<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>John</first-name><last-name>Scalzi</last-name><home-page>http://www.scalzi.com</home-page></author><book-title>Krieg der Klone</book-title><annotation><p>An seinem 75. Geburtstag erledigt John Perry zwei Dinge: Er besucht das Grab seiner Frau. Und er mustert bei der Armee an. Denn in ferner Zukunft werden f�r jene Einsatztruppen, die weit drau�en im All die Kolonien gegen Alien-�berf�lle verteidigen, nur Alte, Betagte rekrutiert. Und schnell findet Perry auch heraus, warum das so ist: Die Rekruten erhalten allesamt neue K�rper, j�ngere Ausgaben ihrer selbst, die mit biotechnischen und elektronischen Mitteln �aufger�stet� und wie beliebig verf�gbares Kanonenfutter in den Kampf geschickt werden. Doch die Armeef�hrung hat nicht mit einem wie John Perry gerechnet&#x25E6;� der trotz seines hohen Alters kein Problem damit hat, sich Befehlen zu widersetzen�</p><p>Ausgezeichnet mit dem JOHN W. CAMPBELL AWARD als bester Roman des Jahres&#x25E6;� mit �Krieg der Klone�, ein furioses Science-Fiction-Abenteuer in der Tradition Robert A. Heinleins, hat John Scalzi Leser und Kritiker gleicherma�en begeistert.</p></annotation><date>2005</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Bernhard</first-name><last-name>Kempen</last-name></translator><sequence name="Krieg der Klone" number="1"/></title-info><src-title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>John</first-name><last-name>Scalzi</last-name></author><book-title>Old Man's War</book-title><date>2005</date><coverpage><image l:href="#1"/></coverpage><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>Namenlos</nickname></author><program-used>calibre 3.39.1, FictionBook Editor Release 2.6.7, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2019-03-10">10.3.2019</date><id>95977e24-6ea6-4f3c-81b2-ed47482533cd</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><book-name>Krieg der Klone</book-name><publisher>Wilhelm Heyne Verlag</publisher><city>M�nchen</city><year>2007</year><isbn>978-3-641-02950-0</isbn></publish-info></description><body><title><p>John Scalzi</p><p>KRIEG DER KLONE</p></title><epigraph><p><emphasis>F�r Regan Avery, den ersten au�erordentlichen Leser Und immer f�r Kristine und Athena</emphasis></p></epigraph><section><subtitle><image l:href="#2"/></subtitle></section><section><subtitle><image l:href="#3"/></subtitle></section><section><title><p><image l:href="#4"/></p><p>Erster Teil</p></title><section><title><p>1</p></title><p>An meinem f�nfundsiebzigsten Geburtstag tat ich zwei Dinge. Ich besuchte das Grab meiner Frau. Dann ging ich zur Armee.</p><p>Der Grabbesuch war das weniger dramatische dieser beiden Ereignisse. Kathy liegt auf dem Friedhof Harris Creek, eine knappe Meile von meinem Haus entfernt, in dem wir unsere Kinder gro�gezogen haben. Sie auf dem Friedhof zu begraben war schwieriger, als es vielleicht h�tte sein sollen. Keiner von uns beiden hatte damit gerechnet, eine Bestattung zu ben�tigen, sodass wir keine Vorkehrungen getroffen hatten. Es kann ziemlich besch�mend sein, mit einem Friedhofsverwalter dar�ber diskutieren zu m�ssen, dass die eigene Frau keine Reservierung f�r ihr Begr�bnis gemacht hat. Schlie�lich hat mein Sohn Charlie, der zuf�llig B�rgermeister ist, ein paar Hebel in Bewegung gesetzt und die Grabstelle besorgt. Es hat seine Vorteile, der Vater eines B�rgermeisters zu sein.</p><p>Also das Grab. Einfach und schlicht, mit einer kleinen Tafel statt einem gro�en Grabstein. Der krasse Gegensatz zu Sandra Cain, die genau neben Kathy liegt. Ihr eher �bergro�er Grabstein aus poliertem schwarzem Granit ist mit ihrem Schulabschlussfoto und einem sentimentalen Zitat von Keats verziert, in dem es um Tod und Jugend geht. Typisch Sandy. Kathy h�tte sich dar�ber am�siert, wenn sie w�sste, dass sie mit ihrem gro�en dramatischen Grabstein direkt neben ihr parkt. Ihr ganzes Leben lang hat Sandy in einem eifrigen Wettstreit mit Kathy gelegen. Wenn Kathy mit einer Torte zum Kuchenverkauf kam, schleppte Sandy mindestens drei an und kochte in stiller Wut, wenn Kathys Kuchen zuerst verkauft war. Kathy h�tte versucht, das Problem zu l�sen, indem sie vorsorglich einen von Sandys Kuchen kaufte. Doch es war immer schwer zu sagen, ob die Sache f�r Sandy dadurch besser wurde.</p><p>Ich vermute, Sandys Grabstein ist so etwas wie das letzte Wort in der Angelegenheit, ein Abschluss, der sich nicht mehr �bertreffen l�sst, weil Kathy ja schon tot war. Andererseits erinnere ich mich nicht, dass irgendwer jemals Sandys Grab besucht h�tte. Drei Monate nach ihrem Dahinscheiden verkaufte Steve Cain das Haus und zog nach Arizona, mit einem L�cheln, das so breit war wie die Interstate 10. Einige Zeit sp�ter schickte er mir eine Postkarte. Er war dort mit einer Frau zusammengezogen, die vor f�nfzig Jahren ein Pornostar gewesen war. Nachdem ich diese Information erhalten hatte, f�hlte ich mich eine Woche lang unsauber. Sandys Kinder und Enkel wohnen eine Stadt weiter, aber sie k�nnten genauso gut nach Arizona gezogen sein, wenn man bedenkt, wie oft sie das Grab besuchen. Seit der Beerdigung wurde Sandys Keats-Zitat vermutlich von niemand anderem mehr gelesen, nur noch von mir, wenn ich auf dem Weg zu meiner Frau daran vorbeikam.</p><p>Auf Kathys Schild stehen ihr Name (Katherine Rebecca Perry), ihre Lebensdaten und die Worte GELIEBTE FRAU UND MUTTER. Immer wieder lese ich diese Worte, jedes Mal, wenn ich sie besuche. Ich kann nicht anders, denn diese vier Worte fassen treffend ein ganzes Leben zusammen. Sie verraten nichts weiter �ber Kathy, wie sie ihre Tage zubrachte oder welcher Arbeit sie nachgeging, welche Interessen sie hatte oder wohin sie gerne verreiste. Man erf�hrt nicht, was ihre Lieblingsfarbe war oder auf welche Weise sie ihr Haar am liebsten trug, welche Partei sie w�hlte oder was f�r eine Art Humor sie hatte. Die Worte sagen nichts �ber sie aus, au�er dass sie geliebt wurde. Und so war es. Sie selbst h�tte es als v�llig ausreichend empfunden.</p><p>Diese Besuche sind mir ein Gr�uel. Ich verfluche die Tatsache, dass meine Frau nach zweiundvierzig Jahren Ehe gestorben ist, dass sie an jenem Samstagmorgen eben noch in der K�che stand und eine Sch�ssel mit Waffelteig anr�hrte, w�hrend sie mir von der Putzaktion des Bibliotheksausschusses am Vorabend erz�hlte, und im n�chsten Moment lag sie am Boden, vom Schlaganfall gesch�ttelt. Es ist mir ein Gr�uel, dass ihre letzten Worte �Wo zum Teufel habe ich die Vanille hingetan?� lauteten.</p><p>Ich verfluche die Tatsache, dass aus mir ein alter Mann geworden ist, der auf den Friedhof geht, um bei seiner verstorbenen Frau zu sein. Als ich noch (betr�chtlich) j�nger war, hatte ich Kathy immer gefragt, was der Sinn des Ganzen sein soll. Ein Haufen aus Knochen und verwesendem Fleisch, der einmal ein Mensch war, ist kein Mensch mehr, sondern nur noch ein Haufen aus Knochen und verwesendem Fleisch. Der Mensch ist nicht mehr da, zum Himmel oder zur H�lle gefahren oder sonstwohin oder gar nicht mehr existent. Man konnte genauso gut ein St�ck Rindfleisch besuchen. Wenn man �lter geworden ist, sieht man es immer noch genauso. Aber es ist einem egal. Es ist alles, was man noch hat.</p><p>So sehr ich den Friedhof hasse, bin ich trotzdem froh, dass es ihn gibt. Meine Frau fehlt mir. Auf dem Friedhof f�llt es mir leichter, den Verlust zu empfinden, an einem Ort, wo sie immer nur tot war, leichter als an all den anderen Stellen, wo sie gelebt hat.</p><p>Ich bin nicht lange geblieben. Ich bleibe nie lange. Nur bis ich wieder die Wunde sp�re, die nach fast acht Jahren immer noch frisch ist. Au�erdem erinnert sie mich daran, dass ich noch andere Dinge zu tun habe, als ein alter Trottel zu sein, der auf einem Friedhof herumsteht. Sobald ich die Wunde wieder sp�rte, machte ich kehrt und ging, ohne mich noch einmal umzuschauen. Es sollte das letzte Mal sein, dass ich das Grab meiner Frau besuchte, aber ich wollte nicht zu viel M�he darauf verwenden, mich daran zu erinnern. Wie gesagt, war der Friedhof der Ort, wo sie immer nur tot war. Es bringt nicht allzu viel, sich daran zu erinnern.</p><empty-line/><p>Aber im Grunde war es auch nicht besonders dramatisch, zur Armee zu gehen.</p><p>Die Stadt, in der ich lebte, war viel zu klein f�r eine eigene Rekrutierungsstelle. Ich musste nach Greenville fahren, der Bezirkshaupstadt, um mich einzuschreiben. Es war ein kleines B�ro an einer unscheinbaren Einkaufsstra�e. Links davon gab es ein staatliches Spirituosengesch�ft, rechts davon einen Tatoo-Salon. Wenn man diese L�den in der falschen Reihenfolge betrat, konnte man am n�chten Morgen in gro�en Schwierigkeiten stecken.</p><p>Die Einrichtung des B�ros war sogar noch unscheinbarer, sofern das �berhaupt m�glich ist. Sie bestand aus einem Schreibtisch mit einem Computer und einem Drucker, einem Menschen hinter dem Schreibtisch, zwei St�hlen davor und sechs weiteren Sitzgelegenheiten an der Wand. Auf einem kleinen Tisch vor diesen St�hlen lagen Rekrutierungsbrosch�ren und �ltere Ausgaben von <emphasis>Time</emphasis> und <emphasis>Newsweek</emphasis>. Nat�rlich waren Kathy und ich zehn Jahre vorher schon einmal hier gewesen, doch ich vermutete, dass sich seitdem nichts an der Einrichtung ge�ndert hatte, einschlie�lich der Zeitschriften. Der Mensch schien neu zu sein. Zumindest erinnerte ich mich nicht, dass der fr�here Angestellte so volles Haar gehabt hatte. Oder Br�ste.</p><p>Die Angestellte war damit besch�ftigt, etwas in den Computer zu tippen, und blickte nicht auf, als ich eintrat. �Ich k�mmere mich gleich um Sie�, murmelte sie. Es klang eher wie eine Pawlow�sche Reaktion auf das �ffnen der T�r.</p><p>�Lassen Sie sich Zeit�, sagte ich. �Ich sehe, wie voll es hier ist.� Dieser Versuch eines sarkastischen Scherzes wurde vollkommen ignoriert, genauso wie zehn Jahre zuvor. Es freute mich, dass ich immer noch gut in Form war. Ich setzte mich vor den Schreibtisch und wartete, dass die Rekrutierungsmitarbeiterin ihre wichtige Arbeit abschloss.</p><p>�Kommen oder gehen Sie?� Auch jetzt blickte sie nicht zu mir auf.</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Ob Sie kommen oder gehen?�, wiederholte sie. �Kommen Sie, um Ihre Bereitschaft zur Rekrutierung zu unterschreiben, oder gehen Sie, um Ihre Dienstzeit abzuleisten?�</p><p>�Ach so. Ich gehe.�</p><p>Diese Antwort veranlasste sie schlie�lich, mich anzusehen, und zwar durch eine ziemlich starke Brille. �Sie sind John Perry�, sagte sie.</p><p>�Genau. Wie haben Sie das erraten?�</p><p>Sie schaute wieder auf den Computermonitor. �Die meisten Leute, die zur Armee wollen, kommen an ihrem Geburtstag, obwohl sie danach noch drei�ig Tage Zeit haben, sich offiziell einschreiben zu lassen. Heute haben wir nur drei Geburtstage. Mary Valory hat bereits angerufen, um zu sagen, dass sie nicht gehen will. Und Sie sehen nicht aus, als w�ren Sie Cynthia Smith.�</p><p>�Das freut mich zu h�ren.�</p><p>�Und da Sie nicht gekommen sind, um sich erstmals registrieren zu lassen�, fuhr sie fort, ohne auf meinen zweiten Versuch eines Scherzes einzugehen, �spricht einiges daf�r, dass Sie John Perry sind.�</p><p>�Ich k�nnte einfach nur ein einsamer alter Mann sein, dem nach menschlicher Gesellschaft zumute ist.�</p><p>�So etwas passiert hier nur sehr selten�, sagte sie. �Die meisten Leute werden abgeschreckt, wenn sie nebenan die Jugendlichen mit den d�monischen Tattoos sehen.� Endlich schob sie die Tastatur zur Seite und schenkte mir ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. �Also gut. Dann weisen Sie sich bitte aus.�</p><p>�Aber Sie wissen doch schon, wer ich bin�, gab ich zu bedenken.</p><p>�Trotzdem wollen wir sichergehen.� Ihr Gesicht zeigte nicht die leiseste Spur eines L�chelns, als sie das sagte. Es ging offenbar nicht spurlos an einem vor�ber, wenn man jeden Tag mit geschw�tzigen alten M�nnern zu tun hatte.</p><p>Ich gab ihr meinen F�hrerschein, meine Geburtsurkunde und meinen Personalausweis. Sie nahm alles an sich, holte einen Handscanner aus einer Schreibtischschublade, schloss ihn an den Computer an und schob ihn zu mir her�ber. Ich legte meine Handfl�che darauf und wartete, bis der Scanvorgang abgeschlossen war. Sie nahm das Ger�t wieder an sich und zog meinen Ausweis durch einen Schlitz an der Seite, um die Daten meines Handabdrucks abzugleichen. �Sie sind John Perry�, sagte sie schlie�lich.</p><p>�Damit w�ren wir wieder da, wo wir angefangen haben.�</p><p>Wieder ging sie nicht auf meine Erwiderung ein. �Als Sie vor zehn Jahren Ihre Bereitschaft zur Rekrutierung abgegeben haben, erhielten Sie Informationen �ber die Koloniale Verteidigungsarmee und �ber Ihre Pflichten im Fall eines Eintritts in die KVA.� Ihr Tonfall lie� darauf schlie�en, dass sie diese Worte seit Jahren mindestens einmal t�glich aufsagte. �In der Zwischenzeit wurde Ihnen weiteres Auffrischungsmaterial zugeschickt, um Sie an Ihre Pflichten zu erinnern. Ben�tigen Sie zum jetzigen Zeitpunkt weitere Informationen oder eine Auffrischung, oder erkl�ren Sie, dass Sie sich Ihrer k�nftigen Pflichten in vollem Umfang bewusst sind? Ich m�chte Sie darauf hinweisen, dass es nicht unter Strafe steht, wenn Sie um eine Auffrischung bitten oder sich entscheiden, der KVA zum jetzigen Zeitpunkt doch nicht beizutreten.�</p><p>Ich erinnerte mich an die Einf�hrungsveranstaltung. Der erste Teil hatte aus einer Zusammenkunft von �lteren Mitb�rgern bestanden, die auf Klappst�hlen im Gemeindezentrum von Greenville sa�en, Kaffee tranken und Donuts a�en und dem KVA-Apparatschik zuh�rten, der die Geschichte der menschlichen Kolonien herunterleierte. Dann teilte er Pamphlete �ber das Leben im Dienst der KVA aus, das genauso wie in jeder anderen milit�rischen Organisation abzulaufen schien. W�hrend der Fragerunde stellten wir fest, dass er gar kein Mitglied der KVA war, sondern nur eingestellt worden war, um Pr�sentationen in der Miami-Valley-Region durchzuf�hren.</p><p>Der zweite Teil der Einf�hrungsveranstaltung war eine kurze medizinische Untersuchung. Ein Arzt kam herein, nahm mir Blut ab, tupfte die Innenseite meiner Wange ab, um ein paar Schleimhautzellen zu bekommen, und machte einen Gehirnscan. Offenbar hatte ich den Test bestanden. Seitdem erhielt ich jedes Jahr per Post ein neues Pamphlet&#x25E6;� dasselbe, das schon bei der Einf�hrungsveranstaltung ausgeteilt wurde. Ab dem zweiten Jahr warf ich sie in den M�ll. Seitdem hatte ich das Pamphlet nicht mehr gelesen.</p><p>�Ich habe alles verstanden�, sagte ich.</p><p>Sie nickte, holte aus einer Schublade ein Blatt Papier und einen Stift und reichte mir beides. Auf dem Blatt standen mehrere Abs�tze mit genug Zwischenraum, um sie einzeln unterschreiben zu k�nnen. Ich erkannte es sofort wieder. Bereits vor zehn Jahren hatte ich ein sehr �hnliches Dokument unterschrieben, die Erkl�rung, dass ich verstanden hatte, worauf ich mich zehn Jahre sp�ter einlassen w�rde.</p><p>�Ich werde Ihnen jetzt jeden Absatz vorlesen�, sagte sie. �Wenn Sie das Vorgelesene verstanden haben und einwilligen, unterschreiben Sie anschlie�end bitte mit Datum auf der Linie unmittelbar unter dem Absatz. Wenn Sie Fragen haben, stellen Sie sie bitte, nachdem ich den betreffenden Absatz vorgelesen habe. Wenn Sie nicht verstanden haben oder nicht in das einwilligen, was Ihnen vorgelesen und erkl�rt wurde, unterschreiben Sie bitte nicht. Haben Sie das verstanden?�</p><p>�Das habe ich verstanden.�</p><p>�Sehr gut�, sagte sie. �Absatz eins: Ich, der Unterzeichnende, habe verstanden und best�tige, dass ich aus freiem Willen und ohne Zwang erkl�re, in die Koloniale Verteidigungsarmee eintreten zu wollen, f�r eine Dienstzeit von mindestens zwei Jahren. Zus�tzlich verstehe ich, dass die Dienstzeit einseitig von der Kolonialen Verteidigungsarmee um bis zu acht weitere Jahre in Kriegs- und Krisenzeiten verl�ngert werden kann.�</p><p>Diese Verl�ngerungsklausel war mir nicht neu. Ich hatte die Pamphlete schlie�lich ein- oder zweimal gelesen. Dennoch fragte ich mich, wie viele Leute sie �berlasen oder nicht glaubten, dass sie sich tats�chlich zu insgesamt zehn Jahren verpflichteten. Ich hatte den Eindruck, dass die KVA diese zehn Jahre nicht erw�hnen w�rde, wenn sie nicht tats�chlich n�tig w�ren. Aufgrund der Quarant�negesetze h�rten wir nicht viel von den Kolonialkriegen. Aber was wir h�rten, musste jedem klar machen, dass da drau�en im Universum keineswegs Frieden herrschte.</p><p>Ich unterschrieb.</p><p>�Absatz zwei: Ich habe verstanden, dass mein freiwilliger Eintritt in die Koloniale Verteidigungsarmee damit verbunden ist, Waffen zu tragen und sie gegen die Feinde der Kolonialen Union einzusetzen, bei denen es sich auch um andere menschliche Streitkr�fte handeln k�nnte. Es ist mir untersagt, w�hrend meiner Dienstzeit das Tragen von Waffen zu verweigern oder religi�se oder moralische Einw�nde gegen milit�rische Handlungen vorzubringen, um mich dem Dienst zu entziehen.�</p><p>Wie viele Leute melden sich freiwillig zum Milit�rdienst, um ihn anschlie�end aus moralischen Gr�nden zu verweigern? Ich unterschrieb.</p><p>�Absatz drei: Ich habe verstanden und best�tige, dass ich gewissenhaft und ohne Verz�gerung alle Befehle und Anweisungen ausf�hren werde, die mir von vorgesetzten Offizieren erteilt werden, gem�� dem Uniformcode der Richtlinien der Kolonialen Verteidigungsarmee.�</p><p>Ich unterschrieb.</p><p>�Absatz vier: Ich habe verstanden, dass ich durch den freiwilligen Eintritt in die Koloniale Verteidigungsarmee in jegliche medizinische, chirurgische oder therapeutische Behandlung einwillige, die von der Kolonialen Verteidigungsarmee als n�tig erachtet wird, um meine Kampff�higkeit zu verbessern.�</p><p>Jetzt kam es. Der Grund, warum sich zahllose F�nfundsiebzigj�hrige jedes Jahr freiwillig meldeten.</p><p>Vor langer Zeit hatte ich einmal zu meinem Gro�vater gesagt, dass man, wenn ich in seinem Alter war, eine M�glichkeit gefunden haben w�rde, die menschliche Lebensspanne dramatisch zu verl�ngern. Er hat mich ausgelacht und erkl�rt, dass er in jungen Jahren dasselbe gedacht hatte. Trotzdem war er ein alter Mann geworden. Genauso wie ich jetzt. Das Problem mit dem Altern ist nicht, dass eine Sache nach der anderen versagt, sondern dass alles auf einmal versagt.</p><p>Man kann das Altern nicht aufhalten. Mit Gentherapien, Ersatzorganen und plastischer Chirurgie kann man es eine Weile zur�ckdr�ngen, aber irgendwann holt es einen trotzdem ein. Wenn du dir eine neue Lunge einsetzen l�sst, macht dir als N�chstes eine Herzklappe Probleme. Wenn du ein neues Herz hast, schwillt deine Leber zu einem aufblasbaren Kinderplanschbecken an. Nachdem man deine Leber ausgetauscht hat, gibt ein Schlaganfall dir den Rest. Das ist die Trumpfkarte des Alterns, denn es gibt immer noch keine Gehirnprothesen.</p><p>Die Lebenserwartung ist vor einiger Zeit bis auf nahezu neunzig Jahre angestiegen, und dort ist sie seitdem stehen geblieben. Wir h�tten beinahe die magische Schwelle von hundert Jahren �berschritten, doch dann scheint Gott dem Ganzen einen Riegel vorgeschoben zu haben. Die Menschen k�nnen l�nger leben und tun es auch, aber sie verbringen diese zus�tzlichen Jahre trotzdem als Greise. Daran hat sich kaum etwas ge�ndert.</p><p>Mach dir Folgendes klar: Wenn du f�nfundzwanzig, f�nfunddrei�ig, f�nfundvierzig oder vielleicht sogar f�nfundf�nfzig bist, kannst du dir immer noch gute Chancen ausrechnen, etwas im Leben zu erreichen. Wenn du f�nfundsechzig bist und dein K�rper anf�ngt, den Geist aufzugeben, klingen diese mysteri�sen �medizinischen, chirurgischen oder therapeutischen Behandlungen� pl�tzlich sehr interessant. Dann bist du f�nfundsiebzig, deine Freunde sind gestorben, und man hat dir mindestens ein lebenswichtiges Organ ausgetauscht. Du musst jede Nacht viermal zum Pinkeln aufstehen, und schaffst keine Treppe mehr, ohne anschlie�end au�er Puste zu sein. Und dann sagt man dir, dass du f�r dein Alter noch ziemlich gut in Form bist.</p><p>Allm�hlich kommt es dir als verdammt guter Handel vor, all das gegen zehn gesunde Jahre im Milit�rdienst einzutauschen. Vor allem, wenn du dir �berlegst, dass du nach zehn Jahren f�nfundachtzig sein wirst. Dann besteht der einzige Unterschied zwischen einer Rosine und dir darin, dass ihr zwar beide runzlig und ohne Prostata seid, aber die Rosine von Anfang an keine Prostata hatte.</p><p>Wie bewerkstelligt es also die KVA, den Alterungsprozess umzukehren? Niemand hier wei� es. Die Wissenschaftler auf der Erde haben keine Erkl�rung und k�nnen die Methode nicht rekonstruieren, obwohl sie es flei�ig probiert haben. Die KVA operiert nicht auf der Erde, also kann man keine Veteranen fragen. Aber die KVA rekrutiert ihre Leute auf der Erde, also wissen es auch die Kolonisten nicht, wenn man sie fragen k�nnte, was man nicht kann. Welche Therapien die KVA auch immer anwenden mag, sie macht es nicht auf der Erde, sondern nur auf ihrem eigenen Territorium, fern von globalen und nationalen Institutionen. Also kann weder Uncle Sam noch sonst wer etwas ausrichten.</p><p>Ab und zu entscheidet eine Regierung, ein Pr�sident oder ein Diktator, der KVA die Rekrutierungen zu verbieten, wenn sie ihre Geheimnisse nicht offenbart. Die KVA l�sst sich nie auf einen Streit ein, sie packt einfach ihre Sachen und verschwindet. Dann unternehmen alle F�nfundsiebzigj�hrigen pl�tzlich Auslandsreisen, von denen sie nie zur�ckkehren. Die KVA gibt keine Erkl�rungen, keine Rechtfertigungen, keine Hinweise. Wer herausfinden will, wie sie alte Menschen wieder jung macht, muss sich rekrutieren lassen.</p><p>Ich unterschrieb.</p><p>�Absatz f�nf: Ich habe verstanden, dass ich durch den freiwilligen Eintritt in die Koloniale Verteidigungsarmee die Staatsb�rgerschaft meiner politischen Nation aufgebe, in diesem Fall die der Vereinigten Staaten von Amerika, genauso wie das Aufenthaltsrecht f�r den Planeten Erde. Ich habe verstanden, dass meine Staatsb�rgerschaft auf die Koloniale Union �bertragen wird, im Besonderen auf die Koloniale Verteidigungsarmee. Weiterhin willige ich ein und habe verstanden, dass es mir durch die Beendigung meiner Staatsb�rgerschaft und meines planetaren Aufenthaltsrechts untersagt ist, im Anschluss an meine Dienstzeit zur Erde zur�ckzukehren. Stattdessen wird mir durch die Koloniale Union beziehungsweise die Koloniale Verteidigungsarmee ein neuer Wohnsitz auf einer Kolonie zugewiesen.�</p><p>Etwas einfacher ausgedr�ckt: Eine Heimkehr ist ausgeschlossen. Das ist ein fester Bestandteil der Quarant�negesetze, die von der Kolonialen Union und der KVA erlassen wurden. Die offizielle Begr�ndung lautet, dass die Erde vor weiteren xenobiologischen Katastrophen wie die Schrumpelseuche gesch�tzt werden solle. Die Leute auf der Erde waren damals ausnahmslos daf�r. Erstaunlich, wie sehr sich ein Planet abzuschotten bereit ist, wenn ein Drittel der m�nnlichen Bev�lkerung innerhalb eines Jahres die Zeugungsf�higkeit verliert. Inzwischen ist die Zustimmung hier nicht mehr so gro�, weil sich viele auf der Erde langweilen und den Rest des Universums sehen wollen&#x25E6;� und weil sie ihren kinderlos gebliebenen Gro�onkel Walt l�ngst vergessen haben. Aber die KU und die KVA sind die Einzigen, die Raumschiffe mit Skip-Antrieb besitzen und interstellare Reisen unternehmen k�nnen. Damit ist alles klar.</p><p>(Und damit wird das Einverst�ndnis, sich von der KU auf irgendeiner Kolonie ansiedeln zu lassen, im Grunde �berfl�ssig. Da sie als Einzige �ber Raumschiffe verf�gen, kommt man nur dorthin, wohin sie einen bringen. Schlie�lich kann man nicht selber mit den Raumschiffen herumfliegen.)</p><p>Eine Nebenwirkung der Quarant�negesetze und des Skip-Antriebs ist die Unm�glichkeit der Kommunikation zwischen der Erde und den Kolonien (sowie zwischen den Kolonien). Wenn man innerhalb eines sinnvollen Zeitraums eine Antwort auf eine Nachricht erhalten m�chte, kann man sie nur von einem Raumschiff mit Skip-Antrieb bef�rdern lassen. Die KVA ist widerstrebend bereit, auf diese Weise Botschaften und Daten f�r offizielle Institutionen zu transportieren, aber allen anderen bleibt dieses Privileg verwehrt. Man k�nnte eine Antennensch�ssel aufstellen und darauf warten, dass Funksignale von den Kolonien eintreffen, aber Alpha, die der Erde am n�chsten liegt, ist dreiundachtzig Lichtjahre von hier entfernt. Damit wird ein angeregtes Zwiegespr�ch zwischen verschiedenen Planeten ziemlich langwierig.</p><p>Ich habe nie danach gefragt, aber ich kann mir vorstellen, dass dieser Absatz die meisten Leute vor der Rekrutierung zur�ckschrecken l�sst. Nat�rlich ist es nett, wieder jung zu sein, aber es ist etwas anderes, wenn man allen Menschen, die einem etwas bedeuten, den R�cken zukehren soll, wenn man alles aufgeben soll, was man in den vergangenen siebeneinhalb Jahrzehnten erlebt hat. Es ist verdammt schwer, sich von seinem ganzen bisherigen Leben zu verabschieden.</p><p>Ich unterschrieb.</p><p>�Absatz sechs, der letzte�, sagte die Rekrutierungsmitarbeiterin. �Ich habe verstanden und willige ein, dass ich zweiundsiebzig Stunden nach der letzten Unterschrift auf diesem Dokument beziehungsweise zum Zeitpunkt meiner Abholung durch die Koloniale Verteidigungsarmee f�r tot erkl�rt werde, im Sinne der Gesetze aller relevanten politischen Institutionen, in diesem Fall des Staates Ohio und der Vereinigten Staaten von Amerika. Mein gesamtes Verm�gen wird nach den gesetzlichen Bestimmungen aufgeteilt. Alle juristischen Pflichten, die im Todesfall erl�schen, verlieren in diesem Sinne ihre G�ltigkeit. S�mtliche juristischen Titel, ob ehrenhaft oder nicht, sind hiermit nichtig, und all meine Schulden werden im Sinne des Gesetzes gel�scht. Ich habe verstanden, dass mir die Koloniale Verteidigungsarmee im Fall, dass ich noch keine Verf�gung �ber die Verteilung meines Verm�gens getroffen habe, auf Antrag juristische Unterst�tzung gew�hrt, um entsprechende Verf�gungen zu treffen.�</p><p>Ich unterschrieb. Jetzt hatte ich nur noch zweiundsiebzig Stunden zu leben. Sozusagen.</p><p>�Was passiert, wenn ich die Erde nicht in den n�chsten zweiundsiebzig Stunden verlassen habe?� Ich gab der Angestellten das Dokument zur�ck.</p><p>�Nichts�, sagte sie, als sie es wieder an sich nahm. �Nur dass Ihr gesamtes Verm�gen, da Sie im Sinne des Gesetzes tot sind, gem�� Ihrem Testament aufgeteilt wird. Ihre Kranken- und Lebensversicherungen erl�schen oder werden an Ihre Erben ausgezahlt, und Sie stehen nicht mehr unter dem Schutz der hiesigen Gesetze, ganz gleich, ob es um Verleumdung oder Mord geht.�</p><p>�Also k�nnte mich einfach jemand erschie�en, ohne dass es zu Strafma�nahmen kommt?�</p><p>�Nicht ganz. Wenn jemand Sie ermorden sollte, w�hrend Sie im Sinne des Gesetzes tot sind, w�rde der T�ter hier in Ohio vermutlich wegen Leichensch�ndung belangt werden.�</p><p>�Faszinierend�, sagte ich.</p><p>�Allerdings�, fuhr sie in ihrem irritierend sachlichen Tonfall fort, �kommt es normalerweise nicht so weit. Bis zum Ablauf der zweiundsiebzig Stunden k�nnen Sie jederzeit Ihre Einwilligung zur Rekrutierung zur�cknehmen. Rufen Sie mich einfach hier an. Wenn ich nicht da bin, wird ein automatischer Anrufbeantworter Ihren Namen aufnehmen. Nachdem wir best�tigt haben, dass Sie tats�chlich Ihre Rekrutierung widerrufen haben, werden Sie von allen weiteren Verpflichtungen entbunden. Denken Sie jedoch daran, dass ein solcher Widerruf Sie unumst��lich von einer k�nftigen Rekrutierung ausschlie�t. Eine solche Entscheidung w�re endg�ltig.�</p><p>�Verstanden�, sagte ich. �M�ssen Sie mich jetzt vereidigen?�</p><p>�Nein. Ich muss nur diesen Antrag weiterleiten und Ihnen Ihr Ticket aush�ndigen.� Sie wandte sich wieder dem Computer zu, tippte in den n�chsten Minuten verschiedene Sachen ein und dr�ckte schlie�lich die Enter-Taste. �Der Computer erstellt nun Ihr Ticket. Es dauert noch etwa eine Minute.�</p><p>�Gut�, sagte ich. �Darf ich Ihnen eine weitere Frage stellen?�</p><p>�Ich bin verheiratet.�</p><p>�Das wollte ich gar nicht fragen�, sagte ich. �Bekommen Sie wirklich so viele Heiratsantr�ge?�</p><p>�Jede Menge. Allm�hlich nervt es.�</p><p>�Das tut mir leid�, sagte ich. �Ich wollte Sie fragen, ob Sie schon einmal wirklich einem Angeh�rigen der KVA begegnet sind.�</p><p>�Sie meinen, abgesehen von Rekrutierungswilligen?�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Nein�, sagte sie. �Die KVA hat eine Firma mit der Abwicklung der Rekrutierungen beauftragt, aber keiner von uns ist ein Mitglied der KVA. Ich glaube, nicht einmal der Gesch�ftsf�hrer geh�rt dazu. Wir erhalten das n�tige Material und die Informationen nicht direkt von der KVA, sondern von der Botschaft der Kolonialen Union. Ich glaube nicht, dass Mitglieder der Streitkr�fte jemals einen Fu� auf die Erde setzen.�</p><p>�St�rt es Sie gar nicht, f�r eine Organisation zu arbeiten, mit der Sie nie direkten Kontakt hatten?�</p><p>�Nein. Die Arbeit ist in Ordnung, und die Bezahlung ist �berraschend gut, wenn man bedenkt, wie wenig Geld man in die Einrichtung dieses B�ros gesteckt hat. Aber Sie wollen Mitglied einer Organisation werden, mit der Sie nie direkten Kontakt hatten. St�rt Sie das gar nicht?�</p><p>�Nein. Ich bin alt, meine Frau ist tot, und es gibt f�r mich kaum noch einen Grund, warum ich hier bleiben sollte. Werden Sie eintreten, wenn die Zeit gekommen ist?�</p><p>Sie zuckte die Achseln. �Es st�rt mich nicht, alt zu werden.�</p><p>�Das habe ich auch gedacht, als ich jung war�, sagte ich. �Es ist die Tatsache, jetzt alt zu sein, die mich st�rt.�</p><p>Der Drucker des Computers gab ein leises Summen von sich und spuckte etwas in der Gr��e einer Visitenkarte aus. Sie gab es an mich weiter. �Das ist Ihr Ticket. Es identifiziert Sie als John Perry und als Rekrut der KVA. Verlieren Sie es nicht. Ihr Shuttle startet genau vor diesem B�ro, um Sie zum Flughafen von Dayton zu bringen, und zwar in drei Tagen um acht Uhr drei�ig. Wir empfehlen Ihnen, fr�h genug hier zu sein. Sie d�rfen nur ein St�ck Handgep�ck mitnehmen, also �berlegen Sie sich bitte sehr genau, was Sie einpacken. Von Dayton werden Sie um elf Uhr nach Chicago fliegen und von dort um vierzehn Uhr mit dem Delta nach Nairobi. Aufgrund der Zeitverschiebung werden Sie um Mitternacht in Nairobi eintreffen. Dort wird ein Vertreter der KVA Sie in Empfang nehmen. Dann haben Sie die M�glichkeit, die Zwei-Uhr-Bohnenstange zur Kolonialstation zu nehmen oder sich ein wenig auszuruhen und die Neun-Uhr-Bohnenstange zu nehmen. Ab dann sind Sie in den H�nden der KVA.�</p><p>Ich nahm das Ticket. �Was mache ich, wenn einer dieser Fl�ge versp�tet landet?�</p><p>�Keiner dieser Fl�ge ist in den f�nf Jahren, die ich hier arbeite, jemals versp�tet eingetroffen.�</p><p>�Toll!�, sagte ich. �Ich wette, sogar die Z�ge der KVA treffen stets p�nktlich ein.�</p><p>Sie sah mich verst�ndnislos an.</p><p>�Ich will Ihnen erkl�ren, was ich damit meine�, sagte ich. �Ich habe mehrfach versucht, Scherze zu machen, seit ich dieses B�ro betreten habe.�</p><p>�Ich wei߫, sagte sie. �Tut mir leid. Mein Sinn f�r Humor wurde mir bereits im Kindesalter operativ entfernt.�</p><p>�Oh�, sagte ich.</p><p>�Das war ein Scherz.� Sie stand auf und reichte mir die Hand.</p><p>�Oh.� Ich stand auf und nahm ihre Hand.</p><p>�Herzlichen Gl�ckwunsch zur Rekrutierung�, sagte sie. �Alles Gute da drau�en zwischen den Sternen. Das meine ich �brigens ernst.�</p><p>�Vielen Dank.�</p><p>Sie nickte, setzte sich und wandte ihre Aufmerksamkeit wieder dem Computer zu. Ich war entlassen.</p><p>Auf dem Weg nach drau�en sah ich eine �ltere Frau, die �ber den Parkplatz auf das Rekrutierungsb�ro zulief. Ich fing sie ab. �Cynthia Smith?�, fragte ich.</p><p>�Ja�, sagte sie. �Wie haben Sie das erraten?�</p><p>�Ich wollte Ihnen nur zum Geburtstag gratulieren.� Ich zeigte in den Himmel. �Vielleicht sehen wir uns da oben wieder.�</p><p>Sie l�chelte, als sie verstanden hatte. Endlich hatte ich es geschafft, an diesem Tag jemanden zum L�cheln zu bringen. Es ging aufw�rts.</p></section><section><title><p>2</p></title><p>Nairobi startete und fiel unter uns zur�ck. Wir traten an den Rand, als w�rden wir in einem Expressaufzug stehen (wobei die Bohnenstange genau das ist), und sahen zu, wie die Erde davonschoss.</p><p>�Von hier oben sehen sie wie Ameisen aus!�, gluckste Leon Deak neben mir. �Wie schwarze Ameisen!�</p><p>Ich versp�rte den starken Drang, ein Fenster einzuschlagen und Leon nach drau�en zu schubsen. Leider gab es kein Fenster, das man h�tte einschlagen k�nnen. Die W�nde der Bohnenstange bestanden aus dem gleichen diamantharten Material wie die gesamte Kabine. Sie waren transparent, damit die Reisenden einen guten Rundumblick hatten. Die Kabine war luftdicht abgeschlossen, was sich in ein paar Minuten als �u�erst praktisch erweisen w�rde, wenn wir so hoch hinaufgestiegen waren, dass ein eingeschlagenes Fenster zur explosiven Dekompression mit anschlie�endem Erstickungstod gef�hrt h�tte.</p><p>Also blieb Leon das Schicksal erspart, pl�tzlich und unerwartet die R�ckreise zur Erde anzutreten. Was bedauerlich war. Leon hatte sich in Chicago wie eine dicke, mit Fett und Bier vollgesogene Zecke an mich geh�ngt. Es erstaunte mich, wie jemand, dessen Blut offensichtlich zur H�lfte aus Schweinefett bestand, das Alter von f�nfundsiebzig Jahren hatte erreichen k�nnen. Ich verbrachte einen Teil des Fluges nach Nairobi damit, zuzuh�ren, wie er furzte und sich �ber die ethnische Zusammensetzung der Kolonien auslie�. Die F�rze waren noch der angenehmste Teil des Monologs. Nie zuvor war ich so versessen darauf gewesen, Kopfh�rer zu kaufen, um das Unterhaltungsprogramm verfolgen zu k�nnen.</p><p>Ich hatte gehofft, ihn abzuh�ngen, indem ich Nairobi mit der ersten Bohnenstange verlie�. Er schien mir jemand zu sein, der eine l�ngere Ruhepause ben�tigte, nachdem er den ganzen Tag lang Gase abgesondert hatte. Pech gehabt. Die Vorstellung, weitere sechs Stunden mit Leon und seinen F�rzen verbringen zu m�ssen, war unertr�glich. Wenn die Kabine Fenster gehabt h�tte und es mir nicht m�glich gewesen w�re, Leon hinauszuschubsen, w�re ich vielleicht selber gesprungen. Stattdessen entschuldigte ich mich bei Leon, indem ich zu ihm das Einzige sagte, womit man ihn sich vom Leibe halten konnte. Ich behauptete, dass ich ein dringendes Bed�rfnis zu erledigen h�tte. Leon grunzte sein Einverst�ndnis. Ich spazierte gegen den Uhrzeigersinn davon, in die allgemeine Richtung der Toiletten, in Wirklichkeit jedoch, um nach einem Platz zu suchen, wo Leon mich nicht wiederfinden w�rde.</p><p>Das war nicht gerade einfach. Die Kabine hatte die Form eines Donuts mit einem Durchmesser von etwa drei�ig Metern. Das �Loch� des Donuts, wo die Kabine an der Bohnenstange hinauffuhr, war etwa sechs Meter breit, was kaum dick genug f�r ein Kabel zu sein schien, das mehrere tausend Kilometer lang war. Der �brige Raum wurde von bequemen Nischen und Sofas eingenommen, auf denen man sitzen und plaudern konnte, sowie kleinen Bereichen, in denen die Reisenden Unterhaltungsprogramme verfolgen, sich mit Spielen die Zeit vertreiben oder essen konnten. Und nat�rlich gab es jede Menge durchsichtiger W�nde, um hinauszuschauen, entweder runter zur Erde, r�ber zu den anderen Stangen und Kabinen oder rauf zur Kolonialstation.</p><p>Insgesamt wirkte die Kabine wie die Lobby eines angenehmen Mittelklassehotels, das sich pl�tzlich auf den Weg in den geostation�ren Orbit gemacht hatte. Das Problem war jedoch, dass es durch den offenen Aufbau der Kabine schwierig war, sich zu verstecken. Der Transport war keineswegs ausgebucht, sodass es nicht genug Passagiere gab, um in der Menge untertauchen zu k�nnen. Also beschloss ich, an einem Tresen auf der Innenseite der Kabine etwas zu trinken, ungef�hr gegen�ber der Stelle, wo Leon stand. Hier hatte ich die besten Chancen, ihm am l�ngsten aus dem Weg gehen zu k�nnen.</p><p>Dank Leons Widerw�rtigkeit war es keine angenehme Erfahrung, die Erde k�rperlich zu verlassen, aber mich emotional von ihr zu verabschieden, war �berraschend einfach gewesen. Ein Jahr vor der Abreise hatte ich den Entschluss gefasst, dass ich definitiv in die KVA eintreten wollte. Danach war es nur noch darum gegangen, Vorkehrungen zu treffen und Lebewohl zu sagen. Als Kathy und ich vor zehn Jahren entschieden hatten, zur Armee zu gehen, hatten wir unser Haus auf Charlies Namen eintragen lassen, damit unser Sohn es ohne gerichtliche Testamentsbest�tigung in Besitz nehmen konnte. Ansonsten besa�en Kathy und ich nichts, das von gr��erem Wert war, nur den Krimskrams, den man im Laufe eines Lebens anh�uft. Die meisten h�bschen Sachen hatte ich w�hrend des vergangenen Jahres an Freunde und Verwandte verteilt. Charlie w�rde sich sp�ter um den Rest k�mmern.</p><p>Der Abschied von den Menschen fiel mir auch nicht wesentlich schwer. Die Leute reagierten mit unterschiedlich stark ausgepr�gter �berraschung oder Trauer. Immerhin wei� jeder, dass man nicht mehr zur�ckkommt, wenn man in die Koloniale Verteidigungsarmee eintritt. Aber es ist nicht ganz dasselbe wie Sterben. Sie wissen, dass man immer noch irgendwo da drau�en ist, dass man weiterlebt, und vielleicht sieht man sich sogar wieder, wenn sie nach einiger Zeit nachkommen. So ungef�hr stelle ich es mir vor, wenn die Menschen vor Jahrhunderten erlebten, wie jemand einen Planwagen packte und nach Westen zog. Beim Abschied wurde geweint, doch schon bald ging das Leben weiter.</p><p>Jedenfalls habe ich den Leuten ein ganzes Jahr im Voraus gesagt, dass ich gehen w�rde. Das ist sehr viel Zeit, um zu sagen, was man noch zu sagen hat, um alles zu regeln und mit jemandem Frieden zu schlie�en. Im Laufe dieses Jahres hatte ich mehrere l�ngere Gespr�che mit alten Freunden und Verwandten. Ich stocherte ein letztes Mal in alten Wunden herum, und in fast allen F�llen ging es gut aus. Ein paarmal bat ich um Vergebung f�r Dinge, die ich eigentlich gar nicht bereute, und in einem Fall landete ich mit einer Frau im Bett, mit der ich normalerweise nie ins Bett gegangen w�re. Aber man tut, was man kann, um mit den Leuten zu einem Abschluss zu kommen. Sie f�hlen sich danach besser, und man selber vergibt sich dadurch nichts. Ich entschuldige mich lieber f�r etwas, das mir gar nicht so viel bedeutet, damit mir jemand auf der Erde alles Gute w�nscht. Wenn man dagegen st�rrisch bleibt, gibt es jemanden, der hofft, dass mir irgendein Alien das Gehirn ausschl�rft. Das ist vielleicht so etwas wie eine karmische Versicherung.</p><p>Charlie hat mir die gr��ten Sorgen gemacht. Wie bei vielen V�tern und S�hnen hatten wir unsere Meinungsverschiedenheiten. Als Vater war ich nicht besonders aufmerksam, und als Sohn war er nicht besonders eigenst�ndig. Bis in die Drei�iger war er mehr oder weniger durchs Leben getaumelt. Als er zum ersten Mal erfuhr, dass Kathy und ich uns rekrutieren lassen wollten, ist er uns fast an die Gurgel gesprungen. Er erinnerte uns daran, dass wir damals gegen den Subkontinentalen Krieg protestiert hatten, dass wir ihm st�ndig eingesch�rft hatten, dass Gewalt keine L�sung war. Er rief uns ins Ged�chtnis, dass wir ihn einmal f�r einen Monat zu Hausarrest verdonnert hatten, weil er mit Billy Young einen Schie�stand besucht hatte. Wir beide fanden es etwas seltsam, dass ein Mann von f�nfunddrei�ig Jahren so ein Argument vorbrachte.</p><p>Mit Kathys Tod endeten die meisten unserer Reibereien, weil wir beide erkannten, dass fast alle unsere Streitpunkte einfach zu unwichtig waren. Ich war Witwer und er Junggeselle, und eine Zeit lang hatten wir beide nur noch uns. Wenig sp�ter lernte er Lisa kennen und heiratete sie, und etwa ein Jahr sp�ter wurde er Vater und noch in derselben hektischen Nacht zum B�rgermeister wiedergew�hlt. Charlie war ein Sp�tentwickler, aber er machte eine gute Entwicklung durch. Auch wir hatten ein langes Gespr�ch, in dem ich mich f�r einige Sachen entschuldigte (und es ehrlich meinte), und gleichzeitig sagte ich ihm, wie stolz ich auf das war, was er geleistet hatte. Dann sa�en wir jeder mit einem Bier auf der Veranda und sahen zu, wie mein Enkel Adam mit einem T-Ball im Garten spielte, w�hrend wir f�r einen sehr angenehmen l�ngeren Zeitraum �ber nichts von Bedeutung sprachen. Als ich ging, verabschiedeten wir uns freundlich und liebevoll, genauso, wie es zwischen V�tern und S�hnen sein sollte.</p><p>Ich stand am Tresen, hielt mich an meiner Coke fest und dachte an Charlie und seine Familie, als ich Leons grummelnde Stimme h�rte, gefolgt von der Antwort einer anderen Stimme, die leise, pr�gnant und weiblich klang. Unwillk�rlich blickte ich mich um. Leon war es offensichtlich gelungen, sich an eine bedauernswerte Frau zu h�ngen, der er zweifellos seine neueste idiotische Theorie aufdr�ngte, die sein strohdummes Kleinhirn in diesem Moment ausbr�tete. Meine Ritterlichkeit triumphierte �ber meinen Drang, mich zu verstecken. Ich ging hin�ber, um mich einzumischen.</p><p>�Ich will damit <emphasis>nur</emphasis> sagen�, erkl�rte Leon gerade, �dass es nicht gerade <emphasis>fair</emphasis> ist, dass Sie und ich und jeder andere Amerikaner warten m�ssen, bis wir schei�alt geworden sind, um <emphasis>unsere</emphasis> Chance zu bekommen, w�hrend all diese kleinen Hindus auf nagelneue Welten verfrachtet werden, so schnell sie sich <emphasis>vermehren</emphasis> k�nnen. Was ja verdammt schnell passiert. Das ist einfach nicht <emphasis>fair</emphasis>. Oder kommt Ihnen das etwa <emphasis>fair</emphasis> vor?�</p><p>�Nein, das kommt mir nicht besonders fair vor�, erwiderte die Frau. �Aber die Hindus finden es wahrscheinlich auch nicht besonders <emphasis>fair</emphasis>, dass wir Neu-Delhi und Mumbai von der Oberfl�che dieses Planeten getilgt haben.�</p><p>�Genau darauf will ich hinaus!�, rief Leon. �Wir haben die Schei�kerle mit <emphasis>Atombomben</emphasis> plattgemacht! Wir haben diesen Krieg <emphasis>gewonnen</emphasis>, und was <emphasis>haben</emphasis> wir jetzt davon? Sie haben verloren, aber sie kolonisieren das Universum, und wir k�nnen nur dann gehen, wenn wir uns einziehen lassen, um sie zu besch�tzen! Entschuldigen Sie, dass ich das sage, aber hei�t es nicht in der Bibel �Die Schwachen werden die Erde besitzen�? Ich finde, dass es ein verdammtes Zeichen f�r <emphasis>Schw�che</emphasis> ist, wenn man einen Krieg verliert.�</p><p>�Ich glaube nicht, dass sich das Zitat so interpretieren l�sst, Leon�, sagte ich, w�hrend ich zu den beiden trat.</p><p>�John! Da ist jemand, der wei�, wovon ich rede�, sagte Leon und grinste mich an.</p><p>Die Frau drehte sich zu mir um. �Sie kennen diesen Herrn?�, fragte sie mich mit einem Unterton, der andeutete, dass ich nicht vertrauensw�rdig war, wenn ich diese Frage bejahte.</p><p>�Wir sind uns auf dem Flug nach Nairobi begegnet�, antwortete ich und hob eine Augenbraue, um anzudeuten, dass ich mir diesen Reisegef�hrten nicht freiwillig ausgesucht hatte. �Ich bin John Perry.�</p><p>�Jesse Gonzales�, stellte sie sich vor.</p><p>�Angenehm.� Ich wandte mich wieder Leon zu. �Leon, Sie haben das Zitat falsch verstanden. In Wirklich stammt es aus der Bergpredigt und lautet: �Selig sind die Sanftm�tigen; denn sie werden das Erdreich besitzen� Das soll eine Belohnung sein und keine Strafe.�</p><p>Leon blinzelte, dann schaufte er. �Trotzdem, wir haben sie <emphasis>besiegt</emphasis>. Wir haben ihnen in die kleinen braunen �rsche getreten. <emphasis>Wir</emphasis> sollten das Universum kolonisieren, nicht sie.�</p><p>Ich �ffnete den Mund zu einer Erwiderung, doch Jesse war schneller. ��Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich��, sagte sie zu Leon, w�hrend sie mich von der Seite ansah.</p><p>Leon starrte uns eine Minute lang mit offenem Mund an. �Das kann nicht Ihr <emphasis>Ernst</emphasis> sein! In der Bibel steht <emphasis>nichts</emphasis> davon, dass <emphasis>wir</emphasis> auf der Erde verfaulen sollen, w�hrend sich die <emphasis>braunen Horden</emphasis>, die nicht einmal an Jesus <emphasis>glauben</emphasis>, gelobt sei sein Name, in der Galaxis ausbreiten! Und es steht bestimmt nicht geschrieben, dass wir die kleinen Mistkerle <emphasis>besch�tzen</emphasis> sollen, w�hrend sie es tun. Mein Sohn war in diesem Krieg. Irgendeiner von den �rschen hat ihm die Eier weggeschossen! Seine <emphasis>Eier</emphasis>! Sie haben <emphasis>verdient</emphasis>, was sie bekommen haben, diese Schei�kerle. Erwarten Sie nicht von mir, dass ich <emphasis>gl�cklich</emphasis> bin, dass <emphasis>ich</emphasis> sie jetzt da oben in den Kolonien besch�tzen soll.�</p><p>Jesse zwinkerte mir zu. �M�chten Sie darauf antworten?�</p><p>�Wenn es Ihnen nichts ausmacht.�</p><p>�Nur zu!�</p><p>��Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet f�r die, die euch verfolgen��, zitierte ich, ��Segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet f�r die, die euch beleidigen und verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er l�sst seine Sonne aufgehen �ber B�se und Gute und l�sst regnen �ber Gerechte und Ungerechte.��</p><p>Leon wurde krebsrot. �Jetzt sind Sie beide v�llig durchgeknallt�, sagte er und stapfte so schnell davon, wie seine Fettmassen es ihm erlaubten.</p><p>�Gelobt sei Jesus Christus�, sagte ich. �Und diesmal meine ich es wirklich so.�</p><p>�Sie haben eine Menge Bibelzitate auf Lager�, sagte Jesse. �Waren Sie in Ihrem fr�heren Leben mal Prediger?�</p><p>�Nein. Aber ich habe in einer Stadt mit zweitausend Einwohnern und f�nfzehn Kirchen gelebt. Da war es hilfreich, wenn man sich in dieser Sprache verst�ndlich machen konnte. Und man muss gar nicht sehr religi�s sein, um der Bergpredigt etwas abgewinnen zu k�nnen. Mit welcher Ausrede k�nnen Sie aufwarten?�</p><p>�Religionsunterricht an einer katholischen Schule�, sagte sie. �In der zehnten Klasse habe ich einen Wettbewerb im Auswendiglernen gewonnen. Es ist erstaunlich, was ein menschliches Gehirn sechzig Jahre lang speichern kann, selbst wenn ich mich heutzutage kaum noch erinnere, wo ich meinen Wagen geparkt habe, wenn ich vom Einkaufen wiederkomme.�</p><p>�Wie dem auch sei, ich m�chte mich f�r Leon entschuldigen. Ich kenne ihn nur fl�chtig, aber f�r mich steht fest, dass er ein Idiot ist.�</p><p>��Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet��, erwiderte Jesse mit einem Achselzucken. �Aber er sagt nur das, was viele Leute denken. Ich finde es dumm und falsch, aber das bedeutet nicht, dass ich kein Verst�ndnis daf�r h�tte. Es w�re sch�n gewesen, wenn es eine andere M�glichkeit gegeben h�tte, zu den Kolonien zu reisen, als mein ganzes Leben lang zu warten und in den Milit�rdienst eintreten zu m�ssen. Wenn ich die Chance gehabt h�tte, in j�ngeren Jahren in die Kolonien auszuwandern, h�tte ich sie sofort ergriffen.�</p><p>�Also sind Sie nicht hier, weil Sie Soldatenabenteuer erleben wollen?�</p><p>�Nat�rlich nicht�, entgegnete Jesse mit leichter Verachtung. �Sind <emphasis>Sie</emphasis> eingetreten, weil sie ganz wild darauf sind, einen Krieg mitzuerleben?�</p><p>�Nein.�</p><p>Sie nickte. �Bei mir ist es genauso. So ist es fast bei allen. Ihr Freund Leon hat sich jedenfalls nicht rekrutieren lassen, um Soldat zu werden. Schlie�lich kann er die Leute nicht ausstehen, die er besch�tzen soll. Fast alle machen es, weil sie nicht alt sein wollen und noch nicht zum Sterben bereit sind. Sie machen es, weil das Leben auf der Erde ab einem bestimmten Alter nicht mehr interessant ist. Oder sie machen es, weil sie noch ein paar andere Welten sehen wollen, bevor sie sterben. Deshalb bin ich dabei. Ich m�chte weder k�mpfen noch wieder jung sein. Ich will nur sehen, wie es ist, <emphasis>woanders</emphasis> zu sein.�</p><p>Sie schaute aus dem Fenster. �Nat�rlich klingt es komisch, wenn ich h�re, wie ich das sage. K�nnen Sie sich vorstellen, dass ich bis gestern mein ganzes Leben lang nicht einziges Mal den Staat Texas verlassen habe?�</p><p>�Das ist gar nicht so schlimm, wie es klingt�, sagte ich. �Texas ist ein ziemlich gro�er Staat.�</p><p>Sie l�chelte. �Danke f�r Ihr Verst�ndnis. Au�erdem finde ich es gar nicht so schlimm. Es ist nur komisch. Als Kind habe ich alle Romane �ber die <emphasis>Jungen Kolonisten</emphasis> gelesen und die Filme gesehen. Ich habe davon getr�umt, Arkturus-Rinder zu z�chten und auf der Kolonie Gamma Primus gegen b�se Landw�rmer zu k�mpfen. Dann wurde ich �lter und erkannte, dass die Kolonisten aus Indien, Kasachstan und Norwegen kamen, aus L�ndern, die ihre Bev�lkerung nicht mehr versorgen k�nnen. Ich erkannte, dass ich nicht auswandern durfte, weil ich in Amerika geboren bin. Und dass es in Wirklichkeit gar keine Arkturus-Rinder oder Landw�rmer gibt! Ich war sehr entt�uscht, als mir all dies im Alter von zw�lf Jahren klar wurde.�</p><p>Wieder zuckte sie die Achseln. �Ich bin in San Antonio aufgewachsen und dann �hinausgegangen�, um an der University of Texas zu studieren. Anschlie�end nahm ich einen Job an, wieder in San Antonio. Irgendwann habe ich geheiratet, und wir machten Urlaub an der Golfk�ste. Unseren drei�igsten Hochzeitstag wollten mein Mann und ich in Italien verbringen, aber dazu ist es nie gekommen.�</p><p>�Was ist passiert?�</p><p>Sie lachte. �Seine Sekret�rin ist passiert. Schlie�lich sind die beiden in den Flitterwochen nach Italien geflogen. Ich blieb zu Hause. Andererseits haben sie sich in Venedig eine schwere Muschelvergiftung zugezogen, also war es vielleicht ganz gut, dass ich nie in Italien war. Aber danach wollte ich sowieso nicht mehr verreisen. Ich wusste, dass ich mich rekrutieren lasse, sobald es ging. Ich habe es getan, und hier bin ich. Obwohl ich mir jetzt w�nsche, ich h�tte weitere Reisen unternommen. Ich bin mit dem Delta von Dallas nach Nairobi geflogen. Das hat mir riesigen Spa� gemacht. Ich w�nschte, ich h�tte es mehr als nur einmal in meinem Leben getan. Ganz zu schweigen von <emphasis>dem</emphasis> hier!� Sie zeigte auf das Fenster und die Kabel der Bohnenstange. �Ich h�tte nie gedacht, dass ich mal auf diese Weise reisen w�rde. Ich meine, was h�lt dieses Kabel eigentlich aufrecht?�</p><p>�Der Glaube�, sagte ich. �Man glaubt fest daran, dass es nicht herunterf�llt, und dann passiert es auch nicht. Versuchen Sie nicht, zu genau dar�ber nachzudenken, sonst k�nnten wir alle in Schwierigkeiten geraten.�</p><p>�Ich glaube nur daran, dass ich gerne etwas essen w�rde�, sagte Jesse. �Begleiten Sie mich?�</p><empty-line/><p>�Der Glaube�, sagte Harry Wilson und lachte. �Vielleicht ist es wirklich der Glaube, der dieses Kabel aufrecht h�lt. Jedenfalls tut es nicht die Physik.�</p><p>Harry Wilson hatte sich an den Tisch in der Nische gesetzt, an dem Jesse und ich a�en. �Ihr beide seht aus, als w�rdet ihr euch kennen, und damit habt ihr den meisten hier schon einiges voraus�, sagte er, als er sich uns n�herte. Wir forderten ihn auf, uns Gesellschaft zu leisten, was er dankbar annahm. Er hatte zwanzig Jahre lang Physik an einer Highschool in Bloomington, Indiana, unterrichtet, erz�hlte er, und die Bohnenstange hatte ihn schon immer fasziniert.</p><p>�Was soll das hei�en, dass es die Physik nicht tut?�, fragte Jesse. �Glaub mir, so etwas will ich im Augenblick eigentlich nicht h�ren.�</p><p>Harry l�chelte. �Entschuldigung. Ich m�chte es etwas genauer ausdr�cken. Nat�rlich hat die Physik etwas damit zu tun, dass die Bohnenstange funktioniert. Aber es handelt sich nicht um die Physik im landl�ufigen Sinne. Hier spielt sich eine Menge ab, was auf den ersten Blick unm�glich erscheint.�</p><p>�Irgendwie klingt das wie der Anfang einer Physikstunde�, sagte ich.</p><p>�Ich habe jahrelang Jugendliche unterrichtet�, sagte Harry und zog einen kleinen Notizblock und einen Stift hervor. �Aber keine Sorge, es ist v�llig schmerzlos. Schaut mal her.� Harry zeichnete einen Kreis auf die untere H�lfte des Blatts. �Das ist die Erde. Und das ��&#x25E6;� dar�ber zeichnete er einen kleinen Kreis&#x25E6;� �ist die Kolonialstation. Sie befindet sich im geosynchronen Orbit, was bedeutet, dass sie auf die Erdrotation bezogen ihre Position nicht ver�ndert. Sie h�ngt immer genau �ber Nairobi. K�nnt ihr mir so weit folgen?�</p><p>Wir nickten.</p><p>�Gut. Hier geht es darum, dass man die Kolonialstation mit der Erde verbindet, und zwar durch die �Bohnenstange�, ein B�ndel aus Kabeln, wie ihr sie durch die Fenster sehen k�nnt, und mehrere Aufzugskabinen wie diese hier, die daran raufund runterfahren.� Harry zog zwischen den beiden Kreisen eine Linie, die das Kabel darstellte, und f�gte ein kleines Rechteck hinzu, das unsere Kabine symbolisierte. �Der Trick an der Sache ist, dass die Aufz�ge an den Kabeln nicht auf Fluchtgeschwindigkeit beschleunigt werden m�ssen, um in den Erdorbit zu gelangen, anders als bei der Nutzlast einer Rakete. Das ist gut f�r uns, weil wir w�hrend der Fahrt nicht das Gef�hl haben, ein Elefant h�tte uns einen Fu� auf den Brustkorb gestellt. Ganz einfache Sache.</p><p>Das Seltsame daran ist nur, dass diese Bohnenstange nicht den grundlegenden physikalischen Voraussetzungen einer klassischen Bohnenstange zwischen Erde und Weltraum entspricht. Zum einen ��&#x25E6;� Harry zeichnete eine weitere Linie ein, die vom kleinen Kreis bis zum Rand des Blattes f�hrte&#x25E6;� �d�rfte sich die Kolonialstation nicht am Ende der Bohnenstange befinden. Aus Gr�nden, die etwas mit dem Gleichgewicht der Massen und orbitaler Dynamik zu tun haben, m�sste es ein zus�tzliches Kabel geben, das mehrere zehntausend Kilometer �ber die Station hinausreicht. Ohne dieses Gegengewicht, m�sste eine Bohnenstange sehr instabil und gef�hrlich sein.�</p><p>�Und du willst darauf hinaus, dass diese es nicht ist�, sagte ich.</p><p>�Sie ist nicht nur nicht instabil, sondern wahrscheinlich die sicherste Methode, die jemals erfunden wurde, in den Weltraum zu gelangen,�, sagte Harry. �Die Bohnenstange ist seit �ber einem Jahrhundert st�ndig in Betrieb. F�r die Kolonisten gibt es keinen anderen Startpunkt. Es hat nie einen Unfall aufgrund von Instabilit�t oder Materialverschlei� gegeben, was immer mit Instabilit�ten zusammenh�ngen w�rde. Vor vierzig Jahren gab es den ber�chtigten Bombenanschlag, aber das war Sabotage, die nichts mit der physikalischen Struktur der Bohnenstange zu tun hatte. Sie selbst ist bewundernswert stabil, und zwar seit ihrer Errichtung. Doch nach den Grundgesetzen der Physik d�rfte sie es eigentlich nicht sein.�</p><p>�Was ist also das Geheimnis der Bohnenstange?�, wollte Jesse wissen.</p><p>Wieder l�chelte Harry. �Das ist die gro�e Frage.�</p><p>�Hei�t das, du wei�t es nicht?�, sagte Jesse.</p><p>�<emphasis>Ich</emphasis> wei� es nicht�, gab Harry zu. �Aber das sollte kein Grund zur Besorgnis sein, da ich lediglich Physiklehrer an einer Highschool war. Doch soweit mir bekannt ist, gibt es praktisch niemanden, der eine Vorstellung hat, wie das Ding funktioniert. Hier auf der Erde, meine ich. In der Kolonialen Union sieht es offenbar anders aus.�</p><p>�Wie kann das sein?�, rief ich. �Sie steht doch schon seit �ber hundert Jahren hier. Und niemand hat sich daf�r interessiert, wie sie tats�chlich funktioniert?�</p><p>�Das habe ich nicht gesagt�, gab Harry zur�ck. �Nat�rlich hat man versucht, es herauszufinden. Und es war in all diesen Jahren keineswegs ein Geheimnis. Als die Bohnenstange errichtet wurde, gab es viele Anfragen von Regierungen und der Presse, die alles dar�ber wissen wollten. Die KU hat darauf im Wesentlichen mit �Findet es selber raus� geantwortet. Damit war die Sache f�r sie erledigt. Seitdem haben sich Physiker mit dem Ding besch�ftigt. Es wird als �Das Bohnenstangenproblem� bezeichnet.�</p><p>�Kein sehr origineller Titel�, sagte ich.</p><p>�Physiker sparen sich ihre Phantasie f�r andere Dinge auf�, sagte Harry glucksend. �Jedenfalls wurde es <emphasis>nicht</emphasis> gel�st, haupts�chlich aus zwei Gr�nden. Der erste ist der Umstand, dass die Sache sehr kompliziert ist. Ich habe schon auf die Massenverteilung hingewiesen, aber es gibt noch andere Schwierigkeiten mit der Kabeldicke, mit Schwingungen, die durch St�rme und andere atmosph�rische Ph�nomene verursacht werden, und es spielt sogar die Frage eine Rolle, ob die Kabel spitz zulaufen sollen. In der realen Welt ist jede dieser Fragen f�r sich genommen schon schwer genug zu l�sen. Sie alle auf einmal zu beantworten, ist so gut wie unm�glich.�</p><p>�Was ist der zweite Grund?�, fragte Jesse.</p><p>�Der zweite Grund ist der, dass es gar keinen Grund daf�r gibt. Selbst wenn wir genau w�ssten, wie man so ein Ding baut, k�nnten wir es uns gar nicht <emphasis>leisten</emphasis>.� Harry lehnte sich zur�ck. �Kurz bevor ich als Lehrer anfing, habe ich f�r die Hoch- und Tiefbauabteilung von General Electric gearbeitet. Damals haben wir an der subatlantischen Eisenbahnstrecke gearbeitet, und eine meiner Aufgaben bestand darin, alte Pl�ne und Bauvorschl�ge zu pr�fen, um zu sehen, ob sich die Techniken irgendwie auf das Subatlantik-Projekt anwenden lie�en. Es war so etwas wie der verzweifelte Versuch, irgendwie die Kosten zu dr�cken.�</p><p>�Ist General Electric nicht an diesem Projekt pleite gegangen?�, fragte ich.</p><p>�Jetzt wei�t du, warum sie versucht haben, die Kosten zu dr�cken. Und warum ich Lehrer geworden bin. Danach konnte sich General Electric meine Dienste nicht mehr leisten. Oder die von anderen Leuten. Jedenfalls bin ich diese alten Pl�ne durchgegangen, von denen einige als geheim klassifiziert waren, und in einem davon ging es um eine Bohnenstange. General Electric war von der US-Regierung beauftragt worden, ein unabh�ngiges Gutachten �ber die Machbarkeit einer Bohnenstange in der westlichen Hemisph�re zu erstellen. Man wollte im Amazonasgebiet ein Loch mit dem Durchmesser von Delaware roden und das Ding genau auf den �quator stellen.</p><p>General Electric gelangte zur Auffassung, dass man den Plan m�glichst schnell vergessen sollte. Die Auswertung besagte, dass selbst unter der Annahme einiger technischer Weiterentwicklungen&#x25E6;� zu denen es gr��tenteils bis heute nicht gekommen ist und die nicht ann�hernd dem Standard entsprechen, der bei <emphasis>dieser</emphasis> Bohnenstange verwirklicht wurde&#x25E6;� das Budget f�r das Projekt ungef�hr das Dreifache des j�hrlichen Bruttosozialprodukts der Vereinigten Staaten verschlingen w�rde. Unter der Voraussetzung, dass man den Kostenrahmen einhalten w�rde, was mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht passiert w�re. Das Ganze ist nun zwanzig Jahre her, und der Bericht, den ich gelesen habe, war zu diesem Zeitpunkt schon zehn Jahre alt. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die Kosten seitdem erheblich niedriger geworden sind. Also gibt es keine neuen Bohnenstangen, zumal es preiswertere Methoden gibt, Menschen und Material in den Orbit zu bef�rdern. <emphasis>Wesentlich</emphasis> preiswertere.�</p><p>Harry beugte sich wieder vor. �Was uns zu zwei nahe liegenden Fragen f�hrt. Wie hat es die Koloniale Union geschafft, dieses technische Monstrum zu verwirklichen, und warum hat man �berhaupt diese M�he auf sich genommen?�</p><p>�Offensichtlich ist die Koloniale Union technisch fortgeschrittener als wir hier auf der Erde�, sagte Jesse.</p><p>�Offensichtlich�, sagte Harry. �Aber warum? Die Kolonisten sind auch nur Menschen. Obendrein rekrutieren sie sich in erster Linie aus verarmten L�ndern, die ein Bev�lkerungsproblem haben, was bedeutet, dass die Kolonisten nicht besonders gut ausgebildet sein k�nnen. Wenn sie ihre neue Heimat erreicht haben, kann man davon ausgehen, dass sie mehr Zeit darauf verwenden, am Leben zu bleiben, als kreative Techniken zum Bau von Bohnenstangen zu entwickeln. Und die Technik, die �berhaupt die interstellare Kolonisierung erm�glicht hat, ist der Skip-Antrieb, der hier auf der Erde erfunden wurde. Und der wurde seit mehr als hundert Jahren kaum verbessert. Also gibt es eigentlich keinen Grund, warum die Kolonisten technisch h�her entwickelt sein sollten als wir.�</p><p>Pl�tzlich klickte etwas in meinem Kopf. �Es sei denn, sie schummeln.�</p><p>Harry grinste. �Genau das habe ich mir auch gedacht.�</p><p>Jesse sah mich und dann Harry an. �Ich kann euch beiden nicht mehr folgen.�</p><p>�Sie schummeln�, sagte ich. �Hier auf der Erde schmoren wir im eigenen Saft. Wir k�nnen nur von uns selbst lernen. Wir forschen und verfeinern st�ndig unsere Technik, aber nur sehr langsam, weil wir die ganze Arbeit selber machen m�ssen. Aber da oben ��</p><p>�Da oben treffen die Menschen auf andere intelligente Spezies�, erkl�rte Harry. �Einige von ihnen m�ssen technisch weiter fortgeschritten sein als wir. Entweder erwerben wir die Kenntnisse durch ehrenhaften Handel, oder wir studieren sie, bis wir herausfinden, wie es funktioniert. Es ist viel leichter, wenn man schon etwas hat, mit dem man arbeiten kann, als es aus dem Nichts zu entwickeln.�</p><p>�Das ist die Schummelei daran�, sagte ich. �Die KU hat aus dem Schulheft eines Klassennachbarn abgeschrieben.�</p><p>�Und warum l�sst die Koloniale Union uns dann nicht an diesen Erkenntnissen teilhaben?�, fragte Jesse. �Welchen Sinn hat es, alles f�r sich zu behalten?�</p><p>�Vielleicht halten sie sich an den Grundsatz: Was wir nicht wissen, tut uns auch nicht weh�, sagte ich.</p><p>�Oder es steckt etwas ganz anderes dahinter�, sagte Harry und zeigte auf das Fenster, wo die Kabel der Bohnenstange vorbeiglitten. �Diese Bohnenstange wurde n�mlich nicht gebaut, weil sie die einfachste Methode ist, um Menschen zur Kolonialstation zu bef�rdern, sondern weil sie eine der <emphasis>schwierigsten</emphasis>, der <emphasis>teuersten</emphasis>, technisch <emphasis>komplexesten</emphasis> und politisch <emphasis>bedrohlichsten</emphasis> Methoden ist, es zu tun. Ihre blo�e Anwesenheit soll uns st�ndig daran erinnern, dass die KU uns buchst�blich um Lichtjahre voraus ist.�</p><p>�Ich habe sie nie als bedrohlich empfunden�, sagte Jesse. �Ich habe mir �berhaupt kaum Gedanken dar�ber gemacht.�</p><p>�Die Botschaft ist auch nicht an dich gerichtet�, sagte Harry. �Wenn du jedoch Pr�sident der Vereinigten Staaten von Amerika w�rst, w�rdest du anders dar�ber denken. Schlie�lich h�lt uns die KU hier auf der Erde fest. Sie erlaubt uns Raumfahrt nur zum Zweck der Kolonisierung oder Rekrutierung. Die Politiker stehen st�ndig unter Druck, sich der KU zu beugen und ihren Leuten den Zugang zu den Sternen zu erm�glichen. Aber die Bohnenstange ist wie ein gro�es Mahnmal. Es sagt: �Solange ihr das hier nicht nachbauen k�nnt, d�rft ihr nicht einmal daran denken, uns querzukommen�. Und die Bohnenstange ist die einzige Technik, die die KU uns zu zeigen bereit ist. Stellt euch nur einmal vor, was sie uns alles <emphasis>nicht</emphasis> zeigen will. Ich kann euch garantieren, dass der Pr�sident der Vereinigten Staaten st�ndig daran denkt. Das ist der Grund, warum er und alle anderen Regierungschefs dieses Planeten vor der KU kuschen.�</p><p>�All das erweckt in mir nicht gerade freundschaftliche Gef�hle f�r die Koloniale Union�, sagte Jesse.</p><p>�Es muss gar nicht gegen uns gerichtet sein�, sagte Harry. �Vielleicht will die KU die Erde nur besch�tzen. Das Universum ist verdammt gro�. Vielleicht wohnen wir nicht gerade im angenehmsten Viertel.�</p><p>�Warst du schon immer so paranoid, Harry?�, fragte ich. �Oder hat es sich erst entwickelt, als du �lter wurdest?�</p><p>�Was glaubst du wohl, wie ich es geschafft habe, f�nfundsiebzig zu werden?�, erwiderte Harry grinsend. �Jedenfalls habe ich kein Problem damit, dass die KU technisch h�her entwickelt ist. Davon werde ich in K�rze profitieren.� Er hob den Arm. �Schaut euch das hier an. Die Haut ist schlaff und runzlig, und die Muskeln machen nicht mehr richtig mit. Die KU wird irgendwas mit diesem Arm&#x25E6;� und dem Rest von mir&#x25E6;� anstellen und alles wieder kampftauglich machen. Und wisst ihr, wie sie das anstellt?�</p><p>�Nein�, sagte ich.</p><p>Jesse sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich wei� es auch nicht.� Harry lie� den Arm einfach auf den Tisch zur�ckfallen. �Ich habe keine Ahnung, wie sie das machen wollen. Obendrein kann ich mir wahrscheinlich nicht einmal vorstellen, wie sie es machen. Wenn wir davon ausgehen, dass wir von der KU auf einem kindlichen Entwicklungsstand gehalten werden. Falls man es mir jetzt erkl�ren w�rde, w�re das genauso, als wollte man jemandem, der nie ein komplexeres Transportmittel als eine Pferdekutsche gesehen hat, das Funktionsprinzip der Bohnenstange erkl�ren. Dennoch muss es funktionieren. Wie sonst h�tte man das Universum mit einer Legion von Greisen erobern k�nnen? Nichts f�r ungut�, f�gte er hastig hinzu.</p><p>�Kein Problem�, sagte Jesse l�chelnd.</p><p>�Verehrtes Publikum�, sagte Harry und sah uns beide an, �wir glauben vielleicht, dass wir eine gewisse Vorstellung haben, was uns erwartet, aber wir haben nicht den leisesten Schimmer. Das k�nnen wir aus der blo�en Existenz dieser Bohnenstange schlie�en. Sie ist gr��er und fremdartiger als alles, was wir kennen, und sie stellt nur die erste Etappe unserer Reise dar. Was als N�chstes kommt, wird noch gr��er und fremdartiger sein. Macht euch darauf gefasst, so gut ihr k�nnt.�</p><p>�Wie dramatisch!�, sagte Jesse ironisch. �Ich habe keine Ahnung, wie ich mich nach einer solchen Offenbarung auf irgendetwas gefasst machen soll.�</p><p>�Aber ich�, sagte ich und schob mich seitlich aus der Sitznische heraus. �Ich werde pinkeln gehen. Wenn das Universum gr��er und fremdartiger ist, als ich mir vorstellen kann, ist es besser, ihm mit einer leeren Blase zu begegnen.�</p><p>�Das ist die wahre Pfadfindermentalit�t�, sagte Harry.</p><p>�Nur dass ein Pfadfinder nicht so oft pinkeln muss wie ich�, erwiderte ich.</p><p>�Nach sechzig Jahren wird es jedem Pfadfinder so gehen�, sagte Harry.</p></section><section><title><p>3</p></title><p>�Ich wei� nicht, wie es euch geht�, sagte Jesse zu Harry und mir, �aber ich muss zugeben, dass ich mir das Leben in der Armee etwas anders vorgestellt habe.�</p><p>�Ist doch gar nicht so schlecht�, sagte ich. �Hier, nimm noch einen Donut.�</p><p>�Ich brauche nicht noch mehr Donuts�, sagte sie und nahm sich trotzdem einen. �Ich brauche etwas Schlaf.�</p><p>Ich wusste, was sie meinte. Mehr als achtzehn Stunden waren vergangen, seit ich von zu Hause aufgebrochen war, und fast die ganze Zeit war ich auf Reisen gewesen. Ich h�tte nichts gegen ein Nickerchen einzuwenden gehabt. Stattdessen sa� ich in der riesigen Kantine eines interstellaren Kreuzers, wo man Kaffee und Donuts f�r die insgesamt etwa eintausend Rekruten aufgetischt hatte. W�hrend wir darauf warteten, dass jemand kam und uns sagte, was wir als N�chstes tun sollten. Zumindest <emphasis>das</emphasis> entsprach ziemlich genau meiner Vorstellung vom Leben als Soldat.</p><empty-line/><p>Gleich nach der Ankunft begannen die Hetzerei&#x25E6;� und die Warterei. Sobald wir die Kabine der Bohnenstange verlassen hatten, wurden wir von zwei Apparatschiks der Kolonialen Union begr��t. Sie teilten uns mit, dass wir die letzten Rekruten waren, die man f�r ein Schiff erwartete, das bald starten w�rde. Also sollten wir ihnen bitte so schnell wie m�glich folgen, damit der Zeitplan eingehalten werden konnte. Einer der beiden �bernahm die F�hrung, und seine Kollegin bildete die Nachhut. So konnten sie auf sehr effektive und etwas dem�tigende Weise mehrere Dutzend �ltere Mitb�rger quer durch die Station zu unserem Schiff scheuchen, der KVAS <emphasis>Henry Hudson</emphasis>.</p><p>Jesse und Harry waren offensichtlich von der Hetzerei genauso entt�uscht wie ich. Die Kolonialstation war gewaltig, mit einem Durchmesser von �ber einer Meile (1800 Meter, um genau zu sein, und ich hatte den Verdacht, dass ich mich nach f�nfundsiebzig Jahren wohl doch an das metrische System w�rde gew�hnen m�ssen). Sie diente als einziger Umschlaghafen f�r Rekruten und Kolonisten gleicherma�en. Durchgetrieben zu werden, ohne anhalten zu k�nnen, um sich alles anzuschauen, war genauso, als w�rde ein F�nfj�hriger von gestressten Eltern zur Weihnachtszeit durch einen Spielzeugladen gehetzt werden. Ich h�tte mich am liebsten zu Boden geworfen und einen Schreianfall bekommen, um meinen Willen durchzusetzen. Bedauerlicherweise war ich schon zu alt (beziehungsweise noch nicht alt genug), als dass diese Strategie Erfolg versprochen h�tte.</p><p>Trotzdem bekam ich auf dem Gewaltmarsch einen verlockenden Appetithappen zu sehen. W�hrend unsere Apparatschiks uns zur Eile antrieben, kamen wir an einer riesigen Halle vorbei, die mit Pakistanis oder indischen Moslems vollgestopft war. Die meisten warteten geduldig, bis sie ein Shuttle besteigen konnten, das sie zu einem gewaltigen Kolonistenschiff brachte, das durch das Fenster in einiger Entfernung zu sehen war. Andere stritten sich mit Vertretern der KU �ber dieses oder jenes in akzentgef�rbtem Englisch. Manche tr�steten ihre Kinder, die sich schrecklich langweilten, oder kramten in ihrem Gep�ck nach etwas Essbarem. In einer Ecke kniete eine Gruppe M�nner auf einem Teppich, um zu beten. Ich fragte mich, wie sie in dreiundzwanzigtausend Meilen H�he bestimmt hatten, wo Mekka lag, dann wurden wir weitergetrieben, sodass ich sie aus den Augen verlor.</p><p>Jesse zupfte an meinem �rmel und zeigte nach rechts. In einer kleinen Messe erhaschte ich einen fl�chtigen Blick auf etwas Blaues, das mit einem Tentakel einen Martini hielt. Ich machte Harry darauf aufmerksam. Er war so fasziniert, dass er ein St�ck zur�cklief, um sich die Sache genauer anzusehen, womit er den Apparatschik am Ende der Gruppe zur Verzweiflung trieb. Die Frau dr�ngte Harry mit m�rrischer Miene zur�ck in die Herde. Harry jedoch grinste wie ein Idiot. �Ein Gehaar�, sagte er. �Er war dabei, eine B�ffelkeule zu verspeisen, als ich ihn gesehen habe. <emphasis>Widerlich</emphasis>.� Dann kicherte er. Die Gehaar geh�rten zu den ersten intelligenten Aliens, denen die Menschen begegnet waren. Das war in der Zeit gewesen, bevor die Koloniale Union ihr Monopol auf die Raumfahrt etabliert hatte. Im Grunde waren es nette Leute, nur dass sie a�en, indem sie ihrer Nahrung aus mehreren d�nnen Kopftentakeln S�ure injizierten und die Pampe schlie�lich unter starker Ger�uschentwicklung durch eine K�rper�ffnung aufschl�rften. Eine ziemliche Sauerei.</p><p>Harry war trotzdem gl�cklich. Er hatte zum ersten Mal einen leibhaftigen Au�erirdischen gesehen.</p><p>Die Hetzerei n�herte sich dem Ende, als eine Halle in Sicht kam, �ber der die Worte �<emphasis>Henry Hudson/KVA-Rekruten</emphasis>� leuchteten. Unsere Gruppe nahm dankbar auf den Sitzen Platz, w�hrend die Apparatschiks mit ein paar anderen Mitarbeitern sprachen, die an der Einstiegsschleuse f�r das Shuttle warteten. Harry, der eine unverkennbare Neigung zur Neugier an den Tag legte, spazierte zu einem Fenster hin�ber, um einen Blick auf unser Schiff zu werfen. Jesse und ich erhoben uns ersch�pft, um ihm zu folgen. Ein kleiner Informationsmonitor vor dem Fenster half uns dabei, es im Gewimmel auszumachen.</p><p>Die <emphasis>Henry Hudson</emphasis> hatte nat�rlich nicht an der Schleuse angedockt. Schlie�lich war es nicht einfach, die Bewegung eines interstellaren Raumschiffs von hunderttausend metrischen Tonnen an eine rotierende Raumstation anzupassen. Genauso wie die Kolonistentransporter hielt es einen angemessenen Sicherheitsabstand, w�hrend Vorr�te, Passagiere und die Besatzung mit leichter zu man�vrierenden Shuttles hin und her geflogen wurden. Die <emphasis>Hudson</emphasis> stand ein paar Meilen �ber der Station und war keine schwerf�llige, un�sthetische und funktionale Konstruktion wie die Speichenr�der der Kolonistenschiffe, sondern schlanker, flacher und vor allem nicht zylindrisch oder radf�rmig aufgebaut. Als ich diesen Punkt Harry gegen�ber erw�hnte, nickte er. �St�ndig aktive k�nstliche Schwerkraft�, sagte er. �Und zwar �ber ein gr��eres Volumen stabil. Sehr beeindruckend.�</p><p>�Ich hatte den Eindruck, dass auch die Bohnenstangenkabine unter k�nstlicher Schwerkraft stand�, sagte Jesse.</p><p>�Richtig�, best�tigte Harry. �Die Leistung der Gravitationsgeneratoren der Kabine wurde verst�rkt, je h�her wir aufstiegen.�</p><p>�Und was ist der gro�e Unterschied zu einem Raumschiff, in dem k�nstliche Schwerkraft eingesetzt wird?�, fragte Jesse.</p><p>�Nur die Tatsache, dass es ziemlich schwierig ist�, sagte Harry. �Man braucht gewaltige Energiemengen, um ein Gravitationsfeld zu erzeugen, und die ben�tigte Energie erh�ht sich exponential mit dem Radius des Feldes. Wahrscheinlich wird getrickst, indem man mehrere kleinere Felder erzeugt. Aber selbst diese Methode hat es in sich. Die Erzeugung des Schwerkraftfeldes in unserer Kabine hat wahrscheinlich mehr Strom gefressen, als deine Heimatstadt monatlich an Energie verbraucht.�</p><p>�Das kann nicht allzu viel sein�, sagte Jesse. �Ich komme aus San Antonio.�</p><p>�Na gut. Dann eben <emphasis>seine</emphasis> Heimatstadt.� Harry zeigte mit dem Daumen auf mich. �Auf jeden Fall ist es eine unglaubliche Energieverschwendung, und in den meisten F�llen, wo k�nstliche Schwerkraft ben�tigt wird, ist es einfacher und erheblich preiswerter, ein Rad zu bauen und es rotieren zu lassen, damit Menschen und Gegenst�nde durch die Fliehkraft an die Innenseite gepresst werden. Sobald man das Ding in Rotation versetzt hat, braucht man nur noch sehr wenig zus�tzliche Energie, um Reibungsverluste auszugleichen. Im Gegensatz zur Erzeugung eines k�nstlichen Schwerkraftfeldes, das st�ndig betr�chtliche Energiemengen ben�tigt, um es aufrechtzuerhalten.�</p><p>Er zeigte auf die <emphasis>Henry Hudson</emphasis>. �Schaut euch mal das Shuttle direkt neben dem Schiff an. Wenn ich es als Ma�stab nehme, w�rde ich sch�tzen, dass die Hudson achthundert Fu� lang, zweihundert Fu� breit und einhundertf�nfzig Fu� hoch ist. Ein einziges Gravitationsfeld rund um dieses Baby zu erzeugen w�rde definitiv s�mtliche Lichter in San Antonio ausgehen lassen. Selbst multiple Felder w�rden eine Menge Saft schlucken. Also haben sie entweder eine Energiequelle, die f�r die Schwerkraft ausreicht und obendrein alle anderen Schiffssysteme versorgt, zum Beispiel die Lebenserhaltung und nicht zuletzt den Antrieb, oder sie haben eine v�llig neue Methode entdeckt, mit geringem Energieaufwand Gravitation zu erzeugen.�</p><p>�Trotzdem d�rfte die Sache nicht billig sein.� Ich zeigte auf einen Kolonistentransporter rechts von der <emphasis>Henry Hudson</emphasis>. �Dieses Schiff ist radf�rmig. Und auch die Kolonialstation rotiert.�</p><p>�Die Kolonien scheinen ihre beste Technik dem Milit�r vorzubehalten�, sagte Jesse. �Und <emphasis>dieses</emphasis> Schiff wird nur dazu benutzt, neue Rekruten abzuholen. Ich glaube, du hast Recht, Harry. Wir haben keine Ahnung, worauf wir uns eingelassen haben.�</p><p>Harry grinste und wandte sich wieder der <emphasis>Henry Hudson</emphasis> zu, die langsam aus unserem Blickfeld wanderte, w�hrend sich die Kolonialstation weiterdrehte. �Ich sch�tze es, wenn sich andere Leute von meinen �berlegungen �berzeugen lassen.�</p><empty-line/><p>Irgendwann wurden wir wieder von unseren Apparatschiks aufgescheucht. Wir sollten uns in einer Reihe aufstellen, damit wir geordnet das Shuttle besteigen konnten. Wir zeigten dem KU-Mitarbeiter am Gate unsere Ausweise und wurden auf einer Liste abgehakt, w�hrend ein Kollege uns einen pers�nlichen Datenassistenten �berreichte. �Danke f�r Ihren Besuch auf der Erde, und hier ist ein h�bsches Abschiedsgeschenk�, sagte ich zu ihm, doch er schien mich nicht zu verstehen.</p><p>Die Shuttles waren nicht mit k�nstlicher Schwerkraft ausgestattet. Unsere Apparatschiks trieben uns hinein und ermahnten uns, unter gar keinen Umst�nden die Gurte zu l�sen. Um sicherzustellen, dass die klaustrophisch Veranlagten in unserer Gruppe es nicht trotzdem taten, lie�en sich die Gurtverschl�sse w�hrend des Fluges gar nicht von uns bet�tigen. Damit war dieses Problem gel�st. Au�erdem teilten die Apparatschiks Haarnetze an alle Langhaarigen aus. Im freien Fall schienen sich Haare in alle m�glichen Richtungen zu bewegen.</p><p>Falls jemandem �bel wurde, erz�hlte man uns, sollten wir die Kotzt�ten in den Taschen an den Seiten unserer Sitze benutzen. Man sch�rfte uns ein, dass wir damit nicht bis zur letzten Sekunde warten sollten. In der Schwerelosigkeit w�rde Erbrochenes quer durch die Kabine treiben und die anderen Mitreisenden bel�stigen, wodurch sich der Verursacher f�r den Rest des Fluges und vielleicht sogar f�r den Rest seiner milit�rischen Laufbahn bei den anderen sehr unbeliebt machte. Darauf folgte ein allgemeines Rascheln, als sich mehrere von uns auf diesen Fall vorbereiteten. Die Frau neben mir hielt ihre Kotzt�te fest umklammert. Ich machte mich mental auf das Schlimmste gefasst.</p><p>Zum Gl�ck musste sich niemand �bergeben, und der Flug zur <emphasis>Henry Hudson</emphasis> verlief relativ glatt. Nach dem ersten <emphasis>Schei�e-ich-falle</emphasis> -Signal in der einsetzenden Schwerelosigkeit beruhigte sich mein Gehirn sehr schnell. Dann war es eher wie eine Achterbahnfahrt in Zeitlupe. Wir hatten das Raumschiff nach etwa f�nf Minuten erreicht, und die Andockprozedur dauerte noch einmal ein oder zwei Minuten. Ein Hangartor �ffnete sich, nahm das Shuttle auf und schloss sich wieder. Danach mussten wir noch ein paar Minuten warten, w�hrend Luft in den Hangar gepumpt wurde. Es folgte ein sanftes Kribbeln, und pl�tzlich sp�rten wir wieder unser Gewicht. Die k�nstliche Schwerkraft hatte eingesetzt.</p><p>Die Schleusent�r des Shuttles ging auf, und ein weiblicher Apparatschik trat ein. �Willkommen in der KVAS <emphasis>Henry Hudson</emphasis>�, sagte die Frau. �Bitte l�sen Sie die Anschnallgurte, nehmen Sie Ihre Sachen an sich und folgen Sie den Leuchtpfeilen, um den Shuttlehangar zu verlassen. In exakt sieben Minuten wird die Luft aus diesem Hangar abgepumpt, damit dieses Shuttle starten und ein anderes landen kann. Also beeilen Sie sich bitte.�</p><p>Wir verlie�en das Shuttle erstaunlich schnell.</p><p>Dann wurden wir in eine riesige Messe der <emphasis>Henry Hudson</emphasis> gef�hrt, wo man uns zu Kaffee und Donuts einlud und uns aufforderte, uns zu entspannen. Bald w�rde jemand kommen, der uns weitere Erkl�rungen gab. W�hrend wir warteten, kamen immer mehr Rekruten, die offenbar schon vor uns eingetroffen waren. Nach einer Stunde waren es ein paar hundert. Ich hatte noch nie so viele alte Leute auf einmal gesehen. Harry ging es genauso. �Es ist wie an einem Mittwochmorgen in der gr��ten Kaufhauscafeteria der Welt�, sagte er und holte sich neuen Kaffee.</p><p>Ungef�hr zum Zeitpunkt, als meine Blase mir mitteilte, dass ich es mit dem Kaffee etwas �bertrieben hatte, betrat ein distinguiert wirkender Herr in einem Anzug in kolonialem Diplomatenblau die Messe und ging zur Frontseite des Raumes. Der L�rmpegel ebbte allm�hlich ab. Die Leute waren erleichtert, dass ihnen endlich jemand sagen w�rde, was hier eigentlich vor sich ging.</p><p>Der Mann stand ein paar Minuten lang reglos da, bis es im Raum still geworden war. �Ich gr��e Sie�, sagte er, und wir alle zuckten zusammen. Offenbar hatte er ein K�rpermikro, denn seine Stimme kam aus den Lautsprechern in den W�nden. �Ich bin Sam Campbell, Kontaktperson der Kolonialen Union f�r die Koloniale Verteidigungsarmee. Obwohl ich streng genommen kein Mitglied der Kolonialen Verteidigungsarmee bin, wurde ich von der KVA erm�chtigt, Ihre Einf�hrung zu leiten. Also k�nnen Sie mich f�r die folgenden Tage als Ihren vorgesetzten Offizier betrachten. Ich wei�, dass viele von Ihnen erst vor kurzem mit dem letzten Shuttle eingetroffen sind und sich gerne ausruhen w�rden, w�hrend sich andere schon einen ganzen Tag lang in diesem Schiff aufhalten und wissen m�chten, wie es weitergeht. Im Interesse beider Gruppen werde ich mich kurz fassen.</p><p>In etwa einer Stunde wird die KVAS <emphasis>Henry Hudson</emphasis> den Erdorbit verlassen und sich auf den ersten Skip zum Phoenix-System vorbereiten, wo wir einen kurzen Zwischenstopp einlegen, um weitere Vorr�te aufzunehmen. Danach fliegen wir weiter nach Beta Pyxis III, wo Ihre Ausbildung beginnen wird. Keine Sorge, ich erwarte nicht, dass Ihnen diese Namen etwas sagen. Sie m�ssen nur wissen, dass wir etwas mehr als zwei Tage ben�tigen werden, um unseren ersten Skip-Punkt zu erreichen, und in dieser Zeit wird man Sie mehreren psychischen und physischen Tests unterziehen. Ihr Zeitplan wird jetzt an ihre PDAs �bertragen. Bitte schauen Sie ihn sich bei Gelegenheit an. Au�erdem wird Ihr PDA Ihnen jederzeit den Weg zeigen, sodass Sie sich keine Sorgen machen m�ssen, sich zu verlaufen. Wer von Ihnen erst vor kurzem in der <emphasis>Henry Hudson</emphasis> eingetroffen ist, kann sich vom PDA sagen lassen, welches Quartier ihm oder ihr zugewiesen wurde.</p><p>Au�er dass Sie sich in Ihrem Quartier einfinden, wird von Ihnen heute Abend nichts weiter erwartet. Viele von Ihnen haben eine lange Reise hinter sich, und wir m�chten, dass Sie f�r die morgigen Tests ausgeruht sind. Dies ist ein guter Moment, um Sie auf die Bordzeit hinzuweisen, die der Kolonialen Standardzeit entspricht. Jetzt ist es�&#x25E6;� er sah auf seine Uhr&#x25E6;� �einundzwanzig Uhr achtundrei�ig KSZ. Ihr PDA ist auf die Bordzeit eingestellt. Ihr Tag beginnt morgen mit dem Fr�hst�ck in der Messe, von sechs Uhr bis sieben Uhr drei�ig. Danach folgen die Tests und die physische Verbesserung. Die Teilnahme am Fr�hst�ck ist nicht zwingend, da Sie noch nicht dem milit�rischen Zeitplan unterworfen sind, aber ich empfehle Ihnen dringend, daran teilzunehmen, da Sie morgen ein langer Tag erwartet.</p><p>Wenn Sie Fragen haben, kann Ihr PDA Sie mit dem Informationssystem der <emphasis>Henry Hudson</emphasis> verbinden, wobei das KI-Interface Ihnen assistieren wird. Schreiben Sie einfach mit dem Stift die Frage auf oder sprechen Sie sie ins Mikrofon Ihres PDA. Au�erdem finden Sie auf jedem Deck Mitarbeiter der Kolonialen Union. Bitte z�gern Sie nicht, sie um Unterst�tzung zu bitten. Nach Ma�gabe Ihrer pers�nlichen Informationen ist unserem medizinischen Personal bekannt, welche Probleme oder Bed�rfnisse Sie haben, und gegebenenfalls hat man sich f�r heute Abend mit Ihnen in Ihren Quartieren verabredet. Schauen Sie in Ihrem PDA nach. Andererseits k�nnen auch Sie jederzeit die Krankenstation aufsuchen. Diese Messe wird die ganze Nacht ge�ffnet sein, auch wenn sie erst zum morgigen Fr�hst�ck wieder den normalen Betrieb aufnehmen wird. Auch die Zeiten und Speisekarten k�nnen Sie mit Ihrem PDA abrufen. Schlie�lich m�chte ich noch darauf hinweisen, dass Sie alle ab morgen Ihre KVA-Rekrutenausr�stung tragen sollten, die zurzeit in Ihre Quartiere geliefert wird.�</p><p>Campbell machte eine kurze Pause und bedachte uns alle mit etwas, das er vermutlich f�r einen bedeutungsvollen Blick hielt. �Im Namen der Kolonialen Union und der Kolonialen Verteidigungsarmee hei�e ich Sie als neue Mitb�rger und als unsere neuesten Soldaten willkommen. Gott segne Sie alle und sch�tze Sie auf Ihren k�nftigen Wegen.</p><p>Falls Sie zuschauen m�chten, wie wir den Orbit verlassen, suchen Sie bitte das Auditorium auf dem Beobachtungsdeck auf. Dort k�nnen Sie alles �ber die Videoeinspielung verfolgen. Das Auditorium ist recht gro� und reicht f�r s�mtliche Rekruten aus, sodass jeder von Ihnen einen Sitzplatz finden wird. Die <emphasis>Henry Hudson</emphasis> entwickelt eine betr�chtliche Geschwindigkeit, sodass die Erde zum morgigen Fr�hst�ck nur noch eine kleine Scheibe und zu Mittag nicht mehr als ein heller Punkt am Himmel sein wird. Das ist wahrscheinlich Ihre letzte Chance, einen Blick auf Ihre Heimatwelt zu werfen. Wenn Ihnen das etwas bedeutet, empfehle ich Ihnen, es sich anzusehen.�</p><empty-line/><p>�Und wie ist dein Zimmergenosse?�, fragte Harry mich, als er neben mir im Auditorium Platz nahm.</p><p>�Dar�ber m�chte ich lieber nicht reden.� Ich hatte meinen PDA konsultiert, um mich zu meinem Quartier f�hren zu lassen, wo mein Zimmergenosse bereits seine Sachen verstaute. Es war Leon Deak. Er sah mich nur kurz an, sagte: �Ach, schau mal einer an, der Bibelexperte�, und ignorierte mich dann geflissentlich, was in einem zehn mal zehn Fu� gro�en Raum gar nicht so einfach war. Leon hatte bereits die untere Koje okkupiert (was zumindest f�r f�nfundsiebzig Jahre alte Knie die bevorzugte ist). Ich warf meine Reisetasche auf die obere Koje, nahm meinen PDA und suchte Jesse, die auf dem gleichen Deck untergebracht war. Ihre Zimmergenossin, eine nette Dame namens Maggie, ging gerade, um den Aufbruch der <emphasis>Henry Hudson</emphasis> zu verfolgen. Ich sagte Jesse, mit wem ich gestraft war. Sie lachte nur.</p><p>Sie lachte wieder, als sie Harry die Geschichte weitererz�hlte, der mir mitf�hlend auf die Schulter klopfte. �Nimm�s nicht allzu tragisch. Es ist ja nur, bis wir Beta Pyxis erreicht haben.�</p><p>�Wo auch immer das sein mag�, sagte ich. �Wer ist dein Zimmergenosse?�</p><p>�Das kann ich dir leider nicht sagen. Er hat bereits geschlafen, als ich eintraf. Auch er hat die untere Koje genommen, dieser Mistkerl.�</p><p>�Meine Zimmergenossin ist einfach nur nett�, sagte Jesse. �Sie hat mir sofort einen Keks angeboten, als wir uns begegneten. Ihre Enkeltochter hat sie als Abschiedsgeschenk f�r sie gebacken.�</p><p>�<emphasis>Mir</emphasis> hat sie keinen Keks angeboten�, sagte ich.</p><p>�Sie muss ja auch nicht mit dir zusammenleben, nicht wahr?�</p><p>�Wie war der Keks?�, fragte Harry.</p><p>�Wie versteinerter Teig�, sagte Jesse. �Aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass ich die beste Zimmergenossin von uns allen habe. Ich bin etwas Besonderes. Schaut mal, da ist die Erde.� Sie zeigte auf die riesige Videoleinwand des Auditoriums, die in diesem Moment zum Leben erwachte. Die Erde hing in bemerkenswerter Wiedergabegenauigkeit �ber uns. Der Videoschirm war ein Meisterwerk der Technik.</p><p>�Ich w�nschte, ich h�tte einen solchen Schirm in meinem Wohnzimmer gehabt�, sagte Harry. �Dann h�tte ich die beliebtesten Super-Bowl-Parties in der Nachbarschaft veranstalten k�nnen.