<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf</genre><author><first-name>Kim</first-name><middle-name>Stanley</middle-name><last-name>Robinson</last-name></author><book-title>Flucht aus Katmandu</book-title><date value="1990-11-01">1990</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Uwe</first-name><last-name>Anton</last-name></translator><sequence name="Flucht aus Katmandu" number="1"/></title-info><src-title-info><genre>sf</genre><author><first-name>Kim</first-name><middle-name>Stanley</middle-name><last-name>Robinson</last-name></author><book-title>Escape from Kathmandu</book-title><date value="1986-09-01">1986</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>Cosmopilit</nickname></author><program-used>calibre 2.53.0, FictionBook Editor Release 2.6.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2016-09-15">15.9.2016</date><id>D75C747F-B30C-4462-AA38-1D071FAD1F62</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><book-name>Kim Stanley Robinson. Flucht aus Katmandu</book-name><publisher>Bastei L�bbe</publisher><city>Bergisch Gladbach</city><year>1990</year><isbn>3-404-24137-1</isbn></publish-info></description><body><title><p>Kim Stanley Robinson</p><p>Flucht aus Katmandu</p></title><section><title><p>1</p></title><p>F�r gew�hnlich interessiert mich die Post anderer Leute kaum. Ich meine, wenn man es genau nimmt, ist selbst meine eigene Post nicht gerade das Gelbe vom Ei. Zum gr��ten Teil besteht sie aus Wurfsendungen oder Rechnungen oder bestenfalls aus Briefen wie zum Beispiel Mitteilungen von meiner Schw�gerin, f�r den ganzen Clan fotokopiert. Eine gelegentliche Nachricht von einem Kletterfreund liest sich wie ein Beitrag f�r das <emphasis>Bergsteigerjournal f�r Analphabeten.</emphasis> Und da soll man sich die M�he machen, das Zeug zu lesen, das ein Fremder so bekommt? Sie machen wohl Witze!</p><p>Aber irgend etwas an der liegengebliebenen Post im Hotel Star in Katmandu faszinierte mich. Mehrmals t�glich pflegte ich dem Staub und L�rm von Alices Zweiter Stadt zu entkommen, indem ich �ber den sonnigen, gepflasterten Hof des Star ging, die Halle betrat, mir von dem Hindu-Portier, der gerade Dienst hatte�� alles nette Burschen��, meinen Schl�ssel geben lie� und die schiefe Treppe zu meinem Zimmer hinaufstieg. Und dort, am Fu� der Treppe, war ein gro�es h�lzernes F�cherregal f�r Briefe an die Wand genagelt und mit Post absolut <emphasis>vollgestopft.</emphasis> Dort mu�ten zweihundert Briefe und Postkarten liegen�� dicke Stapel, blaue Luftpostumschl�ge, verknitterte Postkarten aus Thailand oder Peru, gew�hnliche Umschl�ge, beschriftet mit komplizierten Adressen und mit den unterschiedlichsten Stempeln versehen. Alle hingen halb aus den h�lzernen F�chern des Regals heraus, alle waren grau vor Staub. �ber dem Gestell starrte ein Hochglanzabzug von Ganesch mit seinem traurigen Elefantenblick hinab, als repr�sentiere er all die Leute, die diese Briefe abgeschickt hatten, deren Inhalt niemals ihre Empf�nger erreichen w�rden. Wenn ich je unzustellbare Briefe gesehen hatte, dann diese!</p><p>Und nach einer Weile hatten sie mich gepackt. Ich wurde neugierig. Zehnmal am Tag ging ich an diesem traurigen Anblick vorbei, der sich niemals �nderte�� es wurden keine Briefe aus dem Regal genommen und keine hinzugelegt. Welch verschwendete M�he! Irgendwann einmal waren diese Namen nach Nepal aufgebrochen, eine weite Reise, ganz egal, woher sie kamen. Und zu Hause hatte sich ein Freund oder eine Geliebte die Zeit genommen, sich hinzusetzen und einen Brief zu schreiben, was f�r mich als Freizeitbesch�ftigung genauso erstrebenswert ist, wie mir einen Ziegelstein auf den Fu� fallen zu lassen. Wirklich heldenhaft! �Lieber George Fredericks!� riefen sie. �Wo bist du, wie geht es dir? Deine Schw�gerin hat ihr Baby bekommen, und ich gehe wieder auf die Schule. Wann wirst du zur�ckkommen?� Gezeichnet, treuer Freund, ich denke an dich. Aber George war zum Himalaja aufgebrochen oder hatte sich in einem anderen Hotel eingemietet und nie im Star gewohnt oder war schon nach Thailand, Peru oder wohin auch immer weitergezogen, und die aufrichtige Bem�hung, ihn zu erreichen, erf�llt mich mit Niedergeschlagenheit.</p><p>Eines Tages kehrte ich selbst ein wenig niedergeschlagen ins Hotel zur�ck und bemerkte diesen Brief an George Fredericks. Ich sah sie mir einfach mal alle an, Sie wissen schon, aus reiner Neugier. Ich hei�e auch George�� George Fergusson. Und dieser Brief an George war, abgesehen von P�ckchen nat�rlich, der dickste im ganzen Regal, ganz verstaubt und in der Mitte geknickt. �George Fredericks�� Hotel Star�� Bezirk Thamel�� Katmandu�� NEPAL.� Er war mit drei nepalesischen Briefmarken beklebt�� der K�nig, Cho Oyo, noch mal der K�nig��, und der Poststempel war wie immer unlesbar.</p><p>Langsam, z�gernd, schob ich den Brief ins Regal zur�ck. Ich versuchte, meine Neugier zu befriedigen, indem ich eine Postkarte aus Koh Samui las: �Hallo! Erinnern Sie sich an mich? Ich mu�te im Dezember ausziehen, als ich kein Geld mehr hatte. Ich komme n�chstes Jahr zur�ck. Gr��e an Franz und Badim Badur�� Michel.�</p><p>Nein, nein. Ich legte die Karte zur�ck und schleppte mich nach oben. Postkarten sind alle gleich. <emphasis>Erinnern Sie sich an mich?</emphasis> Genau. Aber dieser Brief an George � Er war vielleicht hundertachtzig oder zweihundert Gramm schwer. Bestimmt irgendein episches Schriftwerk. Und anscheinend in Nepal verfa�t, was ihn f�r mich nat�rlich noch interessanter machte. Sie m�ssen wissen, ich hatte den gr��ten Teil der letzten Jahre in Nepal verbracht, hatte Berge bestiegen, als Bergf�hrer gearbeitet und einfach nur herumgehangen; und der Rest der Welt kam mir allm�hlich ziemlich unwirklich vor. Damals versp�rte ich die gleiche Art von Bewunderung f�r den Einfallsreichtum der Journalisten der <emphasis>International Herald Trib�ne</emphasis> wie fr�her f�r den der Schreiber des <emphasis>National Enquirer.</emphasis> �Mein Gott�, dachte ich, als ich die Schlagzeilen einer <emphasis>Tribbie</emphasis> vor einer Buchhandlung in Thamel �berflog und von seltsamen Kriegen, unwahrscheinlichen Gipfeltreffen und bizarren Entf�hrungen las. �Woher haben sie nur die Phantasie, um sich das alles auszudenken?�</p><p>Aber jetzt eine lange Geschichte aus Nepal. Das war Wirklichkeit. Und adressiert an einen �Gebrge F.�. Vielleicht war der Nachname falsch geschrieben? W�re doch m�glich, oder? Und auf jeden Fall wurde daraus, wie der Brief sich bog und der Umschlag zerfiel, eindeutig ersichtlich, da� er schon seit Jahren dort lag. Ein t�dlicher Verlust f�r die Welt, wenn sich nicht jemand seiner erbarmte und ihn las. All diese Qualen der Gef�hle, der Gehirnzellen und Fingermuskulatur, alles <emphasis>vergebens.</emphasis> Es war eine verdammte Schande.</p><p>Also nahm ich ihn an mich.</p></section><section><title><p>2</p></title><p>Mein Zimmer, eins der sch�nsten in ganz Thamel, lag in der dritten Etage des Star. Aus dem �stlichen Fenster konnte man die gro�en, voller Flederm�use h�ngenden B�ume des K�nigspalastes und das Wirrwarr der Gesch�fte von Thamel �berblicken. An zahlreichen Stellen sprenkelte gro�es Immergr�n das Durcheinander der Geb�ude; von meiner H�he aus wirkte Thamel tats�chlich wie eine Stadt aus B�umen. In der Ferne konnte ich die gr�nen H�gel sehen, die das Tal von Katmandu umschlossen, und bevor sich am Morgen die Bew�lkung bildete, konnte man im Norden sogar einige wei�e Gipfel des Himalaja sehen.</p><p>Das Zimmer selbst war einfach: ein Bett und ein Stuhl unter dem Licht einer einzelnen nackten Gl�hbirne, die an der Decke hing. Aber was braucht man sonst noch? Sicher, das Bett war uneben; aber wenn ich die Schaumstoffunterlage meiner Kletterausr�stung dar�ber legte, um die Unebenheiten auszugleichen, ging es. Und ich hatte mein eigenes Badezimmer. Es stimmt zwar, da� die sitzlose Toilette ziemlich undicht war, doch da der Duschstrahl direkt auf den Boden fiel und die Dusche ebenfalls leckte, spielte das keine gro�e Rolle. Es entspricht auch den Tatsachen, da� die Dusche aus zwei Teilen bestand, einem Wasserhahn in H�fth�he und einem Duschkopf unter der Decke, und da� der Duschkopf nicht funktionierte, so da� ich mich unter den Hahn auf den Boden setzen mu�te, wenn ich duschen wollte. Doch das war in Ordnung�� es war alles in Ordnung��, weil das Wasser <emphasis>warm</emphasis> war. Der Durchlauferhitzer hing direkt �ber der Toilette an der Wand, und das Wasser, das aus dem Hahn kam, war so warm, da� ich beim Duschen noch kaltes Wasser zugeben mu�te. Schon dadurch war dieses Badezimmer eines der sch�nsten in Thamel.</p><p>Auf jeden Fall waren dieses Zimmer und Bad seit etwa einem Monat meine Burg gewesen, w�hrend ich darauf wartete, da� meine n�chste Reisegruppe von der <emphasis>Want To Take You Higher Ltd.</emphasis> eintraf. Als ich es mit dem gestohlenen Brief in der Hand betrat, mu�te ich �ber Kleider, Kletterausr�stung, den Schlafsack, Lebensmittel, B�cher, Landkarten�� alles, was ich eben vom Stuhl gefegt hatte�� hinwegsteigen und neben der Fensterbank Platz f�r den Stuhl schaffen. Dann setzte ich mich und versuchte, den in der Mitte gebogenen alten Umschlag zu �ffnen, ohne ihn aufzurei�en.</p><p>Nichts da. Es war kein nepalesischer Umschlag, und auf der Lasche klebte echter Leim. Ich tat, was ich konnte, doch die CIA w�re nicht stolz auf mich gewesen.</p><p>Acht Blatt linierten Papiers kamen heraus, wie die meisten Briefe zweimal gefaltet und dann noch einmal von dem Regal gebogen. Auf beiden Seiten beschrieben. Die Handschrift war winzig, neurotisch regelm��ig und so leicht zu lesen wie ein Taschenbuch. Die erste Seite trug das Datum 2. Juni 1985. Soviel zu meiner Vermutung �ber sein Alter, aber ich h�tte geschworen, da� der Umschlag vier oder f�nf Jahre �lter aussah. Das macht eben der Staub von Katmandu. Ein Satz im ersten Abschnitt war dick unterstrichen: <emphasis>�Du darfst niemandem davon erz�hlen!!�</emphasis> Mann, heavy! Ich warf jedoch einen Blick aus dem Fenster. Ein Brief voller Geheimnisse! Einfach klasse! Ich kippte den Stuhl zur�ck, strich die Seiten glatt und fing an zu lesen.</p><empty-line/><p>2. Juni 1985 Lieber Freds,</p><p>ich wei�, es ist ein Wunder, auch nur eine Postkarte von mir zu bekommen, geschweige denn einen so langen Brief, wie dieser es werden wird. Aber mir ist etwas Erstaunliches zugesto�en, und Du bist mein einziger Freund, von dem ich wei�, da� er es f�r sich behalten wird. <emphasis>Du darfst niemandem davon erz�hlen!!!</emphasis> Okay? Ich wei�, da� Du nichts verraten wirst�� seit wir Zimmergenossen im Uniwohnheim waren, bist Du der einzige, mit dem ich im Vertrauen �ber alles sprechen kann. Und ich bin froh, einen Freund wie Dich zu haben, denn ich habe herausgefunden, da� ich es wirklich jemandem erz�hlen mu�, wenn ich nicht wahnsinnig werden will.</p><p>Wie Du Dich vielleicht erinnerst, habe ich kurz nach Deinem Weggang an der Davis-Universit�t meinen Magister in Zoologie gemacht und mehr Jahre, als ich mich erinnern m�chte, dort an meinem Doktor gearbeitet, bevor ich die Nase voll hatte und ausstieg. Ich wollte nichts mehr mit dem Universit�tsbetrieb zu tun haben, doch im letzten Herbst bekam ich einen Brief von einer Freundin, mit der ich mir ein B�ro geteilt hatte, von einer gewissen Sarah Hornsby. Sie w�rde an einer zoologisch-botanischen Expedition ins Himalaja-Gebirge teilnehmen, einem Lager nach dem Vorbild der Cronin-Expedition, bei der sich zahlreiche Wissenschaftler unterschiedlichster Fachrichtungen in einer so unbefleckten Wildnis h�uslich niederlie�en, wie man sie hier noch findet. Sie wollten, da� ich sie wegen meiner �umfassenden Erfahrung in Nepal� begleitete, womit gemeint war, da� sie mich als Sirdar wollten und mein akademischer Abschlu� nichts damit zu tun hatte. Das war mir ganz recht. Ich nahm den Job an und hackte auf das b�rokratische Unterholz in Katmandu los. Einwanderungsbeh�rde, Tourismusministerium, Land- und Forstwirtschaft, Naturschutz, die ganze schreckliche Prozedur, die eindeutig von jemandem entworfen worden war, der zuviel Kafka gelesen hatte. Doch schlie�lich hatte ich es �berstanden, und im Fr�hlingsanfang flog ich mit vier Tierverhaltensforschern, drei Botanikern und einer Tonne Vorr�te nach Norden. Auf dem Flughafen erwarteten uns 22 einheimische Tr�ger und ein echter Sirdar, und es ging los.</p><p>Ich werde nicht sagen, wohin genau wir marschierten. Es hat nichts mit Dir zu tun; es w�re nur zu gef�hrlich, es schriftlich festzuhalten. Jedenfalls befanden wir uns ziemlich hoch oben in der N�he einer dieser Wasserscheiden, in der N�he des Himalajagrats und der Grenze zu Tibet. Du wei�t, wie diese T�ler enden: die Nebent�ler steigen immer h�her, und schlie�lich folgt eine letzte verschachtelte Schlucht�� die Talausl�ufer erstrecken sich zu den h�chsten Gipfel. An einer Stelle, an der sich drei dieser blinden T�ler treffen, schlugen wir unser Basislager auf, und die Mitglieder der Gruppe konnten sich bachaufw�rts oder -abw�rts wenden, je nach ihrem Projekt. Es gab einen Trampelpfad zum Lager und eine Br�cke �ber den Bach, doch die drei oberen T�ler waren Wildnis, und es war nicht einfach, durch den Wald in sie hineinzukommen. Doch genau das suchten diese Leute�� fast unber�hrte Wildnis.</p><p>Nachdem sie das Lager aufgeschlagen hatten, kehrten die Tr�ger zur�ck; nur wir acht blieben. Meine alte Freundin Sarah Hornsby war die Ornithologin�� sie ist ziemlich gut in ihrem Beruf, und ich habe eine Weile mit ihr zusammengearbeitet. Doch sie hatte einen Freund dabei, den S�ugetierkundigen (nein, nicht, was Du denkst, Freds) Phil Adrakian. Ich konnte ihn von Anfang an nicht besonders gut leiden. Er war der Expeditionsleiter und ein absoluter Mr. Tierverhalten�� aber er hatte so seine Schwierigkeiten, da oben �berhaupt S�ugetiere zu finden. Valerie Budge war die Entomologin�� kein Problem f�r sie, Forschungsobjekte zu finden, was? (Ja, sie war ein toller K�fer. Noch eine Expertin.) Und Armaat Ray war der Herpetologe, obwohl er schlie�lich haupts�chlich Phil bei der Errichtung des Tarnverschlags half, aus dem wir die Nachttiere beobachten wollten. Die Botaniker hie�en Kitty, Dominique und John; sie verbrachten sehr viel Zeit miteinander in einem gro�en Zelt voller Pflanzenmuster.</p><p>Also�� Lagerleben mit einer zoologischen Expedition. Ich nehme nicht an, da� Du so etwas je erlebt hast. Verglichen mit einer Bergtour ist es alles andere als aufregend, das kann ich Dir sagen. Bei dieser Expedition verbrachte ich die erste oder die beiden ersten Wochen damit, �ber die Br�cke zu gehen und die besten Wege durch den Wald in die drei Hocht�ler zu suchen; danach half ich haupts�chlich Sarah bei ihrem Projekt. Doch die ganze Zeit �ber machte ich mir einen Spa� daraus, diese Gruppe zu beobachten�� als Verhaltenskundler der Tierverhaltenskundler, sozusagen.</p><p>Nachdem ich es einmal versucht hatte und zum Schlu� gekommen war, da� es der M�he nicht wert sei, interessierte mich in erster Linie, warum andere damit weitermachen. Tieren hinterherjagen, dann die kleinste Kleinigkeit erkl�ren, die man festgestellt hat, und schlie�lich mit allen heftig �ber m�gliche Erkl�rungen daf�r streiten�� als <emphasis>Berufung?</emphasis> Warum, zum Teufel, tut jemand sowas?</p><p>Ich sprach mit Sarah dar�ber, eines Tages, als wir oben im mittleren Tal waren und Bienenst�cke suchten. Ich sagte ihr, ich h�tte mir ein Einstufungssystem zurechtgebastelt.</p><p>Sie lachte. �Klassifikationslehre! Man kann seiner Ausbildung nicht entkommen.� Und forderte mich auf, ihr dar�ber zu erz�hlen.</p><p>Zuerst, sagte ich, k�men die, die ein echtes und starkes Interesse an Tieren h�tten. Sie geh�rte auch dazu, sagte ich; wenn sie einen Vogel vorbeifliegen sah, legte sich ein Ausdruck auf ihr Gesicht � als ob sie ein Wunder s�he.</p><p>Sie war sich nicht so sicher, ob ihr das gefiel; man mu� schon wissenschaftlich unvoreingenommen sein, Du verstehst. Aber sie gestand mir ein, da� es diesen Typ mit Sicherheit gab.</p><p>Dann, sagte ich, w�ren da die Pirschj�ger. Diese Leute krochen gern wie spielende Kinder im Geb�sch herum, um andere Gesch�pfe zu jagen. Ich fuhr damit fort, ihr zu erkl�ren, warum ich dies f�r einen starken Trieb hielt; ich hatte den Eindruck, da� das Leben, zu dem es f�hrte, sehr dem �hnelte, das unsere primitiven Vorfahren eine Million lange Jahre gef�hrt hatten. In Lagern leben, Tiere im Wald verfolgen: die R�ckkehr zu dieser Lebensweise gibt einem ein besonders befriedigendes Gef�hl.</p><p>Sarah pflichtete mir bei und wies darauf hin, da� man, wenn man heutzutage des Lagerlebens �berdr�ssig war, auch einfach verschwinden, ein warmes Bad nehmen, einen Kognak trinken und sich Beethoven anh�ren konnte, wie sie es ausdr�ckte.</p><p>�Genau!� sagte ich. �Und selbst hier im Lager gibt�s ein ganz interessantes Nachtleben; ihr habt eueren Dostojewski und eure Diskussionen �ber E. O. Wilson � das Beste beider Welten. Ja, ich glaube, die meisten von euch sind irgendwo Pirschj�ger.�</p><p>�Aber du sagst immer �ihr��, wandte Sarah ein. �Warum stehst du au�erhalb davon, Nathan? Warum bist du ausgestiegen?�</p><p>Und hier wurde es ernst; ein paar Jahre lang hatten wir denselben Weg beschritten, was nun nicht mehr der Fall war, da ich ihn verlassen hatte. Ich dachte sorgf�ltig nach, wie ich es ihr erkl�ren sollte. �Vielleicht wegen des dritten Typs, den Theoretikern. Denn wir m�ssen uns daran erinnern, da� die Tierverhaltensforschung ein sehr respektables akademisches Fachgebiet ist! Es mu� seine intellektuelle Rechtfertigung haben; man kann nicht einfach vor den akademischen Rat treten und sagen: �Ehrw�rdige Kollegen, wir tun das, weil es uns gef�llt, wie V�gel zu fliegen und es Spa� macht, in B�schen herumzukriechen!��</p><p>Sarah lachte dar�ber. �Das stimmt.�</p><p>Und ich erw�hnte die �kologie und das Gleichgewicht der Natur, Populationsbiologie und die Erhaltung der Arten, Evolutionstheorie und wie das Leben zu dem wurde, was es ist, Soziobiologie und die ihr zugrundeliegenden tierischen Sozialverhaltensformen � Aber sie hielt dagegen und wandte ein, dies seien wichtige Themen.</p><p>�Soziobiologie?� fragte ich. Sie zuckte zusammen. Ich gestand dann ein, da� es tats�chlich einige ausgezeichnete Argumente f�r das Studium der Tierwelt g�be, behauptete jedoch, f�r einige Menschen sei diese Richtung die wichtigste des Fachs. �F�r die meisten Angeh�rigen unserer Abteilung sind die Theorien wichtiger als die Tiere geworden�, sagte ich. �Sie suchen im Feld lediglich weitere Daten f�r ihre Theorien! Sie interessieren sich nur f�r ihre Ver�ffentlichungen oder Konferenzen, und viele leisten nur Feldarbeit, weil man beweisen mu�, da� man dazu imstande ist.�</p><p>�Oh, Nathan�, sagte sie. �Du klingst zynisch, aber Zyniker sind nur entt�uschte Idealisten. Ich habe dich auch so in Erinnerung�� du warst ein gro�er Idealist!