<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf</genre><author><first-name>Kim</first-name><middle-name>Stanley</middle-name><last-name>Robinson</last-name></author><book-title>Das unterirdische K�nigreich</book-title><date value="1990-11-01">1990</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Uwe</first-name><last-name>Anton</last-name></translator><sequence name="Flucht aus Katmandu" number="4"/></title-info><src-title-info><genre>sf</genre><author><first-name>Kim</first-name><middle-name>Stanley</middle-name><last-name>Robinson</last-name></author><book-title>The Kingdom Underground </book-title><date value="1989-11-01">1989</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>Cosmopilit</nickname></author><program-used>calibre 2.53.0, FictionBook Editor Release 2.6.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2016-09-15">15.9.2016</date><id>076878C1-8039-491B-87AC-3BE0EC83B86C</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><book-name>Kim Stanley Robinson. Flucht aus Katmandu</book-name><publisher>Bastei L�bbe</publisher><city>Bergisch Gladbach</city><year>1990</year><isbn>3-404-24137-1</isbn></publish-info></description><body><title><p>Kim Stanley Robinson</p><p>Das unterirdische K�nigreich</p></title><section><title><p>1</p></title><p>Es ist erstaunlich, wie kurz die Unschuld der Jugend nur w�hrt.</p><p>In meinem Fall w�hrte sie eigentlich fast vierzig Jahre, doch ich bemerkte sie erst, nachdem sie verschwunden war, und so hatte ich nat�rlich nicht das Gef�hl, als h�tte sie lange gew�hrt. H�chstens ein paar Sekunden. Und danach war ich erfahren. Ich wu�te es. Ich ging �ber die Stra�en Katmandus, auf denen sich die Menschen dr�ngten, was mir immer gro�e Freude bereitete, und sah nun nur noch Verwahrlosung, Armut und falsche Stadtplanung.</p><p>Und Sie wissen, wessen Schuld das war.</p><p>Und so lag ich eines Abends in meinem Zimmer im Hotel Star mit der <emphasis>Tribbie</emphasis> auf dem Bett und fragte mich, ob eine Zeitung wirklich die Wahrheit �ber die Welt schreiben konnte, und wu�te nun, da� das wohl doch der Fall war. Und jemand klopfte an meine T�r. Ich �ffnete sie, und da stand Freds Fredericks, der aussah, als sei er gerade aus dem Himalaja zur�ckgekehrt.</p><p>Ich schlug schnell die T�r zu und schlo� sie ab. �Verschwinde hier, Freds!� sagte ich laut. �Ich will nie wieder dein Gesicht sehen!�</p><p>Ged�mpfte Proteste von drau�en. Ich ignorierte sie, kehrte auf mein Bett zur�ck, griff mir die Zeitung und steckte die Nase hinein. �Verschwinde!� rief ich zur T�r. <emphasis>Bang bang bang.</emphasis> �Verschwinde, verdammt noch mal!�</p><p>Meine T�r teilt sich die Vorderwand des Zimmers mit einem Fenster, und das Fenster bestand aus drei Scheiben�� eine gro�e, flankiert von zwei schmalen, die auf Drehzapfen montiert sind. Diese schmalen Fenster kann man wie kleine Dreht�ren �ffnen, um eine frische Brise hinein- oder Rauch hinauszulassen. Als ich nun zu lesen versuchte, sah ich, wie Freds� Hand die schmale Scheibe neben der T�r drehte, dann hineingriff und nach dem T�rknopf tastete. Mit einer Drehung hatte er die T�r ge�ffnet.</p><p>Soviel zu den Sicherheitsvorkehrungen im Hotel Star.</p><p>Es war sowieso hoffnungslos; zweifellos hatte Freds bereits ein Zimmer gemietet, wahrscheinlich das nebenan, in dem er normalerweise wohnte. Ich w�rde ihm nicht ausweichen k�nnen. �Was willst du?� sagte ich und warf die Zeitung zu Boden.</p><p>�Nichts, George. Wei�t du, ich komme gerade aus dem heiligen Tal zur�ck und dachte, ich schaue mal vorbei und sehe, wie es dir geht.�</p><p>�Mir geht�s gut�, sagte ich. �Ich wiege fast schon wieder soviel wie in der achten Klasse.�</p><p>�Das ist gut, George, echt gut. Du siehst auch gut aus. Man kann die Narben kaum noch sehen.�</p><p>�Wunderbar.�</p><p>Freds setzte sich auf den einzigen Stuhl des Zimmers. �H�r zu, George, ich mu� dich um einen kleinen Gefallen bitten�� Ahhh!�� He!�� Nein!�� <emphasis>He!</emphasis> Einen wirklich kleinen, George! Einen <emphasis>wirklich</emphasis> kleinen!�</p><p>Mittlerweile waren wir auf dem Gang, und ich hatte ihn an der Kehle gepackt. Ich wu�te nicht mehr genau, wie wir dorthin gekommen waren. Diese Eigenschaft, die ich in letzter Zeit entwickelt hatte, erf�llte mich mit Besorgnis. Erinnerungsl�cken. Phasen der Amnesie oder �bertriebene Gef�hlsreaktionen. Wahnsinn�� ja, dar�ber sprechen wir hier.</p><p>Ich lockerte meinen Griff um seine Kehle und sagte vorsichtig: �Mu� ich irgend etwas tun?�</p><p>�Nein! Gar nichts!�</p><p>�Gut.� Ich kehrte in mein Zimmer zur�ck und lie� mich schwer auf das Bett fallen. Seit meiner letzten Begegnung mit Freds erm�de ich immer so schnell.</p><p>In Wahrheit hatte ich genug von Freds Fredericks. Er war die Schlange in meinem Garten; er hatte den verfaulten Apfel des Wissens genommen und ihn mir in die Kehle gestopft, und ich war daran erstickt. Und nun machte mir nichts mehr in Nepal Spa�.</p><p>�Was ist es diesmal?� sagte ich und versp�rte unwillk�rlich das Gef�hl, ich w�rde gleich h�ren, wie ein Urteil �ber mich gef�llt wurde.</p><p>�Nichts, George, wirklich. Nichts. Entspanne dich. Es ist nur, da� meine Freunde Gaubahal und Daubahal unten in Chitwan ein neues Dschungelcamp er�ffnet haben und Kunden brauchen, um die Sache ans Laufen zu kriegen. Du wei�t schon, ein Ort wie Tiger View, nur billiger. Wenn wir dort eine Woche Urlaub machen, geben sie uns achtzig Prozent Rabatt.�</p><p>�Nein�, sagte ich. �Ich hasse den Dschungel.�</p><p>�Ich auch�, sagte Freds, �aber Gaub und Daub haben da ein wirklich sch�nes Pl�tzchen direkt an der Grenze zum Chitwan-Nationalpark, ein paar neue Bungalows und Hochsitze und so weiter. Wir m�ssen nur essen und trinken und herumh�ngen und V�gel und Tiere und so weiter beobachten.�</p><p>Allm�hlich erf�llte mich Grauen. �Auf keinen Fall.� Nat�rlich wu�te ich, da� er etwas auslie�. Ich war mir nur nicht sicher, was oder warum, aber ich wu�te es. Als Freds mich die letzten Male um einen Gefallen gebeten hatte, war es darauf hinausgelaufen, da� ich danach meinen ganzen K�rper durch einen �rmel meines Hemdes schieben konnte. Ich wu�te, da� ich mit dem, was er diesmal vorhatte, nichts zu tun haben wollte.</p><p>�Komm schon, George. Du siehst aus, als k�nntest du die Erholung echt gebrauchen. Ich mache es auf jeden Fall, und es w�re doch toll, wenn du mitkommst. Wir k�nnen auf Elefanten reiten und so weiter.�</p><p>�Auf keinen Fall. Keine Chance.�</p></section><section><title><p>2</p></title><p>Also machte ich Urlaub in Chitwan. Wir wurden in aller Herrgottsfr�he von einem Landrover abgeholt, der schon mit Deutschen vollgestopft war, die darauf beharrten, keine Deutschen, sondern <emphasis>Bayern</emphasis> zu sein, und die Fahrer brachten uns in s�dwestliche Richtung ins Terai hinab, das Tiefland im s�dlichen Nepal, das zur Ganges-Ebene geh�rt. Fr�her hatte ich Fahrten in diese Richtung immer genossen, nach Pokhara und dem Wilden Westen Nepals; doch nun sah ich an der Stra�e nur verfallene D�rfer mit hungrigen Gesichtern, die in unsere Fenster starrten.</p><p>Wir erreichten das Ende der Stra�e, tief in den Boonies, und wurden von unserem Campverwalter Daubahal begr��t, der besorgt aussah. Anscheinend hatte der Jeep des Camps seinen Geist aufgegeben. Das Camp befand sich auf der anderen Seite eines breiten, aber flachen Flusses, und ohne den Jeep konnten wir es nicht erreichen, und wir wu�ten auch nicht, wo wir die Nacht verbringen sollten. Es kam nicht in Frage, den Flu� mit dem Landrover zu durchqueren; er w�re abgesoffen. Daubahal, ein kleiner, eifriger Hindu, f�hrte �ber ein Walkie-talkie ein eindringliches Gespr�ch, und nach vielleicht einer Stunde erschien am anderen Ufer ein Zug Elefanten, deren F�hrer hinter ihren K�pfen sa�en. Sie durchwateten den Flu� langsam; an manchen Stellen reichte den Tieren das Wasser bis zu den Schultern. �Klasse�, sagte Freds. �Wir setzen auf Elefanten �ber.�</p><p>So war es dann auch. Die Elefanten knieten nieder, und wir stiegen die elastische Haut ihrer gebogenen Beine auf riesige Holzs�ttel hinauf, die man ihnen auf den R�cken geschnallt hatte. Diese S�ttel waren eigentlich viereckige Plattformen mit Holzgel�ndern, die an den vier Ecken von h�lzernen Pfosten gehalten wurden. Wir setzten uns, schlangen die Beine um die Pfosten und lie�en die Arme �ber die Gel�nder baumeln, jeweils vier Personen pro Elefant, die F�hrer nicht eingerechnet, die den Tieren ein paar Schl�ge versetzten, nachdem wir aufgestiegen waren, damit sie sich erhoben, und dann ihre R�ssel hinaufkletterten und ihre Positionen hinter den K�pfen einnahmen. Und wir schwankten in den Flu�.</p><p>Ich sa� zum ersten Mal auf dem R�cken eines Elefanten und war beeindruckt, wie gro� sie waren und wie unregelm��ig wir uns bewegten. Die Plattform hatte kein Gelenk, und der Trott unseres Elefanten warf sie unberechenbar hin und her. Ich erfuhr, da� Elefanten beim Gehen ein Bein vorsetzen und es so steif wie einen Pfosten halten; wenn das Bein dann irgendwann hinter der Vertikalen ist, setzen sie es auf, und es gibt abrupt am Knie nach. Die Ecken der Plattform, die auf den vier h�chsten Punkten des Gesch�pfes sitzen, erheben sich langsam und fallen dann in einem Rhythmus, den ich nicht entschl�sseln konnte, mit dem aufsetzenden Bein ab. Es war eine zuf�llige Bewegung, als s��en wir auf einem kleinen Flo�, und Wellen rollten aus jeder Richtung unter uns hinweg. Wenn man f�r die Seekrankheit anf�llig war, konnte es einem Probleme bereiten, und nach einer Stunde oder so hatte jeder Passagier f�r den Rest des Tages R�ckenschmerzen.</p><p>So zogen wir also in den Dschungel von Chitwan. Wir bewegten uns unter gro�en B�umen einher; Daubahal erkl�rte uns, es seien Saal-B�ume. Sie wurden etwa zw�lf oder f�nfzehn Meter hoch und standen ziemlich weit auseinander. Unter ihnen war das Geb�sch ziemlich sp�rlich. Ich hatte mir den Dschungel anders vorgestellt, ein dichtes, �ppiges Gr�n wie im Amazonas.</p><p>Wir stampften bei Sonnenuntergang in das Lager, das sich als angenehmer Kreis aus neuen Holzbungalows erwies, komplett mit Kieswegen, bl�henden B�schen, einer Elefantenaufsitz-Plattform und einem Speisesaal mit einer gro�en Bar, die jeder augenblicklich aufsuchte. Es war die erste Bar im African Queen-Stil, die mir untergekommen war und die nicht unglaublich kitschig aussah, und wir kippten Mai-Tais und Fruchtpunsch-Kamikazes, bis es wirklich eine hervorragende Idee gewesen zu sein schien, hierher zu kommen, und gingen bei Laternenlicht zu Bett. Freds und ich teilten uns einen Bungalow.</p><p>Und eine Zeitlang schienen die Dinge zu sein, was zu sein sie vorgaben. Wir machten Urlaub im Dschungel. Als Kollege im nepalesischen Tourismus-Gewerbe tat mir Daubahal, der das Camp leitete, etwas leid. Oben im Himalaja hat man eine Menge zu tun, wenn man nur von einem Ort zum n�chsten wandert; hier hockten wir einfach da und konnten nirgendwo hin. Man konnte nicht allein loswandern, da man sich im Dschungel zu leicht verirren konnte, und irgend etwas dort drau�en mochte einen vielleicht niedertrampeln oder fressen. Der Jeep war au�er Betrieb, so da� wir auch nicht auf den schmalen, unbefestigten Pfaden herumfahren konnte, die irgendwann einmal jemand ins Unterholz geschlagen hatte. Und der Hochsitz des Camps war aus irgendeinem Grund ein gutes St�ck au�erhalb des Bungalowkreises errichtet worden, so da� es riskant war, nachts zu ihm zu gehen; und er verf�gte sowieso �ber kein Licht, so da� man sowieso keine n�chtlichen Aktivit�ten h�tte beobachten k�nnen, wenn man sich dorthin gewagt h�tte. Und da man tags�ber von ihm aus nichts sehen konnte, stand er unbenutzt herum.</p><p>Damit blieben Elefantenritte �brig. Jeden Morgen wurden wir bei Anbruch der D�mmerung geweckt und durften vor dem Fr�hst�ck auf einem Elefanten durch den Dschungel schaukeln. Es war, als h�tte man ein paar Stunden auf einem nicht ganz funktionierenden bunten Metallpferd vor einem Supermarkt verbracht, auf einem, das hart und unregelm��ig schaukelte. Niemand, der �lter als f�nf Jahre ist, will noch auf so einem Ding reiten, und oft fragen sich sogar die kleinen Kinder mitten w�hrend ihres Ritts, ob die Sache nun wirklich Spa� macht oder nicht. Eine Stunde davon, und sie wissen es.</p><p>Angeblich ritten wir herum, um nach Tieren Ausschau zu halten, doch in Wirklichkeit sind die meisten Tiere ziemlich scheu und laufen davon, wenn sie einen kommen h�ren. Und so ein Elefantenritt ist nicht die beste M�glichkeit, sich an sie anzuschleichen. Und in der Tat sahen wir niemals ein Tier. Das hei�t, abgesehen von einem Nashorn dann und wann. Anscheinend haben Nash�rner schlechte Augen und Ohren, und nach ihrem Gesichtsausdruck zu urteilen, ist es um ihren IQ auch nicht besonders bestellt; man sieht ein Nashorn an und wei� sofort, warum die Dinosaurier ausgestorben sind. Es war gar kein Komet n�tig, um die Burschen auszurotten.</p><p>Die Nash�rner, auf die wir stie�en, mochten unsere Elefanten nicht, und die Elefanten mochten die Nash�rner nicht. Wann immer wir eins sahen, blieben die Elefanten stehen, und die Nash�rner arbeiteten sich aus ihrem Schlammbad, standen dann da und blinzelten uns an. Wir wurden alle sehr still, und die F�hrer dr�ngten ihre Tiere sanft in die Richtung des Nashorns, und dann waren wir nur noch zwanzig oder drei�ig Meter von einem wirklich bizarren Tier mit dicker Gummihaut entfernt, einer Kreuzung zwischen einem Panzer und Mr. Magoo, mit dem Gesicht eines Dinosaueriers und einem sehr argw�hnischen Ausdruck, das derma�en fehl am Platze wirkte, als h�tte man es vom Boden des Meeres hochgezogen und dort ins Gras fallen lassen. Kein Ger�usch bis auf das Klicken der Kameraverschl�sse. So ein seltsamer Anblick war die Elefantenritte fast wert.</p><p>Dann trottete das Nashorn davon, und wir schaukelten �ber Grasmeere zur�ck zum Lager, wo wir fr�hst�ckten und wieder ins Bett gingen. Nach einem �ppigen Mittagessen sa�en wir dann herum, beobachteten, wie Daubahal sich wand, und er lie� die Schultern h�ngen und sah auf sein Klemmbrett, und schlie�lich hob er seinen Kugelschreiber, als habe er gerade eine Idee gehabt, und sagte fr�hlich: �Okay! F�r heute nachmittag�� Elefantenritt!� Und alle st�hnten laut auf und beschwerten sich �ber Nierenverletzungen oder dar�ber, da� ihre Versicherungen nicht f�r chiropraktische Sch�den aufkamen, und die meisten weigerten sich und verbrachten den Nachmittag trinkend in der Bar, wie es jeder vern�nftige Mensch getan h�tte.</p><p>Doch Freds hatte nat�rlich einen Narren an den Elefantenritten gefressen. Und er �berredete mich oft genug, ihn zu begleiten. Eigentlich war das gar nicht so schwer, da mir als ebenfalls im Tourismus t�tiger Kollege Daubahal wirklich leid tat. Man neigt dazu, es pers�nlich zu nehmen, wenn die Kunden st�hnen und spotten und die Nase �ber die geplanten Aktivit�ten r�mpfen. Also stiegen wir die Stufen der Aufsitzplattform hoch, gingen an Bord und ritten den ganzen Nachmittag auf einem Elefanten durch den Dschungel�� ziellos, unbequem und gelangweilt.</p><p>Doch ich mu� eingestehen, da� die Ritte manchmal auch etwas f�r sich hatten. Wir erfuhren, da� der Dschungel von Chitwan ausgepr�gte Zonen hatte; eine Menge davon bestand als Saalwald, aber es gab auch dichtere Knoten aus kleinerem Unterholz und B�umen; Bambusdickichte; offene Streifen mit Elefantengras, das seinen Namen zurecht trug, da es aussah wie normales Gras, aber f�nf Meter hoch war (Freds sagte: �Wenn ich mir mal in einer Vorstadt ein Haus kaufe, pflanze ich dieses Zeug an, kannst du dir das vorstellen?�); und eine Reihe offener Ger�llzonen, die von flachen Fl�ssen ums�umt wurden. Gelegentlich stie�en wir auf ein Nashorn oder sahen, wie ein aufgeschrecktes Reh davonlief. Einmal erhaschten wir einen Blick auf einen Schakal. Bunte V�gel blitzen vorbei, darunter auch ein blaues und bronzefarbenes Ding, das aussah, als best�nde es aus Juwelen. Und an einem Flu�ufer fanden wir, tief in den Sand eingedr�ckt, perfekte Spuren eines Tigers. Der Abdruck einer Katzenpfote, so gro� wie meine ausgestreckte Hand. �Mein Gott�, sagte Freds und beugte sich �ber das Gel�nder, bis er fast runterfiel. �Das ist aber eine gro�e Tatze, was?� Die Bayern machten Fotos von den Spuren; n�her w�rden wir in unserem Lager einem Tiger nicht kommen, und als ich zu den Abdr�cken hinabsah, tat es mir nicht leid.</p><p>Und dann, als wir eines Nachmittags bei Sonnenuntergang nach Hause stapften, kamen wir zu einer Lichtung an einem Flu� und konnten im Norden einen H�gelzug sehen, einen der ersten Ausl�ufer des Himalaja, blo�e gr�ne H�gel, aber wahrscheinlich trotzdem dreieinhalbtausend Meter hoch, und w�hrend ich hin�bersah, kam mir in den Sinn, da� ich mich auf der indischen tektonischen Platte befand, w�hrend dieser H�gelzug auf der asiatischen Platte lag, und ich konnte es gewisserma�en sehen, gewisserma�en die Kollision sp�ren (ein sto�endes und knirschendes Auf und Ab), und die letzten Sonnenstrahlen f�rbten die Luft mit einem dunklen, rauchigen Rot und das Elefantengras bronze, und Freds sah mich mit seinem verr�ckten Grinsen an, und ich versp�rte bis in die Knochen ein leises Gl�hen. Ich h�tte in diesem Augenblick in einem Verkehrsstau auf einem Freeway in L. A. stecken k�nnen, doch statt dessen war ich mitten in Asien, auf dem R�cken eines Elefanten im Dschungel. Ich konnte nicht anders, ich mu�te Freds� Grinsen einfach erwidern.</p><p>Abgesehen von den Sch�den, die man sich zuzog, wenn man in nur drei Tagen zw�lf Stunden auf einem Elefantenr�cken verbringt, war unser Urlaub im Royal Chitwan Jungle Camp also wirklich in Ordnung. Verglichen mit dem, was ich durchgemacht hatte, als ich Freds die letzten paar Male begleitete, war es in der Tat die reinste Erholung. Das machte mich nat�rlich �beraus nerv�s. Als nichts Au�ergew�hnliches geschah, wuchs in mir Nacht f�r Nacht der Argwohn und der allgemeine Schrecken. Die winzigsten Zwischenf�lle n�hrten meine Beunruhigung�� Freds verschwand zum Beispiel einen Nachmittag lang. Oder als er mit einem der Elefantenf�hrer sprach. �Freds, ich dachte, du hast gesagt, du sprichst kein Nepalesisch.�</p><p>�Tu� ich auch nicht, George, ich spreche Tibetanisch.�</p><p>�Dann ist dieser Elefantenf�hrer wohl Tibetaner.�</p><p>�Richtig.�</p><p>Ein tibetanischer Elefantenf�hrer. Grund zum Nachdenken.</p><p>Ich tat dies, eines Abends in der Bar, und es machte mich noch nerv�ser. Um ein namenloses Entsetzen zu unterdr�cken, griff ich auf eine Sturznarkose mit den Kamikaze-Drinks zur�ck und f�hlte mich schon bald besser. Dann hatte es jedoch den Anschein, da� ich mich etwas zu gut f�hlte, und ich taumelte zu unserem Bungalow und legte mich flach.</p><p>Ich wei� nicht, wieviel sp�ter Freds mich weckte, indem er mich aus dem Bett zu Boden rollte. Irgendwann mitten in der Nacht; ich war immer noch betrunken, so sehr, da� ich mich nicht erinnerte, wo ich war. Doch als Freds �Na, komm� schon, George, ich brauche deine Hilfe!� sagte, hatte ich noch genug Grips beisammen, um �Nein!� zu rufen und zu versuchen, unter das Bett zu kriechen.</p><p>Doch Freds zerrte mich wieder hervor. Leider hatte ich mich mit meinen Kleidern schlafen gelegt, und er rammte meine F��e in die Stiefel. �Komm schon�, sagte er mit einem aufgeregten Fl�stern. �Du sollst nur eine Stunde oder so auf Sunyash aufpassen, w�hrend Dawa und ich uns in dieser H�hle umsehen, die wir gefunden haben.�</p><p>�Sunyash?�</p><p>�Du wei�t schon, der gr��te Elefant.