<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>antique</genre><author><first-name>Scheunemann,</first-name><last-name>Frauke</last-name><home-page>https://coollib.net/a/184617</home-page></author><book-title>Dackelblick</book-title><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>und</lang><keywords>Roman</keywords><annotation>Wie findet man ein neues Herrchen f�r das Frauchen? Herkules ist ein kleiner Dackel, und sein neues Frauchen Carolin ist der tollste Mensch auf der Welt, findet er. Nicht nur, dass sie ihn aus dem Tierheim gerettet hat, nein, sie riecht auch nach Sommer und Erdbeeren, lacht viel und hat nichts dagegen, wenn Herkules zum Kuscheln zu ihr aufs Sofa springt. Kurz: Das Leben eines Dackels ist sch�n. Oder besser � k�nnte es sein, g�be es da nicht auch noch Thomas, Carolins Lebensgef�hrten. Den kann Herkules von Anfang an nicht riechen, denn Thomas ist herrisch, laut und hat etwas gegen Hunde. Au�erdem behandelt er Carolin schlecht. So beschlie�t Herkules gemeinsam mit seinem neuen Freund Herrn Beck, seines Zeichens Kater und Menschenkenner, Thomas loszuwerden. Mit einem ausgebufften Plan gelingt dies den beiden sogar, und Carolin setzt Thomas vor die T�r. Leider ist sie seitdem wie ausgewechselt: Sie weint den ganzen Tag und h�rt dazu schauderhafte Musik. Schnell ist klar: Carolin braucht einen neuen Mann! Und genau den will Herkules f�r sie suchen. Aber wie findet man den Richtigen, wenn man in Sachen M�nner und Liebe ganz andere Vorstellungen hat als sein Frauchen? Eine turbulente romantische Kom�die, erz�hlt aus der Sicht eines kleinen Dackels.
</annotation></title-info><document-info><author><first-name>Scheunemann,</first-name><last-name>Frauke</last-name></author><program-used>calibre 3.42.0, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date>12.7.2019</date><id>f93acf0d-43c9-4dd2-8dc3-e9ee53e4d65b</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><publisher>TUX</publisher><year>2010</year><isbn>3442203570</isbn></publish-info></description><body><section><p><strong>Frauke Scheunemann</strong></p></section><section><p><strong>Dackelblick</strong></p><p><strong>Roman</strong></p><empty-line/><p><image l:href="#2"/></p><empty-line/><p><emphasis><strong> TUX - ebook 2010</strong></emphasis></p><empty-line/></section><section><p><strong>DACKELBLICK</strong></p><p><emphasis>Wer nie einen Hund gehabt hat, wei� nicht, was Lieben und Geliebt werden   hei�t.</emphasis></p><p>Arthur Schopenhauer</p><p><emphasis/></p><p><emphasis>Die genauste Vorstellung von der Machtlosigkeit des Menschen haben   zweifellos Gott und der Dackel.</emphasis></p><p>George Mikes</p><p><emphasis/></p><p><emphasis>Ich w�rde eher auf einen Mann verzichten als auf meinen Dackel   Felix.</emphasis></p><p>Ingrid Steeger</p><empty-line/></section><section><p><strong><emphasis>EINS</emphasis></strong></p><p>Was f�r eine Absteige! Gut, ich hatte gewusst, dass es nicht das Grand Elys�e   sein w�rde. Aber diese Unterkunft ist wirklich das Letzte. Eine Zumutung.   Muffig und dunkel. Und dreckig. Ich gebe mir M�he, mich nicht genauer   umzuschauen, aber der Schmutz meiner Vorg�nger ist un�bersehbar. Es ist   offensichtlich, dass hier schon ziemlich lange nicht mehr saubergemacht wurde.   Mir ist zum Heulen zumute - wie konnte ich nur in eine solche Lage geraten?   Heute Morgen noch im Salon von Schloss Eschersbach, und jetzt das. Nun fange ich   wirklich an zu heulen.</p><p>�Schnauze, du nervst!�, kommt es keine zwei Sekunden sp�ter von links.</p><p>Richtig: Das Schlimmste hatte ich noch nicht erw�hnt: meine Zimmernachbarn.   F�nf an der Zahl, die meisten von ihnen unglaublich verwahrlost. Und das nicht   nur optisch. Ungebildeter P�bel, der in einem Adligen wie mir nat�rlich gleich   ein willkommenes Opfer ausgemacht hat. Mein Stammbaum reicht bis 1723, diese   Ignoranten neben mir kennen vermutlich nicht einmal den Unterschied zwischen   Markgraf und Markkl��chen.</p><p>Vor meinem inneren Auge taucht mein Gro�vater auf. <emphasis>�Wo ein von Eschersbach   ist, ist oben. Vergiss das nie!�, </emphasis>pflegte er zu sagen. Ach Opili, wenn du   mich jetzt sehen k�nntest - ich bin definitiv ganz unten angelangt. Bei diesem   Gedanken heule ich noch lauter. Irgendjemand muss mich hier einfach   rausholen!</p><p>�Komm, S��er, beruhige dich.� Eine Hand greift durch das Gitter und krault   mich hinter den Ohren. �Gleich gibt es ein leckeres Fresschen, und dann sieht   die Welt ganz anders aus. Der erste Tag ist f�r alle schlimm.�</p><p>Hm, eine nette Stimme. Interessiert gucke ich zur Seite, um festzustellen, zu   wem sie geh�rt: Neben dem Zwinger steht eine junge Frau in einer Latzhose und   l�chelt mich aufmunternd an. Ihre Hand riecht nach gew�hnlichem Dosenfutter,   trotzdem hat die Ber�hrung etwas Tr�stliches. Ich schlecke ihre Finger ab, sie   beginnt zu kichern.</p><p>�Ja, ja, das schmeckt dir, nicht wahr?�, fl�stert sie mir zu.</p><p>O je, wenn die w�sste - an meinen verw�hnten Dackelgaumen habe ich bisher   eigentlich nur frisches Herz und Pansen gelassen. Fertigfutter war die absolute   Ausnahme, das gab es wirklich nur, wenn Emilia, unsere K�chin, krank war oder   Urlaub hatte. Bei dem Gedanken an Emilia krampft sich mein kleines Herz   zusammen, und ich muss ein bisschen winseln. Als ich mich heute Morgen von ihr   verabschiedet habe, hat sie geweint. Wei� der Teufel, wie Menschen das immer   hinbekommen. Aber zum ersten Mal in meinem Leben h�tte ich viel daf�r gegeben,   auch ein paar Tr�nen vergie�en zu k�nnen.</p><p>�Du Armer, noch so schlimm?�, erkundigt sich die Pflegerin mitf�hlend. �Mach   dir keine Sorgen, du bist so s��, wir finden bestimmt bald ein neues Frauchen   oder Herrchen f�r dich. Versprochen!� Dann streicht sie mir noch einmal �ber den   Kopf und zieht ihre Hand wieder durch das Gitter.</p><p>Ich drehe mich um und trotte in die andere Ecke des Zwingers. Dort wirft ein   Sonnenstrahl noch ein einladend helles Fleckchen auf den Boden, und ich   beschlie�e, es mir ein bisschen gem�tlich zu machen.</p><p>Offenbar bin ich nicht der Einzige, der auf diese Idee gekommen ist: Bevor   ich mich hinlegen kann, tritt mir ein riesiges schwarzes Irgendwas direkt auf   die Pfoten.</p><p>�Kleiner, ich glaube, du verziehst dich besser auf die andere Seite. Hier ist   mein Platz.� Um seinem Wunsch Nachdruck zu verleihen, kommen die letzten Worte   nur als heiseres Knurren.</p><p>Was f�r eine l�cherliche T�le! Meint die ernsthaft, sie k�nne mich in die   Flucht schlagen? Mich, dessen Ahnen noch mit dem letzten Kaiser zur Jagd   gegangen sind? Ich sch�ttle den Kopf.</p><p>�Ich glaube nicht�, entgegne ich so w�rdevoll, wie es mir unter diesen   widrigen Umst�nden m�glich ist, �dass in diesem Etablissement mit Reservierungen   gearbeitet wird. Ich war vor Ihnen da, also werde ich mich auch auf diesen Platz   legen. Sie gestatten?� Mit diesen Worten schiebe ich Mr. Irgendwas zur Seite und   lege mich schnell hin. Er starrt mich v�llig fassungslos an. So viel zivilen   Widerstand hat er wohl noch nie erlebt. Zufrieden r�kle ich mich. Opili hatte   doch Recht - ein von Eschersbach ist eben auch oben, wenn er unten ist.</p><p>W�hrend ich noch dar�ber sinniere, wann hier wohl mit der zweifelsohne eher   bescheidenen Mahlzeit zu rechnen ist, verfinstert sich mein sonniges Fleckchen.   Nanu, eine W�lke? Ich blicke nach oben, um festzustellen, was in aller Welt hier   auf einmal diesen unerfreulichen Schatten wirft - und schaue direkt in das   Gesicht eines ziemlich ungem�tlich aussehenden Boxers. Er schiebt seine Nase   ganz dicht an meine und verstr�mt dabei einen Geruch, dass es mir regelrecht den   Atem verschl�gt.</p><p>�Pass auf, du aufgeblasener Zwerg: Wenn du nicht neu w�rst, w�rst du jetzt   ein toter Hund. Hier gelten unsere Regeln, besser du h�ltst dich daran. Also   wenn mein Freund Bozo sagt, dass du dich verpissen sollst, dann ...�, er kommt   noch ein bisschen n�her und schnappt blitzschnell nach mir.</p><p>Aua! Ein stechender Schmerz f�hrt durch mein rechtes Ohr. Hilfe! Der ist ja   gemeingef�hrlich! Ich belle aufgeregt - offensichtlich bin ich unter militante   und gewaltbereite Stra�enk�ter geraten. Aber sosehr ich auch belle - niemand   kommt. Nicht einmal die junge Frau in der Latzhose. Boxer und Bozo grinsen   selbstzufrieden.</p><p>�Spar dir die M�he. Die h�rt dich momentan nicht - ist zu den Katzen   r�bergegangen. Wir k�nnten dich jetzt richtig plattmachen, und niemand w�rde   dir helfen. Ein toter Hund mehr in der Statistik dieser Bude. Wen interessiert   das schon?�</p><p>Ich merke, wie sich meine Nackenhaare str�uben und es mir eiskalt den R�cken   herunterl�uft. Bozo, die schwarze T�le, baut sich wieder vor mir auf.</p><p>�Also, was ist jetzt? Wenn ich sage <emphasis>verpiss dich?�</emphasis></p><p>�Dann verpisse ich mich?�, erg�nze ich seinen Satz.</p><p>�Richtig. Hundert Punkte. Braves Hundchen.�</p><p>Bozo verpasst meiner empfindlichen Nase noch einen kr�ftigen St�ber mit   seiner ungepflegten Pfote. Erschreckt springe ich zur Seite und laufe auf   zittrigen Beinen in die andere Ecke des Zwingers. Dort sitzen noch zwei andere   Hunde, die das Geschehen gelangweilt beobachtet haben. Mord und Totschlag   scheinen hier an der Tagesordnung zu sein, jedenfalls interessiert sich niemand   daf�r, dass ich gerade Opfer eines Verbrechens geworden bin. Ein �lterer   M�nsterl�nder r�ckt ein St�ck zur Seite, als ich mich neben ihn setze. Immerhin   nicht gleich der N�chste, der mich bedroht. Eine Weile hocken wir schweigend   nebeneinander. Dann r�ckt er wieder ein St�ck n�her an mich heran und fl�stert   in mein Ohr: �Leg dich besser nicht mit den beiden an. Die sind echt gef�hrlich.   Aber wenn du ihnen aus dem Weg gehst, lassen sie dich meistens in Ruhe.�</p><p>Aus dem Weg gehen? Das ist doch wohl ein Scherz. Dieser Zwinger ist ziemlich   klein, und wir sind immerhin f�nf Hunde. Offenbar ist dem M�nsterl�nder auch   gerade aufgefallen, dass das ein Ding der Unm�glichkeit ist. Jedenfalls grinst   er mich jetzt verschmitzt an und murmelt: �So gut es eben geht, haha. Ich hei�e   �brigens Fritz.�</p><p>Ich sage erst einmal nichts. Unter den gegebenen Umst�nden habe ich wirklich   keine Lust, mich zu unterhalten. Stattdessen lege ich den Kopf auf meine Pfoten   und sehe Bozo und dem Boxer zu, wie sie sich auf <emphasis>meinem </emphasis>Sonnenfleckchen   fl�zen. Wahrscheinlich machen sie sich gerade �ber mich lustig. Eigentlich bin   ich sehr gerne ein Dackel, aber in diesem Moment w�re ich viel lieber ein   Kampfhund. Staffordshire, Pitbull oder irgendetwas anderes in Richtung <emphasis>Lizenz   zum T�ten.</emphasis></p><p>�He�, Fritz knufft mich in die Seite, �sei nicht traurig. Die Pflegerin hat's   doch gerade gesagt: Du bist so ein richtiger Menschentyp, dich holt bald einer   hier raus. Und dann zeigst du den beiden Idioten da dr�ben den Stinkefinger,   denn die will garantiert keiner haben.�</p><p>Ich schaue Fritz nachdenklich an. Hoffentlich hat er Recht.</p><empty-line/><p>Am n�chsten Morgen f�hle ich mich wie ger�dert. Ich habe kaum geschlafen -   und wenn mir doch mal f�r f�nf Minuten die Augen zugefallen sind, hatte ich   furchtbare Alptr�ume. Von Boxern und Pitbulls, die mich durch den Zwinger   jagen, und riesigen Mengen Dosenfutter, das ganz abscheulich schmeckt. M�de   trotte ich zu Fritz, der schwanzwedelnd an der K�figt�r steht.</p><p>�Morgen. Was bist du denn schon so wach und gut gelaunt?�, will ich von ihm   wissen.</p><p>�Na, heute ist Besuchstag. Und falls tats�chlich ein Mensch auf der Suche   nach einem Hund vorbeikommt, will ich gleich einen guten Eindruck machen. Bin ja   nicht mehr der J�ngste, da ist es umso wichtiger, dynamisch und gut gelaunt zu   wirken. Wirst schon sehen, Menschen m�gen so was.�</p><p>Ob er damit richtig liegt? Eigentlich habe ich gar keine Lust, den   dressierten Dackel zu geben. Aber der Gedanke, mich auf einen l�ngeren   Aufenthalt hier einzurichten, ist zugegebenerma�en furchtbar. Ich stelle mich   also neben Fritz und wedele auch ein bisschen unmotiviert mit dem Schwanz hin   und her. Und auf so eine billige Masche fallen Menschen herein? Unglaublich.</p><p>�Sag mal, wie hei�t du eigentlich?�, will Fritz wissen.</p><p>�Carl-Leopold�, antworte ich knapp.</p><p>�Carl-Leopold? Komischer Name f�r einen Hund.�</p><p>�Finde ich nicht. Kommt eben ganz darauf an, aus welchem Stall man kommt.�   Banause! Was wei� der schon von sch�nen Namen? �Ich bin ein von Eschersbach�,   f�ge ich stolz hinzu.</p><p>�Von Eschersbach? Sagt mir nichts�, brummt Fritz nur und wedelt weiter.</p><p>Ich seufze. Wirklich ein Banause. Ein netter zwar, aber eben doch ein   Banause. Gerade will ich anfangen, Fritz in die Grundz�ge meiner   Familiengeschichte einzuweihen, da klappt im Haus neben unserem Zwinger eine   T�r. Augenblicklich bin ich wie elektrisiert. Nicht wegen des Ger�uschs -   schlie�lich herrscht in dieser Einrichtung ein L�rmpegel, dass einem Dackel   eigentlich die zarten �hrchen abfallen m�ssten. Nein, es ist vielmehr ein ganz   unbeschreiblicher Geruch, der geradewegs auf meine Nase zustr�mt. Auch Fritz   scheint Witterung aufgenommen zu haben, denn er stellt sein bl�dsinniges Gewedel   ein und presst stattdessen seine Schnauze durch die Gitterst�be.</p><p>�Riechst du das auch?�, will ich von ihm wissen. Er nickt. �Toll, oder?�</p><p>�Ja, Wahnsinn!�, gibt er mir Recht.</p><p>�Das ist der sch�nste Geruch, den ich an einem Menschen je wahrgenommen   habe�, stelle ich fest.</p><p>Dass dieser Geruch zu einem Menschen geh�rt, ist klar. Das riecht jeder Hund   sofort. Aber was f�r ein Mensch ist das wohl, der so gut riecht? Nicht etwa   profan gut wie Fleischwurst oder Schokokeks. Nein, eher wie ... ich gr�ble nach   ... genau - wie ein sch�ner Sommertag. Ein gl�cklicher Sommertag. Ganz viel   nach Blumen, ein bisschen nach Erdbeeren und ein Hauch Pfefferminz.   Fantastisch.</p><p>�Wahrscheinlich sind wir gleich entt�uscht, wenn wir den Menschen sehen. Die   bl�desten Menschen riechen immer am besten�, meint Fritz fachm�nnisch.</p><p>�Echt?�, will ich wissen. �Da habe ich ehrlicherweise noch keinen   Zusammenhang festgestellt. Das kann ich nicht beurteilen.�</p><p>�Doch, doch. Jede Wette.�</p><p>Gespannt blicken wir Richtung T�r. Und da kommt sie auch schon zu den   Zwingern, gefolgt von der Latzhose. Fritz lag v�llig daneben. Denn f�r einen   Menschen ist sie wundersch�n, wie ein Engel. Sie unterh�lt sich mit der anderen   Frau und lacht dabei. Ihre Augen lachen mit - was besonders sch�n aussieht und   bei den Menschen ziemlich selten ist. Meistens verziehen die beim Lachen nur den   Mund. Was schade ist. Also, wenn ich lachen k�nnte, ich w�rde die Augen   mitmachen lassen. Sieht eindeutig besser aus.</p><p>�Hm, also ein etwas kleinerer Hund soll es sein? Und gerne ein j�ngerer?�   Der Engel nickt.</p><p>Fritz l�sst sofort die Ohren h�ngen. Er wei�, was das bedeutet: wieder kein   Frauchen f�r ihn. Denn M�nsterl�nder sind alles andere als klein - und ein   junger Hund ist Fritz schon lange nicht mehr. Er senkt den Kopf. �Viel Gl�ck!�,   fl�stert er mir noch zu, dann trottet er an mir vorbei. Nat�rlich tut er mir   leid - aber vielleicht ist das wirklich meine Chance? Ich versuche es noch mal   mit der Fritz'schen Taktik, wedele also aufgeregt mit dem Schwanz und versuche,   m�glichst freundlich zu bellen. Tats�chlich steuern die beiden Frauen jetzt   direkt auf mich zu.</p><p>�Das hier ist zum Beispiel unser Junior. Haben wir gerade erst bekommen.   Ungef�hr ein halbes Jahr alt.�</p><p>Sie streckt ihre Hand durch das Gitter, ich schlecke sie gleich ab. Na, wenn   das jetzt keinen guten Eindruck macht, wei� ich auch nicht. Der Engel beugt sich   zu mir herunter.</p><p>�Na, was bist du denn f�r ein S��er? So ein niedlicher Kerl!� Begeistert   springe ich auf und ab.</p><p>�Ja, echt ein H�bscher. Ein Dackelmix.�</p><p>Autsch. Mix. Verdammt. Das tat weh. Ich h�re augenblicklich auf, den   begeisterten Hund zu mimen. Nicht, dass es nicht stimmen w�rde. Im Gegenteil.   Fr�ulein Latzhose hat Recht. Und damit bringt sie meine Schmach auf den Punkt:   Ich bin ein Mischling. Das Ergebnis von Mamas Aff�re mit einem sehr schneidigen   Terrierr�den. Genau deswegen bin ich hier. Denn ich bin zwar Carl-Leopold von   Eschersbach. Aber ein reinrassiger Dackel mit den besten Papieren - das bin ich   nicht. F�r die Jagd g�nzlich ungeeignet. Und f�r die Zucht sowieso. So hat es   der alte Schlossherr Eschersbach gesagt, bevor er mich in einen Karton setzte   und mich hierherfuhr. Emilia hat geweint, aber sie hatte ja schon meine   Schwester genommen, und zwei Hunde waren ihr nat�rlich zu viel.</p><p>Offenbar habe ich angefangen zu winseln, denn jetzt streckt auch der Engel   seine Hand durch den K�fig und streichelt mich.</p><p>�Och, du Armer, was hast du denn? Bist du traurig?�</p><p>Wie peinlich. Ein Eschersbach weint doch nicht. Und dann noch vor einer so   sch�nen Frau. Himmel, wo soll das noch enden? Aber offensichtlich war das genau   das Richtige, denn jetzt richtet sich der Engel auf, zeigt auf mich und sagt:   �Den will ich haben. Auf alle F�lle. Kann ich ihn gleich mitnehmen?�</p><p>Die Latzhose nickt. �Kommen Sie mit rein, dann erledigen wir die   Formalit�ten. Alle Impfungen hat er schon, er kommt von einem sehr   gewissenhaften Z�chter. Kleiner Betriebsunfall gewisserma�en.�</p><p>Bei den letzten Worten kichert sie. Und daf�r w�rde ich sie sehr gerne in die   Hand zwicken. Lasse es aber. Sonst muss ich nachher doch hierbleiben.</p><empty-line/><p>Zwanzig Minuten sp�ter sitze ich sicher in der Box verstaut auf dem R�cksitz   von Carolins Auto. Carolin - so hei�t mein Engel. Habe ich bei der   Verabschiedung mitgekriegt. Carolin. Ein sch�ner Name. Sehr edel.   Wahrscheinlich - ach was - ganz sicher ist Carolin aus noblem Hause. So etwas   merkt ein Hund wie ich einfach. Carolin jedenfalls ist gut gelaunt. Sie pfeift   ein Lied und schaut ab und zu in den R�ckspiegel, um nach mir zu sehen.</p><p>�So, mein S��er, jetzt lernst du gleich dein neues Zuhause kennen. Ich bin   sehr gespannt, wie es dir gef�llt.�</p><p>Und ich erst! Ob es wohl so sch�n ist wie auf Schloss Eschersbach? Mit einem   gro�en Park? Und vielen Kaninchenbauten? Das Auto wird langsamer, schlie�lich   h�lt es an. Carolin �ffnet die T�r und hebt die Box heraus. Jetzt habe ich den   Geruch von Erdbeeren und Minze direkt vor der Nase und w�rde Carolin am liebsten   von oben bis unten abschlecken. Aber noch muss ich mich gedulden, aus der   schaukelnden Box herauszukommen.</p><p>Um mich herum wird es dunkler, und es schaukelt noch st�rker: Carolin tr�gt   mich eine Treppe hinauf. Ich versuche, mit meiner Nase durch das Gitter der Box   einen ersten Eindruck von meinem neuen Domizil zu erschn�ffeln. Auf alle F�lle   scheint es ein Ort zu sein, an dem verschiedene Menschen leben. Und   verschiedene Tiere. Auf Anhieb kann ich mindestens eine Katze ausmachen.</p><p>Jetzt stellt Carolin die Box ab, und ich h�re, wie sie eine T�r aufschlie�t.   Sie schiebt die Box mit dem Fu� ein St�ck weiter. Dann nestelt sie am Deckel   herum, �ffnet ihn und hebt mich vorsichtig heraus.</p><p>�Et voil�! Hier wirst du von nun an wohnen. Schau dich ruhig um, kleiner   Mann.�</p><p>Im ersten Moment sehe ich gar nichts - so hell ist es hier. Ich blinzele   vorsichtig und versuche, mich an das Licht zu gew�hnen. Schemenhaft erkenne ich   langsam, dass wir wohl in einem menschlichen Wohnzimmer stehen. Vor dem Fenster   steht eine gro�e Couch, die so aussieht, als k�nnte ein kleiner Dackel dort sehr   bequem ein Nickerchen halten. Ob das bei Carolin wohl erlaubt ist? Im Schloss   jedenfalls war es streng verboten. Was nat�rlich dazu f�hrte, dass meine   Schwester und ich nichts lieber taten, als auf das Sofa im Salon zu hopsen.   Schon allein, weil es urkomisch war, wenn der alte Schlossherr trotz seines   Gehstocks wie ein ge�lter Blitz auf uns zuschoss und wild mit ebenjenem Stock   herumfuchtelte, um uns zu verscheuchen.</p><p>Ich trabe zum Sofa und schnuppere am Bezug. Hm, auch Erdbeeren und Minze.   Aber noch irgendetwas anderes. Kein Tier. Eher noch ein Mensch. Tief tauche ich   in den Geruch ein. Hm, habe ich nicht nur ein neues Frauchen, sondern auch noch   ein Herrchen? Ein Frauengeruch ist das jedenfalls nicht. W�hrend ich noch   �berlege, hebt mich Carolin hoch und setzt mich - ja! ja! ja! - auf das Sofa,   sich selbst gleich daneben. Begeistert schlecke ich ihre H�nde ab - diese Frau   wei� ganz offensichtlich, was Dackel lieben. Sie lacht und zieht ihre H�nde weg.   Dann sieht sie mich nachdenklich an.</p><p>�So, mein Kleiner: Ich habe alles f�r dich besorgt: K�rbchen, Leine,   Fressnapf, Futter. Dann fehlt nur noch eins ...� Ich sch�ttle den Kopf, f�r   meinen Geschmack klang das ziemlich vollst�ndig. �Du brauchst noch einen sch�nen   Namen.�</p><p>Ich quieke �berrascht - einen sch�nen Namen habe ich doch schon! Oder hat   mich von Eschersbach einfach so im Tierheim abgestellt? Ohne noch ein paar   Sachen �ber mich zu erz�hlen? So eine Herzlosigkeit!</p><p>Offenbar merkt Carolin meine Emp�rung, sie hebt mich auf ihren Scho�, dann   gucken wir uns in die Augen.</p><p>�Hm, also, wie k�nnte so ein Kerlchen wie du wohl hei�en? Wonach siehst du   denn aus?�</p><p>Ich versuche, mich m�glichst wirkungsvoll in die Brust zu werfen und sehr   w�rdevoll auszusehen. Vielleicht kommt sie dann von allein auf Carl-Leopold? Zur   Unterstreichung dieses Anblicks belle ich noch zweimal staatstragend. Los,   Carolin, denk mal scharf nach!</p><p>�Auf alle F�lle bist du kein gew�hnlicher Hund - du scheinst mir wirklich   Charakter zu haben. Innerlich bist du gewisserma�en viel gr��er, als du von   au�en aussiehst.�</p><p>Ja! Genau! Gleich hat sie's! Majest�tisch werfe ich den Kopf zur�ck.</p><p>�Ich hab's! Ich nenne dich Herkules.�</p><p>Wie bitte? HERKULES? Alter Grieche statt alter Adel?</p><empty-line/></section><section><p><strong><emphasis>ZWEI</emphasis></strong></p><p>Herkules! Gut, Carolin mag keinen Geschmack haben, was die Namenswahl bei   Dackeln anbelangt, und an diesen merkw�rdigen neuen Namen muss ich mich auch   erst mal gew�hnen. Ein H�ndchen f�r die richtige Wohngegend hat sie aber auf   alle F�lle. Tats�chlich scheint das Haus, in dem ich jetzt wohne, fast so gro�   wie Schloss Eschersbach zu sein. Mein Gef�hl, dass Carolin aus den besten   Verh�ltnissen stammt, scheint also zu stimmen. Auch die Nachbarn residieren   nicht gerade in bescheidenen H�tten. Direkt hinter unserem Haus beginnt ein   Park. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob der Carolin allein geh�rt, denn er   ist wirklich riesig. Als wir dort einen kurzen Spaziergang machen, kann ich   �berhaupt nicht erkennen, wo der Park endet - toll!</p><p>Und er ist nicht nur gro�, es wartet auch das Abenteuer in ihm. Schon nach   ein paar Schritten wittere ich die ersten Kaninchen und Eichh�rnchen. Sofort   will ich loslaufen, da erinnert mich ein unsanfter Ruck im Nacken daran, dass   Carolin etwas f�r mich besorgt hat, was f�r mich v�llig ungewohnt ist: eine Art   Strick, den sie an meinem Halsband festgemacht hat. Aua! Was soll das denn? Ich   drehe mich um, nehme das Ding in die Schnauze und zerre ein bisschen daran.   Carolin kniet sich zu mir herunter.</p><p>�Na, Herkules? Magst du deine neue Leine nicht? Oder bist du noch nie so   spazieren gegangen? Ich bin mir gar nicht sicher, ob so ein kleiner Hund wie du   das gleich kann. An der Leine gehen, meine ich. Aber leider herrscht hier   Leinenzwang, und ich kann dich nicht einfach herumlaufen lassen.�</p><p>Bei dem Wort �Leinenzwang� muss ich noch ein bisschen wilder auf dem Strick   herumbei�en. Ich wei� zwar nicht genau, was das bedeutet, aber es klingt   definitiv wie etwas, was sich gegen Hunde richtet.</p><p>�Ts, ts!�, sagt Carolin und dann streichelt sie mir ganz z�rtlich �ber den   Kopf. Ich lasse die Leine los und schaue sie an.</p><p>�Ich muss mir wohl ein Buch �ber Hundeerziehung kaufen. Oder vielleicht ein   paar Stunden beim Hundetrainer buchen? Du bist n�mlich mein allererster Hund   �berhaupt. Aber gestern hatte ich auf einmal das Gef�hl, es w�re nett, so ein   freundliches, treues Wesen um mich zu haben.�</p><p>Okay, das mit der Erziehung ist nat�rlich �berfl�ssiger Unsinn, und ich   hoffe, Carolin kommt noch von allein drauf. Aber das mit dem freundlichen,   treuen Wesen trifft hundertprozentig auf mich zu. Wie auf alle von   Eschersbach'schen Dackel. Ich w�rde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass wir   daf�r ber�hmt sind. <emphasis>Ein von Eschersbach verl�sst seinen Menschen nie. Nie!   Merk dir das, Carl-Leopold!, </emphasis>h�re ich Opili sagen. Was aber ist, wenn der   Mensch auf einmal den Dackel verl�sst? Dazu w�re Opili bestimmt auch nichts   eingefallen, f�ge ich in Gedanken finster hinzu. Einen Moment will sich   schlechte Laune bei mir breitmachen, aber da raschelt Carolin mit irgendwas in   ihrer Tasche. Hmh, nicht mit irgendetwas - den Geruch kenne ich doch! Es ist   Fleischwurst. Sie h�lt mir tats�chlich ein St�ck davon unter die Nase.</p><p>�Hier, mein Schatz. Beginnen wir doch unsere erste Trainingseinheit in   Sachen Spaziergang mit etwas Erfreulichem. Ich hoffe, du magst das.�</p><p>Ich schnappe mir den Wurstzipfel und springe gleich mal begeistert auf und   ab. Carolin soll doch wissen, dass das auf alle F�lle die richtige Idee war.</p><p>�Das freut dich, nicht wahr? Vielleicht lassen wir das Leinentraining auch   erst mal und besuchen stattdessen Daniel. Wird Zeit, dass du den kennenlernst.   Um diese Uhrzeit ist er bestimmt gerade flei�ig und vielleicht f�r ein bisschen   Abwechslung dankbar.�</p><p>Schade, ich w�re gerne noch im Park geblieben. Auch mit Leine. Vielleicht   h�tten wir noch einen anderen Hund getroffen, den ich ein bisschen �ber die   Nachbarschaft h�tte ausquetschen k�nnen. Man will ja schlie�lich wissen, mit wem   man es zu tun hat. Aber wenn dieser Daniel so wichtig ist - bitte, von mir   aus!</p><p>Carolin geht genau den Weg zur�ck, den wir gerade gekommen sind, und ich   gebe mir M�he, brav an der Leine hinter ihr herzutrotten. Vielleicht kriege ich   noch ein St�ck Wurst, wenn ich ihr jetzt ein p�dagogisches Erfolgserlebnis   verschaffe. Tats�chlich dreht sie sich kurz zu mir um.</p><p>�Braver Herkules! Du lernst aber schnell!�, lobt sie mich. Leider ohne noch   einmal in ihre Tasche zu greifen. Sei's drum, Hunger habe ich ja eigentlich   keinen.</p><p>Mittlerweile stehen wir wieder vor unserem Haus. Ob dieser Daniel auch hier   wohnt? Carolin beugt sich zu mir und nimmt mich auf den Arm.</p><p>�So, ab in die Werkstatt!�</p><p>Werkstatt? Interessantes Wort. Was sich dahinter wohl verbirgt? Wir gehen   tats�chlich ins Haus, aber anders als eben nicht die Treppe hoch, sondern vier   Stufen hinunter. Dann �ffnet Carolin die T�r - und wir stehen in einem Raum, der   unglaublich nach Holz riecht. Ich schnaube erstaunt. Ob die Menschen auch W�lder   haben, die sich <emphasis>in </emphasis>H�usern befinden? Und wohnen dann dort trotzdem F�chse   und Kaninchen? Allerdings sehe ich �berhaupt keine B�ume. Merkw�rdig.</p><p>Aus einer Ecke des Werkstattdings h�re ich jemanden pfeifen. Ob das Daniel   ist? Carolin tr�gt mich in Richtung des Ger�uschs. Wir kommen in einen Raum mit   zwei gro�en Fenstern, in die gerade die warme Nachmittagssonne scheint. Direkt   hinter den Fenstern beginnt eine Wiese, es sieht sehr h�bsch aus. Vor den   Fenstern steht ein gro�er Tisch, und hinter dem Tisch steht der Mensch, der so   laut pfeifen kann. Er h�lt ein langes Dings in den H�nden, das aussieht wie ein   Ast mit langen Haaren. Als er uns sieht, legt er das Dings zur Seite und h�rt   auf zu pfeifen.</p><p>�Oh, hallo! Hat sich da jemand zu uns verlaufen? Oder haben wir gerade   Besuch?�</p><p>Carolin sch�ttelt den Kopf. �Weder noch: Wir haben einen neuen Mitbewohner.   Darf ich vorstellen: Herkules - Daniel. Daniel - Herkules.� Mit diesen Worten   setzt sie mich auf den Tisch neben das Dings.</p><p>�Bitte? Du hast einen Dackel gekauft?�</p><p>�Einen Dackelmix, ja.�</p><p>Ich kann nicht anders - ich muss an dieser Stelle einfach heftig den Kopf   sch�tteln und emp�rt knurren. Die beiden schauen mich erstaunt an.</p><p>�Hoppla, mag er vielleicht keine M�nner?�, will Daniel wissen.</p><p>Carolin zuckt mit den Schultern und krault mich beschwichtigend hinter den   �hrchen. �Das will ich doch nicht hoffen. Im Tierheim haben sie jedenfalls   nichts davon gesagt, und ich wollte ihn eigentlich tags�ber mit in die Werkstatt   bringen.�</p><p>Daniel l�chelt. �Na ja, vielleicht ist er ein stolzes Kerlchen und mag es   nicht, wenn du seine Reinrassigkeit anzweifelst.�</p><p>Die beiden lachen, und Carolin nimmt mich wieder auf den Arm.</p><p>Was, bitte, ist daran so komisch? Auch wenn ich noch nicht so viele Menschen   kenne, eines steht fest: Diese Zweibeiner sind deutlich unsensibler als wir   Hunde. Ein Gef�hl daf�r, was uns gerade bedr�ckt, haben sie ganz offensichtlich   nicht. Mich beschleicht auf einmal das mulmige Gef�hl, dass das st�ndige   Zusammenleben mit so einem Menschen, nicht immer die reine Freude sein k�nnte.   Immerhin war dieser Daniel schon mal auf der richtigen F�hrte. Den Rest �ben wir   noch!</p><p>�Darf ich ihn auch mal halten?�</p><p>�Klar!� Carolin reicht mich hin�ber. Daniel hat einen festen, aber nicht   unangenehmen Griff. Er ist nur ein bisschen gr��er als Carolin und von hier   oben kann ich sehen, dass sich seine hellen Haare wild �ber den ganzen Kopf   locken.</p><p>�Na, Kleiner? Magst du mich etwa nicht?� Um das Gegenteil gleich mal   klarzustellen, schlecke ich Daniel mit meiner Zunge �bers Gesicht.</p><p>�So viel zum Thema &gt;mag keine M�nner&lt;�, freut sich Carolin. �Du kommst   doch ziemlich gut bei ihm an.�</p><p>�Dann bin ich ja beruhigt! Denn wenn wir hier demn�chst unsere Tage zu dritt   verbringen, w�re alles andere ja auch schlecht. Ein Dackel, der mich st�ndig in   die Waden zwickt, h�tte unsere Harmonie doch empfindlich gest�rt.�</p><p>Ah, verstehe. Daniel ist also das Herrchen zu meinem Frauchen. Wahrscheinlich   habe ich ihn auch oben in der Wohnung gerochen. Ich habe schon �fter geh�rt,   dass sich Menschen gerne zu zweit zusammentun und dann auch ganz lange so ein   Paar bleiben. Fand ich bisher immer einen komischen Gedanken. Aber wenn ich die   beiden so sehe, dann kann ich's glatt verstehen. Sie wirken so ... so vertraut   miteinander. Fast wie mein Opili mit dem alten Eschersbach. Und die beiden sind   immerhin f�nfzehn Jahre zusammen zur Jagd gegangen. Mehr Paar geht gar nicht. Ob   Carolin und Daniel auch zusammen jagen? Oder machen Menschenpaare andere Sachen   zu zweit?</p><p>�Kurz etwas Dienstliches: Hat Frau Brolin noch mal angerufen?�, will Carolin   von Daniel wissen. �Sie wollte eigentlich heute mit einem Cello zum Sch�tzen   vorbeikommen. Soll restauriert werden, wenn sich das lohnt.�</p><p>Cello. Was f�r ein sch�nes Wort. So weich und trotzdem irgendwie ... feurig.   Was mag das sein? Und ob es irgendwas mit dem Dings zu tun hat, was Daniel   vorhin noch in der Hand hatte? Na, ich werde es herausfinden, ich bin ab heute   ja �fter in der Gegend.</p><p>�Ja, sie war kurz da und hat das Instrument hiergelassen. Ich habe es dir auf   deinen Platz gelegt. Es war ihr aber nicht besonders eilig. Reicht v�llig, wenn   du sie Montag anrufst.�</p><p>�Ach gut. Wenn ich ehrlich bin, w�rde ich mir gerne den Rest des Tages   freinehmen und Herkules sein neues Zuhause und die neue Umgebung zeigen. Einen   kleinen Spaziergang im Park haben wir eben schon versucht, aber Herkules mag   seine neue Leine nicht. Vielleicht �be ich gleich noch mal ein bisschen mit   ihm.�</p><p>�Mach nur, bei mir gibt es auch nichts Dringendes. Jedenfalls nichts, was   ich nicht ohne dich schaffen w�rde.� Daniel l�chelt wieder und reicht mich an   Carolin zur�ck.</p><p>Es ist schon toll, was f�r unterschiedliche Gesichtsausdr�cke Menschen so   hinbekommen. Ist nat�rlich auch viel einfacher, wenn man nicht so viele Haare   um Augen und Nase hemm hat. Jetzt gerade hat dieser Daniel meine Carolin so   angeschaut, als w�rde er ihr auch gerne �bers Gesicht lecken.</p><p>Aber das machen Menschen anscheinend nicht. Habe ich jedenfalls noch nie bei   ihnen gesehen. Auf und ab springen tun sie �brigens auch nicht. Komisch, oder?   Dabei f�hlt sich das so gut an, wenn man sich freut.