�</p><p>�Schaut sie euch an�, sagte ich. �Das ist der Ort, wo wir unser ganzes bisheriges Leben verbracht haben. Dort leben oder lebten alle Menschen, die uns etwas bedeuten. Und jetzt verlassen wir diese Welt. Dabei m�sst ihr doch etwas empfinden.�</p><p>�Ich bin aufgeregt�, sagte Jesse. �Und traurig. Aber nicht �berm��ig.�</p><p>�Traurig bin ich nicht�, sagte Harry. �Dort gab es f�r mich nichts mehr zu tun, au�er �lter zu werden und zu sterben.�</p><p>�Du wei�t, dass du trotzdem jederzeit sterben kannst�, sagte ich. �Du bist in den Milit�rdienst eingetreten.�</p><p>�Ja, aber ich werde nicht als alter Mann sterben�, sagte Harry. �Ich erhalte eine zweite Chance, jung zu sterben und eine sch�ne Leiche zu hinterlassen. Das entsch�digt mich daf�r, dass ich diese Chance beim ersten Mal verpasst habe.�</p><p>�Du bist ein verdammter Romantiker�, sagte Jesse, ohne eine Miene zu verziehen.</p><p>�Da hast du verdammt Recht�, sagte Harry.</p><p>�Wir nehmen Fahrt auf�, sagte ich.</p><p>Die Lautsprecher �bertrugen die Kommunikation zwischen der <emphasis>Henry Hudson</emphasis> und der Kolonialstation, die genaue Anweisungen f�r den Abflug erteilte. Dann folgten ein tiefes Brummen und leichte Vibrationen, die wir durch die Sitze sp�rten.</p><p>�Das Triebwerk�, sagte Harry.</p><p>Jesse und ich nickten.</p><p>Dann wurde die Erde auf dem Videoschirm langsam kleiner. Sie war immer noch riesig und strahlend blau und wei�, aber sie nahm unverkennbar bereits einen etwas kleineren Teil der Projektionsfl�che ein. Wir sahen stumm zu, wie sie schrumpfte, s�mtliche paar hundert Rekruten, die zu diesem Anlass ins Auditorium gekommen waren. Ich blickte zu Harry, dessen Kaltschn�uzigkeit sich in stille Nachdenklichkeit verwandelt hatte. Jesse lief eine Tr�ne �ber die Wange.</p><p>�He�, sagte ich und griff nach ihrer Hand. �Nicht �berm��ig traurig, ja?�</p><p>Sie sah mich l�chelnd an und hielt meine Hand fest. �Nein�, sagte sie mit heiserer Stimme. �Nicht �berm��ig. Aber ein bisschen. Wenigstens ein bisschen.�</p><p>Wir sa�en noch eine Weile da und beobachteten, wie alles, was wir jemals gekannt hatten, auf dem Videoschirm immer kleiner wurde.</p><empty-line/><p>Ich hatte meinen PDA darauf eingestellt, mich um sechs Uhr zu wecken, was er tat, indem er leise Musik aus den winzigen Lautsprechern erklingen und allm�hlich lauter werden lie�, w�hrend ich erwachte. Ich schaltete die Musik aus, stieg leise von der oberen Koje herunter und suchte dann im Schrank nach einem Handtuch, wobei ich das kleine Licht im Schrank einschaltete. Dort hingen die Rekrutenanz�ge f�r Leon und mich, zwei Trainingsjacken und -hosen im Hellblau der Kolonialen Union, zwei hellblaue T-Shirts, zwei Bundhosen im Chino-Stil, zwei Paar wei�e Socken, Unterw�sche und blaue Turnschuhe. Offenbar bestand f�r uns zwischen hier und Beta Pyxis kein Anlass, eine richtige Uniform zu tragen. Ich zog mir eine Trainingshose und ein T-Shirt an, schnappte mir ein Handtuch&#x25E6;� auch davon hingen mehrere im Schrank&#x25E6;� und lief den Gang zur Dusche hinunter.</p><p>Als ich zur�ckkehrte, brannte das Licht, aber Leon lag immer noch in seiner Koje. Offenbar war die Beleuchtung automatisch angegangen. Ich zog mir eine Trainingsjacke �ber das T-Shirt und erg�nzte mein Outfit um Socken und Turnschuhe. Nun war ich zum Joggen bereit oder was auch immer ich an diesem Tag zu tun hatte. Aber zuerst fr�hst�cken. Auf dem Weg nach drau�en gab ich Leon einen Schubs. Er war ein Drecksack, aber selbst Drecks�cke verschliefen vielleicht nicht gerne eine Mahlzeit. Ich fragte ihn, ob er nicht fr�hst�cken wollte.</p><p>�Was?�, sagte er schlaftrunken. �Nein. Lass mich in Ruhe.�</p><p>�Bist du dir sicher, Leon? Du wei�t doch, was man �ber das Fr�hst�ck sagt. Dass es die wichtigste Mahlzeit des Tages ist und so weiter. Komm schon. Du brauchst Energie.�</p><p>Leon brummte unwillig. �Meine Mutter ist schon seit drei�ig Jahren tot, und soweit ich wei�, ist sie nicht in deinem K�rper zur�ckgekehrt. Also verschwinde endlich und lass mich weiterschlafen.�</p><p>Es erleichterte mich, dass Leon nichts von seinem Schneid verloren hatte. �Gut�, sagte ich. �Ich bin nach dem Fr�hst�ck wieder da.�</p><p>Leon grunzte und drehte sich um. Ich verlie� unser Quartier.</p><p>Das Fr�hst�ck war ph�nomenal, und das sage ich als jemand, der mit einer Frau verheiratet war, die ein Fr�hst�cksb�ffet zubereiten konnte, bei dessen Anblick selbst Gandhi eine Fastenzeit unterbrochen h�tte. Ich a� zwei belgische Waffeln, die golden, knusprig und leicht waren, gew�lzt in Puderzucker und Sirup, der wie echter Vermont-Ahornsirup schmeckte (und wenn Sie nicht genau wissen, ob Sie schon einmal Vermont-Ahornsirup hatten, dann hatten Sie noch nie welchen). Dazu kam ein Klecks cremiger Butter, die kunstvoll zerschmolz und die tiefen quadratischen Senken der Waffel ausf�llte. Des Weiteren halb durchgebratene und gewendete Spiegeleier, die tats�chlich halb durchgebraten waren, vier Scheiben aus dickem, in braunem Zucker eingelegtem Schinken, Orangensaft von einer Frucht, die offenbar gar nicht bemerkt hatte, dass sie gepresst wurde, und eine Tasse frischen Kaffees.</p><p>Ich kam mir vor, als w�re ich gestorben und in den Himmel gekommen. Da ich auf der Erde nun offiziell tot war und mit einem Raumschiff durch das Sonnensystem flog, lag ich damit vermutlich gar nicht so weit daneben.</p><p>�Mein Gott!�, sagte der Kerl, der neben mir am Tisch sa�, als ich mit meinem voll beladenen Tablett zur�ckkehrte. �So viel Fett auf nur einem Tablett. Die besten Zutaten f�r einen Herzinfarkt. Ich bin Arzt, m�ssen Sie wissen.�</p><p>�Aha�, sagte ich und zeigte auf sein Tablett. �Das sieht nach einem Omelett aus vier Eiern aus, womit Sie sich da abm�hen. Mit ungef�hr je einem Pfund Schinken und Cheddar.�</p><p>��Tu nicht, was ich tue, sondern was ich sage�. Das war mein Motto als praktizierender Arzt. Wenn mehr meiner Patienten auf mich geh�rt h�tten, statt meinem traurigen Vorbild zu folgen, w�ren sie jetzt noch am Leben. Das ist eine Lektion, die uns allen zu denken geben sollte. Ich bin �brigens Thomas Jane.�</p><p>�John Perry.� Ich sch�ttelte ihm die Hand.</p><p>�Angenehm�, sagte er. �Aber auch ein wenig traurig, denn wenn Sie das alles wirklich essen, werden Sie innerhalb der n�chsten Stunde einen Herzinfarkt erleiden.�</p><p>�H�ren Sie nicht auf ihn, John�, sagte die Frau, die uns gegen�bersa�. Ihr Teller wies die Spuren vertilgter Pfannkuchen und W�rste auf. �Tom versucht Sie nur zu bewegen, ihm etwas von Ihrem Tablett abzugeben, damit er sich nicht noch einmal in die Schlange einreihen muss. Auf diese Weise habe ich die H�lfte meiner W�rste verloren.�</p><p>�Die Anschuldigung ist genauso irrelevant, wie sie wahr ist�, sagte Thomas indigniert. �Ja, ich gebe zu, dass ich diese belgische Waffel begehre. Das kann und will ich nicht abstreiten. Aber wenn ich meine Arterien opfere, um sein Leben zu verl�ngern, ist es mir die Sache wert. Betrachten Sie es als kulinarisches �quivalent des Falls, bei dem sich jemand auf eine Granate wirft, um seinen Kameraden zu retten.�</p><p>�Die meisten Granaten d�rften nicht in Sirup getr�nkt sein�, gab sie zur�ck.</p><p>�Vielleicht sollte man es einf�hren�, sagte Thomas. �Dann w�rde es viel mehr Selbstlosigkeit geben.�</p><p>�Hier.� Ich schnitt eine H�lfte von einer Waffel ab. �Damit Sie etwas haben, wof�r Sie sich opfern k�nnen.�</p><p>�Ich werde mich mit dem Gesicht darauf werfen�, versprach Thomas.</p><p>�Wir alle sind zutiefst erleichtert, das zu h�ren�, erwiderte ich.</p><p>Die Frau auf der anderen Seite des Tisches stellte sich als Susan Reardon vor. Sie kam aus Bellevue, Washington. �Wie finden Sie unser bisheriges kleines Weltraumabenteuer?�</p><p>�Wenn ich gewusst h�tte, dass die Verpflegung so gut ist, h�tte ich versucht, mich schon vor Jahren rekrutieren zu lassen. Wer h�tte gedacht, dass das Essen in der Armee so exzellent ist?�</p><p>�Ich glaube eher, dass wir noch gar nicht richtig in der Armee sind�, sagte Thomas mit einem Bissen von der belgischen Waffel im Mund. �Das hier d�rfte so etwas wie das Wartezimmer der Kolonialen Verteidigungsarmee sein, falls Sie verstehen, was ich damit meine. Und ich glaube auch nicht, dass wir sp�ter immer noch in Turnschuhen herumschlurfen werden.�</p><p>�Sie meinen, man l�sst es f�r uns sachte angehen?�, fragte ich.</p><p>�Genau. Sehen Sie, in diesem Schiff sind tausend Leute versammelt, die sich v�llig fremd sind. Alle haben ihre Heimat, ihre Familie, ihren Beruf verloren. Das ist ein verdammt schwerer psychischer Schock. Das Mindeste, was man f�r uns tun kann, ist eine exzellente Mahlzeit, damit wir nicht zu viel dar�ber nachdenken.�</p><p>�John!� Harry hatte mich aus der Schlange ersp�ht. Ich winkte ihn an unseren Tisch. Er kam mit seinem Tablett, gefolgt von einem anderen Mann.</p><p>�Das ist mein Zimmergenosse, Alan Rosenthal�, stellte er ihn vor.</p><p>�Auch als ehemalige Sch�nheitsk�nigin bekannt�, sagte ich.</p><p>�Von dieser Aussage trifft ungef�hr die H�lfte zu�, sagte Alan. �Ich bin in der Tat eine umwerfende Sch�nheit.� Ich machte Harry und und Alan mit Susan und Thomas bekannt.</p><p>Thomas schnalzte tadelnd mit der Zunge, als er ihre Tabletts musterte. �Da k�ndigen sich zwei weitere Herzinfarkte an.�</p><p>�Wirf Tom lieber ein paar Schinkenstreifen zu, Harry�, sagte ich. �Sonst h�rt er nie mit diesen Spr�chen auf.�</p><p>�Ich h�re es gar nicht gern, wenn man andeutet, dass ich mich mit Essbarem bestechen lasse.�</p><p>�John hat �berhaupt nichts angedeutet�, sagte Susan. �Es war eine ziemlich klare Tatsachenfeststellung.�</p><p>�Ich wei�, dass die Zimmergenossenlotterie f�r dich schlecht ausgegangen ist�, sagte Harry zu mir, w�hrend er Thomas zwei St�ck Schinken abgab, die dieser mit ernster Miene entgegennahm. �Aber ich habe das gro�e Los gezogen. Alan ist theoretischer Physiker. Hochintelligent.�</p><p>�Und umwerfend sch�n�, f�gte Susan hinzu.</p><p>�Danke f�r die Erw�hnung dieses Details�, sagte Alan.</p><p>�Mir scheint, an diesem Tisch haben sich insgesamt recht intelligente Erwachsene versammelt�, sagte Harry. �Was glaubt ihr, was uns heute bevorsteht?�</p><p>�Ich soll um Punkt acht zu einer �rztlichen Untersuchung antanzen�, sagte ich. �Ich glaube, das gilt f�r uns alle.�</p><p>�Richtig�, sagte Harry. �Aber ich frage euch, was das alles eurer Ansicht nach zu <emphasis>bedeuten</emphasis> hat. Glaubt ihr, dass heute unsere Verj�ngungstherapie beginnt? Ist heute der Tag, an dem wir aufh�ren, alt zu sein?�</p><p>�Wir wissen nicht, ob wir wirklich nicht mehr alt sein werden�, sagte Thomas. �Wir alle gehen davon aus, weil wir uns vorstellen, dass Soldaten jung sein sollten. Aber denkt einmal genauer dar�ber nach. Keiner von uns hat jemals einen Soldaten der Kolonialen Verteidigungsarmee gesehen. Wir gehen nur von Mutma�ungen aus, aber die k�nnten v�llig falsch sein.�</p><p>�Welchen Sinn h�tte es, alte Soldaten k�mpfen zu lassen?�, fragte Alan. �Wenn sie mich so, wie ich bin, in den Kampf schicken, wei� ich nicht, was sie sich davon versprechen. Ich habe R�ckenprobleme. Als ich gestern von der Kabine der Bohnenstange zum Shuttlegate laufen musste, h�tte ich es fast nicht �berlebt. Ich kann mir nicht vorstellen, wie ich zwanzig Meilen mit Gep�ck und Waffe marschieren soll.�</p><p>�Ich glaube, wir alle haben ein paar Reparaturen n�tig�, sagte Thomas. �Aber das ist nicht dasselbe wie eine umfassende Verj�ngung. Ich bin Arzt und kenne mich ein bisschen damit aus. Man kann den menschlichen K�rper leistungsf�higer machen und in jedem Alter in Bestform sein, aber jedes Alter hat seine nat�rlichen Grenzen. Mit f�nfundsiebzig ist der K�rper einfach nicht mehr so schnell, nicht mehr so beweglich, und er l�sst sich nicht mehr so leicht reparieren wie in j�ngeren Jahren. Nat�rlich kann ich immer noch erstaunliche Leistungen vollbringen. Ich will nicht prahlen, aber auf der Erde habe ich regelm��ig an Zehn-Kilometer-L�ufen teilgenommen. Mein letzter war vor knapp einem Monat. Und ich bin eine bessere Zeit gelaufen, als ich mit f�nfundf�nfzig gelaufen w�re.�</p><p>�Wie warst du mit f�nfundf�nfzig?�, fragte ich.</p><p>�Das ist der Punkt�, sagte Thomas. �Mit f�nfundf�nfzig war ich ein Fettklo�. Ich lie� mir ein neues Herz einsetzen und fing an, auf meine Gesundheit zu achten. Ich will darauf hinaus, dass ein trainierter F�nfundsiebzigj�hriger eine Menge leisten kann, ohne im eigentlichen Sinne �jung� sein zu m�ssen, wenn er einfach nur gut in Form ist. Vielleicht braucht man genau solche Leute f�r diese Armee. Vielleicht sind alle anderen intelligenten Spezies in diesem Universum leichte Opfer. Wenn das stimmt, k�nnte es tats�chlich sinnvoll sein, alte Soldaten in den Kampf zu schicken, weil junge Leute viel mehr Nutzen f�r die Gesellschaft haben. Sie haben noch ihr ganzes Leben vor sich, w�hrend man auf uns problemlos verzichten kann.�</p><p>�Also werden wir vielleicht alt bleiben, aber sehr, sehr gesund sein�, sagte Harry.</p><p>�Darauf will ich hinaus�, best�tigte Thomas.</p><p>�H�r auf damit. Damit rei�t du mich runter�, sagte Harry.</p><p>�Ich werde die Klappe halten, wenn du mir deinen Obstsalat gibst�, sagte Thomas.</p><p>�Selbst wenn wir zu gesunden, durchtrainierten F�nfundsiebzigj�hrigen werden�, sagte Susan, �w�rden wir trotzdem immer �lter werden. In f�nf Jahren w�ren wir nur noch gesunde, durchtrainierte Achtzigj�hrige. Es muss eine Obergrenze geben, was unsere Tauglichkeit als Soldaten betrifft.�</p><p>Thomas zuckte die Achseln. �Wir haben uns f�r zwei Jahre verpflichtet. Vielleicht reicht es, wenn sie unsere Funktionsf�higkeit f�r diesen Zeitraum aufrechterhalten. Der Unterschied zwischen f�nfundsiebzig und siebenundsiebzig Jahren ist nicht so gro� wie zwischen f�nfundsiebzig und achtzig. Oder zwischen siebenundsiebzig und achtzig. Jedes Jahr melden sich Hunderttausende von uns. Nach zwei Jahren ersetzen sie uns einfach durch eine Truppe aus j�ngeren Rekruten.�</p><p>�Wir k�nnen bis zu zehn Jahre lang verpflichtet werden�, sagte ich. �So steht es im Kleingedruckten. Das w�rde daf�r sprechen, dass sie die technischen M�glichkeiten besitzen, uns �ber diesen Zeitraum fit zu halten.�</p><p>�Und sie haben unsere DNS gespeichert�, sagte Harry. �Vielleicht haben sie schon Ersatzteile f�r uns geklont oder etwas in der Art.�</p><p>�Das ist denkbar�, r�umte Thomas ein. �Aber es w�rde viel Arbeit machen, jedes einzelne Organ, jeden Knochen, jeden Muskel, jeden Nerv von einem geklonten K�rper in unseren zu transplantieren. Und danach h�tten wir immer noch unsere alten Gehirne, die sich nicht transplantieren lassen.�</p><p>Thomas blickte sich um und erkannte, das er den ganzen Tisch deprimiert hatte. �Ich will damit nicht sagen, dass wir auf gar keinen Fall wieder jung sein werden. Allein das, was wir in diesem Schiff sehen, �berzeugt mich, dass die Koloniale Union viel bessere Technik besitzt, als wir zu Hause auf der Erde haben. Doch als Arzt muss ich sagen, dass ich mir nur schwer vorstellen kann, wie sich der Alterungsprozess auf so dramatische Weise umkehren lie�e, wie wir alle zu glauben oder zu hoffen scheinen.�</p><p>�Die Entropie ist eine b�se Hexe�, sagte Alan. �Es gibt fundierte Theorien, die diese Behauptung st�tzen.�</p><p>�Es gibt jedoch einen Beweis, der darauf hindeutet, dass man unseren k�rperlichen Zustand in jedem Fall verbessern wird�, sagte ich.</p><p>�Verrate ihn mir bitte ganz schnell�, sagte Harry. �Toms Theorie von der �ltesten Armee der Galaxis verdirbt mir den Appetit.�</p><p>�Genau darum geht es�, sagte ich. �Wenn sie unsere K�rper nicht reparieren k�nnten, w�rden sie uns kein Essen auftischen, dessen Fettgehalt die meisten von uns innerhalb eines Monats umbringen d�rfte.�</p><p>�Das ist wahr�, sagte Susan. �Ein beeindruckendes Argument, John. Ich f�hle mich schon viel besser.�</p><p>�Vielen Dank�, sagte ich. �Dieser Beweis st�rkt mein Vertrauen in die Medizin der Kolonialen Verteidigungsarmee so sehr, dass ich mir noch einen Nachschlag holen werde.�</p><p>�Bring mir ein paar Pfannkuchen mit, wenn du sowieso gehst�, sagte Thomas.</p><empty-line/><p>�He, Leon�, rief ich und stie� gegen seine Fettmassen. �Steh auf. Die Schlummerzeit ist vorbei. Du hast um acht eine Verabredung.�</p><p>Leon lag wie ein nasser Sack in seiner Koje. Ich verdrehte die Augen, seufzte und b�ckte mich, um ihm einen st�rkeren Schubs zu versetzen. Dabei fiel mir auf, dass seine Lippen blau waren.</p><p><emphasis>Ach, du Schei�e!</emphasis>, dachte ich und sch�ttelte ihn. Keine Reaktion. Ich griff seinen Oberk�rper und zog ihn von der Koje auf den Boden. Er war furchtbar schwer.</p><p>Ich zog meinen PDA hervor und forderte medizinische Unterst�tzung an. Dann ging ich �ber ihm in die Knie und pumpte ihm per Mund-zu-Mund-Beatmung Luft in die Lungen und bearbeitete seinen Brustkorb, bis zwei Mediziner der KU eintrafen und mich von ihm wegzogen.</p><p>Mittlerweile hatte sich eine kleine Menge vor der offenen T�r versammelt. Ich sah Jesse und reichte ihr die Hand, um sie in den Raum zu ziehen. Sie sah Leon am Boden liegen und schlug sich erschrocken die H�nde vor den Mund. Ich dr�ckte sie kurz an mich.</p><p>�Wie geht es ihm�, fragte ich einen der Kolonialen, der seinen PDA konsultierte.</p><p>�Er ist tot�, sagte der Mann. �Schon seit einer Stunde. Sieht ganz nach einem Herzinfarkt aus.� Er steckte den PDA ein, stand auf und blickte auf Leon herab. �Armer Kerl. Hat es so weit geschafft, und dann macht seine Pumpe schlapp.�</p><p>�Wieder einer, der sich in letzter Minute freiwillig f�r die Geisterbrigade entschieden hat�, sagte der andere Koloniale.</p><p>Ich warf ihm einen strengen Blick zu. Ich fand, dass ein Witz in diesem Moment von furchtbar schlechtem Geschmack zeugte.</p></section><section><title><p>4</p></title><p>�Dann wollen wir mal schauen�, sagte der Arzt und blickte auf seinen recht gro�en PDA, als ich sein B�ro betrat. �Sie sind John Perry, richtig?�</p><p>�Richtig.�</p><p>�Ich bin Dr. Russell�, sagte er und musterte mich von oben bis unten. �Sie sehen aus, als w�re gerade Ihr Hund gestorben.�</p><p>�Nicht ganz. Es hat meinen Zimmergenossen erwischt.�</p><p>�Ach ja�, sagte er und blickte wieder auf seinen PDA. �Leon Deak. Er w�re gleich nach Ihnen dran gewesen. Verdammt schlechtes Timing. Dann wollen wir ihn mal aus dem Terminplan streichen.� Er tippte ein paar Sekunden lang auf seinem PDA herum und l�chelte gepresst, als er fertig war. Dr. Russells Manieren lie�en offensichtlich ein wenig zu w�nschen �brig.</p><p>Dann wandte er sich wieder mir zu. �Und jetzt werde ich Sie mal etwas genauer unter die Lupe nehmen.�</p><p>Das B�ro bestand aus Dr. Russell, mir, einem Stuhl f�r den Arzt, einem kleinen Tisch und zwei sarg�hnlichen Beh�ltern. Ihre Form bildete den Umriss eines menschlichen K�rpers nach, und jeder hatte eine gew�lbte transparente T�r �ber dem geformten Bereich. Am oberen Ende jedes Sarkophags befand sich eine arm�hnliche Vorrichtung mit einem schalenf�rmigen Ende. Die Schale schien gerade so gro� zu sein, um auf einen menschlichen Kopf zu passen. Das Gebilde machte mich, offen gesagt, ein wenig nerv�s.</p><p>�Bitte steigen Sie ein und machen Sie es sich bequem�, sagte Dr. Russel und �ffnete die T�r eines Sarkophags. �Dann kann es gleich losgehen.�</p><p>�Muss ich irgendetwas ausziehen?� So weit ich mich erinnerte, war eine medizinische Untersuchung meistens mit einer k�rperlichen Inspektion verbunden.</p><p>�Nein. Aber wenn Sie m�chten, k�nnen Sie es gerne tun.�</p><p>�Gibt es tats�chlich Leute, die sich entkleiden, auch wenn es nicht sein muss?�</p><p>�Die gibt es. Manchen f�llt es schwer, mit vertrauten Gewohnheiten zu brechen.�</p><p>Ich behielt meine Sachen an. Ich legte meinen PDA auf den Tisch, ging zum Sarkophag, drehte mich um, lehnte mich zur�ck und passte mich ein. Dr. Russell schloss die T�r und trat zur�ck. �Warten Sie einen Moment, w�hrend ich die Justierungen vornehme�, sagte er und bediente seinen PDA. Ich sp�rte, wie sich die Form des Sarkophags ver�nderte, bis er sich meinen K�rperma�en angepasst hatte.</p><p>�Ein ziemlich komisches Gef�hl�, sagte ich.</p><p>Dr. Russell l�chelte. �Sie werden gleich eine leichte Vibration sp�ren.�</p><p>Er hatte Recht.</p><p>�Die anderen Leute, die mit mir im Warteraum gesessen haben�, sagte ich, w�hrend der Sarkophag sanft unter mir summte. �Wohin sind sie verschwunden, nachdem sie hier bei Ihnen waren?�</p><p>�Durch die T�r da dr�ben.� Er zeigte nach hinten, ohne von seinem PDA aufzublicken. �Da ist der Erholungsbereich.�</p><p>�<emphasis>Erholungs</emphasis>bereich?�</p><p>�Machen Sie sich keine Sorgen�, sagte er. �Es klingt schlimmer, als es in Wirklichkeit ist. Das meiste haben Sie bereits �berstanden. Gleich sind wir fertig.� Er tippte wieder etwas in seinen PDA, und die Vibration h�rte auf.</p><p>�Was soll ich jetzt tun?�</p><p>�Bleiben Sie noch einen Moment so�, sagte Dr. Russell. �Wir m�ssen nur noch die Auswertung der Untersuchung abwarten und die Ergebnisse durchgehen.�</p><p>�Hei�t das, wir sind fertig?�</p><p>�Die moderne Medizin ist etwas Wunderbares, nicht wahr?� Er zeigte mir den Bildschirm des PDA, auf dem die Resultate der Untersuchung angezeigt wurden. �Sie m�ssen nicht einmal �Aaaaa� sagen.�</p><p>�Toll. Aber wie gr�ndlich kann eine solche Untersuchung sein?�</p><p>�Gr�ndlich genug�, sagte er. �Mr. Perry, wann haben Sie sich das letzte Mal untersuchen lassen?�</p><p>�Vor etwa sechs Monaten.�</p><p>�Was hat Ihr Arzt zu Ihnen gesagt?�</p><p>�Dass ich gut in Schuss bin, abgesehen von meinem Blutdruck, der vielleicht etwas zu hoch ist. Warum?�</p><p>�Im Gro�en und Ganze hat er Recht�, sagte Dr. Russell, �nur dass er offenbar den Hodenkrebs �bersehen hat.�</p><p>�Wie bitte?�</p><p>Dr. Russell zeigte mir ein zweites Mal den Bildschirm des PDA. Jetzt war darauf eine Falschfarbendarstellung meiner Genitalien zu sehen. Es war das erste Mal, dass mir jemand meine eigenen Geschlechtsorgane unter die Nase hielt. �Hier.� Er deutete auf einen dunklen Fleck an meinem linken Hoden. �Das ist die Geschwulst. Ziemlich dicker Brocken. Es ist auf jeden Fall Krebs.</p><p>Ich sah ihn mit finsterer Miene an. �Wissen Sie, Dr. Rusell, die meisten �rzte h�tten eine etwas einf�hlsamere Methode gew�hlt, um mich mit dieser Neuigkeit zu konfrontieren.�</p><p>�Verzeihen Sie, Mr. Perry�, sagte er. �Ich m�chte nicht gef�hllos erscheinen. Aber das ist kein ernsthaftes Problem. Selbst auf der Erde ist Hodenkrebs sehr leicht zu behandeln, vor allem im Fr�hstadium wie in Ihrem Fall. Schlimmstenfall w�rden Sie einen Hoden verlieren, was allerdings kein gro�es Problem w�re.�</p><p>�Au�er man ist der Besitzer des betreffenden Hodens.�</p><p>�Das ist eher eine psychologische Angelegenheit. Bitte machen Sie sich deswegen keine Sorgen. In ein paar Tagen werden Sie eine k�rperliche General�berholung erhalten, und dabei werden wir uns auch um Ihren Hoden k�mmern. Bis dahin wird die Sache f�r Sie v�llig unproblematisch sein. Der Krebs beschr�nkt sich auf den Hoden. Er hat sich noch nicht auf die Lungen oder die Lymphknoten ausgebreitet. Sie haben nichts zu bef�rchten.�</p><p>�Werde ich nicht mehr mit den Eiern schaukeln k�nnen?�, fragte ich.</p><p>Dr. Russell l�chelte. �Sie m�ssen sich wirklich keine Sorgen machen. Abgesehen vom Krebs, der, wie gesagt, nicht weiter problematisch ist, sind Sie so gut in Form, wie man es von einem Mann im Ihrem Alter erwarten kann. Das ist eine gute Nachricht. Im Augenblick m�ssen wir Sie nicht weiter behandeln.�</p><p>�Was h�tten Sie getan, wenn Sie etwas wirklich Schlimmes gefunden h�tten?. Zum Beispiel, wenn der Krebs unheilbar gewesen w�re?�</p><p>��Unheilbar� ist ein ziemlich ungenauer Begriff, Mr. Perry�, sagte der Arzt. �Auf lange Sicht sind wir alle unheilbare F�lle. Bei dieser Untersuchung geht es nur darum, alle Rekruten zu stabilisieren, die in unmittelbarer Lebensgefahr schweben, damit sie die n�chsten paar Tage �berstehen. Der Fall Ihres bedauernswerten Zimmergenossen Mr. Deak ist gar nicht so ungew�hnlich. Wir haben viele Rekruten, die es nicht bis in mein Untersuchungszimmer schaffen. Das ist f�r uns alle nicht gut.�</p><p>Dr. Russell konsultierte seinen PDA. �Im Fall von Mr. Deak, der an einem Herzinfarkt starb, h�tten wir wahrscheinlich versucht, die Arterienverkalkung abzubauen und seine Arterienw�nde zu st�rken, um Risse zu verhindern. Das ist die �bliche Behandlungsmethode. Die meisten f�nfundsiebzigj�hrigen Arterien k�nnen eine kleine St�rkung vertragen. Wenn Ihr Krebs bereits ein fortgeschrittenes Stadium erreicht h�tte, h�tten wir die Tumore so weit herausgeschnitten, dass sie keine unmittelbare Gefahr mehr darstellen und Sie in den n�chsten Tagen keine Probleme damit haben.�</p><p>�Warum h�tten Sie den Krebs nicht behandelt? Das alles klingt, als h�tten Sie mich auch vollst�ndig heilen k�nnen, wenn Sie wollten.�</p><p>�Wir k�nnten es, aber das w�re nicht notwendig�, sagte Dr. Russell. �In ein paar Tagen werden Sie einer wesentlich gr�ndlicheren Behandlung unterzogen. Wir sorgen nur daf�r, dass Sie bis dahin durchhalten.�</p><p>�Was meinen Sie �berhaupt mit einer �wesentlich gr�ndlicheren Behandlung�?�</p><p>�Ich meine damit, dass Sie sich anschlie�end fragen werden, weshalb Sie sich jemals wegen eines kleinen Krebstumors an Ihrem Hoden Sorgen gemacht haben�, erkl�rte er. �Das k�nnen Sie mir glauben. Jetzt m�ssen wir nur noch eine Kleinigkeit erledigen. Beugen Sie bitte den Kopf vor.�</p><p>Ich tat es. Dr. Russell griff nach dem furchterregenden Arm mit der Schale und setzte sie mir genau auf den Sch�del. �Es ist wichtig, dass wir in den n�chsten Tagen genaue Daten �ber Ihre Hirnaktivit�ten erhalten�, sagte er und trat zur�ck. �Deshalb werde ich Ihnen ein paar Sensoren in den Kopf implantieren.� Wieder tippte er auf den Bildschirm seines PDA, eine Handlung, die mir immer suspekter wurde. Ich h�rte ein saugendes Ger�usch, als sich die Schale auf meine Sch�deldecke legte.</p><p>�Wie werden Sie das machen?�, fragte ich.</p><p>�Sie sp�ren in diesem Moment vermutlich ein leichtes Kribbeln auf Ihrer Kopfhaut und im Nacken�, sagte Dr. Russell, und so war es. �Das sind die Injektoren, die sich in Stellung bringen. Die Sensoren werden durch kleine Nadeln eingef�hrt. Die Sensoren selbst sind winzig, aber es sind eine ganze Menge. Etwa zwanzigtausend. Keine Sorge, sie sind v�llig steril.�</p><p>�Wird es wehtun?�, fragte ich.</p><p>�Nicht sehr�, sagte er und tippte auf den PDA. Zwanzigtausend Mikrosensoren schossen schlagartig in meinen Sch�del. Es f�hlte sich an, als w�rde man mit mehreren Axtstielen gleichzeitig gegen meinen Kopf h�mmern.</p><p>�Verdammte Schei�e!� Ich wollte nach meinem Kopf greifen, doch meine H�nde schlugen nur gegen die T�r des Sarkophags. �Sie Mistkerl!�, br�llte ich Dr. Russell an. �Sie haben gesagt, dass es nicht wehtun w�rde.�</p><p>�Ich sagte �nicht sehr�.�</p><p>�Nicht so sehr, als w�rde mir ein Elefant auf dem Kopf herumtrampeln?�</p><p>�Nicht so sehr wie das, was Sie sp�ren werden, wenn sich die Sensoren miteinander verbinden�, sagte Dr. Russell. �Das Gute daran ist, dass der Schmerz aufh�rt, sobald die Verbindungen hergestellt sind. Jetzt bleiben Sie bitte ganz ruhig. Es wird nur eine Minute dauern.�</p><p>Wieder tippte er auf den PDA. Achtzigtausend Nadeln schossen kreuz und quer durch meinen Sch�del.</p><p>Ich hatte nie zuvor ein so intensives Verlangen versp�rt, einem Arzt den Hals umzudrehen.</p><empty-line/><p>�Ich wei� nicht�, sagte Harry. �Ich finde, es ist ein interessanter Look.� Er rieb sich den Sch�del, der wie bei uns allen mit einem gesprenkelten Grau �berzogen war, w�hrend zwanzigtausend subkutane Sensoren seine Hirnaktivit�ten registrierten.</p><p>Die Fr�hst�ckstruppe hatte sich zum Mittagessen wieder versammelt. Diesmal wurde sie durch Jesse und ihre Zimmergenossin Maggie vervollst�ndigt. Harry hatte erkl�rt, dass wir nun offiziell eine Clique bildeten, die er auf den Namen �Alte Schei�er� taufte. Au�erdem forderte er, dass wir uns eine Essensschlacht mit dem Nachbartisch lieferten, doch sein Antrag wurde abgelehnt, haupts�chlich aufgrund des Vetos von Thomas, der darauf hinwies, das alle Lebensmittel, die wir durch die Gegend warfen, nicht mehr von uns verspeist werden konnten. Zudem war das Mittagsb�ffet noch besser als das Fr�hst�ck, auch wenn eine Steigerung kaum vorstellbar war.</p><p>�Und es hat noch einen positiven Effekt�, sagte Thomas. �Nach dieser Gehirnoperation heute Vormittag war ich so sauer, dass ich fast den Appetit verloren h�tte.�</p><p>�Das kann ich mir nicht vorstellen�, sagte Susan.</p><p>�Dir scheint entgangen zu sein, dass ich �fast� gesagt habe�, entgegnete Thomas. �Ich h�tte wirklich gerne einen von diesen S�rgen in meiner Praxis gehabt. Damit h�tte ich meine Arbeitszeit um achtzig Prozent reduzieren und viel h�ufiger Golf spielen k�nnen.�</p><p>�Ich bin beeindruckt, wie viel dir am Wohl deiner Patienten liegt�, sagte Jesse.</p><p>�Ich habe mit den meisten Golf gespielt�, sagte Thomas. �Sie w�ren genauso begeistert gewesen wie ich. So sehr es mich schmerzt, es zugeben zu m�ssen, aber dieses Ding hat meinem Arzt zu einer viel genaueren Diagnose verholfen, als sie mir jemals m�glich gewesen w�re. Es ist der Traum eines jeden Mediziners. Es hat einen mikroskopisch kleinen Tumor in meiner Bauchspeicheldr�se festgestellt. Zu Hause h�tte ich ihn erst diagnostizieren k�nnen, wenn er wesentlich gr��er geworden w�re oder ein Patient mit eindeutigen Symptomen zu mir gekommen w�re. Wurden bei jemandem von euch unerwartete Zipperlein gefunden?�</p><p>�Lungenkrebs�, sagte Harry. �Ein paar kleine Flecken.�</p><p>�Zysten am Eierstock�, sagte Jesse.</p><p>Maggie nickte nur.</p><p>�Rheumatoide Arthritis im Fr�hstadium�, sagte Alan.</p><p>�Hodenkrebs�, sagte ich.</p><p>Alle M�nner am Tisch zuckten zusammen. �Autsch�, sagte Thomas.</p><p>�Der Arzt versicherte mir, dass ich es �berleben werde�, sagte ich.</p><p>�Nur dass du beim Gehen humpeln wirst�, sagte Susan.</p><p>�Es reicht! Ich m�chte dazu keine dummen Spr�che mehr h�ren!�</p><p>�Ich verstehe nur nicht, warum man unsere kleinen Probleme nicht <emphasis>behoben</emphasis> hat�, sagte Jesse. �Mein Arzt zeigte mir eine Zyste von der Gr��e einer Kaugummikugel, aber er meinte, ich sollte mir deswegen keine Sorgen machen. Ich glaube, ich bin einfach nicht der Typ, der sich wegen einer solchen Sache <emphasis>keine</emphasis> Sorgen machen wird.�</p><p>�Thomas, du bist doch angeblich Arzt�, sagte Susan und klopfte sich auf die grau gespenkelte Sch�deldecke. �Was hat es mit diesen kleinen Schei�dingern auf sich? Warum macht man nicht einfach eine Tomografie von unserem Gehirn?�</p><p>�Wenn ich raten m�sste�, sagte Thomas, �und mehr kann ich nicht tun, denn ich habe nicht den leisesten Schimmer, w�rde ich sagen, dass sie sehen wollen, wie unsere Gehirne arbeiten, w�hrend wir ausgebildet werden. Das geht nicht, w�hrend wir an eine Maschine angeschlossen sind, also schlie�en sie stattdessen die Maschinen an uns an.�</p><p>�Danke f�r die �berzeugende Erkl�rung, auf die ich l�ngst von selbst gekommen bin�, sagte Susan. �Ich wollte auf die Frage hinaus, welchen Zweck diese Art von Messung erf�llen k�nnte.�</p><p>�Keine Ahnung�, sagte Thomas. �Vielleicht brauchen sie die Daten, wenn sie uns neue Gehirne verpassen. Oder sie haben eine M�glichkeit gefunden, bestimmte Hirnareale auszubessern, und dazu m�ssen sie schauen, welche Teile eine �berholung brauchen. Ich hoffe nur, dass sie uns nicht noch mehr von diesen Dingern verpassen m�ssen. Heute vormittag h�tten mich die Schmerzen fast umgebracht.�</p><p>�Apropos�, sagte Alan und wandte sich an mich. �Ich habe geh�rt, dass du heute Fr�h deinen Zimmergenossen verloren hast. Wie kommst du damit zurecht?�</p><p>�Es geht�, sagte ich. �Obwohl es schon recht deprimierend ist. Mein Arzt sagte, wenn er bis zum Untersuchungstermin durchgehalten h�tte, w�re er vielleicht noch zu retten gewesen. Er h�tte ihm den Kalk aus den Arterien gesp�lt oder etwas in der Art. Ich �berlege, ob ich ihn h�tte �berzeugen sollen, zum Fr�hst�ck aufzustehen. Die Bewegung h�tte ihn vielleicht lange genug am Leben erhalten, sodass er den Termin h�tte wahrnehmen k�nnen.�</p><p>�Mach dir deswegen keine Vorw�rfe�, sagte Thomas. �Du konntest es nicht ahnen. Menschen sterben nun einmal.�</p><p>�Klar, aber wenn es nur wenige Tage vor einer �General�berholung� passiert, wie mein Arzt sich ausdr�ckte ��</p><p>�Ich m�chte keineswegs makaber erscheinen ��, sagte Harry.</p><p>�Was nur hei�en kann, dass es jetzt richtig makaber wird�, warf Susan ein.</p><p>��aber wenn in meiner Collegezeit ein Zimmergenosse starb�, fuhr Harry fort und warf ein St�ck Brot nach Susan, �musste man nicht an den Abschlusspr�fungen des Semesters teilnehmen. Aus R�cksicht auf den Schock.�</p><p>�Seltsamerweise blieben dann auch dem Zimmergenossen die Abschlusspr�fungen erspart�, sagte Susan. �Und zwar fast aus demselben Grund.�</p><p>�So habe ich es noch nie betrachtet�, sagte Harry. �Glaubst du, dass dir die Eignungstests erspart bleiben, die f�r heute angesetzt sind?�</p><p>�Das bezweifle ich�, antwortete ich. �Und selbst wenn, w�rde ich das Angebot nicht annehmen. Was sollte ich stattdessen tun? Den ganzen Tag in meinem Quartier hocken? Davon w�rde ich erst recht Depressionen bekommen. Schlie�lich ist dort gerade jemand gestorben, wisst ihr.�</p><p>�Du k�nntest umziehen�, sagte Jesse. �Vielleicht zu jemand anderem, dessen Zimmergenosse ebenfalls gestorben ist.�</p><p>�Das wird ja immer morbider! Au�erdem will ich nicht umziehen. Nat�rlich tut es mir leid, dass Leon gestorben ist. Aber jetzt habe ich ein ganzes Zimmer f�r mich allein.�</p><p>�Wie es scheint, hat er schon angefangen, dar�ber hinwegzukommen�, sagte Alan.</p><p>�Ich versuche nur, den Schmerz m�glichst schnell zu verarbeiten.�</p><p>�Du redest nicht viel, was?�, sagte Susan unvermittelt zu Maggie.</p><p>�Stimmt�, sagte Maggie.</p><p>�Sagt mal, was habt ihr eigentlich als N�chstes auf dem Stundenplan?�, fragte Jesse.</p><p>Jeder griff nach seinem PDA, dann hielten alle mit schuldbewusster Miene inne.</p><p>��berlegt euch mal, wie highschoolm��ig das jetzt war�, sagte Susan.</p><p>�Was soll�s?�, sagte Harry und zog trotzdem seinen PDA hervor. �Wir haben uns sogar schon zu einer Clique zusammengeschlossen. Also k�nnen wir die Sache auch weiter durchziehen.�</p><empty-line/><p>Es stellte sich heraus, dass Harry und ich unseren ersten Eignungstest gemeinsam absolvieren sollten. Wir wurden zu einem Konferenzraum geleitet, in dem man Tische und St�hle aufgestellt hatte.</p><p>�Ach, du Schei�e�, sagte Harry, als wir uns setzten. �Wir sind wirklich wieder in der Highschool!�</p><p>Diese Einsch�tzung best�tigte sich, als eine Koloniale den Raum betrat. �Sie werden jetzt auf grundlegende sprachliche und mathematische Fertigkeiten getestet�, sagte die Pr�ferin. �Die Fragen werden jetzt in Ihren PDA geladen. Es handelt sich um einen Multiple-Choice-Test. Bitte beantworten Sie innerhalb der vorgegebenen drei�ig Minuten so viele Fragen wie m�glich. Wenn Sie vor Ablauf der halben Stunde fertig sind, bleiben Sie bitte ruhig sitzen oder gehen Sie Ihre Antworten noch einmal durch. Bitte arbeiten Sie nicht mit anderen Rekruten zusammen. Sie d�rfen jetzt anfangen.�</p><p>Ich blickte auf meinen PDA. Auf dem Bildschirm erschien eine Frage, in der es um synonyme Begriffe ging.</p><p>�Das kann nicht euer Ernst sein!�, sagte ich. Auch andere Leute im Raum lachten leise.</p><p>Harry hob eine Hand. �Welche Punktzahl muss ich erreichen, um von Harvard angenommen zu werden?�</p><p>�Den Spruch habe ich schon ein paarmal geh�rt�, entgegnete sie. �Bitte konzentrieren Sie sich jetzt auf die Pr�fung.�</p><p>�Ich habe sechzig Jahre lang darauf gewartet, meine Mathenote verbessern zu k�nnen�, sagte Harry. �Schauen wir mal, wie ich jetzt abschneide.�</p><empty-line/><p>Der zweite Eignungstest war sogar noch schlimmer.</p><p>�Bitte verfolgen Sie das wei�e Quadrat. Benutzen Sie nur die Augen, bewegen Sie nicht den Kopf.� Die Koloniale d�mpfte die Beleuchtung im Raum. Sechzig Augenpaare konzentrierten sich auf ein wei�es Quadrat an der Wand, das sich langsam in Bewegung setzte.</p><p>�Ich fasse es nicht, dass wir daf�r in den Weltraum aufbrechen mussten�, sagte Harry.</p><p>�Vielleicht ist das noch nicht alles�, sagte ich. �Wenn wir Gl�ck haben, kriegen wir noch ein wei�es Quadrat zu sehen.�</p><p>Als N�chstes erschien ein wei�es Quadrat auf der Wand.</p><p>�Gib�s zu, du warst schon einmal hier!�, sagte Harry.</p><p>Sp�ter wurden Harry und ich getrennt, und die n�chsten Tests musste ich allein bestehen.</p><p>Im ersten Zimmer befanden sich ein Kolonialer und ein Haufen Baukl�tze.</p><p>�Bauen Sie daraus bitte ein Haus�, sagte der Koloniale.</p><p>�Nur wenn ich danach einen Lutscher bekomme�, sagte ich.</p><p>�Ich werde mal sehen, was ich f�r Sie tun kann�, versprach der Koloniale. Ich stapelte die Baukl�tze zu einem Haus auf, dann betrat ich das n�chste Zimmer, in dem ein anderer Kolonialer mir ein Blatt Papier und einen Stift reichte.</p><p>�Fangen Sie in der Mitte des Labyrinths an und versuchen Sie, einen Weg nach drau�en zu finden.�</p><p>�Mein Gott!�, sagte ich. �Das schafft selbst eine hirnamputierte Ratte.�</p><p>�Wenn Sie meinen�, sagte der Koloniale. �Trotzdem w�ssten wir gerne, ob auch Sie es schaffen.�</p><p>Ich schaffte es. Im n�chsten Zimmer forderte ein Kolonialer mich auf, ihm die eingeblendeten Zahlen und Buchstaben zuzurufen. Ich h�rte auf, mich �ber den Sinn dieser Tests zu wundern und tat einfach, was man von mir erwartete.</p><empty-line/><p>Irgendwann am Nachmittag riss mir der Geduldsfaden.</p><p>�Ich habe Ihre Personalakte gelesen�, sagte der Koloniale, ein magerer junger Mann, der aussah, als w�rde eine kr�ftige Windb�e ihn wie einen Drachen davonfliegen lassen.</p><p>�Sch�n�, sagte ich.</p><p>�Darin steht, dass Sie verheiratet waren.�</p><p>�Stimmt.�</p><p>�Hat es Ihnen gefallen? Verheiratet zu sein?�</p><p>�Klar. Auf jeden Fall besser als die Alternative.�</p><p>Er sah mich verschmitzt an. �Was ist passiert? Scheidung? Zu viel in der Gegend rumgev�gelt?�</p><p>Zu Anfang fand ich den Kerl noch auf widerw�rtige Weise am�sant, doch diese Einsch�tzung kehrte sich schnell ins Gegenteil um. �Sie ist gestorben�, sagte ich.</p><p>�Aha? Wie ist das passiert?�</p><p>�Sie hatte einen Schlaganfall.�</p><p>�Ein Schlaganfall ist etwas Wunderbares�, sagte er. �Es macht Bumm, und das Gehirn ist nur noch ein grauer Pudding. Gut, dass sie es nicht �berlebt hat. Dann w�re sie jetzt nur noch ein fetter, bettl�griger Zombie. Sie m�ssten sie mit einer Schnabeltasse f�ttern und so weiter.� Er gab schl�rfende Ger�usche von sich.</p><p>Ich sagte nichts. Ein Teil meines Gehirns �berlegte, ob ich schnell genug war, um aufzuspringen und ihm das Genick zu brechen, aber der Rest meines Verstandes lie� mich einfach nur in blinder Wut reglos dasitzen. Ich konnte nicht fassen, was ich gerade geh�rt hatte.</p><p>Ein sehr tief gelegener Teil meines Gehirns sagte mir, dass ich allm�hlich wieder atmen sollte, weil ich ansonsten demn�chst in Ohnmacht fallen w�rde.</p><p>Pl�tzlich piepte der PDA des Kolonialen. �Okay�, sagte er und stand schnell auf. �Wir sind fertig. Mr. Perry. Ich bitte um Entschuldigung f�r die Bemerkungen, die ich zum Tod Ihrer Frau ge�u�ert habe. Meine Aufgabe besteht darin, die Rekruten so schnell wie m�glich zu einer zornigen Reaktion zu verleiten. Unsere psychologische Auswertung hat ergeben, dass Sie am empfindlichsten auf die Art von Bemerkungen reagieren w�rden, die Sie soeben geh�rt haben. Ich versichere Ihnen, dass ich in einem pers�nlichen Gespr�ch niemals solche Bemerkungen �ber Ihre verstorbene Frau von mir geben w�rde.�</p><p>Ich sah den Mann ein paar Sekunden lang verdutzt an und blinzelte wie ein Idiot. Dann br�llte ich ihn an. �Was f�r ein kranker Schei�test sollte <emphasis>DAS</emphasis> sein?�</p><p>�Ich stimme Ihnen zu, dass es ein recht unangenehmer Test ist, und m�chte mich erneut entschuldigen. Ich f�hre nur meine zugewiesene Arbeit aus, mehr nicht.�</p><p>�Meine Fresse! Ist Ihnen klar, dass ich Ihnen fast den beschissenen Hals umgedreht h�tte?�</p><p>�Dessen bin ich mir durchaus bewusst.� Seine Stimme klang so ruhig und beherrscht, dass es ihm offenbar wirklich klar war. �Mein PDA, der Ihren Erregungszustand gemessen hat, piepte, kurz bevor Sie explodiert w�ren. Aber ich h�tte es auch so gesp�rt. Ich mache st�ndig solche Test. Ich wei�, was ich zu erwarten habe.�</p><p>Ich war immer noch dabei, mich abzuregen. �So etwas machen Sie mit jedem Rekruten? Wie haben Sie es geschafft, so lange zu �berleben?�</p><p>�Ich verstehe Ihre Frage�, sagte der Mann. �Ich wurde unter anderem f�r diese Arbeit ausgew�hlt, weil mein schm�chtiger K�rperbau bei den Rekruten den Eindruck erweckt, dass sie mich m�helos �berw�ltigen k�nnen. Aber ich kann Ihnen versichern, dass ich durchaus in der Lage bin, mich gegen einen Rekruten zur Wehr zu setzen, wenn es sein muss. Auch wenn es normalerweise nicht n�tig ist. Wie ich bereits erw�hnte, f�hre ich diese Tests sehr h�ufig durch.�</p><p>�Das ist kein sehr netter Job.� Endlich war es mir gelungen, wieder in vern�nftigen Bahnen zu denken.</p><p>�Wie hei�t es so sch�n? �Es ist ein schmutziger Job, aber irgendjemand muss ihn machen.� Ich finde ihn durchaus interessant, da jeder Rekrut einen anderen Schwachpunkt besitzt, der ihn zum Ausrasten bringt. Aber Sie haben Recht. Die Arbeit ist mit einem hohen Stressfaktor verbunden. Das h�lt nicht jeder durch.�</p><p>�Ich wette, dass Sie in einer Bar sehr schnell Kontakt finden�, sagte ich.</p><p>�Mir wird immer wieder bescheinigt, dass ich sehr charmant bin&#x25E6;� wenn ich nicht gerade damit besch�ftigt bin, Leute auf die Palme zu bringen. Mr. Perry, wir sind fertig. Wenn Sie bitte durch die T�r zu Ihrer Rechten treten w�rden. Dort wartet die n�chste Pr�fung auf Sie.�</p><p>�Ich hoffe, man versucht nicht noch einmal, mich auf die Palme zu bringen.�</p><p>�Es mag sein, dass Sie sich �ber einen der n�chsten Tests �rgern, aber dann liegt es ganz allein an Ihnen. Diese Pr�fung f�hren wir bei jedem Rekruten nur ein einziges Mal durch.�</p><p>Ich machte mich auf den Weg zur T�r, dann blieb ich noch einmal stehen. �Ich wei�, dass Sie nur Ihren Job gemacht haben. Aber ich m�chte Ihnen trotzdem sagen, dass meine Frau ein wunderbarer Mensch war. Sie hat es nicht verdient, auf diese Weise missbraucht zu werden.�</p><p>�Ich wei�, Mr. Perry�, sagte der Mann. �Ich wei�.�</p><p>Ich trat durch die T�r.</p><p>Im n�chsten Raum fand ich eine sehr nette junge Dame vor, die zuf�llig v�llig nackt war. Sie forderte mich dazu auf, mir alles, woran ich mich erinnerte, �ber die Party anl�sslich meines siebten Geburtstags zu erz�hlen.</p><empty-line/><p>�Ich fasse es nicht, dass sie uns diesen Film unmittelbar vor dem Abendessen gezeigt haben�, sagte Jesse.</p><p>�Es war nicht unmittelbar vor dem Abendessen�, sagte Thomas. �Danach kam noch der Zeichentrickfilm mit Bugs Bunny. Aber eigentlich war er gar nicht so schlecht.�</p><p>�Es mag sein, dass Sie einen Film �ber chirurgische Eingriffe an den Eingeweiden nicht als widerw�rtig empfinden, Herr Doktor, aber f�r uns Normalsterbliche sind solche Szenen starker Tobak�, sagte Jesse.</p><p>�Hei�t das, du m�chtest die Rippchen vielleicht doch nicht essen?�, fragte Thomas und zeigte auf ihren Teller.</p><p>�Hattet ihr auch mit einer nackten Frau zu tun, die euch nach eurer Kindheit ausgefragt hat?�, wechselte ich das Thema.</p><p>�Bei mir war es ein Mann�, sagte Susan.</p><p>�Ich hatte eine Frau�, sagte Harry.</p><p>�Einen Mann�, sagte Jesse.</p><p>�Eine Frau�, sagte Thomas.</p><p>�Einen Mann�, sagte Alan.</p><p>Alle Blicke richteten sich auf ihn.</p><p>�Was ist?�, sagte Alan. �Ich bin schwul.�</p><p>�Was soll der Schwachsinn?�, fragte ich. �Nicht dass Alan schwul ist, sondern das mit den Nackten, meine ich.�</p><p>�Danke�, sagte Alan trocken.</p><p>�Sie versuchen uns bestimmte Reaktionen zu entlocken, mehr nicht�, sagte Harry. �In allen Tests, denen wir heute unterzogen wurden, ging es um grundlegende intellektuelle oder emotionale Reaktionen, die die Basis f�r komplexere und subtilere Empfindungen und geistige F�higkeiten darstellen. Sie wollten damit nur feststellen, wie wir auf einer sehr elementaren Ebene denken und reagieren. Die Nackten sollten uns offenbar sexuell anregen.�</p><p>�Aber warum haben sie uns dann nach unserer Kindheit ausgefragt?�, wollte ich wissen.</p><p>Harry zuckte hob die Schultern. �Was w�re Sex ohne Schuldgef�hle?�</p><p>�Was mich zum Ausrasten gebracht hat, war der Test, bei dem wir zum Ausrasten gebracht werden sollten�, sagte Thomas. �Ich h�tte den Kerl zu Hackfleisch verarbeiten k�nnen! Er sagte, die Cubs h�tten l�ngst in die Unterliga strafversetzt werden m�ssen, nachdem sie seit zwei Jahrhunderten keine Weltmeisterschaft mehr gewonnen haben.�</p><p>�Gar kein schlechter Vorschlag�, sagte Susan.</p><p>�Jetzt fang du auch noch an!�, regte sich Thomas auf. �Mann! Merkt euch gef�lligst, dass ich nichts auf die Cubs kommen lasse!�</p><empty-line/><p>Nachdem man uns am ersten Tag alle m�glichen dem�tigenden intellektuellen Leistungen abverlangt hatte, ging es am zweiten Tag um alle m�glichen dem�tigenden k�rperlichen Leistungen beziehungsweise den Mangel derselben.</p><p>�Hier ist ein Ball�, sagte ein Pr�fer zu mir. �Dribbeln Sie damit.� Ich tat es. Dann sagte man mir, dass ich in den n�chsten Raum gehen sollte.</p><p>Ich arbeitete einen kleinen Parcours mit verschiedenen Sportger�ten ab. Ich wurde aufgefordert, eine kleine Strecke zu rennen. Ich machte ein bisschen leichte Gymnastik. Ich wurde vor ein Videospiel gesetzt. Ich sollte mit einer Lichtpistole ein Ziel an einer Wand treffen. Ich schwamm. (Dieser Teil gefiel mir am besten. Ich bin schon immer gerne geschwommen, solange sich mein Kopf �ber Wasser befindet.) Zwei Stunden lang wurde ich mit mehreren anderen Rekruten in einen Raum gesperrt und aufgefordert, zu tun, was ich wollte. Ich spielte ein bisschen Billard. Ich spielte eine Runde Tischtennis. Und so wahr mir Gott helfe, ich spielte sogar Shuffleboard.</p><p>Dabei brach mir nicht ein einziges Mal der Schwei� aus.</p><p>�Was f�r eine bl�de Armee soll das sein?�, fragte ich die Alten Schei�er beim Mittagessen.</p><p>�Es ergibt durchaus Sinn�, sagte Harry. �Gestern wurden wir auf elementare intellektuelle und emotionale Eigenschaften gepr�ft. Heute ging es um die allgemeine k�rperliche Geschicklichkeit. Auch diesmal schien man sich f�r die Grundlagen komplexerer Leistungen zu interessieren.�</p><p>�Mir ist nicht klar, welche komplexeren F�higkeiten sich bei einem Tischtennisspiel zeigen�, sagte ich.</p><p>�Die Koordination von Auge und Hand�, sagte Harry. �Zeitgef�hl. Zielgenauigkeit.�</p><p>�Au�erdem wei� man nie, wann man eine Granate zur�ckwerfen muss�, warf Alan ein.</p><p>�Genau�, best�tigte Harry. �Was sollen sie deiner Meinung nach stattdessen mit uns machen? Uns einen Marathon laufen lassen? Wir alle w�rden zusammenbrechen, bevor wir die erste Meile geschafft h�tten.�</p><p>�Schlie� nicht von dir auf andere�, sagte Thomas.</p><p>�Ich muss mich korrigieren�, sagte Harry. �Unser Freund Thomas w�rde sechs Meilen schaffen, bevor sein Herz schlappmacht. Falls er nicht vorher einen Eingeweidekrampf bekommt.�</p><p>�Red keinen Unsinn�, sagte Thomas. �Jeder wei�, dass man vor einem Lauf gen�gend Kohlehydrate als Energiequelle braucht. Deshalb werde ich mir jetzt noch einen Nachschlag von den Fettucini holen.�</p><p>�Niemand hat gesagt, dass du heute noch einen Marathon laufen sollst�, sagte Susan.</p><p>�Der Tag ist noch jung�, gab Thomas zur�ck.</p><p>�F�r mich steht heute nichts mehr auf dem Stundenplan�, sagte Jesse. �Ich habe f�r den Rest des Tages frei. Und f�r morgen ist nur die �Abschlie�ende K�rperliche Verbesserung� von sechs bis zw�lf Uhr angesetzt und danach eine Versammlung aller Rekruten um zwanzig Uhr.�</p><p>�Auch ich habe heute keine Termine mehr�, sagte ich. Ein kurzer Rundumblick verriet mir, dass es bei allen anderen am Tisch genauso war. �Was machen wir jetzt, damit uns nicht langweilig wird?�</p><p>�Irgendwo wird sich bestimmt noch ein Shuffleboard auftreiben lassen�, sagte Susan.</p><p>�Ich habe eine bessere Idee�, sagte Harry. �Hat jemand um f�nfzehn Uhr schon was vor?�</p><p>Allgemeines Kopfsch�tteln.</p><p>�Gro�artig�, sagte Harry. �Dann treffen wir uns hier wieder. Die Alten Schei�er werden einen kleinen Ausflug unternehmen.�</p><empty-line/><p>�D�rfen wir �berhaupt hier sein?�, fragte Jesse.</p><p>�Klar�, sagte Harry. �Warum nicht? Und selbst wenn nicht, was wollen sie mit uns machen? Wir sind ja noch gar nicht richtig in der Armee. Also k�nnen sie uns kein offizielles Disziplinarverfahren anh�ngen.�</p><p>�Das nicht, aber sie k�nnen uns durch eine Luftschleuse nach drau�en pusten�, sagte Jesse.</p><p>�Bl�dsinn�, sagte Harry. �Das w�re eine Verschwendung von kostbarer Luft.�</p><p>Harry hatte uns auf ein Beobachtungsdeck in einem Bereich des Schiffes gef�hrt, der den Kolonialen vorbehalten war. Man hatte uns Rekruten zwar nicht ausdr�cklich erlaubt, die Decks der Kolonialen zu betreten, aber man hatte es uns auch nicht verboten. Unsere siebenk�pfige Gruppe stand auf dem verlassenen Deck wie Schulkinder vor einer Peepshow.</p><p>Was unserer Situation sogar ziemlich nahe kam.</p><p>�W�hrend unserer heutigen �bungen habe ich einen Kolonialen in ein Gespr�ch verwickelt�, sagte er. �Dabei erw�hnte er, dass die <emphasis>Henry Hudson</emphasis> heute um f�nfzehn Uhr f�nfunddrei�ig den Skip durchf�hren wird. Und ich sch�tze mal, dass noch keiner von uns jemals einen Skip beobachtet hat. Also habe ich ihn gefragt, von wo aus man einen guten Blick haben w�rde. Der Mann empfahl diese Stelle. Und da w�ren wir, und wir haben noch ��&#x25E6;� er blickte auf seinen PDA&#x25E6;� �vier Minuten Zeit.�</p><p>�Tut mir leid�, sagte Thomas. �Ich wollte die Truppe nicht aufhalten. Die Fettucini waren ausgezeichnet, aber mein Dickdarm schien da anderer Meinung zu sein.�</p><p>�Bitte verzichte in Zukunft darauf, uns �ber solche Einzelheiten zu informieren�, sagte Susan. �Dazu kennen wir uns noch nicht gut genug.�</p><p>�Wie sonst wollt ihr mich besser kennen lernen?�</p><p>Niemand hielt es f�r n�tig, auf Thomas� Frage zu antworten.</p><p>�Wei� irgendjemand, wo wir sind?�, fragte ich, nachdem eine Weile Schweigen geherrscht hatte. �In astronomischer Hinsicht, meine ich.�</p><p>�Wir sind immer noch im Sonnensystem�, sagte Alan und zeigte aus dem Fenster. �Das sieht man an den vertrauten Sternbildern. Da dr�ben ist Orion. Wenn wir mehrere Lichtjahre von der Erde entfernt w�ren, h�tten die Sterne ihre Positionen am Himmel ver�ndert. Die Konstellationen w�ren verzerrt oder gar nicht mehr wiederzuerkennen.�</p><p>�Wohin werden wir skippen?�, fragte Jesse.</p><p>�Zum Phoenix-System�, sagte Alan. �Aber das d�rfte euch nicht weiterhelfen, weil Phoenix der Name des Planeten und nicht des Sterns ist. Es gibt ein Sternbild namens Phoenix&#x25E6;� und zwar genau dort ��&#x25E6;� er zeigte auf eine kleine Sterngruppe&#x25E6;� �aber der Planet Phoenix ist kein Begleiter der betreffenden Sonnen. Wenn mich mein Ged�chtnis nicht tr�gt, befindet er sich im Sternbild Lupus, das ein St�ck weiter n�rdlich steht.� Er zeigte auf eine andere Konstellation aus nicht so hellen Sternen. �Aber von hier aus k�nnen wir das Zentralgestirn nicht mit blo�em Auge erkennen.�</p><p>�Du kennst dich offenbar ziemlich gut am Himmel aus�, sagte Jesse bewundernd.</p><p>�Danke�, sagte Alan. �In j�ngeren Jahren wollte ich Astronom werden, aber Astronomen werden verdammt schlecht bezahlt. Also sattelte ich auf theoretische Physik um.�</p><p>�Gibt es haufenweise Geld daf�r, sich neue subatomare Partikel auszudenken?�, fragte Thomas.</p><p>�Das nicht�, r�umte Alan ein. �Aber ich habe ein Modell entwickelt, mit dessen Hilfe die Firma, f�r die ich arbeitete, ein neues System zur besseren Energieausnutzung bei nautischen Fahrzeugen bauen konnte. Nach dem Motivationsprogramm der Firma stand mir ein Prozent vom Gewinn zu, den dieses System abwarf. Was unter dem Strich mehr Geld war, als ich ausgeben konnte, obwohl ich mir wirklich alle M�he gegeben habe.�</p><p>�Reichtum muss was Nettes sein�, sagte Susan.</p><p>�Es war gar nicht so schlecht�, gab Alan zu. �Obwohl ich jetzt nat�rlich nicht mehr reich bin. Schlie�lich gibt man alles auf, wenn man in die Armee eintritt. Und man verliert auch andere Dinge. Ich meine damit, dass mein Wissen �ber die Sternbilder in etwa einer Minute v�llig �berfl�ssig sein wird. Dort, wo wir hinfliegen, gibt es keinen Orion, keine Ursa Minor und keine Kassiopeia. Es klingt vielleicht bl�d, aber vielleicht werde ich die Sternbilder mehr vermissen als das Geld. Man kann jederzeit neues Geld verdienen. Aber wir kehren nie mehr zur Erde zur�ck. Es ist das letzte Mal, dass ich diese alten Freunde sehe.�</p><p>Susan ging zu Alan und legte ihm den Arm um die Schultern. Harry blickte auf seinen PDA. �Gleich geht es los�, sagte er und z�hlte die verbleibenden Sekunden ab. Als er bei �eins� ankam, blickten wir alle aus dem Fenster.</p><p>Es war ziemlich undramatisch. Eben noch sahen wir einen von Sternen erf�llten Himmel. Im n�chsten Moment sahen wir einen anderen von Sternen erf�llten Himmel. H�tte man in diesem Moment geblinzelt, h�tte man es gar nicht bemerkt. Trotzdem war offensichtlich, dass es sich um einen fremden Himmel handelte. Wir kannten uns zwar nicht so gut aus wie Alan, aber die meisten von uns konnten Orion oder den Gro�en Wagen im Sternengewimmel identifizieren. Doch nun waren sie verschwunden. Es war eine verst�rende Erfahrung, auch wenn ihre Abwesenheit erst auf den zweiten Blick auffiel. Ich blickte zu Alan hin�ber. Er stand da, als w�re er zur Salzs�ule erstarrt, w�hrend Susan seine Hand hielt.</p><p>�Wir drehen uns�, sagte Thomas. Wir beobachteten wie sich die Sterne gegen den Uhrzeigersinn wegdrehten, als die <emphasis>Henry Hudson</emphasis> den Kurs �nderte. Pl�tzlich hing der riesige blaue Arm des Planeten Phoenix �ber uns. Und dar�ber (oder darunter, wenn man uns als Bezugspunkt nahm) schwebte eine Raumstation, die so gewaltig und so betriebsam war, dass wir sie nur verdattert anstarren konnten.</p><p>Es dauerte eine Weile, bis jemand sprach. Zur �berraschung aller war es Maggie. �Schaut euch das an!�, sagte sie.</p><p>Wir alle drehten uns zu ihr um.</p><p>Sie sah uns mit ver�rgerter Miene an. �Ich bin keineswegs <emphasis>stumm</emphasis>�, sagte sie. �Ich rede nur nicht viel. Aber <emphasis>das</emphasis> hier muss man einfach irgendwie kommentieren.�</p><p>�Stimmt�, sagte Thomas und wandte sich wieder dem Fenster zu. �Im Vergleich dazu wirkt die Kolonialstation wie ein Haufen Kotze.�</p><p>�Wie viele Schiffe sind das?�, fragte Jesse.</p><p>�Schwer zu sagen. Dutzende. Vielleicht sogar Hunderte. Ich wusste gar nicht, dass �berhaupt so viele Raumschiffe existieren.�</p><p>�Falls jemand unter uns immer noch der Meinung sein sollte, die Erde sei das Zentrum des von Menschen beherrschten Universums�, sagte Harry, �w�re jetzt ein guter Moment, um diese Ansicht zu revidieren.�</p><p>Wir alle starrten durch das Fenster auf die neue Welt.</p><empty-line/><p>Mein PDA weckte mich um 5.45 Uhr, was ungew�hnlich war, da ich ihn auf 6.00 Uhr gestellt hatte. Der Bildschirm blinkte. Eine Nachricht mit dem Vermerk DRINGEND war eingetroffen. Ich �ffnete sie.</p><empty-line/><cite><p><strong>HINWEIS:</strong></p><p>Von 6.00 bis 12.00 Uhr werden wir f�r alle Rekruten den abschlie�enden k�rperlichen Verbesserungsprozess durchf�hren. Um einen m�glichst z�gigen Ablauf zu gew�hrleisten, m�ssen alle Rekruten in ihren Quartieren bleiben, bis Mitarbeiter eintreffen, um sie zur k�rperlichen Verbesserung abzuholen. Damit der Vorgang reibungslos durchgef�hrt werden kann, werden die T�ren der Quartiere ab 6.00 Uhr verriegelt. Bitte nutzen Sie die verbleibende Zeit, um alle pers�nlichen Angelegenheiten zu regeln, f�r die die Benutzung der Toiletten oder anderer Bereiche au�erhalb Ihres Quartiers erforderlich ist. Sollten Sie nach 6.00 Uhr eine Toilette aufsuchen m�ssen, setzen Sie sich bitte �ber Ihren PDA mit dem Quartiermeister auf Ihrem Deck in Verbindung.</p><p>Sie werden 15 Minuten vor Ihrem Termin benachrichtigt. Sorgen Sie bitte daf�r, dass Sie angekleidet und bereit sind, wenn die Mitarbeiter an Ihrer T�r eintreffen. Das Fr�hst�ck f�llt heute aus; das Mittag- und Abendessen wird zur gewohnten Zeit serviert.</p></cite><empty-line/><p>In meinem Alter muss man mich nicht zweimal auffordern, pinkeln zu gehen. Ich stapfte zur Toilette, um die Angelegenheit zu erledigen, und hoffte, dass ich nicht allzu lange auf meinen Termin warten musste, weil ich nur ungern um Erlaubnis fragte, wenn ich mich sp�ter erneut erleichtern musste.</p><p>Tats�chlich musste ich nicht allzu lange warten. Um 9.00 Uhr informierte mich mein PDA �ber den bevorstehenden Termin, und um 9.15 Uhr klopfte es an meiner T�r, und eine M�nnerstimme rief meinen Namen. Ich �ffnete. Drau�en standen zwei Koloniale. Ich holte mir von ihnen die Erlaubnis zu einem kurzen Zwischenstopp an der Toilette, dann folgte ich ihnen zum Wartezimmer von Dr. Russell. Wenig sp�ter wurde ich aufgefordert, in das Behandlungszimmer zu treten.</p><p>�Mr. Perry, es freut mich, Sie wiederzusehen�, sagte er und streckte mir die Hand entgegen. Die Kolonialen, die mich begleitet hatten, gingen durch eine T�r auf der anderen Seite hinaus. �Bitte gehen Sie zur Diagnoseeinheit.�</p><p>�Als ich es das letzte Mal getan habe, haben Sie mir mehrere tausend Metallst�ckchen in den Sch�del geschossen�, sagte ich. �Verzeihen Sie bitte, wenn ich Ihrer Aufforderung diesmal nur z�gernd Folge leisten kann.�</p><p>�Das verstehe ich�, sagte Dr. Russell. �Doch heute wird die Sache v�llig schmerzfrei ablaufen. Au�erdem stehen wir ein wenig unter Zeitdruck. Wenn ich Sie also bitten d�rfte�� Er deutete auf den Sarkophag.</p><p>Widerstrebend stieg ich hinein. �Wenn ich auch nur das leiseste Kneifen versp�re, werde ich Ihnen die Fresse polieren�, warnte ich ihn.</p><p>�Auch daf�r habe ich Verst�ndnis�, sagte Dr. Russell und schloss die T�r. Ich bemerkte, dass er sie im Gegensatz zum letzten Mal verriegelte. Vielleicht nahm er meine Drohung durchaus ernst. Mir sollte es recht sein. �Wie fanden Sie die letzten Tage, Mr. Perry?�, fragte er mich.</p><p>�Verwirrend und �rgerlich�, sagte ich. �Wenn ich gewusst h�tte, dass ich wie ein Vorschulkind behandelt werde, h�tte ich mich wahrscheinlich nicht zum Milit�rdienst gemeldet.�</p><p>�Ungef�hr das Gleiche sagen fast alle. Also will ich Ihnen etwas genauer erkl�ren, was wir damit bezweckt haben. Wir haben Sie aus zwei Gr�nden mit den Sensoren ausgestattet. Vermutlich haben Sie sich bereits gedacht, dass wir Ihre Hirnaktivit�ten messen, w�hrend Sie bestimmte Handlungen ausf�hren oder Gef�hlszust�nde erleben. Jedes menschliche Gehirn verarbeitet Informationen und Erfahrungen auf sehr �hnliche Weise, aber jeder Mensch benutzt dazu ganz eigene Methoden und Prozesse. Es ist vergleichbar mit der Tatsache, dass wir alle f�nf Finger an jeder Hand haben, aber v�llig individuelle Fingerabdr�cke besitzen. Mit diesen Messungen haben wir versucht, Ihren mentalen Fingerabdruck zu ermitteln. Leuchtet Ihnen das ein?�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Gut. Also wissen Sie jetzt, warum Sie in den vergangenen zwei Tagen recht alberne und bl�de Dinge tun mussten.�</p><p>�Zum Beispiel einer nackten Frau erz�hlen, was an meinem siebten Geburtstag passiert ist.�</p><p>�Durch diesen Test konnten wir sehr viele n�tzliche Informationen gewinnen.�</p><p>�Das leuchtet mir nicht ein.�</p><p>�Dies Sache ist technisch sehr kompliziert�, sagte Dr. Russell. �Jedenfalls haben wir in den letzten Tagen ein ziemlich gutes Bild bekommen, wie die Nervenbahnen in Ihrem Gehirn verdrahtet sind und wie es alle m�glichen Reize verarbeitet. Diese Informationen k�nnen wir als Schablone benutzen.�</p><p>Bevor ich <emphasis>�Als Schablone wof�r?�</emphasis> fragen konnte, fuhr Dr. Russell fort. �Zweitens leisten die Sensoren viel mehr, als nur aufzuzeichnen, was Ihr Gehirn tut. Sie �bermitteln au�erdem ein Echzeitmodell Ihrer Hirnaktivit�t. Oder um es anders auszudr�cken: Sie �bertragen Ihr Bewusstsein. Das ist sehr wichtig, denn im Gegensatz zu bestimmten mentalen Prozessen l�sst sich das Bewusstsein nicht aufzeichnen. Es muss aktiv sein, damit der Transfer funktioniert.�</p><p>�Der Transfer�, sagte ich.</p><p>�Richtig�, sagte Dr. Russell.</p><p>�W�rde es Ihnen etwas ausmachen, wenn ich frage, was, zum Teufel, das alles bedeuten soll?�</p><p>Dr. Russell l�chelte. �Mr. Perry, als Sie den Rekrutierungsvertrag unterschrieben haben, dachten Sie, wir w�rden Sie wieder jung machen, nicht wahr?�</p><p>�Klar. Das denkt jeder. Man kann einen Krieg nicht mit alten Soldaten gewinnen. Trotzdem rekrutieren Sie Greise. Sie m�ssen eine M�glichkeit haben, sie wieder jung zu machen.�</p><p>�Was glauben Sie, wie wir das machen?�, fragte Dr. Russell.</p><p>�Ich wei� es nicht. Mit einer Gentherapie? Mit geklonten Ersatzteilen? Irgendwie tauschen Sie alte gegen neue K�rperteile aus.�</p><p>�Das ist zur H�lfte richtig�, sagte Dr. Russell. �Wir arbeiten tats�chlich mit gentherapeutisch geklontem Ersatzmaterial. Aber wir tauschen nichts aus. Das Einzige, was wir austauschen, sind <emphasis>Sie</emphasis>.�</p><p>�Das verstehe ich nicht.� Mir wurde pl�tzlich sehr kalt, als w�rde mir die Wirklichkeit unter den F��en weggezogen.</p><p>�Ihr K�rper ist alt, Mr. Perry. Er wird nicht mehr allzu lange funktionieren. Es h�tte keinen Sinn, ihn retten oder aufr�sten zu wollen. Daran ist nichts, was wertvoller wird, wenn es altert oder durch Ersatzteile wieder reibungslos funktioniert. Wenn ein menschlicher K�rper altert, altert er einfach nur. Also werden wir ihn entsorgen. Von Ihrem alten K�rper k�nnen wir nichts mehr gebrauchen. Der einzige Teil von Ihnen, den wir behalten werden, ist der einzige Teil, der nicht schlechter geworden ist&#x25E6;� Ihr Geist, Ihr Bewusstsein, Ihre mentale Individualit�t.�</p><p>Dr. Russell ging zur T�r hin�ber, durch die die Kolonialen hinausgegangen waren, und klopfte an. Dann drehte er sich wieder zu mir um. �Schauen Sie sich Ihren K�rper noch mal gut an, Mr. Perry�, sagte er. �Denn Sie m�ssen sich von ihm verabschieden. Sie werden jetzt woanders hingehen.�</p><p>�Wohin werde ich gehen, Dr. Russell?� Ich brachte kaum genug Spucke zusammen, um sprechen zu k�nnen.</p><p>�Hierher�, sagte er und �ffnete die T�r.</p><p>Aus dem Nachbarraum kamen die Kolonialen zur�ck. Einer von ihnen schob einen Rollstuhl, in dem jemand sa�. Ich reckte den Hals, um ihn mir anzusehen. Dann begann ich heftig zu zittern.</p><p>Ich sa� darin.</p><p>Ich vor f�nfzig Jahren.</p></section><section><title><p>5</p></title><p>�Jetzt entspannen Sie sich bitte�, sagte Dr. Russell zu mir.</p><p>Die Kolonialen hatten meine j�ngere Version zum zweiten Sarkophag geschoben und waren nun dabei, den K�rper hineinzubef�rdern. Er, ich oder es leistete keinen Widerstand und war leblos wie eine Leiche&#x25E6;� oder wie jemand im Wachkoma. Ich war fasziniert. Und gleichzeitig entsetzt. Eine leise Stimme in meinem Kopf sagte, dass es gut war, dass ich noch einmal zur Toilette gegangen war, weil ich mich jetzt bestimmt nass gemacht h�tte.</p><p>�Wie�?�, begann ich, doch weiter kam ich nicht. Mein Mund war zu trocken, um sprechen zu k�nnen. Dr. Russell wandte sich an einen der Kolonialen, der ging und kurz darauf mit einem kleinen Becher zur�ckkehrte. Dr. Russell hielt den Becher, w�hrend ich das Wasser trank. Das war gut so, denn ich h�tte es nicht geschafft, ihn in der Hand zu halten.</p><p>�Ein <emphasis>Wie</emphasis> leitet an dieser Stelle f�r gew�hnlich eine von zwei Fragen ein�, sagte er. �Die erste lautet: Wie konnten Sie eine j�ngere Version von mir herstellen? Darauf w�rde ich antworten, dass wir Ihnen vor zehn Jahren eine Genprobe entnommen haben, mit der wir Ihren neuen K�rper hergestellt haben.� Er stellte den Becher weg.</p><p>�Einen Klon�, sagte ich&#x25E6;� endlich konnte ich wieder etwas sagen.</p><p>�Nein. Zumindest nicht ganz. Ihre DNS wurde stark modifiziert. Der gr��te Unterschied m�sste offensichtlich sein&#x25E6;� die Haut Ihres neuen K�rpers.�</p><p>Ich schaute hin�ber und sah sofort, was er meinte. Unter dem ersten Schock der Konfrontation hatte ich die auff�lligste Andersartigkeit v�llig �bersehen.</p><p>�Er ist <emphasis>gr�n</emphasis>�, sagte ich.</p><p>�<emphasis>Sie</emphasis> sind gr�n, meinen Sie�, erwiderte Dr. Russell. �Das hei�t, Sie werden es in etwa f�nf Minuten sein. Damit w�re die erste <emphasis>Wie</emphasis>-Frage beantwortet. Die zweite lautet: Wie soll das mein neuer K�rper werden?� Er zeigt auf meinen gr�nh�utigen Doppelg�nger. �Die Antwort: indem wir Ihr Bewusstsein transferieren.�</p><p>�Wie?�, fragte ich.</p><p>�Indem wir Sie beziehungsweise das Bild Ihrer Hirnaktivit�ten, die von den Sensoren gemessen werden, in Ihr neues Gehirn senden�, erkl�rte Dr. Russell. �Anhand des Gedankenmusters, das wir in den vergangenen Tagen ermittelt haben, wurde Ihr neues Gehirn auf Ihr spezielles Bewusstsein vorbereitet. Wenn wir Sie hin�berschicken, wird es Ihnen recht vertraut vorkommen. Nat�rlich ist das nur die vereinfachte Zusammenfassung des Verfahrens; in Wirklichkeit ist es sehr kompliziert. Aber das muss vorl�ufig reichen. Jetzt wollen wir Sie anschlie�en.�</p><p>Dr. Russell griff nach dem Arm und wollte mir wieder die Schale aufsetzen. Unwillk�rlich bewegte ich den Kopf zur Seite, worauf er innehielt. �Diesmal werden wir Ihnen nichts einpflanzen, Mr. Perry�, sagte er. �Die Injektorkappe wurde durch einen Signalverst�rker ersetzt. Es besteht kein Grund zur Sorge.�</p><p>�Tut mir leid�, sagte ich und brachte meinen Kopf wieder in Stellung.</p><p>�Sie m�ssen sich nicht entschuldigen.� Dr. Russell dr�ckte mir die Schale auf den Sch�del. �Sie nehmen es gelassener als die meisten Rekruten. Der Kerl vor Ihnen hat wie ein abgestochenes Schwein geschrien und ist in Ohnmacht gefallen. Wir mussten ihn bewusstlos transferieren. Bald wird er aufwachen und jung und gr�n und sehr verwirrt sein. Glauben Sie mir, Sie verhalten sich vorbildlich!�</p><p>Ich l�chelte und blickte zum K�rper, der bald mir geh�ren w�rde. �Wo ist seine Kappe?�</p><p>�Er braucht keine.� Dr. Russell tippte etwas in seinen PDA ein. �Wie ich bereits erw�hnte, ist sein K�rper erheblich modifiziert worden.�</p><p>�Das klingt ziemlich unangenehm.�</p><p>�Das werden Sie anders sehen, sobald Sie drinnen sind.� Dr. Russell lie� seinen PDA sinken und wandte sich wieder mir zu. �Gut, wir sind so weit. Ich werde Ihnen jetzt sagen, was als N�chstes geschehen wird.�</p><p>�Bitte.�</p><p>Er zeigte mir den Bildschirm des PDA. �Wenn ich auf diese Taste dr�cke, senden die Sensoren Ihre Hirnaktivit�ten an den Verst�rker. Wenn eine ausreichende Datenmenge gesammelt wurde, verbinde ich diese Einheit mit einem speziellen Computer. Gleichzeitig wird eine �hnliche Verbindung zu Ihrem neuen Gehirn dr�ben ge�ffnet. Wenn die Verbindung steht, senden wir Ihr Bewusstsein in Ihr neues Gehirn. Wenn wir Ihre normale Hirnaktivit�t im neuen Gehirn registrieren, trennen wir die Verbindung. Dann ist es vollbracht. Sie werden ein neues Gehirn und einen neuen K�rper haben. Noch Fragen?�</p><p>�Kommt es vor, dass diese Prozedur fehlschl�gt?�</p><p>�Es sieht Ihnen �hnlich, ausgerechnet diese Frage zu stellen�, sagte Dr. Russell. �Die Antwort lautet: Ja, es kommt vor. Es kann etwas schiefgehen, doch es passiert extrem selten. Ich mache diesen Job seit zwanzig Jahren und habe mehrere tausend Transfers durchgef�hrt, und nur in einem einzigen Fall hat es nicht geklappt. Die betreffende Frau erlitt w�hrend des Transfers einen schweren Schlaganfall. Ihre Hirnmuster wurden chaotisch, und das Bewusstsein lie� sich nicht mehr transferieren. Alle anderen haben es problemlos �berstanden.�</p><p>�Das hei�t, solange ich nicht sterbe, werde ich am Leben bleiben.�</p><p>�Eine interessante Art, es zu formulieren. Aber im Prinzip haben Sie Recht.�</p><p>�Woran erkennen Sie, dass mein Bewusstsein transferiert wurde?�</p><p>�Wir sehen es an den Messwerten.� Dr. Russell tippte gegen seinen PDA. �Und daran, dass Sie es uns sagen werden. Glauben Sie mir, Sie werden es merken, wenn der Transfer vollzogen ist.�</p><p>�Woher wissen <emphasis>Sie</emphasis> es?�, fragte ich. �Haben Sie diese Prozedur schon selber durchgemacht? Den Transfer?�</p><p>Dr. Russell l�chelte. �Sogar schon zweimal.�</p><p>�Aber Sie sind gar nicht gr�n.�</p><p>�Das liegt am zweiten Transfer. Man muss nicht f�r immer gr�n bleiben�, sagte er, fast mit einem wehm�tigen Unterton. Dann blinzelte er und konsultierte wieder seinen PDA. �Ich f�rchte, wir m�ssen die Fragestunde jetzt beenden, Mr. Perry. Nach Ihnen sollen noch weitere Rekruten transferiert werden. Sind Sie bereit?�</p><p>�Nein, verdammt, ich bin nicht bereit. Ich habe Angst, so sehr, dass meine Eingeweide es nicht mehr lange �berstehen werden.�</p><p>�Dann will ich es anders formulieren�, sagte Dr. Russell. �Sind Sie bereit, es hinter sich zu bringen?�</p><p>�Um Gottes willen, ja!�</p><p>�Dann geht es jetzt los�, sagte Dr. Russell und dr�ckte auf die Taste auf seinem PDA.</p><p>Durch den Sarkophag ging ein leichter Sto�, als sich darin etwas einschaltete. Ich blickte zu Dr. Russell. �Der Verst�rker�, sagte er. �Dieser Teil wird etwa eine Minute dauern.�</p><p>Ich brummte als Zeichen, dass ich seine Erkl�rung zur Kenntnis genommen hatte, und richtete die Augen auf mein neues Ich. Es lag reglos im Sarkophag wie eine Wachsfigur, die beim Herstellungsprozess versehentlich mit gr�ner Farbe getr�nkt worden war. Ansonsten sah er genauso aus wie ich vor sehr langer Zeit&#x25E6;� sogar noch besser. Damals war ich nicht gerade der sportlichsten einer gewesen. Diese Version von mir sah jedoch aus, als h�tte er Muskeln wie ein Profischwimmer. Und er hatte tolles, volles Haar!</p><p>Ich konnte mir nicht einmal ansatzweise vorstellen, in diesem K�rper zu stecken.</p><p>�Wir haben jetzt die volle Aufl�sung errreicht�, sagte Dr. Russell. �Ich �ffne die Verbindung.� Er machte etwas mit seinem PDA.</p><p>Ich sp�rte einen kleinen Ruck, dann f�hlte es sich pl�tzlich an, als w�re mein Kopf eine riesige hallende Kammer. �Boh!�, sagte ich.</p><p>�Der Echoeffekt?�, fragte Dr. Russell, und ich nickte. �Das ist der Computer. Ihr Bewusstsein nimmt die leichte Zeitverz�gerung zwischen hier und dort wahr. Kein Grund zur Sorge. Gut, ich stelle jetzt die Verbindung zwischen dem Computer und dem neuen K�rper her.� Wieder tippte er auf den PDA.</p><p>Auf der anderen Seite des Raums �ffnete mein neues Ich die Augen.</p><p>�Das habe ich gemacht�, sagte Dr. Russell.</p><p>�Er hat Augen wie eine Katze�, sagte ich.</p><p>�<emphasis>Sie</emphasis> haben Augen wie eine Katze�, sagte Dr. Russell. �Beide Verbindungen sind klar und ungest�rt. Ich beginne jetzt mit dem Transfer. Sie werden nun eine gewisse Desorientierung versp�ren.� Wieder kam der PDA zum Einsatz �</p><p>�und ich fiel</p><p><emphasis>tiiiiiiieeeeeeef</emphasis> hinunter</p><p>(dabei kam ich mir vor, als w�rde ich durch ein feines Maschengeflecht gedr�ckt werden)</p><p>und Erinnerungen an mein ganzes Leben st�rzten wie eine zusammenbrechende Ziegelmauer auf mich ein</p><p>ein klares bild, wie ich vor dem altar stehe</p><p>wie kathy durch die kirche auf mich zukommt</p><p>wie sich ihr Schuh im saum ihres kleides verhakt</p><p>wie sie leicht stolpert</p><p>und sich geschickt abf�ngt</p><p>wie sie mich l�chelnd anschaut</p><p>als wollte sie sagen</p><p><emphasis>glaubst du so etwas k�nnte mich aufhalten?</emphasis></p><p>*ein weiteres bild von kathy <emphasis>wo zum teufel habe ich die vanille hingetan</emphasis> und dann das klappern als die teigsch�ssel herunterf�llt*</p><p>(mensch kathy!)</p><p>Und dann bin ich wieder ich und starrte benommen in das Behandlungszimmer, und ich schaue genau in Dr. Russels Gesicht und gleichzeitig auf seinen Hinterkopf. Ich denke <emphasis>Mann, toller Trick!</emphasis>, und es kommt mir vor, als h�tte ich gerade in Stereo gedacht.</p><p>Dann wird mir alles klar. Ich bin an zwei Stellen gleichzeitig.</p><p>Ich l�chle und sehe, wie mein altes Ich und mein neues Ich simultan l�cheln.</p><p>�Ich breche gerade die Gesetze der Physik�, sage ich aus zwei M�ndern zu Dr. Russell.</p><p>Und er sagt: �Sie sind drin.�</p><p>Und dann dr�ckt er wieder eine Taste seines verdammten PDA.</p><p>Und dann bin ich nur noch in einfacher Ausf�hrung vorhanden.</p><p>Der <emphasis>andere</emphasis>. Ich wei� es, weil ich nicht mehr auf mein neues Ich schaue, sondern auf mein altes.</p><p>Und er sieht mich an, als w�re ihm soeben klar geworden, dass etwas sehr Seltsames geschehen ist.</p><p>Und dann scheint der Blick zu sagen: <emphasis>Ich werde nicht mehr gebraucht</emphasis>.</p><p>Und dann schlie�t er die Augen.</p><empty-line/><p>�Mr. Perry�, sagte Dr. Russell. Dann wiederholte er es, und schlie�lich schlug er mir leicht auf die Wange.</p><p>�Ja�, antwortete ich. �Entschuldigung. Jetzt bin ich da.�</p><p>�Wie lautet Ihr vollst�ndiger Name?�</p><p>Ich dachte etwa eine Sekunde dar�ber nach. �John Nicholas Perry.�</p><p>�Wann haben Sie Geburtstag?�</p><p>�Am zehnten Juni.�</p><p>�Wie lautet der Name Ihrer Klassenlehrerin in der zweiten Klasse?�</p><p>Ich sah Dr. Russell an. �Mein Gott, daran konnte ich mich nicht einmal erinnern, als ich noch meinen alten K�rper hatte.�</p><p>Dr. Russell l�chelte. �Willkommen in Ihrem neuen Leben, Mr. Perry. Sie haben die Prozedur mit Bravur �berstanden.� Er entriegelte die T�r des Sarkophags und lie� sie weit aufschwingen. �Kommen Sie bitte heraus.�</p><p>Ich legte meine H�nde&#x25E6;� meine gr�nen H�nde&#x25E6;� an die Seiten des Sarkophags und hievte mich heraus. Ich stellte den rechten Fu� auf den Boden und wankte leicht. Dr. Russell trat neben mich, um mich zu st�tzen. �Vorsichtig�, sagte er. �Sie waren in letzter Zeit ein wesentlich �lterer Mann. Es wird eine Weile dauern, bis Sie sich daran erinnert haben, wie sich ein j�ngerer K�rper anf�hlt.�</p><p>�Wie meinen Sie das?�</p><p>�Zum Beispiel k�nnen Sie jetzt wieder gerade stehen.�</p><p>Er hatte Recht. Ich stand leicht nach vorn gebeugt (Kinder, trinkt eure Milch!), doch dann richtete ich mich auf und ging einen weiteren Schritt. Und noch einen. Sehr gut, ich wusste noch, wie man lief. Ich strahlte wie ein Schuljunge, als ich quer durch den Raum stapfte.</p><p>�Wie f�hlen Sie sich?�, wollte Dr. Russell wissen.</p><p>�Vor allem f�hle ich mich <emphasis>jung</emphasis>�, sagte ich, aber nur mit wenig �berschw�nglichkeit.</p><p>�Mit Recht�, sagte Dr. Russell. �Dieser K�rper hat ein biologisches Alter von zwanzig Jahren. In Wirklichkeit ist er noch wesentlich j�nger, da wir sie heutzutage sehr schnell heranwachsen lassen k�nnen.�</p><p>Ich machte versuchsweise einen Sprung und kam mir wie ein Gummiball vor. �Ich bin nicht einmal alt genug, um wieder Alkohol trinken zu d�rfen.�</p><p>�Drinnen sind Sie immer noch f�nfundsiebzig.�</p><p>Ich h�rte mit dem Springen auf und ging zu meinem alten K�rper, der immer noch im Sarkophag lag. Er sah traurig und eingefallen aus, wie ein alter Koffer. Ich legte eine Hand an mein altes Gesicht. Es war immer noch warm, ich sp�rte einen Atemhauch. Ich zuckte zusammen.</p><p>�Er lebt noch!�, sagte ich und wich zur�ck.</p><p>�Er ist hirntot�, sagte Dr. Russell schnell. �Alle Ihre kognitiven Funktionen wurden transferiert. Unmittelbar danach habe ich das Gehirn abgeschaltet. Der K�rper arbeitet nur noch vegetativ&#x25E6;� die Lungen atmen, und das Herz schl�gt, aber viel mehr passiert nicht. Eine reine Vorsichtsma�nahme. Wenn man sich nicht um ihn k�mmern w�rde, w�re er in ein paar Tagen tot.�</p><p>Ich wagte mich wieder n�her an meinen alten K�rper heran. �Was wird mit ihm passieren?�</p><p>�Wir werden ihn eine Weile einlagern�, sagte Dr. Russell. �Mr. Perry, ich hetze nur ungern, aber es wird Zeit, dass Sie in Ihr Quartier zur�ckkehren, damit ich meine Arbeit mit dem n�chsten Rekruten fortsetzen kann. Bis Mittag habe ich noch etliche auf der Warteliste.�</p><p>�Ich h�tte sehr viele Fragen zu meinem neuen K�rper.�</p><p>�Wir haben eine Brosch�re vorbereitet�, sagte Dr. Russell. �Ich habe sie auf Ihren PDA �berspielen lassen.�</p><p>�Oh. Danke.�</p><p>�Keine Ursache.� Dr. Russell zeigte auf die Kolonialen. �Diese M�nner werden Sie in Ihr Quartier zur�ckbringen. Noch einmal herzlichen Gl�ckwunsch.�</p><p>Ich ging zu den Kolonialen, und wir wandten uns der T�r zu. Dann blieb ich noch einmal stehen. �Einen Moment. Ich habe etwas vergessen.� Ich kehrte zu meinem alten K�rper zur�ck, der immer noch im Sarkophag lag, dann drehte ich mich zu Dr. Russell um. �Ich w�rde gerne die T�r �ffnen.� Der Arzt nickte. Ich entriegelte die T�r und machte sie auf. Ich hob die linke Hand meines alten Ichs. Am Ringfinger steckte ein einfacher Goldring. Ich zog ihn ab und steckte ihn auf meinen Ringfinger. Dann legte ich die H�nde um mein altes Gesicht.</p><p>�Danke�, sagte ich zu mir. �Danke f�r alles.�</p><p>Dann verlie� ich zusammen mit den Kolonialen den Raum.</p><empty-line/><cite><subtitle>IHR NEUES ICH</subtitle><subtitle>Eine Vorstellung Ihres neuen K�rpers</subtitle><subtitle>F�r Rekruten der Kolonialen Verteidigungsarmee</subtitle><subtitle>Von der Abteilung Koloniale Genetik</subtitle><subtitle>Die seit zwei Jahrhunderten bessere K�rper baut!</subtitle></cite><p>[Das stand auf der Titelseite der Brosch�re, die ich mit meinem PDA abrufen konnte. Dazu m�ssen Sie sich als Illustration die ber�hmte Studie des menschlichen K�rpers von da Vinci vorstellen, allerdings mit einem gr�nen Mann in der Mitte. Aber das nur nebenbei.]</p><empty-line/><cite><p>Inzwischen haben Sie Ihren neuen K�rper von der Kolonialen Verteidigungsarmee erhalten. Herzlichen Gl�ckwunsch! Ihr neuer K�rper ist das Endergebnis jahrzehntelanger Arbeit von Wissenschaftlern und Ingenieuren aus der Abteilung Koloniale Genetik, und er wurde f�r die strengen Anforderungen des KVA-Dienstes optimiert. Dieses Dokument soll Ihnen eine kurze Einf�hrung in die wichtigsten Eigenschaften und Funktionen Ihres neuen K�rpers geben und beantwortet einige der h�ufigsten Fragen, die von Rekruten zu ihrem neuen K�rper gestellt werden.</p><empty-line/><subtitle>NICHT NUR EIN NEUER K�RPER- EIN <emphasis>BESSERER</emphasis> K�RPER</subtitle><p>Ihnen ist zweifellos die gr�nliche Hautfarbe Ihres neuen K�rpers aufgefallen. Das ist keineswegs nur eine kosmetische Angelegenheit. Ihre neue Haut (KloraDerm�) enth�lt Chorophyll. Das bedeutet, Ihr K�rper verf�gt �ber eine zus�tzliche Energiequelle und ist in der Lage, sowohl Sauerstoff als auch Kohlendioxid optimal zu nutzen. Die Folge: Sie f�hlen sich l�nger fit und sind besser in der Lage, Ihre Pflichten als Mitglied der KVA auszuf�hren! Das ist jedoch nur eine von mehreren Verbesserungen, die Sie an Ihrem neuen K�rper bemerken werden. Hier ein paar weitere:</p><p>-�Ihr Blut wurde durch SmartBlood� ersetzt, ein revolution�res System mit einer um den Faktor vier gesteigerten F�higkeit, Sauerstoff zu transportieren, w�hrend es Ihren K�rper gleichzeitig vor Krankheiten, Giftstoffen und Tod durch Blutverlust sch�tzt!</p><p>-�Unsere patentierte CatsEye�-Technologie verleiht Ihnen ein Sehverm�gen, das Sie sehen m�ssen, um es zu glauben! Eine erh�hte Zahl von St�bchen und Z�pfchen erm�glicht Ihnen eine erheblich bessere Bildaufl�sung, als sie von den meisten nat�rlichen Systemen erreicht wird. Zus�tzlich erm�glichen Ihnen speziell abgestimmte Lichtverst�rker, auch unter minimalen Beleuchtungsverh�ltnissen gut zu sehen.</p><p>-�UncommonSense�, ein Paket zur Verbesserung von Sinneswahrnehmungen, l�sst Sie h�ren, riechen, schmecken und f�hlen, wie Sie es nie zuvor erlebt haben. Durch optimierte Nervenanordnung wird das Spektrum Ihrer Wahrnehmungsf�higkeit in jeder Hinsicht erweitert. Sie werden den Unterschied vom ersten Tag an sp�ren.</p><p>-�Wie stark w�ren Sie gerne? Mit der HardArm�-Technologie, die Ihre nat�rliche Muskelkraft und Reaktionszeit steigert, werden Sie st�rker und schneller sein, als Sie in Ihren k�hnsten Tr�umen f�r m�glich gehalten h�tten&#x25E6;� so stark und schnell, dass es der Kolonialen Genetik gesetzlich nicht erlaubt ist, dieses Produkt auf dem freien Markt zu verkaufen. Das ist ein echter Bonus f�r unsere Rekruten!</p><p>-�Nie mehr ohne Verbindung! Sie k�nnen Ihren BrainPal�-Computer niemals verlieren, weil er in Ihr Gehirn eingebaut ist. Unser patentierter Adaptiver Interface-Assistent (AIA) arbeitet mit Ihnen, sodass Sie ganz nach Ihren W�nschen auf Ihren BrainPal� zugreifen k�nnen. Ihr BrainPal� k�mmert sich au�erdem um die Koordinierung der Funktionen von SmartBlood� und anderer nichtorganischer Technologien in Ihrem neuen K�rper. Die Mitarbeiter der KVA schw�ren auf diese atemberaubende Technik&#x25E6;� und Sie werden es auch tun.</p><empty-line/><subtitle>DIE ENTWICKLUNG IHRES BESSEREN ICHS</subtitle><p>Es d�rfte f�r Sie zweifellos erstaunlich sein, wozu Ihr neuer K�rper imstande ist. Vielleicht haben Sie sich schon gefragt, wie er entwickelt wurde. M�glicherweise interessiert es Sie, dass Ihr K�rper nur das neueste Modell einer langen Serie von st�ndig verbesserten K�rpern ist, die von der Abteilung Koloniale Genetik designt wurden. In unserer Markentechnologie nutzen wir sowohl genetische Informationen von anderen Spezies als auch neue Fortschritte in der miniaturisierten Robotik, um Ihren neuen K�rper zu verbessern. Es ist harte Arbeit, aber Sie werden froh sein, dass wir uns solche M�he gemacht haben!</p><p>Seit unseren ersten Durchbr�chen vor fast zwei Jahrhunderten haben wir kontinuierlich an unseren Produkten weitergearbeitet. Bevor wir �nderungen und Verbesserungen umsetzen, testen wir sie mit Hilfe von leistungsf�higen Computermodellen, um die Auswirkung jeder Modifikation auf das gesamte K�rpersystem zu simulieren. Die Verbesserungen, die diesen Test bestehen, werden anschlie�end an biologischen Modellen ausprobiert. Erst danach kommt eine Modifikation in den neuen K�rpern zum Einsatz und wird in das Ausgangsmaterial, das Sie mit Ihrer DNS zur Verf�gung stellen, integriert. Sie k�nnen also beruhigt sein: Jedes System Ihres neuen K�rpers ist gr�ndlich getestet und sicher und wird ein besseres Ich aus Ihnen machen!</p><empty-line/><subtitle>H�UFIG GESTELLTE FRAGEN ZU IHREM NEUEN K�RPER</subtitle><p><emphasis>1. Hat mein neuer K�rper einen Markennamen?</emphasis></p><p>Ja! Ihr neuer K�rper tr�gt die Typenbezeichnung Defender-Serie XII, Modell �Herkules�. Die interne Bezeichnung lautet KG/ KVA Modell 12, Version 1.2.11. Dieses Modell kommt ausschlie�lich in der Kolonialen Verteidigungsarmee zum Einsatz. Dar�ber hinaus ist jeder K�rper mit einer Seriennummer versehen, die f�r Wartungszwecke ben�tigt wird. Sie k�nnen Ihre pers�nliche Seriennummer �ber Ihren BrainPal� abrufen. Aber keine Sorge, im allt�glichen Leben k�nnen Sie weiterhin Ihren gewohnten Personennamen benutzen!</p><empty-line/><p><emphasis>2. Altert mein neuer K�rper?</emphasis></p><p>Die K�rper der Defender-Serie sind darauf ausgelegt, w�hrend der gesamten Betriebsdauer optimale Leistungen im Dienst der KVA zu erbringen. Dazu wurden fortschrittliche genetische Regenerationstechniken eingebaut, um der nat�rlichen Entropie entgegenzuwirken. Wenn Ihr K�rper regelm��ig gewartet wird, bleibt er praktisch unbegrenzt in Topform. Au�erdem werden Sie feststellen, dass Verletzungen und Behinderungen sehr schnell behoben werden. Das hei�t, Sie werden in k�rzester Zeit wieder auf den Beinen sein!</p><empty-line/><p><emphasis>3. Kann ich diese erstaunlichen Verbesserungen an meine Kinder weitergeben?</emphasis></p><p>Nein. Ihr K�rper und die integrierten biologischen und technischen Systeme sind Patente der Abteilung Koloniale Genetik, die nicht ohne Genehmigung weitergegeben werden d�rfen. Aufgrund der umfangreichen Verbesserungen an der Defender-Serie ist die DNS nicht mehr mit dem Erbgut unmodifizierter Menschen kompatibel, sodass bei einer Fortpflanzung keine �berlebensf�higen Embryos entstehen, wie Labortests ergeben haben. Dar�ber hinaus hat die KVA bestimmt, dass die F�higkeit zur Weitergabe genetischer Informationen f�r ihre Mitarbeiter nicht von Belang ist. Deshalb sind alle Modelle der Defender-Serie unfruchtbar. Sonstige sexuelle Funktionen sind jedoch in vollem Umfang verf�gbar.</p><empty-line/><p><emphasis>4. Ich bin verunsichert, was die theologischen Konsequenzen des Lebens in einem neuen K�rper betrifft. Was sollte ich tun?</emphasis></p><p>Die Abteilung Koloniale Genetik sowie die KVA vertritt keinen offiziellen Standpunkt hinsichtlich der theologischen oder psychologischen Aspekte, die mit dem Transfer eines Bewusstseins in einen anderen K�rper verbunden sein k�nnen. Doch uns ist bewusst, dass viele Rekruten Fragen zu diesem Thema haben. Jeder Rekrutentransporter wird von geistlichem Personal begleitet, das die meisten gr��eren Religionsgemeinschaften der Erde vertritt. Zus�tzlich kann der Rat psychologischer Therapeuten in Anspruch genommen werden. Wir empfehlen Ihnen, Kontakt aufzunehmen und einen Gespr�chstermin zu vereinbaren.</p><empty-line/><p><emphasis>5. Wie lange werde ich in meinem neuen K�rper bleiben?</emphasis></p><p>Die K�rper der Defender-Serie sind ausschlie�lich f�r den Dienst in der KVA bestimmt. Solange Sie der KVA angeh�ren, k�nnen Sie die technischen und biologischen M�glichkeiten dieses neuen K�rpers benutzen und genie�en. Wenn Sie die KVA verlassen, wird man Ihnen einen neuen unmodifizierten K�rper zur Verf�gung stellen, der nach Ihrer originalen DNS geklont ist.