt, was k�nnte Ann wohl <emphasis>denken?�</emphasis></p><p>�Vielleicht ist Ann es gar nicht gewesen.�</p><p>�Ann oder irgendeiner von den Roten!�</p><p>�Sie wurden angegriffen. Es h�tte ein Unfall gewesen sein k�nnen. Oder jemand auf dem Deich mu� gedacht haben, da� man sie zwingen wollte, von den Sprengstoffen wegzugehen. In diesem Fall ging es um alles oder nichts.� Er sch�ttelte den Kopf. �So etwas ist immer schlimm.�</p><p><emphasis>�Verdammt! Verdammt! Verdammt</emphasis>!�Nadia sch�ttelte heftig den Kopf, um ihn frei zu machen. �Wir m�ssen etwas unternehmen.� Sie dachte scharf nach. �Sind die Gipfel der Mesas hoch genug, um �ber der Flut zu bleiben?�</p><p>�F�r einige Zeit schon. Aber Burroughs ist ungef�hr die niedrigste Stelle in dieser Depression. Darum wurde es dort angelegt. Weil die Seiten der Wanne ihm lange Horizonte bescherten. Nein. Auch die Mesagipfel werden �berflutet werden. Ich bin nicht sicher, wie lange das dauern wird, weil ich nicht die genaue Str�mungsst�rke kenne. Aber wir wollen einmal sehen. Das zu f�llende Volumen betr�gt ungef�hr�� Er tippte wild darauf los; aber seine Augen blieben ausdruckslos. Nadia erkannte pl�tzlich, da� ein anderer Teil seines Gehirns die Berechnung schneller schaffte als die KI, eine gestalthafte Visualisierung der Situation. Sax starrte in die Unendlichkeit und wackelte wie ein Blinder mit dem Kopf vorw�rts und r�ckw�rts. Ehe er mit dem Tippen fertig war, fl�sterte er: �Es k�nnte recht schnell sein. Wenn die geschmolzene Wassermasse gro� genug ist.�</p><p>�Damit m�ssen wir rechnen.�</p><p>Er nickte.</p><p>Da sa�en sie nun nebeneinander und starrten auf Saxens Computer.</p><p>Sax sagte z�gernd: �Als ich in Da Vinci arbeitete, versuchte ich, mir die m�glichen Szenarien vorzustellen. Die Gestalten kommender Dinge, verstehst du? Und ich machte mir Sorgen, da� so etwas passieren k�nnte. Zerbrochene Kuppeln. �berschwemmte St�dte. So stellte ich mir das vor. Oder Feuersbr�nste.�</p><p>�Und?� fragte Nadia und sah ihn an.</p><p>�Ich dachte an ein Experiment, einen <emphasis>Plan.�</emphasis></p><p>�Erz�hle!�</p><p>Aber Sax las etwas, das wie ein aktueller Wetterbericht aussah, der gerade �ber den Bildern erschienen war, die �ber den Schirm liefen. Nadia wartete geduldig ab; und als er wieder von seinem Computer aufschaute, sagte sie: �Na und?�</p><p>�Das gibt es eine Hochdruckzelle, die von Xanthe aus durch Syrtis herunterkommt. Sie sollte heute hier sein. Oder morgen. Auf Isidis Planitia wird der Druck um dreihundertvierzig Millibar liegen, mit rund f�nfundvierzig Prozent Stickstoff, vierzig Prozent Sauerstoff und f�nfzehn Prozent Kohlendioxid�� �</p><p>�Sax, das Wetter interessiert mich nicht!�</p><p>�Es ist atembar�, sagte er und sah mit jener reptilienhaften Miene aus wie eine Eidechse oder ein Drache oder eine kalte nachmenschliche Kreatur, die im Vakuum leben kann. �Fast atembar. Wenn man das CO2 ausfiltert. Und das k�nnen wir machen. Wir haben in Da Vinci Gesichtsmasken hergestellt. Die sind aus einer Zirkoniumlegierung angefertigt. Das ist einfach. Molek�le von Kohlendioxid sind gr��er als die von Sauerstoff oder Stickstoff. Darum haben wir Molek�lsiebfilter gemacht. Das ist auch ein aktives Filter mit einer piezoelektrischen Schicht, bei der eine elektrische Ladung entsteht, wenn das Material beim Ein- und Ausatmen gebogen wird, wodurch ein aktiver Sauerstoffaustausch durch das Filter mit Energie versorgt wird.�</p><p>�Wie ist es mit Staub?� fragte Nadia.</p><p>�Es handelt sich um einen nach Gr��e gestaffelten Filtersatz. Erst h�lt er Staub fest, dann Grus, dann CO2.� Er sah zu Nadia auf. �Ich dachte, es k�nnten Leute, die eine Stadt verlassen m�ssen� Darum haben wir eine halbe Million davon hergestellt. Die Maske wird angeschnallt. Die R�nder sind aus klebrigern Polymer und haften auf der Haut. Dann atmet man die freie Luft. Ganz einfach.�</p><p>�Also evakuieren wir Burroughs.�</p><p>�Ich sehe keine Alternative. Wir k�nnen nicht so viele Menschen mit der Bahn oder auf dem Luftweg schnell genug hinausschaffen. Aber sie k�nnen gehen.�</p><p>�Aber wohin gehen?�</p><p>�Zum Libya-Bahnhof.�</p><p>�Sax, das sind von Burroughs aus etwa siebzig Kilometer, nicht wahr?�</p><p>�Dreiundsiebzig Kilometer.�</p><p>�Das ist zu Fu� ein h�llisch weiter Weg!�</p><p>�Ich denke, die meisten Leute k�nnten es schaffen, wenn sie es m��ten�, sagte er ruhig. �Und die, welche nicht von Rovern oder Luftschiffen aufgenommen werden k�nnen. Wenn die Leute dann den Bahnhof von Libya erreicht haben, k�nnen sie mit dem Zug weiterkommen. Oder mit Luftschiffen. Und der Bahnhof fa�t vielleicht zwanzigtausend auf einmal. Wenn man sie hineinstopft.�</p><p>Nadia dachte dar�ber nach und sah auf Saxens ausdrucksloses Gesicht. �Wo sind diese Masken?�</p><p>�Sie sind noch in Da Vinci. Aber sie sind schon in schnellen Flugzeugen verstaut. Wir k�nnten sie in ein paar Stunden hier haben.�</p><p>�Bist du sicher, da� sie funktionieren?�</p><p>Sax nickte. �Wir haben sie ausprobiert. Und ich habe ein paar mitgebracht. Ich kann sie dir zeigen.� Er stand auf und holte aus seiner Reisetasche einen Stapel wei�er Gesichtsmasken. Eine gab er Nadia. Das war eine Maske f�r Mund und Nase und sah einer �blichen Staubmaske, wie sie bei Bauarbeiten benutzt werden, sehr �hnlich. Sie war nur dicker und hatte einen Rand, der sich klebrig anf�hlte.</p><p>Nadia sah sie sich an, legte sie sich �ber den Kopf und zog das Kinnband fest. Sie konnte dadurch so leicht atmen wie durch eine Staubmaske. �berhaupt kein Gef�hl von Behinderung. Die Dichtung schien gut zu sein.</p><p>Sie sagte: �Ich werde sie drau�en ausprobieren.�</p><empty-line/><p>Zuerst gab Sax nach Da Vinci Anweisung, die Masken herzuschicken, und dann gingen sie zur Fluchtschleuse hinunter. Der Plan und der Versuch hatten sich schnell herumgesprochen, und alle Masken, die Sax mitgebracht hatte, waren schnell vergriffen. Zusammen mit Nadia und Sax gingen ungef�hr zehn andere Personen nach drau�en, einschlie�lich Zeyk und Nazik und Spencer Jackson, der etwa eine Stunde vorher von Du Martheray angekommen war.</p><p>Sie alle trugen Schutzanz�ge f�r die Oberfl�che der jetzt gebr�uchlichen Art. Das waren Einteiler aus mehrschichtigem isoliertem Stoff mit Heizf�den, aber ganz ohne das fr�here zusammendr�ckende Material, das man in den Jahren geringen Drucks gebraucht hatte. Nadia sagte zu den anderen: �Versucht, die Heizung eurer Anz�ge abzustellen! Auf diese Weise k�nnen wir sehen, wie sich die K�lte anf�hlt, wenn man nur Stadtkleidung tr�gt.�</p><p>Sie zogen die Masken �bers Gesicht und gingen in die Garagenschleuse. Die Luft darin wurde sehr schnell kalt. Dann ging die Au�ent�r auf.</p><p>Sie traten auf die Oberfl�che hinaus.</p><p>Es war kalt. Dieser Schock traf Nadia an der Stirn und den Augen. Es war schwer, nicht etwas zu keuchen. Sicher lag das an dem �bergang von 500 Millibar auf 340 Millibar. Die Augen tr�nten, und die Nase lief. Sie atmete aus und ein. Die Lungen schmerzten von der K�lte. Die Augen waren direkt dem Wind ausgesetzt. Das war die eindrucksvollste Sinneswahrnehmung. Sie erschauerte, als die K�lte durch den Stoff ihres Schutzanzugs und in die Brust drang. Die K�lte brachte f�r sie einen Hauch von Sibirien mit sich.