</p><p>�Daniel?�</p><p>�Ja?�</p><p>�Das ist f�r dich okay mit dem Hund, oder?� �Klar, mach dir keine   Gedanken.�</p><p>�Ich meine nur - es war ja eine ziemlich spontane Idee, und eigentlich wollte   ich dich vorher fragen. Aber dann war ich schon mal aus reiner Neugier im   Tierheim und habe mich gleich in dieses kleine Kerlchen verliebt.�</p><p>�Der ist aber auch wirklich s��. Ich kann verstehen, dass du ihn gleich   mitnehmen wolltest. Allein diese gro�en braunen Knopfaugen. Ich finde �brigens,   man sieht kaum, dass er ein Mix ist. Schlappohren und relativ kurze Beine -   ziemlich langen R�cken hat er auch. Also, wenn du mich fragst, der kommt   bestimmt aus einer richtigen Dackelfamilie, viele andere Rassen sind da   garantiert nicht mit drin.�</p><p>Daniel, du bist mein Mann! Am liebsten w�rde ich von Carolins Arm direkt zu   Daniel springen und ihn noch einmal von oben bis unten abschlecken - so gut tut   mir sein Kompliment. Ich habe das Gef�hl, spontan um eine Pfotenbreite   gewachsen zu sein. Stolz belle ich los.</p><p>�Das scheint dich ja richtig zu freuen! Carolin, ich glaube, du hast es hier   mit einem sehr stolzen Exemplar zu tun. Wahrscheinlich m�ssen wir uns   anstrengen, seinen Anspr�chen zu gen�gen.�</p><p>Weder lachen beide, und Carolin krault mich noch einmal hinter den Ohren.   �Tja, mein S��er, dann will ich mir mal M�he geben, damit du dich auch   wohlf�hlst bei uns.�</p><p>Als ich nachts in meinem neuen K�rbchen liege, bin ich ersch�pft, aber   gl�cklich. Eine Stunde waren wir noch im Park spazieren und haben die Sache mit   der Leine ge�bt. Um Carolin einen Gefallen zu tun, bin ich meistens brav hinter   ihr her getrabt, nur ab und zu, wenn ich mir sicher war, an einem Kaninchenbau   vorbeigekommen zu sein, habe ich mich auf den Hintern gesetzt und wild geknurrt.   Schlie�lich habe ich auch einen Ruf als Jagdhund zu verteidigen. Aber mit gutem   Zureden und einigen Scheiben Fleischwurst haben wir doch eine ziemlich gro�e   Leinenrunde im Park geschafft. Ein paar Hunde haben wir auch getroffen, aber mir   war nicht nach reden. Morgen ist schlie�lich auch noch ein Tag.</p><p>Bevor ich einschlafe, kommt Carolin noch einmal vorbei und legt mir eine   weiche Decke ins K�rbchen. Sie schmust ein bisschen mit mir, dann fl�stert sie   mir ins Ohr: �Wei�t du, mein S��er, eigentlich ist es eine Schande, dass ich mir   nicht l�ngst einen Hund angeschafft habe. Hier ist es wirklich ideal f�r ein   Kerlchen wie dich. Tags�ber kannst du mit mir in die Werkstatt kommen oder in   unserem Garten herumstromern. Und immer, wenn ich eine Pause mache oder   freihabe, dann gehen wir hier spazieren. Na, wie klingt das?�, will sie dann   wissen, und endlich - endlich! - kann ich ihr auch einmal �bers Gesicht   schlecken. Carolin kichert, streichelt mich noch einmal und w�nscht mir eine   Gute Nacht.</p><p>Hach, ich habe es richtig gut getroffen: ein nettes Frauchen, ein nettes   Herrchen - eigentlich wieder eine richtig sch�ne Familie, ganz wie auf Schloss   Eschersbach. Gut, es gibt keine Emilia, und Carolin hatte nicht etwa frischen   Pansen besorgt, sondern beim Abendessen zur Feier des Tages eine Dose   aufgemacht. Aber egal. Wenn das das b�rgerliche Leben ist, dann kann ich mich   damit anfreunden. Wenigstens scheint es hier ehrlich zuzugehen, und jemanden,   der so kaltherzig wie der alte Eschersbach ist, habe ich hier noch nicht   getroffen. Ja, das Gl�ck der kleinen Leute, es hat etwas rundherum Beruhigendes.   Der Adel kann mir gestohlen bleiben. Noch einmal denke ich an die leckere   Fleischwurst, dann fallen mir die Augen zu.</p><empty-line/></section><section><p><strong><emphasis>DREI</emphasis></strong></p><p>Am liebsten w�rde ich mir die Ohren zuhalten. Oder mich unter dem Sofa   verkriechen. Denn was ich hier gerade erlebe, macht mir richtig Angst. Ein Mann,   den ich noch nie zuvor gesehen habe, ist eben in unsere, also genauer gesagt,   Carolins Wohnung gekommen und hat sofort begonnen herumzubr�llen. Ich bin   fassungslos. Wer ist dieser furchtbare Kerl? Und wo steckt eigentlich Daniel?   Will der sein Weibchen nicht besch�tzen? Vielleicht sollte ich ihn schnell   suchen, damit er Carolin helfen kann. Daf�r m�sste ich allerdings an dem   br�llenden Kerl vorbei, und das traue ich mich ehrlich gesagt nicht. Eine Unart,   die ich an Menschen echt hasse? Dass sie so furchtbar laut sein k�nnen! Meine   Ohren sind wirklich ausgezeichnet. F�r meinen Geschmack m�ssten Menschen daher   weder selbst so laut reden noch - was sie anscheinend auch sehr gerne machen -   unglaublich laute Musik h�ren. Aber das nur nebenbei bemerkt.</p><p>In seiner aggressiven Art erinnert mich dieser Mann gerade sehr an Bozo und   Boxer. Er ist riesig, ein ganzes St�ck gr��er als Carolin. Und seine Haare sind   genauso rabenschwarz wie Bozos Fell. Er macht die gleichen herrischen Bewegungen   und hat den gleichen ungebildeten Tonfall. Anscheinend ein Proletarier reinsten   Wassers, genau wie Bozo-Boxer.</p><p>Der Mann fuchtelt wild mit den H�nden herum und zeigt - auf mich! Auweia!</p><p>�Du hast was? ! Ich bin keine drei Tage auf einer Dienstreise, komme zur�ck,   und du hast einen Hund gekauft?�</p><p>Der Kopf von Bozo-Boxer ist hochrot angelaufen. Irgendetwas sagt mir, dass   ich bei ihm nicht ganz so gut ankomme wie bei Daniel. Aber das kann mir wohl   egal sein. Hauptsache, mein Herrchen mag mich. Und hoffentlich kommt das bald.   Auch mit den f�r gew�hnlich schlechten Menschenohren kann man diese Schreierei   bestimmt in der Werkstatt h�ren. Jetzt stellt sich Carolin tapfer vor den Mann.   Offensichtlich will sie mich verteidigen. Eine tolle Geste, aber so geht es nun   wirklich nicht. Denn wenn hier jemand zu verteidigen ist, dann doch wohl mein   Frauchen durch ihren tapferen Jagdhund. Es hilft nichts - ich muss mich in den   Kampf st�rzen.</p><p>Gerade will ich Anlauf nehmen, um mit einem gewagten Sprungman�ver eine   m�glichst gute Bissposition f�r eine empfindliche Stelle bei dem Kerl zu   erreichen, da passiert das Unglaubliche: Carolin geht noch ein St�ck n�her an   den fiesen Typen heran und streichelt ihm �ber den Arm.</p><p>�Aber, Schatz - wir waren uns doch einig, dass ein Tier eine gute Idee ist.   Und da bin ich gestern spontan ins Tierheim gefahren. Bitte - sei nicht b�se!   Herkules ist doch so s��!�</p><p><emphasis>Schatz? </emphasis>Da habe ich mich doch Hoffentlich verh�rt. Denn <emphasis>Schatz </emphasis>sagen meines Wissens vor allem Menschenpaare zueinander. Wie zum Beispiel   der G�rtner immer <emphasis>Schatz </emphasis>zu Emilia sagt, was in Ordnung ist, weil die   beiden ja ein Paar sind. Sollte also Carolin zwei M�nner haben? Und einer davon   ist ausgerechnet dieser Prolet? Immerhin scheint Carolin ihn etwas beruhigt zu   haben, er schreit nicht mehr ganz so laut.</p><p>�Du und deine spontanen Ideen. Kaufst ohne mich zu fragen einen Hund - was   f�r ein Schwachsinn!�</p><p>�Na ja, ich dachte, wo du doch so h�ufig weg bist und weil wir doch den   gro�en Garten haben. Und Herkules kann tags�ber mit in die Werkstatt kommen.   Daniel hatte damit �berhaupt kein Problem.�</p><p>�Nat�rlich hat der damit kein Problem. Der ist doch das Weichei vor dem   Herrn. Wenn du vorschlagen w�rdest, dass ihr ab morgen in Strapsen im Laden   steht, w�rde er dazu auch Ja und Amen sagen.�</p><p>�Mensch, Thomas - jetzt h�r doch auf, immer auf Daniel rumzuhacken. Er ist   vielleicht nicht so ein Macher wie du, aber ich k�nnte mir keinen besseren   Partner vorstellen als ihn.�</p><p>Aha, der Mensch hei�t Thomas. Und offensichtlich kennt er Daniel. Was f�r   eine interessante Konstellation. Ob Menschen manchmal auch zu dritt   zusammenleben? Man erz�hlt sich unter Dackeln, dass die Hunde in grauer Vorzeit   in Rudeln zusammenlebten. Allerdings kamen da auf einen R�den mehrere Damen.   Vielleicht ist das in einem Menschenrudel - falls es das denn �berhaupt gibt,   anders. Vielleicht braucht jede Frau mehrere M�nner? Es gibt noch viel zu lernen   f�r einen jungen Hund wie mich. Das steht schon mal fest.</p><p>�Ja nat�rlich findest du keinen besseren Partner�, h�hnt Thomas jetzt. �Gibt   ja auch kaum Geigenbauer. Aber nur weil sich dein Herr Kollege in der Werkstatt   alles von dir bieten l�sst, trifft das auf mich noch lange nicht zu.�</p><p>Thomas lacht ver�chtlich auf. Carolin f�ngt an zu weinen, und mir wird   langsam klar, dass Daniel und Carolin anscheinend gar kein Paar sind. Jedenfalls   kein Liebespaar. Stattdessen ist Carolin wohl unbegreiflicherweise die Frau von   Thomas und mit Daniel arbeitet sie nur zusammen. So muss es wohl sein. Oh, wie   grauenhaft.</p><p>Ich bin jetzt v�llig verwirrt und h�re gar nicht mehr zu, was Thomas noch an   Unversch�mtheiten von sich gibt. Stattdessen muss ich fieberhaft nachdenken,   wie es wohl kommt, dass Carolin und Thomas ein Paar sind. Den kann sich Carolin   doch im Leben nicht freiwillig ausgesucht haben. Wie ist das blo� passiert? Ob   es auch bei Menschen eine Instanz gibt, die M�nner und Frauen zusammenw�rfelt?   Also quasi einen Z�chter? Das hielt ich bisher f�r ausgeschlossen, Menschen   waren f�r mich bisher die Wesen mit dem freien Willen. Aber wenn ich das hier so   sehe, dann muss das bei Menschen noch irgendwie anders funktionieren. Und - das   liegt auf der Hand - es funktioniert nicht gut.</p><empty-line/><p>�Carolin, du machst dir da etwas vor. Das mit Thomas und dir funktioniert   einfach nicht. Hat es nie. Wird es nie.�</p><p>�Woher willst du das so genau wissen? Nur weil du Psychologin bist, kannst   du noch lange nicht in die Zukunft sehen.�</p><p>�Ne, nicht weil ich Psychologin bin. Sondern weil ich deine beste Freundin   Nina bin, die sich das ganze Elend jetzt schon vier Jahre anschaut.�</p><p>Wir sitzen, beziehungsweise Carolin und Nina sitzen, ich liege, in einem   Caf�. Dorthin ist Carolin mit mir nach dem Streit mit Thomas gefahren. Kurze   Zeit sp�ter ist diese Nina dazugekommen. Und seitdem ist es ziemlich   interessant, denn Carolin und Nina unterhalten sich exakt �ber das, was mir   heute auch schon sehr zu denken gegeben hat: Was will Carolin eigentlich mit   Thomas? Nina mag Thomas offensichtlich auch nicht. Aber anders als ich macht   sie es nicht an seinem unsympathischen Geruch und seiner lauten Stimme fest,   sondern hat noch viele andere Gr�nde aufgez�hlt, von denen ich die meisten gar   nicht so ganz verstanden habe. Aber egal - unterm Strich kommen Nina und ich zu   dem gleichen Ergebnis: Der geht gar nicht. Carolin verteidigt ihn allerdings   tapfer, aber Nina h�lt weiter dagegen.</p><p>�Ich meine, mal ganz ehrlich, Carolin: Jetzt hast du dir schon aus lauter   Verzweiflung einen Hund gekauft. Was kommt als N�chstes?�</p><p>Hey! Geht das etwa gegen mich? Ich knurre vorsichtshalber ein bisschen.   Carolin beugt sich zu mir runter.</p><p>�Ist schon gut, Herkules. Nina meint es nicht so.�</p><p>Nina rollt mit den Augen. Das kann ich von meinem Platz neben Carolins Stuhl   genau sehen. �Doch, ich meine es genau so, wie ich es sage! Was dir fehlt, ist   ein Mann, der dich genauso liebt wie du ihn. Daf�r ist so ein doofer Dackel   garantiert kein Ersatz.�</p><p>Doofer Dackel? Wei� die eigentlich, wen sie hier vor sich hat? Mit einem   Knurren ist es eindeutig nicht mehr getan, ich springe von meinem Platz auf und   belle Nina einmal energisch an. Sie zieht erstaunt die Augenbrauen hoch.</p><p>�Hoppla, scheint wirklich so, als ob er mich verstanden h�tte. Okay, das   Letzte nehme ich zur�ck. Du bist kein doofer Dackel. Aber bei Ersterem bleibe   ich - den doofen Thomas kannst du nicht wettmachen. Auch wenn du   zugegebenerma�en ganz niedlich bist.�</p><p>Na also, geht doch. Ich lege mich wieder hin.</p><p>�Herkules ist kein Liebesersatz. Mit Thomas hat das gar nichts zu tun. Ich   wollte schon lange einen Hund.�</p><p>�Quatsch. Das war eine typische Sublimierung.�</p><p>�Ja, ja, die Psychologin wei� es genau.�</p><p>Ich wei� nicht genau, was <emphasis>Psychologin </emphasis>bedeutet, scheint aber   irgendetwas Gef�hrliches zu sein. Jedenfalls hat Carolin es schon ein paar Mal   zu Nina gesagt, und es klang, als h�tte Nina eine ernste Krankheit. Mindestens   Zwingerhusten. Die Arme, dabei sieht sie so gesund aus - rosige Hautfarbe, gro�e   klare Augen, ich wette, sie hat auch eine ganz kalte Nase. Und ihre braunen   Haare gl�nzen. Aber falls es doch eine Krankheit ist, hoffe ich, Carolin steckt   sich nicht an und wird dann auch psychologisch.</p><p>�Also, reden wir doch mal Klartext: Du bist nicht gl�cklich mit Thomas und   wirst es auch niemals sein. Behalte den Hund - aber trenn dich von dem   Kerl.�</p><p>Genau, so machen wir es! Ich stehe auf und wedele mit dem Schwanz. Leider ist   Carolin nicht so begeistert von diesem Rat wie ich - sie f�ngt an zu   weinen.</p><p>�Du verstehst mich nicht. Thomas und ich - wir geh�ren einfach zusammen. Ich   wei� es ganz genau. Allein, wie wir zusammengekommen sind: Das war   Schicksal!�</p><p>Aha - Schicksal! Ein mysteri�ses Wort. Sollte das die Instanz sein, die   Menschen zusammenbringt? Und wenn ja, wie konnte das Schicksal bei Carolin so   danebenliegen? Ich versuche mir, das Schicksal in Person vorzustellen.   Vielleicht sieht es so aus wie der alte von Eschersbach. Streng.   Angsteinfl��end. Ein bisschen rechthaberisch. Wenn Schicksal allerdings so ist   wie von Eschersbach, dann k�nnte es sich tats�chlich auch mal irren. Immerhin   ist dem Alten bei der Einsch�tzung meiner Wenigkeit doch auch ein schwerer   Fehler unterlaufen. H�tte er mich sonst ins Tierheim gebracht?</p><p>Mit einem Mal interessiert mich das Gespr�ch zwischen Nina und Carolin nicht   mehr so sehr. Meine Gedanken sind wieder auf dem Schloss: Bei Mama, meiner   Schwester Charlotte und Emilia. Wie es ihnen wohl geht? Zum ersten Mal seit den   letzten drei aufregenden Tagen f�hle ich eine merkw�rdige Sehnsucht. Vermisst   mich meine Familie? Oder reden sie schon nicht mehr �ber mich? Ob Charlotte auch   gut schlafen kann, wenn ich nicht neben ihr im K�rbchen liege? Ach, Charlotte,   werde ich dich jemals wiedersehen?</p><p>�Hey, Herkules, was ist denn los mit dir? Geht es dir nicht gut?�</p><p>Anscheinend habe ich angefangen zu jaulen. Jedenfalls haben Carolin und Nina   aufgeh�rt sich zu unterhalten, und Carolin hebt mich auf ihren Scho�. Erstaunt   schaue ich direkt in ihr Gesicht. Ihre Augen sind ganz rot - Menschen weinen   zwar leicht, aber offensichtlich bekommt es ihnen nicht. Ich schlecke schnell   ihre H�nde ab. <emphasis>Alles in Ordnung </emphasis>soll das bedeuten, aber trotzdem guckt   Carolin ganz besorgt.</p><p>�Hm, was er wohl hat?�</p><p>Nina zuckt mit den Schultern. �Vielleicht ist er auch nicht so gl�cklich mit   Thomas? Immerhin w�rde der ihn am liebsten rausschmei�en.�</p><p>WUFF! Wie bitte? Thomas will mich rausschmei�en? Lande ich also morgen wieder   im Tierheim? Bei Bozo und Boxer?</p><empty-line/><p>Als wir wieder zu Hause sind, bin ich immer noch ganz beunruhigt. Ob mich   Carolin tats�chlich wieder zur�ckbringt? Das w�re furchtbar. Vielleicht komme   ich doch nicht darum herum, mich mit Thomas gutzustellen. Ich beschlie�e, mich   von meiner besten Dackelseite zu zeigen, wenn ich ihn das n�chste Mal sehe. Das   geht mir zwar gegen den Strich, denn ein von Eschersbach kriecht grunds�tzlich   nicht zu Kreuze - aber andererseits war mein letzter Akt zivilen Ungehorsams   auch nicht gerade ein voller Erfolg und endete bekannterma�en mit einem   schmerzhaften Biss in mein �hrchen.</p><p>Momentan allerdings scheint Thomas gar nicht zu Hause zu sein. Carolin ruft   jedenfalls nicht nach ihm, sie stellt nur kurz ihre Tasche ab und greift dann   wieder nach dem Wohnungsschl�ssel.</p><p>�Wir gehen nochmal kurz in die Werkstatt, Herkules.� Dann �ffnet sie die T�r.   �Komm, S��er!�</p><p>Nichts lieber als das! Ich freue mich, Daniel wiederzusehen und laufe   schwanzwedelnd hinter Carolin die Treppe hinunter.</p><p>Unten angekommen, muss ich allerdings feststellen, dass es immer noch sehr   nach Holz, aber nicht unbedingt nach Daniel riecht. Komisch, wo steckt der nur?   W�hrend Carolin zu einem der Tische geht und dort ein wenig herumr�umt, laufe   ich los und suche Daniel. Ich stelle fest, dass die R�ume hier in der Werkstatt   ganz �hnlich wie in Carolins Wohnung angeordnet sind: Zwei in einander   �bergehende auf der einen Seite, ein dritter dahinter, dann ein langer Flur und   hinten noch einmal ein Zimmer. Dort riecht es besonders stark nach Wald - und   als ich hineinschnuppere, sehe ich, dass sich hier ganze Stapel von Holz t�rmen.   Merkw�rdig - was will Carolin blo� mit so viel Holz? Von Eschersbach sammelt   Flaschen in seinem Keller, und der Mann von Emilia sammelt diese kleinen bunten,   viereckigen Papierst�cke mit den gezackten R�ndern, aber Holz? Es gibt   offensichtlich nichts, was Menschen nicht sammeln.</p><p>�Herkules, wo steckst du denn?�, ruft Carolin den Flur hinunter. Ich trabe   aus dem Holzzimmer. �Na, was machst du denn im Holzlager? Riecht gut, oder?� Ich   lege mich vor Carolins F��e, und sie streichelt mich kurz. �Oder suchst du   Daniel?�</p><p>Als ich diesen Namen h�re, wedele ich mit dem Schwanz. Carolin soll gleich   mal wissen, was ich mir unter einem netten Herrchen vorstelle.</p><p>�Ah, daher weht der Wind. Daniel ist nett, nicht? Aber es ist Wochenende, und   da arbeiten wir normalerweise nicht. Ich muss auch nur kurz ein paar Sachen   erledigen, die seit deinem Einzug bei mir liegengeblieben sind. Dann gehen wir   eine Runde spazieren, versprochen. Du kannst dich so lange ein bisschen im   Garten umschauen, bis ich fertig bin, okay?�</p><p>Ein guter Plan, denn den Garten habe ich noch gar nicht inspiziert. �berhaupt   - bis auf Wohnung und Werkstatt ist das Haus noch g�nzlich unbekannt f�r mich,   und ich freue mich schon darauf, es nach und nach zu erkunden. Carolin geht zu   einem der Fenster im zweiten Raum und �ffnet es. Erst jetzt sehe ich, dass von   dort zwei Stufen hinauf in den Garten f�hren. Schnell springe ich sie hoch und   sitze sofort im Gras. Herrlich - wie das am Bauch kitzelt! Die Sonne scheint mir   auf die Nasenspitze, und ich muss niesen. Carolin lacht.</p><p>�So, dann viel Spa� - ich lasse die T�r auf, du kannst also reinkommen, wenn   dir langweilig wird.�</p><p>Keine Sorge, Carolin, das wird garantiert nicht passieren! Ich trabe los und   beschnuppere den riesigen Baum, der seitlich vorm Haus steht. Hm, interessant.   Offensichtlich war hier schon l�ngere Zeit kein Hund mehr, denn es ist absolut   nichts markiert an diesem Stamm. Ich hole das sofort nach und hebe gleich mal   mein Beinchen. Oft habe ich das noch nicht gemacht und an so einem breiten Stamm   schon gleich gar nicht, deshalb sieht das Ganze bestimmt noch ein bisschen   amateurhaft aus. Aber egal, das kann ich hier schlie�lich ausgiebig unter   Ausschluss der �ffentlichkeit �ben. So lange, bis ich es genauso gut hinkriege   wie die erwachsenen R�den, die ich dabei schon heimlich beobachtet habe. Total   l�ssig sind die: laufen an einem Baum vorbei und heben - als w�re es keine gro�e   Sache - einfach ihr Bein.</p><p>Ich versuche es noch einmal auf der anderen Seite, ist schlie�lich wichtig,   dass man es mit beiden Beinen hinkriegt. Gar nicht so leicht, das! Nur gut, dass   mich keiner sieht.</p><p>�Na, Kleiner?�, t�nt es in diesem Moment von direkt �ber mir. �Das schaut   noch ganz sch�n wackelig aus. Machst du wohl noch nicht so lang, he he!�</p><p>Wer, zum Teufel, ist das? Ich gucke nach oben und sehe in der Baumkrone eine   dicke, schwarze Katze. O nein, welch Schmach! Ein heimlicher Beobachter und dann   ausgerechnet noch eine Katze!</p><p>�Im �brigen sind das hier <emphasis>mein </emphasis>Garten und <emphasis>mein </emphasis>Baum - ich   m�chte dich also auffordern, dieses Rumgepinkel hier zu unterlassen. Es ist   ekelhaft und stinkt.�</p><p>Mit diesen Worten klettert die Katze gem�chlich den dicken Stamm hinunter   und steht dann vor mir. F�r eine Katze ist sie ziemlich gro�. Vor allen Dingen   ist sie auch fett. Ich knurre sie an.</p><p>�Was denn? Ist das etwa eine korrekte Begr��ung? Ihr Hunde habt einfach kein   Benehmen. Kommst hier quasi ohne anzuklopfen in mein Wohnzimmer und stellst dich   nicht mal vor. Aber na gut�, die Katze seufzt, �fangen wir eben anders herum an:   Ich bin Herr Beck.�</p><p>Aha, ein Kater.</p><p>�Ich bin Carl-Leopold von Eschersbach. Erfreut, Ihre Bekanntschaft zu machen,   Herr Beck.� Schlie�lich will ich mir von so einem nicht nachsagen lassen, ich   w�sste nicht, was sich geh�rt.</p><p>Der Kater kichert. �Carl-Leopold? Komisch, meine eben geh�rt zu haben, dass   Carolin dich Herkules nennt. Und &gt;von Eschersbach&lt; klingt reichlich   �berkandidelt.�</p><p>Was f�r eine Frechheit! Am liebsten w�rde ich diesem fetten Viech gleich mal   richtig in die Fersen bei�en - aber vom Umgang mit den Schlosskatzen wei� ich,   dass das f�r einen kleinen Hund wie mich ziemlich schmerzhaft ausgehen kann.   Diese Biester sind echt schnell und haben richtig scharfe Krallen. Obwohl ich   innerlich sch�ume, versuche ich also, mich ganz k�hl zu geben.</p><p>�Eine tolle Frau wie Carolin kann mich nennen, wie sie will. Bei einer   gew�hnlichen Katze wie Ihnen muss ich leider auf <emphasis>Carl-Leopold </emphasis>bestehen.   Im �brigen ist das hier mitnichten Ihr Wohnzimmer, sondern mein neuer Garten.   Ich m�chte Sie also bitten, in Zukunft nicht mehr auf meinen ebenfalls neuen   Baum zu klettern. Sie besch�digen ihn mit Ihren Krallen.�</p><p>Der Schwanz des Katers beginnt zu zucken. Allerdings leider nicht, weil Beck   vor Angst zittert, sondern weil er in geradezu hysterisches Gel�chter   ausbricht.</p><p>�Gro�artig - du hast hier gerade noch gefehlt! Gerade war mir ein bisschen   langweilig geworden - aber mit einem Clown wie dir wird das bestimmt ein sehr   unterhaltsamer Sommer.�</p><p>Beck f�ngt an, sich lachend auf dem Boden zu w�lzen. Es ist offensichtlich,   dass er sich blendend am�siert. Ich hingegen k�nnte mir die Schwanzhaare   ausrei�en. Niemand nimmt mich f�r voll. Langsam beruhigt sich Herr Beck wieder,   steht auf und sch�ttelt sich kurz.</p><p>�Jetzt mal im Ernst, Kleiner - was glaubst du eigentlich, wer du bist?�</p><p>Ich will darauf gerade etwas erwidern, da zischt Becks Tatze blitzschnell   millimeterscharf an meiner Schnauze vorbei. �Halt - falsche Frage! Fang jetzt   blo� nicht wieder mit diesem Adelsgequatsche an.�</p><p>Ich knurre. Beck soll nicht denken, dass ich mich hier ohne weiteres   beleidigen lasse - Krallen hin, Krallen her. Beck ignoriert das leider v�llig   und f�hrt unbeeindruckt fort: �Ich lebe nun schon eine ganze Weile als einziges   Tier in diesem Haus, wenn man mal von dem bl�den Wellensittich im zweiten Stock   absieht. Und nur, weil du von der zugegebenerma�en ganz reizenden Carolin hier   angeschleppt wurdest, musst du nicht glauben, dass ich mein Revier r�ume. Das   war <emphasis>mein </emphasis>Garten, das ist <emphasis>mein </emphasis>Garten, und das wird auch immer <emphasis>mein </emphasis>Garten bleiben! Also sei froh, wenn du dir hier ab und zu die Sonne   auf die Nase scheinen lassen darfst und bleib weg von dem Baum. Verstanden?�</p><p>Mit diesen Worten dreht er sich um und will mich offensichtlich einfach so   stehen lassen. Da platzt mir endg�ltig der Kragen. Ich mache einen Satz nach   vorne und schnappe nach Becks Schwanz. Eigentlich mit dem Ziel, es ebenso knapp   ausfallen zu lassen, wie Beck vorhin seinen Tatzenhieb. Leider senkt er in genau   diesem Moment seine Schwanzspitze in Richtung meines Fangs - und ehe ich mich   versehe, bei�e ich genau hinein. Autsch. Das war bestimmt ein kleines bisschen   schmerzhaft. Vielleicht auch ein gro�es bisschen. Aber keine Absicht,   ehrlich!</p><p>Beck faucht laut auf und will sich r�chen, ich gebe Fersengeld. An Tag zwei   von einem Kater verm�belt zu werden, geh�rt ganz sicher nicht zu meiner   Vorstellung von einem gelungenen Einstand. Bevor er mich erwischt, springe ich   mit einem beherzten Satz direkt durch das noch ge�ffnete Fenster der   Werkstatt.</p><p>Ich lande fast auf Carolins F��en, die schaut mich erstaunt an.</p><p>�Was machst du denn da, Herkules? Kunstfliegen?� Sie schaut aus dem Fenster   und sieht Beck, der gerade noch eine Vollbremsung hinlegen kann. �Hast du dich   etwa mit der Katze gestritten?�</p><p>Ich versuche, m�glichst unschuldig zu gucken, und wedele mit dem Schwanz.</p><p>�Also wirklich, Herkules! Herr Beck ist ein ganz netter �lterer Herr.   Au�erdem gie�t sein Frauchen immer meine Blumen, wenn ich mal nicht da bin. Du   musst dich also ein bisschen benehmen.�</p><p>Wie peinlich! Sie kennt den Kater n�her. Ich tue so, als w�rde ich   irgendetwas sehr Interessantes auf dem Boden beobachten. Allerdings kann ich mir   den Gedanken nicht verkneifen, dass Carolins M�nnergeschmack sowohl bei Menschen   als auch bei Katzen alles andere als exquisit ist. Erst dieser unm�gliche   Thomas, dann Herr Beck - es ist eigentlich fast ein Wunder, dass sie mich und   nicht Bozo aus dem Tierheim mitgenommen hat.</p><p>Bei dem Gedanken an Thomas f�llt mir wieder ein, dass ich heute noch dringend   einen guten Eindruck bei dem Bl�dmann hinterlassen muss. Er soll doch gar nicht   erst auf die Idee kommen, dass man mich auch zur�ckbringen k�nnte. Au�erdem   reicht <emphasis>ein </emphasis>Feind in meiner n�heren Umgebung, und Herrn Beck brauche ich   meine Freundschaft momentan wohl nicht mehr anzudienen. Ich nehme mir fest vor,   die erstbeste Gelegenheit zur Verbr�derung mit Thomas beim Schopf zu packen.</p><p><emphasis>Ein von Eschersbach fackelt nicht lange - er handelt, wenn sich die   M�glichkeit bietet, und zwar k�hn und unerschrocken. </emphasis>Genauso werde ich es   machen, Opili. K�hn und unerschrocken.</p><empty-line/></section><section><p><strong><emphasis>VIER</emphasis></strong></p><p>Tats�chlich kommt die Gelegenheit zur Verbr�derung mit Thomas schon fr�her   als gedacht. Eine Nacht sp�ter liege ich in meinem K�rbchen und kann nicht   schlafen. Zu viel geht mir durch den Kopf. Thomas. Der kleine Zwischenfall mit   Herrn Beck. Das Gespr�ch zwischen Carolin und Nina. Selbst an Fritz, den   M�nsterl�nder aus dem Tierheim, muss ich denken. Unruhig w�lze ich mich hin und   her.</p><p>Pl�tzlich h�re ich ein Ger�usch. Es ist ein Murmeln ... oder eher ein ...   Wimmern? Ich rapple mich hoch, klettre aus dem K�rbchen und trabe aus dem   Wohnzimmer in Richtung Flur. Dort kann ich das Ger�usch noch viel besser h�ren.   Es ist tats�chlich ein Wimmern, und es kommt aus dem Schlafzimmer! O Schreck -   geht es Carolin nicht gut? Die T�r ist nur angelehnt, deswegen kann ich leise   hineinhuschen. Leider ist es ist v�llig dunkel, ich kann nichts erkennen.</p><p>Und wieder das Ger�usch. Das Wimmern ist mittlerweile zu einem St�hnen   geworden. Zu meiner gro�en Erleichterung ist es aber eindeutig Thomas, dem es   nicht gut zu gehen scheint. Mein erster Gedanke: Mit Carolin ist wohl alles in   Ordnung. Mein zweiter Gedanke: Hier ist sie, meine Chance! Nun hei�t es, k�hn   und unerschrocken zu handeln. Denn ganz offensichtlich liegt Thomas im Bett und   windet sich vor Schmerzen. Carolin schl�ft anscheinend - jedenfalls scheint sie   ihn nicht zu h�ren, denn sonst w�rde sie ihm ja helfen. Ich werde also daf�r   sorgen, dass sie aufwacht und Thomas nicht l�nger leiden muss. Dann wird er   erkennen, was f�r ein toller Hund ich bin und wie gut es ist, dass Carolin mich   geholt hat.</p><p>Mit einem k�hnen und unerschrockenen Satz springe ich ins Bett, genau neben   den st�hnenden Thomas. Es ist wirklich erstaunlich, dass Carolin ihn nicht   h�rt, denn sie liegt mehr oder weniger unter ihm. Ich erw�hnte es bereits:   Menschen haben wirklich grottenschlechte Ohren. Aber keine Sorge, Thomas, du   hast ja jetzt einen neuen treuen Freund. In seinen Schmerzen windet er sich   regelrecht, das Gesicht nach unten gedreht. Ich schlecke ihm schnell den Nacken   ab, er soll wissen, dass Hilfe nah ist. Er zuckt zusammen. Dann beginne ich,   m�glichst laut zu bellen. Schlie�lich soll Carolin endlich aufwachen.</p><empty-line/><p>Das N�chste, an was ich mich noch erinnern kann, ist, dass ich quer durch den   ganzen Raum fliege und sehr unsanft neben der T�r lande. Dann wird es pl�tzlich   ganz hell. Thomas - wie durch ein Wunder spontan genesen - steht �ber mir und   funkelt mich b�se an.</p><p>�Du Schei�k�ter! Was f�llt dir ein! Dich mach ich platt!�</p><p>Er holt aus - will er mich etwa schlagen? Ich versuche, mich wegzuducken. Nur   wohin? In Panik jaule ich auf. Zur Hilfe - was ist hier blo� los?</p><p>In diesem Moment steht auf einmal Carolin hinter Thomas. Von dem ganzen L�rm   ist sie nun doch aufgewacht. Sie packt Thomas von hinten an der Schulter und   zerrt ihn zur�ck.</p><p>�Unterstehe dich, Herkules ein Haar zu kr�mmen! Er hat uns schlie�lich nicht   absichtlich gest�rt.�</p><p>Thomas f�hrt zu ihr herum. �Bitte? Die T�le springt in unser Bett, als ich   gerade richtig in Fahrt bin, und du verteidigst sie? Dem dummen Vieh werde ich   gleich mal zeigen, was ich von seiner kleinen Einlage halte.�</p><p>�Thomas!�, kommt es jetzt ganz scharf von Carolin. �Du l�sst sofort die   Finger von Herkules. Sofort!�</p><p>Sie b�ckt sich zu mir herunter und nimmt mich auf den Arm. Mittlerweile   zittere ich wie Espenlaub. Das ist einfach zu viel f�r mein empfindliches   Nervenkost�m. Und �berhaupt verstehe ich nur noch Bahnhof: Was hei�t hier <emphasis>st�ren? </emphasis>Und <emphasis>in Fahrt? </emphasis>Thomas soll doch froh sein, dass wenigstens   ich seinen kritischen Zustand erkannt habe. Stattdessen hatte er ernsthaft vor,   mich zu verm�beln. Und mein Dackelpo tut auch noch weh von dem Tritt, den er mir   im Bett verpasst hat. Ich fange an zu winseln. Noch nie bin ich so ungerecht   behandelt worden. Gegen diesen Psychopathen ist der alte von Eschersbach ja die   Mildt�tigkeit in Person!</p><p>�Du Armer, du zitterst ja ganz doll!� Carolin dr�ckt mich an sich und presst   ihr Gesicht in meinen Nacken. �Keine Angst, ich bin bei dir. Ich passe schon auf   dich auf.�</p><p>Thomas schnauft ver�chtlich. �Also echt, Carolin. Hast du jetzt etwa ein   erotisches Verh�ltnis zu einem Hund? Dir scheint die Unterbrechung ja �berhaupt   nichts auszumachen. Wahrscheinlich war sie dir ganz recht. Musst du wenigstens   nicht wieder sagen, dass du Kopfschmerzen hast.�</p><p>Halt mal: Thomas st�hnt, und Carolin hat Kopfschmerzen? Unterbrechung wovon?   So sehr ich mir auch M�he gebe, ich kann mir �berhaupt keinen Reim darauf   machen. Nur eins ist v�llig klar: Mein Versuch, bei Thomas gut Wetter respektive   Dackel zu machen, ist gr�ndlich danebengegangen. Und ich wei� nicht mal, warum.   Ob ich meinen neuen Kauknochen wohl mit ins Tierheim nehmen darf? Wobei es auch   egal ist, wahrscheinlich nehmen mir Bozo und Boxer den als Erstes weg.</p><p>Die restliche Nacht verbringe ich in meinem K�rbchen. Obwohl ich todm�de bin,   kann ich nach diesem ganzen Desaster nat�rlich erst recht nicht schlafen. Ab   und zu hebe ich ein �hrchen an und lausche in die Dunkelheit. V�llige Stille.   Aber selbst wenn ich wieder ein Ger�usch h�ren w�rde - keine zehn Pferde   br�chten mich noch einmal in einen Raum, in dem sich auch dieser Thomas   aufh�lt.</p><empty-line/><p>Die Sonne scheint durch die Werkstattfenster, mehrere einladende Fleckchen   bilden sich auf dem alten Dielenboden und rufen <emphasis>�Komm, Carl-Leopold, leg dich   auf mich und ruh dich ein bisschen aus!� </emphasis>Diese Aufforderung kommt mir sehr   gelegen, die letzte Nacht steckt mir noch ziemlich in den Knochen. Ich schwanke   nur, ob ich mir ein Fleckchen in Carolins Raum aussuchen soll, oder ob ich mich   neben den Tisch lege, an dem Daniel gerade arbeitet.</p><p>Schlie�lich lege ich mich neben Daniel. Ich f�hle mich ziemlich mickrig und   habe Angst, dass Carolin mir die ganze Geschichte auch �belnehmen k�nnte. Hat   sie zwar mit keinem Wort gesagt, aber es ist mir doch noch ein bisschen   unangenehm. Denn irgendetwas habe ich wohl komplett falsch gemacht. Auch wenn   ich nach gr�ndlichem Nachdenken immer noch nicht wei�, was eigentlich. Aber   dass mich Carolin nun schon wieder vor Thomas verteidigen musste, das ist mir   wirklich peinlich.</p><p>�Na, wie war dein Wochenende? Wie lebt es sich mit deinem neuen Hund?�, will   Daniel von Carolin wissen.