�</p></section><section><title><p>3</p></title><p>Ich wu�te nichts von dem gr��ten Elefanten. Doch als Freds mich zu dem Aufsitz-Podest schleppte, erkannte ich ihn�� oder besser sie, denn es war eine Kuh. Ich hatte mehrere Stunden auf ihrem R�cken verbracht und war ziemlich vertraut mit ihr geworden�� mit der lockeren, faltigen grauen Haut, die beim Laufen �ber ihre massiven Schultern vor- und zur�ckglitt, und mit den rosa Flecken auf ihrem Nacken und dem einen Dutzend Haarb�scheln auf ihrem Kopf. Ein beeindruckendes Tier, und ihr F�hrer Dawa hatte es gut im Griff. Er sa� bereits auf ihrem Hals und hatte die nackten F��e unter den Spitzen ihrer Ohren verhakt. Elefantenf�hrer leiten ihre Schutzbefohlenen mit einem Eisenstab, der wie ein Kaminsch�rhaken aussieht, nur, da� er an dem Ende, auf das es ankommt, sch�rfer ist. Viele F�hrer im Lager setzten ihre Eisen r�cksichtlos ein, schlugen die Elefanten auf die rechte oder linke Kopfseite, damit sie die Richtung �nderten, und stachen sie mit dem spitzen Ende, damit sie weitergingen, wenn sie z�gerten; bei einigen F�hrern war auf jeder Wanderung Blut zu sehen. Ein paar waren jedoch sanfter, und zu denen geh�rte Dawa; er f�hrte Sunyash, indem er mit ihr sprach oder sie im �u�ersten Fall leicht mit den Fersen trat. Ich hatte nie gesehen, da� er seinen Stab einsetzte.</p><p>Nun unterhielten er und Freds sich auf Tibetanisch, und pl�tzlich konnte ich selbst in der Dunkelheit erkennen, da� er auch wie ein Tibetaner aussah; er sah aus wie die Khampas von Shambhala. Pl�tzlich kam mir wieder in den Sinn, da� Freds etwas davon gesagt hatte, eine H�hle zu erkunden.</p><p>�Freds�, sagte ich, als wir davon trotteten. Obwohl ich schnell n�chtern wurde, mu�te ich mich am Gel�nder der Plattform festhalten; die sattelwunden Beine hatte ich um einen Eckpfosten geschlungen. �Was tust du mir diesmal an?�</p><p>�Nichts, George. Nur ein Ritt. Au�erdem � wann habe ich dir jemals etwas angetan?�</p><p>Ich wollte ihn schlagen, hatte aber keine Hand frei. �Du hast mich auf der S�dseite des Everest eine Nacht lang in eine Schneeh�hle gesteckt�, sagte ich w�tend. �Du hast mich einen Monat lang durch die B�rokratie von Katmandu kriechen lassen! Du hast mich als <emphasis>Br�cke</emphasis> benutzt.�</p><p>�Nicht absichtlich. Au�erdem wird es diese Nacht ganz anders sein.�</p><p>�Sag mir, was du vorhast, oder ich springe sofort von Bord.�</p><p>�Nun �berst�rze nichts, ich wollte es dir gerade erz�hlen, sobald wir ein gutes St�ck vom Lager fort sind.�</p><p>�Also raus damit. Was hat es mit dieser H�hle auf sich?�</p><p>�Nun ja, du erinnerst dich doch noch an das Tunnelsystem, das wir bei unserem �berfall auf Chhule benutzt haben? Das ist <emphasis>ein</emphasis> gro�es Tunnelsystem, gr��er, als man erwarten k�nnte, und ein Gro�teil davon liegt unter Katmandu selbst, doch bei all den Bauvorhaben in letzter Zeit sind die meisten Eing�nge zugebaut oder versperrt worden. Das bereitet den Leuten in Shambhala Probleme, weil sie die Tunnels f�r den G�tertransport benutzen, und um ungesehen nach Katmandu zu kommen ��</p><p>�Augenblick mal�, sagte ich und f�hlte, wie die Kamikaze-Drinks in mir hin und her schwappten, was eine gewisse �belkeit hervorrief. �Willst du damit sagen, da� Tunnels von Shambhala bis nach Katmandu f�hren?�</p><p>�Aber ja! Es gibt �berall unter dem Himalaja Tunnels. Und ein gro�es Netzwerk unter Katmandu.�</p><p>Ich versuchte, das zu verkraften.</p><p>�Aber jetzt haben sie ein Problem. Alle G�nge nach Katmandu sind unterbrochen�, sagte Freds, �und sie wollen nun eine alte �ffnung hier im Terai benutzen. Die geriet in den letzten paar Jahrhunderten ziemlich in Vergessenheit, und Dawa und ich haben uns ein bi�chen nach ihr umgesehen, und wir glauben, wir haben sie gefunden, aber ich will verdammt sein, wenn sie nicht direkt neben dem Tiger View liegt.�</p><p>�Direkt neben dem Tiger View.�</p><p>�Ja, das ist eins der gro�en, teuren Camps dr�ben im Park, wie Tiger Tops. Ein kleiner Felsvorsprung erhebt sich direkt im S�den dieses Tiger View-Camps, und dort liegt eine H�hle, und Dawa ist ziemlich sicher, da� es sich dabei um einen der Eing�nge zum Tunnelsystem handelt. Also m�ssen wir sie des Nachts �berpr�fen.�</p><p>�Sind des Nachts nicht jede Menge Tiger am Tiger View?�</p><p>�Ja, aber Sunyash wird sie verscheuchen.�</p><p>Ich seufzte. �Freds, warum bin ich hier?�</p><p>�Um Gutes auf dieser Erde zu tun, George. Deshalb sind wir alle hier.�</p><p>�Ich meine, warum bin ich heute abend hier bei euch? Warum habt ihr mich mitgeschleppt?�</p><p>�Dawa und ich wollen diese H�hle �berpr�fen und uns vergewissern, da� es sich um den Tunneleingang handelt, und es mu� jemand bei Sunyash bleiben, damit sie nicht davonspaziert. So einfach ist das.�</p><p>Mir war so schlecht, da� ich eine Weile nicht antworten konnte. �Du hast mich belogen�, sagte ich schlie�lich. �Du hast gesagt, da� sei nur ein Urlaub.�</p><p>�Na ja, ich dachte, ich lasse diesen Teil lieber aus, damit du dir keine Sorgen machst. Stell dir doch vor, du w�rest auf Schatzsuche.�</p><p>�Eine n�chtliche Schatzsuche in einem Dschungel mit Tigern. Auf dem R�cken eines gestohlenen Elefanten.�</p><p>�Sie ist nicht gestohlen, wir borgen sie nur aus.�</p><p>Ich gab es auf.</p><p>Sunyash trampelte unter dem Baldachin der Saalb�ume weiter durch den Dschungel. Ein Halbmond stand im Himmel, so da� wir etwas Licht hatten�� die Formen schwarz auf schwarz, und in einem gelegentlichen Strahl Mondlicht konnten wir unheimliche B�ume und hinabh�ngende Ranken ausmachen. Sunyash erzeugte zu viel L�rm, als da� wir sonst noch etwas h�ren k�nnten, doch als Dawa sie anhalten lie�, um sich umzusehen, umschlangen uns die Ger�usche des n�chtlichen Dschungels wie ein guter Soundtrack: ein Knistern und Rascheln, das Zirpen von Insekten, das leise Husten eines Tiers. Es war viel dschungelhafter als bei Tageslicht, und das Wissen, da� die Tiger zu ihren n�chtlichen Streifz�gen aufgebrochen waren, f�gte eine Spannung hinzu, die man bei Sonnenschein nicht hatte. Freds hatte wahrscheinlich recht, wenn er behauptete, kein Tiger w�rde in der N�he bleiben, wenn ein Elefant kam, doch es machte mich trotzdem nerv�s.</p><p>Wir schaukelten lange weiter, so lange, da� ich fast wieder eingeschlafen w�re. Dann stie� Freds mich an, und ich sah zu unserer Rechten ein Leuchten; �Tiger View�, sagte er. �Das sind die Lichter, die sie anmachen, damit sie die Tiger sehen k�nnen.�</p><p>�Ah.�</p><p>�Wir sind fast da. Es mu� irgendwo da oben sein.�</p><p>�Sch�n.�</p><p>Wir bewegten uns durch die Dunkelheit. Ich hielt mich an meinem Pfosten und dem Gel�nder fest.</p><p>Schlie�lich lie� Dawa Sunyash anhalten. Zuerst sah es f�r mich hier so aus wie �berall sonst auch, doch dann bemerkte ich im Mondlicht einen kleinen dunklen H�gel�� eine von Str�uchern bedeckte Felskuppe, auf deren Kuppe mehrere kleine Saalb�ume wuchsen. Die Scheinwerfer vom Tiger View waren immer noch ganz in der N�he, aber nun hinter uns�� zwischen uns und unserem Lager, sch�tzte ich.</p><p>Freds und Dawa glitten von Sunyash hinab. �He!� sagte ich.</p><p>�Wir binden sie an diesen Baum�, sagte Freds zu mir hinauf. �Halte deine F��e auf ihrem R�cken, damit sie wei�, da� du da bist. Wir kommen so schnell wie m�glich zur�ck; l�nger als eine Stunde werden wir wohl nicht brauchen.�</p><p>�He!� protestierte ich. Doch sie waren schon fort. Ich sa� allein auf dem R�cken eines Elefanten, des Nachts mitten im Dschungel. Hier lag eine klassische Freds-Operation vor. Doch so nerv�s ich auch war, sie kam mir, verglichen mit den Situationen, in die er mich zuvor gebracht hatte, eher als harmlos vor. Ich machte es mir bequem, die Stiefel fest auf Sunyash� breiten R�cken gedr�ckt, und sie machte es sich vor einem Bambusb�schel bequem, um einen kleinen Mitternachtssnack einzulegen, und in meiner Trunkenheit hatte ich den Eindruck, ziemlich unbehelligt aus dieser Sache herauszukommen. Es war nicht einmal so kalt. Ich war daran gew�hnt, des Nachts in Nepal hinauszugehen und augenblicklich zu frieren, doch hier unten im Terai war es nur etwas k�hl und feucht, und ich sa� �berdies direkt auf einer ziemlich wirksamen Heizung. Also legte ich mein Kinn auf das Gel�nder, versuchte, die n�chtlichen Dschungelger�usche zu ignorieren und ein paar �ste zu s�gen.</p><p>Ich schien gerade einzuschlafen, als mir auffiel, da� ich eigentlich �berhaupt keine Dschungelger�usche h�rte. Das kam mir komisch vor. Und Sunyash hob vor mir ihren gro�en Kopf, und sie hatte den R�ssel ausgestreckt und schien anscheinend herumzuschn�ffeln.</p><p>Und pl�tzlich legte sie den Kopf zur�ck, da� unsere Stirnen beinahe gegeneinander geprallt w�ren, und stie� einen Trompetensto� aus wie von vierzig Waldhornspielern, die man gleichzeitig in den Magen getreten hatte, und dann setzte sie sich in Bewegung. Sie k�mmerte sich gar nicht um das, womit Freds und Dawa sie angebunden hatten, und nach allem, was ich wu�te, zerrten wir einen Saalbaum in unserem Kielwasser hinter uns her, doch auf jeden Fall donnerten wir durch den Dschungel. Ich klammerte mich aus nackter Angst ums Leben an dem vorderen Gel�nder der Plattform fest und rief Sunyash so einiges zu, doch nichts davon schien irgendeinen Einflu� auf ihr Toben zu haben. Sie wollte hier weg, und ich glaubte, den Grund daf�r zu kennen. Ein Tiger! W�rde er uns verfolgen, an Bord springen und mich fressen? �ste schlugen gegen meinen K�rper, als Sunyash durch die B�ume preschte, und sie lief schneller, als ich es je f�r m�glich gehalten h�tte. Ein Elefant kann ein betr�chtliches Tempo erreichen, und wenn er es erst einmal erreicht hat, scheint man auf einem Zug zu sitzen, einem Zug, der entgleist ist und heftig �ber unebenen Boden poltert. Ein Ast schlug mir gegen die Stirn, und danach nahm ich alles nur noch undeutlich wahr. Mein Leben schien davon abzuh�ngen, da� ich sie bremste, und ich sah keine andere Alternative, als unter dem vorderen Gel�nder hindurchzuschl�pfen und auf den Fahrersitz zu gleiten, wobei ich jeweils einen Stiefel unter ihren Ohren gegen ihren Hals dr�ckte. Nachdem mir das gelungen war, stellte ich fest, da� es kein besonders sicherer Sitz war; man konnte sich nirgendwo festhalten. Ich beugte mich vor und packte ihre Ohren, die wild auf und ab schlugen, und zerrte an ihnen, so heftig ich konnte. Sunyash warf den Kopf hin und her und h�tte mich beinahe abgesch�ttelt, doch mein R�cken knallte gegen das Plattform-Gel�nder, und ich verlor nur meinen Atem.</p><p>Und dann fiel sie in einen schnellen Trott zur�ck. �Gute Sunyash�, rief ich ihr zu und w�nschte, ich w�rde mehr von der nepalesischen Elefantenf�hrersprache beherrschen. �Sunyash�, sagte ich mit so ruhiger Stimme, wie ich sie aufbringen konnte. Sie w�rde das Wort erkennen. Ich wiederholte es wie ein Mantra. Sie wurde etwas langsamer, aber nicht viel. Ich wu�te nicht, ob sie wu�te, wo sie war. Vielleicht lief sie zu den St�llen des Lagers zur�ck; vielleicht hatte sie sich aber auch verirrt. Ich glaubte, �ber meine linke Schulter noch einen fernen Schimmer der Scheinwerfer des Tiger View sehen zu k�nnen.</p><p>Ich versp�rte keine Gewissensbisse, Freds und Dawa dort auf ihrem H�gel zur�ckzulassen, zumindest nicht, bis es hell wurde. Doch falls Sunyash einfach ziellos herumwanderte, w�rde ich bei Anbruch der D�mmerung genauso wenig wissen, wo ich war, wie jetzt. Also versuchte ich z�gernd, ihr die Richtung zu weisen. Das war so �hnlich, als wollte man Autofahren lernen, w�hrend der Wagen ohne Kontrolle einen Berg hinabrollt, doch abgesehen von den gelegentlichen tiefh�ngenden Zweigen bestand keine unmittelbare Gefahr. Wie ich es mir gedacht hatte, brachte ein Tritt unter das linke Ohr sie dazu, etwas nach rechts zu steuern. Weitere Tritte unter beide Ohren best�tigten, da� sie um ein paar Grad abbog, wenn man nur hart genug trat, um sie zu �berzeugen, da� man es ernst meinte. Also knuffte ich sie immer wieder unter ihr linkes Schlappohr, bis wir den Weg zur�ckkehrten, den wir gekommen waren, wobei sie dann allerdings langsamer wurde und schlie�lich sogar stehenblieb. �Komm schon, Sunyash.� Kein Mucks. �Geh!�</p><p>Sie wollte nicht verstehen. Keine Bewegung. Nun w�rden die gr�beren F�hrer ihre Eisen nehmen und die Tiere buchst�blich in den Kopf stechen und ihnen abwechselnd heftige Tritte direkt hinter beide Ohren versetzen. Ich hatte gesehen, wie ein Elefant, der sich weigerte, eine kleine Br�cke zu �berqueren, auf diese Weise dazu gebracht wurde, geradewegs in den Kanal zu treten, den die Br�cke �berspannte, und auf der anderen Seite hinaufzulaufen, wobei beide Bewegungen �u�erst unbeholfen gewirkt hatten. Und andere F�hrer hatten diese Methode auf weiten Ebenen angewandt, um die Elefanten dazu zu bringen, in ihre Version eines Galopps zu fallen, damit die Touristen miterlebten, wie schnell ein Elefant laufen konnte.</p><p>Ich nehme an, ich h�tte in diesem Augenblick bei Sunyash den Stock eingesetzt, doch ich hatte keinen. Auf meine Faustschl�ge und Tritte reagierte sie nicht, und wenn ich an ihrem empfindlichen Ohren zog, sch�ttelte sie nur verwirrt den Kopf.</p><p>Schlie�lich beugte ich mich vor und fl�sterte etwas in diese monstr�sen Ohren. �Bistarre�, sagte ich, was �langsam� bedeutet. Dieses Wort lernen die meisten Trekker schon an ihrem ersten Tag in Nepal von ihren Tr�gern. �Bistarre, Sunyash, bistarre.� Dazu dr�ckte ich meine Stiefel gegen ihren Kopf, wie ein Rodeoreiter, der versucht, aus einem lahmen Pferd Zusatzpunkte herauszuholen.</p><p>Und sie setzte sich in Bewegung.</p><p>Danach kam es nur darauf an, sie langsam zu dirigieren, wobei ich die Scheinwerfer beim Tiger View als Bezugspunkte nahm. Als ich mich dort befand, wo meiner Meinung nach der H�gel sein sollte, war kein H�gel zu sehen. Ich lie� sie in Kreisen herumwandern, bis ich auf den H�gel stie�. Die Scheinwerfer am Tiger View gaben mir sogar eine Vorstellung, auf welcher Seite der Erhebung wir uns befanden, als Sunyash sich entschlo�, die Gegend zu verlassen.</p><p>Wir trotteten gerade los, als Sunyash pl�tzlich trompetete. Ich dachte schon, wir w�rden wieder in einen Galopp fallen, und rief �Nein!�; doch es war nur Dawa, der ihren R�ssel hinaufkletterte. Freds zog sich an den Riemen der Plattform an ihren gro�en runden Seiten hoch.</p><p>�Hallo, Kumpel�, sagte Freds. �Tut mir leid, da� wir so lange gebraucht haben, aber wir haben gefunden, wonach wir suchten. Hoffentlich hast du dich nicht gelangweilt.�</p><p>�Nein�, sagte ich.</p></section><section><title><p>4</p></title><p>Auf dem R�ckweg erkl�rte Freds dann, er wolle sich den Tiger View mal genauer ansehen. �He, da sind wir ganz in der N�he, und du bist gar nicht neugierig? Ich meine, vielleicht sehen wir sogar einen der Tiger, die sich da rumtreiben.�</p><p>�Sunyash mag keine Tiger in ihrer N�he.�</p><p>�Wir bewahren eine sichere Entfernung. He, das ist doch direkt da dr�ben.� Er sprach kurz mit Dawa, und Sunyash bewegte sich durch die Nacht auf den Schimmer des Schweinwerfers zu. Wir blieben stehen, als wir durch eine L�cke zwischen den B�umen die beleuchtete Lichtung sehen konnten, die sich unter den verschwommenen Formen der Aussichtst�rme des gro�en Lagers erstreckte.</p><p>Auf der Lichtung war mitten auf einem niedergetrampelten und blutigen Grasstreifen ein junges Schaf, eigentlich noch ein Lamm, an einen Pfosten gebunden. Die verst�mmelte und halbwegs aufgefressene Leiche eines anderen Lamms lag am Rand des Lichtkreises. Das noch lebende Lamm kauerte sich elendig nieder und senkte dann und wann den Kopf, um an dem gebrochenen Gras zu knabbern. Das Seil, mit dem es an den Pfosten gebunden war, war straff gespannt; es hatte sich so weit wie m�glich von dem Pfosten entfernt.</p><p>�Mein Gott�, sagte ich angewidert. �Ein K�der?�</p><p>�Glaube schon�, sagte Freds. �Ich habe geh�rt, sie garantieren einem, da� man Tiger sieht, wenn man im Tiger View wohnt, und so machen sie es wohl. Sie machen es so ziemlich jede Nacht, und die Tiger wissen das und kommen auf einen kleinen Snack vorbei. Ziemlich ekelhaft, was?� Im schwachen Licht wirkte Freds� Grinsen w�tend. �Ich wei� noch, wie einer der Sch�ler in meinem Internat einen Kaimanfisch in einem gro�en Aquarium hielt, und er f�tterte ihn mit kleinen Elritzen oder Goldfischen oder was wei� ich, und der Kaimanfisch lag ganz ruhig auf dem Boden des Aquariums, und pl�tzlich wirbelte er hoch, und ein Goldfisch fehlte, du wei�t schon, und wir fanden das richtig aufregend und sa�en vor dem Aquarium und sahen zu und kamen uns wie Nazis vor. Aber so etwas!�</p><p>�Und in den T�rmen sehen Leute zu?�</p><p>�Klar! Das ist doch der Sinn der Sache! Und Tiger sind schmutzige Killer, sie fangen schon mit dem Fressen an, bevor das kleine Ding ganz tot ist, und so weiter.�</p><p>�Verschwinden wir hier, bevor wir zusehen m�ssen.�</p><p>�Ja, gut. Obwohl mir gerade in den Sinn gekommen ist, da� wir eigentlich � wei�t du, was wir eigentlich tun sollten? Wir sollten eigentlich ��</p><p>�Wir sollten was, Freds?�</p><p>Aber er hatte sich schon in ein Gespr�ch mit Dawa vertieft und beugte sich gleichzeitig weit �ber die Seite der Plattform. �Freds!� fl�sterte ich scharf und zog ihn an seinem G�rtel wieder hinauf. �Was, zum Teufel, tust du da?�</p><p>�Ich suche einen Felsbrock oder so.� Dawa unterbrach ihn mit einem schnellen tibetanischen Redeschwall und deutete dabei die ganze Zeit �ber auf den Scheinwerfer.</p><p>�Freds�, sagte ich warnend, �ganz gleich, was du vorhast, mir gef�llt es nicht.� Doch Freds h�rte Dawa zu und nickte und murmelte �Toll, toll, gute Idee, darauf h�tte ich selbst kommen m�ssen�, und ich glaube nicht, da� er mich �berhaupt h�rte.</p><p>Als Dawa Sunyash auf das gro�e Lager zuf�hrte, ergriff ich Freds mit beiden H�nden und sch�ttelte ihn. �Freds, <emphasis>was hast du vor?�</emphasis></p><p>�Wir wollen diesen perversen Arschl�chern nur einen kleinen Schrecken einjagen, George, es wird nur einen Augenblick dauern. Ich wollte mit Steinen gegen die Schweinwerfer schmei�en, aber Dawa meinte, ich sollte auf den Generator zielen, und das ist eine viel bessere Idee. Komm schon runter mit mir, halte dich an den Riemen fest, dann geht�s ganz leicht.�</p><p>�Nein, Freds!� Doch er zerrte mich mit �ber die Seite, und ich hatte keine andere Wahl, als mich an den Riemen der Plattform festzuhalten und so sanft wie m�glich hinabzulassen. Als ich den Boden ber�hrte, lie� sich Freds schon etwas von Dawa geben. Einen Dolch von der Gr��e einer Machete. Vielleicht war es auch eine Machete. �Oh, mein Gott�, sagte ich.</p><p>�Psst!� sagte Freds. �Komm mit!�</p><p>Dawa und Sunyash trotteten davon, und mir blieb keine Wahl. �Freds, sag mir sofort, was du vorhast, oder ich falle �ber dich her und halte dich fest, bis du es mir sagst.�</p><p>�Psst, George, wir m�ssen jetzt leise sein.� Er fl�sterte tats�chlich. �Dawa schl�gt einen Kreis um die Lichtung und schaltet ihren Generator aus, und wenn das Licht ausgeht, werden wir das kleine Lamm retten und den reichen Leuten etwas zum Nachdenken geben.�</p><p>�Schei�e.�</p><p>�Psst.�</p><p>�Du hast zuviel Zeit mit Colonel John verbracht, wei�t du das, Freds?�</p><p>�Psst!�</p><p>Wir blieben in der Dunkelheit stehen, knapp au�erhalb des erhellten Kreises. Erneut fiel mir auf, da� ich im umgebenden Dschungel kein Ger�usch eines Tieres oder Vogels h�rte, und ich knuffte Freds gegen den Arm und fl�sterte ihm ins Ohr: �H�r doch, Freds! Kein Ger�usch! Wahrscheinlich ist ein Tiger irgendwo in der N�he.�</p><p>�Wir beeilen uns lieber�, murmelte er.</p><p>Ich hatte den Eindruck, schon seit einigen Jahren dort zu hocken. Das Schaf auf der Lichtung sah sich mit gro�en Augen um und bl�kte gelegentlich. Ich konnte mich gut in das Tier hineinversetzen.</p><p>Dann erloschen pl�tzlich die gro�en Scheinwerfer. Auf den Aussichtst�rmen erklangen unwirsche Stimmen. Freds lief auf die Lichtung, und ich folgte ihm. Das Schaf bl�kte vor Furcht. Freds schnitt das Seil durch und griff sich das Schaf, bevor es sich bewegen konnte. �Hier, George�, fl�sterte er schnell. �Halte es mal einen Augenblick, ich will nur eben das tote Tier auf die Treppe eines Turms legen. Wenn noch ein Tiger vorbeikommt, sollen sie ihn wirklich gut sehen k�nnen.