�</p><p>Ich wei�, Freds, Du wirst ihr zustimmen: Nathan Howe, der Idealist. Und vielleicht bin ich das auch. Das habe ich ihr auch gesagt: �Aber, zum Teufel, die Atmosph�re in der Fakult�t hat mich krank gemacht. Theoretiker, die einander wegen ihrer Lieblingsideen in den R�cken fallen und sich so wissenschaftlich wie m�glich geben, wenn sie eigentlich gar nichts Wissenschaftliches zu sagen haben! Man kann diese Theorien nicht �berpr�fen, indem man ein Experiment entwirft und feststellt, ob es sich wiederholen l��t, und man kann die Faktoren nicht isolieren oder variieren oder kontrollieren�� es geht immer nur um Beobachtungen und nicht �berpr�fbare Hypothesen! Und doch benehmen sie sich wie harte Wissenschaftler, erstellen mathematische Modelle und alles, wie Chemiker oder so. Das ist nur Wissenschaftlichkeit.�</p><p>Sarah sch�ttelte einfach den Kopf �ber mich. �Du bist zu idealistisch, Nathan. Du willst alles perfekt haben. Aber so einfach ist das nicht. Wenn man Tiere studieren will, mu� man Kompromisse eingehen. Was dein Klassifikationssystem betrifft, solltest du einen Beitrag f�r die <emphasis>Soziobiologische Rundschau</emphasis> dar�ber schreiben! Aber bedenke, es ist nur eine Theorie. Wenn du das vergi�t, f�llst du in deine eigene Grube.�</p><p>Das hatte was f�r sich, und au�erdem hatten wir ein paar Bienen entdeckt und mu�ten uns beeilen, ihnen den Bach hinauf zu folgen. So fand das Gespr�ch ein Ende. Doch als an den folgenden Abenden Valerie Budge im Zelt erkl�rte, wieso das Verhalten der menschlichen Gesellschaft ziemliche �hnlichkeit mit dem der Ameisen habe�� oder als Sarahs Freund Adrakian, frustriert von seinem Mangel an Funden, zu langen analytischen Ausf�hrungen ansetzte, als sei er der bedeutendste Theoretiker seit Robert Trivers�� warf sie mir manchmal einen Blick und ein L�cheln zu, und ich wu�te, da� ich einen gewissen Eindruck erzielt hatte. Obwohl Adrakian gern gro�e Worte in den Mund nahm, beeindruckte er mich kaum; seine Worte h�tten einem Tr�ger keine R�ckenschmerzen bereitet, wenn Du wei�t, was ich meine. Ich verstand gar nicht, was Sarah an ihm fand.</p><p>Eines Tages kurz nach diesem Gespr�ch kehrten Sarah und ich ins mittlere Hochtal zur�ck, um wieder nach Bienenst�cken zu suchen. Es war ein wolkenloser Morgen, ein klassischer Waldspaziergang im Himalaja: �ber die Br�cke, an den Felsen im Bachbett entlangwandern, von Teich zu Teich hinaufsteigen; dann weiter hinauf zwischen feuchten B�umen und durchs Unterholz. Dann �ber die Wand des unteren Tals und auf den Grund des oberen Tals, in dessem gro�en Rhododendronwald es viel klarer und sonniger war. Die Rhododendronbl�ten schimmerten noch auf jedem Zweig, und bei der pinkfarbenen Leuchtkraft der Blumen und den langen Kegeln des Sonnenlichts, die durch die Bl�tter fielen und grobe schwarze Rinde erhellten, orange Pilze und hellgr�ne Farne, kam man sich vor, als w�rde man durch einen Traum wandeln. Und tausend Meter �ber uns b�umte sich majest�tisch ein schneebedecktes Hufeisen aus Gipfeln auf. Der Himalaja�� Du wei�t schon.</p><p>Also waren wir guten Mutes, als wir, dem Bachbett folgend, dieses Hochtal hinauf marschierten. Und wir hatten auch Gl�ck. Hinter einer Biegung mit leichtem Gef�lle verbreitete sich der Bach zu einem langen schmalen Teich, �ber dessen s�dlichem Ufer sich eine Klippe aus gelbgestreiftem Granit erhob, durchzogen von gro�en horizontalen Rissen. Und aus diesen Rissen ergossen sich Bienenschw�rme. Teile der Klippe schienen schwarz zu pulsieren, Wolken von Bienen trieben vor ihnen, und �ber dem leisen Ger�usch des Flusses konnte man das sanfte Summen der Bienen h�ren, die ihrer Arbeit nachgingen. Aufgeregt setzten Sarah und ich uns auf einen Felsen in der Sonne, holten unsere Ferngl�ser hervor und begannen nach Vogelleben Ausschau zu halten. Goraks talaufw�rts auf dem Schnee, ein L�mmergeier, der �ber die Gipfel segelte, Finken, die wie immer herumh�pften�� und dann sah ich es. Ein gelber Fleck, etwas gr��er als der gr��te Kolibri. Ein Singvogel auf einem Ast, der vor den Bienenst�cken baumelte. Und schon flog er hinab, zu einem heruntergefallenen St�ck Bienenwachs; pick, pick, pick, und das Wachs war verschwunden. Ein Honigsauger. Ich stie� Sarah an und zeigte ihn ihr, doch sie hatte ihn schon gesehen. Wir standen lange Zeit �ber still da und beobachteten ihn.</p><p>Edward Cronin, der Leiter einer fr�heren Expedition ins Himalajagebiet, hatte eine der ersten umfassenden Studien �ber Honigsauger erstellt, und ich wu�te, da� Sarah seine Beobachtungen �berpr�fen und die Arbeit fortsetzen wollte. Honigsauger sind ungew�hnliche V�gel; sie haben sich darauf spezialisiert, mit Hilfe einiger Bakterien in ihrem Magen- und Darmsystem vom �berfl�ssigen Wachs der Honigwaben zu leben. Dieses Ern�hrungskunstst�ck hat kaum ein anderes Gesch�pf auf Erden fertiggebracht, und die V�gel haben offensichtlich einen guten Zug getan, da ihnen damit eine sehr gro�e Nahrungsquelle offensteht, f�r die sich niemand sonst interessiert. Das macht sie zu einem sehr wertvollen Studienobjekt, wenngleich man ihnen bislang noch keine gro�e Beachtung geschenkt hatte�� was Sarah nun zu �ndern hoffte.</p><p>Als der Honigsauger, schnell und gelb, au�er Sicht geflogen war, r�hrte sich Sarah endlich�� atmete tief ein, beugte sich zu mir und umarmte mich. K��te mich auf die Wange. �Danke, da� du mich hierher gef�hrt hast, Nathan.�</p><p>Es war mir unangenehm. Der Freund, Du wei�t schon�� und Sarah war ein viel feinerer Mensch als er � Und au�erdem fiel mir ein, da� sie damals, als wir uns dieses B�ro geteilt hatten, eines Abends ganz aufgel�st hereingest�rzt gekommen war, weil der damalige Freund ihr gestanden hatte, eine andere zu haben, und eins f�hrte zum anderen, und � na ja, ich will nicht dar�ber sprechen. Aber wir waren <emphasis>gute Freunde</emphasis> gewesen. Und ich erinnerte mich noch gut daran. Also war es f�r mich nicht nur ein K��chen auf die Wange, wenn Du wei�t, was ich meine. Au�erdem bin ich bestimmt ganz unbeholfen und umst�ndlich geworden, wie es so meine Art ist.</p><p>Auf jeden Fall freuten wir uns ziemlich �ber unsere Entdeckung, und danach kehrten wir eine Woche lang t�glich zur Honigklippe zur�ck. Es war wirklich nett. Dann wollte Sarah einige Studien fortsetzen, die sie �ber die Goraks begonnen hatte, und so marschierte ich ein paar Mal allein zur Honigklippe hinauf.</p><p>An einem dieser Tage, als ich allein unterwegs war, passierte es. Der Honigsauger zeigte sich nicht, und ich wanderte den Bach hinauf, um zu sehen, ob ich dessen Quelle finden konnte. Wolken rollten vom unteren Tal heran, und es sah ganz danach aus, als w�rde es sp�ter regnen, doch dort oben, wo ich war, schien noch die Sonne. Ich fand den Ursprung des Baches�� ein von einer Quelle gespeister Teich am Fu� eines Ger�llhanges�� und beobachtete, wie er sich in die Welt ergo�. Einer dieser stillen Augenblicke im Himalaja, in denen die Welt eine gewaltige Kapelle zu sein scheint.</p><p>Dann erhaschte eine Bewegung auf der anderen Seite des Teiches meine Aufmerksamkeit, dort im Schatten zweier knorriger Eichen. Ich erstarrte, obwohl ich auf freier Fl�che stand und jeder mich sehen konnte. Dort unter einer der Eichen, in dunklen Schatten im Sonnenlicht, beobachtete mich ein Augenpaar. Es befand sich etwa auf gleicher H�he wie das meine. Ich bef�rchtete, es k�nne ein B�r sein, und unterzog im Geiste die B�ume hinter mir einer �berpr�fung, ob man sie erklettern konnte, als sich die Augen erneut bewegten�� sie blinzelten. Und dann sah ich, da� um die Iris das Wei�e sichtbar war. Ein D�rfler auf Jagd? Wohl kaum. Mein Herz begann in meiner Brust zu h�mmern, und ich mu�te unwillk�rlich schlucken. Da in den Schatten war doch ein <emphasis>Gesicht?</emphasis> Ein b�rtiges Gesicht?</p><p>Nat�rlich hatte ich eine Vorstellung, womit ich gerade einen Blick wechseln mu�te. Der Yeti, der Bergmensch, das schwer fa�bare Gesch�pf des Schnees. <emphasis>Der scheu�liche Schneemensch,</emphasis> um Gottes willen! Mein Herz hatte nie schneller geschlagen. Was sollte ich tun? Das Wei� seiner Augen � Paviane haben wei�e Augenlider, die sie schlie�en, um zu drohen, und wenn man sie direkt ansieht, sehen sie das Wei�e der Augen und glauben, man w�rde sie bedrohen; die entfernte M�glichkeit ber�cksichtigend, da� dieses Wesen ein �hnliches Verhaltensmuster hatte, senkte ich den Kopf und betrachtete es indirekt. Ich schw�re, es schien mein Nicken zu erwidern.</p><p>Dann blinzelte ich erneut, nur, da� die Augen diesmal nicht darauf reagierten. Das b�rtige Gesicht war verschwunden. Ich atmete wieder, lauschte so angestrengt ich konnte, h�rte jedoch nichts bis auf das Murmeln des Baches.</p><p>Nach zwei oder drei Minuten �berquerte ich den Bach und sah mir den Boden unter der Eiche an. Er war moosbewachsen, und auf einigen Teilen des Mooses hatte etwas gestanden, das mindestens so schwer sein mu�te wie ich; aber eindeutige Spuren fand ich nat�rlich nicht. Und auch nicht in einigem Umkreis um die Eiche.</p><p>Ich marschierte benommen zum Lager zur�ck; ich nahm kaum etwas wahr und fuhr bei jedem Ger�usch zusammen. Du kannst Dir vorstellen, wie ich mich f�hlte � nach so einem Erlebnis!</p><p>Und an demselben Abend, als ich versuchte, still meinen Eintopf zu essen und nichts von dem verlauten zu lassen, was geschehen war, richtete sich die Unterhaltung der Gruppe auf das Thema Yeti. Ich lie� fast die Gabel fallen. Es war wieder Adrakian�� ihn �rgerte die Tatsache, da� er trotz der zahlreichen Spuren in dieser Gegend bislang nur ein paar Eichh�rnchen und in einiger Ferne einen oder zwei Affen gesehen hatte. Nat�rlich h�tte es geholfen, wenn er die eine oder andere Nacht mal in dem Tarnverschlag zugebracht h�tte. Auf jeden Fall wollte er ein Thema zur Sprache bringen, bei dem er im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand und als der Experte die B�hne f�r sich beanspruchen konnte. �Ihr wi�t ja, da� diese Hocht�ler der eigentliche Lebensraum des Yetis sind�, erkl�rte er prosaisch.</p><p>Dabei w�re mir fast die Gabel aus der Hand gefallen. �Es mu� nat�rlich als beinahe sicher gelten, da� es sie gibt�, fuhr Adrakian mit einem komischen L�cheln fort.</p><p>�Ach, Philip�, sagte Sarah. Sie sagte das dieser Tage ziemlich oft zu ihm, was mich nicht im geringsten st�rte.</p><p>�Es stimmt.� Dann f�hrte er die Indizien an, die wir nat�rlich alle kannten: die Spuren im Schnee, die Eric Shipton fotografiert hatte, die Argumente, mit denen George Schaller die Idee unterst�tzt hatte, die Fu�abdr�cke, die Cronins Expedition gefunden hatte, die zahlreichen anderen Hinweise� �Wie wir nun aus erster Hand wissen, gibt es hier Tausende Quadratkilometer undurchdringlicher Gebirgs wildnis.�</p><p>Nat�rlich mu�te er <emphasis>mich</emphasis> nicht mehr �berzeugen. Und die anderen waren vollauf bereit, die Vorstellung in Betracht zu ziehen. �W�re es nicht toll, wenn wir einen f�nden!� sagte Valerie. �Wir machen ein paar Fotos ��</p><p>�Oder wenn wir eine Leiche f�nden�, sagte John. Botaniker denken in Begriffen immobiler Objekte.</p><p>Phil nickte langsam. �Oder wenn wir einen lebendig gefangennehmen k�nnten ��</p><p>�Wir w�rden ber�hmt�, sagte Valerie.</p><p>Theoretiker. Vielleicht werden sogar ihre Namen lateinisiert und Bestandteil der Bezeichnung der neuen Spezies. <emphasis>Gorilla montani adrakianias-budgeon.</emphasis></p><p>Ich konnte einfach nicht anders; ich mu�te das Wort ergreifen. �Wenn wir eindeutige Beweise f�r die Existenz des Yetis f�nden, w�re es unsere Pflicht, sie beiseite zu schaffen und zu vergessen�, sagte ich, vielleicht eine Spur zu laut.</p><p>Alle starrten mich an. �Warum denn das?� fragte Valerie.</p><p>�Um des Yetis willen, nat�rlich�, sagte ich. �Als Tierverhaltensforscher liegt euch doch wahrscheinlich etwas am Wohlergehen der Tiere, die ihr studiert, oder? Und der �kosph�ren, in denen sie leben? Doch wenn die Existenz des Yetis best�tigt w�rde, w�re es f�r beide katastrophal. Es w�rde eine Invasion von Expeditionen geben, Touristen, Wilderer � Yetis in Zoos, in K�figen der Primatenzentren, in Laboratorien unter dem Messer, ausgestopft in Museen �� Ich erregte mich zusehends. �Ich meine, was f�r einen wirklichen Wert haben Yetis �berhaupt f�r uns?� Sie starrten mich nur an: Wert? �Ihr <emphasis>Wert</emphasis> liegt in der Tatsache, da� sie unbekannt sind, au�erhalb der Wissenschaft stehen. Sie sind Teil der Wildnis, die wir nicht ber�hren k�nnen.�</p><p>�Ich verstehe, was Nathan meint�, sagte Sarah in das darauffolgende Schweigen, mit einem Blick, der dazu f�hrte, da� ich den Faden verlor. Ihre Zustimmung war mir viel, viel wichtiger, als ich erwartet h�tte �</p><p>Die anderen sch�ttelten die K�pfe. �Eine nette Einstellung�, sagte Valerie. �Aber unsere Studien w�rden weder die �kosph�re noch die Spezies besonders gef�hrden. Und denke nur einmal dar�ber nach, wie sie unser Wissen �ber die Entwicklung der Primaten vergr��ern w�rden!�</p><p>�Der Fund eines Yetis w�re ein wichtiger Beitrag f�r die Wissenschaft�, sagte Phil mit einem Blick auf Sarah. Und er war wirklich dieser Meinung; das mu� ich ihm lassen.</p><p>�Und er w�rde unsere Chancen auf eine Professur auch nicht schaden�, sagte Armaat verschlagen.</p><p>�Das auch�, gestand Phil ein. �Aber in Wirklichkeit kommt es darauf an, da� man der Wahrheit verpflichtet ist. Wenn wir einen Yeti f�nden, w�ren wir gezwungen, es publik zu machen, weil dem nun einmal so war�� ganz gleich, was wir dar�ber denken. Ansonsten w�rden wir Fakten unterdr�cken und manipulieren und so weiter.�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. �Es gibt Werte, die wichtiger sind als wissenschaftliche Integrit�t.�</p><p>Und das Gespr�ch schlug nun diese Wendung ein und beschr�nkte sich haupts�chlich darauf, die unterschiedlichen Ansichten zu wiederholen. �Du bist ein Idealist�, sagte Phil einmal zu mir. �Man <emphasis>kann</emphasis> keine Zoologie betreiben, ohne die Versuchstiere bis zu einem gewissen Grad zu st�ren.�</p><p>�Vielleicht bin ich deshalb ausgestiegen�, sagte ich. Und mu�te mich davon abhalten, fortzufahren. Wie konnte ich sagen, da� er bis hin zu dem Punkt, wo er alles tun w�rde, um sich eine Reputation zu verschaffen, von dem gewaltigen Druck in diesem Beruf korrumpiert wurde, ohne dem Streitgespr�ch eine h��liche Wendung zu geben? Unm�glich. Und Sarah w�rde mit mir an den Pranger gestellt werden. Ich seufzte lediglich. �Was ist mit den Versuchsobjekten?�</p><p>�Man w�rde sie bet�uben, studieren und in ihre angestammte Umgebung zur�ckbringen�, sagte Valerie ungehalten. �Und vielleicht eins in Gefangenschaft halten, wo es ein viel angenehmeres Leben f�hren w�rde als in der Wildnis.�</p><p>V�llig korrumpiert. Selbst die Botaniker schauten bei dieser Behauptung unbehaglich drein.</p><p>�Wir m�ssen uns wohl keine Sorgen machen�, sagte Armaat mit seinem verschlagenen L�cheln. �Dieses Tier ist angeblich nachtaktiv.� Weil Phil ja keine Anstalten gemacht hatte, sich des Nachts auf die Lauer zu legen, Du verstehst schon.</p><p>�Genau deshalb will ich im Hochtal einen Hochsitz errichten�, schappte Phil, der Armaats Nadelstiche allm�hlich �berdr�ssig war. �Nathan, du mu�t mitkommen und mir dabei helfen.�</p><p>�Und den Weg suchen�, sagte ich. Die anderen stritten weiter, und Sarah ergriff meine Position oder erwies sich ihr gegen�ber zumindest als einsichtig; ich zog mich zur�ck, besorgt um die Gestalt in den Schatten, die ich an diesem Tag gesehen hatte. Phil beobachtete mich argw�hnisch, als ich ging.</p><p>Also bekam Phil seinen Willen, und wir errichteten einen winzigen Hochsitz in dem oberen Tal westlich von dem, in dem ich den Yeti entdeckt hatte. Wir verbrachten mehrere N�chte oben auf einer alten Eiche und beobachteten jede Menge geflecktes Rotwild und in der D�mmerung ein paar Affen. Phil h�tte zufrieden sein k�nnen, wurde jedoch immer verdrossener. Aus einigen seiner �u�erungen war mir ersichtlich geworden, da� er die ganze Zeit �ber gehofft hatte, den Yeti zu finden; er erflehte diese gro�e Entdeckung geradezu.</p><p>Und eines Nachts geschah es. Der Mond war auf beiden Seiten konvex, und die d�nnen Wolken lie�en den gr��ten Teil seines Lichts durch. Etwa zwei Stunden vor der Morgend�mmerung war ich leicht eingenickt, und Adrakian stie� mich mit dem Ellbogen an. Wortlos deutete er auf das hintere Ufer eines kleinen Teiches im Bach.</p><p>Sich bewegende Schatten im Schatten. Ein Schimmer Mondlicht auf dem Wasser�� dann eine aufrecht stehende Gestalt. Einen Augenblick lang sah ich deutlich den Kopf, einen gro�en, seltsam geformten Sch�del. Er wirkte fast menschlich.</p><p>Ich wollte eine Warnung rufen; statt dessen verlagerte ich mein Gewicht auf der Plattform. Sie knarrte ganz leise, und augenblicklich war die Gestalt verschwunden.</p><p>�Du Idiot!� fl�sterte Phil. Im Mondlicht sah er aus, als k�nne er einen Mord begehen. �Ich folge ihm!� Er sprang aus dem Baum und zog einen Gegenstand, den ich f�r eine Bet�ubungspistole hielt, aus seiner Jackentasche.</p><p>�Im Dunkeln wirst du da drau�en nichts finden!� fl�sterte ich, doch er war schon fort. Ich kletterte hinab und folgte ihm�� �ber meine Absicht war ich mir selbst nicht ganz im klaren.</p><p>Na ja, Du kennst ja den n�chtlichen Wald. Keine Chance, Tiere zu sehen oder auch nur schnell vorw�rts zu kommen. Eins mu� ich Adrakian zugestehen�� er war schnell und leise. Ich verlor ihn fast augenblicklich, und danach h�rte ich nur noch gelegentlich das Knacken eines Zweiges in der Ferne. �ber eine Stunde verstrich, und ich wanderte ziellos umher. Als ich zum Bach zur�ckkehrte, war der Mond untergegangen, und am Himmel d�mmerte es schon.</p><p>Ich ging um einen gro�en Flu�stein am Ufer herum und w�re fast direkt in einen Yeti gelaufen, der von der anderen Seite kam, als schritten wir auf einem belebten B�rgersteig aus und w�ren beide in dieselbe Richtung gegangen, um uns auszuweichen. Er war etwas kleiner als ich; dunkles Fell bedeckte seinen K�rper und Kopf, lie� jedoch das Gesicht frei�� ein Fleck rosa Haut, der im schwachen Licht ziemlich menschlich wirkte. Seine Nase war sowohl die eines Menschen als auch die eines Primaten�� breit, aber aus dem Gesicht hervorstehend�� und wirkte wie eine Erweiterung des Hinterhauptwulstes, der seinen Sch�del von einer Schl�fe zur anderen umzog. Sein Mund war breit, und sein Kinn unter einem krausen Bart noch breiter, aber nichts davon lag au�erhalb der Parameter, die f�r eine menschliche Erscheinung zutreffen. Er hatte dicke wulstige Brauen hoch �ber den Augen, so da� sein Blick von permanenter �berraschung zu k�nden schien, wie bei einer Katze, die ich einmal gehabt hatte.