</p><p>Ich klappe die Ohren an und senke die Nase zwischen meine Vorderl�ufe. Die   Geschichte, die jetzt unweigerlich kommen wird, will ich gar nicht h�ren.</p><p>�Du - super! Thomas ist auch ganz begeistert von dem kleinen Kerlchen. Na ja,   du wei�t ja, wie tierlieb er ist.�</p><p>H�? War heute Morgen was im Futter? Offensichtlich halluziniere ich.</p><p>�Echt? Ne, wusste ich gar nicht, dass er Tiere so gerne mag. Aber umso   besser, dann werden die beiden sich sicher blendend verstehen. K�nnen sie ja mal   allein wandern gehen oder ein �berlebenstraining machen oder was man sonst so   als richtig harter Kerl mit seinem Hund unternimmt.�</p><p>T�usche ich mich, oder h�re ich da eine feine Ironie in Daniels Worten? Das   ist �brigens f�r mich als Hund gar nicht so leicht zu unterscheiden - Menschen   benutzen oft die gleichen Worte und meinen dann etwas v�llig anderes. Erinnere   mich noch gut, wie von Eschersbach erst sagte <emphasis>�Feiner Hund, gute Idee!�, </emphasis>als ich mit nassen Pfoten auf das Sofa im Salon gesprungen war, dann aber   anschlie�end mit seinem Gehstock ausholte und mir damit auf die Hinterl�ufe   schlug. Ich konnte mich zwei Stunden �berhaupt nicht beruhigen, bis mir Mama   erkl�rte, dass Menschen oft das Gegenteil von dem sagen, was sie meinen, um   damit klarzumachen, dass sie das auf keinen Fall meinen. Verr�ckt, oder? Im Kopf   eines Menschen muss es ein paar sehr unpraktische und �berfl�ssige Windungen   geben. Wahrscheinlich, weil sie ihn durch ihren aufrechten Gang viel zu hoch   �ber der Erde tragen. Das ist ganz offensichtlich nicht gut f�r's Gehirn.</p><p>Interessant ist in diesem Zusammenhang allerdings auch die Frage, wie Carolin   dazu kommt, so etwas zu erz�hlen? Warum will sie nicht zugeben, dass unser Start   in die gemeinsame Zukunft eine totale Pleite war? Ist Tierliebe vielleicht   etwas, was den Wert des Menschenm�nnchens erh�ht? So wie etwa Raubwildsch�rfe,   Wachtrieb und Schussfestigkeit den herausragenden Jagdhund auszeichnen? Mit   herausragenden Jagdhunden kenne ich mich n�mlich bestens aus: Mama war dreimal   im Finale des Bundeschampionats, die Regale auf Schloss Eschersbach biegen sich   unter ihren Pokalen, und nie bekam sie eine schlechtere Note als �Vorz�glich 1�,   kurz V1. Also wenn Tierliebe quasi in den Katalog geh�rt, und Carolin   demonstrieren m�chte, dass Thomas ein Kandidat f�r V1 ist, dann macht ihre   Geschichte nat�rlich Sinn. Aber andererseits sieht sogar ein kleiner Hund wie   ich auf den ersten Blick, dass Thomas h�chstens ein �Gen�gend� bekommen w�rde,   selbst mit Tierliebe. Wenn sie denn tats�chlich vorhanden w�re.</p><p>Aber zur�ck zum Thema Ironie: Ehrlicherweise hoffe ich, dass Daniel das   gerade nicht so gemeint hat. Denn die Kombination der Worte <emphasis>Thomas </emphasis>mit <emphasis>allein </emphasis>und <emphasis>�berlebenstraining </emphasis>wecken bei mir ganz andere   Assoziationen als die von gro�artiger Freundschaft zwischen Mensch und Hund.   Vielmehr sehe ich vor meinem inneren Auge Thomas, wie er mich �ber einen   Felsvorsprung in einen sehr tiefen Abgrund bef�rdert oder mich in einem einsamen   Wald an einen Baum bindet und einfach geht. Dann lieber wieder Tierheim.   Vielleicht kann ich dort mit Fritz, der leider bestimmt noch da ist, eine   Hunde-WG gr�nden, und wir bekommen einen eigenen kleinen Zwinger? Meinetwegen   auch neben dem Katzengehege - r�ckblickend stelle ich n�mlich fest, dass es   eigentlich ganz lustig war, Beck in den Schwanz zu bei�en.</p><p>�Also Daniel, du musst dich gar nicht dar�ber lustig machen. Ich glaube   wirklich, dass Herkules und Thomas gute Freunde werden.�</p><p>Ah - Gott sei Dank! Also wirklich Ironie. Keine gef�hrlichen Alleing�nge mit   Thomas.</p><p>�Ich mache mich nicht lustig. Ich bezweifele nur, dass dein lieber Thomas   demn�chst mit einem s��en Kerlchen wie Herkules durch den Park joggt. Das geht   doch zu sehr gegen sein gern gepflegtes Image als harter Kerl.�</p><p>�Was hast du blo� immer gegen Thomas?�</p><p>�Gar nichts. Ich frage mich nur manchmal, was er gegen mich hat.�</p><p>Carolin lacht laut auf. Klingt ziemlich unecht.</p><p>�Ich bitte dich - Thomas hat �berhaupt nichts gegen dich. Im Gegenteil, er   findet dich sehr nett.�</p><p>Carolins sonst so warme Stimme hat einen ganz blechernen Unterton. Ob Daniel   das auch h�rt? Er seufzt.</p><p>�Sicher, sicher.�</p><p>�Ihr seid nur eben ziemlich verschieden. Aber deswegen k�nnt ihr doch   trotzdem Freunde sein.�</p><p>Daraufhin sagt Daniel nichts mehr, sondern atmet nur deutlich h�rbar aus.   Offenbar will er �ber dieses Thema nicht mit Carolin reden. Schade, ich h�tte   gerne mehr von seiner Meinung �ber Thomas erfahren. Vielleicht habe ich in ihm   einen Verb�ndeten? Das w�re sch�n, denn mittlerweile k�nnte ich in diesem Haus   noch einen Freund brauchen.</p><empty-line/><p>Mittags geht Carolin kurz mit mir in die Wohnung, um mir mein Fresschen zu   geben. Sie hat sich tats�chlich ein Buch �ber Hunde gekauft - ich habe es auf   dem Sofa im Wohnzimmer liegen sehen - und m�glicherweise als Erstes das Kapitel   �ber gesunde Ern�hrung gelesen. Jedenfalls ist sie nun vom Dosenfutter ab,   sondern hat auf unserem Spaziergang heute fr�h ein bisschen frisches Herz f�r   mich besorgt. Als sie es kocht, breitet sich ein verf�hrerischer Duft in der   Wohnung aus. Lecker! Eine sehr erfreuliche Entwicklung.</p><p>�So, mein Kleiner, das muss noch etwas abk�hlen, dann kriegst du es. Lass uns   noch f�nf Minuten warten, ich muss sowieso mal kurz telefonieren, dann gebe ich   es dir.�</p><p>Sie stellt meinen Napf mit den Herzst�cken in den K�hlschrank und geht in   das Zimmer neben dem Wohnzimmer. Ich stehe noch ein wenig unschl�ssig herum,   dann trotte ich in den Flur. W�hrend ich noch �berlege, womit ich mich jetzt bis   zum Mittagessen besch�ftigen k�nnte, sehe ich, dass die Schlafzimmert�re wieder   offen steht. Seit zwei Tagen habe ich einen gro�en Bogen um diesen Raum gemacht,   aber jetzt siegt meine Neugier. Vielleicht finde ich dort irgendetwas, was   erkl�ren w�rde, was in der Schreckensnacht von neulich eigentlich passiert ist?   Ich w�sste zwar nicht, was das sein k�nnte, aber zumindest m�chte ich mich dort   noch einmal im Hellen umsehen. Aus der anderen Ecke der Wohnung h�re ich Carolin   mit diesem schwarzen Plastikteil sprechen. Nach allem, was ich mittlerweile �ber   Menschen im Allgemeinen und Frauen im Besonderen wei�, ist das ein sicheres   Zeichen daf�r, dass sie momentan komplett abgelenkt ist. War bei Emilia auch   immer so. Man konnte die tollsten Sachen aus der K�che klauen, wenn sie <emphasis>telefonierte.</emphasis></p><p>Vorsichtig schiebe ich meine Schnauze durch den T�rspalt. Tatsache, die Luft   ist rein. Schwupps, bin ich auch schon drin. Sieht auf den ersten Blick komplett   unspektakul�r aus. Aber es ist bekanntlich der zweite Blick, der Sachen   interessant macht. Besser gesagt, der Moment, in dem man als Hund genau   hinschn�ffelt. Und deswegen beschlie�e ich, hier mal alles einer gr�ndlichen   Geruchsinspektion zu unterziehen.</p><p>Beim Bett fange ich an: Alles wie gehabt. Rechts riecht es nach Carolin,   links mehr nach Thomas. Na gut, was hatte ich erwartet? So schlafen die beiden   nun mal. Ich will schon fast wieder herunterh�pfen, da f�llt mir noch der Hauch   eines anderen Geruchs auf. Nicht direkt auf den Laken, sondern eher darunter,   auf der Matratze. Ich schiebe die Laken auseinander und schn�ffele noch einmal   genauer. Seltsam. Denn w�hrend Carolins Seite genau diesen fantastischen   Carolin-Geruch an sich hat und bei Thomas selbst seine Bettseite unsympathisch   riecht, schwebt noch ein dritter Geruch �ber diesem Bett. Es ist... hm ... ich   bin mir nicht sicher ... irgendwie ... nein, oder vielleicht doch ... Wirklich   schwer zu sagen! Deshalb robbe ich noch einmal gr�ndlich mit meiner Nase �ber   das gesamte Bett.</p><p>In diesem Moment wird die T�r zum Schlafzimmer weit aufgesto�en. �Herkules,   pfui! Was machst du schon wieder in unserem Bett?�</p><p>Carolin steht vor mir und wedelt tadelnd mit dem Zeigefinger. Besch�mt gucke   ich zu Boden. Wie soll ich ihr auch erkl�ren, was genau ich suche? Ich wei� es   schlie�lich selbst nicht. Ich wei� nur, dass ich eben etwas sehr Seltsames   entdeckt habe.</p><p>�Hunde geh�ren nicht ins Bett, Herkules. Du hast ein sehr komfortables   K�rbchen, und da bleibst du bitte, wenn du schlafen m�chtest. Auf dem Sofa   kannst du ruhig mit mir sitzen, aber ins Bett darfst du nicht. Thomas war   neulich schon echt sauer auf dich, und ich habe ihm versprochen, dich ein   bisschen besser zu erziehen. Ich will doch, dass ihr Freunde werdet. Und so   klappt das nicht!�</p><p>Jetzt sieht Carolin richtig traurig aus. Mist. Ich klappe die Ohren an und   h�pfe vom Bett. War eine bl�de Idee mit dem Schlafzimmer. Und schlauer bin ich   jetzt auch nicht.</p><p>�Nun guck nicht so traurig. Ab und zu muss eben auch ein so s��er Hund wie du   noch etwas lernen. Und jetzt komm - dein Fresschen ist bestimmt schon   fertig.�</p><p>Das lasse ich mir nat�rlich nicht zweimal sagen und sause gleich los in die   K�che. Carolin nimmt den Napf aus dem K�hlschrank, r�hrt einmal um und setzt ihn   mir dann vor die Nase. Hm, lecker. So eine ordentliche Portion Herz, und der   gr��te Kummer ist schnell vergessen.</p><empty-line/><p>Zur�ck in der Werkstatt schlafe ich erst einmal ein St�ndchen. Daniel hat   mir aus einer alten Kiste und einem Kissen ein Zweitk�rbchen gebastelt - sehr   umsichtig, der Mann. Ich werde wach, weil ich das Gef�hl habe, dass irgendjemand   Herrn Beck foltert. Jedenfalls dringen ganz grauenhafte T�ne an mein Ohr. Sehr   hoch und schrill, ein elendes Gejaule. Ich springe aus der Kiste und laufe in   Richtung des Ger�uschs. Dort, in einem der vorderen R�ume, steht Carolin und   h�lt etwas auf dem Arm. Allerdings nicht Herrn Beck, sondern einen der kleinen   Holzk�sten, die �berall in der Werkstatt herumzuliegen scheinen. Komisch sehen   die aus. Es gibt sie in verschiedenen Gr��en, sie sind nicht eckig, sondern   rund, und zwar so, als ob man zwei Kreise aneinandergeklebt h�tte. Au�erdem   haben sie einen langen Hals. Und auf diesem Hals haut Carolin gerade mit dem   Stock mit den Haaren herum. Besser gesagt, sie streicht darauf herum. Was dem   K�stchen anscheinend wehtut, denn aus ihm kommt daraufhin das furchtbare   Ger�usch.</p><p>Brrr, da gefriert einem ja das Blut in den Adern! Ich kann nicht anders, ich   fange an zu heulen. Erst zaghaft, dann richtig laut. Carolin l�sst das K�stchen   sinken, Daniel kommt ins Zimmer gelaufen. Er sieht mich, wie ich noch ein   letztes Mal kr�ftig losheule, dann bricht er in schallendes Gel�chter aus.</p><p>�Ach herrje, sag blo�, Herkules mag keine Musik! Na, da bist du ja bei uns   genau an der richtigen Adresse!�</p><p>Musik? Das, bitte, soll Musik sein? Das ist doch wohl nicht euer Ernst! Ich   kenne Musik schon von Schloss Eschersbach. Im Salon stand nicht nur mein   Lieblingssofa, sondern auch ein sogenanntes Klavier. Von Eschersbach spielte   dort manchmal, und das war auch nichts, was ich mir pers�nlich ausgesucht h�tte,   aber l�ngst nicht so schlimm wie das eben Geh�rte. Und wenn ich mit Emilia zum   Einkaufen fahren durfte, dann spielte das Auto Musik, nat�rlich auch viel zu   laut, aber ansonsten eigentlich ganz sch�n - mit einem klaren Rhythmus und ganz   schnell. Aber das hier gerade war doch einfach nur furchtbar. Und so schrill. Im   Leben war das keine Musik. Ich sch�ttle energisch den Kopf.</p><p>Carolin und Daniel schauen sich etwas ratlos an.</p><p>�Vielleicht sind ihm die T�ne zu hoch? Hol doch mal das Cello, passt ihm   vielleicht besser als die Violine?�</p><p>Daniel trabt los und kommt mit einem der gr��eren K�stchen wieder. Aha,   dieses Ding tr�gt also den sch�nen Namen. Na, Hoffentlich klingt es auch ein   bisschen danach. Daniel setzt sich auf einen Stuhl und klemmt sich das Cello   zwischen die Beine. Auch er nimmt den Stock zur Hand. Dann bewegt er ihn langsam   hin und her. Tats�chlich, auch hier kommen T�ne heraus. Und sie klingen wirklich   deutlich besser. Ich grunze zufrieden und lege mich vor Daniel, den Kopf auf   meine Vorderl�ufe.</p><p>�Okay, Herkules ist nicht der Typ f�r Geige. Aber generell scheint er nichts   gegen Musik zu haben�, stellt Carolin fest. �Dann muss er wohl immer einen   kleinen Spaziergang im Garten machen, wenn wir hier die Geigen stimmen. Schade,   dabei ist Violine so ein tolles Instrument.�</p><p>�Wer wei�, wie das f�r Hundeohren klingt. Wahrscheinlich h�rt er noch   irgendwelche Schwingungen, die wir gar nicht mitbekommen. Es gibt doch auch   diese lautlosen Hundepfeifen, die k�nnen wir schon nicht mehr h�ren, Hunde aber   sehr wohl.�</p><p>�Hey, hast du dir heimlich mein Hundebuch geklaut?�</p><p>�Nein, aber wir hatten zu Hause immer einen Hund. Ziemlich viele Terrier,   aber einmal sogar auch einen Dackel. Du kannst mich also Fachmann nennen.�</p><p>�Gut zu wissen. Ich werde dich bestimmt bald mit einer Fachfrage behelligen.   Jetzt muss ich aber weiterarbeiten. Also, Herkules, wenn dir deine Ohren lieb   sind, dann gehst du wohl besser in den Garten.�</p><p>Auch gut, kann ich noch ein bisschen Pinkeln �ben.</p><empty-line/></section><section><p><strong><emphasis>F�NF</emphasis></strong></p><p>Im Garten ist es friedlich und ruhig. Ich schaue mich um, ob ich diesmal auch   wirklich keine ungebetenen Zuschauer habe, dann steuere ich den gro�en Baum an   und hebe mein Beinchen. Wer sagt's denn? Klappt doch schon besser. Der bl�de   Beck kann mich mal. Au�erdem ist das nat�rlich nicht sein Garten, sondern   meiner. Schlie�lich geht er von Carolins Werkstatt ab. Beck ist also nur   Besucher. Dagegen ist nichts zu sagen, ein von Eschersbach ist schlie�lich   Freund gepflegter Gastlichkeit. Aber wenn dieser bl�de Kater meint, dass ich nun   nach seiner Pfeife tanzen werde, nur weil er l�nger hier lebt, dann irrt er   gewaltig. Ich werde nicht klein beigeben. Ein von Eschersbach gibt niemals   klein bei!</p><p>Ich probiere es noch ein paar Mal wechselseitig mit dem linken und mit dem   rechten Bein, dann wird es mir irgendwann langweilig. Zeit, sich die anderen   Eckchen des Gartens anzuschauen. Hinter dem Baum beginnt eine gro�e   Rasenfl�che, auf die gerade einladend die Sonne scheint. Ansonsten ist es dort   f�r meinen Geschmack recht langweilig. Keine Spur von Kaninchen oder Maulw�rfen.   Das ein oder andere Eichh�rnchen scheint ab und zu �ber die Wiese zu laufen,   jedenfalls riecht es ein bisschen danach. Eichh�rnchen sind aber keine lohnende   Beute, daf�r springen sie auf der Flucht viel zu schnell auf B�ume. Selbst so   ein toller Hecht wie Opili h�tte da keine Chance.</p><p>Die Wiese wird links und rechts von einem Blumenbeet eingerahmt. Hier riecht   es s��lich-sommerlich, und ein paar Bienen schwirren schwerbeladen mit Pollen   von Bl�te zu Bl�te. Ich schn�ffele ein bisschen am Rand herum, kann aber nichts   Interessantes entdecken. Gerade will ich umdrehen, um in Richtung Vorgarten zu   traben, da h�re ich jemanden rufen.</p><p>�Herkules! Hey, komm mal r�ber!� Sollte das Herr Beck sein? Der Revanche   fordert? Ich beschlie�e, nicht zu reagieren.</p><p>�Mann, Herkules, komm schon.�</p><p>Ich drehe mich langsam herum, r�hre mich aber immer noch nicht vom Fleck.</p><p>�Also gut, wenn's dir so wichtig ist: Carl-Leopold, w�rdest du bitte mal   kommen?�</p><p>Oh, ganz neue T�ne. Beck scheint irgendetwas Wichtiges von mir zu wollen.   Aber wo, zum Teufel, steckt er? Ich kann ihn nirgends sehen. Auf der Wese nicht,   auf dem Baum nicht, nirgends.</p><p>�Beck, wo bist du? Ich sehe dich nicht.� �Ich bin hier oben.�</p><p>�Auf dem Baum?� �Nein, auf dem Tisch.�</p><p>Auf dem Tisch? Einen Tisch kann ich nicht entdecken, ratlos blicke ich   umher.</p><p>�Auf dem Tisch auf dem Rasen. Lauf hinter das Beet, dann siehst du ihn!�</p><p>Ich trabe also hinter das linke Blumenbeet und sehe dort tats�chlich einen   gro�en Gartentisch, beziehungsweise die Tischbeine eines solchen. Aus   Dackelsicht gar nicht so leicht hinter diesen hohen Stauden zu entdecken, aber   das muss er wohl sein.</p><p>�Genau, jetzt bist du richtig. Spring mal auf den Stuhl, dann siehst du   mich.�</p><p>Welche Art Ratespiel soll das eigentlich werden? Ich sehe mich nach einem   Stuhl um und finde ihn gleich neben dem Tisch. Hoppla, der ist aber hoch!   Hoffentlich komme ich da �berhaupt mit einem Satz drauf.</p><p>�H�r mal, Beck, ich wei� nicht, ob ich da raufspringen kann. Das ist ziemlich   hoch f�r mich. Warum sagst du mir nicht einfach, was du willst, oder noch   besser, kommst einfach zu mir runter?�</p><p>�Das geht nicht. Wirst gleich sehen, warum. Also bitte, gib dir M�he und   spring!�</p><p>Ich seufze und mache drei Schritte zur�ck, um ein bisschen Anlauf zu nehmen.   Dann sause ich los und hechte auf den Stuhl. Geschafft! Knapp zwar, aber   immerhin. Ein bisschen stolz auf diese Leistung sehe ich mich mit hocherhobenem   Kopf um - und entdecke Herrn Beck mitten auf dem Gartentisch. Genauer gesagt:   in einem Vogelbauer, der mitten auf dem Gartentisch steht.</p><p>�Na, siehst du jetzt, warum ich nicht kommen kann?�</p><p>Beck schaut mich ungl�cklich an. Ich hingegen muss sehr an mich halten, um   nicht vor Lachen gleich wieder vom Stuhl zu fallen.</p><p>�Was machst du denn da? Das sieht ja saukomisch aus! Ein fetter Kater wie du   in so einem kleinen K�fig!�</p><p>�Ja, danke auch f�r dein Mitgef�hl. Was werde ich hier wohl machen? Ich hatte   die historische Chance, mir diesen nervigen, altklugen Wellensittich zu   schnappen. Leider habe ich nicht bedacht, dass die K�figt�r nach innen aufgeht   und ich sie jetzt nicht aufkriege, weil ich sie mit meiner Gr��e selbst   blockiere.�</p><p>�Ich sage doch: Du bist fett!�</p><p>Beck ignoriert diesen Einwand und schaut mich stattdessen so eindringlich   an, wie man es als Katze durch Gitterst�be hindurch eben kann.</p><p>�Du musst mir helfen, Carl-Leopold. Wenn die alte Meyer sieht, dass ich mir   ihren Vogel geschnappt habe, gibt es richtig �rger.�</p><p>�Kann sie sich doch auch so denken, selbst wenn du nicht im K�fig sitzt.�</p><p>�Ja, denken vielleicht. Aber nicht beweisen. Mein erstes Herrchen war Anwalt,   und ich sage dir - zwischen Glauben und Wissen machen die Menschen einen   Riesenunterschied.�</p><p>�Wie dem auch sei - warum sollte gerade ich dir helfen? Ich kann doch froh   sein, wenn du ins Tierheim oder sonst wohin wanderst. Habe ich endlich meine   Ruhe vor dir.�</p><p>�Hey, Kumpel? Ist das etwa Solidarit�t unter Haustieren?�</p><p>�Solidarit�t unter Haustieren? Wei� nicht, dazu w�rde ich jetzt gerne mal den   Wellensittich befragen.�</p><p>Ich will mich schon umdrehen, da unternimmt Herr Beck noch einen letzten   Versuch: �Gut, dann nenn es eben, wie du willst. Aber wenn du jemals mit dem   Gedanken gespielt hast, das Kriegsbeil zwischen uns zu begraben, dann w�re jetzt   ein extrem g�nstiger Zeitpunkt daf�r. Denk mal dr�ber nach, ob es nicht n�tzlich   w�re, einen Freund in diesem Haus zu haben - und zwar einen, der sich verdammt   gut mit Menschen auskennt!�</p><p>Okay, damit hat er mich. Ich seufze. �Also gut, was soll ich tun?�</p><p>�Komm neben den K�fig. Man kann ihn auch von oben �ffnen, aber daf�r muss man   erst einmal die Knoten in der Kordel durchkauen, und das kann ich mit meinem   Gebiss nicht allein.�</p><p>Ich schaue mir an, was er meint. Tats�chlich, der K�fig hat noch eine obere   Klappe, die mit einer Art Band befestigt ist. Die Knoten dieses Bandes liegen   au�erhalb des K�figs und sehen aus wie eine l�sbare Aufgabe.</p><p>�Ich denke, das k�nnte ich schaffen. Daf�r m�ssen wir den K�fig allerdings   umkippen, sonst komme ich nicht an die Knoten ran.�</p><p>�Ja, kein Problem. Kipp den K�fig vom Tisch - lieber ein paar Schrammen als   weiter hier drin zu sitzen.� �Na gut, dann pass mal auf!�</p><p>Mit einem kr�ftigen Schups schiebe ich den K�fig �ber den Rand des Tisches.   Er f�llt mit einem kr�ftigen Rumpeln herunter und landet tats�chlich auf der   Seite.</p><p>�Autsch!�, ruft Beck aus und sch�ttelt sich kr�ftig. �Na ja, so solltest du   wohl rankommen.�</p><p>Ich h�pfe vom Tisch �ber den Stuhl nach unten. Dann stehe ich neben dem K�fig   und betrachte mir die Sache noch einmal genauer. Ja, so k�nnte es klappen. Die   Knoten liegen genau auf H�he meiner Schnauze. Und f�r meine F�higkeiten als   Sachen-Zerkauer bin ich geradezu ber�hmt. Legende, m�chte ich sagen. Sehr zum   Leidwesen Emilias, hat sie diese Tatsache doch schon das ein oder andere Paar   Schuhe gekostet. Aber irgendwie will diese F�higkeit ja auch trainiert   werden.</p><p>Ich brauche keine drei Minuten, dann f�llt das Band zur Erde, und die Klappe   �ffnet sich - zum Gl�ck nach au�en. Die �ffnung ist zwar ziemlich klein, aber   Herr Beck zw�ngt sich mit aller Gewalt hindurch. Erstaunlich, wie biegsam   Katzen sind. Eigentlich w�ren sie auch gute Baust�berer - aber wahrscheinlich   sind sie zu feige, einem Dachs von Angesicht zu Angesicht entgegenzutreten. Da   ist so ein Wellensittich nat�rlich leichtere Beute.</p><p>Schnaufend sitzt Beck schlie�lich neben mir. �Danke, mein Freund.�</p><p>�Gerne. Aber sag mal, du hast wirklich diesem bedauernswerten Sittich den   Garaus gemacht? Pfui.�</p><p>Ich betrachte den K�fig. Komisch, man sieht kaum Federn. Nur ein kleiner   gr�ner Plastikvogel liegt schwer zerkratzt auf dem Boden. Hat Beck den   Wellensittich tats�chlich mit Haut und Federn verschlungen? Brrr, bei dem   Gedanken sch�ttelt es mich. Erlegen ist ja die eine Sache - aber das Beutetier   komplett zu fressen? Na ja. Jeder, wie er meint. Beck ist allerdings merkw�rdig   still.</p><p>�He, ist dir der Sittich auf den Magen geschlagen?�</p><p>�Tja, also, wie soll ich sagen - der Sittich lebt noch. Ich habe ihn nicht   gefressen.�</p><p>�Er lebt noch? Du meinst, du warst in seinem K�fig, und er lebt noch? Aber wo   ist er denn?�</p><p>�Es ist mir zwar peinlich, es zuzugeben, aber er war gar nicht in dem K�fig,   als ich ihn gejagt habe.�</p><p>Ich schaue Beck mit gro�en Augen an.</p><p>�Ja, ich wei�, was du denkst. Aber es ist so: Der bl�de Vogel war nicht in   dem K�fig. Ich bin heute Morgen in den Garten spaziert. Als ich den K�fig auf   dem Tisch stehen sah, dachte ich, das ist meine Chance. Also ich rauf und gleich   rein in den Bauer. Schnappe mir den Kameraden, bei�e zu - und habe das bl�de   Plastikteil da unten im Maul. Verstehst du? Die alte Meyer hat nur den K�fig   drau�en saubermachen wollen und ihn deswegen rausgestellt. Der Vogel war gar   nicht drin, sondern nur sein Plastikfreund.�</p><p>�Bitte? Du hast was? Du hast allen Ernstes den Plastikkameraden da unten   erlegt?� Ich pruste laut los. �Das kann doch nicht wahr sein! Wie kann man das   Teil denn mit einem echten Vogel verwechseln? Daf�r muss man doch komplett blind   sein, ha ha!� Ich rolle mich vor Vergn�gen auf dem Rasen hin und her.</p><p>�Na, das Plastikteil sieht schon aus wie ein echter Vogel�, wendet Beck   eingeschnappt ein.</p><p>�Ja, es sieht vielleicht entfernt so aus. Aber es <emphasis>riecht </emphasis>doch ganz   anders!�</p><p>Beck schweigt. Offensichtlich ist mein neuer Freund schwer getroffen von   meiner Schadenfreude. Gut, vielleicht sollte ich es nicht �bertreiben.</p><p>�Hey, tut mir leid. Ich wollte mich nicht �ber dich lustig machen. Ich konnte   mir nur nicht vorstellen, wie das passiert ist.�</p><p>Betr�bt schaut mich Beck an. �Ich kann dir genau sagen, wie das passiert ist:   Ich bin eben mittlerweile ein verdammt alter Kater, der nicht mehr die besten   Augen und schon gar nicht mehr die beste Nase hat. So ist das passiert. Dass ein   Jungspund wie du sich das nicht vorstellen kann, ist v�llig klar.�</p><p>O je, da ist jemand gerade ziemlich geknickt. Ist aber auch eine bl�de   Geschichte: einen K�fig ohne Beute entern und dann nicht mehr allein rauskommen.   Ich versuche, ihn ein bisschen aufzumuntern.</p><p>�Ach komm, daf�r kannst du viele Sachen, von denen ich keine Ahnung   habe.�</p><p>�Ja, was denn zum Beispiel?�</p><p>Tr�bsinnig starrt Beck vor sich hin. Ich �berlege kurz. Aber wirklich nur   kurz, denn sofort f�llt mir etwas ein, um das ich ihn wirklich beneide.</p><p>�Na, du hast es doch eben selbst schon gesagt. Du kennst die Menschen gut. Du   verstehst sie, auch wenn sie gerade v�llig seltsame Dinge tun. Ich glaube, ich   werde sie nie begreifen.�</p><p>Offensichtlich war das genau das richtige Beispiel, denn jetzt l�chelt Herr   Beck wieder und gibt mir einen Stups in die Seite.</p><p>�Kleiner, da hast du Recht. Ich kenne die Menschen wirklich gut. Aber ich   mache dir einen Vorschlag: Jetzt, wo wir Freunde sind, werde ich dir auch   helfen. Ich werde dir helfen, die Menschen zu verstehen.�</p><empty-line/></section><section><p><strong><emphasis>SECHS</emphasis></strong></p><p>Irgendetwas hinter meinem rechten Ohr juckt ganz furchtbar. Vor ungef�hr   drei Tagen fing es an, seitdem ist es jeden Tag ein bisschen schlimmer geworden.   Leider erreiche ich diese Stelle nicht mit meiner Zunge, und jedes Mal, wenn ich   mit meiner Pfote kratze, kommt zu dem Jucken noch ein ziehender Schmerz hinzu.   Mist. Ich will nicht wehleidig erscheinen, aber das ist langsam mehr als   unangenehm. Mir kommt die Idee, mich am T�rrahmen zu scheuern. Der ist leicht   abgerundet, vielleicht funktioniert das besser als mit meinen Krallen.</p><p>�Herkules, was machst du denn da?� Carolin biegt um die Ecke und geht vor mir   in die Hocke. Ich scheure weiter und gebe ein kurzes Jaulen von mir. Sie zieht   mich vom Rahmen weg und nimmt mich auf den Scho�.</p><p>�Irgendetwas stimmt doch da nicht, mein Kleiner. Tut dir dein �hrchen weh?�   Sie streichelt mir �ber den Kopf. Dann f�hrt sie �ber mein rechtes Ohr, und ich   zucke zusammen. �Tats�chlich, da hast du einen kleinen Knubbel.� Sie fasst nun   genau an die schmerzende Stelle, ich jaule laut auf.</p><p>�Daniel, kannst du mal kommen? Ich brauche deinen fachm�nnischen Rat.   Herkules hat hier so einen Knoten am Ohr, und der scheint ihm auch   wehzutun.�</p><p>Daniel steckt den Kopf aus seinem Zimmer. �Ich komme gleich, muss hier nur   noch kurz was zu Ende machen.�</p><p>Hoffentlich kann Daniel mir helfen, denn je l�nger ich dar�ber nachdenke,   umso mehr schmerzt das Ohr. Mittlerweile ist das Jucken auch fast v�llig einem   durchgehenden Pochen gewichen. Ich lege die Schnauze auf meine Vorderl�ufe und   fiepe ein bisschen vor mich hin. Kann ja nicht schaden, wenn die Menschen   wissen, wie schlecht es mir geht.</p><p>�So, Herkules, dann lass mich mal sehen.�</p><p>Daniel beugt sich �ber mich und schiebt ganz sachte mein rechtes Ohr nach   vorne. Ich fiepe noch etwas lauter. Als Daniel den Knoten ertastet hat,   streicht er behutsam mein Fell auseinander.</p><p>�Aha. Habe ich mir schon gedacht.�</p><p>Carolin schaut ihn ganz beunruhigt an. �Was Schlimmes?�</p><p>Brrr, jetzt bin ich auch beunruhigt. F�llt mir vielleicht gleich mein �hrchen   ab? Abgesehen davon, dass ein gutes Geh�r f�r jeden Jagdhund wichtig ist, w�re   ich dann auch mit Sicherheit der h�sslichste Dackel der Welt.</p><p>Daniel sch�ttelt den Kopf. �Nein, nein, keine Sorge. Das ist blo� eine   Zecke.�</p><p>Puh, ich bin erleichtert. Von Zecken habe ich schon mal geh�rt, die sind zu   �berleben. Ich selbst hatte zwar nie eine, aber Emilia hat uns nach unseren   Tobestunden im Schlosspark immer gewissenhaft danach abgesucht.</p><p>�Allerdings�, f�hrt Daniel dann fort und gibt seiner Stimme einen Klang, die   die Sache mit dem abfallenden �hrchen doch nicht so weit hergeholt erscheinen   l�sst, �allerdings scheint sich das Ganze entz�ndet zu haben. Die Bissstelle ist   ziemlich warm und eitert schon ein bisschen. Nat�rlich k�nnen wir die Zecke   jetzt mit einer Pinzette rausziehen, aber ich w�rde mit Herkules   sicherheitshalber mal zum Tierarzt fahren.�</p><p>O nein, bitte nicht zum Tierarzt! Es schaudert mich, und ich merke, wie sich   mir buchst�blich die Nackenhaare aufstellen.</p><p>�Mensch, Herkules, du kannst ja richtig b�se gucken�, stellt Daniel belustigt   fest.</p><p>W�sste nicht, was daran so komisch ist.</p><p>�Offensichtlich versteht uns dein neuer Mitbewohner ganz genau, und zum   Tierarzt will er wohl auf keinen Fall. Schau mal, er macht sich ganz steif.�</p><p>Er reicht mich zu Carolin, die mich auf den Arm nimmt und mir beruhigend �ber   den Kopf streichelt. �Och, Herkules, musst doch keine Angst haben. So ein   Besuch beim Tierarzt ist gar nicht schlimm.�</p><p>Also, mit Verlaub, das wei� ich ja wohl besser. Von den Anwesenden bin ich   doch der Einzige, der diese Erfahrung schon mal als Patient gemacht hat. Sogar   schon zweimal. Beim ersten Mal habe ich mich von dem freundlichen Ges�usel noch   t�uschen lassen, bis diese Gestalt namens Tierarzt pl�tzlich eine Hautfalte von   mir hochzog und mit einer Nadel zustach. Das muss man sich mal vorstellen - mit   einer Nadel! In meine empfindliche Haut! Tierarzt nicht schlimm? Es ist immer   wieder erstaunlich, was f�r einen Bl�dsinn Menschen mit dem Brustton der   �berzeugung von sich geben. Wie gerne w�rde ich in solchen Momenten mit ihnen   sprechen k�nnen!</p><p>W�hrend ich noch damit hadere, dass aus all meinen zweifelsohne wichtigen und   zutreffenden Gedanken nichts weiter als ein lautes Bellen werden kann, klingelt   es an der T�r. Carolin setzt mich wieder ab und �ffnet.</p><p>�Hallo, ihr alle!�</p><p>�Hallo, Nina! Mensch, dich h�tte ich jetzt fast vergessen. Ich f�rchte, unser   Plan f�r heute Mittag �ndert sich etwas.�</p><p>Nina guckt entt�uscht. �Och, wieso? Was ist denn passiert?�</p><p>�Herkules hat sich eine Zecke eingefangen, und das Ganze hat sich entz�ndet.   Ich muss mit ihm mal eben zum Tierarzt. Sp�ter schaffe ich es nicht mehr, da   habe ich zu viele Kundentermine.�</p><p>�Schade! Aber vielleicht dauert die Aktion nicht so lange, und wir gehen   hinterher etwas essen? Dann komme ich jetzt einfach mit. Wo soll's denn   hingehen?�</p><p>�Tja, dar�ber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Ich habe nicht   damit gerechnet, dass ich so schnell schon einen Tierarzt brauchen w�rde. Hast   du vielleicht einen Tipp, Daniel?�</p><p>Daniel denkt nach, jedenfalls legt er seine Stirn in Falten, und das ist   meist ein untr�gliches Zeichen daf�r. �berhaupt muss ich mir mal angew�hnen,   Menschen mehr ins Gesicht zu schauen. Da erf�hrt man doch sehr viel �ber die   momentane Stimmung. Mittlerweile habe ich zwar schon einiges in Sachen �Versteh   einer die Menschen� gelernt, aber vielleicht k�nnte mir Beck noch ein paar   Nachhilfestunden geben.</p><p>�Also, unser alter Tierarzt war spitze, aber ich bin mir nicht sicher, ob er   �berhaupt noch praktiziert. Der war eigentlich der Beste und daf�r stadtbekannt.   Wagner hie� er, die Praxis war hier gleich um die Ecke, in der Hellmannstra�e.   Ruf doch mal die Auskunft an.�</p><empty-line/><p>Keine halbe Stunde sp�ter sitzen wir schon zu dritt in Dr. Wagners Praxis.   Der von Eschersbach'sehe Tierarzt kam immer auf das Schloss, insofern ist mein   Tierarztbesuch heute doch eine Premiere. Und ich muss zugeben: H�tte ich nicht   solche Ohrenschmerzen, w�re es hier eigentlich recht interessant. Von meinem   Platz auf Carolins Scho� kann ich genau sehen, dass in der Transportbox unter   dem Stuhl neben uns zwei Kaninchen hocken. Wahnsinn - so nah war ich denen noch   nie. Ich sp�re, wie sich ein warmes Kribbeln in meiner Nase breitmacht. Zu gerne   w�rde ich auf den Boden h�pfen und mir die beiden einmal genauer ansehen.   Vielleicht k�nnte ich sie ein bisschen durch das Wartezimmer jagen? Nur zum Spa�   nat�rlich. Stichwort Solidarit�t unter Haustieren. So ein bisschen in die   Hinterl�ufe zwacken w�rde die aber bestimmt nicht umbringen. Ich stelle fest,   dass mein Ohr bei diesem Gedanken gleich viel weniger schmerzt.</p><p>Langsam rutsche ich mit meinen Vorderl�ufen von Carolins Scho� und schaue   kurz hoch, ob sie mich gerade beobachtet. Nein, denn sie unterh�lt sich   angeregt mit Nina �ber ihr Lieblingsthema - Thomas. Sachte lasse ich mich von   ihrem Scho� gleiten und lande direkt vor der Kaninchenbox. Carolin streichelt   mir nur kurz �ber den Kopf, dann dreht sie sich wieder zu Nina. Ich gucke mich   um - die Luft ist rein, denn der zust�ndige Kaninchenmensch steht am   Anmeldetresen und spricht mit einer jungen Frau. So, Freunde, dann wollen wir   doch mal ein bisschen spielen, oder?