� Er kicherte wie Colonel John und dr�ckte mir das lebende Lamm an die Brust. Ich hielt es fest und h�rte mehr, als ich sah, da� Freds ein paar Teile des gerissenen Schafes aufhob. Mir kam in den Sinn, da� das Schaf und ich ein sehr sch�nes Sonderangebot�� zwei f�r den Preis von einem�� f�r jeden Tiger abgaben, der zuf�llig vorbeikam und sich entschlo�, die Dunkelheit auszunutzen, und so folgte ich Freds schnell, nur, um in der N�he seines Dolches zu bleiben oder zumindest zu gew�hrleisten, da� er auch gefressen wurde, falls es sich so ergeben sollte; doch das Schaf hatte andere Vorstellungen.</p><p>Es versuchte heftig, sich zu befreien, und gerade, als ich Freds erreicht hatte, stie� es sich mit allen vier Beinen von mir ab, und wir prallten gegen Freds, und wir alle drei fielen Hals �ber Kopf zu Boden. Ich landete auf einem klebrigen Etwas, wobei es sich um die Eingeweide des Schafes zu handeln schien, das Freds zu dem Turm trug, und wurde dann von dem lebendigen Schaf wieder davon herausgeholt, dessen Seil sich um meine H�fte und meinen rechten Arm geschlungen hatte. �Bin gleich fertig�, fl�sterte Freds ganz leise, �sei doch nicht so ungeduldig.� Ich h�tte gern geschrien, wu�te jedoch nicht, ob das nicht unser Risiko vergr��ert h�tte, und zerrte das Lamm also an meine Seite und wich seinem w�tenden Tritt aus; in der Tat trat ich sogar zur�ck, traf es direkt hinter dem Kopf, hob das arme, bl�kende Ding hoch und versuchte, ihm die Luft aus den Lungen zu dr�cken, w�hrend ich hinter Freds zu dem Aussichtsturm taumelte.</p><p>�ber uns erklangen immer noch zahlreiche Stimmen: hohe, aufgeregte, und tiefe, beruhigende. Freds warf das, was er gerettet hatte, die Stufen hoch, und es schlug mit einem <emphasis>bumm bumm</emphasis> auf und brachte jedwede Ger�usche von oben zum Erliegen. In der Totenstille vernahmen wir nun ferne Dschungelger�usche und ein Rascheln, von dem ich fieberhaft hoffte, da� es von Sunyash stammte; und �ber uns im Aussichtsturm ein w�tendes Fl�stern und ein Klicken und H�mmern, das mir verd�chtig nach Schrotflinten oder Gewehren klang, die oben auf das Gel�nder gelegt wurden. Falls wir im Turm Schutz suchen mu�ten, w�rden sie uns zweifellos erschie�en. Falls nicht, und wir davonliefen, w�rden sie uns vielleicht auch erschie�en, und falls wir davonkommen sollten, wanderten wir immer noch zu Fu� des Nachts durch einen Dschungel, in dem es Tiger gab, beschmiert mit Schafblut und ein lebendiges Lamm in unseren Armen.</p><p>Wir waren in keiner besonders guten Lage, und ich war schon auf und an, zu den Leuten oben im Turm hinaufzurufen und um Schutz zu bitten, doch Freds war schon losgelaufen, und so versetzte ich dem Lamm noch einen Schlag hinter den Kopf, um es zu bet�uben, und folgte Freds. Dabei hatte ich das Gef�hl, so laut zu sein wie eine Dampflokomotive, und Freds war auch nicht leiser, und meine Schulterbl�tter kribbelten in Erwartung, da� sich eine Kugel oder eine Klaue zwischen sie senken w�rden. Dann erklang im Unterholz zu meiner Rechten ein Ger�usch, und ich �ffnete den Mund zu meinem letzten Schrei und schwang das Schaf zur�ck, um es dem Tiger als Opfergabe anzubieten, als die gro�e schwarze Masse des sich n�hernden Wesens enth�llte, da� es sich um Sunyash handelte, die direkt auf uns zutrottete. Dawa mu�te sie nicht einmal zum Stehen bringen; Freds schien mit einem einzigen Satz auf die Plattform zu springen, und ich warf das Lamm zu ihm hoch und sprang ebenfalls an Bord. Ich landete so hart auf dem Schaf, da� ich �berzeugt war, es get�tet zu haben, doch es bl�kte und trat mich, um mir zu zeigen, da� es wohlauf war.</p><p>Und wir schwankten mit H�chstgeschwindigkeit durch den Dschungel.</p></section><section><title><p>5</p></title><p>�Ha!� sagte Freds, als er wieder zu Atem gekommen war. �War das nicht toll?�</p><p>Mir fiel keine Antwort ein.</p><p>Er fing an zu kichern. �Falls heute abend noch ein paar Tiger beim Tiger View vorbeischauen, steigen sie hoffentlich die Treppe hoch und kratzen an der Turmt�r. Diese perversen Widerlinge dahinter sollen sie ganz genau sehen k�nnen. Vielleicht versucht einer sogar, die T�r aufzubrechen, und l�st da drin ein paar Herzanf�lle aus.�</p><p>�Du warst in letzter Zeit zu oft mit Colonel John zusammen.�</p><p>�Vielleicht,�</p><p>Dann griff Dawa mit einer Hand zur�ck und bedeutete uns zu schweigen, und gleichzeitig hielt er Sunyash an. Wir sa�en still da. Wir waren unter dem Baldachin der B�ume hervorgekommen und standen im Elefantengras am Rand einer Wiese. �Was ist jetzt los?� hauchte ich, doch Dawa winkte erneut und noch heftiger.</p><p>Freds dr�ckte seinen Mund auf mein Ohr. �Siehst du den Jeep da?�</p><p>Er deutete auf eine eckige Masse am Rand der Wiese. Ich nickte.</p><p>�Wilddiebe� fl�sterte Freds. �Sei ganz still�� das k�nnte gef�hrlich werden.�</p><p><emphasis>Das</emphasis> k�nnte gef�hrlich werden? Ich verzog den Mund.</p><p>Bevor ich ihn aufhalten konnte, war Freds �ber das Gel�nder geklettert. Ich rutschte auf seine Seite der Plattform, doch Dawa legte eine Hand auf meinen Arm und sch�ttelte den Kopf. Wir sa�en drei oder vier Minuten schweigend da. Dann kam Freds zur�ck. Er hielt einen gro�en kegelf�rmigen Gegenstand hoch, und ich ergriff ihn; er war schwer und von seltsamer Beschaffenheit, und ich legte ihn neben dem bet�ubten Schaf auf die Plattform. �Was, zum Teufel, ist das?� fl�sterte ich, als Freds zu mir hinaufkletterte.</p><p>�Das Horn eines Rhinozerosses�, erwiderte er leise. �Sie haben es abgeschlagen, siehst du?� Er wechselte ein paar schnelle S�tze mit Dawa, und wir setzten uns wieder in Bewegung, zogen uns so langsam und leise zur�ck, wie es Sunyash m�glich war, und schlugen dann einen Kreis um die Wiese der Wilddiebe.</p><p>�Mistkerle�, sagte Freds. �Und es war ein Armee-Jeep. Die nepalesische Armee.�</p><p>�Was hast du getan?� fragte ich.</p><p>�Ich habe alle Reifen aufgeschlitzt, das Z�ndkabel durchtrennt und dieses Horn vom R�cksitz geklaut. Und mir ihr Nummernschild gemerkt.�</p><p>�Sie bringen die Nash�rner nur wegen der H�rner um?�</p><p>�Ja. Das sind wieder die verdammten Chinesen�� sie glauben, das zermahlene Horn sei ein Aprodisiakum.�</p><p>�Ein Aprodisiakum?�</p><p>�Ja. Die Chinesen meinen wohl, sie pflanzten sich nicht gut genug fort.�</p><p>�Und es war ein Jeep der nepalesischen Armee?�</p><p>�Ja, aber das kann alles m�gliche bedeuten. Sie k�nnen ihn gestohlen oder geborgt haben�� oder das da drau�en sind Soldaten.�</p><p>Pl�tzlich erklang ein Schrei in den B�umen zu unserer Rechten, und ein <emphasis>P�ng! P�ng! P�ng!</emphasis> Wir wurden beschossen. Eine Kugel sauste wie eine gro�e Bremse �ber unsere K�pfe, und dann war Sunyash wieder mit H�chstgeschwindigkeit unterwegs. Selbst, als sie vor dem Tiger floh, war sie nicht so schnell gewesen; Dawa beugte sich vor, schrie ihr etwas in die Ohren, und sie stapfte wirklich drauflos, schneller, als irgendein anderes Tier in diesem Terrain h�tte laufen k�nnen, von einem Nashorn einmal abgesehen. Ich konnte noch immer Sch�sse hinter uns h�ren, doch wir schienen sie hinter uns zu lassen.</p><p>Dann bemerkte ich, da� sich unsere Plattform nach links neigte und mit jedem Schritt tiefer an Sunyash� breiter Flanke hinabrutschte. �Die Riemen haben sich gelockert!� rief Freds und hielt sich an dem hinabh�ngenden Gel�nder fest. �George, beug� dich vor und halt� den Riemen fest!�</p><p>Und so lehnte ich mich unter das Plattform-Gel�nder, griff hinab und ertastete einen Riemen, der Sunyash anscheinend von vorn nach hinten umfa�te. Ich schlang eine Hand um den Riemen und ein Knie um den Eckpfosten und konnte damit verhindern, da� die Plattform weiter hinabrutschte. Allerdings mu�te ich nun in dieser Position bleiben. Und Dawa, der vor den Wilddieben Angst hatte, lie� Sunyash den ganzen Weg bis zu unserem Lager laufen, und ich hing mit dem Kopf nach unten an der rechten Seite des Elefanten hinab, und jeder Ast, an dem wir vorbeikamen, scharrte mir die Haut auf. �ber mir bl�kte das Schaf, und Freds rief: �Gut so, George! Halt durch! Wir sind fast zu Hause!�</p><p>Schlie�lich erreichten wir unser Camp und fielen in einen langsameren Trott. Am Aufsitzturm befreite man mich von der Plattform und den Riemen und fing mich auf, als ich hinabrutschte. Dawa k�mmerte sich um Sunyash und das Schaf, w�hrend Freds mich zu unserer H�tte brachte. Ich warf mich auf mein Bett und fiel bald in den tiefen Schlaf des Vergessens.</p><p>Eine Stunde sp�ter kamen die Campbediensteten und klopften an alle T�ren, um uns zu wecken. Daubahal steckte den Kopf in unser Zimmer; die aufgehende Sonne leuchtete auf seinem l�chelnden Gesicht.</p><p>�Elefantenritt!� erkl�rte er.</p><p>An diesem Abend gab es Lamm zum Essen.</p></section><section><title><p>6</p></title><p>Am folgenden Tag �bergaben wir das Horn den nepalesischen Polizisten, die Daubahal benachrichtigt hatte, und nannten ihnen die Nummer des Jeeps, die Freds sich eingepr�gt hatte: 346. Ich fragte mich unwillk�rlich, ob das Horn nicht trotzdem in China enden w�rde, nur �ber andere Kan�le.</p><p>Ich warf einen Blick in den gesprungenen Spiegel in unserer Dusche und stellte fest, da� ich wie ein M�rtyrer aussah, der versucht hatte, die Malaien zu bekehren und mit der Bambuspeitsche Pr�gel bezogen hatte; ich f�hlte mich allerdings noch schlimmer. Doch wir kehrten mit einem letzten schmerzhaften Elefantenritt zu dem Landrover auf der anderen Seite des Dschungelflusses zur�ck und fuhren los. Und an diesem Abend waren wir wieder im Hotel Star in Katmandu, und was mich betraf, war unser Dschungelabenteuer ausgestanden. Finito. Endg�ltig. Alles in allem war es gar nicht so schlecht gewesen. Im Vergleich zu den anderen Unternehmungen mit Freds, bei denen man mich wirklich durch die Mangel gedreht hatte, war es wirklich harmlos gewesen. Eine Nacht im Dschungel. Toll. Ende der Geschichte. Klasse. Ich Gl�cklicher. Tut mir leid, da� diese Geschichte nur so kurz ist.</p><p>Aber sie waren noch nicht fertig mit mir.</p><p>Denn am Tag nach unserer R�ckkehr klopfte es an der T�r.</p><p>Ich bekomme in meinem Hotelzimmer nur selten Besuch. Und so nahm ich meinen Bluet-Gaskocher, um ihn Freds ins Gesicht zu werfen, falls er es sein sollte, und dann einfach abzuhauen, und ich ri� die T�r auf, br�lle: �Was willst du!�, und es war Freds, und ich lie� den Kocher fliegen, und er duckte sich, und der Kocher segelte auf den Hof des Star hinab und schepperte dort �ber das Kopfsteinpflaster.</p><p>Aber es standen noch zwei Leute neben Freds, und zwar Nathan Howe und Sarah Hornsby. �Nathan!� sagte ich. �Sarah!�</p><p>�George!� sagten sie, entsetzt �ber meinen Willkommensgru�.</p><p>Ansonsten sahen sie noch genauso aus wie damals vor zwei Jahren, als ich sie zuletzt gesehen hatte. Nathan hatte noch immer seinen perfekten Walro�bart und trug nun die Jacke mit den Lederflicken an den Ellbogen, die der Bart verlangte, so da� ich annahm, da� er ein Lehramt bekommen hatte oder eins bekommen w�rde, sobald ein akademisches Komitee ihn zu Gesicht bekam; so aufrecht, redlich und blau�ugig, wie unser Nathan nun mal ist. Au�erdem hat er einen tollen Haarschnitt�� Und Sarah sah noch immer wie die tollste Bibliothekarin auf Erden aus, und die von Ihnen, die �fter mal eine Bibliothek aufsuchen, wissen, was das hei�t; aber bei ihr kam noch dieser eulenhafte Anflug hinzu, der einen richtig wild macht. Ich stehe nicht auf diese New Age-Begr��ungen, entschlo� mich jedoch, daran augenblicklich etwas zu �ndern, um Sarah umarmen zu k�nnen, und es war atemberaubend. Als ich Nathan die Hand sch�ttelte, sah ich die Ringe an ihren Fingern und sagte: �Was ist das denn? Verheiratet?�</p><p>Sie nickten. Ein breites L�cheln von Nathan, dem Gl�ckspilz.</p><p>�Phantastisch!� sagte ich. Ich ri� mich zusammen und winkte sie in mein Reich. �Kommt schon rein!�</p><p>�Was ist mit dir passiert, George?� fragte Sarah, als sie eintraten. �Du siehst aus, als h�ttest du einen Unfall gehabt.�</p><p>�Hatte ich auch�, sagte ich. �Ich habe zugestimmt, Freds einen Gefallen zu tun.�</p><p>�Wir hatten einen Notfall�, sagte Freds, der an seiner �blichen Stelle auf dem Boden sa�.</p><p>�Komisch�, sagte Nathan, als er und Sarah und ich uns auf das Bett und den Stuhl setzten. �Wir wollten dich bitten, uns auch einen Gefallen zu tun, und erfuhren letzte Woche von Freds, da� du noch hier im Star wohnst�� aber wir haben dich hier nicht auftreiben k�nnen.�</p><p>�Na ja, das liegt daran, da� Freds und ich ��</p><p>Ich bemerkte, wie Freds Wangen kr�ftig err�teten. Ich musterte ihn, und er lie� den Kopf h�ngen und versuchte, im Boden zu versinken. �Freds brauchte meine Hilfe. Ein paar seiner Freunde haben ein Dschungelcamp aufgemacht, und wir sollten das Gesch�ft ankurbeln. Nicht wahr, Freds?�</p><p>Freds nickte, das Kinn noch immer auf der Brust. ��h, ja, richtig�, murmelte er.</p><p>Nun ist Freds ein schlechter L�gner. Das soll nicht hei�en, da� er nicht hervorragend darin ist, der Wahrheit auszuweichen, sie zu �bergehen oder zu seinen Zwecken zu verdrehen; als jemand, der mehr als nur einmal von ihm manipuliert wurde, verr�ckte Sachen zu tun, habe ich einen gesunden Respekt vor seiner Gerissenheit und Unzuverl�ssigkeit. Doch er kann einem nicht glattwegs ins Gesicht l�gen. Er err�tet, sein Gesicht zuckt, er schielt wie Popeye zu einem hin�ber, um zu sehen, ob man ihn beobachtet, und f�ngt zu stottern an. Er erz�hlt so dumme L�gen, da� ein F�nfj�hriger sie ihm nicht glauben w�rde.</p><p>Also musterte ich ihn eindringlich. �Falls Nathan und Sarah dich gefragt haben, wo ich bin, haben sie wahrscheinlich auch erw�hnt, da� sie mich um einen Gefallen bitten wollten, nicht wahr?�</p><p>�Ich erinnere mich nicht�, murmelte Freds.</p><p>�Aber Nathan wird sich wahrscheinlich erinnern�, sagte ich und rutschte ein St�ck auf dem Bett vor, um ihn besser im Auge behalten zu k�nnen. �Nicht wahr, Nathan? Hast du Freds nicht gesagt, was du von mir willst?�</p><p>�Ja, sicher�, sagte Nathan und legte neugierig den Kopf schief. �Ich glaube schon.�</p><p>�Und kaum hast du es ihm gesagt, kam Freds angelaufen und schleppte mich in den Dschungel davon. Das l��t doch den Verdacht zu, da� er nicht wollte, da� ich euch helfe��� und ich beugte mich vor und schrie in Freds� Ohr�� <emphasis>�nicht wahr?�</emphasis></p><p>�Ich hab�s vergessen�, sagte Freds. Er hob den Kopf, um uns anzusehen, und es war, als st�nde direkt hinter ihm ein gro�er L�gendetektor, und eine ganze Palette roter Warnleuchten und eine Sirene gingen los. Seine Augen sahen aus, als w�rden sie gleich in den H�hlen rotieren. �Ich hab�s einfach vergessen, das ist alles, und als mich meine Kumpel unten im Chitwan Camp baten, ein paar Freunde mitzubringen, dachte ich nat�rlich gleich an George.� Ein rot angelaufenes S�dstaatengesicht, das lange, blonde Hippiehaar zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden: es h�tte auf der ganzen Welt keinen schlechteren L�gner geben k�nnen. Er blinzelte hundert Mal die Minute, er sah verzweifelt von einem Gesicht zum anderen, um festzustellen, ob wir ihm vielleicht doch glaubten, und sein Mund ging auf. �Au�erdem�, schrie er mich an, �wirst du ja gleich h�ren, was sie von dir wollen, und dann siehst du, da� ich gar nicht n�tig hatte, dich irgendwo hinzuschleppen.�</p><p>�Nathan�, sagte ich ganz ruhig, �was soll ich f�r euch tun?�</p><p>�Na ja�, sagte Nathan und betrachtete unseren l�gnerischen Freund mit betroffener Beunruhigung, �ich arbeite jetzt f�r die South Asian Development Agency, und wir versuchen, die Lebensumst�nde der Leute hier zu verbessern.�</p><p>Ich nickte. Das klang ganz nach Nathan, und ich billigte seine Arbeit vollkommen. �Sch�n f�r dich�, sagte ich. �Und du?� fragte ich Sarah.</p><p>�Ich betreibe hier noch einige Tierstudien�, sagte sie. �Es hat sich so ergeben, da� wir beide hier arbeiten k�nnen.�</p><p>�Das ist toll�, sagte Nathan. �Zur Zeit arbeite ich an einem Hilfsprojekt. Wir planen eine Kanalisation f�r den nordwestlichen Teil Katmandus. Da gibt es keine Kanalisation, aber sie brauchen dringend eine�� du wei�t ja, wie sich der Abfall auf den Stra�en stapelt, und so weiter.�</p><p>�Ich wei߫, sagte ich. �Das ist eine gute Idee.�</p><p>�Auf jeden Fall haben wir die Pl�ne fertig, und alles lief prima, bis wir unsere Vorschl�ge dem Palastsekretariat vorlegten. Da blieben sie h�ngen, und wir wissen nicht, warum. Und mir fiel ein, wie gut du das mit der Royal Nepal Airline hinbekommen hast, und wie gut du dich in der B�rokratie von Katmandu auskennst, und ich habe gehofft, wir k�nnten dich als Berater einstellen. Du sollst daf�r sorgen, da� der Vorschlag gebilligt und in die Tat umgesetzt wird.�</p><p>Ich verzog keine Miene. �Ich helfe dir gern, Nathan�, sagte ich.</p><p><emphasis>�Was?�</emphasis> schrie Freds und sprang auf. �Was meinst du damit, �Ich helfe dir gern�? Ich bitte dich, mir bei der B�rokratie von Katmandu zu helfen, und du sagst mir, ich soll mich zum Teufel scheren, und dann bittet Nathan dich, ihm bei der B�rokratie von Katmandu zu helfen, und du sagst, �Ich helfe dir gern�?�</p><p>�Genau.�</p><p>�Das ist nicht fair!�</p><p>�Mir egal. Ich m�chte etwas f�r diese Stadt tun, und eine Kanalisation ist das erste, was sie braucht. Sie ver�ndert nicht den Charakter der Stadt, abgesehen davon, da� sie dazu beitr�gt, da� die kleinen Kinder gesund bleiben. Wie mein Freund, der Bettler, und sein kleines M�dchen. Warum versuchst du, so etwas zu verhindern, Freds?�</p><p>Freds starrte uns der Reihe nach wild an. �George wird euch sowieso keine Hilfe sein�, sagte er zu Nathan. �Er hat schreckliche Erfahrungen mit der B�rokratie gemacht, er hat einen Monat lang versucht, uns zu helfen und dabei nur zweitausend Rupien ausgegeben und eine Menge Leute gegen sich aufgebracht. Er ist zu nichts zu gebrauchen.�</p><p>�Frag mal A.S.J.B. Rana, ob ich zu nichts zu gebrauchen bin�, sagte ich scharf. �Ich habe den Burschen festgenagelt! Und wieso schleppst du mich in den Dschungel, wo sie mich nicht finden, wenn du sowieso nicht glaubst, da� ich ihnen helfen kann?�</p><p>�Hab� ich nicht.�</p><p>�Hast du doch.�</p><p>Sarah stand auf, ging zu Freds und legte ihre Hand auf seinen Arm. �Freds�, sagte sie, �wir sind deine Freunde. Du mu�t dir keine Sorgen machen. Du kannst uns sagen, was dich bek�mmert.�</p><p>Sie dr�ckte seinen Arm. Er atmete tief ein. �Na ja�, sagte er und fuhr sich mit den H�nden �ber das Gesicht. �Ich sch�tze, ich mu� es euch sagen. George habe ich es schon erz�hlt ��</p><p>�Ach ja?�</p><p>�Ja. Das Tunnelsystem, wei�t du noch?� Er wandte sich an Nathan. �Nathan, du bist mein �ltester Freund, und so werde ich es dir anvertrauen, aber das bringt dich in eine Zwickm�hle, denn du mu�t schw�ren, nichts zu verraten, und bei dem Projekt, an dem du arbeitest, k�nnte das ein Problem geben.�</p><p>Nathan runzelte die Stirn.</p><p>Freds atmete tief ein und stie� die Luft wieder aus. �Verdammt, ich zeige euch es lieber. Wenn ihr es nicht selbst seht, werdet ihr mir sowieso nicht glauben.�</p></section><section><title><p>7</p></title><p>Freds f�hrte uns zu dem Stadtteil zwischen Thamel und dem Durbar Square, einem ziemlich wohlhabenden Gesch�ftsbezirk, der aus schmalen Stra�en bestand, die von zwei- und dreist�ckigen Geb�uden ums�umt wurden,</p><p>Ziegel- und Holzh�user, die etwas heruntergekommen wirkten und irgendwie aus dem neunzehnten Jahrhundert zu stammen schienen, aber ganz solide waren. Die Durchgangsstra�e hat keinen offiziellen Namen und wird von den Abendl�ndern wegen des Gewimmels und der Farben und der Hasch-Dealer Freak Street genannt. Sie wird von zahlreichen Gesch�ften mit offenen Fronten ums�umt, in denen gesch�ftige H�ndler Nahrungsmittel und B�cher und Teppiche und Wanderausr�stung feilbieten.</p><p>Freds bog von der Freak Street in eine schmale Gasse ein, die zum Teppichgesch�ft unseres Freundes Yongten f�hrte. Yongten wechselte in seinem Laden auch Geld, und zwischen den Kunden, die sich fragten, welchen Teppich sie kaufen sollten, und denen, die Schlange standen, um Reiseschecks in Rupien umzutauschen, mu�ten wir eine Weile warten. Doch schlie�lich nickte Yongten uns zu, sprach kurz mit Freds, f�hrte uns in sein Hinterzimmer und dann durch eine auf Scharnieren ruhende T�r, die Bestandteil der hinteren Mauer des Raums und aus ihr hinausgemei�elt war.