</p><empty-line/><p>Alle Mitarbeiter der Abteilung Koloniale Genetik m�chten Sie zu Ihrem neuen K�rper begl�ckw�nschen! Er wird Ihnen w�hrend Ihrer Dienstzeit in der Kolonialen Verteidigungsarmee gute Dienste leisten. Danke, dass Sie bereit sind, den Kolonien zu dienen- und viel Spa� mit Ihrem neuen K�rper!</p></cite><empty-line/><p>Ich legte den PDA weg, ging zum Waschbecken meines Quartiers hin�ber und schaute mir im Spiegel mein neues Gesicht an.</p><p>Am auff�lligsten waren die Augen. Mein alter K�rper hatte braune Augen gehabt&#x25E6;� matschbraun, aber mit ein paar interessanten goldenen Tupfern. Kathy wies mich immer wieder darauf hin, dass sie gelesen h�tte, diese Farbflecken in der Iris w�ren einfach nur Fettablagerungen. Ich hatte also verfettete Augen.</p><p>Wenn meine alten Augen fett waren, waren die neuen eindeutig extrem korpulent. Au�erhalb der Pupille waren sie golden, nur am Rand kam eine leichte Gr�nschattierung hinzu. Die Umrandung der Iris war ein tiefes Smaragdgr�n, mit kleinen Zacken in dieser Farbe, die auf die Pupille zielten. Die Pupillen selbst waren geschlitzt und hatten sich im hellen Licht der Lampe �ber dem Spiegel zusammengezogen. Ich schaltete diese Lampe aus, dann auch die Deckenbeleuchtung des Quartiers. Jetzt war eine kleine Leuchtdiode am PDA die einzige Lichtquelle im ganzen Raum. F�r meine alten Augen w�re die Umgebung damit stockfinster gewesen.</p><p>Meine neuen Augen brauchten nur einen kurzen Moment, um sich daran anzupassen. Ich nahm das Zimmer als recht dunkel wahr, aber ich konnte jeden Gegenstand deutlich erkennen. Ich ging zum Spiegel zur�ck und sah, dass sich meine Pupillen erweitert hatten, als h�tte man mir eine �berdosis Belladonna verabreicht. Ich schaltete die Lampe �ber dem Spiegel wieder ein und beobachtete, wie sich meine Pupillen mit erstaunlicher Schnelligkeit zusammenzogen.</p><p>Ich zog mich aus und schaute mir meinen K�rper zum ersten Mal in aller Ruhe an. Der erste Eindruck von meiner Figur erwies sich als korrekt. Ich wei� nicht, wie ich es besser ausdr�cken soll: Ich hatte einen Traumk�rper! Ich strich mit der Hand �ber meine Brust und den Waschbrettbauch. So fit und athletisch war ich in meinem ganzen Leben noch nie gewesen. Ich hatte keine Ahnung, wie sie es geschafft hatten, mich so gut in Schuss zu bringen. Ich fragte mich, wie lange es dauern w�rde, um wieder so wabbelig zu werden, wie ich in meinen Zwanzigern wirklich gewesen war. Dann �berlegte ich, ob es �berhaupt m�glich war, dass dieser K�rper wabbelig wurde, wenn man bedachte, was sie alles mit der DNS angestellt hatten. Ich hoffte, dass ich so bleiben w�rde, wie ich war. Denn mein neues Ich gefiel mir ausgezeichnet.</p><p>Au�erdem war ich von den Augenbrauen abw�rts v�llig haarlos.</p><p>Ich meine, ich hatte ansonsten wirklich kein einziges Haar am K�rper. Glatte Arme, glatte Beine, glatter R�cken (nicht dass er nie zuvor <emphasis>nicht</emphasis> glatt gewesen w�re, �hem) und glatte Geschlechtsteile. Ich rieb mir das Kinn, ob irgendwo der Ansatz von Bartstoppeln zu sp�ren war. So glatt wie ein Babypopo. Oder wie mein eigener jetzt war. Ich blickte auf mein Gem�cht. Wenn ich ehrlich war, wirkte es ohne Haare etwas verloren. Meine Kopfbehaarung war voll und von einem unauff�lligen Braun. Das war keine besondere Ver�nderung gegen�ber meiner vorherigen Inkarnation.</p><p>Ich hob eine Hand, um mir die Hautfarbe etwas genauer anzusehen. Es war ein Gr�nton, der recht hell, aber nicht grell war. Das war in Ordnung. Ich h�tte es nicht ertragen, wenn ich lindgr�n gewesen w�re. Am ganzen K�rper wies die Haut einen gleichm��igen Farbton auf, nur die Brustwarzen und die Spitze meines Penis waren ein wenig dunkler. Im Wesentlichen schien mein K�rper die gleichen Farbkontraste aufzuweisen wie zuvor, nur eben in einem anderen Farbton. Und ich bemerkte noch etwas: Meine Venen waren auff�lliger als fr�her, und sie waren eher grau. Ich wusste nicht, welche Farbe SmartBlood� hatte, aber ich vermutete, dass es nicht blutrot war.</p><p>Ich zog mich wieder an.</p><p>Mein PDA piepte mich an. Ich warf einen Blick auf den Bildschirm. Ich hatte eine Nachricht erhalten.</p><p><emphasis>Sie haben nun Zugang zu Ihrem BrainPal�-Computersystem</emphasis>, stand dort. <emphasis>M�chten Sie es jetzt aktivieren?</emphasis> Darunter waren zwei Felder f�r JA und NEIN. Ich dr�ckte auf JA.</p><p>Pl�tzlich ert�nte eine tiefe, volle Stimme aus dem Nichts. Ich h�tte fast einen Herzanfall bekommen&#x25E6;� falls mein neuer K�rper jemals einen Herzanfall bekommen konnte.</p><p>�Hallo!�, sagte die Stimme. �Sie haben �ber den patentierten Adaptiven Interface-Assistenten Verbindung zu Ihrem internen BrainPal-Computer aufgenommen! Es besteht kein Grund zur Sorge! Mittels der BrainPal-Integration wird die Stimme, die Sie jetzt h�ren, direkt im H�rzentrum Ihres Gehirns generiert.�</p><p><emphasis>Gro�artig</emphasis>, dachte ich. <emphasis>Jetzt habe ich noch eine Stimme im Kopf!</emphasis></p><p>�Nach dieser kurzen Einf�hrungsprozedur k�nnen Sie die Stimme jederzeit abschalten. Wir werden mit ein paar Optionen beginnen, die Sie w�hlen k�nnen, indem Sie mit �Ja� oder �Nein� antworten. In diesem Stadium m�chte Ihr BrainPal Sie bitten, �Ja� und �Nein� zu sagen, wenn Sie dazu aufgefordert werden, damit er Ihr Reaktionsmuster lernen kann. Wenn Sie bereit sind, sprechen Sie bitte das Wort �Ja�.�</p><p>Die Stimme verstummte. Ich z�gerte, leicht benommen von diesem mentalen �berfall.</p><p>�Bitte sagen Sie jetzt �Ja��, wurde ich erneut aufgefordert.</p><p>�Ja!�, sagte ich etwas gereizt.</p><p>�Danke, dass Sie �Ja� gesagt haben. Jetzt sagen Sie bitte �Nein�.�</p><p>�Nein�, sagte ich und fragte mich f�r einen kurzen Moment, ob der BrainPal� meinen k�nnte, ich h�tte seine Aufforderung verneint, worauf er eingeschnappt reagierte und mein Gehirn im eigenen Saft braten lie�.</p><p>�Danke, dass Sie �Nein� gesagt haben�, sagte die Stimme und outete sich damit als Pedant. �Nach einiger Zeit werden Sie diese Befehle nicht mehr laut aussprechen m�ssen, damit Ihr BrainPal darauf reagiert. Doch vorl�ufig m�chten Sie vielleicht sogar lieber verbal kommunizieren, w�hrend Sie sich mit Ihrem BrainPal vertraut machen. Zum jetzigen Zeitpunkt haben Sie die Option, per Audio oder im Textmodus fortzufahren. M�chten Sie lieber auf den Textmodus umschalten?�</p><p>�Ich bitte darum�, sagte ich.</p><p><emphasis>Wir fahren nun im Textmodus fort</emphasis>, erschien eine Zeile, die genau in meinem Blickfeld hing. Der Text hatte einen optimalen Kontrast zu dem, was sich in meinem Blickfeld befand. Ich drehte den Kopf, doch der Text wanderte mit, und der Kontrast passte sich perfekt dem Hintergrund an, ganz gleich, worauf ich blickte, damit er jederzeit gut zu lesen war. Wahnsinn!</p><p><emphasis>Es wird empfohlen, dass Sie sich setzen, um die Verletzungsgefahr zu verringern, bis Sie sich mit dem Textmodus vertraut gemacht haben</emphasis>, schrieb der BrainPal. <emphasis>Setzten Sie sich jetzt bitte.</emphasis></p><p>Ich setzte mich.</p><p><emphasis>W�hrend Sie sich mit Ihrem BrainPal vertraut machen, werden Sie feststellen, dass Ihnen die verbale Kommunikation leichter f�llt. Um dem BrainPal zu erm�glichen, Ihre Fragen zu verstehen, muss er lernen, Ihre Stimme zu erkennen. Bitte sprechen Sie der Reihe nach die folgenden Phoneme aus.</emphasis></p><p>In meinem Sichtfeld erschien eine Liste von Phonemen, die ich von links nach rechts vorlas. Dann lie� mich der BrainPal ein paar kurze S�tze sprechen. Ich tat ihm den Gefallen.</p><p><emphasis>Vielen Dank</emphasis>, schrieb der BrainPal. <emphasis>Ihr BrainPal� ist nun in der Lage, gesprochene Anweisungen von Ihnen entgegenzunehmen. M�chten Sie Ihren BrainPal� nun personalisieren?</emphasis></p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p><emphasis>Viele BrainPal�-Nutzer finden es w�nschenswert, ihrem BrainPal� einen pers�nlichen Namen zu geben. M�chten Sie Ihrem BrainPal� jetzt einen pers�nlichen Namen geben?</emphasis></p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p><emphasis>Bitte sprechen Sie den Namen, den Sie Ihrem BrainPal� geben m�chten.</emphasis></p><p>�Arschloch�, sagte ich.</p><p><emphasis>Sie haben �Arschloch� gew�hlt</emphasis>, schrieb der BrainPal, und er hatte den Namen sogar richtig geschrieben. <emphasis>Viele Rekruten w�hlen diesen Namen f�r ihren BrainPal�. M�chten Sie einen anderen Namen w�hlen?</emphasis></p><p>�Nein�, sagte ich und war stolz darauf, dass so viele andere Rekruten ihrem BrainPal �hnliche Gef�hle entgegenbrachten wie ich.</p><p><emphasis>Ihr pers�nlicher BrainPal� hei�t nun Arschloch</emphasis>, schrieb der BrainPal. <emphasis>Sie k�nnen diesen Namen jederzeit �ndern. Nun m�ssen Sie noch eine Anrede w�hlen, mit der Sie Zugang zu Arschloch erhalten. Arschloch ist zwar die ganze Zeit aktiv, aber er wird nur auf Befehle reagieren, nachdem er aktiviert wurde. Bitte w�hlen Sie eine m�glichst kurze Phrase. Arschloch schl�gt Ihnen �Arschloch aktivieren� vor, aber Sie d�rfen selbstverst�ndlich eine andere Anrede w�hlen. Bitte sprechen Sie jetzt die Aktivierungsanrede.</emphasis></p><p>�He, Arschloch�, sagte ich.</p><p><emphasis>Sie haben �He, Arschloch� gew�hlt. Bitte wiederholen Sie die Anrede, um zu best�tigen.</emphasis></p><p>Ich tat es. Dann forderte er mich auf, eine Deaktivierungsanrede zu w�hlen. Ich entschied mich (selbstredend) f�r �Verpiss dich, Arschloch.�</p><p><emphasis>M�chten Sie, dass Arschloch von sich selbst in der ersten Person redet?</emphasis></p><p>�Aber sicher�, sagte ich.</p><p><emphasis>Ich bin Arschloch.</emphasis></p><p>�V�llig richtig.�</p><p><emphasis>M�chten Sie, dass Arschloch Sie weiterhin siezt, oder ziehen Sie eine vertraulichere Anrede vor?</emphasis></p><p>�Mit einem Arschloch bin ich grunds�tzlich per du.�</p><p><emphasis>Ich interpretiere diese Antwort als Entscheidung f�r die vertrauliche Anrede. Ich warte auf deine Befehle oder Fragen.</emphasis></p><p>�Bist du intelligent?�, fragte ich.</p><p><emphasis>Ich bin mit einem nat�rlichen Sprachprozessor und anderen Systemen ausgestattet, um gesprochene S�tze verstehen und darauf antworten zu k�nnen. Diese F�higkeit erweckt h�ufig den Eindruck von Intelligenz, vor allem in Verbindung mit gr��eren Computernetzwerken. Das BrainPal�-System ist jedoch nicht im engeren Sinne intelligent. Dies ist zum Beispiel eine automatische Antwort, auf eine h�ufig gestellte Frage.</emphasis></p><p>�Wie verstehst du mich?�</p><p><emphasis>In diesem Stadium reagiere ich auf deine Stimme</emphasis>, schrieb Arschloch. <emphasis>W�hrend du sprichst, beobachte ich die Aktivit�ten deines Gehirns und lerne, wie es sich verh�lt, wenn du mit mir kommunizieren m�chtest. Nach einiger Zeit werde ich dich verstehen, ohne dass du sprichst. Und du wirst lernen, mich ohne bewusste auditive oder visuelle Hilfsmittel zu benutzen.</emphasis></p><p>�Was kannst du alles?�, fragte ich.</p><p><emphasis>Ich besitze eine gro�e Zahl von F�higkeiten. M�chtest du eine strukturierte Liste sehen?</emphasis></p><p>�Bitte�, sagte ich.</p><p>Vor meinen Augen erschien eine lange Liste. <emphasis>Um die Unterkategorien einzusehen, w�hle bitte eine Hauptkategorie aus und sage �[Kategorie] erweitern�. Um eine Aktion auszuf�hren, sage bitte �[Kategorie] �ffnen�.</emphasis></p><p>Ich las die Liste. Offenbar gab es nur sehr wenig, wozu Arschloch nicht f�hig war. Er konnte Nachrichten an andere Rekruten schicken. Er konnte Berichte abrufen. Er konnte Musikst�cke oder Videos abspielen. Er beherrschte verschiedene Spiele. Er konnte jedes Dokument eines angeschlossenen Systems aufrufen. Er konnte unvorstellbare Datenmengen speichern. Er konnte komplizierte Berechnungen durchf�hren. Er konnte k�rperliche Krankheiten diagnostizieren und Behandlungsvorschl�ge machen. Er konnte ein lokales Netzwerk zwischen verschiedenen BrainPal-Nutzern herstellen. Er konnte aus mehreren hundert menschlichen und etlichen au�erirdischen Sprachen simultan �bersetzen. Er konnte sogar multimediale Informationen �ber jeden anderen BrainPal-Nutzer liefern. Ich w�hlte diese Option. Ich erkannte mich selbst kaum wieder. Ich war mir nicht einmal sicher, ob ich jemand anderen von den Alten Schei�ern wiedererkennen w�rde. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass es �u�erst n�tzlich war, ein kleines Arschloch im Kopf zu haben.</p><p>Ich h�rte, wie sich die T�r zu meinem Quartier entriegelte. Ich blickte auf. �He, Arschloch�, sagte ich. �Wie sp�t ist es?�</p><p><emphasis>Es ist genau 12.00 Uhr</emphasis>, schrieb Arschloch. Ich hatte gute anderthalb Stunden damit zugebracht, mich mit ihm vertraut zu machen. Aber jetzt reichte es. Ich war bereit, wieder mit realen Menschen umzugehen.</p><p>�Verpiss dich, Arschloch�, sagte ich.</p><p><emphasis>Auf Wiederh�ren</emphasis>, schrieb Arschloch. Der Text verschwand, sobald ich ihn gelesen hatte.</p><p>Es klopfte an der T�r. Ich ging hin�ber und machte sie auf. Ich konnte mir vorstellen, dass es Harry war. Wie er wohl aussehen mochte?</p><p>Er sah wie eine hinrei�ende Br�nette mit dunkler (also eher olivgr�ner) Haut und langen Beinen aus.</p><p>�Du bist nicht Harry.� Etwas Intelligenteres fiel mir leider nicht ein.</p><p>Die Br�nette musterte mich von oben bis unten. �John?�, sagte sie schlie�lich.</p><p>Ich starrte sie eine Sekunde lang verst�ndnislos an, dann wurde mir alles klar&#x25E6;� unmittelbar bevor die Identit�tsdaten geisterhaft vor meinen Augen schwebten. �Jesse�, sagte ich.</p><p>Sie nickte. Ich starrte sie an. Ich �ffnete den Mund, um etwas zu sagen. Sie griff nach meinem Kopf und k�sste mich so wild, dass ich r�ckw�rts ins Zimmer taumelte. Sie schaffte es, die T�r mit einem Fu�tritt zu schlie�en, w�hrend wir zu Boden gingen. Ich war beeindruckt.</p><p>Ich hatte l�ngst vergessen, wie leicht es f�r einen jungen Mann war, eine Erektion zu bekommen.</p></section><section><title><p>6</p></title><p>Ich hatte auch vergessen, wie <emphasis>oft</emphasis> ein junger Mann eine Erektion bekommen kann.</p><empty-line/><p>�Fass es bitte nicht falsch auf�, sagte Jesse, als sie nach dem dritten (!) Mal auf mir lag. �Aber ich f�hle mich eigentlich gar nicht so sehr zu dir hingezogen.�</p><p>�Gott sei Dank�, sagte ich. �Andernfalls w�re jetzt gar nichts mehr von mir �brig.�</p><p>�Versteh mich nicht falsch�, sagte Jesse. �Ich mag dich. Selbst vor der �� Sie wedelte mit der Hand, w�hrend sie nach einem Begriff suchte, der eine Verj�ngung durch eine totale K�rpertransplantation zusammenfasste. �Selbst vor der Ver�nderung warst du ein intelligenter und angenehmer Zeitgenosse. Ein guter Freund.�</p><p>�Wei�t du, Jesse�, sagte ich, �normalerweise h�lt man die Lass-uns-gute-Freunde-sein-Rede, um <emphasis>keinen</emphasis> Sex miteinander zu haben.�</p><p>�Ich m�chte nur vermeiden, dass du dir falsche Vorstellungen machst, worum es hier geht.�</p><p>�Ich hatte den Eindruck, dass es darum geht, auf wundersame Weise in einen zwanzigj�hrigen K�rper versetzt zu werden und das so toll zu finden, dass man unbedingt wilden Sex mit dem ersten Menschen haben m�chte, der einem �ber den Weg l�uft.�</p><p>Jesse starrte mich eine Sekunde lang an, dann brach sie in schallendes Gel�chter aus. �Ja! Genau das ist es. Obwohl es in meinem Fall der zweite Mensch war. Ich teile mein Zimmer mit jemandem, wie du dich vielleicht erinnerst.�</p><p>�Richtig. Wie sieht Maggie jetzt aus?�</p><p>�Frag nicht�, sagte Jesse. �Neben ihr wirke ich wie ein gestrandeter Wal.�</p><p>Ich strich mit den H�nden �ber ihren K�rper. �Das w�re dann aber ein ziemlich h�bscher gestrandeter Wal, Jesse.�</p><p>�Ich wei�!� Jesse setzte sich unvermittelt auf mir auf. Sie hob die Arme und verschr�nkte sie hinter dem Kopf, wobei sich ihre auch ansonsten wunderbar vollen und festen Br�ste reckten. Ich sp�rte, wie sich die Innenseiten ihrer Schenkel erw�rmten, mit denen sie meine H�ften umschloss. Ich hatte im Augenblick zwar keine Erektion, aber ich sp�rte, dass sich bereits die n�chste ank�ndigte. �Schau mich an�, forderte sie mich �berfl�ssigerweise auf, da ich sie keinen Moment aus den Augen gelassen hatte. �Ich sehe <emphasis>hinrei�end</emphasis> aus. Das sage ich nicht, weil ich eitel bin. Ich meine damit, dass ich in meinem ganzen Leben noch nie so gut ausgesehen habe. Nicht einmal ann�hernd!�</p><p>�Das ist schwer zu glauben.�</p><p>Sie nahm die Br�ste in die H�nde und streckte mir die Brustwarzen entgegen. �Siehst du die hier?� Sie wackelte mit der linken Brust. �Im wahren Leben war die hier eine K�rbchengr��e kleiner als die andere, aber immer noch zu gro�. Ab der Pubert�t hatte ich st�ndig R�ckenschmerzen. Und ich glaube, so fest waren sie vielleicht eine Woche lang, kurz vor oder nach meinem dreizehnten Geburtstag. Glaube ich.�</p><p>Sie griff nach meinen H�nden und legte sie auf ihren perfekten flachen Bauch. �Auch so etwas hatte ich nie zuvor. Ich habe da unten immer einen kleinen Beutel mit mir herumgetragen, auch schon vor meinem ersten Kind. Und nach dem zweiten � sagen wir einfach, wenn ich noch ein drittes Mal schwanger geworden w�re, h�tte es da drinnen jede Menge Platz zum Herumtoben gehabt.�</p><p>Ich legte die H�nde auf ihren Hintern. �Und was war damit?�</p><p>�Die volle Breitseite�, sagte Jesse und lachte. �Ich war ein gro�es M�dchen, mein Freund.�</p><p>�Gro� zu sein ist kein Verbrechen�, sagte ich. �Auch Kathy war nicht gerade zierlich gebaut. Ich konnte damit wunderbar leben.�</p><p>�Damals hatte ich auch kein Problem damit. Es ist idiotisch, sich wegen k�rperlicher Dinge zu �rgern. Andererseits w�rde ich jetzt nicht mehr tauschen wollen.� Sie reckte sich aufreizend. �Jetzt bin ich total <emphasis>sexy</emphasis>!� Gleichzeitig kicherte sie und neigte neckisch den Kopf zur Seite. Ich lachte.</p><p>Jesse beugte sich vor und sah mich an. �Ich finde diese Katzenaugen unglaublich faszinierend. Ich w�rde gerne wissen, ob sie daf�r tats�chlich Katzen-DNS benutzt haben. Mich w�rde es jedenfalls nicht st�ren, zum Teil eine Katze zu sein.�</p><p>�Ich glaube nicht, dass es wirklich Katzen-DNS ist�, sagte ich, �da wir keine anderen Katzenattribute haben.�</p><p>Jesse setzte sich wieder auf. �Zum Beispiel?�</p><p>�Zum Beispiel�, sagte ich und lie� meine H�nde zu ihren Br�sten hinaufwandern, �haben Kater Stacheln an ihrem Penis.�</p><p>�Raus!�, sagte Jesse.</p><p>�Nein, das stimmt. Es sind die Stacheln, die das Weibchen zur Ovulation stimulieren. Schlag selber nach. Ich habe jedenfalls keine Stacheln. Andernfalls d�rftest du es l�ngst bemerkt haben.�</p><p>�Das beweist gar nichts.� Jesse bewegte abrupt ihren hinteren Teil nach hinten und den vorderen nach vorn, sodass sie genau auf mir lag. Sie grinste anz�glich. �Vielleicht haben wir es nur nicht wild genug getrieben, um sie hervorbrechen zu lassen.�</p><p>�Das klingt nach einer Herausforderung.�</p><p>�Ich sp�re, dass du bereit bist, sie anzunehmen�, sagte sie und r�hrte sich.</p><empty-line/><p>�Woran denkst du?�, fragte Jesse mich sp�ter.</p><p>�Ich denke an Kathy�, sagte ich. �Wie oft wir so dagelegen haben, wie wir es jetzt tun.�</p><p>�Auf dem Teppich, meinst du?�</p><p>Ich versetzte ihr einen leichten Sto� gegen den Kopf. �Nicht das. Sondern nach dem Sex einfach dazuliegen, zu reden und die N�he des anderen zu genie�en. Dasselbe haben wir gemacht, als wir zum ersten Mal dar�ber sprachen, uns rekrutieren zu lassen.�</p><p>�Warum hast du das Thema angesprochen?�</p><p>�Ich habe es nicht getan�, sagte ich. �Kathy hat davon angefangen. Es war an meinem sechzigsten Geburtstag, und ich war deprimiert, weil ich schon wieder zehn Jahre �lter geworden war. Also schlug sie vor, dass wir uns freiwillig melden. Ich war ein wenig �berrascht. Wir waren immer Antimilitaristen gewesen. Wir haben gegen den Subkontinentalen Krieg protestiert, als es nicht unbedingt popul�r war, so etwas zu tun.�</p><p>�Viele Leute waren gegen diesen Krieg�, sagte Jesse.</p><p>�Ja, aber wir haben <emphasis>wirklich</emphasis> protestiert. In unserer Stadt hat man schon Witze �ber uns gerissen.�</p><p>�Wie konnte sie es mit ihrer �berzeugung vereinbaren, sich von der Kolonialen Armee rekrutieren zu lassen?�</p><p>�Sie sagte, sie w�re nicht grunds�tzlich gegen den Krieg oder die Armee, sondern nur gegen <emphasis>diesen</emphasis> Krieg und unsere Armee. Sie sagte, die Menschen h�tten das Recht, sich zu verteidigen, und dass das Universum da drau�en wahrscheinlich nicht gerade freundlich ist. Und abgesehen von diesen noblen Gr�nden w�ren wir dann obendrein wieder jung.�</p><p>�Aber ihr h�ttet nicht gemeinsam eintreten k�nnen�, sagte Jesse. �Oder wart ihr im gleichen Alter?�</p><p>�Sie war ein Jahr j�nger als ich. Und ich habe es ihr erkl�rt&#x25E6;� dass ich offiziell tot w�re, wenn ich zur Armee gehen w�rde, dass wir nicht mehr verheiratet w�ren und dass wir uns vielleicht nie wiedersehen w�rden.�</p><p>�Was hat sie gesagt?�</p><p>�Dass das alles nur Detailfragen w�ren. Sie w�rde mich wiederfinden und noch einmal vor den Altar zerren. Und sie h�tte es zweifellos geschafft, wei�t du. In solchen Dingen war sie unglaublich hartn�ckig.�</p><p>Jesse st�tzte sich auf einen Ellbogen und sah mich an. �Es tut mir leid, dass sie nicht hier bei dir sein kann, John.�</p><p>Ich l�chelte. �Schon gut. Es ist nur so, dass ich meine Frau von Zeit zu Zeit vermisse.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte sie. �Auch ich vermisse meinen Mann.�</p><p>Ich warf ihr einen Seitenblick zu. �Ich dachte, er h�tte dich wegen einer j�ngeren Frau verlassen und sich dann eine Lebensmittelvergiftung zugezogen.�</p><p>�Richtig, und er hat es verdient, sich die Eingeweide aus dem Leib zu kotzen. Ihn als Mann, als Person vermisse ich weniger. Es fehlt mir, einen Ehemann zu haben. Es ist nett, jemanden zu haben, zu dem man geh�rt. Es ist nett, verheiratet zu sein.�</p><p>�Es ist nett, verheiratet zu sein�, pflichtete ich ihr bei.</p><p>Jesse kuschelte sich an mich und legte einen Arm �ber meine Brust. �Nat�rlich ist auch <emphasis>das hier</emphasis> nett. Es ist schon eine Weile her, seit ich es das letzte Mal getan habe.�</p><p>�Auf dem Fu�boden liegen?�</p><p>Jetzt versetzte sie mir eine Kopfnuss. �Nein. Andererseits schon. Nach dem Sex so dazuliegen, meinte ich. Oder �berhaupt Sex zu haben. Du willst gar nicht wissen, wie lange mein letztes Mal schon zur�ckliegt.�</p><p>�Aber klar.�</p><p>�Mistkerl. Acht Jahre.�</p><p>�Kein Wunder, dass du mich angesprungen hast, sobald ich in deiner N�he war.�</p><p>�Da ist was dran�, sagte Jesse. �Zuf�llig kamst du mir sehr gelegen.�</p><p>�Es ist alles nur eine Frage der Gelegenheit, wie meine Mutter stets zu sagen pflegte.�</p><p>�Du hattest eine seltsame Mutter�, sagte Jesse. �Eh, Zicke, wie sp�t ist es?�</p><p>�Was?�, sagte ich.</p><p>�Ich habe mit der Stimme in meinem Kopf gesprochen.�</p><p>�Ein netter Name, den du dir daf�r ausgesucht hast.�</p><p>�Wie hast du deinen Qu�lgeist genannt?�</p><p>�Arschloch.�</p><p>Jesse nickte. �Klingt auch nicht schlecht. Jedenfalls sagt Zicke, dass es kurz nach sechzehn Uhr ist. Wir haben noch zwei Stunden bis zum Abendessen. Wei�t du, was das bedeutet?�</p><p>�Keine Ahnung. Ich glaube, viermal ist mein Maximum, selbst wenn ich jung und ultrafit bin.�</p><p>�Beruhige dich. Das bedeutet, dass wir noch genug Zeit f�r ein Nickerchen haben.�</p><p>�Sollte ich eine Decke holen?�</p><p>�Red keinen Bl�dsinn. Blo� weil ich Sex auf dem Teppich hatte, hei�t das nicht, dass ich auch dort schlafen will. Du hast zwei Kojen in deinem Quartier. Ich werde eine davon benutzen.�</p><p>�Also werde ich allein schlafen m�ssen?�</p><p>�Ich werde dich daf�r entsch�digen�, sagte Jesse. �Erinnere mich daran, wenn ich aufwache.�</p><p>Sie hielt ihr Versprechen.</p><empty-line/><p>�Meine Fresse!�, sagte Thomas, als er sich an den Tisch setzte. Sein Tablett war so schwer mit Essen beladen, dass es kaum vorstellbar war, wie er es hatte anheben k�nnen. �Wir alle sehen einfach unbeschreiblich toll aus!�</p><p>Er hatte Recht. Die Alten Schei�er hatten sich erstaunlich gut gemacht. Thomas, Harry und Alan h�tten problemlos als m�nnliche Models arbeiten k�nnen. Von uns vieren war ich eindeutig das h�ssliche Entlein&#x25E6;� trotzdem sah ich, nun ja, immer noch sehr gut aus. Was die Frauen betraf: Jesse war hinrei�end. Susan noch mehr. Und Maggie sah offen gesagt wie eine G�ttin aus. Es schmerzte regelrecht, sie anzuschauen.</p><p>Das galt im Prinzip f�r uns alle. Wir waren Sch�nheiten, bei denen einem f�r einen Moment die Luft wegblieb. Wir alle standen ein paar Minuten lang einfach nur da und starrten uns gegenseitig an. Aber so war es nicht nur mit uns. Als ich mich im Raum umsah, entdeckte ich darin nicht einen einzigen h�sslichen Menschen. Es war auf angenehme Weise verst�rend.</p><p>�Das ist einfach unm�glich�, sagte Harry pl�tzlich zu mir. �Auch ich habe mich umgeschaut. Es kann einfach nicht sein, dass alle Leute in diesem Raum so gut ausgesehen haben, als sie so jung waren, wie sie jetzt aussehen.�</p><p>�Schlie� nicht von dir auf andere, Harry�, sagte Thomas. �Ich w�rde meinen, dass ich jetzt eine Spur weniger attraktiv bin als in meinen alten Tagen.�</p><p>�Selbst wenn wir unseren Ungl�ubigen Thomas als Ausnahme akzeptieren ��</p><p>�Ich muss heulen, wenn ich vor einen Spiegel trete�, warf Thomas ein.</p><p>�� ist es schlichtweg unm�glich, dass alle, die hier versammelt sind, in der gleichen Liga spielen. Ich zumindest habe mit zwanzig Jahren nicht so gut ausgesehen. Ich war dick. Ich hatte starke Akne. Ich verlor bereits die ersten Haare.�</p><p>�H�r auf�, sagte Susan. �Du machst mich ganz hei�.�</p><p>�Und ich versuche zu essen�, sagte Thomas.</p><p>�Jetzt kann ich dar�ber lachen, weil ich <emphasis>so</emphasis> aussehe�, sagte Harry und reckte seinen K�rper, als wollte er sich modelm��ig in Pose setzen. �Aber mein neues Ich hat nur sehr wenig mit meinem alten zu tun, das kann ich euch sagen.�</p><p>�Du klingst, als w�rde es dich st�ren�, sagte Alan.</p><p>�Ein wenig schon�, gab Harry zu. �Ich meine, ich werde es akzeptieren. Aber dem geschenkten Gaul werde ich ins Maul schauen. Warum sehen wir so verdammt gut aus?�</p><p>�Gute Gene�, sagte Alan.</p><p>�Klar�, sagte Harry. �Aber wessen? Unsere? Oder etwas, das sie irgendwo im Labor zusammengebraut haben?�</p><p>�Wir sind jetzt einfach nur ausgezeichnet in Schuss�, sagte Jesse. �Ich habe schon zu John gesagt, dass dieser K�rper hier besser in Form ist, als es mein wirklicher K�rper war.�</p><p>Unvermittelt meldete sich Maggie zu Wort. �Genauso sehe ich es auch. Und ich spreche von meinem �wirklichen K�rper�, wenn ich meinen alten meine. Es ist, als w�re dieser K�rper f�r mich noch gar nicht ganz real.�</p><p>�Er ist durchaus real�, sagte Susan. �Damit musst du immer noch pinkeln. Ich wei� es.�</p><p>�Und das von der Frau, die <emphasis>mich</emphasis> wegen zu intimer Details kritisiert hat�, sagte Thomas.</p><p>�Ich wollte darauf hinaus�, sagte Jesse, �dass sie nicht nur <emphasis>neue</emphasis>, sondern gleich <emphasis>bessere</emphasis> K�rper f�r uns gemacht haben.�</p><p>�Genau�, sagte Harry. �Aber das erkl�rt noch nicht, warum sie es getan haben.�</p><p>�Damit wir uns besser verstehen�, sagte Maggie.</p><p>Alle starrten sie an. �Schau mal einer an, wer da aus seinem Schneckenhaus kommt!�</p><p>�Du mich auch, Susan�, sagte Maggie, worauf Susan nur grinste. �Es ist eine ganz simple psychologische Erkenntnis, dass Menschen dazu neigen, Menschen zu m�gen, die sie attraktiv finden. Wir alle in diesem Raum, selbst unsere Gruppe, sind uns praktisch immer noch v�llig fremd, und wir haben kaum Ansatzpunkte, die uns in kurzer Zeit enger zusammenbringen k�nnten. Wenn man uns alle f�reinander attraktiv macht, ist das eine gute Methode, um die Gruppenbindung zu st�rken, wenn unsere Ausbildung beginnt.�</p><p>�Ich sehe nicht ein, was es der Armee n�tzt, wenn wir alle viel zu sehr damit besch�ftigt sind, uns gegenseitig l�sterne Blicke zuzuwerfen�, sagte Thomas.</p><p>�Darum geht es gar nicht�, sagte Maggie. �Sexuelle Attraktivit�t ist in diesem Zusammenhang nur nebens�chlich. Es geht darum, sehr schnell Vertrauen und Hingabe aufzubauen. Menschen sind instinktiv bereit, anderen Menschen zu vertrauen und ihnen zu helfen, wenn sie sie anziehend finden, unabh�ngig von sexuellen Begierden. Deshalb sehen Nachrichtensprecher immer so gut aus. Deshalb m�ssen sich attraktive Menschen in der Schule nicht so sehr anstrengen.�</p><p>�Aber jetzt sind wir alle attraktiv�, sagte ich. �Im Land der atemberaubend Sch�nen k�nnen jene, die einfach nur gut aussehen, sehr schnell in Schwierigkeiten kommen.�</p><p>�Und selbst jetzt sehen manche von uns sch�ner als andere aus�, sagte Thomas. �Jedes Mal, wenn ich Maggie anschaue, habe ich das Gef�hl, als w�rde der Luft in diesem Raum der Sauerstoff entzogen werden. Nichts f�r ungut, Maggie.�</p><p>�Kein Problem�, sagte Maggie. �Die Vergleichsgrundlage ist sowieso nicht unser jetziger Zustand, sondern wie wir vorher waren. Kurzfristig ist das die Grundlage, auf der wir Vergleiche anstellen werden, und viel mehr als einen kurzfristigen Vorteil d�rften sie sich ohnehin nicht davon versprechen.�</p><p>�Willst du damit sagen, dass du keinen Sauerstoffmangel versp�rst, wenn du mich ansiehst?�, sagte Susan zu Thomas.</p><p>�Ich wollte mit dieser Bemerkung niemanden beleidigen�, sagte Thomas.</p><p>�Daran werde ich mich erinnern, wenn ich dich erw�rge�, sagte Susan. �So viel zum Thema Sauerstoffentzug.�</p><p>�H�rt auf zu flirten, ihr beiden�, sagte Alan und wandte sich Maggie zu. �Du k�nntest mit dieser Attraktivit�tsgeschichte Recht haben, aber ich glaube, du vergisst die Person, zu der wir uns angeblich am meisten hingezogen f�hlen: uns selbst. So oder so sind uns diese neuen K�rper immer noch fremd. Ich meine, abgesehen von der Tatsache, dass ich gr�n bin und einen Computer namens �Dumpfbacke� im Kopf habe �� Er stockte und sah in die Runde. �Wie habt ihr eigentlich eure BrainPals genannt?�</p><p>�Arschloch�, sagte ich.</p><p>�Zicke�, sagte Jesse.</p><p>�Saftsack�, sagte Harry.</p><p>�Satan�, sagte Maggie</p><p>�Sch�tzchen�, sagte Susan. �Anscheinend bin ich hier die Einzige, die ihren BrainPal mag.�</p><p>�Wahrscheinlich warst du nur die Einzige, die es nicht irritiert hat, pl�tzlich eine Stimme im Kopf zu haben�, sagte Alan. �Aber eigentlich wollte ich auf Folgendes hinaus. Pl�tzlich jung zu sein und mit betr�chtlichen physischen und psychischen Verbesserungen konfrontiert zu werden, kann eine gewaltige Belastung sein. Auch wenn wir froh sind, wieder jung zu sein&#x25E6;� jedenfalls wei� ich, dass ich es bin -, d�rften wir alle uns von unserem neuen Ich entfremdet f�hlen. Wenn wir uns selbst attraktiv finden, hilft es uns, mit der Situation klarzukommen.�</p><p>�Die Leute, mit denen wir es hier zu tun haben, verstehen ihr Handwerk�, sagte Harry mit unheilvoller Endg�ltigkeit.</p><p>�Ach, sieh es nicht so verkrampft�, sagte Jesse und boxte ihm in die Seite. �Du bist der einzige Mensch, f�r den es eine d�stere Verschw�rung sein muss, jung und sexy zu sein.�</p><p>�Du h�ltst mich f�r sexy?�, fragte Harry.</p><p>�Du tr�umst, Sch�tzchen�, sagte Jesse und verdrehte theatralisch die Augen.</p><p>Harry grinste d�mmlich. �Das ist das erste Mal in diesem Jahrhundert, dass jemand das zu mir sagt. Okay, ich gebe auf.�</p><p>Der Mann, der vor den Rekruten im Auditorium stand, war ein kampferprobter Veteran. Unsere BrainPals teilten uns mit, dass er seit vierzehn Jahren in der Kolonialen Verteidigungsarmee diente und an verschiedenen Schlachten teilgenommen hatte, deren Namen f�r uns noch keinerlei Bedeutung hatten, obwohl sich das vermutlich irgendwann in der Zukunft �ndern w�rde. Dieser Mann hatte neue Welten gesehen, war neuen Spezies begegnet und hatte sie ohne Z�gern ausgel�scht. Er sah h�chstens wie dreiundzwanzig Jahre aus.</p><p>�Guten Abend, Rekruten�, begann er, nachdem wir unsere Pl�tze eingenommen hatten. �Ich bin Lieutenant Colonel Bryan Higgee, und f�r den Rest der Reise werde ich Ihr vorgesetzter Offizier sein. Das hat f�r Sie so gut wie keine praktischen Konsequenzen, denn bis zu unserer Ankunft auf Beta Pyxis III in einer Woche werden Sie lediglich eine einzige Anweisung von mir bekommen. Andererseits wird es Sie daran erinneren, dass Sie von nun an den Regeln und Vorschriften der Kolonialen Verteidigungsarmee unterworfen sind. Sie verf�gen jetzt �ber Ihre neuen K�rper, und dieser Umstand ist f�r Sie mit neuen Verantwortungen verbunden.</p><p>Sie d�rften sich viele Fragen �ber Ihre neuen K�rper gestellt haben, wozu sie imstande sind, welche Belastungen sie ertragen und wie Sie sie im Dienst der Kolonialen Verteidigungsarmee benutzen k�nnen. All diese Fragen werden in K�rze beantwortet, wenn Sie auf Beta Pyxis III mit Ihrer Ausbildung beginnen. Im Augenblick liegt unsere Hauptaufgabe jedoch darin, einfach nur daf�r zu sorgen, dass Sie sich in Ihrer neuen Haut wohl f�hlen.</p><p>Daher erteile ich Ihnen f�r den Rest unserer Reise nun folgenden Befehl: Haben Sie Spa�!�</p><p>Damit l�ste er ein allgemeines Raunen und stellenweise Gel�chter in den Reihen aus. Die Vorstellung, dass uns befohlen wurde, Spa� zu haben, war einfach zu verbl�ffend. Lieutenant Colonel Higgee zeigte ein humorloses Grinsen.</p><p>�Mir ist klar, dass Ihnen dieser Befehl ungew�hnlich vorkommt. Trotzdem ist es die beste Methode, um sich mit Ihren neuen F�higkeiten vertraut zu machen. Wenn Ihre Ausbildung beginnt, werden Sie von Anfang an Bestleistungen bringen m�ssen. Es gibt keine Anlaufphase, weil wir daf�r keine Zeit haben. Das Universum ist ein gef�hrlicher Ort. Ihre Ausbildung wird kurz und hart sein. Wir k�nnen es uns nicht leisten, dass Sie sich in Ihrem K�rper unwohl f�hlen.</p><p>Betrachten Sie die n�chste Woche als �bergang zwischen Ihrem alten und Ihrem neuen Leben. In diesem Zeitraum, der Ihnen am Ende viel zu kurz erscheinen wird, k�nnen Sie diese neuen K�rper, die f�r den milit�rischen Einsatz konzipiert wurden, f�r Vergn�gungen nutzen, die Sie aus Ihrem Leben als Zivilisten kennen. Sie werden feststellen, dass die <emphasis>Henry Hudson</emphasis> s�mtliche Freizeitaktivit�ten zu bieten hat, die Ihnen auf der Erde Spa� gemacht haben. Benutzen Sie Ihre neuen K�rper. Haben Sie Spa� damit. Lernen Sie Ihr neues Potenzial kennen und versuchen Sie, an Ihre Grenzen zu gehen.</p><p>Meine Damen und Herren, bevor Ihre Ausbildung beginnt, werden wir uns zu einer kurzen Besprechung wiedersehen. Bis dahin w�nsche ich Ihnen viel Spa�. Ich �bertreibe nicht, wenn ich sage, dass das Leben in der Kolonialen Verteidigungsarmee durchaus seine positiven Seiten hat, doch dies k�nnte das letzte Mal sein, das Sie sich v�llig sorgenfrei an Ihren neuen K�rpern erfreuen k�nnen. Ich schlage vor, dass Sie die freie Zeit klug nutzen. Ich schlage vor, dass Sie Spa� haben. Das ist alles. Sie sind entlassen.�</p><p>Wir alle flippten v�llig aus.</p><p>Zuerst kam nat�rlich der Sex. Jeder trieb es mit jedem, an allen m�glichen und unm�glichen Stellen im Schiff. Nachdem sich am ersten Tag herausstellte, dass jedes halbwegs abgeschiedene Pl�tzchen f�r begeisterte Rammeleien genutzt wurde, b�rgerte es sich ein, m�glichst ger�uschvoll aufzutreten, wenn man unterwegs war, um P�rchen auf seine Ann�herung aufmerksam zu machen. Irgendwann w�hrend des zweiten Tages war allgemein bekannt, dass ich ein Zimmer ganz allein f�r mich hatte, was dazu f�hrte, dass ich mit Anfragen, es nutzen zu d�rfen, �berh�uft wurde. Ich lehnte jedes Mal kategorisch ab. Ich hatte nie ein Haus zweifelhaften Rufs gef�hrt und wollte auch jetzt nicht damit anfangen. Die einzigen Leute, die in meinem Zimmer herumv�geln durften, waren ich und geladene G�ste.</p><p>Was das betraf, gab es f�r mich nur einen Gast. Aber es war nicht Jesse, sondern Maggie, die, wie sich herausstellte, schon ein Auge auf mich geworfen hatte, als ich noch alt und runzlig gewesen war. Nach Higgees Ansprache lauerte sie mir praktisch an meiner T�r auf, worauf ich mich fragte, ob sich die Frauen irgendwie abgesprochen hatten. Trotzdem machte es gro�en Spa� mit ihr, und sie war kein bisschen zur�ckhaltend, zumindest nicht, wenn wir unter uns waren. Sie vertraute mir an, dass sie Professorin am Oberlin College gewesen war. Ihr Fachgebiet war die Philosophie der fern�stlichen Religionen gewesen. Sie hatte sechs B�cher �ber dieses Thema geschrieben. Erstaunlich, was man �ber manche Menschen erf�hrt.</p><p>Die anderen Alten Schei�er blieben ebenfalls unter sich. Nach unserem ersten Testlauf tat sich Jesse mit Harry zusammen, w�hrend Alan, Tom und Susan irgendeine L�sung ausarbeiteten, bei der Tom die Schnittmenge bildete. Es war gut, dass Tom sehr viel a�, denn er brauchte seine ganze Kraft.</p><p>Die Ausgelassenheit, mit der sich die Rekruten sexuell bet�tigten, erschien von au�en betrachtet zweifellos ungeb�hrlich, doch wie die Dinge f�r uns lagen (oder standen oder hockten), war es v�llig klar. Man nehme eine Gruppe von Leuten, die im Allgemeinen wenig Sex in ihrem Leben hatten, sei es aus Mangel an einem Partner oder wegen nachlassender Gesundheit oder Libido, man stecke sie in nagelneue junge, attraktive und extrem leistungsf�hige K�rper und verfrachte sie in den Weltraum, fort von allen Menschen, die sie kannten und die ihnen etwas bedeutet hatten. Diese Kombination f�hrte zwangsl�ufig zu wildem Sex. Wir trieben es, weil wir es konnten und weil es um L�ngen besser war, als allein zu bleiben.</p><p>Nat�rlich war es nicht das Einzige, was wir taten. Diese wunderbaren neuen K�rper nur zum V�geln zu benutzen, w�re genauso gewesen, als w�rde man immer denselben Ton singen. Unsere K�rper waren angeblich neu und verbessert, und das wurde uns immer wieder auf einfache und erstaunliche Weise best�tigt. Harry und ich mussten ein Tischtennisspiel abbrechen, weil irgendwann klar wurde, dass keiner von uns beiden gewinnen w�rde&#x25E6;� nicht weil wir beide unf�hig waren, sondern weil unsere gesch�rften Reflexe es praktisch unm�glich machten, den Gegner mit einem Ball zu �berraschen. Wir spielten drei�ig Minuten lang ohne Unterbrechung und h�tten den Schlagabtausch noch viel l�nger fortsetzen k�nnen, wenn der Pingpongball die Kr�fte, die w�hrend des unglaublich schnellen Spiels auf ihn einwirkten, heil �berstanden h�tte. Es war grotesk. Es war wunderbar.</p><p>Andere Rekruten machten auf andere Weise die gleiche Erfahrung. Am dritten Tag beobachtete ich zusammen mit einer Menge, wie sich zwei Rekruten das m�glicherweise spannendste Kampfsportduell lieferten, das jemals ausgetragen wurde. Sie stellten Dinge mit ihren K�rpern an, die unter normalen Bedingung einfach undenkbar waren. Einer der M�nner versetzte seinem Kontrahenten einen Tritt, der diesen halb durch den Raum schleuderte. Doch statt mit mehreren Knochenbr�chen auf dem Boden zu landen, vollf�hrte der andere <emphasis>im Flug</emphasis> einen Salto r�ckw�rts, richtete sich auf und warf sich sofort wieder auf seinen Gegner. Es sah aus wie ein genialer Spezialeffekt. Und in gewisser Weise war es das auch.</p><p>Nach dem Kampf standen sich beide M�nner schwer atmend gegen�ber und verbeugten sich voreinander. Dann fielen sie sich gleichzeitig ersch�pft in die Arme. Sie lachten und schluchzten hysterisch. Es ist eine unheimliche, wunderbare, aber auch verst�rende Erfahrung, pl�tzlich viel besser zu sein, als man sich je hatte tr�umen lassen.</p><p>Nat�rlich gingen ein paar auch zu weit. Ich erlebte pers�nlich mit, wie eine Rekrutin von einer hohen Br�stung sprang, entweder weil sie dachte, sie k�nnte fliegen, oder weil sie zumindest �berzeugt war, den Sprung ohne Verletzung zu �berstehen. Wie ich h�rte, brach sie sich das rechte Bein, den rechten Arm, den Unterkiefer und den Sch�del. Doch sie �berlebte die Aktion, was ihr w�hrend ihrer irdischen Existenz h�chstwahrscheinlich nicht gelungen w�re. Noch beeindruckender war die Tatsache, dass sie zwei Tage sp�ter wieder auf den Beinen war, was diese durchgeknallte Frau vermutlich eher der Medizintechnik der Kolonialen zu verdanken hatte als ihren regenerativen F�higkeiten. Ich hoffe, jemand hat ihr gesagt, dass sie in Zukunft solche Dummheiten unterlassen sollte.</p><p>Wenn die Leute nicht mit ihren K�rpern spielten, taten sie es mit ihrem Geist, beziehungsweise mit ihren BrainPals, was fast das Gleiche war. W�hrend ich im Schiff herumlief, sah ich immer wieder Rekruten, die einfach nur dasa�en, die Augen geschlossen und langsam nickend. Sie h�rten Musik oder sahen sich einen Film an oder etwas in der Art. Sie erlebten irgendeine Aufzeichnung, die nur ihrem Gehirn abgespielt wurde. Ich hatte es schon selber getan. Bei der Suche in den Systemen des Schiffes war ich auf eine Sammlung s�mtlicher <emphasis>Looney Tunes</emphasis> gesto�en, die jemals geschaffen wurden, sowohl w�hrend der klassischen Warner-Epoche als auch sp�ter, als die Figuren Public Domain geworden waren. Eines Abends brachte ich mehrere Stunden damit zu, mir anzuschauen, wie Karl der Kojote in die Luft gesprengt oder von Felsbrocken erschlagen wurde. Ich h�rte erst damit auf, als Maggie verlangte, dass ich mich entweder f�r sie oder f�r den Road Runner entschied. Ich entschied mich f�r sie. Schlie�lich konnte ich den Road Runner jederzeit haben. Ich hatte Arschloch angewiesen, s�mtliche Zeichentrickfilme runterzuladen.</p><p>Freundschaften schlie�en war etwas, das ich ausgiebig tat. Alle Mitglieder der Alten Schei�er wussten, dass unsere Gruppe bestenfalls vor�bergehenden Bestand hatte. Wir waren nicht mehr als sieben Menschen, die der Zufall zusammengeworfen hatte, in einer Situation, in der niemand auf Dauerhaftigkeit hoffen konnte. Aber in der kurzen Zeit, die wir gemeinsam verbringen durften, wurden wir zu Freunden, sogar zu engen Freunden. Es ist keine �bertreibung, wenn ich sage, dass ich Thomas, Susan, Alan, Harry, Jesse und Maggie schlie�lich so nahe stand wie allen anderen, die ich in der zweiten H�lfte meines �normalen� Lebens gekannt hatte. Wir wurden zu einer Art Familie, in der sich sogar die �blichen kleinlichen Streitereien abspielten. Wir k�mmerten uns umeinander, und das brauchten wir dringend in einem Universum, das uns nur Gleichg�ltigkeit entgegenbrachte oder nicht einmal wusste, dass wir �berhaupt existierten.</p><p>Wir kn�pften starke Bindungen. Und wir hatten es sogar schon getan, bevor wir von den Wissenschaftlern der Kolonien mit biologischen Mitteln dazu gedr�ngt wurden. W�hrend sich die <emphasis>Henry Hudson</emphasis> ihrem Ziel n�herte, wurde mir immer deutlicher bewusst, wie sehr die Alten Schei�er mir fehlen w�rden.</p><empty-line/><p>�In diesem Raum befinden sich exakt 1022 Rekruten�, sagte Lieutenant Colonel Higgee. �In zwei Jahren werden vierhundert von Ihnen tot sein.�</p><p>Higgee stand wieder auf der B�hne des Auditoriums&#x25E6;� diesmal vor einem besonderen Hintergrund. Der Videoschirm zeigte Beta Pyxis III, eine gewaltige Kugel in Blau, Wei�, Gr�n und Braun. Doch keiner von uns achtete auf den Planeten, wir alle starrten nur auf Lieutenant Colonel Higgee. Mit seiner Statistik hatte er die Aufmerksamkeit aller auf sich gezogen, was eine betr�chtliche Leistung war, wenn man die Zeit (sechs Uhr morgens) und die Tatsache bedachte, dass die meisten von uns ausgiebig die vermutlich letzte Nacht in Freiheit ausgekostet hatten.</p><p>�Im dritten Jahr�, fuhr er fort, �werden weitere hundert von Ihnen gestorben sein. Und jeweils einhunderf�nfzig im vierten und f�nften Jahr. Nach zehn Jahren&#x25E6;� ja, Sie werden mit hoher Wahrscheinlichkeit die vollen zehn Jahre dienen&#x25E6;� werden siebenhundertf�nfzig von Ihnen bei der Aus�bung Ihrer Pflichten das Leben verloren haben. Drei Viertel von Ihnen werden es nicht schaffen. So sieht die �berlebensstatistik aus&#x25E6;� nicht nur f�r die vergangenen zehn oder zwanzig Jahre, sondern f�r die �ber zweihundert Jahre, seit die Koloniale Verteidigungsarmee aktiv ist.�</p><p>Totenstille im Saal.</p><p>�Ich wei�, was Sie jetzt denken, weil ich genau dasselbe gedacht habe, als ich an Ihrer Stelle war�, sagte Higgee. �Sie denken: Was, zum Henker, mache ich hier eigentlich? Dieser Kerl erz�hlt mir, dass ich in zehn Jahren tot sein werde! Aber vergessen Sie nicht, dass Sie auch zu Hause in zehn Jahren mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr am Leben w�ren. Sie w�ren alt und gebrechlich geworden und sinnlos gestorben. Vielleicht sterben Sie in der Kolonialen Verteidigungsarmee. <emphasis>H�chstwahrscheinlich</emphasis> werden Sie in der Kolonialen Verteidigungsarmee sterben. Aber dieser Tod wird nicht sinnlos sein. Sie werden sterben, damit die Menschheit in diesem Universum �berleben kann.�</p><p>Der Projektionsschirm hinter Higgee wurde schwarz, dann erschien ein dreidimensionaler Sternenhimmel. �Ich will Ihnen erkl�ren, in welcher Lage wir uns befinden�, sagte er, und gleichzeitig wurden mehrere Dutzend Sterne, die wahllos �ber den Raum verteilt schienen, hellgr�n. �Das sind die Systeme, die von Menschen kolonisiert wurden, in denen wir uns behaupten konnten. Und das sind die uns bekannten Systeme, die von au�erirdischen Spezies bewohnt werden, die ein mit unserem vergleichbares technisches Niveau haben und �hnliche Lebensbedingungen ben�tigen.� Diesmal leuchteten Hunderte von Sternen in r�tlicher Farbe auf. Die menschlichen Lichtpunkte waren von allen Seiten umzingelt. Viele im Publikum schnappten nach Luft.</p><p>�Die Menschheit hat zwei Probleme�, sagte Lieutenant Colonel Higgee. �Das erste ist, dass wir in einem Kolonisierungswettkampf mit anderen intelligenten Spezies stehen. Die Kolonisierung ist der Schl�ssel zum �berleben der Menschheit. Eine ganz einfache Sache. Wir m�ssen kolonisieren, wenn wir nicht von anderen Spezies ausgebootet werden wollen. Es ist ein harter Wettkampf. Unter den anderen intelligenten Aliens haben die Menschen nur wenige Verb�ndete. Sehr wenige von ihnen gehen �berhaupt B�ndnisse ein. Das war schon so, bevor die Menschheit auf die galaktische B�hne trat.</p><p>Ganz gleich, was Sie �ber die M�glichkeiten diplomatischer Verhandlungen denken, die Realit�t sieht so aus, dass wir uns in einem gnadenlosen Wettkampf befinden. Wir k�nnen unsere Expansion nicht zur�ckfahren und darauf hoffen, dass wir eine friedliche L�sung finden, die allen Spezies die Kolonisierung erlaubt. Damit w�rden wir die Menschheit zum Untergang verdammen. Also k�mpfen wir um die Kolonien.</p><p>Unser zweites Problem ist die Tatsache, dass die Planeten, die wir entdecken und die sich f�r die Kolonisierung eignen, h�ufig von intelligenten Lebewesen bewohnt werden. Wenn es m�glich ist, leben wir neben der einheimischen Bev�lkerung und bem�hen uns um eine harmonische Koexistenz. Leider werden wir in vielen F�llen nicht willkommen gehei�en. Das ist �u�erst bedauerlich, aber die Bed�rfnisse der Menschheit m�ssen f�r uns h�chste Priorit�t haben. Dann wird die Koloniale Verteidigungsarmee zu einer Invasionsstreitmacht.�</p><p>Das Hintergrundbild wechselte wieder zu Beta Pyxis III. �In einem perfekten Universum w�rden wir die Koloniale Verteidigungsarmee gar nicht ben�tigen�, sagte Higgee. �Aber dieses Universum ist nicht perfekt. Also verfolgt die Koloniale Verteidigungsarmee drei Aufgaben. Die erste ist der Schutz existierender menschlicher Kolonien vor Angriff und Invasion. Die zweite ist die Suche nach neuen Planeten, die sich f�r die Kolonisierung eignen, und die Verhinderung von Ausbeutung, Kolonisierung und Invasion durch konkurrierende Spezies. Die dritte ist die Vorbereitung von Planeten mit einheimischer Bev�lkerung f�r die menschliche Kolonisierung.</p><p>Als Soldaten der Kolonialen Verteidigungsarmee haben Sie alle drei Aufgaben zu erf�llen. Diese Arbeit ist weder einfach noch sauber, und zwar in mehr als einer Hinsicht. Aber sie muss erledigt werden. Das �berleben der Menschheit h�ngt davon ab, deshalb werden wir Ihnen alles abverlangen.</p><p>Drei Viertel von Ihnen werden in drei Jahren gestorben sein. Trotz der Verbesserungen an den K�rpern der Soldaten sowie an den Waffen und anderer Technik ist diese Zahl eine Konstante. Doch Sie werden daf�r sorgen, dass dieses Universum zu einem Ort wird, an dem Ihre Kinder und die Kinder der gesamten Menschheit leben und gedeihen k�nnen. Es ist ein hoher Preis, aber es lohnt sich, ihn zu zahlen.</p><p>Manche von Ihnen werden sich fragen, was Sie pers�nlich durch Ihren Dienst gewinnen. Nach Ablauf Ihrer Dienstzeit werden Sie ein neues Leben erhalten. Sie werden zu Kolonisten und k�nnen auf einer neuen Welt von vorn anfangen. Die Koloniale Verteidigungsarmee wird Sie dabei unterst�tzen und Ihnen alles zur Verf�gung stellen, was Sie ben�tigen. Wir k�nnen Ihnen nicht versprechen, dass Ihr neues Leben erfolgreich verlaufen wird, das liegt allein an Ihnen. Aber Sie werden exzellente Startbedingungen erhalten&#x25E6;� und die Dankbarkeit der anderen Kolonisten, weil Sie etwas Wichtiges f�r sie getan haben. Oder Sie k�nnen es genauso machen wie ich und Ihren Dienst fortsetzen. Sie werden �berrascht sein, wie viele es tun.�</p><p>Das Bild von Beta Pyxis III flackerte kurz, dann verschwand es, sodass Higgee nun allein im Zentrum der Aufmerksamkeit stand. �Ich hoffe, Sie alle haben meinen Ratschlag befolgt und in der vergangenen Woche viel Spa� gehabt. Jetzt beginnt Ihre Arbeit. In einer Stunde werden Sie die <emphasis>Henry Hudson</emphasis> verlassen, um mit Ihrer Ausbildung zu beginnen. Hier gibt es mehrere Trainingsbasen. �ber Ihren BrainPal werden Sie informiert, welcher Basis Sie zugewiesen wurden. Sie werden jetzt in Ihre Quartiere zur�ckkehren und Ihre pers�nlichen Sachen zusammenpacken. Machen Sie sich keine Gedanken �ber Kleidung; sie wird Ihnen in der Basis zur Verf�gung gestellt. Ihr BrainPal wird Ihnen sagen, wo Sie sich zum Abtransport versammeln sollen.</p><p>Viel Gl�ck, Rekruten. M�ge Gott Sie sch�tzen, und m�gen Sie der Menschheit mit W�rde und mit Stolz dienen.�</p><p>Lieutenant Colonel Higgee salutierte. Ich wusste nicht, wie ich darauf reagieren sollte. Keiner von uns wusste es.</p><p>�Sie haben Ihre Befehle�, sagte er. �Sie sind entlassen.�</p><empty-line/><p>Unsere siebenk�pfige Truppe dr�ngte sich um die Pl�tze, auf denen wir bis eben gesessen hatten.</p><p>�Sie lassen uns nicht viel Zeit zum Verabschieden�, sagte Jesse.</p><p>�Fragt eure Computer�, sagte Harry. �Vielleicht sind einige von uns derselben Basis zugeteilt.�</p><p>Wir konsultierten unsere BrainPals. Harry und Susan gingen zur Basis Alpha, Jesse nach Beta, Maggie und Thomas nach Gamma, Alan und ich nach Delta.</p><p>�Die Alten Schei�er werden auseinandergerissen�, sagte Thomas.</p><p>�Werd nicht sentimental�, sagte Susan. �Wir alle haben gewusst, dass es so kommen w�rde.�</p><p>�Ich werde sentimental, wann ich will�, sagte Thomas. �Dort kenne ich sonst niemanden. Selbst du wirst mir fehlen, du alte Schreckschraube.�</p><p>�Ihr habt etwas vergessen�, sagte Harry. �Auch wenn wir nicht mehr zusammen sind, k�nnen wir st�ndig in Verbindung bleiben. Wir haben unsere BrainPals. Wir m�ssen nur eine Mailbox f�r uns alle einrichten. Einen Gemeinschaftsraum f�r die Alten Schei�er.�</p><p>�Das mag hier funktionieren�, sagte Jesse. �Aber ich wei� nicht, wie es ist, wenn wir im aktiven Dienst sind. Wir k�nnten �ber die halbe Galaxis verstreut sein.�</p><p>�Alle Raumschiffe kommunizieren �ber Phoenix miteinander�, sagte Alan. �Jedes Schiff verf�gt �ber Skip-Drohnen, die Meldung erstatten und neue Befehle abholen. Damit wird auch Post transportiert. Es k�nnte eine Weile dauern, bis eine Nachricht den Empf�nger erreicht, aber so k�nnten wir Kontakt halten.�</p><p>�Als w�rden wir per Flaschenpost kommunizieren�, sagte Maggie. �Flaschen mit gewaltiger Feuerkraft.�</p><p>�So machen wir es�, sagte Harry. �Wir sind eine Familie, die zusammenh�lt. Wir bleiben in Verbindung, ganz gleich, wo wir sind.�</p><p>�Jetzt wirst auch du sentimental�, sagte Susan.</p><p>�Ich mache mir keine Sorgen, dass <emphasis>du</emphasis> mir fehlen wirst, Susan�, sagte Harry. �Du bleibst in meiner N�he. Die anderen werden mir fehlen.�</p><p>�Also schlie�en wir einen Pakt�, sagte ich. �Dass wir die Alten Schei�er bleiben, ganz gleich, was geschieht.� Ich streckte eine Hand aus. Nacheinander legten die �brigen Mitglieder der Gruppe die H�nde auf meine.</p><p>�Au weia�, sagte Susan, als sie ihre Hand auf die der anderen legte. �Jetzt werde <emphasis>ich</emphasis> sentimental.�</p><p>�Das legt sich wieder�, sagte Alan.</p><p>Susan schlug mit der freien Hand nach ihm.</p><p>So blieben wir, so lange es ging.</p></section></section><section><title><p><image l:href="#4"/></p><p>Zweiter Teil</p></title><section><title><p>7</p></title><p>�ber einer fernen Ebene auf Beta Pyxis III ging Beta Pyxis, die Sonne dieses Systems, gerade im Osten auf. Durch die spezielle Zusammensetzung der Atmosph�re hatte der Himmel eine F�rbung, die ins T�rkisfarbene ging, mit etwas mehr Gr�n als auf der Erde, aber im Wesentlichen immer noch blau. Auf der sanft gewellten Ebene wogten die Gr�ser in Rotund Oranget�nen in der morgendlichen Brise. Vogel�hnliche Tiere mit zwei Fl�gelpaaren spielten am Himmel und erkundeten die Luftstr�mungen in wilden, chaotischen Flugman�vern. Es war unser erster Morgen auf einer neuen Welt, der ersten, auf die ich oder meine Kameraden ihren Fu� gesetzt hatten. Es war wundersch�n. Wenn es nicht den gro�en, w�tenden Master Sergeant gegeben h�tte, der mir ins Ohr bellte, w�re es ein vollkommener Morgen gewesen.</p><p>Leider gab es dieses l�stige Detail, das die Vollkommenheit st�rte.</p><p>�Jesus auf der Rodelbahn!�, rief Master Sergeant Antonio Ruiz, nachdem er unsere sechzigk�pfige Rekrutenkompanie w�tend angefunkelt hatte. Wir standen auf dem Asphalt des Shuttlelandeplatzes der Basis Delta und hatten Haltung angenommen (oder was wir daf�r hielten). �Wir haben soeben eindeutig die Schlacht ums verdammte Universum verloren. Wenn ich Sie anschaue, kommen mir sofort die gottverdammten Worte �total im Arsch� in den Sinn. Wenn Sie das Beste sind, was die Erde aufzubieten hat, wird es Zeit, dass wir uns tief b�cken und einen Tentakel in den Arsch schieben lassen.�</p><p>Das entlockte mehreren Rekruten leises Gel�chter. Master Sergeant Antonio Ruiz schien von einem Besetzungsb�ro ausgew�hlt worden zu sein. Er war genauso, wie man sich einen knallharten Ausbilder vorstellte&#x25E6;� gro�, j�hzornig und mit einem unbegrenzten Vorrat an phantasievollen Schimpfworten. Zweifellos w�rde er in den n�chsten Sekunden einem der lachenden Rekruten an die Gurgel springen, ihm Unfl�tigkeiten an den Kopf werfen und zwingen, hundert Liegest�tze zu machen. Das kommt davon, wenn man f�nfundsiebzig Jahre lang mittelm��ige Kriegsfilme gesehen hat.</p><p>�Ha ha ha�, erwiderte Master Sergeant Antonio Ruiz. �Glaubt ihr, ich w�sste nicht, was ihr gerade denkt, ihr bl�den Schei�er. Ich wei�, dass ihr euch jetzt noch pr�chtig �ber meine Vorstellung am�siert. Wie k�stlich! Ich bin genauso wie alle Ausbilder, die ihr aus Kriegsfilmen kennt! Bin ich nicht einfach unglaublich originell?�</p><p>Das Lachen erstarb schlagartig. Seine letzten S�tze standen nicht im Drehbuch.</p><p>�Ihr versteht �berhaupt nichts�, fuhr er fort. �Ihr bildet euch ein, ich w�rde so reden, weil das irgendwie zur Rolle eines Ausbilders geh�rt. Ihr glaubt, dass nach ein paar Wochen der Ausbildung meine b�se, aber gerechte Fassade br�ckeln wird, worauf ich durchblicken lasse, dass ich doch ein bisschen von euch beeindruckt bin. Und am Ende der Ausbildungszeit werde ich widerstrebend zugeben m�ssen, dass ihr euch meinen Respekt verdient habt. Ihr bildet euch ein, dass ich es gut mit euch meine, w�hrend ihr das Universum etwas sicherer f�r die Menschheit macht, und dass ich bessere Soldaten und Soldatinnen aus euch gemacht haben werde. Was ihr glaubt und euch einbildet, meine sehr verehrten Rekruten und Rekrutinnen, ist v�lliger und ausgemachter Bl�dsinn.�</p><p>Master Sergeant Antonio Ruiz trat vor und ging an den Reihen auf und ab. �All das sind nicht mehr als Illusionen, weil ich im Gegensatz zu euch wirklich da drau�en im Universum war. Ich habe gesehen, mit welchen Gefahren wir es dort zu tun haben. Ich habe gesehen, wie M�nner und Frauen, die ich pers�nlich kannte, in Fleischbrocken zerrissen wurden, die immer noch in der Lage waren zu schreien. Bei meinem ersten Einsatz wurde mein vorgesetzter Offizier in ein Mittagsb�ffet f�r Aliens verwandelt. Ich habe gesehen, wie die Bestien ihn packten, zu Boden dr�ckten, ihm die inneren Organe herausrissen, sie unter sich aufteilten und gen�sslich verschlangen&#x25E6;� um sich anschlie�end wieder in den Boden zur�ckzuziehen, bevor irgendjemand von uns irgendwas dagegen tun konnte.�</p><p>Ein ersticktes Lachen von irgendwo hinter mir. Master Sergeant Antonio Ruiz hielt inne und legte den Kopf schief. �Ach. Einer von euch glaubt wohl, ich w�rde irgendwelche Geschichten erz�hlen. Es gibt immer einen bl�den Saftarsch, der das glaubt. Deshalb habe ich stets <emphasis>das hier</emphasis> zur Hand. Aktivieren!�</p><p>Pl�tzlich tauchte vor uns ein Videoschirm auf. Ich war eine Sekunde lang desorientiert, bevor mir klar wurde, dass Ruiz irgendwie auf meinen BrainPal zugegriffen hatte und mir eine Videoaufzeichnung �berspielte. Die Bilder schienen von einer kleinen Helmkamera aufgenommen worden zu sein. Wir sahen mehrere Soldaten, die in einem Sch�tzengraben kauerten und die Einsatzplanung des n�chsten Tages besprachen. Da brach einer der Soldaten mitten im Satz ab und legte eine Hand auf den Boden. Er blickte mit �ngstlichem Ausdruck auf, dann schrie er �Sie kommen!�&#x25E6;� einen Sekundenbruchteil, bevor der Boden unter ihm explodierte.</p><p>Was als N�chstes geschah, geschah so schnell, dass es trotz der instinktiven, panischen Reaktion, mit der die Kamera weggedreht wurde, deutlich genug zu erkennen war. Es waren entsetzliche Bilder. In der realen Welt �bergab sich jemand, ironischerweise im selben Moment wie die Person, an deren Helm die Kamera montiert war. Zum Gl�ck wurde die �bertragung des Videos unmittelbar danach abgebrochen.</p><p>�Jetzt klingt es nicht mehr so witzig, was ich sage, nicht wahr?�, fuhr Master Sergeant Antonio Ruiz sp�ttisch fort. �Pl�tzlich bin ich gar nicht mehr der beschissene, klischeehafte Ausbilder, nicht wahr? Das alles hier ist pl�tzlich gar keine am�sante Milit�rklamotte mehr, nicht wahr? Willkommen in der Schei�realit�t! Das Universum ist ein verdammt beschissener Ort, meine Freunde. Und ich rede nicht so zu euch, weil es mir Spa� macht, die Rolle des verdammten Schei�ausbilders zu spielen. Der Mann, der dort zerschlitzt und zerfetzt wurde, war einer der besten Soldaten, die ich jemals die Ehre hatte, kennen lernen zu d�rfen. Keiner von euch kann sich mit ihm messen. Trotzdem habt ihr gesehen, was mit ihm passiert ist. Jetzt stellt euch vor, was mit euch passieren wird. Ich rede so mit euch, wie ich rede, weil ich wirklich davon �berzeugt bin, dass wir ein gro�es Problem haben. Wenn ihr das Beste seid, was die Menschheit aufzubieten hat, werden wir total und un�bertrefflich im Arsch sein. Glaubt ihr mir jetzt?�</p><p>Ein paar von uns brachten ein mattes �Ja, Sir� oder etwas �hnliches heraus. Die �brigen hatten immer noch die Bilder von der Ausweidung im Kopf, auch ohne dass sie noch einmal von unseren BrainPals abgespielt wurden.</p><p>�Sir? Sir?!? Ich bin ein verdammter Master Sergeant, ihr Saft�rsche! Ich mache hier meine Arbeit! Ihr werdet mit �Ja, Master Sergeant� antworten, wenn ihr eine Frage bejaht, und mit �Nein, Master Sergeant�, wenn ihr sie verneint. Habt ihr das verstanden?�</p><p>�Ja, Master Sergeant!�, antworteten wir.</p><p>�Das k�nnt ihr bestimmt viel besser! Sagt es noch einmal!�</p><p>�Ja, Master Sergeant!�, br�llten wir. Einige von uns standen in diesem Moment offensichtlich kurz vor den Tr�nen.</p><p>�In den n�chsten zw�lf Wochen ist es mein Job, euch zu Soldaten auszubilden oder es zumindest zu versuchen, und ich schw�re euch, dass ich meine Arbeit tun werde! Auch wenn mir schon jetzt klar ist, dass es keiner von euch Saft�rschen schaffen wird. Ihr denkt jetzt gef�lligst �ber das nach, was ich euch zu sagen habe. Das hier ist nicht das Milit�r auf der guten alten Erde, wo Ausbilder die Fetten in Form bringen, die Schwachen aufp�ppeln und den Bl�den etwas beibringen mussten. Jeder von euch steht hier mit der Erfahrung eines ganzen Lebens und einem neuen K�rper, der in Bestform ist. Vielleicht glaubt ihr, dass meine Arbeit dadurch leichter wird. Aber so ist es nicht!</p><p>Jeder von euch hat f�nfundsiebzig Jahre lang schlechte Gewohnheiten und pers�nliche Anspr�che angesammelt, die ich euch in drei gottverdammten Monaten austreiben muss. Und jeder von euch glaubt, dass sein neuer K�rper so etwas wie ein tolles Spielzeug ist. Ja, ich wei� genau, was ihr in der letzten Woche damit gemacht habt. Ihr habt wie die Kaninchen gerammelt. Ratet mal, was jetzt kommt! Genau, die Zeit zum Spielen ist vorbei. In den n�chsten zw�lf Wochen k�nnt ihr euch gl�cklich sch�tzen, wenn ihr dazu kommt, euch unter der Dusche einen runterzuholen. Jetzt werdet ihr mit eurem tollen neuen Spielzeug arbeiten, meine H�bschen. Denn ich soll Soldaten aus euch machen. Und das wird ein verdammter Vollzeitjob sein.�</p><p>Ruiz ging wieder vor den Rekruten auf und ab. �Eins m�chte ich noch klarstellen. Ich mag keinen Einzigen von euch, und ich werde nie jemanden von euch m�gen. Warum? Weil ich wei�, dass ihr mir und meinen Mitarbeitern trotz der guten Arbeit, die wir in euch investieren, Schande machen werdet. Und das kann ich nicht ausstehen. Ich finde nachts keinen Schlaf, weil ich wei�, dass ihr unweigerlich versagen werdet, ganz gleich, wie gut ich euch ausbilde. Nachdem ich mit euch fertig bin, kann ich nur noch darauf hoffen, dass ihr nicht eure ganze Kompanie mit in den Tod rei�en werdet, wenn es so weit ist. Ihr habt richtig geh�rt: Wenn ihr versagt und nur allein umkommt, rechne ich das als Erfolg! Jetzt glaubt ihr vielleicht, dass ich f�r euch alle grunds�tzlich eine Art Hass empfinde. Ich m�chte euch versichern, dass das nicht der Fall ist. Jeder von euch wird versagen, aber jeder wird auf seine ganz individuelle Art versagen, und deshalb kann ich euch auf einer ganz individuellen Grundlage nicht leiden. Schon jetzt erkenne ich an jedem von euch bestimmte Eigenschaften, �ber die ich mich nur aufregen k�nnte. Glaubt ihr mir das?�</p><p>�Ja, Master Sergeant!�</p><p>�Schei�e! Einige von euch glauben immer noch, dass sich mein Hass auf jemand anderen richten wird.� Ruiz streckte den Arm aus und zeigte �ber die Ebene zur aufgehenden Sonne. �Benutzt eure h�bschen neuen Augen, um euren Blick auf den Sendeturm dort zu konzentrieren. Ihr k�nnt ihn kaum erkennen. Er ist zehn Kilometer entfernt, meine Damen und Herren. Ich werde an jedem von euch etwas finden, das mir stinkt, und wenn das der Fall ist, wird derjenige zu diesem Schei�turm rennen. Und wenn er nach einer Stunde nicht wieder hier ist, wird am n�chsten Morgen die gesamte Truppe mitrennen. Habt ihr mich verstanden?�</p><p>�Ja, Master Sergeant!� Ich sah, wie einige der Leute Kopfrechnungen anstellten. Er verlangte von uns, in f�nf Minuten eine Meile zu laufen, hin und wieder zur�ck. Ich hatte den Verdacht, dass wir am n�chsten Morgen alle die Strecke laufen w�rden.</p><p>�Wer von euch war auf der Erde beim Milit�r? Vortreten!�</p><p>Sieben Rekruten gaben sich zu erkennen.</p><p>�Verdammte Schei�e!�, rief Ruiz. �Es gibt nichts in diesem verfluchten Universum, was ich mehr hasse als Rekruten, die Veteranen sind. Mit euch Idioten werde ich die meiste Arbeit haben, weil ich euch alles austreiben muss, was ihr auf der Erde gelernt habt. Dort musstet ihr kleinen Schei�er nichts anderes machen, als gegen Menschen zu k�mpfen! Und nicht einmal das konntet ihr richtig. Ja, wir haben euren Subkontinentalen Krieg verfolgt. Schei�e. Ihr habt sechs verdammte Jahre gebraucht, um einen Feind zu besiegen, der kaum �ber Feuerwaffen verf�gte, und ihr habt euch den Sieg nur durch Betrug sichern k�nnen. Atomwaffen sind was f�r Weicheier. Ja, f�r <emphasis>Weicheier</emphasis>. Wenn die KVA so k�mpfen w�rde, wie es die US-Streitkr�fte getan haben&#x25E6;� ist euch klar, wo die Menschheit heute stehen w�rde? Wir w�rden auf einem Asteroiden leben und Algen von Tunnelw�nden kratzen! Und wer von euch Arschl�chern war bei den Marines?�</p><p>Zwei Rekruten traten vor. �Ihr Schei�er seid die allerschlimmsten!�, br�llte Ruiz ihnen ins Gesicht. �Ihr selbstgef�lligen Safts�cke habt mehr KVA-Soldaten get�tet als jede Alien-Spezies&#x25E6;� weil ihr eure Aktionen nach beschissener Marines-Manier durchgezogen habt, statt es so zu machen, wie man es machen sollte. Wahrscheinlich hattet ihr auf euren alten K�rpern irgendwo ein �Semper Fi� t�towiert. Richtig? <emphasis>Richtig?</emphasis>�</p><p>�Ja, Master Sergeant!�, antworteten die beiden.</p><p>�Ihr habt verdammtes Gl�ck, dass ihr eure Greisenk�rper nicht mehr habt, weil ich euch sonst gepackt und es euch eigenh�ndig rausgeschnitten h�tte. Und ich hoffe, ihr glaubt mir, dass ich so etwas tun w�rde. Ich kann euch versichern, dass es hier anders als bei den Marines oder sonstigen milit�rischen Einrichtungen l�uft. Der Unterschied ist der, dass der Ausbilder hier wirklich und wahrhaftig Gott ist! Ich k�nnte Blutwurst aus euren Schei�eingeweiden machen, und ich w�rde nur dann �rger von oben bekommen, wenn ich nicht daf�r sorgte, dass einer von euch anschlie�end die Sauerei beseitigt.� Ruiz trat zur�ck und sah die �brigen Veteranen mit finsterem Blick an. �Dies hier ist das wahre Milit�r, meine Damen und Herren. Ihr seid nicht beim Heer, in der Marine oder der Luftwaffe. Ihr geh�rt zu uns. Und jedes Mal, wenn ihr das vergesst, werde ich zur Stelle sein und euch daf�r fertigmachen. Rennt los!�</p><p>Sie rannten.</p><p>�Wer von Ihnen ist homosexuell?�, wollte Ruiz wissen.</p><p>Vier Rekruten traten vor, einschlie�lich Alan, der neben mir stand. Ich sah, wie er die Stirn runzelte, als er vortrat.</p><p>�Einige der besten Soldaten der Menschheitsgeschichte waren homosexuell�, sagte Ruiz. �Alexander der Gro�e, Richard L�wenherz. Die Spartaner hatten eine eigene Truppe aus P�rchen vom anderen Ufer, weil sie dachten, ein Mann w�rde h�rter um das Leben seines Geliebten k�mpfen als um das irgendeines anderen Soldaten. Einige der besten K�mpfer, die ich pers�nlich kennen gelernt habe, waren so schwul wie eine Drei-Dollar-Note. Alles wunderbare Soldaten.</p><p>Aber es gibt etwas, das mich an ihnen tierisch nervt: Sie suchen sich immer den unpassendsten Moment aus, um ihre Gef�hle zu offenbaren. Es ist mir schon dreimal passiert, dass ich an der Seite eines Schwulen gek�mpft habe und er mir ausgerechnet in dem Moment, als es wirklich brenzlig wurde, erkl�ren musste, dass er sich in mich verliebt hatte. Das ist einfach verdammt unpassend. Irgendein Alien will mir das Gehirn aus dem Sch�del schl�rfen, und mein Kamerad will mit mir unsere Beziehung diskutieren! Als h�tte ich im Moment nicht ganz andere Sorgen. Tut euren Kameraden einen verdammten Gefallen. Wenn ihr euch verknallt, setzt euch in eurer Freizeit damit auseinander und nicht, wenn irgendeine Bestie euch zerfleischen will. Rennt los!�</p><p>Weg waren sie.</p><p>�Wer geh�rt einer ethnischen Minderheit an?�</p><p>Zehn Rekruten traten vor.</p><p>�Bl�dm�nner! Schaut euch um, ihr Arschl�cher. Hier sind alle gr�n. Hier gibt es keine Minderheiten. Wollt ihr einer ethnischen Minderheit angeh�ren? Gut. Im Universum leben zwanzig Milliarden Menschen. Es gibt vier <emphasis>Billionen</emphasis> von andereren intelligenten Spezies, und sie alle w�rden euch gerne zum Fr�hst�ck verspeisen. Und das sind nur die, von denen wir wissen! Der erste von euch, der zickig wird, weil er einer Minderheit angeh�rt, bekommt von meinem gr�nen Latinofu� einen Tritt in die Weicheier! Bewegt euch!�</p><p>Sie rannten �ber die Ebene davon.</p><p>Und so ging es weiter. Ruiz hatte gegen jeden etwas Bestimmtes vorzubringen, gegen Christen, Juden, Moslems und Atheisten, gegen Beamte, �rzte, Rechtsanw�lte, Lehrer, Haustierbesitzer, Waffenbesitzer, Kampfsportler, Ringer und seltsamerweise (sowohl hinsichtlich seiner Abneigung wie auch der Tatsache, dass es tats�chlich jemanden in der Truppe gab, der in diese Kategorie fiel) gegen Holzschuht�nzer. Einzeln oder in Gruppen wurden immer neue Rekruten herausgepickt und gezwungen, �ber die Ebene zu rennen.</p><p>Irgendwann wurde mir bewusst, dass Ruiz mich anstarrte. Ich wahrte die Haltung.</p><p>�Verdammt, ich fasse es nicht�, sagte Ruiz. �Einer von euch Schei�ern ist �brig!�</p><p>�Ja, Master Sergeant!�, br�llte ich, so laut ich konnte.</p><p>�Es ist f�r mich nur schwer zu glauben, dass du in keine der Kategorien f�llst, die mir gegen den Strich gehen!�, sagte Ruiz. �Wahrscheinlich versuchst du nur, dich vor einer erquickenden Joggingrunde am Morgen zu dr�cken!�</p><p>�Nein, Master Sergeant!�, bellte ich.</p><p>�Es kann einfach nicht sein, dass du keine Eigenschaft besitzt, die ich verachte. Woher kommst du?�</p><p>�Aus Ohio, Master Sergeant!�</p><p>Ruiz verzog das Gesicht. Nichts zu machen. Endlich einmal hatte sich die absolute Charakterlosigkeit von Ohio zu meinem Vorteil ausgewirkt. �Als was hast du gearbeitet, Rekrut?�</p><p>�Ich war selbstst�ndig, Master Sergeant!�</p><p>�In welchem Bereich?�</p><p>�Ich war Schriftsteller, Master Sergeant!�</p><p>Ruiz zeigte wieder sein teuflisches Grinsen. Offenbar hatte er auch etwas gegen Leute, die mit Worten ihren Lebensunterhalt verdienten. �Mit Literaten habe ich ein besonders fettes H�hnchen zu rupfen!�, rief er. �Du hast also Romane geschrieben!�</p><p>�Nein, Master Sergeant!�</p><p>�Verdammt! Dann sag mir, was du geschrieben hast!�</p><p>�Werbetexte, Master Sergeant!�</p><p>�Werbung! F�r welche nutzlosen und bescheuerten Dinge hast du Reklame gemacht?�</p><p>�Bei meinem erfolgreichsten Auftrag ging es um Rolli Roller, Master Sergeant!� Rolli Roller war das Maskottchen von Nirvana Tires, die Reifen f�r Spezialfahrzeuge herstellten. Ich hatte die Grundidee und Rollis Motto geliefert, aus der die Zeichner der Firma die Figur entwickelt hatten. Rolli Rollers Auftritt fiel zeitlich mit dem Revival der Motorr�der zusammen. Die Mode hielt mehrere Jahre lang an, und Rolli brachte Nirvana eine Menge Geld ein, nicht nur als Figur f�r Werbespots, sondern auch im Lizenzgesch�ft als Vorlage f�r Stoffpuppen, T-Shirts, Schnapsgl�ser und so weiter. Es war sogar eine Zeichentrickserie f�r Kinder geplant, aus der jedoch nichts wurde. Im Grunde war es eine ziemlich alberne Geschichte, aber Rollis Erfolg sorgte daf�r, dass mir nie die Kunden ausgingen. F�r mich hatte es sich gelohnt. Allerdings nur bis zu diesem Moment, wie es schien.</p><p>Ruiz machte unvermittelt einen Satz nach vorn und br�llte mir direkt ins Gesicht. �Du bist f�r die Rolli-Roller-Kampagne verantwortlich, Rekrut?�</p><p>�Ja, Master Sergeant!� Es bereite mir ein perverses Vergn�gen, jemanden anzuschreien, dessen Visage nur wenige Millimeter von meinem eigenen entfernt war.</p><p>Ruiz hing noch ein paar Sekunden lang vor meinem Gesicht, musterte mich ganz genau und wartete, dass ich zusammenzuckte. Dann knurrte er sogar. Schlie�lich trat er zur�ck und kn�pfte langsam sein Hemd auf. Ich wahrte die Haltung, aber pl�tzlich bekam ich gro�e Angst. Er zog sich das Hemd �ber die rechte Schulter, drehte sie in meine Richtung und trat wieder vor. �Rekrut, sage mir, was du dort auf meiner Schulter siehst!�</p><p>Ich schaute hin und dachte: <emphasis>Ich glaub�s einfach nicht!</emphasis> �Da ist ein Tattoo von Rolli Roller, Master Sergeant!�</p><p>�V�llig richtig�, bellte Ruiz zur�ck. �Ich werde dir eine Geschichte erz�hlen, Rekrut. Auf der Erde war ich mit einer sehr b�sartigen Frau verheiratet. Sie war eine wahrhaftige Giftschlange. Obwohl ich mich w�hrend der Ehe gef�hlt habe, als w�rde ich langsam an vielen kleinen Schnittwunden verbluten, hatte sie mich so fest im Griff, dass ich an Selbstmord dachte, als sie sich von mir scheiden lassen wollte. Am tiefsten Punkt meines Lebens stand ich an einer Bushaltestelle und �berlegte, ob ich mich vor den n�chsten Bus werfen sollte, der vorbeikam. Dann schaute ich auf und sah ein Werbeplakat mit Rolli Roller. Und wei�t du, welcher Spruch dort stand, Rekrut?�</p><p>�<emphasis>Manchmal muss man einfach die Kurve kratzen</emphasis>, Master Sergeant!� Ich hatte etwa f�nfzehn Sekunden gebraucht, um auf diesen Spruch zu kommen und ihn hinzuschreiben. Was f�r eine Welt!</p><p>�Genau!�, sagte er. �Und als ich auf dieses Plakat starrte, hatte ich so etwas wie meinen Moment der Erleuchtung. Pl�tzlich wusste ich, dass ich einfach die Kurve kratzen musste. Ich habe mich von der b�sen Giftschlange scheiden lassen, ich dankte meinem Schicksal, packte meine Sachen in eine Satteltasche und ritt davon. Seit jenem gesegneten Tag ist Rolli Roller mein Avatar gewesen, das Symbol meiner Sehnsucht nach Freiheit und Selbstverwirklichung. Er hat mir das Leben gerettet, Rekrut, und daf�r bin ich ihm auf ewig dankbar.�</p><p>�Das freut mich, Master Sergeant!�, br�llte ich.</p><p>�Rekrut, es ist mir eine Ehre, dich kennen gelernt zu haben. Au�erdem bist du der erste Rekrut in meiner Milit�rlaufbahn, der mir keinen unmittelbaren Anlass zur Verachtung gegeben hat. Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr mich das irritiert und entnervt. Doch ich tr�ste mich mit der ungetr�bten Gewissheit, dass du schon bald, h�chstwahrscheinlich innerhalb der n�chsten paar Stunden, etwas tun wirst, das mich ankotzt. Damit sich meine Hoffnung erf�llt, ernenne ich dich hiermit zum Kompanief�hrer. Das ist ein undankbarer Schei�job, der nichts Erstrebenswertes hat, da du noch viel h�rter mit den armseligen Rekruten umspringen musst als ich, denn f�r jeden Mist, den sie bauen, wirst du den doppelten �rger bekommen. Die Leute werden dich hassen, dich verachten, dir das Leben schwer machen, und ich werde dir eine Extraration Schei�e verpassen, wenn es ihnen gelingen sollte. Was h�lst du davon, Rekrut? Antworte mir ehrlich!�</p><p>�Ich scheine ziemlich tief in der Schei�e zu stecken, Master Sergeant!�, br�llte ich.</p><p>�So ist es, Rekrut�, sagte Ruiz. �Aber du steckst schon l�ngst tief in der Schei�e, und zwar seit dem Moment, als du in meiner Kompanie gelandet sind. Jetzt renn los! Wenn die ganze Kompanie rennt, kann der Anf�hrer nicht als Einziger zur�ckbleiben. Beweg dich!�</p><empty-line/><p>�Ich wei� nicht, ob ich dir gratulieren oder dich bedauern soll�, sagte Alan, als wir uns zum Fr�hst�ck vor der Messe wiedertrafen.</p><p>�Du darfst beides tun�, sagte ich. �Obwohl es wahrscheinlich angemessener w�re, mich zu bedauern. Ach, da sind sie ja.� Ich zeigte auf eine Gruppe von f�nf Rekruten, drei M�nner und zwei Frauen, die vor der Messe herumlungerten.</p><p>Etwas fr�her, w�hrend ich zum Sendeturm gelaufen war, w�re ich fast gegen einen Baum gerannt, als mein BrainPal mir mit einer Nachricht das Sichtfeld versperrte. Ich konnte dem Baum im letzten Moment ausweichen, streifte den Stamm lediglich mit einer Schulter und sagte Arschloch, dass er wieder auf Sprachmodus gehen sollte, bevor ich mir s�mtliche Knochen brach. Arschloch gehorchte und las mir noch einmal die Nachricht vor.</p><p><emphasis>Die Ernennung von John Perry zum Anf�hrer der 63. Ausbildungskompanie durch Master Sergeant Antonio Ruiz wird offiziell best�tigt. Herzlichen Gl�ckwunsch zu Ihrer Bef�rderung. Sie haben jetzt Zugriff auf pers�nliche Daten und BrainPal-Informationen der Rekruten der 63. Ausbildungskompanie. Wir weisen Sie darauf hin, dass diese Informationen nur f�r offizielle Zwecke verwendet werden d�rfen; eine Verwendung f�r nichtmilit�rische Zwecke f�hrt zur sofortigen Enthebung vom Posten des Kompanief�hrers und einem Disziplinarverfahren nach Ma�gabe des Basiskommandanten.</emphasis></p><p>�Toll�, sagte ich und sprang �ber einen kleinen Bach.</p><p><emphasis>Bis zum Ende der Fr�hst�ckspause Ihrer Kompanie m�ssen Sie Master Sergeant Ruiz Ihre Vorschl�ge f�r die Truppf�hrer der Kompanie vorlegen</emphasis>, fuhr Arschloch fort. <emphasis>M�chten Sie zur Unterst�tzung des Auswahlverfahrens die pers�nlichen Daten Ihrer Kompanie einsehen?</emphasis></p><p>Ich best�tigte. W�hrend ich weiterrannte, spuckte Arschloch in hohem Tempo Informationen �ber alle Rekruten aus. Als ich den Sendeturm erreicht hatte, war meine Liste auf zwanzig Kandidaten zusammengeschrumpft, als ich mich der Basis n�herte, hatte ich die komplette Kompanie auf einzelne Trupps verteilt und allen f�nf neuen Truppf�hrern Nachrichten geschickt, dass sie sich vor der Messe mit mir treffen sollten. Dieser BrainPal war in der Tat eine �u�erst praktische Einrichtung.</p><p>Au�erdem stellte ich fest, dass ich es in f�nfundf�nfzig Minuten zur�ck zur Basis geschafft hatte, und ich hatte unterwegs keine anderen Rekruten �berholt. Ich konsultierte Arschloch, der mir verriet, dass der langsamste von ihnen (ironischerweise einer der ehemaligen Marines) achtundf�nfzig Minuten und dreizehn Sekunden gebraucht hatte. Also w�rden wir morgen nicht geschlossen zum Sendeturm und zur�ck rennen&#x25E6;� zumindest nicht, weil wir zu langsam gewesen waren. Ich zweifelte jedoch nicht an Ruiz� F�higkeit, einen anderen Vorwand zu finden. Ich hoffte nur, dass ich nicht derjenige war, der ihm einen lieferte.</p><p>Als die f�nf Rekruten Alan und mich sahen, nahmen sie alle mehr oder weniger Haltung an. Drei von ihnen salutierten sofort, worauf die anderen zwei etwas unbeholfen nachzogen. Ich erwiderte den Gru� und l�chelte. ��bertreibt es nicht�, sagte ich zu den beiden. �Das alles ist auch f�r mich noch neu. Kommt jetzt. Wir stellen uns an und unterhalten uns w�hrend des Essens.�</p><p>�M�chtest du, dass ich mich absetze?�, fragte Alan mich, als wir in der Schlange standen. �Wahrscheinlich hast du eine Menge vertrauliche Sachen mit diesen Leuten zu bereden.�</p><p>�Nein. Ich m�chte dich dabeihaben. Ich w�rde gerne wissen, was du von ihnen h�ltst. Au�erdem habe ich eine Neuigkeit f�r dich. Du bist der stellvertretende Anf�hrer unseres Trupps. Da ich den Babysitter f�r eine komplette Kompanie machen muss, hei�t das, dass du praktisch die ganze Arbeit �bernehmen musst. Ich hoffe, es macht dir nichts aus.�</p><p>�Wird schon schiefgehen�, sagte Alan l�chelnd. �Danke, dass du mich in deine Kompanie aufgenommen hast.�</p><p>�Welchen Sinn haben f�hrende Posten, wenn man sie nicht f�r ein wenig Cliquenwirtschaft nutzen kann? Au�erdem wirst du mich auffangen, wenn ich in Ungnade fallen sollte.�</p><p>�Ich werde dir ein guter Karriere-Airbag sein�, versicherte Alan.</p><p>Die Messe war bis auf den letzten Platz besetzt, aber unserer siebenk�pfigen Gruppe gelang es, einen Tisch f�r uns zu beschlagnahmen. �Als Erstes wollen wir uns miteinander bekannt machen�, sagte ich. �Ich bin John Perry und zumindest vorl�ufig der Anf�hrer der Kompanie. Das ist der stellvertretende Anf�hrer meines Trupps, Alan Rosenthal.�</p><p>�Angela Merchant�, sagte die Frau, die mir gegen�bersa�. �Aus Trenton, New Jersey.�</p><p>�Terry Duncan�, sagte der Mann neben ihr. �Aus Missoula, Montana.�</p><p>�Mark Jackson. St. Louis.�</p><p>�Sarah O�Connell. Boston.�</p><p>�Martin Garabedian. Aus dem sonnigen Fresno in Kalifornien.�</p><p>�Damit w�re eine ausreichende geografische Vielfalt gegeben�, sagte ich, worauf die anderen leise lachten. Das war gut. �Ich werde es kurz machen. Wenn ich zu viel rede, wird m�glicherweise klar, dass ich keinen blassen Schimmer habe, was ich hier mache. Ich habe euch f�nf haupts�chlich deswegen ausgesucht, weil ihr im Laufe eures Lebens etwas gemacht habt, das euch zum Truppf�hrer qualifiziert. Angela, weil sie als Gesch�ftsf�hrerin gearbeitet hat. Terry hat eine Ranch verwaltet. Mark war Colonel in der Armee, und bei allem Respekt vor Sergeant Ruiz glaube ich, dass das ein Vorteil ist.�</p><p>�Das freut mich zu h�ren�, sagte Mark.</p><p>�Martin war im Stadtrat von Fresno. Und Sarah war drei�ig Jahre lang Betreuerin in einem Kindergarten, womit sie die beste Qualifikation von uns allen hat.� Wieder lachten sie. Mann, ich war richtig gut!</p><p>�Ich werde ehrlich sein�, fuhr ich fort. �Ich habe nicht vor, euch das Leben zur H�lle zu machen. In diesem Job ist Sergeant Ruiz unschlagbar, sodass ich nur eine blasse Kopie w�re. Au�erdem ist es nicht mein Stil. Ich wei� nicht, welchen F�hrungsstil ihr euch w�nscht, aber ich m�chte, dass ihr tut, was n�tig ist, um eure Rekruten durch die n�chsten drei Monate zu f�hren. Eigentlich liegt mir nichts daran, Kompanief�hrer zu sein, aber es ist mir sehr wichtig, dass jeder Rekrut in dieser Kompanie eine Ausbildung erh�lt, die ihn bef�higt, da drau�en zu �berleben. Ruiz� kleiner Film hat mich beeindruckt, und ich hoffe, dass es bei euch genauso war.�</p><p>�Darauf kannst du Gift nehmen�, sagte Terry. �Sie haben den armen Kerl wie einen Rinderbraten tranchiert.�</p><p>�Ich w�nschte, man h�tte uns den Film vor der Rekrutierung gezeigt�, sagte Angela. �Vielleicht h�tte ich mich entschieden, doch lieber alt zu bleiben.�</p><p>�Hier geht es um Krieg�, sagte Mark. �Wir wollen unser Bestes tun, damit unsere Leute solche Situationen �berstehen�, sagte ich. �Ich habe die Kompanie in sechs Trupps zu zehn Personen aufgeteilt. Ich leite Trupp A, Angela Trupp B, Terry C, Mark D, Sarah E und Martin F. Ich habe euch die Befugnis erteilt, die Daten eurer Rekruten anzurufen. W�hlt einen Stellvertreter aus und schickt mir bis zum Mittagessen die Namen. Sorgt gemeinsam daf�r, dass es keine Probleme mit der Disziplin und der Ausbildung gibt. Was mich betrifft, habe ich euch nur deshalb ausgesucht, damit ich m�glichst wenig Arbeit habe.�</p><p>�Au�er mit der F�hrung deines eigenen Trupps�, sagte Martin.</p><p>�An dieser Stelle komme ich ins Spiel�, sagte Alan.</p><p>�Wir wollen uns jeden Tag zum Mittagessen treffen�, sagte ich. �Die anderen Mahlzeiten nehmen wir gemeinsam mit unserem Trupp ein. Wenn ihr mir etwas mitzuteilen habt, nehmt unverz�glich Kontakt mit mir auf. Aber ich erwarte von euch, dass ihr versucht, m�glichst viele Probleme selber zu l�sen. Wie ich bereits erw�hnte, habe ich nicht vor, euch zu drangsalieren, aber in letzter Konsequenz bin ich der Anf�hrer der Kompanie. Also gilt das, was ich sage. Wenn ich das Gef�hl habe, dass ihr euren Aufgaben nicht gewachsen seid, werde ich zuerst unter vier Augen mit euch reden, und wenn das nicht funktioniert, werde ich euch ersetzen. Wenn das passiert, ist es nicht pers�nlich gemeint. Damit will ich nur erreichen, dass wir alle die n�tige Ausbildung erhalten, um da drau�en zu �berleben. K�nnt ihr damit leben?�</p><p>�berall wurde genickt.</p><p>�Ausgezeichnet�, sagte ich und hob mein Glas. �Dann wollen wir auf die 63. Ausbildungskompanie trinken. Darauf, dass wir die Sache heil �berstehen.� Wir stie�en an, dann gingen wir zur Mahlzeit und allgemeinem Geplauder �ber. Alles entwickelte sich bestens, dachte ich.</p><p>Es dauerte nicht lange, bis ich diese Einsch�tzung revidieren musste.</p></section><section><title><p>8</p></title><p>Der Tag auf Beta Pyxis III dauert zweiundzwanzig Stunden, dreizehn Minuten und vierundzwanzig Sekunden. Davon wurden uns zwei Stunden zum Schlafen geg�nnt.</p><p>Diese reizende Tatsache wurde mir gleich nach der ersten Nacht bewusst, als Arschloch mich mit dr�hnendem Sirenenl�rm weckte, der mich so abrupt hochschrecken lie�, dass ich von meiner Pritsche fiel. Nat�rlich handelte es sich um die obere einer doppelst�ckigen Pritsche. Nachdem ich mich vergewissert hatte, dass meine Nase nicht gebrochen war, las ich den Text, der vor meinen Augen hing.</p><p><emphasis>Kompanief�hrer Perry, hiermit wird Ihnen mitgeteilt, dass Ihnen noch 1:40 Minuten bleiben</emphasis> (dieser Zahlenwert verringerte sich mit jeder verstreichenden Sekunde)<emphasis>, bis Master Sergeant Ruiz und seine Mitarbeiter Ihre Baracke betreten. Zu diesem Zeitpunkt muss Ihre Kompanie aufgestanden sein und Haltung angenommen haben. Jeder Rekrut, der nicht in korrekter Haltung angetroffen wird, muss mit einem Verweis rechnen, der in Ihrem F�hrungszeugnis verzeichnet wird.</emphasis></p><p>�ber den Kommunikationsring, den ich am Vortag eingerichtet hatte, leitete ich die Nachricht unverz�glich an meine Truppf�hrer weiter, schickte ein allgemeines Wecksignal an s�mtliche BrainPals der Kompanie und schaltete die Beleuchtung der Baracke ein. Darauf folgten ein paar am�sante Sekunden, als alle Rekruten von einem Signal, das nur sie h�ren konnten, aus dem Schlaf gerissen wurden. Die meisten sprangen v�llig verwirrt aus dem Bett, ich und die anderen Truppf�hrer packten jene, die immer noch in der Waagerechten lagen, und rissen sie hoch. Innerhalb einer Minute hatten wir alle geweckt und Haltung annehmen lassen. Die restlichen paar Sekunden gingen daf�r drauf, einige besonders langsame Rekruten zu �berzeugen, dass jetzt nicht der Zeitpunkt zum Pinkeln war, sondern sie strammstehen und sich nicht bei Ruiz unbeliebt machen sollten, wenn er durch die T�r kam.</p><p>Nicht dass es eine Rolle gespielt h�tte. �Was ist das f�r ein Saftladen!�, br�llte Ruiz. �Perry!�</p><p>�Ja, Master Sergeant!�</p><p>�Was, zum Henker, haben Sie w�hrend der zweimin�ten Vorbereitungszeit getrieben? Sich einen runtergeholt? Die Kompanie ist nicht bereit! Die Rekruten sind nicht f�r die �bungen angekleidet, die sie in K�rze ausf�hren m�ssen! Welche Erkl�rung haben Sie daf�r?�</p><p>�Master Sergeant, in der Nachricht hie� es, dass die Kompanie Haltung annehmen sollte, wenn Sie und Ihre Mitarbeiter eintreffen! Dass sich die Leute ankleiden sollen, wurde nicht erw�hnt!�</p><p>�Verdammt, Perry! Meinen Sie nicht, dass das Angezogensein ein Teil des Strammstehens ist?�</p><p>�Ich w�rde mir nicht anma�en, etwas zu mutma�en, Master Sergeant!