</p><p>Ich bin �berzeugt, da� er in diesem Augenblick wirklich �berrascht war. Wir beide standen still wie B�ume und schwankten leicht im Wind unserer Begegnung�� aber sonst r�hrte sich keiner. Ich atmete nicht einmal. Was sollte ich tun? Ich stellte fest, da� er einen kleinen gegl�tteten Stock in der Hand hielt und im Fell seines Halses einige kleine Gegenst�nde an einer Schnur hingen. Sein Gesicht, Werkzeug, Schmuck: ein Teil von mir, der Teil, der nicht schockiert war, dachte (ich nehme an, im Grund meines Herzens bin ich noch Zoologe): <emphasis>Sie sind nicht nur Primaten, sie sind Hominide.</emphasis></p><p>Wie um diese Vorstellung zu best�tigen, sprach er zu mir. Er summte kurz; knarrte; schn�ffelte ein paar Mal; zog die Lippen zur�ck (und enth�llte dabei einen gewaltigen Eckzahn) und pfiff ganz leise. In seinen Augen lag eine Frage, so ruhig, sanft und intelligent vorgebracht, da� ich kaum glauben konnte, sie nicht verstehen und beantworten zu k�nnen.</p><p>Ich hob ganz langsam die Hand und wollte �Hallo!� sagen. Dumm, ich wei�, aber was sagt man, wenn man einen Yeti trifft? Auf jeden Fall kam nichts bis auf ein ersticktes �Harn� dabei heraus.</p><p>Er neigte wi�begierig den Kopf und wiederholte das Ger�usch. �Harn. Harn. Harn.�</p><p>Pl�tzlich ri� er den Kopf hoch und sah an mir vorbei, bachaufw�rts. Er �ffnete weit den Mund und stand lauschend da. Er starrte mich an und versuchte mich einzusch�tzen. (Ich schw�re, ich wei� genau, da� dem so war!)</p><p>Bachaufw�rts krachten �ste, und er nahm mich am Arm, und hopp, waren wir am Rand des Baches und im Wald. Hals �ber Kopf durch die B�ume, und wir lagen hinter einem umgest�rzten Baum flach auf dem Boden, nebeneinander auf feuchtem, nachgiebigem Moos. Mein Arm tat weh.</p><p>Phil Adrakian erschien unten im Bachbett; er wirkte ziemlich mitgenommen. Er hatte sich im Unterholz verfangen und an mehreren Stellen das Nylon seiner Jacke aufgerissen, so da� ihm beim Gehen wei�e Flocken hinterherwehten. Und er war irgendwo in Schlamm gefallen. Der Yeti kniff die Augen zusammen, als er ihn beobachtete, und wollte von ihm eindeutig nicht gesehen werden.</p><p>�Nathan!� rief Phil. �Naaaa-thannnn!� Er war anscheinend noch immer voller Tatkraft. �Ich habe einen gesehen! Nathan, wo bist du, verdammt!� Er ging rufend bachabw�rts, und der Yeti und ich blieben liegen, bis er an uns vorbeigegangen war.</p><p>Ich wei� nicht, ob ich je einen zufriedeneren Augenblick erlebt habe.</p><p>Als er um eine Biegung des Baches verschwunden war, setzte der Yeti sich auf und lehnte sich wie ein m�der Lagerarbeiter gegen den Stamm. Die Sonne ging auf, und er grunzte, pfiff, atmete langsam und beobachtete mich. Was dachte er? In diesem Augenblick hatte ich nicht die geringste Ahnung. Er machte mir sogar angst; ich konnte mir nicht vorstellen, was jetzt geschehen w�rde.</p><p>Er zerrte mit den H�nden, die l�nger und schmaler als menschliche waren, an meiner Kleidung. Er griff nach seinem Halsband und zog es �ber den Kopf. Gro�e Muscheln hingen an einer Schnur aus geflochtenem Hanf. Es waren Fossilien, die Kammuscheln �hnelten�� �berbleibsel der Tage, da sich der Himalaja unter Wasser befunden hatte. Was fand der Yeti an ihnen? Ich konnte es nicht sagen. Aber er sch�tzte sie anscheinend, und sie waren Teil einer Kultur.</p><p>Lange Zeit �ber sah er sein Halsband nur an. Dann legte er es mir sehr vorsichtig �ber den Kopf, um meinen Hals. Meine Haut brannte schier, so heftig err�tete ich, ich sah nur noch verschwommen durch Tr�nen, meine Kehle schmerzte�� ich kam mir vor, als sei Gott hinter einem Baum hervorgetreten und habe mich gesegnet, v�llig grundlos, Du verstehst? Ich hatte es nicht verdient.</p><p>Ohne weitere Umst�nde sprang er auf und ging krummbeinig davon, ohne einen Blick zur�ckzuwerfen. Ich stand allein im Morgenlicht, und mir war nur das Halsband geblieben, das schwer auf meiner Brust hing. Und ein wunder Arm. Also <emphasis>war</emphasis> es passiert, ich hatte es nicht getr�umt. Ich war gesegnet worden.</p><p>Nachdem ich wieder einigerma�en zu Sinnen gekommen war, marschierte ich bachabw�rts und zum Lager zur�ck. Als ich dort ankam, steckte das Halsband tief in einer der gef�tterten Taschen meiner Jacke, und ich hatte mir eine Geschichte zurechtgelegt.</p><p>Phil war bereits da und redete auf die ganze Gruppe ein. �Da bist du ja!� rief er. �Wo, zum Teufel, warst du? Ich dachte schon, sie h�tten dich geschnappt!�</p><p>�Ich habe nach dir gesucht�, sagte ich, und es fiel mir nicht schwer, Verwirrung vorzut�uschen. �Wen meinst du mit sie?�</p><p>�Die Yetis, du Narr! Du hast ihn auch gesehen, streite es nicht ab! Und ich bin ihm gefolgt und sah ihn noch mal, da oben am Bach!�</p><p>Ich zuckte die Achseln und musterte ihn zweifelnd. �Ich habe nichts gesehen.�</p><p>�Du warst nicht an der richtigen Stelle. Du h�ttest mit mir kommen sollen.� Er wandte sich den anderen zu. �Wir verlagern das Camp ganz still f�r ein paar Tage nach dort oben. Das ist eine noch nie dagewesene Gelegenheit!�</p><p>Valerie nickte, Armaat nickte, selbst Sarah schaute �berzeugt drein. Die Botaniker schienen froh zu sein, endlich etwas zu erleben.</p><p>Ich wandte ein, da� es schwierig sei, mit so vielen Leuten talaufw�rts zu ziehen, und da� wir das Leben st�ren w�rden, was es dort oben auch geben mochte. Und ich deutete an, Phil habe einen B�ren gesehen. Aber Phil wollte nichts davon h�ren. �Was ich gesehen habe, war ein Yeti.�</p><p>Also wurden trotz meiner Proteste Pl�ne geschmiedet, das Lager ins Hochtal zu verlegen und eine intensive Suche nach dem Yeti durchzuf�hren. Ich wu�te nicht, was ich tun sollte. Weitere Proteste von mir w�rden nur den Argwohn wecken, ich h�tte genau dasselbe wie Phil gesehen. Ich war nie sehr einfallsreich darin, mir Ausfl�chte auszudenken, um die Pl�ne anderer zu durchkreuzen; haupts�chlich deshalb hatte ich die Universit�t verlassen.</p><p>Ich war am Ende meiner Weisheit angelangt, als mir das Wetter mit einem fr�hen Monsun-Regensturm zu Hilfe kam. Das brachte mich auf eine Idee. Die Wasserscheide f�r unser Tal war steil und tief, und ein Tag mit so heftigem Regen, wie wir ihn hatten, w�rde das Wasser in unserem Bach schnell steigen lassen. Wir mu�ten die Br�cke �berqueren, um die drei Hocht�ler zu erreichen, und zwei weitere, um zum Landefeld zur�ckzukehren.</p><p>Da hatte ich meine Chance. Mitten in der Nacht schlich ich mich aus dem Lager und zur Br�cke. Sie entsprach der �blichen Bauart der Einheimischen: Haufen gro�er Steine an beiden Ufern, die drei halbierte Baumst�mme st�tzten. Der Bach umsp�lte bereits die unteren Steine, und ein kurzes Stochern mit einem langen Ast lie� den Haufen auf unserer Seite zusammenbrechen. Ein seltsames Gef�hl, eine Br�cke zu zerst�ren, eins der wertvollsten Menschenwerke im Himalaja, aber ich machte mich trotzdem mit Eifer daran. Die Baumst�mme l�sten sich schnell voneinander und fielen ins Wasser, und der unterste trieb davon. Es war kein Problem, die beiden anderen ebenfalls auf den Weg zu schicken. Dann schlich ich mich ins Lager und ins Bett zur�ck.</p><p>Und damit war die Sache gelaufen. Am n�chsten Tag sch�ttelte ich angesichts der Entdeckung bedauernd den Kopf und erw�hnte beil�ufig, das Hochwasser w�rde flu�abw�rts noch schlimmer sein. Ich fragte, ob wir genug Vorr�te hatten, um die Monsunzeit zu �berstehen, was nat�rlich nicht der Fall war; und noch eine Stunde Regen reichte aus, um Armaat und Valerie und die Botaniker zu �berzeugen, da� die Expedition zu Ende war. Phils schrille Proteste gingen unter, und wir brachen das Lager ab und machten uns am folgenden Morgen auf den Weg, in einem leichten Nebel, der sich am Mittag in strahlenden Sonnenschein aufgel�st hatte. Doch bis dahin waren wir schon ein gutes St�ck weit gekommen und gingen weiter.</p><p>Da hast Du es, Freds. Liest Du noch? Ich habe die Expedition der alten Kollegen, die mich angeheuert haben, belogen, ihnen Fakten unterschlagen und sie schlie�lich sogar verscheucht. Aber Du wirst verstehen, da� ich nicht anders konnte. Dort oben leben intelligente, sehr friedfertige Wesen. Die Zivilisation w�rde sie vernichten. Und dieser Yeti, der sich mit mir versteckt hat�� irgendwie wu�te er, da� ich auf ihrer Seite war. Ich w�rde wirklich mein Leben geben, um diese Wahrheit zu verbergen. Man kann solche Wesen einfach nicht betr�gen.</p><p>Auf dem R�ckweg bestand Phil beharrlich darauf, einen Yeti gesehen zu haben, und ich fuhr damit fort, die Vorstellung l�cherlich zu machen, bis mich Sarah schlie�lich seltsam musterte. Und ich mu� Dir leider berichten, da� sie und Phil wieder zusammenkamen, als wir uns J- und damit dem Ende unserer Reihe n�herten. Vielleicht tat er ihr leid, vielleicht wu�te sie irgendwie, da� ich unredlich handelte. Es w�rde mich nicht wundern; sie kennt mich ziemlich gut. Aber aus welchem Grund auch immer, es war deprimierend. Und man kann nichts dagegen tun. Ich mu�te f�r mich behalten, was ich wu�te, und l�gen, ganz gleich, wie sehr es dieser Freundschaft schadete, und ganz gleich, wie sehr es schmerzte. Als wir also J- erreichten, verabschiedete ich mich von ihnen. Ich war mir ziemlich sicher, da� der Geldmangel, unter dem die Zoologie krankt, sie eine ganze Weile von hier fernhalten w�rde; das war also kein Problem. Und was Sarah betraf�� na ja, verdammt, ich verabschiedete mich etwas vorwurfsvoll von ihr. Und ich fuhr per Anhalter nach Katmandu, anstatt zu fliegen, um von ihr fortzukommen und die Dinge etwas abk�hlen zu lassen.</p><p>Die N�chte auf dieser Fahrt waren so lang, da� ich mich schlie�lich entschlo�, Dir diesen Brief zu schreiben, um mich zu besch�ftigen. Ich habe auch gehofft, es w�rde mir helfen, das alles niederzuschreiben, doch in Wirklichkeit habe ich mich nie einsamer gef�hlt. Die Vorstellung, wie Du �ber meine Geschichte durchdrehst, ist mir ein Trost�� ich kann mir bildlich vorstellen, wie Du durchs Zimmer springst und aus voller Lunge br�llst: �DU WILLST MICH VERARSCHEN!�, wie Du es fr�her immer getan hast. Ich hoffe, Dir alle fehlenden Details pers�nlich mitteilen zu k�nnen, wenn ich Dich diesen Herbst in Katmandu sehe. Bis dahin</p><empty-line/><p>Dein Freund Nathan</p><empty-line/></section><section><title><p>3</p></title><p>Tja, alle Wetter! Der Brief war ein absoluter Hammer. Ich bl�tterte zur ersten Seite zur�ck und schickte mich an, das ganze Ding noch einmal zu lesen, sprang aber schnell zu den interessanten Teilen weiter. Eine Begegnung mit dem ber�hmten Schneemann! Was f�r ein Ereignis! Nat�rlich hatte dieser Nathan nur sein �Harn� herausbringen k�nnen. Doch unter diesen ungew�hnlichen Umst�nden hatte er wohl sein Bestes gegeben.</p><p>Ich hatte immer schon mal einen Yeti sehen wollen. An unz�hligen Morgen im Himalaja war ich vor dem Licht der ersten D�mmerung aufgestanden und hinausgegangen, um zu sehen, wie der Tag werden w�rde, und fast jedesmal, besonders in den Hochw�ldern, hatte ich mich umgesehen und gefragt, ob dieses Zucken in den Winkeln meiner schlafverkrusteten Augen nicht etwas Abscheuliches gewesen war, das sich bewegt hatte.</p><p>Soweit ich wu�te, hatte sich nie etwas bewegt. Und ich war ein wenig neidisch auf diesen Nathan und sein gewaltiges Gl�ck. Warum hatte sich dieser Yeti, Mitglied der scheuesten Rasse in Zentralasien, sich in seiner Gegenwart so entspannt gef�hlt? �ber dieses Geheimnis dachte ich den n�chsten Tagen unentwegt nacht, w�hrend ich meinen Gesch�ften nachging. Und ich w�nschte mir, irgendwie mehr als nur das tun zu k�nnen. Ich suchte im G�stebuch des Star sowohl nach Nathan als auch nach George Fredericks und fand Nathans perfekte kleine Unterschrift Mitte Juni, aber keine Spur von George oder Freds, wie Nathan ihn nannte. Der Brief deutete an, da� er in diesem Herbst in der N�he sein w�rde. Aber wo?</p><p>Dann mu�te ich ein paar tibetanische Teppiche in die Staaten verschicken, und meine Gesellschaft wollte, da� ich drei �Videotrekkings� mit dem Tourismusministerium absprach, und gleichzeitig kam die Einwanderungsbeh�rde zum Schlu�, ich sei lange genug in diesem Land gewesen; und sich in dieser Stadt, in der das Aufgeben eines Briefes einen ganzen Tag dauern kann, mit solchen Angelegenheiten abzugeben, nimmt einen ganz sch�n in Beschlag. Ich h�tte den Brief beinahe vergessen.</p><p>Doch als ich eines sonnigen blauen Nachmittags ins Star zur�ckkehrte und sah, da� jemand wie ein Berserker mit dem Postregal umgesprungen war, es heruntergenommen und die armen Papierleichen �ber die erste ganze erste Treppenflucht ausgebreitet hatte, glaubte ich zu wissen, wo sein Problem lag. Ich war verbl�fft, vielleicht sogar ein wenig schuldbewu�t, aber keineswegs unangenehm ber�hrt. Ich erstickte den kleinen Funken der Schuld und schritt an den beiden Portiers vorbei, die in schnellem Nepalesisch protestierten. �Kann ich Ihnen suchen helfen?� sagte ich zu der Person, die das Chaos verursacht hatte.</p><p>Der Mann richtete sich auf und sah mir geradewegs in die Augen. Ein ganz und gar direkter Typ. �Ich suche nach einem Freund von mir, der normalerweise immer hier absteigt.� Er war noch nicht in Panik, stand aber kurz davor. �Der Portier sagt, er sei seit einem Jahr nicht mehr hier gewesen, doch ich habe ihm diesen Sommer einen Brief geschickt, und der ist nicht mehr da.�</p><p>Kontakt! �Vielleicht ist er vorbeigekommen�, sagte ich, ohne mit der Wimper zu zucken, �und hat den Brief abgeholt, ohne sich hier ein Zimmer zu nehmen.�</p><p>Er zuckte zusammen, als h�tte ich ihm einen Messerstich versetzt. Er sah in etwa so aus, wie ich ihn mir aus seiner Schilderung vorgestellt hatte: gro�, aufrecht, dunkelhaarig. Er hatte einen dichten, dunklen Bart, am Hals und unter den Augen mit sauber rasierten R�ndern�� eben einen perfekten Bart. Dieser Bart und eine Jacke mit Lederellbogen h�tten ihm an jeder amerikanischen Universit�t ein Lehramt verschafft.</p><p>Aber jetzt war er ernsthaft best�rzt, obwohl er versuchte, es nicht zu zeigen. �Dann wei� ich nicht, wie ich ihn finden soll ��</p><p>�Sind Sie sicher, da� er in Katmandu ist?�</p><p>�Er m��te eigentlich hier sein. Er nimmt in zwei Wochen an einer gro�en Klettertour teil. Aber er steigt immer hier ab!�</p><p>�Manchmal sind keine Zimmer mehr frei. Vielleicht hat er ein anderes Hotel genommen.�</p><p>�Ja, das stimmt.� Pl�tzlich legte sich seine Erregung so weit, da� er sich bewu�t wurde, da� er mit mir sprach, und er kniff seine klaren, graugr�nen Augen zusammen und musterte mich.</p><p>�George Fergusson�, sagte ich und streckte die Hand aus. Er versuchte, sie zu zermalmen, aber ich leistete gerade noch rechtzeitig Widerstand.</p><p>�Ich hei�e Nathan Howe. Komisch mit Ihrem Namen�, sagte er ohne ein L�cheln. �Ich suche nach einem George Fredericks.�</p><p>�Allerdings! Was f�r ein Zufall!� Ich schickte mich an, die Post des Star aufzuheben. �Na ja, vielleicht kann ich Ihnen helfen. Ich mu�te schon �fter Freunde in Katmandu suchen�� es ist nicht einfach, aber auch nicht unm�glich.�</p><p>�Ja?� Es war, als h�tte ich ihm einen Rettungsring zugeworfen; was hatte er f�r ein Problem?</p><p>�Klar. Wenn er auf eine Klettertour geht, mu� er zur Einwanderungsbeh�rde, um einen geb�hrenpflichtigen Antrag zu stellen. Und auf den Antr�gen mu� man seine �rtliche Adresse angeben. Ich habe schon zu viele Stunden dort verbracht und habe auf dem Amt ein paar Freunde. Wenn wir ihnen ein paar hundert Rupien Bakschisch zustecken, werden sie sie f�r uns heraussuchen.�</p><p>�Fantastisch!� Jetzt war er die personifizierte Hoffnung. �K�nnen wir sofort gehen?� Ich sah, da� sein Schwarm, die Freundin des Skrupellosen, ihn richtig eingesch�tzt hatte: er war ein Idealist, und seine Ideale schimmerten bei ihm durch wie das Licht einer Coleman-Lampe durch das Glas. Nur eine Blinde h�tte nicht sagen k�nnen, was er f�r sie empfand; ich fragte mich, welche Gef�hle diese Sarah ihm entgegengebracht hatte.</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. �Ist schon zwei Uhr vorbei�� f�r heute geschlossen.� Wir hingen das Regel wieder an die Wand, und die Portiers kehrten zur Rezeption zur�ck.</p><p>�Aber wenn Sie wollen, k�nnen wir noch ein paar andere Dinge probieren.� Nathan nickte und beobachtete mich, w�hrend er die Post zur�ckstopfte. �Wenn ich hier ein Zimmer mieten will, und es ist keins mehr frei, versuche ich es nebenan. Wir k�nnten da mal nachfragen.�</p><p>�Okay�, sagte Nathan, schon Feuer und Flamme. �Gehen wir.�</p><p>Also verlie�en wir das Star und gingen nach rechts, um uns im Lodge Pheasant�� oder Lodge Pleasant, das wird aus dem Schild nicht ganz ersichtlich�� zu erkundigen.</p><p>Nat�rlich, George Fredericks hatte dort gewohnt. War sogar erst an diesem Morgen abgereist. �O mein Gott, nein�, rief Nathan, als sei der Bursche gerade gestorben. Er war nun der Panik wirklich nahe.</p><p>�Ja�, sagte der Portier strahlend, erfreut, den Namen in seinem dicken Buch gefunden zu haben. �Er gegangen auf Wanderung.�</p><p>�Aber er sollte doch erst in vierzehn Tagen aufbrechen!� protestierte Nathan.</p><p>�Er ist wahrscheinlich auf eigene Faust losgezogen�, sagte ich. �Oder mit Freunden.�</p><p>Damit war Nathan fix- und fertig. Panik, Verzweiflung; er mu�te sich setzen. Ich dachte dar�ber nach. �Er kann nicht abgeflogen sein; ich habe geh�rt, da� alle RNAC-Fl�ge zu den Bergen heute gestrichen wurden. Also kam er vielleicht zur�ck, um hier zu Abend zu essen. Kennt er sich in Katmandu gut aus?�</p><p>Nathan nickte verdrossen. �So gut wie jeder andere auch.�</p><p>�Dann versuchen wir es doch einmal im Old Vienna Inn.�</p><empty-line/></section><section><title><p>4</p></title><p>Im blauen Licht des Fr�habends ging es in Thamel hektisch wie immer zu. Lichter flammten an den Fronten der Gesch�fte auf, die sich zu den Stra�en �ffneten, und Menschen dr�ngten sich dicht an dicht. Gro�e Landrover und kleine Toyota-Taxen erzwangen sich unter Mi�brauch ihrer Hupen den Weg durch die Menge; K�he kauten auf den Stra�en wieder und betrachteten den Tumult mit dem Ausdruck leichter �berraschung, als h�tte man sie gerade von ihren Weiden hierher gezaubert.</p><p>Nathan und ich gingen hintereinander an den Ladenfronten vorbei, wichen Fahrr�dern aus und sprangen �ber die zahlreichen Pf�tzen. Wir kamen an Teppichgesch�ften vorbei, an Herrenausstattern, Restaurants, Second-Hand-Buchhandlungen, Reiseb�ros, Hotels und Souvenirl�den, und lehnten dabei hundert Angebote von den jungen M�nnern auf der Stra�e ab: �Geld wechseln?� �Nein.� �Hasch rauchen?� �Nein.� �Sch�nen Teppich kaufen?� �Nein.� �Gutes Hasch!� �Nein.� �Geld wechseln?� �Nein.� Schon seit langem hatte ich solche Spazierg�nge vereinfacht, indem ich einfach �Nein� zu jedem sagte, an dem ich vorbeikam. �Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein.� Nathan hatte eine andere Methode, die genauso gut oder noch besser zu funktionieren schien, da die Stra�enh�ndler mich nicht f�r energisch genug zu halten schienen; er nickte h�flich, sagte mit diesem direkten Blick �Nein, danke� und lie� sie mit offenem Mund einfach stehen.