</p><p>Wir fanden uns in einem schmalen Raum wieder, der wie eine L�cke zwischen Geb�uden aussah, nur, da� er �berdacht war. Er wurde vielleicht als Lager benutzt, denn an einer Wand standen alte, dunkle Kisten. Yongten z�ndete eine Coleman-Lampe an, reichte sie Freds und schlo� dann die T�r zum Laden. Im Licht der Lampe schoben er und Freds einen Stapel Kisten zur Seite und enth�llten eine weitere grobe Holzwand mit einer T�r darin, die allerdings nur h�fthoch war. Gro�e schwarze Eisenscharniere und ein dazu passendes Schlo� sicherten diese T�r, und Yongten holte einen Schl�ssel von der Gr��e meiner Hand aus seiner Jacke und �ffnete das Schlo�. Er und Freds zogen die T�r gemeinsam auf.</p><p>Aus einem dunklen, eckigen Loch schlug uns k�hle, feuchte Luft entgegen. �Folgt mir�, sagte Freds und kroch in das Loch hinein. Wir drei folgten ihm, und Yongten schlo� uns ein.</p><p>�Pa�t auf, die Decke bleibt eine Weile so niedrig.�</p><p>Wir schlichen Freds geduckt hinterher und streckten die H�nde aus, um uns vor hinabh�ngenden Teilen der Holzdecke �ber uns zu sch�tzen. Die uns umgebenden W�nde bestanden aus Ziegelsteinen, der Boden aus festgetretener Erde. Dann traten wir auf steinerne Fliesen und gingen eine Treppe hinab, bis wir aufrecht stehen konnten.</p><p>Die Lampe enth�llte eine anscheinend niedrigen, runden Gang; ihr Licht reichte jedoch nicht weit, so da� wir nicht genau sagen konnten, in was f�r einer Art H�hle wir uns befanden. �Das ist das alte Tunnelsystem�, sagte Freds leise, als wir uns um seine Lampe dr�ngten. �Der Gang, den wir hinabgekommen sind, wurde erst vor kurzem gegraben, weil sich der einzige Eingang in Katmandu, der nicht l�ngst zugemauert wurde, auf dem Palastgel�nde befindet und vor ein paar Jahren von den Grundmauern eines neuen Geb�udes versperrt wurde. Deshalb wollte der Manjushri Rimpoche, da� Dawa und ich den Dschungeleingang suchen. Niemand ist allzu gl�cklich �ber den Eingang in Yongtens Laden. Er hat ihn nur gemietet, versteht ihr, und k�nnte jederzeit die K�ndigung bekommen.�</p><p>�Wer ist der Manjushri Rimpoche?� wollte Nathan wissen. �Und was hat das alles mit unserem Kanalisationsprojekt zu tun?�</p><p>�Das ist eine lange Geschichte�, sagte Freds. �George, willst du sie ihm erz�hlen?�</p><p>�Verdammich, nein.�</p><p>Also f�hrte Freds uns tiefer in das Tunnelsystem, und dabei erz�hlte er Nathan und Sarah alles �ber unsere k�rzlichen Abenteuer in Shambhala. Nathan und Sarah h�rten sprachlos zu; ich konnte ihre Gesichter nicht deutlich genug ausmachen, um mitzubekommen, was sie von der Geschichte hielten, glaubte jedoch, heftige Schwingungen des Erstaunens und Unglaubens wahrzunehmen, die von den gelegentlichen Blicken, die sie sich aus weit aufgerissenen Augen zuwarfen, best�tigt wurden.</p><p>Wir stiegen weiter hinab, in einen gro�en, eckigen Tunnel mit steinernen W�nden �berall um uns herum. Dann gelangten wir wieder in eine H�hle und konnten keine W�nde mehr ausmachen. Freds f�hrte uns zu einer Treppe, die in einer langen Biegung an der Seite einer gewaltigen H�hle hinabf�hrte. Man konnte sich kaum vorstellen, da� sie durch Menschenhand entstanden war. Vielleicht hatte man lediglich die W�nde einer nat�rlichen H�hle gegl�ttet.</p><p>Die Stufen waren an der offenen Seite mit einem dicken Holzgel�nder versehen, wof�r ich dankbar war. Das Holz des Gel�nders war vom Schwei� und Fett zahlreicher H�nde gegl�ttet. Die Pfosten des Gel�nders waren geschnitzt und angestrichen. In der H�hlenwand befanden sich zahlreiche Nischen, in denen Statuen des Buddha oder von B�npa-D�monen standen; sie erinnerte mich an den Tunnel oben in den Bergen, der sich von Shambhala bis zum Nangpa La erstreckte. Er geh�rte zum selben System, wenn man Freds Glauben schenken konnte.</p><p>Als wir den H�hlenboden erreichten, mu�ten wir mehrere hundert Stufen hinabgestiegen sein. Hier fiel das Licht der Coleman-Lampe auf eine lange Galerie; wir folgten diesem Gang und bemerkten kleine, in den Fels geschlagene Kammern; bei einigen waren die Mauern mit Bronze, bei anderen mit Silber �berzogen, und bei einer anscheinend sogar mit reinem Gold.</p><p>Freds f�hrte uns in diese letzte. W�nde, Boden und Decke waren gebogen, so da� wir den Eindruck hatten, uns in einem riesigen Ei zu befinden. Das Licht der Lampe schimmerte auf dem weichen gelben Metall, das uns umgab. Es war mit tibetanischen Buchstaben �berzogen, die immer und immer wieder den Satz <emphasis>Om Mani Padme Hum</emphasis> bildeten, so da� die Oberfl�che der Kammer �ber und �ber damit bedeckt waren. Die winzigen eingeschlagenen Buchstaben schienen schwarz oder bronzefarben oder dunkelgelb oder sogar wei� zu sein, je nachdem, wie das Licht auf sie fiel. <emphasis>Om Mani Padme Hum,</emphasis> das Juwel im Herzen des Lotus�� und dort schienen wir uns tats�chlich zu befinden, im Juwel selbst.</p><p>�Eine Einsiedlerklause�, sagte Freds n�chtern. �Padma Sambhava, der Guru, der den Buddhismus nach Tibet brachte, kam einmal hier hinab. Es hei�t, die W�nde verwandelten sich in Gold, als er wieder ging. Die Schriftzeichen befanden sich schon darauf.�</p><p>Nathan und Sarah sahen sich um, und ihre M�nder klafften auf wie die von Fischen in der Luft. Zweifellos war es bei mir nicht viel anders.</p><p>Das Zentrum des Tunnelsystems, fuhr Freds fort, befand sich in Shambhala, und von dort aus f�hrte es in alle Richtungen. �Es liegt nicht nur unter dem Himalaja�, sagte er, �und es f�hrt nicht nur hierher nach Katmandu. Es ist Tausende von Jahren alt und sehr wichtig f�r Shambhala�� ihr wi�t schon, wenn es darum geht, den Lauf der Dinge zu beeinflussen und die Welt vor der Selbstzerst�rung zu bewahren.�</p><p>Ich sah, wie Nathan und Sarah versuchten, diese Neuigkeiten zu verdauen, was ihnen nur teilweise gelang. Selbst mir, der ich den Vorteil hatte, Shambhala besucht und zahlreiche Kilometer in dem Tunnelsystem zur�ckgelegt zu haben, fiel es nicht ganz leicht, und f�r sie war es noch viel schwerer. Ich trat an eine Wand und fuhr mit den Fingerspitzen �ber die Buchstaben. Das Metall war kalt, die geschwungenen Buchstaben in Basrelief gehalten, die R�nder der Buchstaben mit winzigen Vertiefungen. Als ich die Wand ber�hrte, glaubte ich, eine leichte Schwingung zu sp�ren. Die Flamme in der Lampe flackerte, die W�nde zitterten ganz leicht, und es lag ein kaum wahrnehmbares Summen in der Luft; man konnte gerade eben die vor Menschen wimmelnde Stadt Katmandu mit ihrem pulsierenden Leben �ber unseren K�pfen erahnen.</p></section><section><title><p>8</p></title><p>�H�r zu, Freds�, sagte Nathan, nachdem wir unbehelligt in mein Zimmer im Star zur�ckgekehrt waren�� und nachdem er Gelegenheit gehabt hatte, sich etwas von diesem Erlebnis zu erholen. �Diese Tunnel sind sehr interessant, und ich bin sicher, da� die Arch�ologen von ihnen fasziniert sein werden. Aber man darf nicht zulassen, da� sich wegen ihnen die Lebensumst�nde der Menschen, die heute hier wohnen, nicht verbessern. Da mu� man strenge Priorit�ten setzen. Ich meine, klar, diese vergoldete H�hle ist beeindruckend, aber es spielt wirklich keine Rolle, wo sich dieser Padma-wie-auch-immer vor Tausenden von Jahren versteckt hat. Wichtig ist nur, da� die Menschen, die heute in der Stadt wohnen, ein besseres Leben f�hren k�nnen! Eine vern�nftige Kanalisation ist ein winziger Schritt in diese Richtung, ich meine, ohne Abwasserkan�le leben sie in ihrem eigenen Dreck, und unter diesen Umst�nden ist es unm�glich, Krankheiten zu vermeiden. Die Kanalisation mu� gebaut werden!� Er wandte sich an mich. �George, du mu�t uns helfen, diese letzte H�rde im Sekretariat zu nehmen.�</p><p>�He, nein!� sagte Freds, griff �ber das Bett und sch�ttelte mich am Arm. �Du mu�t mir helfen, das Projekt endg�ltig zu Fall zu bringen! Diese Tunnel sind nicht nur uralte Geschichte�, beharrte er. �Sie werden noch immer benutzt und f�hren direkt nach Shambhala, und wenn die Leute jetzt zu graben anfangen und �ber sie stolpern, werden sie in sie eindringen und ihnen bis nach Shambhala folgen und auch Shambhala entdecken, und alles, was wir in diesem Sommer getan haben, um das Tal zu retten, war vergebens! Nathan versteht einfach nicht, was das <emphasis>bedeutet.�</emphasis></p><p>�Ich verstehe es sehr wohl�, sagte Nathan. �Aber es kommt darauf an, den Menschen in der Stadt zu helfen. Ihr wi�t doch, wie es ohne Kanalisation unter den Stra�en aussieht�� die Stra�en selbst sind die Abwasserkan�le.�</p><p>�Das stimmt�, sagte ich.</p><p>Und Nathan nickte, und Freds sch�ttelte den Kopf und sagte: �Komm schon, George, vergi� das Tal nicht!�, und Sarah sah mich mit gro�en Augen hinter ihren Brillengl�sern an. Freds und Nathan stritten miteinander, bis sie ziemlich in Rage gerieten. Sarah versuchte, sie zu beruhigen; sie funkelten einander an und hatten die Stimmen gehoben.</p><p>Sie brachte die beiden dazu, mit dem Streit aufzuh�ren, und dann starrten beide mich an, eindringlich, als schl�ge ich mich lieber auf ihre Seite. Als sei alles eigentlich in erster Linie meine Schuld.</p><p>�He�, sagte ich und hob die H�nde. �Seht mich nicht so an.�</p><p>�Du hast dem Tal viel gegeben�, sagte Freds hitzig zu mir.</p><p>�Du wei�t ganz genau, da� sie eine Kanalisation brauchen oder immer unter Krankheiten leiden werden�, sagte Nathan mit ernstem Blick.</p><p>�Das stimmt.�</p><p>Und ich argumentierte mit ihnen, bis sie beide w�tend auf mich waren. Sie konnten meine Wischiwaschi-Einstellung nicht ertragen. Aber ich wollte mich nicht entscheiden. Oder konnte es nicht. Sie waren beide meine Freunde, und beide Ansichten hatten etwas f�r sich. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, was ich tun sollte. Nur die, sie f�r eine Weile zu bremsen, w�hrend ich versuchte, mir etwas einfallen zu lassen. Und so tat ich das, und sie waren beide �u�erst sauer auf mich.</p></section><section><title><p>9</p></title><p>Endlich brachen sie auf, und ich ging zu Bett und war schon tief in Morpheus� Reich eingedrungen, als Freds mich gegen die Wand rollte und sich neben mir auf das Bett setzte. Er steckte mir eine angez�ndete Haschpfeife in den Mund und atmete schwer. �Mach dich fertig, Bruder, wir m�ssen noch eine Reise zum Mittelpunkt der Erde antreten.�</p><p>�Was?� Ich stie� ihn zur�ck, und kleine glimmende Haschklumpen fielen aus seiner Pfeife und ergossen sich �ber mich und das Bett, gl�ten wie winzige Briketts und qualmten heftig. Als wir aufgesprungen waran und sie alle ausgeschlagen hatten, war mein einziges Bettuch ruiniert, doch ich war hellwach und einigerma�en stoned, so da� Freds wohl zufrieden war.</p><p>�Freds, verdammt! Wie sp�t ist es?�</p><p>�Zeit f�r den Aufbruch, Bruder. Ich mu� dir einige Teile der heiligen Tunnels zeigen, die Nathan und Sarah nicht sehen durften.�</p><p>�Jetzt?�</p><p>�Ja, komm schon. Ein echtes Abenteuer, dir wird es gefallen.�</p><p>�Ich hasse deine Abenteuer, Freds.�</p><p>�Dieses nicht. Komm, du wirst schon sehen.�</p><p>Also zog ich Hemd und Hosen an und band benommen meine Schn�rsenkel zu, und wir waren unterwegs, gingen durch die leeren Stra�en Thamels und in die kleine Gasse und zu Yongtens Laden. Er war verrammelt und verriegelt, doch als Freds an die T�r klopfte, �ffnete Yongten uns; wie die meisten Einwohner Katmandus schlief er an seiner Arbeitsst�tte, auf einer harten Pritsche rechts neben Rollen dicker Teppiche. Er schien nicht �berrascht zu sein, uns zu sehen, und redete auf Tibetanisch lange auf Freds ein, bevor er uns in das Hinterzimmer winkte. Dort bekamen wir zwei Taschenlampen statt der Coleman-Lampe und folgten dem schmalen Weg zu der niedrigen T�r und den Tunnels darunter.</p><p>Im Licht der Taschenlampen war es da unten unheimlich. Wann immer wir sie von den groben Steinen unter unseren F��en nahmen, schwankten die Lichtstrahlen in der Dunkelheit hierhin und dorthin und erhellten Dinge, die ich im ruhigeren Schein der Coleman-Lampe nicht gesehen hatte: einen massiven Holzbalken �ber einer Kreuzung, geschnitzt und mit einem komplizierten roten, gr�nen und gelben Muster angestrichen; ein schnaubendes blaues D�monengesicht mit Glotzaugen am Ende einer Sackgasse; einen dicken, spiralenf�rmigen Silberpfosten; und �berall unerwartete Tiefen, in denen der Lichtstrahl der Taschenlampe gar nichts ber�hrte, bevor er in der Dunkelheit verschwand. Gro�e H�hlen, endlose Tunnels�� ich blieb dicht hinter Freds und hoffte, da� die Batterien meiner Taschenlampe l�nger reichen w�rden als die �bliche halbe Stunde, die diesen indischen Exemplaren zueigen waren, denn wenn ich Freds irgendwie verlieren sollte, w�rde ich nie mehr den R�ckweg finden.</p><p>Als wir die Treppe zu der H�hle hinabgingen, blieb Freds pl�tzlich stehen. �George, du trittst mir in die Waden.�</p><p>�Oh. Tut mir leid.�</p><p>�Hier. Wir m�ssen den n�rdlichen Gang nehmen.�</p><p>Wir marschierten weiter, anscheinend stundenlang, obwohl es in Wirklichkeit wohl nur zwanzig Minuten gewesen waren. Wir gingen an R�umen und Nischen zu beiden Seiten vorbei, und wenn ich mit der Taschenlampe hineinleuchtete, enth�llten sie die harten Farben von Mandalas oder den Glanz polierten Metalls. Unsere Schritte und unser Atem waren die einzigen Ger�usche, die wir h�rten; doch irgendwann blieben wir stehen, und weit vor uns erklang ein schwaches Klirren und dann das Scharren fl�sternder Stimmen.</p><p>�He�, sagte Freds. �Du brichst mir noch den Arm, wenn du ihn so fest dr�ckst.�</p><p>�H�r doch!� zischte ich.</p><p>�Ich h�r�s ja. Deshalb sind wir ja hergekommen, sch�tze ich.� Er pfiff wie das Kommunikationssystem im Raumschiff Enterprise, richtete dann die Taschenlampe in den Tunnel, schaltete sie dreimal ein und aus und lie� sie dann aus. �Richte deine Taschenlampe zu Boden�, sagte er zu mir.</p><p>Schritte n�herten sich. Wir h�rten sie schon in weiter Ferne, und sie schienen eine Ewigkeit zu brauchen, um zu uns zu gelangen, und wurden dabei immer lauter und fester. Ich war drauf und dran, meine Taschenlampe zu heben und zu blenden, wer immer dort kam, doch Freds hielt mich fest, bis sich die Schritte direkt vor uns im Tunnel befanden und wir eine dunkle Gestalt ausmachen konnten, die ebenfalls eine Taschenlampe zu Boden gerichtet hatte.</p><p>Freds schaltete seine wieder an und richtete sie auf die Wand. In ihrem reflektierten Licht konnte die Gestalt uns sehen, und wir konnten sie sehen �</p><p>Es war Bahadim Shrestha, unser Freund von der <emphasis>Nepal Gazette.</emphasis> �Mr. Freds�, sagte er. �Mr. George! Sch�n, Sie wiederzusehen.�</p><p>�Bahadim!� sagte ich erstaunt. �Was, zum Teufel ��</p><p>�In der Tat�, sagte er mit einem leisen L�cheln.</p><p>Freds erkl�rte schnell, weshalb wir hier waren, und Bahadim runzelte die Stirn, als er von der geplanten Kanalisation h�rte. �Das w�re �u�erst unangenehm, ja, allerdings.�</p><p>�He, zeigen Sie George, was Sie am Laufen haben, ja? Ich will, da� er es selbst sieht.�</p><p>Bahadim musterte mich genau und dachte dar�ber nach. Dann nickte er. �Sie m�ssen versprechen, niemandem davon zu erz�hlen. Und von nun an m�ssen wir sehr, sehr leise sein. Wir haben gerade unabsichtlich ein Ger�usch gemacht, und es w�re nicht klug, so kurz darauf noch eins zu machen. Die da oben k�nnten uns h�ren.�</p><p>Also schlichen wir auf Zehenspitzen hinter Bahadim durch den Tunnel und stie�en auf ein paar M�nner, die beim Licht einer einziger Kerze arbeiteten. Wir schalteten unsere Taschenlampen aus, und nach einer Weile stellte ich �berrascht fest, da� diese eine Flamme in der Tat eine ganze Menge erhellte. Wir waren in einem breiten, kreisrunden Raum, dessen niedrige, aus Erde bestehende Decke von einer Reihe h�lzerner Kreuzbalken gehalten wurde. Lehmbrocken h�uften sich pyramidenf�rmig unter einigen neuen L�chern in der Decke auf, und lange, d�nne Leitern hoben sich in diese dunklen L�cher. Bahadim f�hrte mich zu einer der Leitern, die anscheinend an Ort und Stelle angefertigt worden zu sein schien; die Sprossen waren mit Stricken an zwei lange Pfosten gebunden. Er zog ein einem St�ck Seil, das zwischen den Pfosten hinabhing, und kurz darauf kam ein weiterer kleiner Hindu mit leisen, verstohlenen Bewegungen die Leiter hinab. Bahadim zeigte die Leiter hinauf und fl�sterte in mein Ohr: �Gehen Sie nach oben und sehen Sie in die Spiegelr�hre.�</p><p>Also erprobte ich die unterste Sprosse, stellte fest, da� sie mich trug, und kletterte das Loch in die Dunkelheit hinauf, bis ich mit dem Kopf gegen Erde stie�. Der obere Teil des Tunnels wurde von etwas erhellt, das ich anfangs f�r eine kleine Taschenlampe hielt, sich dann aber als die Spiegelr�hre erwies, die Bahadim erw�hnt hatte. Ich dr�ckte mein Auge gegen das Ende dieses Dings und sah in einem winzigen Spiegel einen kleinen Teil eines hell beleuchteten Raums: anscheinend einen Schreibtisch mit einem leeren Sessel dahinter und eine Mauer. Eine verschwommene braune Gestalt bewegte sich vor mir, und dann sah ich wieder den Schreibtisch. Nach einer Weile konnte ich mir zusammenreimen, worum es sich handelte, und stieg die Leiter wieder hinab.</p><p>�Haben Sie es gesehen?� fl�sterte Bahadim in mein Ohr.</p><p>Ich nickte. �Was war das?� fl�sterte ich in sein Ohr.</p><p>�Das war das B�ro des K�nigs.�</p><p>Ich ri� den Kopf zur�ck und starrte ihn an.</p><p>Er nickte. �Wirklich�, fl�sterte er.</p><p>Ich deutete mit der Hand auf die anderen L�cher in der Decke, von denen jedes mit einer Leiter versehen war.</p><p>Er nickte erneut, und der rote Punkt auf seiner Stirn leuchtete. �Die B�ros des Palastsekretariats�, fl�sterte er. �Die Konferenzr�ume der Minister. Die Privatgem�cher des K�nigs. Wir haben alle wichtigen Zimmer im Palast ausfindig gemacht.�</p><p>Ich schaute mich erneut um und sah, da� ein paar M�nner, die in einem Kreis auf dem Boden sa�en, damit besch�ftigt waren, ein weiteres Mini-Periskop zu bauen, das aus zusammengeklebten Pappr�hren und den winzigen runden Spiegeln bestand, die die Einheimischen auf ihre Kleider n�hen. Weitere Pappr�hren, die wie antike H�rtrichter geschnitten und geklebt waren, dienten ihnen als Mikrofone.</p><p>Bahadim sah, da� ich ihm einige Fragen stellen wollte, und f�hrte mich den Tunnel zur�ck, den wir gekommen waren, und dann in einen Seitentunnel und in eine kleine Kammer. Dort standen auf dem Boden eine Laterne mit einer Kerze darin, Teetassen, ein Teetopf und ein winziger Primuskocher. Er setzte sich mit gekreuzten Beinen vor den Kocher und schickte sich an, uns Tee zu kochen, als bef�nden wir uns in seinem B�ro bei der <emphasis>Gazette.</emphasis></p><p>�Ja�, sagte er, als er uns dampfenden Tee in die Tassen gegossen hatte, �wir befinden uns unter dem Palastgel�nde. Die Tunnels selbst waren schon immer hier, doch in letzter Zeit haben wir die Beobachtungsposten bemannt, um besser mitzubekommen, was im Sekretariat vor sich geht.�</p><p>�Sie spionieren sie aus?�</p><p>�Ja. Verstehen Sie, wie ich Ihnen schon einmal gesagt habe, kann man von au�en unm�glich sagen, wie im Palast Entscheidungen gef�llt werden. Doch ohne dieses Wissen k�nnen wir uns diesen Entscheidungen nicht erfolgreich widersetzen.�</p><p>�Wer seid ihr also?� fragte ich.</p><p>�Wir sind ein Fl�gel der Nepalesischen Kongre�partei, der gr��ten Oppositionspartei. Verstehen Sie, Nepal hat offiziell kein Parteiensystem. Es gibt den Panchayat Raj. Doch es gibt trotzdem Oppositionsparteien, und die gr��te davon ist unsere Kongre�partei. Wir m�chten Nepal gern in eine parlamentarische Demokratie verwandeln, mit einer echten Regierung, die neben den Menschen �ber uns steht. Leider gibt es auch in der Kongre�partei selbst mehrere starke Fraktionen. Ein Fl�gel wird von G. P. Koirala gef�hrt, ein anderer von Ganesh Man Singh, ein dritter von K.P. Bhattarai. Alle liegen irgendwie miteinander im Streit, und das und die Tatsache, da� wir offiziell illegal sind, kommt uns bei den Wahlen nicht gerade zugute. Und so �� Er seufzte hauchend. �Hat die Panchayat-Partei die Wahl gewonnen. Und im Palast herrschen die Ranas, und nichts �ndert sich je in Nepal.