</p><p>260 K waren �13��C. Eigentlich gar nicht so schlimm. Sie war es einfach nicht mehr gewohnt. Ihre H�nde und F��e waren auf dem Mars oft sehr kalt geworden; aber es war viele Jahre her�� tats�chlich mehr als ein Jahrhundert!��, seit ihr Kopf und ihre Lungen die K�lte derma�en gesp�rt hatten.</p><p>Die anderen redeten laut miteinander. Ihre Stimmen klangen seltsam in der freien Luft. Keine Helm-Interkoms! Der Halsring des Anzugs, wo der Helm gesessen h�tte, f�hlte sich �u�erst kalt an am Schl�sselbein und im Nacken. Das alte, zertr�mmerte, schwarze Gestein der Gro�en B�schung war von einer d�nnen Schicht n�chtlichen Reifs bedeckt. Nadia hatte einen Rundblick, wie sie ihn nie zuvor im Helm gehabt hatte. Der kalte Wind lie� ihr Tr�nen die Wangen herunterrinnen. Sie empfand keine besondere Erregung. Sie war �berrascht, wie die Dinge aussahen, wenn die Sicht nicht durch eine Visierscheibe oder sonstiges Fenster behindert war. Sie hatten eine scharfe halluzinatorische Klarheit, sogar bei Sternenlicht. Der Himmel im Osten zeigte ein �ppiges Preu�ischblau der Vord�mmerung mit hohen Cirruswolken, die schon Licht auffingen wie rosa Pferdeschweife. Die roten Falten der Gro�en B�schung erschienen im Licht der Sterne grau auf schwarz, mit schwarzen Schatten gefurcht. Der Wind in ihren Augen!</p><p>Die Leute sprachen ohne Interkom. Ihre Stimmen waren d�nn und k�rperlos, die M�nder durch die Masken verdeckt. Es gab kein mechanisches Summen, Brummen, Zischen oder Brausen. Nach mehr als einem Jahrhundert solcher Ger�usche war die windige Stille im Freien seltsam, eine Art Hohlheit f�r die Ohren. Nazik sah aus, als tr�ge sie einen Beduinenschleier.</p><p>�Es ist kalt�, sagte sie zu Nadia. �Mir brennen die Ohren. Ich kann den Wind auf meinen Augen f�hlen. Auf meinem Gesicht.�</p><p>�Wie lange werden die Filter reichen?� fragte Nadia Sax. Sie sprach laut, um sicher zu sein, da� er sie h�ren konnte.</p><p>�Hundert Stunden.�</p><p>�Jammerschade, da� die Menschen durch sie ausatmen m�ssen. Das m��te dem Filter viel mehr Kohlendioxid zuf�hren.�</p><p>�Allerdings. Aber ich sehe keinen einfachen Ausweg.�</p><p>Sie standen barh�uptig auf der Oberfl�che des Mars. Sie atmeten die Luft mit nichts mehr als einer Filtermaske. Die Luft war d�nn, wie Nadia merkte, aber sie f�hlte sich nicht schwindelig. Der hohe Prozentsatz an Sauerstoff glich wohl den geringen atmosph�rischen Druck aus. Es kam auf den Partialdruck des Sauerstoffs an. Und bei so viel Prozent Sauerstoff in der Luft�</p><p>Zeyk sagte: �Ist dies das erste Mal, da� jemand das gemacht hat?�</p><p>�Nein�, sagte Sax. �Wir haben es in Da Vinci oft getan.�</p><p>�Es ist ein sch�nes Gef�hl. Es ist nicht so kalt, wie ich erwartet hatte.�</p><p>�Und wenn du stramm marschierst, wird es dir w�rmer werden�, sagte Sax.</p><p>Sie gingen etwas umher und achteten im Dunkeln auf ihre Schritte. Es war recht kalt, ganz gleich, was Zeyk sagte. �Wir sollten wieder hineingehen�, schlug Nadia vor.</p><p>�Ihr solltet drau�en bleiben und die D�mmerung betrachten. Die ist ohne Helme sehr sch�n�, sagte Sax.</p><p>Nadia, �berrascht, von ihm eine solche Gef�hls�u�erung zu h�ren, sagte: �Wir k�nnen noch mehr D�mmerungen sehen. Eben jetzt gibt es vieles, wor�ber wir sprechen m�ssen. Au�erdem ist es kalt.�</p><p>�Es ist ein gutes Gef�hl�, sagte Sax. �Schaut, da ist Kerguelenkohl. Und Sandwurz. Er kniete sich hin und schob ein behaartes Blatt zur Seite, um ihnen eine versteckte wei�e Bl�te zu zeigen, die in dem schwachen Licht der Vord�mmerung kaum zu erkennen war.�</p><p>Nadia starrte ihn an und sagte: �Komm jetzt herein!�</p><p>Und so gingen sie zur�ck.</p><empty-line/><p>In der Schleuse legten sie ihre Masken ab und waren dann wieder im Umkleideraum des Refugiums, rieben sich die Augen und bliesen in ihre behandschuhten H�nde. �Es war nicht so kalt! Die Luft roch angenehm!�</p><p>Nadia zog ihre Handschuhe aus und bef�hlte ihre Nase. Das Fleisch war eiskalt, aber es war nicht die wei�e K�lte beginnender Erfrierungen. Sie sah Sax an, dessen Augen in wilder Erregung leuchteten, was ihm gar nicht �hnlich war�� ein seltsamer und irgendwie bewegender Anblick. �brigens sahen sie alle erregt aus, mit einer bis an Lachen grenzenden Erheiterung erf�llt, die durch die gef�hrliche Situation unten in Burroughs noch versch�rft wurde. �Ich habe mich seit Jahren bem�ht, das Sauerstoffniveau zu heben�, sagte Sax zu Nazik, Spencer und Steve.</p><p>Spencer sagte: �Ich dachte, das w�re, damit dein Feuer in Kasei Vallis so stark brennen sollte.�</p><p>�O nein. Was Feuer angeht, so ist es, wenn man eine gewisse Menge an Sauerstoff hat, mehr eine Frage, wie trocken es ist und was f�r Material brennen soll. Nein, dies war, um den Partialdruck des Sauerstoffs zu erh�hen, so da� Menschen und Tiere ihn atmen k�nnen. Sofern nur das Kohlendioxid vermindert wurde.�</p><p>�Hast du also auch Masken f�r Tiere gemacht?�</p><p>Sie lachten und gingen in den Speiseraum des Refugiums hinauf. Zeyk machte sich daran, Kaffee aufzubr�hen, w�hrend sie �ber den Spaziergang redeten und gegenseitig die Wangen betasteten, um die K�lte zu vergleichen.</p><p>�Was ist mit der Evakuierung der Leute aus der Stadt?� fragte Nadia Sax pl�tzlich. �Was ist, wenn die Sicherheit die Tore geschlossen h�lt?�</p><p>�Sie gehen zum Raumhafen hinaus�, rief jemand aus dem Nachrichtenraum. �Die Sicherheitskr�fte nehmen die Untergrundbahn zum Raumhafen. Sie verlassen das Schiff, die Schufte. Und Michel sagt, da� der Bahnhof�� die S�dstation�� zerst�rt ist!�</p><p>Das bewirkte einen Tumult. �ber diesen hinweg sagte Nadia zu Sax: �Wir wollen Hunt Mesa den Plan mitteilen und dann nach unten gehen und die Masken holen.�</p><p>Sax nickte.</p><p>Zwischen Mangalavid und den Armbandger�ten gelang es ihnen, der Bev�lkerung von Burroughs den Plan sehr rasch bekanntzugeben, w�hrend sie in einer gro�en Karawane von Du Martheray zu einer niedrigen Reihe von H�geln s�dwestlich der Stadt fuhren. Bald nach ihrer Ankunft schwebten die zwei Flugzeuge mit den Masken gegen Kohlendioxid �ber Syrtis ein und landeten auf einer freigemachten Stelle der Ebene gleich au�erhalb der westlichen B�schung der Kuppelmauer. Auf der anderen Seite hatten die Beobachter der Stadt auf der Double Decker Butte schon gemeldet, da� sie gesehen hatten, wie sich die Flut aus Ostnordost n�herte. Dunkelbraunes, von Eis geflecktes Wasser, das durch die Falte hereinkam, die in der Stadt vom Kanalpark besetzt war. Und die Meldungen �ber den S�dbahnhof hatten sich bewahrheitet. Die Ausr�stung der Piste war durch eine Explosion in dem linearen Induktionsgenerator zerst�rt. Niemand wu�te genau, wer das getan hatte. Aber es war geschehen, und die Z�ge waren zum Stillstand verurteilt.</p><p>W�hrend Zeyks Araber die Kisten mit den Masken nach den westlichen, s�dwestlichen und s�dlichen Toren schafften, versammelten sich riesige Volksmengen bereits in jedem davon. Alle trugen entweder Schutzanz�ge mit Heizdr�hten oder die schwersten Kleider, die sie hatten, nicht zu schwer f�r das, was vor ihnen lag, wie Nadia meinte, als sie zum S�dwesttor ging und aus Kisten Gesichtsmasken austeilte. In diesen Tagen gingen viele Leute in Burroughs so selten auf die Oberfl�che hinaus, da� sie bei Bedarf Schutzanz�ge mieteten. So gab es nicht genug davon, um jeden zu versorgen, und sie mu�ten mit M�nteln gehen, die f�r das Kuppelinnere gedacht waren und ziemlich d�nn waren. Meistens mangelte es auch an Kopfbedeckungen. Immerhin war mit der Nachricht �ber die Evakuierung auch eine Aufforderung ergangen, sich f�r 255 K anzuziehen. Darum trugen die meisten Leute mehrere Garnituren und waren dick vermummt.