�</p><p>��Anma�en zu mutma�en�? Wollen Sie mich verschei�ern, Perry?�</p><p>�Nein, Master Sergeant!�</p><p>�Gut, dann mutma�en Sie bitte, dass sich Ihre Kompanie auf dem Exerzierplatz versammeln soll. Sie haben f�nfundvierzig Sekunden. Los!�</p><p>�Raus, Leute!�, br�llte ich und rannte im gleichen Moment los, w�hrend ich betete, dass mein Trupp mir auf dem Fu� folgte. Als ich durch die T�r kam, h�rte ich, wie Angela ihrem Trupp B den gleichen Befehl zuschrie. Es war eine gute Entscheidung gewesen, sie auszusuchen. Endlich erreichten wir den Exerzierplatz, und mein Trupp stellte sich hinter mir in einer Reihe auf. Angelas Leute bauten sich rechts von mir auf, dahinter kamen Terry und die anderen. Der letzte Mann des Trupps F stand in der vierundvierzigsten Sekunde auf Position. Erstaunlich. An anderen Stellen des Exerzierplatzes versammelten sich gleichzeitig die anderen Rekrutenkompanien, und zwar genauso unangekleidet wie die dreiundsechzigste. Ich versp�rte eine gewisse Erleichterung.</p><p>Im n�chsten Moment trat Ruiz vor die Kompanie, gefolgt von seinen zwei Assistenten. �Perry! Wie sp�t ist es?�</p><p>Ich griff auf meinen BrainPal zu. �Genau null Uhr Ortszeit, Master Sergeant!�</p><p>�Hervorragend, Perry. Sie k�nnen die Uhrzeit ansagen. Wann sind gestern die Lichter ausgegangen?�</p><p>�Um genau zweiundzwanzig Uhr, Master Sergeant!�</p><p>�Wieder richtig! Jetzt m�gen sich einige von euch fragen, warum wir euch nach nur zwei Stunden Schlaf wieder hochscheuchen. Weil wir grausam sind? Sadistisch? Weil wir euch fertigmachen wollen? Ja, das sind wir. Ja, das wollen wir. Aber das ist nicht der Grund, warum wir euch so fr�h geweckt haben. Der Grund ist ein ganz einfacher. <emphasis>Ihr braucht nicht mehr Schlaf.</emphasis> Dank eurer wunderbaren neuen K�rper seid ihr nach zwei Stunden v�llig ausgeschlafen! Ihr habt in den letzten Tagen acht Stunden pro Tag geschlafen, weil ihr daran gew�hnt seid. Aber damit ist es jetzt vorbei, meine Damen und Herren. Mit so viel Schlaf vergeudet ihr meine kostbare Zeit. Mehr als zwei Stunden braucht ihr nicht, also werdet ihr von nun an nicht mehr als zwei Stunden bekommen!</p><p>N�chste Frage: Wer kann mir sagen, warum ihr gestern die zwanzig Kilometer in einer Stunde rennen solltet?�</p><p>Ein Rekrut hob die Hand.</p><p>�Ja, Thompson?�, sagte Ruiz. Entweder hatte er sich die Namen s�mtlicher Rekruten eingepr�gt, oder sein BrainPal stellte ihm diese Information zur Verf�gung. Ich wollte mir kein Urteil anma�en, welche Mutma�ung zutreffend war.</p><p>�Master Sergeant, wir mussten die Strecke rennen, weil jeder von uns Ihnen einen Grund zur Verachtung gibt!�</p><p>�Ausgezeichnete Antwort, Thompson. Aber sie ist nur zum Teil richtig. Ihr musstet zwanzig Kilometer in einer Stunde laufen, weil ihr es k�nnt. Selbst die Langsamsten von euch haben die vorgegebene Zeit um nur zwei Minuten unterboten. Das bedeutet, dass jeder Einzelne von euch Schei�ern ohne Training, ohne die geringste echte Anstrengung dasselbe leistet wie olympische Goldmedaillengewinner auf der Erde.</p><p>Und wisst ihr auch, warum das so ist? Ist es euch klar? Es ist so, weil keiner von euch mehr menschlich ist! Ihr seid viel besser! Ihr wisst es nur noch nicht. Schei�e, ihr habt eine Woche damit verplempert, zwischen den W�nden eines Raumschiffs herumzuh�pfen, und ihr habt wahrscheinlich immer noch nicht kapiert, aus welchem Holz ihr geschnitzt seid. Nun, meine Damen und Herren, das wird sich jetzt �ndern. In der ersten Woche eurer Ausbildung geht es nur darum, zu <emphasis>glauben</emphasis>, wozu ihr in der Lage seid. Und ihr werdet glauben! Euch bleibt gar keine andere Wahl!�</p><p>Dann rannten wir 25 Kilometer in Unterw�sche.</p><p>F�nfundzwanzig Kilometer laufen. Hundert Meter in sieben Sekunden rennen. Aus dem Stand zwei Meter senkrecht in die Luft springen. Einen Satz �ber zehn Meter breite Gr�ben machen. Zweihundert Kilo schwere Gewichte stemmen. Aberhundert Kniebeugen, Liegest�tze und Klimmz�ge. Wie Ruiz gesagt hatte, war es gar nicht so schwer, all diese Leistungen zu vollbringen, sondern zu <emphasis>glauben</emphasis>, dass wir sie schaffen konnten. Immer wieder versagten Rekruten, weil sie irgendwann die Nerven verloren. Dann machten sich Ruiz und seine Assistenten �ber diese Leute her und sch�chterten sie so lange ein, bis sie es schafften (und lie�en mich dann Liegest�tze machen, weil ich oder meine Truppf�hrer unsere Leute nicht hinreichend eingesch�chtert hatten).</p><p>Jeder Rekrut&#x25E6;� <emphasis>jeder</emphasis>&#x25E6;� hatte seinen oder ihren Moment des Zweifels. Meiner kam am vierten Tag, als sich die 63. Kompanie rund um den Swimmingpool der Basis versammelt hatte, jeder mit einem f�nfundzwanzig Kilo schweren Sandsack im Arm.</p><p>�Was ist der gr��te Schwachpunkt des menschlichen K�rpers?�, fragte Ruiz, w�hrend er langsam um die Kompanie herumging. �Es ist nicht das Herz oder das Gehirn oder die F��e oder irgendetwas anderes, was ihr jetzt denkt. Ich sage euch, was es ist. Es ist das Blut, und das ist eine schlechte Neuigkeit, weil sich das Blut �berall im K�rper befindet. Es transportiert Sauerstoff, aber es transportiert auch Krankheiten. Wenn ihr verwundet seid, gerinnt das Blut, aber h�ufig nicht schnell genug, um euch vor dem Tod durch Verbluten zu bewahren. Obwohl man in diesem Fall in Wirklichkeit an Sauerstoffmangel stirbt. Weil nicht mehr genug Blut im K�rper ist. Stattdessen flie�t es aus euch heraus und versickert im Boden, wo es euch nichts mehr n�tzt.</p><p>Die Koloniale Verteidigungsarmee hat in ihrer g�ttlichen Weisheit entschieden, v�llig auf normales menschliches Blut zu verzichten. Es wurde durch SmartBlood ersetzt. SmartBlood besteht aus Milliarden Robotern in Nanometergr��e, die all das machen, was Blut macht, nur viel besser. Es ist nicht organisch, also ist es keinen biologischen Risiken ausgesetzt. Es kommuniziert mit eurem BrainPal, sodass es innerhalb von Millisekunden gerinnen kann. Ihr k�nntet ein komplettes Bein verlieren, ohne dass ihr daran verbluten w�rdet. Viel wichtiger ist f�r euch im Moment die Tatsache, dass jede �Zelle� SmartBlood viermal so viel Sauerstoff aufnehmen kann wie nat�rlich rote Blutk�rperchen.�</p><p>Ruiz blieb stehen. �Das ist f�r euch deshalb so wichtig, weil ihr alle gleich mit dem Sandsack in den Pool springen werdet. Ihr werdet zu Boden sinken. Und dort werdet ihr mindestens sechs Minuten lang bleiben. Sechs Minuten unter Wasser reichen aus, um einen durchschnittlichen Menschen zu t�ten, aber jeder von euch kann es mindestens so lange aushalten, ohne eine einzige Gehirnzelle zu verlieren. Um euch einen Anreiz zu geben, lange genug unten zu bleiben, wird der erste von euch, der auftaucht, eine Woche lang zum Latrinendienst verdonnert. Und wenn dieser Rekrut vor Ablauf der sechs Minuten auftaucht, dann sagen wir einfach, dass jeder von euch intensive pers�nliche Bekanntschaft mit einem Schei�loch irgendwo auf dieser Basis machen wird. Kapiert? Also rein mit euch!�</p><p>Wir sprangen, und wie versprochen sanken wir direkt zum Grund des Beckens in drei Metern Tiefe. Fast unmittelbar darauf flippte ich aus. Als Kind war ich einmal in einen abgedeckten Pool gefallen. Dabei hatte ich die Abdeckplane aufgerissen, worauf ich mehrere panische und orientierungslose Minuten damit verbrachte, den Weg zur�ck an die Oberfl�che zu finden. Diese Minuten reichten nicht aus, um zu ertrinken, aber sie hatten gen�gt, um eine lebenslange Aversion zu entwickeln, mit dem Kopf vollst�ndig unterzutauchen. Nach etwa drei�ig Sekunden hatte ich das unwiderstehliche Bed�rfnis nach einem tiefen Atemzug an der frischen Luft. Ich w�rde auf gar keinen Fall eine ganze Minute durchhalten, geschweige denn sechs.</p><p>Ich sp�rte im R�cken eine Ber�hrung. Ich drehte mich erschrocken um und sah, dass Alan, der neben mir untergetaucht war, zu mir her�bergekommen war. Durch das tr�be Wasser konnte ich erkennen, wie er sich gegen den Kopf tippte und dann auf meinen zeigte. In diesem Moment teilte Arschloch mir mit, dass Alan Kontakt mit mir aufnehmen wollte. Ich dachte ein <emphasis>Einverstanden</emphasis>. Dann h�rte ich eine emotionslose Wiedergabe von Alans Stimme in meinem Kopf.</p><p><emphasis>Stimmt was nicht?</emphasis>, fragte Alan.</p><p><emphasis>Phobie</emphasis>, antwortete ich.</p><p><emphasis>Nicht in Panik geraten</emphasis>, gab Alan zur�ck. <emphasis>Vergiss, dass du unter Wasser bist.</emphasis></p><p><emphasis>Witzbold!</emphasis></p><p><emphasis>Dann lenk dich ab. Frag deine Truppf�hrer, ob irgendjemand Probleme hat, und hilf ihnen �</emphasis></p><p>Die unheimliche Ruhe von Alans simulierter Stimme half mir. Ich �ffnete einen Kanal zu meinen Truppf�hrern, um mich nach ihrem Befinden zu erkundigen und sie anzuweisen, dasselbe mit ihren Leuten zu machen. Jeder von ihnen hatte ein oder zwei Rekruten, die kurz davor standen, in Panik zu geraten. Sie redeten mit ihnen, um sie zu beruhigen. Neben mir konnte ich erkennen, wie sich Alan um unseren Trupp k�mmerte.</p><p>Drei Minuten, dann vier Minuten. In Martins Gruppe schlug ein Rekrut wild um sich und zuckte heftig, wobei sein Sandsack als Anker fungierte. Martin lie� seinen eigenen Sack fallen und schwamm zu ihm hin�ber. Er packte ihn an den Schultern und brachte ihn dazu, ihm ins Gesicht zu sehen. Ich zapfte Martins BrainPal an und h�rte, wie er zum Rekruten sagte: <emphasis>Konzentrier dich auf mich, auf meine Augen</emphasis>. Es schien zu helfen. Der Rekrut h�rte auf, um sich zu schlagen und entspannte sich.</p><p>F�nf Minuten. Trotz unserer verbesserten Leistungsf�higkeit sp�rten jetzt alle die ersten Auswirkungen des Sauerstoffmangels. Die Leute traten von einem Fu� auf den anderen oder h�pften auf der Stelle. In einer Ecke sah ich eine Rekrutin, die ihren Sandsack gegen den Kopf presste. Ich h�tte fast dar�ber gelacht, aber gleichzeitig �berlegte ich, ob ich nicht dasselbe tun sollte.</p><p>F�nf Minuten und dreiundvierzig Sekunden. Einer der Rekruten aus Marks Trupp lie� den Sandsack fallen und schwamm zur Oberfl�che hinauf. Mark setzte ihm lautlos nach, packte den Mann am Kn�chel und zog ihn mit seinem Gewicht wieder nach unten. Ich dachte daran, dass Marks stellvertretender Truppf�hrer ihm dabei h�tte helfen k�nnen, doch als ich meinen BrainPal konsultierte, wurde mir klar, dass der Rekrut mit den Schwierigkeiten sein Stellvertreter war.</p><p>Sechs Minuten. Vierzig Rekruten warfen die Sands�cke weg und k�mpften sich nach oben. Mark lie� den Fu� seines Stellvertreters los und gab ihm von unten einen Schubs, damit er als Erster die Oberfl�che erreichte und den Latrinendienst �bernahm, zu dem er sich bereits freiwillig gemeldet hatte. Ich machte mich ebenfalls bereit f�r den Aufstieg, als ich sah, wie Alan den Kopf sch�ttelte.</p><p><emphasis>Der Truppf�hrer sollte am l�ngsten durchhalten</emphasis>, sendete er.</p><p><emphasis>Leck mich</emphasis>, antwortete ich.</p><p><emphasis>Tut mir leid, bist nicht mein Typ</emphasis>, gab er zur�ck.</p><p>Ich schaffte sieben Minuten und einunddrei�ig Sekunden, bis ich mit dem Gef�hl auftauchte, dass meine Lungen jeden Augenblick explodieren w�rden. Aber ich hatte meinen Moment des Zweifels �berstanden. Nun glaubte ich, dass ich mehr war als ein normaler Mensch.</p><empty-line/><p>In der zweiten Woche lernten wir unsere Waffe kennen.</p><p>�Das ist das KVA-Infantriegewehr vom Typ VZ-35�, sagte Ruiz und zeigte uns seine Waffe, w�hrend unsere noch in der Schutzverpackung vor uns auf dem Boden des Exerzierplatzes lagen. �Das �VZ� steht f�r �Vielzweck�. Ihr k�nnt damit ganz nach Wunsch sechs verschiedene Projektile oder Strahlen erzeugen und abfeuern, und zwar Gewehrkugeln mit und ohne Sprengladung, halbautomatisch sowie vollautomatisch, au�erdem leichte Granaten, leichte Lenkraketen, brennbare Hochdruckfl�ssigkeit und Energiestrahlen im Mikrowellenbereich. Diese Vielfalt wird durch die Verwendung von hochverdichteter nanorobotischer Munition m�glich.� Ruiz hielt einen Klotz aus einem stumpf schimmernden Material hoch, das wie Metall aussah. Ein �hnlicher Klotz lag neben dem Gewehr zu meinen F��en. �Sie konfiguriert sich selbst unmittelbar vor dem Abschuss. Es handelt sich also um eine Waffe mit maximaler Flexibilit�t und minimalen Trainingsanforderungen, was traurige Ansammlungen von umherlaufendem Fleisch wie ihr sicherlich zu sch�tzen wisst.</p><p>Diejenigen von euch mit milit�rischer Erfahrung erinnern sich zweifellos daran, wie h�ufig von euch erwartet wurde, eure Waffe auseinanderzunehmen und wieder zusammenzubauen. <emphasis>Das werdet ihr mit eurer VZ-35 nicht tun.</emphasis> Die VZ-35 ist eine �u�erst komplext aufgebaute Maschine, und das hei�t, dass ihr auf gar keinen Fall daran herumdrehen werdet! Sie ist von Hause aus mit Systemen zur Selbstdiagnose und -reparatur ausgestattet. Au�erdem kann sie mit eurem BrainPal Verbindung aufnehmen, um euch �ber eventuelle Probleme zu informieren, was jedoch praktisch nie geschehen wird, da in den drei�ig Jahren, seit diese Waffe in Dienst gestellt wurde, nie eine VZ-35 den Geist aufgegeben hat. Das liegt daran, dass wir im Gegensatz zu den schwachsinnigen Milit�rwissenschaftlern auf der Erde eine Waffe bauen k�nnen, die tats�chlich funktioniert! Es ist nicht eure Aufgabe, an der Waffe herumzufummeln, es ist eure Aufgabe, mit dieser Waffe zu schie�en. Vertraut eurer Waffe, denn sie ist mit recht hoher Wahrscheinlichkeit intelligenter als ihr. Wenn ihr st�ndig daran denkt, bleibt ihr vielleicht am Leben.</p><p>Ihr aktiviert eure VZ-35 in dem Augenblick, wo ihr sie aus der Schutzverpackung nehmt und mit eurem BrainPal darauf zugreift. Wenn ihr das getan habt, wird sie im wahrsten Sinne des Wortes eure Waffe sein, eure pers�nliche Waffe. Solange ihr euch auf dieser Basis aufhaltet, werdet nur ihr selbst mit eurer per�nlichen VZ-35 schie�en k�nnen, und zwar nur dann, wenn ihr von den Anf�hrern eures Trupps oder eurer Kompanie die Erlaubnis dazu erhalten habt. Diese wiederum erhalten die Erlaubnis von ihren Ausbildern. In einer realen Kampfsituation k�nnen nur KVA-Soldaten mit KVA-BrainPals eure VZ-35 abfeuern. Solange ihr euren eigenen Kameraden nicht auf die Nerven geht, muss keiner jemals bef�rchten, dass eure Waffe gegen euch selbst verwendet werden kann.</p><p>Von diesem Moment an werdet ihr eure VZ-35 st�ndig dabeihaben, ganz gleich, wohin ihr geht. Ihr werdet sie auch aufs Schei�haus mitnehmen. Ihr werdet sie mitnehmen, wenn ihr duschen geht. Macht euch keine Sorgen, dass sie dabei nass wird. Sie wird alles absto�en, was sie als fremde Materie einstuft. Ihr werdet sie bei den Mahlzeiten dabeihaben. Ihr werdet mit ihr schlafen. Falls es euch irgendwie gelingt, Zeit zum V�geln zu finden, solltet ihr daf�r sorgen, dass eure VZ-35 freie Sicht auf das Geschehen hat.</p><p>Ihr werdet lernen, wie ihr diese Waffe benutzen m�sst. Sie wird euch das Leben retten. Die Marines der US-Armee sind beschissene Idioten, aber eine Sache haben sie richtig gemacht, und zwar das Glaubensbekenntnis zu ihrem Marines-Gewehr. Darin hei�t es: �Dies ist mein Gewehr. Es gibt viele andere Gewehre, aber dies ist meins. Mein Gewehr ist mein bester Freund. Es ist mein Leben. Ich muss es im Griff haben, wie ich mein Leben im Griff haben muss. Ohne mich ist mein Gewehr nutzlos. Ohne mein Gewehr bin ich nutzlos. Mit meinem Gewehr muss ich zielgenau schie�en. Ich muss besser schie�en als mein Feind, der versucht, mich zu t�ten. Ich muss ihn erschie�en, bevor er mich erschie�en kann. Und ich werde es schaffen.�</p><p>Meine Damen und Herren, macht euch dieses Glaubensbekenntnis zu eigen. Dies ist euer pers�nliches Gewehr. Nehmt es jetzt zur Hand und aktiviert es.�</p><p>Ich b�ckte mich und zog das Gewehr aus der Plastikh�lle. Trotz allem, was Ruiz �ber die Waffe gesagt hatte, machte die VZ-35 keinen besonderen Eindruck. Sie war schwer, aber sie war keineswegs unhandlich. Sie lag gut in der Hand und hatte genau die richtige Gr��e, um sie ohne Schwierigkeiten bedienen zu k�nnen. Auf einer Seite des Kolbens war ein Aufkleber befestigt. �ZUR AKTIVIERUNG MIT BRAINPAL: Initialisieren Sie Ihren BrainPal und erteilen Sie den Befehl <emphasis>VZ-35 aktivieren, Seriennummer ASD-324-DDD-4E3C1</emphasis>.�</p><p>�He, Arschloch�, sagte ich. �Aktiviere VZ-35, Seriennummer ASD-324-DDD-4E3C1.�</p><p><emphasis>VZ-35 ASD-324-DDD-4E3C1 ist jetzt aktiviert f�r den KVA-Rekruten John Perry</emphasis>, best�tigte Arschloch. <emphasis>Bitte Munition laden.</emphasis> Eine kleine Grafik hing in der Ecke meines Gesichtsfeldes und verriet mir, wie ich mein Gewehr zu laden hatte. Ich b�ckte mich erneut, um den quaderf�rmigen Block aufzuheben, der die Munition darstellte. Dabei h�tte ich fast das Gleichgewicht verloren, denn das Ding war erstaunlich schwer. Das mit dem �hochverdichtet� war also keineswegs ein Scherz gewesen. Ich schob es wie angewiesen ins Gewehr. Unmittelbar danach verschwand die Grafik mit den Anweisungen und wurde durch folgende Meldung ersetzt:</p><empty-line/><p><emphasis>Schussoptionen verf�gbar</emphasis></p><p><emphasis>Achtung: Die Benutzung eines Munitionstyps verringert die Verf�gbarkeit anderer Munitionstypen</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>Gewehrkugeln: 200 Explosivpatronen: 80 Granaten: 40 Raketen: 35 Projektildauerfeuer: 10 Minuten Mikrowellenstrahlen: 10 Minuten Derzeit ausgew�hlt: Gewehrkugeln</emphasis></p><p>�Explosivpatronen ausw�hlen�, sagte ich.</p><p><emphasis>Explosivpatronen ausgew�hlt</emphasis>, best�tigte Arschloch.</p><p>�Raketen ausw�hlen�, sagte ich.</p><p><emphasis>Raketen ausgew�hlt</emphasis>, sagte Arschloch. <emphasis>Bitte Ziel angeben.</emphasis> Pl�tzlich war jedes Mitglied des Trupps mit einem gr�nen Zielrahmen markiert. Wenn ich einen davon direkt ansah, blinkte die Markierung. <emphasis>Was soll�s</emphasis>, dachte ich und w�hlte einen aus, Toshima, einen Rekruten in Martins Trupp.</p><p><emphasis>Ziel erfasst</emphasis>, best�tigte Arschloch. <emphasis>Du kannst jetzt feuern, abbrechen oder ein zweites Ziel ausw�hlen.</emphasis></p><p>�Wow!�, sagte ich, brach den Befehl ab und starrte auf meine VZ-35. Ich drehte mich zu Alan um, der mit seiner Waffe in der Hand neben mir stand. �Dieses Ding macht mir Angst.�</p><p>�Was du nicht sagst�, erwiderte er. �Vor zwei Sekunden h�tte ich dich fast mit einer Granate in die Luft gejagt.�</p><p>Ich kam nicht mehr dazu, etwas zu diesem schockierenden Eingest�ndnis zu sagen, als Ruiz auf der anderen Seite der Kompanie pl�tzlich einem Rekruten an die Gurgel sprang. �Was haben Sie gerade gesagt, Rekrut?�, wollte Ruiz wissen. Alle anderen verstummten und sahen sich zum Ungl�cklichen um, der den Zorn des Ausbilders erregt hatte.</p><p>Der Rekrut war Sam McCain. Ich erinnerte mich, dass Sarah O�Connor w�hrend einer Sitzung beim Mittagessen �ber ihn gesagt hatte, dass seine Klappe gr��er als sein Hirn war. Dazu passte, dass er fast sein ganzes Leben lang als Verk�ufer gearbeitet hatte. Selbst als Ruiz nur wenige Millimeter vor seiner Nase hing, legte McCain eine einschmeichelnde Gelassenheit an den Tag. Eine leicht �berraschte einschmeichelnde Gelassenheit, bei der es sich aber nichtsdestotrotz um einschmeichelnde Gelassenheit handelte. Offensichtlich hatte er keine Ahnung, wor�ber Ruiz sich so sehr aufregte, aber er erwartete in jedem Fall, ungeschoren aus der Sache herauszukommen.</p><p>�Ich habe nur meine Waffe bewundert, Master Sergeant�, antwortete McCain und hielt sein Gewehr hoch. �Und ich sagte zu Rekrut Flores, dass mir die armen Schweine, gegen die wir in den Kampf ziehen werden, beinahe leid tun ��</p><p>Der Rest seiner Antwort ging verloren, als Ruiz dem verbl�fften Rekruten ohne Vorwarnung die Waffe entriss und sie mit einer beinahe gelassenen Drehung herumschwenkte, sodass die flache Seite des Gewehrkolbens gegen McCains Schl�fe schlug. McCain fiel wie ein Haufen W�sche in sich zusammen. Ruiz machte v�llig gelassen einen Schritt nach vorn und setzte seinen Stiefel auf McCains Kehle. Dann drehte er das Gewehr herum. McCain starrte entsetzt in den Lauf seiner eigenen Waffe.</p><p>�Jetzt fallen Ihnen keine witzigen Spr�che mehr ein, was?�, sagte Ruiz. �Stellen Sie sich vor, ich bin Ihr Feind, Sie kleiner Schei�er. W�rden Sie immer noch sagen, dass ich Ihnen leid tue? Ich habe Sie gerade entwaffnet, und zwar schneller, als Sie ein- und ausatmen k�nnen. Die <emphasis>armen Schweine</emphasis> da drau�en bewegen sich schneller, als Sie sich jemals vorstellen k�nnen. Sie haben Ihre Leber zu Brotaufstrich verarbeitet und verspeist, w�hrend Sie noch versuchen, irgendein Ziel zu erfassen. Also hoffe ich, dass Ihnen diese armen Schweine nie wieder <emphasis>beinahe leid tun</emphasis>. Sie haben Ihr Mitgef�hl nicht verdient. Haben Sie das verstanden, Rekrut?�</p><p>�Ja, Master Sergeant!�, keuchte McCain am Stiefelabsatz vorbei. Er stand kurz davor, in Tr�nen auszubrechen.</p><p>�Dann will ich daf�r sorgen, dass Sie es auf keinen Fall wieder vergessen�, sagte Ruiz, hielt den Lauf genau zwischen McCains Augen und dr�ckte auf den Abzug. Ein trockenes <emphasis>Klick</emphasis> war zu h�ren. Alle Mitglieder der Kompanie zuckten zusammen. McCain machte sich die Hosen nass.</p><p>�Idiot�, sagte Ruiz, nachdem McCain klar geworden war, dass er doch nicht tot war. �Sie haben vorhin nicht richtig zugeh�rt. Die VZ-35 kann in der Basis nur von ihrem pers�nlichen Besitzer abgefeuert werden. Und das sind <emphasis>Sie</emphasis>, Arschloch!� Ruiz richtete sich auf, warf McCain ver�chtlich sein Gewehr zu und wandte sich wieder der ganzen Kompanie zu.</p><p>�Ihr alle seid noch bl�der, als ich gedacht habe�, erkl�rte Ruiz. �Ich hoffe, dass ihr mir jetzt zuh�rt. In der gesamten Geschichte der Menschheit gab es noch nie eine Armee, die f�r den Krieg mit mehr als dem <emphasis>Mindesten</emphasis> ausger�stet war, das notwendig ist, um den Feind zu bek�mpfen. Ein Krieg ist sehr teuer. Er kostet Geld, und er kostet Leben, und keine Zivilisation hat beides im �berfluss. Wenn man k�mpft, versucht man also, sparsam zu sein. Man benutzt nur das, was unbedingt n�tig ist, und auf keinen Fall mehr.�</p><p>Er sah uns mit finsterer Miene an. �Kapiert ihr, was ich euch damit sagen will? Ihr habt diese wunderbaren neuen K�rper und diese tollen neuen Waffen nicht bekommen, weil wir euch einen unfairen Vorteil verschaffen wollen. Ihr habt diese K�rper und diese Waffen, weil sie das <emphasis>absolute Minimum</emphasis> darstellen, das n�tig ist, wenn ihr da drau�en k�mpfen und �berleben wollt. Es war nicht unser <emphasis>Herzenwunsch</emphasis>, Sie in diese neuen K�rper zu stecken, ihr Hohlsch�del! Daf�r gibt es nur einen einzigen Grund: Wenn wir es nicht getan h�tten, w�re die Menschheit l�ngst <emphasis>ausgel�scht</emphasis>.</p><p>Habt ihr es jetzt begriffen? Habt ihr jetzt eine ungef�hre Vorstellung, was euch da drau�en erwartet?�</p><empty-line/><p>Aber es ging nicht nur um frische Luft, �bungen und T�ten im Dienst der Menschheit. Manchmal hatten wir auch Unterricht.</p><p>�W�hrend Ihrer k�rperlichen Ausbildung lernen Sie, Ihre falschen Vorstellungen und Hemmungen hinsichtlich der F�higkeiten Ihres neuen K�rpers zu �berwinden�, erkl�rte Lieutenant Oglethorpe im Vortragssaal, der mit den Ausbildungskompanien 60 bis 63 gef�llt war. �Jetzt m�ssen wir dasselbe mit Ihrem Bewusstsein tun. Es wird Zeit, dass Sie einige tief verwurzelte Vorurteile ablegen, von denen Sie wahrscheinlich gar nicht wissen, dass es unbegr�ndete Vorurteile sind.�</p><p>Lieutenant Oglethorpe dr�ckte einen Knopf auf dem Podium, hinter dem er stand. An der Wand erwachten zwei gro�e Bildschirme zum Leben. Auf dem linken wurde etwas Alptraumhaftes sichtbar&#x25E6;� ein schwarzes, knorriges Gebilde mit gez�hnten Hummerscheren, die aus einer pornografisch feuchten K�rper�ffnung hervorragten, sodass man beinahe den Gestank wahrnehmen konnte. �ber dem formlosen K�rper hingen drei Augenstiele oder Antennen oder was auch immer es in Wirklichkeit sein mochte. Daran hingen Tropfen aus gelblicher Fl�ssigkeit. H. P. Lovecraft w�re schreiend davor weggelaufen.</p><p>Das rechte Bild zeigte ein ann�hernd hirschartiges Gesch�pf mit ausgepr�gten, beinahe menschlichen H�nden und einem fast niedlichen Gesicht, dessen Miene Friedfertigkeit und Weisheit ausdr�ckte. Wenn man diesen Typ nicht streicheln konnte, w�rde man von ihm bestimmt eine Menge �ber die Natur des Universums lernen.</p><p>Lieutenant Oglethorpe nahm einen Laserpointer in die Hand und deutete auf das Alptraumwesen. �Dieses Wesen geh�rt dem Volk der Bathunga an. Die Bathunga sind zutiefst pazifistische Wesen, ihre Kultur reicht mehrere hunderttausend Jahre zur�ck, und sie haben eine Mathematik entwickelt, gegen die sich unsere wie einfachste Addition ausnimmt. Sie leben im Ozean, ern�hren sich von Plankton und koexistieren auf mehreren Welten mit Menschen, ohne dass es je zu irgendeinem Konflikt kam. Es sind sehr nette Gesch�pfe, und dieses Exemplar�&#x25E6;� er deutete auf den Schirm&#x25E6;� �ist ein besonders h�bscher Vertreter seiner Spezies.�</p><p>Dann wandte er sich dem zweiten Bildschirm mit dem Hirschwesen zu. �Dieser Mistkerl hier ist ein Salong. Unsere erste offizielle Begegnung mit den Salong fand statt, nachdem wir eine inoffizielle menschliche Kolonie entdeckt hatten. Menschen sollten nicht auf eigene Faust Kolonien gr�nden, und in diesem Fall wird der Grund besonders offensichtlich. Die Kolonisten landeten auf einem Planeten, f�r den sich auch die Salong interessierten, und irgendwann stellten die Salong fest, dass die Menschen eine gute Nahrungsquelle darstellen. Also �berfielen sie den Planeten und richteten eine Viehfarm ein. Alle erwachsenen M�nner wurden bis auf eine Handvoll get�tet, und den �berlebenden wurde das Sperma abgemolken. Die Frauen wurden k�nstlich befruchtet und ihre Kinder in Pferchen gehalten und wie K�lber gem�stet.</p><p>Viele Jahre vergingen, bevor wir den Planeten fanden. Danach machten die KVA-Truppen die Salong-Kolonie dem Erdboden gleich und grillten den Leiter der Salong bei lebendigem Leib. Muss ich ausdr�cklich darauf hinweisen, dass wir seitdem gegen diese babyfressenden Monster Krieg f�hren?</p><p>Vermutlich ist Ihnen klar, was ich Ihnen mit diesen Beispielen verdeutlichen m�chte�, sagte Oglethorpe. �Wenn Sie glauben, auf den ersten Blick die Guten von den B�sen unterscheiden zu k�nnen, werden Sie nicht lange �berleben. Sie k�nnen sich keine anthropozentrischen Vorstellungen erlauben, solange einige Aliens uns lieber zu Hamburgern verarbeiten, als mit uns zu kommunizieren.�</p><p>In einer anderen Stunde forderte Oglethorpe uns auf, zu raten, was der einzige Vorteil war, den Soldaten auf der Erde gegen�ber KVA-Truppen hatten. �Es sind auf keinen Fall die Waffen oder die k�rperliche Konditionierung�, sagte er, �da wir ihnen auf diesen Feldern sehr weit voraus sind. Nein, der Vorteil, den Soldaten auf der Erde haben, ist der, dass sie wissen, wer ihre Gegner sind. Und sie k�nnen sich zumindest innerhalb eines gewissen Rahmens vorstellen, wie der Kampf gef�hrt wird&#x25E6;� mit welcher Art von Streitkr�ften sie es zu tun bekommen, welche Waffen eingesetzt werden, wie ihre Ziele aussehen. Aus diesem Grund sind Erfahrungen in einem bestimmten Krieg oder Konflikt direkt auf den n�chsten Einsatz anwendbar, auch wenn die Gr�nde f�r den Krieg oder die Ziele des Kampfes ganz andere sind.</p><p>In dieser Hinsicht befindet sich die KVA im Nachteil. Nehmen wir zum Beispiel die Schlacht gegen die Efg, die noch nicht lange zur�ckliegt.� Oglethorpe tippte auf einen Bildschirm, der daraufhin ein wal�hnliches Wesen zeigte, das mit kr�ftigen Tentakeln ausgestattet war, die sich zu einfachen H�nden verzweigten. �Diese Burschen werden bis zu vierzig Meter lang und verf�gen �ber die technische M�glichkeit, Wasser zu polymerisieren. Wir w�rden unsere schwimmf�higen Schiffe verlieren, wenn sich das Wasser pl�tzlich in eine treibsandartige Masse verwandelt, die sie und die Besatzungen in die Tiefe zieht. Wie l�sst sich die Erfahrung aus dem Kampf gegen diese Spezies umsetzen, wenn man es anschlie�end beispielsweise mit den Finwe zu tun hat?� Der zweite Bildschirm erhellte sich wieder und zeigte ein s��es reptilisches Wesen. �Die Finwe sind sehr kleine W�stenbewohner, die haupts�chlich biologische Waffen mit gro�er Reichweite einsetzen.</p><p>Die Antwort lautet nat�rlich, dass das nicht geht. Trotzdem werden die KVA-Soldaten von einem Kampfeinsatz in den n�chsten geschickt. Das ist einer der Gr�nde, warum die Sterblichkeitsrate in der KVA so hoch ist. Jeder Kampf und jeder Einsatz stellt eine v�llig neue Situation dar und ist zumindest aus der Perspektive des einzelnen Soldaten eine einzigartige Erfahrung. Wenn Sie eine Erkenntnis aus diesem kleinen Vortrag ziehen wollen, dann k�nnte es folgende sein: Falls Sie irgendwelche Vorstellungen haben, wie ein Krieg gef�hrt werden sollte, w�re es besser, wenn Sie sie ganz schnell vergessen. W�hrend Ihrer Ausbildung hier werden Sie auf einiges vorbereitet, was Sie da drau�en erwartet, aber denken Sie immer daran, dass Sie als Infanterie h�ufig als Erste in Kontakt mit einer feindseligen Spezies kommen, deren Methoden und Motive uns v�llig unbekannt und in manchen F�llen f�r uns �berhaupt nicht nachvollziehbar sind. Sie werden sehr schnell denken und entscheiden m�ssen, und dabei d�rfen Sie nicht von Ihren bisherigen Erfahrungen ausgehen. Wenn Sie glauben, dass dasselbe funktioniert, was schon einmal funktioniert hat, werden Sie sehr schnell Ihr Leben verlieren.�</p><p>Einmal wollte eine Rekrutin von Oglethorpe wissen, warum den KVA-Soldaten �berhaupt etwas an den Kolonisten oder den Kolonien liegen sollte. �Wir bekommen st�ndig eingetrichtert, dass wir gar keine richtigen Menschen mehr sind�, sagte sie. �Wenn das der Fall ist, warum sollen wir uns dann noch f�r die Kolonisten einsetzen? Sie sind doch nur normale Menschen. Warum z�chten wir keine neuen KVA-Soldaten und �bernehmen im n�chsten Evolutionsschritt einfach selbst den Laden?�</p><p>�Glauben Sie nicht, dass diese Frage noch nie zuvor gestellt wurde�, sagte Oglethorpe, was allgemeine Heiterkeit ausl�ste. �Die kurze Antwort lautet: Weil wir es nicht k�nnen. Durch all die genetischen und mechanischen Manipulationen an den K�rpern von KVA-Soldaten werden sie unfruchtbar. Weil f�r jeden von Ihnen zu viel normales genetisches Material benutzt wurde, haben sich jede Menge rezessive Erbanlagen angesammelt, die eine lebensf�hige Befruchtung verhindern w�rden. Und es ist zu viel nichtmenschliches Material im Spiel, um eine erfolgreiche Kreuzung mit normalen Menschen zu erm�glichen. KVA-Soldaten sind ein hochwertiges technisches Produkt, aber in evolution�rer Hinsicht stellen sie eine Sackgasse dar. Das ist ein Grund, warum keiner von Ihnen allzu selbstgef�llig werden sollte. Sie k�nnen eine Meile in drei Minuten rennen, aber sie k�nnen kein Kind zeugen.</p><p>Im gr��eren Zusammenhang jedoch besteht dazu gar keine Notwendigkeit. Der n�chste Schritt der menschlichen Evolution findet bereits statt. Die meisten Kolonien sind nicht nur von der Erde, sondern auch untereinander isoliert. Fast alle Menschen, die auf einer Kolonialwelt geboren wurden, verbringen dort ihr ganzes Leben. Au�erdem passen sich die Menschen ihrer neuen Heimat an. Einige der �ltesten Kolonialwelten haben sich kulturell und linguistisch schon ein gutes St�ck von ihren Ursprungskulturen auf der Erde entfernt. In zehntausend Jahren wird sich auch die genetische Drift bemerkbar gemacht haben. Nach entsprechend langer Zeit wird es so viele unterschiedliche Menschenspezies geben, wie es Kolonialplaneten gibt. Die Variationsbreite ist der Schl�ssel zum �berleben.</p><p>Metaphysisch gesehen sollten Sie sich den Kolonien verbunden f�hlen, weil Sie selbst sich bereits ver�ndert haben und demzufolge das menschliche Potenzial ermessen k�nnen, zu etwas zu werden, das im Universum �berleben kann. In direkterer Hinsicht sollten Ihnen die Kolonien nicht egal sein, weil sie die Zukunft der Menschheit repr�sentieren und weil Sie selbst den Menschen immer noch n�her stehen als jeder anderen intelligenten Spezies.</p><p>Doch in letzter Hinsicht sollte es Ihnen nicht gleichg�ltig sein, weil Sie alt genug sind, um es erkannt zu haben. Das ist einer der Gr�nde, warum die KVA alte Menschen rekrutiert&#x25E6;� nicht nur, weil Sie im Ruhestand sind und eine Belastung f�r die Wirtschaft darstellen. Der Hauptgrund ist die Tatsache, dass Sie lange genug gelebt haben, um zu wissen, dass es im Leben um mehr als nur das eigene Leben geht. Die meisten von Ihnen hatten Familie und haben Kinder oder Enkel gro�gezogen, und Sie kennen den Wert einer Tat, die �ber eigenn�tzige Ziele hinausgeht. Selbst wenn Sie selber nie zu Kolonisten werden, ist Ihnen klar, dass es gut f�r die Menschheit ist, Kolonien zu gr�nden, und dass es sich lohnt, daf�r zu k�mpfen. Es ist schwierig, dem Gehirn eines Neunzehnj�hrigen solche Ideen einzutrichtern. Sie jedoch wissen es bereits aus Erfahrung. Und in diesem Universum ist Erfahrung von entscheidender Bedeutung.�</p><empty-line/><p>Wir wurden gedrillt. Wir lernten schie�en. Wir machten weiter. Wir schliefen nicht viel.</p><p>In der sechsten Woche ersetzte ich Sarah O�Connell als Truppf�hrerin. Bei unseren �bungen schnitt E st�ndig am schlechtesten ab, und bei Wettbewerben zwischen den Kompanien wirkte sich diese Schw�che nachteilig auf die ganze 63. Kompanie aus. Jedes Mal, wenn eine andere Kompanie eine Troph�e gewonnen hatte, knirschte Ruiz mit den Z�hnen und machte mich daf�r verantwortlich. Sarah nahm es mit Gelassenheit. �Leider ist es nicht ganz dasselbe wie die Betreuung eines Kindergartens�, lautete ihr Kommentar. Alan �bernahm ihren Posten und brachte den Trupp auf Vordermann. Bei einem Schie�wettbewerb in der siebten Woche konnte die 63. der 56. den Pokal vor der Nase wegschnappen. Ironischerweise war es Sarah, die sich als beste Sch�tzin erwies und die entscheidenden Punkte f�r uns machte.</p><p>In der achten Woche h�rte ich auf, mit meinem BrainPal zu sprechen. Arschloch hatte mich lange genug studiert, um meine Denkmuster zu verstehen, sodass er nun scheinbar im Voraus wusste, was ich wollte. Zuerst fiel es mir w�hrend einer simulierten Feuer�bung auf, als meine VZ-35 von Gewehrkugeln auf Lenkraketen umschaltete, zwei weiter entfernte Ziele unter Beschuss nahm und dann in den Flammenwerfermodus ging, um ein b�ses zwei Meter gro�es Insekt zu braten, das ganz in der N�he aus einer Felsgruppe hervorsprang. Als mir klar wurde, dass ich keinen einzigen Befehl vokalisiert hatte, sp�rte ich einen unheimlichen Schauder. Ein paar Tage sp�ter �rgerte ich mich zum ersten Mal, als ich Arschloch ausdr�cklich zu etwas auffordern musste. Erstaunlich, wie schnell eine unheimliche F�higkeit zur Gewohnheit werden kann.</p><p>In der neunten Woche mussten Alan, Martin Garabedian und ich ein internes Disziplinarverfahren durchf�hren, weil einer von Martins Rekruten es auf Martins Posten als Truppf�hrer abgesehen hatte und sich nicht zu schade gewesen war, zu diesem Zweck ein wenig Sabotage einzusetzen. Der Rekrut hatte sein vergangenes Leben als mittelm��ig ber�hmter Popstar verbracht und war es gewohnt, seine Ziele mit allen verf�gbaren Mitteln zu verfolgen. Es war ihm gelungen, einige Truppkameraden f�r die Verschw�rung zu gewinnen, aber leider hatte er nicht daran gedacht, dass Martin als sein Truppf�hrer Zugriff auf die Nachrichten hatte, die er an sie verschickte. Martin wandte sich an mich, und ich hielt es f�r angebracht, weder Ruiz noch einen der anderen Ausbilder mit einem Problem zu bel�stigen, das wir m�helos selber l�sen konnten.</p><p>Niemand erstattete Meldung, als sich in der folgenden Nacht f�r kurze Zeit ein Schwebegleiter unerlaubt von der Basis entfernte. Und es schien auch sonst niemand gesehen zu haben, dass ein Rekrut kopf�ber unter dem Fahrzeug hing, nur von je zwei H�nden an den F��en gehalten, w�hrend der Gleiter gef�hrlich nahe �ber ein paar B�ume hinwegflog. Gleicherma�en konnte sich niemand erinnern, die verzweifelten Schreie des Rekruten geh�rt zu haben, genauso wenig wie Martins sehr kritische und nicht allzu positive Bewertung des bekanntesten Albums jenes fr�heren Popstars. Nur w�hrend des Fr�hst�cks am n�chsten Morgen wies Master Sergeant Ruiz mich darauf hin, dass ich ein wenig windzerzaust wirkte, worauf ich erwiderte, dass es vermutlich am 30-Kilometer-Lauf lag, den wir auf seine Anweisung hin vor der Mahlzeit absolviert hatten.</p><p>In der elften Woche wurden die 63. und mehrere andere Kompanien in den Bergen n�rdlich der Basis abgesetzt. Unsere Aufgabe war sehr einfach. Wir sollten die anderen Kompanien ausfindig machen, ausl�schen und anschlie�end mit den �berlebenden zur Basis zur�ckkehren, und zwar innerhalb von vier Tagen. Um die Sache interessanter zu gestalten, war jeder Rekrut mit einer Vorrichtung ausgestattet, die es registrierte, wenn auf ihn geschossen wurde. Im Fall eines Treffers versp�rte der Betreffende l�hmende Schmerzen und brach zusammen (um irgendwann durch die Ausbilder, die sich in der N�he aufhielten, geborgen zu werden). Ich wusste, wie es war, weil ich die Ausr�stung schon einmal getragen hatte, als Ruiz in der Basis ein Demonstrationsobjekt brauchte. Daraufhin sch�rfte ich meiner Kompanie ein, dass es keineswegs erstrebenswert war, die Erfahrung eines Treffers zu machen.</p><p>Der erste Angriff erfolgte fast unmittelbar nachdem wir abgesetzt worden waren. Vier meiner Rekruten gingen zu Boden, bevor ich die Heckensch�tzen entdeckte und meine Leute darauf aufmerksam machte. Zwei erwischten wir, zwei entkamen. Nach sporadischen Angriffen in den n�chsten paar Stunden war klar, dass sich die meisten anderen Kompanien in Trupps von drei oder vier Leuten aufgeteilt hatten und Jagd auf die �Feinde� machten.</p><p>Ich hatte eine andere Idee. Durch unsere BrainPals war es m�glich, st�ndig in lautlosem Kontakt zu bleiben, ob wir in Sichtweite waren oder nicht. Die anderen Kompanien schienen nicht erkannt zu haben, was das bedeutete, und das erwies sich als fataler Fehler. Ich wies alle meine Leute an, �ber einen sicheren Kommunikationskanal miteinander Verbindung zu halten, dann zogen sie allein los. Sie erkundeten das Terrain und machten die Standorte der feindlichen Trupps ausfindig. Auf diese Weise erhielten wir eine immer genauere Karte der Umgebung und der feindlichen Stellungen. Selbst wenn ein Rekrut �erschossen� wurde, war diese Information f�r die anderen hilfreich, sodass sie seinen �Tod� r�chen oder zumindest vermeiden konnten, in die gleiche Falle zu tappen. Ein einzelner Soldat konnte sich schnell und unauff�llig bewegen und den Trupps der anderen Kompanien Schwierigkeiten machen, w�hrend er trotzdem mit seinen Kameraden in Verbindung blieb und koordinierte Aktionen durchf�hren konnte.</p><p>Es funktionierte. Unsere Rekruten griffen an, wenn sich die Gelegenheit bot, blieben in Deckung, wenn es zu unsicher war, und arbeiteten zusammen, wenn die Konstellation g�nstig war. Am zweiten Tag erledigten ein Rekrut namens Riley und ich zwei Trupps von unterschiedlichen Kompanien. Sie waren so sehr damit besch�ftigt, sich gegenseitig zu beschie�en, dass sie gar nicht merkten, wie Riley und ich uns anschlichen und als Heckensch�tzen in den Kampf eingriffen. Er erwischte zwei Leute, ich drei, und die restlichen drei erledigten sich gegenseitig. Es lief wunderbar. Nachdem wir fertig waren, sprachen wir nicht miteinander, sondern zogen uns einfach in den Wald zur�ck, um weiter das Gel�nde zu erkunden.</p><p>Irgendwann begriffen die anderen Kompanien, was wir taten, und versuchten unsere Taktik zu kopieren. Doch zu diesem Zeitpunkt waren sie gegen�ber der 63. bereits hoffnungslos in der Minderzahl. Wir dezimierten sie und hatten den letzten Feind gegen Mittag get�tet. Dann liefen wir zur Basis zur�ck, die etwa achtzig Kilometer entfernt war. Der Letzte von uns traf um 18 Uhr ein. Insgesamt hatten wir neunzehn Rekruten verloren, einschlie�lich der vier gleich zu Anfang. Aber wir waren f�r mehr als die H�lfte der Gesamtverluste aller sieben Kompanien verantwortlich, w�hrend wir selbst nur knapp ein Drittel unserer Leute eingeb��t hatten. Dar�ber konnte sich nicht einmal Master Sergeant Ruiz beklagen. Als der Basiskommandant ihm den Man�verpokal �berreichte, zeigte sich sogar ein L�cheln auf seinem Gesicht. Ich wagte mir nicht vorzustellen, wie schwer ihm diese Gef�hlsregung fiel.</p><empty-line/><p>�Unsere Gl�cksstr�hne nimmt kein Ende�, sagte der frisch gebackene Gefreite Alan Rosenthal, als er auf dem Shuttle-Landeplatz zu mir kam. �Wir beiden wurden demselben Schiff zugewiesen.�</p><p>So war es. Ein schnelle Spritztour zur�ck nach Phoenix mit dem Truppentransporter <emphasis>Francis Drake</emphasis>, und danach Urlaub, bis die KVAS <emphasis>Modesto</emphasis> im System eintraf. Sie brachte uns zur 2. Kompanie, Bataillon D des 233. Infanterieregiments der KVA. Ein Regiment pro Schiff, was ungef�hr eintausend Soldaten waren. Da konnte man leicht den �berblick verlieren. Ich war froh, dass Alan weiterhin in meiner N�he war.</p><p>Ich drehte mich zu ihm um und bewunderte seine blitzblanke neue Galauniform der Kolonialen&#x25E6;� unter anderem vor dem Hintergrund, dass ich genauso wie er gekleidet war. �Mensch, Alan�, sagte ich. �Wir sehen einfach toll aus.�</p><p>�M�nner in Uniform habe ich schon immer geliebt�, vertraute Alan mir an. �Und das gilt erst recht, nachdem ich jetzt selber der Mann in Uniform bin.�</p><p>�Achtung�, sagte ich. �Da kommt Master Sergeant Ruiz.�</p><p>Ruiz hatte mich gesehen, wo ich darauf wartete, mein Shuttle besteigen zu k�nnen. Als er sich n�herte, stellte ich meinen Sack ab, in dem sich meine Alltagsuniform und ein paar pers�nliche Dinge befanden, um ihm schneidig salutieren zu k�nnen.</p><p>�R�hren, Gefreiter�, sagte Ruiz, nachdem er den Gru� erwidert hatte. �Wohin wurden Sie versetzt?�</p><p>�Zur <emphasis>Modesto</emphasis>, Master Sergeant�, antwortete ich. �Genauso wie Gefreiter Rosenthal.�</p><p>�Ich fasse es nicht�, rief Ruiz. �Sie gehen zum 233. Regiment? Welches Bataillon?�</p><p>�D, Master Sergeant. Zweite Kompanie.�</p><p>�Das ist h�chstgradig unfassbar, Gefreiter�, sagte Ruiz. �Sie haben die Ehre, in der Kompanie von Lieutenant Arthur Keyes dienen zu d�rfen, falls es diesem bl�den Mistkerl immer noch nicht gelungen ist, sich von einem Alien fressen zu lassen. Wenn Sie ihn sehen, richten Sie ihm einen Gru� von mir aus. u�erdem d�rfen Sie ihm sagen, dass Master Sergeant Antonio Ruiz Sie im Gegensatz zu den anderen Rekruten Ihrer Ausbildungskompanie nicht f�r einen kompletten Volltrottel h�lt.�</p><p>�Danke, Master Sergeant.�</p><p>�Bilden Sie sich blo� nichts darauf ein, Gefreiter. Sie sind trotz allem ein Volltrottel. Nur eben kein kompletter.�</p><p>�Selbstverst�ndlich, Master Sergeant.�</p><p>�Gut. Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte. Manchmal muss man einfach die Kurve kratzen.� Ruiz salutierte. Alan und ich gr��ten zur�ck. Ruiz sah uns beide an, g�nnte uns ein widerwilliges, gepresstes L�cheln und entfernte sich dann, ohne sich noch einmal zu uns umzudrehen.</p><p>�Dieser Mann jagt mir eine Heidenangst ein�, sagte Alan.</p><p>�Ich wei� nicht. Irgendwie mag ich ihn.�</p><p>�Nat�rlich magst du ihn. Er ist beinahe der Ansicht, dass du kein totaler Versager bist. F�r seine Verh�ltnisse ist das ein wahnsinniges Kompliment.�</p><p>�Glaube nicht, dass ich mir dessen nicht bewusst bin�, erwiderte ich. �Jetzt muss ich es nur noch schaffen, meinem Ruf auch in Zukunft gerecht zu werden.�</p><p>�Du wirst es schaffen�, sagte Alan. �Schlie�lich bist du trotz allem ein Volltrottel.�</p><p>�Das tr�stet mich�, sagte ich. �Wenigstens bin ich auch weiterhin in guter Gesellschaft.�</p><p>Alan grinste. Die Luke des Shuttles �ffnete sich. Wir schnappten unsere Sachen und stiegen ein.</p></section><section><title><p>9</p></title><p>�Ich k�nnte es versuchen�, sagte Watson und wagte einen Blick �ber den Felsblock. �Lassen Sie mich ein Loch in eins dieser Dinger bohren.�</p><p>�Nein�, entgegnete Viveros, unser Corporal. �Der Schild ist immer noch aktiviert. Sie w�rden nur Munition verschwenden.�</p><p>�Was soll der Bl�dsinn?�, regte sich Watson auf. �Wir warten hier schon seit Stunden. Wir sitzen hier nur herum. Was sollen wir tun, wenn sie den Schild ausschalten? Zu ihnen r�berspazieren und auf sie schie�en? Wir leben nicht mehr im verdammten vierzehnten Jahrhundert, als man mit seinem Gegner einen Termin vereinbart hat, wenn man ihn angreifen wollte!�</p><p>Viveros sah ihn ver�rgert an. �Watson, Sie werden nicht f�rs Denken bezahlt. Also halten Sie endlich die Klappe und machen Sie sich bereit. Es wird nicht mehr allzu lange dauern. Nur noch ein Ritual muss vollzogen werden, bevor es losgeht.�</p><p>�Aha? Und welches?�, wollte Watson wissen.</p><p>�Sie werden singen�, sagte Viveros.</p><p>Watson grinste. �Was werden sie singen? Ein Schlager-Medley?�</p><p>�Nein�, sagte Viveros. �Sie werden unseren Tod singen.�</p><p>Wie auf dieses Stichwort schimmerte pl�tzlich der untere Rand des gewaltigen halbkugelf�rmigen Schildes, der das Lager der Consu umschloss. Ich stellte meine Sicht auf die Entfernung von mehreren hundert Metern ein und konzentrierte mich auf den einzelnen Consu, der durch den Schild trat. Das elektromagnetische Feld klebte noch einen Moment lang an seinem schweren Panzer, bis er weit genug entfernt war und sich die F�den aus Energie in den Schild zur�ckzogen.</p><p>Er war der dritte und letzte Consu, der vor der Schlacht nach drau�en trat. Der erste war vor fast zw�lf Stunden aufgetaucht, ein Fu�soldat von niederem Rang, dessen aggressives Gebr�ll die offizielle Ank�ndigung darstellte, dass die Consu zum Kampf bereit waren. Die untergeordnete Stellung dieses Boten sollte uns gleichzeitig darauf aufmerksam machen, wie gering unsere Truppen von den Consu gesch�tzt wurden. Wenn wir wirklich von Bedeutung gewesen w�ren, h�tte man uns einen h�herrangigen Soldaten geschickt. Doch keiner von uns f�hlte sich dadurch beleidigt, denn der Bote war immer von niederem Rang, ganz gleich, mit welchem Gegner sie es zu tun hatten. Und sofern man nicht eine au�ergew�hnlich gute Nase f�r die Pheromone der Consu hatte, waren sie f�r Menschen ohnehin kaum zu unterscheiden.</p><p>Der zweite Consu kam ein paar Stunden sp�ter durch den Schild. Er br�llte wie eine Kuhherde auf dem Schlachthof und explodierte unvermittelt. Rosafarbenes Blut und St�cke seiner Organe und seines Panzers klatschten gegen den Schild und fielen verschmort zu Boden. Offenbar glaubten die Consu, dass die Seele eines Soldaten durch die vorherige rituelle Opferung dazu bewogen werden konnte, den Feind noch eine Zeit lang auszukundschaften, bevor sie dorthin ging, wohin die Seelen der Consu ihrer �berzeugung nach gingen. Oder etwas in der Art. Das schien mir eine gute Methode zu sein, schon vorher seine beste K�mpfer zu verlieren, doch da ich in diesem Fall zu ihren Feinden geh�rte, war es schwierig, in dieser Praxis einen Nachteil f�r unsere Seite zu erkennen.</p><p>Der dritte Consu war ein Angeh�riger der h�chsten Kaste, und seine Aufgabe bestand darin, uns die Gr�nde f�r unseren bevorstehenden Tod und die Art und Weise, wie wir ums Leben kommen w�rden, zu erkl�ren. Erst danach sollte es tats�chlich mit dem T�ten und Sterben losgehen. Jeder Versuch, den Ablauf zu beschleunigen, indem man vorzeitig auf den Schild feuerte, w�re v�llig sinnlos gewesen. Wenn man ihn nicht in eine Sonne warf, gab es nur sehr wenig, womit man einen Consu-Schild eindellen konnte. Einen Boten zu t�ten h�tte nur dazu gef�hrt, dass das Er�ffnungsritual von neuem begann, wodurch der eigentliche Kampf noch weiter hinausgez�gert wurde.</p><p>Au�erdem war es keineswegs so, dass sich die Consu hinter dem Schild versteckten. Sie mussten nur sehr viele Rituale zur Vorbereitung auf den Kampf vollziehen, und dabei lie�en sie sich ungern von unerwarteten Kugeln, Partikelstrahlen oder Explosivgeschossen st�ren. In Wirklichkeit sch�tzten die Consu nichts mehr als einen guten Kampf. Sie hielten �berhaupt nichts von der Idee, zu irgendeinem Planeten zu d�sen, darauf zu landen und zu warten, bis die Bewohner einen Krieg anfingen.</p><p>Was auch hier der Fall war. Die Consu waren nicht im Geringsten daran interessiert, diesen Planeten zu kolonisieren. Sie hatten lediglich eine menschliche Kolonie in St�cke geschossen, um der KVA mitzuteilen, dass sie in der N�he waren und Lust auf eine deftige Rauferei hatten. Es war ausgeschlossen, die Consu zu missachten, da sie einfach damit weitermachen w�rden, Kolonisten abzuschlachten, bis jemand kam, um ihnen einen anst�ndigen Kampf zu liefern. Doch man wusste nie, was sie als hinreichende Herausforderung betrachten w�rden. Man konnte nur solange Truppen schicken, bis ein Bote der Consu herauskam und die Kampfbereitschaft signalisierte.</p><p>Abgesehen von ihren beeindruckenden undurchdringlichen Schilden befand sich die Waffentechnik der Consu auf einem �hnlichen Stand wie die der KVA. Das war keineswegs so ermutigend, wie es klang, denn die durchsickernden Berichte von K�mpfen mit anderen Spezies deuteten darauf hin, dass die Waffentechnik in allen F�llen mehr oder weniger der ihrer Gegner entsprach. Das st�tzte ebenfalls die Theorie, dass das Ganze f�r die Consu kein Krieg, sondern ein sportlicher Wettkampf war. Nur dass die Rolle der Zuschauer von abgeschlachteten Kolonisten �bernommen wurde.</p><p>Einen Erstschlag gegen die Consu zu f�hren stand au�er Frage. Ihr Heimatsystem war komplett durch einen Schild gesch�tzt. Die ben�tigte Energie stammte von einem Wei�en Zwerg, der die Zentralsonne des Consu-Systems begleitete. Dieser Himmelsk�rper war vollst�ndig von einer technischen Vorrichtung eingeschlossen, die den Schild speiste. Wenn man es realistisch betrachtete, sollte man sich auf keinen Fall mit Leuten anlegen, die zu so etwas imstande waren. Doch die Consu hatten recht seltsame Vorstellungen von Ehre. Wenn man ihre Truppen auf einem Planeten ausradierte, kamen sie nie wieder. Es war wie eine Vireninfektion, die durch Antik�rper beseitigt wurde.</p><p>All diese Informationen standen in unserer Missionsdatenbank, die wir auf Anweisung unseres befehlshabenden Offiziers Lieutenant Keyes vor dem Kampf abrufen und studieren sollten. Die Tatsache, dass Watson offenbar nichts von alledem wusste, konnte nur bedeuten, dass er sich die Berichte nicht angesehen hatte. Das �berraschte mich kaum, da mir seit unserer ersten Begegnung klar gewesen war, dass Watson einer jener gro�spurigen, mutwillig ignoranten �rsche war, die sich selbst oder ihre Truppkameraden schnell in t�dliche Schwierigkeiten bringen w�rden. Mein Problem war jedoch, dass ich sein Truppkamerad war.</p><p>Der Consu breitete die Sensenarme aus, die sich im Laufe ihrer Evolution darauf spezialisiert haben mussten, einem unvorstellbar entsetzlichen Gesch�pf auf ihrer Heimatwelt den Garaus zu machen. Darunter kamen die arm�hnlicheren Gliedma�en zum Vorschein, die er nun zum Himmel hob.</p><p>�Es geht los�, sagte Viveros.</p><p>�Ich k�nnte ihn m�helos abknallen�, sagte Watson.</p><p>�Wenn Sie es tun, werde ich im n�chsten Moment <emphasis>Sie</emphasis> erschie�en�, sagte Viveros.</p><p>Die Luft wurde von einem Krachen zerrissen, als h�tte Gott h�chstpers�nlich ein Gewehr abgefeuert. Darauf folgte etwas, das wie eine Kettens�ge klang, die durch Blech schnitt. Der Consu sang. Ich lie� mir von Arschloch den Text �bersetzen.</p><empty-line/><p><emphasis>H�rt her, verehrte Widersacher,</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>Wir sind die Instrumente eures freudigen Todes.</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>Wir haben euch nach unserer Art gesegnet,</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>Der Geist der Besten unter uns hat dem Kampf zugestimmt.</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>Wir werden euch lobpreisen, wenn wir gegen euch vorr�cken,</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>Und eure Seelen singen, die gerettet und belohnt werden.</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>Ihr hattet nicht das Gl�ck, in unserem Volk geboren zu sein,</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>Also bereiten wir euch den Weg zu eurer Erl�sung.</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>Seid tapfer und k�mpft wild,</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>Damit ihr in unseren Nestern wiedergeboren werdet.</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>Dieser gesegnete Kampf heiligt den Boden,</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>Und alle, die hier sterben und geboren werden, sind fortan</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>befreit.</emphasis></p><p>�Mann, ist das laut�, sagte Watson und steckte sich einen Finger ins linke Ohr. Ich glaubte nicht, dass er eine �bersetzung des Gesangs abgerufen hatte.</p><p>�Verdammt, das ist weder ein Krieg noch ein Fu�ballspiel�, sagte ich zu Viveros. �Das ist ein Gottesdienst.�</p><p>Viveros zuckte die Achseln. �Das sieht die KVA anders. So leiten die Consu jede Schlacht ein. F�r sie ist es so etwas wie eine Nationalhymne. Es ist nicht mehr als ein Ritual. Sehen Sie, jetzt wird der Schild deaktiviert.� Sie zeigte auf das Energiefeld, das nun auf der gesamten Breite flackerte und schlie�lich erlosch.</p><p>�Das wird auch langsam Zeit�, sagte Watson. �Ich wollte schon ein Nickerchen machen.�</p><p>�H�ren Sie mir zu, alle beide�, sagte Viveros. �Bleiben Sie ruhig, konzentrieren Sie sich und verlassen Sie nicht die Deckung. Wir sind hier an einer sehr guten Kampfposition, und der Lieutenant m�chte, dass wir die Mistkerle unter Beschuss nehmen, wenn sie rauskommen. Jagen Sie ihnen einfach nur eine Kugel in den Thorax. Dort sitzt ihr Gehirn. Jeder, den wir erwischen, ist einer weniger, um den wir uns Sorgen machen m�ssen. Benutzen Sie nur Gewehrkugeln, weil uns alles andere zu schnell verraten w�rde. Stoppen Sie das Gelaber, kommunizieren Sie ab jetzt nur noch �ber Ihre BrainPals. Haben Sie das verstanden?�</p><p>�Alles klar�, sagte ich.</p><p>�Schei�klar�, sagte Watson.</p><p>�Ausgezeichnet�, sagte Viveros.</p><p>Kurz darauf war der Schild vollst�ndig deaktiviert, und �ber das Gel�nde zwischen den Menschen und den Consu jagten Raketen, die wir schon vor Stunden gesichtet hatten, als sie in Stellung gebracht worden waren. Auf die dumpfen Schl�ge der Explosionen folgten im n�chsten Moment menschliche Schreie und das metallische Zirpen der Consu. Ein paar Sekunden lang gab es nichts au�er Rauch und Stille, dann war ein langer, schriller Ruf zu h�ren, als die Consu gegen die Menschen vorr�ckten. Unsere Truppen blieben jedoch in Deckung und versuchten, so viele Consu wie m�glich niederzum�hen, bevor die zwei Fronten kollidierten.</p><p>�Es geht los�, sagte Viveros. Sie hob ihre Vauzett, zielte damit auf einen fernen Consu und feuerte. Wir taten es ihr nach.</p><empty-line/><p>Wie man sich auf den Kampf vorbereitet.</p><p>Zuerst kommt der Systemcheck des VZ-35-Infanteriegewehrs. Das ist keine komplizierte Sache, weil sich die VZ-35 selbst wartet und Material aus dem Munitionsblock benutzen kann, um sich zu reparieren. Man kann eine Vauzett nur dann dauerhaft ruinieren, wenn sie mitten in den Feuerstrahl einer aktiven Triebwerksd�se ger�t. Da man sich meistens in unmittelbarer N�he seiner eigenen Waffe befindet, hei�t das, dass man h�chstwahrscheinlich ganz andere Probleme hat, wenn dieser Fall eintritt.</p><p>Als Zweites legt man den Kampfanzug an. Dabei handelt es sich um den standardm��igen Unitard, der den gesamten K�rper von selbst umschlie�t und nur das Gesicht freil�sst. Der Unitard ist so konstruiert, dass man seinen K�rper f�r die gesamte Dauer des Kampfes vergisst. Der �Stoff� aus organisierten Nanobotern l�sst Licht durch, um Photosynthese zu erm�glichen, und reguliert die W�rme. Ob man nun auf einer arktischen Eisscholle oder einer D�ne aus W�stensand steht, der einzige Unterschied, den man bemerkt, ist die sichtbare Ver�nderung der Umgebung. Falls man tats�chlich ins Schwitzen geraten sollte, saugt der Unitard die Feuchtigkeit auf, filtert sie und lagert das Wasser, bis man es in eine Feldflasche umf�llen kann. Urin l�sst sich auf dieselbe Weise verarbeiten. Von einer Entleerung der Ged�rme in den Unitard wird im Allgemeinen abgeraten.</p><p>Wenn man von einer Kugel in den Bauch getroffen wird (oder an irgendeiner anderen Stelle), versteift sich der Unitard an der betreffenden Stelle und verteilt die Aufschlagenergie �ber die gesamte Anzugoberfl�che, damit die Kugel das Material nicht durchdringen kann. Das ist �u�erst schmerzhaft, aber immer noch besser, als w�rde die Kugel fr�hlich durch die Eingeweide sausen. Das funktioniert allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt, also sollte man trotzdem daf�r sorgen, nicht unter feindlichen Beschuss zu geraten.</p><p>Dann kommt der G�rtel. Er enth�lt ein Kampfmesser, ein Vielzweckwerkzeug, das ungef�hr das darstellt, was ein Schweizer Armeemesser werden m�chte, wenn es erwachsen ist, ein Einmannzelt, das sich auf ein erstaunlich geringes Volumen zusammenfalten l�sst, eine Feldflasche, Energieriegel, die etwa eine Woche vorhalten, und drei Taschen f�r Munitionsbl�cke. Das Gesicht beschmiert man sich mit einer nanotechnischen Creme, die sich mit dem Unitard abspricht. Wenn man dann den Tarnmodus einschaltet, hat man Schwierigkeiten, in einem Spiegel sein eigenes Gesicht zu erkennen.</p><p>Als Drittes �ffnet man einen BrainPal-Kanal zum Rest des Trupps und l�sst ihn ge�ffnet, bis man zum Schiff zur�ckkehrt oder gestorben ist. Ich hielt es f�r ziemlich klug, im Basislager daran zu denken, aber dann stellte es sich als eins der heiligsten unter den ungeschriebenen Gesetzen heraus, die in der Hitze des Gefechts G�ltigkeit besa�en. Die Kommunikation �ber BrainPal bedeutet, dass es keine unklaren Kommandos oder Signale gibt&#x25E6;� und dass man nicht spricht, um seine Position nicht zu verraten. Wenn man w�hrend eines Kampfes einen KVA-Soldaten h�rt, ist er entweder ein Idiot oder er schreit, weil er getroffen wurde.</p><p>Der einzige Nachteil an der BrainPal-Kommunikation ist der, dass man auch emotionale Informationen �bermittelt, wenn man nicht aufpasst. Das kann sehr irritierend sein, wenn man pl�tzlich das Gef�hl hat, sich vor Angst in die Hose zu machen, bis man merkt, dass man es gar nicht selber ist, der die Kontrolle �ber die Blase zu verlieren droht, sondern ein Truppkamerad.</p><p>Halte ausschlie�lich Kontakt mit deinen Truppkameraden! Wenn du versuchst, mit deiner gesamten Kompanie Verbindung zu halten, hast du pl�tzlich sechzig Leute in deinem Kopf, die fluchen, k�mpfen und sterben. Das ist keine erstrebenswerte Erfahrung.</p><p>Schlie�lich sollte man alles vergessen, au�er Befehle zu befolgen, alles zu t�ten, was kein Mensch ist, und am Leben zu bleiben. Die KVA macht es einem leicht, das zu tun, denn in den ersten zwei Dienstjahren geh�rt jeder Soldat der Infanterie an, ganz gleich, ob man in seinem fr�heren Leben Hausmeister oder Chirurg, Senator oder Strichjunge war. Wenn man die ersten zwei Jahre �bersteht, bekommt man die Chance, sich zu spezialisieren und einen dauerhaften Posten zu erhalten, statt von einer Schlacht zur n�chsten zu ziehen und Nischen zu besetzen, die es in jeder Armee gibt. Doch w�hrend der zwei Jahre tut man nichts anderes, als dorthin zu gehen, wohin man geschickt wird, sein Gewehr festzuhalten und zu t�ten, ohne selbst get�tet zu werden. Das klingt einfach, aber in der Praxis kann es durchaus schwierig sein.</p><p>Man brauchte zwei Sch�sse, um einen Soldaten der Consu zu erledigen. Das war etwas Neues. In den Informationen wurde nirgendwo erw�hnt, dass sie mit individuellen Schilden ausgestattet waren. Aber etwas sorgte daf�r, dass sie den ersten Treffer unbeschadet einsteckten. Danach landeten sie auf dem Arsch, falls sie an der betreffenden Stelle so etwas wie einen Arsch hatten, doch schon wenige Sekunden sp�ter waren sie wieder auf den Beinen. Also zwei Sch�sse&#x25E6;� einer, um sie zu Boden zu werfen, und noch einer, damit sie am Boden blieben.</p><p>Zwei Sch�sse in schneller Folge auf ein sich bewegendes Ziel ist keine einfache Sache, wenn sich das Ziel auf der anderen Seite eines Schlachtfeldes befindet, auf dem jede Menge los ist. Nachdem ich den Bogen raus hatte, lie� ich die Vauzett von Arschloch so programmieren, dass sie zwei Geschosse hintereinander abgab, wenn ich einmal den Abzug ausl�ste. Das erste war eine Hohlprojektil und das zweite eine Explosivpatrone. Die Programmierung wurde zwischen zwei Sch�ssen an meine Vauzett �bermittelt. Eben noch verschoss ich einzelne handels�bliche Gewehrkugeln, im n�chsten Moment feuerte ich meine Consu-Killer-Spezialit�t ab.</p><p>Ich liebte mein Gewehr.</p><p>Ich gab die Information an Watson und Viveros weiter, und Viveros schickte sie die Befehlskette hinauf. Nach einer knappen Minute hallten schnelle Doppelsch�sse �ber das Schlachtfeld, gefolgt von den letzten Schnaufern der Consu, deren innere Organe von den Sprengs�tzen gegen die Innenseiten ihrer Panzer gematscht wurden. Es klang wie das Knallen von Popcorn. Ich schaute zu Viveros hin�ber. Sie war damit besch�ftigt, v�llig emotionslos zu zielen und zu feuern. Watson schoss und grinste wie ein kleiner Junge, der gerade ein Stofftier in einer Jahrmarktsschie�bude gewonnen hatte.</p><p><emphasis>Autsch</emphasis>, sendete Viveros. <emphasis>Wir wurden entdeckt. Kopf runter!</emphasis></p><p>�Was?�, sagte Watson und reckte den Kopf hoch. Ich packte ihn und riss ihn nach unten, als die Raketen in die Felsbl�cke schlugen, hinter denen wir uns verschanzt hatten. Wir wurden mit frisch erodiertem Schotter �bersch�ttet. Als ich hochschaute, sah ich gerade noch rechtzeitig, wie ein Felsst�ck von der Gr��e einer Bowlingkugel runterkam. Die Flugbahn zielte genau auf meinen Sch�del. Ohne nachzudenken, schlug ich danach. Mein Anzug verh�rte sich �ber den gesamten �rmel, und der Stein prallte wie ein l�ssig geworfener Softball ab. Es tat h�llisch weh. In meinem fr�heren Leben h�tte ich mich daraufhin dreier verk�rzter, gebrochener oder ausgerenkter Armknochen r�hmen k�nnen. So etwas w�rde ich nicht noch einmal tun.</p><p>�Heilige Schei�e, das war knapp!�, sagte Watson.</p><p>�Klappe halten!�, erwiderte ich und sendete an Viveros: <emphasis>Was jetzt?</emphasis></p><p><emphasis>Festhalten</emphasis>, antwortete sie und nahm ihr Vielzweckwerkzeug vom G�rtel. Sie gab den Befehl, dass daraus ein Spiegel wurde, dann benutzte sie ihn, um damit �ber die Kuppe des Felsblocks zu schauen. <emphasis>Sechs, nein, sieben sind auf dem Weg zu uns �</emphasis></p><p>Aus der N�he war ein knappes <emphasis>Rrrumms</emphasis> zu h�ren. <emphasis>Jetzt nur noch f�nf</emphasis>, stellte sie richtig und klappte ihr Werkzeug zusammen. <emphasis>Granaten w�hlen und auf mein Zeichen feuern.</emphasis></p><p>Ich nickte, Watson grinste, und als Viveros das <emphasis>Los!</emphasis> sendete, jagten wir alle gleichzeitig Granaten �ber die Felsbl�cke. Jeder von uns feuerte drei ab. Nach neun Explosionen atmete ich aus, betete und kam hoch. Ich sah die �berreste eines Consu, einen weiteren, der sich benommen von unserem Standort entfernte, und noch zwei, die sich in Deckung fl�chten wollten. Viveros erwischte den Verwundeten, Watson und ich erschossen je einen der �brigen beiden.</p><p>�Herzlich willkommen zur Party, ihr Arschgesichter!�, jubelte Watson und sprang �berschw�nglich hinter seinem Felsblock hoch. Im n�chsten Moment hatte er einen Consu vor der Nase, der zu nahe f�r die Granaten gewesen und in Deckung geblieben war, w�hrend wir seine Freunde zu Matsch verarbeitet hatten. Der Consu richtete seine Waffe auf Watsons Gesicht und feuerte. Watsons Gesicht dellte sich nach innen ein und dann nach au�en, als sich ein Geysir aus SmartBlood und Sch�delgewebe �ber den Consu ergoss. Watsons Unitard tat das, worauf er programmiert war, und versteifte sich, als das Projektil die R�ckseite seiner Kapuze traf. Die Energie des Schusses, das SmartBlood, Gehirnmasse, Sch�delknochen und die Tr�mmer des BrainPals entwichen durch die einzige verf�gbare �ffnung.</p><p>Watson merkte nicht mehr, was geschah. Das Letzte, was er �ber seinen BrainPal-Kanal schickte, war ein emotionaler Schwall, der sich am besten als Verwirrung und Desorientierung beschreiben lie�, die �berraschung eines Menschen, der wei�, dass er etwas sieht, womit er nicht gerechnet hat, aber noch nicht verstanden hat, worum es sich handelt. Dann brach die Verbindung zu ihm ab, wie ein Datenkanal, der unvermittelt abgeschaltet wird.</p><p>Der Consu, der Watson erschossen hatte, sang, w�hrend das Gesicht seines Gegners explodierte. Ich hatte den �bersetzungsmodus aktiviert gelassen, sodass ich Watsons Tod mit Untertiteln miterlebte. Das Wort <emphasis>Erl�st!</emphasis> wurde in st�ndiger Wiederholung eingeblendet, w�hrend Fetzen seiner Gehirnmasse wie Tr�nen am Thorax des Consu herabrannen. Ich schrie und feuerte. Der Consu wurde zur�ckgeworfen, dann explodierte sein K�rper, als eine Patrone nach der anderen durch seinen Brustpanzer schlug und darunter detonierte. Ich sch�tzte, dass ich drei�ig Kugeln f�r einen Consu verschwendete, der l�ngst tot war, bevor ich aufh�rte.</p><p>�Perry�, sagte Viveros, die wieder auf ihre Stimme umgeschaltet hatte, um zu mir vorzudringen. �Da kommen noch mehr. Wir sollten von hier verschwinden. Los!�</p><p>�Was wird aus Watson?�, fragte ich.</p><p>�Wir lassen ihn zur�ck�, sagte Viveros. �Er ist tot, und hier gibt es niemanden, der Zeit hat, um ihn zu trauern. Wir bergen seine Leiche sp�ter. Los jetzt! Wir m�ssen zusehen, dass wir am Leben bleiben.�</p><empty-line/><p>Wir siegten. Die Doppelschusstechnik d�nnte die Reihen der Consu betr�chtlich aus, bevor sie Vernunft annahmen und ihre Taktik �nderten. Sie zogen sich zur�ck und verlegten sich auf Raketenbeschuss, statt ihren Frontalangriff fortzusetzen. Nach mehreren Stunden Artilleriefeuer fielen die Consu noch weiter zur�ck und fuhren den Schild wieder hoch. Sie lie�en nur einen Trupp zur�ck, der rituellen Selbstmord beging, als Zeichen, dass sich die Consu als Verlierer der Schlacht betrachteten. Nachdem sie sich die verzierten Dolche in die Hirnschalen gerammt hatten, mussten wir nur noch unsere Toten und Verwundeten einsammeln, die auf dem Schlachtfeld zur�ckgeblieben waren.</p><p>Die 2. Kompanie hatte die Sache verh�ltnism��ig gut �berstanden. Zwei Tote, einschlie�lich Watson, und vier Verwundete, einer davon schwer. Die Soldatin w�rde den n�chsten Monat damit zubringen, sich die unteren Eingeweide nachwachsen zu lassen, w�hrend die �brigen drei schon nach wenigen Tagen wieder auf den Beinen sein w�rden. In Anbetracht der Umst�nde h�tte es schlimmer ausgehen k�nnen. Ein gepanzerter Gleiter der Consu war in die 4. Kompanie hineingerast, mitten in die Stellung des Bataillons C. Das Fahrzeug war explodiert und hatte sechzehn Soldaten mit in den Tod gerissen, darunter auch den Kommandanten der Kompanie und zwei Truppf�hrer. Viele weitere Mitglieder der Kompanie waren verwundet worden. Falls der Lieutenant der 4. Kompanie nicht zu den Toten geh�rte, w�nschte er sich vermutlich, er h�tte eine solche Katastrophe nicht �berlebt.</p><p>Nachdem wir das Okay-Signal von Lieutenant Keyes erhalten hatten, ging ich los, um Watson zu holen. Eine Gruppe aus achtbeinigen Aasfressern hatte ihn bereits gefunden. Ich erschoss eins der Tiere und �berzeugte dadurch die anderen, sich zu entfernen. Sie hatten in der kurzen Zeit erstaunlich viel geschafft. Ich war �berrascht, wie wenig ein Mensch wog, wenn man seinen Kopf und einen gro�en Teil seines weichen Gewebes abzog. Ich legte das, was von ihm noch �brig war, auf eine Feuerwehrbahre und machte mich auf den Weg zum einige Kilometer entfernten provisorischen Leichenhaus. Ich musste zwischendurch nur einmal anhalten und mich �bergeben.</p><p>Alan entdeckte mich, als ich ankam. �Brauchst du Hilfe?�, fragte er, als er sich zu mir gesellt hatte.</p><p>�Alles in Ordnung�, sagte ich. �Er ist nicht mehr besonders schwer.�</p><p>�Wer ist das?�, wollte Alan wissen.</p><p>�Watson.�</p><p>�Ach, <emphasis>er</emphasis>�, sagte Alan und verzog das Gesicht. �Ich bin mir sicher, dass irgendwo irgendjemand um ihn trauern wird.�</p><p>�Halt blo� deine Tr�nen zur�ck�, sagte ich. �Wie hast du dich heute geschlagen?�</p><p>�Gar nicht so schlecht�, sagte Alan. �Die meiste Zeit habe ich den Kopf eingezogen, ab und zu mein Gewehr hochgehalten und ein paar Sch�sse in die ungef�hre Richtung des Feindes abgegeben. Keine Ahnung, ob ich was getroffen habe.�</p><p>�Hast du den Todesgesang vor Beginn des Kampfes geh�rt?�</p><p>�Nat�rlich. Es klang, als w�rden sich zwei G�terz�ge miteinander paaren. Man muss sich schon sehr anstrengen, wenn man diesen Gesang <emphasis>nicht</emphasis> h�ren will.�</p><p>�Stimmt�, sagte ich. �Ich meine, hast du ihn dir �bersetzen lassen? Hast du dir angeh�rt, wovon darin die Rede war?�</p><p>�Ja�, sagte Alan. �Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich mich mit ihrer Methode anfreunden kann, wie sie uns zu ihrer Religion konvertieren wollen. Schlie�lich muss man dazu sterben und so weiter.�</p><p>�Die KVA scheint es nur f�r irgendein Ritual zu halten, f�r eine Art Gebet, das sie sprechen, weil sie es schon immer getan haben.�</p><p>�Was meinst du?�, fragte Alan.</p><p>Ich drehte den Kopf in Watsons Richtung. �Der Consu, der ihn umgebracht hat, schrie die ganze Zeit �Erl�st, erl�st!�, so laut er konnte. Und ich bin �berzeugt, dass er dasselbe getan h�tte, wenn ich sein Opfer gewesen w�re. Ich meine, die KVA untersch�tzt, was hier vor sich geht. Ich bin der Ansicht, dass die Consu nach einem solchen Kampf nicht mehr zur�ckkommen, weil sie glauben, dass sie verloren haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es bei diesem Kampf um Sieg oder Niederlage geht. F�r sie ist dieser Planet nun durch ihr Blut geweiht worden. Ich glaube, sie glauben, dass er ihnen jetzt <emphasis>geh�rt</emphasis>.�</p><p>�Warum besetzen sie ihn dann nicht?�</p><p>�Vielleicht ist der Zeitpunkt noch nicht gekommen�, sagte ich. �Vielleicht m�ssen sie noch bis zu einer Art J�ngstem Gericht warten. Aber ich will darauf hinaus, dass die KVA offenbar keine Ahnung hat, ob die Consu diese Welt nun als ihren Besitz betrachten oder nicht. Ich glaube, der Moment wird kommen, wo sie m�chtig �berrascht sein werden.�</p><p>�Okay, das klingt vern�nftig�, sagte Alan. �Bisher hat noch jede Armee, von der ich geh�rt habe, zur Selbstgef�lligkeit geneigt. Aber was willst du deswegen unternehmen?�</p><p>�Schei�e, Alan, ich habe nicht den leisesten Schimmer. Au�er zu versuchen, tot zu sein, wenn es so weit ist.�</p><p>�Zu einem anderen und weniger deprimierenden Thema�, sagte Alan. �Gute Arbeit, wie du die Doppelschusstechnik ausget�ftelt hast. Einige von uns waren ziemlich genervt, dass wir auf die Mistkerle geschossen haben und sie trotzdem weitermarschiert sind. In den n�chsten paar Wochen werden die Leute dir viele Runden ausgeben.�</p><p>�Wir m�ssen f�r unsere Getr�nke nicht bezahlen�, gab ich zu bedenken. �Diese Reise durch die H�lle ist eine Pauschalreise all inclusive, wenn ich mich recht entsinne.�</p><p>�Aber wir w�rden dir einen ausgeben, wenn wir es k�nnten�, sagte Alan.</p><p>�So eine gro�e Sache ist es nun auch wieder nicht�, sagte ich. Dann bemerkte ich, dass Alan stehen geblieben war und Haltung angenommen hatte. Als ich aufblickte, sah ich, wie Viveros, Lieutenant Keyes und ein weiterer Offizier, den ich nicht kannte, auf mich zukamen. Ich hielt an, bis sie mich erreicht hatten.</p><p>�Perry�, sagte Lieutenant Keyes.</p><p>�Lieutenant�, sagte ich. �Bitte verzeihen Sie, dass ich nicht salutiere. Ich trage einen Toten zum Leichenhaus.�</p><p>�Dort geh�ren sie hin�, sagte Keyes und zeigte auf die Leiche. �Wer ist das?�</p><p>�Watson, Lieutenant.�</p><p>�Ach, <emphasis>er</emphasis>�, sagte Keyes. �Hat aber nicht sehr lange gedauert, was?�</p><p>�Er war vielleicht ein wenig zu �berschw�nglich�, sagte ich.</p><p>�Das mag sein�, sagte Keyes. �Wie dem auch sei, Perry, das hier ist Lieutenant Colonel Rybicki, der Kommandant der Zwohundertdreiunddrei�igsten.�</p><p>�Lieutenant Colonel, verzeihen Sie, dass ich nicht salutieren kann.�</p><p>�Ja, wegen der Leiche, ich wei߫, sagte Rybicki. �Mein Junge, ich m�chte Ihnen nur gratulieren, dass Sie auf die Doppelschusstechnik gekommen sind. Sie haben viele Menschenleben gerettet und uns viel Zeit erspart. Diese verdammten Consu haben uns die Sache diesmal einen Zacken schwieriger gemacht. Diese individuellen Schilde waren etwas ganz Neues, und damit haben sie uns ziemlich in Schwierigkeiten gebracht. Ich werde Sie zur Bef�rderung vorschlagen, Gefreiter. Wie finden Sie das?�</p><p>�Vielen Dank, Lieutenant Colonel. Aber ich glaube, fr�her oder sp�ter w�re auch jemand anderer darauf gekommen.�</p><p>�Das mag sein, aber Sie waren der Erste, und daf�r haben Sie sich eine Anerkennung verdient.�</p><p>�Ja, Lieutenant Colonel.�</p><p>�Wenn wir wieder an Bord der <emphasis>Modesto</emphasis> sind, hoffe ich, dass Sie sich von einem alten Infanteristen einen ausgeben lassen, mein Junge.�</p><p>�Das w�rde mir gefallen, Sir.� Ich sah, wie Alan im Hintergrund grinste.</p><p>�Prima. Also dann noch einmal herzlichen Gl�ckwunsch.� Rybicki zeigte auf Watson. �Und mein Beileid wegen Ihres Freundes.�</p><p>�Vielen Dank, Lieutenant Colonel.� Alan salutierte stellvertretend f�r uns beide. Rybicki erwiderte den Gru� und marschierte davon, gefolgt von Keyes. Viveros drehte sich noch einmal zu Alan und mir um.</p><p>�Was finden Sie daran so lustig?�, fragte sie.</p><p>�Ich habe nur daran gedacht, dass es ungef�hr f�nfzig Jahre her ist, dass mich jemand zuletzt �mein Sohn� genannt hat.</p><p>Viveros l�chelte und zeigte auf Watson. �Sie wissen, wohin Sie ihn bringen sollten?�</p><p>�Das Leichenhaus ist gleich hinter dem n�chsten H�gel. Ich werde Watson dort abliefern und dann das erste Shuttle nehmen, das zur <emphasis>Modesto</emphasis> zur�ckfliegt, wenn Sie einverstanden sind.�</p><p>�Schei�e, Perry�, sagte Viveros. �Sie sind der Held des Tages. Sie d�rfen alles tun, was Sie wollen.� Sie wandte sich zum Gehen.</p><p>�Einen Augenblick noch�, sagte ich. �L�uft es immer so ab, Viveros?�</p><p>Sie drehte sich erneut zu mir um. �Was soll immer wie ablaufen?�</p><p>�Das hier. Der Krieg, die K�mpfe, das Sterben und so weiter.�</p><p>�Was?� Viveros schnaufte. �Nein, Perry. Was heute passiert ist, war ein Kinderspiel. Selten wurde ein Sieg so m�helos errungen.� Damit spazierte sie davon und schien sich pr�chtig zu am�sieren.</p><p>Das war meine erste Schlacht. F�r mich hatte die Zeit des Krieges begonnen.</p></section><section><title><p>10</p></title><p>Maggie kam als Erste von den Alten Schei�ern ums Leben.</p><p>Sie starb in den oberen Atmosph�renschichten einer Kolonie namens Temperantia. Der Name&#x25E6;� der so viel wie �M��igung� bedeutete&#x25E6;� war pure Ironie, weil der Planet wie die meisten Kolonien von Schwerindustrie gepr�gt war, in deren Umfeld sich jede Menge Bars und Bordelle tummelten. Da die Kruste reich an Metallerzen war, hatte es lange gedauert, bis die Menschen diese Welt erobert hatten, und es kostete gro�e M�hen, sie nicht wieder zu verlieren. Hier waren dreimal so viele KVA-Streitkr�fte dauerhaft stationiert als auf anderen Kolonien, und es wurden immer mehr Soldaten hingeschickt, um die Reihen aufzustocken. Maggies Schiff, die <emphasis>Dayton</emphasis>, war genau zu diesem Zweck nach Temperantia geschickt worden, als Raumschiffe der Ohu in der N�he auftauchten und einen ganzen Schwarm Kampfdrohnen absetzten.</p><p>Maggies Kompanie hatte den Auftrag erhalten, ein Aluminiumbergwerk zur�ckzuerobern, das einhundert Kilometer von Murphy entfernt lag, dem Hauptraumhafen von Temperantia. Sie erreichten ihr Ziel nicht mehr. Auf dem Weg nach unten wurde ihr Truppentransporter von einer Rakete der Ohu getroffen. Sie zerfetzte den Rumpf und riss mehrere Soldaten ins Vakuum, darunter auch Maggie. Die meisten von ihnen waren sofort tot, durch die Explosion oder umherfliegende Tr�mmerst�cke.</p><p>Maggie geh�rte nicht zu diesen Gl�cklichen. Sie wurde in den Weltraum �ber Temperantia hinausgeschleudert, ohne das Bewusstsein zu verlieren. Ihr Kampfunitard hatte sich automatisch um ihren Kopf geschlossen, damit ihr nicht die Luft aus den Lungen gesogen wurde. Maggie schickte sofort eine Nachricht an die Anf�hrer ihrer Kompanie und ihres Trupps. Was noch von ihrem Truppf�hrer �brig war, hing hilflos in seinem Fallgeschirr. Der Kompanief�hrer war ihr auch keine gro�e Hilfe, aber deswegen konnte man ihm keinen Vorwurf machen. Der Truppentransporter war nicht f�r Rettungsaktionen ausgestattet und selbst schwer angeschlagen. Er wurde immer wieder angegriffen und versuchte das n�chste KVA-Schiff zu erreichen, um wenigstens die �berlebenden Passagiere in Sicherheit zu bringen.</p><p>Eine Nachricht an die <emphasis>Dayton</emphasis> erwies sich als genauso nutzlos, da sie sich ein Feuergefecht mit mehreren Ohu-Schiffen lieferte und keine Rettungseinheiten entbehren konnte. Genauso stand es mit anderen Schiffen. Maggie war ein zu kleines Ziel, zu sehr im Griff der Schwerkraft und der Atmosph�re von Temperantia zu nahe, sodass selbst au�erhalb einer Kampfzone ein h�chst waghalsiges Rettungsman�ver n�tig gewesen w�re. Inmitten einer tobenden Raumschlacht war sie schon so gut wie tot.</p><p>Also nahm Maggie, deren K�rper inzwischen trotz SmartBlood verzweifelt nach Sauerstoff schrie, Ihre Vauzett, richtete sie auf das n�chste Ohu-Schiff, berechnete eine Flugbahn und feuerte eine Rakete nach der anderen ab. Die Geschosse gaben Maggie Schub in die entgegengesetzte Richtung und lie�en sie immer schneller auf den dunklen Nachthimmel von Temperantia zurasen. Die Auswertung der Schlacht sollte sp�ter ergeben, dass ihre Raketen, nachdem der Treibstoff l�ngst aufgebraucht war, tats�chlich irgendwann das Ohu-Schiff trafen und geringf�gigen Schaden anrichteten.</p><p>Dann wandte sich Maggie um, dem Planeten zu, der sie t�ten w�rde, und als guter Professor f�r fern�stliche Religionen komponierte sie ein <emphasis>jisei</emphasis>, das Todesgedicht, in der Form eines Haiku.</p><p><emphasis>Trauert nicht um mich, Freunde</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>Ich falle als Sternschnuppe</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>Ins n�chste Leben</emphasis></p><p>Sie sendete das Gedicht und die letzten Momente ihres Lebens zu uns, bis sie starb und eine helle Leuchtspur �ber den Nachthimmel von Temperantia zog.</p><p>Sie war meine Freundin. Kurze Zeit war sie meine Geliebte gewesen. Im Augenblick ihres Todes war sie tapferer gewesen, als ich jemals sein w�rde. Und ich wette, sie war eine grandiose Sternschnuppe.</p><empty-line/><p>�Das Problem mit der Kolonialen Verteidigungsarmee ist nicht, dass sie keine exzellente Streitmacht w�re. Das Problem ist, dass sie viel zu einfach einzusetzen ist.�</p><p>So sprach Thaddeus Bender, zweimaliger Senator der Demokraten aus Massachusetts, ehemaliger Botschafter (zu verschiedenen Zeiten) in Frankreich, Japan und den Vereinten Nationen, Au�enminister in der ansonsten katastrophalen Crowe-Regierung, Autor, Vortragsreisender und neuerdings der j�ngste Zugang zur Kompanie D. Da die letzte dieser T�tigkeiten f�r uns die gr��te Relevanz hatte, waren wir alle bald zur Erkenntnis gelangt, dass Gefreiter Senator Botschafter Minister Bender ein ausgesprochenes Arschloch war.</p><p>Es ist erstaunlich, wie schnell sich der Wechsel vom Anf�nger zum alten Hasen vollzieht. Als wir in der <emphasis>Modesto</emphasis> eintrafen, erhielten Alan und ich unsere Quartiere zugewiesen, wurden herzlich, wenn auch fl�chtig von Lieutenant Keyes begr��t (der eine Augenbraue hochzog, als wir ihn von Sergeant Ruiz gr��ten) und schlie�lich vom Rest der Kompanie mit freundlicher Nichtbeachtung behandelt. Unsere Truppf�hrer sprachen uns an, wenn wir angesprochen werden mussten, und unsere Truppkameraden gaben Informationen weiter, die wir erfahren mussten. Andernfalls waren wir von allem ausgeschlossen.</p><p>Das war keineswegs pers�nlich gemeint. Die drei anderen Neuen&#x25E6;� Watson, Gaiman und McKean&#x25E6;� wurden auf die gleiche Weise behandelt, und daf�r gab es haupts�chlich zwei Gr�nde. Der erste lief darauf hinaus, dass die Ankunft neuer Leute bedeutete, dass andere nicht mehr da waren. Und �nicht mehr da� bedeutete gew�hnlich �tot�. Was die institutionelle Ebene betraf, wurden Soldaten wie durchgebrannte Gl�hbirnen ausgewechselt. Auf der pers�nlicheren Ebene der Kompanien und Trupps jedoch ersetzte man einen Freund, einen Kameraden, jemanden, der gek�mpft und gewonnen hatte und gestorben war. F�r einen Freund und Kameraden eines Verstorbenen konnte man selbstredend niemals ein Ersatz sein.</p><p>Der zweite Grund hatte damit zu tun, dass man bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der neuen Kompanie gek�mpft hatte. Und solange das nicht geschehen war, geh�rte man nicht dazu. Das war einfach undenkbar. Daf�r konnte man nichts, aber dieser Zustand w�rde auch nicht lange anhalten. Bis man sich in der Schlacht bew�hrt hatte, war man nur irgendein Typ, der die Stelle �bernommen hatte, die zuvor ein besserer Mann oder eine bessere Frau besetzt hatte.</p><p>Ich bemerkte den Unterschied sofort nach der Schlacht mit den Consu. Ich wurde mit Namen begr��t, eingeladen, mich an einen Tisch in der Messe zu setzen, gefragt, ob ich eine Runde Billard mitspielen wollte, und in Gespr�che verwickelt. Viveros, meine Truppf�hrerin, fragte mich nach meiner Meinung, statt mir zu befehlen, wie etwas gemacht werden sollte. Lieutenant Keyes erz�hlte mir eine Geschichte �ber Sergeant Ruiz&#x25E6;� eine Geschichte, in der es um ein Luftkissenfahrzeug und die Tochter eines Kolonialen ging, eine Geschichte, die einfach unglaublich war. Mit einem Wort: Ich war einer von ihnen geworden, einer von <emphasis>uns</emphasis>. Die Doppelschusstechnik gegen die Consu und die anschlie�ende Auszeichnung waren hilfreich, aber Alan, Gaiman und McKean wurden ebenfalls in die Arme geschlossen, obwohl sie nicht mehr getan hatten, als zu k�mpfen und sich nicht t�ten zu lassen. Das gen�gte bereits.</p><p>Jetzt, nach drei Monaten, hatten auch wir schon mehrere Lieferungen von Neulingen erlebt, die Menschen ersetzten, mit denen wir uns angefreundet hatten. Wir wussten, wie es den Soldaten ging, als wir gekommen waren, um L�cken auszuf�llen. Nun reagierten wir auf die gleiche Weise: Solange du nicht gek�mpft hast, nimmst du nur Platz weg. Die meisten Neulinge f�gten sich, verstanden und hielten die ersten paar Tage durch, bis es in den Einsatz ging.</p><p>F�r den Gefreiten Senator Botschafter Minister Bender galt das alles nicht. Seit dem ersten Moment hatte er versucht, sich in die Kompanie einzuschmeicheln. Er stattete jedem Mitglied einen pers�nlichen Besuch ab und versuchte eine tiefe, pers�nliche Freundschaft aufzubauen. Damit ging er allen auf die Nerven. �Er benimmt sich, als w�rde er einen Wahlkampf f�hren�, beklagte sich Alan und traf damit den Nagel auf den Kopf. Wenn man sein Leben lang in der Politik gearbeitet hatte, wurde man so. Man wusste einfach nicht mehr, wie man es abschaltete.</p><p>Au�erdem war Gefreiter Senator Botschafter Minister Bender sein Leben lang davon ausgegangen, dass sich die Leute brennend f�r das interessierten, was er zu sagen hatte. Deshalb h�rte er nie damit auf, auch nicht, wenn ihm offenkundig niemand mehr zuh�rte. Als er also in der Messe seine Ansichten �ber die Probleme der KVA kundtat, f�hrte er im Gro�en und Ganzen ein Selbstgespr�ch. Dennoch war seine Bemerkung provokant genug, um Viveros, mit der ich zu Mittag a�, zu einer Erwiderung anzustacheln.</p><p>�Wie bitte?�, sagte sie. �W�rde es Ihnen etwas ausmachen, Ihren letzten Satz noch einmal zu wiederholen?�</p><p>�Ich sagte, ich glaube, das Problem mit der KVA ist nicht, dass sie keine exzellente Streitmacht w�re, sondern dass sie viel zu einfach einzusetzen ist.�</p><p>�Tats�chlich�, sagte Viveros. �Das ist eine interessante These.�</p><p>�Es ist wirklich nicht schwer zu verstehen�, sagte Bender und nahm eine Haltung an, die ich sofort wiedererkannte, weil ich sie bereits auf Bildern von ihm gesehen hatte&#x25E6;� die H�nde ausgestreckt und leicht nach innen gebogen, als w�rde er das Thema, �ber das er sich auslie�, festhalten und seinen Zuh�rern pr�sentieren. Nachdem ich nun auf der Empf�ngerseite dieser Geste stand, erkannte ich, wie herablassend sie wirkte. �Es steht au�er Zweifel, dass die Koloniale Verteidigungsarmee eine au�ergew�hnlich f�hige Kampftruppe darstellt. Doch realistisch betrachtet geht es darum gar nicht. Es geht um die Frage, was wir tun, um ihren Einsatz zu <emphasis>vermeiden</emphasis>. Gab es Situationen, in denen die KVA eingesetzt wurde, obwohl intensive diplomatische Bem�hungen m�glicherweise bessere Ergebnisse erbracht h�tten?�</p><p>�Offenbar haben Sie nicht die gleiche Rede geh�rt wie ich�, sagte ich. �Ich meine die, in der es hei�t, dass wir nicht in einem perfekten Universum leben und die Konkurrenz um Grundst�cke hart und brutal ist.�</p><p>�Ich habe sie sehr wohl geh�rt�, sagte Bender. �Ich kann nur nicht behaupten, dass ich auch daran <emphasis>glaube</emphasis>. Wie viele Sterne gibt es in der Galaxis? Vielleicht ein paar hundert Milliarden. Von denen die meisten in irgendeiner Form ein Planetensystem haben. Die Fl�che der verf�gbaren Grundst�cke tendiert gegen unendlich. Nein, ich glaube vielmehr, dass es in Wahrheit um etwas ganz anderes geht. Wir setzen Gewalt ein, wenn wir mit anderen intelligenten Spezies zu tun haben, weil Gewalt die einfachste aller L�sungen ist. Gewalt ist schnell, direkt und einfach, verglichen mit den Kompliziertheiten der Diplomatie. Entweder hat man ein St�ck Land, oder man hat es nicht. Im Vergleich dazu ist die Diplomatie in intellektueller Hinsicht ein wesentlich schwierigeres Unterfangen.