�</p><p>Ich nickte. Ich hatte das aus n�chster N�he und pers�nlich beobachtet, bei meinem elenden und v�llig vergeblichen Versuch, mit diplomatischen Mitteln den Bau der Stra�e nach Chhule zu verhindern.</p><p>Bahadims Gesicht hellte sich auf. �Aber jetzt haben wir Hoffnung! Als einer von uns die Tunnels hier entdeckte, entschlo� sich unser Fl�gel der Partei zu einem direkten Eingreifen, um auf den Tag hinzuarbeiten, da wir in der legalen Regierung eine lautere Stimme haben werden. Wir haben dieses System geschaffen, um die Palastranas bei der Arbeit zu beobachten, und nachdem wir ihre Pl�ne kennen, tun wir alles, um sie zu unterst�tzen oder zu verhindern, je nachdem.�</p><p>�Eine tolle Idee�, sagte ich.</p><p>Bahadim nickte. �Wir haben auch eine Art unterirdische Regierung eingerichtet. Ja, so k�nnte man sie nennen.� Er zog mit dem Finger Diagramme auf das bunte Tuch, das unter uns ausgebreitet war. �Die meiste ausl�ndische Unterst�tzung bekommt Nepal von gro�en internationalen Hilfsorganisationen oder anderen L�ndern, und die meisten Mittel flie�en dorthin, wohin die Ranas sie dirigieren. Oft in Unternehmen, die ihnen selbst geh�ren. Gro�es Geld, gro�e Projekte, gro�e Verz�gerungen�� wenig Ergebnisse. So war es schon immer in Nepal. Das Volk sieht nie etwas von der Hilfe. Also haben wir selbst Hilfsprojekte eingerichtet, die von ein paar reichen Nepalis finanziert werden, die uns unterst�tzen. Die Betr�ge sind gering, und sie flie�en nur kleinen Projekten zu�� der Bew�sserung eines einzelnen Feldes, der Einrichtung eines Korboder Teppichladens und so weiter. Der Geheimhaltung wegen befindet sich unser Hauptquartier hier unten in den Tunnels. Und wir hoffen, mit der Zeit die wirkliche Regierung Nepals zu werden�� denn wir sind diejenigen, die den Menschen unseres Landes wirklich helfen, verstehen Sie?�</p><p>�Worauf Sie wetten k�nnen!� sagte ich.</p><p>Grinsend legte Freds einen Finger auf die Lippen. �Sprecht nicht so laut, Leute, sonst verratet ihr noch alles.�</p><p>Bahadim l�chelte. �Tut mir leid�� ich rege mich immer so auf. Sie verstehen?�</p><p>Ich nickte. �H�ren Sie�, fl�sterte ich, �da ist ein Bettler in Thamel, ein Bettler mit einem kleinen M�dchen, und die beiden k�nnen nirgendwo unterkommen und haben auch keine Arbeit. K�nnten Sie denen nicht helfen?�</p><p>�Wir k�nnen es versuchen�, fl�sterte Bahadim zur�ck. �Sagen Sie mir ihre Namen�� ah, Sie kennen sie nicht. Nun gut�� ich werde Sie besuchen, und Sie k�nnen mich vielleicht zu ihnen bringen.� Ich nickte. �Wir werden sehen, was wir tun k�nnen.�</p><p>Beeindruckt sah ich Freds an. Er grinste und sagte: �Verstehst du, was ich meine?�</p></section><section><title><p>10</p></title><p>Ich verstand, was er meinte. Und als wir durch die dunklen Tunnels zum Eingang hinter Yongtens Laden zur�ckkehrten, machte das gewaltige Tunnelsystem auf einmal einen ganz anderen Eindruck auf mich. Sicher, es handelte sich dabei noch immer um die Ruinen eines uralten und lange vergessenen K�nigreichs; aber es war anscheinend auch das rudiment�re Netzwerk einer neuen Regierung von Nepal�� einer unterirdischen Regierung, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, gegen die korrupte Herrschaft von K�nig Birendra und der Ranas im Palast zu arbeiten. Es freute mich �beraus, da� es so etwas gab.</p><p>Und als Nathan mich fr�h am n�chsten Nachmittag weckte, indem er gegen meine T�r klopfte, war ich einigerma�en verlegen und versuchte mein Bestes, ihn abzuwimmeln. Doch Nathan geh�rt nicht zu jenen Menschen, die man leicht abwimmeln kann, und er wollte mir zeigen, was sein Kanalisationsprojekt zu bewirken hoffte.</p><p>Also wanderten wir durch die nordwestlichen Teile Katmandus, nicht nur durch Thamel, sondern auch durch die nicht so gut besuchten Viertel au�erhalb, an den Ufern des Vishnumati. Hier gab es kaum Ausl�nder; hier waren die Einheimischen zu Hause. Viele dieser Leute arbeiteten in der Tourismusbranche in Thamel, doch es wurde ersichtlich, da� sie nicht allzu viel verdienten; das Viertel war �berf�llt, die Geb�ude alt und klein, die Ziegel handgefertigt und unregelm��ig, so da� sich die H�user wie verr�ckt neigten. Die Stra�en zwischen ihnen waren Schlammkan�le, und alles in allem sah das Viertel so aus, wie ich mir das elizabethanische London vorstellte, abgesehen von den heiligen K�hen und den kleinen Toyotas, die unentwegt hupend vorbeizischten. Das war die Heimat der Armen Katmandus, eine schmutzige, �berf�llte, verwahrloste Gegend, ganz anders als die schmucke und malerische Innenstadt. In diesem Viertel war jeder Abendl�nder reich wie ein K�nig. Fr�her hatte ich dieses Gef�hl auch einmal genossen.</p><p>Hier und da hatten sich in Ecken oder auf breiten Stellen der Stra�en seit Jahren Abfallhaufen angesammelt, die dann vom Regen und vorbeikommenden K�hen, Ziegen, Hunden, Ratten, Kindern und Bettlern wieder abgetragen wurden. W�hrend wir beobachteten, wie die Menschen um diese M�llkippen schwirrten, erz�hlte mir Nathan mehr �ber das Projekt. Anscheinend war die South Asian Development Agency, der Sponsor des Projekts, eine der am schlechtesten gef�hrten Hilfsorganisationen in Nepal gewesen. Lasche Buchf�hrungspraktiken hatten sie zu einem dieser Geldkan�le werden lassen, �ber die es so viele Ger�chte gibt und bei denen das Geld, das den Menschen des Landes helfen soll, schlie�lich in den Taschen der Beamten landet, die es verwalten.</p><p>Nathan hatte die Stelle, die die Organisation ihm angeboten hatte, mit der Absicht angetreten, diesen Mi�brauch zu beenden, und sein erster Schritt war gewesen, ein st�ndig besetztes B�ro in Katmandu einzurichten, das er selbst betreute. Zuvor waren die Gesch�fte der Organisation mittels kurzer Besuche von der Hauptverwaltung in Manila gef�hrt worden, was nat�rlich bedeutete, da� niemand wirklich wu�te, was in Nepal vor sich ging. Das hatte zu einigen schrecklich ungeeigneten Hilfsprogrammen gef�hrt, und bei einigen davon hatten sogar die Geldgeber der Organisation ihr Veto eingelegt, was kaum einmal vorkam. �Aber von diesem Kanalisationsprojekt sind alle begeistert�, sagte Nathan, �und du siehst ja auch, warum.�</p><p>�Ja.�</p><p>Wir hatten das Ufer des Vishnumati erreicht, und dort, unter der hellen Sonne und den verstreuten Kumuluswolken konnten wir die ganze Geschichte sehen: Frauen wuschen in den Untiefen Kleider; Abfall wurde von einem Karren auf einen gro�en Haufen am Ufer gekippt, der vom Flu� unterh�hlt wurde; Behelfsh�tten erhoben sich direkt am Ufer; spindeld�rre Kinder spielten an freien Stellen oder dem steinigen Ufer. Dieser Flu� vereinigte sich ein St�ck weiter mit dem Bagmati, der an der Universit�t und ein paar Krankenh�usern der Stadt vorbeiflo�. Verseucht, wie er war, war es unvorstellbar, da� die Stadtbewohner jemals gesund werden sollten.</p><p>Und auf dem R�ckweg gingen wir �ber die vor Menschen wimmelnden Schlammstra�en bis in den Bienenschwarm von Thamel, und �berall um uns herum wurde es ersichtlich, da� die Einheimischen ihr Bestes gaben, um von dem unersch�pflichen Verm�gen zu leben, das die abendl�ndischen Besucher mit sich zu bringen schienen, und einigen gelang es und anderen nur zum Teil, und wieder andere scheiterten einfach, aus welchen Gr�nden auch immer, und lebten auf den Stra�en und bettelten, um nicht zu verhungern. Ich hatte getan, was ich konnte, um zweien dieser Menschen zu helfen, einem Mann und seinem kleinen M�dchen, bis Freds mich eines Nachts, als er besoffen gewesen war, gescholten und mir gesagt hatte, da� es diesen beiden noch relativ gut ging, da Menschen wie ich sich auf das niedliche und pathetische kleine M�dchen konzentrierten; da� es alte M�nner und alte Frauen gab, die allein waren, keine Beachtung fanden und noch ein paar Stufen unter diesem Mann und seiner Tochter lebten; und danach hatte ich im Prinzip aufgegeben. Ich wu�te nicht, was ich tun, ich wu�te nicht, wie ich helfen sollte. Katmandu war nicht mehr dieselbe Stadt wie fr�her. Und nun deutete Nathan mit der Hand auf den Abfallhaufen auf der Stra�e ein St�ck �ber dem Hotel Star und dem Kathmandu Guest House und sagte: �Siehst du, was ich meine?�</p><p>Und ich konnte nur sagen: �Ja, ich sehe, was du meinst.�</p></section><section><title><p>11</p></title><p>So standen die Dinge, als Nathan und Sarah bei mir vorbeikamen, um zu sehen, ob ich zu einem Entschlu� gekommen sei, und Freds und ich sa�en da und rauchten ein Haschpfeifchen, und Nathan nahm nat�rlich an, da� wir uns gegen ihn verschworen hatten, und zog seine Oberlippe mit einem deutlichen Ausdruck von Abscheu hoch. �Ich wei� nicht, wie ich �berhaupt auf den Gedanken gekommen bin, du w�rdest den Armen von Nepal helfen wollen�, sagte er verbittert. �Du bist nur ein Trek-F�hrer, der das Land nach Strich und Faden ausbeutet. Ich w�nschte, ich h�tte dich nie kennengelernt.�</p><p>�Wei�t du was?� sagte ich w�tend. �Ich w�nschte auch, ich h�tte dich nie kennengelernt. Ich w�nschte mir sogar, ich h�tte deinen Brief an Freds nicht gestohlen und gelesen, denn dann h�tte ich nie was mit euch zu tun bekommen und h�tte noch meinen Spa�, und ich w�rde mehr als nur hundertdrei�ig Pfund wiegen!� Es fiel mir schwer, ihn nicht anzuschreien. �Aber du!� schrie ich. <emphasis>�Du</emphasis> h�ttest Freds nie gefunden oder deinen gehirngesch�digten Yeti gerettet oder w�rst mit deiner Sarah zusammengekommen!�</p><p>�Du hast diesen Brief gestohlen?� sagte Nathan und ignorierte alles andere, was ich gesagt hatte.</p><p>�Na ja. Ja, hab� ich. Er sah interessant aus.�</p><p>Nathan warf die H�nde hoch. �Kein Wunder, da� du uns nicht helfen willst! Ich meine, was f�r Prinzipien � ich meine, wer w�rde schon einen Brief stehlen?�</p><p>�Ich.�</p><p>Freds atmete laut aus. �Er bringt bei der B�rokratie hier sowieso nichts zustande. Ohne ihn seid ihr besser dran. Wir haben versucht, ihn dazu zu bringen, uns zu helfen, und was kam dabei heraus? Sie haben mit seinem Gehirn Fu�ball gespielt. Wertlos. Pa�t auf. <emphasis>Singha Durbari�</emphasis> fauchte er mich an. �Seht ihr? Er zuckt zusammen, wenn er nur den Namen h�rt.�</p><p>�Undankbarer Mistkerl�, sagte ich zu ihm. �Frag lieber mal deinen Manjushri Rimpoche, ob ich wertlos war. Frag Colonel John, ob ich wertlos war.�</p><p>�Wenn wir ohne ihn besser dran w�ren�, machte Sarah Freds klar, �w�rdest du nicht versuchen, uns zu �berzeugen, auf seine Hilfe zu verzichten.�</p><p>�Genau�, sagte ich. Sarah schien die einzige zu sein, die darauf geachtet hatte, was ich dar�ber gesagt hatte, wie sie und Nathan zusammengekommen waren, und sie beobachtete mich w�hrend des Streits mit einem leisen L�cheln, das mich zus�tzlich aufbrachte. �Du zeigst lieber etwas Dankbarkeit�, knurrte ich Nathan an, �oder ich helfe vielleicht doch Freds, und dann hast du wirklich Probleme. Hier, setz dich und rauch die Friedenspfeife mit uns.�</p><p>�Nichts da�, sagte er und verschr�nkte die Arme vor der Brust. �Ich versuche, ein ernstes Gespr�ch zu f�hren.�</p><p>�Spielverderber.�</p><p>�Degenerierter Affe.�</p><p>�Br�ckenzerst�rer. L�gner. Verr�ter. Tierdieb.�</p><p>Die Haut auf Nathans Wangen f�rbte sich bis auf eine schmale Linie �ber seinem Bart hellrot. Ich fand dieses Ph�nomen interessant und versuchte, mir noch ein paar Schimpfworte einfallen zu lassen, als Sarah eingriff und uns befahl, endlich aufzuh�ren, uns so kindisch zu benehmen. �Wir verschwenden nur unsere Zeit, und soviel Zeit haben wir nicht.�</p><p>�Das stimmt�, sagte Nathan, in dem Besorgnis und Emp�rung miteinander rangen. �Dieser Rana wird unseren Vorschlag ablehnen ��</p><p>�Rana?� sagte ich. �Welcher Rana?�</p><p>�Kann dir doch egal sein�, begann Freds, doch ich brachte ihn mit einer Handbewegung zum Schweigen.</p><p>�Doch nicht zuf�llig A.S.J.B. Rana?�</p><p>�Wieso? Ja, ich glaube schon. Kennst du ihn?�</p><p>�Ich dachte, ich h�tte seine Karriere beendet.�</p><p>�Aber nein�� man hat ihn gerade zum Leiter des Amts f�r Ausl�ndische Hilfsma�nahmen im Palast gemacht.�</p><p>�Bef�rdert! Dann kann es nicht derselbe sein.�</p><p>�Kann dir doch egal sein�, sagte Freds zu mir.</p><p>�Schei�e, es ist mir nicht egal!� rief ich hitzig.</p><p>�Leise!� sagte Sarah laut. �H�rt doch mit diesem Zank auf!�</p><p>Wir alle sahen sie an.</p><p>�Das ist doch v�llig �berfl�ssig�, sagte sie und lachte uns an. �Ich sehe am Ausdruck von Georges Gesicht, da� er einen Plan hat.� Sie setzte sich neben mir aufs Bett, legte einen Arm um meine Schultern und dr�ckte mich kr�ftig. �Ich wei� es einfach. Du hast doch einen Plan, nicht wahr, George?�</p><p>Das Seltsame daran war, da� tats�chlich gewisserma�en ein Plan in meinem Hinterst�bchen entstand. Es war wie eine Inspiration. �Richtig�, sagte ich und f�hlte mich sehr zufrieden. �Ich habe einen Plan.�</p><p>Nathan und Freds musterten mich zweifelnd.</p><p>�Der erste Teil des Plans�, sagte ich, dar�ber nachdenkend, �besteht darin, da� ihr beide mir Karten besorgt�� Nathan von dem geplanten Kanalisationssystem, und Freds von den alten Tunnels. K�nnt ihr das f�r mich tun?� Sie nickten. �Gut. Der zweite Teil des Plans besteht darin, da� wir im Old Vienna zu Abend essen und uns dabei die Karten ansehen.�</p><p>�Das ist kein Plan�, beschwerte sich Nathan.</p><p>�Ist es doch. Ich habe einen Plan.� Und in der Tat stellte er sich noch beim Sprechen bei mir ein. Ich legte meinen Arm um Sarah und dr�ckte sie ebenfalls, und alles fiel an Ort und Stelle wie eine lange Kette Dominosteine. �Ich wei� nur nicht, ob er auch funktioniert.�</p></section><section><title><p>12</p></title><p>Und so sa�en wir an diesem Abend nach einer von Evas herrlichen Mahlzeiten in einer der gro�en Nischen hinten im Old Vienna Inn, kauten am letzten Rest Apfelstrudel und nippten Cognac und/oder Cappucino. Ich holte eine meiner gelben Lufthansa-Karten von Katmandu und einen Bleistift hervor und �bertrug sorgf�ltig Nathans und Freds Karten darauf. �Hier, seht�, sagte ich. �Sie ber�hren sich nur an drei Stellen, und keine dieser Stellen ist ein wirklich wichtiger Teil des Tunnelsystems.�</p><p>�Ja, aber sie verbinden die gro�en H�hlen miteinander�, sagte Freds. �Au�erdem ist das v�llig egal�� wenn man auf einen Tunnel st��t, hat man das ganze System entdeckt.�</p><p>�Das wei� ich. Aber angenommen, ihr f�llt eure Tunnels an diesen drei Stellen auf.� Ich verdeutlichte es, indem ich diese Teile von Freds System ausradierte. �Wenn sie dann die Kanalisation bauen, finden sie etwas seltsam lockere Erde, aber das ist keine gro�e Sache�� unter einer Stadt sieht es immer irgendwo seltsam aus. Also legen sie die Rohre und bemerken �berhaupt nichts!�</p><p>�Aber die verschiedenen Teile des Tunnelsystems w�ren voneinander abgeschnitten!� wandte Freds ein.</p><p>�Sicher, klar doch, aber ihr k�nntet doch tiefer gehen. Schau, nachdem sie die Rohre gelegt haben, grabt ihr euch unter ihnen her, baut noch so eine sch�ne Treppe, und schlie�lich haben wir eine Kanalisation, und euer Tunnelsystem funktioniert wieder, und niemand hat etwas davon erfahren.�</p><p>�Das ist eine Menge Arbeit�, stellte Sarah fest. �Woher will Freds die Leute f�r solch eine Aktion nehmen?�</p><p>�Freds hat Freunde oben im Norden�, sagte ich. �Dieselben Leute, die dieses Tunnelsystem benutzen. Wenn sie gemeinsam anpacken, ist es eine Sache von ein paar Tagen. Beauftrage Colonel John damit, und es ist eine Sache von Stunden.�</p><p>Freds nickte. Nathan nickte. Sarah beugte sich vor, um mir einen Ku� auf die Wange zu geben. Wir toasteten dem Plan zu, und ich willigte ein, herauszubekommen, wie genau der alte A. Shumsher Jung Bahadur Rana dieses Kanalisationsprojekt benutzte, um sich zu bereichern.</p></section><section><title><p>13</p></title><p>Meine bisherige Begegnung mit A.S.J.B.R. hatte kein gutes Ende genommen, und als ich eines Morgens kurz nach unserem Abendessen also sein B�ro betrat, hatte ich einen ganzen Stapel Bakschisch von der South Asian Development Agency dabei, den ich ihm mit einer beredsamen Entschuldigung f�r den kleinen Zwischenfall �berreichen wollte, mit dem unsere letzte Begegnung ausgeklungen war; ich wollte ihm erkl�ren, da� ich als Folge einer ernsten Krankheit und eines Falls von Wahnsinn in meiner unmittelbaren Umgebung unter Stre� gestanden hatte. Meines Erachtens ist es am besten, wann immer m�glich die Wahrheit zu sagen.</p><p>Doch als ich mich A. Rana n�herte, wandte er sich in meine Richtung, nickte kurz und wartete dann, um zu erfahren, wer ich sei und was ich wolle. <emphasis>Er erkannte mich nicht.</emphasis></p><p>Ich hatte f�nf Milliarden Stunden in seinem B�ro verbracht; und als wir uns das letzte Mal gesehen hatten, hatten wir uns gegenseitig angeschrien; doch er erinnerte sich nicht an mich. So weit au�erhalb seines Systems stand ich.</p><p>Das war ein so gro�er Schock, da� ich eine Weile brauchte, um mich zu sammeln. Wenn man bedachte, wie unsere letzte Begegnung verlaufen war, konnte ich nat�rlich von Gl�ck sprechen, da� er mich nicht erkannte; aber dennoch kam ich mir ganz sch�n angepinkelt vor. Da� er mich nach all diesen <emphasis>Qualen</emphasis> einfach <emphasis>vergessen</emphasis> w�rde � Ich schluckte meine Verwirrung runter und fand mich damit ab. Ich stellte mich als Repr�sentant der South Asian Development Agency vor, was augenblicklich sein Interesse erregte, zweifellos, weil die Organisation f�r ihre schludrige Buchhaltung bekannt war. Ich erz�hlte ihm von dem Kanalisationsprojekt, und er nickte und sagte mir, ich solle am Nachmittag in sein B�ro kommen.</p><p>Ich hatte diesen Film schon einmal gesehen und wollte ihn nicht noch einmal sehen.</p><p>Dennoch versuchte ich es erneut und machte mich wieder an die �bliche Runde der Besuche und Schmiergeldzahlungen. Es kam nichts dabei heraus, wenngleich ich immerhin einige Dinge �ber seine neue Position im Sekretariat best�tigen konnte. Es stimmte; irgendwie hatte er sich aus dem Schlamassel geschlichen, den ich ihm mit dem Grenzzwischenfall eingebrockt hatte, und mehr noch�� er war daraufhin sogar bef�rdert worden. Ich konnte mir nicht vorstellen, wieso. �Oh, Sir! Anscheinend bin ich verantwortlich f�r eine Krise, wegen der die Inder und Chinesen beinahe �ber uns hergefallen w�ren. Die vielleicht sogar den Dritten Weltkrieg ausgel�st h�tte!��� �Gut. Sie werdem zum Leiter des Amtes bef�rdert, das die gesamten ausl�ndischen Hilfsma�nahmen kontrolliert.� Na sch�n. Noch ein gro�es Geheimnis Nepals.</p><p>Es verst�rkte meinen schon gesunden Respekt f�r A.SJ.B.R.s machiavellische F�higkeiten, die Leiter hinaufzufallen, und ich ging mit ihm so vorsichtig wie m�glich um. Doch schon nach einer Woche des �blichen Spiels der Verz�gerungen und das Handaufhaltens stellte ich fest, da� meine Geduld, in seinem B�ro herumzusitzen, <emphasis>v�llig</emphasis> verschwunden war. Ich konnte es nicht ertragen. Ich w�nschte ihm vom letzten Mal noch immer alles Schlechte�� ha�te ihn sogar geradezu��, und obwohl es ganz n�tzlich war, da� er sich nicht an mich erinnerte, wurmte mich das ganz sch�n. Ich konnte es ganz einfach nicht mehr ertragen, herumzusitzen und auf ihn zu warten.</p><p>Also arrangierte ich ein Treffen mit Bahadim und fragte ihn, ob sein Spionagesystem auch die �berwachung von A. Ranas B�ros einschlo�.</p><p>Bahadim nickte. �Sie wissen, wie es in Nepal ist�� die ausl�ndischen Hilfsorganisationen sind eins der gr��ten Machtzentren hier. A. Rana ist nicht die wichtigste Person auf diesem Gebiet, doch er scheint schnell aufzusteigen, und wir haben einen Tunnel unter sein B�ro gezogen. M�chten Sie ihn gern beobachten?�</p><p>�Oh, Mann!� Ich legte eine Hand auf mein Herz. �Ich kann Ihnen gar nicht <emphasis>sagen,</emphasis> wie toll das klingt. Das ist die beste Nachricht, die ich seit <emphasis>Jahren</emphasis> geh�rt habe!