</p><p>Wir lie�en das K. C. hinter uns, bahnten uns den Weg �ber den �Times Square�, eine gef�hrliche Kreuzung mit besonders dichtem Verkehr, und gingen die Stra�e entlang, die aus Thamel zum Rest von Katmandu hinausf�hrte. Zwei H�ndler standen auf der Schwelle ihres Ladens und sangen zu einer Kassette von Pink Floyds <emphasis>The Wall:</emphasis> �We don�t need no education, we don�t need no thought control.� Ich w�re fast von einem Fahrrad �berfahren worden. Als die Stra�e breiter wurde und das Pflaster begann, stie� ich eine schwarze Ziege zur Seite, und wir sprangen �ber eine riesige Pf�tze in eine tunnel�hnliche Halle, die in ein bauf�lliges Geb�ude direkt an der Stra�e f�hrte. In der Halle ging�s dann eine schiefe Betontreppe hinauf. �Waren Sie schon mal hier?� fragte ich Nathan.</p><p>�Nein, ich gehe immer ins K. C. oder an den Roten Platz.� Er machte den Eindruck, als w�rde er es auch nicht bedauern.</p><p>Am Kopf der Treppe �ffneten wir eine T�r und traten ins Kaiserreich �sterreich-Ungarn. Wei�e Tischt�cher, abgeteilte Nischen zwischen breiten G�ngen, rote Tapeten mit Lilienmustern, Pl�schbez�ge, geschmackvoll-kitschige Lampen auf jedem Tisch; und in der Luft der schwere, w�rzige Geruch von Sauerkraut und Gulasch. Walzer von Strau� aus der Music-Box. Abgesehen von dem leisen Hupen unten auf der Stra�e wirkte es v�llig echt.</p><p>�Mein Gott�, sagte Nathan, �wie haben sie das hierher geschafft?�</p><p>�Ist haupts�chlich ihr Werk.� Die Besitzerin und das kulinarische Genie des Lokals, eine gro�e, �ppige, freundliche Frau, kam zu uns und begr��te mich in steifem Englisch, dem deutlich h�rbar ein deutscher Akzent anhaftete.</p><p>�Hallo, Eva. Wir suchen nach einem Freund �� Aber da war Nathan schon an uns vorbei und st�rmte zu einer kleinen Nische im hinteren Teil des Lokals.</p><p>�Er hat ihn wohl gefunden�, sagte Eva mit einem L�cheln.</p><p>Als ich zu dem Tisch trat, sch�ttelte Nathan heftig die Hand eines kleinen, langhaarigen blonden Burschen Ende Drei�ig, schlug ihm auf den R�cken und plapperte vor Erleichterung sinnlos vor sich hin�� �berw�ltigt vor Erleichterung, wie es aussah. �Freds, Gott sei Dank habe ich dich gefunden!�</p><p>�Sch�n, dich zu sehen, Kumpel! Aber du hast ziemliches Gl�ck gehabt�� eigentlich wollte ich heute morgen mit ein paar Tommies in die H�gel aufbrechen, aber die gute alte zuverl�ssige RNAC hat mal wieder alles abgesagt.� Freds hatte einen schwachen S�dstaatenakzent und sprach so schnell wie kein zweiter.</p><p>�Ich wei߫, sagte Nathan. Er blickte auf und sah mich. �Eigentlich hat mein neuer Freund hier es herausbekommen. George Fergusson, das ist George Fredericks.�</p><p>Wir wechselten einen H�ndedruck. �Sch�ner Name!� sagte George. �Nennen Sie mich Freds, das machen alle.� Wir glitten hinter seinen Tisch, und Freds erkl�rte uns, da� die Freunde, mit denen er auf Bergtour gehen wollte, gerade ihre Zimmer suchten. �Was hast du so vor, Nathan? Ich hab� nicht mal gewu�t, da� du �berhaupt in Nepal bist. Ich dachte, du w�rdest wieder in den Staaten arbeiten, wilde Tiere retten oder so.�</p><p>�Hab� ich auch�, sagte Nathan, und sein grimmiger Fri�-oder-stirb-Ausdruck legte sich wieder auf sein Gesicht. �Aber ich mu�te zur�ckkommen. H�r zu�� hast du meinen Brief nicht bekommen?�</p><p>�Nein, hast du mir geschrieben?� sagte Freds.</p><p>Nathan sah mich direkt an, und ich tat so unschuldig wie m�glich. �Ich werde Sie ins Vertrauen ziehen m�ssen�, sagte er zu mir. �Ich kenne Sie nicht sehr gut, aber Sie waren mir heute eine gro�e Hilfe, und wie die Dinge stehen, kann ich wirklich nicht ��</p><p>�W�hlerisch sein?�</p><p>�Nein, nein, nein � kann ich nicht �bervorsichtig sein, wissen Sie. Ich neige dazu, �bervorsichtig zu sein, wie Freds Ihnen best�tigen wird. Aber ich brauche jetzt Hilfe.� Und er meinte es todernst.</p><p>�Sie machen es sich nur unn�tig schwer�, versicherte ich ihm und versuchte, vertrauensw�rdig, loyal und so weiter dreinzuschauen; nicht gerade einfach, wenn man das breite Grinsen auf Freds Gesicht bedachte.</p><p>�Na sch�n, h�rt zu�, sagte Nathan, an uns beide gewandt. �Ich mu� euch erz�hlen, was mir auf der Expedition passiert ist, bei der ich im Fr�hjahr ausgeholfen habe. Es f�llt mir immer noch nicht leicht, dar�ber zu sprechen, aber ��</p><p>Und er zog den Kopf ein, beugte sich vor, senkte die Stimme und erz�hlte uns die Geschichte, die ich schon aus seinem verlorengegangenen Brief kannte. Freds und ich beugten uns ebenfalls vor, so da� unsere K�pfe praktisch �ber dem Tisch zusammenstie�en. Ich gab mein Bestes, an den H�hepunkten der Geschichte schockierte �berraschung auszudr�cken, mu�te mir dar�ber aber keine gro�en Sorgen machen, weil Freds die gesamte n�tige Verbl�ffung lieferte. �Du willst mich verarschen�, sagte er. �Nein. Unglaublich. Ich kann�s nicht glauben. Yetis sind normalerweise so scheu! Und der <emphasis>stand einfach da!</emphasis> Du willst mich <emphasis>verarschen!</emphasis> Verdammich unglaublich, Mann! Ich kann�s nicht <emphasis>glauben!</emphasis> Wie gro�? Was? Oh, nein! Das hast du nicht!� Und als Nathan ihm erz�hlte, wie der Yeti ihm das Halsband gegeben hatte, sprang Freds, genau, wie Nathan es vorausgesagt hatte, vom Tisch auf, st�tzte sich darauf ab und rief: �DU WILLST MICH VERARSCHEN!�</p><p>�Psst!� zischte Nathan und senkte das Gesicht fast bis auf das Tischtuch. �Nein! Komm wieder �runter, Freds! Bitte!�</p><p>Also setzte er sich, und Nathan fuhr fort und erhielt immer wieder die gleiche Reaktion (�Du hast die verdammte Br�cke EINGERISSEN?��� <emphasis>�Pssst!!�),</emphasis> und als er fertig war, lehnten wir uns alle ersch�pft zur�ck. Allm�hlich h�rten die anderen G�ste auf, uns anzustarren. Ich r�usperte mich: �Aber heute haben Sie � �hem � hast du angedeutet, da� es noch ein Problem gibt oder ein neues dazugekommen ist.�</p><p>Nathan nickte und spitzte die Lippen. �Adrakian ging zur�ck und bekam Geld von einem reichen alten Knacker in den Staaten, dessen Hobby die <emphasis>Gro�wildjagd</emphasis> war. J. Reeves Fitzgerald. Jetzt unterh�lt er auf einem gro�en Grundst�ck eine Art Foto-Zoo. Er flog mit Adrakian und Valerie und sogar Sarah hierher, und sie gingen direkt in das Lager hinauf, das wir im Fr�hjahr aufgeschlagen hatten. Ich erfuhr von Armaat davon und kam so schnell wie m�glich her. Unmittelbar nach meiner Ankunft haben sie im Sheraton eine Suite gemietet. Ein Hotelpage erz�hlte mir, sie seien in einem Landrover mit verhangenen Fenstern gekommen, und er hat gesehen, wie sie etwas Seltsames nach oben schleppten, und jetzt haben sie sich in der Suite verbarrikadiert wie in einer Festung. Und ich bef�rchte � ich glaube � ich glaube, <emphasis>sie haben da oben einen gefunden!�</emphasis></p><p>Freds und ich sahen uns an. �Wann war das?� fragte ich.</p><p>�Gerade vor zwei Tagen! Seitdem habe ich nach Freds gesucht. Ich wu�te nicht, was ich sonst tun sollte!�</p><p>�Was ist mit dieser Sarah?� fragte Freds. �Ist sie noch bei ihnen?�</p><p>�Ja�, sagte Nathan und sah auf den Tisch. �Ich kann es nicht glauben, aber sie ist noch da.� Er sch�ttelte den Kopf �Wenn sie da oben einen Yeti verstecken � wenn sie einen gefunden haben � na, dann ist f�r die Yetis alles vorbei. Es w�re eine Katastrophe f�r sie.�</p><p>Damit hatte er wohl recht. Freds nickte automatisch. Er stimmte einfach zu, weil Nathan es gesagt hatte. �Dann haben sie ja einen tollen Zoo da oben, ha ha.�</p><p>�Dann wirst du mir also helfen?� fragte Nathan.</p><p>�Na klar, Mann! Nat�rlich!� Freds schaute �berrasch! drein, da� Nathan die Frage �berhaupt gestellt hatte.</p><p>�Ich w�rde auch gern helfen�, sagte ich. Und das war die Wahrheit. Der Bursche konnte einen schon irgendwie mit sich rei�en.</p><p>�Danke�, sagte Nathan. Er wirkte sehr erleichtert. �Aber was ist mit deiner Bergtour, Freds?�</p><p>�Kein Problem. Ich bin sowieso nur sp�ter zugesto�en, einfach spa�eshalber. Die kommen schon klar. Ich habe mich sowieso schon gefragt, ob ich �berhaupt mitgehen sollte. Die wollen ein Spiel auf die Tour mitnehmen, Trivial Pursuit, damit sie in ihren Zelten nicht durchdrehen. Wir haben es gestern mal versucht, und du wei�t ja, ich bin wirklich gut in Trivial Pursuit, abgesehen bei Geschichte, Literatur und Show, aber dieses Spiel war die <emphasis>englische</emphasis> Ausgabe. Also k�pfen wir �ne Flasche und fangen an, und pl�tzlich komme ich mir vor wie in �nem Film von Monty Python; ich meine, sie spielen es einfach nicht wie wir! Du wei�t ja, wenn wir spielen, und du wei�t die Antwort nicht, sagen alle: �Ha, so ein Pech!��� aber dann bin ich dran, und ich w�hle das Gebiet Sport, auf dem meine nat�rliche St�rke liegt, und sie ziehen eine Karte und fragen mich: �Wer hat bei den karibischen Cricketmeisterschaften von 1956 dreihundertf�nfundsechzigmal hintereinander den Dreistab getroffen?� oder irgendsowas und w�ren vor Lachen bald gestorben. Sie sprangen auf und tanzten um mich herum und <emphasis>heulten</emphasis> geradezu. �Du wei�t�s nicht, du wei�t�s nicht! Du hast nicht die geringste verdammte Ahnung, wer diese Tore erzielt hat, gib�s zu!� Es fiel mir wirklich schwer, mich auf die Antwort zu konzentrieren. Also. Es w�re wahrscheinlich sowieso ein Fehler gewesen, sie zu begleiten. Da bleib ich lieber hier und helfe euch.�</p><p>Nathan und ich konnten ihm nur beipflichten.</p><p>Dann kam Eva mit unseren Essen, was wir nach Nathans ausf�hrlicher Erz�hlung bestellt hatten. Das Erstaunliche am Old Vienna Inn ist, da� das Essen noch besser ist als die Einrichtung. Es w�re �berall gut gewesen, und in Katmandu, wo fast alles etwas nach Pappe schmeckt, war es einfach unglaublich. �Seht euch dieses Steak an!� sagte Freds. �Woher, zum Teufel, bekommen sie das Fleisch?�</p><p>�Hast du dich jemals gefragt, wie man die Zahl der K�he auf den Stra�en unter Kontrolle h�lt?� sagte ich.</p><p>Das gefiel Freds. �Ich kann mir direkt vorstellen, wie sie so ein gro�es Vieh hier hereingelockt haben. Bumm!�</p><p>Nathan s�belte zweifelnd an seinem Schnitzel. Und dann, �ber einem ausgezeichneten Essen, besprachen wir das Problem, mit dem wir es zu tun hatten. Und wie immer bei solchen Situationen hatte ich einen Plan.</p><empty-line/></section><section><title><p>5</p></title><p>Bislang hatte in Katmandu ein Bakschisch immer noch zum Ziel gef�hrt, aber in dieser Woche gaben sich die Bediensteten im Everest Sheraton International zugekn�pft. Sie wollten nicht einmal etwas von kleinen Gef�lligkeiten <emphasis>h�ren,</emphasis> geschweige denn daran teilhaben, ganz gleich, wieviel Scheinchen drin waren. Irgend etwas ging hier vor, und bei mir stellte sich langsam der Verdacht ein, da� J. Reeves Fitzgerald schon einige M�use hatte springen lassen. Also war Plan A, in Adrakians Zimmer zu kommen, gescheitert, und ich zog mich zur Hotelbar zur�ck, wo Nathan in einer Ecke wartete, angemessen verkleidet mit einer Sonnenbrille und einem australischen Cowboyhut. Ihm gefielen meine Neuigkeiten nicht.</p><p>Das Everest Sheraton International hat nicht gerade die �bliche Qualit�t der Sheratons, sondern eher die eines durchschnittlichen Holiday Inn, womit es in Katmandu ein F�nf-Sterne-Hotel ist und genauso wenig hierher pa�t wie das Old Vienna. Die Bar sah wie eine Flughafenbar aus, und im Nebenzimmer befand sich ein Kasino, in dem jedoch, nach dem schallenden Gel�chter zu urteilen, das immer wieder darin erklang, der Spielbetrieb nicht allzu ernst genommen werden konnte. Nathan und ich setzten uns und widmeten uns unseren Drinks, w�hrend wir auf Freds warteten, der die Umgebung des Hotels erkundete.</p><p>Pl�tzlich ergriff Nathan meinen Unterarm. �Nicht hinsehen.�</p><p>�Alles klar.�</p><p>�Oh, mein Gott, sie m�ssen einen ganzen Haufen privater Sicherheitskr�fte angeheuert haben. Sieh dir diese Burschen an. Nein, nicht hinsehen!�</p><p>Ich warf einen unauff�lligen Blick auf die Gruppe, die die Bar betrat. Identische Stiefel, identische Jacken mit kleinen Ausw�lbungen unter den Achseln; glattrasierte Gesichter, aufrechte Haltung, fast milit�rische Erscheinungen � Sie �hnelten ein wenig Nathan, um bei der Wahrheit zu bleiben, aber ohne Bart. �Hmm�, sagte ich. Eindeutig keine gew�hnlichen Touristen. Fitzgerald mu�te <emphasis>sehr viele</emphasis> M�use springen gelassen haben.</p><p>Dann kam Freds in die Bar geschlichen und glitt an unseren Tisch. �Probleme, Mann.�</p><p>�Psst!� machte Nathan. �Siehst du diese Burschen da dr�ben?�</p><p>�Ich wei߫, sagte Freds. �Das sind Geheimdienstagenten.�</p><p>�Das sind <emphasis>was?�</emphasis> sagten Nathan und ich im Gleichklang.</p><p>�Geheimdienstagenten.�</p><p>�Jetzt erz�hl� mir nicht, dieser Fitzgerald sei ein guter Freund von Reagan�, begann ich, doch Freds sch�ttelte den Kopf und grinste.</p><p>�Nein. Sie sind mit Jimmy und Rosalynn Carter hier. Habt ihr das nicht geh�rt?�</p><p>Nathan sch�ttelte den Kopf, doch ich erinnerte mich pl�tzlich wieder an einige Ger�chte, die ich vor ein paar Wochen geh�rt hatte. �Er wollte den Everest sehen �?�</p><p>�Genau. Ich traf sie vor einer Woche �brigens oben in Namche. Aber jetzt sind sie wieder zur�ck und wohnen hier.�</p><p>�Oh, mein Gott�, ;sagte Nathan. �Geheimdienstleute, <emphasis>hier.�</emphasis></p><p>�Es sind eigentlich ganz nette Burschen�, sagte Freds. �Wir haben uns in Namche oft mit ihnen unterhalten. Echt harte Jungs nat�rlich�� echt hart, aber nett. Sie konnten uns die neuesten Football-Ergebnisse sagen, weil sie so eine Satellitensch�ssel haben, und sie haben uns erz�hlt, was sie f�r Jobs haben und so weiter. Nat�rlich haben wir ihnen manchmal Fragen �ber die Carters gestellt, und sie sahen sich einfach um, als habe niemand etwas gesagt, was ziemlich unheimlich war, aber meistens sind sie ganz normal.�</p><p>�Und <emphasis>was</emphasis> tun sie hier?� sagte ich; ich konnte es noch immer nicht ganz glauben.</p><p>�Na ja, Jimmy wollte den Everest sehen. Also flogen sie alle mit dem Hubschrauber nach Namche, als g�be es sowas wie H�henkrankheit gar nicht, und sind zum Everest marschiert! Ich habe gerade mit einem der Agenten gesprochen, die ich da oben kennengelernt habe, und er erz�hlte mir, wie es lief. Rosalynn kehrte bei f�nftausend Metern um, aber Jimmy ging weiter. Ihr wi�t ja, all diese jungen harten Geheimdienstburschen sollen ihn besch�tzen, aber sie wurden krank, und jeden Tag wurden ein paar von ihnen mit dem Hubschrauber ausgeflogen�� H�henkrankheit, Lungenentz�ndung und so weiter��, bis kaum noch welche �brig waren! Er hat seine ganze Mannschaft in Grund und Boden marschiert! Wie alt ist er, Anfang Sechzig? Und all diese jungen Agenten kippten wie die Fliegen um, w�hrend er zum Kala Pattar stieg, und dann zum Everest-Basislager. Einfach toll!�</p><p>�Ja, klasse�, sagte ich. �Ich freue mich f�r ihn. Aber jetzt sind sie wieder hier.�</p><p>�Ja, und jetzt laufen sie das Kulturprogramm von Katmandu durch.�</p><p>�So ein Mist.�</p><p>�Ah! Du hast keinen Schl�ssel f�r das Zimmer des Yetis bekommen, ist es das?�</p><p><emphasis>�Pssst�,</emphasis> zischte Nathan.</p><p>�Tut mir leid, hab� nicht mehr dran gedacht. Na ja, da m�ssen wir uns was anderes einfallen lassen, wie? Die Carters werden noch eine Woche hierbleiben.�</p><p>�Die Fenster?� fragte ich.</p><p>Freds sch�ttelte den Kopf. �Ich k�nnte problemlos hinaufklettern, aber die von ihrem Zimmer liegen zum Garten, und da w�rde man mich sofort sehen.�</p><p>�Sch�ne Schei�e�, sagte Nathan und kippte seinen Scotch hinunter. �Phil k�nnte sich entschlie�en, den� das, was er hat, bei einer Pressekonferenz vorzustellen, solange die Carters noch hier sind. Die perfekte M�glichkeit, sich schnelle Publicity zu sichern�� das w�rde ihm �hnlich sehen.�</p><p>Wir sa�en da und dachten bei ein paar Drinks dar�ber nach.</p><p>�Wei�t du, Nathan�, sagte ich langsam, �es gibt eine M�glichkeit, �ber die wir noch nicht gesprochen haben, aber da m��ten wir uns auf dich verlassen.�</p><p>�Welche M�glichkeit?�</p><p>�Sarah.�</p><p>�Was? Oh, nein. Nein. Ich k�nnte das nicht. Ich kann wirklich nicht mit ihr sprechen. Es w�re einfach � na ja, ich will es einfach nicht.�</p><p>�Aber warum denn nicht?�</p><p>�Sie w�rde nicht auf mich h�ren.� Er sah in sein Glas und schwenkte nerv�s den Inhalt. Seine Stimme wurde verbittert: �Sie w�rde Phil wahrscheinlich sofort sagen, da� wir hier sind, und dann stecken wir <emphasis>wirklich</emphasis> in der Klemme.�</p><p>�Oh, ich wei� nicht. So ein Mensch scheint sie mir nicht zu sein, nicht wahr, Freds?�</p><p>�Keine Ahnung�, sagte Freds �berrascht. �Ich hab� sie nie kennengelernt.�</p><p>�Sie w�rde sowas bestimmt nicht tun.� Und ich bedr�ngte ihn noch ein paar Drinks lang und erkl�rte ihm, es sei unsere bislang beste Chance. Aber Nathan weigerte sich starrk�pfig und gab nicht nach. Schlie�lich bestand er darauf, da� wir gingen.</p><p>Also bezahlten wir die Rechnung und zogen von dannen. Doch als wir durch das Foyer gingen und uns den breiten Eingangst�ren n�herten, verharrte Nathan pl�tzlich mitten in der Bewegung. Eine gro�e, gutaussehende Frau, die eine Brille mit gro�en Gl�sern trug, war gerade hereingekommen. Nathan stand wie angewurzelt da. Ich konnte mir denken, wer die Frau war, und stie� ihn an. �Bedenke, was auf dem Spiel steht.�</p><p>Ein gutes Argument. Er atmete tief ein. Und als die Frau an uns vorbeigehen wollte, ri� er sich Hut und Sonnenbrille ab. �Sarah!�</p><p>Die Frau machte einen Satz. �Nathan! Mein Gott! Was � was tust du denn hier?�</p><p>Verdrossen: �Du wei�t, weshalb ich hier bin, Sarah.� Er stand noch kerzengerader da als sonst und funkelte sie an. Der Blick h�tte nicht anklagender sein k�nnen, h�tte man sie gerade am Mord seiner Mutter schuldig gesprochen.</p><p>�Was �?� Ihre Stimme lie� sie im Stich.</p><p>Nathans Lippen kr�uselten sich ver�chtlich. Ich bef�rchtete schon, da� er die Schuld-Masche gewaltig �bertrieb, und wollte gerade dazwischentreten und eine nicht so auf Konfrontation bedachte Ann�herung versuchen, als dann mitten in seinem n�chsten Satz echter Schmerz; in seiner Stimme mitschwang: �Ich h�tte nicht gedacht, da� du dazu f�hig bist, Sarah.�</p><p>Mit ihrer hellbraunen Ponyfrisur und den gro�en Brillengl�sern sah sie wie ein Schulm�dchen aus. Jetzt war diesem Schulm�dchen unbehaglich zumute: ihre Lippen zitterten, und sie stotterte schnell: �Ich � ich �� Und dann verlor sie die Fassung, und mit einem leisen Schluchzer taumelte sie auf Nathan zu und brach an seiner breiten Schulter zusammen. Er t�tschelte mit einem verwirrten Gesichtsausdruck ihren Kopf.</p><p>�Oh, Nathan�, sagte sie, noch immer elendig schluchzend. �Es ist so <emphasis>schrecklich</emphasis> ��</p><p>�Ist ja schon gut�, sagte er, steif wie ein Brett. �Ich wei�.�</p><p>Die beiden vertieften sich f�r eine Weile in ihren Gedankenaustausch. Ich r�usperte mich. �Warum gehen wir nicht irgendwo hin und trinken etwas�, schlug ich vor, mit dem sicheren Gef�hl, da� die Dinge schon wieder etwas freundlicher aussahen.