�</p><p>Viveros warf mir einen kurzen Blick zu, dann schaute sie wieder zu Bender. �Sie glauben, das, was wir hier tun, w�re <emphasis>einfach</emphasis>?�</p><p>�Nein, das glaube ich nicht.� Bender l�chelte und hob beschwichtigend die Hand. �Ich habe nur gesagt: <emphasis>verglichen</emphasis> mit der Diplomatie. Wenn ich Ihnen eine Waffe in die Hand dr�cke und Ihnen sage, dass Sie einheimische Bewohner von einem H�gel vertreiben sollen, ist die Sache ziemlich einfach. Aber wenn ich Ihnen sage, dass Sie zu den Bewohnern gehen und eine Vereinbarung aushandeln sollen, durch die der H�gel in unseren Besitz gelangt, gibt es sehr viele andere Dinge zu bedenken. Was soll mit den gegenw�rtigen Bewohnern geschehen, wie k�nnen sie entsch�digt werden, welche Rechte haben sie weiterhin in Bezug auf den H�gel und so weiter.�</p><p>�Vorausgesetzt, die Leute auf dem H�gel erschie�en Sie nicht einfach, wenn Sie mit dem Diplomatenkoffer in der Hand aufkreuzen�, sagte ich.</p><p>Bender l�chelte mich an und hob energisch den Zeigefinger. �Sehen Sie, genau <emphasis>das</emphasis> ist der Punkt. Wir gehen davon aus, dass unsere Gegner die gleiche kriegerische Perspektive einnehmen wie wir. Aber was w�re&#x25E6;� nur mal theoretisch angedacht -, wenn wir die T�r zur Diplomatie �ffnen w�rden, vielleicht nur einen kleinen Spalt weit? W�rde es nicht jede intelligente Spezies vorziehen, durch diese T�r zu treten? Nehmen wir zum Beispiel die Bewohner von Whaid. Wir werden in K�rze gegen sie in die Schlacht ziehen, nicht wahr?�</p><p>So war es. Die Whaidianer und die Menschen hatten sich schon seit mehr als zehn Jahren belagert und einen Kampf um das Earnhardt-System ausgetragen, in dem es drei Welten gab, die f�r beide V�lker bewohnbar waren. Systeme mit mehreren bewohnbaren Planeten waren ziemlich selten. Die Whaidianer waren hartn�ckig, aber auch verh�ltnism��ig schwach. Sie hatten nur wenige Planeten besiedelt, und der Hauptteil ihrer Industrie konzentrierte sich immer noch auf ihre Heimatwelt. Da die Whaidianer den Wink mit dem Zaunpfahl nicht verstanden hatten und sich nicht vom Earnhardt-System fernhalten wollten, sah der Plan vor, in ihr Territorium einzudringen, um ihren Raumhafen und die wichtigsten Industriegebiete zu zerst�ren, damit ihre Expansionskapazit�ten um mehrere Jahrzehnte zur�ckgeworfen wurden. Die 233. war ein Teil der Streitmacht, die in der Hauptstadt landen und dort f�r etwas Unordnung sorgen sollte. Wir sollten nach M�glichkeit keine Zivilisten t�ten, aber vielleicht ein paar L�cher in ihre Parlamentsgeb�ude und religi�sen Versammlungszentren schie�en. Dieses Unternehmen sch�digte zwar nicht ihre Industrie, aber es vermittelte ihnen die Botschaft, dass wir sie jederzeit fertigmachen konnten, wenn uns danach war. Sie sollten ein wenig eingesch�chtert werden.</p><p>�Was ist mit ihnen?�, fragte Viveros.</p><p>�Ich habe mir die Informationen �ber dieses V�lkchen etwas genauer angesehen�, sagte Bender. �Sie m�ssen wissen, dass sie eine bemerkenswerte Kultur haben. Ihre h�chste Kunstform ist eine Art von Massengesang, der an gregorianische Ch�re erinnert. Eine komplette Stadt der Whaidianer f�ngt auf einmal zu singen an. Es hei�t, man kann die Ges�nge �ber mehrere Kilometer h�ren, und sie gehen �ber Stunden.�</p><p>�Also?�</p><p>�<emphasis>Also</emphasis> handelt es sich hier um eine Kultur, die wir bewundern und erforschen sollten, statt die Leute auf ihren Planeten zur�ckzuwerfen, weil sie uns im Weg sind. Haben die Kolonialen auch nur versucht, f�r den Konflikt mit diesem Volk eine friedliche L�sung zu finden? Ich konnte nirgendwo entsprechende Informationen finden. Ich finde, wir sollten den Versuch machen. Vielleicht k�nnten sogar <emphasis>wir</emphasis> diesen Versuch unternehmen.�</p><p>Viveros schnaufte. �Die Aushandlung von Friedensvertr�gen geh�rt nicht ganz zu unserem Aufgabenbereich, Bender.�</p><p>�W�hrend meiner ersten Amtszeit als Senator war ich anl�sslich einer Party mit Wirtschaftsvertretern in Nordirland, und am Ende konnte ich mit den Katholiken und Protestanten die Bedingungen eines Friedensvertrags aushandeln. Ich war nicht befugt, einen Vertrag abzuschlie�en, und meine Bem�hungen l�sten in den Vereinigten Staaten eine gro�e Kontroverse aus. Aber wenn sich die Gelegenheit bietet, Frieden zu schlie�en, m�ssen wir sie nutzen.�</p><p>�Daran erinnere ich mich�, sagte ich. �Das war kurz vor den blutigsten Demonstrationsm�rschen der vergangenen zwei Jahrhunderte. Das w�rde ich nicht als erfolgreichen Friedensschluss bezeichnen.�</p><p>�Daran waren nicht die Vereinbarungen schuld�, erwiderte Bender im Ton der Rechtfertigung. �Irgendein katholischer Jugendlicher unter Drogen warf eine Granate in einen Zug der Orange Order, und danach war alles vorbei.�</p><p>�Diese verdammten Menschen, die immer wieder den friedlichen Idealen in die Quere kommen�, sagte ich.</p><p>�Ich erw�hnte bereits, dass Diplomatie keine einfache Sache ist�, sagte Bender. �Trotzdem glaube ich, dass wir letztlich mehr gewinnen, wenn wir versuchen, mit diesen V�lkern zusammenzuarbeiten, statt sie auszul�schen. Zumindest sollte man diese M�glichkeit nicht von vornherein ausschlie�en.�</p><p>�Danke f�r die Belehrung, Bender�, sagte Viveros. �Wenn Sie die Freundlichkeit haben, mir jetzt das Wort zu �berlassen, m�chte ich zwei Dinge klarstellen. Erstens: Solange Sie noch nicht gek�mpft haben, interessiert es mich und alle anderen einen Schei�dreck, was Sie wissen oder zu wissen glauben. Wir sind hier nicht in Nordirland, wir sind hier nicht in Washington, wir sind hier nicht einmal auf der Erde. Sie haben sich als einfacher Soldat rekrutieren lassen, und das sollten Sie nie vergessen. Zweitens: Unabh�ngig von dem, was Sie glauben, Gefreiter, sind Sie jetzt nicht mehr dem Universum oder der gesamten Menschheit verpflichtet, sondern nur mir, Ihren Kameraden, Ihrer Kompanie und der KVA. Wenn man Ihnen einen Befehl erteilt, f�hren Sie ihn aus. Wenn Sie etwas tun, das �ber den Rahmen Ihrer Befehle hinausgeht, m�ssen Sie sich deswegen vor mir verantworten. Haben Sie das verstanden?�</p><p>Bender musterte Viveros mit einem recht k�hlen Blick. �Unter der Devise, dass man �nur seine Befehle ausgef�hrt hat�, ist viel B�ses getan worden. Ich hoffe inst�ndig, dass wir uns nicht eines Tages auf die gleiche Weise herausreden m�ssen.�</p><p>Viveros kniff die Augen zu schmalen Schlitzen zusammen. �Ich bin mit dem Essen fertig�, sagte sie, stand auf und nahm ihr Tablett in die Hand.</p><p>Bender zog die Augenbrauen hoch, als sie ging. �Ich wollte sie nicht beleidigen�, sagte er zu mir.</p><p>Ich musterte ihn vorsichtig. �Sagt Ihnen der Name �Viveros� �berhaupt etwas, Bender?�</p><p>Er runzelte leicht die Stirn. �Ich kann mich nicht erinnern.�</p><p>�Denken Sie etwas weiter zur�ck�, sagte ich. �Damals m�ssen wir f�nf oder sechs gewesen sein.�</p><p>Ihm ging ein Licht auf. �Es gab einen peruanischen Staatspr�sidenten namens Viveros. Ich glaube, er kam bei einem Attentat ums Leben.�</p><p>�Richtig, Pedro Viveros�, sagte ich. �Aber nicht nur er, sondern auch seine Frau, sein Bruder, die Frau seines Bruders und ein gro�er Teil seiner Familie wurde beim Milit�rputsch ermordet. Nur eine von Pedros T�chtern �berlebte. Ihr Kinderm�dchen steckte sie in einen W�scheschacht, als die Soldaten den Pr�sidentenpalast st�rmten und nach weiteren Familienmitgliedern suchten. Nebenbei bemerkt, das Kinderm�dchen wurde vergewaltigt, bevor man ihr die Kehle aufschlitzte.�</p><p>Benders Gesicht nahm eine gr�nlichgraue Schattierung an. �Sie kann nicht diese Tochter sein�, sagte er.</p><p>�Sie ist es aber. Und ich kann Ihnen noch etwas verraten. Als der Putsch niedergeschlagen wurde und die Soldaten, die ihre Familie ermordet hatten, vor Gericht gestellt wurden, lautete ihre Entschuldigung, dass sie nur ihre Befehle ausgef�hrt hatten. Unabh�ngig von der Frage, ob Ihre Ansichten Hand und Fu� haben, muss ich Ihnen sagen, dass Sie sie jemandem vorgetragen haben, dem Sie auf gar keinen Fall einen Vortrag �ber die Banalit�t des B�sen halten sollten. Viveros wei� <emphasis>alles</emphasis> dar�ber. Sie wei� es, weil ihre Familie abgeschlachtet wurde, w�hrend sie im Keller unter einem W�schehaufen lag und sich bem�hte, trotz ihrer blutenden Wunden nicht zu heulen.�</p><p>�Mein Gott, das tut mir nat�rlich sehr leid�, sagte Bender. �Das h�tte ich nicht sagen sollen. Aber ich wusste ja nichts davon.�</p><p>�Nat�rlich nicht, Bender. Und genau darauf wollte Viveros hinaus. Hier drau�en wissen Sie von nichts. Sie wissen <emphasis>gar</emphasis> nichts.�</p><empty-line/><p>�H�ren Sie zu�, sagte Viveros, w�hrend wir uns der Oberfl�che n�herten. �Unsere Aufgabe beschr�nkt sich ausschlie�lich darauf, Sachen kaputtzumachen und wieder zu verschwinden. Wir werden in der N�he des Regierungsviertels landen, ein paar Geb�ude zerst�ren, aber nicht auf lebende Ziele schie�en, es sei denn, KVA-Soldaten werden unter Beschuss genommen. Wir haben diesen Leuten schon einmal in die Eier getreten, und jetzt trampeln wir noch ein bisschen auf ihnen herum, w�hrend sie sich am Boden winden. Seien Sie schnell, richten Sie Schaden an, und hauen Sie wieder ab. Ist das allen klar?�</p><p>Bis zu diesem Punkt war die Aktion ein Kinderspiel gewesen. Die Whaidianer waren �berhaupt nicht auf das pl�tzliche und gleichzeitige Auftauchen von zwei Dutzend Schlachtschiffen der KVA in ihrem Heimatsystem vorbereitet. Zur Ablenkung hatte die KVA wenige Tage zuvor eine Offensive im Earnhardt-System gestartet, um m�glichst viele Schiffe der Whaidianer dorthin zu locken. Also war fast niemand mehr da, der die Heimat verteidigte. Die wenigen Kompanien, die doch da waren, wurden schnell und �berraschend vom Himmel geschossen.</p><p>Auch mit dem Hauptraumhafen der Whaidianer machten unsere Zerst�rer kurzen Prozess. Das mehrere Kilometer lange Geb�ude wurde an kritischen Punkten beschossen, worauf man es den Zentripetalkr�ften �berlassen konnte, den Gesamtkomplex auseinanderzurei�en. Warum sollten wir mehr Munition verschwenden als unbedingt n�tig? Keine Skip-Kapseln wurden entdeckt, die die Streitmacht im Earnhardt-System h�tten alarmieren k�nnen, also w�rden die Whaidianer erst davon erfahren, dass wir sie hinters Licht gef�hrt hatten, nachdem es bereits viel zu sp�t war. Wenn whaidianische Schiff die dortige Schlacht �berlebten, w�rden sie nach Hause fliegen und nichts mehr vorfinden, wo sie andocken oder Reparaturen durchf�hren lassen konnten. Unsere Truppen w�ren l�ngst verschwunden, wenn sie eintrafen.</p><p>Nachdem der Weltraum gesichert war, feuerte die KVA gem�tlich auf Industriezentren, Milit�rst�tzpunkte, Bergwerke, Raffinerien, Entsalzungsanlagen, Staud�mme, Sonnenkollektorfarmen, H�fen, Startrampen, wichtige Verbindungsstra�en und andere Ziele, die erst von den Whaidianern repariert werden mussten, bevor sie ihre interstellaren Kapazit�ten wiederaufbauen konnten. Nach sechs Stunden gnadenloser Angriffe hatten wir die Whaidianer so wirksam in das Zeitalter der Verbrennungsmotoren zur�ckgebombt, dass sie voraussichtlich eine ganze Weile auf diesem Entwicklungsniveau bleiben w�rden.</p><p>Die KVA vermied eine fl�chendeckende oder wahllose Bombardierung gr��erer St�dte, da Opfer unter der Zivilbev�lkerung nicht unser Kampfziel waren. Der Geheimdienst der KVA ging von gr��eren Kollateralsch�den unterhalb der zerst�rten Staud�mme aus, aber das lie� sich nicht vermeiden. Die Whaidianer h�tten die KVA nicht daran hindern k�nnen, ihre St�dte in Schutt und Asche zu legen, aber wir gingen davon aus, dass sie genug Probleme mit den Seuchen, Hungersn�ten und politischen sowie sozialen Unruhen haben w�rden, die zwangsl�ufig aus der Vernichtung der industriellen und technischen Grundlagen der Wirtschaft resultierten. Gezielte Angriffe gegen die Zivilbev�lkerung w�ren demzufolge inhuman und (was f�r die F�hrung der KVA genauso wichtig war) eine nutzlose Vergeudung von Ressourcen gewesen. Abgesehen von der Hauptstadt, die ausschlie�lich zum Zweck der psychologischen Kriegsf�hrung bombardiert wurde, standen weitere Bodenangriffe v�llig au�er Frage.</p><p>Was allerdings nicht bedeutete, dass die Whaidianer in der Hauptstadt daf�r Verst�ndnis gezeigt h�tten. Selbst w�hrend der Landung wurden unsere Truppentransporter mit Projektil- und Strahlenwaffen beschossen. Das Geprassel auf dem Schiffsrumpf klang, als w�rden darauf Hagel niedergehen und Spiegeleier gebraten.</p><p>�Sie gehen in Zweiergruppen�, sagte Viveros, als sie den Trupp aufteilte. �Niemand unternimmt Alleing�nge. Orientieren Sie sich an Ihren Landkarten und lassen Sie sich nicht in eine Falle locken. Perry, Sie passen auf Bender auf. Versuchen Sie ihn bitte davon abzuhalten, Friedensvertr�ge zu unterzeichnen. Um Ihnen einen zus�tzlichen Anreiz zu geben, werden Sie beide als Erste hinausgehen. Schauen Sie nach oben und erledigen Sie die Heckensch�tzen.�</p><p>�Bender.� Ich winkte ihn her�ber. �Stellen Sie Ihre Vauzett auf Raketen und folgen Sie mir. Tarnung aktivieren. Kommunikation nur �ber BrainPal.� Die Rampe des Transporters klappte auf, und Bender und ich rannten hinunter. Etwa vierzig Meter genau vor mir stand irgendeine undefinierbare abstrakte Skulptur. Ich nahm sie unter Beschuss, w�hrend Bender und ich weiterrannten. Abstrakte Kunst war mir schon immer zuwider gewesen.</p><p>Ich n�herte mich einem gro�en Geb�ude nordwestlich von unserer Landeposition. Hinter der Glasfront der Eingangshalle konnte ich mehrere Whaidianer sehen, die lange Objekte in den Pfoten hielten. Ich feuerte ein paar Raketen in ihre Richtung. Sie w�rden die Glasscheiben zertr�mmern und die Whaidianer wahrscheinlich nicht t�ten, aber dadurch w�ren sie lange genug abgelenkt, bis Bender und ich verschwunden waren. Ich teilte Bender mit, dass er ein Fenster im zweiten Stock des Geb�udes zerschie�en sollte. Er tat es, und wir sprangen hinauf und hindurch. Drinnen sah es aus wie ein Gro�raumb�ro. Klar, selbst Aliens m�ssen arbeiten. Allerdings gab es hier keine lebenden Whaidianer mehr. Ich konnte mir vorstellen, dass die meisten heute zu Hause geblieben waren. Was man ihnen nicht verdenken konnte.</p><p>Bender und ich fanden eine spiralf�rmige Rampe, die nach oben f�hrte. Keiner von den Whaidianern aus der Lobby folgte uns. Ich vermutete, dass sie so sehr mit anderen KVA-Soldaten besch�ftigt waren, dass sie gar nicht mehr an uns dachten. Die Rampe endete auf dem Dach. Ich hielt Bender zur�ck, bevor wir in Sicht kamen, und schob mich dann vorsichtig weiter. Ich sah drei Whaidianer, die sich als Heckensch�tzen hinter der Br�stung des Geb�udes verschanzt hatten. Ich erledigte zwei und Bender den dritten.</p><p><emphasis>Was jetzt?</emphasis>, sendete Bender.</p><p><emphasis>Folgen Sie mir</emphasis>, gab ich zur�ck.</p><p>Ein durchschnittlicher Whaidianer sieht ungef�hr wie eine Kreuzung zwischen einem Schwarzb�ren und einem gro�en, w�tenden Flugh�rnchen aus. Die Whaidianer, die wir erschossen hatten, sahen wie gro�e w�tende Schwarzflugb�renh�rnchen mit Gewehren und zertr�mmerten Sch�deln aus. Wir robbten so schnell wie m�glich zur Dachkante. Ich winkte Bender, dass er unter einen der toten Heckensch�tzen kriechen sollte. Ich �bernahm einen anderen.</p><p><emphasis>Kriechen Sie drunter</emphasis>, sendete ich.</p><p><emphasis>Was?</emphasis>, kam von Bender zur�ck.</p><p>Ich zeigte auf die anderen D�cher. <emphasis>Andere Whaidianer auf den D�chern. Wir m�ssen uns tarnen, w�hrend ich sie ausschalte.</emphasis></p><p><emphasis>Was soll ich machen?</emphasis>, fragte Bender.</p><p><emphasis>Den Eingang zum Dach beobachten und aufpassen, dass sie mit uns nicht dasselbe machen, was wir mit ihnen gemacht haben.</emphasis></p><p>Bender verzog das Gesicht und kroch unter seinen toten Whaidianer. Ich tat dasselbe und bereute es schon im n�chsten Moment. Ich wusste nicht, wie ein lebender Whaidianer roch, aber ein toter roch auf jeden Fall verdammt �bel. Bender drehte sich um und behielt die T�r im Auge. Ich sendete Viveros per BrainPal einen �berblick des Gel�ndes und k�mmerte mich dann um die Heckensch�tzen auf den anderen D�chern.</p><p>Ich erwischte sechs auf vier verschiedenen D�chern, bevor sie merkten, was vor sich ging. Schlie�lich sah ich einen, der seine Waffe auf unser Dach richtete. Ich schickte ihm einen Gru� mitten ins Gehirn und forderte Bender auf, sich seiner Leiche zu entledigen und vom Dach zu verschwinden. Wir waren erst wenige Sekunden weg, als die Raketen einschlugen.</p><p>Auf dem Weg nach unten stie�en wir auf die Whaidianer, mit denen ich auf dem Weg nach oben gerechnet hatte. Die Frage, wen die Begegnung mehr �berraschte, war beantwortet, als Bender und ich als Erste das Feuer er�ffneten und uns ins n�chste Stockwerk fl�chteten. Ich schickte ein paar Granaten die Rampe hinunter, damit die Whaidianer etwas zum Gr�beln hatten, w�hrend Bender und ich weiterrannten.</p><p>�Was, zum Teufel, machen wir jetzt?�, br�llte Bender mir zu, als wir durch das Geb�ude liefen.</p><p><emphasis>Benutzen Sie den BrainPal, Sie Arschloch!</emphasis>, sendete ich und ging um eine Ecke. Dahinter trat ich an eine Glasfront und blickte hinaus. Wir waren mindestens drei�ig Meter hoch, was selbst mit unseren verbesserten K�rpern zu viel f�r einen Sprung war.</p><p><emphasis>Sie kommen</emphasis>, sendete Bender. Hinter uns waren Ger�usche zu h�ren, die vermutlich von sehr w�tenden Whaidianern stammten.</p><p><emphasis>In Deckung!</emphasis>, befahl ich Bender, richtete meine Vauzett auf die Glasfront und feuerte. Das Glas sprang, zerbrach aber nicht. Ich griff nach etwas, von dem ich annahm, dass es ein whaidianischer Stuhl war, und warf ihn durch das Fenster. Dann zog ich mich in die Nische zur�ck, in der Bender bereits Stellung bezogen hatte.</p><p><emphasis>Was, zum Teufel �?</emphasis>, sendete er. <emphasis>Jetzt sitzen wir in der Falle!</emphasis></p><p><emphasis>Warten Sie. Bleiben Sie in Deckung, und feuern Sie auf mein Kommando. Automatikmodus.</emphasis></p><p>Vier Whaidianer kamen um die Ecke und r�ckten vorsichtig zur zertr�mmerten Glasscheibe vor. Ich h�rte, wie sie abwechselnd Gurgellaute von sich gaben, und schaltete die �bersetzung ein.</p><p>�� durch das Loch in der Wand gesprungen�, sagte in diesem Moment einer von ihnen.</p><p>�Unm�glich�, erwiderte ein anderer. �Das ist viel zu hoch. Das h�tten sie nicht �berlebt.�</p><p>�Ich habe gesehen, wie sie �ber gro�e Entfernungen gesprungen sind�, sagte der Erste. �Vielleicht w�rden sie es doch �berleben.�</p><p>�Selbst diese [un�bersetzbar] halten keinen Sprung �ber 130 Deg [Ma�einheit] aus�, sagte der Dritte, der zu den ersten beiden vortrat. �Diese [un�bersetzbar] Esser von [un�bersetzbar] m�ssen immer noch hier irgendwo sein.�</p><p>�Habt ihr [un�bersetzbar&#x25E6;� vermutlich Personenname] auf der Rampe gesehen? Diese [un�bersetzbar] haben [ihn] mit ihren Granaten zerst�ckelt�, sagte der vierte Whaidianer.</p><p>�Wir sind �ber dieselbe Rampe wie du gekommen�, sagte der Dritte. �Nat�rlich haben wir [ihn] gesehen. Jetzt seid still und durchsucht diesen Bereich. Wenn sie hier sind, werden wir uns an den [un�bersetzbar] r�chen und unseren Sieg feiern.� Der vierte Alien trat zum dritten und streckte eine Pfote aus, als wollte er sein Beileid bekunden. Nun standen alle vier in einer �bersichtlichen Gruppe vor dem klaffenden Loch in der Wand.</p><p><emphasis>Jetzt</emphasis>, sendete ich an Bender und er�ffnete das Feuer. Die Whaidianer sch�ttelten sich ein paar Sekunden lang wie Marionetten, dann trieben die Einschl�ge der Patronen sie zur�ck und warfen sie gegen die Wand, die nicht mehr da war. Bender und ich warteten noch einen Moment ab, dann schlichen wir uns zur Rampe zur�ck. Dort war niemand, bis auf die �berreste von [un�bersetzbar&#x25E6;� vermutlich Personenname], der sogar noch schlimmer stank als die toten Heckensch�tzen auf dem Dach. Bis jetzt war unser Ausflug auf Whaid in erster Linie ein schwerer Angriff auf unseren Geruchssinn gewesen. Wir gingen wieder runter bis zum zweiten Stock und verlie�en das Geb�ude auf dieselbe Weise, wie wir es betreten hatten, wobei wir an den vier Whaidianern vorbeikamen, die wir durchs Fenster bef�rdert hatten.</p><p>�Das ist nicht gerade das, was ich erwartet hatte�, sagte Bender und glotzte auf die �berreste der Whaidianer.</p><p>�Was haben Sie denn erwartet?�, fragte ich.</p><p>�Das wei� ich selber nicht so genau.�</p><p>�Wie kann es dann nicht das sein, was Sie erwarten haben?�, erkundigte ich mich und wandte mich mit meinem BrainPal an Viveros. <emphasis>Wir sind unten.</emphasis></p><p><emphasis>Kommen Sie r�ber!</emphasis>, befahl Viveros und gab ihren Standort durch. <emphasis>Und bringen Sie Bender mit. Sie werden nicht glauben, was hier los ist.</emphasis> Gleichzeitig h�rte ich es im gelegentlichen Gewehrfeuer und Granatendonner&#x25E6;� einen tiefen, kehligen Gesang, der durch die Geb�ude des Regierungsviertels hallte.</p><empty-line/><p>�Davon hatte ich Ihnen erz�hlt�, verk�ndete Bender beinahe freudig, als wir die letzte Ecke umrundeten und in das nat�rliche Amphitheater abstiegen. Darin hatten sich mehrere hundert Whaidianer versammelt, die sangen, sich im Rhythmus wiegten und Kn�ppel schwenkten. Rund um sie herum hatten ein paar Dutzend KVA-Soldaten Stellung bezogen. Wenn sie das Feuer er�ffneten, w�rde ihnen niemand entkommen. Ich schaltete wieder auf den �bersetzungsmodus, aber nichts kam. Entweder hatten die Ges�nge keine Bedeutung, oder sie waren in einer whaidianischen Sprache gehalten, die die Linguisten noch nicht entschl�sselt hatten.</p><p>Ich entdeckte Viveros und ging zu ihr hin�ber. �Was ist hier los?�, rief ich ihr �ber den L�rm zu.</p><p>�Sagen Sie es mir, Perry�, rief sie zur�ck. �Ich bin hier nur Zuschauerin.� Sie deutete mit einer Kopfbewegung nach links, wo Lieutenant Keyes sich mit anderen Offizieren besprach. �Sie �berlegen sich gerade, was wir tun sollten.�</p><p>�Warum hat noch niemand das Feuer er�ffnet?�, fragte Bender.</p><p>�Weil noch niemand auf uns geschossen hat�, sagte Viveros. �Wir haben den Befehl, nur im Notfall gegen Zivilisten vorzugehen. Und dies scheinen Zivilisten zu sein. Zwar haben alle Kn�ppel dabei, aber sie haben uns damit nicht bedroht. Sie fuchteln nur damit herum, w�hrend sie singen. Deshalb ist es nicht n�tig, sie zu t�ten. Ich h�tte gedacht, sie w�ren gl�cklich �ber so eine Situation, Bender.�</p><p>�Das bin ich auch�, sagte Bender und zeigte mit offensichtlichem Entz�cken in die Menge. �Sehen Sie, da dr�ben ist der Whaidianer, der die Versammlung leitet. Es ist der Feuy, ein religi�ser Anf�hrer. Er genie�t hohes Ansehen bei den Whaidianern. Wahrscheinlich hat er das Lied geschrieben, das sie gerade singen. Hat jemand eine �bersetzung?�</p><p>�Nein�, sagte Viveros. �Sie benutzen eine Sprache, die uns unbekannt ist. Wir haben keine Ahnung, was der Text bedeutet.�</p><p>Bender trat vor. �Es ist ein Friedensgebet�, sagte er. �Es kann gar nichts anderes sein. Sie wissen, was wir ihrem Planeten angetan haben. Sie sehen, was wir ihrer Stadt antun. Jedes Volk, dem so etwas angetan wurde, muss darum flehen, dass es aufh�rt.�</p><p>�Absoluter Bl�dsinn!�, gab Viveros zur�ck. �Sie haben nicht die leiseste Ahnung, wovon sie singen. Es k�nnte bedeuten, dass sie uns die K�pfe abrei�en und in unsere H�lse pissen wollen. Sie k�nnten ihre Toten betrauern. Genauso gut k�nnten sie Einkaufslisten singen. Wir wissen es nicht. Und Sie wissen es auch nicht.�</p><p>�Sie irren sich�, sagte Bender. �Auf der Erde habe ich f�nfzig Jahre lang an vorderster Front f�r den Frieden gek�mpft. Ich wei�, wann ein Volk f�r den Frieden bereit ist. Ich wei�, wann es die Waffen niederlegen m�chte.� Er zeigte auf die singenden Whaidianer. �Dieses Volk ist f�r den Frieden bereit, Viveros. Ich sp�re es. Und ich werde es Ihnen beweisen.� Bender legte seine Vauzett auf den Boden und ging zum Amphitheater hinunter.</p><p>�Verdammt noch mal, Bender!�, br�llte Viveros. �Kommen Sie sofort zur�ck! Das ist ein Befehl!�</p><p>�Ich habe aufgeh�rt, �nur meine Befehle auszuf�hren�, Corporal!�, gab Bender zur�ck und rannte los.</p><p>�Schei�e!�, schrie Viveros und setzte ihm nach. Ich wollte sie zur�ckhalten, verfehlte sie jedoch.</p><p>Inzwischen waren Lieutenant Keyes und die anderen Offiziere aufmerksam geworden und beobachteten, wie Bender zu den Whaidianern lief, gefolgt von Viveros. Keyes br�llte etwas, worauf Viveros abrupt stehen blieb. Offenbar hatte er den Befehl gleichzeitig an ihren BrainPal geschickt. Falls er Bender den gleichen Befehl erteilt hatte, lie� sich der ehemalige Senator dadurch nicht beirren.</p><p>Schlie�lich hielt Bender am Rand des Amphitheaters an. Irgendwann bemerkte der Feuy den einzelnen Menschen, der schweigend am Rand der Versammlung stand, und h�rte auf zu singen. Die Versammelten reagierten verwirrt, verstummten ebenfalls und brauchten etwa eine Minute, bis sie Bender ebenfalls bemerkten und sich zu ihm umdrehten.</p><p>Das war der Augenblick, auf den Bender gewartet hatte. Er schien die Wartezeit genutzt zu haben, sich zu �berlegen, was er sagen wollte, und seine Rede ins Whaidianische zu �bersetzen. Denn als er sprach, tat er es in ihrer Sprache, und er machte es sogar recht gut.</p><p>�Meine Freunde, die ihr ebenfalls nach Frieden strebt�, begann er, die H�nde ausgestreckt und leicht nach innen gebogen.</p><p>Die sp�tere Auswertung der Daten ergab, dass nicht weniger als vierzigtausend winzige nadel�hnliche Projektile, die die Whaidianer als <emphasis>avdgur</emphasis> bezeichneten, Benders K�rper innerhalb einer knappen Sekunde trafen. Sie wurden von den Kn�ppeln verschossen, die gar keine Kn�ppel waren, sondern traditionelle Feuerwaffen in Form eines Baumastes, der den Whaidianern heilig war. Bender zerschmolz geradezu, als ein <emphasis>avdgur</emphasis> nach dem anderen seinen Unitard und dann seinen K�rper zerschlitzte, bis er jeden festen Zusammenhalt verloren hatte. Sp�ter waren sich alle von uns einig, dass es die interessanteste Todesart war, die wir jemals pers�nlich gesehen hatten.</p><p>Benders K�rper l�ste sich in einen feuchten Nebel auf, und die Soldaten der KVA er�ffneten das Feuer. Sie hatten tats�chlich leichtes Spiel. Kein einziger Whaidianer entkam lebend aus dem Amphitheater oder schaffte es, au�er Bender einen weiteren von unseren Leuten zu t�ten oder auch nur zu verwunden. Es war in weniger als einer Minute vorbei.</p><p>Viveros wartete, bis das Feuer eingestellt wurde, dann ging sie zur Pf�tze hin�ber, die von Bender �brig geblieben war, und trat w�tend mit den F��en hinein. �Wie gef�llt dir dein Frieden jetzt, du Arschloch?�, br�llte sie, w�hrend Benders verfl�ssigte Organe ihre Beine besudelten.</p><empty-line/><p>�Bender hatte Recht�, sagte Viveros, als wir zur <emphasis>Modesto</emphasis> zur�ckkehrten.</p><p>�In welcher Hinsicht?�, fragte ich.</p><p>�In der Hinsicht, dass die KVA zu schnell und zu oft zum Einsatz kommt. Dass es leichter ist zu k�mpfen, als zu verhandeln.� Sie deutete in die ungef�hre Richtung der Heimatwelt der Whaidianer, die hinter uns im Weltraum zur�ckfiel. �Das hier h�tte nicht sein m�ssen. Wir h�tten diese armen Mistkerle nicht aus dem Weltraum jagen und daf�r sorgen m�ssen, dass sie die n�chsten paar Jahrzehnte damit zubringen werden, zu verhungern, zu sterben und sich gegenseitig umzubringen. Wir haben heute keine Zivilisten ermordet&#x25E6;� abgesehen von denen, die Bender get�tet haben. Aber sie werden jetzt f�r sehr lange Zeit an Seuchen und B�rgerkriegen zugrunde gehen, weil ihnen kaum etwas anderes �brig bleibt. Es ist trotzdem ein Genozid, nur dass sich unser schlechtes Gewissen in Grenzen h�lt, weil wir nicht mehr hier sind, wenn es passiert.�</p><p>�Sie waren noch nie mit Bender einer Meinung�, sagte ich.</p><p>�Das ist nicht wahr�, erwiderte Viveros. �Ich habe nur gesagt, dass er keine Ahnung hat und dass er ausschlie�lich uns gegen�ber verpflichtet ist. Aber ich habe nicht gesagt, dass seine Argumente falsch sind. Er h�tte auf mich h�ren sollen. Wenn er meine Befehle befolgt h�tte, w�re er jetzt noch am Leben. Stattdessen muss ich ihn mir jetzt von den Stiefeln kratzen.�</p><p>�Wahrscheinlich w�rde er sagen, dass er f�r das gestorben ist, woran er geglaubt hat�, sagte ich.</p><p>Viveros schnaufte. �Ich bitte Sie! Bender ist <emphasis>an</emphasis> dem gestorben, woran er geglaubt hat. Einfach zu Leuten r�berspazieren, deren Heimatwelt wir soeben zerst�rt haben, und so zu tun, als w�re er ein Freund! Was f�r ein Idiot! Wenn ich einer von ihnen gewesen w�re, h�tte ich ihn auch erschossen.�</p><p>�Diese verdammten Leute, die immer wieder den friedlichen Idealen in die Quere kommen�, sagte ich.</p><p>Viveros l�chelte. �Wenn Bender wirklich etwas am Frieden und nicht nur an seinem Ego gelegen h�tte, h�tte er dasselbe getan, was ich tue und was auch Sie tun sollten, Perry�, sagte sie. �Sie sollten Befehlen gehorchen. Am Leben bleiben. Ihre Dienstzeit in der Infanterie hinter sich bringen. Dann die Offizierslaufbahn einschlagen und sich nach oben arbeiten. Zu einem von denen werden, die die Befehle geben und sie nicht nur befolgen. So werden wir Frieden schlie�en, wenn es m�glich ist. Und auf diese Weise kann ich damit leben, �nur Befehle auszuf�hren�. Weil ich wei�, dass ich eines Tages etwas an diesen Befehlen �ndern werde.� Sie lehnte sich zur�ck, schloss die Augen und verschlief den Rest des R�ckfluges zu unserem Schiff.</p><p>Luisa Viveros starb zwei Monate sp�ter auf einem stinkenden Schlammklumpen namens Deep Water. Unser Trupp spazierte in einen Hinterhalt in den nat�rlichen Katakomben unterhalb der Hann�i-Kolonie, die wir ausl�schen sollten. Im Verlauf der Schlacht wurden wir in eine H�hlenkammer getrieben, die vier weitere Zug�nge hatte, die allesamt von Infanterie der Hann�i gehalten wurden. Viveros befahl uns den R�ckzug in unseren Tunnel, dann feuerte sie auf die M�ndung und lie� sie einst�rzen, um den Zugang zur H�hle zu versperren. Nach den BrainPal-Daten wandte sie sich anschlie�end wieder den Hann�i zu und nahm sie unter Beschuss. Sie hielt nicht lange durch. Der Rest des Trupps konnte sich zur�ck an die Oberfl�che k�mpfen, was nicht einfach war, wenn man bedachte, wie man uns nach unten gedr�ngt hatte. Aber es war immer noch besser, als in einem Hinterhalt zu sterben.</p><p>Viveros wurde posthum mit einem Tapferkeitsorden ausgezeichnet. Ich wurde zum Corporal bef�rdert und �bernahm den Trupp. Viveros Koje und Spind wurden von einem Neuling namens Whitford �bernommen, einem ganz anst�ndigen Kerl.</p><p>Die Institution hatte eine Gl�hbirne ausgewechselt. Ich vermisste sie sehr.</p></section><section><title><p>11</p></title><p>Thomas starb an etwas, das er a�.</p><p>Was er sich einverleibte, war so neu, dass die KVA noch nicht einmal einen Namen daf�r hatte, auf einer Kolonialwelt, die so neu war, dass sie noch nicht einmal einen Eigennamen hatte, sondern nur eine Katalognummer: Kolonie 622, 47 Ursae Majoris. (Bei der KVA waren weiterhin die irdischen Sternenbezeichnungen in Gebrauch, und zwar aus denselben Gr�nden, warum man auch einen vierundzwanzigst�ndigen Tag und ein Jahr von 365 Tagen benutzte&#x25E6;� weil es einfacher war, es so zu machen.) Die �bliche Vorgehensweise sah so aus, dass neue Kolonien eine t�gliche Zusammenfassung aller Informationen per Skip-Drohne �bermittelten, die nach Phoenix flog, damit die Verwaltung den �berblick �ber alle kolonialen Angelegenheiten behielt.</p><p>Die Kolonie 622 hatte Drohnen geschickt, seit sie sechs Monate zuvor gegr�ndet worden war. Abgesehen von den �blichen Streitereien, Pannen und Pr�geleien, die auf die Gr�ndung jeder neuen Kolonie folgten, wurde nichts Au�ergew�hnliches gemeldet. Es gab da nur einen einheimischen Schleimpilz, der so ziemlich alles �berwucherte, er tauchte pl�tzlich in Maschinen, Computern oder Tierst�llen auf und verschleimte sogar die Wohnquartiere der Kolonie. Eine genetische Probe des Zeugs wurde nach Phoenix geschickt, mit der Bitte, dass jemand ein Fungizid zusammenbraute, mit dem sich die Kolonisten den Pilz buchst�blich von der Pelle halten konnten. Kurz darauf trafen leere Skip-Drohnen ein, die keinerlei Informationen �ber die Kolonie enthielten.</p><p>Thomas und Susan waren auf der <emphasis>Tucson</emphasis> stationiert, die abgestellt wurde, um die Situation zu kl�ren. Die <emphasis>Tucson</emphasis> versuchte die Kolonie aus dem Orbit anzufunken, aber es kam keine Antwort. Die visuelle Fernerkundung zeigte keine Bewegung zwischen den Geb�uden&#x25E6;� keine Menschen, keine Tiere, kein gar nichts. Die Geb�ude selbst schienen jedoch nicht besch�digt zu sein. Thomas� Kompanie erhielt den Auftrag zur Bodenerkundung.</p><p>Die Kolonie war mit einer dicken Schleimschicht bedeckt, die stellenweise mehrere Zentimeter hoch war. Der Glibber tropfte von Stromleitungen und lag auf allen Kommunikationsger�ten. Das war eine gute Nachricht, denn nun bestand die M�glichkeit, dass der Schleimpilz einfach nur die Funktion der Sendeausr�stung beeintr�chtigt hatte. Dieser kurze Ausbruch der Hoffnung wurde bald erstickt, als Thomas� Trupp die St�lle erreichte. Der gesamte Viehbestand war tot und bereits in ein fortgeschrittenes Verwesungsstadium �bergegangen, dank der flei�igen Arbeit des Pilzes. Wenig sp�ter fanden sie auch die Kolonisten, um die es mehr oder weniger genauso stand. Fast alle (beziehungsweise das, was von ihnen noch �brig war) befanden sich in oder in der N�he ihrer Betten, mit Ausnahme von Familien, die h�ufig in Kinderzimmern oder auf dem Weg dorthin gestorben waren, und Mitgliedern der Kolonie, die als Totengr�ber arbeiteten und die es an oder in der N�he ihrer Arbeitspl�tze erwischt hatte. Was immer geschehen war, es war so schnell geschehen, dass die Kolonisten einfach keine Zeit zum Reagieren mehr gehabt hatten.</p><p>Thomas schlug vor, dass eine Leiche zum medizinischen Zentrum der Kolonie gebracht wurde. Dort konnte er eine schnelle Autopsie durchf�hren, die vielleicht einen Hinweis auf die Todesursache ergab. Sein Truppf�hrer war einverstanden, und Thomas und ein Kamerad suchten sich eine noch halbwegs unversehrte Leiche aus. Thomas fasste sie unter den Armen, und sein Kamerad �bernahm die Beine. Thomas sagte zu ihm, dass sie sie anheben w�rden, wenn er bis drei gez�hlt hatte. Er kam bis zwei, als sich pl�tzlich die schleimige Masse von der Leiche erhob und ihm ins Gesicht klatschte. Er keuchte �berrascht auf, wobei ihm die Masse in Mund und Kehle drang.</p><p>Die �brigen Leute des Trupps wiesen unverz�glich ihre Anz�ge an, die Helme zu schlie�en&#x25E6;� keinen Augenblick zu fr�h, denn innerhalb weniger Sekunden sprang der Schleim aus jeder Fuge und Ritze, um sich auf die Menschen zu st�rzen. In der gesamten Kolonie wurden ziemlich genau zum selben Zeitpunkt �hnliche Angriffe gemeldet. Sechs weitere Mitglieder von Thomas� Kompanie hatten es nicht vermeiden k�nnen, dass sie Schleim in den Mund bekamen.</p><p>Thomas versuchte sich von dem Zeug zu befreien, aber es rutschte ihm nur tiefer in die Kehle. Es verstopfte seine Luftr�hre, schob sich in seine Lungen und durch die Speiser�hre in den Magen. Thomas forderte seine Kameraden per BrainPal auf, ihn zum medizinischen Zentrum zu bringen, wo sich der Schleimpilz vielleicht aus seinem K�rper absaugen lie�, sodass er wieder atmen konnte. Mit SmartBlood w�rde es fast f�nfzehn Minuten dauern, bis Thomas dauerhafte Hirnsch�den erlitt. Es war eine ausgezeichnete Idee, die vielleicht sogar funktioniert h�tte, h�tte der Schleimpilz nicht konzentrierte S�uren abgegeben, die ihn bei lebendigem Leib von innen heraus verdauten. Thomas� Lungen waren im n�chsten Moment zersetzt, und f�nf Minuten sp�ter war er an Schock und Sauerstoffmangel gestorben. Die sechs anderen Kameraden erlitten das gleiche Schicksal, dem auch, so lautete das abschlie�ende Urteil, die Kolonisten zum Opfer gefallen waren.</p><p>Der Kompanief�hrer befahl, Thomas und die anderen Opfer zur�ckzulassen, w�hrend sie sich in den Transporter zur�ckzogen und auf den Weg zur <emphasis>Tucson</emphasis> machten. Doch dem Beiboot wurde die Andockerlaubnis verweigert. Die Insassen wurden einer nach dem anderen eingeschleust, damit das Vakuum jeden Rest des Schleimpilzes t�tete, der noch an ihren Anz�gen kleben mochte. Dann wurden sie einer intensiven �u�eren und inneren Dekontaminierung ausgesetzt, die genauso schmerzhaft war, wie sie klang.</p><p>Danach schickte man unbemannte Sonden hinunter, die bewiesen, dass kein Mitglied der Kolonie 622 �berlebt hatte. Au�erdem best�tigte sich, dass der Schleimpilz nicht nur genug Intelligenz besa�, um mehrere koordinierte Angriffe durchf�hren zu k�nnen, sondern zudem durch traditionelle Waffen praktisch nicht totzukriegen war. Patronen, Granaten und Raketen vernichteten nur kleine Teile, w�hrend andere Teile unbeschadet weiterlebten. Mit Flammenwerfern konnte man die obere Schicht des Schleims braten, doch die tieferen Schichten blieben unbehelligt. Strahlenwaffen schnitten durch die Masse, richteten insgesamt aber nur wenig Schaden an. Die Entwicklung eines wirksamen Fungizids wurde eingestellt, als klar wurde, dass der Schleimpilz fast �berall auf dem Planeten existierte. Der Aufwand, eine andere bewohnbare Welt zu suchen, w�re kosteng�nstiger als die Ausl�schung des Schleimpilzes auf dem gesamten Planeten.</p><p>Thomas� Tod erinnerte uns daran, dass wir h�ufig nicht nur nicht wussten, womit wir es hier drau�en zu tun hatten, sondern uns manchmal nicht einmal vorstellen konnten, womit wir es zu tun hatten. Thomas beging den Fehler, sich einzubilden, dass der Feind eine �hnliche Natur wie die Menschen hatte. Er irrte sich. Deswegen starb er.</p><empty-line/><p>Die Eroberung des Universums ging mir allm�hlich an die Nieren.</p><p>Mein Unwohlsein hatte auf Gindal begonnen, wo wir gindalianische Soldaten in einen Hinterhalt lockten, w�hrend sie zur ihren Horsten zur�ckkehrten. Wir zerfetzten ihnen die riesigen Fl�gel mit Strahlen und Raketen, sodass sie kreischend an den zweitausend Meter hohen Klippen hinabst�rzten. Etwas schlimmer wurde es �ber Udaspri, wo wir Antriebssysteme mit Tr�gheitsd�mpfung angelegt hatten, um die Spr�nge zwischen den Felstr�mmern der Ringe von Udaspri besser kontrollieren zu k�nnen. Dort entwickelte sich ein Versteckspiel mit den spinnen�hnlichen Vindi, die damit angefangen hatten, St�cke des Rings auf den Planeten hinunterzuschleudern, wobei sie den Kurs der Brocken so berechneten, dass sie genau auf die menschliche Kolonie namens Halford fielen. Als wir auf Cova Banda eintrafen, stand ich kurz vor dem Nervenzusammenbruch.</p><p>Vielleicht lag es sogar an den Covandu selbst, die in vielerlei Hinsicht wie Klone der Menschen waren. Zweibeinige S�ugetierabk�mmlinge, die au�erordentliches k�nstlerisches Talent besa�en, vor allem auf den Gebieten der Lyrik und des Dramas, die sich schnell vermehrten und ungew�hnlich aggressiv reagierten, wenn es um ihren Platz im Universum ging. Menschen und Covandu k�mpften immer wieder um den gleichen unerschlossenen Lebensraum. Cova Banda war eine menschliche Kolonie gewesen, bevor der Planet den Covandu geh�rt hatte. Die Menschen hatten ihn verlassen, nachdem ein einheimischen Virus daf�r gesorgt hatte, dass ihnen unansehnliche zus�tzliche Gliedma�en wuchsen und sie mordlustige zus�tzliche Pers�nlichkeiten entwickelten. Den Covandu verursachte das Virus nicht einmal Kopfschmerzen, sodass sie den Planeten unmittelbar danach �bernahmen. Dreiundsechzig Jahre sp�ter hatten die Kolonialen endlich ein Gegenmittel gefunden und wollten Cova Banda zur�ckhaben. Bedauerlicherweise reagierten die Covandu wieder auf beinahe menschliche Weise, da sie nicht gerade von der Idee angetan waren, etwas abzugeben, was sie als ihren Besitz betrachteten. Also wurden wir gerufen, um gegen die Covandu Krieg zu f�hren.</p><p>Die gr��ten Vertreter dieser Spezies sind nicht einmal einen Zoll gro�.</p><p>Die Covandu waren nat�rlich nicht so dumm, ihre winzigen Armeen gegen Menschen antreten zu lassen, die sechzigbis siebzigmal gr��er als sie waren. Zuerst griffen sie uns mit Flugzeugen, M�rsern mit hoher Reichweite, Panzern und anderem milit�rischem Ger�t an, das vielleicht sogar einigen Schaden anrichten konnte&#x25E6;� und es auch tats�chlich tat. Es ist nicht einfach, ein zwanzig Zentimeter langes Flugzeug zu erwischen, das mit mehreren hundert Stundenkilometern vorbeirast. Aber man bem�ht sich, ihnen den Einsatz dieser Mittel zu erschweren, indem man zum Beispiel in einem Park der Hauptstadt von Cova Banda landet, sodass Artilleriefeuer, das uns verfehlt, ihre eigenen Leute trifft. Au�erdem hat man irgendwann sowieso all diese �rgernisse ausgeschaltet. Unsere Leute gaben sich gr��ere M�he als sonst, die Truppen der Covandu zu vernichten, und zwar nicht nur, weil sie kleiner sind und man genauer zielen muss. Hinzu kommt der Punkt, dass sich niemand gerne von einem gerade mal zwei Zentimeter gro�en Gegner t�ten l�sst.</p><p>Irgendwann jedoch hat man alle Flugzeuge abgeschossen und alle Panzer vernichtet und muss sich daraufhin direkt mit den Covandu auseinandersetzen. Die �bliche Kampfmethode ist folgende: Man tritt auf sie. Man setzt einfach den Fu� auf einen Covandu, �bt Druck aus, und damit ist die Sache erledigt. W�hrend man das tut, feuert der Covandu mit seiner Waffe und schreit, so laut es seine winzigen Lungen ihm erm�glichen. Vielleicht kann man das leise Piepsen sogar h�ren. Aber es n�tzt ihnen nichts. Unsere Anz�ge sind darauf ausgelegt, f�r Menschen t�dliche Geschosse abzuwehren, sodass man die winzigen Staubk�rnchen, die ein Covandu einem in die F��e schie�en will, kaum bemerkt. Man bemerkt kaum das Knirschen, wenn man auf einen dieser Zwerge tritt. Wenn man den n�chsten sieht, tut man es einfach noch einmal.</p><p>Das taten wir mehrere Stunden lang, w�hrend wir durch die Hauptstadt von Cova Banda stapften, gelegentlich innehielten, wenn wir einen Raketenwerfer auf einem f�nf oder sechs Meter hohen Wolkenkratzer bemerkten und ihn mit einem einzigen Schuss ausschalteten. Einige Leute aus unserer Kompanie pumpten stattdessen eine Schrotladung in ein Geb�ude, worauf die Splitter, von denen jeder einzelne gro� genug war, um einem Covandu den Kopf abzurei�en, wie wahnsinnig gewordene Gummib�lle herumschossen. Aber haupts�chlich ging es ums Tottreten. Godzilla, das ber�hmte japanische Monster, das schon zum zigsten Mal wiederbelebt worden war, als ich die Erde verlassen hatte, h�tte sich hier pudelwohl gef�hlt.</p><p>Ich erinnere mich nicht mehr genau, wann ich angefangen hatte, zu weinen und gegen Wolkenkratzer zu treten. Aber ich musste es schon einige Zeit getan haben. Als Alan endlich zu mir kam, um mich zur Besinnung zu bringen, teilte Arschloch mir mit, dass ich es geschafft hatte, mir drei Zehen zu brechen. Alan f�hrte mich zur�ck zum Stadtpark, wo wir gelandet waren, und sagte mir, dass ich mich eine Weile setzen sollte. Sobald ich es getan hatte, tauchte ein Covandu hinter einem Felsen auf und richtete seine Waffe auf mein Gesicht. Es f�hlte sich an, als w�rden winzige Sandk�rnchen gegen meine Wange geweht.</p><p>�Verdammt noch mal!�, br�llte ich, schnappte mir den Convandu und warf ihn w�tend gegen den n�chsten Wolkenkratzer. Er flog in hohem Bogen davon, schlug mit einem leisen <emphasis>Wump</emphasis> gegen das Geb�ude und st�rzte dann zwei Meter in die Tiefe. Alle weiteren Covandu in der Umgebung schienen zum Entschluss zu gelangen, auf weitere Mordversuche zu verzichten.</p><p>Ich sah Alan an. �Hast du keinen Trupp, um den du dich k�mmern musst?� Er war bef�rdert worden, nachdem ein tobender Gindalianer seinem Truppf�hrer das Gesicht vom Kopf gerissen hatte.</p><p>�Ich k�nnte dir dieselbe Frage stellen�, sagte er achselzuckend. �Sie kommen auch allein zurecht. Sie haben ihre Befehle, und es gibt hier kaum noch nennenswerten Widerstand. Nur noch ein paar Aufr�umarbeiten, die Tipton ohne Schwierigkeiten leiten kann. Keyes sagte mir, dass ich dich rausholen und fragen soll, was, zum Teufel, mit dir los ist. Also: Was, zum Teufel, ist los mit dir?�</p><p>�Schei�e, Alan�, sagte ich. �Ich habe die letzten drei Stunden damit verbracht, auf intelligente Wesen zu treten, als w�ren es Ameisen. Das ist los mit mir. Ich habe sie unter meinen verdammten Schuhsohlen zerquetscht! Das alles hier ��&#x25E6;� ich schwenkte den Arm �ber die Umgebung&#x25E6;� �ist einfach v�llig abartig, Alan. Diese Leute sind nur einen Zoll gro�! Es ist, als w�rde Gulliver den Liliputanern die H�lle hei� machen.�</p><p>�Wir k�nnen uns die Kriege nicht aussuchen, John�, sagte Alan.</p><p>�Wie f�hlst du dich bei diesem Krieg?�</p><p>�Er beunruhigt mich schon ein wenig�, sagte Alan. �Es ist alles andere als ein anst�ndiger Kampf. Wir machen diese Leute einfach nur fertig. Andererseits gibt es tats�chlich einen Verletzten in meinem Trupp. Ihm ist das Trommelfell geplatzt. Also finde ich, dass wir uns eigentlich nicht beklagen k�nnen. Und die Covandu sind auch nicht v�llig hilflos. Unter dem Strich ist der Stand zwischen ihnen und uns ziemlich ausgeglichen.�</p><p>Das stimmte �berraschenderweise sogar. Bei einer Weltraumschlacht waren die Covandu wegen ihrer geringen Gr��e im Vorteil. Ihre Schiffe waren f�r uns nur schwer zu erfassen, und ihre Kampfj�ger richteten zwar nur wenig Schaden an, konnten in der Masse aber sehr gef�hrlich werden. Erst am Boden lie� sich unser �berw�ltigender Vorteil ausspielen. Cova Banda war nur von einer verh�ltnism��ig kleinen Raumflotte gesch�tzt worden. Das war einer der Gr�nde gewesen, warum die KVA �berhaupt entschieden hatte, den Planeten zur�ckzuerobern.</p><p>�Ich rede nicht davon, wer im Gro�en und Ganzen kampfst�rker ist, Alan�, sagte ich. �Ich rede davon, dass unsere Feinde nur einen beschissenen Zoll gro� sind. Davor haben wir gegen Spinnen gek�mpft. Davor gegen verdammte Flugsaurier. Mein Gef�hl f�r Gr��enordnungen ist v�llig durcheinandergeraten. Ich habe �berhaupt kein Gef�hl mehr f�r mich selbst. Ich f�hle mich nicht mehr wie ein Mensch, Alan.�</p><p>�Genau genommen bist du auch kein Mensch mehr�, sagte Alan. Das sollte wohl ein Versuch sein, meine Laune aufzubessern.</p><p>Aber es funktionierte nicht. �Dann ist es eben so, dass ich keine Verbindung mehr zu dem habe, was einmal menschlich an mir war�, sagte ich. �Unsere Aufgabe besteht darin, fremdartige Wesen und Zivilisationen aufzusuchen und die Mistkerle so schnell wie m�glich umzubringen. �ber diese Wesen wissen wir nur das, was wir wissen m�ssen, um sie bek�mpfen zu k�nnen. Au�er der Tatsache, dass sie unsere Feinde sind, haben sie f�r uns keine andere Existenz. Au�er der Tatsache, dass sie sich auf ziemlich intelligente Weise gegen uns wehren, k�nnten es genauso gut Tiere sein, gegen die wir k�mpfen.�</p><p>�Dadurch wird es f�r die meisten von uns einfacher�, sagte Alan. �Wenn man sich nicht mit einer Spinne identifizieren kann, f�llt es einem auch nicht so schwer, eine zu t�ten, selbst wenn es eine gro�e und intelligente Spinne ist. Vielleicht wird es dadurch sogar noch leichter.�</p><p>�Das k�nnte es sein, was mich beunruhigt�, sagte ich. �Ich verliere v�llig das Gef�hl f�r Konsequenzen. Ich habe gerade ein lebendiges, denkendes Wesen gegen diese Wand geworfen, und es hat mich �berhaupt nicht irritiert. Aber die Tatsache, dass es mich nicht irritiert, irritiert mich sehr, Alan. Unsere Handlungen sollten Konsequenzen haben. Wir m�ssen uns zumindest ansatzweise bewusst sein, wie schrecklich es ist, was wir tun, ob wir es aus einem trifftigen Grund tun oder nicht. Ich finde es �berhaupt nicht schrecklich, was ich getan habe, und das macht mir Angst. Ich habe Angst vor dem, was es bedeutet. Ich stapfe durch diese Stadt wie ein gottverdammtes Monster. Und allm�hlich glaube ich, dass ich genau das bin. Das, wozu ich geworden bin. Ich bin ein Monster. Du bist ein Monster. Wir alle sind verfluchte unmenschliche Monster geworden, und wir verstehen nicht, was daran falsch sein soll.�</p><p>Alan musste dazu gar nichts sagen. Also beobachteten wir stattdessen unsere Soldaten, wie sie die Covandu zertrampelten, bis so gut wie keine mehr �brig waren, die sie noch h�tten zertrampeln k�nnen.</p><empty-line/><p>�Also, was ist los mit ihm?�, wollte Lieutenant Keyes von Alan wissen, als die Nachbesprechung mit den anderen Truppf�hrern beendet war.</p><p>�Er glaubt, dass wir alle unmenschliche Monster sind�, sagte Alan.</p><p>�Ach das�, sagte Lieutenant Keyes und drehte sich zu mir um. �Wie lange sind Sie schon dabei, Perry?�</p><p>�Seit fast einem Jahr�, sagte ich.</p><p>Keyes nickte. �Dann liegen Sie genau im Zeitplan. Die meisten Leute brauchen fast ein Jahr, bis sie merken, dass sie sich in seelenlose Mordmaschinen ohne Gewissen oder Moral verwandelt haben. Manche fr�her, manche sp�ter. Jensen hier ��&#x25E6;� er zeigte auf einen anderen Truppf�hrer&#x25E6;� �hat fast f�nfzehn Monate gebraucht, bis er ausgerastet ist. Sagen Sie ihm, was Sie getan haben, Jensen.�</p><p>�Ich habe auf Keyes geschossen�, sagte Ron Jensen. �Weil er die Personifikation des b�sen Systems war, das mich zu einer Mordmaschine gemacht hat.�</p><p>�H�tte mir fast den Kopf weggepustet�, sagte Keyes.</p><p>�Nur ein Gl�ckstreffer�, r�umte Jensen ein.</p><p>�Ja, Sie hatten Gl�ck, dass Sie nicht getroffen haben. Andernfalls w�re ich jetzt tot, und Sie w�ren ein Gehirn, das in einem Beh�lter schwimmt und langsam verr�ckt wird, weil es keinerlei Reize von au�en mehr empf�ngt. H�ren Sie, Perry, das passiert jedem von uns. Sie kommen dar�ber hinweg, wenn Sie erkennen, dass Sie in Wirklichkeit kein unmenschliches Monster sind. Das ist nur Ihr Gehirn, das sich bem�ht, mit einer v�llig abartigen Situation fertig zu werden. F�nfundsiebzig Jahre lang haben Sie ein Leben gef�hrt, in dem die aufregendsten Momente die waren, wenn Sie eine Frau flachgelegt haben. Und pl�tzlich wird Ihnen klar, dass Sie mit einer Vauzett auf Weltraumtintenfische ballern, bevor sie Ihnen etwas antun k�nnen. Heilige Schei�e. Die Leute, die deswegen nicht durchdrehen, sind diejenigen, denen ich nicht �ber den Weg traue.�</p><p>�Alan ist noch nicht durchgedreht�, sagte ich. �Und er ist schon genauso lange dabei wie ich.�</p><p>�Das stimmt�, sagte Keyes. �Wie erkl�ren Sie sich das, Rosenthal?�</p><p>�Tief in mir kocht ein riesiger Kessel voller Wut, Lieutenant.�</p><p>�Aha, Unterdr�ckung�, sagte Keyes. �Ausgezeichnet. Versuchen Sie es zu vermeiden, auf mich zu schie�en, wenn der Kessel �berkocht, ja?�</p><p>�Ich kann Ihnen nichts versprechen, Lieutenant�, sagte Alan.</p><p>�Wissen Sie, wie ich das Problem gel�st habe?�, sagte Aimee Weber, eine Truppf�hrerin. �Ich habe eine Liste mit allen Dingen von der Erde gemacht, die ich vermisse. Es war ziemlich deprimierend, aber andererseits wurde mir dadurch klar, dass ich noch nicht alles verloren hatte. Wenn man etwas vermisst, hat man dazu immer noch eine Verbindung.�</p><p>�Und was haben Sie vermisst?�, fragte ich.</p><p>�Shakespeare-Auff�hrungen im Freien zum Beispiel�, sagte sie. �An meinem letzten Abend auf der Erde sah ich eine Inszenierung des <emphasis>Macbeth</emphasis>, die einfach wunderbar war. Mein Gott, war das gro�artig! Und hier bekommen wir ja nicht allzu viele Theaterauff�hrungen zu sehen.�</p><p>�Ich vermisse die Schokoladenkekse meiner Tochter�, sagte Jensen.</p><p>�Sie kriegen Schokoladenkekse in der <emphasis>Modesto</emphasis>�, sagte Keyes. �Die sind sogar verdammt gut.�</p><p>�Aber nicht so gut wie die meiner Tochter. Das Geheimnis ist die Melasse.�</p><p>�Das klingt ja widerlich!�, sagte Keyes. �Ich kann Melasse nicht ausstehen.�</p><p>�Gut, dass ich das nicht gewusst habe, als ich auf Sie geschossen habe�, sagte Jensen. �Sonst h�tte ich Sie nicht verfehlt.�</p><p>�Ich vermisse das Schwimmen�, sagte Greg Ridley. �Ich bin immer im Fluss neben meinem Grundst�ck in Tennessee geschwommen. Die meiste Zeit war das Wasser arschkalt, aber so hat es mir gefallen.�</p><p>�Achterbahnen�, sagte Keyes. �Die ganz gro�en Dinger, bei denen man das Gef�hl hat, dass einem die Eingeweide durch die Schuhe rausgezogen werden.�</p><p>�B�cher�, sagte Alan. �Ein dicker fetter W�lzer an einem Sonntagmorgen.�</p><p>�Was ist mit Ihnen, Perry?�, sagte Weber. �Gibt es irgendetwas, das Sie vermissen?�</p><p>Ich hob die Schultern. �Eigentlich nur eine Sache.�</p><p>�Es kann nicht idiotischer als Achterbahnfahrten sein�, sagte Keyes. �Raus damit. Das ist ein Befehl.�</p><p>�Das Einzige, was ich wirklich vermisse, ist, verheiratet zu sein�, sagte ich. �Ich vermisse es, mit meiner Frau dazusitzen, einfach nur zu reden oder gemeinsam zu lesen oder irgendwas zu tun.�</p><p>Totenstille. �Den habe ich noch nie geh�rt�, sagte Ridley.</p><p>�Schei�e, das fehlt mir �berhaupt nicht�, sagte Jensen. �Die letzten zwanzig Jahre meiner Ehe waren nichts, wovon man gerne erz�hlt.�</p><p>Ich blickte mich um. �Hat niemand von Ihnen einen Ehepartner, der ebenfalls in der Armee ist? Jemanden, mit dem Sie Kontakt halten?�</p><p>�Mein Mann hat sich vor mir rekrutieren lassen�, sagte Weber. �Aber er war schon tot, bevor ich meine Ausbildungszeit abgeschlossen hatte.�</p><p>�Meine Frau ist an Bord der <emphasis>Boise</emphasis> stationiert�, sagte Keyes. �Gelegentlich schickt sie mir eine Nachricht. Aber ich habe nicht das Gef�hl, dass sie mich sehr vermisst. Ich vermute, achtunddrei�ig Jahre an meiner Seite waren genug.�</p><p>�Wer hierherkommt, versp�rt nicht mehr den Wunsch, sein altes Leben fortzusetzen�, sagte Jensen. �Nat�rlich vermissen wir die kleinen Dinge des Lebens, aber wie Aimee sagt, hilft uns das, nicht v�llig den Verstand zu verlieren. Es ist wie eine Reise in die Vergangenheit, vor dem Zeitpunkt, als man all die Entscheidungen getroffen hat, die das weitere Leben bestimmt haben. Wenn man zur�ckgehen k�nnte, w�rde man noch einmal die gleichen Entscheidungen treffen? Dieses Leben hat man schon einmal gef�hrt. Abgesehen von meiner letzten Bemerkung bereue ich keine einzige meiner Entscheidungen. Aber ich habe es auch nicht eilig, dieselben Entscheidungen noch einmal zu treffen. Meine Frau ist irgendwo hier drau�en, klar. Aber sie ist ganz zufrieden mit ihrem neuen Leben ohne mich. Und ich muss sagen, dass ich auch nicht wild darauf bin, diese Dienstverpflichtung wieder zu aktivieren.�</p><p>�Das muntert mich nicht gerade auf, Leute�, sagte ich.</p><p>�Was genau vermisst du am Verheiratetsein?�, wollte Alan wissen.</p><p>�Nun ja, ich vermisse meine Frau�, sagte ich. �Aber ich vermisse auch das Gef�hl von&#x25E6;� ich wei� nicht&#x25E6;� Behaglichkeit. Das Gef�hl, dort zu sein, wo man sein sollte, mit jemandem, der zu einem geh�rt. Dieses Gef�hl fehlt mir hier drau�en v�llig. Wir ziehen von einer Welt zur n�chsten, um zu k�mpfen, zusammen mit Menschen, die vielleicht am n�chsten oder �bern�chsten Tag schon tot sind. Nichts f�r ungut.�</p><p>�Kein Problem�, sagte Keyes.</p><p>�Hier gibt es nirgendwo festen Boden unter den F��en�, sagte ich. �Hier gibt es nichts, das mir wirklich sicher vorkommt. Wie in jeder Ehe hatten wir gute und schlechte Zeiten, aber ich wusste, dass ich mich im Ernstfall darauf verlassen konnte. Diese Art von Sicherheit fehlt mir, diese Art der Verbundenheit mit jemandem. Was uns menschlich macht, ist zum Teil das, was wir anderen Menschen bedeuten, und das, was uns andere Menschen bedeuten. Dieser Teil des Menschseins fehlt mir, jemandem etwas zu bedeuten.�</p><p>Wieder Stille. �Verdammt, Perry�, sagte Ridley schlie�lich. �Wenn Sie es so ausdr�cken, vermisse auch ich das Eheleben.�</p><p>Jensen schnaufte. �Ich nicht. Vermissen Sie weiter Ihre Ehe, Perry. Ich werde weiter die Schokoladenkekse meiner Tochter vermissen.�</p><p>�Melasse!�, sagte Keyes. �Widerlich!�</p><p>�Fangen Sie nicht schon wieder damit an, Lieutenant�, sagte Jensen. �Sonst muss ich meine Vauzett holen.�</p><empty-line/><p>Susans Tod war fast so etwas wie das Gegenteil von dem von Thomas. Ein Streik hatte fast die gesamte F�rderung von Erd�l auf Elysium zum Versiegen gebracht. Die <emphasis>Tucson</emphasis> sollte Streikbrecher zum Planeten transportieren und sie besch�tzen, w�hrend mehrere der abgeschalteten Bohrinseln wieder in Betrieb genommen wurden. Susan befand sich auf einer Bohrinsel, als die streikenden Arbeiter mit improvisierten Granatwerfern angriffen. Die Explosion warf Susan und zwei weitere Soldaten von der Plattform und vielleicht f�nfzig Meter tief ins Meer. Die anderen beiden Soldaten waren bereits tot, als sie auf die Wasseroberfl�che schlugen, doch Susan �berlebte es, obwohl sie schwere Verbrennungen erlitten hatte und kaum noch bei Bewusstsein war.</p><p>Susan wurde von den Streikenden, die den Angriff gestartet hatten, aus dem Meer gefischt. Die Arbeiter beschlossen, an ihr ein Exempel zu statuieren. In den Meeren von Elysium gibt es ein gro�es Raubtier, das als Gro�maul bezeichnet wird und dessen Kiefer sich so weit �ffnen lassen, dass die Bestie m�helos einen Menschen in einem St�ck verschlucken kann. Die Gro�m�uler trieben sich st�ndig in der N�he der Bohrinseln herum, weil sie sich vom Abfall ern�hrten, den die Menschen ins Meer warfen. Die Arbeiter brachten Susan wieder zu Bewusstsein und verlasen dann ein hastig verfasstes Manifest, in der Erwartung, dass ihr BrainPal die Worte an die KVA �bertrug. Dann befanden sie Susan f�r schuldig, mit dem Feind zu kollaborieren, verurteilten sie zum Tode und warfen sie genau unter dem Abfallschacht der Bohrinsel wieder ins Meer.</p><p>Es dauerte nicht lange, bis ein Gro�maul kam und Susan verschluckte. Zu diesem Zeitpunkt war Susan noch am Leben und bem�hte sich, das Gro�maul durch dieselbe �ffnung zu verlassen, durch die sie hineingelangt war. Doch bevor sie irgendetwas erreichen konnte, schoss einer der Streikenden dem Gro�maul genau in die R�ckenflosse, unter der sich das Gehirn des Tieres befand. Das Gro�maul war sofort tot und sank mitsamt Susan in die Tiefe. Susan starb, aber nicht, weil sie gefressen wurde oder ertrunken w�re, sondern am Wasserdruck, als sie und das Tier, das sie verschluckt hatte, in der Tiefsee versanken.</p><p>Falls die Streikenden diesen Sieg gegen die Unterdr�cker feierten, konnte es nur eine kurze Party gewesen sein. Neue Truppen von der <emphasis>Tucson</emphasis> besetzten die Lager der Arbeiter, nahmen mehrere Dutzend Aufwiegler fest, erschossen sie und verf�tterten sie an die Gro�m�uler. Mit Ausnahme der Leute, die Susan auf dem Gewissen hatten. Sie wurden an die Gro�m�uler verf�ttert, ohne zuvor erschossen zu werden. Damit war der Streik beendet.</p><p>Susans Tod machte mir klar, dass Menschen genauso unmenschlich sein konnten wie au�erirdische Spezies. Wenn ich an Bord der <emphasis>Tucson</emphasis> gewesen w�re, h�tte ich daf�r gesorgt, dass ich pers�nlich einen der Mistkerle an die Gro�m�uler verf�ttert h�tte, ohne die leisesten Gewissensbisse zu versp�ren. Ich wusste nicht, ob ich dadurch besser oder schlechter als das Monster war, in das ich mich w�hrend des Kampfes gegen die Covandu verwandelt hatte. Aber nun machte ich mir keine Sorgen mehr, ob ich dadurch weniger menschlich als zuvor geworden war.</p></section><section><title><p>12</p></title><p>Wer von uns an der Schlacht um Coral teilnahm, konnte sich noch gut erinnern, wo er sich aufgehalten hatte, als er zum ersten Mal von der Eroberung des Planeten geh�rt hatte. Ich lie� mir gerade von Alan erkl�ren, dass das Universum, wie ich es gekannt hatte, schon lange nicht mehr existierte.</p><p>�Wir haben es verlassen, als wir das erste Mal geskippt sind�, sagte er. �Dabei sind wir mal schnell ins Universum nebenan gesprungen. So funktioniert der Skip-Antrieb.�</p><p>Damit l�ste er eine nette Reaktion in Form tiefen Schweigens bei mir und Ed McGuire aus, die wir mit Alan in der �R�hren�-Bar des Regiments sa�en. Nach einer Weile ergriff Ed, der Aimee Webers Trupp �bernommen hatte, das Wort. �Ich kann dir nicht ganz folgen, Alan. Ich dachte immer, dass der Skip-Antrieb uns erm�glicht, schneller als das Licht zu fliegen oder etwas in der Art. Dass es so funktioniert.�</p><p>�Nein�, sagte Alan. �Einstein hat immer noch Recht&#x25E6;� nichts kann sich schneller als mit Lichtgewindigkeit bewegen. Au�erdem w�re es sowieso nicht ratsam, mit einem nennenswerten Bruchteil der Lichtgeschwindigkeit herumzud�sen. Wenn man ein paar hunderttausend Kilometer pro Sekunde draufhat und nur ein winziges Staubkorn trifft, h�tte man im n�chsten Moment ein ziemlich gro�es Loch im Raumschiff. Es w�re einfach nur eine unglaublich schnelle Methode, sich umzubringen.�</p><p>Ed blinzelte, dann rieb er sich mit der Hand �ber das Gesicht. �Hui�, sagte er. �Ich kapiere es immer noch nicht.�</p><p>�Also gut�, sagte Alan. �Du m�chtest also wissen, wie der Skip-Antrieb funktioniert. Wie ich bereits erw�hnte, ist die Sache sehr einfach: Man nimmt ein Objekt aus einem Universum, zum Beispiel die <emphasis>Modesto</emphasis>, und versetzt es in ein anderes Universum. Das Problem ist, dass wir diesen Vorgang mit dem Begriff �Antrieb� verbinden. Denn im Grunde hat es �berhaupt nichts mit einem Antrieb zu tun, weil es nicht um Beschleunigung geht. Der einzige entscheidende Faktor ist die Position im Multiversum.�</p><p>�Alan�, sagte ich. �Du schie�t schon wieder weit �bers Ziel hinaus.�</p><p>�Tschuldigung�, sagte Alan und sah uns nachdenklich an. �Wie weit seid ihr beiden in Mathe gekommen?�</p><p>�Ich kann mich vage an die Infinitesimalrechnung erinnern�, sagte ich.</p><p>Ed McGuire schloss sich mit einem Nicken an.</p><p>�Au weia�, sagte Alan. �Also gut. Dann werde ich m�glichst kurze W�rter benutzen. Sofern ihr euch dadurch nicht beleidigt f�hlt.�</p><p>�Wir werden uns M�he geben�, sagte Ed.</p><p>�Gut. Zun�chst einmal � das Universum, in dem wir leben&#x25E6;� das, in dem wir uns in diesem Moment aufhalten -, ist nur eins von einer unendlichen Anzahl m�glicher Universen, deren Existenz die Quantenphysik erlaubt. Jedes Mal, wenn wir ein Elektron an einer bestimmten Position beobachten, ist ein m�gliches Universum durch genau diese Elektronenposition definiert, w�hrend das Elektron in einem alternativen Universum eine ganz andere Position einnimmt. K�nnt ihr mir noch folgen?�</p><p>�Nein�, sagte Ed.</p><p>�Nichtwissenschaftler! Dann glaubt mir einfach, dass ich die Wahrheit sage. Es geht also darum, dass es viele Universen gibt. Die das Multiversum bilden. Und der Skip-Antrieb �ffnet einfach nur eine T�r in ein anderes dieser m�glichen Universen.�</p><p>�Wie macht er das?�, fragte ich.</p><p>�Eure mathematischen Kenntnisse reichen nicht aus, um es zu erkl�ren�, sagte Alan.</p><p>�Also ist es Magie.�</p><p>�Aus eurer Sicht, ja�, sagte Alan. �Aber physikalisch hat die Sache Hand und Fu�.�</p><p>�Das verstehe ich nicht�, sagte Ed. �Wir sind also durch verschiedene Universen gesprungen, aber jedes Universum, in dem wir waren, war genauso wie das, aus dem wir urspr�nglich kommen. Jedes �alternative Universum� in der Science Fiction unterscheidet sich irgendwie von dem, das wir kennen. Daran erkennt man, dass man in einem alternativen Universum gelandet ist.�</p><p>�Auf diese Frage gibt es tats�chlich eine sehr interessante Antwort�, sagte Alan. �Beginnen wir mit der Behauptung, dass die Versetzung eines Objekts von einem Universum in ein anderes ein extrem unwahrscheinliches Ereignis darstellt.�</p><p>�Das sehe ich sofort ein�, sagte ich.</p><p>�Im Rahmen der Quantenphysik ist ein solches Ereignis durchaus m�glich, da im quantenphysikalischen Universum auf dem untersten Niveau so ziemlich alles m�glich ist, auch wenn es in praktischer Hinsicht so gut wie nie passiert. Doch jedes Universum zieht es vor, unwahrscheinliche Ereignisse auf ein absolutes Minimum zu reduzieren, vor allem oberhalb des subatomaren Niveaus.�</p><p>�Wie kann ein Universum irgendetwas �vorziehen�?�, fragte Ed.</p><p>�Dazu fehlt dir die Mathematik�, sagte Alan.</p><p>�Nat�rlich�, sagte Ed und verdrehte die Augen.</p><p>�Trotzdem zieht das Universum bestimmte Dinge gegen�ber anderen vor. Es zieht zum Beispiel vor, einen Zustand der h�heren Entropie anzunehmen. Es zieht vor, dass die Lichtgeschwindigkeit eine Konstante ist. Man kann an diesen Dingen bis zu einem gewissen Grad herummanipulieren, aber dazu ist eine Menge Arbeit n�tig. Das Gleiche gilt in diesem Fall. Ein Objekt von einem Universum in ein anderes zu versetzen ist so unwahrscheinlich, dass das Universum, in dem man landet, ansonsten ein exaktes Ebenbild desjenigen ist, das man verlassen hat. Das k�nnte man als Begrenzung der Unwahrscheinlichkeit betrachten.�</p><p>�Aber wie l�sst es sich erkl�ren, dass wir dabei einen Ortswechsel durchmachen?�, fragte ich. �Wie gelangen wir von einem Punkt in diesem Universum zu einem ganz anderen Raumpunkt in einem anderen?�</p><p>�Denk dar�ber nach�, sagte Alan. �Ein komplettes Raumschiff in ein anderes Universum zu bringen ist der unglaublich unwahrscheinliche Teil der Sache. Vom Standpunkt des Universums aus betrachtet ist es ziemlich egal, an welchem Punkt in diesem Universum wir landen. Deshalb ist der Begriff �Antrieb� im Grunde irref�hrend. Wir bewegen uns gar nicht durch den Raum. Wir treffen einfach nur ein.�</p><p>�Und was passiert in dem Universum, das wir verlassen haben?�, fragte Ed.</p><p>�Dort trifft eine andere Version der <emphasis>Modesto</emphasis> aus einem anderen Universum ein, in dem sich alternative Versionen von uns aufhalten. Zumindest ist das sehr wahrscheinlich. Eine infinitesimal geringe Wahrscheinlichkeit spricht dagegen, dass es passiert, aber im Allgemeinen d�rfte genau das geschehen.�</p><p>�Werden wir jemals zur�ckkehren?�, wollte ich wissen.</p><p>�Wohin?�, fragte Alan.</p><p>�In das Universum, aus dem wir urspr�nglich gekommen sind.�</p><p>�Nein�, sagte Alan. �Nat�rlich ist es auch hier theoretisch m�glich, dass es passieren k�nnte, aber es ist extrem unwahrscheinlich. Universen entstehen pausenlos aus sich verzweigenden M�glichkeiten, und die Universen, in die wir gelangen, entstehen im Allgemeinen in dem Moment, wenn wir sie erreichen. Das ist einer der Gr�nde, warum wir sie �berhaupt erreichen k�nnen, weil sie unserem n�mlich so �hnlich sind. Je l�nger man von einem bestimmten Universum getrennt war, desto mehr Zeit hatte es, in entscheidenden Punkten abzuweichen, und desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dorthin zur�ckkehren zu k�nnen. Selbst die R�ckkehr in ein Universum, das man erst vor einer Sekunde verlassen hat, ist ph�nomenal unwahrscheinlich. In das zur�ckzukehren, das wir vor �ber einem Jahr verlassen haben, als wir mit dem ersten Skip-Sprung von der Erde nach Phoenix gelangt sind, steht v�llig au�er Frage.�</p><p>�Das deprimiert mich sehr�, sagte Ed. �Ich mochte mein Universum.�</p><p>�Mach dir eins klar, Ed�, sagte Alan. �Du kommst nicht einmal aus demselben Universum wie John und ich, da wir die Erde nicht mit demselben Skip verlassen haben. Sogar die Leute, mit denen wir diesen Skip gemeinsam gemacht haben, leben inzwischen nicht mehr im selben Universum wie wir, da sie l�ngst mit anderen Schiffen in andere Universen geskippt sind. Wenn wir unsere alten Freunde wiedertreffen sollten, w�ren es nur alternative Versionen von ihnen. Nat�rlich werden sie genauso aussehen und sich verhalten, denn bis auf eine gelegentliche ver�nderte Elektronenposition sind sie identisch. Trotzdem stammen wir aus v�llig unterschiedlichen Universen.�</p><p>�Also sind du und ich das Einzige, was noch von unserem Universum �brig ist�, sagte ich.</p><p>�Man kann mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass dieses Universum noch existiert�, sagte Alan. �Aber wir sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die einzigen zwei Menschen, die von jenem in dieses Universum gelangt sind.�</p><p>�Ich wei� nicht recht, was ich davon halten soll�, sagte ich.</p><p>�Versuch dir deswegen nicht allzu viele Sorgen zu machen�, sagte Alan. �Aus der Alltagsperspektive hat diese Universenspringerei so gut wie keine Konsequenzen. In funktioneller Hinsicht bleibt alles ziemlich gleich, egal, in welchem Universum du gerade bist.�</p><p>�Warum brauchen wir dann �berhaupt Raumschiffe?�, fragte Ed.</p><p>�Das ist doch offensichtlich&#x25E6;� um irgendwohin zu fliegen, sobald man in einem neuen Universum eingetroffen ist�, sagte Alan.</p><p>�Nein, das meine ich nicht�, sagte Ed. �Ich meine, wenn man einfach von einem Universum zum n�chsten h�pfen kann, warum macht man es dann nicht gleich von Planet zu Planet, ohne Raumschiffe zu benutzen? Man k�nnte die Leute doch einfach von einem Planeten zum anderen skippen. So w�rde man sich den Umweg �ber den Weltraum sparen.�</p><p>�Dem Universum ist es lieber, wenn man sich ein St�ck von gr��eren Gravitationssenken wie Sternen und Planeten entfernt, bevor man skippt�, sagte Alan. �Vor allem, wenn man ein anderes Universum ansteuert. Aber man kann sehr nahe an eine Gravitationssenke <emphasis>heran</emphasis>springen, was der Grund ist, weshalb wir meistens in der N�he unserer Ziele in ein neues Universum eintreten. Aber wenn man rausspringt, ist es viel leichter, je weiter man davon entfernt ist. Deshalb fliegen wir immer ein St�ck hinaus, bevor wir skippen. Es gibt sogar eine exponentielle Relation, die ich euch zeigen k�nnte, aber ��</p><p>�Ja, ich wei�. Dazu hatte ich nicht genug Mathe�, sagte Ed.</p><p>Alan wollte gerade etwas Beschwichtigendes erwidern, als sich pl�tzlich die BrainPals von uns allen aktivierten. Die <emphasis>Modesto</emphasis> hatte soeben die neuesten Nachrichten �ber das Coral-Massaker empfangen. Und sie waren entsetzlich, ganz gleich, in welchem Universum man sich gerade befand.</p><empty-line/><p>Coral war der f�nfte Planet, der von Menschen besiedelt worden war, und der erste, der eindeutig bessere Lebensbedingungen f�r die Menschen bot als die gute alte Erde selbst. Die Oberfl�che war geologisch stabil, das Klima sorgte f�r eine ausgedehnte gem��igte Zone, die die meisten der gro�z�gig angelegten Landmassen umspannte, und es wimmelte vor einheimischen Tier- und Pflanzenarten, die denen der Erde genetisch �hnlich genug waren, um den Menschen als Nahrung zu dienen und ihren �sthetischen Bed�rfnissen zu gen�gen. Anfangs war diskutiert worden, die Kolonie �Eden� zu nennen, aber dann gelangte man zur Einsicht, dass ein solcher Name karmisch zu sehr vorbelastet war.</p><p>Stattdessen entschied man sich f�r Coral, und zwar wegen der korallen�hnlichen Wesen, die wunderbare abwechslungsreiche Inselgruppen und Riffe in der tropischen Zone am �quator des Planeten schufen. Die menschliche Expansion auf Coral war untypischerweise auf ein Minimum reduziert, und jene Menschen, die sich dort angesiedelt hatten, lebten haupts�chlich unter sehr einfachen, beinahe vorindustriellen Bedingungen. Es war einer der wenigen Planeten im Universum, wo die Menschen versuchten, sich an das vorhandene �kosystem anzupassen, statt es umzupfl�gen und durch Viehhaltung und Getreideanbau zu ersetzen. Und es funktionierte sogar. Die kleine und �berschaubare menschliche Bev�lkerung f�gte sich in die Biosph�re von Coral ein und gedieh auf bescheidene und kontrollierte Weise.</p><p>Daher war sie nicht im Geringsten auf das Eintreffen der Invasionsarmee der Rraey vorbereitet, die mit genauso vielen Soldaten wie Kolonisten kamen. Die KVA-Garnison �ber und auf Coral wehrte sich in einem kurzen, aber tapferen Kampf, bevor sie �berw�ltigt wurde, und auch die Kolonisten bem�hten sich, den Angriff der Rraey zur�ckzuschlagen. Doch schon bald darauf lag die Kolonie in Tr�mmern, und die �berlebenden Siedler wurden buchst�blich abgeschlachtet. Die Rraey hatten schon seit l�ngerer Zeit ihrem Appetit auf Menschenfleisch freien Lauf gelassen, sobald sich die Gelegenheit ergab.</p><p>Ein Informationsschnipsel, der an unsere BrainPals �bertragen wurde, war Teil eines kulinarischen Unterhaltungsprogramms, in dem einer der ber�hmtesten K�che der Rraey dar�ber sprach, wie sich ein Mensch am besten zerlegen lie�, um ihn auf vielf�ltige Weise zubereiten zu k�nnen. Die Halsknochen waren eine besondere Delikatesse f�r Suppen und Br�hen. Das Video diente nicht nur dem Zweck, unseren Widerwillen zu erregen, sondern auch als Beweis, dass das Coral-Massaker von langer Hand geplant war, da anl�sslich der Feierlichkeiten sogar prominente Rraey angereist waren. Offensichtlich hatten die Aliens vor, sich f�r l�ngere Zeit auf Coral niederzulassen.</p><p>Die Rraey begannen unverz�glich mit der Umsetzung ihres eigentlichen Invasionsziels. Nachdem alle Kolonisten get�tet waren, landeten Transportplattformen auf dem Planeten, mit denen die Inseln von Coral abgebaut werden sollten. Die Rraey hatten deswegen bereits mit der Regierung der Kolonialen verhandelt. Einst hatte es zahlreiche Korallenriffe auf der Heimatwelt der Rraey gegeben, bis sie durch Umweltverschmutzung und kommerziellen Abbau zerst�rt worden waren. Die Kolonialen verweigerten dieses Ansinnen, weil die Siedler von Coral Eingriffe in die �kosph�re ihres Planeten ablehnten und weil die anthropophagen Tendenzen der Rraey allgemein bekannt waren. Niemand wollte, dass sich die Aliens in der N�he der Siedlungen herumtrieben und nach arglosen Menschen Ausschau hielten, die sie zu Aspik verarbeiten konnten.</p><p>Der Fehler der Kolonialen Regierung war es, nicht erkannt zu haben, welche Bedeutung der Abbau der Korallenriffe f�r die Rraey hatte. Neben den kommerziellen Aspekten war es f�r sie eine religi�se Angelegenheit, was die Diplomaten der Kolonialen v�llig falsch interpretiert hatten. Ihnen war auch nicht klar, mit welcher Hartn�ckigkeit die Rraey ihr Vorhaben verfolgen w�rden. Die Rraey und die Kolonialen hatten sich ein paarmal getroffen und nie gute Beziehungen entwickelt. Aber wie gut konnte man sich mit jemandem verstehen, der einen als nahrhaften Bestandteil eines schmackhaften Mittagessens betrachtete? Im Gro�en und Ganzen k�mmerten sie sich um ihre eigenen Angelegenheiten und wir uns um unsere. Erst jetzt, als die letzten Korallenriffe auf der Heimatwelt der Rraey kurz vor dem endg�ltigen Absterben standen, wurde ihr Bedarf an den Ressourcen von Coral so gro�, dass sie keine R�cksicht mehr zu nehmen bereit waren. Coral geh�rte jetzt ihnen, und wir w�rden viel st�rker zur�ckschlagen m�ssen, um den Planeten zur�ckzubekommen.</p><empty-line/><p>�Die Sache sieht verdammt ernst aus�, sagte Lieutenant Keyes zu seinen Truppf�hrern, �und sie wird noch viel ernster sein, wenn wir dort eingetroffen sind.�</p><p>Wir befanden uns im Besprechungsraum der Kompanie, und der Kaffee auf den Tischen wurde kalt, w�hrend wir die vielen Seiten der Berichte �ber die Grausamkeiten im Coral-System durchgingen. Die Skip-Drohnen, die die Rraey nicht abgeschossen hatten, meldeten einen best�ndigen Strom eintreffener Raumschiffe, die sowohl kriegerischen Zwecken als auch dem Abtransport der Korallen dienten. Weniger als zwei Tage nach dem Coral-Massaker hingen fast tausend Rraey-Schiffe im Orbit �ber dem Planeten und warteten darauf, mit der gro�ma�st�blichen Ausbeutung beginnen zu k�nnen.</p><p>�Unser Wissensstand sieht folgenderma�en aus�, sagte Keyes und sendete eine Grafik des Coral-Systems in unsere BrainPals. �Wir vermuten, dass der gr��te Anteil der Rraey-Schiffe in diesem System kommerziellen und industriellen Zwecken dient. Nach dem, was wir �ber ihre Konstruktionsweise wissen, verf�gt ungef�hr ein Viertel, also etwa dreihundert Einheiten, �ber milit�rische Offensiv- und Defensivkapazit�ten. Darunter sind viele Truppentransporter mit minimaler Abschirmung und Feuerkraft. Doch die eindeutigen Schlachtschiffe sind sowohl gr��er als auch st�rker als unsere entsprechenden Einheiten. Au�erdem sch�tzen wir, dass sich bis zu einhunderttausend Rraey-Soldaten auf der Oberfl�che aufhalten und sich auf die Abwehr von Invasionstruppen vorbereiten.</p><p>Sie rechnen damit, dass wir Coral nicht kampflos aufgeben, aber nach unseren geheimdienstlichen Informationen erwarten sie, dass wir in vier bis sechs Tagen einen Angriff starten werden. Innerhalb dieses Zeitraums k�nnten wir eine ausreichende Zahl von gro�en Schiffen in Skip-Position bringen. Sie wissen, dass die KVA gerne ihre �berw�ltigende Macht zur Schau stellt, und daf�r brauchen wir Zeit.�</p><p>�Wann werden wir also angreifen?�, fragte Alan.</p><p>�In etwa elf Stunden�, sagte Keyes.</p><p>Wir alle rutschten unbehaglich auf unseren St�hlen hin und her.</p><p>�Wie soll das funktionieren, Lieutenant?�, fragte Ron Jensen. �Uns st�nden nur die einzigen Schiffe zur Verf�gung, die bereits in Skip-Position gegangen sind, beziehungsweise die, die es in den n�chsten paar Stunden schaffen. Wie viele w�ren das insgesamt?�</p><p>�Zweiundsechzig, einschlie�lich der <emphasis>Modesto</emphasis>�, sagte Keyes, und unsere BrainPals zeigten eine Liste der verf�gbaren Schiffe. Nebenbei fiel mir auf, dass die <emphasis>Hampton Roads</emphasis> dabei war, das Schiff, in dem Harry und Jesse Dienst taten. �Sechs weitere Schiffe erh�hen die Geschwindigkeit, um eine sichere Skip-Distanz zu erreichen, aber wir k�nnen uns nicht darauf verlassen, dass sie hier sind, wenn wir zuschlagen.�</p><p>�Mensch, Keyes!�, sagte Ed McGuire. �Das hei�t, es kommen f�nf Rraey-Schiffe auf eins von unseren und zwei Soldaten auf einen von unseren, vorausgesetzt, wir kriegen sie �berhaupt bis zum Boden durch. Mir gef�llt unsere Tradition der �berw�ltigenden �berlegenheit wesentlich besser.�</p><p>�Wenn wir gen�gend Schiffe f�r eine beeindruckende Machtdemonstration haben, werden sie auf uns vorbereitet sein�, sagte Keyes. �Es ist besser, jetzt eine kleinere Streitmacht loszuschicken, w�hrend sie nicht damit rechnen, und so schnell wie m�glich so viel Schaden wie m�glich anzurichten. In vier Tagen werden hier zweihundert Schiffe eingetroffen sein. Wenn wir gute Arbeit leisten, m�ssen sie nur noch die Reste der Rraey-Flotte zusammenfegen.�</p><p>Ed schnaufte. �Schade, dass wir ihnen dabei nicht mehr helfen k�nnen.�</p><p>Keye l�chelte gepresst. �Etwas mehr Selbstvertrauen, bitte! Ich wei�, dass das hier kein Picknick auf dem Mond ist, aber wir werden uns nicht wie die Vollidioten anstellen. Wir werden nicht um jeden Meter Boden k�mpfen. Wir gehen mit klaren Zielvorgaben runter. Wir greifen anfliegende Truppentransporter an, damit sie keine weiteren Bodentruppen absetzen k�nnen. Unsere Bodentruppen werden die Bergbauarbeiten st�ren, bevor sie losgehen, und zwar so, dass die Rraey nicht auf uns schie�en k�nnen, ohne ihre eigenen Leute oder ihre Maschinen zu treffen. Wir gehen gegen kommerzielle und industrielle Schiffe vor, sobald sich die Gelegenheit bietet, und wir werden versuchen, die gro�en Kanonen aus dem Orbit zu locken, damit sie sich zwischen zwei Fronten befinden, wenn unsere Verst�rkungstruppen eintreffen.�</p><p>�Ich m�chte noch einmal auf die Sache mit den Bodentruppen zu sprechen kommen�, sagte Alan. �Wir werden also Soldaten absetzen, und dann sollen unsere Schiffe versuchen, die Rraey-Schiffe <emphasis>wegzulocken</emphasis>? Hei�t das f�r uns, die wir die Bodentruppen sind, das, was ich glaube, was es hei�t?�</p><p>Keyes nickte. �Wir werden mindestens drei oder vier Tage lang ganz auf uns gestellt sein.�</p><p>�Toll!�, sagte Jensen.</p><p>�Wir sind im Krieg, Sie Idioten�, gab Keyes zur�ck. �Es tut mir leid, dass es hier nicht sonderlich angenehm oder bequem zugeht.�</p><p>�Was passiert, wenn der Plan fehlschl�gt und unsere Schiffe abgeschossen werden?�, fragte ich.</p><p>�Dann sitzen wir wohl in der Schei�e�, sagte Keyes. �Aber wir wollen nicht von solchen Eventualit�ten ausgehen. Wir sind Profis, wir machen hier unsere Arbeit. Daf�r wurden wir ausgebildet. Der Plan hat durchaus seine Risiken, aber man kann uns keinen Leichtsinn vorwerfen, und wenn es funktioniert, haben wir einen Planeten zur�ckerobert und den Rraey schwere Verluste zugef�gt. Lassen Sie uns davon ausgehen, dass wir etwas erreichen werden, meinen Sie nicht auch? Es ist eine etwas verr�ckte Idee, aber die Sache k�nnte hinhauen. Und wenn Sie alle daran glauben, stehen die Chancen viel besser, dass es wirklich funktioniert. Alles klar?�</p><p>Wieder wurde auf den St�hlen herumgerutscht. Wir waren nicht restlos �berzeugt, aber es gab kaum etwas, das wir h�tten tun k�nnen. Wir w�rden in diesen Kampf ziehen, ob es uns gefiel oder nicht.</p><p>�Diese sechs Schiffe, die vielleicht noch rechtzeitig zur Party kommen�, sagte Jensen, �welche sind es?�</p><p>Keyes brauchte einen Moment, um die Informationen abzurufen. �Die <emphasis>Little Rock</emphasis>, die <emphasis>Mobile</emphasis>, die <emphasis>Waco</emphasis>, die <emphasis>Muncie</emphasis>, die <emphasis>Burlington</emphasis> und die <emphasis>Sparrowhawk</emphasis>.�</p><p>�Die <emphasis>Sparrowhawk</emphasis>?�, sagte Jensen. �Wirklich?�</p><p>�Was ist mit der <emphasis>Sparrowhawk</emphasis>?�, fragte ich. Der Name war ungew�hnlich, da Raumschiffe in Regimentsst�rke traditionell nach mittelgro�en St�dten und nicht nach Greifv�geln benannt waren.</p><p>�Die Geisterbrigade, Perry�, sagte Jensen. �Die Spezialeinheit der KVA. Die ganz harten Typen.�</p><p>�Davon habe ich noch nie geh�rt�, sagte ich. In Wirklichkeit war mir jedoch, als h�tte ich den Namen doch schon mal vernommen, nur dass mir nicht mehr erinnerlich war, wann und wo es gewesen war.</p><p>�Die KVA hebt sie sich f�r ganz besondere Gelegenheiten auf�, sagte Jensen. �Sie sind �berhaupt nicht nett, wenn sie mit anderen zu tun bekommen. Aber es w�re nett, sie in der N�he zu haben, wenn es hier rund geht. Dann k�nnte es sogar sein, dass wir diesen Einsatz �berleben.�</p><p>�Es w�re nett, aber es wird wahrscheinlich nicht geschehen�, sagte Keyes. �Das hier ist unsere Show, Leute. Die wir auf jeden Fall durchziehen werden.�</p><empty-line/><p>Zehn Stunden sp�ter skippte die <emphasis>Modesto</emphasis> in die N�he von Coral und wurde innerhalb der ersten paar Sekunden von sechs Raketen getroffen, die aus geringer Entfernung von einem Kampfkreuzer der Rraey abgefeuert wurden. Das Steuerbordtriebwerk der <emphasis>Modesto</emphasis> wurde zertr�mmert, worauf sich das Schiff heftig schlingernd �berschlug. Die Mitglieder meines und Alans Trupps dr�ngten sich in einem Transportshuttle, als die Raketen einschlugen. Die Wucht der Explosion schleuderte mehrere unserer Soldaten gegen die W�nde des kleinen Schiffs. Im Shuttlehangar wurden lose Ausr�stungsteile herumgeworfen und krachten gegen einen Transporter. Unserer blieb verschont. Zum Gl�ck hielten die Elektromagneten, die die Shuttles am Boden verankerten.</p><p>Ich aktivierte Arschloch, um den Status des Schiffes zu checken. Die <emphasis>Modesto</emphasis> war schwer besch�digt, und aktive Tasterstrahlen vom Rraey-Schiff deuteten darauf hin, dass dort die n�chste Raketensalve vorbereitet wurde.</p><p>�Zeit, von hier zu verschwinden�, br�llte ich Fiona Eaton zu, unserer Pilotin.</p><p>�Ich habe noch keine Startgenehmigung von der Flugkontrolle�, gab sie zur�ck.</p><p>�In etwa zehn Sekunden wird hier die n�chste Raketensalve einschlagen�, sagte ich. �Das ist unsere verdammte Startgenehmigung.�</p><p>Fiona brummte.</p><p>Alan, der sich ebenfalls in die Systeme der <emphasis>Modesto</emphasis> eingeklinkt hatte, br�llte von hinten: �Raketen gestartet! Sechsundzwanzig Sekunden bis zum Einschlag.�</p><p>�Reicht die Zeit, um von hier wegzukommen?�, fragte ich Fiona.</p><p>�Schauen wir mal�, sagte sie und �ffnete einen Kanal zu den anderen Shuttles. �Hier spricht Fiona Eaton, Pilotin des Transporters sechs. Nehmen Sie zur Kenntnis, dass ich in drei Sekunden die Not�ffnung des Hangartors ausl�sen werde. Viel Gl�ck.� Sie drehte sich zu mir um. �Alles anschnallen�, sagte sie und dr�ckte auf einen roten Knopf.</p><p>Grelle Blitze umrahmten die Hangartore. Der Explosionsl�rm der Notsprengung ging im R�hren der entweichenden Luft unter, als die T�ren nach drau�en gerissen wurden. Alles, was nicht angebunden war, trieb ebenfalls auf die �ffnung zu. Hinter den Tr�mmern drehten sich die Sterne synchron zur Trudelbewegung der <emphasis>Modesto</emphasis>. Fiona gab Schub auf das Triebwerk und wartete nur so lange, bis das Hangartor frei von Tr�mmern war, dann l�ste sie die elektromagnetische Verankerung und steuerte das Shuttle durch das Tor. Sie versuchte, die wilde Drehung der <emphasis>Modesto</emphasis> auszugleichen, aber wir streiften trotzdem im letzten Moment das Dach des Hangars, bevor wir drau�en waren.</p><p>Ich griff auf die Video�bertragung des Hangars zu. Weitere Shuttles flogen durch das Tor. F�nf schafften es nach drau�en, bevor die zweite Raketensalve ins Schiff schlug. Dadurch �nderte sich abrupt der Drehimpuls der <emphasis>Modesto</emphasis>, worauf mehrere bereits gestartete Shuttles gegen die W�nde geschleudert wurden. Mindestens eins explodierte, dann wurde die Kamera von einem Tr�mmerteil getroffen und gab den Geist auf.</p><p>�L�sen Sie die Verbindung zwischen Ihren BrainPals und der Modesto�, sagte Fiona. �Damit k�nnten die Rraey uns orten. Sagen Sie es Ihren Trupps. Verbal.�</p><p>Ich tat es.</p><p>Alan kam nach vorn. �Wir haben da hinten ein paar leicht Verletzte�, sagte er und zeigte auf unsere Soldaten, �aber nichts Schlimmes. Wie sieht der weitere Plan aus?�</p><p>�Ich habe uns auf Kurs Coral gebracht und den Antrieb runtergefahren�, sagte Fiona. �Wahrscheinlich haben sie ihre Ortung auf Triebwerkssignaturen und BrainPal-�bertragungen programmiert. Solange wir uns tot stellen, k�nnte es sein, dass sie uns lange genug in Ruhe lassen, bis wir in die Atmosph�re eingetreten sind.