</p><p>Ich presse meine Schnauze an die Box. Ein herrlicher Geruch, ich k�nnte laut   bellen vor Freude! Aber das lasse ich lieber, denn dann fliege ich bestimmt auf,   und der Spa� ist vorbei, bevor er richtig angefangen hat. Stattdessen versuche   ich, den Riegel hochzuschieben, mit dem die kleine Gittert�r an der einen Seite   der Box verschlossen ist. Die Kaninchen starren mich an, begeistert sehen sie   nicht aus. Aber das k�mmert mich nicht, und so packe ich jetzt den Riegel mit   meinen Z�hnen und drehe ihn hoch. Mit einem leisen �Klack� schwingt das   Gittert�rchen nach vorne auf. Fantastisch! Es funktioniert! Sofort stecke ich   meinen Kopf in die Box und versuche, das gr��ere der beiden Kaninchen zu packen.   �ngstlich quiekt es auf, offensichtlich versteht es �berhaupt keinen Spa�. Bevor   ich es allerdings richtig erwische, passiert etwas Unglaubliches: Sein Kollege   schie�t pfeilschnell nach vorne und bei�t mich mitten in die Nase. Ich heule   laut auf und ziehe meinen Kopf aus der Box. So eine Gemeinheit!</p><p>Die Kaninchen nutzen ihre Chance zur Flucht und springen sofort aus der Box.   Ich belle w�tend und will hinterher, denke allerdings nicht daran, dass ich   angeleint bin. In besagter Leine verf�ngt sich Nina, die erschreckt aufspringt,   als eines der beiden Kaninchen durch ihre Beine huscht. Sie stolpert, kommt ins   Taumeln - und f�llt direkt in die Arme eines Mannes im wei�en Kittel, der in   diesem Moment die T�r neben unserer Stuhlreihe �ffnet und harmlos �Frau Neumann   mit Herkules?� in die Runde ruft. Als ich ihn sehe, durchzuckt mich ein   seltsames Gef�hl. Aber ich komme nicht dazu, weiter dar�ber nachzudenken, denn   mittlerweile ist der Kaninchenbesitzer vom Tresen zu uns gerannt, ruft �Bobo,   Schneewei�chen! Meine armen Lieblinge!�, und versucht, mir einen gezielten Tritt   zu verpassen. Ich weiche aus und ducke mich unter den n�chsten Stuhl. Carolin   zerrt jetzt hektisch an meiner Leine, und die Oma von schr�g gegen�ber, die mit   einem �lteren Cocker dasitzt, bekommt vor Aufregung einen Hustenanfall. Der Mann   im Kittel - offensichtlich Dr. Wagner - h�lt immer noch Nina im Arm, und ich   warte darauf, dass er sie jetzt fallen l�sst und sich auch auf die Jagd nach mir   macht.</p><p>Aber nichts dergleichen passiert, stattdessen f�ngt Dr. Wagner an, laut zu   lachen. Ein sehr dunkles, fr�hliches Lachen. Ein Lachen, das mir bekannt   vorkommt. Auf einmal ist es, als w�re ich wieder auf Schloss Eschersbach und   s��e mit Charlotte auf den kalten Fliesen im Vorraum des Pferdestalls. Fast kann   ich die Stimme des alten von Eschersbach h�ren, der sich mit dem Tierarzt   unterh�lt. Dr. Wagner ist nicht irgendein Tierarzt, er ist mein Tierarzt!   Aufgeregt fange ich an zu bellen - ob aus Angst oder vor Freude, wei� ich selbst   nicht.</p><p>�Na, mein Kleiner! Da hast du ja ein sch�nes Chaos hier angerichtet.�</p><p>Dr. Wagner kniet sich vor den Stuhl, unter dem ich immer noch hocke und   streichelt mir �ber den Kopf. Jetzt beugt sich Carolin daneben, l�st meine   v�llig verknotete Leine und zieht mich unter dem Sitz hervor.</p><p>�O Gott, Herr Dr. Wagner, das ist mir so unglaublich peinlich. Entschuldigen   Sie vielmals, ich hoffe, den Kaninchen ist nichts passiert.�</p><p>Pah! Verr�terin! Was k�mmern sie die Kaninchen? Sie sollte sich lieber mal um   mich Sorgen machen - erst bef�llt mich die heimt�ckische Ohrenf�ule und dann   werde ich hier noch derart brutal mit meiner Vergangenheit konfrontiert. Aber   wenigstens Dr. Wagner wei� Priorit�ten zu setzen. Er sch�ttelt den Kopf, dann   nimmt er mich auf den Arm.</p><p>�Keine Sorge, das muss Ihnen nicht peinlich sein. Dieses kleine Kerlchen kann   eigentlich nichts daf�r. Ein Dackelmix, oder? Sie m�ssen wissen, Dackel sind   jahrhundertelang nur daf�r gez�chtet worden, ebendiesen Kaninchen an den Kragen   zu gehen. Und gegen dreihundert Jahre Zucht kann auch der wohlerzogenste Hund   nicht an.� Er streichelt mich, ich schlecke seine H�nde ab. �Dabei f�llt mir   auf: Irgendwie kommt mir Herkules bekannt vor. Waren Sie schon einmal mit ihm   hier? Wir haben noch gar keine Patientenakte von ihm.�</p><p>Carolin sch�ttelt den Kopf. �Nein, ich bin Neu-Hundebesitzerin. Ein Freund   hat mir Ihre Praxis empfohlen.�</p><p>�Tja, dann t�usch ich mich wohl. Ich habe die Praxis allerdings auch erst   vor einem guten Jahr von meinem Vater �bernommen, und ich gebe zu, dass ich den   ein oder andern Patienten noch verwechsle.� Er dreht sich zu Nina. �Ich hoffe,   ich bin Ihnen mit meinem kleinen Rettungsman�ver nicht zu nahe getreten?�</p><p>Nina gibt ein sehr seltsames Kichern von sich und sagt mit einer Stimme, die   v�llig anders klingt als sonst: �Aber nein, ganz im Gegenteil. Sie kamen gerade   rechtzeitig, vielen Dank.�</p><p>�Na gut, dann wollen wir uns Herkules doch mal in Ruhe anschauen. Kommen Sie   bitte mit?�</p><p>Er �ffnet wieder die T�r, aus der er eben gekommen ist, und macht eine   einladende Handbewegung. Carolin geht vor, und auch Nina will sich meine   Untersuchung offenbar nicht nehmen lassen. Jedenfalls setzt sie sich nicht   einfach wieder hin, sondern geht sofort hinter Carolin her.</p><p>Dr. Wagner nickt noch kurz der jungen Frau am Tresen zu. �Sinje, helfen Sie   bitte kurz Herrn Riedler, Bobo und Schneewei�chen einzufangen? Nicht, dass sie   hier dem n�chsten Jagdhund zum Opfer fallen.�</p><p>Hinter der T�r befindet sich ein heller Raum mit einem Tisch in der Mitte.   Dr. Wagner setzt mich darauf und mustert mich.</p><p>�So, Herkules, wo dr�ckt denn der Schuh?�</p><p>�Er hat eine Zecke hinter dem rechten Ohr, und ich f�rchte, der Biss hat sich   entz�ndet�, erkl�rt Carolin.</p><p>Dr. Wagner f�hrt mit seiner Hand an meinem Ohr entlang, bis er zu dem Knoten   kommt. Als er ihn ber�hrt, zucke ich zusammen. In dem ganzen Tohuwabohu tat es   eigentlich gar nicht mehr weh, aber jetzt ist das Pochen wieder fast   unertr�glich.</p><p>�Sie haben Recht, das hat sich entz�ndet. Ich werde die Zecke jetzt   herausziehen und die Stelle desinfizieren. Dann werde ich Herkules ein   Antibiotikum verschreiben. Es w�re ja m�glich, dass das Biest ihn mit ein paar   Keimen infiziert hat. Au�erdem gebe ich Ihnen einen Plastikkragen mit, damit er   sich an der Stelle erst mal nicht mehr kratzen kann.�</p><p>Na gro�artig! Das sind ja tolle Aussichten f�r die n�chsten Tage. Wette, Beck   bricht lachend zusammen, wenn er mich mit so einem Teil sieht.</p><p>�So, ich schlage vor, Sie halten Herkules jetzt die Vorderl�ufe fest, und   ich lege ihm einen Maulkorb um. Nicht, dass er einen von uns bei�t, wenn ich die   Zecke entferne.�</p><p>�Kann ich mich auch irgendwie n�tzlich machen?�, will Nina wissen.</p><p>T�usche ich mich, oder m�chte sie einen guten Eindruck bei Dr. Wagner   hinterlassen? Sie ist doch sonst nicht so zuckers��.</p><p>�Danke, Frau ... �h ...�</p><p>�Bogner. Nina Bogner.�</p><p>Mit dem Maulkorb um die Schnauze habe ich zwar nicht mehr die perfekte Sicht,   aber immer noch gut genug, um zu erkennen, dass Nina Dr. Wagner regelrecht   anstrahlt. Man kann alle ihre Z�hne sehen. F�r einen Menschen ein recht   ordentliches Gebiss, muss ich schon sagen. Ihre Stimme klingt allerdings   mittlerweile eher wie ein Fl�ten. Unangenehm.</p><p>�Danke, Frau Bogner, nett von Ihnen. Aber das schaffen wir hier schon.�</p><p>�Tja, ich bin so besorgt um unseren kleinen Freund hier. Ich liebe Hunde,   m�ssen Sie wissen.�</p><p>Mann, das Ges�usel nervt. Hoffentlich ist Dr. Wagner bald fertig, und wir   k�nnen wieder nach Hause. Aus den Augenwinkeln sehe ich, dass er nun eine Art   Zange in der Hand h�lt. Er b�ckt sich �ber mich und - AUTSCH! Ich wusste doch,   dass ein Besuch beim Tierarzt immer schmerzhaft endet. Und heute ist es keine   Ausnahme. Zu gerne w�rde ich nach Wagner schnappen, aber der bl�de Maulkorb   hindert mich daran.</p><p>�Ganz ruhig, Herkules! Wir haben es gleich geschafft�, behauptet Wagner. �Nur   noch einen kleinen Augenblick, dann kannst du wieder vom Tisch.�</p><p>Er nimmt eine kleine Flasche mit Fl�ssigkeit und �ffnet sie. Ein   durchdringender, stechender Geruch str�mt aus. Urks, das riecht ja widerlich!   Wagner tr�ufelt etwas von dem Zeug auf einen Tupfer. Dann bestreicht er die   Stelle damit. Nochmal AUTSCH! Es brennt h�llisch, und diesmal kann ich mich von   Carolin losrei�en und aufspringen. Emp�rt knurre ich die beiden an.</p><p>�Herkules!�, schimpft Carolin, �Dr. Wagner will dir doch nur helfen. Jetzt   sei brav und leg dich wieder hin!�</p><p>�Nicht n�tig, Frau Neumann. Ich bin schon fertig. Die Zecke ist drau�en, die   Stelle habe ich desinfiziert. Meine Helferin gibt Ihnen noch den Kragen und das   Antibiotikum mit. Das Medikament bekommt Herkules die n�chsten sieben Tage ins   Futter. Damit m�sste eigentlich alles in Ordnung sein, und Ihr Herkules ist bald   wieder auf dem Posten.�</p><empty-line/><p>Zehn Minuten sp�ter befinde ich mich auf Carolins Scho�, und gemeinsam sitzen   wir wieder in Ninas Auto. Nina ist offensichtlich bester Stimmung, jedenfalls   pfeift sie fr�hlich vor sich hin.</p><p>�Mensch, so gute Laune?�, will Carolin von ihr wissen.</p><p>�Och ja, das war doch jetzt mal ganz interessant. Quasi eine Mittagspause der   anderen Art. Ich war vorher noch nie beim Tierarzt.�</p><p>�Tja, warum auch. Ich hatte bisher immer den Eindruck, dass du nicht gerade   ein gro�er Tierfreund bist. Deine neu entdeckte Hundeliebe �berrascht mich   ehrlich gesagt etwas.�</p><p>�Wieso? Herkules ist doch so ein s��es Kerlchen. Also, wenn ihr noch mal in   die Praxis m�sst, komme ich gerne mit.�</p><p>�Aha. Bist du sicher, dass das nicht mit einem anderen s��en Kerlchen zu tun   hat?�</p><p>�Bitte? Ich wei� nicht, wovon du redest.�</p><p>Hier bin ich allerdings mit Nina auf dem gleichen Stand. Mir ist auch nicht   klar, wovon Carolin redet. Welches andere s��e Kerlchen? Ich habe au�er mir   niemanden entdecken k�nnen, der dieses Pr�dikat verdient.</p><p>�Ach komm, nun tu mal nicht so. Denkst du wirklich, ich habe nicht gesehen,   wie du ihn angeschmachtet hast, den Herrn Doktor?�</p><p>Nina sagt nichts, sondern pfeift einfach weiter.</p><p>�Komm, gib zu, dass er dir gefallen hat. Verstehe ich. Er sieht wirklich   ziemlich klasse aus - und wie er dich gleich aufgefangen hat: ganz alte   Schule.�</p><p>Carolin kichert, Nina sagt immer noch nichts. Menschliche Kommunikation ist   r�tselhaft.</p><empty-line/><p>Zu Hause angekommen, m�chte ich mich am liebsten sofort in mein K�rbchen   verziehen. Daraus wird aber nichts, denn noch bevor Carolin die Haust�re   aufschlie�en kann, kommt Beck wie zuf�llig an uns vorbeigeschn�rt und raunt mir   ein �Wir m�ssen reden, sofort!� zu. Hat man denn hier niemals seine Ruhe?   Andererseits macht Beck aber eine derma�en wichtige Miene, dass meine Neugier   siegt.</p><p>�Okay, gleich im Garten?�, seufze ich gottergeben.</p><p>Beck nickt und ist verschwunden. Ich schaue zu Carolin hoch, beginne zu   fiepen und laufe scheinbar unruhig hin und her.</p><p>�Was ist los, Herkules? Musst du mal?�</p><p>Ich belle kurz und renne schon mal in Richtung Garten. �He, nicht so schnell!   Ich muss eigentlich gleich in die Werkstatt.</p><p>Ich halte kurz inne und fiepe noch einmal.</p><p>�Na gut, wenn es so dringend ist...�</p><p>Im Garten angekommen, sehe ich Beck auch schon unter <emphasis>unserem </emphasis>Baum   sitzen. Ich hocke mich neben ihn.</p><p>�Und, was gibt's?�, will ich wissen.</p><p>Beck holt theatralisch Luft. �Ich habe eine sensationelle Entdeckung   gemacht.�</p><empty-line/></section><section><p><strong><emphasis>SIEBEN</emphasis></strong></p><p>�Wo denn? Ich seh nichts!� �Na, da dr�ben!� Angestrengt starre ich zu einer   H�userzeile schr�g �ber der Stra�e, aber die Sensation, die Beck dort erkannt   haben will, kann ich beim besten Willen nicht ausmachen. Gut, liegt   wahrscheinlich daran, dass ich mit dem v�llig �berdimensionierten Plastikteil   um meinen Hals eine tendenziell eingeschr�nkte Sicht habe, aber das l�sst sich   jetzt eben nicht �ndern. Beck schnauft ungeduldig.</p><p>�Na, denn m�ssen wir halt n�her ran. Los, renn r�ber!� �Halt mal, ich will   jetzt erst mal wissen, was wir hier �berhaupt wollen�, weigere ich mich. Das   fehlte noch. Laufen kann ich mit dem Kragen n�mlich auch nicht wirklich gut,   st�ndig bleibe ich an irgendwas h�ngen. Beck seufzt. �Wir sind hier, um dein   gro�es Problem zu l�sen.� �H�?� Der Kater nervt langsam.</p><p>�Ach, was rede ich - kein gro�es Problem, es ist dein gr��tes Problem.�</p><p>�Mein gr��tes Problem? Sag blo�, da dr�ben finden wir den Beweis, dass ich   doch komplett reinrassig bin und Eschersbach die ganze Zeit halluziniert   hat.�</p><p>Vor meinem inneren Auge sehe ich eine Abstammungsurkunde, lang wie eine   Rolle K�chenpapier, ausgestellt auf meinen Namen.</p><p>Beck grunzt. �Quatsch. Doch nicht dieser Abstammungskram. Der interessiert   doch keinen. Dein gr��tes Problem ist Thomas.� �Na ja.�</p><p>�Du hast doch gesagt, dass Thomas dich loswerden will.� �Richtig.�</p><p>�Und was folgt daraus?�</p><p>�Dass ich mich besser benehmen muss?�</p><p>�Falsch. Daraus folgt, dass du ihm zuvorkommen musst. Du musst <emphasis>ihn </emphasis>loswerden. Und zwar, bevor er dich wieder in Richtung Tierheim bugsieren   kann.�</p><p>�Ich muss Thomas loswerden?� Ungl�ubig starre ich Beck an. �Wie soll das denn   gehen? Soll ich ihn anfallen und heimlich verscharren? Ich glaube, du   �bersch�tzt mich da etwas, ich bin schlie�lich ein Dackel, kein Kampfhund.�</p><p>Beck sch�ttelt den Kopf. �Mein Gott, bist du schwer von Begriff. Doch nicht   so! Du hast jetzt die historische Chance, dir Thomas ein f�r alle Mal vom Hals   zu schaffen. Allerdings nicht, wenn du hier weiter wie angewurzelt stehen   bleibst. Also los, mir nach!�</p><p>Ich seufze. Wann endlich wird dieser Tag beginnen, etwas ruhiger zu   werden?</p><empty-line/><p>Auf der anderen Stra�enseite angekommen, kann ich den Grund f�r Becks   Aufregung immer noch nicht verstehen.</p><p>�Entschuldige, offensichtlich verf�ge ich heute einfach nicht �ber deinen   Scharfsinn. Was gibt es hier so Weltbewegendes zu sehen?�</p><p>�Du stehst direkt davor.�</p><p>�H�?�</p><p>�Vor Beweisst�ck A.�</p><p>�Beweisst�ck A? Langsam mache ich mir Sorgen um dich. Ich sehe hier lediglich   zwei Autos und einen Stromkasten.</p><p>Also mach es nicht so spannend. Ich bin nach meinem heutigen Arztbesuch auch   ziemlich schlapp. Wenn du mir jetzt endlich erl�utern k�nntest, was ich hier   soll, w�re ich dir sehr verbunden.�</p><p>�Nat�rlich. Du siehst hier nur zwei Autos. Ich hingegen sehe einen BMW,   schwarz-metallic. Dieser ist das erste Teilchen einer brillanten, l�ckenlosen   Beweisf�hrung, an deren Ende Thomas vor der T�re und du auf seinem Sofa landen   wirst. Kommen wir also als N�chstes zu Beweisst�ck B. Herr von Eschersbach,   folgen Sie mir bitte. Wir haben einen Ortstermin.�</p><p>Erw�hnte ich, dass Beck mal einem Anwalt geh�rte? Eine sehr unangenehme   Sp�tfolge aus dieser Zeit ist der willk�rliche Einsatz von Juristengeschwafel.   Tragisch, wie sehr Menschen auf ihre Tiere abf�rben. Ich w�nschte, es w�re   umgekehrt genauso. Die Welt w�re ein freundlicherer Ort.</p><p>�Na los, Dackel! Rauf auf den Stromkasten!�</p><p>Mit einem Satz ist Beck oben.</p><p>�Spinnst du jetzt komplett? Wie soll ich da raufkommen? Da kann ich schon   unter normalen Umst�nden nicht - und mit diesem Halsdings ist es v�llig   ausgeschlossen. Also entweder, du sagst mir jetzt sofort, was der ganze Zirkus   soll, oder ich laufe wieder nach Hause.�</p><p>Beck schaut beleidigt. �Ich h�tte ein bisschen mehr Engagement von dir   erwartet. Schlie�lich tue ich das hier nur f�r dich. Mir k�nnte es eigentlich   v�llig egal sein, was euer Thomas so mit seiner Zeit anf�ngt. Aber weil du nun   ein Freund von mir bist...�</p><p>�Halt mal, was meinst du denn damit? Was ist mit Thomas?�</p><p>Beck springt wieder von dem Kasten herunter und landet punktgenau neben mir.   Das k�nnen sie einfach, die Katzen.</p><p>�So, jetzt mal zum Mitschreiben: Heute Morgen machte ich meinen �blichen   kleinen Spaziergang. Ich bin immer ganz gerne auf der anderen Seite des Parks,   irgendwie bessere Luft hier, mehr M�use, ruhiger - du wirst es schon noch   merken, wenn du selbst erst mal l�nger ...�</p><p>�Beck�, unterbreche ich ihn ungeduldig, �was ist mit Thomas?�</p><p>�Als ich hier entlangkomme, h�lt der besagte BMW direkt neben mir. Und wer   steigt aus?� Beck gibt seiner Stimme einen wichtigen Unterton: �Thomas!� Er   macht eine bedeutungsschwangere Pause.</p><p>�Ja und? Warum soll er nicht hierherfahren? Wahrscheinlich arbeitet er hier.   Er f�hrt doch jeden Morgen ins B�ro.�</p><p>�Mensch, Herkules! Sei doch nicht so naiv! Die Strecke von unserem Haus   hierher schafft selbst ein fauler Mensch in maximal zehn Minuten zu Fu�. Hier   ist nicht das B�ro! Und es kommt noch viel besser!� Jetzt zuckt seine   Schwanzspitze aufgeregt hin und her. �Thomas ist dann zu diesem Hauseingang,   vor dem wir jetzt stehen. Er schlie�t die T�r auf und - wird von einer jungen   Frau begr��t! Sie fiel ihm sofort um den Hals! Im Hausflur, ich konnte es noch   sehen!�</p><p>Ich sch�ttle den Kopf. �Ich verstehe nicht, was daran so aufregend sein soll.   Diese Menschen fallen sich doch andauernd um den Hals. Wahrscheinlich steht man   auf zwei Beinen doch nicht so doll, und sie m�ssen sich eben ab und zu mal bei   anderen Menschen abst�tzen. Nina ist heute zum Beispiel auch diesem   Tierarzt...�</p><p>�Ach Quatsch, du d�mlicher Dackel!�, unterbricht mich Beck unwirsch. �Doch   nicht so! Sie haben sich gek�sst! Verstehst du? Thomas hat eine andere Frau   gek�sst!�</p><p>�Warum auch nicht? Habe ich jetzt schon h�ufiger gesehen. Carolin und Nina   k�ssen sich auch ab und zu ins Gesicht, das ist doch einfach ein Ritual bei   Menschen.�</p><p>�Mit Zunge?�</p><p>�Bitte?�</p><p>�Na, k�ssen sie sich mit Zunge?�</p><p>Ich bin verwirrt. K�ssen mit Zunge?</p><p>�Also abschlecken? Das habe ich bei Menschen noch nie gesehen. Das machen die   doch gar nicht. Was schade ist.�</p><p>�Siehst du!� Beck bricht in Triumphgeheul aus. �Sie machen es eben doch!   Aber nicht immer. Sondern nur, wenn sie sich paaren wollen. Und genau das habe   ich gesehen, ich bin n�mlich extra mit in den Flur geschlichen, weil ich schon   so etwas geahnt habe: Thomas hat diese Frau mit seiner Zunge abgeschleckt, und   sie ihn auch. Also, erst k�ssten sie sich ganz normal, und dann steckten sie   sich die Zunge in den Mund. Ein untr�gliches Zeichen! Hier ist ein gro�er Betrug   im Gange, und ich habe ihn aufgedeckt!�</p><p>Das ist nun eindeutig zu kompliziert f�r einen kleinen Dackel. Mir schwirren   die Ohren, und zwar beide, und das liegt nicht an der Halskrause. Offenbar sieht   man mir meine Verwirrtheit deutlich an, denn jetzt r�ckt Herr Beck noch ein   St�ck n�her an mich heran und fl�stert verschw�rerisch.</p><p>�Carl-Leopold von Eschersbach, ich liefere dir Thomas direkt ans Messer. Er   betr�gt Carolin mit einer anderen Frau. Wie du bestimmt wei�t, bilden M�nner und   Frauen gerne Paare miteinander. Und wenn sie das getan haben, dann bleiben sie   zu zweit. Alles andere ist Betrug. Also sich mit einer Frau oder einem Mann   paaren, die oder der einem nicht geh�rt, ist Betrug. Und sich so k�ssen, wie   sich Thomas und diese andere Frau gek�sst haben, ist meist der Anfang vom   Betrug. Mein altes Herrchen, der Anwalt, der kannte sich da m�chtig gut aus. Zu   ihm kamen viele M�nner und Frauen, die sich von ihrem Partner trennen wollten,   weil der sie betrogen hat. Wir hatten dann einen Spezialisten, der hat Fotos von   solchen Betr�gern gemacht, damit man es auch beweisen konnte. Da sah man ganz   h�ufig Menschen drauf, die sich so abgeschleckt haben. Wenn unsere Mandanten die   Fotos gesehen haben, haben sie meistens erst geweint - und dann hat mein   Herrchen ihnen geholfen, den Betr�ger loszuwerden. Daher mein Plan: Wir zeigen   Carolin, dass Thomas ein Betr�ger ist - und dann schmei�en wir ihn raus. Genial,   oder?�</p><p>Jetzt bin ich auch ganz aufgeregt und wedele wild mit meiner Rute hin und   her.</p><p>�Und du meinst, das funktioniert?�</p><p>�Hundert Prozent. Eine todsichere Sache. Wir brauchen nur noch einen   Beweis.�</p><p>Ich h�re auf zu wedeln.</p><p>�Mist.�</p><p>�Was denn?�</p><p>�Der Beweis. Wie sollen wir das beweisen? Wir k�nnen schlie�lich kein Foto   davon machen und es Carolin vorlegen. Und so dumm, sich vor ihren Augen zu   k�ssen, wird Thomas wohl kaum sein.�</p><p>Beck nickt. �Stimmt, das ist noch ein Problem. Darauf muss ich noch ein   bisschen herumdenken. Aber da f�llt mir bestimmt noch etwas ein. Bis es so weit   ist, schlage ich vor, die Observation zu intensivieren. Zur gegebenen Zeit   werden wir dann ins Beweissicherungsverfahren eintreten.�</p><p>Sagte ich doch: Juristengeschwafel.</p><p>�Aber du wei�t doch gar nicht, in welcher Wohnung Thomas mit dieser Frau   ist. Und selbst wenn du es w�sstest - wie sollen wir da reinkommen?�</p><p>�Du bist vielleicht ein Bedenkentr�ger. Und in beiden Punkten liegst du   falsch. Erstens: Die Wohnung ist im Erdgeschoss. Ich habe gesehen, wie die Frau   ein Fenster geschlossen hat. Und das erleichtert uns auch schon zweitens: In   eine Erdgeschosswohnung sollte doch selbst ein Hund m�helos reinkommen.�</p><p>T�usche ich mich, oder h�re ich da einen sp�ttischen Unterton? Egal, ich   beschlie�e, ihn zu ignorieren, denn auf keinen Fall werde ich mich dazu   provozieren lassen, hier in ein fremdes Haus einzudringen, angef�hrt von einem   Kater, der offensichtlich nicht mehr alle Tassen im Schrank hat.</p><empty-line/><p>�Los, beeil dich, ich kann dich nicht l�nger tragen!�</p><p>Beck �chzt und wankt. Ich z�gere noch. Bis zum Fenstersims ist es bestimmt   ein guter Meter, wenn ich herunterfalle, werde ich sehr hart landen. Aber wir   sind schon so weit gekommen, jetzt aufzugeben und umzudrehen w�re eine   Schande. Tats�chlich haben wir uns mit dem Postboten unauff�llig ins Haus   gemogelt und sind durch die Hintert�r in den Hof gelangt. Nun muss ich �nur�   noch vom Treppenabgang der Hintert�r zum Fenster der besagten Wohnung. Also   schlie�e ich die Augen, hole tief Luft - und springe.</p><p>Gut, vielleicht war es auch eher ein halber Meter. Jedenfalls lande ich fast   m�helos direkt vor dem gro�en Fenster. Uff. Zwei Sekunden sp�ter landet Beck   neben mir. Irgendwie beneide ich Katzen um ihre Mobilit�t. Selbst ohne den   Kragen w�rde ich nicht halb so weit wie Beck kommen. Neugierig schauen wir beide   durch das Fenster. Tats�chlich. Da ist Thomas. Und diese Frau. Und sie machen   genau das, was Thomas neulich als �voll in Fahrt sein� betitelt hatte. Im   dunklen Schlafzimmer war das etwas schwierig zu erkennen, aber hier ist die   Sachlage v�llig klar: Wir werden gerade Zeugen eines Deckaktes.</p><p>Beck jubelt. �Ja, ich wusste es! Sex! Nennt mich die Supersp�rnase! Nennt   mich Sherlock Beck! Von wegen <emphasis>zu alt - </emphasis>ich hab's einfach drauf.�</p><p>Er springt so wild rauf und runter, dass ich schon Angst habe, wir k�nnten a)   zusammen runterfallen oder b) entdeckt werden. Wobei Letzteres eher   unwahrscheinlich ist, denn Thomas und Begleitung sind doch sehr mit sich selbst   besch�ftigt.</p><p>�So, und das ist also Sex�, stelle ich trocken fest, nachdem Beck sich wieder   beruhigt hat.</p><p>�Genau. Und die Menschen machen einen Riesenwirbel darum. Also, um wer mit   wem und wann und wieso. Kannste glauben.�</p><p>Gut, das ist unter Dackelz�chtern ja nicht anders. Das Decken des Weibchens   ist immer eine Riesengeschichte: Der richtige R�de muss her, vielleicht noch die   Genehmigung des Bundeszuchtwartes eingeholt werden, dann hei�t es Warten auf die   Hitze des Weibchens, schlie�lich auf seine Paarungsbereitschaft, und, und, und   ... eine komplizierte Angelegenheit also. Und dann muss der Z�chter nat�rlich   die ganze Zeit hinterher sein, dass kein fremder R�de den Deckakt vollzieht -   siehe meine Mutter. Sonst war die ganze M�he umsonst und aus der Traum vom   Pr�miumnachwuchs. Aber ich schweife ab.</p><p>Festzuhalten bleibt: W�hrend der Wirbel unter Dackelz�chtern eher den   handfesten Grund hat, den Zucht- und Eintragungsbestimmungen des Deutschen   Teckelklubs Gen�ge zu tun, geht es den Menschen doch anscheinend noch um etwas   ganz anderes. Um etwas, was gravierender ist als �rger mit dem Stammbuchamt.   Denn sonst w�re die Angelegenheit doch wohl nicht dazu geeignet, Paare,   respektive Carolin und Thomas, auseinanderzubringen.</p><p>�Tr�umst du?�, will Beck wissen.</p><p>�Nein, ich frage mich nur, warum das den Menschen so wichtig ist. Also, die   Frage, wer warum mit wem.�</p><p>�Wegen der Liebe nat�rlich!�</p><p>�Wegen der Liebe? Was hat die denn damit zu tun?�</p><p>�Mann, Herkules, bei dir muss man ja wirklich ganz von vorne anfangen. Also,   wie Sex und Liebe zusammengeh�ren, das ist nun eine ganz elementare Frage bei   Menschenpaaren. Aber das kann ich dir nicht eben nebenbei erkl�ren. Daf�r brache   ich viel Zeit. Und die haben wir gerade nicht. Denn wichtiger ist im Moment, wie   wir Carolin beweisen k�nnen, dass Thomas sie betr�gt. Alles andere kommt   sp�ter.�</p><p>Na gut, wo der Kater Recht hat, hat er Recht. Da kommt mir eine Spitzenidee.   �Okay, wenn wir kein Foto haben, dann m�ssen wir eben etwas anderes   mitnehmen.�</p><p>Beck schaut mich �berrascht an. �Etwas mitnehmen? Was denn?�</p><p>�Irgendetwas, was eindeutig ist. Woran Carolin gleich erkennt, was passiert   ist. Etwas wie ...�, ich schaue mir die Szenerie noch mal gr�ndlich an, �...   genau - ich hab's!�</p><empty-line/><p>�Du mieses, mieses Schwein!�</p><p>Carolin ist v�llig au�er sich. Ich bin begeistert. Unser Plan funktioniert   tats�chlich!</p><p>�Aber, Schatz, jetzt lass mich doch mal erkl�ren ...�, stammelt Thomas. �Das   ist ein ganz dummer Zufall, mehr nicht!�</p><p>�Ich finde in deiner Jackentasche einen schwarzen Spitzenslip, und das ist   ein dummer Zufall? F�r wie bl�d h�ltst du mich eigentlich?�</p><p>Sie sollte sich lieber fragen, wie bl�d Thomas ist. Es kam ihm nicht mal   komisch vor, dass ich eben seine Jacke durch den Flur geschleppt habe. So ist   das eben, wenn man Haustieren keine Beachtung schenkt. Es r�cht sich   bitterlich. Carolin hingegen hat sich sofort gewundert und nach mir geschaut.   Tja, und dann den Zipfel des H�schens entdeckt.</p><p>�Glaub mir, Carolin, ich habe nicht die geringste Ahnung, wie der Slip da   reinkommt. Nicht die geringste!�</p><p>Thomas klingt verzweifelt. Carolin erweicht er damit allerdings nicht.</p><p>�Ich habe deine L�gen satt, Thomas. Die ganze Zeit schon hatte ich das   Gef�hl, das irgendetwas nicht stimmt. Die seltsamen Anrufe, deine ganzen   angeblichen Dienstreisen.�</p><p>Mit diesem Gef�hl lag Carolin goldrichtig. Denn dass Thomas das Objekt seiner   Begierde nicht erst seit gestern am Wickel hatte, wurde mir in dem Moment klar,   als Herr Beck mit dem H�schen im Maul durch die auf Kipp stehende Terrassent�r   schl�pfte. Einmal kurz geschnuppert, und ich wusste, woher ich den Geruch   kannte: aus dem Bett von Thomas und Carolin. Genau das war es, was ich damals   nicht zuordnen konnte: der Geruch dieser Frau. Sie hatte ganz offensichtlich   auch schon in Carolins Bett gelegen! Ist es zu fassen? Ohne mich schon l�nger   mit der Materie befasst zu haben, bin ich mir ziemlich sicher, dass das eine   weitere Steigerungsform der Kategorie �Betrug� ist. Ich hoffe sehr, dass sich   Carolin nicht von Thomas erweichen l�sst. Er hat es einfach verdient, hier im   hohen Bogen rauszufliegen. Die Chancen daf�r stehen exzellent. Carolins Stimme   klingt nicht im Mindesten vers�hnlich.</p><p>�Die Hotelbuchung damals auf Herrn <emphasis>und Frau </emphasis>Brodkamp - angeblich ein   Versehen deiner Sekret�rin. Der Geruch von einem fremden Parf�m, den ich mir   angeblich einbilde. Vergi� es, jetzt ist endg�ltig Schluss! Ich will, dass du   gehst. Und zwar sofort! Ich fahre jetzt zu Nina. Wenn ich wiederkomme, bist du   weg.�</p><p>Sie dreht sich um und geht Richtung T�r.</p><p>�Aber, aber - Carolin!� Thomas greift nach ihrem Arm. �Das kannst du doch   nicht machen. Du kannst mich hier doch nicht einfach rausschmei�en. Ich dachte,   wir lieben uns!�</p><p>Carolin blickt ihm direkt in die Augen und sagt dann mit sehr fester Stimme:   �Ja, das dachte ich auch. Aber anscheinend habe ich mich get�uscht. Leb wohl,   Thomas. Komm Herkules. Nina wartet schon auf uns.�</p><empty-line/><p>Carolin, ich bin so stolz auf dich. Klasse hat sie das gemacht. Ohne mit der   Wimper zu zucken. Nahezu eiskalt. Von meinem Platz im Fu�raum ihres Autos kann   ich sie zwar nicht so gut sehen, aber bestimmt hat sie ein Strahlen auf dem   Gesicht. Endlich ist sie den Betr�ger los - wenn das kein Grund zum Feiern   ist!</p><p>Ich jedenfalls bin gl�cklich. Vor meinem inneren Auge sehe ich Carolin und   mich beim gem�tlichen Fernsehabend auf dem Sofa rumlungern. Ob ich demn�chst   vielleicht auch im Bett schlafen darf? Immerhin ist es f�r einen Menschen doch   viel zu gro�. Ein kleines Kerlchen wie ich w�rde schon noch gut mit - hoppla!   Der Wagen h�lt abrupt an, ich werde sehr unsanft tiefer in den Fu�raum gedr�ckt.   Aua, hatten wir einen Unfall? Ich hangle mich wieder nach oben. Dort wird mir   schlagartig klar, warum Carolin so stark gebremst hat: Sie liegt mit dem   Oberk�rper auf dem Lenkrad, das Gesicht in den Armen vergraben und - weint.   Nein, sie weint nicht nur, es sch�ttelt sie geradezu. Ihre Schultern beben, und   ich h�re ein Schluchzen, das mir richtig Angst macht. Was ist blo� los?   Gl�cklich ist Carolin jedenfalls nicht. Stumm sitze ich neben ihr und �berlege,   was ich jetzt tun k�nnte. Wie tr�stet man einen Menschen?</p><p>Langsam schiebe ich meine Schnauze unter ihren Armen durch und komme an ihr   Gesicht. Es ist ganz warm und nass. Ich beginne, es abzuschlecken. Erst ganz   vorsichtig, dann ein bisschen mehr. Hm, sch�n salzig. Erst reagiert Carolin gar   nicht, was erstaunlich ist, denn normalerweise hat jeder Mensch eine genaue   Meinung zu Hunden, die ihm das Gesicht abschlabbern, und oft ist es keine   gute.</p><p>Schlie�lich richtet sich Carolin aber wieder auf, dreht sich zu mir und   streicht mir �ber den Kopf. �Willst mich tr�sten, nicht? Das ist lieb. Ich bin   wirklich froh, dass ich dich habe.�</p><p>Ich versuche, irgendeinen zustimmenden Laut von mir zu geben, was mir   nat�rlich nicht gelingt. Also lecke ich ihr noch mal die H�nde ab. Sie kichert   ein bisschen. Wenigstens das!</p><p>�Schon gut, S��er. Du wunderst dich wahrscheinlich, nicht wahr? Wei�t gar   nicht, was passiert ist, du Armer.�</p><p>Na ja, das w�rde ich so direkt nicht sagen, aber es ist vielleicht ganz gut,   dass Carolin �ber die n�heren Umst�nde der ganzen Angelegenheit nicht so genau   informiert ist. Sie wischt sich die Tr�nen aus dem Gesicht.</p><p>�Alles gut, keine Sorge, wird alles wieder gut.�</p><p>Redet sie jetzt mit mir? Oder mit sich selbst. Auf alle F�lle hat sie   aufgeh�rt zu weinen und f�hrt wieder weiter.</p><p>Carl-Leopold von Eschersbach, Hoffentlich war es wirklich eine gute Idee,   sich in diesen Menschenkram einzumischen.</p><empty-line/></section><section><p><strong><emphasis>ACHT</emphasis></strong></p><p>�Herkules, alter Kumpel, ich w�nschte, du k�nntest sprechen.� Daniel hebt   mich auf seine Werkbank und schaut mich an. �Ich w�sste zu gerne, was da   wirklich passiert ist zwischen Thomas und Carolin.� Er krault mich im Nacken.   �Aber sie will es mir nicht sagen - und du <emphasis>kannst </emphasis>es mir nicht   sagen.�</p><p>Wenn ich ehrlich bin: Selbst wenn ich reden k�nnte, w�rde ich Daniel nicht   erz�hlen, was passiert ist. Denn mittlerweile w�nschte ich, Beck und ich h�tten   nie die bescheuerte Idee mit dem H�schen gehabt. Als Carolin und ich von Nina   kamen, war Thomas zwar schon weg. Aber ansonsten ist nichts von dem, was ich mir   erhofft hatte, eingetreten. Wir sitzen nicht gem�tlich auf dem Sofa und kuscheln   zusammen. Ich schlafe auch nicht auf Thomas' Seite im Bett. Nein, seit Thomas   weg ist, ist auch Carolin nicht wiederzuerkennen. Sie weint viel. Sie spricht   nicht mehr mit mir. Sie spricht eigentlich mit niemandem. Und sie schl�ft kaum.   