</p><empty-line/></section><section><title><p>6</p></title><p>Wir gingen in die Cafeteria des Hotels Annapurna, und dort best�tigte Sarah Nathans schlimmste Bef�rchtungen. �Sie haben ihn im <emphasis>Badezimmer</emphasis> eingesperrt.� Anscheinend fra� der Yeti immer weniger, und Valerie Budge dr�ngte Mr. Fitzgerald, ihn sofort dem l�cherlichen kleinen Zoo der Stadt zu �berstellen, doch Fitzgerald flog eine Gruppe Wissenschaftler und Fachjournalisten ein, um morgen oder �bermorgen eine Pressekonferenz abzuhalten, und er und Phil wollten bis dahin warten. Sie hofften darauf, da� die Carters der Enth�llung, wie Freds es nannte, beiwohnten, hatten aber noch keine Zusage bekommen.</p><p>Freds und ich stellten Sarah Fragen �ber die Vorg�nge im Hotelzimmer. Anscheinend wechselten sich Phil, Valerie Budge und Fitzgerald mit der st�ndigen Bewachung des Badezimmers ab. Wie f�tterten sie ihn? Wie f�gsam war er? Frage, Antwort, Frage, Antwort. Nach ihrem urspr�nglichen Zusammenbruch erwies sich Sarah als z�he und vern�nftige Frau. Nathan andererseits verschwendete nur unsere Zeit, indem er unentwegt wiederholte: �Wir m�ssen ihn da rausholen, und zwar schnell, sonst ist es sein <emphasis>Ende.�</emphasis> Sarahs Hand auf der seinen n�hrte die Flamme nur noch. �Wir m�ssen ihn einfach <emphasis>retten.�</emphasis></p><p>�Ich wei�, Nathan�, sagte ich und versuchte nachzudenken. �Das wissen wir schon.� Langsam entstand in meinem Hinterst�bchen ein Plan. �Sarah, hast du einen Zimmerschl�ssel?� Sie nickte. �Na gut, gehen wir.�</p><p>�Was, sofort?� rief Nathan.</p><p>�Klar! Wir haben es doch eilig, oder? Diese Reporter werden bald eintreffen, und sie werden merken, da� Sarah verschwunden ist � Und wir m�ssen uns vorher noch ein paar Sachen besorgen.�</p></section><section><title><p>7</p></title><p>Es war schon sp�ter Nachmittag, als wir zum Sheraton zur�ckkehrten. Freds und ich fuhren auf gemieteten Fahrr�dern, und Nathan und Sarah folgten in einem Taxi. Wir machten dem Taxifahrer klar, da� er vor dem Hotel auf uns warten sollte; dann stiefelten Freds und ich hinein, gaben Nathan und Sarah das Zeichen, da� alles in Ordnung sei, und gingen direkt zu den Telefonen in der Lobby. Nathan und Sarah gingen zur Rezeption und nahmen sich ein Zimmer; sie mu�ten eine Weile untertauchen.</p><p>Ich rief in allen Zimmern auf der obersten Etage des Hotels an (der dritten), �ber die H�lfte davon wurden von Amerikanern bewohnt. Ich erkl�rte, ich sei J. Reeves Fitzgerald, Assistent der Carters, die ebenfalls in dem Hotel wohnten. Alle wu�ten �ber die Carters Bescheid. Ich erkl�rte, die Carters w�rden einen kleinen Empfang f�r die Amerikaner im Hotel geben, und wir hofften, sie w�rden daran teilnehmen und in die Kasinobar kommen�� die Carters w�rden in etwa einer Stunde dort sein. Alle freuten sich �ber die Einladung (bis auf einen verdrossenen Republikaner, bei dem ich schlie�lich auflegen mu�te) und versprachen, gleich zu kommen.</p><p>Der letzte Anruf galt Phil Adrakian in Zimmer 355; ich gab mich als Lionel Holding aus. Es klappte so gut wie bei den anderen; wenn �berhaupt, war Adrakian noch begeisterter. �Wir kommen sofort, danke�� und wir haben sogar eine Gegeneinladung auszusprechen.� Ich war nat�rlich voreingenommen, aber er klang wirklich nach einem widerlichen Kerl. Nathans Bezeichnung <emphasis>Theoretiker</emphasis> schien f�r mich nicht ganz zuzutreffen; ich zog eher etwas wie <emphasis>Arschloch</emphasis> oder so vor.</p><p>�Sehr sch�n. Die Einladung gilt nat�rlich Ihrer ganzen Gruppe.�</p><p>Freds und ich warteten in der Bar und beobachteten die Fahrst�hle. Amerikaner in ihren besten Safarianz�gen str�mten hinaus und gingen zum Kasino; man h�tte nicht glauben m�gen, da� es soviel Polyester in Katmandu gab, aber es reist sich wohl gut darin.</p><p>Zwei M�nner und eine untersetzte Frau kamen die breite Treppe neben dem Fahrstuhl hinab. �Sind sie das?� fragte Freds. Ich nickte; sie pa�ten genau auf Sarahs Beschreibung. Phil Adrakian war klein, schlank und gutaussehend, wenn man auf kalifornische Sunny Boys stand. Valerie Budge trug eine Brille und hatte ihr �ppiges lockiges Haar hochgesteckt; irgendwie wirkte sie intellektuell, wo Sarah nur lernbegierig wirkte. Der Geldgeber, J. Reeves Fitzgerald, war um die Sechzig und sah sehr fit aus, wenngleich er eine Zigarre rauchte. Er trug eine Safarijacke mit acht Taschen darauf. Adrakian unterhielt sich leise mit ihm, als sie durch das Foyer zur Kasinobar gingen, und ich h�rte, wie er sagte: �� <emphasis>besser</emphasis> als eine Pressekonferenz.�</p><p>Ich hatte eine letzte Eingebung und kehrte zu den Telefonen zur�ck. Ich fragte die Hotelvermittlung nach Jimmy Carter und wurde verbunden; es hob jedoch ein sehr gesch�ftsm��ig klingender Mann mit einem Akzent ab, der verriet, da� er aus dem Mittelwesten stammte. �Hallo?�</p><p>�Hallo, ist da die Suite der Carters?�</p><p>�Darf ich fragen, wer dort spricht?�</p><p>�Hier ist J. Reeves Fitzgerald. Ich m�chte Sie bitten, die Carters zu informieren, da� die Amerikaner im Sheraton f�r heute nachmittag einen Empfang f�r sie in der Kasinobar des Hotels organisiert haben.�</p><p>�� ich bin nicht sicher, ob Ihr Zeitplan ihnen die Teilnahme erlaubt.�</p><p>�Ich verstehe. Aber lassen Sie es sie bitte trotzdem wissen.�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>Zur�ck zu Freds, wo ich mit zwei Schlucken ein Glas Bier leerte. �Na ja�, sagte ich. <emphasis>�Irgend etwas</emphasis> wird passieren. Gehen wir rauf.�</p></section><section><title><p>8</p></title><p>Ich klingelte bei Nathan und Sarah an, und sie trafen uns vor der T�r des Zimmers 355. Sarah schlo� uns auf. Es war eine gro�e Suite�� typischer Holiday Inn-Stil��, die sich in jeder Stadt auf der Erde befinden k�nnte. Abgesehen von dem leichten Geruch nach nassem Fell.</p><p>Sarah ging zur Badezimmert�r und entriegelte sie. Dahinter regte sich etwas. Nathan, Freds und ich traten unbehaglich von einem Fu� auf den anderen. Eine Bewegung, und dann stand er vor uns. Ich starrte in die Augen des Yetis.</p><p>In der Tourismusbranche von Katmandu gibt es Kalender, Postkarten und bedruckte T-Shirts mit der Zeichnung eines Yetis darauf. Es ist immer dieselbe Zeichnung, was ich nie begriffen habe: Warum sollten sich alle auf dieselbe Vermutung versteifen? Es �rgerte mich: ein kleiner Pelzball, der einem den R�cken zugewandt hatte, mit dem �blichen Affengesicht �ber die Schulter zur�ck sah und die Sohle eines gro�en nackten Fu�es zeigte.</p><p>Es freut mich, Ihnen best�tigen zu k�nnen, da� der echte Yeti ganz anders aussah. Oh, ein Fell hatte er schon; aber er hatte etwa Freds� Gr��e und ein eindeutig humanoides Gesicht, umgeben von einer bart�hnlichen Krause aus mattem r�tlichem Pelz. Er sah ein wenig wie Lincoln aus�� klar, wie ein kleiner und sehr h��licher Lincoln mit einer platten Nase und ziemlich hervorstehenden wulstigen Brauen��, aber die �hnlichkeit war vorhanden. Es erleichterte mich, wie menschlich sein Gesicht wirkte�� mein Plan hing davon ab, und ich war froh, da� Nathan bei seiner Beschreibung nicht �bertrieben hatte. Das einzige Merkmal, das wirklich ungew�hnlich wirkte, war der Hinterhauptkamm, ein schmaler erh�hter Streifen aus Knochen und Muskeln, der l�ngs �ber seinen Kopf verlief, als habe der Sch�del selbst einen Mohikaner-Haarschnitt.</p><p>Na ja, wir alle standen da wie eine Statue mit dem Namen �Menschen treffen Yeti�, als Freds sich entschlo�, das Eis zu brechen; er trat vor und reichte dem Burschen die Hand. �Namaste!� sagte er.</p><p>�Nein, nein �� Nathan dr�ngte sich an ihm vorbei und streckte das Halsband mit den fossilen Muscheln aus, das er im Fr�hjahr bekommen hatte.</p><p>�Ist das derselbe?� kr�chzte ich, kurzzeitig etwas verwirrt. Denn bis sich diese Badezimmert�r ge�ffnet hatte, hatte ein Teil von mir eigentlich nicht daran geglaubt.</p><p>�Ich glaube schon.�</p><p>Der Yeti bewegte sich und ergriff das Halsband und Nathans Hand. Erneut Statuenzeit. Dann trat der Yeti vor und ber�hrte Nathans Gesicht mit seiner langen, pelzigen Hand. Er pfiff leise. Nathan zitterte; in Sarahs Augen standen Tr�nen. Ich selbst war auch beeindruckt. �Er sieht aus wie ein Buddha, meint ihr nicht auch?� sagte Freds. �Er hat nicht den Bauch daf�r, aber diese Augen, Mann. Buddha in Reinkultur.�</p><p>Wir machten uns an die Arbeit. Ich �ffnete meine Tragetasche und holte einen weiten Overall heraus, ein gelbes T-Shirt mit dem Aufdruck �Befreit Tibet!� und einen gro�en Anorak. Nathan zog sein Hemd aus und wieder an, um dem Yeti zu zeigen, was wir vorhatten.</p><p>Langsam, vorsichtig, sanft, mit vielen leise gesprochenen Worten und behutsamen Gesten, brachten wir den Yeti dazu, das Zeug anzuziehen. Das T-Shirt stellte uns vor die gr��ten Schwierigkeiten: er zappelte etwas, als wir es ihm �ber den Kopf zogen. Der Anorak hatte zum Gl�ck einen Rei�verschlu�. Bei jeder Bewegung, die ich machte, sagte ich: �Namaste, gesegneter Herr, namaste.�</p><p>Die H�nde und F��e waren ein Problem. Seine H�nde waren seltsam, die Finger waren knochig und fast doppelt so lang wie meine und auch ziemlich haarig; aber mitten am Tag in Katmandu F�ustlinge zu tragen, war fast noch schlimmer. Ich schob die Entscheidung hinaus und wandte mich seinen F��en zu. Hier entsprach die Zeichnung f�r die Touristen einigerma�en der Wirklichkeit: seine F��e waren gro�, fellbewachsen und fast viereckig. Sein gro�er Zeh �hnelte einem fetten Daumen. Die Stiefel, die ich mitgebracht hatte, die gr��ten, die ich in der Eile finden konnte, waren viel zu klein. Schlie�lich zog ich ihm tibetanische Wollsocken und Birkenstock-Sandalen an, bei denen ich mit einem Taschenmesser herumgefuhrwerkt hatte, damit die gro�en Zehen �ber die Seiten hinaush�ngen konnten.</p><p>Schlie�lich setzte ich ihm noch meine blaue Dodgers-M�tze auf den Kopf. Reflektierende Sonnenbrillen mit breiten B�geln erledigten den Rest. �He, toll�, bemerkte Freds. Dazu noch ein Sherpa-Halsband, bestehend aus f�nf Korallenst�cken und drei gro�en Brocken ungeschliffenem T�rkis, aufgereiht an einer schwarzen Schnur. Das Ablenkungsprinzip, Sie verstehen.</p><p>W�hrend ich den Yeti verkleidete, durchw�hlten Sarah und Nathan die Schubladen und das Gep�ck und sammelten alle Filme, Notizb�cher und alles andere ein, was Beweise f�r die Existenz des Yetis enthalten mochte. Und die ganze Zeit �ber stand der Yeti ruhig und aufmerksam da: Er beobachtete Nathan, steckte die Hand in einen �rmel wie ein Million�r bei seinem Kammerdiener, trat vorsichtig in die Birkenstocks, schob den Schirm der Baseballm�tze zurecht und so weiter. Ich war wirklich beeindruckt, und Freds ebenfalls. �Er �hnelt wirklich einem Buddha, nicht wahr?� Die k�rperliche �hnlichkeit war im Augenblick wohl nicht gegeben, doch sein Verhalten h�tte nicht ausgeglichener sein k�nnen, wenn er der Gautama pers�nlich gewesen w�re.</p><p>Als Nathan und Sarah mit ihrer Suche fertig waren, betrachteten sie unser Werk. <emphasis>�Mein Gott,</emphasis> sieht der unheimlich aus�, sagte Sarah.</p><p>Nathan setzte sich einfach aufs Bett und legte den Kopf in die H�nde. �Es wird nie funktionieren!� sagte er. �Nie!�</p><p>�Sicher wird es das!� rief Freds und zog den Rei�verschlu� des Anoraks noch etwas h�her. �Auf der Freak Street sieht man solche Typen st�ndig! Mann, als ich noch auf der Schule war, sah unser ganzes Football-Team genauso aus wie er! In meinem Staat k�nnte er ohne weiteres als Senator kandidieren ��</p><p>�H�rt, h�rt�, sagte ich. �Wir haben keine Zeit zu verschwenden. Gebt mir die Schere und die B�rste, ich mu� noch sein Haar machen.� Ich versuchte mit wenig Erfolg, es �ber die Ohren zur�ckzuk�mmen, und schnippelte hinten dann etwas herum. Nur ein kurzes St�ck, dachte ich, nur die paar Meter bis zu dem Taxi. Und in ziemlich dunklen G�ngen. �Ist es auf beiden Seiten gleichm��ig?�</p><p>�Um Gottes willen, George, gehen wir endlich!� Nathan wurde etwas zapplig. Wir sammelten unsere Besitzt�mer ein, packten die Taschen zusammen und zerrten den alten Buddha auf den Gang.</p></section><section><title><p>9</p></title><p>Ich war schon immer stolz auf mein Gef�hl f�r das richtige Timing. Oft war ich selbst �berrascht, wie genau ich es hinbekam, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein; diese F�higkeit �bersteigt jede bewu�te Berechnung und hat etwas zu tun mit einer tiefen mystischen Verst�ndigung mit den kosmischen Zyklen und so. Aber scheinbar arbeitete ich bei dieser Sache mit Menschen zusammen, deren Gef�hl f�r das richtige Timing so kosmisch schrecklich war, da� meins v�llig unterging. Das ist die einzige Erkl�rung, die ich daf�r habe.</p><p>Denn da waren wir, begleiteten einen Yeti durch einen Gang des Everest Sheraton International und gingen ganz gem�chlich daher, der Yeti krummbeinig�� ziemlich krummbeinig, aber ansonsten einigerma�en normal. Eine ganz gew�hnliche Touristengruppe in Nepal. Wir entschieden uns, die Treppe zu nehmen, um ein eventuelles Gedr�nge im Fahrstuhl von vornherein zu vermeiden, und traten durch die Schwingt�ren ins Treppenhaus. Und da kamen Jimmy Carter, Rosalynn Carter und f�nf Jungs vom Secret Service die Treppe zu uns hinab.</p><p>�Mann!� rief Freds aus. �Ich will verdammt sein, wenn das nicht Jimmy Carter ist! Und auch Rosalynn!�</p><p>Das war wohl die beste M�glichkeit, die Situation auszubaden; Freds gab sich einfach ganz nat�rlich. Ich wei� nicht, ob die Carters zu einem Ausflug aufbrachen oder tats�chlich an meinem Empfang teilnehmen wollten; sollte das letztere zutreffen, war mein Einfall, sie ebenfalls einzuladen, wirklich nicht besonders gut gewesen. Auf jeden Fall kamen sie die Treppe runter und blieben dann auf dem Absatz stehen. Wir blieben auf dem Absatz stehen. Die Jungs vom Geheimdienst hielten uns genau im Auge und blieben auf dem Absatz stehen.</p><p>Was nun? Jimmy schenkte uns sein ber�hmtes L�cheln, und es h�tte genauso gut das Titelbild des Tiwe-Magazines schm�cken k�nnen, so ein vertrauter Anblick war es. Nein, doch nicht ganz. Nicht genauso. Sein Gesicht war nat�rlich �lter geworden, und es erweckte den Anschein, als habe er gerade eine ernsthafte Krankheit oder eine gro�e Naturkatastrophe �berstanden. Es sah aus, als sei er durchs Feuer gegangen und sei in die Welt zur�ckgekehrt und wisse nun besser als die meisten Menschen, was es mit dem Feuer auf sich hat. Es war ein gutes Gesicht, es zeigte, was ein Mensch alles aushalten kann. Und er war ganz entspannt; diese Art von Unterbrechung geh�rte zu seinem t�glichen Leben, war Teil des Jobs, zu dem er sich neun Jahre vorher freiwillig gemeldet hatte.</p><p>Ich war alles andere als entspannt. Und als die Jungs vom Geheimdienst dann Buddha mit ihren undeutbaren scharfen Blicken musterten, f�hlte ich, wie mein Herz stehenblieb, und mu�te meinem Oberk�rper einen kleinen Ruck geben, damit es weiterschlug. Nathan hatte schon in dem Augenblick, da er Carter sah, das Atmen eingestellt, und nun wurde er �ber der scharfen Linie seines Bartes ganz bla�. Es wurde noch schlimmer, als Freds vorw�rtstrat und eine Hand ausstreckte. �Hallo, Mr. Carter, namaste! Sch�n, Sie kennenzulernen.�</p><p>�Hallo, wie geht�s euch allen.� Noch mehr von dem ber�hmten L�cheln. �Wo kommt ihr alle her?�</p><p>Und wir antworteten �Arkansas�, �Kalifornien�, �M-Massachusetts�, �Oregon�, und bei jedem l�chelte er und nickte anerkennend und vergn�gt, und Rosalynn l�chelte auch und sagte �Hallo, hallo!�, aber mit jenem entr�ckten Blick, den ich schon w�hrend der Jahre seiner Amtszeit bemerkt hatte und der besagte, wenn�s nach ihr ging, k�nnten wir alle genauso gut dort sein, wo der Pfeffer w�chst. Jimmy sch�ttelte nacheinander jedem von uns die Hand�� bis Buddha an der Reihe war.</p><p>�Das ist unser F�hrer, B-Badim Badur�, sagte ich. �Er spricht kein Englisch.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte Jimmy. Und er nahm Buddhas Hand und sch�ttelte sie kr�ftig.</p><p>Ich hatte mich entschlossen, Buddha keine Handschuhe anzuziehen, eine Entscheidung, die ich nun ernsthaft bedauerte. Hier hatten wir einen Mann, der in seinem Leben mindestens eine und vielleicht sogar zehn Millionen H�nde gesch�ttelt hatte; wenn es einen Experten auf der Welt f�rs H�ndesch�tteln gab, dann ihn. Und kaum hatte er Buddhas lange, knochige Hand ergriffen, wu�te er, da� etwas nicht in Ordnung war. Ein paar Furchen gesellten sich zu dem Netzwerk von Falten um seine Augen, und er betrachtete Buddhas eigent�mliche Aufmachung genauer.</p><p>Ich f�hlte, wie der Schwei� aus meiner Stirn quoll und sie bedeckte. ��h, Badim ist etwas sch�chtern�, sagte ich, als der Yeti pl�tzlich grunzte.</p><p>�Naa-maas-taii�, sagte er mit heiserer, rauher Stimme.</p><p>�Namaste!� erwiderte Jimmy und grinste das ber�hmte Grinsen.</p><p>Und das, Leute, war das erste belegte Gespr�ch zwischen Yeti und Mensch.</p><p>Nat�rlich hatte Buddha nur versucht, uns zu helfen�� nach dem, was sp�ter geschah, bin ich mir dessen ganz sicher��, doch obwohl wir alle es so gut wie m�glich zu verbergen versuchten, hatte seine Sprachf�higkeit uns offensichtlich ziemlich �berrascht. Als Ergebnis schickten die Jungs vom Geheimdienst sich an, uns einer noch genaueren visuellen Untersuchung zu unterziehen, allen voran Buddha.</p><p>��h, wollen wir diese netten Leute nicht aufhalten�, sagte ich zitternd und nahm Buddha am Arm. �Sch�n, Sie kennengelernt zu haben�, sagte ich zu den Carters. Wir alle verharrten einen Augenblick lang. Es erschien mir unh�flich, vor dem ehemaligen Pr�sidenten der Vereinigten Staaten eine Treppenflucht hinabzugehen, aber die Leute vom Secret Service wollten uns verdammt nochmal nicht <emphasis>�ber</emphasis> ihnen haben, und so ging ich schlie�lich voran, Buddha am Arm festhaltend.</p><p>Wir erreichten ohne Zwischenfall das Foyer. Sarah unterhielt sich angeregt mit den Leuten vom Geheimdienst, die direkt hinter uns waren, und lenkte ihre Aufmerksamkeit sehr erfolgreich ab, wie ich annahm. Es hatte den Anschein, da� wir das Hotel ohne weitere Zwischenf�lle verlassen k�nnten, als die T�ren der Kasinobar aufschwangen und Phil Adrakian, J. Reeves Fitzgerald und Valerie Budge herauskamen. (Hat da jemand was von Timing gesagt?)</p><p>Adrakian erfa�te die Situation auf einen Blick. �Sie entf�hren ihn!� rief er. �He! <emphasis>Kidnapping!�</emphasis></p><p>Na ja, man h�tte den Agenten vom Secret Service genauso gut Stromkabel anlegen k�nnen. Zwar ist es nicht ganz einsichtig, warum jemanden einen Ex-Pr�sidenten ermorden wollte, aber als Geisel f�r L�segeld oder was auch immer w�re er hervorragend geeignet. Sie bewegten sich wie Mungos, um zwischen uns und die Carters zu kommen. Freds und ich versuchten, Buddha zur Vordert�r herauszubekommen, ohne dabei die Beine zu bewegen; wir machten nat�rlich keinen gro�en Fortschritt, und ich bezweifle, da� wir aus dem Hotel herausgekommen w�ren, w�re Sarah nicht gewesen. Sie sprang direkt vor den anst�rmenden Adrakian und stellte sich ihm in den Weg.