�</p><p>�Es <emphasis>k�nnte</emphasis> sein?�, sagte Alan.</p><p>�Wenn Sie einen besseren Plan haben, bin ich ganz Ohr�, sagte Fiona.</p><p>�Ich habe keine Ahnung, was hier los ist�, sagte Alan. �Also erkl�re ich mich gerne mit Ihrem Plan einverstanden.�</p><p>�Was, zum Teufel, ist da �berhaupt passiert?�, wollte Fiona wissen. �Sie haben uns unmittelbar nach dem Skip getroffen. Sie konnten unm�glich wissen, wo wir herauskommen w�rden.�</p><p>�Vielleicht waren wir nur zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort�, sagte Alan.</p><p>�Das glaube ich nicht�, sagte ich und zeigte aus dem Fenster. �Da.�</p><p>An der Stelle stand ein Schlachtkreuzer der Rraey, an dem es aufblitzte, als sich mehrere Raketen von ihm entfernten. Auf der anderen Seite tauchte soeben ein KVA-Kreuzer in diesem Universum auf. Wenige Sekunden sp�ter trafen die Raketen ihr Ziel und schlugen in das KVA-Schiff ein.</p><p>�Ach du Schei�e�, sagte Fiona.</p><p>�Sie wissen genau, wo unsere Schiffe herauskommen�, sagte Alan. �Es ist ein Hinterhalt.�</p><p>�Wie, zum Henker, machen sie das?�, fragte Fiona verzweifelt. �Was, zum Teufel, ist hier los?�</p><p>�Alan?�, sagte ich. �Du bist der Physiker.�</p><p>Alan starrte auf den besch�digten KVA-Kreuzer, der nun ins Trudeln geriet und kurz darauf eine weitere Salve einsteckte. �Keine Ahnung, John. Das ist absolutes Neuland f�r mich.�</p><p>�Das kann doch nicht sein!�, sagte Fiona.</p><p>�Rei�t euch zusammen�, sagte ich. �Wir stecken in Schwierigkeiten, und es ist nicht hilfreich, wenn wir jetzt durchdrehen.�</p><p>�Wenn Sie einen besseren Plan haben, bin ich ganz Ohr�, sagte Fiona erneut.</p><p>�Geht es in Ordnung, wenn ich auf meinen BrainPal zugreife, ohne den Kontakt zur <emphasis>Modesto</emphasis> herzustellen?�, fragte ich.</p><p>�Klar�, sagte Fiona. �Solange keine Sendung das Shuttle verl�sst, haben wir nichts zu bef�rchten.�</p><p>Ich forderte Arschloch auf, mir eine geografische �bersicht von Coral zu zeigen. �Also�, sagte ich. �Wir k�nnen vermutlich davon ausgehen, dass der Angriff auf die Korallenbergwerke f�r heute abgeblasen ist. Nicht genug Soldaten konnten von der <emphasis>Modesto</emphasis> entkommen, um einen realistischen Angriffsplan ins Auge zu fassen, und ich glaube nicht einmal, dass alle von uns die Planetenoberfl�che heil erreichen werden. Nicht jeder Pilot ist so auf Zack wie Sie, Fiona.�</p><p>Fiona nickte, und ich sah, dass sie sich ein wenig entspannte. Lob kam immer gut an, vor allem in Zeiten der Krise.</p><p>�Also gut, hier ist mein neuer Plan�, sagte ich, w�hrend ich die Karte von Coral an Fiona und Alan sendete. �Die Truppen der Rraey konzentrieren sich an den Korallenriffen und in den St�dten der Kolonialen hier an der K�ste. Also landen wir <emphasis>hier</emphasis>.� Ich lie� einen Punkt genau in der Mitte von Corals gr��tem Kontinent aufleuchten. �Wir verstecken uns in diesem Gebirgszug und warten auf die zweite Welle.�</p><p>�<emphasis>Wenn</emphasis> sie kommt�, sagte Alan. �Irgendeine Skip-Drohne schafft es bestimmt bis nach Phoenix. Also wei� man dort, dass die Rraey von ihrer Ankunft wissen. Und wenn sie das wissen, kommen sie vielleicht lieber doch nicht.�</p><p>�Sie werden auf jeden Fall kommen�, sagte ich. �Vielleicht nicht dann, wenn wir m�chten, dass sie kommen. Damit m�ssen wir uns abfinden. Wir m�ssen nur auf sie warten und lange genug durchhalten. Die gute Nachricht lautet, dass auf Coral sehr menschenfreundliche Bedingungen herrschen. Wir k�nnen uns von dem ern�hren, was das Land hergibt, so lange wir wollen.�</p><p>�Ich bin eigentlich nicht in Stimmung, zum Kolonisten zu werden�, sagte Alan.</p><p>�Es ist ja kein dauerhafter Zustand. Jedenfalls ist es um L�ngen besser als die Alternative.�</p><p>�Gutes Argument�, sagte Alan.</p><p>Ich wandte mich an Fiona. �Was k�nnen wir f�r Sie tun, damit Sie uns heil nach unten bringen?�</p><p>�Beten�, sagte sie. �Im Moment sieht alles gut aus, weil wir uns kaum von einem abst�rzenden Tr�mmerst�ck unterscheiden, aber alles, was in die Atmosph�re eindringt und gr��er als ein menschlicher K�rper ist, d�rfte von den Rraey-Truppen registriert werden. Sobald wir man�vrieren, werden sie zweifellos auf uns aufmerksam.�</p><p>�Wie lange k�nnen wir noch hier oben bleiben?�, fragte ich.</p><p>�Nicht allzu lange�, sagte Fiona. �Wir haben keine Lebensmittel und kein Wasser, und selbst mit unseren neuen, verbesserten K�rpern wird uns ziemlich bald die frische Luft ausgehen, weil wir recht viele sind.�</p><p>�Wenn wir auf die Atmosph�re treffen, wie lange k�nnen Sie warten, bis Sie den Antrieb anschmei�en m�ssen?�, fragte ich.</p><p>�Nicht lange�, sagte sie. �Wenn wir ins Trudeln geraten, kriege ich das Ding nie mehr unter Kontrolle. Dann w�rden wir einfach weiterst�rzen, bis wir sterben.�</p><p>�Tun Sie, was Sie k�nnen�, sagte ich.</p><p>Sie nickte.</p><p>�Okay, Alan�, sagte ich. �Jetzt sollten wir unsere Leute von der neuen Planung in Kenntnis setzen.�</p><empty-line/><p>�Es geht los�, sagte Fiona und warf die Triebwerke an. Die Beschleunigungskr�fte pressten mich tief in den Copilotensitz. Jetzt st�rzten wir nicht mehr auf die Oberfl�che von Coral, sondern rasten aktiv darauf zu.</p><p>�Gleich kommt der Schlag�, sagte Fiona, kurz bevor wir auf die Atmosph�re trafen. Das Shuttle rasselte wie eine Rumbakugel.</p><p>Von den Instrumenten kam ein <emphasis>Pling</emphasis>. �Aktive Ortung�, sagte ich. �Wir werden abgetastet.�</p><p>�Reagiere�, sagte Fiona und legte das Shuttle in die Kurve. �In ein paar Sekunden fliegen wir in eine hohe Wolkenbank ein. Damit k�nnen wir sie vielleicht verwirren.�</p><p>�Funktioniert das immer?�, fragte ich.</p><p>�Nein�, sagte sie und flog trotzdem in die Wolken.</p><p>Wir kamen mehrere Kilometer �stlich heraus und empfingen wieder ein <emphasis>Pling</emphasis>. �Sie haben uns immer noch in der Ortung�, sagte ich. �Kampfj�ger dreihundertf�nfzig Kilometer entfernt, kommt n�her.�</p><p>�Werde versuchen, so weit wie m�glich runterzugehen, bevor sie uns erreichen�, sagte sie. �Wir w�rden weder ein Wettrennen noch ein Feuergefecht mit ihnen �berstehen. Wir k�nnen nur hoffen, m�glichst nahe am Boden zu sein, sodass ihre Raketen die B�ume und nicht uns treffen.�</p><p>�Das klingt nicht sehr aufmunternd�, sagte ich.</p><p>�F�r heute habe ich keine Aufmunterungseinheiten mehr �brig�, sagte Fiona. �Festhalten.� Dann ging es steil nach unten.</p><p>Der Rraey-Kampfj�ger war im n�chsten Moment �ber uns. �Raketen�, sagte ich. Fiona machte einen Satz nach links und n�herte sich schlingernd dem Boden. Eine Rakete raste �ber uns hinweg und davon, die andere schlug in einen H�gel, als wir gerade �ber die Kuppe setzten.</p><p>�Nett�, sagte ich. Dann h�tte ich mir fast die Zunge abgebissen, als direkt hinter uns eine dritte Rakete explodierte und das Shuttle durchsch�ttelte. Eine vierte Rakete streifte uns, sodass die Splitter in die Seite des Shuttles schlugen. In der br�llenden Luft konnte ich h�ren, wie einige meiner Leute schrien.</p><p>�Gehe runter�, sagte Fiona und k�mpfte mit der Steuerung des Shuttles. Sie hielt mit unglaublich hoher Geschwindigkeit auf einen See zu. �Wir werden ins Wasser st�rzen�, sagte sie. �Tut mir leid.�</p><p>�Das haben Sie gut gemacht�, sagte ich.</p><p>Dann schlug die Nase des Shuttles auf die Seeoberfl�che.</p><p>Der L�rm von rei�endem Metall, als die Nase des Shuttles nach unten gedr�ckt wird, dann trennt sich das Cockpit vom Rest des Gef�hrts. Ich sehe kurz meinen und Alans Trupp, als das Passagierabteil davonfliegt&#x25E6;� eine Momentaufnahme von aufgerissenen M�ndern, die stumm im L�rm schreien. Dann das R�hren, als es �ber die Nase hinwegsaust, die sich in ihre Bestandteile aufl�st, w�hrend sie �ber das Wasser h�pft. Die engen, unm�glichen Drehbewegungen, bei denen das Cockpit Metallst�cke und Instrumente verliert. Der stechende Schmerz, als etwas meine Wange trifft und sie mitnimmt. Ich h�re nur ein Gurgeln, als ich schreien will, und graues SmartBlood schie�t im zentrifugalen Bogen aus der Wunde. Ein unbeabsichtiger Blick auf Fiona, deren Kopf und rechter Arm irgendwo hinter uns sind.</p><p>Ein metallisches <emphasis>Klank</emphasis>, als sich mein Sitz von den Resten des Cockpits losrei�t und ich auf dem R�cken liegend auf einen Felsbuckel zurase. Mein Sitz dreht sich l�ssig gegen den Uhrzeigersinn, w�hrend ich mich �ber die Wasseroberfl�che h�pfend dem Stein n�here. Eine schnelle und schwindelerregende �nderung des Drehmoments, als mein rechtes Bein gegen den Fels schl�gt, gefolgt von einem grellwei�en Ausbruch gewaltiger Schmerzen, als der Oberschenkelknochen wie eine Salzstange bricht. Mein Fu� wird hochgerissen und trifft mich genau dort, wo sich einmal mein Unterkiefer befunden hat, und ich werde zum m�glicherweise ersten Menschen in der Geschichte, der sich selbst einen Tritt gegen den Gaumen verpasst. Ich fliege in hohem Bogen �ber trockenes Land und lande an einer Stelle, wo immer noch Zweige herabregnen, weil hier kurz zuvor das Passagierabteil hindurchgekracht ist. Ein Ast knallt mir gegen die Brust und bricht mir mindestens drei Rippen. Nach dem Tritt gegen den Gaumen kommt mir dieser Rippenbruch seltsam unspektakul�r vor.</p><p>Ich blicke nach oben (ich kann sowieso nicht anders) und sehe Alan �ber mir. Er h�ngt kopf�ber am gesplitterten Ende eines Baumastes, der sich etwa dort in seinen Oberk�rper gebohrt hat, wo seine Leber sein m�sste. SmartBlood tropft von seinem Kopf auf meinen Hals. Ich sehe, wie seine Augen zucken, als er mich bemerkt. Dann �bermittelt mein BrainPal mir eine Botschaft.</p><p><emphasis>Du siehst furchtbar aus</emphasis>, sendet Alan.</p><p>Ich kann nicht antworten. Ich kann ihn nur anstarren.</p><p><emphasis>Ich hoffe, ich kann dort, wohin ich gehe, die Sternbilder sehen</emphasis>, sendet er. Er sendet es noch einmal. Und noch einmal. Danach sendet er es nicht mehr.</p><empty-line/><p>Zwitschernde Laute. Grobe Tatzen packen meinen Arm. Arschloch erkennt das Zwitschern und schickt mir eine �bersetzung.</p><p><emphasis>Dieser lebt noch.</emphasis></p><p><emphasis>Lass ihn liegen. Er wird bald sterben. Die Gr�nen schmecken sowieso nicht gut. Sie sind noch nicht reif.</emphasis></p><p>Ein Schnaufen, das Arschloch als [Lachen] �bersetzt.</p><p>�Heiliges Kanonenrohr, schaut euch das an!�, sagt jemand. �Dieser Mistkerl lebt noch!�</p><p>Eine andere Stimme. Die vertraut klingt. �Lassen Sie mich mal sehen.�</p><p>Stille. Dann wieder die vertraute Stimme. �Befreien Sie ihn von diesem Baumstamm. Wir nehmen ihn mit.�</p><p>�Gro�er Gott, Chef�, sagt die erste Stimme. �Schauen Sie ihn sich an. Man sollte ihm einfach nur eine Kugel durch den Kopf jagen. Das w�re das Humanste f�r ihn.�</p><p>�Wir haben den Befehl, �berlebende zu bergen�, sagt die vertraute Stimme. �Und er hat �berlebt. Und er ist der <emphasis>Einzige</emphasis>.�</p><p>�Wenn man so etwas als ��berleben� bezeichnen will.�</p><p>�Sind Sie jetzt fertig.�</p><p>�Ja, Lieutenant.�</p><p>�Gut. Dann heben Sie endlich den verdammten Baumstamm von ihm runter. Die Rraey werden uns hier bald die H�lle hei� machen.�</p><p>Die Augen zu �ffnen ist genauso schwer, als wollte ich ein Metalltor aufschieben. Etwas gibt mir die Kraft, es zu tun, n�mlich der explodierende Schmerz, den ich versp�re, als man den Baumstamm von meinem Brustkorb hebt. Ich rei�e die Augen auf und gebe einen kinnlosen Schrei von mir.</p><p>�Schei�e!�, sagt die erste Stimme, und ich sehe, dass es ein Mann mit blondem Haar ist, der den schweren Stamm zur Seite wirft. �Er ist wach!�</p><p>Eine warme Hand auf einem noch vorhandenen Teil meines Gesichts. �Hallo�, sagt die vertraute Stimme. �Nun wird alles wieder gut. Sie sind jetzt in Sicherheit. Wir bringen Sie zur�ck. Alles wird gut.�</p><p>Ihr Gesicht kommt in mein Blickfeld. Ich kenne es. Ich war mal mit diesem Gesicht verheiratet.</p><p>Kathy ist gekommen, um mich zu holen.</p><p>Ich weine. Mir wird klar, dass ich tot bin. Aber es st�rt mich nicht.</p><p>Ich drifte wieder weg.</p><p>�Haben Sie diesen Typen schon mal gesehen?�, h�re ich den blonden Mann fragen.</p><p>�Bl�dsinn�, h�re ich Kathy sagen. �Nat�rlich nicht.�</p><p>Dann bin ich weg.</p><p>In einem anderen Universum.</p></section></section><section><title><p><image l:href="#4"/></p><p>Dritter Teil</p></title><section><title><p>13</p></title><p>�Oh, Sie sind ja wach�, sagte jemand zu mir, als ich die Augen �ffnete. �Versuchen Sie bitte nicht zu sprechen. Sie liegen in einer N�hrl�sung. Sie haben einen Atemschlauch im Hals. Und Sie haben keinen Unterkiefer.�</p><p>Ich blickte mich um. Ich trieb in einer Wanne mit z�her, warmer und durchsichtiger Fl�ssigkeit. Dahinter konnte ich Dinge erkennen, aber meinen Blick nicht darauf konzentrieren. Wie angek�ndigt schl�ngelte sich ein Atemschlauch von einer Klappe an der Seite der Wanne zu meinem Hals. Ich versuchte, dem Verlauf zu folgen, doch mein Sichtfeld wurde durch einen Apparat versperrt, der die untere H�lfte meines Kopfes umschloss. Ich versuchte ihn zu ber�hren, aber ich konnte meine Arme nicht bewegen. Das besorgte mich.</p><p>�Machen Sie sich deswegen keine Sorgen�, sagte die Stimme. �Wir haben Ihre Bewegungsf�higkeit abgeschaltet. Wenn Sie die Wanne verlassen k�nnen, schalten wir sie wieder ein. Nur noch ein paar Tage. Sie haben �brigens weiterhin Zugang zu Ihrem BrainPal. Benutzen Sie ihn, wenn Sie kommunizieren m�chten. Auf diese Weise reden wir auch in diesem Moment mit Ihnen.�</p><p><emphasis>Wo, zum Teufel, bin ich?</emphasis>, sendete ich. <emphasis>Und was ist mit mir passiert?</emphasis></p><p>�Sie befinden sich in der Brenneman-Klinik �ber Phoenix�, sagte die Stimme. �Hier bekommen Sie die beste medizinische Versorgung �berhaupt. Sie liegen auf der Intensivstation. Ich bin Dr. Fiorina, und ich k�mmere mich um Sie, seit Sie hier eingeliefert wurden. Auf das, was mit Ihnen passiert ist, kommen wir sp�ter zur�ck. Vorl�ufig kann ich Ihnen sagen, dass Sie in guter Verfassung sind. Machen Sie sich also keine Sorgen. Nachdem das gekl�rt ist, kann ich Ihnen verraten, dass Sie Ihren Unterkiefer, Ihre Zunge, den gr��ten Teil Ihrer rechten Wange und ein Ohr verloren haben. Ihr rechtes Bein hatte einen sauberen Bruch in der Mitte des Oberschenkelknochens, ihr linkes ist an mehreren Stellen angebrochen, und Ihrem linken Fu� fehlen drei Zehen und die Ferse. Wir glauben, dass sie abgefressen wurden. Die gute Nachricht ist, dass Ihre Wirbels�ule unterhalb des Brustkorbs gebrochen ist, sodass Sie vermutlich nichts von allem gesp�rt haben. Dar�ber hinaus haben Sie sechs gebrochene Rippen, von denen eine Ihre Gallenblase punktiert hat. Au�erdem haben Sie mehrfache innere Blutungen erlitten. Ganz zu schweigen von einer Sepsis und zahlreichen weiteren allgemeinen und speziellen Infektionen, die Sie sich zugezogen haben, als Sie tagelang mit offenen Wunden im Freien lagen.�</p><p><emphasis>Ich dachte, ich w�re tot</emphasis>, sendete ich. <emphasis>Oder zumindest fast tot</emphasis>.</p><p>�Da Sie jetzt nicht mehr in unmittelbarer Lebensgefahr schweben, kann ich Ihnen verraten, dass es eigentlich ein Wunder ist, dass Sie noch leben�, sagte Dr. Fiorina. �W�ren Sie ein unmodifizierter Mensch, h�tten Sie es auf gar keinen Fall �berlebt. Danken Sie Ihrem SmartBlood, dass es Sie vor dem Tod gerettet hat. Es ist geronnen, bevor Sie verbluten konnten, und hat Ihre Infektionen einged�mmt. Trotzdem war es sehr knapp. H�tte man Sie nicht gefunden, w�ren Sie wahrscheinlich wenig sp�ter nicht mehr am Leben gewesen. Aber als man Sie in die <emphasis>Sparrowhawk</emphasis> gebracht hat, wurden Sie sofort in eine Stasisr�hre geschoben, in der man Sie zu uns geschafft hat. An Bord des Schiffes konnte man nicht viel f�r Sie tun. Sie brauchen eine spezielle Behandlung.�</p><p><emphasis>Ich habe meine Frau gesehen. Sie war bei denen, die mich gerettet haben.</emphasis></p><p>�Ist Ihre Frau Soldatin?�</p><p><emphasis>Sie ist vor einigen Jahren gestorben.</emphasis></p><p>�Oh�, sagte Dr. Fiorina. �Wenn ich Ihren Zustand bedenke, wundert es mich nicht. Da sind Halluzinationen etwas ziemlich Normales. Der helle Tunnel und verstorbene Verwandte und die �blichen Sachen. H�ren Sie, Corporal, wir haben noch eine Menge Arbeit mit Ihrem K�rper, und es ist leichter f�r uns, wenn Sie dabei schlafen. Im Augenblick k�nnen Sie sowieso nichts anderes tun, als in der L�sung zu schwimmen. Ich werde Sie jetzt wieder f�r einige Zeit in den Schlafmodus versetzen. Wenn Sie das n�chste Mal aufwachen, k�nnen Sie die Wanne verlassen, und Ihr Gesicht wird wieder so weit hergestellt sein, dass Sie sich auf normale Weise unterhalten k�nnen. Okay?�</p><p><emphasis>Was ist mit meinen Leuten passiert?</emphasis>, wollte ich wissen. <emphasis>Wir sind abgest�rzt �</emphasis></p><p>�Schlafen Sie jetzt�, sagte Dr. Fiorina. �Wir reden �ber alles weitere, wenn Sie aus der Wanne gestiegen sind.�</p><p>Ich wollte eine sehr ver�rgerte Antwort geben, doch dann �berkam mich tiefe M�digkeit. Ich war weggetreten, bevor ich mich dar�ber wundern konnte, wie schnell ich weggetreten war.</p><empty-line/><p>�Schaut mal, wer wieder da ist�, sagte eine Stimme. �Der Mann, der sogar zu bl�d zum Sterben ist.�</p><p>Diesmal schwamm ich nicht mehr in einer schleimigen L�sung. Ich blickte auf und versuchte zu erkennen, woher die Stimme kam.</p><p>�Harry�, sagte ich, so gut es mit einem unbeweglichen Unterkiefer ging.</p><p>�Der und kein anderer�, sagte er und deutete eine Verbeugung an.</p><p>�Entschuldige, dass ich nicht aufstehen kann�, murmelte ich. �Ich habe noch leichte Probleme.�</p><p>��Leichte Probleme�, sagt er!�, wiederholte Harry und verdrehte die Augen. �Jesus auf dem Schaukelpferd! Von dir hat mehr gefehlt, als noch �brig war, John. Ich wei�, wovon ich rede. Ich habe gesehen, wie sie deinen Kadaver von Coral raufgebracht haben. Als sie sagten, du w�rst noch am Leben, ist mir die Kinnlade bis zum Fu�boden runtergefallen.�</p><p>�Sehr witzig�, sagte ich.</p><p>�Tschuldigung�, sagte Harry. �Das sollte keine Anspielung sein. Aber du warst kaum noch wiederzuerkennen, John. Nur noch ein Haufen aus Einzelteilen. Versteh mich nicht falsch, aber ich habe dir gew�nscht, dass du stirbst. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie es schaffen w�rden, dich wieder zusammenzuflicken.�</p><p>�Freut mich, dich entt�uscht zu haben�, sagte ich.</p><p>�Freut mich, von dir entt�uscht worden zu sein�, erwiderte er. Dann betrat jemand anderer den Raum.</p><p>�Jesse�, sagte ich.</p><p>Jesse ging um das Bett herum und hauchte mir einen Kuss auf die Wange. �Willkommen im Land der Lebenden, John�, sagte sie und trat zur�ck. �Da w�ren wir gl�cklich wieder vereint. Die drei Musketiere.�</p><p>�Eher zweieinhalb Musketiere�, sagte ich.</p><p>�Sei nicht so pessimistisch�, sagte Jesse. �Dr. Fiorina sagt, dass du bald wieder v�llig in Ordnung sein wirst. Dein Unterkiefer m�sste morgen komplett nachgewachsen sein, und das Bein wird ein paar Tage sp�ter fertig sein. Ratzfatz wirst du wieder rumspringen.�</p><p>Ich tastete nach meinem rechten Bein. Es war vollst�ndig vorhanden, beziehungsweise f�hlte es sich so an. Ich zog die Bettdecke zur�ck, um es mir genauer anzusehen, und da war mein Bein. Sozusagen. Knapp unter dem Knie war ein gr�ner Striemen. Dar�ber sah mein Bein wie mein Bein aus, darunter wie eine Prothese.</p><p>Ich wusste, was los war. Einer Frau aus meinem Trupp war im Kampf ein Bein abgerissen worden, und man hatte ihr auf dieselbe Weise ein neues verschafft. Am Amputationsschnitt setzte man ein n�hrstoffreiches falsches Glied an und injizierte Nanoboter. Mit der k�rpereigenen DNS als Richtlinie bauten die Nanoboter dann das falsche Bein um und machten Fleisch und Knochen daraus, die sie mit den noch vorhandenen Muskeln, Nerven, Blutgef��en und so weiter verbanden. Der Ring aus Nanobotern bewegte sich langsam hinunter, bis das gesamte Bein rekonstruiert war. Danach wanderten sie �ber den Blutkreislauf in die Ged�rme, und man konnte sie ausschei�en.</p><p>Keine sehr feine, aber eine praktische L�sung, ohne chirurgische Eingriffe, ohne auf geklonte Teile warten zu m�ssen, ohne unhandliche k�nstliche Prothesen, die am K�rper befestigt waren. Und es dauerte nur ein paar Wochen, je nach Umfang der Amputation, bis man wieder ein Bein hatte. Genauso hatten sie mir auch einen neuen Unterkiefer verschafft und wahrscheinlich auch die Ferse und die Zehen des linken Fu�es, die l�ngst wieder vollz�hlig vorhanden waren.</p><p>�Wie lange bin ich schon hier?�, fragte ich.</p><p>�In diesem Zimmer bist du seit einem Tag�, sagte Jesse. �Davor hast du etwa eine Woche lang in der Wanne gelegen.�</p><p>�Wir haben vier Tage gebraucht, bis wir �ber Phoenix eingetroffen sind�, sagte Harry. �W�hrend dieser Zeit warst du in Stasis. Wusstest du das?� Ich nickte. �Und es waren ein paar Tage vergangen, bis man dich auf Coral gefunden hat. Also warst du insgesamt f�r ungef�hr zwei Wochen aus dem Verkehr gezogen.�</p><p>Ich sah die beiden an. �Es freut mich, euch wiederzusehen. Versteht mich nicht falsch, aber warum seid ihr hier? Warum seid ihr nicht an Bord der <emphasis>Hampton Roads</emphasis>?�</p><p>�Die <emphasis>Hampton Roads</emphasis> wurde zerst�rt, John�, sagte Jesse. �Wir wurden unmittelbar nach dem Skip angegriffen. Unser Shuttle konnte sich im letzten Moment aus dem Hangar fl�chten. Dabei wurde das Triebwerk besch�digt. Wir waren die Einzigen. Wir trieben fast anderthalb Tage lang im All, bevor die <emphasis>Sparrowhawk</emphasis> uns aufgelesen hat. Es h�tte nicht viel gefehlt, und wir w�ren erstickt.�</p><p>Ich erinnerte mich, gesehen zu haben, wie die Rraey einen gerade eingetroffenen Kreuzer zerschossen hatten. Vielleicht war es die <emphasis>Hampton Roads</emphasis> gewesen. �Was ist aus der <emphasis>Modesto</emphasis> geworden?�, fragte ich. �Wisst ihr etwas dar�ber?�</p><p>Jesse und Harry sahen sich an. �Auch die <emphasis>Modesto</emphasis> wurde vernichtet�, sagte Harry schlie�lich. �John, <emphasis>alle</emphasis> wurden vernichtet. Es war ein Massaker.�</p><p>�Es k�nnen nicht <emphasis>alle</emphasis> draufgegangen sein. Du sagst, die <emphasis>Sparrowhawk</emphasis> h�tte euch gefunden, genauso wie mich.�</p><p>�Die <emphasis>Sparrowhawk</emphasis> kam etwas sp�ter, nach der ersten Welle�, sagte Harry. �Sie traf weit vom Planeten entfernt ein. Dadurch konnten die Rraey sie nicht orten, wie auch immer sie das machen. Aber sie haben sich sofort auf das Schiff gest�rzt, als es �ber der Stelle, wo du abgest�rzt warst, in den Parkorbit ging. Es war ziemlich knapp.�</p><p>�Wie viele haben �berlebt?�, fragte ich.</p><p>�Du warst der Einzige von der <emphasis>Modesto</emphasis>�, sagte Jesse.</p><p>�Es gab doch mehr Shuttles, die entkommen sind�, sagte ich.</p><p>�Sie wurden alle abgeschossen�, sagte Jesse. �Die Rraey haben auf alles geballert, was gr��er als ein Schuhkarton war. Unser Shuttle wurde verschont, weil das Triebwerk bereits tot war. Vermutlich wollten sie keine Raketen verschwenden.�</p><p>�Wie viele haben insgesamt �berlebt?�, fragte ich. �Es k�nnen doch nicht nur die Leute in deinem Shuttle und ich gewesen sein.�</p><p>Jesse und Harry schwiegen.</p><p>�Erz�hlt mir keinen Schei�!�</p><p>�Es war ein Hinterhalt, John�, sagte Harry. �Jedes Schiff wurde fast unmittelbar nach dem Skip angegriffen, sobald es �ber Coral auftauchte. Wir wissen nicht, wie sie es gemacht haben, aber sie haben es gemacht, und bei den anschlie�enden Aufr�umarbeiten haben sie sich um s�mtliche Shuttles gek�mmert. Deshalb ist die <emphasis>Sparrowhawk</emphasis> ein solches Risiko eingegangen, dich zu finden&#x25E6;� weil du au�er uns der <emphasis>einzige</emphasis> �berlebende bist. Dein Shuttle ist das einzige, das es bis zum Planeten geschafft hat. Sie haben sich am Peilsignal deines Shuttles orientiert. Euer Pilot hat den Sender kurz vor dem Absturz eingeschaltet.�</p><p>Ich erinnerte mich an Fiona. Und Alan. �Wie viele Leute haben wir verloren?�</p><p>�Insgesamt zweiundsechzig Kampfkreuzer mit voller Besatzung in Regimentsst�rke�, sagte Jesse. �F�nfundneunzigtausend Menschen. Ungef�hr.�</p><p>�Mir wird �bel�, sagte ich.</p><p>�Das kann man wohl als Paradebeispiel eines gewaltigen Haufens Schei�e bezeichnen�, sagte Harry. �So viel steht fest. Das ist der Grund, warum wir alle noch hier sind. Wir k�nnen sonst nirgendwohin.�</p><p>�Au�erdem werden wir regelm��ig befragt�, sagte Jesse. �Als w�ssten wir irgendwas. Wir waren bereits in unserem Shuttle, als wir getroffen wurden.�</p><p>�Sie warten schon voller Ungeduld darauf, dass man wieder mit dir reden kann�, sagte Harry zu mir. �Ich vermute, du wirst schon bald Besuch von den Ermittlern der KVA bekommen.�</p><p>�Wie sind diese Leute so?�</p><p>�Humorlos�, sagte Harry.</p><empty-line/><p>�Ich hoffe, Sie verzeihen uns, dass wir nicht zu Scherzen aufgelegt sind, Corporal Perry�, sagte Lieutenant Colonel Newman. �Wenn man sechzig Schiffe und hunderttausend Leute verloren hat, versetzt einen das in sehr ernste Stimmung.�</p><p>Ich hatte nur �noch etwas aufgel�st� gesagt, als Newman mich fragte, wie es mir ging. Ich hatte gedacht, dass eine leicht ironische Beschreibung meines Zustandes vielleicht nicht unangebracht w�re. Offenbar hatte ich mich geirrt.</p><p>�Tut mir leid�, sagte ich. �Obwohl es eigentlich kein Scherz sein sollte. Wie Sie vielleicht wissen, habe ich einen nicht unerheblichen Teil meines K�rpers auf Coral zur�ckgelassen.�</p><p>�Wie sind Sie �berhaupt nach Coral gelangt?�, fragte Major Javna, die Newman begleitete.</p><p>�Ich erinnere mich, mit dem Shuttle geflogen zu sein�, sagte ich, �obwohl ich das letzte St�ck dann allein geflogen bin.�</p><p>Javna warf Newman einen Blick zu, als wollte sie sagen: <emphasis>Er macht schon wieder Scherze</emphasis>. �Corporal, in Ihrem Bericht �ber den Zwischenfall erw�hnen Sie, dass Sie dem Piloten Ihres Shuttles die Erlaubnis erteilt haben, das Hangartor der <emphasis>Modesto</emphasis> aufzusprengen.�</p><p>�Richtig�, sagte ich. Den Bericht hatte ich am vergangenen Abend verfasst, kurz nachdem Harry und Jesse mich besucht hatten.</p><p>�Wer hat Sie dazu befugt, diesen Befehl zu erteilen?�</p><p>�Niemand�, sagte ich. �Die <emphasis>Modesto</emphasis> wurde mit Raketen beschossen. Ich dachte mir, dass es vielleicht der richtige Zeitpunkt f�r ein wenig pers�nliche Initiative w�re.�</p><p>�Ist Ihnen bekannt, wie viele Shuttles von der gesamten Flotte �ber Coral gestartet wurden?�</p><p>�Nein�, sagte ich. �Allerdings kann ich mir denken, dass es vermutlich nur wenige waren.�</p><p>�Weniger als einhundert, einschlie�lich der sieben von der <emphasis>Modesto</emphasis>�, sagte Newman.</p><p>�Und wissen Sie auch, wie viele es bis zur Oberfl�che von Coral geschafft haben?�, fragte Javna.</p><p>�Wie ich erfahren habe, soll es nur meinem gelungen sein.�</p><p>�Das ist richtig�, sagte Javna.</p><p>�Also?�</p><p>�Also�, sagte Newman, �scheinen Sie ziemliches Gl�ck gehabt zu haben, weil Sie das Hangartor zum g�nstigsten Moment aufsprengten, um rechtzeitig zur Planetenoberfl�che entkommen zu k�nnen.�</p><p>Ich starrte Newman verst�ndnislos an. �Kommt Ihnen das in irgendeiner Weise <emphasis>verd�chtig</emphasis> vor, Lieutenant Colonel?�</p><p>�Sie m�ssen zugeben, dass es eine interessante Verkettung von Zuf�llen darstellt�, sagte Javna.</p><p>�Den Teufel werde ich tun�, sagte ich. �Ich habe den Befehl gegeben, <emphasis>nachdem</emphasis> die <emphasis>Modesto</emphasis> getroffen wurde. Meine Pilotin war erfahren und geistesgegenw�rtig genug, uns nach Coral und so weit runterzubringen, dass ich �berleben konnte. Und wie Sie sich vielleicht erinnern, w�re ich fast dabei draufgegangen. Der gr��te Teil meines K�rpers war �ber eine Fl�che verschmiert, die so gro� wie Rhode Island war. Der einzige <emphasis>gl�ckliche Zufall</emphasis> war, dass ich gefunden wurde, bevor ich gestorben w�re. Alles andere war Geschick oder Intelligenz, sei es meine oder die meiner Pilotin. Entschuldigen Sie bitte, dass wir sehr gut ausgebildet wurden, <emphasis>Sir</emphasis>.�</p><p>Javna und Newman sahen sich an. �Wir versuchen nur, jeden unklaren Punkt zu verfolgen�, sagte Newman nachsichtig.</p><p>�Verdammt!�, sagte ich. �Denken Sie doch einfach mal nach. Wenn ich wirklich beabsichtigt h�tte, die KVA zu verraten, h�tte ich es doch wohl auf eine Art und Weise getan, bei der ich nicht das halbe Gesicht verloren h�tte.� Ich dachte mir, dass ich keine Konsequenzen zu bef�rchten hatte, wenn ich in meinem Zustand einen h�herrangigen Offizier anschnauzte.</p><p>Ich behielt Recht. �Dann wollen wir jetzt weitermachen�, sagte Newman.</p><p>�Tun Sie das�, sagte ich.</p><p>�Sie erw�hnten, dass Sie einen Rraey-Schlachtkreuzer gesehen haben, der auf einen KVA-Kreuzer feuerte, als dieser �ber Coral auftauchte.�</p><p>�Richtig�, sagte ich.</p><p>�Interessant, dass Sie so etwas beobachten konnten�, sagte Javna.</p><p>Ich seufzte. �Wollen Sie das w�hrend unseres ganzen Gespr�chs machen? Wir w�rden wesentlich schneller vorankommen, wenn Sie nicht st�ndig davon ausgehen w�rden, dass ich vielleicht ein Spion bin.�</p><p>�Der Raketenangriff, Corporal�, sagte Newman. �Erinnern Sie sich, ob die Raketen vor oder nach dem Eintreffen des KVA-Schiffs abgefeuert wurden?�</p><p>�Ich vermute, dass es kurz davor geschah�, sagte ich. �Zumindest hatte ich diesen Eindruck. Die Rraey wussten genau, wann und wo der Kreuzer nach dem Skip auftauchen w�rde.�</p><p>�Wie soll das Ihrer Ansicht nach m�glich sein?�, fragte Javna.</p><p>�Ich wei� es nicht�, antwortete ich. �Ich habe erst einen Tag vor dem Angriff erfahren, wie ein Skip-Antrieb funktioniert. Nach meinem Wissensstand sollte es eigentlich nicht m�glich sein, die Ankunft eines Schiffes vorherzubestimmen.�</p><p>�Was meinen Sie mit �Ihrem Wissensstand�?�, fragte Newman.</p><p>�Alan, ein anderer Truppf�hrer�&#x25E6;� ich wollte ihn nicht als meinen Freund bezeichnen, da das m�glicherweise verd�chtig klang&#x25E6;� �sagte, dass ein Raumschiff beim Skip in ein anderes Universum versetzt wird, das dem Ursprungsuniversum sehr �hnlich ist, und dass sowohl das Verschwinden als auch das Eintreffen eines Schiffs extrem unwahrscheinlich ist. Wenn das stimmt, kommt es mir nicht sehr wahrscheinlich vor, dass man wissen kann, wann und wo ein Schiff auftauchen wird.�</p><p>�Was glauben Sie also, ist passiert?�, fragte Javna.</p><p>�Wie meinen Sie das?�</p><p>�Sie sagen, dass man das Eintreffen eines Schiffs eigentlich nicht vorherbestimmen kann�, sagte sie. �Wir k�nnen uns diesen Hinterhalt nur so erkl�ren, dass jemand den Rraey einen Tipp gegeben hat.�</p><p>�Schon wieder!�, sagte ich. �Selbst wenn wir mal rein theoretisch davon ausgehen, dass es einen Verr�ter gab&#x25E6;� wie h�tte er es machen k�nnen? Selbst wenn er den Rraey irgendwie eine Botschaft �bermitteln konnte, dass eine Flotte auf dem Weg ist, h�tte er unm�glich sagen k�nnen, wo genau die einzelnen Schiffe �ber Coral materialisieren werden. Denken Sie daran, dass die Rraey uns erwartet haben. Sie haben uns mit erstaunlicher Zielgenauigkeit angegriffen.�</p><p>�Also noch einmal�, sagte Javna. �Was glauben Sie, ist passiert?�</p><p>Ich zuckte die Achseln. �Vielleicht ist das Skippen doch nicht so unwahrscheinlich, wie wir gedacht haben.�</p><empty-line/><p>�Reg dich wegen der Befragungen nicht zu sehr auf�, sagte Harry, als er mir einen Becher Fruchtsaft reichte, den er f�r mich aus der Cafeteria geholt hatte. �Wir mussten uns dieselben Bemerkungen anh�ren, wie verd�chtig es ist, dass wir �berlebt haben.�</p><p>�Wie habt ihr reagiert?�</p><p>�Schei�e�, sagte Harry. �Ich musste Ihnen beipflichten. Es ist wirklich verdammt verd�chtig. Das Komische war nur, dass ihnen diese Antwort offenbar auch nicht gefallen hat. Aber man kann ihnen keinen Vorwurf machen. Den Kolonien wurde soeben der Boden unter den F��en weggezogen. Wenn wir nicht herauskriegen, was im Coral-System passiert ist, stecken wir in gro�en Schwierigkeiten.�</p><p>�Das kannst du laut sagen. Was glaubst du, was passiert ist?�</p><p>�Keine Ahnung�, sagte Harry. �Vielleicht ist das Skippen doch nicht so unwahrscheinlich, wie wir gedacht haben.� Er trank von seinem Fruchtsaft.</p><p>�Komisch. Genau das Gleiche habe ich auch gesagt.�</p><p>�Ja, aber ich meine es auch so�, sagte Harry. �Ich kenne mich in theoretischer Physik nicht so gut aus wie Alan, Gott sei seiner Seele gn�dig, aber das gesamte Modell, mit dem wir das Skippen erkl�ren, muss irgendwie falsch sein. Offenbar haben die Rraey eine Vorhersagemethode mit einer ziemlich hohen Treffergenauigkeit gefunden. Wie machen sie das?�</p><p>�Ich glaube, dass das eigentlich nicht m�glich sein sollte�, sagte ich.</p><p>�V�llig richtig. Aber trotzdem machen sie es. Das kann nur hei�en, dass unsere Vorstellung, wie das Skippen vor sich geht, falsch ist. Eine Theorie wird aus dem Fenster geworfen, wenn die Beobachtungen nicht zu ihren Vorhersagen passen. Die Frage ist jetzt nur, was wirklich los ist.�</p><p>�Irgendwelche Ideen?�, fragte ich.</p><p>�Ein paar, auch wenn das Ganze eigentlich nicht mein Fachgebiet ist�, sagte Harry. �Dazu fehlt mir die n�tige Mathe.�</p><p>Ich lachte. �Wei�t du, vor gar nicht allzu langer Zeit hat Alan etwas sehr �hnliches zu mir gesagt.�</p><p>Harry l�chelte und hob seinen Becher. �Auf Alan�, sagte er.</p><p>�Auf Alan�, wiederholte ich. �Und auf alle abwesenden Freunde.�</p><p>�Amen�, sagte Harry, dann tranken wir.</p><p>�Harry, du hast gesagt, dass du dabei warst, als man mich an Bord der <emphasis>Sparrowhawk</emphasis> gebracht hat.�</p><p>�Ja. Nimm es bitte nicht pers�nlich, aber du sahst schrecklich aus.�</p><p>�Kein Problem�, sagte ich. �Erinnerst du dich an die Leute, die mich geholt haben?�</p><p>�Fl�chtig�, sagte Harry. �Aber man hat uns f�r den gr��ten Teil der Reise vom Rest des Schiffes isoliert. Ich habe dich in der Krankenstation gesehen, als man dich an Bord gebracht hatte. Sie haben uns untersucht.�</p><p>�Gab es unter den Leuten, die mich gerettet haben, eine Frau?�</p><p>�Ja�, sagte Harry. �Gro�, braunes Haar. Das ist alles, woran ich mich spontan erinnere. Um ehrlich zu sein, habe ich meine Aufmerksamkeit mehr auf dich konzentriert. Dich kannte ich, die anderen nicht. Warum fragst du?�</p><p>�Harry, meine Frau war beim Rettungstrupp. Ich schw�re, dass sie es war.�</p><p>�Ich dachte, deine Frau w�re tot�, sagte Harry.</p><p>�Ist sie auch�, sagte ich. �Aber sie war es. Nicht so, wie Kathy w�hrend unserer Ehe aussah, sondern als KVA-Soldatin mit gr�ner Haut und so weiter.�</p><p>Harry sah mich skeptisch an. �Wahrscheinlich hast du halluziniert, John.�</p><p>�Gut m�glich, aber warum habe ich Kathy dann als KVA-Soldatin halluziniert? H�tte ich mich nicht so an sie erinnern m�ssen, wie sie damals war?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte Harry. �Halluzinationen zeigen per definitionem Dinge, die nicht real sind. Sie folgen nicht bestimmten Regeln. Es gibt keinen Grund, warum du deine tote Frau nicht als KVA-Soldatin halluzinieren solltest.�</p><p>�Harry, ich wei�, dass es leicht verr�ckt klingt, aber <emphasis>ich habe meine Frau gesehen</emphasis>�. Ich war vielleicht k�rperlich nicht mehr ganz beeinander, aber mein Gehirn hat noch tadellos funktioniert. Ich wei�, was ich gesehen habe.�</p><p>Harry sa� einen Moment lang schweigend da. �Mein Trupp musste in der <emphasis>Sparrowhawk</emphasis> ein paar Tage im eigenen Saft schmoren�, sagte er. �Man hatte uns in einen Aufenthaltsraum gezw�ngt, den wir nicht verlassen durften und wo es nichts zu tun gab. Man hat uns nicht einmal den Zugang zu den Unterhaltungsprogrammen des Schiffes erlaubt. Wir durften nur mit Eskorte aufs Klo gehen. Also haben wir �ber die Besatzung des Schiffs und �ber die Spezialeinheit gesprochen. Und jetzt kommt der interessante Punkt: Keiner von uns kannte jemanden, der aus unseren Reihen zur Spezialeinheit gegangen ist. Das muss nichts hei�en. Schlie�lich sind die meisten von uns erst seit wenigen Jahren dabei. Aber es ist interessant.�</p><p>�Dazu muss man vielleicht schon sehr lange gedient haben�, sagte ich.</p><p>�Vielleicht�, sagte Harry. �Aber vielleicht hat es auch einen anderen Hintergrund. Immerhin bezeichnet man sie als �Geisterbrigade�.� Er nahm einen weiteren Schluck von seinem Fruchtsaft und stellte den Becher auf den Tisch neben meinem Bett. �Ich glaube, ich werde ein paar Nachforschungen anstellen. R�che meinen Tod, wenn ich nicht mehr zur�ckkomme.�</p><p>�Ich werde sehen, was sich unter den gegebenen Umst�nden tun l�sst.�</p><p>�Ich bitte darum�, sagte Harry grinsend. �Und schau mal, was du selber herausfinden kannst. Schlie�lich stehen dir noch ein paar Befragungen bevor. Dabei k�nntest du dich mit ein paar Fragen revanchieren.�</p><empty-line/><p>�Was ist mit der <emphasis>Sparrowhawk</emphasis>�, fragte Major Javna bei unserem n�chsten Gespr�ch.</p><p>�Ich w�rde gerne eine Nachricht an das Schiff schicken�, sagte ich. �Ich m�chte den Leuten danken, dass sie mir das Leben gerettet haben.�</p><p>�Das ist nicht notwendig�, sagte Lieutenant Colonel Newman.</p><p>�Ich wei�, aber es ist mir ein Bed�rfnis. Wenn man davor bewahrt wird, St�ckchen f�r St�ckchen von den Tieren des Waldes aufgefressen zu werden, ist es nur h�flich, wenn man ein kleines Dankesch�n schickt. Ich w�rde die Nachricht gerne direkt an die Typen schicken, die mich gefunden haben. Wie komme ich an sie heran?�</p><p>�Das geht nicht�, sagte Javna.</p><p>�Warum nicht?�, fragte ich unschuldig.</p><p>�Die <emphasis>Sparrowhawk</emphasis> ist ein Schiff der Spezialeinheit�, sagte Newman. �Es ist so lautlos wie m�glich unterwegs. Die Kommunikation zwischen den Schiffen der Spezialeinheit und dem Rest der Flotte ist auf ein Minimum reduziert.�</p><p>�Das klingt aber etwas ungerecht. Ich bin schon seit �ber einem Jahr in der Armee, und ich hatte nie ein Problem damit, Post an Freunde in anderen Schiffen zu senden. Man sollte meinen, dass selbst die Soldaten der Spezialeinheit gelegentlich von ihren Freunden im sonstigen Universum h�ren m�chten.�</p><p>Newman und Javna sahen sich an. �Wir kommen vom Thema ab�, sagte Newman.</p><p>�Ich will doch nur ein kleines Dankesch�n schicken�, sagte ich.</p><p>�Wir werden uns darum k�mmern�, sagte Javna in einem Tonfall, der eher nach <emphasis>Wir werden uns nie darum k�mmern</emphasis> klang.</p><p>Ich seufzte, dann erz�hlte ich ihnen zum sch�tzungsweise zwanzigsten Mal, warum ich den Befehl erteilt hatte, das Shuttlehangartor der <emphasis>Modesto</emphasis> zu sprengen.</p><p>�Wie geht es Ihrem Kiefer?�, fragte Dr. Fiorina.</p><p>�Voll funktionst�chtig und bereit, etwas zu kauen�, sagte ich. �Nicht dass mir Suppe durch einen Strohhalm nicht schmecken w�rde, aber nach einer Weile wird es etwas monoton.�</p><p>�Das kann ich Ihnen nachf�hlen�, sagte der Arzt. �Jetzt wollen wir uns mal Ihr Bein anschauen.� Ich schlug die Bettdecke zur�ck. Der Ring war inzwischen bis zur Mitte des Schienbeins hinuntergewandert. �Ausgezeichnet�, sagte er. �Ich m�chte, dass Sie jetzt anfangen, damit zu gehen. Der noch unverarbeitete Teil wird Ihr Gewicht st�tzen, und es ist gut, wenn Sie Ihr Bein ein wenig trainieren. Ich gebe Ihnen f�r die n�chsten Tage einen Gehstock. Mir ist aufgefallen, dass Sie h�ufiger von Freunden Besuch bekommen. Lassen Sie sich doch einfach mal von ihnen zum Essen mitnehmen.�</p><p>�Das m�ssen Sie mir nicht zweimal sagen�, erwiderte ich und spannte das Bein an. �So gut wie neu�, sagte ich.</p><p>�Nicht nur das�, sagte Fiorina. �Wir haben ein paar Verbesserungen an den Konfigurationen der KVA-K�rper vorgenommen, seit Sie rekrutiert wurden. Sie sind bereits in Ihr Bein integriert, und der Rest Ihres K�rpers wird den Nutzen ebenfalls sp�ren.�</p><p>�Da fragt man sich, warum die KVA die Sache nicht konsequent durchzieht�, sagte ich. �Man k�nnte den K�rper doch durch etwas ersetzen, das ausschlie�lich f�r den Krieg konstruiert wurde.�</p><p>Fiorina blickte von seinem Handcomputer auf. �Sie haben gr�ne Haut, Katzenaugen und einen Computer im Sch�del. M�chten Sie wirklich <emphasis>noch</emphasis> menschenun�hnlicher werden?�</p><p>�Gutes Argument.�</p><p>�Das will ich meinen�, sagte Fiorina. �Ich lasse Ihnen den Stock von einem Assistenten bringen.� Er tippte einen entsprechenden Befehl in seinen Handcomputer.</p><p>�Sagen Sie mal�, begann ich, �haben Sie noch andere Leute behandelt, die mit der <emphasis>Sparrowhawk</emphasis> gekommen sind?�</p><p>�Nein�, sagte er. �Mit Ihnen, Corporal, hatte ich bereits alle H�nde voll zu tun.�</p><p>�Also auch niemanden aus der Besatzung der <emphasis>Sparrowhawk</emphasis>?�</p><p>Fiorina schmunzelte. �Nat�rlich nicht. Es handelt sich um die Spezialeinheit.�</p><p>�Was hei�t das?�</p><p>�Sagen wir einfach, dass diese Leute besondere Anforderungen stellen�, antwortete Fiorina. Dann kam der Assistent mit meinem Gehstock.</p><empty-line/><p>�Wei�t du, was man �ber die Geisterbrigade in Erfahrung bringen kann? Offiziell, meine ich�, sagte Harry.</p><p>�Ich vermute mal, nicht allzu viel�, sagte ich.</p><p>�<emphasis>Nicht allzu viel</emphasis> ist eine ma�lose �bertreibung�, sagte Harry. �Man erf�hrt <emphasis>absolut nichts</emphasis> dar�ber.�</p><p>Harry, Jesse und ich a�en zu Mittag in einer der Kantinen der Phoenix-Station. F�r meinen ersten Ausflug hatte ich vorgeschlagen, dass wir uns so weit wie m�glich von Brenneman entfernten. Diese spezielle Kantine befand sich auf der anderen Seite der Raumstation. Die Aussicht war nichts Besonderes&#x25E6;� man konnte auf ein kleines Reparaturdock blicken -, aber die K�che wurde in der ganzen Station f�r ihre Burger ger�hmt, und diese Reputation war gerechtfertigt. Der Koch hatte in seinem vergangenen Leben eine Kette von Gourmethamburgerrestaurants er�ffnet. Obwohl es kaum gr��er als eine Besenkammer war, herrschte hier st�ndig Hochbetrieb. Die Burger, die Harry und ich bestellt hatten, wurden trotzdem kalt, w�hrend wir uns �ber die Geisterbrigade unterhielten.</p><p>�Ich habe Javna und Newman gefragt, ob ich eine Nachricht an die <emphasis>Sparrowhawk</emphasis> schicken k�nnte, und bin gegen eine unnachgiebige Wand gelaufen�, sagte ich.</p><p>�Das �berrascht mich nicht�, sagte Harry. �Offiziell existiert die <emphasis>Sparrowhawk</emphasis>, aber das ist auch schon alles, was man �ber das Schiff herausfinden kann. Man erf�hrt nichts �ber die Besatzung, die Gr��e, die Bewaffnung oder den Standort. Solche Informationen sind einfach nicht vorhanden. Wenn man einen allgemeineren Suchauftrag nach der Spezialeinheit oder der Geisterbrigade in die KVA-Datenbank eingibt, zieht man ebenfalls eine Niete.�</p><p>�Also habt ihr nichts herausgefunden�, sagte Jesse.</p><p>�Das w�rde ich nicht behaupten�, sagte Harry und grinste. �Offiziell kann man nichts herausfinden, aber inoffiziell sieht die Sache etwas anders aus.�</p><p>�Und wie schafft man es, an inoffizielle Informationen zu gelangen?�, wollte Jesse wissen.</p><p>�Mit einer charmanten Pers�nlichkeit wie meiner kann man wahre Wunder bewirken�, sagte Harry.</p><p>�Sag so etwas bitte nicht, w�hrend ich esse�, erwiderte Jesse. �Was man von euch beiden nicht behaupten kann.�</p><p>�Was hast du also herausgefunden?�, fragte ich und nahm einen Bissen von meinem Burger. Er war k�stlich.</p><p>�Ich muss dich darauf aufmerksam machen, dass alles nur auf Ger�chten und versteckten Andeutungen basiert�, erkl�rte Harry.</p><p>�Was vermutlich bedeutet, dass es wesentlich zutreffender ist als alles, was wir offiziell erfahren�, sagte ich.</p><p>�M�glicherweise�, r�umte Harry ein. �Die gr��te Neuigkeit ist jedoch, dass es in der Tat einen Grund gibt, warum sie als �Geisterbrigade� bezeichnet wird. Das ist keine offizielle Bezeichnung, m�sst ihr wissen, sondern nur ein Spitzname. Nach den Ger�chten, die ich aus mehr als nur einer Richtung geh�rt habe, sind die Mitglieder der Spezialeinheit Tote.�</p><p>�Wie bitte?�, sagte ich. Jesse blickte ebenfalls verdutzt von ihrem Essen auf.</p><p>�Keine Toten im strengen Sinne�, sagte Harry. �Es sind keine Zombies. Aber es gibt sehr viele Menschen, die sich von der KVA rekrutieren lassen und vor ihrem f�nfundsiebzigsten Geburtstag sterben. Wenn das geschieht, scheint die KVA die DNS nicht einfach wegzuschmei�en. Sie wird benutzt, um daraus Mitglieder der Spezialeinheit zu z�chten.�</p><p>Mir fiel etwas ein. �Jesse, erinnerst du dich, als Leon Deak starb? Was der Mediziner sagte? �Wieder einer, der sich in letzter Minute freiwillig f�r die Geisterbrigade gemeldet hat.� Damals hatte ich es f�r einen makabren Scherz gehalten.�</p><p>�Wie kann man so etwas tun?�, sagte Jesse. �Das l�sst sich ethisch nicht rechtfertigen.�</p><p>�Meinst du?�, sagte Harry. �Wenn du deine Absicht erkl�rst, dich einziehen zu lassen, gibst du der KVA das Recht, alle notwendigen Ma�nahmen zu ergreifen, um deine Kampff�higkeit zu verbessern, und wenn du tot bist, steht es ziemlich schlecht um deine Kampff�higkeit. Wir haben den Vertrag unterschrieben. Es mag ethisch nicht korrekt sein, aber es ist auf jeden Fall rechtlich einwandfrei.�</p><p>�Gut, aber es ist ein Unterschied, ob man meine DNS benutzt, um einen neuen K�rper f�r mich zu z�chten, oder ob man ohne <emphasis>mich</emphasis> einen neuen K�rper z�chtet�, sagte Jesse.</p><p>�Unbedeutende Details�, sagte Harry.</p><p>�Die Vorstellung, dass mein K�rper ganz allein heruml�uft, gef�llt mit �berhaupt nicht�, sagte Jesse. �Ich finde, dass es nicht richtig ist, wenn die KVA so etwas tut.�</p><p>�Das ist noch gar nicht alles, was sie tut�, sagte Harry. �Du wei�t, dass diese neuen K�rper, an denen wir uns erfreuen, genetisch modifiziert sind. Anscheinend sind die K�rper der Spezialeinheit noch viel weiter entwickelt. Diese Soldaten sind Versuchstiere f�r neue Verbesserungen und F�higkeiten, bevor sie f�r die Allgemeinheit eingef�hrt werden. Und es gibt Ger�chte, dass einige dieser Modifikationen ziemlich radikal sind&#x25E6;� bis zu einem Punkt, an dem sie gar nicht mehr menschlich aussehen.�</p><p>�Mein Arzt lie� die Bemerkung fallen, dass die Soldaten der Spezialeinheit besondere Anforderungen stellen�, sagte ich. �Auch wenn ich m�glicherweise halluziniert habe, sahen sie f�r mich noch recht menschlich aus.�</p><p>�Und wir haben auch keine Mutanten oder Monster in der <emphasis>Sparrowhawk</emphasis> gesehen�, sagte Jesse.</p><p>�Allerdings durften wir uns auch nicht �berall im Schiff umsehen�, warf Harry ein. �Sie haben uns in eine Sektion gesperrt und uns von allem abgeschottet. Wir haben die Krankenstation und den Aufenthaltsraum gesehen, und das war auch schon alles.�</p><p>�Menschen sehen st�ndig Soldaten der Spezialeinheit herumlaufen oder k�mpfen�, sagte Jesse.</p><p>�Sicher�, sagte Harry. �Aber das hei�t nicht, dass sie <emphasis>alle</emphasis> Mitglieder zu Gesicht bekommen.�</p><p>�Deine Paranoia kocht wieder hoch, Sch�tzchen�, sagte Jesse und f�tterte Harry mit einer Pommes.</p><p>�Danke, meine Liebste�, erwiderte Harry. �Aber selbst wenn wir die Ger�chte �ber ultrahochgez�chtete Supersoldaten beiseite lassen, bleiben gen�gend Hinweise �brig, die erkl�ren, dass John tats�chlich seine verstorbene Frau gesehen hat. Allerdings ist es nicht die echte Kathy. Sondern nur jemand, der ihren K�rper benutzt.�</p><p>�Wer?�, sagte ich.</p><p>�Das ist die gro�e Frage, nicht wahr?�, sagte Harry. �Deine Frau lebt nicht mehr, also kann in diesem K�rper nicht mehr ihre Pers�nlichkeit existieren. Entweder haben sie so etwas wie eine vorformatierte Pers�nlichkeit, die sie den Soldaten der Spezialeinheit einpflanzen ��</p><p>�� oder jemand anderer hat ihren K�rper �bernommen�, sagte ich.</p><p>Jesse erschauderte. �Tut mir leid, John, das ist unheimlich.�</p><p>�John? Alles in Ordnung mit dir?�, fragte Harry.</p><p>�Was? Ja, alles klar�, sagte ich. �Es ist nur etwas viel, um es auf einmal zu verarbeiten. Die Vorstellung, dass meine Frau am Leben sein k�nnte&#x25E6;� auch wenn sie es in Wirklichkeit gar nicht ist&#x25E6;� und dass jemand, der nicht sie ist, darin herumspaziert � Ich glaube, es hat mir besser gefallen, als ich fast davon �berzeugt war, dass ich es nur halluziniert habe.�</p><p>Ich sah zu Harry und Jesse. Beide waren erstarrt und blickten an mir vorbei.</p><p>�Was ist?�, fragte ich.</p><p>�Wenn man vom Teufel spricht ��, sagte Harry.</p><p>�Was?�, sagte ich.</p><p>�John�, fl�sterte Jesse. �Sie steht in der Schlange f�r die Hamburger.�</p><p>Ich fuhr herum und warf dabei meinen Teller um. Dann hatte ich das Gef�hl, als w�rde ich in einen Eisbottich getaucht.</p><p>�Heilige Schei�e�, sagte ich.</p><p>Sie war es. Daran bestand kein Zweifel.</p></section><section><title><p>14</p></title><p>Ich erhob mich. Harry hielt meine Hand fest.</p><p>�Was hast du vor?�, fragte er.</p><p>�Zu ihr gehen und mit ihr reden�, sagte ich.</p><p>�Bist du dir sicher, dass du das tun willst?�, fragte er.</p><p>�Was soll die Frage? Nat�rlich bin ich mir sicher!�</p><p>�Ich will damit nur sagen, dass es vielleicht besser w�re, wenn Jesse oder ich vorher mit ihr reden w�rden�, sagte Harry. �Um zu erfahren, ob sie mit dir sprechen will.�</p><p>�Mein Gott, Harry�, sagte ich. �Wir sind hier nicht auf dem Schulhof. Das ist meine Frau.�</p><p>�Nein, sie ist es nicht, John�, sagte Harry. �Sie ist jemand ganz anderer. Du wei�t nicht einmal, ob sie �berhaupt mit dir reden will.�</p><p>�John�, sagte Jesse, �selbst wenn sie mit dir reden will, musst du dir klar machen, dass sie eine Fremde ist. Was immer du dir von dieser Begegnung erwartest, du wirst es nicht bekommen.�</p><p>�Ich erwarte nichts�, sagte ich.</p><p>�Wir m�chten dich nur vor Schmerzen bewahren�, sagte Jesse.</p><p>�Ich komme schon damit klar�, sagte ich und sah die beiden an. �Bitte. Lass mich gehen, Harry. Kein Problem.�</p><p>Harry und Jesse sahen sich an. Dann lie� Harry meine Hand los.</p><p>�Danke�, sagte ich.</p><p>�Was willst du zu ihr sagen?�, erkundigte sich Harry.</p><p>�Ich werde ihr danken, dass sie mir das Leben gerettet hat�, sagte ich und stand auf.</p><p>In der Zwischenzeit waren sie und ihre zwei Begleiter mit dem Essen in den hinteren Bereich der Kantine gegangen. Sie unterhielten sich, doch als ich mich ihrem Tisch n�herte, verstummten sie. Die Frau sa� mit dem R�cken zu mir und drehte sich um, als ihre Bekannten zu mir aufschauten. Ich blieb stehen, als ich ihr Gesicht sehen konnte.</p><p>Es war nat�rlich anders. Abgesehen von der gr�nen Haut und den Augen war sie wesentlich j�nger als Kathy&#x25E6;� wie Kathy vor einem halben Jahrhundert gewesen. Aber auch nicht ganz. Kathy war nie so schlank wie diese Frau gewesen, was nat�rlich an der genetisch implantierten Optimierung durch die KVA lag. Kathys Haar war fast immer eine fast nicht zu b�ndigende M�hne gewesen, selbst als sie in einem Alter war, in dem die meisten anderen Frauen eine etwas matronenhaftere Frisur vorzogen. Die Frau, die am Tisch sa�, hatte so kurzes Haar, dass es weder die Ohren noch den Kragen ber�hrte.</p><p>Es war das Haar, das mir am unpassendsten vorkam. Es war schon so lange her, dass ich jemanden ohne gr�ne Haut gesehen hatte, dass ich es gar nicht mehr bewusst registrierte. Aber an dieses Haar konnte ich mich nicht erinnern.</p><p>�Es ist nicht nett, andere Menschen anzustarren�, sagte die Frau mit Kathys Stimme. �Und um diese Frage gleich zu kl�ren: Nein, Sie sind nicht mein Typ.�</p><p><emphasis>Oh doch</emphasis>, sagte ein Teil meines Gehirns.</p><p>�Tut mir leid, ich wollte Sie nicht st�ren�, sagte ich. �Aber ich habe mich gefragt, ob Sie mich vielleicht wiedererkennen.�</p><p>Ihr Blick musterte mich von oben bis unten. �Nein, bestimmt nicht�, sagte sie. �Und wir waren auch nicht in der gleichen Ausbildungskompanie.�</p><p>�Sie haben mich gerettet�, sagte ich. �Auf Coral.�</p><p>Jetzt spitzte sie die Ohren. �Ach du Schei�e! Kein Wunder, dass ich Sie nicht wiederkannt habe. Als ich Sie das letzte Mal gesehen habe, fehlte Ihnen die untere H�lfte des Kopfes. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, aber es erstaunt mich, dass Sie noch am Leben sind. Ich h�tte nicht darauf gewettet, dass Sie durchkommen w�rden.�</p><p>�Ich hatte etwas, wof�r es sich weiterzuleben lohnt.�</p><p>�Offensichtlich.�</p><p>�Ich bin John Perry�, sagte ich und reichte ihr meine Hand. �Ich f�rchte, Ihr Name ist mir nicht bekannt.�</p><p>�Jane Sagan�, sagte sie und nahm meine Hand. Ich hielt sie etwas l�nger, als es angemessen gewesen w�re. Ihre Miene war leicht verdutzt, als ich sie schlie�lich loslie�.</p><p>�Corporal Perry�, sprach mich einer ihrer Begleiter an. Er hatte zwischenzeitlich mit seinem BrainPal Informationen �ber mich abgerufen. �Wir d�rfen uns mit dieser Mahlzeit nicht allzu viel Zeit lassen. Wir m�ssen in einer halben Stunde wieder in unserem Schiff sein. Wir m�chten Sie also bitten ��</p><p>Ich schnitt ihm das Wort ab. �Ansonsten komme ich Ihnen nicht bekannt vor?�, fragte ich Jane.</p><p>�Nein�, sagte sie, nun mit etwas eisigem Unterton. �Danke, dass Sie vorbeigekommen sind, aber jetzt w�rde ich wirklich gerne weiteressen.�</p><p>�Ich m�chte Ihnen etwas schicken�, sagte ich. �Ein Bild. Per BrainPal.�</p><p>�Das ist wirklich nicht n�tig.�</p><p>�Nur ein Bild�, sagte ich. �Dann gehe ich. Tun Sie mir den Gefallen.�</p><p>�Also gut. Aber beeilen Sie sich.�</p><p>Zu den wenigen Dingen, die ich von der Erde mitgenommen hatte, geh�rte ein digitales Fotoalbum mit Aufnahmen von Verwandten, Freunden und Gegenden, die mir etwas bedeuteten. Nach der Aktivierung meines BrainPals hatte ich die Fotos in den Speicher hochgeladen, was sich nun als kluge Entscheidung erwies, da das Fotoalbum selbst sowie all meine irdischen Besitzt�mer mit der <emphasis>Modesto</emphasis> vernichtet worden waren. Ich rief ein bestimmtes Foto ab und schickte es Jane. Ich beobachtete, wie sie auf ihren BrainPal zugriff und sich dann wieder mir zuwandte.</p><p>�Erkennen Sie mich jetzt?�, fragte ich.</p><p>Sie bewegte sich sehr schnell, noch viel schneller als ein normaler KVA-Soldat. Sie packte mich am Kragen und dr�ckte mich gegen die n�chste Wand. Ich war mir fast sicher, dass eine meiner eben erst reparierten Rippen erneut brach. Auf der anderen Seite der Kantine sprangen Harry und Jesse auf. Janes Begleiter griffen ebenfalls ein. Ich versuchte zu atmen.</p><p>�Wer, zum Henker, sind Sie?�, zischte Jane mich an, �und was f�r ein Spiel wollen Sie hier durchziehen?�</p><p>�Ich bin John Perry�, keuchte ich. �Ich ziehe gar nichts durch.�</p><p>�Bl�dsinn. Woher haben Sie dieses Foto?�, sagte sie mit sehr tiefer Stimme aus sehr gro�er N�he. �Wer hat es f�r Sie get�rkt?�</p><p>�Niemand hat es get�rkt�, antwortete ich genauso leise. �Das Bild wurde bei meiner Hochzeit gemacht. Es ist � mein Hochzeitsfoto.� Ich h�tte fast <emphasis>unser Hochzeitsfoto</emphasis> gesagt, konnte mich aber im letzten Moment korrigieren. �Die Frau auf diesem Bild ist meine Ehefrau Kathy. Sie starb, bevor sie zum Milit�rdienst eingezogen werden konnte. Die KVA hat ihre DNS benutzt, um den K�rper zu z�chten, den Sie tragen. Sie ist ein Teil von Ihnen. Ein Teil von Ihnen ist auf diesem Bild. Ein Teil von Ihnen hat mir das hier gegeben.� Ich hob die linke Hand und zeigte ihr meinen Ehering&#x25E6;� der einzige materielle irdische Besitz, der mir noch geblieben war.</p><p>Jane knurrte, packte mich und warf mich brutal quer durch den Raum. Ich flog �ber mehrere Tische und nahm Hamburger, Salz- und Pfefferstreuer und Serviettenhalter mit, bevor ich auf dem Boden landete. Unterwegs schlug mein Kopf gegen eine harte Kante; kurz sickerte etwas Feuchtes aus meiner Schl�fe. Harry und Jesse, die sich vorsichtig Janes Begleitern gen�hert hatten, lie�en von ihnen ab und kamen zu mir. Jane setzte sich ebenfalls in meine Richtung in Bewegung, wurde jedoch auf halbem Wege von ihren Freunden aufgehalten.</p><p>�H�ren Sie mir gut zu, Perry�, sagte sie. �Sie werden mich von nun an in Ruhe lassen. Wenn ich Sie noch einmal wiedersehe, werden Sie sich w�nschen, ich h�tte Sie auf Coral sterben lassen.� Sie stapfte davon. Einer ihrer Begleiter folgte ihr, der andere, der mich schon einmal angesprochen hatte, kam zu uns. Jesse und Harry stellten sich ihm entgegen, doch er hob die H�nde, um anzuzeigen, dass er keinen Kampf wollte.</p><p>�Perry�, sagte er. �Was hatte das zu bedeuten? Was haben Sie ihr geschickt?�</p><p>�Fragen Sie sie selber, Kumpel�, sagte ich.</p><p>�F�r Sie bin ich <emphasis>Lieutenant</emphasis> Tagore, Corporal.� Er sah Harry und Jesse an. �Ich kenne Sie beide. Sie waren an Bord der <emphasis>Hampton Roads</emphasis>.�</p><p>�Ja, Lieutenant�, sagte Harry.</p><p>�H�ren Sie mir zu, alle beide�, sagte er. �Ich wei� nicht, was hier gespielt wird, aber ich m�chte eins klarstellen. Was immer es ist, wir haben nichts damit zu tun. Sie d�rfen rumerz�hlen, was Sie wollen, aber wenn dabei das Wort �Spezialeinheit� fallen sollte, werde ich pers�nlich daf�r sorgen, dass der Rest Ihrer milit�rischen Laufbahn kurz und schmerzhaft sein wird. Das ist kein Scherz. Ich werde Sie fertigmachen. Haben wir uns verstanden?�</p><p>�Ja, Lieutenant�, sagte Jesse. Harry nickte. Ich keuchte.</p><p>�K�mmern Sie sich um Ihren Freund�, sagte Tagore zu Jesse. �Er sieht aus, als h�tte er gerade eine Tracht Pr�gel eingesteckt.� Dann ging er.</p><p>�Mensch, John�, sagte Jesse, nahm eine Serviette und betupfte damit meine Kopfverletzung. �Was hast du getan?�</p><p>�Ich habe ihr mein Hochzeitsfoto gesendet�, sagte ich.</p><p>�Sehr hintersinnig�, sagte Harry und blickte sich um. �Wo ist dein Gehstock?�</p><p>�Ich glaube, dr�ben an der Wand, gegen die sie mich geklatscht hat.�</p><p>Harry ging, um ihn zu holen.</p><p>�Alles in Ordnung mit dir?�, fragte Jesse mich.</p><p>�Ich glaube, sie hat mir eine Rippe gebrochen.�</p><p>�Das habe ich eigentlich nicht gemeint�, sagte sie.</p><p>�Ich wei�, was du gemeint hast. Ich glaube, auch was das betrifft, habe ich mir etwas gebrochen.�</p><p>Jesse legte die H�nde an mein Gesicht. Harry kam mit meinem Stock zur�ck. Dann humpelten wir zur�ck zur Krankenstation. Dr. Fiorina war ganz und gar nicht von mir angetan.</p><empty-line/><p>Ich wachte auf, als mich jemand anstie�. Als ich sah, wer es war, wollte ich etwas sagen. Aber sie legte mir sofort eine Hand auf den Mund.</p><p>�Still�, sagte Jane. �Eigentlich sollte ich gar nicht hier sein.�</p><p>Ich nickte. Sie nahm ihre Hand weg. �Sprechen Sie bitte leise�, sagte sie.</p><p>�Wir k�nnten �ber unsere BrainPals kommunizieren�, sagte ich.</p><p>�Nein. Ich will Ihre Stimme h�ren. Aber leise, bitte.�</p><p>�Gut�, sagte ich.</p><p>�Tut mir leid, was heute passiert ist�, sagte sie. �Aber es kam so �berraschend. Ich wusste nicht, wie ich auf so etwas reagieren sollte.�</p><p>�Schon gut. Vielleicht h�tte ich Sie damit nicht �berfallen d�rfen.�</p><p>�Haben Sie sich verletzt?�</p><p>�Sie haben mir eine Rippe gebrochen.�</p><p>�Tut mir leid.�</p><p>�Ist schon fast verheilt.�</p><p>Sie musterte mein Gesicht mit unruhigen Blicken. �H�ren Sie, ich bin nicht Ihre Frau�, stie� sie pl�tzlich hervor. �Ich wei� nicht, wer oder was ich in Ihren Augen bin, aber ich war nie Ihre Ehefrau. Ich wusste nicht einmal, dass sie existiert hat, bevor Sie mir heute das Bild gezeigt haben.�</p><p>�Sie m�ssen doch gewusst haben, woher Sie kommen�, sagte ich.</p><p>�Warum?�, fragte sie erregt. �Wir wissen, dass wir aus den Genen irgendwelcher Leute geschaffen wurden, aber man sagt uns nicht, wer diese Leute waren. Welchen Sinn h�tte es? Wir sind eigenst�ndige Personen. Wir sind nicht einmal Klone. In meiner DNS sind Gene, die gar nicht von der Erde stammen. Wir sind die Versuchskaninchen der KVA, wussten Sie das nicht?�</p><p>�Davon habe ich geh�rt.�</p><p>�Das hei�t, ich bin nicht Ihre Frau. Ich bin gekommen, um Ihnen das zu sagen. Es tut mir leid, aber ich bin jemand anderer.�</p><p>�Verstanden�, sagte ich.</p><p>�Gut. Dann gehe ich jetzt. Entschuldigung, dass ich Sie durch die Gegend geworfen habe.�</p><p>�Wie alt sind Sie?�, fragte ich.</p><p>�Was? Wieso?�</p><p>�Ich bin nur neugierig. Und ich m�chte nicht, dass Sie schon gehen.�</p><p>�Ich w�sste nicht, was mein Alter mit allem zu tun haben soll�, sagte sie.</p><p>�Kathy ist jetzt seit neun Jahren tot�, sagte ich. �Ich will nur wissen, wie lange man gewartet hat, bevor man ihre Gene benutzt hat, um Sie zu erschaffen.�</p><p>�Ich bin sechs Jahre alt�, sagte sie.</p><p>�Nehmen Sie es mir bitte nicht �bel, aber Sie sehen anders als die meisten Sechsj�hrigen aus, die ich kennen gelernt habe.�</p><p>�Ich bin ziemlich weit entwickelt f�r mein Alter�, sagte sie. �Das sollte ein Scherz sein.�</p><p>�Klar.�</p><p>�Manche Leute verstehen den Witz �berhaupt nicht. Weil die meisten Menschen in meiner Umgebung ungef�hr genauso alt sind.�</p><p>�Wie funktioniert es?�, fragte ich. �Ich meine, wie ist es? Sechs zu sein. Keine Vergangenheit zu haben.�</p><p>Jane hob die Schultern. �Irgendwann bin ich aufgewacht und wusste nicht, wo ich war oder was los war. Aber ich befand mich bereits in diesem K�rper, und ich wusste bereits etliche Dinge. Ich konnte sprechen und laufen. Ich konnte denken und k�mpfen. Man sagte mir, ich w�re ein Mitglied der Spezialeinheit und dass jetzt meine Ausbildung beginnt. Und dass ich Jane Sagan hei�e.�</p><p>�Netter Name�, sagte ich.</p><p>�Er wurde nach Zufallskriterien ausgesucht�, sagte sie. �Unsere Vornamen sind v�llig allt�gliche Namen, und unsere Nachnamen stammen haupts�chlich von Wissenschaftlern und Philosophen. In meinem Trupp gibt es einen Ted Einstein und eine Julie Pasteur. Zu Anfang ist einem das nat�rlich noch nicht klar. Erst sp�ter erf�hrt man etwas mehr dar�ber, wie man geschaffen wurde, nachdem man Zeit hatte, seine Pers�nlichkeit zu entwickeln. Von den Leuten, die ich kenne, hat niemand viele Erinnerungen. Erst wenn man Naturgeborene trifft, wird man sich bewusst, dass man anders ist. Und wir treffen sie nicht allzu oft. Meistens bleiben wir unter uns.�</p><p>�Naturgeborene?�, fragte ich.</p><p>�So nennen wir Leute wie Sie.�</p><p>�Wenn Sie unter sich bleiben, warum waren Sie dann in der Kantine?�</p><p>�Ich hatte Lust auf einen Burger�, sagte sie. �Es ist nicht so, dass wir unter uns bleiben <emphasis>m�ssen</emphasis>. Aber wir tun es meistens.�</p><p>�Haben Sie sich nie gefragt, aus wem Sie gemacht wurden?�</p><p>�Manchmal�, sagte Jane. �Aber wir erfahren nichts dar�ber. Man sagt uns nicht, wer unsere Ahnen waren&#x25E6;� die Leute, aus denen wir gemacht wurden. Manche von uns haben mehr als nur einen Ahnen, wissen Sie. Au�erdem leben sie ja sowieso nicht mehr. Sie m�ssen tot sein, sonst h�tte man uns nicht gemacht. Und wir wissen nicht, wer ihre Bekannten waren. Und es ist sehr unwahrscheinlich, dass wir ihren Bekannten begegnen, auch wenn sie in der Armee dienen. Au�erdem sterben die Naturgeborenen hier drau�en ziemlich schnell. Ich kenne niemanden, der je einen Verwandten seines Ahnen getroffen h�tte. Oder einen Ehepartner.�</p><p>�Haben Sie Ihrem Lieutenant das Bild gezeigt?�, fragte ich.</p><p>�Nein. Aber er hat sich danach erkundigt. Ich sagte ihm, Sie h�tten mir ein Bild von sich geschickt, das ich sofort wieder gel�scht habe. Das habe ich wirklich getan, weil er es gefunden h�tte, wenn er nachgesehen h�tte. Ich habe niemandem etwas von unserem Gespr�ch erz�hlt. Kann ich es noch einmal haben? Das Foto?�</p><p>�Nat�rlich�, sagte ich. �Ich habe auch noch andere, wenn Sie sie sehen m�chten. Wenn Sie mehr �ber Kathy wissen wollen, kann ich Ihnen von ihr erz�hlen.�</p><p>Jane starrte mich an. Im schwach beleuchteten Krankenzimmer sah sie Kathy �hnlicher als je zuvor. Es schmerzte mich fast, sie anzusehen. �Ich wei� nicht recht�, sagte sie schlie�lich. �Ich wei� nicht, was ich wissen m�chte. Lassen Sie mich in Ruhe dar�ber nachdenken. Geben Sie mir vorl�ufig nur das eine Bild. Bitte.�</p><p>�Ich schicke es Ihnen.�</p><p>�Ich muss jetzt gehen�, sagte sie. �Damit das klar ist: Ich war niemals hier. Und wenn Sie mich irgendwo wiedersehen, tun Sie so, als w�rden wir uns nicht kennen.�</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Es ist sehr wichtig. Mehr kann ich im Moment nicht sagen.�</p><p>�Na gut�, sagte ich.</p><p>�W�rden Sie mir bitte Ihren Ehering zeigen?�, fragte Jane.</p><p>�Klar.� Ich zog ihn ab, damit sie ihn sich ansehen konnte.</p><p>Sie hielt ihn wie etwas Zerbrechliches und musterte ihn von allen Seiten. �Da steht etwas�, sagte sie.</p><p>��Meine Liebe ist ewig&#x25E6;� Kathy��, sagte ich. �Das hat sie eingravieren lassen, bevor sie ihn mir angesteckt hat.�</p><p>�Wie lange waren Sie verheiratet?�</p><p>�Zweiundvierzig Jahre�, sagte ich.</p><p>�Wie sehr haben Sie sie geliebt?�, fragte Jane. �Ihre Frau. Kathy. Wenn man sehr lange verheiratet ist, bleibt man vielleicht nur noch aus Gewohnheit zusammen.�</p><p>�Das passiert�, sagte ich. �Aber ich habe sie sehr geliebt. W�hrend der ganzen Zeit, die wir verheiratet waren. Und ich liebe sie immer noch.�</p><p>Jane stand auf, sah mich noch einmal an, gab mir den Ring zur�ck und ging, ohne sich zu verabschieden.</p><empty-line/><p>�Tachyonen�, sagte Harry, als er zum Fr�hst�ckstisch kam, an dem Jesse und ich sa�en.</p><p>�Gesundheit!�, sagte Jesse.</p><p>�Sehr witzig.� Er setzte sich. �Tachyonen k�nnten die Antwort auf die Frage sein, wie die Rraey wussten, dass wir kommen w�rden.�</p><p>�Gro�artig�, sagte ich. �Und wenn Jesse und ich w�ssten, was Tachyonen sind, w�ren wir vielleicht sogar richtig begeistert von dieser Offenbarung.�</p><p>�Das sind exotische Elementarteilchen�, erkl�rte Harry. �Sie bewegen sich schneller als das Licht und r�ckw�rts durch die Zeit. Bislang existieren sie nur theoretisch, weil es ziemlich schwierig ist, etwas zu messen, das sich mit �berlichtgeschwindigkeit und gegen den Zeitstrom bewegt. Aber nach den Gesetzen der Physik m�ssen bei jedem Skip Tachyonen entstehen. Genauso wie unsere Masse und Energie in ein anderes Universum versetzt werden, reisen Tachyonen vom Zieluniversum ins Ausgangsuniversum zur�ck. Es gibt ein bestimmtes Tachyonenmuster, das der Skip-Antrieb bei einem �bergang erzeugt. Wenn man Tachyonen beobachten kann, die ein solches Muster bilden, wei� man, dass ein Skip-Schiff eintreffen wird&#x25E6;� und wann.�</p><p>�Woher wei�t du solche Dinge?�, fragte ich.</p><p>�Im Gegensatz zu euch beiden verbringe ich meine Tage nicht mit Herumgammeln�, sagte Harry. �Ich habe Freunde, die in interessanten Kreisen verkehren.�</p><p>�Wenn wir von diesem Tachyonenmuster wissen, warum sind wir der Sache noch nicht genauer nachgegangen?�, fragte Jesse. �Was du sagst, bedeutet praktisch, dass wir schon die ganze Zeit verwundbar waren, aber bisher einfach nur Gl�ck gehabt haben.�</p><p>�Vergesst nicht, dass ich gesagt habe, dass Tachyonen lediglich ein theoretisches Konzept sind�, sagte Harry. �Und selbst das ist eigentlich noch eine Untertreibung. Sie sind nicht mal richtig real, sondern bestenfalls mathematische Abstraktionen. Sie stehen in keiner Beziehung zu den realen Universen, in denen wir existieren und uns bewegen. Bisher hat keine uns bekannte intelligente Spezies irgendetwas damit anstellen k�nnen. Es gibt keine praktischen Anwendungsm�glichkeiten.�</p><p>�Zumindest haben wir das gedacht�, sagte ich.</p><p>Harry machte eine zustimmende Geste. �Wenn diese Vermutung zutrifft, bedeutet es, dass die Technologie der Rraey weit �ber das hinausgeht, was wir leisten k�nnen. Im technischen Wettlauf liegen wir weit hinter ihnen.�</p><p>�Und wie k�nnen wir sie wieder einholen?�, fragte Jesse.</p><p>Harry l�chelte. �Wer sagt, dass wir hinterherhecheln m�ssen? Wisst ihr noch, wie wir bei unserer ersten Begegnung in der Bohnenstange �ber die �berlegene Technologie der Kolonien gesprochen haben? Und was ich vermutet habe, wie sie zu diesen Kenntnissen gelangt sind?�</p><p>�Durch Kontakte mit Aliens�, sagte Jesse.</p><p>�Richtig�, sagte Harry. �Wissen kann man durch Handel erwerben oder im Krieg erobern. Wenn es nun tats�chlich eine M�glichkeit gibt, Tachyonen zu beobachten, die sich von einem Universum in ein anderes bewegen, k�nnten wir die n�tigen technischen Grundlagen vielleicht sogar selbst entwickeln. Aber dazu brauchen wir Zeit und Mittel, die wir nicht haben. Es w�re viel praktischer, sich die Technik einfach von den Rraey zu holen.�</p><p>�Willst du damit sagen, dass die KVA eine R�ckkehr nach Coral plant?�, fragte ich.</p><p>�Nat�rlich�, sagte Harry. �Aber jetzt geht es nicht mehr nur darum, den Planeten zur�ckzuerobern. Das d�rfte nicht einmal das Hauptziel sein. Unsere wichtigste Mission d�rfte darin bestehen, die Technik des Tachyonendetektors in die H�nde zu bekommen und herauszufinden, wie wir sie unsch�dlich machen oder sie gegen die Rraey verwenden k�nnen.�</p><p>�Als wir das letzte Mal nach Coral ged�st sind, hat man uns kr�ftig in den Hintern getreten�, sagte Jesse.</p><p>�Uns bleibt kaum eine andere Wahl, Jesse�, sagte Harry leise. �Wir brauchen diese Technologie. Wenn sie sich weiter ausbreitet, werden s�mtliche Aliens da drau�en jede Raumschiffbewegung der Kolonialen verfolgen k�nnen. Sie werden sogar genauer als wir selbst wissen, wann und wo wir eintreffen werden.�</p><p>�Das n�chste Massaker ist vorprogrammiert�, sagte Jesse.</p><p>�Ich vermute, dass man diesmal viel mehr Leute von der Spezialeinheit einsetzen wird�, sagte Harry.</p><p>�Apropos�, sagte ich und erz�hlte Harry von meiner Begegnung mit Jane. Bevor er zu uns gesto�en war, hatte ich schon mit Jesse dar�ber gesprochen.</p><p>�Wie es aussieht, hat sie wohl doch nicht vor, dich umzubringen�, sagte Harry anschlie�end.</p><p>�Es muss ziemlich merkw�rdig gewesen sein, mit ihr zu reden�, sagte Jesse. �Obwohl dir bewusst war, dass sie nicht mit deiner Frau identisch ist.�</p><p>�Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass sie erst sechs Jahre alt ist�, sagte Harry. �Das ist mehr als nur merkw�rdig.�</p><p>�Aber man merkt es�, sagte ich. �Ihre emotionale Reife kann nicht sehr gro� sein. Sie scheint gar nicht zu wissen, was sie mit Gef�hlen machen soll, wenn sie welche empfindet. Sie hat mich durch die Kantine geschleudert, weil sie nicht wusste, wie sie auf die ganze Sache reagieren sollte.�</p><p>�Das Einzige, was sie kennt, ist K�mpfen und T�ten�, sagte Harry. �Wir dagegen besitzen ein ganzes Leben an Erinnerungen und Erfahrungen, das uns stabilisiert. Selbst die j�ngeren Soldaten in traditionellen Armeen haben Erfahrungen aus zwanzig Jahren. In gewisser Weise sind die Mitglieder der Spezialeinheit Kindersoldaten, was ich ethisch bedenklich finde.�</p><p>�Ich m�chte keine alten Wunden aufrei�en�, sagte Jesse, �aber hast du etwas von Kathy in ihr wiedererkannt?�</p><p>Ich dachte kurz dar�ber nach. �Offensichtlich hat sie gro�e �u�ere �hnlichkeit mit Kathy. Und ich glaube, ich habe eine Spur von Kathys Sinn f�r Humor an ihr entdeckt&#x25E6;� und etwas von ihrem Temperament. Kathy konnte sehr impulsiv sein.�</p><p>�Hat sie dich des �fteren quer durch die K�che geworfen?�, fragte Harry l�chelnd.</p><p>Ich grinste zur�ck. �Es gab ein paar Gelegenheiten, wo sie es zweifellos getan h�tte, wenn es ihr m�glich gewesen w�re�, sagte ich.</p><p>�Eins zu null f�r die Genetik�, sagte Harry.</p><p>Pl�tzlich meldete sich Arschloch zu Wort. <emphasis>Corporal Perry</emphasis>, hie� es in der Nachricht. <emphasis>Bei einer Besprechung mit General Keegan um 10.00 Uhr im Einsatzhauptquartier im Eisenhower-Modul der Phoenix-Station ist Ihre Anwesenheit erforderlich. Seien Sie p�nktlich.</emphasis> Ich best�tigte die Nachricht und erz�hlte Harry und Jesse davon.</p><p>�Und ich dachte, <emphasis>ich</emphasis> h�tte Freunde, die in interessanten Kreisen verkehren�, sagte Harry. �Du verheimlichst uns etwas, John.�</p><p>�Ich habe keine Ahnung, worum es gehen k�nnte�, sagte ich. �Keegan bin ich nie zuvor begegnet.�</p><p>�Er ist nur der Kommandant der Zweiten Armee der KVA�, sagte Harry. �Es kann nur etwas v�llig Unwichtiges sein.�</p><p>�Sehr witzig�, sagte ich.</p><p>�Jetzt ist es 9.15 Uhr, John�, sagte Jesse. �Du solltest dich lieber auf den Weg machen. M�chtest du, dass wir dich begleiten?�</p><p>�Nein, bitte setzt euer Fr�hst�ck fort�, sagte ich. �Der Spaziergang wird mir gut tun. Das Eisenhower-Modul liegt nur ein paar Kilometer entfernt. Ich werde es rechtzeitig schaffen.� Ich stand auf, nahm mir einen Donut, den ich unterwegs essen wollte, gab Jesse ein freundschaftliches K�sschen auf die Wange und machte mich auf den Weg.</p><p>In Wirklichkeit war das Eisenhower-Modul mehr als nur ein paar Kilometer entfernt, aber mein Bein war endlich nachgewachsen, und ich konnte die Bewegung gut gebrauchen. Dr. Fiorina hatte Recht. Das neue Bein f�hlte sich tats�chlich besser als neu an, und insgesamt hatte ich den Eindruck, �ber viel mehr Energie zu verf�gen. Andererseits hatte ich mich soeben von Verletzungen erholt, die so ernst gewesen waren, dass man es nur als mittleres Wunder bezeichnen konnte, dass ich noch am Leben war. Nach so einer Erfahrung h�tte zweifellos jeder das Gef�hl, vor Energie zu platzen.</p><p>�Drehen Sie sich nicht um�, fl�sterte Jane mir ins Ohr. Sie war genau hinter mir.</p><p>Ich w�re fast an einem Bissen vom Donut erstickt. �Es w�re mir ganz lieb, wenn Sie sich nicht immer so anschleichen w�rden�, stie� ich schlie�lich hervor, ohne mich umzudrehen.</p><p>�Tut mir leid�, sagte sie. �Ich hatte nicht die Absicht, Sie zu ver�rgern. Aber eigentlich sollte ich gar nicht mit Ihnen sprechen. H�ren Sie mir zu. Es geht um die Besprechung, zu der Sie unterwegs sind.�</p><p>�Woher wissen Sie davon?�, fragte ich.</p><p>�Das spielt jetzt keine Rolle. Es ist sehr wichtig, dass Sie dem Vorschlag zustimmen, den man Ihnen unterbreiten wird. Tun Sie es. So werden Sie vor dem sicher sein, was kommen wird. So sicher man in einer solchen Situation sein kann.�</p><p>�Was soll kommen?�</p><p>�Das werden Sie fr�h genug feststellen.�</p><p>�Was ist mit meinen Freunden?�, fragte ich. �Harry und Jesse. Werden sie in Schwierigkeiten geraten?�</p><p>�Wir alle werden in Schwierigkeiten geraten�, sagte Jesse. �F�r die beiden kann ich nichts tun. Ich habe mich bem�ht, Sie einzubringen, Perry. Tun Sie es. Es ist sehr wichtig.� Ich sp�rte eine kurze Ber�hrung am Arm, und dann hatte ich das deutliche Gef�hl, dass sie verschwunden war.</p><p>�Corporal Perry�, sagte General Keegan und erwiderte meinen Gru�. �R�hren.�</p><p>Ich war in einen Konferenzraum gef�hrt worden, in dem mehr hohe Tiere als auf einer Milit�rparade versammelt waren. Ich war zweifellos die Person mit dem niedrigsten Rang. An n�chsth�herer Stelle folgte, soweit ich erkennen konnte, Lieutenant Colonel Newman, der mich befragt hatte. Mir war recht mulmig zumute.</p><p>�Sie sehen etwas verloren aus, mein Junge�, sagte General Keegan zu mir. Genauso wie alle Anwesenden und jeder Soldat der KVA schien er kaum �lter als Ende zwanzig zu sein.</p><p>�Ich f�hle mich auch etwas verloren, General�, sagte ich.</p><p>�Das ist verst�ndlich�, sagte Keegan. �Bitte, setzen Sie sich.� Er zeigte auf einen unbesetzten Stuhl am Tisch. Ich ging hin�ber und nahm Platz. �Ich habe schon viel von Ihnen geh�rt, Perry.�</p><p>�Ja, General�, sagte ich und versuchte, einen Seitenblick in Newmans Richtung zu vermeiden.</p><p>�Davon scheinen Sie nicht allzu begeistert zu sein, Corporal�, sagte er.</p><p>�Ich gebe mir M�he, nicht aufzufallen, General. Ich versuche nur, meine Aufgaben zu erf�llen.�</p><p>�Nichtsdestotrotz sind Sie auff�llig geworden�, sagte Keegan. ��ber Coral konnten einhundert Shuttles starten, aber nur Ihres hat es bis zur Oberfl�che geschafft, was zum gro�en Teil an Ihrem Befehl lag, das Shuttlehangartor aufzusprengen und m�glichst schnell von dort zu verschwinden.� Er zeigte mit einem Daumen auf Newman. �Newman hat mir alles dar�ber erz�hlt. Er meint, wir sollten Ihnen daf�r einen Orden verpassen.�</p><p>Ich h�tte nicht �berraschter reagiert, wenn Keegan gesagt h�tte: <emphasis>Newman meint, Sie sollten die Hauptrolle in der diesj�hrigen Armeeauff�hrung vom Schwanensee spielen</emphasis>. Keegan bemerkte meinen Gesichtsausdruck und grinste. �Ja, ich wei�, was Sie jetzt denken. Newman hat das beste Pokergesicht der gesamten KVA, und das ist der Grund, warum er diesen Job macht. Was meinen Sie, Corporal? Haben Sie sich diese Auszeichnung verdient?�</p><p>�Bei allem Respekt � nein, General�, sagte ich. �Wir sind abgest�rzt, und au�er mir hat niemand �berlebt. Das kann ich mir kaum als Verdienst anrechnen. Und dass wir es bis zur Planetenoberfl�che geschafft haben, war ausschlie�lich die hervorragende Leistung meiner Pilotin Fiona Eaton.�</p><p>�Pilotin Eaton wurde bereits posthum ausgezeichnet, Corporal�, sagte General Keegan. �F�r sie d�rfte es nur ein schwacher Trost sein, aber der KVA ist es sehr wichtig, dass solche Leistungen geb�hrend gew�rdigt werden. Und trotz Ihrer Bescheidenheit werden auch Sie eine Auszeichnung bekommen, Corporal. Andere haben die Schlacht von Coral ebenfalls �berlebt, aber das war pures Gl�ck. Sie haben in einer kritischen Situation die Initiative ergriffen. Und Sie haben schon zuvor Ihre F�higkeit unter Beweis gestellt, mit dem eigenen Kopf zu denken. Die Feuertechnik im Kampf gegen die Consu. Wie Sie w�hrend der Ausbildung Ihre Kompanie gef�hrt haben. Master Sergeant Ruiz hat ein ausdr�ckliches Lob ausgesprochen, wie Sie w�hrend des abschlie�enden Ausbildungsman�vers die BrainPals eingesetzt haben. Ich habe zusammen mit diesem Mistkerl gedient, Corporal. Ruiz w�rde nicht einmal seine Mutter daf�r loben, dass sie ihn auf die Welt gebracht hat, falls Sie verstehen, was ich damit meine.�</p><p>�Ich glaube, ich verstehe es, General�, sagte ich.</p><p>�Das habe ich mir gedacht. Also bekommen Sie einen Bronzenen Stern, mein Junge. Herzlichen Gl�ckwunsch.�</p><p>�Danke, General.�</p><p>�Aber ich habe Sie aus einem ganz anderen Grund herbestellt�, fuhr Keegan fort und deutete auf den Tisch. �Ich glaube nicht, dass Sie General Szilard kennen, der unsere Spezialeinheit befehligt. Nein, Sie m�ssen nicht schon wieder salutieren.�</p><p>�General�, sagte ich und nickte wenigstens in seine Richtung.</p><p>�Corporal�, sagte Szilard. �Sagen Sie mir, was Sie �ber die Lage im Coral-System geh�rt haben.�</p><p>�Nicht sehr viel. Nur was ich aus Gespr�chen mit Freunden erfahren habe.�</p><p>�Tats�chlich�, erwiderte Szilard ironisch. �Ich h�tte gedacht, dass der mit Ihnen befreundete Gefreite Wilson Ihnen inzwischen einen umfassenden Bericht abgeliefert hat.�</p><p>Mir wurde klar, dass ich mein Pokergesicht, das noch nie sehr �berzeugend gewirkt hatte, in letzter Zeit v�llig vergessen konnte.</p><p>�Ja, nat�rlich wissen wir �ber den Gefreiten Wilson Bescheid�, sagte Szilard. �Vielleicht sollten Sie ihm sagen, dass seine Schn�ffelaktionen l�ngst nicht so unauff�llig sind, wie er glaubt.�</p><p>�Harry wird �berrascht sein, wenn er das h�rt�, sagte ich.</p><p>�Sicher�, sagte Szilard. �Genauso zweifle ich nicht daran, dass er Sie bereits �ber die Natur der Soldaten der Spezialeinheit in Kenntnis gesetzt hat. �brigens ist das kein Staatsgeheimnis, auch wenn wir in der allgemeinen Datenbank keine Informationen zur Verf�gung stellen. Wir verbringen die meiste Zeit mit Missionen, die strikteste Geheimhaltung erfordern. Es gibt nur wenige Gelegenheiten, bei denen wir mit Leuten wie Ihnen in Kontakt kommen. Au�erdem versp�ren wir nur wenig Neigung dazu.�</p><p>�General Szilard und die Spezialeinheit �bernehmen die F�hrung bei unserem geplanten Gegenangriff auf die Rraey-Streitkr�fte im Coral-System�, sagte General Keegan. �W�hrend wir das Ziel verfolgen, den Planeten zur�ckzuerobern, sehen wir unsere Hauptaufgabe darin, ihren Tachyonendetektor zu isolieren und ihn au�er Funktion zu setzen. Wir wollen ihn nicht zerst�ren, nur wenn es nicht anders geht.� Keegan deutete auf einen ernst dreinblickenden Mann neben Newman. �Colonel Golden glaubt zu wissen, wo er sich befindet. Colonel.�</p><p>�Ich werde mich kurz fassen, Corporal�, sagte Golden. �Unsere Fernerkundung vor dem ersten Angriff auf Coral ergab, dass die Rraey mehrere kleine Satelliten in Umlaufbahnen um den Planeten gebracht haben. Zuerst dachten wir, es w�ren Spionagesatelliten, die den Rraey Erkenntnisse �ber die Bewegungen von Kolonialen und Soldaten auf dem Planeten verschaffen sollen, aber nun glauben wir, dass es sich um ein System handelt, das der Messung von Tachyonenmustern dient. Wir glauben, dass die Kontrollstation, die die Satellitendaten auswertet, auf dem Planeten steht, dass sie mit der ersten Angriffswelle auf die Oberfl�che gebracht wurde.�</p><p>�Wir vermuten die Station auf dem Planeten, weil das der sicherste Standort w�re�, sagte General Szilard. �Wenn sie sich an Bord eines Raumschiffs befinden w�rde, besteht die Gefahr, dass sie&#x25E6;� vielleicht nur zuf�llig&#x25E6;� von einer angreifenden KVA-Einheit zerst�rt wird. Und wie Sie wissen, kam kein Schiff au�er Ihrem Shuttle auch nur in die N�he der Oberfl�che von Coral. Die Wahrscheinlichkeit spricht f�r einen Standort auf dem Planeten.�</p><p>Ich wandte mich an Keegan. �Darf ich eine Frage stellen, General?�</p><p>�Bitte�, sagte Keegan.</p><p>�Warum erz�hlen Sie mir das? Ich bin ein Corporal ohne Trupp, Kompanie oder Regiment. Ich w�sste nicht, warum ich das alles erfahren sollte.�</p><p>�Sie sollten es erfahren, weil Sie einer der wenigen �berlebenden der Schlacht um Coral sind und weil Sie der Einzige sind, der nicht nur durch Zufall �berlebt hat. General Szilard und seine Leute glauben, und darin stimme ich ihnen zu, dass der Gegenangriff gr��ere Erfolgschancen hat, wenn jemand, der am ersten Angriff teilgenommen hat, als Beobachter und Berater anwesend ist. Also Sie.�</p><p>�Bei allem geb�hrenden Respekt, General�, sagte ich. �Meine Beteiligung war minimal und katastrophal.�</p><p>�Nicht so katastrophal wie im Fall fast aller anderen Beteiligten�, sagte Keegan. �Corporal, ich will ganz ehrlich zu Ihnen sein&#x25E6;� mir w�re es lieber, wenn jemand anderer diese Rolle �bernehmen k�nnte. Doch es gibt niemanden, der besser qualifiziert w�re. Selbst wenn Ihr Beitrag als Berater nur minimal ist, w�re das immer noch besser als gar nichts. Au�erdem haben Sie bewiesen, dass Sie f�hig sind, in Kampfsituationen zu improvisieren und schnell zu handeln. Das k�nnte uns von gro�em Nutzen sein.�</p><p>�Wie w�rde meine Mitarbeit aussehen?�, erkundigte ich mich.</p><p>Keegan sah Szilard an.</p><p>�Sie w�rden in die <emphasis>Sparrowhawk</emphasis> versetzt werden�, sagte Szilard. �Die Besatzung besteht aus Angeh�rigen der Spezialeinheit, die die gr��te Erfahrung mit solchen Situationen hat. Ihre Aufgabe w�re es, das Geschehen zu beobachten und den F�hrungsstab der <emphasis>Sparrowhawk</emphasis> auf der Grundlage Ihrer Erfahrungen auf Coral zu beraten. Au�erdem sollen Sie im Bedarfsfall als Verbindungsoffizier zwischen den regul�ren Truppen der KVA und der Spezialeinheit agieren.�</p><p>�W�rde ich k�mpfen?�, fragte ich.</p><p>�Sie w�rden eine au�erplanm��ige Funktion �bernehmen�, sagte Szilard. �Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es f�r Sie nicht erforderlich sein, an den eigentlichen Kampfhandlungen teilzunehmen.�</p><p>�Sie verstehen vielleicht, dass ein solcher Auftrag �u�erst ungew�hnlich w�re�, sagte Keegan. �Aufgrund der Unterschiede hinsichtlich der Missionsziele und des Personals agieren regul�re KVA-Streitkr�fte und die Spezialeinheit fast nie gemeinsam. Selbst bei Kampfeins�tzen, in denen beide Truppen gegen einen Feind vorgehen, bewegen sie sich zumeist unabh�ngig voneinander und �bernehmen v�llig unterschiedliche Aufgaben.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich. Ich verstand mehr, als sie ahnen konnten. Jane befand sich an Bord der <emphasis>Sparrowhawk</emphasis>.</p><p>Als Szilard sprach, war es, als w�re er demselben Gedankengang gefolgt. �Corporal, mir ist bekannt, dass Sie eine Auseinandersetzung mit jemandem aus meiner Truppe hatten, einer Person, die in der <emphasis>Sparrowhawk</emphasis> stationiert ist. K�nnen Sie mir versichern, dass es nicht zu weiteren solchen Zwischenf�llen kommt?�</p><p>�Das kann ich, General�, sagte ich. �Der Zwischenfall beruhte auf einem Missverst�ndnis. Einer Verwechslung. Es wird nicht wieder passieren.�</p><p>Szilard nickte Keegan zu.</p><p>�Also gut�, sagte Keegan. �Corporal, in Anbetracht Ihrer neuen Aufgabe halte ich Ihren Rang f�r unangemessen. Ich bef�rdere Sie mit sofortiger Wirkung zum Lieutenant. Sie werden sich um 15 Uhr bei Major Crick, dem Ersten Offizier der <emphasis>Sparrowhawk</emphasis>, einfinden. Das d�rfte gen�gend Zeit sein, um Ihre Angelegenheiten in Ordnung zu bringen und sich zu verabschieden. Noch Fragen?�</p><p>�Nein, General�, sagte ich. �Aber ich h�tte eine Bitte.�</p><p>�Ein ungew�hnliches Anliegen�, sagte Keegan, nachdem ich zu Ende gesprochen hatte. �Unter anderen Umst�nden w�rde ich eine solche Bitte&#x25E6;� in beiden Punkten&#x25E6;� ablehnen.�</p><p>�Ich verstehe, General�, sagte ich.</p><p>�Aber ich werde es einrichten. Und vielleicht n�tzt es sogar etwas. Also gut, Lieutenant. Sie d�rfen jetzt gehen.�</p><empty-line/><p>Harry und Jesse trafen sich mit mir, so schnell es ihnen m�glich war, nachdem ich sie benachrichtigt hatte. Ich erz�hlte ihnen von meinem neuen Auftrag und meiner Bef�rderung.</p><p>�Und du glaubst, dass Jane dahintersteckt?�, sagte Harry.</p><p>�Ich wei� es�, sagte ich. �Sie hat es mir selbst erz�hlt. Und vielleicht k�nnte es sich sogar irgendwie als n�tzlich erweisen. Ich bin mir sicher, dass sie irgendjemandem einen Floh ins Ohr gesetzt hat. Schon in wenigen Stunden werde ich unterwegs sein.�</p><p>�Wir werden schon wieder getrennt�, sagte Jesse. �Auch das, was noch von Harrys und meinem Trupp �brig ist, wird aufgeteilt. Unsere Kameraden werden in andere Schiffe versetzt. Wir warten noch auf Nachricht, wohin man uns versetzen wird.