Sie geht in der Wohnung hin und her und h�rt laut Musik. Manchmal so laut, dass   es selbst den anderen Menschen zu viel wird - und das will bei denen schon etwas   hei�en. Aber wenn die Nachbarn klingeln und sich beschweren, guckt Carolin sie   nur wortlos an und macht die T�r wieder zu. Zwar dreht sie die Musik dann etwas   runter, sonst �ndert sich aber nichts. Sie l�uft weiter ziellos in der Wohnung   umher.</p><p>Seit vier Tagen geht sie auch nicht mehr zur Arbeit in die Werkstatt. Hat   mich morgens geschnappt und ist mit mir runter zu Daniel. Sie hat kaum etwas   gesagt, nur gefragt, ob sich Daniel tags�ber um mich k�mmern k�nne. Also   verbringe ich momentan meine Tage mit ihm, abends bringt er mich dann wieder   hoch. Dabei versucht er bei jeder Dackel�bergabe, Carolin in ein Gespr�ch zu   verstricken, doch das klappt leider nie.</p><p>�Echt, Herkules, ich mache mir Sorgen. Dass sie das mit Thomas so mitnimmt,   ist doch furchtbar. Ich meine, du wirst mir sicher Recht geben: Der Typ war ein   kompletter Idiot, dem man nicht hinterherweinen muss. Erst recht nicht, wenn man   so eine Klassefrau wie Carolin ist.�</p><p>Wuff, genau! Beim Namen <emphasis>Thomas </emphasis>knurre ich ein bisschen, ansonsten   wedele ich ob der Daniel'schen Analyse mit dem Schwanz.</p><p>Das einzig Nette in der momentanen Situation sind tats�chlich die   M�nnergespr�che zwischen Daniel und mir. Na ja, Gespr�ch ist vielleicht ein   bisschen hoch gegriffen, aber immerhin redet Daniel ziemlich viel mit mir. Ist   wahrscheinlich kein Wunder, schlie�lich sind wir jetzt meistens allein. Aber   ich erfahre dadurch doch eine ganze Menge �ber die Menschen im Allgemeinen und   Carolin im Speziellen. Und nat�rlich �ber Daniel. Er kannte Carolin schon, bevor   Thomas um die Ecke kam. Die beiden haben n�mlich zusammen gelernt, wie man   diese Holzdinger, also Geigen und Celli und so, baut. Irgendwo ganz weit weg war   das. In einem Ort mit einem wundervollen Namen: Mittenwald. <emphasis>Mitten im Wald. </emphasis>Das muss einfach eine ganz tolle Stadt gewesen sein, wenn sie schon so   hei�t.</p><p>In Daniels und Carolins Geigenbauklasse gab es ganz viele M�dchen, aber   keines war so wie Carolin. Daniel hat das gleich erkannt, und bald waren sie die   besten Freunde. Sie haben sogar zusammen gewohnt. Viele Sachen, die jeder von   ihnen zum ersten Mal im Leben gemacht hat, haben sie zusammen erlebt: der erste   gro�e Hausputz, der erste selbst gekochte Sonntagsbraten, das erste Weihnachten   ohne Eltern. Nur die erste gro�e Liebe, die hatte jeder f�r sich. Was auch den   Vorteil hatte, sich dann gegenseitig tr�sten zu k�nnen.</p><p>Wenn Daniel erz�hlt, habe ich fast das Gef�hl, als sei ich selbst ein Mensch.   Zumindest bilde ich mir ein, dass ich langsam begreife, wie die Zweibeiner   ticken. Sicher, Herr Beck hat mir auch schon so manches erkl�rt. Aber aus dem   Munde des Studienobjektes selbst klingt das doch irgendwie ... glaubw�rdiger.   Bei Beck bin ich mir jedenfalls nicht immer ganz sicher, ob er sich nicht einen   Teil einfach ausdenkt, um die Geschichte interessanter zu machen.</p><p>Daniel t�tschelt mich noch einmal, dann setzt er mich wieder auf den Boden.   �So, jetzt muss ich mal einen Schlag reinhauen, sonst versinken wir hier   langsam, aber sicher im Chaos. Gleich kommt eine besondere Kundin. F�r dich als   Dackel wahrscheinlich nicht so leicht zu erkennen - aber als Mann kann ich dir   versichern: eine Augenweide! Eine exzellente Musikerin noch dazu. Und ein   Temperament - o l� l�! Nicht von schlechten Eltern, die Dame. Manchmal muss man   sie ein bisschen bremsen, aber es ist immer sch�n, sie zu sehen.�</p><p>Er f�ngt an, eine Melodie zu summen und seine Werkbank aufzur�umen.</p><p>Das ist nun wirklich langweilig. Und wohlm�glich spielt diese exzellente   Musikerin auch gleich Geige, das ist dann erst recht nichts f�r mich. Ich trotte   Richtung Terrassent�r. Vielleicht treffe ich im Garten Herrn Beck. So ein nettes   Gespr�ch unter Haustieren, das h�tte jetzt was.</p><p>Aber leider von Beck keine Spur, weder hinter dem Haus noch im Vorgarten.   Daf�r mache ich eine andere interessante Entdeckung: Direkt auf dem M�uerchen,   das unseren Vorgarten umgibt, hat eine junge Frau Platz genommen. Sie sitzt da   und macht irgendetwas mit ihrem Gesicht. Ich trabe n�her heran, um besser sehen   zu k�nnen. Sie beachtet mich gar nicht, so besch�ftigt ist sie mit ... ja, mit   was eigentlich? Oberfl�chlich betrachtet, w�rde ich sagen, sie malt sich an.   Jedenfalls h�lt sie erst ein Schw�mmchen in der Hand, auf dem helle Farbe   aufgetragen ist, und dann schmiert sie sich diese Farbe auf die Nase. Einen   Moment sp�ter nimmt sie einen Stift und streicht eine rote Paste auf ihren Mund.   Hm, seltsam.</p><p>Die Frau packt ihre Malinstrumente wieder in ihre Tasche und steht auf. Dann   beugt sie sich rasch nach vorne und sch�ttelt ihre Haare �ber den Kopf. Sieht   ziemlich genau so aus, wie ein Hund, der aus dem Wasser kommt und sich   trockensch�ttelt. Dass Menschen das auch ohne Wasser machen: ein weiterer   Beweis, dass Zweibeiner v�llig irrational handelnde Wesen sind. Ohne Sinn und   Verstand. Sie wirft die - v�llig trockenen Haare - zur�ck �ber die Schultern.   Sie sind sehr lang, sehr schwarz und sehr lockig. Erinnert entfernt an den   ungarischen Hirtenhund, der mal bei uns auf Schloss Eschersbach zu Besuch war.   Da habe ich mich spontan gefragt, wie der �berhaupt die Schafe sieht, auf die er   aufpassen soll.</p><p>Jetzt sehe ich, dass die Frau neben der Tasche noch einen Koffer dabei hat.   Eindeutig ein Geigenkasten, wie ich mittlerweile wei�. Dann ist das wohl die   Musikerin, von der eben die Rede war. Ob sie nun f�r das menschliche Auge   besonders h�bsch ist, kann ich nicht einsch�tzen. Ist ja auch schwer zu sagen,   schlie�lich hat sie sich ihr Gesicht so bemalt, dass es in seiner urspr�nglichen   Form nicht mehr zu erkennen ist. Die sch�nste Frau auf der Welt ist au�erdem   Carolin, und der Rest interessiert mich nicht.</p><p>Die Angemalte geht auf den Eingang zu, ich laufe durch den Garten wieder   zur�ck zur Terrassent�r und stehe schon neben Daniel, als der die Werkstattt�re   �ffnet.</p><p>�Daniel, mein Bester!�</p><p>Sie f�llt ihm um den Hals und k�sst ihn. Ich gebe mir gr��te M�he, zu   erkennen, ob mit oder ohne Zunge. Habe schlie�lich dazugelernt. Leider kann ich   es so recht nicht sehen, ihre bauschigen Locken verdecken beide Gesichter. Im   eigenen Interesse hoffe ich aber, dass dies hier nur eine normale Begr��ung   war, denn etwas anderes kann ich momentan nicht gebrauchen. Auch wenn ich an den   j�ngsten Entwicklungen nicht unschuldig bin. Bisher war die Werkstatt ein guter   R�ckzugsort vor menschlichen Gef�hlswirrungen, und das soll doch bitte so   bleiben.</p><p>�Wow, Aurora, du siehst wie immer fantastisch aus! Komm rein, ich habe schon   auf dich gewartet. Carolin ist leider krank und diese Woche nicht in der   Werkstatt.�</p><p>�Die Arme! Was hat sie denn?�</p><p>T�usche ich mich, oder klingt diese Anteilnahme irgendwie unecht? Ich w�rde   einen gr��eren Fleischwurstzipfel darauf verwetten, dass diese Aurora froh ist,   Carolin nicht zu sehen.</p><p>�Ach, sie ist ziemlich erk�ltet. Hat einen ganz dicken Kopf, und ich habe ihr   geraten, sich mal richtig auszukurieren.�</p><p>�Ja, gute Idee.� Aurora hebt die Hand und macht eine drohende Geste mit dem   Zeigefinger. �Nicht, dass sie dich noch ansteckt. Jetzt, wo ich dich so dringend   brauche, mein Lieber.� Endlich bemerkt sich auch mich. �Seit wann hast du denn   einen Hund?�</p><p>�Carolin hat ihn im letzten Monat aus dem Tierheim mitgebracht. S��es   Kerlchen, nicht? Ich bet�tige mich ein bisschen als Hundesitter, solange sie   krank ist.�</p><p>�Nett von dir. Ich bin eigentlich kein Hundefreund, Katzen sind mir lieber.   Aber der ist wirklich ganz niedlich.�</p><p>Grrr, Katzen sind ihr lieber? Vielleicht zwicke ich die Dame gleich mal in   die Hacken, dann hat sie wenigstens einen guten Grund f�r ihre Katzenliebe.</p><p>�So, dann lass mich das Schmuckst�ck mal sehen, ich bin schon ganz gespannt.�   Daniel hilft Aurora aus dem Mantel und f�hrt sie in seinen Werkstattraum.</p><p>�Das kannst du auch sein, Daniel. Sie ist wirklich wundersch�n.�</p><p>Sie reicht ihm den Geigenkasten, er legt ihn auf seine Werkbank und �ffnet   ihn vorsichtig, nimmt die Geige heraus und dreht sie hin und her. Dann pfeift er   anerkennend.</p><p>�Alle Achtung! Cremoneser Schule, unverkennbar!�</p><p>�Ich war ganz aufgeregt, als der Vermittler bei mir anrief. Ich habe so lange   nach einem solchen Instrument gesucht. Letzte Woche war das Gutachten fertig,   und gestern ist sie per Express aus London gekommen. Meinst du, du bekommst sie   wieder hin?�</p><p>�Na ja, in der Decke ist ein Riss, die W�lbungen sind verzogen - aber alles   in allem scheint es nicht so dramatisch zu sein. Ich w�rde sagen: Es gibt   Hoffnung.�</p><p>Aurora gibt einen Jauchzer von sich und f�llt Daniel schon wieder um den   Hals.</p><p>�Ich wusste es, du bist einfach der Beste! Danke, danke, danke!�</p><p>Mit einer gewissen Genugtuung bemerke ich, dass Daniel sie sanft von sich   schiebt.</p><p>�Keine Ursache, ist schlie�lich mein Job.�</p><p>�Wann kannst du damit anfangen?�</p><p>Daniel schaut Richtung Kalender, der an der gegen�berliegenden Wand   h�ngt.</p><p>�Hm, warte mal. Also diese Woche wird es nichts mehr, weil ich momentan ganz   allein bin. Aber f�r n�chste Woche hatte ich dich schon prophylaktisch   eingeplant, da werde ich auf alle F�lle anfangen. Wie lange es dann dauert, kann   ich noch nicht genau sagen. Kommt auch drauf an, was ich noch entdecke, wenn ich   sie aufmache.�</p><p>Aurora nickt und legt eine Hand auf Daniels Arm. �Ruf mich einfach an, wenn   du klarer siehst. Kommst du eigentlich zu meinem Konzert in der Musikhalle   n�chste Woche?�</p><p>�Ich wei� noch nicht, ob ich es hinbekomme. Hier ist so viel los ...�, er   hebt entschuldigend die H�nde.</p><p>�Dann hoffe ich einfach mal, dass die arme Carolin bald wieder auf dem Damm   ist. Du w�rdest echt etwas verpassen. Wir k�nnten danach essen gehen, ein   bisschen feiern. Die neue Violine muss doch begossen werden. Wie klingt   das?�</p><p>�Mensch, Aurora, das klingt unglaublich gut. Ich werde sehen, was ich machen   kann. So, jetzt muss ich aber wieder.� Mit freundlicher, aber   unmissverst�ndlicher Geste f�hrt er Aurora zum Ausgang und hilft ihr wieder in   den Mantel.</p><p>�Also sehen wir uns n�chste Woche, mein Lieber! Ich z�hle auf dich, gib dir   bitte M�he!�</p><p>Daniel l�chelt. �Mache ich. Und deswegen werde ich gleich mal wieder flei�ig   sein.�</p><p>Er �ffnet ihr die T�r; bevor sie rausgeht, haucht sie ihm noch ein K�sschen   auf die Wange. Ohne Zunge.</p><empty-line/><p>Carolin macht uns die T�r auf und sieht irgendwie seltsam aus. Sie riecht   auch seltsam. Ein Geruch, den ich schon das ein oder andere Mal beim alten von   Eschersbach geschnuppert habe.</p><p>�Nabend ihr beiden, kommt rein.�</p><p>�Alles in Ordnung bei dir?�, will Daniel wissen.</p><p>�Sicher, sicher, alles in Ordnung.�</p><p>Kaum zu glauben: Auch Carolins Stimme klingt seltsam. So schleppend und   verwaschen. Ich f�hle mich mit einem Schlag sehr unwohl.</p><p>Daniel geht hinter mir in die Wohnung, ich laufe zu meinem K�rbchen, er setzt   sich auf das Sofa im Wohnzimmer.</p><p>�Aurora Herwig war heute da�, berichtet er dann.</p><p>�Oooh - die sch�ne Geigerin! Wie geht es ihr denn?�</p><p>�Es geht ihr ausgezeichnet - sie hat in London einen alten italienischen   Meister recht g�nstig bekommen. Cremona, glaube ich. Habe allerdings das   Gutachten noch nicht gelesen. Aurora war jedenfalls total happy.�</p><p>Carolin f�ngt an, zu kichern. �Na, das ist doch toll, dass die Aurora so   happy ist. Dann ist ja alles bestens.�</p><p>�Sag mal, Carolin, ist wirklich alles in Ordnung? Du wirkst etwas   angeschlagen. Ich mache mir echt Sorgen um dich, davon abgesehen, vermisse ich   dich nat�rlich sehr in der Werkstatt.�</p><p>Carolin setzt sich neben Daniel und legt ihm eine Hand auf die Schulter.   �Brauchste nicht, ehrlich. Kommt alles wieder hin. N�chste Woche bin ich   bestimmt wieder die Alte, ich muss mich nur ein bisschen erholen.�</p><p>Daniel z�gert, dann steht er auf. �Na gut, dann fahre ich nach Hause. Aber   versprich mir, mich anzurufen, wenn es dir nicht gutgeht.�</p><p>�Ja, ja, machich machich. Nu fahr mal. Bin auch m�de und gehe gleich ins   Bett.�</p><p>�Also, gute Nacht!�</p><p>Daniel will sich zu Carolin herunterbeugen, aber sie weicht ihm aus.</p><p>�Jaja, gute Nacht.�</p><p>Daniel geht, ich bleibe allein mit Carolin zur�ck. Ich kann nicht genau   sagen, warum, aber aus dem Unwohlsein wird langsam Angst. Irgendetwas stimmt   hier nicht. Am liebsten w�rde ich Daniel hinterherlaufen und ihn zur�ckholen,   aber wie soll ich das anstellen? Mist, irgendetwas sagt mir, dass Carolin   momentan nicht allein sein sollte. Also, �allein� im Sinne von �ohne andere   Menschen�. Ich will meine Gesellschaft nicht untersch�tzen, aber hier braucht   es mehr als einen kleinen Hund. Definitiv.</p><p>Eine Weile sitzt Carolin noch auf dem Sofa, dann steht sie auf, geht zur   Anlage und macht wieder Musik an. Es ist zum verr�ckt werden: Diese Musik h�rt   sie beinahe schon eine Woche, ich k�nnte mir die Ohren zuknoten. Ich laufe zu   ihr und zerre ein bisschen an ihrer Jeans. Hey, jetzt beachte mich mal, ich bin   schlie�lich auch noch da! Aber sie guckt mich nur kurz mit glasigen Augen an und   geht dann in die K�che. Ich laufe hinterher. Zwar hat mich Daniel schon   gef�ttert, aber gegen ein St�ck Vers�hnungswurst h�tte ich jetzt nichts   einzuwenden. W�re doch sch�n, wenn Carolin auch mal an mich denken w�rde,   langsam bin ich n�mlich etwas beleidigt.</p><p>Tats�chlich �ffnet sie den K�hlschrank - aber nur, um eine Flasche   herauszuholen. Sie nimmt ein Glas und gie�t etwas ein. Aha, daher kommt der   Geruch! Offenbar hat sie schon mehr von dem Zeug getrunken. Als sie wieder   Richtung Wohnzimmer geht, tritt sie mir fast auf die Pfoten. Autsch! Ich belle   laut auf. So geht das hier aber nicht! Ich beschlie�e, mich ins K�rbchen zu   verziehen.</p><p>Eine ganze Weile sp�ter h�re ich ein Rumpeln. Neugierig springe ich auf und   laufe Richtung Ger�usch. Im Wohnzimmer angekommen, sehe ich, wie sich Carolin   gerade aufrappelt. Auweia, ist sie etwa gest�rzt? Ich trabe zu ihr und lecke   ihre H�nde ab. So b�se bin ich ihr dann doch wieder nicht.</p><p>�Hui, danke der Nachfrage, Herkules. Allesinordnung, allesinordnung. Wollte   nur was von dem Bord da oben holen, aber der Stuhl war so wackelig.�</p><p>Ich blicke nach oben. Auf besagtem Bord stehen noch mehr Flaschen. Carolin   steht auf, stellt den Stuhl wieder hin und klettert noch mal drauf. Diesmal   klappt es, und sie holt eine der Flaschen herunter. Die Fl�ssigkeit hat eine   sch�ne goldbraune Farbe, aber als Carolin die Flasche �ffnet, schwappt ein   stechender Geruch zu mir her�ber. Urks, das ist doch wohl eher zur �u�erlichen   Anwendung bestimmt - das will Carolin doch wohl nicht trinken.</p><p>Sie will. Sie gie�t die Fl�ssigkeit in ihr Glas und nimmt entschlossen einen   sehr gro�en Schluck.</p><p>�Na, auch mal probieren, Herkules?�</p><p>Sie h�lt das Glas in meine Richtung, ich ziehe den Schwanz ein und jaule.   Pfui Teufel!</p><p>�Na, dann eben nicht. Prost!� Sie hebt das Glas noch mal in meine Richtung,   dabei schwappt ein Teil auf den Teppich. Carolin kichert.</p><p>�Endlich kriegt der Schei�-Hochflorflausch mal ein interessantes Muster.   Cognac auf Creme, das isses doch. Ich mochte den ja nie, aber Thomas stand ja   auf diesen Sch�ner-Wohnen-Mist. Was meinst du, Herkules, soll ich ihn auf die   passende Gr��e schneiden und in dein K�rbchen legen? Ist sch�n kuschelig.� Sie   grinst und gie�t sich noch ein Glas ein.</p><p>Das kann sie doch nicht ernst meinen, das ist doch bestimmt wieder   menschliche Ironie. Auch wenn auf dem Teppich nun ein hellbrauner Fleck ist,   muss man ihn doch nicht gleich zur K�rbchenmatte verarbeiten. Ich h�tte zwar   nichts dagegen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie das wirklich macht.   Tats�chlich geht sie zum Schrank, holt eine Schere heraus und kniet sich auf den   Teppich.</p><p>�So, wolln mal sehen, ob man aus dem Teil noch etwas Sinnvolles machen kann.�   Sie hebt einen Rand hoch, nimmt die Schere und schneidet hinein. �Huch, ganz   sch�n schwer. Aber so leicht gebe ich nicht auf, ich nicht!�</p><p>Mit �chzen und St�hnen macht sie sich weiter mit der Schere an dem Teil zu   schaffen - ich staune wirklich Baukl�tze. Bald hat der Teppich seine vormals   runde Form eingeb��t und sieht aus, als h�tte ein sehr gro�es, sehr w�tendes   Tier ein paar Mal abgebissen. Carolin macht eine kleine Pause und schenkt sich   noch ein Glas ein. Die Flasche, die eben noch ziemlich voll war, ist jetzt fast   leer. Carolin schaut mich an.</p><p>�Du S��er, du bleibst bei mir, oder?�, fl�stert sie.</p><p>Bilde ich mir jedenfalls ein, denn mittlerweile spricht Carolin so   undeutlich, dass es kaum noch zu verstehen ist. Ich lege meinen Kopf auf ihren   Scho�. Nat�rlich bleibe ich bei dir, Carolin! Selbst wenn meine empfindliche   Dackelnase gerade ganz sch�n unter deinem penetranten Geruch leidet. Ich hoffe,   der geht wieder weg.</p><p>Fast mechanisch krault mich Carolin im Nacken. Dann murmelt sie �muss mal   Nachschub holen�, will aufstehen -und f�llt ziemlich unvermittelt um. Himmel,   was hat sie denn jetzt? Sie versucht sich aufzurappeln, aber das will nicht   recht klappen.</p><p>�Mir iss garnichgut�, murmelt sie, beginnt kurz darauf zu w�rgen. Ihr ganzer   K�rper kr�mmt sich, und es sieht aus, als h�tte sie Schmerzen.</p><p>Ich bekomme auf einmal furchtbare Angst. Was mache ich blo�? Was ist hier   los?</p><p>Carolin w�rgt immer mehr, und ich sehe, dass sie dabei auf den hellen Teppich   - oder das, was von ihm �brig geblieben ist - spuckt. Jetzt ist mir alles klar:   Carolin hat sich vergiftet! Wahrscheinlich mit dem Zeug aus dieser Flasche! Das   letzte Mal, dass ich gesehen habe, wie sich jemand �bergeben hat, handelte es   sich um Mamas Schwester Luise, und der hatte ein b�ser Nachbar etwas ins Futter   gemischt. Wir brauchen sofort einen Arzt, sonst ist das Schlimmste zu   bef�rchten!</p><p>Ich renne aufgeregt hin und her, schlie�lich wieder zum Kopf von Carolin, die   mittlerweile regungslos neben ihrem Erbrochenen liegt. Ich belle laut, damit sie   wieder aufwacht - aber sie r�hrt sich nicht. Was soll ich blo� machen? Carolin   braucht Hilfe, und zwar sofort.</p><p>Vielleicht kommt wieder ein Nachbar, wenn ich nur mehr L�rm mache? �ber die   Musik haben die sich schlie�lich auch beschwert. Ich belle und knurre, springe   auf und ab. Drei Minuten, f�nf Minuten, bestimmt zehn Minuten lang. Aber nichts   passiert. Ersch�pft mache ich eine Pause. Verdammt, ist denn ausgerechnet heute   niemand au�er uns im Haus? Nicht mal Beck?</p><p>Carolin ist immer noch bewusstlos und langsam ganz bleich im Gesicht. Ich   robbe an sie heran und horche angestrengt hin. Gott sei Dank, sie atmet noch.   Ich lege mich an ihr Kopfende, die Schnauze auf meine Vorderl�ufe und lausche   ihrem Atem. Manchmal stockt der kurz, und Carolin gibt ein St�hnen von sich. Was   f�r eine furchtbare Situation. Und ich habe uns da reinman�vriert. Es ist   n�mlich alles meine Schuld - h�tte ich Thomas nicht die Falle gestellt, dann   w�re er noch hier, und Carolin h�tte sich nicht vergiftet.</p><p>Ich nehme noch einmal einen Anlauf, richtig Krach zu machen. Diesmal springe   ich direkt vor der Balkont�r auf und ab, w�hrend ich belle. Die steht auf Kipp,   vielleicht h�rt mich ja drau�en jemand? Ich bin schlie�lich so besch�ftigt mit   Herumspringen und Bellen, dass ich fast �berh�re, als das Telefon klingelt.   Ruft einer der Nachbarn vielleicht an? O nein, und ich wei� doch bis heute   nicht, wie Menschen das so genau machen mit dem Telefonieren! Aber vielleicht   ist das meine einzige Chance, jemanden zu alarmieren. Ich muss es also   versuchen, und zwar schnell, bevor es nicht mehr klingelt. So viel habe ich vom   Telefonieren immerhin schon verstanden.</p><p>Das Telefon steht auf einem Tischchen im Wohnzimmer. Carolin nimmt es beim   Telefonieren immer in die Hand, also renne ich hin�ber und versuche, es mit der   Schnauze hochzuheben. Aber das ist gar nicht so einfach, das Telefondings ist   doch ziemlich gro�. Beim ersten Mal erwische ich es nicht richtig, beim zweiten   Mal f�llt es mir herunter. Grrr, heute klappt aber auch gar nichts. Hoffentlich   habe ich es jetzt nicht kaputt gemacht. Vorsichtig beschn�ffele ich das schwarze   Teil, das jetzt auf dem Boden vor mir liegt. Ob man mit ihm noch telefonieren   kann? Und falls ja, wie? Als ich es genauer be�uge, h�re ich, dass aus ihm eine   Stimme kommt, die sehr weit weg klingt. Ich belle aufgeregt! Wenn ich die Stimme   h�ren kann, kann die Stimme vielleicht auch mich h�ren. Mir ist zwar nicht ganz   klar, ob die Stimme auch wei�, wo ich gerade bin, aber egal, ich gebe alles:   belle, knurre, fiepe, jaule, hechle - immer sch�n in Richtung Telefon. Ab und zu   horche ich noch mal nach der Stimme: Sie scheint noch da zu sein. Leider   verstehe ich nicht, was sie sagt, bilde mir aber ein, einmal meinen Namen geh�rt   zu haben. Ob das Telefon tats�chlich wei�, wie ich hei�e?</p><p>Dann auf einmal ist die Stimme weg, stattdessen nur noch ein Tuten.   Frustriert knurre ich das Dings an. Wahrscheinlich hat das ganze Gebelle nichts   gebracht. Ich trotte zur�ck zu Carolin und lege mich neben sie. Wenn es ihr   schon so schlechtgeht, soll sie wenigstens nicht allein da liegen.</p><p>In der Wohnung ist es ganz still. Zum ersten Mal seit l�ngerer Zeit w�re ich   jetzt sehr gerne wieder auf Schloss Eschersbach.</p><empty-line/></section><section><p><strong><emphasis>NEUN</emphasis></strong></p><p>War ich etwa eingeschlafen? Ich wei� es nicht so genau. Jetzt jedenfalls bin   ich hellwach, denn endlich, endlich passiert etwas. Erst klingelt es an der   Haust�r, nach einer Weile dreht sich ein Schl�ssel im Schloss, und die T�r wird   ge�ffnet. �Carolin, bist du da?�</p><p>Bei der Mutter aller Fleischw�rste - es ist Daniel! Sofort renne ich zu ihm,   springe an ihm hoch und w�rde ihn am liebsten abschlecken.</p><p>�Ho, hoppla, Herkules! Das ist ja eine nette Begr��ung. Wo ist denn dein   Frauchen? Wir machen uns ein bisschen Sorgen um sie.�</p><p>Wir? Nun erst bemerke ich, dass auch Nina im Hausflur steht.</p><p>�Daniel, ich hab ein ganz schlechtes Gef�hl. Ich meine, das ist doch nicht   normal, dass Herkules ans Telefon geht und man Carolin nicht mehr erreicht. Und   wie das hier riecht - total ekelhaft!�</p><p>�Okay, dann sehen wir mal nach.�</p><p>Er kommt in die Wohnung, ich renne vor zum Wohnzimmer. Los, folgt mir! Neben   Carolin halte ich an und belle laut. �O Gott, Carolin!�</p><p>Schon ist Daniel hinter mir und kniet sich neben Carolin. Auch Nina kommt ins   Wohnzimmer. Als sie Carolin dort liegen sieht, schl�gt sie die H�nde vor das   Gesicht. �O nein, was ist blo� passiert!�</p><p>Daniel nimmt Carolins Hand.�Also, sie hat zumindest einen Puls. Carolin!�, er   r�ttelt an ihrer Schulter, �Carolin! Wach auf.�</p><p>Sie bewegt sich nicht. Er dreht sie zur Seite, weg von dem Erbrochenen, und   wischt ihr Gesicht mit einem Taschentuch ab, das er aus der Hosentasche   zieht.</p><p>�Das gef�llt mir gar nicht, ich rufe jetzt einen Krankenwagen.�</p><p>Er steht auf und geht r�ber zum Telefon, das immer noch dort liegt, wo ich es   habe fallen lassen. Er spricht kurz mit jemandem, dann kommt er zu uns zur�ck.   Auch Nina setzt sich neben uns auf den Fu�boden.</p><p>�Was hat das alles zu bedeuten? Carolin bewusstlos, der Teppich da dr�ben in   St�cke geschnitten. Wie lange liegt sie hier wohl schon?�</p><p>�Na ja, ich bin vor zwei Stunden nach Hause gefahren. Vorher habe ich   Herkules bei ihr abgegeben. Da machte sie offen gestanden schon einen   alkoholisierten Eindruck - aber okay, das kann ja mal sein. Gerade bei   Liebeskummer. Sie war allerdings auch schon vier Tage nicht mehr in der   Werkstatt, weil sie so down war. Hatte mir aber versprochen, n�chste Woche   wieder zu kommen. Mist, ich h�tte mehr nachhaken sollen.�</p><p>�Was meinst du, welche Vorw�rfe ich mir mache. Ich wusste, dass es ihr wegen   Thomas schlechtgeht. Aber sie wollte nicht dr�ber reden, und dann habe ich   gedacht, vielleicht braucht sie auch erst mal ihre Ruhe. Aber als ich eben hier   anrief und nur den bellenden Herkules am Rohr hatte ...� Sie schweigt und   greift nach Carolins Hand.</p><p>�Ja, gut, dass du mich gleich angerufen hast.�</p><p>�Und gut, dass du einen Schl�ssel hast! Herkules h�tte uns wohl kaum die T�re   �ffnen k�nnen. Wobei�, sie langt zu mir her�ber und zieht mich auf ihren Scho�,   �du bist ein ganz schlauer Dackel. Hast gemerkt, dass die Carolin Hilfe braucht,   nicht?�</p><p>�Genau, Herkules�, pflichtet ihr Daniel bei, �wenn du nicht ans Telefon   gegangen und so ein Theater gemacht h�ttest, w�ren wir bestimmt nicht   vorbeigekommen.�</p><p>�Wie hast du es denn geschafft, das Telefon von der Station zu nehmen? Das   stelle ich mir gar nicht so leicht f�r ein Kerlchen mit so kurzen Beinen vor.   Schade, dass du nicht sprechen kannst.�</p><p>Wie Recht sie hat, anderenfalls k�nnte ich sie gleich mal daraufhinweisen,   dass meine Beine f�r einen Dackel mitnichten kurz sind, sondern Idealma�   haben.</p><p>Es klingelt wieder an der T�r, und Daniel l�sst drei M�nner in die Wohnung.   Die drei sehen aus, als h�tten sie sich verkleidet: Sie tragen Jacken, die stark   an die M�llabfuhr erinnern - nur dass ich mir ziemlich sicher bin, es hier nicht   mit M�llm�nnern zu tun zu haben. Der eine geht sofort zu Carolin. Bevor er sich   zu ihr kniet, dreht er sich kurz zu Daniel.</p><p>�Wie hei�t sie?�</p><p>�Carolin Neumann.�</p><p>�Ihre Frau?�</p><p>�Nein, eine gute Freundin.�</p><p>Der Mann macht jetzt im Wesentlichen genau das Gleiche wie Daniel - er   r�ttelt erst mal an ihr.</p><p>�Frau Neumann, k�nnen Sie mich h�ren?�</p><p>Nat�rlich nicht! So weit waren wir auch schon. Er nimmt ihre Hand und tastet   an ihrem Handgelenk herum, genau wie Daniel. Herrje, warum haben wir den denn   angerufen? Dem f�llt ja so gar nichts Neues ein. Ich versuche, m�glichst nah an   ihn heranzukommen. Der soll ruhig wissen, dass er beobachtet wird. Jetzt   allerdings macht er etwas, auf das wir noch nicht gekommen sind: Er �ffnet ihre   Augen mit seinen Fingern und schaut hinein, dann holt er etwas aus seiner   Jackentasche, was zun�chst wie ein Stift aussieht.</p><p>�Hm, Puls ist da, aber schwach. Ziemlich weite Pupillen.�</p><p>Er �ffnet noch mal eines ihrer Augen und zielt mit dem Stift in die Richtung.   Aha, eine Taschenlampe! Seltsam, was macht der da?</p><p>�Hm, sehr langsame Reaktion. Erbrochen hat sie sich auch. Wissen Sie, was   Ihre Freundin getrunken hat?�</p><p>Daniel sch�ttelt den Kopf. Ha, aber ich! Ich sause los und finde unter den   rausges�belten Teppichst�cken tats�chlich noch die leere Flasche, schnappe sie   mir und apportiere sie fachgerecht. Der Mann mit der Taschenlampe pfeift   anerkennend.</p><p>�Na, wenn das mal nicht ein Hund ist, der mitdenkt! Sehr gut! Dann lass mal   sehen: <emphasis>Hennessy VS.O.P. </emphasis>- zumindest hat die Dame einen guten Geschmack.   Ob man deswegen gleich eine ganze Flasche trinken muss, ist nat�rlich eine   andere Frage. Mal ganz offen: Neigt sie dazu?�</p><p>Jetzt mischt sich Nina ein.</p><p>�Nat�rlich nicht! Was glauben Sie denn! Frau Neumann trinkt normalerweise   h�chstens mal abends ein Glas Wein. Aber es geht ihr momentan nicht gut, sie hat   gerade ihren Freund rausgeschmissen, das miese Schwein!�</p><p>�Nina, bitte�, geht Daniel dazwischen, �das tut hier doch gar nichts zur   Sache.�</p><p>Herr M�llmannjacke l�chelt und sch�ttelt den Kopf. �Nein, ist v�llig in   Ordnung. Und tut �brigens sehr wohl etwas zur Sache - halten Sie es f�r   m�glich, dass Ihre Freundin noch etwas anderes als Alkohol genommen hat?   Tabletten vielleicht?�</p><p>Daniel und Nina zucken mit den Schultern.</p><p>�Ich glaube nicht�, sagt Daniel schlie�lich, �aber ich drehe mal eine kurze   Runde durch die Wohnung. Vielleicht finde ich etwas.�</p><p>Kurz darauf ist er wieder zur�ck und sch�ttelt den Kopf. �Nichts gefunden.   Aber das halte ich eigentlich auch f�r ausgeschlossen.�</p><p>Der Mann nickt. �Okay, meine Kollegen und ich nehmen Frau Neumann jetzt mit.   Sie hat mit Sicherheit eine ziemliche Alkoholvergiftung.�</p><p><emphasis>Alkoholvergiftung? </emphasis>Ob das sehr gef�hrlich ist?</p><p>�Ich werde ihr im Rettungswagen gleich eine Infusion dranh�ngen, um die   Alkoholkonzentration etwas runterzubringen, im Krankenhaus sehen wir dann   weiter. Die n�chsten drei Tage bleibt sie wahrscheinlich da. So, Jungs�, er   wendet sich an die beiden anderen M�nner, �dann mal los.�</p><p>Die beiden M�nner holen eine Trage aus dem Flur und stellen sie neben Carolin   ab, heben sie zu zweit drauf. Dann marschieren sie mit ihr los. Die dritte   M�llmannjacke verabschiedet sich kurz von uns, dann ist auch sie verschwunden.   Ich merke, wie sich nach all der Aufregung pl�tzlich ein anderes Gef�hl   anschleicht: Traurigkeit. Und Einsamkeit. Ein kleiner Kerl wie ich braucht doch   sein Frauchen! Ob ich jetzt wieder ins Tierheim muss?</p><p>�Was machen wir jetzt?� Nina schaut Daniel fragend an.</p><p>�Ich finde, einer von uns sollte auch ins Krankenhaus fahren. Damit jemand   da ist, wenn Carolin wach wird.�</p><p>Nina nickt. �Gute Idee. Sie sollte in dieser Situation wirklich nicht allein   sein. Was h�ltst du davon, wenn du schon vorf�hrst? Ich r�ume hier ein bisschen   auf, dann komme ich nach.�</p><p>�Okay. Was machen wir mit Herkules?�</p><p>Die beiden schauen mich an. <emphasis>Nicht ins Tierheim!, </emphasis>will ich am liebsten   laut rufen, es wird allerdings nur ein kl�gliches Jaulen daraus.</p><p>�Schau mal, wie kl�glich er aussieht! Er muss auch furchtbare Angst gehabt   haben. Wir k�nnen ihn unm�glich allein hierlassen. Au�erdem ist er Carolins   Retter, da hat er ja eigentlich eine Belohnung verdient.�</p><p>Endlich mal ein vern�nftiger Gedanke von Nina.</p><p>�Ich schlage vor, ich nehme ihn nachher mit. Von mir aus kann er auch heute   Nacht bei mir bleiben, ich w�rde ihn dir dann morgen in die Werkstatt   bringen.�</p><p>�Gut. Dann mache ich heute Nachtschicht bei Carolin - falls es n�tig ist. Und   morgen �bernehme ich Herkules. Bis sp�ter dann!�</p><p>Als er gegangen ist, macht sich Nina mit Eimer und Schrubber daran, die   Bescherung im Wohnzimmer zu beseitigen. Als sie damit fertig ist, steht sie   ratlos vor den Resten des wei�en Teppichs.</p><p>�Kannst du mir vielleicht erkl�ren, was hier passiert ist?�, will sie von mir   wissen und hebt eines der Teppichst�cke hoch. Sie dreht es hin und her, dann   f�ngt sie an zu grinsen. �Den Teppich kenne ich doch - Thomas wollte ihn   unbedingt haben, Carolin fand ihn scheu�lich. Noch dazu war er sauteuer. Sieht   fast so aus, als sei hier jemand stellvertretend in kleine St�ckchen geschnitten   worden.� Sie legt das St�ck wieder hin. �Recht so, ich habe Hoffnung auf baldige   Genesung der Patientin.�</p><p>Was nun wiederum das mit der kranken Carolin zu tun hat, leuchtet mir nicht   ein. Aber es ist ja beruhigend zu h�ren, dass Nina es f�r ein gutes Zeichen   h�lt.</p><p>Bevor wir losfahren, geht Nina noch einmal durch die ganze Wohnung, um zu   schauen, ob sonst alles in Ordnung ist. Dabei entdeckt sie etwas, an das ich die   Erinnerung schon l�ngst verdr�ngt hatte: Sie kommt mit der   Plastik-Halsmanschette aus dem Schlafzimmer, Carolin hatte sie dort auf die   Fensterbank gelegt.</p><p>�Schau mal, was ich hier habe, Herkules!�</p><p>Ja, ich sehe es. Ganz toll. Was willst du denn mit der? Du hast doch gar   keinen Hund, und um einen Menschenhals passt das Ding sicherlich nicht.</p><p>�Das m�ssen wir dringend zu Dr. Wagner zur�ckbringen, der vermisst sie   sicherlich schon.�</p><p>Das glaube ich zwar nicht, aber wenn Nina so ein ordentlicher,   gewissenhafter Mensch ist - bitte sch�n. Hauptsache, ich muss nicht wieder   mitkommen und mich foltern lassen.</p><empty-line/><p>Ins Krankenhaus fahren wir dann doch nicht mehr. Daniel ruft an und sagt,   dass alles so weit in Ordnung ist und er noch l�nger bleiben kann. Mir f�llt ein   sehr gro�er Stein vom Herzen. Allein die Vorstellung, dass Carolin ganz krank   sein k�nnte, ist schauderhaft. Was war das blo� f�r ein Zeug, das sie da   getrunken hat? Ich beschlie�e, in Zukunft besser auf sie aufzupassen, damit das   nicht noch mal passiert.