</p><p><emphasis>�Du</emphasis> bis der Kidnapper, du L�gner!� rief sie und gab ihm eine so deftige Ohrfeige, da� er taumelte. <emphasis>�Hilfe!�</emphasis> verlangte sie von den Jungs vom Geheimdienst, lief rot an und stie� Valerie Budge gegen Fitzgerald. Sie sah so zerzaust und mit genommen und wundersch�n aus, da� die Agenten ver wirrt waren; die Situation war ihnen keineswegs klar Freds, Buddha und ich sprangen zur T�r hinaus und gaben Fersengeld.</p><p>Unser Taxi war weg. �Schei�e�, sagte ich. Keine Zeit zum Nachdenken. �Die Fahrr�der?� fragte Freds.</p><p>�Ja.� Keine andere Wahl�� wir liefen um das Geb�ude und schlossen unsere beiden Fahrr�der auf. Ich stieg auf meins, und Freds half Buddha auf das kleine eckige Gestell �ber dem Hinterrad. Vor dem Hotel erklangen Schreie, und ich glaubte, Adrakians Stimme herauszuh�ren. Freds stie� mich von hinten an, und wir fuhren los; ich stand auf, um besser in die Pedale treten zu k�nnen, und wir schwankten gef�hrlich hin und her.</p><p>Ich fuhr die Stra�e nach Norden entlang. Sie war etwas breiter als einspurig und zur H�lfte gepflastert. Wie �blich herrschte dichter Fahrrad- und Autoverkehr, und es hielt mich ganz sch�n in Trab, Fahrzeugen und Schlagl�chern auszuweichen, mich nach Verfolgern umzudrehen und zu verhindern, da� das Fahrrad unter Buddhas sich st�ndig verlagerndem Gewicht umkippte.</p><p>Es handelte sich um ein �bliches Mietmodell aus Katmandu, Marke Hero Jet: schweres Gestell, dicke Reifen, niedrige Lenkstange, ein Gang. Es bremste, wenn man r�ckw�rts trat, und hatte eine Handbremse und eine gro�e laute Klingel, ein sehr wesentliches Zubeh�rteil. Es war kein besonders schlechtes Exemplar, insofern die Handbremse funktionierte, die Lenkstange nicht locker war und sich keine Feder aus dem Sitz in meinen Arsch bohrte. Aber ein Hero Jet ist nun mal leider ein Fahrrad f�r eine Person. Und Buddha war kein Leichtgewicht. Er war wie eine Katze gebaut, dicht und kompakt, und ich wette, er wog �ber zweihundert Pfund. Sein Gewicht dr�ckte das Hinterrad platt�� zwischen der Felge und dem Boden lag gerade mal ein halber Zentimeter, und jedesmal, wenn ich versehentlich durch ein Schlagloch fuhr, erklang beim Herausfahren ein h��liches <emphasis>Wumtn.</emphasis></p><p>Also brachen wir keinen Geschwindigkeitsrekord, und als ich nach links auf die Dilli Bazar abbog, rief Freds von hinten: �Sie sind hinter uns her! Siehst du, da ist Adrakian mit ein paar anderen in einem Taxi!�</p><p>Und in der Tat, ein paar hundert Meter hinter uns hing Phil Adrakian aus dem Seitenfenster eines kleinen wei�en Tojota-Taxis heraus und schrie uns etwas hinterher. Wir strampelten zur Dhobi-Khoba-Br�cke und schossen an der Hauptniederlassung der Einwanderungsbeh�rde vorbei, bevor mir ein paar Worte einfallen konnte, mit denen ich die Menge dort vielleicht auf die Stra�e locken konnte. �Freds!� sagte ich keuchend. �Lenke sie ab! Halte den Verkehr auf!�</p><p>�Sofort.� Augenblicklich bremste er mitten auf der Stra�e, sprang ab und warf seinen Hero Jet zu Boden. Das dreir�drige Taxi hinter ihm rollte dar�ber, bevor der Fahrer anhalten konnte. Freds schrie Zeter und Mordio, zog das Fahrrad darunter hervor und warf es unter einen Datsun, der in die andere Richtung fuhr, es zermalmte und mit kreischenden Reifen anhielt. Weiteres Zeter und Mordio von Freds, der hin und her lief, die Fahrer aus ihren Fahrzeugen zerrte und ihnen alle nepalesischen Begriffe an den Kopf warf, die ihm bekannt waren: �Tschiso howa!� (Kalter Wind.) �Tato pani!� (Hei�es Wasser.) �Rhamrao dihn!� (Sch�ner Tag.)</p><p>Ich erhaschte nur ein paar kurze Blicke darauf, w�hrend ich weiterfuhr, sah aber, da� er mir etwas Zeit verschafft hatte, und konzentrierte mich darauf, dem Verkehr auszu weichen. Die Dilli Bazar ist eine der verstopftesten Stra�er in Katmandu, und das will schon einiges hei�en. Die bei den schmalen Fahrspuren werden von dreigeschossiger Geb�uden ums�umt, die Lebensmittelm�rkte und Stoffgro�h�ndler beherbergen und sich direkt zur Stra�e �ffner und dort ihre Registrierkassen und so weiter aufgebaut haben, trotz der Tatsache, da� die Stra�e von zahlreicher Lastwagen befahren wird. Dazu noch die �blichen Hunde Ziegen, H�hner, Taxen, jungen Schulm�dchen, die zumeist zu dritt nebeneinander gehen, die Arme verschr�nkt, Peditaxen mit zwei Meter gro�en Chauffeuren, die mit f�nf Stundenkilometern ganze Familien bef�rdern, und gelegentlich eine daherschleichende heilige Kuh, und Sie k�nnen sich in etwa vorstellen, wie es hier zugeht. Nicht nur das, dazu kommen noch die gewaltigen Schlagl�cher�� manche k�nnte man f�r offene Einsteigel�cher halten.</p><p>Und die H�gel! Bis dahin kam ich ganz gut zurecht; ich winkte, um die Menge zu verscheuchen, und bet�tigte meine Klingel, bis ich einen Daumenkrampf bekam. Abei dann sch�ttelte Buddha meinen Arm, und ich schaute zur�ck und sah, da� Adrakian irgendwie an Freds vorbei gekommen war und sich ein anderes Taxi genommen hatte Er war uns wieder auf der Spur, kam im Augenblick aber nicht an einem farbenpr�chtig angestrichenen Bus vorbei Und dann strampelten wir den ersten von drei ziemlich steilen H�geln hinauf, die die Dilli Bazar �berwinden mu� bevor sie die Stadtmitte erreicht.</p><p>Hero Jets sind nicht f�r H�gel geschaffen. Die Einheimischen klettern bei solchen Steigungen von ihren R�dern und schieben sie, und nur Europ�er oder Amerikaner, die es sogar in Nepal noch eilig haben, bleiben auf ihnen sitzen und schinden sich den Hang hinauf. Ich geh�rte an diesem Tag ganz bestimmt dazu und erhob mich und trat kr�ftig in die Pedale. Aber ich kam nur m�hsam voran, besonders nachdem ich bremsen und stehenbleiben mu�te, um nicht einen alten Mann zu �berfahren, der sich in der Nase bohrte. Adrakians Taxi hatte unter einer Explosion von Gehupe den Bus �berholt und kam schnell n�her. Ich setzte mich keuchend und �chzend wieder auf den Sitz; meine Beine f�hlten sich wie gro�e Holzkl�tze an, und es sah ganz danach aus, da� ich eine diplomatische L�sung f�r das Problem finden mu�te, als pl�tzlich meine F��e von den Pedalen getreten wurden; wir machten einen Satz vorw�rts und verfehlten nur knapp ein Peditaxi.</p><p>Buddha hatte �bernommen. Er hielt steh mit beiden H�nden am Sitz fest und trat von hinten in die Pedale. Ich hatte schon gesehen, wie gro�e Europ�er auf diese Art auf ihren gemieteten Fahrr�dern fuhren, um nicht bei jedem Aufschwung mit den Knien gegen die Lenkstange zu donnern. Aber man bekommt von da hinten nicht viel Schub, und ich hatte noch nie gesehen, wie jemand so <emphasis>bergauf</emphasis> fuhr. Aber f�r Buddha war das kein Problem. Ich will damit sagen, dieser Bursche war verdammt <emphasis>stark.</emphasis> Er strampelte so heftig drauflos, da� der arme Hero Jet unter der Beanspruchung �chzte, und wir schossen den H�gel hinauf und flogen auf der anderen Seite wieder hinab, als seien wir auf ein Motorrad umgestiegen.</p><p>Ein Motorrad ohne Bremsen, wie ich hinzuf�gen sollte. Buddha schien mit der Wirkungsweise der Fu�bremse nicht vertraut zu sein, und ich versuchte es ein- oder zweimal mit der Handbremse und stellte dabei lediglich fest, da� sie wie ein Schweinchen quiekte und unsere Stabilit�t etwas verringerte. Als wir also die Dilli Bazar hinabrasten, konnte ich nur die F��e auf das Gestell legen und Hindernissen ausweichen, wie in einem dieser Rennrad-Videospiele. Ich dr�ckte auf Teufel komm raus auf die Klingel und schlo� gelegentlich die Augen, w�hrend wir auf der rechten Spur entgegenkommendem Verkehr auswichen (hier herrscht Linksverkehr). Aus den Augenwinkeln sah ich, wie uns Fu�g�nger anglotzten, als wir an ihnen vorbeirasten; dann fuhren wir durch eine Kurve, und die Stra�e wurde frei, und ich sah, da� wir uns der �Verkehrsingenieur-Kreuzung� n�herten, normalerweise eine meiner Lieblingskreuzungen. Hier kreuzt die Dilli Bazar eine andere Hauptverkehrsstra�e, und zur Verkehrsregelung hat man vier Ampeln angebracht, die alle vier <emphasis>vierundzwanzig Stunden am Tag gr�n</emphasis> zeigen.</p><p>Diesmal diente eine Kuh als Verkehrspolizist. Ich rief �Bistarre!� (Langsam), aber Buddhas Vokabular war anscheinend auf �Namaste� beschr�nkt, und er strampelte unverdrossen weiter. Ich fluchte, dr�ckte die Handbremse hinab, kauerte mich �ber die Lenkstange und klingelte.</p><p>Wir schossen durch die L�cke zwischen einem schnell fahrenden Taxi und der Verkehrskuh�� an jeder Seite blieben zehn Zentimeter Platz�� und hatten die Kreuzung hinter uns gelassen, bevor ich auch nur blinzeln konnte. Kein Problem. <emphasis>Das</emphasis> nenne ich Timing.</p><p>Danach kam es nur noch auf geschickte Navigation an. Ich bog entgegengesetzt der Fahrtrichtung in den Einbahnstra�en- Abschnitt der Durbar Marg ein, um unsere Fahrt zu verk�rzen und Verfolger endg�ltig abzusch�tteln, und nachdem wir das �berlebt hatten, war es kein Problem, auch den Rest des Weges nach Thamel zu schaffen.</p><p>Als wir uns Thamel n�herten, passierten wir das Gel�nde des K�niglichen Palastes; wie ich schon erw�hnt habe, sind die gro�en B�ume Tag und Nacht von riesigen braunen Flederm�usen besetzt, die mit dem Kopf nach unten an den kahlen oberen �sten h�ngen. Als wir am Palast vorbeifuhren, m�ssen diese Flederm�use den Geruch des Yetis erfa�t haben, denn pl�tzlich l�ste sich die ganze Schar von den �sten, und sie quiekten wie meine Handbremse und flatterten wie hundert kleine Draculas mit den gro�en braunh�utigen Schwingen. Buddha fuhr langsamer, um den Anblick zu betrachten, und alle anderen auf der Stra�e, sogar die Kuh an der Ecke, blieben stehen und sahen ebenfalls nach oben, um die Wolke aus Flederm�usen zu beobachten, die den Himmel erf�llte.</p><p>In Augenblicken wie diesen liebe ich Katmandu einfach.</p><p>In Thamel fielen wir nicht weiter auf. Eine bemerkenswerte Anzahl Menschen auf den Stra�en �hnelte Buddha betr�chtlich�� so sehr, da� mich die Vorstellung �berkam, die Stadt k�nne insgeheim von verkleideten Yeti unterwandert sein. Ich schrieb diese Vorstellung der Hysterie zu, die die Verkehrsingenieur- Kreuzung bei mir ausgel�st hatte, und lenkte unseren Hero Jet auf den Hof des Hotels Star. Dann umgaben uns Mauern, und Buddha h�rte auf zu strampeln. Wir stiegen ab, und ich f�hrte ihn zitternd nach oben auf mein Zimmer.</p></section><section><title><p>10</p></title><p>Na also. Wir hatten den gefangenen Yeti befreit. Obwohl ich, als ich uns beide in meinem Zimmer einschlo�, eingestehen mu�te, da� er nur zum Teil frei war. Ihn v�llig zu befreien, ihn in seine heimatlichen Gefilde zur�ckzubringen, k�nnte sich als Problem erweisen. Ich wu�te noch immer nicht genau, wo er zu Hause war, aber in Katmandu gibt es keine Mietwagen, und die Busse sind immer, ganz gleich, wohin es geht, vollgestopft, und eine Busfahrt w�rde auch viel zu lange dauern. W�rde Buddha es zehn Stunden in einem �berf�llten Bus aushalten k�nnen? Naja, so, wie ich ihn einsch�tzte, wahrscheinlich. Aber w�rde auch seine Verkleidung halten? Das bezweifelte ich.</p><p>Au�erdem war da noch die Sache mit Adrakian und dem Secret Service. Ich hatte keine Ahnung, was mit Nathan und Sarah und Freds passiert war, und machte mir um sie Sorgen, besonders um Nathan und Sarah. Wenn sie doch endlich k�men! Nun, da wir hier und au�er Gefahr waren, kam ich mir mit meinem Gast ein wenig unbehaglich vor; mit ihm darin wirkte mein Zimmer schrecklich klein.</p><p>Ich ging ins Badezimmer und pinkelte. Buddha kam rein und beobachtete mich, und als ich fertig war, fand er die richtigen Kn�pfe an seinem Overall und folgte meinem Beispiel! Der Bursche war erstaunlich clever! Und noch etwas � Ich wei� nicht, ob ich das hier erw�hnen soll, aber in der Hominiden- versus-Primaten-Debatte wird behauptet, da� die Genitalien der meisten m�nnlichen Primaten ziemlich klein sind, und da� die Menschen, was die Gr��e betrifft, bei weitem die Champions sind. Wie sch�n f�r uns. Aber Buddha war, wie ich festzustellen nicht umhin konnte, eher auf der menschlichen Seite der Me�skala. In der Tat, die Beweise h�uften sich. Der Yeti war ein Hominide, und dar�ber hinaus ein hochintelligenter Hominide. Buddhas schnelle Auffassungsf�higkeit, seine rasche Anpassung an sich ver�ndernde Situationen, das Wiedererkennen von Freunden und Feinden, seine <emphasis>Gelassenheit,</emphasis> all das deutete auf eine Intelligenz erster Ordnung hin.</p><p>Das ergab nat�rlich Sinn. Wie sonst h�tten sie so lange im Verborgenen bleiben k�nnen? Sie mu�ten von Generation zu Generation ihren Jungen alle Tricks beigebracht haben; verliert keine Werkzeuge oder Artefakte, wohnt nur in den unzug�nglichsten H�hlen, meidet alle menschlichen Siedlungen, begrabt eure Toten �</p><p>Dann mu�te ich mich aber doch wundern. Wenn die Yetis so clever und geschickt darin waren, sich zu verbergen � wieso sa� Buddha denn hier in meinem Zimmer? Was war schiefgegangen? Warum hatte er sich Nathan gezeigt, und wie war es Adrakian gelungen, ihn gefangenzunehmen?</p><p>Ich spekulierte schlie�lich dar�ber, ob auch bei den Yetis vielleicht Geisteskrankheiten auftraten, ein Gedankengang, der mich noch begieriger auf Nathans Eintreffen warten lie�. Nathan war in manchen Situationen keine gro�e Hilfe, aber der Mann hatte eine Beziehung zu dem Yeti gefunden, die ich leider nicht hatte.</p><p>Buddha lag auf dem Bett; er hatte die Knie angezogen und musterte mich aufmerksam. Ich hatte ihm nach unserer Ankunft die Sonnenbrille abgenommen, aber er trug noch die Dodgers- M�tze. Er sah mich wachsam, neugierig und verwirrt an. Was jetzt? schien er zu sagen. Irgend etwas in seinem Ausdruck, etwas an der Art, wie er sich mit alledem abfand, war sowohl tapfer als auch r�hrend�� er hatte mein vollstes Mitgef�hl. �Kopf hoch, Junge. Wir bringen dich schon wieder zur�ck. Namaste.�</p><p>Er bildete mit seinen Lippen Worte.</p><p>Vielleicht war er hungrig. Was gibt man einem hungrigen Yeti? War er ein Pflanzen- oder Fleischfresser? Ich hatte nicht viel vorr�tig; ein paar Packungen H�hnersuppe mit Curry, ein paar S��igkeiten (war Zucker schlecht f�r ihn?), in Streifen geschnittenes und an der Sonne getrocknetes Rindfleisch; ja, das w�re eine M�glichkeit. Dann noch Nebico-Malzbisquits, kleine, waffel�hnliche Pl�tzchen, in Indien hergestellt, die einen Hauptbestandteil meiner Verpflegung bildeten � Ich �ffnete eine Packung und bot ihm auch das getrocknete Rindfleisch an.</p><p>Er setzte sich auf dem Bett zur�ck und schlug die Beine �bereinander. Dann tappte er auf das Bett, als wolle er mich zu sich rufen. Ich setzte mich neben ihn. Er nahm einen Streifen Rindfleisch in die langen Finger, roch daran und steckte es zwischen seine Zehen. Ich ging mit gutem Beispiel voran und a� meinen Streifen. Er sah mich an, als h�tte ich gerade beim Salat die falsche Gabel genommen. Er begann mit einer Nebico-Waffel und kaute langsam darauf. Ich stellte fest, da� ich hungrig war, und glaubte an seinen gro�en Augen zu erkennen, da� es ihm nicht anders ging. Aber er blieb gelassen; er lie� mich wissen, da� es galt, eine bestimmte Verfahrensweise zu befolgen. Er nahm die Waffeln vorsichtig in die Hand, schn�ffelte an ihnen und a� sie sehr langsam; nahm dann den Streifen Rindfleisch zwischen seinen Zehen und bi� ihn halb ab; schaute sich um�� oder sah mich an�� und kaute sehr bed�chtig. So ruhig, so friedlich war er! Ich kam zum Schlu�, da� die S��igkeiten keinen Schaden anrichten konnten, und bot ihm die T�te Gummib�rchen an. Er probierte eins und runzelte die Stirn; dann nahm er eins von derselben Farbe (gr�n) aus dem Beutel und gab es mir.</p><p>Ziemlich bald hatten wir alle Vorr�te, die ich besa�, auf dem Bett zwischen uns ausgebreitet und probierten zuerst das eine und dann das andere, schweigend, langsam und ernst, als f�hrten wir ein heiliges Ritual durch. Und wissen Sie was�� nach einer Weile kam ich mir vor, als w�rde es sich genau darum handeln.</p></section><section><title><p>11</p></title><p>Etwa eine Stunde nach unserer Mahlzeit trafen gleichzeitig Nathan, Sarah und Freds ein. �Ihr seid hier!� riefen sie. �Toll, George! Hervorragend!�</p><p>�Dank Buddha�, sagte ich. �Er hat uns hierher gebracht.� Nathan und Buddha vollzogen ein kleines Ritual mit der fossilen Muschelkette. Freds und Sarah erz�hlten mir die Geschichte ihrer Abenteuer. Sarah hatte versucht, Adrakian festzuhalten, der sich jedoch losri� und uns verfolgte, und dann mit Valerie Budge, die mit Fitzgerald zur�ckgeblieben war, Hiebe und Vorw�rfe gewechselt. �Es war eine Freude, ihr eins zu verpassen, sie ist seit Monaten schon hinter Phil her�� nicht, da� es mir jetzt nat�rlich noch etwas ausmachen w�rde�, f�gte Sarah schnell hinzu, als Nathan sie be�ugte. Auf jeden Fall hatte sie Budge, Fitzgerald und Adrakian gesto�en und zur�ckgedr�ngt und beschimpft, und als sie damit fertig war, hatte niemand im Sheraton die geringste Ahnung, was �berhaupt vor sich ging. Ein paar Geheimdienst- M�nner waren Adrakian gefolgt; die anderen beschr�nkten sich darauf, die Carters abzuschirmen, die nat�rlich von beiden Seiten gebeten wurden, �ber das Wesentliche des Falls zu urteilen. Nat�rlich z�gerten die Carters, unsicher, wie sie waren, um was f�r einen Fall es sich �berhaupt handelte. Fitzgerald und die Budge wollten nicht mit der Wahrheit raus und erkl�ren, man habe ihnen einen Yeti gestohlen, und so steckten sie nat�rlich ganz sch�n in der Klemme; und als Freds zur�ckkam, um zu sehen, was dort los war, hatten Nathan und Sarah bereits ein Taxi bestellt. �Ich glaube, die Carters waren schlie�lich auf unserer Seite�, sagte Sarah mit Befriedigung.</p><p>�Alles gut und sch�n�, f�gte Freds hinzu, �aber da hatte ich den alten Jimmy direkt vor mir und keinen Yeti mehr, wegen dem ich h�flich sein mu�te, und verdammt, ich hatte mit diesem Burschen noch ein H�hnchen zu rupfen! Ich war 1980 in San Diego, und etwa gegen sechs Uhr am Wahltag gingen ich und ein paar Freunde zur Wahl, und ich redete <emphasis>heftig</emphasis> auf sie ein, da� wir f�r Carter und nicht f�r Anderson stimmen sollten, weil Anderson nur eine Geste sein w�rde, wohingegen ich glaubte, da� Carter noch eine Chance auf den Sieg hatte, da ich nichts von Umfragen halte. Ich machte wirklich Dampf und �berzeugte jeden, wahrscheinlich der H�hepunkt meiner politischen Karriere, und als wir dann nach Hause gingen und den Fernseher einschalteten, stellten wir fest, da� Carter die Wahl bereits vor ein paar Stunden f�r verloren erkl�rt hatte! Meine Freunde waren wahnsinnig sauer auf mich! John Drummond warf sein Bier nach mir und traf mich hier am Kopf. Sie haben mich echt na� gemacht. Also hatte ich noch ein H�hnchen mit dem alten Jimmy zu rupfen und wollte mich schon an ihn ranmachen und ihn fragen, warum er das damals getan hatte. Aber er wirkte von dem ganzen Tumult so verwirrt, da� ich es dann doch nicht getan habe.