�</p><p>�Wer wei�, John�, sagte Harry, �vielleicht sehen wir uns im Coral-System wieder.�</p><p>�Dazu wird es nicht kommen. Ich habe General Keegan gebeten, euch beide aus der Infanterie zu bef�rdern, und er war einverstanden. Eure erste Dienstphase ist beendet. Ihr bekommt neue Aufgaben zugeteilt.�</p><p>�Was soll das hei�en?�, fragte Harry.</p><p>�Du wirst in der milit�rischen Forschungsabteilung der KVA arbeiten�, sagte ich. �Harry, sie wissen, dass du herumgeschn�ffelt hast. Ich habe sie �berzeugt, dass du auf diese Weise weniger Schaden anrichten wirst, sowohl f�r dich als auch f�r andere. Du wirst an den Dingen arbeiten, die wir von Coral zur�ckbringen.�</p><p>�Das kann ich nicht�, sagte Harry. �Dazu hatte ich nicht genug Mathe.�</p><p>�Ich bin �berzeugt, dass du dich dadurch nicht aufhalten lassen wirst�, sagte ich. �Jesse, auch du kommst in die Forschungsabteilung, und zwar in den Assistentenstab. Mehr konnte ich f�r dich auf die Schnelle nicht herausholen. Es wird nicht sehr interessant sein, aber dort kannst du dich f�r andere Aufgaben ausbilden lassen. Und ihr beide werdet nicht mehr in der Schusslinie stehen.�</p><p>�Das ist nicht richtig, John�, sagte Jesse. �Wir haben unsere regul�re Dienstzeit noch nicht abgeleistet. Die Kameraden unserer Kompanie ziehen wieder in den Kampf, w�hrend wir hier herumsitzen, wegen etwas, das wir gar nicht getan haben. Und <emphasis>du</emphasis> gehst wieder an die Front. Das will ich nicht. Ich sollte meinen regul�ren Dienst ableisten.�</p><p>Harry nickte.</p><p>�Ich bitte euch inst�ndig�, sagte ich. �Alan ist tot. Susan und Thomas sind tot. Maggie ist tot. Meinen Trupp und meine Kompanie gibt es nicht mehr. Von allen, die mir hier etwas bedeuten, seid nur noch ihr beide �brig. Ich hatte die Gelegenheit, euch sichere Posten zu verschaffen, und ich habe sie genutzt. F�r alle anderen kann ich nichts mehr tun. Aber ich kann etwas f�r euch tun. Ich will, dass ihr am Leben bleibt. Ihr seid alles, was ich hier drau�en noch habe.�</p><p>�Du hast Jane�, sagte Jesse.</p><p>�Ich wei� noch nicht, was Jane f�r mich bedeutet�, sagte ich. �Aber ich wei�, was ihr f�r mich bedeutet. Ihr seid jetzt meine Familie. Jesse und Harry, ihr seid meine Familie. Seid nicht sauer auf mich, weil ich m�chte, dass ihr am Leben bleibt. Bitte bleibt am Leben! Tut es f�r mich! Bitte!�</p></section><section><title><p>15</p></title><p>Die <emphasis>Sparrowhawk</emphasis> war ein ruhiges Schiff. In einem handels�blichen Truppenraumschiff sind �berall Menschen zu h�ren, die reden, lachen, br�llen und die sonstigen Laut�u�erungen des Lebens von sich geben. Soldaten der Spezialeinheit halten nichts von all diesen unsinnigen Besch�ftigungen.</p><p>Was mir vom Ersten Offizier der <emphasis>Sparrowhawk</emphasis> erkl�rt wurde, nachdem ich an Bord gekommen war und mich ihm vorgestellt hatte. �Erwarten Sie nicht, dass sich die Leute hier mit Ihnen unterhalten�, sagte Major Crick.</p><p>�Major?�</p><p>�Die Soldaten der Spezialeinheit�, erkl�rte er. �Es ist nicht pers�nlich gemeint. Wir halten einfach nur nicht allzu viel von Gespr�chen. Wenn wir unter uns sind, kommunizieren wir fast ausschlie�lich mittels unserer BrainPals. Erstens geht es schneller, und zweitens neigen wir ohnehin nicht so zum Plaudern wie Sie. Wir werden mit unseren BrainPals geboren. Wenn wir das erste Mal sprechen, tun wir es mit ihnen. Also kommunizieren wir die meiste Zeit auf diese Weise. Nehmen Sie es nicht pers�nlich. Trotzdem habe ich unsere Soldaten angewiesen, verbal zu Ihnen zu sprechen, wenn sie Ihnen etwas mitzuteilen haben.�</p><p>�Das ist nicht n�tig, Major�, sagte ich. �Auch ich kann meinen BrainPal benutzen.�</p><p>�Ich f�rchte, Sie w�rden nicht mitkommen�, sagte Major Crick. �Unser Gehirn ist auf eine andere Kommunikationsgeschwindigkeit programmiert. Ein Naturgeborener spricht nach unseren Ma�st�ben in Zeitlupe. Wenn Sie sich �ber l�ngere Zeit mit jemandem von uns unterhalten, f�llt Ihnen vielleicht auf, dass Ihr Gespr�chspartner abgehackt und kurz angebunden zu antworten scheint, weil es f�r ihn genauso ist, als w�rden Sie mit einem Kind reden, das schwer von Begriff ist. Bitte lassen Sie sich dadurch nicht irritieren.�</p><p>�Ich werde es versuchen, Major. Sie selbst scheinen damit keine Probleme zu haben.�</p><p>�Als Erster Offizier verbringe ich viel Zeit mit Menschen, die nicht der Spezialeinheit angeh�ren�, sagte Crick. �Au�erdem bin ich �lter als die meisten meiner Soldaten. Mit der Zeit habe ich ein paar gute Manieren aufgeschnappt.�</p><p>�Wie alt sind Sie, Major?�, fragte ich.</p><p>�N�chste Woche werde ich vierzehn�, sagte er. �So, morgen Fr�h um 6.00 Uhr findet eine Einsatzbesprechung des Stabs statt. Bis dahin sollten Sie sich hier etwas eingew�hnen und sich eine Mahlzeit sowie etwas Schlaf g�nnen. Alles Weitere besprechen wir morgen.� Er salutierte und entlie� mich.</p><p>Jane wartete in meinem Quartier.</p><p>�Sie schon wieder!�, sagte ich l�chelnd.</p><p>�Ja, ich schon wieder�, entgegnete sie nur. �Ich wollte nur wissen, wie Sie zurechtkommen.�</p><p>�Gut�, sagte ich. �Wenn man bedenkt, dass ich mich erst seit f�nf Minuten an Bord dieses Schiffes befinde.�</p><p>�Sie sind l�ngst das wichtigste Tagesgespr�ch�, sagte Jane.</p><p>�Ja, das endlose Geplapper ist mir nicht entgangen�, sagte ich. Als Jane den Mund �ffnete, um etwas zu erwidern, hob ich die Hand. �Das war ein Scherz. Major Crick hat mir von der Sache mit den BrainPals erz�hlt.�</p><p>�Deshalb unterhalte ich mich so gerne mit Ihnen�, sagte Jane. �Es ist ganz anders als normale Gespr�che.�</p><p>�Ich glaube mich zu erinnern, dass Sie verbal gesprochen haben, als Sie mich auf Coral gerettet haben�, sagte ich.</p><p>�Wir wollten es vermeiden, vom Feind geortet zu werden�, sagte Jane. �Es war sicherer, verbal zu kommunizieren. Wir tun es auch, wenn wir uns in der �ffentlichkeit bewegen. Wir m�chten so wenig Aufmerksamkeit wie m�glich erregen.�</p><p>�Warum haben Sie das arrangiert?�, wollte ich von ihr wissen. �Dass ich in der <emphasis>Sparrowhawk</emphasis> stationiert werde.�</p><p>�Sie sind uns sehr n�tzlich�, sagte Jane. �Sie haben Erfahrungen, die uns helfen k�nnten, sowohl auf Coral als auch hinsichtlich eines anderen Aspekts unserer Vorbereitungen.�</p><p>�Was meinen Sie damit?�</p><p>�Major Crick wird es Ihnen morgen bei der Besprechung erl�utern. Ich werde ebenfalls dabei sein. Ich kommandiere eine Kompanie und bin geheimdienstlich t�tig.�</p><p>�Ist das der einzige Grund?�, fragte ich. �Weil ich mich als n�tzlich erweisen k�nnte?�</p><p>�Nein�, sagte Jane. �Aber es ist der Grund, warum Sie in dieses Schiff versetzt wurden. H�ren Sie, ich m�chte nicht allzu viel Zeit mit Ihnen verschwenden. Ich muss noch etliche Vorbereitungen f�r die Mission treffen. Aber ich m�chte mehr �ber sie erfahren. �ber Kathy. Wer sie war. Wie sie war. Ich m�chte, dass Sie mir von ihr erz�hlen.�</p><p>�Ich werde es tun�, sagte ich. �Aber nur unter einer Bedingung.�</p><p>�Was verlangen Sie?�, fragte Jane.</p><p>�Sie m�ssen mir auch von sich erz�hlen.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Weil ich die letzten neun Jahre mit der Tatsache gelebt habe, dass meine Frau tot ist, und jetzt kommen Sie und bringen in mir alles durcheinander. Je mehr ich �ber Sie wei�, desto besser kann ich mich an die Vorstellung gew�hnen, dass Sie nicht Kathy sind.�</p><p>�Mein Leben ist nicht besonders interessant�, sagte Jane. �Ich bin erst sechs Jahre alt. Das ist nicht viel Zeit, um es zu etwas zu bringen.�</p><p>�Im letzten Jahr habe ich mehr erlebt als ich all den Jahren davor�, sagte ich. �Glauben Sie mir, sechs Jahre sind eine lange Zeit.�</p><empty-line/><p>�D�rfen wir Ihnen Gesellschaft leisten, Lieutenant?�, fragte der nette junge (sch�tzungsweise vier Jahre alte) Soldat der Spezialeinheit. Er und vier seiner Kumpel standen mit ihren Tabletts in korrekter Haltung vor meinem Tisch.</p><p>�Alle Pl�tze sind noch frei�, sagte ich.</p><p>�Manche Leute ziehen es vor, beim Essen allein zu sein�, sagte der Soldat.</p><p>�Ich geh�re nicht zu diesen Leuten. Bitte, nehmen Sie Platz!�</p><p>�Vielen Dank, Lieutenant�, sagte der Soldat und stellte sein Tablett auf den Tisch. �Ich bin Corporal Sam Mendel. Das sind die Gefreiten George Linnaeus, Will Hegel, Jim Bohr und Jan Fermi.�</p><p>�Lieutenant John Perry�, sagte ich.</p><p>�Also, wie finden Sie es an Bord der <emphasis>Sparrowhawk</emphasis>, Lieutenant?�, fragte Mendel.</p><p>�Nett und vor allem ruhig�, sagte ich.</p><p>�So ist es, Lieutenant�, sagte Mendel. �Ich habe mich gerade mit Linnaeus dar�ber unterhalten, dass ich nicht glaube, dass ich im vergangenen Monat mehr als zehn Worte gesprochen habe.�</p><p>�Dann haben Sie soeben Ihren Rekord gebrochen.�</p><p>�W�rde es Ihnen etwas ausmachen, f�r uns eine Wette zu entscheiden, Lieutenant?�, sagte Mendel.</p><p>�Muss ich dazu etwas Anstrengendes tun?�</p><p>�Nein, Lieutenant. Wir m�chten nur wissen, wie alt Sie sind. Hegel hat n�mlich gewettet, dass Ihr Alter mehr als dem Doppelten des Alters unseres gesamten Trupps entspricht.�</p><p>�Wie alt sind die Mitglieder Ihres Trupps?�, fragte ich.</p><p>�Wir sind insgesamt zehn Soldaten, mich eingeschlossen�, sagte Mendel, �und ich bin der �lteste. Ich bin f�nfeinhalb. Die anderen sind zwischen zwei und f�nf Jahren alt. Unser Gesamtalter betr�gt siebenunddrei�ig Jahre und etwa zwei Monate.�</p><p>�Ich bin sechsundsiebzig�, sagte ich. �Also hat er die Wette gewonnen. Obwohl er sie mit jedem Rekruten der KVA gewinnen w�rde. Wir sind mindestens f�nfundsiebzig, wenn wir unseren Dienst antreten. Au�erdem m�chte ich hinzuf�gen, dass es etwas h�chst Irritierendes hat, doppelt so alt wie Ihr gesamter Trupp zu sein.�</p><p>�Ja, Lieutenant�, sagte Mendel. �Andererseits f�hren wir <emphasis>dieses</emphasis> Leben schon mindestens doppelt so lange wie Sie. Also gleicht es sich wieder aus.�</p><p>�Wahrscheinlich haben Sie Recht.�</p><p>�Es muss sehr interessant sein, Lieutenant�, sagte Bohr, der ein St�ck weiter weg am Tisch sa�, �schon ein komplettes Leben hinter sich zu haben. Wie war es?�</p><p>�Wie war was?�, fragte ich zur�ck. �Mein Leben oder die Tatsache, dass ich schon vor diesem Leben ein anderes hatte?�</p><p>�Beides�, sagte Bohr.</p><p>Pl�tzlich wurde mir klar, dass noch keins der f�nf anderen Mitglieder der Gruppe die Gabeln anger�hrt hatte. Auch ansonsten war es in der Messe, in der das telegrafische Klappern von Besteck an Geschirr zu h�ren gewesen war, deutlich stiller geworden. Ich erinnerte mich an Janes Bemerkung, dass sich die gesamte Besatzung sehr f�r mich interessierte. Offensichtlich hatte sie Recht.</p><p>�Ich mochte mein Leben�, sagte ich. �Ich wei� nicht, ob es f�r jemanden, der es nicht gelebt hat, besonders aufregend war. Aber f�r mich war es ein gutes Leben. Und was die Vorstellung betrifft, vor diesem Leben schon ein anderes gehabt zu haben, muss ich sagen, dass ich eigentlich nie dar�ber nachgedacht habe. Ich habe auch nie dar�ber nachgedacht, wie dieses Leben sein w�rde, bevor es f�r mich begonnen hatte.�</p><p>�Warum haben Sie sich dann daf�r entschieden?�, fragte Bohr. �Sie m�ssen sich doch irgendetwas vorgestellt haben?�</p><p>�Nein. Ich glaube nicht, dass irgendjemand von uns es getan hat. Die meisten von uns waren nie im Krieg oder beim Milit�r. Keiner von uns wusste, dass man uns in einen v�llig neuen K�rper stecken w�rde, der nur noch teilweise etwas mit unserem vorherigen zu hat.�</p><p>�Das kommt mir ziemlich gedankenlos vor, Lieutenant�, sagte Bohr und machte mir bewusst, dass es dem Taktgef�hl nicht gerade dienlich war, zwei oder drei Jahre alt zu sein. �Ich kann mir nicht vorstellen, warum sich jemand f�r etwas verpflichten sollte, ohne zu wissen, worauf er sich einl�sst.�</p><p>�Sie waren auch noch nie alt�, sagte ich. �Ein unmodifizierter Mensch von f�nfundsiebzig Jahren hat eine viel h�here Bereitschaft als Sie, ins kalte Wasser zu springen.�</p><p>�Wie kann das so unterschiedlich sein?�, fragte Bohr.</p><p>�Sagt ein Zweij�hriger, der niemals altern wird�, erwiderte ich.</p><p>�Ich bin schon drei!�, stellte Bohr richtig.</p><p>Ich hob die Hand. �H�ren Sie, lassen Sie mich die Sache einfach umdrehen. Ich bin sechsundsiebzig, und ich bin ins kalte Wasser gesprungen, als ich der KVA beigetreten bin. Andererseits war es meine ganz pers�nliche Entscheidung. Ich h�tte nicht gehen m�ssen. Wenn es Ihnen schwer f�llt, sich vorzustellen, wie es f�r mich war, versetzen Sie sich in meine Lage.� Ich zeigte auf Mendel. �Als ich f�nf war, konnte ich mir kaum selbst die Schuhe zubinden. Wenn Sie sich nicht vorstellen k�nnen, wie es ist, so alt wie ich zu sein und sich rekrutieren zu lassen, dann stellen Sie sich vor, wie schwer es f�r mich ist, mir einen f�nfj�hrigen Erwachsenen vorzustellen, der au�er dem Krieg nichts anderes kennen gelernt hat. Immerhin wei� ich, wie das Leben au�erhalb der Armee ist. Wie ist es f�r Sie?�</p><p>Mendel sah seine Kameraden an, die seinen Blick erwiderten. ��ber so etwas denken wir normalerweise nicht nach, Lieutenant�, sagte er. �Zu Anfang wussten wir nicht einmal, dass daran irgendetwas Ungew�hnliches sein k�nnte. Alle, die wir kennen, wurden auf die gleiche Art �geboren�. Aus unserer Sicht sind <emphasis>Sie</emphasis> au�ergew�hnlich. Eine Kindheit zu haben und ein ganz anderes Leben zu f�hren, bevor man mit diesem Leben beginnt. Auf uns macht es eher den Eindruck der Ineffektivit�t.�</p><p>�Fragen Sie sich nie, wie es w�re, nicht in der Spezialeinheit zu dienen?�</p><p>�Das kann ich mir nicht vorstellen�, sagte Bohr, und die anderen nickten. �Wir sind Soldaten. Das ist unser Job. Das <emphasis>sind</emphasis> wir.�</p><p>�Deshalb sind Sie f�r uns so interessant�, sagte Mendel. �Die Vorstellung, dass man sich f�r ein Leben wie dieses entscheiden kann. Die Vorstellung, dass man auch ein ganz anderes Leben f�hren k�nnte. Das ist sehr fremdartig.�</p><p>�Was haben Sie gemacht, Lieutenant?�, fragte Bohr. �In Ihrem anderen Leben.�</p><p>�Ich war Schriftsteller�, sagte ich.</p><p>Die Soldaten sahen sich gegenseitig an.</p><p>�Was?�, fragte ich.</p><p>�Eine seltsame Art, sein Leben zu verbringen�, sagte Mendel. �Sich daf�r bezahlen zu lassen, Worte aneinanderzureihen.�</p><p>�Es gibt schlimmere Jobs�, sagte ich.</p><p>�Wir wollten Sie nicht beleidigen�, sagte Bohr.</p><p>�Ich f�hle mich nicht beleidigt. Sie haben nur eine andere Perspektive. Aber es bringt mich zum Nachdenken, warum Sie es tun.�</p><p>�Was tun?�, fragte Bohr.</p><p>�K�mpfen�, sagte ich. �Die meisten Menschen in der KVA sind wie ich. Und die meisten Menschen in den Kolonien unterscheiden sich noch mehr von Ihnen als ich. Warum k�mpfen Sie f�r diese Leute? Und warum k�mpfen Sie zusammen mit uns?�</p><p>�Wir sind <emphasis>Menschen</emphasis>, Lieutenant�, sagte Mendel. �Wir sind nicht weniger menschlich als Sie.�</p><p>�In Anbetracht des derzeitigen Zustandes meiner DNS besagt das nicht viel�, entgegnete ich.</p><p>�Sie wissen, dass Sie ein Mensch sind�, sagte Mendel. �Und uns geht es genauso. Wir wissen, wie die KVA ihre Rekruten ausw�hlt. Auch Sie k�mpfen f�r Kolonisten, denen Sie nie pers�nlich begegnet sind&#x25E6;� die irgendwann sogar Feinde Ihres Heimatlandes waren. Warum k�mpfen <emphasis>Sie</emphasis> f�r diese Leute?�</p><p>�Weil sie Menschen sind und weil ich gesagt habe, dass ich es tun w�rde�, antwortete ich. �Zumindest war das zu Anfang mein Beweggrund. Jetzt k�mpfe ich nicht mehr f�r die Kolonisten. Ich meine, ich tue es schon, aber letzten Endes k�mpfe ich f�r meine Kompanie und meinen Trupp&#x25E6;� oder habe daf�r gek�mpft. Ich habe das Leben meiner Leute gesch�tzt und sie meines. Ich habe gek�mpft, weil ich sie im Stich gelassen h�tte, wenn ich es nicht getan h�tte.�</p><p>Mendel nickte. �Das ist auch der Grund, warum wir k�mpfen, Lieutenant�, sagte er. �Das ist also eine Gemeinsamkeit, die uns alle menschlich macht. Das ist gut zu wissen.�</p><p>�Das ist es�, stimmte ich ihm zu. Mendel grinste und nahm seine Gabel. Als er zu essen begann, setzte auch das Geklapper der Esswerkzeuge im ganzen Raum wieder ein. Ich blickte auf und sah, wie Jane aus einer entfernten Ecke zu mir her�berschaute.</p><empty-line/><p>Bei der morgendlichen Besprechung kam Major Crick sofort zur Sache. �Der Geheimdienst der KVA ist der Ansicht, dass die Rraey Schwindler sind�, sagte er. �Und der erste Teil unserer Mission wird darin bestehen, diese Vermutung zu �berpr�fen. Dazu werden wir den Consu einen Besuch abstatten.�</p><p>Das machte mich endg�ltig wach. Und ich schien nicht der Einzige zu sein, dem es so ging. �Was, zum Teufel, haben die Consu damit zu tun?�, fragte Lieutenant Tagore, der unmittelbar links neben mir sa�.</p><p>Crick nickte Jane zu. �Auf Anweisung von Major Crick und anderen�, sagte Jane, �habe ich die bisherigen Begegnungen zwischen der KVA und den Rraey etwas gr�ndlicher untersucht, um zu sehen, ob es irgendwelche Hinweise auf eine neuere technische Entwicklung gibt. In den letzten hundert Jahren kam es zu zw�lf bedeutenden milit�rischen Auseinandersetzungen mit den Rraey und mehreren Dutzend kleinerer Scharm�tzel, einschlie�lich einer ernsthaften und sechs kleinerer Begegnungen in den letzten f�nf Jahren. W�hrend des gesamten Zeitraums lag der technische Entwicklungsstand der Rraey deutlich unter unserem. Das l�sst sich auf mehrere Faktoren zur�ckf�hren, unter anderem auf die mangelnde Neigung ihrer Zivilisation, den technischen Fortschritt systematisch voranzutreiben, und ihre gering ausgepr�gte Bereitschaft, friedliche Kontakte zu technisch weiter fortgeschrittenen V�lkern herzustellen.�</p><p>�Mit anderen Worten, sie sind r�ckst�ndig und verbohrt�, sagte Major Crick.</p><p>�Das trifft vor allem f�r die Skip-Technologie zu�, sagte Jane. �Bis zur Schlacht von Coral waren die Skip-Antriebe der Rraey unseren weit unterlegen. Ihr gegenw�rtiger Wissensstand �ber die Skip-Physik basiert sogar direkt auf Informationen, die sie vor etwas mehr als einem Jahrhundert von der KVA erhalten haben, w�hrend einer sp�ter abgebrochenen Handelsmission.�</p><p>�Warum wurde sie abgebrochen?�, fragte Captain Jung von der anderen Seite des Tisches.</p><p>�Weil die Rraey etwa ein Drittel der Handelsvertreter gegessen haben�, sagte Jane.</p><p>�Autsch�, sagte Captain Jung.</p><p>�Es geht darum�, sagte Major Crick, �dass die Rraey in Anbetracht ihrer Mentalit�t und ihres Entwicklungsstandes diesen R�ckstand unm�glich aus eigener Kraft �berwunden haben k�nnen. Deshalb liegt die Vermutung nahe, dass sie die technische Voraussetzung f�r eine Vorhersage des Eintrittspunktes von einer anderen Spezies erhalten haben. Wir wissen alles, was die Rraey wissen, und es gibt nur eine Spezies, von der wir vermuten k�nnen, dass sie im Besitz einer solchen Technologie ist.�</p><p>�Die Consu�, sagte Tagore.</p><p>�Die Consu�, best�tigte Crick. �Diese Mistkerle benutzen einen wei�en Zwerg als Taschenlampenbatterie. Also k�nnte es durchaus sein, dass sie es geschafft haben, einen Skip-Antrieb durch Tachyonendetektion zu orten.�</p><p>�Aber warum sollten sie den Rraey eine solche Technik zur Verf�gung stellen?�, fragte Lieutenant Dalton, der fast am Ende des Tisches sa�. �Sie lassen sich doch nur auf uns ein, wenn sie sich ein wenig sportlich bet�tigen wollen, und wir sind technisch viel weiter fortgeschritten als die Rraey.�</p><p>�Der Punkt ist, dass die Consu weniger durch technologische Aspekte motiviert sind als wir�, sagte Jane. �Unsere Technik ist f�r sie genauso wertlos wie f�r uns die Geheimnisse einer Dampfmaschine. Wir glauben, dass sie durch ganz andere Faktoren motiviert werden.�</p><p>�Religion�, sagte ich. Alle Augen blickten in meine Richtung, und ich kam mir pl�tzlich wie ein Chorjunge vor, der w�hrend eines Gottesdienstes gefurzt hatte. �Ich meine damit, als meine Kompanie gegen die Consu k�mpfte, begannen sie die Schlacht mit einem Gebet. Damals sagte ich zu einem Freund, dass ich glaube, die Consu w�rden den Planeten quasi mit dem Kampf segnen.� Die Blicke wurden noch intensiver. �Nat�rlich k�nnte ich mich auch t�uschen.�</p><p>�Sie t�uschen sich keineswegs�, sagte Crick. �In der KVA wird schon seit einiger Zeit diskutiert, warum die Consu �berhaupt Krieg f�hren, da kein Zweifel besteht, dass sie jede raumfahrende Zivilisation in dieser Region der Galaxis ohne gro�e Schwierigkeiten vollst�ndig ausl�schen k�nnten. Die vorherrschende Ansicht l�uft darauf hinaus, dass sie es zur Unterhaltung tun, so wie wir Baseball oder Fu�ball spielen.�</p><p>�<emphasis>Wir</emphasis> spielen nie Baseball oder Fu�ball�, sagte Tagore.</p><p>�Aber andere Menschen tun es, Sie Schwachkopf�, sagte Crick mit einem Grinsen, bevor er wieder ernst wurde. �Eine nicht unerhebliche Minderheit im Geheimdienst der KVA glaubt, dass ihre Schlachten einen rituellen Hintergrund haben, wie Lieutenant Perry soeben angedeutet hat. Die Rraey k�nnen vielleicht nicht auf der technischen Ebene mit den Consu ins Gesch�ft kommen, aber es w�re denkbar, dass sie etwas anderes haben, an dem die Consu interessiert sind. F�r eine solche Technik w�rden sie vielleicht ihre Seelen verkaufen.�</p><p>�Aber die Rraey sind selber religi�se Fanatiker�, sagte Dalton. �Das war doch der Hauptgrund, warum sie Coral �berhaupt angegriffen haben.�</p><p>�Sie haben mehrere Kolonien, von denen einige begehrenswerter als andere sind�, sagte Jane. �Auch wenn sie Fanatiker sind, k�nnte es f�r sie ein gutes Gesch�ft sein, eine ihre weniger erfolgreichen Kolonien gegen Coral zu tauschen.�</p><p>�Was aber nicht so gut f�r die Rraey w�re, die in der abgetretenen Kolonie wohnen�, sagte Dalton.</p><p>�Wen w�rde es interessieren, was <emphasis>diese</emphasis> Rraey denken?�, sagte Crick.</p><p>�Die Consu haben den Rraey eine Technik verkauft, mit der sie einen bedeutenden Vorsprung �ber alle anderen Spezies in diesem Teil der Galaxis errungen haben�, sagte Jung. �Selbst f�r die m�chtigen Consu muss eine solche Verschiebung des Machtgleichgewichts sp�rbare Folgen haben.�</p><p>�Es seid denn, die Consu haben die Rraey �bers Ohr gehauen�, sagte ich.</p><p>�Wie meinen Sie das?�, fragte Jung.</p><p>�Wir gehen davon aus, dass die Consu den Rraey die technischen Kenntnisse vermittelt haben, um die Ger�te bauen zu k�nnen, mit denen sich skippende Schiffe orten lassen�, sagte ich. �Aber es w�re genauso gut m�glich, dass sie den Rraey nur ein einziges Ger�t mit einer Gebrauchsanweisung oder so gegeben haben, damit sie es bedienen k�nnen. Auf diese Weise h�tten die Rraey, was sie wollen, das hei�t, sie k�nnten Coral gegen unsere Angriffe verteidigen, w�hrend die Consu das Machtgleichgewicht im gr��eren Ma�stab kaum ver�ndert h�tten.�</p><p>�Solange die Rraey nicht herausfinden, wie das verdammte Ding funktioniert�, sagte Jung.</p><p>�In Anbetracht ihres technischen Entwicklungsstands k�nnte das Jahre dauern�, sagte ich. �Damit h�tten wir ausreichend Zeit, ihnen in den Arsch zu treten und ihnen diese Technik zu klauen. <emphasis>Falls</emphasis> die Technik wirklich von den Consu stammt. <emphasis>Falls</emphasis> die Consu ihnen nur eine einzige Maschine gegeben haben. <emphasis>Falls</emphasis> den Consu das Machtgleichgewicht wirklich egal ist. F�r meinen Geschmack sind das ziemlich viele Eventualit�ten.�</p><p>�Also werden wir uns bem�hen, eine Antwort auf diese Unklarheiten zu finden, wenn wir bei den Consu vorbeischauen�, sagte Crick. �Wir haben bereits eine Skip-Drohne zu ihnen geschickt, damit sie wissen, dass wir kommen. Dann werden wir mal sehen, was wir aus ihnen herausbekommen.�</p><p>�Welche Kolonie wollen wir ihnen anbieten?�, erkundigte sich Dalton. Es war nicht zu erkennen, ob die Frage als Scherz gemeint war oder nicht.</p><p>�Keine Kolonie�, sagte Crick. �Wir haben etwas ganz anderes, das sie dazu verleiten k�nnte, uns eine Audienz zu gew�hren.�</p><p>�Was w�re das?�, fragte Dalton.</p><p>�Er�, sagte Crick und zeigte auf mich.</p><p>�Er?�, fragte Dalton zur�ck.</p><p>�Ich?�, fragte ich.</p><p>�Sie�, sagte Jane.</p><p>�Mit einem Mal empfinde ich Verwirrung und Ver�ngstigung�, sagte ich.</p><p>�Durch Ihre Doppelschusstechnik war es der KVA m�glich, in k�rzester Zeit mehrere tausend Consu zu t�ten�, sagte Jane. �Bei fr�heren Gelegenheiten waren die Consu stets sehr angetan von Delegationen, die von einem KVA-Soldaten begleitet wurden, der in einer Schlacht viele Consu t�ten konnte. Da es eindeutig Ihre Idee war, denen diese Consu-K�mpfer ihr schnelles Ende zu verdanken hatten, gehen all diese Toten auf Ihr Konto.�</p><p>�An Ihren H�nden klebt das Blut von 8443 Consu�, sagte Crick.</p><p>�Gro�artig�, sagte ich.</p><p>�Es ist in der Tat gro�artig�, sagte Crick. �Damit werden Sie uns die T�r �ffnen.�</p><p>�Was wird aus mir, nachdem wir durch die offene T�r getreten sind?�, fragte ich.�Stellen Sie sich vor, was wir mit einem Consu tun w�rden, der achttausend Menschen auf dem Gewissen hat.�</p><p>�Die Consu gehen mit so etwas ganz anders um als wir�, sagte Jane. �Ihnen d�rfte nichts passieren.�</p><p>�Das will ich hoffen�, sagte ich.</p><p>�Die Alternative w�re, vom Himmel geschossen zu werden, wenn wir im System der Consu auftauchen�, sagte Crick.</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich. �Es w�re nett gewesen, wenn Sie mir etwas mehr Zeit gegeben h�tten, mich an diese Vorstellung zu gew�hnen.�</p><p>�Die Situation hat sich sehr schnell entwickelt�, sagte Jane gelassen. Und pl�tzlich erhielt ich eine BrainPal-Nachricht: <emphasis>Vertrau mir</emphasis>. Ich sah zu Jane hin�ber, die meinen Blick v�llig ruhig erwiderte. Ich nickte und best�tigte die eine Botschaft, w�hrend ich scheinbar die andere meinte.</p><p>�Was tun wir, nachdem sie damit fertig sind, Lieutenant Perry zu bewundern?�, fragte Tagore.</p><p>�Wenn alles in etwa so verl�uft wie bei fr�heren Begegnungen, erhalten wir die Gelegenheit, den Consu bis zu f�nf Fragen zu stellen�, sagte Jane. �Die genaue Anzahl der Fragen wird durch einen Wettkampf zwischen f�nf von uns und f�nf von ihnen entschieden. Es k�mpft immer nur einer gegen einen. Die Consu verzichten auf Waffen, aber unsere Leute d�rfen sich mit einem Messer bewaffnen, um unseren Mangel an Sensenarmen auszugleichen. Was wir uns bewusst machen sollten, ist die Tatsache, dass die Consu, gegen die wir bisher bei diesem Ritual gek�mpft haben, in Ungnade gefallene Soldaten oder Kriminelle waren, denen auf diese Weise die Gelegenheit geboten wurde, ihre Ehre wiederherzustellen. Daraus ergibt sich, dass sie mit gro�er Entschlossenheit k�mpfen werden. Die Anzahl der gewonnenen K�mpfe entscheidet �ber die Anzahl der Fragen, die wir anschlie�end stellen d�rfen.�</p><p>�Und wer hat den Kampf gewonnen?�, fragte Tagore.</p><p>�Derjenige, der seinen Gegner t�tet�, sagte Jane.</p><p>�Faszinierend�, sagte Tagore.</p><p>�Es gibt noch eine weitere Regel�, sagte Jane. �Die Consu suchen sich die K�mpfer aus unseren Reihen aus. Das Protokoll erfordert also, dass wir mit mindestens dem Dreifachen der m�glichen Kampfpartner antreten. Vom Kampf ausgeschlossen ist einzig der Anf�hrer der Delegation, und das sollte jemand sein, der eine zu hohe Stellung hat, um gegen Verbrecher und Versager der Consu zu k�mpfen.�</p><p>�Perry, Sie werden die Delegation f�hren�, sagte Crick. �Da Sie es waren, der achttausend von den Mistk�fern get�tet hat, haben Sie in ihren Augen die h�chste Stellung. Au�erdem sind Sie hier der einzige Nichtangeh�rige der Spezialeinheit, und Ihnen fehlen die erh�hte Reaktionsgeschwindigkeit und modifizierte Kampfkraft, �ber die alle anderen verf�gen. Falls Sie ausgew�hlt werden sollten, k�nnte es sein, dass Sie tats�chlich verlieren.�</p><p>�Ich bin ger�hrt, wie sehr Sie sich um mich sorgen�, sagte ich.</p><p>�Darum geht es nicht�, sagte Crick. �Wenn unser gro�er Star von einem ordin�ren Verbrecher get�tet wird, k�nnte das unsere Chancen gef�hrden, die Consu zu einer Kooperation zu bewegen.�</p><p>�Okay�, sagte ich. �Eine Sekunde lang bin ich der Illusion aufgesessen, Sie k�nnten weich geworden sein.�</p><p>�Bl�dsinn�, sagte Crick und sch�ttelte den Kopf. �Uns bleiben noch dreiundvierzig Stunden, bis wir die Skip-Distanz erreicht haben. Unsere Delegation wird aus vierzig Personen bestehen, einschlie�lich aller Truppf�hrer. Ich werde die �brigen Teilnehmer aussuchen. Das bedeutet, dass Sie zwischen jetzt und dann Ihre Soldaten im Nahkampf trainieren werden. Perry, ich habe Ihnen das Delegationsprotokoll �berspielt. Gehen Sie es genau durch, und verpatzen Sie nichts. Kurz nach dem Skip werden wir beide uns treffen, damit ich Ihnen die Fragen geben kann, die wir stellen wollen, und die Reihenfolge, in der wir sie stellen sollten. Wenn wir gut sind, haben wir f�nf Fragen, aber wir m�ssen auf den Fall vorbereitet sein, dass es weniger sind. Und jetzt an die Arbeit, Leute. Sie sind entlassen.�</p><empty-line/><p>W�hrend der dreiundvierzig Stunden erz�hlte ich Jane alles �ber Kathy. Jane kam immer wieder kurz zu mir, fragte, h�rte zu und verschwand wieder, um ihren Pflichten nachzugehen. Es war eine seltsame Methode, sehr pers�nliche Informationen weiterzugeben.</p><p>�Erz�hl mir von ihr�, forderte sie mich auf, als ich auf einem Aussichtsdeck das Protokoll studierte.</p><p>�Wir haben uns schon in der ersten Klasse kennengelernt�, sagte ich und musste ihr dann das Klassensystem erkl�ren. Ich erz�hlte ihr von meiner fr�hesten Erinnerung an Kathy. Im Kunstunterricht, der f�r die ersten und zweiten Klassen gemeinsam veranstaltet wurde, hatte ich mir f�r eine Papierkonstruktion Klebstoff von ihr geborgt. Sie erwischte mich, als ich ein bisschen vom Klebstoff a�, und sagte mir, dass ich ein widerlicher Typ sei. Daf�r schlug ich sie, worauf sie mir einen Faustschlag aufs Auge verpasste. Sie wurde einen Tag lang vom Schulbesuch ausgeschlossen. Wir sprachen erst in der Mittelstufe wieder miteinander.</p><p>�Wie alt ist man in der ersten Klasse?�, fragte sie.</p><p>�Sechs Jahre�, sagte ich. �Genauso wie du jetzt.�</p><p>�Erz�hl mir mehr �ber sie�, forderte sie mich ein paar Stunden sp�ter an einem ganz anderen Ort auf.</p><p>�Einmal h�tte Kathy sich fast von mir scheiden lassen�, sagte ich. �Wir waren seit zehn Jahren verheiratet, und ich hatte eine Aff�re mit einer anderen Frau. Als Kathy davon erfuhr, hat sie sich furchtbar aufgeregt.�</p><p>�Warum hat es sie gest�rt, dass du mit jemand anderem Sex hattest?�, wollte Jane wissen.</p><p>�Es ging eigentlich gar nicht um den Sex�, sagte ich. �Sondern darum, dass ich sie belogen hatte. F�r sie war ein Seitensprung nicht mehr als eine hormonelle Schw�che. L�gen jedoch fiel unter Respektlosigkeit, und sie wollte nicht mit jemandem verheiratet sein, der keinen Respekt vor ihr hatte.�</p><p>�Warum habt ihr euch nicht scheiden lassen?�</p><p>�Weil ich sie trotz der Aff�re liebte und sie mich auch�, sagte ich. �Wir haben uns wieder vertragen, weil wir zusammenbleiben wollten. Au�erdem hatte sie ein paar Jahre sp�ter selber eine Aff�re, sodass wir am Ende wohl quitt waren. Danach kamen wir sogar besser miteinander zurecht.�</p><p>�Erz�hl mir von ihr�, bat mich Jane, wieder ein paar Stunden sp�ter.</p><p>�Kathys Obsttorten waren einfach unglaublich�, sagte ich. �Sie hatte ein Rezept f�r eine Erdbeer-Rhabarber-Torte, die einen einfach umhaute. Irgendwann gab es einen gro�en Tortenbackwettbewerb, bei dem der Gouverneur von Ohio der Schiedsrichter war. Der erste Preis war ein nagelneuer Backofen.�</p><p>�Hat sie gewonnen?�</p><p>�Nein, sie wurde Zweite, wof�r es einen Hundert-Dollar-Geschenkgutschein f�r ein M�belhaus gab. Aber eine Woche sp�ter rief das B�ro des Gouverneurs an. Sein Assistent erkl�rte Kathy, dass er den Preis aus politischen Gr�nden der Frau des besten Freundes eines wichtigen Sponsors geben musste. Aber seit der Gouverneur ein St�ck von Kathys Torte gegessen hatte, sprach er pausenlos davon, wie gut sie gewesen war. Ob sie bitte eine Torte f�r ihn backen k�nnte, damit er endlich Ruhe gab?�</p><p>�Erz�hl von ihr�, sagte Jane.</p><p>�Es war im ersten Jahr an der Highschool, als mir zum ersten Mal klar wurde, dass ich mich in sie verliebt hatte�, sagte ich. �An unserer Schule sollte <emphasis>Romeo und Julia</emphasis> inszeniert werden, und sie bekam die Rolle der Julia. Ich war Regieassistent, was die meiste Zeit darauf hinauslief, dass ich Kulissen bauen und Kaffee f�r Mrs. Amos holen musste, die Lehrerin, die die Regie �bernommen hatte. Doch als Kathy leichte Schwierigkeiten hatte, ihren Text zu behalten, wurde ich von Mrs. Amos beauftragt, mit ihr zu �ben. Also gingen Kathy und ich in den n�chsten zwei Wochen nach den Proben zu ihr nach Hause und arbeiteten an ihrer Rolle, obwohl wir die meiste Zeit �ber andere Dinge redeten, wie es Jugendliche halt machen. Zu dieser Zeit war das alles noch sehr unschuldig. Dann kamen die Kost�mproben f�r das St�ck, und ich h�rte, wie Kathy all diese wunderbaren Worte zu Jeff Greene sagte, der den Romeo spielte. Ich wurde furchtbar eifers�chtig. Eigentlich sollte sie diese Worte zu <emphasis>mir</emphasis> sagen.�</p><p>�Was hast du getan?�, fragte Jane.</p><p>�Ich war die ganze Zeit frustriert, w�hrend das St�ck gespielt wurde, vier Auff�hrungen von Freitagabend bis Sonntagnachmittag, und ich gab mir alle M�he, Kathy aus dem Weg zu gehen. Dann, auf der Abschlussparty am Sonntagabend, kam Judy Jones zu mir, die Julias Amme gespielt hatte, und sagte, dass Kathy vor dem Lieferanteneingang der Cafeteria hockte und sich die Augen ausheulte. Sie dachte, ich k�nnte sie nicht mehr ausstehen, weil ich w�hrend der ganzen vier Tage kein Wort mit ihr geredet hatte. Judy sagte, wenn ich nicht sofort zu ihr gehen und ihr sagen w�rde, dass ich sie liebe, w�rde sie eine Schaufel suchen und mich damit totpr�geln.�</p><p>�Woher wusste sie, dass du in Kathy verliebt warst?�, fragte Jane.</p><p>�Wenn man sich als Jugendlicher verliebt, ist es f�r jeden offensichtlich, au�er einem selbst und dem Menschen, den man liebt. Frag mich nicht, warum das so ist. Es ist einfach so. Also ging ich zum Lieferanteneingang und sah Kathy dort sitzen. Ihre Beine baumelten von der Laderampe. Es war Vollmond, der genau auf ihr Gesicht schien, und ich glaube, sie war f�r mich niemals sch�ner als in dieser Nacht. Und mir ging das Herz �ber, weil ich wusste, mit absoluter Sicherheit wusste, dass ich sie so sehr liebte, dass ich ihr niemals sagen konnte, wie sehr ich sie begehrte.�</p><p>�Was hast du gemacht?�, fragte Jane.</p><p>�Geschummelt�, sagte ich. �Denn zuf�llig hatte ich immer noch l�ngere Passagen aus <emphasis>Romeo und Julia</emphasis> im Kopf. Ich ging also �ber die Laderampe zu ihr und trug ihr Akt zwei, Szene zwei vor. �Doch still, was schimmert durch das Fenster dort? Es ist der Ost, und Julia die Sonne!&#x25E6;� Geh auf, du holde Sonn!� und so weiter. Vorher hatte ich die Worte nur auswendig gelernt, aber in diesem Moment sp�rte ich, was sie wirklich <emphasis>bedeuteten</emphasis>. Und nachdem ich zu Ende gesprochen hatte, ging ich zu ihr und k�sste sie zum ersten Mal. Sie war f�nfzehn, ich war sechzehn, und ich wusste, dass ich sie heiraten und mein Leben mit ihr verbringen w�rde.�</p><p>�Erz�hl mir, wie sie starb�, sagte Jane kurz vor dem Skip ins Consu-System.</p><p>�Eines Sonntagvormittags machte sie Waffeln und erlitt einen Schlaganfall, w�hrend sie nach der Vanille suchte. Ich war zu diesem Zeitpunkt im Wohnzimmer. Ich h�rte noch, wie sie sich fragte, wohin sie die Vanille getan hat, und im n�chsten Moment folgte ein Klappern und ein dumpfer Schlag. Ich lief in die K�che, und da lag sie am Boden, zitternd und aus der Wunde blutend, wo sie mit dem Kopf gegen die Anrichte gesto�en war. Ich rief den Notarzt, w�hrend ich sie in den Armen hielt. Ich versuchte die Blutung zu stillen, und ich sagte ihr, wie sehr ich sie liebte. Ich redete die ganze Zeit auf sie ein, bis die Sanit�ter kamen und sie mir wegnahmen, obwohl ich w�hrend der Fahrt ins Krankenhaus ihre Hand halten durfte. Ich hielt ihre Hand, als sie noch im Krankenwagen starb. Ich sah, wie das Licht in ihren Augen erlosch, aber ich sagte ihr immer noch, wie sehr ich sie liebte, bis man uns im Krankenhaus voneinander trennte.�</p><p>�Warum hast du das getan?�, fragte Jane.</p><p>�Ich wollte, dass es die letzten Worte waren, die sie h�rte.�</p><p>�Wie ist es, wenn man jemanden verliert, den man liebt?�</p><p>�Man selber stirbt ebenfalls�, sagte ich. �Und man wartet nur noch, bis der K�rper den gleichen Weg geht.�</p><p>�Ist es das, was du jetzt tust?�, sagte Jane. �Darauf zu warten, dass auch dein K�rper stirbt?�</p><p>�Nein, jetzt nicht mehr�, sagte ich. �Irgendwann f�ngt man wieder an zu leben. Nur dass es ein anderes Leben ist.�</p><p>�Also ist das schon dein drittes Leben�, sagte Jane.</p><p>�So scheint es.�</p><p>�Wie gef�llt dir dieses Leben?�, fragte Jane.</p><p>�Ganz gut�, sagte ich. �Ich mag die Menschen, mit denen ich zu tun habe.�</p><p>Hinter dem Fenster gruppierten sich die Sterne um. Wir waren im Consu-System. Wir sa�en schweigend da und passten uns der Stille im �brigen Schiff an.</p></section><section><title><p>16</p></title><p>�Sie d�rfen mich als Botschafter anreden, obgleich ich dieses Titels unw�rdig bin�, sagte der Consu. �Ich bin ein Verbrecher, der sich in der Schlacht auf Pahnshu entw�rdigte, und deshalb bin ich gezwungen, in Ihrer Sprache mit Ihnen zu reden. Aufgrund dieser Schande sehne ich mich nach dem Tod und einer gerechten Bestrafungsdauer, bevor ich wiedergeboren werde. Ich hoffe, im Verlauf dieser Gespr�che erweist sich, dass ich noch unw�rdiger bin und bald durch den Tod erl�st werden muss. Deshalb beschmutze ich mich, indem ich mich mit Ihnen unterhalte.�</p><p>�Auch ich finde es nett, Sie kennen zu lernen�, sagte ich.</p><p>Wir standen im Zentrum einer fu�ballplatzgro�en Kuppel, die die Consu erst vor weniger als einer Stunde erbaut hatten. Nat�rlich durfte uns Menschen nicht gestattet werden, den Boden von Consu zu betreten oder sich irgendwo aufzuhalten, wo sich anschlie�end wieder Consu aufhalten w�rden. Nach unserer Ankunft war die Kuppel von automatischen Anlagen in einem Sektor des Systems errichtet worden, der als abgeschotteter Empfangsbereich f�r unwillkommene Besucher diente, wie wir es waren. Wenn die Verhandlungen abgeschlossen waren, w�rde man die Kuppel in sich zusammenst�rzen lassen und in das n�chste Schwarze Loch werfen, damit kein einziges ihrer Atome je wieder dieses Universum beschmutzte. Vor allem den letzten Teil hielt ich f�r reichlich �bertrieben.</p><p>�Uns ist bekannt, dass Sie uns einige Fragen bez�glich der Rraey stellen m�chten�, sagte der Botschafter, �und dass Sie sich den Ritualen unterziehen wollen, mit denen Sie sich die Ehre verdienen k�nnen, sie an uns richten zu d�rfen.�</p><p>�So ist es�, sagte ich. F�nfzehn Meter hinter mir standen neununddrei�ig f�r den Kampf gekleidete Soldaten der Spezialeinheit in milit�risch korrekter Haltung. Nach unseren Informationen w�rden die Consu diese Begegnung nicht als Treffen zwischen gleichwertigen Partnern betrachten, sodass wir auf diplomatische Nettigkeiten weitgehend verzichten konnten. Au�erdem mussten unsere Leute auf den Kampf vorbereitet sein, da jeder von ihnen ausgew�hlt werden konnte. Ich hatte mich ebenfalls ein bisschen in Schale geschmissen, aber das war einzig und allein meine Sache. Wenn ich schon so tun sollte, als w�re ich der Anf�hrer dieser kleinen Delegation, wollte ich die Rolle wenigstens einigerma�en �berzeugend spielen.</p><p>In gleicher Entfernung standen f�nf weitere Consu hinter dem Botschafter. Alle hielten jeweils zwei lange, gef�hrlich aussehende Messer bereit. Es w�re �berfl�ssig gewesen, mich nach ihrer Aufgabe zu erkundigen.</p><p>�Mein gro�es Volk erkennt an, dass Sie auf korrekte Weise um die Durchf�hrung unserer Rituale gebeten haben und gem�� der Anforderungen erschienen sind�, sagte der Botschafter. �Dennoch h�tten wir Ihre Bitte als unw�rdig abgelehnt, w�re unter Ihnen nicht jemand gewesen, der unsere Krieger auf so ehrenhafte Weise in den Zyklus der Wiedergeburt geleitet hat. Sind Sie dieser Mensch?�</p><p>�Der bin ich�, sagte ich.</p><p>Der Consu musterte mich einen Moment lang aufmerksam. �Seltsam, dass ein gro�er Krieger einen solchen �u�eren Eindruck erweckt�, sagte er.</p><p>�Das geht mir manchmal genauso�, sagte ich. Nach unseren Informationen w�rden die Consu unserem Ansinnen Folge leisten, ganz gleich, wie wir uns w�hrend der Verhandlungen auff�hrten. Hauptsache, wir hielten uns an die Kampfregeln. Also war es kein Problem, wenn ich etwas flapsig antwortete. Es schien sogar so zu sein, dass es den Consu lieber war, weil es ihr Gef�hl der �berlegenheit verst�rkte. Alles, was sie wollten.</p><p>�F�nf Kriminelle wurden ausgew�hlt, um sich mit Ihren Soldaten zu messen�, sagte der Botschafter. �Da es den Menschen an einigen k�rperlichen Attributen der Consu mangelt, bieten wir Ihren Soldaten eine Auswahl von Messern. Unsere K�mpfer f�hren sie mit sich und werden ihren Gegner dadurch erw�hlen, dass sie ihnen die Messer �berreichen.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich.</p><p>�Sollte Ihr Soldat den Kampf �berleben, darf er die Messer als Zeichen des Sieges behalten.�</p><p>�Danke�, sagte ich.</p><p>�Wir m�chten sie nicht zur�ckhaben, weil sie danach unrein sind.�</p><p>�Das habe ich kapiert.�</p><p>�Nach dem Wettkampf werden wir so viele Fragen beantworten, wie Sie sich verdient haben�, sagte der Botschafter. �Jetzt wollen wir die Gegner ausw�hlen.� Der Consu stie� ein Kreischen aus, das Steine zum Zerspringen gebracht h�tte, und die f�nf Consu hinter ihm traten vor. Sie gingen mit gez�ckten Messern an ihm und mir vorbei und auf unsere Soldaten zu.</p><p>Keiner von ihnen zuckte. Das war Disziplin!</p><p>Die Consu brauchten nicht lange f�r die Auswahl. Sie marschierten geradeaus und dr�ckten die Messer den Leuten in die H�nde, die genau vor ihnen standen. F�r sie war ein Mensch wie jeder andere. Die Erw�hlten waren Corporal Mendel, den ich aus der Messe kannte, die Gefreiten Joe Goodall und Jennifer Aquinas, Sergeant Fred Hawking und Lieutenant Jane Sagan. Alle nahmen wortlos die Messer an. Die Consu zogen sich hinter den Botschafter zur�ck, w�hrend die �briggebliebenen aus unserer Gruppe mehrere Meter hinter die Auserw�hlten zur�ckwichen.</p><p>�Sie geben das Zeichen f�r den Beginn der K�mpfe�, sagte der Botschafter, dann entfernte er sich aus dem Zentrum des Raumes. Jetzt waren nur noch ich und zwei Reihen von K�mpfern �brig, die im Abstand von f�nfzehn Metern darauf warteten, sich gegenseitig umzubringen. Ich trat ein wenig zur Seite und zeigte auf den Soldaten und den Consu, die mir am n�chsten waren.</p><p>�Fangen Sie an�, sagte ich.</p><p>Der Consu entfaltete die Sensenarme und offenbarte die flachen, scharfen Schneiden aus modifizierter Panzerung sowie die kleineren, fast menschlich wirkenden sekund�ren Arme mit H�nden. Er stie� einen markersch�tternden Schrei aus und trat vor. Corporal Mendel lie� eins der Messer fallen, nahm das andere in die linke Hand und ging direkt auf den Consu los. Als sie sich auf drei Meter gen�hert hatten, war pl�tzlich alles nur noch ein verwischtes Durcheinander. Zehn Sekunden sp�ter hatte Corporal Mendel einen Schnitt quer �ber den Brustkorb, der bis auf die Knochen ging, und dem Consu steckte ein Messer in der weichen Stelle, wo sich Kopf und K�rperpanzer trafen. Mendel hatte sich die Wunde zugezogen, als er sich vom Consu packen lie�, wobei er die Verletzung in Kauf nahm, um an die offensichtlichste Schwachstelle seines Gegners zu gelangen. Der Consu zuckte, als Mendel die Klinge drehte und den Nervenstrang des Aliens mit einem Ruck zerschnitt. Dadurch wurden, das sekund�re Nervenzentrum im Kopf vom Prim�rgehirn im Thorax getrennt und mehrere Blutgef��e in Mitleidenschaft gezogen. Der Consu brach zusammen. Mendel zog das Meser heraus und ging zu seinen Kameraden von der Spezialeinheit, w�hrend er mit dem rechten Arm seine Schnittwunde zusammendr�ckte.</p><p>Ich gab Goodall und seinem Gegner das Zeichen. Goodall grinste und sprang t�nzelnd vor. Mit beiden H�nden hielt er die Messer unten und mit den Klingen nach hinten. Sein Consu bellte und griff an, mit dem Kopf voran und die Sensenarme ausgestreckt. Zun�chst parierte Goodall den Angriff, doch im letzten Moment tauchte er ab. Der Consu schlug nach unten, wobei er ein St�ck Haut und das Ohr von Goodalls Kopf abrasierte. Mit einem schnellen Sto� nach oben hackte Goodall dem Alien ein chitingepanzertes Bein ab. Es knackte wie eine Hummerschere und flog senkrecht in der Bewegungsrichtung des Hiebs davon. Der Consu neigte sich und kippte um.</p><p>Goodall vollf�hrte auf dem Hintern eine Drehung, warf beide Messer hoch und machte eine Rolle r�ckw�rts. Er landete rechtzeitig auf den F��en, um die Messer wieder auffangen zu k�nnen. Die linke Seite seines Kopfes war von dickem grauem Schorf bedeckt, aber Goodall l�chelte immer noch, als er wieder auf den Consu zusprang, der sich verzweifelt bem�hte, sich wieder aufzurichten. Er schlug mit den Armen nach Goodall, war aber zu langsam, w�hrend Goodall eine Pirouette drehte und das erste Messer mit einem R�ckw�rtshieb in den R�ckenpanzer des Consu rammte. Dann streckte er sich und versenkte auf dieselbe Weise das zweite Messer im Brustpanzer. Nun drehte sich Goodall um 180 Grad, sodass er neben dem Consu stand, packte beide Messergriffe und bewegte sie gleichzeitig, als w�rde er einen Teig umr�hren. Der Consu zuckte, als die aufgel�sten Bestandteile seines K�rpers durch die vordere und hintere �ffnung herausfielen, dann brach er endg�ltig zusammen. W�hrenddessen grinste Goodall die ganze Zeit und zog sich schlie�lich mit einem kleinen T�nzchen zur�ck. Er hatte offenkundig Spa� an der Sache gehabt.</p><p>Gefreite Aquinas t�nzelte nicht, und sie machte auch nicht den Eindruck, als h�tte sie Spa�. Sie und ihr Gegner umkreisten sich misstrauisch fast zwanzig Sekunden lang, bevor der Consu endlich losst�rmte. Dabei hob er die Sensenarme, als wollte er sie Aquinas wie Fleischerhaken in die Eingeweide rammen. Aquinas wich zur�ck und verlor das Gleichgewicht. Der Consu sprang sie an und fixierte ihren linken Arm, indem er ihn mit einem Sensenarm durch das weiche Gewebe zwischen Elle und Speiche aufspie�te. Den rechten Arm legte er an ihren Hals und bewegte die Hinterbeine, um sich in eine g�nstigere Position f�r einen Enthauptungsschlag zu bringen.</p><p>Als der Consu mit dem Sensenarm ausholte und auf Aquinas� Hals zielte, stie� sie einen lauten kehligen Schrei aus und stemmte sich gegen die Sense, die ihren Arm aufgespie�t hatte. Der Unterarm und die Hand wurden aufgeschlitzt, als das weiche Gewebe nachgab, dann kippte der Consu, als sie seinem Bewegungsimpuls folgte. Aquinas drehte sich im Griff des Gegners und rammte dann mit der rechten Hand das Messer in den Panzer des Consu. Dieser versuchte sie wegzusto�en, doch Aquinas schlang die Beine um den K�rper des Wesens und hielt sich fest. Der Consu konnte ein paarmal auf Aquinas� R�cken einstechen, bevor er starb, doch mit den Sensenarmen lie� sich in inmittelbarer N�he seines K�rpers nicht allzu viel ausrichten. Aquinas erhob sich von der Leiche ihres Gegners und schaffte noch die H�lfte des R�ckwegs zu ihren Leuten, bevor sie zusammenbrach und fortgetragen werden musste.</p><p>Nun verstand ich, warum man mich von den K�mpfen ausgeschlossen hatte. Es war nicht nur eine Frage von Tempo und Kraft, obwohl ich den Soldaten der Spezialeinheit in beiderlei Hinsicht deutlich unterlegen war. Sie wendeten Strategien an, die auf einer v�llig andersartigen Einstellung basierten, was man in Kauf zu nehmen bereit war. Ein normaler Soldat w�rde niemals einen Arm opfern, wie Aquinas es soeben getan hatte. Wenn man sieben Jahrzehnte mit dem Wissen gelebt hatte, dass Gliedma�en nicht zu ersetzen waren und der Verlust zum Tod f�hren konnte, tat man so etwas einfach nicht. F�r die Soldaten der Spezialeinheit jedoch war das kein Problem, weil sie sich jederzeit neue Arme oder Beine wachsen lassen konnten und weil sie wussten, dass die Verletzungstoleranz ihres K�rper wesentlich h�her als bei einem normalen Menschen war. Es war keineswegs so, dass diese Soldaten keine Angst hatten. Sie konnten diese Empfindung nur auf viel sp�ter verschieben.</p><p>Ich gab Sergeant Hawking und seinem Gegner das Zeichen, dass sie anfangen sollten. Dieser Consu entfaltete seine Sensenarme nicht, er marschierte nur in die Mitte der Kuppel und wartete auf seinen Widersacher. Hawking ging unterdessen geb�ckt auf ihn zu, vorsichtig einen Fu� vor den anderen setzend, um den richtigen Moment zum Angriff einsch�tzen zu k�nnen. Einen Schritt vor, anhalten, zur Seite treten, vorw�rts, anhalten und wieder einen Schritt vor. Bei einem dieser behutsamen, wohlbedachten, winzigen Schritte nach vorn schlug der Consu pl�tzlich zu, als w�rde er explodieren. Er spie�te Hawking mit beiden Sensenarmen auf, hob ihn empor und warf ihn in die Luft. Als er wieder herunterkam, schlug der Consu noch einmal auf ihn ein, trennte ihm den Kopf ab und zerteilte ihn in der K�rpermitte. Der Oberk�rper und die Beine flogen in unterschiedliche Richtungen davon, der Kopf landete genau vor dem Consu auf dem Boden. Der Alien musterte ihn einen Moment lang, dann spie�te er ihn mit der Spitze einer Sense auf und warf ihn der Menschengruppe entgegen. Er flog �ber sie hinweg und verspritzte Hirnmasse und SmartBlood, bis er mit einem feuchten Klatschen auf den Boden schlug.</p><p>W�hrend der vorausgegangenen vier K�mpfe hatte Jane ungeduldig gewartet und nerv�s mit ihren Messern gespielt. Jetzt trat sie kampfbereit vor, genauso wie ihr Gegner, der letzte Consu. Ich lie� die beiden anfangen. Der Consu griff sofort an und machte einen Schritt auf sie zu, wobei er die Sensenarme ausbreitete. Mit weit ge�ffneten Mandibeln stie� er einen kreischenden Kampfschrei aus, der die Kuppel zu sprengen drohte, worauf wir alle ins Vakuum hinausgerissen worden w�ren. In drei�ig Metern Entfernung blinzelte Jane, dann warf sie eins ihrer Messer in die aufgerissenen Kiefer. Im Wurf lag ausreichend Kraft, um die Klinge quer durch den Kopf des Consu zu treiben, bis der Griff vor der R�ckseite des Sch�delpanzers stecken blieb. Der gellende Kampfschrei wich unvermittelt den Ger�uschen, die ein dickes gro�es Insekt von sich gab, das am eigenen Blut und einem St�ck Metall erstickte. Der Consu versuchte noch, das Messer herauszuziehen, aber er war schon tot, bevor er die Bewegung vollenden konnte. Er kippte nach vorn um und verschied mit einem letzten gurgelnden Seufzer.</p><p>Ich ging zu Jane hin�ber. �Ich glaube nicht, dass die Messer auf diese Weise eingesetzt werden sollten�, sagte ich.</p><p>Sie zuckte die Achseln und drehte das zweite Messer in der Hand. �Niemand hat mir gesagt, dass ich es nicht tun darf�, erwiderte sie.</p><p>Der Botschafter der Consu trat wieder zu mir, wobei er seinen toten Artgenossen ausweichen musste. �Sie haben sich das Recht erk�mpft, vier Fragen zu stellen�, sagte er. �Sie d�rfen sie jetzt stellen.�</p><p>Vier Fragen waren mehr, als wir erwartet hatten. Wir hatten auf drei gehofft und uns auf zwei eingerichtet. Wir hatten die Consu f�r schwerere Gegner gehalten. Andererseits stellten ein toter Soldat und mehrere zerst�rte K�rperteile keineswegs eine totale Niederlage dar. Trotzdem&#x25E6;� man nahm, was man kriegen konnte. Vier Fragen waren ein guter Schnitt.</p><p>�Haben die Consu den Rraey die n�tige Technik zur Verf�gung gestellt, um eintreffende Skip-Schiffe orten zu k�nnen?�, fragte ich.</p><p>�Ja�, antwortete der Botschafter, ohne diesen Punkt weiter auszuf�hren. Aber das war in Ordnung. Wir hatten ohnehin nicht damit gerechnet, dass die Consu uns mehr erz�hlen w�rden, als sie mussten. Aber dieses �Ja� beantwortete gleichzeitig mehrere andere Fragen. Wenn die Rraey die Technik von den Consu bekommen hatten, war es sehr unwahrscheinlich, dass sie das Funktionsprinzip verstanden hatten. Also mussten wir uns keine Sorgen machen, dass sie dieses technische Know-how anderen Spezies zur Verf�gung stellten.</p><p>�Wie viele Ger�te zur Ortung von Skip-Schiffen besitzen die Rraey?� Urspr�nglich hatten wir �berlegt, ob wir fragen sollten, wie viele davon die Consu den Rraey geliefert hatten, aber f�r den Fall, dass sie inzwischen weitere hergestellt hatten, w�re es besser, die Frage allgemeiner zu stellen.</p><p>�Eins�, sagte der Botschafter.</p><p>�Wie viele andere V�lker, die den Menschen bekannt sind, besitzen die F�higkeit, Skip-Schiffe zu orten?� Unsere dritte wichtige Frage. Wir gingen davon aus, dass die Consu viel mehr Spezies kannten als wir, also w�re eine allgemeinere Frage, wie viele Spezies diese Technik besa�en, ohne Nutzen f�r uns gewesen. Genauso w�re es mit der Frage gewesen, wem sonst sie diese Technik zur Verf�gung gestellt hatten, da irgendein anderes Volk sie aus eigener Kraft entwickelt haben konnte. Nicht jede Technik stammt urspr�nglich von einer weiter fortgeschrittenen Spezies. Gelegentlich kommen Intelligenzwesen von allein auf solche Dinge.</p><p>�Keins�, sagte der Botschafter. Ein weiterer Gl�ckstreffer f�r uns. Zumindest gab uns das etwas Zeit, uns zu �berlegen, wie wir das Problem l�sen konnten.</p><p>�Wir haben noch eine weitere Frage�, sagte Jane und gab mir ein Zeichen, dass ich mich wieder dem Botschafter zuwenden sollte, der geduldig auf meine letzte Frage wartete. Also dachte ich mir: <emphasis>Was soll�s?</emphasis></p><p>�Die Consu k�nnten die meisten Spezies in diesem Teil der Galaxis ausl�schen�, sagte ich. �Warum tun sie es nicht?�</p><p>�Weil wir Sie lieben�, sagte der Botschafter.</p><p>�Wie bitte?� Genau genommen w�re das eine f�nfte Frage gewesen, die der Consu nicht mehr h�tte beantworten m�ssen. Aber er tat es trotzdem.</p><p>�Wir verehren alles Leben, das das Potenzial zum <emphasis>Ungkat</emphasis> besitzt.� Wie er dieses Fremdwort aussprach, klang es wie eine Sto�stange, die an einer Mauer entlangschrammt. �Das ist die Teilnahme am gro�en Zyklus der Wiedergeburt. Wir sorgen uns um Sie, wir segnen Ihre Planeten, damit alle, die dort wohnen, im Zyklus wiedergeboren werden k�nnen. Wir empfinden es als unsere Pflicht, Ihr Wachstum zu bef�rdern. Die Rraey glauben, wir h�tten ihnen die Technik, nach der Sie fragten, zur Verf�gung gestellt, weil sie uns daf�r einen ihrer Planeten gegeben haben, aber das ist nicht der Fall. Wir haben die Chance erkannt, Ihre beiden Spezies der Vollkommenheit ein St�ck n�her zu bringen, und zu unserer Freude ist es uns gelungen.�</p><p>Der Botschafter entfaltete die Sensenarme, und wir sahen seine sekund�ren Arme mit den ge�ffneten H�nden, die er uns in einer fast flehenden Geste entgegenhielt. �Die Zukunft, in der Ihr Volk w�rdig ist, sich uns anzuschlie�en, ist jetzt viel n�her. Heute sind Sie noch unrein, und wir m�ssen Sie verachten, w�hrend wir Sie gleichzeitig lieben. Aber tr�sten Sie sich mit der Gewissheit, dass die Erl�sung eines Tages kommen wird. Ich selbst gehe jetzt in den Tod, denn ich bin unrein, weil ich in Ihrer Sprache zu Ihnen geredet habe, aber mir ist ein Platz im Zyklus garantiert, weil ich Ihr Volk auf dem gro�en Rad ein St�ck weitergebracht habe. Ich verachte Sie und ich liebe Sie, die Sie gleichzeitig meine Verdamnis und meine Erl�sung sind. Gehen Sie jetzt, damit wir diesen Ort vernichten k�nnen, und feiern Sie Ihre Weiterentwicklung. Gehen Sie.�</p><empty-line/><p>�Das gef�llt mir nicht�, sagte Lieutenant Tagore bei unserer n�chsten Besprechung, als meine Begleiter und ich unsere Erlebnisse berichtet hatten. �Das gef�llt mir ganz und gar nicht. Die Consu haben den Rraey diese Technik nur deshalb zur Verf�gung gestellt, damit sie uns fertigmachen k�nnen. Das hat die verdammte Wanze selbst gesagt. Sie lassen uns wie Marionetten herumtanzen. Vielleicht stecken sie den Rraey sogar, dass wir zu ihnen unterwegs sind.�</p><p>�Das w�re redundant�, sagte Captain Jung, �wenn man bedenkt, dass sie einen Skip-Detektor besitzen.�</p><p>�Sie wissen genau, was ich meine�, gab Tagore zur�ck. �Die Consu sind nicht nett zu uns, weil sie ganz klar wollen, dass wir und die Rraey gegeneinander k�mpfen, damit wir uns zu irgendeinem kosmischen Level �weiterentwickeln�, was auch immer das bedeuten soll.�</p><p>�Die Consu w�ren sowieso nie nett zu uns gewesen, also m�ssen wir uns nicht weiter den Kopf �ber sie zerbrechen�, sagte Major Crick. �Wir k�nnen weiter nach Plan vorgehen, aber vergessen Sie nicht, dass die Pl�ne der Consu sich zuf�llig bis zu einem gewissen Punkt mit unseren decken. Und ich glaube, dass es den Consu schei�egal ist, ob wir oder die Rraey den Sieg davontragen. Also wollen wir uns jetzt auf das konzentrieren, was wir tun werden, statt auf das, was die Consu tun werden.�</p><p>Mein BrainPal aktivierte sich. Crick hatte eine Grafik von Coral und der Heimatwelt der Rraey geschickt. �Die Tatsache, dass die Rraey geborgte Technik benutzen, bedeutet f�r uns, dass wir eine Chance haben, ihnen einen schweren Schlag versetzen zu k�nnen, sowohl auf Coral als auch auf ihrer Heimatwelt. W�hrend wir mit den Consu geplaudert haben, hat die KVA ihre Schiffe auf Skip-Distanz gebracht. Auf unserer Seite stehen sechshundert Schiffe bereit&#x25E6;� fast ein Drittel unserer Streitkr�fte. Wenn die KVA von uns h�rt, beginnt der Countdown f�r den gleichzeitigen Angriff auf Coral und die Rraey-Heimatwelt. Es geht darum, Coral zur�ckzuerobern und potenzielle Verst�rkungstruppen zu binden. Wenn wir ihre Heimatwelt treffen, werden wir dort einerseits ihre Schiffe vernichten und die Rraey-Einheiten in anderen System zwingen, sich zu entscheiden, ob f�r sie Coral oder die Rraey-Heimatwelt h�here Priorit�t besitzt. Beide Angriffe haben ein gemeinsames Ziel: Wir wollen ihnen die F�higkeit nehmen, unsere Ankunft im Voraus zu erkennen. Das bedeutet, dass wir ihre Beobachtungsstation einnehmen und ausschalten&#x25E6;� aber ohne sie zu zerst�ren! Die Technologie, die dieser Station zugrunde liegt, ist f�r die KVA von gro�em Nutzen. Die Rraey m�gen nicht in der Lage sein, die Funktionsweise des Detektors zu rekonstruieren, aber wir besitzen die dazu n�tigen technischen Voraussetzungen. Wir sprengen die Station nur dann in die Luft, wenn uns wirklich keine andere Wahl bleibt. Wir werden die Station einnehmen und halten, bis wir Verst�rkungstruppen auf die Oberfl�che gebracht haben.�</p><p>�Wie lange wird das dauern?�, fragte Jung.</p><p>�Die Simultanangriffe sind so koordiniert, dass sie vier Stunden nach unserem Eintreffen im Coral-System beginnen�, sagte Crick. �Je nach dem, wie heftig die Raumschlacht verl�uft, k�nnen wir nach ein paar Stunden mit der Landung der Verst�rkungstruppen rechnen.�</p><p>�Vier Stunden, nachdem <emphasis>wir</emphasis> im Coral-System eingetroffen sind?�, fragte Jung nach. �Nicht, nachdem wir die Ortungsstation eingenommen haben?�</p><p>�Richtig�, sagte Crick. �Also sollten wir uns verdammte M�he geben, die Station zu erobern, Leute.�</p><p>�Verzeihen Sie bitte�, sagte ich. �Aber ich mache mir Sorgen wegen einer kleinen Einzelheit.�</p><p>�Sprechen Sie, Lieutenant Perry�, sagte Crick.</p><p>�Der Erfolg der KVA-Offensive h�ngt davon ab, ob wir die Ortungsstation einnehmen k�nnen, die die eintreffenden Schiffe registriert, nicht wahr?�, sagte ich.</p><p>�Richtig�, sagte Crick.</p><p>�Dabei handelt es sich um dieselbe Ortungsstation, die auch <emphasis>uns</emphasis> orten wird, wenn wir in das Coral-System skippen, nicht wahr?�</p><p>�Richtig�, sagte Crick.</p><p>�Ich war an Bord eines Schiffs, das geortet wurde, als es ins Coral-System kam, wie Sie sich vielleicht erinnern. Es wurde v�llig vernichtet, und mit Ausnahme meiner Person kamen s�mtliche Besatzungsmitglieder ums Leben. Machen Sie sich keine Sorgen, dass mit <emphasis>diesem</emphasis> Schiff dasselbe geschehen k�nnte?�</p><p>�Wir sind schon einmal unbemerkt ins Coral-System gelangt�, sagte Tagore.</p><p>�Dessen bin ich mir bewusst, da die <emphasis>Sparrowhawk</emphasis> das Schiff war, das mich gerettet hat�, sagte ich. �Und daf�r bin ich Ihnen immer noch zutiefst dankbar. Doch es k�nnte sich um die Art von Trick handeln, mit dem man nur einmal durchkommt. Und selbst wenn wir weit genug von Coral entfernt ins System eintreten, um eine Ortung zu vermeiden, w�rden wir anschlie�end mehrere Stunden brauchen, um den Planeten zu erreichen. Doch dazu ist der Zeitplan viel zu eng. Wenn diese Sache funktionieren soll, muss die <emphasis>Sparrowhawk</emphasis> in der N�he des Planeten auftauchen. Also w�sste ich gerne, wie wir das anstellen wollen, um zu gew�hrleisten, dass das Schiff ganz bleibt.�</p><p>�Die Antwort darauf ist im Grunde sehr einfach�, sagte Major Crick. �Wir rechnen <emphasis>nicht</emphasis> damit, dass das Schiff ganz bleibt. Wir rechnen damit, dass es sofort in St�cke geschossen wird. Damit rechnen wir sogar ganz fest.�</p><p>�Wie bitte?� Ich blickte mich am Tisch um und erwartete, verdutzte Mienen zu sehen, die �hnlich wie ich reagierten. Doch alle anderen machten einen eher nachdenklichen Eindruck. Das war f�r mich �u�erst irritierend.</p><p>�Also eine hochorbitale Absetzung?�, fragte Lieutenant Dalton.</p><p>�Ja�, best�tigte Crick. �Nur offensichtlich modifiziert.�</p><p>Ich konnte es nicht fassen. �Sie haben so etwas schon einmal gemacht?�</p><p>�Nicht ganz auf diese Weise, Lieutenant Perry�, sagte Jane und lenkte meine Aufmerksamkeit auf sich. �Aber bei verschiedenen Gelegenheiten haben wir die Soldaten der Spezialeinheit schon direkt aus dem Raumschiff abgesetzt. Meist dann, wenn sich der Einsatz von Shuttles verbietet, wie in diesem Fall. Wir haben besondere Eintrittsanz�ge, die uns gegen die Hitze beim Eintauchen in die Atmosph�re isolieren. Ansonsten ist es praktisch wie ein klassischer Fallschirmsprung.�</p><p>�Nur dass Ihnen in diesem Fall das Schiff unter dem Hintern weggeschossen wird�, sagte ich.</p><p>�Das ist in diesem Fall der neue Aspekt�, r�umte Jane ein.</p><p>�Sie alle sind v�llig wahnsinnig�, sagte ich.</p><p>�Trotzdem ist das Ganze eine exzellente Taktik�, sagte Major Crick. �Wenn das Schiff zerst�rt wird, rechnet der Gegner damit, dass Leichen unter den Tr�mmerteilen sind. Von der KVA ist soeben eine Skip-Drohne mit aktuellen Informationen �ber den Standort der Ortungsstation eingetroffen. Damit k�nnen wir in einer g�nstigen Position �ber dem Planeten herauskommen und unsere Leute absetzen. Die Rraey werden glauben, dass sie unseren Vorsto� vereitelt haben, wie es schon mehrmals geschehen ist. Sie werden nichts ahnen, bis wir zuschlagen. Und dann wird es f�r sie zu sp�t sein.�</p><p>�Vorausgesetzt, jemand von Ihnen �berlebt den Angriff auf das Schiff�, sagte ich.</p><p>Crick schaute zu Jane hin�ber und nickte.</p><p>�Die KVA hat uns ein bisschen Spielraum verschafft�, sagte Jane zur Gruppe. �Man hat abgeschirmte Raketenbatterien mit Skip-Triebwerken versehen und sie ins Coral-System geschickt. Wenn die Schilde getroffen werden, setzen sie die Raketen frei, die f�r die Rraey nur sehr schwer zu orten sind. Auf diese Weise haben wir in den vergangenen zwei Tagen mehrere Rraey-Schiffe erwischt, und nun warten sie immer erst ein paar Sekunden, bevor sie feuern, um genauer erfassen zu k�nnen, was anschlie�end auf sie zugerast kommt. Wir m�ssten eine Zeitspanne von zehn bis drei�ig Sekunden haben, bevor die <emphasis>Sparrowhawk</emphasis> getroffen wird. Das ist nicht genug Zeit f�r ein Schiff, das nicht mit einem Treffer rechnet, um etwas zu unternehmen, aber f�r uns reicht es aus, um unsere Leute nach drau�en zu bringen. Vielleicht reicht die Zeit sogar f�r die Br�ckenbesatzung, um zur Ablenkung einen Angriff zu starten.�</p><p>�Die Br�ckenbesatzung wird an Bord des Schiffes bleiben?�, fragte ich.</p><p>�Wir setzen uns ebenfalls mit Raumanz�gen ab und bedienen das Schiff mit unseren BrainPals�, sagte Major Crick. �Aber wir werden mindestens so lange an Bord bleiben, bis wir unsere erste Raketenstaffel abgefeuert haben. Wir werden die BrainPal-Verbindung kappen, wenn wir in die Atmosph�re von Coral eintauchen, damit die Rraey nicht merken, dass wir noch am Leben sind. Mit dieser Aktion sind gewisse Risiken verbunden, aber die bestehen f�r jeden, der sich an Bord dieses Schiffs befindet. Das ist das Stichwort f�r die Frage, was mit Ihnen geschehen wird, Lieutenant Perry.�</p><p>�Mit mir�, sagte ich.</p><p>�Es ist ziemlich klar, dass Sie sich nicht im Schiff befinden m�chten, wenn es getroffen wird�, sagte Crick. �Au�erdem wurden Sie nicht f�r eine derartige Mission trainiert, und wir haben Ihnen versprochen, dass Sie ausschlie�lich in beratender Funktion t�tig sein w�rden. Unser Gewissen verbietet es, Sie zu bitten, daran teilzunehmen. Nach dieser Besprechung werden Sie an Bord eines Shuttles gehen, und gleichzeitig werden wir eine Skip-Drohne nach Phoenix schicken, die die Koordinaten des Shuttles und die Bitte, Sie abzuholen, �bermittelt. Phoenix h�lt st�ndig mehrere Bergungsschiffe in Skip-Distanz bereit. Also d�rfte es h�chstens einen Tag dauern, bis man Sie geholt hat. Trotzdem geben wir Ihnen Vorr�te f�r einen Monat mit. Und das Shuttle ist mit eigenen Skip-Drohnen f�r den Notfall ausgestattet, falls es hart auf hart kommt.�</p><p>�Sie wollen mich also loswerden�, sagte ich.</p><p>�Nehmen Sie es nicht pers�nlich�, sagte Crick. �General Keegan d�rfte sehr daran interessiert sein, �ber die Lage und die Verhandlungen mit den Consu informiert zu werden, und als Verbindungsoffizier zur KVA sind Sie der beste Mann, um beide Aufgaben zu erf�llen.�</p><p>�Major, mit Ihrer Erlaubnis w�rde ich gerne an Bord bleiben�, sagte ich.</p><p>�Wir haben wirklich keinen Platz f�r Sie, Lieutenant�, sagte Crick. �Sie n�tzen uns mehr, wenn Sie nach Phoenix zur�ckkehren.�</p><p>�Major, bei allem Respekt, aber Sie haben mindestens eine L�cke in Ihren Reihen�, sagte ich. �Sergeant Hawking starb w�hrend unserer Verhandlungen mit den Consu, und die Gefreite Aquinas hat einen halben Arm verloren. Sie werden es nicht schaffen, vor dieser Mission die L�cken wieder aufzuf�llen. Ich geh�re zwar nicht der Spezialeinheit an, aber ich bin ein altgedienter Soldat. Ich bin zumindest besser als gar nichts.�</p><p>�Ich erinnere mich, dass Sie uns alle als v�llig wahnsinnig bezeichnet haben�, sagte Captain Jung zu mir.</p><p>�Sie alle <emphasis>sind</emphasis> v�llig wahnsinnig. Das hei�t, wenn Sie diese Sache durchziehen wollen, brauchen Sie jede Hilfe, die Sie bekommen k�nnen. Au�erdem�, fuhr ich fort und wandte mich wieder an Crick, �sollten Sie nicht vergessen, dass ich meine Leute auf Coral verloren habe. Es k�me mir falsch vor, mich diesem Kampf zu entziehen.�</p><p>Crick warf einen Blick zu Dalton. �Wie weit sind wir mit Aquinas?�, fragte er.</p><p>Dalton zuckte die Achseln. �Wir unterziehen sie einer beschleunigten Heilungsprozedur�, sagte er. �Es tut h�llisch weh, einen Arm auf diese Weise nachwachsen zu lassen, aber sie wird bereit sein, wenn wir den Skip machen. Ich brauche ihn nicht.�</p><p>Crick wandte sich an Jane, die mich anstarrte. �Dann ist es Ihre Entscheidung, Sagan. Hawking war Ihr Mann. Wenn Sie Perry wollen, k�nnen Sie ihn haben.�</p><p>�Ich <emphasis>will</emphasis> ihn nicht haben�, sagte Jane und sah mich dabei an. �Aber er hat Recht. Mir fehlt ein Mann.�</p><p>�Gut�, sagte Crick. �Dann bringen Sie ihn auf den neuesten Stand.� Er schaute mich an. �Wenn Lieutenant Sagan findet, dass Sie den Anforderungen nicht gen�gen, stecken wir Sie ins Shuttle. Ist das klar?�</p><p>�Verstanden, Major�, sagte ich und erwiderte Janes Blick.</p><p>�Gut�, sagte er. �Willkommmen bei der Spezialeinheit, Perry. Sie sind der erste Naturgeborene, den wir jemals in unseren Reihen hatten, soweit mir das bekannt ist. Versuchen Sie, die Sache nicht zu verpatzen, denn wenn Sie es tun, k�nnen Sie sich darauf verlassen, dass die Rraey ihr geringstes Problem sein werden.�</p><empty-line/><p>Jane betrat meine Kabine, ohne meine Erlaubnis einzuholen. Nachdem sie jetzt mein vorgesetzter Offizier war, hatte sie das Recht dazu.</p><p>�Was, zum Henker, hast du dir dabei gedacht?�, sagte sie.</p><p>�Euch fehlt ein Mann�, sagte ich gelassen. �Ich bin einer. Ganz einfache Mathematik.�</p><p>�Ich habe dich in dieses Schiff geholt, weil ich wusste, dass du es vor dem Einsatz mit dem Shuttle verlassen w�rdest�, sagte sie. �Wenn du zur Infanterie zur�ckgehst, w�rst du an Bord eines der Schiffe, die den Gro�angriff durchf�hren. Wenn wir die Ortungsstation nicht ausschalten, wei�t du, was mit diesen Schiffen und ihren Besatzungen geschieht. Mir war klar, dass ich nur so deine Sicherheit gew�hrleisten konnte, und nun wirfst du alles �ber den Haufen.�</p><p>�Du h�ttest Crick sagen k�nnen, dass du mich nicht haben willst. Dann h�tte er keine Sekunde gez�gert, mich in einem Shuttle im Consu-System auszusetzen, bis irgendwer vorbeikommt, um mich aufzulesen. Du hast es nicht getan, weil du wei�t, wie verr�ckt dieser Plan ist. Du wei�t, dass du alle Hilfe brauchst, die du kriegen kannst. Ich wusste nicht, dass ich unter <emphasis>dir</emphasis> dienen w�rde, Jane. Wenn Aquinas nicht einsatzbereit w�re, h�tte ich genauso gut in Daltons Trupp landen k�nnen. Ich wusste nicht einmal, dass Hawking einer von deinen Leuten war, bevor Crick es erw�hnte. Ich wusste nur, dass ihr jeden verf�gbaren Mann braucht, wenn diese Sache funktionieren soll.�</p><p>�Warum liegt dir so viel daran?�, fragte Jane. �Dies ist nicht deine Mission. Du bist keiner von uns.�</p><p>�Aber jetzt bin ich einer von euch. Ich befinde mich an Bord dieses Schiffes. Ich bin hier, was ich dir zu verdanken habe. Und ich w�sste nicht, wohin ich mich sonst wenden sollte. Mein Bataillon wurde vollst�ndig ausgel�scht, und fast alle meine Freunde sind tot. Und wie jemand von <emphasis>euch</emphasis> erw�hnte, sind wir alle trotzdem Menschen. Schei�e, ich wurde sogar genauso wie ihr in einem Labor gez�chtet. Zumindest dieser K�rper. Ich k�nnte genauso gut einer von euch sein. Also geh�re ich jetzt zu euch.�</p><p>�Du hast keine Ahnung, wie es ist, einer von uns zu sein!�, regte sich Jane auf. �Du hast gesagt, dass du mehr �ber mich wissen willst. Was genau willst du wissen? Willst du wissen, wie es war, eines Tages aufzuwachen, im Kopf eine ganze Bibliothek an Informationen&#x25E6;� die gesamte Palette, von der Schlachtung eines Schweins bis zur Navigation eines Raumschiffs -, aber ohne einen blassen Schimmer, wie man hei�t? Oder dass man �berhaupt einen haben sollte. Willst du wissen, wie es war, niemals ein Kind gewesen zu sein&#x25E6;� und noch nie eins gesehen zu haben, bevor man den Boden eines verbrannten Kolonialplaneten betritt und auf eine Kinderleiche st��t? Vielleicht w�rdest du gerne mehr dar�ber h�ren, wie es ist, wenn wir zum ersten Mal mit einem Naturgeborenen reden, wie wir uns zusammenrei�en m�ssen, damit wir nicht auf euch einpr�geln, weil ihr so l�hmend langsam redet, euch so langsam bewegt und so langsam denkt, dass es uns v�llig unverst�ndlich ist, warum man Leute wie euch rekrutiert hat?</p><p>Vielleicht m�chtest du auch davon erfahren, dass jeder Soldat der Spezialeinheit sich eine pers�nliche Vergangenheit ertr�umt. Wir wissen, dass wir Frankensteins Monster sind. Wir wissen, dass wir aus Einzelteilen von Toten zusammengeflickt wurden. Wir schauen in einen Spiegel und wissen, dass wir jemand anderen sehen, und wir wissen, dass wir nur deshalb existieren, weil dieser Jemand nicht mehr existiert&#x25E6;� und dass wir nie etwas �ber diese Person erfahren werden. Also bilden wir alle uns ein, wie dieser Mensch gewesen sein k�nnte. Wir stellen uns das Leben dieser Person vor, ihren Ehepartner, ihre Kinder, und wir wissen, dass <emphasis>nichts davon irgendetwas mit uns selbst zu tun hat</emphasis>.�</p><p>Jane kam einen Schritt n�her und br�llte mir ins Gesicht. �Willst du wissen, wie es ist, den Ehemann der Frau kennen zu lernen, die man einmal war? Wie er dich wiedererkennt, aber du selber gar nichts sp�rst, ganz gleich, wie sehr du es dir w�nschst? Zu wissen, dass er sich danach sehnt, dich mit einem anderen Namen anzureden, der nicht dein eigener Name ist? Zu wissen, dass er Jahrzehnte eines Lebens sieht, wenn er dich ansieht, eines Lebens, von dem du gar nichts wei�t. Zu wissen, dass er an deiner Seite war, dass er <emphasis>in</emphasis> dir war, dass er deine Hand gehalten hat, als du gestorben bist, und dir gesagt hat, dass er dich liebt. Zu wissen, dass er dich nicht zu einer Naturgeborenen machen kann, aber dass er dir Kontinuit�t schenken kann, eine Geschichte, eine Vorstellung, wer du warst, um dir zu helfen, zu verstehen, wer du bist. Kannst du dir auch nur ansatzweise vorstellen, wie es ist, sich so etwas zu w�nschen? Und es um jeden Preis geheim halten zu m�ssen?�</p><p>N�her. Lippen, die fast meine ber�hrten, aber ohne die winzigste Andeutung eines Kusses. �Du hast zehnmal l�nger mit mir zusammengelebt, als ich mit mir gelebt habe�, sagte Jane. �Du bist es, der etwas von mir bewahrt hat. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie das f�r mich ist. Weil du eben <emphasis>keiner von uns</emphasis> bist.� Sie trat zur�ck.</p><p>Ich starrte sie an. �Du bist nicht sie�, sagte ich. �Du hast es mir selbst gesagt.�</p><p>�Oh Mann!�, rief Jane. �Ich habe <emphasis>gelogen</emphasis>. Ich <emphasis>bin</emphasis> sie, und du wei�t es. Wenn sie l�nger gelebt h�tte, w�re sie zur KVA gegangen, und sie h�tten dieselbe gottverdammte DNS benutzt, um einen neuen K�rper f�r sie zu machen, genauso wie f�r mich. Ich habe zusammenger�hrte Alienschei�e in meinen Genen, aber auch du bist nicht mehr hundertprozentig menschlich, und sie w�re es auch nicht gewesen. Der menschliche Teil von mir ist derselbe wie das, was in ihr gewesen w�re. Das Einzige, was mir fehlt, sind die Erinnerungen. Was mir fehlt, ist mein gesamtes vorheriges Leben.�</p><p>Jane kam zu mir zur�ck und legte die H�nde an mein Gesicht. �Ich bin Jane Sagan, das wei� ich�, sagte sie. �Die letzten sechs Jahre geh�ren mir allein, und sie sind wirklich geschehen. Das ist <emphasis>mein</emphasis> Leben. Aber ich bin auch Katherine Perry. Dieses Leben will ich wiederhaben. Und du bist mein einziger Zugang zu diesem Leben. Dazu musst du am Leben bleiben, John. Ohne dich w�rde ich mich ein weiteres Mal verlieren.�</p><p>Ich griff nach ihrer Hand. �Dann hilf mir, am Leben zu bleiben�, sagte ich. �Sag mir alles, was ich wissen muss, um diese Mission heil zu �berstehen. Zeig mir alles, was ich tun muss, um deiner Kompanie zu helfen, ihre Aufgaben zu erf�llen. Hilf mir, damit ich dir helfen kann, Jane. Du hast Recht, ich wei� nicht, wie es ist, du zu sein, einer von euch zu sein. Aber ich wei�, dass ich nicht in einem verdammten Shuttle im Nichts treiben will, w�hrend du dich ins Kampfget�mmel wirfst. Auch ich will, dass du am Leben bleibst. Ist das ein fairer Deal?�</p><p>�Das ist ein fairer Deal�, sagte sie.</p><p>Ich k�sste ihre Hand.</p></section><section><title><p>17</p></title><p><emphasis>Das ist der leichte Teil</emphasis>, sendete Jane mir. <emphasis>Lehn dich einfach zur�ck.</emphasis></p><p>Das Hangartor wurde aufgesprengt, und es kam zu einer explosiven Dekompression, wie ich sie schon einmal im Orbit �ber Coral erlebt hatte. Irgendwann w�rde ich ein weiteres Mal hierher zur�ckkehren, ohne aus einem Hangar geschleudert zu werden. Diesmal jedoch flogen keine gef�hrlichen Teile herum. Im Hangar der <emphasis>Sparrowhawk</emphasis> befanden sich ausschlie�lich Besatzungsmitglieder und Soldaten, die in klobigen Raumanz�gen steckten. Unsere F��e klebten fest am Boden, von elektromagnetischen Haftplatten gehalten, doch sobald die T�ren des Frachthangars weit genug ins Weltall hinausgetrieben waren, um uns nicht mehr gef�hrlich werden zu k�nnen, w�rden die Magneten uns loslassen und wir durch die T�r nach drau�en geschleudert werden. Daf�r sorgte die entweichende Luft&#x25E6;� im Frachthanger herrschte �berdruck, damit der Sturm nicht zu schnell versiegte.</p><p>Es klappte. Unsere F��e l�sten sich vom Boden, und dann war es, als w�rde man von einem Riesen durch ein recht gro�es Mauseloch gezerrt werden. Ich folgte Janes Vorschlag und lie� es mit mir geschehen. Pl�tzlich sp�rte ich, dass ich durch den Weltraum wirbelte. Das war in Ordnung, da wir den Eindruck erwecken wollten, v�llig unerwartet dem Nichts des Alls ausgesetzt zu sein, f�r den Fall, dass die Rraey uns beobachteten. Es folgte ein desorientierender Moment des Schwindelgef�hls, als <emphasis>drau�en</emphasis> zu <emphasis>unten</emphasis> wurde. Unten war in diesem Fall die dunkle Masse von Coral, zweihundert Kilometer unter uns. �stlich von uns gl�hte die Sichel des anbrechenden Tages, etwa dort, wo wir schlie�lich landen w�rden.</p><p>Im Zuge meiner Drehbewegungen kam die <emphasis>Sparrowhawk</emphasis> gerade rechtzeitig in Sicht, um beobachten zu k�nnen, wie sie an vier Stellen explodierte. Die Feuerb�lle entstanden auf der gegen�berliegenden Seite des Schiffs, sodass es von hinten beleuchtet wurde. Ohne Ger�usch und ohne Hitzeempfindung, was ich dem Vakuum zwischen mir und dem Schiff zu verdanken hatte. Doch die obsz�n r�tlichgelben Feuerb�lle entsch�digten visuell f�r den Mangel an anderen Sinnesreizen. W�hrend ich mich weiterdrehte, sah ich zu meinem Erstaunen, wie die <emphasis>Sparrowhawk</emphasis> Raketen abfeuerte, die einem Feind entgegenrasten, dessen Position ich nicht ausmachen konnte. Es hatte sich immer noch jemand an Bord des Schiffes befunden, als es getroffen wurde. Ich vollf�hrte eine weitere Rotation und sah dann, wie die <emphasis>Sparrowhawk</emphasis> in zwei St�cke gerissen wurde, als die n�chste Raketensalve einschlug. Wer sich jetzt noch an Bord befand, w�rde es nicht �berleben. Ich hoffte, dass unsere abgefeuerten Raketen ihr Ziel fanden.</p><p>Ich st�rzte ganz allein auf Coral zu. In meiner N�he mochten sich weitere Soldaten befinden, aber ich merkte nichts davon. Wir trugen nichtreflektierende Anz�ge und hatten den Befehl, mit den BrainPals Funkstille zu wahren, bis wir in die obersten Schichten der Atmosph�re von Coral eingedrungen waren. Ich w�rde die anderen h�chstens bemerken, wenn jemand einen Stern verdunkelte. Es war sinnvoll, unauff�llig zu bleiben, wenn man einen Planeten anzugreifen beabsichtigte, vor allem, wenn die M�glichkeit bestand, dass andere nach einem Ausschau hielten. Ich st�rzte weiter und beobachtete, wie der Rand des Planeten unter mir immer mehr Sterne ausblendete.</p><p>Mein BrainPal piepte. Es wurde Zeit f�r den Schutzschild. Ich gab mein Einverst�ndnis, dann floss ein Strom von Nanobotern aus einer �ffnung in meinem R�ckentornister. Ich wurde von einem elektromagnetischen Netz umgeben, das sich zu einer pechschwarzen Kugel verdichtete und es um mich stockfinster werden lie�. Nun st�rzte ich wahrlich durchs Nichts. Ich dankte Gott, dass ich nicht zur Klaustrophobie neigte, weil ich ansonsten in diesem Moment durchgedreht w�re.</p><p>Der Schutzschild war das Schl�sselelement bei der hochorbitalen Absetzung. Er bewahrte den Soldaten auf zwei Arten vor der gl�henden Hitze, die durch den Eintritt in die Atmosph�re entstand. Erstens wurde die Sph�re geschaffen, w�hrend sich der Soldat noch im Vakuum befand, wodurch die W�rmeleitung unterbunden wurde, solange der Soldat den Schild nicht ber�hrte, der in Kontakt mit der Atmosph�re stand. Um das zu vermeiden, sorgte die elektromagnetische Ladung des Schildes gleichzeitig daf�r, dass jede Eigenbewegung des Soldaten unterbunden und er im Zentrum der Sph�re gehalten wurde. Das war nicht gerade bequem, doch das galt erst recht f�r die Alternative des Verbrennens, wenn man von Luftmolk�len bombardiert wurde.</p><p>Die Nanoboter k�mmerten sich um die Hitze. Einen Teil der Energie benutzten sie, um das elektromagnetische Netz zu verst�rken, und vom Rest versuchten sie so viel wie m�glich abzugeben. Irgendwann verbrannten sie, worauf neue Nanoboter durch das Netz kamen und ihre Stelle einnahmen. Im Idealfall brauchte man den Schild nicht mehr, wenn er aufgebraucht war. Die uns zugeteilte Menge von Nanobotern war auf die Atmosph�re von Coral kalibriert, wobei man einen kleinen Spielraum �brig gelassen hatte. Aber man wurde zwangsl�ufig etwas nerv�s, wenn man genauer dar�ber nachdachte.</p><p>Ich sp�rte, wie der Schild vibrierte, als er durch die oberen Luftschichten pfl�gte. Arschloch meldete �berfl�ssigerweise, dass wir es mit Turbulenzen zu tun bekamen. Ich wurde in meiner kleinen Sph�re hin und her geworfen. Das Isolationsfeld hielt, lie� mir aber mehr Bewegungsspielraum, als mir lieb war. Wenn durch eine Ber�hrung mit dem Schild schlagartig mehrere tausend Grad Hitze direkt an den K�rper weitergegeben werden konnten, machte man sich wegen jeder Bewegung in diese Richtung Sorgen, mochte sie auch noch so geringf�gig sein.</p><p>Falls jemand auf der Oberfl�che von Coral nach oben blickte, w�rde er mehrere hundert Sternschnuppen sehen, die �ber den Nachthimmel strichen. Jegliches Misstrauen, was die Bedeutung dieser Meteore betraf, w�rde durch das Wissen erstickt werden, dass es sich h�chstwahrscheinlich um Tr�mmer des Menschenraumschiffs handelte, das die Flotte der Rraey kurz zuvor abgeschossen hatten. In mehreren tausend Metern H�he waren ein abst�rzender Soldat und ein abst�rzendes Metallteil praktisch nicht zu unterscheiden.</p><p>Der Widerstand der dichter werdenden Atmosph�re verlangsamte meine H�lle. Ein paar Sekunden, nachdem sie zu gl�hen aufgeh�rt hatte, brach sie vollst�ndig in sich zusammen, und ich schoss daraus hervor wie ein K�ken, das mit Hilfe einer Schleuder aus dem Ei katapultiert wird. Nun sah ich nicht mehr die v�llig schwarze Wand der Nanoboter, sondern die fast schwarze n�chtliche Oberfl�che eines Planeten. Nur stellenweise leuchteten biolumineszierende Algen und zeichneten die geschwungenen Umrisse der Riffe nach. Etwas heller waren die Lichter, wo die Rraey ihre Lager aufgeschlagen hatten und sich ehemalige menschliche Siedlungen ausbreiteten. Wir steuerten auf einen Lichtklecks zu, der zur zweiten Sorte geh�rte.</p><p><emphasis>BrainPal-Funkstille aufgehoben</emphasis>, sendete Major Crick. Ich war �berrascht, denn ich hatte gedacht, er w�re mit der <emphasis>Sparrowhawk</emphasis> untergegangen. <emphasis>Truppf�hrer melden sich, Soldaten gruppieren sich um ihre Anf�hrer.</emphasis></p><p>Etwa einen Kilometer westlich und ein paar hundert Meter �ber mir leuchtete Jane pl�tzlich auf. Nat�rlich hatte sie sich nicht tats�chlich mit Neonfarbe bemalt. Das w�re eine gute Methode gewesen, um sicherzustellen, dass man von Bodentruppen abgeschossen wurde. Es war nur mein BrainPal, der sie einf�rbte, um mir zu zeigen, wo sie war. Um mich herum leuchteten weitere Soldaten auf, meine neuen Truppkameraden, die sich identifizierten. Wir drehten uns im freien Fall und trieben langsam aufeinander zu. W�hrend wir uns bewegten, verwandelte sich die Oberfl�che von Coral in ein topologisches Gitternetz, in dem eine Anh�ufung mehrerer Punkte leuchtete&#x25E6;� die Ortungsstation und ihre unmittelbare Umgebung.</p><p>Jane schickte ihren Soldaten neue Informationen. Nachdem ich ein Mitglied von Janes Trupp geworden war, verzichteten die anderen auf die H�flichkeit, verbal mit mir zu kommunizieren, und benutzten wieder ihre BrainPals, um sich zu unterhalten. Sie waren der Ansicht, dass ich mich ihnen anpassen musste, wenn ich an ihrer Seite k�mpfen wollte. Die letzten drei Tage waren ein einziges Kommunikationschaos f�r mich gewesen. Als Jane gesagt hatte, Naturgeborene w�rden sich mit l�hmend langsamer Geschwindigkeit unterhalten, hatte sie deutlich untertrieben. Die Leute von der Spezialeinheit schickten sich Botschaften in schnellerem Tempo, als ich blinzeln konnte. Gespr�che und Diskussionen waren schon l�ngst vorbei, wenn ich endlich kapiert hatte, worum es ging. Doch das Verwirrendste war, dass sie ihre Sendungen nicht auf Text- oder Sprachbotschaften beschr�nkten. Sie benutzten ihre BrainPals auch dazu, emotionale Reaktionen zu �bermitteln, wie ein Autor Satzzeichen einsetzte. Jemand erz�hlte einen Witz, und alle, die mitgeh�rt hatten, lachten �ber den BrainPal-Kanal. Es war, als w�rde man mit winzigen Heiterkeitspatronen beschossen werden, die einem in den Sch�del drangen. Ich bekam davon Kopfschmerzen.</p><p>Aber es war wirklich eine viel effizientere Methode des �Sprechens�. Jane legte die Mission des Trupps, die Ziele und die Strategie in etwa einem Zehntel der Zeit dar, die ein Befehlshaber in der konventionellen KVA bei einer Einsatzbesprechung ben�tigt h�tte. Das ist ein nicht zu untersch�tzender Vorteil, wenn man die Besprechung durchf�hrt, w�hrend die Soldaten im freien Fall auf die Oberfl�che eines Planeten hinunterrasen. Erstaunlicherweise gelang es mir, die �bertragung fast genauso schnell mitzuh�ren, wie Jane sie herunterrasselte. Ich stellte fest, dass das Geheimnis darin bestand, sich nicht dagegen zu wehren und nicht zu versuchen, die Informationen so zu sortieren, wie ich es gewohnt war, in gesonderten Br�ckchen aus gesprochener Sprache. Man musste nur akzeptieren, dass man aus einem Feuerwehrschlauch trank und den Mund weit aufrei�en. Hilfreich war auch, dass ich keinen eigenen Beitrag zur Kommunikation leisten musste.</p><p>Die Ortungsstation befand sich auf einer Anh�he in der N�he einer kleineren ehemals menschlichen Ansiedlung, die wie alle anderen von den Rraey besetzt worden war. Das Ganze lag in einem kleinen Tal, das dort zu Ende war, wo die Station stand. Urspr�nglich war es das Kommandozentrum der Siedlung mit ein paar Nebengeb�uden gewesen. Die Rraey hatten sich dort eingenistet, weil sie die Energieversorgung nutzen und die technische Ausr�stung des Zentrums ausschlachten konnten. Sie hatten Verteidigungsstellungen um das Kommandozentrum herum angelegt, aber die Echtzeitbild�bertragung von einem Mitglied aus Cricks F�hrungsstab, der sich praktisch einen Spionagesatelliten vor die Brust geschnallt hatte, zeigte uns, dass diese Stellungen nur m��ig bewaffnet und bemannt waren. Die Rraey waren fest davon �berzeugt, dass ihre Technik und ihre Raumschiffe jede Gefahr rechtzeitig ausschalten w�rden.