�</p><p>Bahadim musterte mich seltsam, und ich nahm Abstand davon, ihn zu k�ssen. Doch diese Neuigkeit freute mich wahnsinnig, und ich h�tte nicht gl�cklicher sein k�nnen, als mich Bahadim und einer seiner Gef�hrten am n�chsten Tag durch Yongtens Laden und in die Tunnels hinab begleiteten. Ich folgte ihnen unter den Palast und stieg hinter Bahadim eine der Leitern hinauf. Dort oben war kaum Platz genug f�r uns beide; es handelte sich um eine kleine, niedrige Erdh�hle. Ein Teil der Decke war h�her als der Rest und bestand aus Holz; das war die Ecke des Bodens in A. Ranas B�ro. Ein kleines Spiegelteleskop und ein H�rtrichter waren dort, wo der Boden gegen die Wand stie�, in kleine Risse eingelassen. Ich sah in das Periskop und machte nach einer Weile die Ecke eines Schreibtisches und eine Wand aus. Kein Mensch zu sehen. Doch als Bahadim den St�psel aus dem H�rtrichter zog, konnten wir Stimmen �ber uns h�ren, die sich laut und schnell auf Nepalesisch unterhielten.</p><p>Ich hatte daf�r gesorgt, da� Nathan gleichzeitig A. Rana aufsuchte, in der Hoffnung, ein geheimes Gespr�ch �ber unseren Fall anzuregen. Nachdem Bahadim und ich eine Weile dort herumgesessen hatten, h�rte ich, wie mitten in einem nepalesischen Wortschwall sein Name fiel: �Mr. Nathan Howe.� Alle Stimmen zogen sich daraufhin in das Vorzimmer zur�ck, wo ich nur den Klang von Nathans Stimme vernehmen konnte, der mit A. Rana sprach�� was sie sagten, konnte ich nicht verstehen.</p><p>Schlie�lich kehrte A. Rana in sein B�ro zur�ck und griff zum Telefon. Bahadim rutschte herum, damit er den Mund auf mein Ohr dr�cken und mir das Gespr�ch im Fl�sterton teilweise �bersetzen konnte. �Er spricht mit einem Freund im Amt f�r �ffentliche Arbeiten � �ber die Kanalisation, ja. Er hat vor, den Vertrag f�r diese Arbeiten seinem Freund zu geben.� Pl�tzlich verstummte Bahadim und lauschte lange angestrengt. Ich betrachtete im Halbdunkeln sein Gesicht. A. Rana legte auf, und Bahadim fl�sterte in mein Ohr: �In Wirklichkeit ist er f�r den Vertrag schon honoriert worden, und die Arbeiten werden bald beginnen. Sie verz�gern die Sache nur noch, um �ber Mr. Howe mehr Geld aus der Organisation herauszuholen.�</p><p>�Hat er gesagt, wann sie anfangen wollen?�</p><p>�Nein.�</p><p>Ich stieg die Leiter in die H�hle hinab, und wir zogen uns in Bahadims kleines unterirdisches B�ro zur�ck. W�hrend er eine Kanne Tee kochte, schlug ich mir nerv�s mit der Faust in die Handfl�che. �Was hat das zu bedeuten?�</p><p>�Es bedeutet nur, da� das Projekt gebilligt wurde und A. Rana die Organisation noch nicht dar�ber informiert hat. Das ist eine allgemein �bliche Taktik bei solchen Organisationen, um mehr Bakschisch zu bekommen. Die South Asian Development Agency ist f�r ihre nachl�ssige Buchhaltung bekannt.�</p><p>�Verdammt�, sagte ich. �Dieser A. Rana ist solch ein <emphasis>Schurke.�</emphasis></p><p>�Wahrscheinlich ist es nicht allein seine Schuld.�</p><p>�Wessen dann? Wer trifft die Entscheidungen dort oben?�</p><p>Bahadim schenkte uns achzelzuckend Tee ein. �Das kann niemand genau sagen. Jeder, der behauptet, zu wissen, wie das Palastsekretariat seine Entscheidungen trifft, l�gt. Der Palast ist das, was Sie einen Abgrund ohne Boden nennen. Menschen gehen hinein�� Informationen, Geld, Gesuche gehen hinein, und Entscheidungen kommen heraus. Was darin geschieht, ist geheim. Verstehen Sie, sie wollen nicht, da� man es erf�hrt. Niemand, der au�erhalb steht, darf es wissen. Das ist ein Brauch, den wir in Nepal pflegen, der Drang, einige Geheimnisse f�r uns zu behalten. Die Welt ist gro�, und wir sind klein, und so versp�ren wir das Bed�rfnis, etwas zu haben, was uns allein geh�rt. Einige Geheimnisse, wenn schon sonst nichts.�</p><p>�Aber die Korruption, die dadurch entsteht!�</p><p>�Ich wei�.�</p><p>�Sie brauchen Gesetze, Bahadim. Sie brauchen irgendein legales System. Eine konstitutionelle Monarchie, oder was auch immer.�</p><p>Bahadim nippte an seinem Tee, richtete aber trotzdem w�tend einen Finger auf mich. �Glauben Sie mir, das sind sehr b�se Worte im Palast. Konstitutionelle Monarchie, herrje! Es hat schon gro�en �rger verursacht, als andere Regierungen diesen Begriff ganz unschuldig benutzten, denn f�r uns ist er ein Kode, verstehen Sie? Der k�niglichen Familie jagt er einen gro�en Schrecken ein, denn er erinnert sie an die Tage, als sie von den Ranas beherrscht wurde und v�llig machtlos war. Und den Ranas jagt er einen gro�en Schrecken ein, weil er ein offenes System andeutet, das ihrer Macht ein Ende bereiten w�rde.�</p><p>�Aber ich dachte, die Ranas w�ren in den f�nfziger Jahren gest�rzt worden! Haben Sie mir das nicht gesagt?�</p><p>Er drehte die Hand mehrdeutig. �Es entsprach fast der Wahrheit. Doch in den darauf folgenden Jahren sind sie wieder an die Macht gekommen. Weil die Shahs immer Ranas heiraten. Die K�nigin ist eine Rana, verstehen Sie? Und die beiden j�ngeren Br�der des K�nigs, sie sind mit zwei j�ngeren Schwestern der K�nigin verheiratet. Und die K�pfe der Armee sind Ranas. Und alle �ber uns �� Er deutete mit der Hand nach oben, um zu zeigen, da� er den Palast meinte. �Ranas. Diese Familie beherrscht unser Land. Wir brauchen dringend die konstitutionelle Monarchie, von der Sie sprechen, doch die Ranas werden sie verhindern, wenn sie es k�nnen.�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. �Das kann nicht gut sein f�r das Land.�</p><p>�Nein, nat�rlich ist es nicht gut.� Bahadim verzog den Mund. �1951, zur Zeit unserer Revolution, hatte Nepal, wirtschaftlich gesprochen, dieselbe Gr��e wie S�dkorea. Und S�dkorea hat unter einem Krieg gelitten, und trotzdem ist das Land nur siebenunddrei�ig Jahre sp�ter das, was es ist�� w�hrend wir noch den den �rmsten Nationen der Erde geh�ren. Nun kann man behaupten, da� S�dkorea eine K�ste hat und wir nicht, aber daran liegt es nicht. Wir kommen ganz einfach wirtschaftlich nicht voran, bis wir politisch vorangekommen sind! Eine konstitutionelle Demokratie, ja. Und daf�r arbeiten wir hier unten!�</p><p>Seine Augen strahlten im Licht der Lampe, und als er seine Teetasse abstellte, bildete seine Hand eine Faust. Ich sah, da� er es todernst meinte, und wu�te, da� ich die Mannschaft gefunden hatte, mit der ich spielen wollte. �K�nnen Sie A. Ranas B�ro f�r mich beobachten?� fragte ich ihn.</p><p>�Aber sicher. Wenn es besetzt ist, wird st�ndig jemand lauschen. Wir m�chten gern wissen, was es mit diesem Kanalisationsprojekt auf sich hat. Anscheinend l�uft es wie immer: ein Freund der Ranas bekommt den Vertrag. Wahrscheinlich hat er nicht das niedrigste Gebot abgegeben, falls sie �berhaupt Gebote eingeholt haben, und man hat es noch nicht bekannt gegeben, um den Geldgeber um m�glichst viel Bakschisch zu erleichtern. Ein Gro�teil des Geldes wird zweifellos in Indien landen, auf den Konten der Ranas und bei Subunternehmen. Und Sie k�nnen sich nicht vorstellen, was f�r eine schreckliche Kanalisation wir daf�r bekommen werden.�</p><p>Ich nickte. �Wir m�ssen erfahren, wann sie anfangen wollen.�</p><p>�Ich werde Sie wissen lassen, was wir in Erfahrung bringen.�</p><p>Als ich nach Hause kam, wartete Nathan schon auf mich. �Herrje, George, du mu�t wirklich ein toller Mittelsmann sein. Ich sprach mit diesem Beamten im Ministerium, mit dem du den Termin gemacht hast, und ich will verdammt sein, wenn er mir nicht best�tigt hat, da� das Projekt gebilligt ist!�</p><p>�Ich hatte nichts damit zu tun�, sagte ich. �Hat er gesagt, wann sie anfangen werden?�</p><p>�Nein, wieso? Es ist noch viel zu tun, es m�ssen Angebote eingeholt werden und ��</p><p>�Das ist alles schon geschehen�, entgegnete ich verdrossen und gab ihm eine Zusammenfassung dessen, was ich in Erfahrung gebracht hatte. Er war schockiert.</p><p>Ein paar Tage sp�ter rief mich Bahadim an. Seine Lauscher hatten erfahren, da� die Aushubarbeiten f�r die Kanalisation bald beginnen w�rden. Die Vertragsfirma hatte einen schweizerischen Techniker eingestellt, was bedeutete, da� alles dreimal so schnell gehen w�rde wie sonst.</p><p>Also wurde es h�chste Eisenbahn f�r uns. Freds brach nach Shambhala auf, und Colonel John und die Khampas f�r die �nderungen an ihrem Tunnelsystem unter der Stadt zu holen. Es w�rde eine Weile dauern, bis sie in Katmandu waren und anfangen konnten; mittlerweile gab es f�r mich kaum etwas zu tun. Ich �berpr�fte das Tunnelsystem noch einmal, stellte genau fest, wo die Rohre der Kanalisation es schneiden w�rden, und markierte die Stellen im Tunnelsystem, die aufgef�llt werden mu�ten; ich lag stundenlang unter A. Ranas Fu�boden, belauschte ihn, wie er �ber mir das Blaue vom Himmel log, und wurde immer w�tender auf ihn; ich r�umte sogar mein Zimmer auf, was ich seit Monaten nicht mehr getan hatte.</p><p>Und w�hrend ich dort aufr�umte, stie� ich auf eine kleine Tasche mit unn�tzem Kram von meinem ersten Trek in Nepal. Man hatte mich damals eingestellt, die Trekker zu f�hren, obwohl ich nicht die geringste Ahnung gehabt hatte, worum es �berhaupt ging; unser Sherpa-Sirdar hatte mir alles beigebracht. Unter den Erinnerungsst�cken in der Tasche befand sich ein zusammengefalteter, an den Ecken zerfranster Zettel. Ich erinnerte mich nicht mehr, worum es sich dabei handelte, und faltete ihn neugierig auf.</p><p>Es war ein Brief, in einer seltsam spitzen Handschrift, die ich kaum lesen konnte.</p><empty-line/><cite><p><emphasis>Datum. 27. 9. 1981</emphasis></p><p><emphasis>Sehr geehrter Herr,</emphasis></p><p><emphasis>Namaste.</emphasis></p><p><emphasis>Heute ich Ihnen einen Brief schreiben und ich hoffen und gesehen Sie wohnen auf Schulhof so ich sehr Gl�ck sein f�r Sie und Ihre F�hrer. Ich Ihnen sagen m�ssen von dieser Grundschule schlechte Bedingungen verzeihen Sie Sir hier nicht sehr ferantwortliche Person und reicher Mann so da� sie nicht geben k�nnen viel Geld f�r Schule. In meiner Schule hier nicht genug B�nke geben da� Sch�ler sitzen k�nnen und ich hoffe Sie helfen dieser Grundschule mit Geld. Wenn Sie haben Geld aber ich sehr betr�bt bin diesen Brief zu schreiben an Sie. Sir ich habe zu viel Problem in Schule. Was kann ich tun? weil ich bin auch sehr armer Lehrer in diesem Dorf. Jetzt ich mu� schlie�en.</emphasis></p><p><emphasis>Ihr vertrauensw�rdiger Lehrer</emphasis></p><text-author><emphasis>Ramdas Shresta</emphasis></text-author><text-author><emphasis>Schulvorstand</emphasis></text-author></cite><empty-line/><p>Ich sa� mit dem Brief auf dem Knie auf meinem Bett, und allm�hlich fiel es mir wieder ein. Wir hatten sp�t am Abend ein Teehaus und eine Schule erreicht, die auf einem steilen Felsvorsprung neben dem Trail kauerten. Ja, genau, Sangbadansda! Es hatte an diesem Tag heftig geregnet, und unsere Gruppe war ersch�pft, die H�lfte von ihnen war schon krank, und so hatten wir den n�chsten Tag dort verbracht, um wieder trocken zu werden und uns zu erholen. Als ich dort in der Morgensonne sa�, war ein junger Bursche von der Schule zu mir gekommen und hatte mir den Zettel mit einem L�cheln in die Hand gedr�ckt. Nachdem ich den Brief gelesen hatte, hatte ich dem jungen Mann ein paar Rupien gegeben, und sie hatten mich in die Schule eingeladen, um mit dem Schulvorsteher und allen Lehrern zu sprechen. Der Schulvorsteher war ein alter, im Ruhestand lebender Gurkha, der die Schule mit seiner Pension finanzierte. Wie wir an diesem Morgen festgestellt hatten, drillte er die Kinder wie Soldaten in einem Ausbildungslager. Seine Lehrer waren junge Burschen, die allesamt kaum Englisch sprachen, und sie freuten sich, mit mir �ber Amerika und amerikanische Schulen sprechen zu k�nnen, und �ber ihre eigene Schule. Sie hatten keine B�cher; sie bildeten die Kinder an Tafeln aus. Nach dem Gespr�ch hatte ich einen meiner Klienten angeschrien, weil er an die R�ckwand des Schulgeb�udes gepinkelt hatte. Aber hier liegt doch �berall Schei�e, hatte er protestiert.</p><p>Ich faltete den Zettel langsam zusammen und steckte ihn wieder in die Tasche. Und als ich �ber die Stra�en und durch die Tunnels zu Bahadims unterirdischem Hauptquartier ging, dachte ich immer noch �ber diesen Schulvorsteher und seine Schule nach.</p><p>Bahadim gesellte sich im Lauschposten unter A. Ranas B�ro zu mir, und wir lagen dort in der Dunkelheit, w�hrend A.S.J.B.R. nur Zentimeter �ber unseren K�pfen arbeitete. W�hrend einer seiner unvermeidbaren Telefongespr�che ergriff Bahadim meine Hand und dr�ckte sie. �Er spricht mit einem Freund in der Armee�, fl�sterte Bahadim in mein Ohr. �Sie verkaufen die H�rner von Nash�rnern an Mitglieder einer chinesischen Handelsgruppe. Sie wildern bestimmt in Chitwan!�</p><p>Ich lag da und hielt mich zur�ck, gegen A. Ranas Fu�boden zu treten. Dieser schleimige Hurensohn, der in einem Land ohne Schulb�cher Schmiergelder einstrich, der in einem Land wilderte, in dem kaum noch Nash�rner �briggeblieben waren�� der mich nicht einmal erkannt hatte! Ich wollte schreien, ich wollte ihn umbringen; dann w�rde er sich an mich erinnern! Ich mu�te einfach so fest gegen den Fu�boden treten, da� er vor Schreck sterben w�rde! Ich konnte mich kaum davon abhalten. Das war das erste offensichtliche Zeichen, da� ich den Verstand verlor.</p></section><section><title><p>14</p></title><p>Nach diesem Warnzeichen hatte ich h�ufiger mit dem Problem zu k�mpfen. In der Tat verschwimmen die folgenden Wochen in meiner Erinnerung. Ich lief durch die Stra�en der Stadt und .die Tunnels unter ihr, versuchte mit unzureichenden Mitteln und oftmals im Geheimen die Stellen der Tunnels zu ermitteln, die aufgef�llt werden mu�ten, und entwarf dabei immer neue Pl�ne, Szenarios, die ich bis ins letzte Detail ausarbeitete (abgesehen von gewissen kritischen Augenblicken). Ich br�tete st�ndig �ber diesem Pl�ne und fuhr nerv�s zusammen, wenn mich jemand fragte, wor�ber ich denn so angestrengt nachdachte. �Nichts! Nichts! Geht wieder an die Arbeit!� schrie ich dann immer, und wir machten weiter. Die Khampas trafen ein, gef�hrt von Colonel John, und machten genug L�rm, da� man sie oben auf den Stra�en h�ren k�nnte, liefe das Leben da oben nicht st�ndig mit hundert Dezibel ab. Sie brachten eine ganze Reihe von kleinen Loren mit, von einer Gr��e, die den Sieben Zwergen genau recht gewesen w�ren; sie geh�rten in den Fernreise-Tunnels, durch die sie nach Katmandu gekommen waren, anscheinend zur Standardausr�stung. Diese Loren fuhren, wie Freds mir sagte, auf den Fernreisetunnels auf fest angebrachten Eisenschienen, und es sei kein Problem, im Bedarfsfall auch unter der Stadt solche Schienen zu verlegen.</p><p>Also liefen wir alle in den Tunnels hin und her, gruben mit Hacken, schaufelten Erde in die Loren und torkelten durch die Dunkelheit, w�hrend wir sie auf den neuen Gleisen hin und her schoben. �ber uns hatten die Aushubarbeiten f�r die Kanalisation bereits begonnen, und sie w�rden in ein paar Tagen auf den ersten der alten Tunnels sto�en. Sie sperrten Nebenstra�en ab und buddelten sie mit indischen Maschinen auf, und da der schweizerische Ingenieur jeden Tag auf der Szene erschien, in die L�cher kletterte, das Arbeitsger�t �berpr�fte und die Arbeiter auf schlechtem Nepalesisch antrieb, machten sie bemerkenswert gute Fortschritte. Darunter hatten wir immer mehr zu tun und immer weniger Leute und Ger�t, um die Arbeit zu bew�ltigen, obwohl Tag f�r Tag weitere Khampas aus den dunklen, nach Westen f�hrenden Tunnels eintrafen. Aber Colonel John war dem Schweizer �ber uns mehr als nur gewachsen; er hatte sich wieder in seine vollst�ndige Marine Corps-Kluft geworfen und schrie uns alle so laut an, da� ich �berzeugt war, sie w�rden uns auf den Stra�en h�ren. Und sie h�tten uns bestimmt auch geh�rt, h�tte nicht zuf�llig das ausgesprochen laute Dasain-Fest begonnen. Aber so h�rten sie uns nicht, und wir machten weiter, wie die Sklaven angetrieben von der Peitsche des Colonels Zunge. �John Wayne trifft Ben-Hur�, murmelte Freds einmal, nachdem der Colonel explodiert war. �Nimm es nicht pers�nlich, er meint wirklich nicht, da� das alles deine Schuld ist.�</p><p>�Warum hat er denn �Das ist alles Ihre Schuld!� gesagt?� murrte ich. Es war nicht fair. Ich sch�ttelte den Kopf, schien ihn aber einfach nicht klar zu bekommen. Ich hatte jetzt den gr��ten Teil mehrerer Tage unter der Erde verbracht, und jedesmal, wenn ich Yongtens Laden verlie�, war drau�en Nacht, und die Dasain-Feiern waren in vollem Gange, und Feuerwerke gingen am Himmel und �ber dem Boden hoch, und maskierte Alptraumgestalten wankten blindlings durch die Stra�en, trinkend und im wechselnden Licht schreiend. Als ich ihnen und den Feuerwerken auswich, stellte sich bei mir der Eindruck ein, da� das Leben unter der Erde normaler war als auf der Oberfl�che, und ich entschlo� mich, w�hrend der Dauer des Festes einfach unten zu bleiben. Sarah und Nathan brachten uns die Mahlzeiten hinab, und wir a�en in der goldbeschlagenen Kammer, die nur ein kurzes St�ck von einem unserer Einsatzorte entfernt war. Eine einzige Kerze konnte diese Kammer wie eine nackte 150-Watt-Birne erhellen. Wir schliefen in einer der bronzenen Kammern daneben, g�nnten uns aber immer nur ein paar Stunden Ruhe.</p><p>Das Auff�llen ging voran, obwohl es sich als schwierig erwies, die Erde bis zur Decke aufzuh�ufen. Colonel John l�ste dieses Problem, indem er an einem Ende eine Mauer errichtete und dann die Erde daran hochschaufelte. Er war Feuer und Flamme und hatte sich in den Kopf gesetzt, den Hohlraum so zu f�llen, wie er sich den Boden unter einer alten Stadt wie Katmandu vorstellte�� mit Scherben alter T�pfe, morschen Holzbalken, einem verlorenen Silberl�ffel, eine komplette arch�ologische Phantasie falscher Erdschichten und alter Funde, bis es so schlimm wurde, da� wir ihn dort hinauszerren mu�ten, damit die Khampas und Bahadims Kongre�partei den Raum bis zur Decke auff�llen und dann an der anderen Seite zumauern konnten.</p><p>Sie hatten kaum die Mauer hochgezogen, als wir ein leises Dr�hnen vernahmen und die Tunnels um uns herum zu zittern begangen. Die erste Bew�hrungsprobe stand bevor: sie hatten unsere Neuauff�llung erreicht und gruben sich hindurch. Nathan lief immer wieder zur Stra�e hoch, um sich zu �berzeugen, da� sie nicht von ihrem planm��igen Kurs abwichen, doch ich war da ganz zuversichtlich; w�ren sie abgewichen, h�tten sie sich unter Geb�uden durchgraben m�ssen. Die einzige Frage war, ob ich den Tunnel richtig vermessen hatte und wir auch wirklich das St�ck unter der Stra�e aufgef�llt hatten. Ich bef�rchtete, da� sie geradewegs eine der neuen Mauern durchsto�en und so den gesamten Plan durchkreuzen w�rden. Was Colonel John dann zu mir sagen w�rde! Aber das taten sie nicht, zumindest nicht bei dieser Kreuzung.</p><p>Die n�chste war nur ein paar Blocks entfernt, und so konnten wir uns keine Ruhe g�nnen. Und das war nicht nur ein Tunnel: es war eine der gro�en runden Kammern, und um ganz sicher zu gehen, mu�ten wir sie v�llig auff�llen und gleichzeitig einen neuen Gang tief darunter graben, denn sonst w�ren wir von einer ganzen Sektion abgeschnitten gewesen. Und so liefen wir schmale, nach Westen f�hrende Tunnels entlang und hackten wir verr�ckt auf die W�nde ein, w�hrend wir uns gleichzeitig vergewissern mu�ten, da� die Decke nicht einst�rzte; dann schafften wir die Erde zur�ck in diese Kammer, die uns wie ein bodenloser Abgrund vorkam. Bahadims Leute feierten dabei gleichzeitig Dasain; sie hatten sich mit Papierschlangen behangen, Konfetti klebte auf ihnen, und ihre Stirnen und Teile ihres Haars waren mit roten Str�hnen �berzogen und mit gef�rbten Reisk�rnern geschm�ckt, und sie waren die meiste Zeit �ber betrunken. Freds hielt das f�r eine gute Idee und machte mit. Mittlerweile kamen die Bauarbeiter �ber uns ungewohnt schnell voran und verlegten ihre Betonrohre, als veranstalteten sie ein Wettrennen. Sie w�rden die Kammer bald erreichen, und so legten wir noch einen Zahn zu, und alle arbeiteten rund um die Uhr, um die Kammer zu f�llen. Colonol John war stinksauer. Freds war begeistert. �Ist das nicht toll?