�</p><p>�In Wahrheit habe ich ihn davongeschleppt, bevor er Carter anmachen konnte�, sagte Sarah.</p><p>Nathan brachte uns wieder zu dem eigentlichen Problem zur�ck. �Wir m�ssen noch immer den Yeti aus Katmandu schaffen, und Adrakian wei�, da� wir ihn haben�� er wird nach uns suchen. Aber wie sollen wir das machen?�</p><p>�Ich habe einen Plan�, sagte ich. Denn nach meiner Mahlzeit mit Buddha hatte ich nachgedacht. �Wo ist Buddha zu Hause? Ich mu� es wissen.�</p><p>Nathan sagte es mir.</p><p>Ich sah auf den Karten nach. Buddhas Tal lag ganz in der N�he der kleinen Flugpiste von J�. Ich nickte. �Also sch�n, wir machen es folgenderma�en��</p></section><section><title><p>12</p></title><p>Ich verbrachte den gr��ten Teil des n�chsten Tages hinter Spiegelglas, in der gro�en Hauptgesch�ftsstelle der Royal Nepal Airline Corporation, und besorgte vier Tickets f�r den Flug am darauffolgenden Tag nach J�. Harte Arbeit, obwohl das Flugzeug nicht einmal ann�hernd ausgebucht war. J� lag an keinen Trekking-Routen und war kein besonders beliebtes Ziel. Doch das hat bei der RNAC gar nichts zu bedeuten. Ihre Aufgabe als Firma ist es nicht so sehr, Leute irgendwo hinzufliegen, sondern <emphasis>Listen zu erstellen.</emphasis> Wartelisten. Ich w�rde das ihren Geheimauftrag nennen, nur ist er nicht geheim.</p><p>Geduld, Hartn�ckigkeit und eine Menge Bakschisch sind die Schl�ssel, mit denen man von den Listen tats�chlich in den Besitz eines Tickets gelangt. Mir gelang es, und auch noch an einem einzigen Tag. Also war ich sehr zufrieden, rief jedoch meinen Freund Bill an, der in einem der Reiseb�ros der Stadt arbeitet, um einen kleinen Ersatzplan auszuarbeiten. Er hat eine Menge Erfahrung mit der RNAC und ist also verdammt gut bei Ersatzpl�nen. Dann vervollst�ndigte ich meine Einkaufsliste bei meinem bevorzugten Bergsteigerausr�ster in Thamel. Die Besitzerin, eine Tibetanerin, legte ihre Ausgabe von <emphasis>The Far Pavilions</emphasis> beiseite, unterbrach ihr Armaerobic und besorgte mir alle Kleidungsst�cke, die ich verlangte, sogar in den richtigen Farben. Lediglich eine zweite Dodgers-M�tze hatte sie nicht auf Lager, doch ich bekam statt dessen eine dunkelblaue �ATOM�-Baseballm�tze.</p><p>Ich zeigte darauf. �Was hat dieses �ATOM� �berhaupt zu bedeuten?� Denn in ganz Nepal gab es Kappen und Jacken mit diesem Wort darauf. War es eine Firma, und wenn ja, was f�r eine?</p><p>Sie zuckte die Achseln. �Das wei� niemand.�</p><p>Umfassende Werbung f�r ein unbekanntes Produkt: noch eins der Gro�en Geheimnisse von Nepal. Ich stopfte meine neuen Besitzt�mer in meine Tasche und ging. Ich war auf dem Weg nach Hause, als mir jemand in der Menge hinter mir auffiel. Nur einen Blick, und ich hatte ihn entdeckt, wie er gerade in einen Kiosk schl�pfte: Phil Adrakian.</p><p>Jetzt konnte ich nicht nach Hause gehen, jedenfalls nicht direkt. Also ging ich ins Katmandu Guest House direkt nebenan und sagte einem der arroganten Portiers dort, da� Jimmy Carter dem Haus in zehn Minuten einen Besuch abstatten und jeden Augenblick sein Sekret�r eintreffen w�rde. Ich ging in den sch�nen Garten weiter, der das Guest House so bekannt gemacht hatte, und kletterte an einer niedrigen Stelle �ber die hintere Mauer. Eine leere Gasse weiter, in der sich M�ll stapelte, um die Ecke, �ber eine weitere Mauer und vorbei am Lodge Pleasant oder Pheasant in den Innenhof des Star. Ich kam mir ziemlich sicher und so weiter vor, als ich einen von Carters Geheimdienstm�nnern sah, der vor der Tantric-Second-Hand-Buchhandlung stand. Da ich jedoch schon auf dem Hof war, ging ich weiter und eilte zu meinem Zimmer hinauf.</p></section><section><title><p>13</p></title><p>�Sie m�ssen euch hierher gefolgt sein�, sagte ich zu unserer kleinen Gruppe. �Ich glaube, sie nehmen wohl wirklich an, wir h�tten gestern eine Entf�hrung geplant.�</p><p>Nathan st�hnte auf. �Adrakian hat sie wahrscheinlich �berzeugt, da� wir zu der Gruppe geh�ren, die diesen Sommer im Hotel Annapurna eine Bombe gelegt hat.�</p><p>�Das m��te sie eigentlich beruhigen�, sagte ich. �Als die Bombe hochging, hat die Opposition augenblicklich dem K�nig geschrieben und ihm mitgeteilt, sie w�rde alle Aktionen gegen die Regierung einstellen, bis die Beh�rden die kriminellen Elemente unter ihnen festgenommean habe.�</p><p>�Hindu-Guerrillas sind schon tolle Hechte, was?� sagte Freds.</p><p>�Auf jeden Fall�, fuhr ich fort, �bedeutet das, da� wir einen verdammt guten Grund haben, unseren Plan in die Wirklichkeit umzusetzen. Freds, bist du sicher, da� du mitmachen willst?�</p><p>�Klar bin ich sicher! Den Spa� will ich mir nicht entgehen lassen.�</p><p>�Na sch�n. Wir bleiben diese Nacht lieber hier, nur f�r alle F�lle. Ich koche uns eine H�hnersuppe.�</p><p>Also nahmen wir eine spartanische Mahlzeit aus Curryh�hnersuppe, Nebico-Waffeln, wei�er Toblerone-Schokolade, Gummib�rchen und jodiertem Seetang ein. Als Nathan sah, wie Buddha sich �ber die Gummib�rchen hermachte, sch�ttelte er den Kopf. �Wir m�ssen ihn <emphasis>schnell</emphasis> hier rausbringen.�</p><p>Nachdem wir gegessen hatten, legte sich Sarah aufs Bett, und Buddha gesellte sich augenblicklich zu ihr, mit einem v�llig unschuldigen Blick in den Augen, als wolle er sagen: Was, ich? Ich schlafe doch hier, oder? Ich sah, da� Nathan die Sache etwas argw�hnisch betrachtete; schlie�lich machte er sich am Fu�ende des Bettes bequem. Ich ging davon aus, da� es keine Probleme geben w�rde. Freds und ich warfen die schimmligen Schaumstoffunterlagen zusammen, die ich besa�, und legten uns auf den Boden.</p><p>�Glaubt ihr nicht, da� Buddha bei dem Flug morgen ausflippen wird?� fragte Sarah, als wir das Licht ausgemacht hatten.</p><p>�Bislang scheint ihn nichts aus der Fassung zu bringen�, sagte ich. Aber ich hatte mich das auch schon gefragt; ich selbst flog auch nicht allzu gern.</p><p>�Ja, aber er hat noch nie auch nur etwas ann�hernd Vergleichbares getan.�</p><p>�Es ist so �hnlich, als ob man auf einer hohen Klippe steht. Verglichen mit unserer Fahrradfahrt ist Fliegen ein Kinderspiel.�</p><p>�Da bin ich mir nicht so sicher�, sagte Nathan, schon wieder besorgt. �Sarah k�nnte recht haben�� Fliegen kann selbst f�r Leute aufregend sein, die schon oft geflogen sind.�</p><p>�Das ist normalerweise der Kern des Problems�, sagte ich mitf�hlend.</p><p>Freds mischte sich in die Debatte ein: �Machen wir ihn vor dem Flug doch einfach high. Besorgen wir ihm eine gute Haschpfeife und schicken wir ihn auf die Reise.�</p><p>�Du bist verr�ckt!� sagte Nathan. �Das w�rde ihn nur noch mehr ausflippen lassen!�</p><p>�Nee.�</p><p>�Er w�rde nicht wissen, was er davon halten soll�, sagte Sarah.</p><p>�Ach ja?� Freds richtete sich auf einen Arm auf. �Glaubt ihr wirklich, die Yetis h�tten da oben die ganze Zeit inmitten dieser Haschpflanzen gelebt und nicht herausgefunden, was es mit ihnen auf sich hat? Nichts da! Deshalb hat sie wahrscheinlich auch noch nie jemand gesehen! Mann, die Haschpflanzen sind da oben so gro� wie <emphasis>Kiefern!</emphasis> Wahrscheinlich essen sie sogar die Knospen.�</p><p>Nathan und Sarah bezweifelten dies, und sie bezweifelten auch, da� es klug sei, sich in solch einem kritischen Augenblick auf irgendwelche Experimente einzulassen.</p><p>�Hast du Hasch?� fragte ich Freds interessiert.</p><p>�Nee. Bevor dieser Ama Dablam-Trek durchkam, wollte ich zu einer Bergdschungelexpedition, die Doug Scott zusammengestellt hat, nach Malaysia fliegen. Also hab� ich mir das ganze Zeug vom Hals geschafft. Ich meine, ob man mit Drogen nach Malaysia fliegen sollte, ist nicht gerade eine der schwierigeren Fragen beim IQ-Test, du verstehst? Als ich aufbrechen mu�te, hatte ich noch zu viel zu rauchen, und als ich von Namche nach Lukla trampte, stopfte ich meine Pfeife und warf diesen Brocken einfach weg, einen wahren Monsterbrocken von vielleicht zehn Gramm. <emphasis>Und ich lie� ihn einfach da liegen!</emphasis> Lie� ihn einfach auf dem Boden liegen! Das hatte ich immer schon mal tun wollen.</p><p>Auf jeden Fall habe ich nichts mehr. Wenn du willst, k�nnte ich das unten auf der Stra�e in einer Viertelstunde �ndern, wenngleich ��</p><p>�Nein, nein, schon in Ordnung.� Ich konnte bereits das gleichm��ige Atmen Buddhas h�ren, der �ber mir schnell eingeschlafen war. �Er wird morgen ausgeruhter sein als irgendeiner von uns.� Und das stimmte.</p></section><section><title><p>14</p></title><p>Wir standen vor Anbruch der D�mmerung auf, und Freds zog die Klamotten an, die Buddha am Tag zuvor getragen hatte. Wir klebten Freds ein paar B�schel von Buddhas R�ckenfell ins Gesicht, die als Bart dienen sollten. Wir hatten sogar etwas von dem rotbraunen Fell in die Innenseite der Dodgers-M�tze geklebt, damit sie hinten hinabhing. F�ustlinge und ein gro�es Paar Schneestiefel vervollst�ndigten die Verkleidung; noch die Sonnenbrille auf seine Nase, und er sah zumindest genauso seltsam aus wie Buddha im Sheraton. Freds schritt im Zimmer auf und ab, um sich an die Verkleidung zu gew�hnen. Buddha betrachtete ihn mit diesem �berraschten Blick, und Freds war wieder obenauf. �Ich sehe wie dein lange verschollener Bruder aus, was, Buddha?�</p><p>Nathan brach verzagt auf dem Bett zusammen. �Das wird einfach nicht klappen.�</p><p>�Das hast du letztes Mal auch gesagt�, wandte ich ein.</p><p>�Genau! Und sieh dir doch an, was daraus geworden ist! Nennst du das <emphasis>klappen?</emphasis> Willst du mir sagen, da� es gestern <emphasis>geklappt</emphasis> hat?�</p><p>�Na ja, das kommt darauf an, was du mit klappen meinst. Ich meine, wir sind doch hier, oder?� Ich packte meine Tasche. �Immer mit der Ruhe, Nathan.� Ich legte eine Hand auf seine Schulter, und Sarah legte ihre beiden H�nde auf seine andere Schulter. Das richtete ihn etwas auf, und ich l�chelte Sarah zu. Diese Frau war z�h; sie hatte im Sheraton unseren Arsch gerettet und verlor auch w�hrend des Wartens nicht die Nerven. Ich h�tte eigentlich nichts dagegen gehabt, sie zu bitten, mich auf einen langen Trek in den Himalaja zu begleiten, und sie bekam das mit und schenkte mir ein kurzes L�cheln, das mir sagen sollte, da� sie es zu w�rdigen wu�te, aber auch, da� ich keine Chance hatte. Au�erdem w�re es mir vorgekommen, den guten alten Nathan zu hintergehen, als h�tten die Dodgers Steve Garvey aus dem Vertrag entlassen. Solche Menschen kann man nicht hintergehen, nicht, wenn man hinterher noch in den Spiegel sehen k�nnen will.</p><p>Freds hatte sich mittlerweile Buddhas Haltung und Gang ausreichend eingepr�gt, und er und ich verlie�en das Zimmer. Freds blieb stehen und warf noch einen traurigen Blick zur�ck, und ich zerrte ihn weiter, verwirrt �ber seine sentimentale Anwandlung; wir wollten von niemandem au�erhalb des Star gesehen werden, bis wir unten waren.</p><p>Aber ich mu� sagen, da� Freds insgesamt eine erstaunliche Leistung vollbrachte. Er hatte gar nicht so viel von Buddha gesehen, doch als wir �ber den Hof und auf die Stra�e gingen, ahmte er den Gang des Yeti genau nach: etwas steif in der H�fte und krummbeinig, ein schaukelnder Matrosengang, aus dem er sich anscheinend jeden Augenblick auf alle viere fallen lassen konnte. Ich konnte es kaum glauben.</p><p>Die Stra�en waren fast leer; ein Brotlieferant, streunende Hunde (sie bedachten Freds mit keinem Blick�� w�rde uns das nicht verraten?), der alte Bettler und seine junge Tochter, ein paar Kaffeefreaks vor der German Pumpernickel Bakery, Ladenbesitzer, die ihre Gesch�fte �ffneten � Ein paar Schritte weiter gingen wir an einem am Stra�enrand stehenden Taxi mit drei M�nnern darin vorbei, die sorgsam in die andere Richtung sahen. Abendl�nder. Ich eilte weiter. �Kontakt�, murmelte ich Freds zu. Er pfiff nur etwas.</p><p>Auf dem Times Square stand ein Taxi; der Fahrer schlief. Wir sprangen hinein, weckten ihn und baten ihn, uns zum Busbahnhof zu fahren. Das Taxi, an dem wir vorbeigegangen waren, folgte uns. �Sie haben angebissen�, sagte ich zu Freds, der die Aschenbecher beschn�ffelte, am Polster leckte und sich aus dem Fenster lehnte, um wie ein Hund nach Luft zu schnappen. ��bertreib�s nicht�, sagte ich; ich hatte Angst, da� meine Dodgers-M�tze mit dem ganzen festgeklebten Haar fortfliegen k�nnte.</p><p>Wir fuhren am gro�en Uhrenturm vorbei, hielten an, stiegen aus und bezahlten den Taxifahrer. Unser Schatten blieb ein St�ck weiter die Stra�e hinauf stehen, wie ich zufrieden feststellte. Freds und ich gingen die breite, schlammige Auffahrt zum Busbahnhof hinab.</p><p>Der Busbahnhof war ein gro�er, morastiger Hof, der etwa anderthalb oder zwei Meter unter der Stra�enebene lag. Dutzende von Bussen standen kreuz und quer auf dem Hof, und ihre Reifen hatten den Schlamm aufgew�hlt, bis der Hof wie ein Verdun von Fahrzeugen aussah. S�mtliche Busse geh�rten Privatfirmen�� normalerweise ein Bus pro Firma mit einer einzigen vorgegebenen Strecke��, und alle Fahrkartenverk�ufer in den Buden aus Holz und Zeltstoff am Eingang schrien auf uns ein, um unsere Aufmerksamkeit zu erregen, als seien wir ohne <emphasis>ein</emphasis> bestimmtes Ziel im Sinn gekommen und w�rden den Verk�ufer aussuchen, der uns das lauteste Angebot machte.</p><p>Was diesmal ja beinahe auch zutraf. Doch ich entdeckte den Verk�ufer f�r den Bus nach Jiri, wohin ich Freds eigentlich schicken wollte, und erstand zwei Fahrkarten, wobei mich alle anderen Verk�ufer umschw�rmten und meine Wahl kritisierten. Freds ging ein wenig in die Hocke und schaute angemessen mi�mutig drein. Ein gro�er Tumult entstand; eine der Firmen hatte ihr Recht durchgesetzt, den Hof als n�chste zu verlassen, und nun versuchte ihr Bus, es die Auffahrt hinauf zu schaffen, die die einzige Zufahrt zum Hof darstellte.</p><p>Eine jede Abfahrt stellte h�chste Anspr�che an den Fahrer, das Getriebe und die Reifen des Busses und die beratenden F�higkeiten der um ihn herumstehenden Fahrkartenverk�ufer. Nach zahlreichem Schalten und Rangieren scho� dieser hell angestrichene Bus die Schr�ge hinauf, und die Debatte �ber den Fahrplan begann erneut. Nur drei Busse hatten freien Zugang zur Auffahrt, und der Streit zwischen den Verk�ufern war hitzig.</p><p>Ich nahm Freds an die Hand, und wir wanderten auf dem von den Reifen zerw�hlten Gel�nde herum und suchten nach dem Bus nach Jiri. Schlie�lich fanden wir ihn: wie alle anderen Busse farbenfroh gelb, blau, gr�n und rot lackiert, aber zus�tzlich noch mit etwa vierzig Darstellungen von Ganesh auf der Windschutzscheibe, die dem Fahrer helfen sollten, besser zu sehen. Wie �blich war der �andere Bus� der Firma nicht da, und dieser war �berf�llt. Wir dr�ngten uns an Bord und durch die dicht an dicht stehenden Menschen auf dem Gang und fanden dann hinten noch freie Pl�tze. Die Nepali fahren gern vorn mit. Nachdem noch weitere Passagiere zugestiegen waren, wurde es sogar hinten sehr eng. Aber Freds hatte einen Fensterplatz, und darauf kam es mir ja an.</p><p>Durch das schlammverkrustete Glas konnte ich unsere Verfolger ausmachen: Phil Adrakian und zwei M�nner, die vielleicht zum Geheimdienst geh�rten, obwohl ich mir nicht ganz sicher war. Sie wehrten die Fahrkartenverk�ufer ab und versuchten gleichzeitig, auf den Hof zu gelangen, keine leichte Aufgabe. Als sie den Verk�ufern auswichen, gerieten sie auf die Auffahrt und wurden beinahe von dem Bus �berfahren, der gerade hinaufjagte; einer rutschte beim Ausweichen im Schlamm aus und fiel auf den Hintern. Die Fahrkartenverk�ufer hatten ihre helle Freude daran. Adrakian und die beiden anderen eilten davon und schlenderten von einem Bus zum anderen, wobei sie den Eindruck zu erwecken versuchten, eigentlich nach nichts im besonderen zu suchen. Sie wurden von den beharrlicheren Verk�ufern verfolgt und blieben gelegentlich schon mal im Schlamm stecken, und ich bef�rchtete nach einer Weile schon, da� sie uns nicht finden w�rden. Und sie brauchten daf�r auch etwa zwanzig Minuten. Aber dann sah einer Freds am Fenster, und sie gingen hinter einem Bus in Deckung, der bis zu den Achsen im Schlamm eingesunken war, und versuchten die Verk�ufer mit verzweifelter Zeichensprache zu verscheuchen. �Sie haben endg�ltig angebissen�, sagte ich.</p><p>�Ja�, erwiderte Freds, ohne die Lippen zu bewegen.</p><p>Der Bus war nun endg�ltig voll; eine alte Frau hatte sich sogar zwischen Freds und mich gedr�ngt, was mir sehr gut in den Kram pa�te. Aber f�r ihn w�rde es eine f�rchterliche Fahrt werden. �Du nimmst f�r unsere Sache wirklich einiges auf dich�, sagte ich zu Freds, als ich mich anschickte, den Bus zu verlassen.</p><p>�Kein Hroblem�, sagte er wieder, ohne den Mund zu bewegen. �Ich �ahr gern �us!�</p><p>Irgendwie glaubte ich ihm. Ich k�mpfte mich auf den Gang und verabschiedete mich. Unsere Schatten beobachteten die einzige T�r des Busses, aber das war wirklich kein Problem. Ich dr�ngte mich einfach zwischen den Nepali durch, deren Vorstellung von pers�nlicher �K�rperfreiheit� ziemlich genau auf den Raum beschr�nkt ist, den ihre K�rper tats�chlich einnehmen und stieg aus einem Fenster auf der anderen Seite des Busses aus. Unsere Beschatter konnten unm�glich durch das Businnere sehen, und so hatte ich freie Hand. Ich entschuldigte mich bei dem Sherpa, auf dem ich sa�, �ffnete mit einigen Schwierigkeiten das Fenster und kletterte hinaus. Der Sherpa half mir �beraus h�flich dabei, ohne sich im geringsten anmerken zu lassen, da� etwas Ungew�hnliches vor sich ging, und ich sprang hinab in den Schlamm. Kaum jemand im Bus bemerkte �berhaupt, da� ich ihn verlassen hatte. Ich schlich mich durch das Niemandsland der hinten stehenden Busse, war ziemlich schnell wieder auf der Durbar Marg und fuhr mit einem Taxi zum Star zur�ck.</p></section><section><title><p>15</p></title><p>Ich brachte den Taxifahrer dazu, fast in der Lobby des Star zu parken, und Buddha lie� sich wie ein St�rmer, der im Strafraum angerempelt wurde, auf den R�cksitz fallen. W�hrend der Fahrt hielt er den Kopf gesenkt, nur um ganz sicher zu gehen, und das Taxi brachte uns zum Flughafen.</p><p>Die Dinge verliefen genau nach meinem Plan, und Sie glauben vielleicht, ich w�re ziemlich zufrieden gewesen, aber in Wirklichkeit war ich viel nerv�ser als den gesamten Morgen �ber. Denn wir fuhren ja zum Abfertigungsschalter der RNAC. Sie wissen schon �</p><p>Als ich zum Schalter ging und mich dort nach dem Flug erkundigte, erkl�rte die Angestellte mir, er sei f�r heute abgesagt worden.</p><p>�Was?� rief ich. �Abgesagt? Weshalb?�</p><p>Nun war unser Gegen�ber die sch�nste Frau auf der Welt. Das erlebt man in Nepal st�ndig�� in dem Land geht man an einer B�uerin vorbei, die auf einem Reisfeld arbeitet, und sie schaut auf und hat ein Gesicht wie vom Titelbild des Cosmopolitan, nur doppelt so sch�n und ohne das Vampirmake-up. Diese Angestellte der Fluggesellschaft h�tte in New York eine Million pro Jahr als Model machen k�nnen, sprach jedoch nicht viel Englisch, und als ich sie nach dem Grund fragte, sagte sie �Es regnet!