</p><p>Andere Trupps w�rden das Kommandozentrum �bernehmen, um dann die Maschinen zu lokalisieren und sicherzustellen, die die Ortungsdaten von den Satelliten verarbeiteten und an die Raumschiffe der Rraey im Orbit weiterleiteten. Die Aufgabe unseres Trupps war es, den Sendeturm zu besetzen, der die Verbindung zu den Raumschiffen herstellte. Wenn die Sendetechnik genauso hoch entwickelt war wie die �blichen Ger�tschaften der Consu, sollten wir den Turm au�er Betrieb setzen und ihn gegen den unvermeidlichen Gegenangriff der Rraey verteidigen. Wenn es sich nur um handels�bliche Rraey-Technik handelte, sollten wir sie einfach in die Luft sprengen.</p><p>Auf jeden Fall musste die Station ausgeschaltet werden, damit die Raumschiffe der Rraey nicht mehr erkennen konnten, wo und wann unsere Schiffe auftauchen w�rden. Der Turm stand ein St�ck vom Kommandozentrum entfernt und war im Verh�ltnis zum �brigen Gel�nde recht schwer bewacht, aber wir hatten vor, die Wachhunde zu reduzieren, bevor wir einen Fu� auf den Boden setzten.</p><p><emphasis>Ziele ausw�hlen</emphasis>, sendete Jane, und unsere BrainPals markierten den Zielbereich. Rraey-Soldaten und ihre Maschinen leuchteten in Infrarot. Ohne Hinweis auf eine Gefahr bestand f�r sie kein Grund, ihre W�rmestrahlung abzuschirmen. Den Trupps und den einzelnen Soldaten wurden bestimmte Ziele zugewiesen. Nach M�glichkeit sollten wir die Rraey und nicht ihre Ausr�stung treffen, die wir vielleicht selber gebrauchen konnten, wenn wir mit unseren Gegnern fertig waren. Waffen t�teten keine Menschen, es waren die Aliens, die hinter dem Abzug sa�en. Nachdem die Angriffsvorbereitungen abgeschlossen waren, trieben wir ein St�ck auseinander. Nun mussten wir nur noch darauf warten, dass wir bis auf einen Kilometer heran waren.</p><p>In tausend Metern H�he rekonfigurierten sich unsere noch �brigen Nanoboter zu einem man�vrierbaren Fallschirm, der die Fallgeschwindigkeit mit einem heftigen Ruck aufhob, bei dem sich mir der Magen umdrehte. Die Schirme waren genauso wie unsere Kampfanz�ge getarnt, sodass sie weder W�rme noch Licht abgaben. Wenn man nicht genau wusste, womit man es zu tun hatte, w�rde man uns erst bemerken, nachdem es bereits zu sp�t war.</p><p><emphasis>Ziele ausschalten</emphasis>, kam der Befehl von Major Crick, und die Lautlosigkeit des Sinkfluges wurde unvermittelt vom lauten Geratter der Vauzetts zerrissen, die einen Metallregen entlie�en. Am Boden wurden den Soldaten und Arbeitern der Rraey �berraschend K�pfe und Gliedma�en von den K�rpern gesprengt. Ihren �berlebenden Kameraden blieb nur ein Sekundenbruchteil, das Geschehen zu registrieren, bevor sie dasselbe Schicksal ereilte. Ich hatte drei Rraey unter Beschuss genommen, die in der N�he des Sendeturms stationiert waren. Die ersten zwei gingen ohne einen Mucks zu Boden, der dritte riss die Waffe hoch und machte sich bereit, in die Dunkelheit zu feuern. Er war offenbar der Ansicht, dass ich schr�g vor statt genau �ber ihm war. Ich erledigte ihn, bevor er die Gelegenheit hatte, diese Einsch�tzung zu revidieren. Nach etwa f�nf Sekunden lagen s�mtliche Rraey, die sich im Freien aufhielten und sichtbar waren, tot am Boden. Wir waren immer noch ein paar hundert Meter hoch, als es geschah.</p><p>Flutlichter gingen an und wurden ausgeschossen, sobald sie zum Leben erwachten. Wir jagten Raketen in Sch�tzengr�ben und Unterst�nde und zerfetzten die Rraey, die sich darin aufhielten. Soldaten, die aus dem Kommandozentrum und den Lagern str�mten, verfolgten die Raketenspuren zur�ck und feuerten nach oben. Doch unsere Leute hatten l�ngst ihre Position gewechselt, und nun erledigten wir die Rraey, die sich ins Freie gewagt hatten.</p><p>Ich suchte mir eine Landestelle neben dem Sendeturm aus und wies Arschloch an, einen Schl�ngelkurs zu berechnen, der mich nach unten f�hrte. Als ich runterkam, st�rmten zwei Rraey durch die T�r einer Baracke neben dem Turm. Sie feuerten ungef�hr in meine Richtung, w�hrend sie zum Kommandozentrum liefen. Dem einen schoss ich ins Bein, worauf er schreiend st�rzte. Der andere h�rte auf zu schie�en und rannte nur noch. Mit den kr�ftigen, vogel�hnlichen Beinen legte er ein beeindruckendes Tempo vor. Ich gab Arschloch den Befehl, den Fallschirm abzukoppeln, der sich in harmlosen Staub aufl�ste, als das elektromagnetische Feld zwischen den Nanobotern zusammenbrach. Ich legte die restlichen paar Meter bis zum Boden im freien Fall zur�ck, rollte mich ab, kam auf die Beine und visierte den Rraey an, der sich zusehends entfernte. Doch er folgte einem schnellen, geradlinigen Fluchtweg und verzichtete darauf, gelegentlich die Richtung zu wechseln, was es schwieriger gemacht h�tte, auf ihn zu zielen. Ich erlegte ihn mit einem einzigen Schuss. Hinter mir kreischte der andere Rraey noch immer, doch dann verstummte er abrupt. Ich drehte mich um und sah Jane, deren Vauzett noch auf den toten Rraey gerichtet war.</p><p><emphasis>Du folgst mir</emphasis>, sendete sie und dirigierte mich zur Baracke. W�hrend wir uns in Bewegung setzten, kamen zwei weitere Rraey durch die T�r, w�hrend ein dritter uns von innen unter Beschuss nahm. Jane lie� sich zu Boden fallen und erwiderte das Feuer, w�hrend ich mich um die fl�chtenden Gegner k�mmerte. Diese beiden liefen im Zickzack. Den einen erwischte ich, doch der andere konnte entkommen, indem er hinter eine B�schung st�rzte. Unterdessen hatte Jane genug von der Schie�erei mit den Rraey in der Baracke und jagte eine Granate in das Geb�ude. Ein erstickter Schrei war zu h�ren, dann ein lauter Knall, gefolgt von gro�en Rraey-K�rperteilen, die durch die T�r nach drau�en geschleudert wurden.</p><p>Wir r�ckten weiter vor und betraten die Baracke. Das Innere beherbergte elektronische Ger�te, die mit Resten mehrerer Rraey �bers�t waren. Mein BrainPal best�tigte, dass es sich um Kommunikationstechnik der Rraey handelte. Hier befand sich also das Operationszentrum f�r den Sendeturm. Jane und ich zogen uns zur�ck und feuerten Raketen und Granaten in die Baracke. Das Ganze flog in die Luft. Nun war der Turm au�er Betrieb, doch wir mussten uns noch um die eigentlichen Sendeanlagen an der Spitze des Turms k�mmern.</p><p>Jane rief Lageberichte von ihren Truppf�hrern ab. Wir hatten den Turm und die n�here Umgebung gesichert. Die Rraey hatten es nicht mehr geschafft, nach dem ersten Angriff ernsthaften Widerstand zu leisten. Unsere Verluste waren minimal, in der gesamten Kompanie war kein einziger Toter zu beklagen. Die anderen Angriffsphasen waren ebenfalls gut gelaufen. Der heftigste Widerstand kam aus dem Kommandozentrum, den unsere Leute nun Raum f�r Raum durchk�mmten und von Rraey s�uberten. Jane schickte zwei Trupps hin�ber, um die Aufr�umarbeiten zu unterst�tzen. Ein anderer Trupp sollte die Basis des Turms bewachen und zwei weitere die Umgebung sichern.</p><p><emphasis>Und du</emphasis>, sagte sie, w�hrend sie mich ansah und auf den Turm zeigte, <emphasis>kletterst da rauf und sagst mir, womit wir es zu tun haben.</emphasis></p><p>Ich blickte zur Spitze des Sendeturms hinauf. Er war etwa 150 Meter hoch und bestand im Prinzip nur aus einem Metallger�st, das als St�tze f�r das diente, was sich an der Spitze befand. Das Gebilde stellte die bislang beeindruckendste Leistung der Rraey dar. Vor ihrer Ankunft hatte es den Turm noch nicht gegeben, also mussten sie ihn in k�rzester Zeit errichtet haben. Es war nur ein Sendeturm, aber versuchen Sie mal, an nur einem Tag einen Sendeturm zu bauen, und �berlegen Sie sich, was dabei rauskommen w�rde. Am Turm waren Stacheln angebracht, die bis zur Spitze f�hrten. Da sich die Rraey hinsichtlich K�rperbau und Gr��e kaum von Menschen unterschieden, konnte ich sie ohne Schwierigkeiten zum Klettern benutzen. Also machte ich mich auf den Weg.</p><p>Oben wehte eine kr�ftige Brise um den automobilgro�en Komplex aus Antennen und Instrumenten. Ich scannte das Ganze mit Arschlochs Hilfe, der die Bilder mit seiner Datenbank verglich, in der s�mtliche uns bekannte Technik der Rraey verzeichnet war. Alles stammte restlos von den Rraey. Die Daten von den Satelliten wurden hier nur empfangen und im Kommandozentrum ausgewertet. Ich hoffte, dass unsere Leute das Kommandozentrum unter ihre Kontrolle bringen konnten, ohne hier unabsichtlich alles in die Luft zu jagen.</p><p>Ich gab die Informationen an Jane weiter. Sie teilte mir mit, dass ich m�glichst schnell wieder vom Turm runterkommen sollte, weil ich dadurch die Gefahr verringern konnte, von Tr�mmern erschlagen zu werden. Eine zweite Aufforderung brauchte ich nicht. Sobald ich unten war, rasten Raketen �ber meinen Kopf hinweg und schlugen genau in den Instrumentenkomplex an der Spitze des Turmes. Die Wucht der Explosion zerriss die Halteseile des Turms, worauf das Gebilde gef�hrlich ins Schwanken geriet. Jane befahl, die Basis des Turms unter Beschuss zu nehmen, und kurz darauf detonierten Raketen in den Metalltr�gern. Der Turm kippte und brach mit einem lauten �chzenden Ger�usch zusammen.</p><p>Im Kommandozentrum hatte der Kampfl�rm aufgeh�rt, und nun war gelegentlicher Jubel zu h�ren. Das Gel�nde war frei von lebenden Rraey. Ich lie� mir von Arschloch die Zeit ansagen. Es waren keine neunzig Minuten vergangen, seit wir die <emphasis>Sparrowhawk</emphasis> verlassen hatten.</p><p>�Sie hatten keinen blassen Schimmer, dass wir kommen�, sagte ich zu Jane und war leicht �berrascht, den Klang meiner eigenen Stimme zu h�ren.</p><p>Jane sah mich an, nickte und schaute dann wieder zum Turm. �Sie hatten keinen Schimmer. Das war die gute Neuigkeit. Die schlechte Neuigkeit ist, dass sie nun wissen, dass wir hier sind. Das war der leichte Teil. Damit kommen wir jetzt zum schwierigen Teil.�</p><p>Sie drehte sich um und attackierte ihre Kompanie mit Befehlen. Wir erwarteten einen Gegenangriff. Einen dicken, fetten Gegenangriff.</p><p>�W�rst du gern wieder menschlich?�, fragte mich Jane. Es war am Abend vor der Landung auf Coral. Wir sa�en in der Messe und stocherten in unserem Essen herum.</p><p>�Wieder?�</p><p>�Du wei�t, wie ich es meine�, sagte sie. �Wieder mit einem richtigen menschlichen K�rper. Ohne k�nstliche Zus�tze.�</p><p>�Klar. Ich muss nur noch etwas mehr als acht Jahre Dienstzeit ableisten. Wenn ich dann noch lebe, werde ich mich als Kolonist zur Ruhe setzen.�</p><p>�Es w�rde bedeuten, wieder schwach und langsam zu sein�, sagte Jane mit dem besonderen Taktgef�hl, f�r das die Leute von der Spezialeinheit ber�hmt waren.</p><p>�<emphasis>So</emphasis> schlimm ist es gar nicht�, sagte ich. �Au�erdem wird man durch andere Dinge entsch�digt. Kinder, zum Beispiel. Oder anderen Individuen begegnen zu k�nnen, ohne dass man sie t�ten muss, weil es sich um au�erirdische Feinde der Kolonien handelt.�</p><p>�Du w�rdest wieder alt werden und sterben�, sagte Jane.</p><p>�Davon gehe ich aus�, sagte ich. �So ist das Leben. Das hier�&#x25E6;� ich hob einen gr�nen Arm&#x25E6;� �ist nicht der Normalfall, wei�t du. Und was das Sterben betrifft, ist die Todesgefahr w�hrend meiner Dienstzeit in der KVA deutlich h�her als auf einem friedlichen Kolonialplaneten. Rein statistisch d�rfte das Leben als unmodifizierter Kolonist angenehmer sein.�</p><p>�Du bist noch nicht tot�, sagte Jane.</p><p>�Ich scheine Leute um mich zu haben, die gut auf mich aufpassen�, sagte ich. �Wie sieht es mit dir aus? Willst du dich irgendwann in einer Kolonie zur Ruhe setzen?�</p><p>�Soldaten der Spezialeinheit setzen sich nicht zur Ruhe�, sagte Jane.</p><p>�Du meinst, ihr d�rft es nicht?�</p><p>�Nein, wir d�rften schon�, sagte Jane. �Unsere Dienstzeit betr�gt zehn Jahre, genauso wie bei euch, obwohl in unserem Fall keine Aussicht auf eine Verk�rzung besteht. Wir setzen uns nicht zur Ruhe, das ist alles.�</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Wir haben keine Erfahrung damit, etwas anderes zu sein als das, was wir sind�, sagte Jane. �Wir werden geboren, wir k�mpfen, das ist unser Job. Und darin sind wir verdammt gut.�</p><p>�Hast du nie den Wunsch, irgendwann mit dem K�mpfen aufzuh�ren?�</p><p>�Warum?�</p><p>�Zum einen reduziert es dramatisch deine Chance, einen gewaltsamen Tod zu erleiden. Zum anderen h�ttest du die Gelegenheit, das Leben zu f�hren, von dem ihr alle tr�umt. Du wei�t schon, die Lebensgeschichten, die ihr euch ausdenkt. Wir Normalen hatten ein solches Leben, bevor wir rekrutiert wurden. Ihr k�nntet es anschlie�end haben.�</p><p>�Ich w�sste gar nicht, was ich mit mir anfangen sollte�, sagte Jane.</p><p>�Willkommen im Scho� der Menschheit. Hei�t das also, dass niemand von der Spezialeinheit jemals den Dienst quittiert?�</p><p>�Ich kenne ein paar, die es getan haben. Aber es sind nur wenige.�</p><p>�Was ist mit ihnen passiert? Wohin sind sie gegangen?�</p><p>�Ich bin mir nicht ganz sicher�, wand sich Jane und wechselte abrupt das Thema. �Ich m�chte, dass du morgen in meiner N�he bleibst.�</p><p>�Verstehe.�</p><p>�Du bist immer noch viel zu langsam. Ich m�chte vermeiden, dass du meinen anderen Leuten auf die F��e trittst.�</p><p>�Danke.�</p><p>�Tut mir leid�, sagte Jane. �Ich glaube, das war nicht sehr taktvoll. Aber du hast auch schon Soldaten in den Kampf gef�hrt. Du wei�t, welche Sorgen ich mir mache. Ich bin bereit, das Risiko einzugehen, das mit deiner Teilnahme verbunden ist. Aber das muss nicht zwangsl�ufig f�r andere gelten.�</p><p>�Ich wei߫, sagte ich. �Und ich nehme es nicht pers�nlich. Mach dir keine Sorgen. Ich werde mein Gep�ck selbst tragen. Ich habe vor, mich irgendwann zur Ruhe zu setzen, wei�t du. Dazu muss ich noch eine Weile am Leben bleiben.�</p><p>�Gut, dass du motiviert bist�, sagte Jane.</p><p>�Das sehe ich genauso. Auch du solltest dir �berlegen, dich zur Ruhe zu setzen. Wie du gesagt hast, ist es gut, zum �berleben motiviert zu sein.�</p><p>�Ich m�chte nicht tot sein�, sagte Jane. �Das ist eine sehr starke Motivation.�</p><p>�Falls du es dir anders �berlegen solltest, werde ich dir eine Postkarte schicken, wo auch immer ich meinen zweiten Lebensabend verbringen werde. Komm zu mir. Wir k�nnten gemeinsam auf einer Farm leben. H�hner pflanzen und Mais halten.�</p><p>Jane schnaufte. �Das kann nicht dein Ernst sein.�</p><p>�Es ist mein voller Ernst.� Erst dann wurde mir bewusst, dass ich es wirklich so meinte.</p><p>Jane schwieg eine Weile. �Das Leben auf einer Farm gef�llt mir nicht�, sagte sie schlie�lich.</p><p>�Woher willst du das wissen? Du hast es nie ausprobiert.�</p><p>�Wollte Kathy auf einer Farm leben?�, fragte Jane.</p><p>�Alles andere als das. Sie brachte kaum die n�tige Geduld f�r einen Vorgarten auf.�</p><p>�Siehst du?�, sagte Jane. �Ich habe das Pr�zedenzrecht auf meiner Seite.�</p><p>�Denk trotzdem mal dr�ber nach.�</p><p>�Vielleicht werde ich das tun�, sagte Jane.</p><empty-line/><p><emphasis>Wo, zum Teufel, habe ich den Munitionsstreifen hingetan?</emphasis>, sendete Jane, dann schlugen die Raketen ein. Ich warf mich zu Boden, als vom Felsvorsprung, auf dem Jane stand, Gesteinssplitter auf mich herabregneten. Ich blickte auf und sah Janes zuckende Hand. Ich wollte mich auf den Weg zu ihr machen, wurde jedoch durch neues Feuer zur�ckgehalten. Ich sprang zur�ck hinter den Felsen in Deckung.</p><p>Ich sah zur Gruppe der Rraey hinunter, die uns kalt erwischt hatten. Zwei von ihnen bewegten sich langsam den H�gel hinauf in unsere Richtung, w�hrend zwei weitere damit besch�ftigt waren, eine neue Rakete zu laden. F�r mich bestand kein Zweifel �ber ihr vorgesehenes Ziel. Ich warf eine Granate zu den beiden n�her kommenden Rraey und h�rte, wie sie hektisch Deckung suchten. Nach der Explosion beachtete ich die beiden nicht weiter und feuerte einen Schuss auf einen der Rraey am Raketenwerfer ab. Er brach t�dlich verwundet zusammen und l�ste dabei die Rakete aus. Der Triebwerksstrahl versengte seinem Kameraden das Gesicht, worauf er schreiend herumirrte und sich die Augen zuhielt. Ich schoss ihm in den Kopf. Die Rakete stieg empor, flog aber nicht in meine Richtung. Ich wartete nicht ab, bis ich sehen konnte, wo sie landen w�rde.</p><p>Die zwei Rraey, die sich unserer Stellung gen�hert hatten, kamen wieder hervorgekrochen. Ich feuerte eine weitere Granate in ihre ungef�hre Richtung, um sie abzulenken, und hetzte dann zu Jane. Die Granate landete genau vor einem der Rraey und riss ihm die Beine ab. Der zweite warf sich zu Boden. Ich schickte noch eine Granate hin�ber. Diesmal schaffte er es nicht, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.</p><p>Ich ging neben Jane in die Knie. Sie zuckte immer noch, und ich sah nun den Felssplitter, der sich seitlich in ihren Sch�del gebohrt hatte. Das SmartBlood bildete schnell einen festen Schorf, aber an den R�ndern sickerte immer noch etwas hervor. Ich sprach zu Jane, aber sie reagierte nicht. Ich griff auf ihren BrainPal zu und empfing emotionale Ausbr�che von Schock und Schmerz. Ihre Augen bewegten sich, nahmen aber nichts wahr. Sie w�rde sterben. Ich hielt ihre Hand und versuchte den Ansturm von �belkeit zu unterdr�cken, den dieses D�j�-vu-Erlebnis in mir ausl�ste.</p><p>Der Gegenangriff hatte im Morgengrauen begonnen, und er war viel heftiger ausgefallen, als wir bef�rchtet hatten. Nachdem die Rraey erkannt hatten, dass sie durch den Verlust der Ortungsstation ohne jeden Schutz waren, hatten sie gnadenlos zugeschlagen, um das Gel�nde zur�ckzuerobern. Der Angriff wirkte etwas planlos, da sie nicht genug Zeit f�r eine gr�ndliche Vorbereitung gehabt hatten, aber sie setzten uns trotzdem schwer zu. Ein Truppentransporter nach dem anderen tauchte am Horizont auf und brachte weitere Rraey ins Kampfgebiet.</p><p>Die Soldaten der Spezialeinheit benutzten ihre typische Mischung aus Taktik und Wahnsinn und griffen diese Truppentransporter schon w�hrend der Landung an. Kleine Gruppen st�rmten auf die Schiffe zu und feuerten Raketen und Granten durch die Ausstiegsluken, sobald sie sich �ffneten. Irgendwann hatten die Rraey ihre Luftunterst�tzung organisiert, und nun konnten die Truppen landen, ohne schon im n�chsten Moment ausgel�scht zu werden. W�hrend der gr��te Teil unserer Streitkr�fte das Kommandozentrum und die erbeutete Consu-Technik verteidigte, sicherte unser Trupp die Umgebung, setzte den Rraey zu und erschwerte ihnen das Vorankommen. Zu diesem Zweck hatten Jane und ich auf dem Felsvorsprung Stellung bezogen, mehrere hundert Meter vom Kommandozentrum entfernt.</p><p>Genau unter unserer Stellung r�ckte die n�chste Gruppe von Rraey auf uns zu. Es wurde Zeit, von hier zu verschwinden. Ich feuerte zwei Raketen ab, um die Rraey zu stoppen, dann legte ich mir Jane �ber die Schulter. Sie st�hnte, aber darauf konnte ich jetzt keine R�cksicht nehmen. Ich sah einen Felsblock, den Jane und ich auf dem Herweg als Deckung benutzt hatten, und rannte hin�ber. Hinter mir legten die Rraey auf mich an. Sch�sse pfiffen mir um die Ohren, und Gesteinssplitter flogen mir ins Gesicht. Ich warf mich hinter den Felsblock, legte Jane ab und feuerte den Rraey eine Granate entgegen. Als sie hochging, sprang ich hinter dem Felsblock hervor und lief genau auf die Gruppe zu. Die Rraey kreischten, da sie nicht wussten, was sie von diesem Menschen halten sollten, der sie frontal angriff. Ich schaltete meine Vauzett auf Automatikfeuer und erledigte meine Gegner aus kurzer Distanz, bevor sie dazu kamen, sich zu organisieren. Dann eilte ich zu Jane zur�ck und stellte wieder eine Verbindung zu ihrem BrainPal her. Sie war noch da. Sie lebte noch.</p><p>Als N�chstes kam ein schwieriges Wegst�ck. Zwischen mir und meinem Ziel, einer kleinen Werkstatt, lag eine etwa hundert Meter breite offene Fl�che. Am Rand hatte Infanterie der Rraey Stellung bezogen, und ein gegnerisches Fluggef�hrt n�herte sich dem Bereich, zu dem ich wollte, und suchte nach Menschen, die sich erschie�en lie�en. Ich erkundigte mich bei Arschloch, wo sich Janes Leute befanden, und stellte fest, dass drei in meiner N�he waren, zwei auf meiner Seite der freien Fl�che, drei�ig Meter entfernt, und ein weiterer auf der anderen Seite. Ich erteilte ihnen den Befehl, mir Feuerschutz zu geben, hob Jane wieder auf, und rannte in Richtung der Werkstatt.</p><p>Der Kugelhagel brachte die Luft zum Kochen. Erde spritzte hoch, als sich die Geschosse in den Boden bohrten, wo meine F��e waren oder gewesen w�ren. Ich steckte einen Streifschuss an der linken H�fte ein, und meine untere K�rperh�lfte drehte sich weg, w�hrend ich heftige Schmerzen sp�rte. Ich schaffte es, auf den Beinen zu bleiben und weiterzulaufen. Hinter mir h�rte ich das Krachen, wenn Raketen in die Stellungen der Rraey einschlugen. Die Kavallerie war eingetroffen.</p><p>Das Fluggef�hrt der Rraey wandte sich in meine Richtung, um mich ins Visier zu nehmen, musste dann jedoch abdrehen, um einer Rakete auszuweichen, die einer von unseren Soldaten abgefeuert hatte. Das Man�ver gelang, aber mit den n�chsten zwei Raketen, die von der anderen Seite kamen, hatte das Schiff weniger Gl�ck. Die erste traf das Triebwerk, die zweite die Pilotenkanzel. Das Fluggef�hrt neigte sich, konnte sich aber noch lange genug in der Luft halten, um von einer letzten Rakete getroffen zu werden, die durch die zertr�mmerte Windschutzscheibe ins Cockpit raste und dort explodierte. Das Schiff st�rzte mit ersch�tternder Wucht zu Boden, w�hrend ich die Werkstatt erreichte. Hinter mir wandten sich die Rraey, die mich beschossen hatten, Janes Leuten zu, die ihnen viel mehr Schwierigkeiten bereiteten als ich. Ich riss die T�r zum kleinen Geb�ude auf und schob mich und Jane hinein.</p><p>In der Werkstatt war es verh�ltnism��ig ruhig, sodass ich mir die Zeit nahm, Janes Zustand zu untersuchen. Ihre Kopfwunde war v�llig mit SmartBlood verschorft. Ich konnte nicht erkennen, wie gro� der Schaden war oder wie tief die Gesteinstr�mmer in ihr Gehirn eingedrungen waren. Ihr Puls war stark, aber ihr Atem ging flach und unregelm��ig. In einem solchen Fall erwies sich die gr��ere Sauerstoffaufnahmekapazit�t von SmartBlood als sehr praktisch. Ich war mir nicht mehr sicher, dass sie sterben w�rde, aber ich wusste auch nicht, was ich tun konnte, um sie am Leben zu erhalten.</p><p>Ich fragte Arschloch nach M�glichkeiten, und er bot mir eine an: Im Kommandozentrum gab es eine kleine Krankenstation. Sie war bescheiden eingerichtet, aber es war eine tragbare Stasiskammer vorhanden. Damit lie� sich Jane stabilisieren, bis wir sie in ein Schiff bringen und nach Phoenix schaffen konnten, wo sie eine angemessene Behandlung bekommen w�rde. Ich erinnerte mich, wie Jane und die Besatzung der <emphasis>Sparrowhawk</emphasis> mich in eine Stasiskammer gesteckt hatten, nachdem ich mich das erste Mal auf Coral aufgehalten hatte. Jetzt konnte ich mich f�r die Rettung erkenntlich zeigen.</p><p>Eine Geschossgarbe pfiff durch ein Fenster �ber mir. Also hatte sich jemand daran erinnert, dass ich noch hier war. Zeit f�r einen neuen Standortwechsel. Ich plante die n�chste Strecke zu einem von den Rraey angelegten Sch�tzengraben f�nfzig Meter weiter, der nun von Leuten der Spezialeinheit gehalten wurde. Ich teilte ihnen mit, dass ich kommen w�rde, und gehorsam gaben sie mir Feuerschutz, w�hrend ich im Zickzack zu ihnen lief. Damit war ich wieder hinter den Linien der Spezialeinheit. Der Rest des Weges zum Kommandozentrum verlief ohne dramatische Zwischenf�lle.</p><p>Als ich eintraf, begannen die Rraey gerade, das Kommandozentrum unter Artilleriebeschuss zu nehmen. Sie verfolgten offenbar nicht mehr die Absicht, ihre Ortungsstation zur�ckzuerobern, sondern begn�gten sich damit, sie zu zerst�ren. Ich blickte zum Himmel hinauf. Selbst in der Helligkeit des Morgens waren Lichtblitze zu erkennen, die durch das Blau schimmerten. Die Flotte der Kolonialen war eingetroffen.</p><p>Die Rraey w�rden nicht lange brauchen, das Kommandozentrum mitsamt der Consu-Technik in Schutt und Asche zu legen. Mir blieb also nicht viel Zeit. Ich lief geduckt ins Geb�ude und hetzte zur Krankenstation, w�hrend sich alle anderen nach drau�en fl�chteten.</p><empty-line/><p>In der Krankenstation befand sich etwas Gro�es und Kompliziertes. Es war das Ortungssystem der Consu. Wahrscheinlich wussten nur die Rraey, warum sie beschlossen hatten, es hier unterzubringen. Demzufolge war die Krankenstation der einzige Raum im gesamten Kommandozentrum, der nicht v�llig zerschossen worden war. Die Spezialeinheit hatte den Befehl erhalten, das Ortungssystem unversehrt zu bergen, weshalb unsere Jungs und M�dchen die Rraey in diesem Raum mit Blendgranaten und Messern angegriffen hatten. Die Rraey waren immer noch hier und lagen mit Stichwunden am Boden.</p><p>Das Ortungssystem&#x25E6;� ein strukturloser Kasten an der Wand&#x25E6;� summte fast gen�sslich vor sich hin. Der einzige Hinweis auf eine Schnittstelle zur Au�enwelt war ein kleiner Monitor und eine Zugangsspindel f�r ein Speichermodul der Rraey. Das Ding lag wie zuf�llig auf einem Krankenhausnachttisch neben der Anlage. Das Ortungssystem hatte keine Ahnung, dass es dank einer einschlagenden Rraey-Granate in nur wenigen Minuten nicht mehr als ein Haufen zerfetzter Bauteile sein w�rde. All unsere Bem�hungen, das verdammte Ding unversehrt zu sichern, w�rden dann vergebens sein.</p><p>Das Kommandozentrum wurde ersch�ttert. Ich h�rte auf, mir Gedanken �ber das Ortungssystem zu machen, und legte Jane behutsam auf ein Krankenbett. Dann suchte ich nach der Stasiskammer. Ich fand sie in einem kleinen Nebenraum, in dem verschiedene Dinge gelagert wurden. Sie sah aus wie ein Rollstuhl mit einem halbierten Zylinder aus Kunststoff. Ich nahm zwei tragbare Energiezellen vom Regal neben der Stasiskammer, schloss eine an die Kammer an und las die Anzeige. Das Ding hatte noch f�r zwei Stunden Saft. Ich nahm mir noch eine vom Regal. Sicher ist sicher.</p><p>Ich rollte die Kammer zu Jane hin�ber, als eine weitere Granate einschlug. Das Kommandozentrum erzitterte, und der Strom fiel aus. Die Detonation warf mich zur Seite, ich rutschte auf einer Rraey-Leiche aus und stie� mir im Fallen den Kopf an der Wand. Hinter meinen Augen blitzten grelles Licht auf und kurz darauf sp�rte ich heftige Schmerzen. Fluchend kam ich wieder hoch und sp�rte ein kleines Rinnsal SmartBlood, das aus einem Kratzer an der Stirn kam.</p><p>Die Beleuchtung ging ein paar Sekunden lang flackernd wieder an, und in den dunklen Momenten sendete Jane mir einen Sturm aus emotionalen Daten, der so intensiv war, dass ich mich an der Wand festhalten musste. Jane war wach und bei Bewusstsein, und in diesen paar Sekunden sah ich, was sie zu sehen glaubte. Es war noch eine andere Person bei ihr, eine Frau, die genauso aussah wie sie, die ihre H�nde an Janes Gesicht legte und sie l�chelnd ansah. Wieder flackerte es, und dann sah sie wieder genauso aus, wie ich sie das letzte Mal gesehen hatte. Nachdem die Lampen noch ein paarmal geflackert hatten, brannten sie wieder normal, und die Halluzination verschwand.</p><p>Jane zuckte, und ich ging zu ihr. Ihre Augen waren weit aufgerissen, und sie sah mich an. Ich griff auf ihren BrainPal zu. Sie war noch bei Bewusstsein, stand aber schon auf der Kippe.</p><p>�He�, sagte ich leise und nahm ihre Hand. �Du hast etwas abbekommen, Jane. Vorl�ufig bist du in Sicherheit, aber ich muss dich in diese Stasiskammer legen, bis wir dir helfen k�nnen. Auch du hast mich einmal gerettet, wei�t du noch? Also sind wir anschlie�end quitt. Hauptsache, du h�ltst lange genug durch. Okay?�</p><p>Jane nahm meine Hand, aber ihr Griff war nur schwach. �Ich habe sie gesehen�, fl�sterte sie. �Ich habe Kathy gesehen. Sie hat zu mir gesprochen.�</p><p>�Was hat sie gesagt?�</p><p>�Sie sagte �� Jane driftete f�r einen Moment weg, bevor sie sich wieder auf mich konzentrierte. �Sie sagte, ich sollte mit dir auf einer Farm leben.�</p><p>�Was hast du dazu gesagt?�</p><p>�Okay.�</p><p>�Okay?�</p><p>�Okay�, best�tigte Jane, dann entglitt sie wieder. Ihre BrainPal-Daten deuteten auf unregelm��ige Gehirnaktivit�ten hin. Ich hob sie auf und legte sie so vorsichtig wie m�glich in die Stasiskammer. Ich gab ihr einen Kuss und schaltete die Einheit an. Die Kammer verschloss sich summend. Janes neurale und physiologische Werte wurden auf Schneckentempo verlangsamt. Sie war bereit f�r den Abtransport. Ich achtete auf die R�der, damit ich um den toten Rraey herumman�vrieren konnte, auf den ich kurz zuvor getreten war. Dabei fiel mir das Speichermodul auf, das aus der Bauchtasche des Aliens ragte.</p><p>Wieder bebte das Kommandozentrum, als es erneut getroffen wurde. Trotz der Gefahr nahm ich das Modul, ging zur Spindel hin�ber und dr�ckte es hinein. Der Monitor erwachte zum Leben und zeigte eine Dateiliste in der Schrift der Rraey an. Ich �ffnete eine Datei und betrachtete ein Diagramm. Ich schloss sie und �ffnete eine andere Datei. Weitere Diagramme. Ich kehrte zur �bersicht zur�ck und sah mir das grafische Interface an, ob es dort einen �bergeordneten Zugang gab. Es gab einen. Ich griff darauf zu und lie� mir von Arschloch �bersetzen, was ich sah.</p><p>Was ich sah, war ein Handbuch f�r das Ortungssystem der Consu. Diagramme, Bedienungsanleitungen, technische Daten, Fehlerbehebung. Alles, was man brauchte. Es war fast so gut wie die Maschine selbst.</p><p>Die n�chste Granate schlug mitten ins Kommandozentrum, warf mich auf den Hintern. Geschosssplitter fetzten durch die Krankenstation. Ein Metallst�ck hatte ein klaffendes Loch im Monitor hinterlassen, auf den ich geblickt hatte, ein anderes Teil hatte sich mitten in die Ortungsstation gebohrt. Die Anlage h�rte auf zu summen und gab nun erstickte Ger�usche von sich. Ich griff mir das Speichermodul, zog es herunter, packte die Griffe der Stasiskammer und beeilte mich. Wir waren kaum weit genug entfernt, als eine letzte Granate ins Kommandozentrum einschlug und das Geb�ude vollends zum Einsturz brachte.</p><p>Vor uns zogen sich die Rraey zur�ck. Die Ortungsstation geh�rte jetzt nicht mehr zu ihren dringlichen Problemen. �ber uns senkten sich mehrere Dutzend dunkler Punkte herab. Es waren Landeboote voller KVA-Soldaten, die darauf brannten, den Planeten zur�ckzuerobern. Ich wollte ihnen nicht im Weg stehen. Ich wollte nur so schnell wie m�glich von diesem Felsbrocken verschwinden.</p><p>Nicht allzu weit entfernt hielt Major Crick eine Einsatzbesprechung mit seinem Stab ab. Er winkte mich zu sich. Ich kam mitsamt der rollenden Kammer zu ihm. Er warf einen Blick auf sie und dann auf mich.</p><p>�Ich habe geh�rt, Sie w�ren fast einen Kilometer mit Sagan auf dem R�cken durch die Kampfzone gelaufen und dann mit ihr im Kommandozentrum verschwunden, als die Rraey mit dem Artilleriefeuer begannen. Aber waren nicht <emphasis>Sie</emphasis> es, der <emphasis>uns</emphasis> als wahnsinnig bezeichnet hat.�</p><p>�Ich bin nicht wahnsinnig, Major�, sagte ich. �Ich verf�ge �ber einen fein abgestimmten Sinn f�r akzeptable Risiken.�</p><p>�Wie geht es ihr?�, fragte Crick und zeigte auf Jane.</p><p>�Ihr Zustand ist stabil�, sagte ich. �Aber sie hat eine ziemlich schwere Kopfverletzung. Wir m�ssen sie so schnell wie m�glich an professionelle H�nde �bergeben.�</p><p>Crick deutete mit einem Nicken zu einem landenden Shuttle. �Das ist der erste verf�gbare Transporter�, sagte er. �Sie beide stehen auf der Passagierliste.�</p><p>�Vielen Dank, Major.�</p><p>�Ihnen geb�hrt der Dank, Perry�, sagte Crick. �Sagan ist einer meiner besten Offiziere. Ich bin zutiefst erleichtert, dass Sie sie gerettet haben. Wenn es Ihnen obendrein gelungen w�re, die Ortungsstation zu retten, w�re ich �bergl�cklich. All unsere Bem�hungen, die Station zu verteidigen, waren leider umsonst.�</p><p>�Vielleicht nicht ganz�, sagte ich und zeigte ihm das Speichermodul. �Ich habe hier etwas, das f�r Sie m�glicherweise von Interesse ist.�</p><p>Crick starrte auf das Speichermodul, dann legte sich seine Stirn in tiefe Falten. �Leute, die st�ndig Erfolg haben, machen sich bei anderen nicht unbedingt beliebt, Captain.�</p><p>�Damit k�nnten Sie Recht haben�, sagte ich. �Aber nicht mit der Anrede. Ich bin Lieutenant.�</p><p>�Das l�sst sich �ndern�, sagte Crick.</p><p>Jane verlie� Coral mit dem ersten Shuttle. Ich wurde noch eine Weile aufgehalten.</p></section><section><title><p>18</p></title><p>Ich wurde Captain. Jane sah ich nie wieder.</p><p>Das erste dieser beiden Ereignisse war eindeutig das dramatischere. Jane auf dem R�cken mehrere hundert Meter weit quer durch ein Schlachtfeld zu tragen und sie im Granatenhagel in eine Stasiskammer zu verfrachten, h�tte bereits gen�gt, um mir eine lobende Erw�hnung in den offiziellen Einsatzberichten zu verdienen. Dass ich au�erdem die technischen Daten f�r das Ortungssystem der Consu geborgen hatte, war vielleicht ein bisschen zu viel des Guten, wie Major Crick angedeutet hatte. Aber es lie� sich nicht mehr �ndern. Die Zweite Schlacht von Coral brachte mir ein paar weitere Orden und eine Bef�rderung ein. Falls sich jemand wunderte, wie ich es in weniger als einem Monat vom Corporal zum Captain gebracht hatte, behielt er es f�r sich. Ich machte es genauso. Auf jeden Fall gab es in den folgenden Monaten immer jemanden, der mir einen ausgeben wollte. Nat�rlich muss niemand f�r Getr�nke bezahlen, wenn man in der KVA ist. Es geht um die Geste.</p><p>Die Bedienungsanleitung der Ortungsstation wurde direkt an die milit�rische Forschungsabteilung weitergeleitet. Harry erz�hlte mir sp�ter, darin herumzubl�ttern w�re so gewesen, als h�tte man einen Blick in Gottes Notizbuch werfen d�rfen. Die Rraey wussten, wie man die Anlage bediente, aber sie hatten keine Ahnung, wie sie funktionierte. Selbst mit einem vollst�ndigen Konstruktionsplan h�tten sie es vermutlich nie geschafft, ein zweites System zusammenzubauen. Dazu fehlten ihnen die n�tigen Produktionsmittel. Daran bestand f�r uns kein Zweifel, weil auch wir nicht die n�tigen Produktionsmittel hatten. Schon die theoretischen Grundlagen der Maschine basierten auf einem v�llig neuen Zweig der Physik und f�hrten dazu, dass die Kolonien die Skip-Technologie gr�ndlich �berarbeiten mussten.</p><p>Harry wurde dem Team zugewiesen, das die Aufgabe hatte, praktische Anwendungen aus den neuen Erkenntnissen zu ziehen. Er war begeistert �ber diese neue Stellung. Jesse beklagte sich, dass er seitdem unertr�glich war. Harrys ewige N�rgelei, dass ihm die n�tige Mathematik f�r den Job fehlte, spielte nun keine Rolle mehr, weil niemand die n�tige Mathematik beherrschte. Jedenfalls best�tigte das Ganze die Vorstellung, dass die Consu eine Spezies waren, mit der wir es uns nicht verscherzen sollten.</p><p>Einige Monate nach der Zweiten Schlacht von Coral kamen Ger�chte auf, dass die Rraey wieder Kontakt mit den Consu aufgenommen hatten, um sie um weitere technische Unterst�tzung zu bitten. Die Antwort der Consu bestand darin, dass sie das Schiff der Rraey implodieren lie�en und es ins n�chste Schwarze Loch dirigierten. Die Reaktion kommt mir reichlich �bertrieben vor. Aber es handelte sich ja nur um Ger�chte.</p><p>Nach Coral wurde ich von der KVA mit mehreren gem�tlichen Missionen betraut. Die erste war eine Tournee durch die Kolonien, wobei ich als Held der KVA auftreten und den Kolonisten zeigen sollte, wie toll die Koloniale Verteidigungsarmee f�r EUCH k�mpft! Ich musste mir viele bunte Paraden ansehen und als Schiedsrichter in zahlreichen Kochwettbewerben auftreten. Nach mehreren Monaten war ich bereit, wieder etwas anderes zu tun, obwohl es durchaus nett war, den einen oder anderen Planeten zu besuchen, ohne jeden t�ten zu m�ssen, der sich dort herumtrieb.</p><p>Nach dieser Werbekampagne schickte mich die KVA zu den Transportschiffen mit den neuen Rekruten. Ich war nun der Typ, der vor tausend alten Menschen in neuen K�rpern stand und ihnen sagte, dass sie Spa� haben sollten, um ihnen eine Woche sp�ter zu erkl�ren, dass drei Viertel von ihnen die n�chsten zehn Jahre nicht �berleben w�rden. Diese Aufgabe hatte f�r mich einen fast unertr�glichen bitters��en Geschmack. Ich betrat den Speisesaal eines Transportschiffs und beobachtete, wie sich freundschaftliche Bande zwischen den Gruppen bildeten, genauso wie es mir mit Harry, Jesse, Alan, Maggie, Tom und Susan ergangen war. Ich fragte mich, wie viele von ihnen durchkommen w�rden. Ich w�nschte es allen. Aber ich wusste, dass die meisten es nicht schaffen w�rden. Nach einigen Monaten in diesem Job beantragte ich einen neuen T�tigkeitsbereich. Niemand wunderte sich dar�ber. Es war ein Job, den niemand gerne lange Zeit machte.</p><p>Schlie�lich bat ich darum, wieder in die k�mpfende Truppe versetzt zu werden. Nicht dass ich wild aufs K�mpfen war, obwohl ich seltsamerweise ziemlich gut darin war. Aber in diesem Leben war ich nun einmal Soldat. Dazu hatte ich mich verpflichtet, und das wollte ich sein. Ich hegte die Absicht, irgendwann damit aufzuh�ren, aber vorl�ufig wollte ich weiter dabei sein. Ich wurde einem Bataillon zugewiesen und in die <emphasis>Taos</emphasis> versetzt. Dort bin ich jetzt. Es ist ein gutes Schiff. Meine Soldaten sind gute Leute. In diesem Leben kann man sich kaum mehr w�nschen.</p><p>Dass ich Jane nie wiedersah, war gar nicht so dramatisch. Schlie�lich war ein Nichtwiedersehen kein besonders aufw�hlendes Ereignis. Jane flog mit dem ersten Shuttle zur <emphasis>Amarillo</emphasis>. Der Bordarzt warf nur einen kurzen Blick auf die Soldatin der Spezialeinheit und schob sie in eine Ecke seiner Krankenstation. Sie blieb in der Stasiskammer, bis sie nach Phoenix zur�ckkehrten, wo sich die medizinischen Ingenieure der Spezialeinheit mit ihr besch�ftigen konnten. Ich kam irgendwann mit der <emphasis>Bakersfield</emphasis> nach Phoenix. Zu diesem Zeitpunkt steckte Jane tief in den Eingeweiden der medizinischen Abteilung der Spezialeinheit und war f�r einen Normalsterblichen wie mich unerreichbar&#x25E6;� nicht einmal f�r einen gefeierten Helden wie mich.</p><p>Kurz danach wurde ich ausgezeichnet, bef�rdert und auf die gro�e Tournee durch die Kolonien geschickt. Irgendwann erhielt ich von Major Crick die Nachricht, dass Jane genesen war und wieder ihren Dienst angetreten hatte. Zusammen mit vielen anderen �berlebenden Besatzungsmitgliedern der <emphasis>Sparrowhawk</emphasis> war sie in ein neues Schiff namens <emphasis>Kite</emphasis> versetzt worden. Dar�ber hinaus h�tte es wenig Sinn, Jane eine Nachricht schicken zu wollen. Die Spezialeinheit war eben etwas Spezielles. Die Geisterbrigade. Es ging einen nichts an, wo sich diese Leute aufhielten oder was sie taten oder dass sie �berhaupt existierten.</p><p>Doch ich wei�, dass es sie gibt. Wenn Soldaten der Spezialeinheit mich sehen, schicken sie mir einen kurzen BrainPal-Impuls&#x25E6;� einen geballten Schwall emotionaler Informationen, mit dem sie ihrem Respekt Ausdruck verleihen. Ich bin der einzige Naturgeborene, der jemals in der Spezialeinheit diente, wenn auch nur f�r kurze Zeit. Ich habe einem von ihnen das Leben gerettet und daf�r gesorgt, dass eine ihrer Missionen doch nicht mit einem Fehlschlag endete. Wenn ich einen solchen Impuls empfange, sende ich eine genauso knappe Antwort zur�ck, doch ansonsten zeige ich keine Reaktion, um sie nicht zu verraten. So ist es den Leuten von der Spezialeinheit am liebsten. Ich habe Jane weder auf Phoenix noch anderswo wiedergesehen.</p><p>Aber ich habe von ihr geh�rt. Kurz nach meiner Versetzung zur <emphasis>Taos</emphasis> teilte Arschloch mir mit, dass ich eine Nachricht von einem anonymen Absender empfangen hatte. Das war etwas Neues, denn ich hatte �ber meinen BrainPal noch nie eine anonyme Nachricht erhalten. Ich �ffnete sie. Ich sah ein Bild von einem Getreidefeld mit einem Farmhaus in der Ferne und einem Sonnenaufgang. Vielleicht war es auch ein Sonnenuntergang, aber so f�hlte es sich nicht an. Ich brauchte einen Moment, um zu kapieren, dass das Bild eine Postkarte sein sollte. Dann h�rte ich ihre Stimme&#x25E6;� die Stimme, die ich im Laufe meines Lebens von zwei verschiedenen Frauen geh�rt hatte.</p><p><emphasis>Du hast mich einmal gefragt, wohin die Angeh�rigen der Spezialeinheit gehen, wenn sie sich zur Ruhe setzen, und ich habe geantwortet, dass ich es nicht wei�. Aber jetzt wei� ich es. F�r uns gibt es einen Ort, zu dem wir gehen k�nnen, wenn wir m�chten, wo wir lernen k�nnen, als Menschen zu leben. Ich glaube, wenn die Zeit kommt, gehe ich dorthin. Ich glaube, ich m�chte, dass du mitkommst. Aber du musst nicht. Doch wenn du m�chtest, kannst du es tun. Schlie�lich bist du einer von uns.</emphasis></p><p>Ich hielt die Nachricht f�r einen Moment an, und als ich bereit war, setzte ich sie fort.</p><p><emphasis>Ein Teil von mir war einmal jemand, den du geliebt hast. Ich glaube, dieser Teil von mir m�chte wieder von dir geliebt werden, und er m�chte, dass auch ich dich liebe. Ich kann niemals wie sie sein. Ich kann nur ich sein. Aber ich glaube, du k�nntest mich lieben, wenn du willst. Ich m�chte, dass du es tust. Komm zu mir, wenn du kannst. Ich werde da sein.</emphasis></p><p>Das war alles.</p><p>Ich denke an den Tag zur�ck, als ich zum letzten Mal das Grab meiner Frau besuchte und ihm ohne Reue den R�cken zukehrte, weil ich wusste, dass sie nicht das war, was sich in diesem Loch im Boden befand. Ich bin in ein neues Leben eingetreten und habe sie wiedergefunden, in einer Frau, die eine eigene Pers�nlichkeit hat. Wenn ich mit diesem Leben fertig bin, werde ich auch ihm ohne Reue den R�cken zukehren, weil ich wei�, dass sie auf mich wartet&#x25E6;� in einem anderen, v�llig andersartigen Leben.</p><p>Ich habe sie nie wiedergesehen, aber ich wei�, dass es eines Tages geschehen wird. Bald. Wenn es so weit ist.</p></section></section><section><title><p>Danksagung</p></title><p>Der Weg zur Ver�ffentlichung dieses Romans war voller Aufregung und �berraschungen, und auf diesem Weg haben mich so viele Menschen unterst�tzt, dass ich gar nicht wei�, mit wem ich anfangen soll.</p><p>Also fange ich einfach mit den Leuten an, die daran beteiligt waren, dass dieses Buch in gedruckter Form erscheinen konnte. An erster Stelle m�chte ich Patrick Nielsen Hayden danken, weil er das Ding gekauft und sich sorgf�ltig um die Herausgabe gek�mmert hat. Weiterhin danke ich Teresa Nielsen Hayden f�r ihre unsch�tzbare Arbeit, f�r vern�nftige Ratschl�ge und gute Gespr�che. Donato Giancola schuf das Titelbild, das viel cooler aussieht, als ich h�tte erhoffen d�rfen. Er ist toll, genauso wie Irene Gallo, die, wie ich hoffe, inzwischen ebenfalls ein Fan der Beach Boys ist. Und ich danke allen anderen im Verlag Tor. Ich verspreche, dass ich mir bis zum n�chsten Buch all eure Namen gemerkt habe.</p><p>Zu einem fr�hen Zeitpunkt boten mir mehrere Leute ihre Dienste als �Beta-Tester� an, und als Gegenleistung hatte ich ihnen eine Erw�hnung in den Danksagungen versprochen. Dummerweise habe ich die komplette Liste verloren (schlie�lich ist es schon ein paar Jahre her), aber einige der Leute, die mir Feedback gaben, sind (in willk�rlicher Reihenfolge) Erin Rourke, Mary Anne Glazar, Christopher McCullough, Steve Adams, Alison Becker, Lynette Millett, James Koncz, Tiffany Caron und Jeffrey Brown. Es gibt mindestens noch einmal so viele, die ich vergessen habe und deren Name ich in meinen E-Mail-Archiven nicht wiederfinde. Sie alle bitte ich um Verzeihung, danke ihnen f�r ihre M�he und verspreche, dass ich meine Notizen in Zukunft besser verwalte. Ich schw�re es!</p><p>Folgenden Science-Fiction- und Fantasy-Autoren und -Redakteuren schulde ich Dank f�r ihre Hilfe und/oder Freundschaft und hoffe, beides erwidern zu k�nnen: Cory Doctorow, Robert Charles Wilson, Ken MacLeod, Justine Larbalestier, Scott Westerfeld, Charlie Stross, Naomi Kritzer, Mary Anne Mohanraj, Susan Marie Groppi und ganz besonders Nick Sagan, dessen Familiennamen ich im Roman verwendet habe (als Zeichen der Hochachtung f�r seinen Vater) und der au�erdem ein guter Freund und ein gesch�tztes Mitglied in der Nick-und-John-die-sich-gegenseitig-in-den-Arsch-treten-Gesellschaft geworden ist. Viel Erfolg w�nsche ich meinem Agenten Ethan Ellenberg, der nun die Aufgabe �bernehmen wird, Leute zu �berreden, dieses Buch in allen m�glichen Sprachen zu ver�ffentlichen.</p><p>Au�erdem danke ich Freunden und Verwandten, die mich davor bewahrten, wahnsinnig zu werden. In willk�rlicher Reihenfolge: Deven Desai, Kevin Stampfl, Daniel Mainz, Shara Zoll, Natasha Kordus, Stephanie Lynn, Karen Meisner, Stephen Bennett, Cian Chang, Christy Gaitten, John Anderson, Rick McGinnis, Joe Rybicki, Karen und Bob Basye, Ted Rall, Shelley Skinner, Eric Zorn, Pamela Ribon, Mykal Burns, Bill Dickson und Regan Avery. Ein Dankesch�n an alle Leser, die sich mein Blog angetan haben, um meine Erfahrungen auf dem Weg zur Ver�ffentlichung mitzuerleben. Ein Kuss und viel Liebe an Kristine und Athena Scalzi, die alles ertragen mussten. Mutter, Heather, Bob, Gale, Karen, Dora, Mike, Brenda, Richard, alle Nichten, Neffen, Cousinen und Vettern, Tanten und Onkel (davon gibt es eine ganze Menge!). Offensichtlich habe ich immer noch etliche Leute vergessen, aber ich will es mit der Dankbarkeit auch nicht �bertreiben.</p><p>Zu guter Letzt noch ein Dankesch�n an Robert A. Heinlein, dessen Bedeutung f�r mich (da diese Danksagungen am Ende des Buches stehen) offenkundig geworden sein d�rfte.</p></section><section><title><p><image l:href="#4"/></p><p>Bonusmaterial</p></title><subtitle>Fragen an einen Soldaten</subtitle><p>KOLONIALE VERTEIDIGUNGSARMEE</p><p>Abteilung f�r �ffentlichkeitsarbeit</p><p>3. Kompanie</p><p>Colonel W. Schafer, KO</p><empty-line/><p>DATUM:</p><p>238.05.15 SUSN</p><p>(siehe verlinkte �bersicht f�r lokale Umrechnungen)</p><empty-line/><p>DATEINUMMER:</p><p>KVA/A�-OOI-3793/16(N)</p><empty-line/><p>DATEINAME:</p><p>�ffentlicher Vortrag, Captain John Perry, KVA</p><p>Huckleberry-Kolonie, 238.05.10</p><empty-line/><p>DATEIBESCHREIBUNG:</p><p>Capt. Perry redet vor Einwohnern des Dorfs Neu-Goa auf der Huckleberry-Kolonie, beantwortet Fragen �ber das Leben im Dienst der KVA und spricht zu anderen Themen.</p><empty-line/><p>SPRECHER:</p><p>Capt. Perry, Rohit Kulkarni (B�rgermeister von Neu-Goa), sieben Einwohner von Neu-Goa</p><empty-line/><p>GEHEIMHALTUNGSSTUFE:</p><p>Nicht geheim</p><empty-line/><p>REDAKTION:</p><p>Keine. Transkription nach Standardalgorithmen zur Sprache-Text-Umwandlung</p><empty-line/><p>AUFGEZEICHNET VON:</p><p>Capt. John Perry, unbearbeitete BrainPal-Audioaufzeichnung</p><empty-line/><p>DATEIABLAGE:</p><p>Cpl. John Scalzi (Bibliothekar der KVA-A�, 3. Kompanie)</p><p>CC: Col. W. Schafer</p><subtitle>BEGINN DER TRANSKRIPTION: 238.05.10 03:05:34 (LOKALZEIT 21:30:15)</subtitle><p><strong>ROHIT KULKARNI:</strong> Ich bitte um Ihre Aufmerksamkeit! Wie ich sehe, hat Naren Bhatia seinen Nachtisch beendet, also wird es wirklich Zeit, zum n�chsten Tagesordnungspunkt des Abends �berzugehen. (<emphasis>Gel�chter</emphasis>) Hast du die Schale wirklich sauber geleckt, Naren? (<emphasis>Gel�chter</emphasis>) Meine Anjali wird sehr zufrieden sein, dass ihr Beitrag zu diesem Abend auf so gro�en Zuspruch gesto�en ist.</p><p>Es geschieht nicht h�ufig, dass die Bewohner unseres kleinen Dorfes einen Besucher von so hohem Rang begr��en d�rfen. Deshalb ist es mir eine besondere Ehre, Ihnen unseren heutigen Gast vorzustellen. Wie in der gesamten Union erinnert man sich auch auf Huckleberry und in Neu-Goa mit Schrecken an die Invasion von Coral, eine der �ltesten und bedeutendsten unserer Kolonien. Die Rraey haben s�mtliche dort lebenden Kolonisten massakriert, insgesamt gab es �ber einhunderttausend Tote. Es ist eins der d�stersten Kapitel in der Geschichte der Union.</p><p>Doch die Rraey konnten sich nicht lange auf Coral halten, was wir zum Teil den Bem�hungen unseres Gastes zu verdanken haben. Sein mutiges Vorgehen im Einsatz brachte ihm den Silbernen Stern und das Besondere Verdienstkreuz sowie den ersten Coral-Orden ein. Er ist heute Abend bei uns, um uns von seinen Erfahrungen als Angeh�riger der Kolonialen Verteidigungsarmee zu berichten, die f�r die Sicherheit s�mtlicher Kolonien einschlie�lich unserer sorgt. Begr��en Sie mit mir Captain John Perry! (<emphasis>Applaus</emphasis>)</p><empty-line/><p><strong>CAPT. PERRY:</strong> Vielen Dank! Und ich danke Ihnen, B�rgermeister Kulkarni. Ihre Frau hat f�r den heutigen Abend den Nachtisch zubereitet? Kein Wunder, dass Sie so gl�cklich aussehen! (<emphasis>Gel�chter</emphasis>) Das ganze Abendessen war wunderbar, wirklich. Ich glaube, ich habe schon seit Jahren nicht mehr so gut gegessen.</p><empty-line/><p><strong>KULKARNI:</strong> Ich bin �berzeugt, dass Sie das �berall sagen, wo Sie auftreten.</p><empty-line/><p><strong>PERRY:</strong> Nun ja, das stimmt zwar, aber diesmal meine ich es ehrlich. (<emphasis>Gel�chter</emphasis>) Und ich genie�e meinen Aufenthalt in Neu-Goa ungemein. Ich muss Sie allerdings warnen, dass ich diese Tournee durch die Kolonien nicht nur als Botschafter der KVA unternehme, sondern einen Hintergedanken verfolge. Ich suche n�mlich nach einer Kolonie, auf der ich mich sp�ter zur Ruhe setzen k�nnte. Also schauen Sie sich dieses Gesicht sehr genau an, denn es k�nnte sein, dass sie sich eines Tages daran gew�hnen m�ssen. (<emphasis>Gel�chter</emphasis>)</p><empty-line/><p><strong>KULKARNI:</strong> Uns w�ren Sie jederzeit willkommen, Captain.</p><empty-line/><p><strong>PERRY:</strong> Das sagen Sie <emphasis>jetzt</emphasis>, B�rgermeister. (<emphasis>Gel�chter</emphasis>) Neu-Goa hat f�r mich bereits einen entscheidenden Vorteil. Obwohl ich aus einer anderen irdischen Kultur stamme, haben wir doch eine gemeinsame Sprache, das hei�t, <emphasis>eine</emphasis> gemeinsame Sprache. Vor Huckleberry war ich auf der Shaw-Kolonie, die von Norwegern besiedelt wurde. Dort habe ich die ganze Zeit einen Dolmetscher ben�tigt. Ich glaube, ich habe den Leuten mindestens einmal den Krieg erkl�rt. (<emphasis>Gel�chter</emphasis>) Diese Gefahr ist hier bei Ihnen wesentlich geringer.</p><p>So, eigentlich sollte ich jetzt hier oben stehen und Ihnen einen Vortrag halten, was die Koloniale Verteidigungsarmee unternimmt, um Sie vor dem �brigen Universum zu sch�tzen. Aber ich muss sagen, dass ich das schon ein paarmal getan habe und es mich langweilt, meine eigene Stimme h�ren zu m�ssen. Und �berall, wo ich bin, ist es so, dass die Menschen Fragen stellen. Wenn Sie also nichts dagegen haben, schlage ich vor, dass wir meinen langweiligen Vortrag �berspringen und gleich zu den Fragen �bergehen. (<emphasis>Pause</emphasis>) Da ich schon etwa zwei Dutzend erhobene H�nde sehe, sch�tze ich, dass Sie mit meinem Vorschlag einverstanden sind. (<emphasis>Gel�chter</emphasis>) Bitte, Madam&#x25E6;� Sie in der ersten Reihe.</p><empty-line/><p><strong>1. EINWOHNERIN:</strong> Sind Sie verheiratet? (<emphasis>schallendes Gel�chter</emphasis>) Ich frage nicht meinetwegen, sondern wegen meiner Nichte. Sie ist etwa in Ihrem Alter.</p><empty-line/><p><strong>PERRY:</strong> �hem, vielen Dank. Ich f�hle mich geschmeichelt, obwohl ich glaube, dass Ihre Nichte sehr �berrascht w�re, wenn sie erf�hrt, dass Sie sie verkuppeln wollen.</p><empty-line/><p><strong>1. EINWOHNERIN:</strong> Ganz und gar nicht! Sie ist hier im Saal! Aparna! Steh auf! (<emphasis>Gel�chter</emphasis>)</p><empty-line/><p><strong>PERRY:</strong> Hallo, Aparna. Bitte setzen Sie sich wieder. Sie haben nichts von mir zu bef�rchten. (<emphasis>Gel�chter</emphasis>) Um Ihre Frage zu beantworten: Nein, ich bin nicht verheiratet. Au�erdem verbieten die Vorschriften der KVA, dass Soldaten heiraten. Wir d�sen st�ndig in diesem Teil des Universums hin und her, und da w�re es recht schwierig, eine Ehe zu f�hren. Als wir auf der Erde in den Milit�rdienst eingetreten sind, wurden wir ja juristisch f�r tot erkl�rt, womit jede Ehe annulliert war. Manche der Leute, mit denen ich gedient habe, waren recht gl�cklich dar�ber, (<emphasis>Gel�chter</emphasis>) aber ich glaube nicht, dass ich es so gewollt h�tte. Ich war verheiratet, bevor ich mich rekrutieren lie�, aber meine Frau starb, bevor ich eingezogen wurde. Wir waren �ber vierzig Jahre lang verheiratet.</p><p>Ja, diesen Blick kenne ich! Ich sehe ihn jedes Mal, wenn ich auf mein wahres Alter anspiele. Meine Damen und Herren, ich bin siebenundsiebzig! Das hei�t, ich bin nicht nur viel zu alt f�r Aparna, ich w�re sogar zu alt f�r <emphasis>Sie</emphasis>, Madam. (<emphasis>Gel�chter</emphasis>) Einer der Vorteile des Dienstes in der KVA ist der, dass man einen neuen K�rper bekommt. Ich bin viel �lter, als ich aussehe. Ja, Sir?</p><empty-line/><p><strong>2. EINWOHNER:</strong> Warum sind Sie so gr�n?</p><empty-line/><p><strong>PERRY:</strong> Das B�fett war so gut, dass ich zu viel davon gegessen habe. (<emphasis>Gel�chter</emphasis>) Die richtige Antwort lautet nat�rlich, dass diese K�rper ver�ndert wurden und Chlorophyll nutzen, um uns zus�tzliche Energie zu verschaffen. Und die brauchen wir, um andere k�rperliche Verbesserungen aufrechtzuerhalten, zum Beispiel die st�rkeren Muskeln, schnelleren Reflexe und andere Dinge. Au�erdem kommen wir l�nger als die meisten Menschen ohne Nahrung aus, obwohl wir das genauso unangenehm finden wie jeder andere.</p><p>Ich ahne, dass sich einige von Ihnen w�nschen, einen solchen verbesserten K�rper zu haben, aber ich m�chte Sie auf einige der Nachteile hinweisen. Erstens ist dieser K�rper so modifiziert, dass er sich nicht fortpflanzen kann. F�r einen Kolonisten ist das definitiv keine erw�nschte Eigenschaft. Zweitens bekommt man einen solchen K�rper nur dann, wenn man in die KVA eintritt, wo man zehn Jahre Dienst ableisten muss. Nach diesen zehn Jahren sind acht von zehn Rekruten in der Aus�bung ihrer Pflichten gestorben. Ich wei� es, weil von den Leuten, die ich kurz nach der Rekrutierung kennen gelernt und mit denen ich mit angefreundet habe, nur noch zwei am Leben sind. Schauen Sie sich in diesem Raum um und stellen Sie sich eine so hohe Sterblichkeitsrate unter den Menschen vor, die Sie lieben und die Ihnen etwas bedeuten. Dann �berlegen Sie noch einmal, ob Sie f�r einen neuen K�rper ein solches Opfer bringen m�chten. Ja, Sir? Ja, Sie.</p><empty-line/><p><strong>3. EINWOHNER:</strong> Ich bin mir sicher, dass Sie vielen au�erirdischen Spezies begegnet sind. Welche davon hat den gr��ten Eindruck auf Sie hinterlassen?</p><empty-line/><p><strong>PERRY:</strong> Hm, ich glaube, das war, als ich gefressen wurde. (<emphasis>Raunen</emphasis>)</p><empty-line/><p><strong>3. EINWOHNER:</strong> Ich bin �berzeugt, dass wir alle gerne mehr dar�ber h�ren w�rden.</p><empty-line/><p><strong>PERRY:</strong> Also gut. Es war etwa einen Monat vor der Schlacht von Coral, und ich wurde mit meiner Einheit zu einem unerforschten Planeten geschickt, um nach einem Erkundungsteam zu suchen, das dort verschwunden war. Der erste Hinweis, dass es auf diesem Planeten nicht mit rechten Dingen zuging, war der Umstand, dass er wunderbar war&#x25E6;� ideal f�r eine Besiedlung durch Menschen&#x25E6;� doch er war v�llig unbewohnt. Das ist seltsam, denn wenn ein Planet f�r uns ideal ist, ist er das auch f�r ein paar hundert anderer intelligenter Spezies. Und das hei�t, dass er l�ngst von irgendjemandem h�tte kolonisiert werden m�ssen. Es ist etwa so wie in diesem alten Witz: Ein Arzt und ein �konom gehen die Stra�e entlang, als der Arzt nach unten schaut und sagt: �Da liegt eine Zwanzig-Dollar-Note auf dem B�rgersteig.� Worauf der �konom sagt: �Unm�glich! Wenn da eine Zwanzig-Dollar-Note liegen w�rde, h�tte sie schon l�ngst jemand aufgehoben!� Dieser Planet war eine solche Zwanzig-Dollar-Note am Stra�enrand. Es war einfach unm�glich, dass er noch nicht besiedelt worden war. Und doch war es so. Also schickte man ein Erkundungsteam hin, und nach ein paar Tagen fehlte von den Leuten jede Spur.</p><p>Wir landeten an den Koordinaten, wo das Team abgesetzt worden war, und es gab nicht den geringsten Hinweis, dass sich hier jemand aufgehalten hatte. Ich meine, wirklich absolut nichts&#x25E6;� keine Unterk�nfte, keine Fahrzeugspuren, kein M�ll. Und keine Leichen. Es war, als w�ren sie nie an dieser Stelle gelandet. Das Einzige, was wir sahen, war eine weite, leicht gewellte Ebene aus etwas, das wie Gras aussah. Es war richtig h�bsch. Wie der gr��te Zierrasen des Universums. Es war sehr friedlich, zumindest so lange, bis die W�rmer auftauchten.</p><p>Hat jemand von Ihnen schon einmal einen Blauwal gesehen? Zumindest auf Bildern, w�rde ich meinen. Stellen Sie sich vor, wie etwas von dieser Gr��e genau unter Ihren F��en aus dem Boden kommt. Wir sp�rten ein Beben, bevor sie durch die Oberfl�che brachen, aber es war nur ein leichtes Zittern. Dann waren diese Riesendinger pl�tzlich �berall. Ich erinnere mich, wie ich das Zittern sp�rte und sah, wie eine Kameradin aus meiner Einheit st�rzte. Als sie wieder aufzustehen versuchte, hob sich der Boden unter ihren F��en. Einer dieser W�rmer befand sich genau unter ihr und �ffnete das Maul, w�hrend er hochkam, sodass er der Boden im Umkreis von zwei oder drei Metern verschlang. Die Soldatin riss den Arm hoch, als sich das Maul um sie schloss. Ihre Hand hing noch heraus, als sich der Wurm in den Boden zur�ckzog, und winkte wie in einer Parodie auf <emphasis>Moby Dick</emphasis>.</p><p>Ich lief mit einigen meiner Kameraden zum Landefahrzeug zur�ck, als einer der W�rmer hinter uns auftauchte und buchst�blich einen Luftsprung machte, um sich auf uns fallen zu lassen. Mein Freund Alan Rosenthal war genau vor mir, also stie� ich ihn mit aller Kraft weg. Es funktionierte, und Alan konnte dem Wesen entkommen. Aber mich hat es erwischt. Es war, als w�rde sich ein riesiger Tunnel aus Fleisch von oben auf mich st�rzen, und ich wurde kopf�ber im Maul herumgewirbelt, zusammen mit etwa einer Tonne Erde. Nach einer Minute sp�rte ich, wie die Erde unter mir wegrutschte. Der Wurm schluckte hinunter, was er verschlungen hatte, und ich wurde durch die Kehle bef�rdert.</p><p>Meine Vauzett&#x25E6;� so hei�t das Gewehr, das wir benutzen&#x25E6;� war irgendwo im Maul des Wurms, aber sie war mir aus den H�nden gerissen worden, und da drinnen war es stockfinster, sodass ich nicht herankam. Ich versuchte mich an der Haut festzuhalten, damit ich nicht verschluckt wurde, fand aber keinen Halt. Schlie�lich nahm ich mein Kampfmesser vom G�rtel und rammte es in das, was meiner Vermutung nach der Unterkiefer war. Dadurch konnte ich mich lange genug halten, um an mein Vielzweckwerkzeug zu gelangen. Ich wei� nicht, ob Sie schon davon geh�rt haben&#x25E6;� es ist ein Block aus Nanobots, die nahezu jede denkbare Form annehmen k�nnen. Es ist wie ein g�ttliches Schweizer Armeemesser. Ich befahl dem Ding, einen Haken zu bilden, und schlug ihn neben dem Messer in die Haut, als der Wurm es im gleichen Moment schaffte, das Messer herauszudr�cken. Es glitt mir aus der Hand und sauste in den Rachen des Wurms, und ich hoffte, dass er daran ersticken w�rde. Aber meine Hoffnung war vergebens.</p><p>Mir drohte zwar nicht die Gefahr, innerhalb der n�chsten Minute verdaut zu werden, aber das bedeutete nicht, dass ich keine Probleme hatte. Wenn der Wurm erneut das Maul aufriss, w�rde eine weitere Lawine �ber mich hereinbrechen. Dadurch w�rde ich den Halt verlieren und in die Kehle gerissen werden. Au�erdem war jede Sekunde, die ich mich l�nger im Wurm befand, eine Sekunde, in der ich mich weiter von meinen Kameraden entfernte. Wenn sich der Wurm tief genug eingrub, w�re ich, selbst wenn ich ihn t�ten konnte, lebendig begraben. Also musste ich das Ding t�ten, und zwar schnell. Ich hatte zwei Granaten dabei, und als ich mir mit der linken Hand einen sicheren Halt am Haken verschafft hatte, entsicherte ich die Granaten mit der rechten und warf sie dem Wurm in den Rachen.</p><p>Sie fielen nicht so tief, wie ich gehofft hatte&#x25E6;� bei der Explosion traf mich ein Splitter am Fu� -, aber ich erreichte mein Ziel. Denn sofort f�llte sich das Maul des Wurms mit Blut, und das Wesen bewegte sich nicht mehr vorw�rts, sondern zuckte nur noch. Ein paar Minuten sp�ter bewegte sich der Wurm gar nicht mehr. Ich wartete noch ein paar Minuten ab, um sicherzugehen, dass er wirklich tot war, dann kam der schlimmste Teil des Ganzen: Ich musste mich in den Rachen des Wurms hinunterarbeiten, um meine Vauzett wiederzuholen. Denn man l�sst sein Gewehr nicht zur�ck, wenn es sich irgendwie vermeiden l�sst.</p><empty-line/><p><strong>KULKARNI:</strong> Wie konnten Sie sich schlie�lich aus dem Maul des Ungeheuers befreien?</p><empty-line/><p><strong>PERRY:</strong> Mir blieb nichts anderes �brig, als mich auszugraben. Nach dieser Erfahrung war klar, warum diese Welt, die auf den ersten Blick ideal f�r eine Besiedlung erschien, v�llig frei von Kolonisten war. Jeder, der auf diesem Planeten landete, wurde schon nach wenigen Stunden oder sogar Minuten zu Wurmfutter. Diese weiten Grasebenen waren die Jagdgr�nde der W�rmer&#x25E6;� und nicht nur das. Alles schien bestens aufeinander abgestimmt zu sein. Schon eine Stunde nach dem Angriff der W�rmer war buchst�blich Gras �ber alles gewachsen. Der Rasen hatte sich wieder �ber der Stelle geschlossen, wo die W�rmer aus dem Boden hervorgebrochen waren. Es gab kein sichtbares Anzeichen mehr, dass der Angriff jemals stattgefunden hatte. Wir untersuchten den Boden mit Echoortung&#x25E6;� die Testvorrichtungen waren unbemannt&#x25E6;� und es stellte sich heraus, dass der Untergrund sehr locker geschichtet war, bis in hundert Meter Tiefe. Wie frisch gepfl�gter Ackerboden. Was den W�rmern das Leben leicht machte. Es war, als w�rden sie durch den Boden schwimmen. Und diese Ebene bedeckte fast die gesamte Landmasse des Planeten. Was unsere Wissenschaftler nicht verstanden, weil der Planet tektonisch aktiv war. Es h�tte unterschiedliche Gesteine und Berge wie auf jeder anderen Welt geben m�ssen.</p><empty-line/><p><strong>3. EINWOHNER:</strong> Ist es m�glich, dass die W�rmer den Planeten nach ihren Bed�rfnissen umgestaltet haben?</p><empty-line/><p><strong>PERRY:</strong> Das ist genau der Punkt. Haben die W�rmer den Planeten so gemacht, wie er ist, oder existieren die W�rmer, weil der Planet so ist, wie er ist? Und wenn Ersteres zutrifft, hei�t das, dass die W�rmer es <emphasis>absichtlich</emphasis> getan haben und intelligent sind? Man muss kein intelligentes Tier sein, um ein �kosystem nachhaltig zu ver�ndern. Auf der Erde haben Schafe oder Ziegen ganze Landstriche in Steppen verwandelt und die Vegetation v�llig ver�ndert. Allerdings wurden sie von Menschen gehalten, was bedeutet, dass irgendwo doch Intelligenz im Spiel war. Aber Hirsche, die niemals domestiziert wurden, konnten dasselbe bewirken. Indem sie bestimmte junge Pflanzen fra�en, sorgten sie daf�r, dass in den W�ldern nur bestimmte andere Pflanzenspezies Fu� fassen konnten.</p><p>Aber das betrifft immer nur einen Wald oder einen Teil einer Grasebene. Hier ging es jedoch um einen kompletten Planeten, dessen �kosystem beeinflusst oder v�llig umgebaut wurde. Je genauer wir uns die Angelegenheit ansahen, desto mehr sah es nach einer gezielten Ma�nahme aus.</p><empty-line/><p><strong>KULKARNI:</strong> Vielleicht sollte jemand noch einmal diese Welt aufsuchen und schauen, ob man mit ihnen reden kann.</p><empty-line/><p><strong>PERRY:</strong> Das w�re eine M�glichkeit. Aber ich werde es nicht tun. Ich m�chte nicht dar�ber nachdenken, dass die W�rmer es vielleicht pers�nlich genommen haben. (<emphasis>Verhaltenes Gel�chter</emphasis>) Ja, Madam?</p><empty-line/><p><strong>4. EINWOHNERIN:</strong> Captain Perry, wie w�rden Sie antworten, wenn ich Ihnen sage, dass die gegenw�rtige politische Struktur der Kolonialen Union imperialistisch, kolonialistisch und totalit�r gepr�gt ist und dass Sie die rassistischen, imperialistischen Zielsetzungen dieses Kontrollsystems erf�llen. (<emphasis>St�hnen</emphasis>)</p><empty-line/><p><strong>PERRY:</strong> Auch ich bin sehr erfreut, Ihre Bekanntschaft gemacht zu haben.</p><empty-line/><p><strong>KULKARNI:</strong> Sie m�ssen Savitri entschuldigen, Captain Perry. Ihre Eltern mussten nach dem Subkontinentalen Krieg auf dieser Kolonie ins politische Exil gehen&#x25E6;� ob nun zu Recht oder Unrecht. Aber sie haben ihre Tochter gut indoktriniert, obwohl sie als Kolonistin geboren wurde. Sie hetzt gerne die Leute auf, obwohl sich die Leute hier nur selten aufhetzen lassen. Die meisten von uns sind aus freien St�cken hier.</p><empty-line/><p><strong>4. EINWOHNERIN:</strong> Sie m�ssen mich nicht entschuldigen, B�rgermeister. Und <emphasis>Sie</emphasis>, Captain Perry, brauchen mich nicht so von oben herab zu behandeln. Wir m�ssen uns nur klar machen, wie die Wirklichkeit aussieht. Die Kolonisten, die Menschen, die die Koloniale Union bilden, stammen allesamt aus armen L�ndern der Erde, die fast alle au�erhalb der westlichen Sph�re liegen. Nur Norwegen schickt regelm��ig europ�ische Kolonisten ins All, und jeder von uns wei� von den �kologischen Katastrophen, unter denen dieses Land zu leiden hat. Doch die Koloniale Verteidigungsarmee rekrutiert sich ausschlie�lich aus reichen L�ndern, vorwiegend aus den Vereinigten Staaten. Soweit uns bekannt ist, besteht die KVA praktisch nur aus Amerikanern wie Ihnen. Und die Verwaltung der Kolonialen Union setzt sich aus Vertretern der �lteren Kolonien zusammen, die von westlichen L�ndern besiedelt wurden, bevor die Union beschloss, nur noch Kolonisten aus L�ndern der Dritten Welt zu akzeptieren. Das hei�t: westliche Verwaltung, amerikanisches Milit�r, arme braune Menschen als Kolonisten und Bauern. Sagen Sie mir bitte, was an diesen Verh�ltnissen <emphasis>nicht</emphasis> nach kolonialistischem Imperialismus stinkt!</p><empty-line/><p><strong>KULKARNI:</strong> Sie brauchen nicht auf ihre Frage zu antworten, Captain.</p><empty-line/><p><strong>4. EINWOHNERIN:</strong> Das st�nde ganz im Einklang mit der Politik der Kolonialen Union.</p><empty-line/><p><strong>PERRY:</strong> Warum sollte ich nicht darauf eingehen? Vielleicht hat sie ja Recht.</p><empty-line/><p><strong>4. EINWOHNERIN:</strong> Wie bitte?</p><empty-line/><p><strong>PERRY:</strong> Nun ja, zumindest haben Sie Recht, <emphasis>dass</emphasis> die Kolonisten aus L�ndern der Dritten Welt stammen oder mit Ausnahme der ersten Kolonien aus Nationen, die es einmal waren. Das Personal der KVA kommt aus den reichen Industriel�ndern, haupts�chlich aus den USA, aber nicht ausschlie�lich, da ich bereits neben Leuten aus Argentinien, Gro�britannien, Japan und verschiedenen Teilen Europas gedient habe. Auch wenn niemand gerne dar�ber redet, ist es so, dass die KVA von Zeit zu Zeit in Eins�tze geschickt wird, bei denen es um interne koloniale Probleme geht. Eine gute Freundin von mir verlor ihr Leben bei einem Arbeiteraufstand auf Elysium. Sie wurde auf einer �lbohrplattform in die Luft gesprengt und dann an die Fische verf�ttert, w�hrend sie noch lebte. Also k�nnen Sie sich vorstellen, dass die KVA bei den Vergeltungsma�nahmen nicht gerade zimperlich vorgegangen ist. Zuf�llig handelt es sich bei Elysium um eine Kolonie der ersten Generation. Ich glaube, dort leben haupts�chlich Griechen, was zumindest zum Namen passen w�rde. Aber das �ndert nichts an den Grundtatsachen.</p><p>Ich muss Ihnen sagen, dass Ihr Standpunkt zwar durchaus vern�nftig klingt, wir in der KVA die Sache aber etwas anders sehen. F�r uns sieht es so aus, dass wir zwar aus den reichsten L�ndern der Erde stammen, die Koloniale Union uns aber nicht erlaubt, Kolonisten zu werden. Man nennt uns keinen Grund, au�er dass die Union einfach keine Kolonisten aus den USA oder andern Industriestaaten rekrutiert. Einspr�che werden ignoriert, da die Union das Monopol auf die Raumfahrt hat. Also k�nnen wir nur zusehen, wie die B�rger von Indien, Pakistan, �thiopien, Guatemala und Neu-Guinea das Universum besiedeln, w�hrend wir auf dem Planeten Erde festsitzen. Wir kommen nur weg, wenn wir uns zum Kriegsdienst verpflichten, und damit m�ssen wir warten, bis wir Greise geworden sind. Danach m�ssen wir noch einmal zehn Jahre lang warten und vor allem �berleben, bevor man uns erlaubt, uns in einer Kolonie niederzulassen. Nur wenige von uns halten so lange durch.</p><p>Also kann ich verstehen, warum Sie das Gef�hl haben, dass die westlichen L�nder versuchen, die Dritte Welt zu g�ngeln, selbst hier drau�en in der Galaxis. Aber ich wei�, dass die meisten von uns, wenn sie die Wahl zwischen Kampf und einem Leben als Kolonist gehabt h�tten, sich sofort f�r ein Leben als Kolonist entschieden h�tten. Und genauso gerne h�tten sie anderen die milit�rische Verantwortung �berlassen, die wir �bernehmen mussten. Wir in der KVA sind genauso Bauern in einem Schachspiel wie Sie.</p><empty-line/><p><strong>4. EINWOHNERIN:</strong> Nur dass <emphasis>Sie</emphasis> die Waffen haben.</p><empty-line/><p><strong>PERRY:</strong> Das ist das eine. Ich kann dazu nur sagen, dass ich irgendwann in der Zukunft, falls ich lange genug �berlebe, meine Waffe niederlegen und mich irgendwo als Kolonist niederlassen werde. Dann werden Sie und ich im selben Boot sitzen. Pers�nlich w�re ich lieber Kolonist als Soldat. Aber nur so war es mir m�glich, zu den Sternen zu gelangen. Also habe ich mich mit den Bedingungen einverstanden erkl�rt. Wenn ich die Bedingungen �ndern k�nnte, w�rde ich es sofort tun, das d�rfen Sie mir glauben. Aber diese Wahl hatte ich nicht.</p><empty-line/><p><strong>5. EINWOHNER:</strong> Warum erlaubt die KVA nicht, dass Kolonisten in die Armee eintreten?</p><empty-line/><p><strong>PERRY:</strong> Manchmal w�nsche ich mir, sie w�rde es tun! (<emphasis>Gel�chter</emphasis>) Wie ich die Sache verstehe, hat die Koloniale Union zu einem fr�hen Zeitpunkt entschieden, dass es besser ist, wenn sich die Kolonisten ausschlie�lich dem Aufbau ihrer Kolonien widmen. Als Soldaten sollten nur Leute rekrutiert werden, die keine Verbindung zu einer bestimmten Kolonie haben. Ich bin mir sicher&#x25E6;� und hier sehen Sie, wie ich in Richtung der vorigen Fragestellerin nicke&#x25E6;� dass es mehrere Ebenen machiavellistischer Realpolitik gibt, die ich �berspringen muss, und der wahre Grund daf�r wesentlich komplizierter ist. Aber oberfl�chlich klingt dieser Grund in meinen Ohren sehr plausibel. In den vergangenen Monaten habe ich viele Kolonien besucht. Ich habe gesehen, dass das Leben der Kolonisten unglaublich hart ist, und in manchen Kolonien, vor allen in den j�ngeren, scheint es kaum genug Menschen f�r die n�tigsten Arbeiten zu geben. Huckleberry wurde schon vor einiger Zeit kolonisiert&#x25E6;� wie lange ist es her, B�rgermeister?</p><empty-line/><p><strong>KULKARNI:</strong> In zwei Monaten feiern wir den achtundf�nfzigsten Jahrestag unserer Gr�ndung.</p><empty-line/><p><strong>PERRY:</strong> Richtig. Also wurde Huckleberry schon vor fast sechs Jahrzehnten kolonisiert, was gen�gend Zeit ist, eine planetare Population zu entwickeln, sowohl durch Einwanderung als auch nat�rliches Bev�lkerungswachstum. Das ist genug Zeit f�r die paar Millionen Menschen, die hier leben. Aber manche dieser neuen Kolonien bestehen aus nur wenigen tausend Personen, die gewisserma�en nur das �Saatgut� einer Kolonie sind. Das sind die Leute, die arbeiten, um alles f�r die zweite Welle der Kolonisten vorzubereiten. Diese Leute h�ren niemals auf zu arbeiten. Drei Stationen vor meiner Ankunft hier war ich auf Orton, wo man noch nicht einmal den ersten Jahrestag feiern konnte. Ich habe mich schon v�llig ersch�pft gef�hlt, den Kolonisten nur beim Arbeiten <emphasis>zuzusehen</emphasis>. Sie k�nnen es sich auf keinen Fall leisten, ihre Leute zum Milit�r zu schicken. Und wenn ich ehrlich bin, sehe ich auch keinen Grund, warum sich jemand, der schon Kolonist ist, von der KVA rekrutieren lassen sollte.</p><empty-line/><p><strong>4. EINWOHNERIN:</strong> Damit wir selbst die Kontrolle �ber unser politisches Schicksal �bernehmen, deshalb!</p><empty-line/><p><strong>PERRY:</strong> Sie ist wieder da! (<emphasis>Gel�chter</emphasis>) Das ist gar kein schlechter Grund, aber ich wei� nicht, ob die Wirklichkeit des Lebens in der KVA diesen Anforderungen entspricht. Ihre Vorstellung, wie es in der KVA zugeht, ist stark romantisiert, was ich keineswegs respektlos meine. Was den Alltag in der Armee betrifft, w�rden Sie nicht f�r Ihre Kolonie k�mpfen, au�er in einem sehr allgemeinen Sinne. Sie w�rden darum k�mpfen, nicht von irgendeinem Alien get�tet zu werden oder es davon abzuhalten, Ihre Kameraden zu t�ten. Sie w�rden um Ihr eigenes �berleben k�mpfen und andere Menschen&#x25E6;� die Sie zum Teil gar nicht kennen&#x25E6;� daran hindern, im Kampf das Leben zu verlieren. Ihr Schicksal wird auf den winzigen Bruchteil einer Sekunde komprimiert, den Moment, den sie unmittelbar vor sich haben. Und es hat nichts Romantisches, den Kopf einzuziehen, damit man keinen Schuss abbekommt, oder zu versuchen, einen verletzten Freund zu retten oder einem Wesen gegen�berzustehen, das genauso intelligent und b�sartig ist wie Sie selber, das genauso viel Angst vor dem Sterben hat wie Sie und das mit allen Mitteln erreichen will, dass es diesen Zweikampf �berlebt und nicht Sie.</p><p>Ich meine damit � ich will noch einmal klarstellen, dass nach zehn Jahren Dienstzeit acht von zehn Soldaten der KVA tot sind. Die meisten davon in den ersten paar Jahren. Es ist eine Sache, wenn man sagt, dass man bereit ist zu sterben, um die Kontrolle �ber das eigene Schicksal zu behalten, sei es nun pers�nlich oder politisch. Aber es ist etwas anderes, wirklich tot zu sein, viele Lichtjahre von den Menschen entfernt, die man gekannt hat, durch die Hand oder Klaue oder sonst was eines Wesens, dessen Motivation zum Kampf Sie niemals auch nur ansatzweise verstehen werden.</p><empty-line/><p><strong>5. EINWOHNER:</strong> Trotzdem haben Sie sich f�r den Dienst in der KVA entschieden.</p><empty-line/><p><strong>PERRY:</strong> Richtig. Aber wenn ich jetzt auf die Zeit zur�ckblicke � h�tte ich damals gewusst, was ich jetzt wei�, h�tte ich vielleicht entschieden, in Ohio zu bleiben und in meinem Bett zu sterben. Ich w�rde l�gen, wenn ich abstreite, dass ich bei der Rekrutierung keine romantischen Vorstellungen �ber das Leben beim Milit�r gehabt h�tte. Wahrscheinlich habe ich gedacht, ich wei� nicht, dass ich als knallharter K�mpfer herumstapfe und gegen den b�sen Kaiser Ming antrete und gr�nh�utige M�dchen k�sse. Andererseits� ich habe <emphasis>tats�chlich</emphasis> schon gr�nh�utige M�dchen gek�sst. (<emphasis>Gel�chter</emphasis>) Vielleicht war es also doch gar nicht so schlimm. Aber Spa� beiseite: Die Wirklichkeit in der KVA ist v�llig anders und wesentlich schwieriger, als ich mir das jemals h�tte vorstellen k�nnen.</p><p>Nachdem ich wei�, was ich jetzt wei�, w�rde ich es wieder tun, und sei es nur aus dem Grund, weil ich den gleichen Menschen begegnen m�chte, denen ich begegnet bin. Weil ich dann die Gelegenheit verpassen w�rde, diese Menschen zu lieben, wenn auch nur f�r kurze Zeit. Trotzdem w�nsche ich mir, ich h�tte die Chance gehabt, das alles mit offenen Augen zu erleben. Vielleicht w�rden sich nicht so viele Menschen von der KVA rekrutieren lassen, wenn sie w�ssten, was sie erwartet, aber diejenigen, die sich daf�r entscheiden, w�ren wom�glich besser vorbereitet. Und um noch einmal auf Miss Savitri zur�ckzukommen: Ja, es w�re vielleicht von Vorteil, Kolonisten in der KVA zu haben. Sie w�ssten zumindest, worauf Sie sich einlassen w�rden. Ja, Sir?</p><empty-line/><p><strong>6. EINWOHNER:</strong> Sie haben eingangs gesagt, dass Ihr K�rper besser und leistungsf�higer als ein normaler menschlicher K�rper ist.</p><empty-line/><p><strong>PERRY:</strong> Das stimmt. Die Sinne sind sch�rfer, die Reflexe sind besser, der K�rper ist beweglicher. Sogar mein K�rpergeruch ist besser. (<emphasis>Gel�chter</emphasis>) Sie lachen, aber das stimmt wirklich.</p><empty-line/><p><strong>6. EINWOHNER:</strong> Mich w�rde interessieren, wie stark Sie sind.</p><empty-line/><p><strong>PERRY:</strong> Ich habe es eigentlich nie richtig ausprobiert.</p><empty-line/><p><strong>6. EINWOHNER:</strong> K�nnten Sie den Tisch, der hinter Ihnen steht, zerbrechen? Mit blo�en H�nden?</p><empty-line/><p><strong>PERRY:</strong> Wahrscheinlich k�nnte ich es. Aber ich werde es nicht tun. Weil es <emphasis>wehtun</emphasis> w�rde. (<emphasis>Gel�chter</emphasis>) Man hat mich st�rker, aber nicht schmerzunempfindlicher gemacht.</p><empty-line/><p><strong>6. EINWOHNER:</strong> Trotzdem ist es bestimmt ein gutes Gef�hl, so stark zu sein.</p><empty-line/><p><strong>PERRY:</strong> Es ist n�tzlich, das ist alles. Wenn ich ehrlich bin, merke ich kaum, dass ich einen st�rkeren oder besseren K�rper habe. Die meisten Menschen, mit denen ich zusammen bin, sind genauso wie ich, sodass ich keinen Wettbewerbsvorteil habe. Beim Armdr�cken verliere ich ziemlich oft. (<emphasis>Gel�chter</emphasis>) Der eigentliche Grund f�r unsere k�rperlichen Verbesserungen ist der, dass wir wenigstens eine gewisse Chance gegen die Aliens haben sollen, denen wir im Kampf begegnen. Ich erinnere mich, wie unser Ausbilder gesagt hat, dass diese neuen K�rper nur das Minimum dessen sind, was wir zum K�mpfen brauchen. Das ist ein ziemlich erschreckender Gedanke, wenn man ihn sich einmal durch den Kopf gehen l�sst. All die Alienspezies da drau�en mit ihren angeborenen F�higkeiten sind viel st�rker als wir. Manche sind schneller, manche sind kr�ftiger, manche sind schlauer. Manche haben einfach nur mehr Gliedma�en, was f�r uns im Nahkampf ein gro�er Nachteil ist. Wir versuchen nur, einigerma�en mitzuhalten. Das Einzige, worin wir Menschen im direkten Vergleich wirklich besser sind, ist die Tatsache, dass wir <emphasis>gemeiner</emphasis> sind. (<emphasis>Gel�chter</emphasis>) Das habe ich nat�rlich gesagt, um einen Lacher zu bekommen, also freue ich mich, dass es geklappt hat. Aber wenn man es genau betrachtet, stimmt es wirklich. Ich vermute, das ist der Grund, warum unsere Spezies viele Auseinandersetzungen �berlebt hat. Sollte ich jetzt allm�hlich zum Ende kommen?</p><empty-line/><p><strong>KULKARNI:</strong> Ich glaube, wir haben noch Zeit f�r eine letzte Frage. Und ich m�chte diese Gelegenheit schamlos ausnutzen, da ich sehe, dass meine Anjali soeben den Raum betreten und eine Frage an Sie hat.</p><empty-line/><p><strong>PERRY:</strong> Sie sind also die Frau, die den Nachtisch zubereitet hat?</p><empty-line/><p><strong>7. EINWOHNERIN:</strong> Richtig.</p><empty-line/><p><strong>PERRY:</strong> Ich <emphasis>liebe</emphasis> Sie! (<emphasis>sehr lautes Gel�chter</emphasis>) Und ich m�chte das Rezept haben, bevor ich abreise. Unter dieser Bedingung bin ich bereit, jede Frage zu beantworten, die Sie haben.</p><empty-line/><p><strong>7. EINWOHNERIN:</strong> Vielen Dank. Ich bin sp�ter gekommen, aber ich habe genug mitgeh�rt, um einen Eindruck vom Ausma� der Gewalt erhalten zu haben, mit dem Sie auf anderen Welten konfrontiert werden. Wir scheinen in einem recht gef�hrlichen Universum zu leben.</p><empty-line/><p><strong>PERRY:</strong> Das stimmt.</p><empty-line/><p><strong>7. EINWOHNERIN:</strong> Meine Frage ist sehr einfach: K�nnen wir in diesem Universum jemals Frieden finden?</p><empty-line/><p><strong>PERRY:</strong> (<emphasis>kurzes Schweigen</emphasis>) Ich werde Ihnen eine Geschichte erz�hlen. Etwa vier Monate vor der Schlacht von Coral nahm mein Schiff, die <emphasis>Modesto</emphasis>, an einem Angriff gegen eine Kolonie teil, die von den Ni-nin besetzt worden war. Falls Sie noch nicht von ihnen geh�rt haben, das ist eine reptilien�hnliche Spezies. Sie sind etwa einen Meter gro� und spucken Gift&#x25E6;� nicht im �bertragenen Sinn, sondern ganz real. Deshalb sind sie im Nahkampf sehr gef�hrliche Gegner.</p><p>Es war eine Kolonie der Ni-Nin, doch etwa zehn Jahre zuvor hatte es dort eine menschliche Kolonie gegeben. Die ersten Kolonisten waren kurz vor einem schweren Vulkanausbruch eingetroffen, worauf es keinen Sommer mehr gab und der Winter unvorstellbar hart wurde. Die �berlebenden verlie�en den Planeten, was ihnen niemand zum Vorwurf machen konnte. Also gab es dort keine Menschen mehr, als die Ni-nin eintrafen und sich niederlie�en. Aber das spielte keine Rolle. Die Koloniale Union hatte den Planeten als unseren Besitz verbucht, und wenn sich dort jemand anderer breitmachte, gab es ein Problem.</p><p>Also wurden wir hingeschickt, die <emphasis>Modesto</emphasis> und etwa zwanzig weitere Schiffe mit insgesamt gut 20 000 KVA-Soldaten an Bord. Im Grunde w�ren das genug gewesen, um die Ni-nin etwa neunmal nacheinander auszul�schen. Wir waren gerade dabei, zur Vorbereitung auf den Angriff in die Raumanz�ge zu steigen, als eine Skip-Drohne in den Normalraum fiel und den Befehl sendete, die Invasion abzublasen. Offensichtlich hatten die Ni-nin und die Menschen&#x25E6;� w�hrend eines erstaunlichen Moments der Klarheit auf beiden Seiten&#x25E6;� erkannt, dass sie sich diesen Planeten problemlos <emphasis>teilen</emphasis> konnten. Die Kolonie der Ni-nin lag am Rand einer �quatorialen W�ste, wo es viel zu hei� f�r Menschen war, sich die Ni-nin aber pudelwohl f�hlten. Und die Union wollte eine neue Kolonie in der gem��igten Zone auf einem ganz anderen Kontinent errichten. Also beschlossen die Ni-nin und die Menschen, auf den Krieg zu verzichten. So einfach war das.</p><p>Die Angriffstruppen flogen nach Hause, bis auf die <emphasis>Modesto</emphasis>, die den Auftrag erhielt, der Kolonie einen H�flichkeitsbesuch abzustatten. Also verbrachte ich mit meiner Einheit die n�chsten drei Tage in der Gesellschaft von Leuten, die wir urspr�nglich umbringen sollten. Und wissen Sie was? Wir hatten sehr viel Spa� miteinander. Die Ni-nin sind h�sslich wie die Nacht&#x25E6;� sie sehen wie explodierte Eidechsen aus -, aber ihre K�rperchemie ist der unsrigen �hnlich genug, dass wir ihre Nahrung verdauen k�nnen. Und diese Leute k�nnen wunderbar kochen! Einfach Wahnsinn! Wir stopften uns sinnlos voll und machten bei den Spuckwettbewerben mit&#x25E6;� darauf legen sie n�mlich sehr gro�en Wert&#x25E6;� und ansonsten benahmen sie sich ausnahmslos wie zivilisierte Intelligenzwesen.</p><p>Ich erinnere mich, wie ich am letzten Tag mit zwei Ni-nin auf einer Sandd�ne hockte und wir zusammen den Sonnenuntergang betrachteten. In diesem Moment dachte ich, wie einfach es doch w�re, <emphasis>nicht</emphasis> gegen jedes verdammte Alien zu k�mpfen, das uns �ber den Weg l�uft. Dann packten wir unsere Sachen und wurden zu einem Planeten namens Cova Banda geschickt, wo wir versuchten, eine ganz andere Spezies auszul�schen, weil sie einen Planeten besetzt hatte, der urspr�nglich uns geh�rt hatte. Aber diesmal wollte niemand teilen.</p><p><emphasis>Kann</emphasis> es jemals Frieden geben? Aber sicher. Wir haben mit den Ni-nin Frieden geschlossen, und es war ganz einfach, und nun leben wir gl�cklich und zufrieden auf einem Planeten zusammen. Aber <emphasis>wird</emphasis> es jemals Frieden geben? Das ist die gro�e Frage. Frieden zu schlie�en ist oft sehr einfach, aber das hei�t nicht, dass es leicht w�re. Ich habe jemanden gekannt, der glaubte, dass es f�r die Union leichter ist, Krieg zu f�hren, als sich mit dem Frieden abzum�hen. Ich habe diesen Jemand nicht besonders gemocht, aber gelegentlich sehe ich eine gewisse Wahrheit in dem, was er gesagt hat.</p><p>Und so geht es nicht nur der Union, sondern allen Spezies in diesem Teil des Universums. Alle ziehen die leichtere der schwerer umzusetzenden L�sung vor. Vielleicht brauchen wir dazu nur eine gro�e Konferenz aller Spezies, bei der man entscheidet, Planeten lieber zu teilen, als um sie zu k�mpfen. Aber Gott wei�, dass es schon schwierig genug ist, <emphasis>Menschen</emphasis> dazu zu bringen, dass sie sich auf eine L�sung einigen. Um alle Spezies an einen Verhandlungstisch zu bekommen, w�ren mindestens ein Wunder und etwa zwanzig Jahre n�tig.</p><p>Trotzdem m�ssen wir die Hoffnung nicht aufgeben. Hoffen k�nnen wir immer. Und dazu m�chte ich Sie auffordern: zur Hoffnung auf den Frieden. Weil ich wei�, dass ich gerne meine Waffe niederlegen und als Kolonist leben w�rde. Genauso wie Sie. Genau das w�nsche ich mir am meisten.</p><p>Vielen Dank, dass Sie mir zugeh�rt haben. Guten Abend. (<emphasis>Applaus</emphasis>)</p><subtitle>ENDE DER TRANSKRIPTION</subtitle></section><section><title><p>Der Autor</p></title><p>John Scalzi, geboren 1969, arbeitet als Journalist, Kolumnist und Sachbuch-Autor. Sein Deb�t-Roman �Krieg der Klone� machte ihn auf Anhieb zum Shooting Star der amerikanischen Science Fiction. Inzwischen ist mit �Geisterbrigaden� bereits eine Fortsetzung erschienen. Scalzi lebt mit seiner Familie in Bradford, Ohio.</p><p>Weitere Informationen unter: <a l:href="http://www.scalzi.com/">www.scalzi.com</a></p></section><section><title><p>Copyright</p></title><p>Titel der amerikanischen Originalausgabe</p><p><strong>OLD MAN�S WAR</strong></p><p>Deutsche �bersetzung von Bernhard Kempen</p><p>Deutsche Erstausgabe 7/2007</p><p>Redaktion: E. Senftbauer</p><p>Copyright � 2005 by John Scalzi Copyright � 2007 der deutschen Ausgabe und der �bersetzung</p><p>by Wilhelm Heyne Verlag, M�nchen, in der Verlagsgruppe Random House GmbH</p><p><a l:href="http://www.heyne.de/">http://www.heyne.de</a></p><p>Umschlagbild: Mark Salwowski</p><p>eISBN : 978-3-641-02950-0</p><p><a l:href="http://www.randomhouse.de/">www.randomhouse.de</a></p><p><strong>HEYNE &#x3008;</strong></p></section></body><binary id="cover" 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