</p><p>Ninas Wohnung ist viel kleiner als die von Carolin und riecht auch v�llig   anders. Fast ein bisschen staubig, aber trotzdem ganz gut. Muss wohl an den   vielen B�chern liegen, die hier �berall sind. Fast an jeder Wand ist ein Regal,   und jedes ist bis oben hin voll mit B�chern. Gro�e, kleine, dicke, d�nne. Kaum   zu glauben, dass sie die alle gelesen hat. Kann man sich nur schwer vorstellen,   vor allem, wenn man selbst gar nicht lesen kann. Mir ist immer noch nicht ganz   klar, wie das eigentlich funktioniert. Fest steht, dass man daf�r unglaublich   lange auf ein Blatt mit einem seltsamen Muster gucken muss. Irgendetwas passiert   dabei mit den Menschen.</p><p>In ihrem Kopf, meine ich. Denn ab und zu fangen sie an zu lachen, wenn sie so   ein Blatt betrachten - obwohl niemand etwas gesagt hat und auch sonst nichts   passiert ist. Oder sie weinen sogar. Das habe ich bei Emilia ab und zu   beobachtet. Die las n�mlich auch sehr viel. Was macht das Papier also mit dem   menschlichen Kopf? Erzeugt es da irgendeine Art Halluzination? Oder Traum?   Sollte ich Beck irgendwann mal wieder sehen, muss ich ihn das unbedingt   fragen.</p><p>Die n�chste wichtige Frage ist nat�rlich, wo ich schlafen werde. Denn ich   merke gerade, dass ich unglaublich m�de bin. In ihrem Bett l�sst mich Nina   bestimmt nicht schlafen. So wie ich diese Frau einsch�tze, k�nnte selbst mein   sch�nster Dackelblick sie nicht erweichen. Oder soll ich es doch mal versuchen?   Immerhin, sie hat es selbst gesagt: Ich verdiene eine Belohnung.</p><p>Also mache ich mich auf und zupfe Nina ein bisschen am Bein.</p><p>�Na, S��er, auch m�de, nicht wahr? Ich �berlege gerade, wo du schlafen   k�nntest. Ich habe ja kein K�rbchen f�r dich.�</p><p>Jetzt ist genau der richtige Moment, den Kopf schief zu legen und unglaublich   s�� zu gucken. Ich versuche es. Nina schaut mich erstaunt an.</p><p>�Willst du mir etwas sagen? Du schaust so ... so seltsam.�</p><p>Seltsam? Unversch�mtheit? Ich schaue total goldig, zum Anbei�en, zum sofort   Verlieben! Nun guck doch mal genauer hin! Ich neige den Kopf noch st�rker und   fiepe ein bisschen.</p><p>�Hm, wirst du krank? Oder - willst du etwas Bestimmtes?�</p><p>Ich belle kurz und laufe los. Irgendwo muss hier doch das Schlafzimmer sein,   die Bude ist ja alles andere als weitl�ufig. Hinter der n�chsten T�r finde ich   es schon. Ich trabe hinein und setzte mich auf meinen Hundepo. Nina kommt   hinterher.</p><p>�Also, das klingt jetzt ein bisschen gaga und nach <emphasis>Prinz Charles spricht   mit den Pflanzen </emphasis>- aber willst du mir vielleicht sagen, dass du in meinem   Bett schlafen m�chtest?�</p><p>Ich werfe ihr einen weiteren treuherzigen Blick zu und biete nun ein   Kunstst�ck, das ich noch nicht h�ufig zum Vortrag gebracht habe: Ich mache   M�nnchen! Und es klappt sogar, ich stehe mindestens eine Minute wie in Stein   gehauen. Also, wenn das nicht zieht, wei� ich auch nicht.</p><p>Nina guckt - und bricht in schallendes Gel�chter aus. �Das ist ja k�stlich!   Herkules, wo hast du das denn her?�</p><p>Beleidigt setze ich mich wieder. Diese Frau hat offensichtlich keine Ahnung   von Kunst. Und sie wei� offenbar auch nicht, wie schwierig es f�r einen Hund   ist, sich in die Senkrechte zu begeben. Ja, als Mensch, da ist das ja gar   nichts. Da k�nnen das alle. Aber f�r mich war das eben schon ziemlich gut.   Schnepfe! Zu der will ich gar nicht mehr ins Bett. Da schlafe ich lieber auf der   Fu�matte und �berhaupt...</p><p>�Na komm, du Strolch! H�pf rein!� Mit einer schnellen Handbewegung schl�gt   Nina die Bettdecke am Fu�ende zur�ck und klopft einladend auf die Matratze.</p><p>Sagte ich Schnepfe? So ein Quatsch. Eine ganz Nette ist sie, die Nina.</p><empty-line/><p>�Guten Morgen, ihr beiden. Na, ich wei� jetzt nicht, wer schlechter aussieht   - du oder Daniel.�</p><p>Nina und ich sind am n�chsten Tag nicht in die Werkstatt, sondern direkt ins   Krankenhaus gefahren. Daniel hat n�mlich die ganze Nacht an Carolins Bett   gewacht. Entsprechend zerknittert sieht er in der Tat aus. Das ist dann wieder   der Nachteil, wenn man kein Fell im Gesicht hat: Ein ungesunder Lebenswandel   l�sst sich eindeutig schlechter verbergen.</p><p>Carolin ist zwar sehr, sehr blass um die Nase, aber immerhin ist sie nicht   mehr bewusstlos. Sie sitzt in ihrem Bett und ringt sich sogar zu einem L�cheln   durch.</p><p>�Hallo, Nina, sch�n, dass du da bist. Und danke, dass du Herkules mitgebracht   hast.�</p><p>�Na ja, Tiere sind auf der Station eigentlich verboten, aber als ich der   Oberschwester erkl�rt habe, dass Herkules gewisserma�en dein Lebensretter ist,   hat sie ein Auge zugedr�ckt.�</p><p>Carolin nickt. �Daniel hat es mir schon erz�hlt. Komm her, Herkules, lass   dich mal ein bisschen kraulen.�</p><p>Nur zu gern! Nina setzt mich auf den Stuhl neben Carolins Bett und dann   schmusen wir eine Runde.</p><p>�Ach Leute, das ist mir alles so wahnsinnig peinlich! Wie konnte das nur   passieren? Leider kann ich mich auch an gar nichts mehr erinnern - wobei, ist   vielleicht auch besser so.�</p><p>Daniel nimmt Carolins Hand. �Komm, vor uns muss dir echt nichts peinlich   sein. Wir sind doch deine Freunde. Au�erdem erwarten wir nat�rlich, dass du   auch zu uns h�ltst, wenn wir dereinst eine Flasche Cognac niedermachen und   seltsame L�cher in Teppiche schneiden.�</p><p>Unter ihrer Bl�sse wird Carolin ein bisschen rot. �H�r blo� auf, ich kann es   gar nicht h�ren. Es <emphasis>ist </emphasis>peinlich!�</p><p>Daniel lacht. �So, ihr Lieben. Ich fahre nach Hause. Auf meiner Werkbank   stapelt sich die Arbeit, gerade gestern hat mir Aurora eine wichtige   Restaurationsarbeit vorbeigebracht, ich wei� gerade echt nicht, wo mir der Kopf   steht. Aber vorher muss ich mich noch mal kurz aufs Ohr hauen, nicht, dass ich   noch aus Versehen L�cher in Auroras Fundst�ck bohre, wo gar keine   hingeh�ren.�</p><p>Als Daniel gegangen ist, sitzen Nina und Carolin erst einmal eine Weile   schweigend da. Ich habe meinen Kopf auf Carolins Scho� gelegt und genie�e es,   von ihr hinter den Ohren gekrault zu werden.</p><p>�Carolin, ich mache mir ernsthaft Sorgen um dich�, sagt Nina schlie�lich.</p><p>�Na ja, ich bin eben nichts gewohnt. Das war schlie�lich keine Absicht. Aber   ich war nicht gut drauf, und da habe ich eben ein bisschen zu viel   getrunken.�</p><p>�Hallo? Du hast nicht <emphasis>ein bisschen zu viel getrunken. </emphasis>Ich meine, 3,2   Promille - noch ein Cognac mehr und du w�rst vielleicht ins Koma gefallen. Das   ist dir nicht einfach so passiert.�</p><p>Carolin h�rt auf, mich zu kraulen. �Was meinst du denn damit?�</p><p>�Das wei�t du genau. Daniel hat erz�hlt, dass du die ganze Woche nicht in der   Werkstatt warst. Und dass er sich tags�ber um Herkules k�mmert, weil es dir so   schlechtgeht.�</p><p>Carolin schweigt.</p><p>�Ist doch wohl klar, dass ich mir da Sorgen mache. Mensch, Carolin, ich wei�,   du willst es nicht h�ren, aber Thomas ist doch keine einzige Tr�ne wert. Seit   Jahren hat der Typ dich schlecht behandelt, ich war richtig froh, dass du ihn   endlich rausgeschmissen hast. Nat�rlich f�hlst du dich nicht gut, aber das ist   normal, und du wirst dar�ber hinwegkommen. Bilde dir bitte nicht ein, dass dein   Leben nun f�r immer triste sein wird. Das stimmt n�mlich nicht.�</p><p>Carolin f�ngt an zu schluchzen, Nina gibt ihr ein Taschentuch.</p><p>�Seit Thomas weg ist, bin ich so einsam. Ich habe Angst, dass ich nie wieder   gl�cklich sein werde. Ich wollte immer eine Familie, Kinder. Aber davon bin ich   weiter entfernt, als ich jemals gedacht h�tte. Im Grunde genommen habe ich nur   noch Herkules.�</p><p>Was hei�t denn hier �nur�? Lieber ein treuer Hund als ein betr�gerischer   Schurke! Ich werde Carolin garantiert niemals so entt�uschen. Schnell schlabbere   ich ihre H�nde ab. Nina nickt mir zu.</p><p>�Das hast du verstanden, Herkules, nicht wahr? Aber so niedlich du bist - ich   kann Carolin verstehen. Ein Hund ist einfach kein Mensch.�</p><p><emphasis>Zum Gl�ck!, </emphasis>m�chte ich rufen, denn auf mich ist wenigstens   Verlass.</p><p>�Wei�t du, nat�rlich war Thomas nicht perfekt. Aber wer ist das schon? Bin   ich ja auch nicht. Mittlerweile denke ich, dass ich ihm vielleicht h�tte   verzeihen sollen. Vielleicht war ich zu hart.�</p><p>Nina schnaubt ver�chtlich. �Also bitte! Das klingt doch sehr nach <emphasis>lieber   einen Idioten als gar keinen Mann. </emphasis>Ich verstehe nicht, wie so eine tolle   Frau wie du sich derma�en unter Wert verkaufen kann. Du wirst den richtigen Mann   noch treffen, da bin ich mir ganz sicher. Und dann wirst du feststellen, dass   das heute r�ckblickend dein Gl�ckstag war. Der Tag, ab dem es wieder bergauf   ging!�</p><p>Carolin guckt zweifelnd. �Na, wenn du meinst. Wo ich diesen tollen Typen   treffen soll, ist mir allerdings noch v�llig schleierhaft.�</p><p>Nina lacht. �Wenn das Schicksal es so will, kannst du deinen Prinzen auch im   Park hinterm Haus treffen. Da musst du gar nicht lange suchen.�</p><p>Nat�rlich, das ist es! Mir kommt eine geniale Idee. Ein Prinz muss her! Und   wer ist hier der Adelsexperte? Richtig! Carolin hat mich gerettet, als ich in   h�chster Not war. Und jetzt werde ich sie retten. Und wenn ich den ganzen Park   daf�r umgraben muss.</p><empty-line/></section><section><p><strong><emphasis>ZEHN</emphasis></strong></p><p>Hoffentlich fahren wir gleich nach Hause. Ich muss unbedingt Beck von meinem   sensationellen Plan erz�hlen. Das grobe Ger�st steht zwar schon, aber f�r die   entscheidenden Details brauche ich einen profunden Menschenkenner. Eben so   jemanden wie Herrn Beck.</p><p>Endlich h�lt Nina an, geht um das Auto herum und �ffnet mir die T�r. In dem   Moment, in dem ich heraush�pfe, sehe ich es: Wir sind nicht zu Hause. Und   schlimmer noch: Nina holt von der R�ckbank meinen Plastikkragen hervor. O nein -   ich ahne B�ses. Wir sind wieder beim Tierarzt!</p><p>Die Autot�r ist noch nicht zu, und so h�pfe ich schnell wieder auf den   Beifahrersitz zur�ck. Dieses bl�de Plastikteil kann Nina nun wirklich allein   abgeben, daf�r braucht sie mich doch gar nicht.</p><p>�Herkules, was ist denn mit dir los? Komm da raus, wir wollen doch zu Dr.   Wagner.�</p><p>Ich knurre und fletsche die Z�hne. Von <emphasis>wir </emphasis>kann hier �berhaupt nicht   die Rede sein. Au�erdem geht es mir ausgesprochen gut. Mein Ohr tut l�ngst   nicht mehr weh, andere Leiden habe ich nicht. Was soll das also?</p><p>�Nun komm schon, S��er, spring raus!�, fordert mich Nina auf.</p><p>Ich sch�ttle entschlossen den Kopf. Nina seufzt, kramt dann in ihrer   Handtasche. Schlie�lich holt sie meine Hundeleine heraus. Will sie mich etwa   gewaltsam da reinschleifen?</p><p>Sie will - denn kurz darauf macht sie die Leine mit einem <emphasis>Klick </emphasis>an   meinem Halsband fest und zieht mich sanft, aber entschlossen Richtung   B�rgersteig. Offensichtlich meint sie es ernst. Ich �berlege kurz, ob ich mich   richtig mit ihr streiten m�chte und wer dann wohl den K�rzeren zieht. Angesichts   unseres Gr��enverh�ltnisses wohl ich. Es ist zum Heulen!</p><p>In der Praxis angekommen, marschiert Nina mit mir zum Tresen und reicht der   Sprechstundenhilfe den Kragen.</p><p>�Ich w�rde auch gerne den Doktor sprechen. Er sollte sich Herkules schon noch   einmal ansehen.�</p><p>�Das ist aber eigentlich nicht n�tig�, entgegnet ihr die Hilfe l�chelnd.</p><p>Richtig, braves M�dchen!</p><p>�Trotzdem. Ich m�chte, dass Dr. Wagner Herkules noch einmal untersucht. Er   ist so ein empfindliches, sensibles Kerlchen, ich mache mir immer gro�e Sorgen   um ihn. Sicher ist sicher.�</p><p>Ich glaube, ich h�re nicht richtig. Nina macht sich Sorgen um mich? Das   glaube, wer will. Ich nicht. Da muss irgendetwas anderes dahinterstecken. Die   Hilfe zuckt mit den Schultern.</p><p>�Gut, wenn Sie darauf bestehen. Dann m�ssen Sie aber einen Moment warten. Es   sind noch einige Patienten vor Ihnen dran.�</p><p>In diesem Moment streckt Dr. Wagner seinen Kopf durch die T�re des   Behandlungsraums.</p><p>�Oh, hallo, Frau Bogner!�, begr��t er Nina. �Wieder Probleme mit... �h   ...�</p><p>�Herkules�, hilft ihm Nina auf die Spr�nge.</p><p>Na toll, ihren Namen wei� er noch, meinen hat er schon vergessen. Vielleicht   sollte Wagner von Tier- auf Frauenarzt umsatteln.</p><p>�Richtig, Herkules. Der Dackelmix.� Grrrr!</p><p>�Also Probleme w�rde ich nicht direkt sagen. Aber ich k�mmere mich momentan   um das Kerlchen, weil Frau Neumann erkrankt ist. Und da will ich nat�rlich   keinen Fehler machen. Deswegen w�re es mir sehr wichtig, dass Sie noch einmal   einen Blick auf Herkules werfen, ob wieder alles in Ordnung mit ihm ist.�</p><p>Dr. Wagner grinst. Ja, zu komisch das, ha, ha!</p><p>�Na, dann kommen Sie gleich mal mit rein.�</p><p>Einen Augenblick sp�ter finde ich mich auf dem Untersuchungstisch wieder,   und Dr. Wagner hat mein �hrchen in der Hand. Routiniert streicht er �ber das   Fell und f�hrt noch einmal �ber die Stelle, an der die Zecke sich festgesetzt   hatte.</p><p>�Ich kann Sie beruhigen, es sieht alles sehr gut aus. Herkules ist wieder   v�llig auf dem Damm.�</p><p>�Hm, sind Sie sicher? Was ist denn zum Beispiel mit Borreliose? Ich habe   neulich erst gelesen, dass auch Hunde das bekommen k�nnen.�</p><p>Borrel...was? Ich spitze die �hrchen.</p><p>�Dann w�re doch eine engmaschige �berwachung sinnvoll, oder? Ich meine,   nicht, dass Herkules etwas passiert! Das k�nnte ich mir nie verzeihen. Lieber   komme ich n�chste Woche noch einmal zur �berwachung. Vielleicht nehmen Sie ihm   auch gleich mal Blut ab?�</p><p>Was? ! Mit einem Satz springe ich vom Tisch, starre die beiden b�se an und   belle kurz, aber laut.</p><p>Wagner lacht. �Da sehen Sie's, Frau Bogner. Herkules h�lt von Ihrem Vorschlag   rein gar nichts. Und ich ehrlich gesagt auch nicht. Borreliose ist bei uns in   Hamburg sehr selten, und Herkules wirkt v�llig gesund. Wir sollten ihn also   nicht unn�tig qu�len.�</p><p>�Ach so.�</p><p>Nina sieht sehr entt�uscht aus. Sie ist ganz offensichtlich Sadistin.</p><p>�Aber ich mache Ihnen einen anderen Vorschlag: Bevor Sie nun diesen armen   Dackel immer wieder zu mir schleppen - fragen Sie mich doch einfach, ob ich   etwas mit Ihnen trinken gehe, wenn Sie mich noch mal sehen m�chten.�</p><p>Nina schnappt nach Luft und sieht v�llig entsetzt aus. Warum nur? Ich finde   den Vorschlag super.</p><p>�Also wirklich, ich ... ich ...�, dann bricht Nina in Gel�chter aus und kann   sich kaum noch beruhigen. �Okay, Sie haben mich. Dann aber N�gel mit K�pfen:   Heute Abend? Acht Uhr? Im <emphasis>Cavallol�</emphasis></p><p>Wagner nickt. �Sehr gerne, Frau Bogner. Sehr gerne.�</p><empty-line/><p>Nina f�hrt Auto und pfeift dabei laut und gut gelaunt. Immer wieder lacht sie   in sich hinein. Dann dreht sie sich kurz zu mir.</p><p>�Meine G�te, es ist wirklich unglaublich. Ich habe ihn <emphasis>wirklich </emphasis>gefragt, ob er mit mir heute Abend ins <emphasis>Cavallo </emphasis>geht. Herkules, du   bringst mir Gl�ck. Das ist eindeutig.�</p><p>Sch�n zu h�ren, aber irgendwie ist mir nicht ganz klar, was an der ganzen   Angelegenheit so sensationell ist. Wagner hat doch gesagt, dass sie ihm sagen   soll, wenn sie ihn mal sehen will. Und wieso hat sich Nina dar�ber so   erschreckt? Es scheint, dass die Kommunikation zwischen M�nnern und Frauen   komplizierter ist, als ein Hund auf den ersten Blick vermuten w�rde. Also nicht   einfach <emphasis>�er sagt was, sie sagt was�. </emphasis>Es muss noch ein geheimes Regelwerk   geben, das mir bisher verborgen ist.</p><p>Wir halten neben unserem Haus. Endlich wieder daheim! Gut, lange weg war ich   nicht, aber ich brenne darauf, mich mit Herrn Beck zu beratschlagen, wie man   meinen Spitzenplan in die Tat umsetzen kann. Nina und ich laufen durch den   Garten zur Hintert�r der Werkstatt. Sie klopft gegen die Scheibe, zwei Sekunden   sp�ter �ffnet Daniel.</p><p>�Na, ausgeschlafen?�, will Nina wissen.</p><p>�Ja, geht so. Ich werde heute einfach ein bisschen fr�her ins Bett gehen,   dann wird das schon wieder.�</p><p>�Sag mal, kannst du heute Herkules mitnehmen? Ich bin heute Abend verabredet,   und es ist definitiv ein <emphasis>Ohne-Haustiere-Termin. �</emphasis></p><p>�Oh, ein Date?�</p><p>�Sozusagen.�</p><p>�Und, Details?�</p><p>�Vielleicht sp�ter mal.�</p><p>�Dann w�rde ich sagen <emphasis>Halali </emphasis>und <emphasis>Waidmannsheil!�</emphasis></p><p>�Waidmannsdank !�</p><p>Ich bin wie elektrisiert! <emphasis>Halali! </emphasis>Wie oft habe ich diesen Ausspruch   auf Schloss Eschersbach geh�rt. Und immer war er der Auftakt zu einem gro�en   Abenteuer, f�r das ich noch zu klein war. Nur Mama und ihre Schwester durften   mit. Opili war schon zu alt, aber er blieb mit uns zu Hause und erz�hlte von der   gro�artigen Sache, die f�r einen Dackel das sch�nste Erlebnis auf der Welt ist:   die Jagd. Er schm�ckte die Schilderungen der Jagd immer so aus, dass ich stets   das Gef�hl hatte, selbst dabei gewesen zu sein. Der Duft der Kaninchen, die   Spur des Rotwilds, der Geruch von Aufregung und Freude - herrlich! Wie sehr   freute ich mich damals auf meine erste Jagd. Ich sp�rte, dass das meine wahre   Bestimmung sein w�rde: Seite an Seite mit meinem J�ger durch die W�lder zu   streifen!</p><p>Durch meine Nase f�hrt ein feines Kribbeln - Nina und Dr. Wagner gehen also   zur Jagd! Ich bin so aufgeregt, dass mir mein Gespr�ch mit Herrn Beck auf einmal   herzlich egal ist. Dr. Wagner erscheint mir pl�tzlich in einem ganz anderen   Licht. Ein J�ger - kein Wunder, dass Nina ihn gerne wiedersehen wollte! Aber   wieso nehmen sie mich dann nicht mit? Ich lege mich direkt vor Ninas F��e und   jaule. Ich will mit! Unbedingt!</p><p>�Eins steht mal fest: Herkules fr�herer Besitzer war J�ger. Guck mal, wie er   auf das Halali reagiert - richtig aufgeregt ist das Kerlchen!� Daniel b�ckt sich   zu mir herunter und krault mich am Bauch. �Aber das hast du leider falsch   verstanden. Die Sorte Pirsch, auf die Nina heute Abend geht, ist f�r kleine   Dackel v�llig langweilig. Du verpasst �berhaupt nichts, wenn du bei mir   bleibst.�</p><p>Da ist es wieder, mein Kommunikationsproblem. Und es besteht ganz   offensichtlich nicht nur zwischen M�nnern und Frauen, sondern auch zwischen   Frauen und Dackeln. Genervt beschlie�e ich, den anderen Vierbeiner im Haus zu   suchen. Wenigstens einer, der mich versteht. Und was noch wichtiger ist: den ich   verstehe.</p><empty-line/><p>�Nu lass mal den Kopf nicht h�ngen! Ich glaube nicht, dass Nina wirklich zur   Jagd geht. Jedenfalls jagt sie garantiert keine Hasen. Sondern eher diesen   Tierarzt.� Beck grinst.</p><p>Ich st�hne innerlich. Jetzt f�ngt der auch schon an, in R�tseln zu sprechen!   Menschen tun uns Tieren einfach nicht gut.</p><p>�Wenn M�nner oder Frauen in Bezug auf das andere Geschlecht von der Jagd   reden�, doziert Beck jetzt, �dann geht es nicht darum, gemeinsam in den Wald zu   fahren und das n�chste Wildschwein abzuknallen. Sondern dann geht es in der   Regel um die Kunst der Partnersuche. Du verstehst? M�nner jagen Frauen, und   Frauen jagen M�nner. Aber nicht w�rtlich gemeint. Das sagen die Menschen einfach   nur so.�</p><p>Ich sch�ttle ungl�ubig den Kopf. �Aber warum? Warum sagen sie nicht einfach,   was sie meinen?�</p><p>Beck zuckt mit den Schultern �Keine Ahnung. Aus irgendeinem Grund darf   derjenige, den der andere als Partner haben will, auf keinen Fall davon   erfahren. Im Gegenteil - man muss sich so verhalten, als wolle man mit ihm   nichts zu tun haben.�</p><p>�Aha. Das ist dann aber doch wie bei der Jagd. Langsames, lautloses   Anschleichen. Die Beute bis zum Schluss in Sicherheit wiegen. So erlegt man   selbst die Schlausten.�</p><p>�So gesehen hast du Recht.�</p><p>�Also, diese ganze Partnergeschichte ist demnach eher Pirsch als Treibjagd�,   sinniere ich. �Dazu passt nat�rlich, dass es Nina unangenehm war, als der   Tierarzt gleich gemerkt hat, dass sie ihn erlegen will. Um mal im Bild zu   bleiben.�</p><p>�Richtig. Gerade der Mann darf anscheinend niemals merken, dass die Frau es   auf ihn abgesehen hat. Sonst klappt es nicht.�</p><p>Als Beck das sagt, f�llt mir sofort wieder ein, was ich ihm eigentlich   erz�hlen wollte. �Hast du eigentlich mitgekriegt, wie schlecht es Carolin   geht?�, will ich von ihm wissen.</p><p>�Tja, Liebeskummer. Das wird schon wieder.�</p><p>�Ja, aber sie ist im Krankenhaus!�</p><p>�Oh, ich wusste gar nicht, dass Menschen wegen so etwas ins Krankenhaus   kommen k�nnen. Das tut mir nat�rlich leid.�</p><p>�Das sollte es auch - es war schlie�lich deine Idee!�</p><p>�Moment mal: Was soll das hei�en, es war meine Idee?�</p><p>�Wenn du nicht die Sache mit Thomas eingef�delt h�ttest, dann w�re Thomas   noch da, und Carolin w�re nicht so ungl�cklich.�</p><p>Beck schnaubt w�tend. �Also h�r mal - das haben wir doch alles nur f�r dich   getan! Du hattest Angst, dass Thomas dich rausschmei�t, schon vergessen?   Au�erdem war Carolin vorher auch schon ungl�cklich. Sie hat es nur nicht so   gemerkt.�</p><p>Na gut, ganz unrecht hat der Kater nicht, und ich will mich schlie�lich nicht   mit ihm streiten. Also schlage ich vers�hnliche T�ne an.</p><p>�Beruhige dich - ich erz�hle dir das nicht, um mich mit dir zu streiten.   Sondern weil ich eine sensationelle Idee habe.�</p><p>Beck be�ugt mich misstrauisch, sagt aber nichts. Daf�r wippt seine   Schwanzspitze hektisch auf und ab. Um meinen Worten mehr Gewicht zu verleihen,   recke ich mich und mache mich ein St�ckchen gr��er, dann hole ich tief   Luft.</p><p>�Also, hier kommt der Plan: Wir finden einen neuen Mann f�r Carolin. Und zwar   einen Prinzen. Zumindest einen ganz tollen.�</p><p>Tata! Ich bin gespannt auf die Beck'sche Reaktion. Leider kommt keine.</p><p>�Hey, immer noch sauer?�</p><p>�Nein. Aber die Idee ist Schwachsinn.�</p><p>�Wieso? Ich finde sie gro�artig.�</p><p>�Ja, weil du keine Ahnung von Menschen, respektive Frauen, hast.�</p><p>Jetzt bin ich derjenige, der beleidigt guckt.</p><p>�Herkules, wie stellst du dir das denn vor, einen Mann f�r Carolin finden?   Ich bin mir ziemlich sicher, dass der M�nnergeschmack von jungen Frauen und   kleinen Hunden so ziemlich unvereinbar ist.�</p><p>�Aber das ist doch gerade der Punkt! Carolins M�nnergeschmack! Der ist nicht   nur schlecht, der ist katastrophal! Wenn wir warten, bis sie sich wieder selbst   einen aussucht, dann haben wir wom�glich bald den n�chsten Thomas im Haus. Sie   wei� einfach nicht, was gut f�r sie w�re.�</p><p>�Ach, aber du wei�t das, oder wie?�</p><p>�Genau. Ich wei� das. Wir suchen einfach einen Mann, mit dem ich bedenkenlos   zur Jagd gehen w�rde. Einen standesgem��en nat�rlich, Carolin ist schlie�lich   nicht irgendwer. Aber auch einen, der treu zu seinem Hund halten w�rde. Ihn gut   behandeln, regelm��ig f�ttern und viel mit ihm spazieren gehen w�rde. Denn wer   seinen Hund so behandelt, der wird doch erst recht seine Frau so behandeln. Aber   auf diese grundlegenden Dinge achtet Carolin einfach nicht.�</p><p>Herr Beck seufzt. �Nat�rlich achtet sie nicht auf so etwas. Sie ist ein   Mensch, kein Dackel. Schon vergessen? Au�erdem m�gen Frauen keine netten   M�nner.�</p><p>�H�?�</p><p>Der arme Beck, das muss die Alterst�deligkeit sein.</p><p>�Ganz recht: Sie m�gen keine netten M�nner. Denn wenn es anders w�re, w�re   Carolin doch l�ngst mit Daniel zusammen. Der ist n�mlich ziemlich verliebt in   Carolin, jede Wette. Und sie mag ihn auch gerne. Aber er ist einfach zu nett zu   ihr. Viel zu nett. So wird das nichts. Thomas hingegen hat im Grunde genommen   alles richtig gemacht. Na ja, fast alles. Merk dir mal eins: Wenn du zu nett   bist, nehmen dich die anderen Menschen nicht f�r voll. Und erst recht nicht die   Frauen. Meine jahrzehntelangen Studien sagen mir: Nette M�nner kommen bei Frauen   nicht sonderlich gut an.�</p><p>�Du meinst, die Frauen suchen sich absichtlich so �tzende Typen wie diesen   Thomas aus?�</p><p>�Exakt.�</p><p>�Aber das ist ja furchtbar.�</p><p>�Tatsache ist: Wenn Daniel oder sonst ein Mann bei Carolin landen will, dann   muss er sie schlechter behandeln.�</p><p>Ich bin fassungslos - und verwirrt. Das kann doch nicht wahr sein! Es w�rde   im Endeffekt bedeuten, dass Frauen<emphasis> gerne </emphasis>schlecht behandelt werden. Herr   Beck muss sich einfach irren, sonst ist meine Prognose f�r Carolins k�nftiges   Liebesleben mehr als d�ster. Andererseits: In einem Punkt hat Beck Recht. Daniel   ist wirklich sehr nett, und ich habe auch das Gef�hl, dass er Carolin   unglaublich gerne mag. Es passt eigentlich alles. Es muss also einen Grund   geben, warum Carolin sich in Thomas und nicht in Daniel verliebt hat.</p><p>Eine Weile sitzen Beck und ich schweigend nebeneinander. Ich muss erst einmal   verdauen, was ich gerade geh�rt habe. Mein sch�ner Plan - traurig lege ich   meinen Kopf auf die Vorderl�ufe.</p><p>�Allerdings�, meint Beck dann, �wenn ich es mir recht �berlege:   M�glicherweise ist deine Idee doch nicht so bl�d. Es ist nun mal eine Tatsache,   dass wir Tiere eine sehr viel bessere Menschenkenntnis besitzen als die Menschen   selbst. Vielleicht k�nnen wir Carolin also doch vor der n�chsten Pleite   bewahren. Wir m�ssen sie nur vor ihrem eigenen Geschmack bewahren.�</p><p>�Und wie kriegen wir das hin? Du hast doch gerade selbst gesagt, dass das   wohl nicht funktionieren wird.�</p><p>�Tja�, sagt Beck und legt dabei den Kopf schief, �das wird das Interessante   an unserer neuen Aufgabe.�</p><empty-line/></section><section><p><strong><emphasis>ELF</emphasis></strong></p><p>�Also los! Hier ist das ideale Revier!� Beck guckt mich zweifelnd an. �Wie   kommst du denn auf die Idee?�</p><p>�Nina hat gesagt, dass es hier vor Prinzen nur so wimmelt.�</p><p>�Hat sie das?�</p><p>�Na ja, nicht so direkt. Aber so �hnlich. Also vielleicht hat sie nicht   &gt;wimmeln&lt; gesagt, aber auf alle F�lle laufen hier einige rum.�</p><p>Wir stehen im Park und sehen uns nach M�nnern um. Was genau wir machen   wollen, wenn wir einen gefunden haben, wissen wir noch nicht so recht, aber wir   haben beschlossen, uns von der Situation inspirieren zu lassen und dann zu   improvisieren. Allerdings nervt mich Becks pessimistische Haltung heute ganz   gewaltig. Er findet, ein verregneter Tag sei kein guter Moment, um im Park einen   Mann zu finden.</p><p>Aber langsam m�ssen wir damit mal anfangen, denn Carolin ist seit drei Tagen   wieder zu Hause. Richtig gl�cklich sieht sie zwar immer noch nicht aus, aber   immerhin arbeitet sie wieder jeden Tag in der Werkstatt. Ich werte das mal als   Zeichen, dass es allm�hlich wieder bergauf geht.</p><p>�Da! Ich sehe einen! Da hinten!�</p><p>Aufgeregt renne ich in die Richtung, in der ich eben ein Paar Menschenbeine   unter einem Regenschirm gesehen habe. Nach zwei Metern merke ich, dass Beck   offensichtlich nicht vor hat, hinter mir her zu kommen. Ich bleibe stehen und   drehe mich zu ihm um.</p><p>�He, was soll das? Wo bleibst du denn?�</p><p>�Herkules, du verr�ckter Dackel! Das ist doch eindeutig eine Frau!�</p><p>�Woher willst du das wissen? Man sieht doch nur die Beine. Und bei dem Regen   kann ich nicht riechen, ob Mann oder Frau. Da m�ssen wir schon nachschauen. Los,   gib dir doch wenigstens mal ein bisschen M�he!�</p><p>Es ist heute wirklich furchtbar mit dem Kater. Der wirkt nicht im Geringsten   schuldbewusst, sondern grient mich breit an.</p><p>�Du musst noch viel lernen, mein Lieber. Unter dem Schirm steckt eine Frau,   garantiert. Da muss ich gar nicht erst durch den halben Park hechten.�</p><p>�Ach, und woher willst ausgerechnet du das wissen? F�r jemanden, der einen   Plastikkameraden nicht von einem echten Piepmatz unterscheiden kann, machst du   dich ganz sch�n wichtig.�</p><p>Beck ignoriert meinen Seitenhieb komplett, stattdessen macht er mit seiner   Pfote eine Bewegung Richtung Zielperson.</p><p>�Schau mal genau hin. Der Schirm hat ein ganz auff�lliges Blumenmuster.�</p><p>Hm, stimmt, gro�e und kleine Blumen bilden aparte Kreise.</p><p>�So, und hier wieder eine Lektion in <emphasis>Verstehe den Menschen: </emphasis>Blumen   sind ein Frauenmuster. Da brauchst du gar nicht erst hinterher. Ich habe noch   nie einen Mann getroffen, der mit einem Bl�mchen-Schirm losgezogen w�re. Sparen   wir also unsere Energien f�r den Ernstfall.�</p><p>Interessantes Konzept, Muster f�r Frauen und Muster f�r M�nner. Ich frage   mich, wof�r das gut sein soll. Ob sich M�nner und Frauen sonst nicht gleich   erkennen? Immerhin sind ihre Nasen so gut wie taub, da muss man vielleicht auf   Hilfskriterien zur�ckgreifen.</p><p>Wir lungern weitere ereignislose zehn Minuten im Park herum. Er ist zwar sehr   gro�, aber auch ziemlich rund, so dass man von der Mitte aus einen sehr guten   �berblick hat. Man sieht: nichts. Kein einziger Mensch ist unterwegs. Langsam   beginne ich trotz meines dichten Fells durchzuweichen. Vielleicht hat Herr Beck   Recht, und wir sollten wieder nach Hause traben. Gerade will ich Beck meine   Niederlage eingestehen, als sich doch noch ein unerschrockener Zweibeiner   blicken l�sst. Und diesmal ist es eindeutig ein Mann - er hat keinen Schirm in   der Hand, sondern joggt ziemlich locker von der rechten Ecke des Parks direkt   auf uns zu.</p><p>�Nanu, will der zu uns?�, wundere ich mich.</p><p>�Scheint so zu sein. Wahrscheinlich will er abk�rzen. Ist ja kein Vergn�gen,   bei dem Wetter durch die Gegend zu rennen�, stichelt Beck. �So, gleich ist er   da. Du wolltest doch improvisieren. Dazu hast du jetzt reichlich Gelegenheit,   ich habe n�mlich �berhaupt keinen Plan, wie wir uns den Kerl genauer anschauen   k�nnen. Und wir wollen doch nicht einfach irgendwen f�r Carolin aufgabeln,   oder?�</p><p>Also echt, der nervt. Warum ist er dann �berhaupt mitgekommen, wenn er   sowieso alles doof findet? Als Jagdhund w�re Beck wahrscheinlich schon l�ngst   wegen Def�tismus von seinem Herrchen erschossen worden. Andererseits ist der   Jogger wirklich gleich da. Und ja, ich habe noch keinen tollen Plan. Fieberhaft   gr�ble ich nach.</p><p>Der Jogger hat uns schon fast passiert, da schmei�e ich mich kurzentschlossen   und mit einem herzzerrei�enden Jaulen direkt vor seine F��e. Es sieht mit   Sicherheit so aus, als h�tte ich furchtbare Schmerzen und brauchte dringend   Hilfe. Wolln doch mal sehen, ob der Herr Tierfreund ist und sich um mich   k�mmert. Das mit dem Prinzen k�nnen wir dann immer noch herausfinden.</p><p>Zwei Sekunden sp�ter bin ich mir nicht mehr so sicher, dass meine Idee so gut   war: Der Mann versucht, mir auszuweichen, stolpert und f�llt direkt vor Herrn   Beck auf die Nase. Er bleibt kurz liegen, dann rappelt er sich auf, sch�ttelt   sich und reibt sich den rechten Arm. Als er wieder steht, geht er auf mich zu,   guckt mich kurz an - und br�llt los: �Pass gef�lligst auf, wo du hinspringst, du   bl�de Schei�t�le!�</p><p>Okay, ganz offenkundig kein Gentleman im engeren Sinne. Er holt mit dem   rechten Bein zu einem Tritt aus, aber bevor er mir den verpassen kann, rennen   Beck und ich auch schon los und verstecken uns hinter dem n�chsten Busch.   Auweia! Was f�r eine Pleite! Beck sagt erst einmal nichts, bis wir beide wieder   Luft geholt haben, dann sch�ttelt er langsam den Kopf.</p><p>�Wirklich, was war das denn f�r eine Aktion? Das konnte ja nur in die Hose   gehen.�</p><p>�Ich habe wenigstens etwas <emphasis>gemacht. </emphasis>Du st�nkerst hier nur die ganze   Zeit rum!�, verteidige ich meine unkonventionelle Vorgehensweise bei der   Herrchensuche.</p><p>�Ha! Operative Hektik war das, nichts weiter! Ich frage mich, was du gemacht   h�ttest, wenn dich der Typ eben gleich einkassiert h�tte. Oder wenn er auf dir   gelandet w�re. Dann w�rst du jetzt aber platt wie ein Pfannkuchen. Mir ist das   zu bl�d, ich gehe jetzt.�</p><p>Ich lasse die Ohren h�ngen. Irgendwie ist an dem, was Beck sagt, schon was   dran. Dabei hatte ich mir die ganze Sache gar nicht so schwer vorgestellt. Als   Nina von der Prinzensuche im Park erz�hlte, klang es ganz einfach. Mist.</p><p>Offensichtlich sehe ich sehr niedergeschlagen aus, denn Beck stupst mich in   die Seite und schl�gt geradezu tr�stende T�ne an.