</p><p>Jede Torschleuse konnte pro Minute hundert Personen durchlassen; aber das war bei weitem noch nicht schnell genug, wenn Tausende drinnen warteten und die Massen im Verlauf des Samstag morgens noch zunahmen. Die Masken waren unter den Leuten verteilt worden; und Nadia war sicher, da� inzwischen jeder eine hatte. Es war unwahrscheinlich, da� in der Stadt noch jemand nichts von der Notlage wu�te. Darum ging Nadia zu Zeyk, Sax, Maya, Michel und allen anderen bekannten Personen, die sie sah, und sagte: �Wir sollten die Kuppelwand zerschneiden und dann losziehen. Ich werde mich daranmachen.� Niemand war dagegen.</p><p>Endlich erschien Nirgal. Er glitt durch die Menge wie der Gott Merkur bei einem dringenden Auftrag, l�chelte breit und begr��te einen Bekannten nach dem anderen, Leute, die ihn umarmen, ihm die Hand sch�tteln oder ihn wenigstens ber�hren wollten. Nadia sagte zu ihm: �Ich zerschneide jetzt gleich die Kuppelwand. Alle haben Masken, und wir m�ssen hier schneller herauskommen, als es durch die Tore m�glich ist.�</p><p>Er sagte: �Eine gute Idee. La� mich nur ansagen, was passiert.�</p><p>Und er sprang drei Meter hoch in die Luft, packte eine Mauerkappe des Betonbogens der Tores und schwang sich darauf, so da� er mit beiden F��en auf dem drei Zentimeter breiten Streifen balancierte. Dann stellte er einen kleinen Schulterlautsprecher an, den er bei sich trug, und sagte: �Achtung, bitte! Wir fangen gleich an, die Kuppelwand zu zerschneiden, direkt �ber der Mauerkrone. Es wird also in K�rze eine nach au�en gehende Brise zu sp�ren sein, nicht sehr stark. Die der Wand am n�chsten befindlichen Leute nat�rlich zuerst. Es wird hierbei nicht n�tig sein, sich zu beeilen. Wir werden ausgiebig schneiden; und jeder sollte in der n�chsten halben Stunde aus der Stadt heraus sein. Seid bereit f�r die K�lte! Die wird sehr <emphasis>erfrischend</emphasis> sein. Bitte, legt eure Maske an und kontrolliert, ob sie dicht ist bei euch wie auch bei den Leuten um euch herum!�</p><p>Er schaute zu Nadia hinunter, die aus ihrem schwarzen Rucksack ein kleines Laserschneidger�t geholt hatte und es Nirgal zeigte. Sie hielt es �ber den Kopf, damit viele Leute es sehen konnten.</p><p>�Sind alle bereit?� fragte Nirgal �ber seinen Lautsprecher. Alle in der Menge sichtbaren Leute hatten eine wei�e Maske �ber dem unteren Teil ihres Gesichts. �Ihr seht aus wie Banditen�, sagte Nirgal zu ihnen und lachte. Dann rief er �Okay!� mit Blick auf Nadia.</p><p>Und sie zerschnitt den Stoff der Kuppel.</p><empty-line/><p>Ein vern�nftiges Verhalten, um zu �berleben, ist fast so ansteckend wie Panik, und die Evakuierung verlief schnell und geordnet. Nadia schnitt ungef�hr zweihundert Meter von dem Stoff ein, direkt oberhalb der Betonkappe; und der h�here Luftdruck innen bewirkte einen hinausgehenden Luftstrom, der die transparenten Schichten der Kuppelbespannung hoch und von der Einfassung weg hielt, so da� die Leute �ber die h�fthohe Mauer klettern konnten, ohne sich darum k�mmern zu m�ssen. Andere schnitten den Stoff bei den westlichen und s�dlichen Toren auf; und in ungef�hr der Zeit, die erforderlich ist, um ein gro�es Stadion zu entleeren, war die Bev�lkerung von Burroughs aus der Stadt heraus und in der k�hlen frischen Luft eines Morgens auf Isidis: 350 Millibar Druck, 261 K oder �12��C Temperatur.</p><p>Zeyks Araber blieben in ihren Rovern und dienten als Eskorte, indem sie vorw�rts und r�ckw�rts fuhren und die Leute zu der H�gelkette f�hrten, die ein paar Kilometer s�dwestlich der Stadt lag und Moeris-Berge hie�. Das Wasser der Flut erreichte die �stliche Seite der Stadt, als die letzten Nachz�gler diese Reihe niedriger Buckel in der Ebene erreichten und Beobachter der Roten, die in eigenen Rovern weit umherstreiften, meldeten, da� die Flut jetzt n�rdlich und s�dlich um die Basis der Stadtmauer liefe, in einem Schwall, der weniger als einen Meter tief war.</p><p>Es war also eine �u�erst knappe Situation gewesen, knapp genug, um Nadia erschauern zu lassen. Sie stand oben auf einem der Moerish�gel und schaute sich um, damit sie sich ein Bild der Lage verschaffen konnte. Die Leute hatten ihr Bestes getan, waren aber ihrer Meinung nach ungen�gend bekleidet. Nicht jeder hatte isolierte Stiefel, und nur sehr wenige hatten viel auf dem Kopf. Die Araber stiegen aus ihren Rovern, um den Leuten zu zeigen, wie man mit Schals oder Handt�chern oder Extrajacken �ber den K�pfen Burnuskapuzen improvisieren konnte. Und das mu�te gen�gen. Aber es war drau�en kalt, sehr kalt trotz Sonne und Windstille; und die B�rger von Burroughs, die nicht au�erhalb der Kuppel gearbeitet hatten, machten ein entsetztes Gesicht. Einige waren allerdings in besserer Verfassung als andere. Nadia konnte neu Angekommene aus Ru�land an ihren warmen Kopfbedeckungen erkennen, die sie von daheim mitgebracht hatten. Sie begr��te diese Leute auf russisch, und sie grinsten fast immer und riefen: �Das ist gar nichts. Es ist gutes Wetter zum Schlittschuhlaufen, <emphasis>da?�</emphasis></p><p>�Bleibt in Bewegung!� sagte Nadia zu ihnen und zu allen anderen. Man erwartete, da� es am Nachmittag w�rmer w�rde, vielleicht bis �ber den Gefrierpunkt.</p><p>Innerhalb der dem Untergang geweihten Stadt ragten die Mesas starr und dramatisch in das Morgenlicht wie ein titanisches Museum von Kathedralen. Die Fensterreihen waren wie Juwelen, und das Blattwerk auf den Gipfeln bildete kleine gr�ne G�rten. Die Bev�lkerung der Stadt stand in der Ebene, maskiert wie Banditen oder Heuschnupfenpatienten, dick in Kleider gewickelt, manche in knappen beheizten Schutzanz�gen und ein paar mit Helmen f�r sp�teren Gebrauch im Bedarfsfall. Der ganze Pilgerzug stand da und schaute auf die Stadt zur�ck. Menschen auf der Oberfl�che des Mars, die Gesichter der kalten d�nnen Luft ausgesetzt, die H�nde in den Taschen, �ber ihnen hohe (Zirruswolken wie Metallsp�ne vor dem dunkelroten Himmel. Die Fremdartigkeit des Anblicks war zugleich erheiternd und erschreckend. Nadia ging an der H�gelreihe auf und ab und sprach mit Zeyk, Sax, Nirgal, Jackie und Art. Sie schickte sogar noch eine Nachricht an Ann in der Hoffnung, da� sie die bekommen w�rde, obwohl sie nie antwortete. �Vergewissere dich, da� die Sicherheitstruppen am Raumhafen keine Schwierigkeiten machen!� sagte sie, unf�hig, den �rger aus ihrer Stimme fernzuhalten. �Bleibt ihnen aus dem Wege!�</p><p>Ungef�hr zehn Minuten sp�ter piepste das Armband. �Ich wei߫, sagte Anns Stimme knapp. Und das war alles.</p><p>Jetzt, da sie aus der Stadt heraus waren, f�hlte Maya sich frohgemut. Sie rief: �La�t uns losmarschieren! Bis zum Libya-Bahnhof ist es ein weiter Weg, und der halbe Tag ist schon vorbei.�</p><p>�Stimmt�, sagte Nadia. Und viele Leute waren schon aufgebrochen, stapften �ber die Piste, die vom S�dbahnhof von Burroughs ausging, und folgten ihr den Hang der Gro�en B�schung hinauf.