� sagte er w�hrend unserer Pausen immer wieder. Ich schlang die Butterbrote herunter, die Sarah und Nathan gebracht hatten, und enthielt mich einer Antwort. In Wirklichkeit f�hlte ich mich schrecklich; ich hatte mich noch nicht von dem Gewichtsverlust des Sommers erholt, und au�erdem stellte sich mein Shambhala-Durchfall wieder ein und lie� mich schwindlig und manchmal etwas deliri�s zur�ck.</p><p>Als wir einmal gerade gegessen hatten, �ffnete Freds eine Flasche Chang und z�ndete seine Pfeife an. �Hier�, nuschelte er, an der Pfeife ziehend, �nimm du auch mal, das Graben macht viel mehr Spa�, wenn man etwas angeduselt ist.� Ungl�cklicherweise griff ich auf das Angebot zur�ck und atmete gerade eine Lunge voll ein, als er hinzuf�gte: �Das Zeug hab� ich mir gerade von einem Burschen auf der Freak Street besorgt, es ist angeblich mit Opium verschnitten�, woraufhin ich hustete, bis ich mir bald ein paar Rippen brach. Nachdem ich dann die Kammer verlassen hatte, stie� ich mit dem Kopf gegen einen tiefh�ngenden Balken im Tunnel, und danach und nach Freds opiumverschnittenem Hasch fand ich mich tief in der Traumzeit wieder. Zum Beispiel fragte ich mich, ob die Grubenarbeiter, die diese mit Erde �bervollen Loren schoben, nicht ziemlich klein und haarig waren und lange Arme und eigent�mliche H�nde hatten. Und trug einer von ihnen nicht eine Dodgers-M�tze? Zischten in Wirklichkeit nicht eine ganze <emphasis>Menge</emphasis> von ihnen wie Zwerge durch die Dunkelheit und retteten unsere Haut, zumindest, was das Auff�llen der gro�en Kammer betraf? Ich kann es Ihnen wirklich nicht genau sagen. Ich wei� nur, da� ich mich �beraus seltsam f�hlte, und da� wir wie die Tiere schufteten, st�ndig das Poltern der Bulldozer �ber uns, und selbst, wenn es uns gelingen sollte, diese Kammer rechtzeitig zu f�llen, mu�ten wir immer noch einen Tunnel noch weiter westlich auff�llen, und ich taumelte herum und machte mir �ber all das Gedanken, als Bahadim vorbeikam und sagte: �Wir haben gerade Ihren Freund Mister A. Rana belauscht, wie er der South Asian Development Agency mitteilte, da� das Kanalisationsprojekt hinter den Zeitplan zur�ckgefallen ist und er sie um eine weitere Million Dollar gebeten hat, um das zu �ndern. Und dann hat er mit diesen chinesischen H�ndlern telefoniert, um Vorkehrungen zu treffen, sie aus einer�� wie er es nannte�� dauerhaften Quelle in Chitwan zu beliefern, damit sie ihre Fabrik zuverl�ssig f�hren k�nnen. Zweifellos eine chinesische Aphrodisiakum-Fabrik! Ist das nicht komisch!�</p><p>Und mich �berkaum die Wut, und ich lie� die Hacke aus meinen schwieligen H�nden fallen, und ich rannte durch die Tunnels, in n�rdliche Richtung zum Palast. Ich hatte den Verstand verloren.</p></section><section><title><p>15</p></title><p>Das war mein Plan: Ich w�rde die Leiter in den kleinen Raum hinaufsteigen, den sie sich hinter den R�umen des K�nigs geschaffen hatten, und die schmale Wand hinter seinem Schrank, durch die wir ihn belauscht hatten, aufbrechen und in den Schrank und vorn dort aus in die Privatgem�cher des K�nigs kriechen. Den K�nig mit irgendeinem Gegenstand bedrohend (womit, wu�te ich noch nicht genau), w�rde ich ihn zwingen, in die Tunnels hinabzusteigen, und ihn Bahadim und den anderen Mitgliedern der Kongre�parteifraktion �bergeben. Wenn sie den K�nig in der Hand hatten, konnten sie die Macht mit einem ziemlich unblutigen Staatsstreich �bernehmen, einem �hnlichen Staatsstreich, wie K�nig Mahendra ihn 1960 angezettelt hatte. Die Kongre�partei w�rde �bernehmen und die Ranas mit kr�ftigen Arschtritten von ihren �mtern bef�rdern, und alles w�rde besser werden.</p><p>Es funktionierte wie am Schn�rchen. Mit einem Brecheisen, das ich von einer der Baustellen mitgenommen hatte, stemmte ich die Wand zum Schrank des K�nigs auf. Unter mir fl�sterten einige von Bahadims Beobachtern scharf �Was tun Sie da?�, doch ich ignorierte sie und arbeitete mich durch die Wand in einen schwarzen Schrank, in dem auf beiden Seiten eindrucksvolle k�nigliche oder milit�rische Uniformjacken hingen. Es war nicht gerade ein Schrank der Marke Imelda Marcos�� Sie verstehen schon��, aber er war immerhin gro� genug, da� man darin aufrecht gehen konnte, was ich auch tat, und zwar zu einer T�r, die ich einen spaltbreit �ffnete.</p><p>Und dort stand er, mir den R�cken zugewandt. Ich warf die T�r auf, packte ihn um den Hals und hielt ihm die Brechstange vors Gesicht, damit er sehen konnte, womit er eins �bergezogen bekam, falls er Widerstand leistete. Er leistete keinen, und ich zerrte ihn zur�ck in den Schrank, wirbelte ihn herum und knurrte mit leiser, mordl�sterner Stimme: �Machen Sie ja kein Ger�usch! Na los�� durch dieses Loch�� gehen Sie schon!� Und ich stie� ihn durch den Durchbruch in der Wand. �Eine Leiter runter�, f�gte ich schnell hinzu, aber anscheinend nicht schnell genug, denn mit einem lauten Rums <emphasis>rums rums</emphasis> polterte er unser kleines Schlupfloch hinab.</p><p>Ich folgte ihm hinab�� wobei ich die Leiter nahm�� und kam hinzu, als sich der K�nig gerade wieder aufrappelte. Er zog seine Jacke glatt und sah sich im Kreis von Bahadims Vertrauten um, die uns nun umringten. Ich sah zum ersten Mal sein Gesicht, und eine Sekunde lang wurde mir schwindlig, und ich dachte: Wie zum Teufel haben sie Jerry Lewis in den Palast bekommen? Aber nein�� er sah nur aus wie Jerry Lewis, oder Jerry Lewis zumindest so �hnlich, wie der Dalai Lama Phil Silvers �hnlich sah; also nicht sehr, aber doch genug, da� man einen Schrecken bekommt, wenn man ihm tief unten in einer schlecht beleuchteten H�hle begegnet.</p><p>Da waren wir also. Wir hatten ihn: Seine Majest�t K�nig Birendra Bir Bikram Shah Dav stand direkt vor uns und blinzelte uns an. Die Burschen von der Kongre�partei, die zumeist zerlumpt und verdreckt waren, weil sie in den Tunnels gegraben hatten, standen sprachlos da. Der K�nig war sprachlos. Ich war sprachlos.</p><p>Bahadim dr�ngte sich durch den Kreis. �Was ist hier los, was geht hier vor ��Er hatte den K�nig gesehen und blieb stehen, erstarrte wie Lots Frau. Sein Mund bildete ein perfektes O.</p><p>Dann kam wieder Leben in ihn, und er st�rmte an meine Seite. �Was haben Sie getan?� schnatterte er. �Was soll das?�</p><p>�Das ist der K�nig�, sagte ich und deutete mit meiner Brechstange auf ihn.</p><p>�Ja, das wei� ich, aber was <emphasis>macht</emphasis> er hier unten, was haben Sie getan?�</p><p>�Ein Staatsstreich�, sagte ich. �Das ist ein Staatsstreich. Wir �bernehmen.�</p><p><emphasis>�Arrgh!�</emphasis> sagte er laut und schnitt eine Grimasse. Er hopste an Ort und Stelle auf und ab, er schlug mir heftig auf den Oberarm, er rang seine H�nde, bis ich schon glaubte, er w�rde sich die Finger brachen. Er atmete tief ein und schlurfte dann zum K�nig hin�ber, der die ganze Vorstellung benommen beobachtet hatte. Seine gef�rbten Brillengl�ser konnten ihm in der Dunkelheit hier unten kaum von Nutzen sein.</p><p>�Eure Majest�t�, sagte Bahadim, �es tut uns �beraus leid, dieser Mann hat bei dem Versuch, uns zu helfen, einen �beraus schrecklichen Fehler begangen, Ihr m��t ihm verzeihen, er ist Amerikaner.�</p><p>�Ah�, sagte der K�nig.</p><p>�Bitte�, sagte Bahadim. Er streckte eine Hand nach dem K�nig aus, zog sie wieder zur�ck, streckte sie erneut aus und ergriff den K�nig vorsichtig am Unterarm. Er fiel ins Nepalesische, und sie unterhielten sich emsig, w�hrend er den K�nig zum Fu� der Leiter zur�ckf�hrte und ihn hinaufschob.</p><p>Ger�usche von oben. Schreie. Bahadim schnappte wieder nach Luft und erkl�rte dem K�nig etwas so schnell, wie ich noch nie jemanden hatte sprechen h�ren. Der K�nig nickte und kletterte weiter.</p><p>Dann kamen die Schreie die Leiter hinab, und Bahadim fuhr herum und sagte etwas zu seinen Genossen, die augenblicklich in der Dunkelheit verschwanden, und dann lief er zu mir und schlug mich heftig auf den Arm. �Narr! Narr! Argh! Fliehen, kommen Sie�� wir m�ssen fliehen ��</p><p>Und pl�tzlich erschienen gro�e schwarze Stiefel im Loch, stiegen die Leitersprossen hinab und traten dem K�nig auf den Kopf, und Bahadim zerrte mich am Arm, und wir verschwanden in die Dunkelheit.</p></section><section><title><p>16</p></title><p>Als wir den Rest unserer Gef�hrten gefunden hatten, die sich immer noch wie Derwische bei einem verr�ckten Tanz auff�hrten, verschaffte sich Bahadim lautstark ihre Aufmerksamkeit und berichtete ihnen schnell auf Englisch und Nepalesisch, was passiert war. Alle hielten inne und sahen mich ungl�ubig an. Dann traten Freds und Colonel John vor, und nach einer schnellen Beratung liefen alle durcheinander; einige versuchten anscheinend, die Tunnels zu blockieren, um das Ausma� des Systems vor den Soldaten des K�nigs zu verbergen, und andere, darunter auch die Schwadron Yetis, bem�hten sich einfach, ihnen nicht im Weg zu stehen. Freds f�hrte uns zum Eingang eines obskuren Seitentunnels, den ich noch nie betreten hatte. �Bleibt hier�, sagte er zu mir und Bahadim, und dann waren er und der Colonel schon wieder fort.</p><p>Wir standen in der Dunkelheit und lauschten. In den Tunnels herrschte eine unheimliche Stille, die von gelegentlichen Rufen aus der Richtung des Palasts durchbrochen wurde�� zweifellos die Leibw�chter des K�nigs. Dann und wann schlug Bahadim mir auf den Arm und murmelte leise etwas vor sich hin. Schlie�lich kam Freds schwer atmend zur�ck. Er legte die H�nde um den Mund und rief in die Richtung zur�ck, aus der er gekommen war. �Oh! Nein! Da kommen sie! Lauft!� Wir h�rten Schreie und liefen den schmalen Seitentunnel entlang.</p><p>�Was tun wir?� fragte ich Freds, w�hrend wir neben ihm trabten.</p><p>�Wir sind die Lockv�gel�, sagte er. �Das ist der Tunnel, der nach Chitwan f�hrt, du wei�t, der, den wir gefunden haben. Der Colonel hat die Leibw�chter, die aus dem K�nigspalast hinabkamen, dazu gebracht, uns zu folgen, und er hofft, w�hrenddessen einen Gro�teil des Tunnelsystems blockieren und so verbergen zu k�nnen, was es alles hier unten gibt.� Wir kamen an eine Gabelung, und Freds f�hrte uns nach links. Wir liefen ein paar Minuten diesen Tunnel entlang, und dann drehte er sich um und rief: �Oh! Nein! Da kommen sie!�</p><p>�Das wird nicht n�tig sein, wenn ich nur Gelegenheit bekommen, mit diesen Leuten zu sprechen�, sagte Bahadim. �Ich mu� mich nur kurz mit ihnen unterhalten.�</p><p>�Kann schon sein�, sagte Freds, �doch sie scheinen ihre Pistolen gezogen zu haben, und ich glaube nicht, da� Sie ausgerechnet jetzt mit ihnen sprechen sollten.�</p><p>�Nein�, stimmte Bahadim ihm zu und schlug mir wieder auf den Arm.</p><p>�Freds�, sagte ich, �sind es nicht etwa hundertf�nfzig Kilometer bis nach Chitwan?�</p><p>�Ich glaube schon.�</p><p>�Und wollen wir bis dahin laufen?�</p><p>�Nein, es gibt hier irgendwo diese kleinen Loren. Ah! Da sind sie.�</p><p>Im Licht unserer Taschenlampen sahen wir sie; wir befanden uns in einer runden Erweiterung des Tunnels, und an einer Wand standen ein paar kleine h�lzerne Loren, deren eiserne R�der leuchteten. Freds lief zu der ganz vorn und stie� sie an; sie rumpelte �ber die in den Boden des Tunnels eingelassenen Gleise. �Komm schon, steig� auf, schnell!� sagte er, und so sprangen wir auf und rollten in die Dunkelheit. Freds pumpte etwas auf und ab, das wie der Handantrieb einer alte Draisine aussah, und wir rollten immer schneller. �Zieh diesen Hebel hoch, wenn wir in eine Kurve kommen�, sagte er. �Das ist die Bremse.�</p><p>Ich richtete meine Taschenlampe in die vorbeirauschende Dunkelheit, doch sie ergab nur einen schlechten Scheinwerfer. �Woher soll ich wissen, da� wir in eine Kurve kommen?�</p><p>�Du wirst es merken.�</p><p>�Willst du den ganzen Weg bis nach Chitwan pumpen?�</p><p>�Wir fahren bergab. Chitwan liegt etwa tausend Meter tiefer, und so kommt es eher auf das Bremsen an. Die Fahrt hinauf mu� ziemlich beschwerlich sein. He, brems nicht so stark, wir fahren auf Schienen, und die Soldaten sind uns auf den Fersen.�</p><p>�Glaubst du?�</p><p>�Sieh doch.�</p><p>Hinter uns leuchtete kurz ein Licht auf. Die R�der unserer Lore kreischten zu laut, als da� wir etwas au�er unseren eigenen Stimmen h�tten h�ren k�nnen, und die auch nur, wenn wir uns in die Gesichter schrien; doch offensichtlich folgte uns ein anderer Wagen. Freds schob mich beiseite und �bernahm die Bremse.</p><p>�Mal sehen, wie schnell wir diese alte Karre ans Laufen kriegen.�</p><p>Dem Kreischen der R�der zufolge und der Luft, die �ber uns hinwegrauschte, und den W�nden, die im Lichtkegel der Taschenlampe an uns vorbeiflogen, waren wir wohl ziemlich schnell. Gelegentlich rasten wir an Statuen des Buddha vorbei oder langen Wandgem�lden mit B�npa-D�monen, die wie lebendig gewordene Alptr�ume aussahen. Manchmal fiel der Tunnel steiler ab, und wir mu�ten eine Geschwindigkeit von hundertzwanzig oder hundertdrei�ig Stundenkilometern erreicht haben. Freds gew�hnte sich an dieses Tempo, und wenn der Tunnel wieder flacher verlief, pumpte er, damit wir die Geschwindigkeit hielten. Er kommandierte Bahadim an die Bremse ab, da ihm nicht gefiel, da� ich sie zu oft einsetzte.</p><p>Ich wei� nicht, wie lange wir auf diese Art den Tunnel entlang schossen; manchmal glaubte ich, wir seien schon seit Tagen unterwegs, und manchmal schienen nur ein paar Minuten verstrichen zu sein, seit der K�nig und ich im Kreis aus Bahadims Leuten gestanden hatten. Ein Problem, mit dem ich nie gerechnet h�tte, war die K�lte. Die Luft hier unten war vielleicht f�nf oder zehn Grad warm�� das lie� sich durchaus ertragen��, doch bei der Geschwindigkeit, mit der wir uns bewegten, schien ein Wind von neunzig oder hundert Stundenkilometern �ber uns hinwegzupfeifen, und ich glaube, man mu� f�r jeden Stundenkilometer ein halbes Grad abziehen, wenn man die K�lte des Windes berechnen will, und das hie�, da� es f�r uns etwa drei�ig Grad unter dem Gefrierpunkt war. Und wir f�hlten jedes Grad davon. Selbst Freds erkl�rte, es sei etwas unbehaglich, und ich ertappte ihn dabei, wie er sich eine Hand w�rmen wollte, indem er sie direkt �ber eine Bremsbacke �ber die Seite hielt. �Soviel hilft das nun auch nicht�, gestand er mit klappernden Z�hnen ein. Schlie�lich hockten wir uns alle auf den Boden der Lore und versteckten uns hinter der Vorderwand, fuhren blind und froren uns buchst�blich den Arsch ab.</p><p>Schlie�lich stie� sich Freds hoch, um in die Dunkelheit zu sehen, sprang dann zur Bremse und zog daran, was zu einem ohrenbet�ubenden Kreischen der R�der f�hrte. Als wir angehalten hatten und mit den Taschenlampen leuchteten, fanden wir uns in einer anderen kreisrunden, mit Loren gef�llten Kammer wieder. Wir sprangen steif wie tiefgefrorene Schweinskotelettes hinaus und folgten Freds durch einen Tunnel auf der anderen Seite. �Ich kann meine H�nde nicht sp�ren�, sagte Bahadim. Ich sp�rte weder H�nde noch F��e.</p><p>�Es sind nur noch ein paar hundert Meter�, sagte Freds, dessen Z�hne in einem Sch�ttelfrostanfall aufeinander schlugen. �Mein Gott, war das nich <emphasis>toll?</emphasis> Wie eine Riesenachterbahn�� das will ich <emphasis>noch mal</emphasis> machen.�</p><p>Hinter uns im Tunnel h�rten wie das schwache, tiefe Knirschen von eisernen R�dern auf eisernen Schienen. �He, die Burschen haben ja richtig gut mitgehalten. Kommt, wir m�ssen uns beeilen.�</p><p>Wir taumelten weiter und schlugen uns mit den Armen an die Seiten, um uns aufzuw�rmen. Bahadim w�rmte sich auf, indem er mich schlug. Bald erreichten wir eine lange Treppe aus groben Steinstufen; da unsere Knie noch nicht vollst�ndig aufgetaut waren, mu�ten wir uns wie Frankenstein hinaufschwingen. Doch die Luft wurde w�rmer, und dann prallten wir zusammen, da Freds stehengeblieben war und seine Taschenlampe ausgeschaltet hatte.</p><p>�Na also�, sagte er. �Da ist der Eingang.�</p><p>�Wo?�</p><p>�Direkt vor uns.�</p><p>�Wo?�</p><p>�Es ist noch dunkel, George.� Er schaltete seine Taschenlampe ein und aus, und ich erhaschte einen kurzen Blick auf Saalb�ume.</p><p>�Oh, nein�, sagte ich. Ich wollte nicht des Nachts zu Fu� in den Dschungel gehen; das lehnte ich absolut ab. Doch hinter uns, im Tunnel, erklang ein fernes <emphasis>Kreisch,</emphasis> einige schwache Rufe und dann ein kurzes Poltern. Die Leibwache des K�nigs war da.</p><p>�Kommt schon�, sagte Freds und lief los.</p></section><section><title><p>17</p></title><p>So schlimm es auch sein mag, des Nachts auf dem R�cken eines verr�ckt gewordenen Elefanten durch den Dschungel zu preschen, es ist noch viel schlimmer, ihn zu Fu� zu durchstreifen. Wir schlichen uns zwischen B�umen hindurch und durch B�sche und versuchten, so leise wie m�glich zu sein, und je leiser wir waren, desto besser konnten wir h�ren: ein Knistern, ein Rascheln, schnelle, scharrende Ger�usche; der gelegentliche Schrei eines Vogels, kurz und auf den Punkt gebracht. Und dann knackte irgendwo ein Ast, und jedes andere Ger�usch dort drau�en in der Dunkelheit verstummte und hinterlie� ein schweres Schweigen, von dem man wu�te, da� sich jede Menge Lebewesen darin niederkauerten und darauf warteten, da� etwas Gro�es weiterzog, und mit Nasen schn�ffelten und mit Ohren lauschten, die viel sch�rfer als die unseren waren. Es w�re viel sinnvoller gewesen, zu singen, was die Lungen hergaben, oder fern�stliche Kampfsportger�usche auszusto�en, doch mit den Soldaten des K�nigs auf unseren Fersen, die den Tunnel verlassen hatten, ausgeschw�rmt waren, mit ihren Taschenlampen ins Unterholz leuchteten und manchmal Stellen ganz in unserer N�he erhellten, war das einfach unm�glich. Wie alle anderen Gejagten mu�ten wir ruhig bleiben und so leise wie m�glich weiterschleichen.</p><p>Zum Gl�ck ist es Menschen unm�glich, des Nachts im Dschungel irgend jemand oder irgend etwas zu verfolgen, und die Leibw�chter schienen von den Scheinwerfern des Tiger View abgelenkt worden zu sein. Sie bewegten sich zumindest in diese Richtung, als Freds mehrmals in einen Busch sprang und laut �Ah!� rief.</p><p>Ihre Taschenlampen wandten sich in unsere Richtung, und wir liefen los, wobei Freds soviel L�rm machte, wie er konnte.</p><p>�Verdammt, Freds�, keuchte ich, w�hrend ich ihm folgte. �Warum hast du das getan?�</p><p>�Bleibt einfach hinter mir�, rief er zur�ck. �Ich habe einen Plan.�</p><p>Wir f�hrten die Soldaten etwa eine halbe Stunde lang durch den Wald. Dann blieb Freds pl�tzlich stehen und kauerte sich nieder. �Na sch�n�, fl�sterte er. �Seid still. Wir sind da.�</p><p>�Wo?�</p><p>�Das ist die Wiese der Wilddiebe. Seht ihr? Der Jeep ist wieder da. W�re doch toll, wenn wir die Soldaten auf die Wilderer hetzen k�nnten, oder? Hier, sucht etwas, womit ihr werfen k�nnt. Da liegen ein paar Steine. Werft sie auf den Jeep.�</p><p>Er warf, und nach einer Weile erklang ein <emphasis>P�ng!</emphasis> und dann noch eins. Hinter uns ert�nten Stimmen, und dann auch auf einer Seite. Die Soldaten bahnten sich nun schnell den Weg durch den Dschungel, und der Strahl einer Taschenlampe erfa�te den Jeep und verharrte auf ihm. Mehr Stimmen, diesmal im Dschungel hinter uns.</p><p>�Verschwinden wir von hier�, fl�sterte Freds und lie� sich auf H�nde und Knie fallen. Bahadim und ich krochen durch Schlamm und Geb�sch und folgten ihm. Hinter uns erklangen undefinierbare Ger�usche und dann Sch�sse. Dann ganze Kugelsalven. Wir krochen schneller.</p><p>Schlie�lich erhob sich Freds.</p><p>�Ich glaube, die Luft ist rein, Jungs!� rief er.</p><p>�So rein scheint sie mir gar nicht zu sein�, wandte Bahadim ein. �Das ist ein Dschungel.�</p><p>�Allerdings. Aber es verfolgt uns niemand mehr.� Und er setzte sich gem�chlichen Schrittes in Bewegung.</p><p>Erneut folgten wir ihm. Doch nach einer Weile sagte ich, ziemlich ungl�cklich: �Du meinst, da� uns keine Menschen mehr verfolgen.�</p><p>�Wieso? Ja. He, glaubst du �� Er blieb stehen, um zu lauschen.</p><p>�Es ist schrecklich still�, verdeutlichte ich.</p><p>Wir gingen weiter, so leise wie m�glich.</p><p><emphasis>�Unheimlich</emphasis> still�, fl�sterte ich.