</p><p>�Nu, nu - die Welt geht doch nicht unter, nur weil es am ersten Tag nicht   klappt. Du untersch�tzt auch die Wirkung von Regen auf Menschen. Die meisten   m�gen ihn eben nicht besonders und bleiben lieber zu Hause. Sieh sie dir doch an   - von Bewegungsdrang keine Spur. Von den paar Joggern mal abgesehen, h�lt ein   Mensch es m�helos mehrere Tage auf einem Sofa aus. Selbst mir als Kater w�re das   zu langweilig! Aber du wirst sehen: Sobald die Sonne scheint, ist es hier im   Park wieder knallvoll. Dann schlendern wir unauff�llig von Bank zu Bank und   suchen uns die besten Kandidaten aus. Und dann kannst du noch mal mit deiner   &gt;Ich bin ein armer, kranker Dackel-Nummer&lt; ankommen. Die war im Grunde gar   nicht so schlecht.�</p><p>Ich blicke Herrn Beck erstaunt an. �Ehrlich? Du fandst den Plan nicht so   schlecht?�</p><p>�Nein. Annehmbar. Jedenfalls f�r einen, der von einem Hund ausgeheckt   wurde.�</p><p>Die Luft scheint wieder rein zu sein, also verlassen wir unser Versteck und   trotten Richtung Heimat. Mittlerweile hat es aufgeh�rt zu regnen, und   tats�chlich lassen sich nun ein paar Menschen mehr blicken. Gut, immer noch   nicht umwerfend viele, aber es ist auch egal, denn momentan habe ich sowieso   keine Lust mehr auf Kontaktanbahnung. Mit gesenktem Kopf schleiche ich �ber den   Schotterweg - und falle fast �ber Herrn Beck, der sich direkt vor mir postiert   hat.</p><p>�Hey, Kleiner, stopp mal! Da vorne sehe ich genau die Situation, auf die wir   die ganze Zeit gewartet haben.�</p><p>Erstaunt blicke ich hoch. Tats�chlich: Auf der n�chsten Parkbank sitzt ein   Mann. Obwohl die Bank bestimmt noch ziemlich nass ist, hat er es sich dort   gem�tlich gemacht und bereitet offensichtlich ein kleines Picknick vor, eine   Flasche hat er jedenfalls schon neben sich gestellt und gerade jetzt kramt er in   einer mitgebrachten T�te herum. Ich trabe n�her an die Bank heran, um den Mann   besser betrachten zu k�nnen. Wie ein Prinz sieht er nicht gerade aus. Irgendwie   ein bisschen zerknittert. Seine Haare sind grau und etwas l�nger, wirr fallen   ihm einzelne Str�hnen immer wieder ins Gesicht. Au�erdem hat er einen Bart, der   fast ein wenig wie Rauhaardackelfell aussieht.</p><p>�Hm, meinst du, das ist der Richtige? Da habe ich doch arge Zweifel.�</p><p>Aber Beck l�sst das nicht gelten. �Und wenn schon! Es ist zumindest eine   Gelegenheit - sollten wir die nicht nutzen? Wenn's nicht funktioniert, sammeln   wir wenigstens Erfahrung. Dann sind wir gut vorbereitet auf die wirklichen   Top-Kandidaten.�</p><p>So habe ich es noch gar nicht gesehen. Katzen sind eben echte Strategen. Und   Beck hat sich noch mehr Gedanken gemacht.</p><p>�Also, wir schleichen zu dem Typen r�ber. Dann kommt deine   Kranker-Hund-Nummer. Gib ruhig ein bisschen Gas, so mit rumw�lzen, jaulen, das   volle Programm. Wenn er sich um dich k�mmert, versuche ich ihm begreiflich zu   machen, dass er mit dir zu unserem Haus gehen soll.�</p><p>�Und wie willst du das machen?�</p><p>�So wie du. Improvisieren!�</p><p>Bei der Bank angekommen, suche ich ein strategisch gutes Pl�tzchen f�r meine   Showeinlage. Noch hat der Mann mich nicht bemerkt, zu besch�ftigt ist er mit   seiner T�te. Ab und zu streicht er sich seine halblangen grauen Haare aus dem   Gesicht und steckt sie hinter die Ohren. Ich lege mich links neben seine F��e   und drehe mich auf den R�cken. Dann fange ich an, laut zu winseln, mit meinen   Beinen zu strampeln und mich hin und her zu winden. Ein Bild des Jammers und des   Elends - wer darauf nicht reagiert, hat ein Herz aus Stein und verdient unsere   Caro nicht!</p><p>Tats�chlich l�sst der Mann von seiner T�te ab und beugt sich zu mir   herunter.</p><p>�Sag mal, was bist du denn f�r einer? Und was machst du da eigentlich?�</p><p>Ein strenger Geruch weht zu mir her�ber, nach Schwei� und ... und ... ja,   genau: und nach dem Zeug, das Carolin in dieser furchtbaren Nacht getrunken hat.   Ungute Erinnerungen steigen in mir hoch, und ich w�rde die ganze Veranstaltung   hier liebend gerne abblasen. Aber aus den Augenwinkeln kann ich genau sehen,   dass Herr Beck nur einen Meter weiter rechts von uns sitzt und mich mit   Argusaugen beobachtet. Scheint ein Riesenspa� f�r ihn zu sein. Wenn der meint,   dass ich jetzt aufgebe, hat er sich geschnitten. Das ziehe ich durch, wuff!</p><p>Ich zappele noch ein bisschen hin und her und versuche, noch mehr Dramatik in   die Angelegenheit zu bringen, indem ich die Augen verdrehe und mit der Schnauze   zucke.</p><p>�M�nsch, du armes Vieh, dir geht's ja richtig schlecht! Komm, Willi hebt dich   mal hoch.�</p><p>Mit diesen Worten fasst mich der Mann behutsam mit seinen gro�en H�nden unter   den Nacken und den R�cken und hebt mich dann vorsichtig auf seinen Scho�. Sofort   h�re ich auf zu zappeln. Nicht, dass ich hier noch runterfalle und mir wirklich   etwas tue. Der Mann krault mich am Bauch, was eigentlich sehr angenehm ist.   Allerdings riecht es hier oben noch st�rker nach dem Zeug, das Carolin getrunken   hat. Hrks, das muss ja was ganz Schlimmes sein. Hoffentlich �bergibt sich der   Mann nicht auch gleich, daf�r befinde ich mich n�mlich gerade in einer sehr   ung�nstigen Position.</p><p>�Na, Kleiner, zitterst ja gar nicht mehr. So geht's dir gleich besser, oder?   Aber was macht Willi jetzt mit dir?�</p><p>In der Tat, eine sehr gut Frage. Das ist doch genau der richtige Zeitpunkt   f�r Becks Einsatz. Ich hoffe, er verpennt ihn nicht und hat sich vor allem etwas   �berlegt, wie er den Mann zu Carolin lockt. Auch, wenn ich mittlerweile   felsenfest davon �berzeugt bin, dass es sich bei ihm mitnichten um einen   Prinzen oder sonst wie akzeptablen Kandidaten handelt. Los, Beck, wo bleibst   du?</p><p>�Hoppla, da ist ja noch ein kleiner Freund! Wo kommt ihr denn blo� auf einmal   alle her?�</p><p>Na also, die Gedanken�bertragung unter uns Vierbeinern funktioniert. Ich   drehe mich schnell auf den Bauch und sehe Beck, wie er um Willis Beine streicht.   Nun springt er auf die Bank und setzt sich direkt neben uns.</p><p>�Miau, miauuuu, miauuuuu!�</p><p>Okay, Katzen k�nnen einfach nicht richtig heulen. Genauer gesagt k�nnen sie   es gar nicht. Beck klingt wie eine der Geigen, die Carolin jeden Tag bearbeitet.   Eigentlich sogar schlimmer, ich frage mich, was er damit bewirken will.</p><p>�O je, dir geht es wohl auch gar nicht gut. Was ist denn heute los hier? Seid   ihr beide krank oder habt ihr euch verlaufen?�</p><p>Willi streicht Beck mit einer Hand �ber den Kopf und schaut ihn nachdenklich   an. Auch wenn er kein Prinz ist - ein lieber Mensch ist er allemal. Ob das   vielleicht auch reicht? Beck legt eine Pfote auf Willis Arm und zieht ein   bisschen an ihm.</p><p>�Autsch!�</p><p>Offenbar benutzt er dazu seine Krallen, jedenfalls zieht Willi erschrocken   seinen Arm zur�ck. Beck h�pft wieder von der Bank und langt jetzt nach einem   Bein von Willi. So gut es mit einer Pfote eben m�glich ist, zieht er an dem   Hosenbein und maunzt dabei immer wieder.</p><p>�Jetzt m�sste man mit Tieren sprechen k�nnen. Ich w�sste zu gerne, was du von   mir willst. Soll ich etwa mitkommen?�</p><p>Begeistert schlecke ich Willi sofort die H�nde ab. Sie schmecken - nun ja -   gew�hnungsbed�rftig.</p><p>Er lacht. �He, mein Freundchen, du wirst ja ganz wild. War das die Antwort   auf meine Frage? Ich soll wirklich mitkommen?�</p><p>Irre, wie einfach es ist, mit Menschen zu reden. Das hatte ich mir viel   schwerer vorgestellt. Oder aber Willi ist besonders sensibel. Ist im Ergebnis   aber egal. Ich springe von seinem Scho� herunter zu Herrn Beck, der Willi   erwartungsvoll anschaut und dabei aufgeregt mit seinem Schwanz hin und her   wedelt. Willi steht auf und schwankt dabei ein bisschen von links nach rechts.   Als er sicher steht, rennt Beck zweimal um ihn herum, dann l�uft er Richtung   Carolins Haus. Weil mir nichts Besseres einf�llt, mache ich es genauso.</p><p>�So, und da soll ich wohl hinterher? Ein Dackel und ein Kater wollen mit mir   spazieren gehen. Wenn ich das der Dame von der Heilsarmee erz�hle, wird sie es   gleich wieder auf den Chantre schieben. Dann man los!�</p><p>Auf dieses Kommando traben Herr Beck und ich zu dem Parkausgang, der direkt   vor unserem Garten liegt. Zwischendurch werfe ich immer wieder einen kurzen   Blick �ber die Schulter - Willi folgt uns brav. Erst als wir am Gartent�rchen   ankommen, z�gert er kurz.</p><p>�Also hier? Ist ja'n sch�nes Haus. Nicht, dass die mich hier f�r einen   Einbrecher halten.�</p><p>Ha ha! Ein lustiger Gedanke! Ein Wachhund, der den Einbrecher selbst   mitbringt! Ich frage mich, wie Willi darauf kommt. Einen Moment sp�ter stehen   wir vor der Terrassent�r der Werkstatt. Ich kratze an der Scheibe, Willi steht   direkt hinter mir und linst neugierig durch das Fenster, dann klopft er   schlie�lich. Daniel kommt und �ffnet die T�r. Allerdings nur einen Spalt. �Ja   bitte?�</p><p>Willi r�uspert sich. ��hm, ja, wie soll ich sagen - diese beiden hier unten   haben mich quasi zu Ihnen gebracht.�</p><p>Daniel schaut runter, erst jetzt scheint er uns zu sehen.</p><p>�Oh, Herkules und Herr Beck - was macht ihr denn da?�</p><p>�Also, der kleine Dackel schien eben ziemliche Kr�mpfe zu haben, jedenfalls   ist er vor der Parkbank, auf der ich sa�, zusammengebrochen. Und dann kam sein   Freund hier und wollte, dass ich mitkomme.�</p><p>Daniel schaut durch den T�rspalt und hebt eine Augenbraue, was ziemlich   lustig aussieht.</p><p>�Ah, ja. Der Kater wollte, dass Sie mitkommen. Verstehe.�</p><p>�Gut, ich wei�, das klingt seltsam. Vor allem aus dem Mund von so jemandem   wie mir. Aber so war es, k�nnen Sie mir ruhig glauben. Und dann haben mich die   beiden hierhin gebracht.�</p><p>In diesem Moment taucht Carolin hinter Daniel auf. �Was ist denn hier   los?�</p><p>�Der ... �h ... Herr hier behauptet, Herkules und der Kater h�tten ihn zu   uns gebracht, nachdem Herkules im Park einen Schw�cheanfall hatte.�</p><p>Carolin tritt neben Daniel und macht die Terrassent�r jetzt weit auf.</p><p>�Na ihr beiden? Was habt ihr gemacht? Friedliche Parkbesucher   angefallen?�</p><p>Sie l�chelt Willi aufmunternd zu. Hm, vielleicht gef�llt er ihr doch? Daniel   hingegen rollt genervt die Augen, aber das kann Carolin ja nicht sehen. Willi   allerdings schon. Unsicher streicht er sich durch die wirren Haare.</p><p>�Ja, also, wie ich Ihrem Mann schon sagte - die beiden haben mich tats�chlich   hierhin gef�hrt. Also, ich meine, erst sind sie auf meine Bank gesprungen, und   dann hat der Kater mich am Hosenbein gezogen und dann ...�, Willi z�gert, die   ganze Angelegenheit scheint ihm auf einmal peinlich zu sein. �Ich will dann auch   gar nicht weiter st�ren. Dem Hund scheint es wieder gutzugehen, ich werd dann   mal.�</p><p>Er will sich gerade umdrehen, als Carolin einen Schritt auf ihn zu Richtung   Garten macht.</p><p>�Vielen Dank, dass Sie die beiden gebracht haben. Irgendwas scheinen sie ja   von Ihnen gewollt zu haben, leider k�nnen sie nicht sprechen. Vielleicht fahre   ich nachher mal mit Herkules zum Tierarzt. Sicher ist sicher.�</p><p>�Ja, sicher ist sicher�, echot Willi. �Ist bestimmt eine gute Idee. Ihnen   noch einen sch�nen Tag.� Dann geht er.</p><p>O nein! Was f�r ein Eigentor! Zum Tierarzt. Ich h�tte wissen m�ssen, dass   mich die ganze Nummer wieder zu Doktor Wagner bringt. Ungl�cklich lasse ich die   Nase h�ngen, Beck steht feixend neben mir.</p><p>�So, Herkules, komm rein�, sagt Daniel schlie�lich und winkt mich durch die   T�r. �Und du gehst sch�n au�en herum, Beck. Mir scheint, dass ihr heute schon   genug zusammen erlebt habt.�</p><p>Daniel scheint sauer zu sein. Ich sehe schnell zu, dass ich mich in meine   Kiste verziehe.</p><p>�Glaubst du die Geschichte?�, will Carolin wissen. �Ich meine, haben die   beiden den wirklich hier angeschleppt? Oder wollte der sich nur mal unseren   Hintereingang genauer anschauen, um hier einzubrechen?�</p><p>�Der sah mir eigentlich nicht so aus, als ob Wohnh�user f�r ihn interessant   w�ren. Eher wie jemand, der im n�chsten Kiosk einbricht, um sich seinen Fusel zu   besorgen.�</p><p>�Aber warum sollte er sich dann so eine Geschichte ausdenken? Oder kannst du   dir ernsthaft vorstellen, dass Herkules und Beck ihn hier angeschleppt haben?   Und wenn ja, warum?�</p><p>Daniel hebt die H�nde. �Ganz ehrlich? Keine Ahnung! Krank sieht mir Herkules   jedenfalls nicht aus. Vielleicht hat der Alte auch halluziniert. Hat man ja mal,   nach einer Flasche Cognac. Ist ja nicht gut f�r die Gesundheit, nicht wahr?�</p><p>Daniel grinst, Carolin wird rot. Sie dreht sich abrupt um und geht ohne ein   weiteres Wort in ihr Zimmer. Daniel z�gert einen Moment, dann l�uft er ihr   hinterher.</p><p>�Hey, tut mir leid, das war bl�d von mir.�</p><p>Carolin antwortet nicht. Sie ist richtig b�se auf ihn, das merkt selbst ein   kurzsichtiger Vierbeiner wie ich. Warum, habe ich zwar nicht ganz verstanden.   Aber Daniel hat es wohl sofort kapiert. Er steht jetzt ganz dicht neben ihr und   scheint zu �berlegen, was er machen soll. Schlie�lich entscheidet er sich f�r   die Variante, die ich als Hund in so einer Situation auch gew�hlt h�tte:   K�rperkontakt. Er nimmt Carolin in den Arm und dr�ckt sie ganz fest an sich.</p><p>Und in der Luft liegt auf einmal eine Spannung, als h�tte der alte von   Eschersbach den Trafo am Zaun der Pferdekoppel richtig auf Anschlag   gedreht.</p><empty-line/></section><section><p><strong><emphasis>ZW�LF</emphasis></strong></p><p>�Er ist so s��! Ehrlich! Ich glaube, ich habe schon lange nicht mehr so einen   tollen Mann kennengelernt.�</p><p>Ninas Augen strahlen, und wenn sie erz�hlt, reden ihre H�nde gleich mit. Mag   auch unsere Aktion �Ein Prinz f�r Carolin� noch nicht von Erfolg gekr�nt sein -   zumindest ihre beste Freundin scheint endlich f�ndig geworden zu sein.   Jedenfalls sitzt Nina seit einer geschlagenen Stunde auf unserer Couch und   schw�rmt von Dr. Wagner. Brrr, allein die Vorstellung, dass Nina ihre Zeit   freiwillig mit diesem Hundeschinder verbringt, ist abenteuerlich. Ein Mann, an   dessen H�nden mit Sicherheit Blut klebt! Wenn nicht sogar mein eigenes!   Andererseits kann es mir auch egal sein, wichtig ist f�r mich schlie�lich nur   Carolins Wohlergehen.</p><p>W�hrend Ninas Stimme im Hintergrund weiterplappert, schweifen meine Gedanken   ab. Wenn das Wetter besser wird, wollen Herr Beck und ich gleich wieder   loslegen. Immerhin kann man die Sache mit Willi nicht als totalen Flop   bezeichnen. Beck hatte Recht - es war eine sch�ne �bung, und wir sind ziemlich   weit gekommen. Gut, warum Carolin dachte, dass Willi ein Einbrecher sein k�nnte,   ist mir nicht klar. Hatte es vielleicht mit seinem seltsamen Geruch zu tun? Aber   den hat Carolin doch bestimmt nicht bemerkt. Daf�r ist ihre Nase viel zu   schlecht, und Willi stand nie direkt neben ihr. Irgendwas m�ssen Beck und ich da   noch verbessern. Ich werde gleich mal im Garten nach ihm suchen. Vorausgesetzt,   Nina kommt irgendwann zu einem Ende, und ich kann wieder mit Carolin in die   Werkstatt. Danach sieht es momentan aber leider nicht aus; Nina sprudelt wie ein   Wasserfall.</p><p>�Und wie er aussieht - einfach toll! Eine super Figur! Und dann diese vollen   braunen Haare! Ein bisschen wie Hugh Grant. Findest du nicht?�</p><p>Ich spitze die �hrchen. Vielleicht ist das Gespr�ch doch nicht so langweilig.   Dr. Wagner sieht also gut aus. Womit wir bei einem f�r Hunde ziemlich   undurchschaubaren Thema sind: Wann sieht ein Mensch f�r andere Menschen gut aus?   Muss er besonders viele Haare haben? Oder lieber wenige? Ist gro� sch�n - oder   lieber klein? Gilt f�r M�nner etwas anderes als f�r Frauen? O je, wenn ich genau   dar�ber nachdenke, habe ich mir mit dem Projekt �Partnervermittlung� ganz sch�n   viel vorgenommen. Umso interessanter, was Nina jetzt erz�hlt.</p><p>�Ist dir nicht auch gleich aufgefallen, was f�r unglaublich blaue Augen er   hat?� Aha! Die Augenfarbe. Offensichtlich ein wichtiger Punkt. �Ne, ist mir   nicht aufgefallen.�</p><p>Mir auch nicht. Allerdings kann ich Farben sowieso nicht so gut   auseinanderhalten.</p><p>�Das musst du doch gesehen haben, die sind total auff�llig. Kornblumenblau !   �</p><p>�Nina, ich wei� nicht, ob du dich noch dran erinnerst - aber als wir in der   Praxis waren, hatte ich einen sehr schlecht gelaunten Herkules dabei, der erst   die ganze Zeit jaulte und dann versuchte, zwei niedliche Kaninchen zu killen,   woraufhin ein v�lliges Chaos ausbrach. Verzeih, dass ich keine Gelegenheit   hatte, einen Blick in die tiefblauen Augen von deinem Superdoc zu werfen.�</p><p>Carolin klingt leicht genervt. Ob das an der Erinnerung an den schrecklichen   Besuch beim Tierarzt liegt? Weil ich mich dort so schlecht benommen habe?   Peinlich, peinlich.</p><p>�Meine G�te, bist du schlecht gelaunt. Ich dachte, es interessiert dich,   wenn deine beste Freundin ein Date hatte.�</p><p>�Entschuldige, du hast Recht. Tut mir leid, dass ich so schlecht drauf bin.   Ich gelobe Besserung! Also, mal abgesehen von den kornblumenblauen Augen: Wie   k�sst er denn so?�</p><p>Das scheint ein besonders wichtiger Punkt zu sein, sonst w�rde Carolin nicht   als Erstes danach fragen. Aber woran sieht man das blo�? Wie finden Beck und ich   einen Mann, der gut k�sst?</p><p>Nina kichert. �Das wirst du mir jetzt nicht glauben - aber ich wei� es nicht.   Wir haben uns noch nicht gek�sst.�</p><p>Verstehe. Ist also keine Eigenschaft, die man Menschen ansehen kann. Muss man   selbst ausprobieren.</p><p>�Ihr habt euch noch nicht gek�sst? Ich denke, ihr wart den ganzen Abend   unterwegs?�</p><p>�Waren wir auch. Und wir haben uns super unterhalten. Marc war sehr charmant   und witzig. Aber wir haben uns nicht gek�sst. Macht aber nichts. Ich will es mal   ruhiger angehen lassen.�</p><p>�Hm�, meint Carolin, und es klingt zweifelnd. <emphasis>�Mal ruhiger angehen   lassen? </emphasis>Du? Das ist eine v�llig neue Taktik. Seit wann wendest du die denn   an? In seiner Praxis war davon noch nichts zu merken. Da sah es eher nach <emphasis>die   Sache schnell klarmachen </emphasis>aus. Ich meine, du lagst schlie�lich schon in   seinen Armen.�</p><p>Nina schnaubt emp�rt. �Na h�r mal - ich bin einfach �ber deinen bl�den Hund   gestolpert! Und was hei�t hier neue Taktik? Das klingt so, als ob ich die Typen   immer mit der Schrotflinte erlegen w�rde.�</p><p>�Tja, also zimperlich warst du bisher nicht gerade, wenn dir jemand gef�llt.   Schon eher Schrotflinte als Pr�zisionssch�tze.�</p><p>�Carolin, man merkt, dass du lange nicht mehr am Markt warst. Ich bin jung,   ich bin Single. Und wenn mir ein Typ gef�llt, warte ich nicht darauf, dass er   auf einem Schimmel bei mir vorbeigeritten kommt, sondern nehme die Sache selbst   in die Hand. Von mir aus nenn es Prinzip Schrotflinte - aber was spricht   dagegen?�</p><p>Markt? Schimmel? Schrotflinte? Nina spricht in R�tseln. Carolin scheint   allerdings zu verstehen, wovon sie redet.</p><p>�Schon gut, schon gut. Du hast Recht, ich war wirklich lange nicht mehr   unterwegs. Ich muss mich erst mal wieder daran gew�hnen.�</p><p>Nina nickt heftig. �Ja, und ich sage dir - warte besser nicht, dass der   passende Typ einfach so bei dir auftaucht! Das passiert n�mlich nur im   M�rchen.�</p><p>Falsch, meine Liebe! Das passiert auch, wenn sich Carl-Leopold von   Eschersbach pers�nlich darum k�mmert. Dann muss man sich auch nicht die Abende   mit einem Tierarzt um die Ohren schlagen. So, M�dels, und nun kommt mal zum   Ende, damit ich Herrn Beck meine neuesten Erkenntnisse erz�hlen kann!</p><p>�Sag mal, meinst du, Herkules muss mal?� Nina schaut mich nachdenklich   an.</p><p>�Wieso?�</p><p>�Na, der tigert hier auf einmal so unruhig herum. Nicht, dass er gleich ein   kleines Gesch�ft unter deinem Sofa platziert.�</p><p>�Eigentlich war ich kurz mit ihm Gassi, bevor du gekommen bist. Aber   vielleicht langweilen wir ihn auch. Ich kann ihn ja in den Garten lassen, ich   muss sowieso noch einmal in die Werkstatt.�</p><p>�Schade, ich dachte, du kannst dir ein bisschen freinehmen, und wir gehen   noch einen Kaffee zusammen trinken.�</p><p>�W�rde ich gerne - aber ich habe Daniel in den letzten Wochen echt h�ngen   lassen. Habe schon ein total schlechtes Gewissen.�</p><p>�Ach komm. Dir ging's nicht gut, und Daniel hat dir bestimmt gerne   geholfen.� Nina grinst Carolin an und klopft ihr auf die Schulter.</p><p>�Du brauchst gar nicht so zu grinsen. Nat�rlich hat Daniel mir gerne   geholfen, aber ich m�chte ihn nicht weiter strapazieren. Er hat selbst genug   auf dem Zettel. Wenn ich allein an die Rekonstruktion von Auroras Geige denke.   Das wird eine Ewigkeit dauern.�</p><p>�Mir kommen gleich die Tr�nen. Offen gestanden ist es mir einfach lieber,   wenn sich Daniel um dich als um so eine bl�de Geige von einer noch viel bl�deren   Geigerin k�mmert.�</p><p>�Aurora ist eine hervorragende Musikerin.�</p><p>�Sie ist eine bl�de Kuh und baggert noch dazu st�ndig an deinem Partner   herum�, l�sst Nina nicht locker.</p><p>�Daniel ist nur mein Gesch�ftspartner. In seiner Freizeit kann ihn anbaggern,   wer will.�</p><p>Nina verdreht die Augen und seufzt. �Ja, ja, wer's glaubt, wird selig. Und   wer's nicht glaubt, kommt auch in den Himmel.�</p><p>�Nina, nicht schon wieder die Leier. Daniel und ich sind Freunde, mehr nicht.   Herkules, auf geht's!�</p><empty-line/><p>�Unser idealer Kandidat hat blaue Augen und kann gut k�ssen.� Ich sitze   neben Herrn Beck in der Sonne und berichte von meinen j�ngsten Erkenntnissen in   Sachen Menschen und Partnerwahl.</p><p>�Dann ist die Sache so gut wie geritzt. Das wird ja ein Kinderspiel. Ich   schaue mir die Augen genauer an, und du k�sst den Typen. Hoffe allerdings, du   kannst beurteilen, was als <emphasis>gut k�ssen </emphasis>durchgeht.�</p><p>Ich werfe Beck einen b�sen Blick zu. �Wieso blo� habe ich das Gef�hl, dass du   mich gerade nicht ernst nimmst?�</p><p>�Weil es so ist. Dein Gefasel bringt uns �berhaupt nicht weiter. Zumal wir   noch nicht einmal wissen, ob Carolin auch auf blaue Augen steht. Vielleicht mag   sie braune lieber? Oder gr�ne? Und au�erdem ist so ein menschliches Auge auch   nicht gerade riesig. Von unserer Perspektive aus d�rften wir kaum aus f�nf   Metern erkennen, welche Augenfarbe ein Mann hat. Und dann die Sache mit dem   K�ssen - also so weit sind wir noch lange nicht. Wenn wir einen Typen so nah an   Carolin rankriegen, dass sie ihm die Hand sch�ttelt, dann sind wir schon richtig   gut.�</p><p>�Also gut, wenn ich denn so ein kleiner, dummer Hund bin, dann schlage ich   vor, du �bernimmst hier einfach mal das Kommando, und ich dackel nur noch hinter   dir her.� Jawoll, der kann mich mal, der bl�de Kater.</p><p>�Sei doch nicht wieder gleich beleidigt! Unser Plan ist doch gut. Wir gehen   wieder in den Park, und dann ziehen wir noch mal die gleiche Nummer ab wie bei   Willi. Irgendwann wird schon der Richtige dabei sein. Prinzip Schrotflinte.�</p><p>�Komisch, davon hat Nina eben auch gesprochen.�</p><p>�Siehste! Und die kennt sich aus damit. Seitdem ich in diesem Haus wohne,   habe ich Nina bestimmt schon mit f�nf bis sechs verschiedenen Herren hier   aufkreuzen sehen. Wir machen es einfach genauso - schleppen so viele M�nner wie   m�glich an. Wie Nina. Glaub mir, die ist Expertin.�</p><p>Ich gucke ihn zweifelnd an. �Ach ja? Und warum hat sie dann noch keinen Mann?   So toll scheint ihr Auswahlverfahren nicht zu funktionieren. Jetzt kommt sie   sogar mit diesem furchtbaren Tierarzt an.�</p><p>�Wer wei�? Vielleicht will sie die M�nner gar nicht dauerhaft behalten?   Vielleicht sind die einfach nach einiger Zeit irgendwie ... aufgebraucht. Und   dann muss ein neuer her.�</p><p>�Das w�re das erste Mal, dass ich so etwas �ber menschliche Partnerschaften   h�re. Ich dachte, das Konzept ist eher ewige Treue. Hast du selbst gesagt. Sonst   h�tte sich Carolin auch �ber die Sache mit dem H�schen nicht so aufgeregt,   oder?�</p><p>Herr Beck legt den Kopf schief. �Hm, hast du auch wieder Recht. Ja, was wei�   denn ich? Ich bin auch nur ein alter Kater, der sich redlich M�he gibt, die   Menschen zu verstehen. Muss aber nicht immer klappen. Also, was ist jetzt? Gehen   wir in den Park?�</p><p>�Na gut.�</p><p>Aktion Schrotflinte kann beginnen.</p><empty-line/><p>Das Wetter ist heute sch�n, deswegen tummeln sich im Park mehr Menschen, als   man sich in Ruhe ansehen kann. Wir beschlie�en, es vor allem bei den Parkb�nken   in der N�he unseres Hauses zu versuchen. Dann m�ssen wir die M�nner nicht �ber   die halbe Wiese locken, wenn sie uns tats�chlich folgen. Leider sitzen auf den   beiden n�chsten B�nken entweder nur Frauen, oder aber Willi mit seinen   Plastikt�ten. Der uns �brigens freundlich zuwinkt. So hat's keinen Sinn.</p><p>Bei der dritten Parkbank werden wir schlie�lich f�ndig: Ein junger Mann hat   sich dort niedergelassen und bindet sich die Schn�rsenkel zu. Seine Augenfarbe   kann ich zwar nicht erkennen, aber die wollten wir im ersten Anlauf sowieso   unber�cksichtigt lassen. Herr Beck und ich schleichen n�her heran, dann beginnen   wir mit der Show.</p><p>Das hei�t - wollen mit ihr beginnen. Denn bevor ich noch so richtig loslegen   kann, steuert auf einmal eine junge Frau auf die Bank zu, beugt sich zu dem Mann   herunter und k�sst ihn. Dann setzt sie sich neben ihn. Ich rapple mich wieder   vom Boden auf, sch�ttle mich kurz und setze mich neben Beck.</p><p>�Mist, der hat schon eine Frau.�</p><p>Beck kichert. �Aber die k�nnten wir fragen, ob der Typ gut k�ssen kann. Das   war doch eines deiner neu entdeckten Kriterien.�</p><p>�Ha, ha! Sehr lustig.�</p><p>Ich bin ein bisschen entt�uscht, weil der Mann f�r meinen Dackelgeschmack   sehr nett aussah. Das Letzte, was ich da brauche, sind h�mische Kommentare eines   �bergewichtigen Katers.</p><p>�Wie w�re es, wenn du den n�chsten Mann aussuchst?�, schlage ich vor und   klinge dabei eingeschnappter, als ich eigentlich zugeben wollte.</p><p>�Gerne, mein Lieber, gerne. Ich habe auch schon einen gesichtet - guck mal,   da vorne!�</p><p>Er l�uft ein St�ckchen die Wiese entlang, dann h�lt er vor einer Bank neben   einem sch�nen Blumenbeet. Okay, ich muss zugeben, der Mensch sieht auch nicht   schlecht aus. Er liest Zeitung, was schon mal ein Zeichen von gewisser Bildung   zu sein scheint und es uns au�erdem erm�glicht, uns unbemerkt direkt vor seine   F��e zu legen. Ich rolle mich also wieder auf den R�cken und beginne zu kl�ffen.   Und zwar so richtig j�mmerlich.</p><p>Nach einer Weile schaut der Mann von seiner Zeitung auf und beobachtet mich   aufmerksam. Meine ich jedenfalls, denn nat�rlich kann ich das von meiner Warte   aus nicht so genau sehen. Mir scheint allerdings, dass der Mann leider nicht die   geringste anteilnehmende Regung auf meine Darstellung eines todkranken Hundes   zeigt. Mist! Bei Willi hat das doch gleich geklappt. Ich winde mich mittlerweile   direkt vor seinen F��en und jaule so mitleiderregend, wie ich nur kann. Vor   lauter Jaulen und Japsen bildet sich sogar ein wenig Schaum vor meinem Fang.   Trotzdem guckt der Mann mich nur gelangweilt an und zieht seine F��e ein St�ck   zur Seite, um kurz darauf aufzustehen. Dann dreht er sich um und geht einfach   weg. Ich bin sprachlos. Das gibt's doch nicht! Beck kommt auf mich   zugetrabt.</p><p>�He, was war denn das? Ist der einfach abgehauen? Und hat dich deinem   traurigen Schicksal �berlassen? Unglaublich, wie herzlos diese Menschen manchmal   sind!�</p><p>Wir schauen dem Mann hinterher. Jetzt bleibt er allerdings stehen und guckt   noch einmal in unsere Richtung. Ob ihn doch die Reue packt? Er nestelt an seiner   Tasche. Vielleicht Fleischwurst? Nein - er holt sein Handy heraus und f�ngt an   zu telefonieren. Ich pirsche mich etwas n�her an ihn heran, denn mein Gef�hl   sagt mir, dass es gleich um mich gehen wird.</p><p>�Hallo, Polizei? Ja, Diekamp hier. Also, Sie werden sich vielleicht wundern,   aber ich m�chte einen akuten Tollwutverdacht melden.� Er macht eine Pause. �Ja,   ja. Richtig, hier in Hamburg. Gut, verbinden Sie mich.�</p><p>Eine weitere Pause, der Mann steht da und horcht angestrengt in sein   Telefon. �Guten Tag, Diekamp mein Name. Ich habe es eben schon Ihrem Kollegen   erz�hlt - ich m�chte Sie �ber einen Verdachtsfall von Tollwut informieren. Bei   einem Dackel. In Hamburg. Genau. Mhm, mhm ...�</p><p>Der Mann geht auf und ab und starrt in unsere Richtung. Als er sieht, dass   ich n�her gekommen bin, weicht er ein paar Schritte zur�ck.</p><p>�Tja, wie es sich �u�ert? Ich w�rde sagen, pl�tzliche distanzlose   Anh�nglichkeit, Kr�mpfe, fast ein bisschen Schaum vorm Mund. Aha, Hamburg ist   kein Tollwutgebiet? Bei Haustieren ist ganz Deutschland kein Tollwutgebiet?   Verstehe - aber vielleicht schicken Sie vorsichtshalber doch jemanden   vorbei?�</p><p>Mittlerweile steht auch Herr Beck neben mir. �Sag mal, mit wem redet der Typ   denn da so aufgeregt?�, will er wissen.</p><p>�Ich glaube, mit der Polizei. Er hat ihnen erz�hlt, dass ich Tollwut habe.   Bin eben ein verdammt guter Schauspieler - wenn mich die Leute sogar f�r   tollw�tig halten! Wei�t du, normalerweise bekommen das n�mlich nur F�chse. Hat   mir Opili erz�hlt. Das ist sehr gef�hrlich, und ein guter J�ger muss dann immer   sehr vorsichtig sein, um nicht gebissen zu werden. Ein guter Jagdhund sieht sich   nat�rlich auch vor.�</p><p>Meine Stimme hat einen leicht angeberischen Ton bekommen, aber das ist in   Ordnung, schlie�lich kenne ich mich mit der Jagd wirklich gut aus. Theoretisch   wenigstens.</p><p>�Wie bitte?� Herr Beck sch�ttelt den Kopf und lacht auf.</p><p>�Ja, komisch, nicht? Und nun will er noch, dass die extra vorbeikommen.�</p><p>Beck h�rt auf zu lachen. �Ehrlich? Auweia. Dann sollten wir aber ganz schnell   von hier abhauen.�</p><p>�Warum? Jetzt wird's doch endlich mal spannend. Offensichtlich bin ich dem   Kerl doch nicht egal, und vielleicht m�chte er, dass die Polizei herausfindet,   wo ich wohne.�</p><p>Ich w�rde sagen, Herr Beck ist schlicht eifers�chtig auf mein   schauspielerisches Talent und die gro�e Wirkung, die ich mit ihm erziele.</p><p>�So ein Quatsch, du doofer Hund. Was denkst du denn, was die Bullen mit einem   Tier machen, das m�glicherweise an einer sehr gef�hrlichen Krankheit wie Tollwut   leidet? Das bringen sie nicht nach Hause, das kassieren sie ein! Vielleicht   schl�fern sie es auch gleich ein!�</p><p>�Sie schl�fern es ein?�, echoe ich ein wenig unsicher.</p><p>�Genau. Sie t�ten es. Rucki zucki. Da kennen die gar nichts!�</p><p>Ich h�re ein erschrecktes Quieken und will mich gerade wundern, was f�r   seltsame T�ne Beck machen kann, als ich feststelle, dass ich es bin, der hier   quiekt. Herr Beck guckt mich eindringlich an.</p><p>�Genau, mein Freund. Du h�rst ganz recht. Und wenn du mich fragst, gibt es   jetzt genau eine Option, die wir noch haben.�</p><p>Wie aus einem Mund rufen wir gleichzeitig �Abhauen!� und rennen los, ohne uns   noch einmal nach dem Mann umzusehen. So schnell wir k�nnen, flitzen wir   Richtung Parkausgang, vorbei an Willi, der auf seiner Stammparkbank sitzt und   uns erstaunt hinterherschaut.</p><p>Als wir vor unserem Haus ankommen, bin ich schwei�gebadet. Nicht vor   Anstrengung, sondern vor Angst. <emphasis>Einschl�fern. </emphasis>Was f�r ein furchtbares,   furchtbares Wort! Wir schl�pfen durch die Gartent�r und legen uns beide in den   Schatten des gro�en Baumes. Ersch�pft schweigen wir eine Weile. Dann richte ich   mich wieder auf.</p><p>�Ich wei� nicht, Herr Beck. Mein Plan war wohl doch nicht so toll. Oder   jedenfalls in dieser Form nicht zur M�nnersuche geeignet.�</p><p>Beck wiegt den Kopf hin und her. �Jetzt mal nicht so schnell aufgeben. Die   Grundidee ist auf alle F�lle richtig. Vielleicht m�ssen wir unsere Auswahl   einfach ein bisschen st�rker einschr�nken. Also, nicht jeder Mann, der bei gutem   Wetter im Park sitzt, ist automatisch ein Kandidat.�</p><p>�Aber das war doch genau unser Ansatz - und nebenbei bemerkt: dein Vorschlag.   Ich sag nur <emphasis>Schrotflinte.�</emphasis></p><p>�Na und? Was interessiert mich mein Gew�sch von gestern? Man darf ruhig mal   schlauer werden. Ich glaube, das Geheimnis unseres Erfolges wird in der   gezielten Vorauswahl liegen. Und dann schlagen wir zu!�</p><p>�Ich wei� nicht�, maule ich, �wie soll denn das klappen mit der   Vorauswahl?�</p><p>Beck �berlegt - aber nur kurz. �Wir m�ssen die M�nner mit Carolins Augen   sehen.�</p><p>�Na toll, wie soll das denn gehen?�</p><p>Anstelle einer Antwort springt Beck auf. �Komm!�, ruft er mir �ber die   Schulter zu. �Ich habe gerade eine Eingebung.