</p><p>Sie lie�en die Stadt hinter sich. Nadia blieb oft stehen, um den Leuten Mut zuzusprechen, und schaute ebenso oft nach Burroughs zur�ck, auf die D�cher und G�rten unter der transparenten Blase des Zeltes im mitt�glichen Sonnenschein, hinab in diesen gr�nen Mesokosmos, der so lange die Hauptstadt ihrer Welt gewesen war. Jetzt war rostig-schwarzes und von Eis geflecktes Wasser schon fast um die ganze Stadtmauer gelaufen; und ein dicker Strom schmutziger Eisberge trieb von der niedrigen L�cke nach Nordosten und ergo� sich in einem sich verbreiternden Schwall auf die Stadt zu. Er erf�llte die Luft mit einem Donnern, das die Haare im Nacken zu Berge stehen lie�. Ein Get�se wie damals in Marineris��</p><p>Das Land, �ber das sie gingen, war mit zerstreuten niedrigen Pflanzen �bers�t, zumeist Tundramoos und alpine Blumen mit gelegentlichen Gruppen von Eiskakteen, die wie stachlige schwarze Feuerhydranten dastanden. In der Luft schwirrten M�cken und Fliegen, die durch die fremde Invasion aufgescheucht worden waren. Es war merklich w�rmer als am Morgen. Die Temperatur stieg rasch an. �Zweihundertzweiundsiebzig!� rief Nirgal, als Nadia ihn im Vor�bergehen fragte. Er kam alle paar Minuten vorbei. Er lief an den Leuten vom einen Ende der Reihe bis zum anderen hin und her. Nadia sah auf ihr Handgelenk: 272 K. Der Wind war schwach und kam aus S�dwesten. Die Wetterberichte sagten, da� eine Zone hohen Luftdrucks noch mindestens einen Tag �ber Isidis verweilen w�rde.</p><p>Die Leute gingen in kleinen Gruppen und trafen dabei auf andere kleine Gruppen, so da� Freunde und Bekannte sich im Weitergehen begr��ten, oft �berrascht durch vertraute Stimmen unter den Masken und vertraute Augen zwischen Maske und Kapuze oder Hut. Von der Menge stieg eine diffuse Reifwolke auf, eine Massenausatmung, die in der Sonne schnell verdunstete. Rover der Roten Armee waren von beiden Seiten der Stadt herangefahren und beeilten sich, von der Flut wegzukommen. Jetzt rollten sie langsam dahin. Ihre Vorreiter gaben Flaschen mit warmen Getr�nken aus. Nadia sah sie an und murmelte im Schutz ihrer Maske stumme Verw�nschungen. Aber einer der Roten erkannte das an ihren Augen und sagte zu ihr gereizt: �Wir waren es nicht, die den Deich gebrochen haben, mu�t du wissen. Es waren die Guerilleros von MarsErst. Es war Kasei!�</p><p>Und er fuhr weiter.</p><p>Es wurde vereinbart, da� Schluchten �stlich der Strecke als Latrinen benutzt werden sollten. Man war schon weit genug nach oben gestiegen, da� die Leute oft anhielten, um in die eigenartig leere Stadt hinunterzuschauen mit ihrem neuen Burggraben von rostigem, von Eis verstopftem Wasser. Gruppen Eingeborener sangen beim Gehen Teile der Areophanie. Als Nadia das h�rte, krampfte sich ihr Herz zusammen. Sie murmelte: �Verdammt, Hiroko! Komm heraus, komm noch heute heraus!�</p><p>Sie entdeckte Art und ging zu ihm hin�ber. Er gab �ber das Armband einen laufenden Kommentar, den er offenbar einer Nachrichtengesellschaft auf der Erde �bermittelte. �O ja�, sagte er schnell beiseite, als Nadia ihn danach fragte. �Wir sind live. Auch wirklich gutes Video. Da bin ich sicher. Und sie k�nnen das Szenario der Flut weitergeben.�</p><p>Ohne Zweifel. Die Stadt mit ihren Mesas, jetzt von schwarzem, mit Eis verstopftem Wasser umgeben, das leicht dampfte. Die Oberfl�che war aufgewirbelt, die R�nder sprudelten heftig durch Karbonisierung, wenn Wellen, die einen L�rm machten wie ein schwerer Sturm, von Norden her aufbrandeten�� Die Lufttemperatur lag jetzt gerade �ber dem Gefrierpunkt, und das ansteigende Wasser blieb fl�ssig, selbst wenn es von Treibeisst�cken bedeckt war. Nadia hatte noch nie etwas gesehen, das ihr deutlicher die Tatsache verriet, da� sie die Atmosph�re umgestaltet hatten�� weder die Pflanzen noch das Blau des Himmels noch auch ihre F�higkeit, die Augen frei zu halten und durch d�nne Masken zu atmen. Der Anblick des Wassers, das w�hrend der �berschwemmung von Marineris gefror, wobei es in zwanzig Sekunden oder weniger von Schwarz zu Wei� wurde, hatte sie tiefer gepr�gt, als sie wu�te. Jetzt hatten sie offenes Wasser. Die niedrige breite Bruchstelle, die Burroughs festhielt, sah wie eine gargantuanische Meeresbucht aus, die von der Flut aufgerissen wurde.</p><empty-line/><p>Die Leute stie�en Rufe aus. Ihre Stimmen f�llten die d�nne Luft wie Vogelgesang �ber dem tiefen Continuo der Flut. Nadia wu�te nicht, warum. Dann sah sie es�� am Raumhafen gab es Bewegung.</p><p>Der Raumhafen lag auf einem breiten Plateau nordwestlich der Stadt; und auf ihrer jetzigen H�he auf dem Abhang konnte die Bev�lkerung von Burroughs da stehen und zusehen, wie sich die gro�en Tore des gr��ten Hangars �ffneten und f�nf riesige Raumflugzeuge nacheinander herausrollten. Ein omin�ser und irgendwie milit�rischer Anblick. Die Flugzeuge rollten zum Hauptterminal des Hafens, und Landebr�cken fuhren aus und rasteten an ihren Seiten ein. Es ereignete sich nichts weiter, und die Fl�chtlinge gingen fast eine Stunde lang auf die ersten richtigen Berge der Gro�en B�schung zu, bis trotz der H�he die Rollbahnen des Raumhafens und die unteren H�lften der Hangars unter dem w�sserigen Horizont lagen. Die Sonne stand inzwischen im Westen.</p><p>Die Aufmerksamkeit richtete sich auf die Stadt selbst, als das Wasser die Kuppelmauer auf der Ostseite von Burroughs aufri� und �ber deren Krone am S�dwesttor str�mte, wo sie den Stoff zerschnitten hatten. Bald danach �berflutete es den Princess Park, Kanalpark und das Niederdorf, teilte die Stadt damit in zwei Teile und stieg langsam die Seitenboulevards empor, um die D�cher im unteren Teil der Stadt zu bedecken.</p><p>Mitten in diesem Schauspiel erschien einer der gro�en Jets am Himmel �ber dem Plateau. Er schien zum Fliegen viel zu langsam zu sein, wie es bei gro�en Flugzeugen in Bodenn�he immer zu sein pflegt. Er war in Richtung S�den gestartet. Darum wurde er f�r die Zuschauer auf dem Boden st�ndig gr��er, ohne anscheinend an Tempo zu gewinnen, bis das tiefe Brummen der Motoren sie erreichte und die Maschine �ber ihre K�pfe pfl�gte mit der langsamen unm�glichen Schwerf�lligkeit einer Hummel. Als sie nach Westen dahinrumpelte, erschien die n�chste �ber dem Raumhafen und wandte sich an der von Wasser �berschwemmten Stadt vorbei und �ber die Leute gen Westen. Und eins folgte dem anderen, und alle sahen gleicherma�en aerodynamisch aus, bis das letzte an ihnen vorbei am westlichen Horizont verschwunden war.</p><p>Jetzt fingen sie an, ernsthaft zu marschieren. Die schnellsten Geher machten sich davon, ohne zu versuchen, mit den langsameren zur�ckzubleiben. Es war wichtig, die Leute m�glichst schnell vom Libya-Bahnhof fortzuschaffen. Das war allen klar. Von allen Seiten waren Z�ge nach Libya unterwegs, aber der Bahnhof war klein und hatte nur ein paar Rangiergleise; darum w�rde die Choreographie der Evakuierung schwierig werden.