</p><p>Und vor uns, hinter irgendeinem Baum, knackte ein Zweig. Anscheinend war da noch ein Ger�usch, ein Atmen: ein leises, dumpfes, raspelndes Atmen. Die Art von schabendem Atmen, die auch h�tte knurren oder br�llen oder schnurren k�nnen.</p><p>�Vielleicht sollten wir Schutz suchen�, fl�sterte Freds mit besorgt klingender Stimme.</p><p>�Irgendwelche Vorschl�ge?�</p><p>�Wie w�re es mit einem Baum?�</p><p>�Ich glaube, Tiger k�nnen auf B�ume klettern�, sagte ich.</p><p>�Nee.�</p><p>�Katzen k�nnen auf B�ume klettern. Warum nicht auch Tiger? Sie haben die Klauen und die St�rke daf�r. Leoparden klettern auf jeden Fall auf B�ume.�</p><p>�Ich glaube trotzdem, da� wir auf einem Baum besser dran sind als hier unten.�</p><p>Und in der Tat umkreisten wir w�hrend dieses Gespr�ch einen gro�en, doppelst�mmigen Baum und versuchten, einen Weg hinauf zu finden, so da� wir hier offensichtlich gegens�tzlicher Meinung waren. Bahadim erkl�rte, einige Tiger k�nnten klettern, andere wieder nicht. Freds beklagte sich, Saalb�ume eigneten sich nicht gut zum Erklettern, was auch stimmte: ihre St�mme erhoben sich zehn Meter oder h�her, bevor die ersten �ste hinauswuchsen. Der doppelst�mmige Baum, um den wir herumgingen, schien noch unsere beste M�glichkeit zu sein, aber ich war mir trotzdem nicht sicher, ob wir mit ihm nicht sozusagen eine Einbahnstra�e hinaufkletterten. Wir standen also ein paar Minuten da und stritten uns mit scharfen Untert�nen dar�ber, ob Tiger nun klettern konnten oder nicht.</p><p>Schlie�lich brach Freds das Patt, indem er sagte: �Verdammt, wie dem auch sei, ich versuch�s. Wollen wir es dem verdammten Tiger doch nicht allzu leicht machen, selbst, wenn er klettern kann.�</p><p>�Und wie willst du da hinaufkommen?� fragte ich ihn.</p><p>�Wie eine Felswand�, murmelte er. �Das kann doch h�chstens Schwierigkeitsstufe f�nf Komma acht oder neun sein.� Und er versuchte es.</p><p>Er versuchte es ziemlich oft, und er rutschte jedesmal wieder hinab. �Na sch�n, na sch�n. F�nf elf, f�nf zw�lf. Vielleicht eine Sechs.� Schlie�lich kam er an dem entscheidenden Punkt vorbei und zog sich zu der Spalte zwischen den St�mmen hoch. Ich lie� Bahadim auf meinen R�cken steigen und kletterte ihnen dann hinterher. Freds f�hrte uns �ber den rauher aussehenden der beiden St�mme hinauf, �ber abgebl�tterte Rinde und etwas, was sich wie gro�e Kletterameisen anf�hlte.</p><p>Sobald wir die Stelle erreicht hatten, an der die �ste zu wachsen anfingen, gab es eine ganze Menge davon, und wir konnten uns etwas verteilen, w�hrend wir h�her kletterten. Wir brauchten jedoch ziemlich lange daf�r, und die ganze Zeit �ber stritten Freds und ich mich dar�ber, ob Tiger nun klettern konnten oder nicht. Der Dschungel war noch immer totenstill, abgesehen von den schrecklich lauten Ger�uschen, die wir von Zeit zu Zeit zu verursachen schienen; also war es f�r uns ein ernstes Thema. �Schei�e, du hast doch wirklich keine Ahnung!� sagte Freds. �Hast du nie <emphasis>Ein Platz f�r Tiere</emphasis> gesehen?�</p><p>�Nat�rlich!� erwiderte ich. �Und ich bin sicher, da� ich mich an Tiger in B�umen erinnere, die ein ganzes Reh da hinaufgeschleppt haben! Sie schlafen sogar auf B�umen!�</p><p>�Das waren Leoparden, George. Die gefleckten sind Leoparden, die gestreiften sind Tiger. Und Tiger kratzen sich an B�umen nur die Krallen ab. Sie sind viel zu gro�, um hinaufzuklettern. Ich glaube, die �ste w�rden durchbrechen, aus demselben Grund kann es niemals diese Riesenameisen nach Atomexplosionen aus diesen alten Science Fiction-Schinken geben, wenn sich die Gr��e verdoppelt, vervierfacht sich das Gewicht, oder wie auch immer.�</p><p>Ich sah nicht ein, wie das mit unserem Problem zusammenhing. �Sie haben die Muskelkraft daf�r, und sie haben die Krallen.�</p><p>�Krallen helfen einem nicht, wenn man einen verdammten Baum runter mu�! Deshalb werden die Katzen auch immer von der Feuerwehr aus B�umen gerettet. Hier gibt es keine Feuerwehm�nner, die die Tiger runterholen k�nnten, und das wissen sie ganz genau! Sie sind nicht so dumm wie Katzen. Ihre Gehirne m�ssen zehnmal so gro� sein.�</p><p>�Die Gehirngr��e hat nichts mit der Intelligenz zu tun.�</p><p>�Erkl�r das mal einem Wurm.�</p><p>Wir kletterten noch ein St�ck weiter. Bahadim erw�hnte, da� es seiner Meinung zufolge im Dschungel von Chitwan nicht nur Tiger, sondern auch Leoparden g�be.</p><p>�Sch�ne Schei�e!� sagte Freds. �Hast du einen besseren Vorschlag?�</p><p>�Nein, nein�, sagte Bahadim. Au�erdem, so gestand er ein, seien B�ume der empfohlene Zufluchtsort vor Tigern. Zumindest war man da oben vor Nash�rnern sicher. Und es hie�, wenn man hoch genug hinaufstieg, w�rde man schlie�lich �ste erreichen, die zu d�nn waren, um einen Leoparden oder Tiger zu tragen, falls es sie �berhaupt gab.</p><p>Also kletterten wir so weit wie m�glich hinauf.</p><p>Schlie�lich fand ich mich in einer schmalen Astgabel eingeklemmt, hielt mich an kleinen Zweigen auf beiden Seiten fest und schwankte ganz beachtlich. Der Boden war nicht mehr zu sehen. �ber mir sah ich zwischen den Bl�ttern die Sterne. Freds und Bahadim kletterten rechts und links neben mir und waren hinter dazwischen befindlichen �sten nur teilweise auszumachen. �H�her hinauf kann ich nicht�, sagte ich und versuchte, es mir bequem zu machen. Das Schwanken war wirklich ganz beachtlich. �Mein Gott, Freds�, sagte ich. �Da hast du mich ja wieder sch�n in die Klemme gebracht!�</p><p>�Nicht Freds hat uns in diese schreckliche Lage gebracht!� platzte Bahadim heraus. �Sie haben uns das angetan, George Fergusson! Sie haben Seine Majest�t K�nig Birendra angegriffen!�</p><p>Anscheinend hatte Bahadim bei unserer �berst�rzten Flucht keine Gelegenheit gefunden, mir sein Mi�gefallen �ber diese Sache zum Ausdruck zu bringen. W�hrend der Lorenfahrt war es zu laut gewesen, um sich zu unterhalten, und danach waren wir zu besch�ftigt gewesen. Er schimpfte mich jede Art von Narr, die ihm nur einfiel. Oft mu�te er ins Nepalesische wechseln, um den richtigen Begriff zu finden.</p><p>�Mischt sich in die Angelegenheiten Nepals ein! Baut Mist, wo er keine Ahnung hat, was vor sich geht! Dummkopf! Narr! Idiot! Sie sind nur so ein arroganter dummer Amerikaner, der seine Finger im Spiel hat, wo er unerw�nscht ist, und zu terroristischen Handlungen greift. Da k�nnten Sie doch gleich Bomben werfen wie die Ram Raja Prasad Singh, <emphasis>argh!</emphasis> Und was f�r eine Berechtigung haben Sie f�r diese Dummheit? Stehen die Dinge in Ihrem Land so ausgezeichnet, da� Sie zu uns kommen m�ssen, um unsere Probleme zu l�sen? Nein! Nein! Nein! Sie schw�rmen �ber die ganze Welt aus und geben vor, alle Probleme zu l�sen, und mittlerweile schaffen Sie die H�lfte dieser Probleme selbst, schicken Soldaten aus und betreiben Zinswucher und zwingen uns Ihre chemischen Fabriken auf! Und gibt es in Ihrem Land keine armen Menschen, denen Sie helfen m��ten? Gibt es dort keine politischen Probleme? Gibt es keine Korruption in Ihrem Milit�r? Mit Sicherheit gibt es die! Warum k�mmern Sie sich nicht um die Angelegenheiten Ihres eigenen Landes und lassen den armen Rest der Welt in Ruhe? Entf�hren Sie doch Ihren eigenen K�nig, wenn Sie glauben, so etwas tun zu m�ssen! Den K�nig von Nepal zu entf�hren! Dumm! Dumm! DUMM!� Und dann ein langer Redeschwall auf Nepalesisch.</p><p>�He�, sagte Freds. �Jetzt lassen Sie ihn gef�lligst in Ruhe, ja! Das war doch nur eine Idee!�</p><p>�Nur eine Idee! Nur eine Idee, den K�nig zu entf�hren und die Regierung zu st�rzen!�</p><p>�Na klar�, sagte Freds. �Warum nicht?�</p><p>Bahadim konnte es nicht glauben.</p><p>�Nein, wirklich�, sagte Freds. �Das haben Sie doch sowieso vor, oder? Sie f�hren dort unter der Stadt eine Schattenregierung, oder? Warum sollten Sie da nicht die Macht �bernehmen? Der Vater des K�nigs hat dasselbe getan. Wenn Sie dazu bereit gewesen w�ren, h�tten Sie sich verdammt gl�cklich sch�tzen m�ssen, da� George Ihnen den K�nig einfach so ausliefert. Das h�tte Ihnen in den Kram passen m�ssen!�</p><p>�Nein!� sagte Bahadim. �Niemals. Sie verstehen das nicht.�</p><p>�Das glaube ich auch�, sagte Freds.</p><p>Bahadim atmete tief ein. Er war so aufgeregt, da� sein Ast zitterte.</p><p>Er ri� sich zusammen und beruhigte sich. Nach einer Weile versuchte er, es Freds zu erkl�ren. �Wir in Nepal, wir sind unserem K�nig treu ergeben. Wir lieben unseren K�nig. Er ist unser K�nig, der K�nig eines unabh�ngigen Nepals, das niemals von einem anderen Land beherrscht wurde.�</p><p>�Ja, aber er ist ein Schurke.�</p><p><emphasis>�Nein!</emphasis> Das stimmt nicht. K�nig Birendra ist kein Schurke. Die Leute sagen das vielleicht, weil er K�nig ist, oder weil sein j�ngerer Bruder ein Tunichtgut ist. Und die Ranas, sie umgeben ihn�� die K�nigin, die Armee, seine Berater��, sie sind �berall um ihn herum und machen es ihm unm�glich, so zu handeln, wie er vielleicht gern handeln w�rde. Er ist kein starker K�nig wie sein Vater, das gestehe ich ein.</p><p>Aber er ist ein kluger Mann, und er wei�, woher die Probleme Nepals r�hren. Er <emphasis>will</emphasis> die Dinge ver�ndern.�</p><p>�Ach ja?� sagten Freds und ich gleichzeitig.</p><p>�Ja. K�nig Birendra m�chte politische Reformen, um die wirtschaftlichen Reformen zu unterst�tzen. Diese Hilfsprogramme sind ihm ein Dorn im Auge, die B�rokratie und die Korruption und die Ranas. Er will ein konstitutionelles Land, verstehen Sie? Aber es liegt nicht in seiner Macht, das zu bewerkstelligen. Viele, viele Leute m�chten, da� der Palast das Sagen hat. Der K�nig ist ein Gefangener des Kastensystems, der Macht der Ranas. Sie sind reicher als er, sie beherrschen die Armee, verstehen Sie? Also mu� er mit uns zusammenarbeiten.�</p><p>�Mit euch!� rief ich.</p><p>�Ja. Erinnern Sie sich, da� ich Ihnen gesagt habe, wir arbeiteten unter der Stadt, um den Menschen zu helfen, mit Geldmitteln, die reiche Nepalis zur Verf�gung stellen, die mit unserer Sache sympathisieren?�</p><p>�Birendra?� Ich war erstaunt.</p><p>�Ja�, sagte Bahadim. �Wir haben Kontakt mit ihm, und er wei�, was wir tun. Er hilft uns. Das ist eine M�glichkeit, mit der er etwas ver�ndern kann, ohne da� die Ranas davon erfahren. Er ist unser Schutzherr. Wir beraten uns durch diesen Ri� in seinem Schrank mit ihm. Er ist unser K�nig, wir lieben ihn. Er hat seine Schw�chen, doch er gibt sein Bestes, und es liegt nicht an ihm, da� in Nepal so einiges nicht in Ordnung ist, jedenfalls nicht v�llig. Er tut, was er kann, genau wie wir.�</p><p>�Warum haben Sie mir das nicht gesagt?� fragte ich schockiert.</p><p>�Das geht Sie nichts an! Ich habe Ihnen doch gesagt, da� wir in Nepal einiges geheimhalten, einige Dinge, die allein Nepal geh�ren. Nat�rlich k�nnen wir nicht verbreiten, da� der K�nig durch eine unterirdische Regierung arbeitet! Wenn das bekannt w�rde, w�rden die Ranas es verhindern. Also habe ich es vor Ihnen geheimgehalten.�</p><p>�Dann ist das alles Ihre Schuld, nicht wahr?� stellte Freds klar. �Wenn Sie es George erz�hlt h�tten, h�tte er nicht versucht, euch auf diese Art zu helfen.�</p><p>Bahadims einzige Erwiderung darauf war ein verdrossen klingender nepalesischer Wortschwall.</p><p>Ich sa� schwankend da oben und dachte dar�ber nach. �Wenn der K�nig also �ber Sie Bescheid wei߫, sagte ich zu Bahadim, �m��ten Sie imstande sein, die Sache mit den Tunnels und so weiter wieder hinzubiegen.�</p><p>�Ja�, sagte er kurzangebunden. �Einige seiner Leibw�chter stehen in seinem Vertrauen und wissen von uns. Sie nahmen wahrscheinlich an, da� wir von der Ram Raja Prasad Singh oder einer anderen terroristischen Gruppe unterwandert waren. Wenn sie sich beruhigt haben und wir ihnen alles erkl�ren k�nnen, bekommen wir die Sache wieder hin, und dann wird auch die Existenz der Tunnels nicht offenbart werden.�</p><p>�Gut�, sagte ich. Ich seufzte. �Es tut mir leid, Bahadim. Ich bin da wohl kurz ausgeflippt, sch�tze ich. Dieser gottverdammte A. Rana treibt mich noch in den Wahnsinn. Und als Sie mir das mit diesen Wilddieben erz�hlten ��</p><p>�Sie m�ssen sich dar�ber keine Sorgen machen�, sagte Bahadim kurzangebunden. �Wir haben den Jeep, den Freds uns gemeldet hat, zu einer milit�rischen Fahrbereitschaft in Chitwan zur�ckverfolgt, die von A. Ranas Neffen benutzt wird. Nachdem Freds nun die Leibwache des K�nigs in ein Gefecht mit den Wilddieben gef�hrt hat, wird sich der K�nig sehr daf�r interessieren. Wir werden A. Rana aufhalten und ihm wahrscheinlich sehr gro�e Probleme bereiten. Obwohl es wegen der Verwirrung, die Sie durch Ihre Entf�hrung gestiftet haben, vielleicht einige Zeit dauern wird.�</p><p>�Es tut mir leid�, sagte ich. �Ich habe es verpatzt.�</p><p>Er seufzte. �Es ist schon gut�, sagte er z�gernd. �Sie haben nur versucht, uns zu helfen.� Eine Pause. �Obwohl ich Ihnen sagen mu�, da� wir Ihre Hilfe in dieser Angelegenheit nicht wollen, vielen Dank. Und ich habe immer noch den Eindruck, als g�be es auch in Ihrem Land noch vieles zu verbessern.�</p><p>Wieder z�gerte er; dann fuhr er fort: �Wissen Sie, wir bilden nicht die einzige unterirdische Regierung auf der Welt.</p><p>Wir haben Kontakte, einige tats�chlich durch Tunnels, andere nur durch Informanten, und sie dehnen sich auf viele L�nder aus. Einschlie�lich des Ihren. Unter Washington, D. C, London, Moskau ��</p><p>�Tunnelsysteme?� sagte ich.</p><p>�U-Bahnen�, warf Freds ein. �Ist doch klar, George.�</p><p>�Nein, nein, nein�, sagte Bahadim. �Sie liegen unter den U-Bahnen und so weiter.�</p><p>�Das habe ich dir doch gesagt, George�, sagte Freds. �Das Tunnelsystem von Shambhala ist �lter und gr��er, als du es dir je vorstellen kannst. Es war einmal eine wirklich gro�e Zivilisation. Tausende von Jahren, Tausende von Kilometern.�</p><p>�Ja, wirklich sehr verzweigt�, sagte Bahadim. �Und nun wird es wieder benutzt, um die Ranas zu umgehen, verstehen Sie. Oder ihre �quivalente in anderen L�ndern.�</p><p>�Na ja�, sagte ich. �Ich mu� sie mir mal genauer ansehen. Falls ich jemals zur�ckkomme.�</p><p>�Das w�rde ich Ihnen empfehlen�, sagte Bahadim, und ich wu�te nicht, ob er damit meinte, ich sollte mir sie ansehen oder zur�ckkehren.</p><p>Ich lie� es dabei bewenden und kam mir etwas �berw�ltigt vor. Au�erdem war mein Hintern eingeschlafen. Ich mu�te meine Sitzhaltung �ndern. W�hrend wir durch den Dschungel gekrochen waren, hatten wir uns ganz sch�n aufgew�rmt und von der durch die Fahrt durch die Tunnels hervorgerufenen Unterk�hlung erholt, doch nun k�hlte der Schwei� uns wieder ab, und mir wurde wieder kalt.</p><p>Der Horizont, der im Osten liegen mu�te, f�rbte sich ein wenig grau, doch es w�rde noch eine betr�chtliche Weile bis zum Tageslicht dauern, und wir konnten nichts weiter tun, als dort oben zu sitzen, in einer leichten Brise zu schwanken und zu zittern. Von seinem Hochsitz aus erz�hlte Freds die unendliche Geschichte seines Lebens; seine Stimme war ein vertrautes Stakkatomuster, das in mein Bewu�tsein eindrang und wieder verblich. �Schei�e, hier oben friert man sich ja den <emphasis>Arsch</emphasis> ab. Aber diese Achterbahnfahrt war doch wirklich toll! Meine Aug�pfel erfroren, so kalt war�s. Das erinnert mich daran, wie ich unter Kunga Norbu im geheimen Rongbok meine Novizenausbildung absolvierte, und wir kamen zu dem Test, mit dem sie feststellen wollen, wie stark deine Tumo-Kr�fte sind. Bei dem bringen sie einen des Nachts zu einem dieser Gletscherb�che auf etwa f�nftausend Meter H�he und ziehen einen nackt aus und gie�en ein paar Eimer Wasser �ber einen und weichen etwa zwanzig wei�e Laken im Bach ein und lassen einen dann da oben zur�ck, und man mu� sich nicht nur warmhalten, man mu� sich sogar so warm halten, da� man die wei�en Laken trocknen kann, so viele wie m�glich, und je mehr man im Lauf der Nacht trocknet, desto besser ist es f�r die Pr�fung, da� ist ein strenger numerischer Test, wie jede Aufnahmepr�fung an der Uni und sehr genau, wenn es darum geht, herauszufinden, wer der beste Lama sein wird. Na ja, ich wollte euch ja erz�hlen, als sie dieses Eiswasser �ber mich gossen, war der Schock so stark, da� ich meine Tumo-Ausbildung v�llig verga�, ich meine, ich <emphasis>verga�</emphasis> sie einfach, und da stand ich splitternackt auf f�nftausend Meter H�he um acht Uhr Abends im November und wu�te einfach nicht, <emphasis>was</emphasis> ich tun sollte ��</p><p>Und er quasselte endlos weiter. Ich glaube, ich schlief ein paar Mal ein, obwohl mich jede Bewegung meiner Astgabel hochfahren lie�, wenn mir wieder einfiel, wo ich war.</p><p>Der Himmel wurde immer heller. Meine H�nde waren schrecklich wund, und ich merkte, da� ich mich die ganze Zeit da oben an den �sten festgehalten hatte.</p><p>�� und als sie schlie�lich kamen, hatte ich die Laken alle zusammengefaltet, und sie sahen praktisch aus wie geb�gelt und waren trockner als Toast, aber Kunga Norbu traute dem Braten nicht, und als er die Asche fand, hat er mit einem Stock die Schei�e aus mir rausgepr�gelt ��</p><p>�Freds?�</p><p>�Was? He, George! Guten Morgen! Die Sonne m��te jeden Augenblick aufgehen, oder? Was f�r ein Tag! Mann, wird doch toll sein, von diesem Baum hier runterzukommen, oder? Wir schlagen uns zu Daubahals Lager durch und fahren dann nach Katmandu, Mann, und dann gehen wir ins Old Vienna, ich bin schon halb verhungert, du nicht auch? Ich werde Wiener Schnitzel, Gulasch und Apfelstrudel essen, vielleicht sogar zwei Portionen Apfelstrudel, klar, und das Dasain ist noch voll im Gange, und Katmandu ist ganz toll w�hrend des Daisan, und wir k�nnen auf die Stra�en gehen und feiern, bis wir nicht mehr wissen, wo uns der Kopf steht.�</p><p>�Was genau sollen wir feiern?� kr�chzte Bahadim m�de.</p><p>�Hmm � na ja, tja, zum Beispiel, da� wir von diesem Baum runtergekommen sind. Ich wei� nicht, wie es bei euch ist, aber mir fallen die Beine ab. Ich glaube, ich hab� mir w�hrend der Fahrt Erfrierungen geholt. Das erinnert mich daran, wie wir vorhatten, mit dem Rad nach Makalu zu fahren ��</p><p>�Freds!� sagte ich.</p><p>�Was?�</p><p>�Halt die Klappe.�</p><p>�Na klar, Bruder. Ich will mir nicht nachsagen lassen, da� ich jemandem auf den Wecker gefallen bin, aber damit ihr da oben nicht einschlaft oder so, <emphasis>sollte</emphasis> ich euch wohl lieber auf den Wecker fallen ��</p><p>Ich lie� seine Stimme in die Ger�uschkulisse des erwachenden Dschungels treiben. Ich war m�de�� sehr, sehr, sehr m�de.</p><p>Aber irgend etwas daran, wie Freds von Katmandu gesprochen hatte, lie� das Bild der Stadt deutlich vor meinem inneren Auge erstehen. Es kroch geradezu �ber die Innenseiten meiner Aug�pfel. Und als die rote Sonne den Horizont aufbrach und sich die dicke, feuchte Luft mit Licht f�llte und wir uns anschickten, den Baum hinabzusteigen (�Wo sind die Feuerwehrleute? Vielleicht sind Katzen doch gar nicht so dumm!�), mu�te ich unwillk�rlich an die Stadt denken, an die �berf�llten Stra�en und die L�den mit offener Front und die Tempel �berall und die Bettler auf den Stra�en, und ich wu�te, da� sie sich niemals ver�ndern w�rde�� wenn wir zur�ckkamen, w�rden die K�he noch den verr�ckten Verkehr behindern, und die riesigen Flederm�use w�rden mit den K�pfen nach unten an den Kiefern auf dem Palastgel�nde h�ngen, und die Menschenschlangen w�rden sich hunderte Meter weit aus dem Postamt und dem Telegraphenamt erstrecken, und die Stra�enh�ndler w�rden auf den B�rgersteigen sitzen und Zuckerwaren und Weihrauch und Antibiotika und unbestimmbare Fr�chte und Ballen mit leuchtendem Tuch verkaufen, und Kr�hen und Wolken und Regenbogen w�rden �ber uns gen Norden zum Himalaja fliegen, und Fahrradschellen w�rden klingeln, und die heruntergekommenen alten Stra�en der Stadt w�rden vor Leben nur so wimmeln, und ich stellte fest, da� ich es gar nicht abwarten konnte, wieder nach Hause zu kommen.</p></section><section><title><p>18</p></title><p>Ach ja, noch etwas; wegen dieser unterirdischen Regierungen: halten Sie die Augen offen. Und sagen Sie allen, da� Sie an sie glauben, ja?</p></section></body><binary id="cover" 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