� zu mir und sah an mir vorbei zum n�chsten Passagier.</p><p>Ich atmete tief ein. Vergi� die RNAC nicht, dachte ich. Was h�tte die Rote K�nigin gesagt? Ich deutete aus dem Fenster. �Es regnet �berhaupt nicht. Sehen Sie selbst.�</p><p>Das war zuviel f�r sie. �Es regnet�, wiederholte sie. Sie sah sich nach ihrem Vorgesetzten um, und er kam hin�ber; ein d�nner Hindu mit einem roten Punkt auf der Stirn. Er nickte knapp. �Es regnet in J�.�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. �Es tut mir leid, ich habe auf der Kurzwelle den Wetterbericht von J� geh�rt, und au�erdem k�nnen Sie nach Norden sehen und sich selbst �berzeugen. Es regnet nicht.�</p><p>�Die Landebahn in J� ist zu na߫, sagte er.</p><p>�Es tut mir leid�, sagte ich, �aber Sie sind gestern zweimal dort gelandet, und seitdem hat es nicht mehr geregnet.�</p><p>�Wir haben mechanische Schwierigkeiten mit dem Flugzeug.�</p><p>�Es tut mir leid, aber Sie haben da drau�en eine ganze Flotte kleiner Maschinen, und wenn eine ein Problem hat, ersetzen Sie es einfach durch ein anderes. Ich wei� es, ich habe hier einmal dreimal die Maschine gewechselt.� Nathan und Sarah schauten nicht besonders gl�cklich drein, als sie das h�rten.</p><p>Der Vorgesetzte des Vorgesetzten kam zu unserem Gespr�ch hinzu, ein weiterer ernster, schlanker Hindu. �Der Flug ist abgesagt�, sagte er. �Politische Gr�nde.�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. �RNAC-Piloten bestreiken nur die Fl�ge nach Lukla und Pokhara�� das sind die einzigen, die genug Passagiere haben, damit der Streik was ausmacht.� Meine Bef�rchtungen �ber den wirklichen Grund der Absage best�tigten sich langsam. �Wieviele Passagiere hat dieser Flug?�</p><p>Alle drei zuckten die Achseln. �Der Flug ist abgesagt�, sagte der erste Vorgesetzte. �Versuchen Sie es morgen.�</p><p>Und ich wu�te, da� ich recht hatte. Die Maschine war nicht einmal zur H�lfte gebucht, und sie wollten bis morgen warten, um sie voll zu bekommen. (Oder �bervoll, aber wen interessiert das schon?) Ich erkl�rte Nathan und Sarah und Buddha die Lage, und Nathan st�rmte zum Abfertigungsschalter und verlangte, da� der Flug planm��ig durchgef�hrt wurde, und die Aufseher runzelten die Stirnen, als w�rden sie sich wirklich noch ein Sp��chen aus dieser Sache machen k�nnen, doch ich zerrte ihn davon. W�hrend ich meinen Freund im Reiseb�ro anrief, erkl�rte ich ihm, da� die asiatischen B�rokraten einen Sport (oder vielleicht auch eine Kunstform) daraus gemacht hatten, w�tende Kunden vollends auf die Palme zu bringen. Nach drei Versuchen bekam ich eine Verbindung mit dem Reiseb�ro meines Freundes. Die Telefonistin hob ab und sagte �Yeti Travels!�, was mich zusammenfahren lie�; ich hatte den Namen der Firma vergessen. Dann kam Bill an den Apparat, und ich erkl�rte ihm die Lage. �Sie wollen mal wieder die Maschine vollbekommen, was?� Er lachte. �Ich rufe die sechs Tickets ab, die wir gestern �verkauft� haben, und ihr m��tet starten.�</p><p>�Danke, Bill.� Ich lie� ihm f�nfzehn Minuten Zeit, w�hrend denen Sarah und ich Nathan beruhigten und Buddha am Fenster stand und die startenden und landenden Flugzeuge beobachtete. �Wir m�ssen heute noch hier raus!� wiederholt Nathan immer wieder. �Ein zweites Mal fallen sie nicht drauf rein!�</p><p>�Das wissen wir bereits, Nathan.�</p><p>Ich kehrte zum Abfertigungsschalter zur�ck. Die beiden Vorgesetzten standen hinter einer Konsole und mieden beflissen meinen Blick. Normalerweise h�tte ich es nicht getan, doch mit der Last auf mir, Buddha fortzuschaffen, war ich ein wenig bissig geworden. Als ich die Bordkarten in der Hand hielt, sagte ich zu der Angestellten, laut genug, da� ihre Vorgesetzten es h�ren konnten: �Der Flug ist wohl nicht mehr abgesagt, was?�</p><p>�Abgesagt?�</p><p>Ich gab es auf.</p></section><section><title><p>16</p></title><p>Nat�rlich ist eine Bordkarte nur ein St�ck Papier, und als nur acht Passagiere die kleine zweimotorige Maschine bestiegen, wurde ich wieder nerv�s; doch wir starteten planm��ig, Als das Flugzeug vom Boden abhob, sackte ich in meinem Stuhl zur�ck, und die Erleichterung durchstr�mte mich wie der Luftzug der Propeller. Bis zu diesem Augenblick hatte ich nicht gewu�t, wie nerv�s ich war. Nathan und Sarah hielten auf den Sitzen vor uns H�ndchen und grinsten, und Buddha sa� neben mir auf dem Fenstersitz und sah auf das Katmandu-Tal hinaus oder auf den flatternden grauen Kreis des Propellers, ich konnte es nicht genau sagen. Ein erstaunlicher Bursche, dieser Buddha.</p><p>Wir erhoben uns aus dem gr�nen Katmandu-Tal und flogen �ber die Berge in Richtung Norden, hinauf ins Land des Schnees. Die anderen Passagiere, vier Engl�nder, sahen aus ihren Fenstern, begeisterten sich �ber den erhabenen Anblick und scherten sich nicht die Bohne darum, da� einer ihrer Mitreisenden doch ein sehr seltsam aussehender Bursche war. In dieser Hinsicht gab es kein Problem. Nachdem die Maschine die normale Flugh�he erreicht hatte, kam einer der beiden Stewards den Gang entlang und bot uns kleine eingepackte S��igkeiten an, genau, wie andere Fluggesellschaften Getr�nke oder Mahlzeiten anbieten. Es war unglaublich niedlich, fast wie Kinder, die spielten, eine Fluggesellschaft zu f�hren, aber der Gedanke war nur solange niedlich, bis man sich daran erinnerte, da� man mit diesen Typen in f�nftausend Metern H�he weilte und sie einen bald �ber die h�chsten Berge der Erde fliegen w�rden, um dann auf einem winzigen Behelfsflugplatz zu landen. Dann war es gar nicht mehr niedlich, und man ertappte sich dabei, wie man schwer schluckte und versuchte, nicht an Fallstr�me, Lebensversicherungen, Metallschw�chen und das Leben nach dem Tode zu denken �</p><p>Ich rutschte auf meinem Sitz vor, in der Hoffnung, da� die anderen Passagiere zu besch�ftigt waren, um bemerkt zu haben, da� Buddha seinen Schokoriegel geschluckt hatte, ohne vorher das Papier zu entfernen. Bei den beiden uns gegen�ber war ich mir gar nicht so sicher, aber sie waren so sehr Engl�nder, da� sie Buddha allerh�chstens nicht so oft angesehen h�tten, wenn sie ihn f�r etwas seltsam hielten. Kein Problem.</p><p>Es dauerte nicht lang, bis der Steward �Stellen Sie bitte das Rauchen ein!� sagte und die Maschine sich vorn�ber neigte und auf eine besonders spitze Gruppe schneebedeckter Gipfel zuhielt. Keine Spur einer Landepiste; in der Tat erschien schon allein die Vorstellung, da� sich da unten eine befinden k�nnte, v�llig absurd. Ich atmete tief durch. Um Ihnen die Wahrheit zu sagen�� ich hasse das Fliegen.</p><p>Ich nehme an, einige von Ihnen kennen die Landepiste von Lukla direkt unter der Everest-Region. Sie liegt hoch neben der Dudh Khosi-Schlucht, und der Grasstreifen, der etwa um f�nfzehn Grad abf�llt und nur zweihundert Meter lang ist, f�hrt genau in die Talwand. Wenn man dort landet, kann man eigentlich nur diese Talwand sehen, und man hat den Eindruck, direkt darauf zuzurasen. In der letzten Minute zieht der Pilot die Maschine hoch und landet auf dem Streifen, und nach dem unausweichlichen Hoppeln rollt man ziemlich schnell aus, weil es so steil aufw�rts geht. Es ist eine beeindruckende Erfahrung, und einige Leute finden danach zur Religion oder geben zumindest das Fliegen auf.</p><p>Doch in Wirklichkeit gibt es mindestens ein Dutzend Landepisten der RNAC in Nepal, die <emphasis>viel schlimmer</emphasis> als die in Lukla sind, und zu unserem Leidwesen stand die Piste bei J� ganz oben auf dieser Liste. Zuerst einmal war sie urspr�nglich gar keine Landepiste gewesen, sondern ein Gerstenfeld, eine Terrasse von vielen auf einem Berg �ber einem Dorf. Man verbreitete sie und installierte an einem Ende einen Luftsack, nachdem man die Gerste nat�rlich herausgerissen hatte, und das war�s dann schon. Eine Instant-Landepiste. Nicht nur das, sondern das Tal, in dem sie sich befand, war auch noch tief�� etwa f�nfzehnhundert Meter�� und fiel sehr steil ab, mit einer fast vertikalen Felswand knapp anderthalb Kilometer flu�aufw�rts von der Landepiste und einer scharfen Biegung knapp anderthalb Kilometer flu�abw�rts, und wirklich niemand, der noch bei gesundem Verstand war, k�me auf die Idee, <emphasis>dort</emphasis> eine Landepiste anzulegen. Meine �berzeugung davon wuchs zusehends, als wir dreitausend Meter tief in das Terrassental st�rzten und so nah an einer seiner W�nde vorbeiflogen, da� ich bequem den Gerstenertrag pro Hektar h�tte sch�tzen k�nnen, h�tte mir der Kopf danach gestanden. Ich versuchte, Buddha zu beruhigen, doch er nestelte das Papier meines Schokoriegels aus dem Aschenbecher und schien nicht gest�rt werden zu wollen. Manchmal w�re es ganz nett, ein Yeti zu sein. Dann erblickte ich unsere Landepiste, beobachtete, wie sie gr��er wurde�� so gro� wie ein Lineal ungef�hr��, und wir setzten auf. Unser Pilot war gut; wir hoben nur zweimal wieder ab und h�tten noch ein paar Meter gehabt, als wir stehenblieben.</p></section><section><title><p>17</p></title><p>Und so fand unsere kurze Bekanntschaft mit dem Yeti Buddha ein Ende, nachdem wir ihn erfolgreich aus der Gewalt von Menschen befreit hatten, die durch ihn in der Tretm�hle des akademischen Betriebs zweifellos erfolgreich Fu� gefa�t h�tten.</p><p>Ich mu� sagen, da� Buddha einer der nettesten Burschen war, die zu kennen ich jemals das Vergn�gen gehabt hatte, und ganz bestimmt einer der gelassensten. Er lie� sich wirklich durch nichts aus der Ruhe bringen.</p><p>Doch um zum Ende zu kommen: wir sammelten unser Gep�ck ein und marschierten den gesamten Nachmittag zum Kopf des Tals weiter und dann durch ein bewaldetes Hochtal westlich davon. Wir zelteten diese Nacht auf einem breiten Sims �ber einem kleinen Wasserfall zwischen zwei riesigen Felsen. Nathan und Sarah teilten sich das eine Zelt, Buddha und ich das andere. Ich wurde zweimal wach und sah, wie Buddha an der Zeltt�r sa� und auf das gewaltige Tal unter uns hinausschaute.</p><p>Am n�chsten Tag marschierten wir schnell und fast ohne Pausen, st�ndig bergauf, und erreichten schlie�lich das Fr�hjahrslager der Expedition. Wir lie�en unser Gep�ck fallen und �berquerten den Flu� auf einer neuen Bambusbr�cke, und Nathan und Buddha f�hrten uns querfeldein weiter, durch den Wald zu der hochgelegenen Schlucht, in der sie sich das erste Mal begegnet waren. Als wir dort oben ankamen, war es Sp�tnachmittag, und die Sonne stand hinter den Bergen im Westen.</p><p>Buddha schien�� wie immer�� zu wissen, was wir vorhatten. Er nahm meine Dodgers-M�tze ab und gab sie mir zur�ck; den Rest seiner Kleidung hatte er schon im Lager abgelegt. Mir war diese M�tze immer lieb und wert gewesen, doch nun schien es nur angemessen, da� Buddha sie behalten sollte; er nickte, als ich sie ihm zur�ckgab, und setzte sie auf. Nathan legte die Halskette mit den Fossilien um Buddhas Hals; doch der Yeti nahm sie ab, zerbi� die Schnur und gab jedem von uns eine Muschel. Es war ein toller Augenblick. Wer wei� schon, welcher Yeti diese Muscheln in grauer Vorzeit gefressen hatte? Ich wei�, ich bringe da den Zeitma�stab durcheinander, aber glauben Sie mir, als er uns diese Muscheln gab, lag ein uralter Ausdruck in seinen Augen. Und ich meine <emphasis>wirklich</emphasis> alt. Sarah umarmte ihn, Nathan umarmte ihn, ich stehe nicht auf so etwas und sch�ttelte seine starke rechte Hand. �Sch�ne Gr��e auch von Freds�, sagte ich.</p><p>�Na-mas-te�, fl�sterte er.</p><p>�Oh, Buddha�, sagte Sarah unter Tr�nen, und Nathans Unterkiefer schien wie von einem Schraubstock zusammengepre�t zu werden. Ein ziemlich ergreifender Augenblick. Ich wandte mich ab und zog die beiden gewisserma�en mit; schlie�lich w�rde es nicht mehr lange hell sein. Buddha ging flu�aufw�rts, und ich sah ihn zum letzten Mal, als er auf einem Flu�stein sa� und uns neugierig nachsah. Sein wildes, rostbraunes Fell wirkte pl�tzlich v�llig nat�rlich und nur angemessen f�r diese Umgebung; meine Dodgers-M�tze schien nicht hierher zu passen. Dieser Yeti war manchmal nur schwer zu deuten, doch ich hatte in diesem Moment den Eindruck, da� er traurig dreinschaute. Sein gro�es Abenteuer war vorbei.</p><p>Auf dem R�ckweg kam mir in den Sinn, ob er nicht wirklich etwas verr�ckt gewesen war, wie ich es schon einmal vermutet hatte. Ich fragte mich, ob er nicht geradewegs zum n�chsten Lager marschieren, sich setzen und �Nama-ste� kr�chzen und damit unsere ganzen Anstrengungen, ihn vor der Zivilisation zu retten, zunichte machen w�rde. Vielleicht hatte die Zivilisation ihn bereits korrumpiert, und der Naturmensch war endg�ltig verschwunden. Ich wollte es nicht hoffen. Falls doch, werden Sie wahrscheinlich schon davon geh�rt haben.</p><p>Na ja, im alten Expeditionslager herrschte an diesem Abend eine ziemlich bedr�ckte Stimmung. Wir bauten die Zelte bei Lampenlicht auf, a�en unsere Suppe und sa�en da und betrachteten die blauen Flammen des Kochers. Ich h�tte fast ein echtes Feuer gemacht, um mich aufzuheitern, f�hlte mich aber nicht danach.</p><p>Dann sagte Sarah voller Gef�hl: �Ich bin stolz auf dich, Nathan�, und er strahlte wieder wie eine Coleman-Lampe, so gl�cklich war er. Ich w�re es auch gewesen. Und als sie sagte: �Ich bin auch stolz auf dich, George�, und mir ein K��chen auf die Wange gab, da grinste ich wie ein Schuljunge und versp�rte einen Anflug von � na ja, von vielern. Ziemlich bald waren sie in ihrem Zelt verschwunden. Ich freute mich wirklich f�r sie, kam mir aber auch ein wenig vor wie das Schneiderlein Wipphopp aus diesem M�rchen: Am Ende stand ich drau�en in der K�lte, w�hrend der andere das M�dchen bekam.</p><p>Ich zog die Lampe n�her und betrachtete eine Weile die steinerne Muschel. Seltsames Ding. Was hatte der Yeti gedacht, der das kleine Loch hineingebohrt hatte? Wozu <emphasis>diente</emphasis> sie?</p><p>Ich erinnerte mich an die Mahlzeit auf meinem Bett, bei der Buddha und ich todernst Waffeln gekaut und uns �ber die Gummib�rchen hergemacht hatten. Und dann war ich wieder in Ordnung: das reichte mir, war sogar mehr als genug.</p></section><section><title><p>18</p></title><p>In Katmandu trafen wir Freds wieder und erfuhren bei Schnitzel und Apfelstrudel im Old Vienna, was ihm zugesto�en war. �Um die Mittagszeit hab� ich mir gedacht, da� ihr schon lange fort sein m��tet, und als der Bus in Lamosangu anhielt, stieg ich aus und ging direkt zum Taxi dieser Burschen. Ich watschelte in meinem Buddha-Gang, und sie sind bald gestorben, als sie mich kommen sahen. Es waren Adrakian und zwei dieser Jungs vom Secret Service, die uns vom Sheraton aus verfolgt haben. Als ich die M�tze und Brille abnahm, waren sie nat�rlich fix und fertig. �Mann, hab� ich einen Bock geschossen!� sagte ich. �Ich wollte nach Pokhara! Aber das ist gar nicht Pokhara!� Sie waren so w�tend, da� sie sich gegenseitig angeschrien haben. �Was ist los?� sagte ich. �Habt ihr auch einen Bock geschossen? Was f�r eine Schande! � Und w�hrend sie sich gegenseitig anschrien und so weiter, hab� ich mit dem Taxifahrer vereinbart, da� er mich ebenfalls mit nach Katmandu zur�cknimmt. Die anderen waren nicht gerade begeistert und wollten mich nicht einsteigen lassen, aber der Taxifahrer war sowieso schon sauer auf sie, weil sie seinen Wagen �ber diese schreckliche Stra�e gescheucht hatten, ganz gleich, wieviel Fahrgeld sie ihm zahlten. Und als ich ihm also ein paar Rupien zusteckte, freute er sich, es diesen Burschen irgendwie heimzahlen zu k�nnen, und nahm mich zu sich auf den Vordersitz, und wir drehten um und fuhren nach Katmandu zur�ck.�</p><p>�Du bist mit dem <emphasis>Secret Service</emphasis> nach Katmandu zur�ckgefahren?� sagte ich. �Wie hast du ihnen das Fell an der Baseballm�tze erkl�rt?�</p><p>��berhaupt nicht! Na ja, auf der R�ckfahrt war es hinten totenstill, und es wurde ziemlich langweilig, und so hab� ich sie gefragt, ob sie schon das neueste katastrophale Musical aus Bombay gesehen h�tten.�</p><p>�Was?� sagte Nathan. �Was meinst du?�</p><p>�Habt ihr euch die noch nie angesehen? Die laufen doch �berall in der Stadt. Wir sehen sie uns st�ndig an, sie sind einfach klasse. Man raucht einfach ein paar Pfeifchen Hasch und sieht sich eins dieser Musicals an, die dauern etwa drei Stunden, und ziehen einem einfach die Schuhe aus! Unglaublich! Ich hab� diesen Burschen gesagt, sie sollten sich mal einen ansehen ��</p><p>�Du hast den Typen vom Geheimdienst gesagt, da� sie <emphasis>Hasch</emphasis> rauchen sollen?�</p><p>�Na klar! Sind doch Amerikaner, oder nicht? Auf jeden Fall, sie wirkten nicht gerade begeistert, und wir hatten noch ein verteufeltes St�ck bis nach Katmandu vor uns, und so hab� ich ihnen die Handlung vom letzten Film erz�hlt, den ich mir �reingezogen habe. Er l�uft noch; seid ihr sicher, da� ihr ihn euch nicht ansehen wollt? Ich will euch die Freude nicht verderben��</p><p>Wir �berzeugten ihn, da� da keine Gefahr best�nde.</p><p>�Na sch�n, es geht um diesen Burschen, der sich in eine Schnecke verliebt, mit der er arbeitet. Aber sie ist mit ihrem Bo� verlobt, einem echten Schurken, der einen Vertrag hat, einen Staudamm zu bauen. Der Schurke baut den Damm mit irgendso einer Vogelschei�e, so sah�s jedenfalls aus, anstatt mit Zement, doch w�hrend er das Zeug mischte, fiel er in die Mischmaschine und wurde also in den Damm eingemauert. Der Bursche und das M�dchen verloben sich also, aber sie verbrennt sich das Gesicht, als sie einen Kocher anz�ndet. Es heilt ziemlich gut, aber als er sie danach ansieht, kann er bis in ihren Kopf sehen und wird damit nicht fertig. Er l�st die Verlobung also auf, und sie singt jede Menge und verkleidet sich, indem sie ihr Haar �ber diese Seite des Gesichts k�mmt und vorgibt, eine andere zu sein. Sie begegnen sich wieder, und er erkennt sie nicht und verliebt sich wieder in sie, und sie enth�llt, wer sie ist, und singt, da� er sich verpissen soll. Dann wird auf beiden Seiten ganz schwer gesungen, und er versucht, sie zur�ckzugewinnen, und sie singt, kommt nicht in Frage, und die ganze Zeit regnet es wie verr�ckt, und schlie�lich vergibt sie ihm, und sie leben gl�cklich und zufrieden, aber der Damm bricht an der Stelle, wo der Schurke steckt, und die ganze Stadt wird wie verr�ckt singend weggefegt. Aber die beiden k�nnen sich an einem Tempel festhalten, der noch aus dem Wasser sieht, und dann zieht sich das Wasser zur�ck, und da h�ngen sie nun gemeinsam und leben gl�cklich bis in ihre alten Tage. Toll, Mann. Ein Klassiker.�</p><p>�Wie hat�s dem Geheimdienst gefallen?�</p><p>�Haben sie nicht gesagt. Ich glaube, ihnen gefiel das Ende nicht.�</p><p>Aber ich wu�te, als ich Nathan und Sarah beobachtete, die uns gegen�ber am Tisch Hand in Hand grinsten, da� ihnen das Ende ausgezeichnet gefiel.</p></section><section><title><p>19</p></title><p>Ach ja, noch etwas: <emphasis>Sie d�rfen NIEMANDEM davon erz�hlen!!! Alles klar?</emphasis></p></section></body><binary id="cover" 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