</p><p>Es war jetzt f�nf Uhr nachmittags, die Sonne stand tief �ber der Erhebung von Syrtis, und die Temperatur sank rasch unter Null. Als die schnellsten Marschierer, meistens Eingeborene und die letzten Einwanderer, nach vorn preschten, zog sich die Menge in eine lange Kolonne auseinander. Die Leute in Rovern meldeten, da� sie bereits einige Kilometer lang war und st�ndig noch l�nger wurde. Diese Rover fuhren an der Reihe auf und ab, nahmen Leute auf und lie�en manchmal andere heraus. Alle verf�gbaren Schutzanz�ge und Helme waren in Gebrauch. Cojote war auf der Bildfl�che erschienen. Er kam aus Richtung des Deichs; und als Nadia seinen Felswagen erblickte, hegte sie sofort den Verdacht, da� er hinter der Zerst�rung des Deichs steckte. Aber nachdem er sie fr�hlich �ber das Armband begr��t und gefragt hatte, wie die Dinge liefen, schlug er vor: �Wendet euch an S�d Fossa, da� sie ein Luftschiff �ber die Stadt schicken f�r den Fall, da� jemand zur�ckgeblieben ist und sich auf den Gipfeln der Mesas befindet. Es k�nnten noch Menschen drin sein, die tags�ber geschlafen und beim Aufwachen eine b�se �berraschung erlebt haben.�</p><p>Er lachte wild. Aber das war eine gute Idee; und Art rief sofort an.</p><p>Nadia ging mit Maya, Sax und Art am Ende der Kolonne und lauschte auf eingehende Meldungen. Sie veranla�te die Rover, auf den nicht benutzten Gleisen zu fahren, um zu vermeiden, da� sie Staub aufwirbelten. Sie bem�hte sich, den Umstand zu ignorieren, da� sie schon erm�det war. Es war haupts�chlich Mangel an Schlaf und nicht Ersch�pfung der Muskeln. Aber die Nacht w�rde lang werden. Und nicht nur f�r sie selbst. Viele Menschen auf dem Mars waren reine Stadtbewohner und es nicht gewohnt, gro�e Strecken zu marschieren. Sie hatte das auch nur selten getan, obwohl sie auf ihren Baustellen oft zu Fu� unterwegs gewesen war und keinen Schreibtischjob hatte wie viele dieser Leute. Zum Gl�ck folgten sie einer Piste und konnten, wenn sie wollten, sogar auf ihrer glatten Oberfl�che gehen, zwischen den H�ngeschienen zu beiden Seiten und der Reaktionsschiene in der Mitte. Die meisten zogen es aber vor, auf den Beton- oder Kieswegen zu bleiben, die an der Piste entlangliefen.</p><p>Ungl�cklicherweise bedeutete das Verlassen von Isidis Planitia zu Fu�, da� man in jeder Richtung au�er Norden bergauf gehen mu�te. Der Libya-Bahnhof lag ungef�hr siebenhundert Meter h�her als Burroughs, keine unbetr�chtliche H�he. Aber der Anstieg verlief �ber die siebzig Kilometer fast gleichm��ig, und es gab auf dem Weg keine steilen Abschnitte. �Das wird helfen, uns warm zu halten�, sagte Sax, als Nadia es erw�hnte.</p><p>Es wurde immer sp�ter und sp�ter. Ihre Schatten reichten schon weit nach Osten, als w�ren sie Riesen. Hinter ihnen verschwand die ertrinkende Stadt ohne Licht und leer mit schwarzem Boden �ber ihrem Horizont mit einer Mesa nach der anderen, bis zuletzt Double Decker Butte und Moeris Mesa hinter der Schwelle des Himmels untergingen. Das d�stere Umbra von Isidis gewann immer mehr an Farbe, der Himmel wurde immer dunkler, bis die dicke Sonne d�ster am Westhorizont brannte. Sie gingen langsam durch eine r�tliche Welt, langgezogen wie eine zerlumpte Armee auf dem R�ckzug.</p><empty-line/><p>Nadia kontrollierte ab und zu Mangalavid und fand die Nachrichten vom Rest des Planeten zumeist tr�stlich. Alle gro�en St�dte au�er Sheffield waren von der Unabh�ngigkeitsbewegung gesichert worden. Das Labyrinth in der Halde von Sabishii hatte den �berlebenden des Brandes Zuflucht geboten; und obwohl das Feuer noch nicht �berall gel�scht war, meinte man im Labyrinth, da� es ihnen gutginge. Nadia sprach w�hrend des Marsches eine Weile mit Nanao und Etsu. Das kleine Bild von Nanao zeigte seine Ersch�pfung; und sie sagte etwas dar�ber, wie schlecht sie sich f�hlte�� Sabishii verbrannt, Burroughs ertr�nkt�� die beiden gr��ten St�dte des Mars vernichtet. �Nein, nein�, sagte Nanao. �Wir bauen wieder auf. Wir haben uns Sabishii vorgenommen.�</p><p>Sie schickten so wie auch viele andere St�dte ihre Z�ge zum Libya-Bahnhof, soweit sie nicht verbrannt waren. Die am n�chsten gelegenen schickten auch Flugzeuge und Luftschiffe. Die Luftschiffe konnten ihren w�hrend des Nachtmarschs zu Hilfe kommen, was sehr n�tzlich war. Besonders wichtig war alles Wasser, das sie mitbringen konnten, da die Dehydrierung in der kalten und �berm��ig trockenen Nacht ernst wurde. Nadias Kehle war schon ausged�rrt, und sie nahm dankbar einen Schluck warmes Wasser von einem vorbeikommenden Rover entgegen, der es an die Marschierer ausgab. Sie hob ihre Maske an und trank rasch, wobei sie sich bem�hte nicht zu atmen. �Letzter Aufruf!� sagte die Frau, welche die Becher ausgab, fr�hlich. �Wir werden hinter den n�chsten hundert Personen hereilen.�</p><p>Aus South Fossa kam ein Anruf anderer Art. Die hatten von einigen Bergwerkscamps um Elysium geh�rt, deren Bewohner sich f�r unabh�ngig sowohl von den Metanationalen wie der Bewegung Freier Mars erkl�rt hatten und alle aufforderten, sich fernzuhalten. Einige von Roten besetzte Stationen machten es genauso. Nadia knurrte: �Schickt ihnen ein Exemplar der Erkl�rung von Dorsa Brevia und sagt ihnen, sie sollen die einige Zeit studieren. Falls sie zustimmen, den Abschnitt �ber Menschenrechte zu beachten, sehe ich nicht, warum wir uns ihretwegen Sorgen machen sollten.�</p><empty-line/><p>W�hrend sie weitermarschierten, ging die Sonne unter. Die langsame D�mmerung nahm ihren Lauf.</p><p>W�hrend noch ein dunkles Purpur die dunstige Luft erf�llte, kam von Osten ein Felsenwagen und hielt genau vor Nadias Gruppe an. Es kamen Leute heraus, die wei�e Masken und Kapuzen trugen. An der Silhouette erkannte Nadia pl�tzlich die f�hrende Gestalt. Es war Ann, gro� und hager, die direkt auf sie zukam und sie ohne Z�gern trotz des schwachen Lichts aus dem Haufen am Ende der Kolonne herauspickte. Die Ersten Hundert kannten einander eben��</p><p>Nadia blieb stehen und schaute zu ihrer alten Freundin auf.</p><p>Ann blinzelte wegen der pl�tzlichen K�lte.</p><p>�Wir haben es nicht getan�, sagte Ann br�sk. �Die Armscorgruppe ist in Panzerwagen ausger�ckt und hat uns beschossen. Es gab ein Gefecht. Kasei f�rchtete, da� sie, wenn sie den Deich wieder eroberten, �berall alles wieder einnehmen w�rden. Wahrscheinlich hatte er recht.�</p><p>�Geht es ihm gut?�</p><p>�Ich wei� nicht. Auf dem Deich wurden viele Leute get�tet. Und viele mu�ten vor der Flut fliehen, indem sie nach Syrtis hinaufgingen.�</p><p>Ann stand vor ihnen, grimmig und ohne Entschuldigung. Nadia wunderte sich, da� man einer Silhouette so viel entnehmen konnte, die einen schwarzen Ausschnitt vor den Sternen bildete. Vielleicht die Haltung der Schultern oder die Neigung des Kopfes.</p><p>�Also los!� sagte Nadia. Sie wu�te in diesem Moment nichts anderes zu sagen. Zuerst auf den Deich gehen und die Sprengladungen anbringen�� Aber das war jetzt nicht mehr wichtig. �La� uns gehen!�</p><p>Das Licht entschwand vom Land, aus der Luft und vom Himmel. Sie gingen unter den Sternen dahin durch eine Luft so kalt wie in Sibirien. Nadia h�tte schneller gehen k�nnen, wollte aber hinten bei der langsamsten Gruppe bleiben, um helfen zu k�nnen. Manche Leute lie�en kleinere Kinder auf den Schultern reiten. Aber es gab nicht sehr viele Kinder am Ende der Kolonne. Die kleinsten waren schon in Rovern, und die �lteren waren vorn bei denen, die am schnellsten gingen. Es hatte ohnehin nicht so viele Kinder in Burroughs gegeben.</p><p>Scheinwerfer von Rovern stachen durch den Staub, den sie aufw�hlten. Als Nadia das sah, �berlegte sie, ob die Kohlendioxidfilter nicht durch den Grus verstopft werden k�nnten. Sie sprach das laut aus, und Ann sagte: �Es hilft, wenn du die Maske ab und zu fest gegen das Gesicht dr�ckst und kr�ftig pustest. Du kannst auch den Atem anhalten, sie abnehmen und mit Druckluft ausblasen, wenn du einen Kompressor hast.�</p><p>Sax nickte.</p><p>�Du kennst diese Masken?� fragte Nadia.</p><p>Ann nickte. �Ich habe viele Stunden damit verbracht, sie zu benutzen.�</p><p>�Okay, gut!� Nadia experimentierte mit ihrer Maske, hielt den Stoff fest gegen ihren Mund und blies kr�ftig hindurch. Sie empfand rasch Atemmangel. �Wir sollten versuchen, auf der Piste und den Stra�en zu gehen und den Staub zu verringern. Und sag den Rovern, da� sie langsamer fahren sollen!�</p><p>Sie marschierten weiter. Im Laufe der n�chsten paar Stunden verfielen sie in eine Art von Rhythmus. Niemand �berholte sie, und niemand blieb zur�ck. Es wurde immer noch k�lter. Scheinwerfer von Rovern beleuchteten teilweise die Tausende von Menschen vor ihnen bis zum hohen, vielleicht zw�lf oder vierzehn Kilometer vor ihnen liegenden Horizont im S�den auf dem langen Anstieg. Die Kolonne erstreckte sich bis dahin als eine h�pfende und eingrenzende Sammlung von Scheinwerferlichtern, Taschenlampenstrahlen und dem roten Licht der Schlu�lichter. Ein seltsamer Anblick. Gelegentlich h�rte man ein Brummen �ber ihnen, wenn Luftschiffe von South Fossa ankamen und mit voller Beleuchtung wie protzige UFOs dahinschwebten. Ihre Motoren brummten, wenn sie sich heruntersenkten, um f�r die Wagen Verpflegung und Wasser abzuladen und vom Ende der Kolonne Gruppen aufzunehmen. Dann summten sie wieder in die Luft und waren fort. Sie verschwanden im Osten �ber dem Horizont.</p><p>W�hrend des Zeitrutsches versuchte eine Schar �berm�tiger junger Eingeborener zu singen; aber es war zu kalt und zu trocken, so da� sie das nicht lange durchhielten. Nadia gefiel dieser Gedanke, und sie sang in Gedanken viele ihrer alten Lieblingslieder: �Hallo, Zentrale, gib mir Dr. Jazz!�, �Ein Loch ist im Eimer�, �Auf der Sonnenseite der Stra�e�. Immer und immer wieder.</p><p>Je l�nger die Nacht dauerte, desto besser wurde ihre Stimmung. Der Plan schien zu funktionieren. Sie kamen nicht an Hunderten ausgestreckter Leute vorbei, obwohl seitens der Wagen verlautete, da� eine merkliche Anzahl der jungen Leute kurzatmig geworden w�ren und zu schnell schlapp gemacht h�tten und jetzt Hilfe brauchten. Sie alle waren von 500 Millibar auf 340 gegangen, was auf der Erde einem Anstieg von 4000 auf 6500 Meter entsprach, kein unbetr�chtlicher Sprung, selbst bei dem h�heren Prozentsatz an Sauerstoff in der Luft des Mars, der die Effekte milderte. Also gab es F�lle von H�henkrankheit. Diese pflegte die J�ngeren sowieso mehr zu treffen als die �lteren; und viele von denen waren sehr enthusiastisch losgezogen. Darum mu�ten sie jetzt daf�r bezahlen, indem eine ganze Anzahl an Kopfschmerzen und �belkeit litt. Aber die Wagen meldeten Erfolg, indem sie die einen kurz vor dem Erbrechen aufgenommen und die anderen eskortiert hatten. Und die Nachhut der Kolonne hielt ein gleichm��iges Tempo ein.</p><p>So trottete Nadia weiter, manchmal Hand in Hand mit Maya oder Art, manchmal in ihrer eigenen Welt. Ihr Geist wanderte in der schneidenden K�lte und erinnerte sie an merkw�rdige Bruchst�cke der Vergangenheit. Sie dachte an einen anderen gef�hrlichen Marsch in der K�lte, den sie in dieser ihrer Welt unternommen hatte, drau�en im gro�en Sturm mit John beim Rabe-Krater� auf der Suche nach dem Transponder mit Arkady�� mit Frank in Noctis Labyrinthus in der Nacht, da sie dem Angriff auf Cairo entkamen�� Auch in jener Nacht war sie in eine verr�ckte kalte Fr�hlichkeit verfallen�� vielleicht als Reaktion auf eine Befreiung von Verantwortung, indem sie nicht mehr als ein Fu�soldat wurde, der der F�hrung von jemand anderem folgte. Einundsechzig war eine solche Katastrophe gewesen. Auch diese Revolution konnte sich zu einem Chaos entwickeln. Das hatte sie sich eigentlich schon. Niemand hatte die F�hrung. Aber �ber ihr Armband kamen von �berall her noch Stimmen herein. Und niemand w�rde sie aus dem Weltraum angreifen. Die radikalsten Elemente der �bergangsbeh�rde waren in Kasei Vallis wahrscheinlich get�tet worden�� ein Aspekt von Arts integrierter Seuchenbek�mpfung, der kein Spa� war. Und der Rest der UNTA war rein zahlenm��ig �berw�ltigt worden. Sie waren so wie jeder andere auch nicht f�hig, einen ganzen Planeten von Dissidenten zu beherrschen. Oder zu ver�ngstigt, es zu versuchen.</p><p>Also hatten sie es geschafft, es diesmal anders zu machen. Oder aber die Verh�ltnisse auf der Erde hatten sich einfach ge�ndert, und alle verschiedenen Ph�nomene der Geschichte des Mars waren nur verzerrte Abklatsche dieser Ver�nderungen. Durchaus m�glich. Ein beunruhigender Gedanke, wenn man die Zukunft betrachtete. Aber das kam erst sp�ter. Sie w�rden mit alledem konfrontiert sein, wenn es so weit w�re. Jetzt mu�ten sie sich nur Gedanken machen, den Libya- Bahnhof zu erreichen. Der rein physische Charakter dieses Problems und seiner L�sung gefiel ihr ungeheuer. Endlich etwas, bei dem sie mit Hand anlegen konnte. Gehen. Die kalte Luft atmen. Die Lungen aus dem Rest von ihr erw�rmen, vom Herzen aus�� etwas wie Nirgals unheimliche Umverteilung von W�rme, wenn sie das nur k�nnte!</p><p>Es schien so, als ob sie wirklich kleine Ausbr�che von Schlaf erhaschen k�nnte, w�hrend sie ging. Sie f�rchtete, es k�nnte sich um Kohlendioxidvergiftung handeln, raffte sich aber von Zeit zu Zeit immer wieder auf. Ihre Kehle war sehr wund. Das hintere Ende der Kolonne wurde immer langsamer, und Rover fuhren jetzt dorthin zur�ck, nahmen alle Ersch�pften auf und fuhren sie bergauf zum Libya-Bahnhof, wo sie sie absetzen und f�r eine andere Ladung zur�ckkehren konnten. Sehr viel mehr Leute begannen, an H�henkrankheit zu leiden; und die Roten sagten Betroffenen �ber ihre Armb�nder, wie sie die Masken ablegen und speien und dann die Masken wieder aufsetzen k�nnten, ehe sie wieder atmeten. Bestenfalls eine schwierige und unangenehme Ma�nahme, zumal viele sowohl an Kohlendioxidvergiftung wie H�henkrankheit litten. Aber sie kamen ihrem Ziel n�her. Die Armbandbilder vom Libya-Bahnhof sahen aus wie das Innere einer Untergrundbahn von Tokio zur Sto�zeit; aber regelm��ig kamen Z�ge an und fuhren ab, so da� es schien, da� f�r sp�ter Ankommende Raum sein w�rde.</p><p>Ein Rover fuhr neben ihnen vor und fragte, ob sie mitgenommen werden wollten. Maya sagte: �Macht euch fort von hier! Seht ihr nicht, was los ist? Los, helft den Leuten da, verschwendet nicht weiter unsere Zeit!�</p><p>Der Fahrer verschwand rasch, um weiterem Tadel zu entgehen. Maya sagte heiser: �Zur H�lle mit so etwas! Ich bin hundertdreiundvierzig Jahre alt und will verdammt sein, wenn ich nicht den ganzen Weg marschiere. La�t uns etwas schneller gehen!�</p><p>Sie behielten ihr Tempo bei. Sie blieben weiter am Ende der Kolonne und beobachteten die Parade der Lichter, die im Dunst vor ihnen h�pften. Nadias Augen schmerzten schon seit einigen Stunden; aber jetzt wurde das wirklich schlimm. Die Taubheit der K�lte half offenbar nicht mehr. Die Augen waren �u�erst trocken und sandig in den H�hlen. Zwinkern verursachte stechende Schmerzen. Es w�re eine gute Idee gewesen, neben den Masken auch Schutzbrillen zu haben.</p><p>Nadia stolperte �ber einen Stein, den sie nicht gesehen hatte; und ihr fiel eine Erinnerung aus ihrer Jugend ein. Einmal hatten sie und ihre Arbeitskameraden im Winter in s�dlichen Ural eine Lastwagenpanne gehabt. Sie mu�ten vom Ende der verlassenen Tscheljabinsk-65 bis Tscheljabinsk-40 marschieren, �ber f�nfzig eisige Kilometer stalinistisch verw�steten industriellen �dlands�� schwarze aufgegebene Fabriken, zerbrochene Schornsteine, umgefallene Z�une, ausgeweidete Lastwagen� alles in der schneeigen kalten Winternacht unter niedrigem Gew�lk. Sie erz�hlte Maya, Art und Sax davon mit rauher Stimme. Die Kehle tat weh, aber nicht so schlimm wie die Augen. Sie hatten sich an Interkoms gew�hnt. Es war merkw�rdig, durch die Luft zwischen ihnen zu sprechen. Aber sie wollte reden. �Ich wei� nicht, wie ich jemals diese Nacht habe vergessen k�nnen. Aber ich habe seit sehr langer Zeit nicht mehr daran gedacht. Es mu� vor�� na�� hundertzwanzig Jahren gewesen sein.�</p><p>�An diese Nacht wirst du dich sicher auch erinnern�, sagte Maja.</p><p>Sie tauschten kurze Geschichten aus �ber die gr��te K�lte, welche sie erlebt hatten. Die zwei russischen Frauen konnten zehn F�lle aufz�hlen, die k�lter gewesen waren als die k�ltesten, mit denen Sax oder Art aufwarten konnten. Art fragte: �Wie w�re es mit dem hei�esten Erlebnis? Da kann ich gewinnen. Ich war einmal bei einem Holzs�gewettbewerb in der Kettens�geabteilung. Dabei kommt es darauf an, wer die st�rkste S�ge hat. Darum tauschte ich den Motor der meinigen mit einem von einer Harley-Davidson aus und schnitt das Holz in weniger als zehn Sekunden. Aber die Motoren von Motorr�dern haben Luftk�hlung, und meine H�nde wurden ganz sch�n hei�!�</p><p>Sie lachten. Maya erkl�rte: �Das z�hlt nicht. Es war nicht dein ganzer K�rper.�</p><p>Es waren weniger Sterne zu sehen als zuvor. Erst schob Nadia das auf den feinen Staub in der Luft oder die Schwierigkeit mit ihren sandigen Augen. Aber dann schaute sie auf ihr Armband und sah, da� es fast f�nf Uhr morgens war. Bald kam die D�mmerung. Und Libya-Bahnhof war nur noch ein paar Kilometer entfernt. Die Temperatur betrug 256 Kelvin.</p><p>Sie kamen bei Sonnenaufgang an. Es wurden Tassen mit hei�em Tee ausgegeben, der wie Ambrosia duftete. Der Bahnhof war so voll, da� man nicht hineingehen konnte, und mehrere tausend Leute warteten drau�en. Aber die Evakuierung war seit einigen Stunden glatt verlaufen, organisiert von Vlad, Ursula und einer ganzen Schar Bogdanovisten. Auf allen drei Pisten kamen immer noch Z�ge aus Osten, S�den und Westen an. Sie wurden rasch beladen und fuhren gleich wieder ab. Und Luftschiffe schwebten �ber den Horizont ein. Die Bev�lkerung von Burroughs wurde aufgeteilt. Einge kamen nach Elysium, einige nach Hellas und weiter s�dlich nach Hiranyagarbha und Christianopolis, andere zu den kleinen St�dten auf dem Weg nach Sheffield einschlie�lich Underhill.</p><empty-line/><p>So warteten sie, bis sie an die Reihe kamen. In dem D�mmerlicht konnten sie erkennen, da� bei allen die Augen stark von Blut unterlaufen waren, was zusammen mit den von Staub bedeckten Masken noch �ber den M�ndern den Leuten ein wildes und blutiges Aussehen gab. Sicher m��te man im Freien Schutzbrillen tragen.</p><p>Endlich geleiteten Zeyk und Marina die letzte Gruppe in den Bahnhof. Bis dahin hatten einige der Ersten Hundert einander gefunden und sich an einer Wand zusammengedr�ngt, angezogen von dem Magnetismus, der sie in einer Krise immer zusammenf�hrte. In der letzten Gruppe waren mehrere von ihnen: Maya und Michel, Nadia, Sax und Ann, Vlad, Ursula, Marina, Spencer, Ivana, der Cojote��</p><p>Dr�ben an den Gleisen dirigierten Jackie und Nirgal Menschen in Z�ge. Sie schwenkten die Arme wie Dirigenten einer Sinfonie und beruhigten jene, deren Beine in letzter Minute versagten. Die Ersten Hundert gingen zusammen auf den Bahnsteig. Maya �bersah Jackie, als sie hinter ihr auf einen Zug zuging. Nadia folgte Maya hinein, und dann kam der Rest von ihnen. Sie gingen den Mittelgang entlang, vorbei an all den fr�hlichen zweifarbigen Gesichtern�� braun mit Staub von oben und sauber um den Mund herum. Auf dem Boden lagen einige schmutzige Gesichtsmasken, aber die meisten Leute hielten sie noch beim Gehen zusammengefaltet in den H�nden.</p><p>Bildschirme vorn in jedem Waggon �bertrugen einen Film, den ein Luftschiff von Burroughs zeigte, das an diesem Morgen ein See aus von Eis bedecktem Wasser war, wobei das Eis vorherrschte, obwohl �berall auch schwarze eisfreie Stellen waren. �ber diesem neuen See standen die neun Mesas der Stadt, jetzt neun Inseln mit steilen Klippen, nicht sehr hoch. Die restlichen Dachg�rten und Fensterreihen wirkten �ber dem schmutzigen Packeis sehr merkw�rdig.</p><p>Nadia und der Rest der Ersten Hundert folgten Maya durch die Waggons bis zum letzten. Maya wandte sich um und sah sie alle, die das kleine Abteil des Zuges f�llten, und sagte: �Was, geht der hier nach Underhill?�</p><p>�Odessa�, sagte Sax zu ihr.</p><p>Sie l�chelte.</p><p>Leute standen auf und gingen nach vorn, damit sich die alten in dem Schlu�abteil zusammen hinsetzen konnten. Und sie lehnten diese H�flichkeit nicht ab. Sie bedankten sich und nahmen Platz. Bald danach waren auch die Abteile vor ihnen voll. Vlad sagte etwas dar�ber, da� der Kapit�n als letzter das sinkende Schiff verl��t.</p><p>Nadia fand diese Bemerkung deprimierend. Sie war jetzt wirklich m�de und konnte sich nicht erinnern, wann sie zum letzten Mal geschlafen hatte. Sie hatte Burroughs gern gehabt, und eine gro�e Anzahl von Mannstunden war hineingeflossen, es zu erbauen� Sie entsann sich, was Nanao �ber Sabishii gesagt hatte. Auch Burroughs war in ihren Gedanken. Vielleicht w�rden sie, wenn sich die K�ste des neuen Ozeans gefestigt hatte, irgendwo anders ein neues Burroughs erbauen.</p><p>Vorerst nun sa� Ann auf der anderen Seite des Waggons, und Cojote kam durch den Mittelgang zu ihnen, blieb stehen, um das Gesicht an das Fensterglas zu pressen, und machte Nirgal und Jackie, die noch drau�en waren, ein Zeichen mit erhobenem Daumen. Beide stiegen einige Waggons vor dem letzten in den Zug. Michel lachte �ber etwas, das Maya gesagt hatte; und Ursula, Marina, Vlad, Spencer�� diese Mitglieder von Nadias Familie waren um sie und in Sicherheit, wenigstens f�r den Moment. Und da dieser Moment alles war, das sie je gehabt hatte�� f�hlte sie, wie sie in ihrem Sitz zerschmolz. Sie w�rde in wenigen Minuten eingeschlafen sein. Das sp�rte sie an ihren trockenen brennenden Augen. Der Zug setzte sich in Bewegung.</p><empty-line/></section><section><p><emphasis>Sax schaute auf sein Armband, und Nadia fragte ihn schl�frig: �Was geschieht auf der Erde?�</emphasis></p><p><emphasis>�Der Meeresspiegel steigt noch. Er ist jetzt vier Meter h�her. Es sieht so aus, als h�tten die Metanationalen die K�mpfe eingestellt, jedenfalls zeitweilig. Der Weltgerichtshofhat einen Waffenstillstand ausgehandelt. Praxis hat alle Hilfsmittel in Fluthilfe gesteckt. Einige andere Metanationalen scheinen es ebenso machen zu wollen. Die UN-Generalversammlung ist in Mexico City zusammengetreten. Indien hat erkl�rt, einen Vertrag mit einer unabh�ngigen Marsregierung zu haben.�</emphasis></p><p><emphasis>�Das ist eine verteufelte Geschichte�, sagte Cojote von der anderen Seite des Abteils. �Indien und China sind f�r uns zu gro�, um damit fertig zu werden. Abwarten und zusehen!�</emphasis></p><p><emphasis>�Also ist der Kampf da unten zu Ende?� sagte Nadia.</emphasis></p><p><emphasis>�Es ist noch nicht sicher, ob das f�r die Dauer ist oder nicht�, erwiderte Sax.</emphasis></p><p><emphasis>Maya knurrte. �Auf keinen Fall w�hrt er ewig.�</emphasis></p><p><emphasis>Sax zuckte die Achseln.</emphasis></p><p><emphasis>�Wir m�ssen eine Regierung bilden�, sagte Maya, �und zwar schnell, und der Erde eine geschlossene Front bieten. ]e besser etabliert wir wirken, desto weniger ist es wahrscheinlich, da� sie uns vernichtend angreifen werden.�</emphasis></p><p><emphasis>�Sie werden kommen�, sagte Cojote vom Fenster her.</emphasis></p><p><emphasis>�Nicht, wenn wir sie �berzeugen, da� sie von uns alles bekommen werden, das sie sich selbst genommen h�tten�, sagte Maya, die sich �ber Cojote �rgerte. �Das wird sie m��igen.�</emphasis></p><p><emphasis>�Kommen werden sie auf jeden Fall.�</emphasis></p><p><emphasis>�Wir werden nie au�er Gefahr sein, ehe nicht die Erde ruhig und stabilisiert ist�, erkl�rte Sax.</emphasis></p><p><emphasis>�Die Erde wird nie zur Ruhe kommen�, warf Cojote ein.</emphasis></p><p><emphasis>Sax zuckte die Achseln.</emphasis></p><p><emphasis>�Wir sind es, die sie beruhigen m�ssen!� rief Maya und zeigte mit einem Finger auf Cojote. �Um unserer selbst willen!�</emphasis></p><p><emphasis>�Die Erde areoformen�, sagte Michel mit einem ironischen L�cheln.</emphasis></p><p><emphasis>�Gewi�, warum nicht?� sagte Maya. �Wenn es erforderlich ist.�</emphasis></p><p><emphasis>Michel beugte sich vor und gab Maya einen Ku� auf ihre staubige Wange.</emphasis></p><p><emphasis>Cojote sch�ttelte den Kopf und sagte: �Das ist, als wollte man die Welt ohne einen Angelpunkt bewegen.�</emphasis></p><p><emphasis>�Der Angelpunkt steckt in unseren K�pfen�, erwiderte Maya zu Nadias Erstaunen.</emphasis></p><p><emphasis>Auch Marina blickte auf ihr Handgelenk und sagte: �Die Sicherheit hat immer noch Clarke und das Kabel. Peter sagt, sie haben von Sheffield nur noch die Steckdose behalten. Und jemand�� he, irgendwer�� will Hiroko in Hiranyagarbhagesehen haben.�</emphasis></p><p><emphasis>Sie schwiegen und hingen ihren Gedanken nach.</emphasis></p><p><emphasis>Nach einer Weile sagte Cojote: �Ich habe Einblick in die UNTA-Akten jener ersten Eroberung von Sabishii genommen. Da wurde Hiroko �berhaupt nicht erw�hnt, noch jemand aus ihrer Gruppe. Ich glaube nicht, da� sie sie erwischt haben.�</emphasis></p><p><emphasis>�Was geschrieben ist, hat mit dem, was geschah, nichts zu tun�, sagte Maya finster.</emphasis></p><p><emphasis>�Hiranyagarbha bedeutet im Sanskrit �Der goldene Keim��, erkl�rte Marina.</emphasis></p><p><emphasis>Nadia krumpfte sich das Herz zusammen. Komm heraus, Hiroko�� dachte sie. Verdammt noch mal, komm heraus! Michels Gesicht verriet Kummer. Seine ganze Familie verschwunden��</emphasis></p><p><emphasis>�Wir k�nnen nicht sicher sein, ob wir den Mars schon ganz haben�, sagte Nadia, um ihn abzulenken Sie sah ihm in die Augen. �In Dorsa Brevia haben wir uns nicht einigen k�nnen. Warum sollten wir es jetzt tun?�</emphasis></p><p><emphasis>�Weil wir frei sind�, entgegnete Michel, sich wieder zusammenraffend. �Das ist jetzt real. Wir sindfrei, es zu versuchen. Und man steckt alles Bem�hen nur dann in etwas, wenn es kein Zur�ck gibt.�</emphasis></p><p><emphasis>Der Zug wurde langsamer, um die �quatorpiste zu kreuzen, und sie wurden mit ihm hin und her gesch�ttelt.</emphasis></p><p><emphasis>Cojote sagte: �Es gibt Rote, die alle Pumpstationen in Vastitas in die Luft jagen. Ich glaube nicht, da� wir irgendeine �bereinstimmung hinsichtlich der Terraformung erzielen werden.�</emphasis></p><p><emphasis>�Das ist sicher�, sagte Ann mit heiserer Stimme. Sie r�usperte sich. �Wir wollen auch die Soletta beseitigen.�</emphasis></p><p><emphasis>Sie sah Sax scharf an, aber der zuckte nur die Achseln.</emphasis></p><p><emphasis>��kopoiesis�, meinte er. �Wir haben schon eine Biosph�re. Das ist alles, was wir brauchen. Eine sch�ne Welt.�</emphasis></p><p><emphasis>Drau�en sauste das zerrissene Gel�nde im k�hlen Licht des Morgens vorbei. Die H�nge von Tyrrhena waren khakifarben durch das Vorhandensein von Millionen kleiner Flecke von Gras, Moos und Flechten, die zwischen die Steine geduckt waren. Sie blickten, schweigend hinaus. Nadia f�hlte sich �berw�ltigt und versuchte, an all dies zu denken und es auseinanderzuhalten, das sich verwischte wie die Flut von Rost- und Khakifarbe drau�en��</emphasis></p><p><emphasis>Sie sah die Leute rings um sich an, und in ihr drehte sich irgendein Schl�ssel. Ihre Augen waren noch trocken und entz�ndet, aber sie war nicht mehr schl�frig. Der Krampf in ihrem Magen lie� nach, zum ersten Mal, seit die Revolte angefangen hatte. Sie konnte frei atmen. Sie blickte in die Gesichter der alten Freunde�� Ann war noch auf sie b�se, Maya war noch auf Cojote b�se; alle waren sie ersch�pft und schmutzig. Sie hatten ger�tete Augen wie das kleine rote Volk, ihre Iris glich runden St�cken eines Halbedelsteins und schimmerte in ihrer blutunterlaufenen Fassung. Sie h�rte sich sagen: �Arkady w�rde es gefallen.�</emphasis></p><p><emphasis>Die anderen machten �berraschte Gesichter. Ihr fiel auf, da� sie nie �ber ihn gesprochen hatten.</emphasis></p><p><emphasis>�Simon auch�, sagte Ann.</emphasis></p><p><emphasis>�Und Alex.� �Und Sasha.�</emphasis></p><p><emphasis>�Und Tatiana.�</emphasis></p><p><emphasis>�Und allen unseren, die wir verloren haben�, sagte Michel rasch, ehe die Liste zu lang wurde.</emphasis></p><p><emphasis>�Aber nicht Frank�, erkl�rte Maya. �Frank w�re �ber manches ganz sch�n von den Socken.�</emphasis></p><p><emphasis>Sie lachten, und Cojote sagte: �Und wir m�ssen die Tradition fortf�hren, nicht wahr?� Und sie lachten noch mehr, als sie ihm mit dem Finger drohte.</emphasis></p><p><emphasis>�Und John?� fragte Michel. Er zog Mayas Arm herunter und richtete die Frage direkt an sie.</emphasis></p><p><emphasis>Maya machte ihren Arm frei und drohte Cojote weiter mit dem Finger. �John w�rde nicht Zeter und Mordio schreien und der Erde den Laufpa� geben, als ob wir ohne sie auskommen k�nnten. John Boom w�rde in diesem Moment begeistert sein!�</emphasis></p><p><emphasis>�Daran sollten wir denken�, sagte Michel rasch. �Wir sollten �berlegen, was er tun w�rde.�</emphasis></p><p><emphasis>Cojote grinste. �Er w�rde in Hochstimmung in diesem Zug hin und her rennen. W�rde angeheitert sein. Es w�re bis hin nach Odessa eine Party. Musik, Tanz und alles.�</emphasis></p><p><emphasis>Sie sahen sich an.</emphasis></p><p><emphasis>�Nun?� fragte Michel.</emphasis></p><p><emphasis>Und sie gingen durch den Zug nach vorn.</emphasis></p></section></section><section><title><p>Temperaturskalen</p></title><image l:href="#6"/><empty-line/></section><section><title><p>Danksagungen</p></title><p>Mein Dank gilt Lou Arionica, Victor R. Baker, Paul Birch, Donald Blankenship, Michael H. Carr, Peter Ceresole, Robert Craddock, Martyn Fogg, Jennifer Hershey, Fredric Jameson, Jane Johnson, Damon Knight, Alexander Korzhenevski, Christopher McKay, Beth Meacham, Rick Miller, Lisa Nowell, Stephen Pyne, Gary Snyder, Lucius Shepard, Ralph Vicinanza und Tom Whitmore.</p><empty-line/><p>Nochmals ein besonderer Dank an Charles Sheffield.</p></section></body><binary id="cover" 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