�</p><empty-line/></section><section><p><strong><emphasis>DREIZEHN</emphasis></strong></p><p>Ich komme mir zwar ein bisschen bl�d vor, mit der Leine im Maul vor Carolin   auf und ab zu springen. Denn immerhin hasse ich es eigentlich, an der Leine zu   laufen. Aber wenn Becks Theorie richtig ist, dann lassen sich die passenden   M�nner im Park einfacher identifizieren, wenn wir Carolin dabeihaben. Der Plan   ist also, mit ihr spazieren zu gehen und zu schauen, wen sie sich so anguckt.   Und dann ... ja, was dann passiert, ist noch ein wenig unklar. Die bisherige   Nummer kann ich schlecht abziehen, wenn Carolin daneben steht. Aber irgendetwas   wird mir schon einfallen, und au�erdem werden wir von Herrn Beck beschattet, der   sich, wie er es ausdr�ckt, ein Bild von der Lage machen wird. Von Vorteil w�re   allerdings, wenn Carolin nun endlich kapieren w�rde, dass ich mit ihr spazieren   gehen will.</p><p>Ich springe noch einmal so hoch ich kann und kratze mit meinen Vorderl�ufen   an Carolins Hose. Sie guckt herunter und lacht.</p><p>�Herkules, nicht so st�rmisch! Ich wei�, was du willst, aber lass mich doch   noch eben meine Sachen hier fertig machen. Dann gehen wir auch raus,   versprochen!�</p><p>Sie nimmt eines dieser kleinen Holzpl�ttchen von ihrem Tisch und klemmt es   zwischen den Boden und die Saiten einer Geige. Menno! Immer geht hier die Arbeit   vor. Dabei ist meine Sache doch viel wichtiger. Ich knurre ein bisschen.</p><p>�Na, will Herkules raus?� Daniel steht auf einmal neben Carolin.</p><p>�Ja, das ist wohl eindeutig. Aber ich kann es ihm nicht verdenken. Das   Wetter ist wirklich toll, eigentlich viel zu sch�n, um den ganzen Tag in der   Werkstatt rumzuh�ngen. Ich werde gleich mal mit ihm in den Park gehen. Ist auch   besser f�r die eigene Stimmung.�</p><p>Daniel nickt. �Du hast Recht. Was h�ltst du davon, wenn ich euch ein bisschen   begleite?�</p><p>Och n�! Das passt mir gar nicht. Schlie�lich mache ich das hier alles nur, um   einen neuen Mann zu finden. Mit Betonung auf <emphasis>neu. </emphasis>Da ist es doch eher   hinderlich, wenn man schon einen Mann mitbringt.</p><p>Aber mich fragt sowieso keiner, und so kommt es, dass Carolin mir zwar   endlich die Leine ans Halsband hakt, aber Daniel auch nach seiner Jacke greift   und wir schlie�lich zu dritt die Werkstatt verlassen. Im Garten kommen wir an   Herrn Beck vorbei, der sich f�r seine Beschattung bereits positioniert   hatte.</p><p>�He, was soll das denn? Kommt der etwa mit? Man nimmt doch kein Bier mit in   die Kneipe!�, raunt er mir zu.</p><p>�Meinst du etwa, das war meine Idee?�, fl�stere ich zur�ck. �Aber sag mir   mal, wie ich das h�tte verhindern k�nnen?�</p><p>Beck zuckt mit den Schultern und scheint noch etwas sagen zu wollen, aber da   sind wir schon an ihm vorbei.</p><p>W�hrend wir Richtung Park laufen, �berlege ich, ob sich mein Plan unter   diesen Umst�nden �berhaupt noch umsetzen l�sst. Wird Carolin andere Menschen   noch bemerken, wenn sie sich die ganze Zeit mit Daniel unterh�lt? Es ist doch   zum Haare ausrei�en - den kranken Hund kann ich nicht mimen, weil Carolin dabei   ist, und auf Carolin achten bringt nichts, weil Daniel dabei ist. Grrr!</p><p>�Schon komisch - da arbeite ich direkt neben so einem sch�nen Park, und   trotzdem bin ich fast nie hier.�</p><p>Genau, Daniel, m�chte ich sagen, und warum dann ausgerechnet heute?</p><p>�Ja, man macht das eigentlich viel zu selten. Wobei ich mit Herkules   nat�rlich viel mehr drau�en bin als fr�her. Allerdings habe ich ihn in letzter   Zeit str�flich vernachl�ssigt. Ich habe deswegen ein ganz schlechtes Gewissen,   und eben kam er sogar schon mit seiner Leine an, um mich an meine   Frauchen-Pflichten zu erinnern.� Sie beugt sich im Gehen zu mir herunter und   streichelt meinen Kopf. �Gell, Herkules, du hast es in letzter Zeit auch nicht   leicht mit deinem Frauchen. Aber das wird jetzt alles wieder besser, wirst schon   sehen. Ich hoffe, du sehnst dich nicht nach dem Tierheim zur�ck!�</p><p>Ich? Sehnsucht nach dem Tierheim? Was f�r ein absurder Gedanke! Auch wenn   die Herrchensuche gerade nicht wirklich rund l�uft - Carolin scheint nicht klar   zu sein, wie ungem�tlich es auf zehn Quadratmeter mit Typen wie Bozo und Boxer   sein kann.</p><p>Weil das Wetter wirklich sch�n ist und wir Daniel nun sowieso nicht   loswerden, beschlie�e ich, diesen Spaziergang einfach so zu genie�en, wie er   ist. Tats�chlich war Carolin in letzter Zeit wenig mit mir unterwegs. Eigentlich   gar nicht. Wir traben einen der verschlungenen Kieswege entlang, und ich   schnuppere voller Genuss an jedem Baum, der am Wegesrand steht. Herrlich! Hier   sind schon wichtige Hunde vorbeigekommen, ich rieche es genau. Und Dank meines   Trainings im Garten kann ich nun gekonnt meine Duftmarke hinzuf�gen. Was ich   auch ausgiebigst tue. Carolin und Daniel schlendern n�mlich eher, als dass sie   wirklich bestimmt gehen, ich habe also genug Zeit f�r die wichtigen Dinge im   Dackelleben.</p><p>Nun allerdings werden sie selbst f�r meinen Geschmack zu langsam.   Wahrscheinlich, weil sie so in ihr Gespr�ch vertieft sind. Nervig. St�ndig   m�ssen Menschen reden. Ich zerre ein bisschen an der Leine. He, weitergehen!   Hier habe ich nun schon jeden Strauch angepinkelt!</p><p>Aber Carolin und Daniel beachten mich gar nicht. Stattdessen steuern sie die   n�chste Parkbank an und setzen sich. Tja, von wegen: <emphasis>Ich habe Herkules so   vernachl�ssigt und muss das dringend �ndern </emphasis>... so wird das nichts! Aber   dann k�nnte mir Carolin wenigstens mal die Leine abmachen, dann gehe ich eben   allein ein bisschen weiterschn�ffeln. Ich springe also zu den beiden hoch auf   die Bank und lege meinen Kopf auf Carolins Scho�.</p><p>Hm, bilde ich mir das ein, oder liegt schon wieder diese seltsame Spannung in   der Luft? Daniel scheint nerv�s zu sein, und auch Carolin riecht aufgeregt.   Verwunderlich w�re es nicht, denn wenn ich so lange nicht drau�en gewesen w�re   wie die beiden, k�nnte ich mich kaum halten vor Unruhe. Irgendwie sind Menschen   eben doch gro�e Tiere. Sie wollen es nur nicht wahrhaben. Ich schn�ffele nach   Carolins H�nden und will sie ein bisschen abschlecken. Vielleicht wirkt das   beruhigend auf sie.</p><p>Bevor ich aber mit meiner Zunge einmal �ber Carolins Handr�cken schlabbern   kann, landet �berraschend Daniels Hand auf meiner Nase. He - was soll das? Bei   meiner Nase kenne ich keinen Spa�, da bin ich echt empfindlich. Ich knurre   kurz, Daniel zieht seine Hand blitzschnell zur�ck. Offensichtlich habe ich ihn   erschreckt. Er mich aber auch. Was will er denn mit meiner Nase? Ich blinzele   hoch zu ihm, aber er tut so, als w�re nichts geschehen. Seltsam. Ein paar   Minuten ist es jetzt ganz still, weder Carolin noch Daniel sagen ein Wort.   Eigentlich sehr sch�n. Dann r�uspert sich Daniel.</p><p>�Sag mal, was h�ltst du davon, wenn wir diese Woche mal etwas zusammen   machen?�</p><p>Was redet der Mann da blo� f�r einen Unsinn? Die beiden machen doch jeden Tag   etwas zusammen. Carolin sieht das offensichtlich genauso. Sie kichert.</p><p>�Und an was hattest du da so gedacht? An ein Cello oder eine Violine?�</p><p>�Ha, ha, sehr komisch.�</p><p>�Komm, kleine Revanche f�r deinen Cognac-Spruch von neulich.�</p><p>�Okay, dann sind wir jetzt quitt.� Weder Schweigen.</p><p>�Kochen�, sagt Carolin dann, �wir k�nnten doch zusammen etwas kochen. So wie   fr�her in unserer WG in Mittenwald. Das haben wir schon ewig nicht mehr   gemacht, und es war immer sehr lustig.�</p><p>Sie l�chelt Daniel an. Es ist genau dieses L�cheln, das mir schon im Tierheim   aufgefallen ist. Unverwechselbar und wundersch�n. Mit einem Mal ist es viel   w�rmer auf unserer Bank. Herrlich! Ich kuschle mich eng an Carolin und genie�e   den Moment.</p><p>Diesmal sehe ich Daniels Hand rechtzeitig, bevor sie auf meiner Nase landen   kann, und ducke mich weg. Der spinnt ja wohl! Wobei - offensichtlich hat er gar   nicht mich im Visier, sondern Carolin. Denn �ber meinen R�cken hinweg greift er   jetzt nach ihrer Hand und zieht sie zu sich her�ber. Carolin guckt erstaunt,   zieht ihre Hand aber nicht zur�ck. Was hat das schon wieder zu bedeuten? Wann   h�lt ein Mann die Hand einer Frau? Schade, dass Beck nicht hier ist, der wei�   das bestimmt. Ich beschlie�e, dass es eigentlich nur ein gutes Zeichen sein kann   - so sparsam, wie Menschen sonst mit K�rperkontakt sind. Ich bin gespannt, was   nun passiert.</p><p>�Hey, Sie!�, poltert in diesem Moment eine laute Stimme unfreundlich los.</p><p>Carolin und Daniel zucken zusammen, er l�sst ihre Hand wieder los.</p><p>�Ja, genau Sie meine ich!�, bellt die Stimme weiter.</p><p>Jetzt ist auch der Besitzer der unfreundlichen Stimme zu sehen: Er steht   direkt vor unserer Bank. Ich belle kurz - merkt der Typ nicht, dass er gerade   extrem st�rt? Aber er bleibt wie angewurzelt stehen und starrt Carolin und   Daniel an. Oder starrt er doch eher mich an? Eine b�se Vorahnung steigt in mir   hoch.</p><p>�Entschuldigen Sie, dass ich Sie hier so angehe. Holger Diekamp mein Name.   Aber der Hund, den Sie da auf dem Scho� haben, der hat sich hier gestern   ausgesprochen seltsam benommen - ich f�rchte, er hat irgendeine b�sartige   Krankheit. Offen gestanden halte ich selbst Tollwut nicht f�r ausgeschlossen,   auch wenn die Polizei das gestern anders beurteilt hat.�</p><p>�Die Polizei?�, echoen Carolin und Daniel wie aus einem Mund.</p><p>�Ja, ich habe nat�rlich gleich die Polizei informiert. Aber bevor die kommen   konnten, war der Hund schon verschwunden. Gemeinsam mit dem dicken Kater, der   die ganze Zeit dabei war. Ich war aber alarmiert und habe mir dann vorgenommen,   weiter nach dem Hund Ausschau zu halten. Schlie�lich ist die Tollwut eine   t�dliche Krankheit. Gut, das werden Sie vielleicht f�r �bertriebene Sorge   halten, aber der kleine Kerl da wand sich in Kr�mpfen und hatte Schaum vor dem   Mund. Au�erdem erschien er mir anh�nglich bis distanzlos - alles ganz typische   Zeichen. Waren Sie mit dem Tier in letzter Zeit vielleicht in Nordafrika?�</p><p>Ich merke, dass ich vor Schreck langsam ganz starr werde - was, wenn ich   jetzt doch noch zur Polizei muss? Und die mich dann wirklich einschl�fern   wollen? O nein, und alles nur wegen unseres bl�dsinnigen Plans! Ich versuche,   mich so klein wie m�glich zu machen und dr�cke mich ganz fest zwischen Daniel   und Carolin. Dicht gekauert an Daniels Hosenbein merke ich, wie dieser anf�ngt   zu zittern. Wie furchtbar! Offenbar hat er gro�e Angst vor mir - mein Schicksal   ist besiegelt, gleich werden mich die beiden an die Polizei ausliefern. Ich   senke meine Schnauze und beginne zu jaulen.</p><p>�Tollwut!�, st��t Daniel gepresst aus und zittert noch st�rker. �Das ist ja   der gr��te Unsinn, den ich jemals geh�rt habe.�</p><p>Uff! Daniel schlottert nicht vor Angst, sondern er sch�ttelt sich vor Lachen!   Vor Erleichterung springe ich spontan auf seinen Scho� und schlecke ihm �bers   Gesicht.</p><p>�Hoppla, Herkules! Sie sehen, Herr Diekamp - dieses kleine Kerlchen ist ganz   munter. Was auch immer er gestern hatte, Tollwut war es bestimmt nicht.   Vielleicht haben Sie ihn auch mit einem anderen Hund verwechselt.�</p><p>Diekamp schaut mich b�se an.</p><p>�Nein, eine Verwechslung war das mit Sicherheit nicht. Aber wenn Sie mit   Ihrer Sorglosigkeit auch Ihre eigene Gesundheit gef�hrden wollen, bitte sehr!�   Diekamp gibt noch ein w�tendes Schnauben von sich, dann macht er auf dem Absatz   kehrt und l�uft Richtung Parkausgang.</p><p>Daniel sch�ttelt den Kopf. �Also wirklich, es sind doch ganz sch�ne Spinner   unterwegs. Tollwut - so ein Schwachsinn.�</p><p>�Hm, ein bisschen Sorgen mache ich mir aber langsam schon.�</p><p>�Sorgen? Warum? Herkules ist mit Sicherheit pumperlgesund. Sieh ihn dir   einfach an. Dem fehlt nichts.�</p><p>�Ja, aber erinnerst du dich noch an letzte Woche? Der Penner? Der hat doch   auch gesagt, dass Herkules sich so seltsam aufgef�hrt hat. Vielleicht ist er ja   doch krank.�</p><p>Carolins Stimme klingt ganz beunruhigt. Mist - was habe ich da blo�   angezettelt!</p><p>�Ich meine, Kr�mpfe, Schaum vor dem Mund - ich habe mal irgendwo gelesen,   dass Hunde auch epileptische Anf�lle haben k�nnen. Und wenn man das wei�, kann   man es auch behandeln, genau wie beim Menschen.�</p><p>Daniel seufzt. �Also gut, dann lass uns doch eben bei deinem Tierarzt   vorbeischauen, wenn du dich dann besser f�hlst. Ist von hier aus bei dem sch�nen   Wetter auch ein netter Spaziergang - also so oder so eine gute Idee.�</p><p>Carolin nickt. �Ja, ich rufe gleich bei Dr. Wagner an.�</p><empty-line/><p>�Schon mal etwas Beruhigendes vorweg, Frau Neumann: Auf den ersten Blick ist   Herkules in ausgezeichneter Verfassung. Klare Augen, eine kalte Nase, gute   K�rperspannung - also einen Infekt w�rde ich ausschlie�en wollen.�</p><p>Ich hocke mal wieder auf dem kalten Metalltisch des Wagner'schen   Untersuchungszimmers und lasse Wagner gottergeben an mir herumhantieren. Ich   f�hle mich so mickrig, dass ich nicht mal die Gelegenheit nutze, Dr. Wagner auf   seine blauen Augen zu �berpr�fen. Aber was soll ich sagen? Ich bin selbst   schuld. Gerecht w�re es nat�rlich, wenn auch Herr Beck hier seine Portion   abkriegen w�rde, aber so ist die Welt nun einmal nicht. Wagner streicht mir �ber   den Kopf, dann dreht er sich wieder zu Carolin und Daniel, die neben dem Tisch   stehen und das ganze Procedere aufmerksam beobachten.</p><p>�Was die Epilepsie anbelangt: Also tats�chlich gibt es das bei Hunden. Sie   ist leider gar nicht so leicht zu diagnostizieren. Allerdings wird sie h�ufig   vererbt. Wissen Sie, ob es in der Familie von Herkules F�lle von Epilepsie   gibt?�</p><p>Carolin zuckt mit den Schultern. �Nein, tut mir leid. Ich habe Herkules aus   dem Tierheim geholt. Ich wei� eigentlich gar nichts �ber seine Familie, aber er   soll von einem sehr gewissenhaften Z�chter stammen. Er ist halt nicht   reinrassig, deswegen hat man ihn abgegeben.�</p><p>Dr. Wagner betrachtet mich nachdenklich. �Hm, gewissenhafter Z�chter ...   also, ich hatte gleich das Gef�hl, dass ich Herkules schon einmal irgendwo   gesehen habe. Muss ja eine Dackelzucht gewesen sein - und die kenne ich fast   alle. Vielleicht beim alten von Eschersbach?�</p><p>VON ESCHERSBACH!!! Allein die blo�e Erw�hnung dieses Namens haut mich fast   vom Tisch. Ich springe auf und belle laut los. Genau! Ich bin es! Ein echter von   Eschersbach! Und was f�r einer!</p><p>�Hoppla!�, ruft Wagner, w�hrend er mich sanft wieder in die Mitte des Tisches   schiebt. �Da freut sich aber einer! Den Namen kennst du offenbar gut, mein   Kleiner. Ich w�rde mal sagen: Bingo!�</p><p>Welche Rolle Bingo in diesem Zusammenhang spielt, ist mir v�llig unklar, aber   zum ersten Mal seit unserer ersten Begegnung ist mir Dr. Wagner fast   sympathisch. Endlich ein Mensch, der meine wahre Herkunft erkennt.</p><p>�Die von Eschersbach'sche Zucht hat schon mein Vater betreut. Ich selbst war   allerdings erst ein paar Mal da, die Hunde sind ja Gott sei Dank sehr gesund.   Aber ich kann von Eschersbach fragen, ob er schon jemals ein Problem mit   Epilepsie bei seinen Hunden hatte. Die Diagnostik ist n�mlich zum Teil sehr   aufwendig und teuer, da sollten wir schon einen etwas handfesteren Verdacht   haben. Vielleicht haben die Kr�mpfe ja eine ganz andere Ursache. Schildern Sie   mir doch bitte m�glichst genau, wie so ein Anfall abl�uft.�</p><p>�Na ja, so genau kann ich das gar nicht sagen. Ich war selbst n�mlich noch   nie dabei.�</p><p>�Hm.� Dr. Wagner blickt fragend zu Daniel.</p><p>Der sch�ttelt den Kopf. �Ich leider auch nicht.�</p><p>�Aber woher wissen Sie dann, dass Herkules Krampfanf�lle hat?�</p><p>�Es klingt jetzt wahrscheinlich ein bisschen seltsam, aber wir sind in den   vergangenen f�nf Tagen nun schon zweimal von Leuten auf diese Anf�lle   angesprochen worden. Das erste Mal brachte jemand Herkules vom Park zu uns nach   Hause und berichtete uns davon. Na, und heute war es wieder das Gleiche: Ein   Herr sprach uns im Park an und sagte, Herkules habe sich gestern vor ihm in   Kr�mpfen gewunden und gejault, au�erdem habe er Schaum vor der Schnauze gehabt.   Der Herr f�rchtete sogar, es k�nne Tollwut sein, weil Herkules auf einmal so   anh�nglich bei ihm war.�</p><p>Dr. Wagner lacht. �Also Tollwut ist es bestimmt nicht. In dem Stadium, in dem   Kr�mpfe auftreten, ist das Tier schon so gut wie tot. Au�erdem kann ich mich an   keinen einzigen Tollwutfall bei Hunden in Deutschland erinnern, seit ich   Tierarzt bin. Aber ich gebe Ihnen Recht, seltsam ist das nat�rlich schon.� Er   dreht sich wieder zu mir um und krault mich unter dem Kinn. �Hm, anh�nglich und   sonderbar bist du also? Hat Herkules in letzter Zeit vielleicht irgendetwas   Traumatisches erlebt, das ihn stark verunsichert haben k�nnte? Ich bin kein   Tierpsychologe, aber so etwas kann ein Tier schon einmal im Verhalten   beeintr�chtigen. Sie sagten ja, er k�me aus dem Tierheim. Vielleicht   Verlust�ngste? Haben Sie ihn mal aus Versehen ausgesperrt oder so was?�</p><p>Carolin schaut betreten zu Boden. �Ich war vor kurzem ein bisschen krank.�   Sie fl�stert mehr, als sie spricht.</p><p>�Richtig, ich erinnere mich. Frau Bogner erw�hnte es, als sie mit Herkules   zur Nachuntersuchung kam.�</p><p>�Oh, hat sie das?� Carolin wird rot.</p><p>�Also, Sie meinen, dass Herkules m�glicherweise darauf reagiert?�, will   Daniel wissen. �Das ist echt interessant. Vielleicht macht er sich ja Sorgen um   dich und will einen Besch�tzer f�r dich finden - immerhin hat er die Nummer   bisher nur vor M�nnern abgezogen.�</p><p>Ertappt! Ich ziehe schuldbewusst den Schwanz ein.</p><p>Carolin funkelt Daniel b�se an. �Ich glaube kaum, dass es da einen   Zusammenhang gibt.�</p><p>�Mensch, Carolin, das war doch nur ein Scherz.�</p><p>Dann bin ich beruhigt! Es w�re mir doch sehr unangenehm, hier so   aufzufliegen. Carolin f�nde das bestimmt nicht gut.</p><p>�Nun�, mischt sich Dr. Wagner ein, �so abwegig finde ich den Gedanken nicht.   Hunde entwickeln f�r ihr soziales Rudel schon einen ziemlichen   Besch�tzerinstinkt. Also wenn es einen Verdacht in die Richtung gibt, w�rde ich   ihm auf alle F�lle mal nachgehen. Was genau ist denn bei Ihnen passiert?�</p><p>�Ich glaube nicht, dass uns das irgendwie weiterbringt�, kanzelt Carolin ihn   schnippisch ab. �Bei mir ist alles in Ordnung. Aber fragen Sie mal diesen   Z�chter, das scheint mir erfolgversprechender zu sein.�</p><empty-line/><p>�Also wirklich, was f�r eine Frechheit, mich so auszufragen! Dieser Wagner   ist echt unm�glich. M�chte mal wissen, was Nina an dem so toll findet�, regt   sich Carolin auf, als wir wieder auf dem Weg nach Hause sind.</p><p>Ich trabe neben ihr und Daniel her und lausche dabei gespannt. Immerhin geht   es auch um mich.</p><p>�Beruhige dich, er hat es doch nicht b�se gemeint. Er wollte nur eine   m�glichst fundierte Diagnose stellen. Er kann ja nicht wissen, dass du so   empfindlich in diesem Punkt bist.�</p><p>�Ich bin nicht empfindlich!�, ruft Carolin emp�rt.</p><p>�Na ja, ein bisschen schon�, widerspricht Daniel.</p><p>�Und wenn schon - ist das ein Wunder? Das muss man sich mal vorstellen: Mein   Tierarzt vermutet, dass Herkules sich psychopathisch benimmt, weil ich so ein   schwerer Fall bin.�</p><p>�He, das hat nun wirklich niemand behauptet. Und abgesehen davon, ist es   auch v�llig abwegig.�</p><p>�Ach ja?� Carolin dreht den Kopf zu Daniel, der grinst.</p><p>�Ich hoffe doch sehr, dass Herkules erst einmal mich als deinen Retter in   Erw�gung zieht, bevor er irgendwelche wildfremden Kerle anschleppt.�</p><p>Nun muss auch Carolin lachen. �Stimmt, das hoffe ich doch auch!�</p><p>Aha, so ist das also. Vielleicht ist Daniel doch nicht zu nett f�r Carolin.   Ich muss dringend mit Beck sprechen. Unser Plan braucht vielleicht eine   grundlegende Korrektur. Ach was - unser Plan ist hoffentlich bald   �berfl�ssig.</p><empty-line/></section><section><p><strong><emphasis>VIERZEHN</emphasis></strong></p><p>�Ich glaube, wir brauchen gar nicht mehr zu suchen: Wir haben unseren   Mann!�</p><p>Mit wichtiger Miene verk�nde ich Herrn Beck am n�chsten Tag meine neue   Erkenntnis in Sachen Partnerwahl von Carolin. Wir sitzen unter unserem Baum im   Garten und genie�en die warme Nachmittagssonne.</p><p>�Wie kommst du denn darauf? Erst wart ihr mit Daniel im Park, dann beim   Tierarzt, heute ist Carolin den ganzen Tag ohne dich unterwegs - wie kannst du   da einen Prinzen f�r sie gefunden haben?�</p><p>�Ganz einfach: Wir hatten den Prinzen die ganze Zeit dabei.�</p><p>�H�? Versteh ich nicht.�</p><p>�Daniel. Ich glaube, Daniel ist der Richtige.�</p><p>�Ach komm, das habe ich dir doch schon erkl�rt: Daniel scheidet aus. Wegen   Zu-Nettsein in besonders schwerem Fall, strafsch�rfend kommt noch Gutm�tigkeit   hinzu.�</p><p>Herr Beck, der Anwalt. Wenn er so ist, mag ich ihn eigentlich nicht   besonders.</p><p>�Hast du schon mal dar�ber nachgedacht, dass deine Theorie falsch sein   k�nnte? Ich habe die beiden genau beobachtet: Erstens liegt so eine Spannung in   der Luft, wenn sie zusammen sind. Ich kann es nur schwer beschreiben, aber es   ist eindeutig da, auch wenn man es nicht sieht. Wie Strom auf dem   Weidezaun.�</p><p>Herr Beck guckt unbeeindruckt und r�kelt sich ausgiebig. �Strom auf dem   Weidezaun? Du bist echt ein Landei, mein Lieber. Ich wei� �berhaupt nicht, was   du meinst.�</p><p>Seinen Einwand ignorierend, z�hle ich meine weiteren Indizien auf: �Und   zweitens hat Daniel Carolins Hand gehalten. Auf der Parkbank - sogar �ber   meinen R�cken hinweg.�</p><p>�Na und? Die beiden kennen sich eine Ewigkeit. Was hei�t das schon?�</p><p>�Und drittens hat Carolin selbst gesagt, dass sie Daniel gerne als ihren   Retter h�tte.�</p><p>So, Kater, und jetzt kommst du!</p><p>�Du musst noch viel lernen, mein Hundefreund. Was Menschen sagen und was sie   dann tats�chlich denken und folglich auch machen, sind zwei v�llig   unterschiedliche Dinge. V�llig. Manchmal denke ich sogar, dass das   Sprachverm�gen an den Menschen komplett verschwendet ist, denn er nutzt es so   gut wie nie f�r sinnvolle Dinge. Ehrlich, wenn die Menschen sich nicht   miteinander unterhalten k�nnten, w�rde sich im Grunde genommen nichts �ndern.   Sie sagen sich ja doch nie die Wahrheit.�</p><p>�Das ist Quatsch. Ich glaube, du willst einfach nur Recht behalten.�</p><p>�Ich will nicht Recht behalten - ich habe Recht.�</p><p>Meine G�te, ist der heute wieder stur. Ich seufze und sage nichts mehr. Es   ist schlie�lich wurscht, was dieser Kater denkt. Hauptsache, bei Carolin kommt   wieder alles ins Lot, und wir sind bald wieder eine gl�ckliche Familie mit   Herrchen, Frauchen und Hund. Eine Weile noch schweigen Beck und ich uns an, dann   beschlie�e ich, wieder in die Werkstatt zu trotten. Carolin ist zwar auf   irgendeinem Termin unterwegs, aber vielleicht kann ich bei Daniel ein paar   Streicheleinheiten abstauben.</p><p>Ich komme gerade rechtzeitig, um einen gro�en Auftritt von Aurora   mitzuerleben. Mit weit ausholenden Armbewegungen erz�hlt sie �ber ihr letztes   Konzert. Offenbar ein grandioser Erfolg, daran l�sst sie keinen Zweifel. Nach   meiner Kenntnis von menschlicher Erziehung ist so viel Eigenlob unfein. Der   alte von Eschersbach h�tte Aurora jetzt jedenfalls sehr tadelnd angeschaut. <emphasis>�Man tut nicht gro�. Das schickt sich nicht.�, </emphasis>war ein beliebter   Ratschlag von ihm an alle Menschen, die im Schloss ein und aus gingen.   Allerdings ist von Eschersbach nat�rlich deutlich �lter als Aurora, es ist also   m�glich, dass seine Ansichten schon etwas altmodisch sind. Oder aber die Sache   mit dem Eigenlob gilt bei K�nstlern nicht so direkt.</p><p>�Begeistert - die Leute waren einfach begeistert, Daniel. Aber ich habe mich   an diesem Abend auch wirklich selbst �bertroffen. Schade �brigens, dass du nicht   da warst.�</p><p>�Ja, schade. Das n�chste Mal komme ich - sp�testens, wenn ich deine neue   Geige fertig habe, versprochen.�</p><p>Aurora zieht die Nase kraus, was sehr interessant aussieht. �Hm, da habe ich   doch glatt das Gef�hl, dass du nur wegen der Geige kommst und nicht wegen   mir.�</p><p>�Also bitte, das ist doch Unsinn, Aurora. Du wei�t genau, wie gerne ich dich   spielen h�re. Ich bin in letzter Zeit einfach zu besch�ftigt.�</p><p>�Und zwar damit, deine Kollegin zu pflegen, oder?�</p><p>�Mit Verlaub, das geht dich �berhaupt nichts an.�</p><p>Daniel klingt jetzt fast ein bisschen b�se. Gut so!</p><p>�Aber Recht habe ich schon! Seitdem Carolin diesen Thomas los ist, geht es   bei euch drunter und dr�ber. Man kriegt dich kaum noch an die Strippe, Termine   zu vereinbaren ist so gut wie unm�glich ... nichts gegen Liebeskummer, aber ihr   habt eine Werkstatt, kein Reha-Zentrum f�r gebrochene Herzen.�</p><p>�Aurora, wir kennen uns jetzt f�nf Jahre. Habe ich jemals schlechte Arbeit   bei dir abgeliefert?� �Nein, so meinte ich das ...�</p><p>�Na also. Und hat Carolin jemals schlechte Arbeit abgeliefert?�</p><p>�Du willst mich einfach nicht verstehen - was ich sagen wollte, ist nur   ...�</p><p>�Dass du dich vernachl�ssigt f�hlst. Ja, das habe ich schon verstanden.�</p><p>�Daniel!� Auroras Stimme bekommt einen weinerlichen Unterton. �Sei doch nicht   gleich sauer. Ich bin nur etwas entt�uscht, dass wir momentan so wenig Kontakt   haben, das ist alles. Ich dachte, du interessierst dich f�r meine Kunst.�</p><p>Oh, ich w�nschte, ich k�nnte mit den Augen rollen! Selbst ohne die   professionelle Einsch�tzung von Herrn Beck ist mir klar, dass Aurora keinesfalls   Daniels Interesse f�r ihre Kunst vermisst. Aber Daniel scheint diese Bemerkung   ignorieren zu wollen, jedenfalls schwenkt er mit einem Mal Richtung <emphasis>vers�hnlich.</emphasis></p><p>�Lass uns nicht streiten. Ich verspreche hoch und heilig, zu deinem n�chsten   Konzert zu kommen. Ob mit oder ohne neuer Geige.�</p><p>Sofort strahlt Aurora ihn an und sieht dabei aus wie ein Kind. Hm, ob das bei   Menschenm�nnern gut ankommt? Als Dackel finde ich es reichlich albern.</p><p>�Oh, danke, Daniel! Das bedeutet mir so viel! Und falls das wieder nicht   klappen sollte: Zum Herbst suche ich noch jemanden, der mich auf meiner n�chsten   Konzertreise begleiten kann. Es geht nach Italien, und ich m�chte mir   gleichzeitig ein paar Geigen anschauen, die mir dort angeboten werden. Was   meinst du?�</p><p>�Na ja, jetzt hast du gerade erst ein Meisterst�ck gekauft.</p><p>Au�erdem kann ich die Werkstatt nicht so lange allein lassen.�</p><p>�Ich sehe schon, du willst nicht gleich zusagen. Aber eine Absage akzeptiere   ich jetzt auch noch nicht. Da warte ich lieber noch ein bisschen.� Sie   t�tschelt seinen Arm. �Dann muss ich auch mal wieder los. Ich habe echt viel auf   dem Zettel.�</p><p>Sie dreht sich um - und tritt mir einfach auf die Schwanzspitze. Gut,   wahrscheinlich nicht in b�ser Absicht. Und richtig weh tut es auch nicht, daf�r   hat sie mich nicht genug erwischt. Aber diese Gelegenheit kommt wahrscheinlich   nicht so schnell wieder, und deshalb jaule ich sofort erb�rmlich und schnappe   dann kurz, aber herzhaft zu. Zack. Grrr. Herrlich!</p><p>Aurora st��t einen spitzen Schrei aus und springt in die Luft. �Aua! Verdammt   - spinnst du?!�</p><p>Sie starrt mich an, und ich versuche, m�glichst unschuldig zu schauen und   jaule prophylaktisch noch ein bisschen. Aurora reibt sich die Wade - man kann   den Abdruck meiner Z�hne ziemlich gut sehen.</p><p>Daniel guckt unger�hrt. �Tja, da bist du dem armen Herkules wohl m�chtig auf   den Schwanz gestiegen. Sonst ist er ganz lieb.�</p><p>Aurora schnappt nach Luft, will anscheinend etwas B�ses sagen, l�sst es dann   aber.</p><p>�Ein ganz Lieber, bestimmt. Gr�� Carolin, bis bald.�</p><p>Dann rauscht sie raus. Daniel guckt mich an. Dann b�ckt er sich und   streichelt mir �ber den Kopf.</p><p>�Gut gemacht, Dicker.�</p><empty-line/><p>�Wie sehe ich aus, Herkules?�</p><p>Carolin hat ein knielanges Bl�mchenkleid an und dreht sich vor mir hin und   her. Sehr h�bsch, das muss ich schon sagen. Au�erdem freue ich mich nat�rlich,   dass sie f�r den gemeinsamen Kochabend mit Daniel ein Blumenmuster w�hlt. Wenn   ich Herrn Beck richtig verstanden habe, ist das doch ein klares Frauenmuster.   Ich kombiniere: Carolin will eindeutig wie eine Frau aussehen. Ein gutes   Zeichen! Ich setze mich vor sie und wedele mit meiner Rute.</p><p>�Aha, das gef�llt dir also? Sehr sch�n, dann lasse ich es an. Und Haare offen   lassen oder hochstecken?�</p><p>Mit einer geschickten Handbewegung dreht sie ihre langen Haare schnell nach   oben und h�lt sie auf dem Kopf zu einem Knoten. Ich knurre kurz. Offen ist viel   sch�ner - da sieht man die Haare doch viel besser, und kein Hund k�me jemals auf   die Idee, sein sch�nes Fell zu verstecken. Erst recht nicht, wenn es so seidig   gl�nzt wie das Haar von Carolin. Da kann ein Rauhaardackel-Spross wie ich doch   nur neidisch sein. In dieser Beziehung ist Carolin ein echter Setter, oder mehr   noch: ein Golden Retriever. Sie l�sst die Haare wieder nach unten fallen.</p><p>�Verstehe, offen. Tja, das sieht vielleicht besser aus, ist aber zum Kochen   ein bisschen unpraktisch.�</p><p>Ich lege den Kopf schief. Ne, offen ist viel sch�ner!</p><p>�Okay, wie w�re denn ein Kompromiss: Beim Kochen stecke ich sie hoch, dann   mache ich sie wieder auf. Genau. Gute Idee. Danke, Herkules!�</p><p>Bitte, gerne. Ich freue mich, wenn ich helfen kann.</p><p>Gut gelaunt l�uft Carolin durch die Wohnung und r�umt Sachen hin und her. Sie   deckt den Tisch, �ffnet wieder eine dieser gr�sslichen Flaschen und gie�t den   Inhalt mit Schwung in eine andere, gr��ere und rundlichere Flasche. Ein Schwung   roter Fl�ssigkeit landet in dem Gef��. Sieht ganz h�bsch aus, aber was das soll,   ist mir schleierhaft. Ich habe es allerdings auch schon das ein oder andere Mal   beim alten Eschersbach beobachtet. Vielleicht ein Ritual? Ein Zauber? F�r einen   gelungenen Abend? Als Dackel bin ich nicht besonders abergl�ubisch, aber wenn es   heute hilft, soll es mir recht sein. Es w�re zu sch�n, Becks dummen   Gesichtsausdruck zu sehen, wenn ich ihm erz�hlen k�nnte, dass Carolin und   Daniel doch ein Paar geworden sind.</p><p>Es klingelt an der T�r. Das ist bestimmt Daniel. Mann, bin ich aufgeregt!   Carolin anscheinend auch, denn sie st�rzt zur T�r, legt aber dann eine   Vollbremsung vor dem Spiegel rechts daneben hin und mustert sich noch einmal   kritisch, bevor sie aufmacht. Erwartungsvoll hefte ich mich an ihre Fersen und   gebe das unterst�tzende Empfangskomitee. Carolin rei�t die T�r auf, ich mache   M�nnchen - es ist Nina. Och n�! Was will die denn hier?</p><p>�Was willst du denn hier?�</p><p>�Das nenn ich mal einen herzlichen Empfang! Danke, mir geht es auch gut, und   ich komme gerne rein.�</p><p>�Du, das passt mir eigentlich gerade nicht so gut.�</p><p>�Hm, ich sehe schon. Du bist f�r deine Verh�ltnisse ja regelrecht   aufgebrezelt. Wer kommt denn?�</p><p>�Daniel. Wir wollen etwas kochen.�</p><p>�Ach so, Daniel. Dann kann ich doch wohl einen Moment bleiben. Ich dachte, du   h�ttest ein Date.�</p><p>Carolin seufzt, dann tritt sie einen Schritt zur Seite. �Was gibt's denn so   Dringendes?�</p><p>�Ich glaube, Marc Wagner ist doch nicht so mein Fall.�</p><p>�Aha. Wie kommt es denn zu diesem pl�tzlichen Sinneswandel?�</p><p>�Hm, erkl�r ich dir gleich. Kann ich ein Glas haben?� Sie deutet auf die   bauchige Glasflasche, in die Carolin eben die andere Flasche gegossen hat. �Ich   muss erst mal was trinken. Mein gestriger Abend war eine echte Pleite.�</p><p>�Ja, aber eigentlich wollte ich wirklich ...�</p><p>�Danke, das kann ich jetzt gut gebrauchen.� Nina holt sich ein Glas aus dem   Schrank, schenkt sich ein und schnuppert kurz an dem roten Zeug. �Hm, lecker,   das ist ja ein edler Tropfen. Gibt's irgendetwas Besonderes zu feiern? Wieder   irgendeine Hunderttausend-Euro-Geige f�r Aurora ersteigert?�</p><p>�Nein, ich wollte einfach nur nett mit Daniel kochen und ein Glas Wein   trinken.� Carolin wirft Nina einen b�sen Blick zu, was die aber nicht sehen   kann, weil sie zu sehr mit ihrem Glas besch�ftigt ist.</p><p>�Na, da habt ihr ja Gl�ck, dass ich spontan dazusto�e, sonst w�rdet ihr doch   den ganzen Abend wieder nur �ber den Job reden.�</p><p>Ich merke Carolin an, dass sie dazu gerne etwas sagen w�rde, aber in diesem   Moment klingelt es schon wieder an der T�r. Daniel.</p><p>�Wow, Carolin, du siehst toll aus!� Er begr��t sie mit einem K�sschen auf   ihre linke und rechte Wange. Das habe ich vorher noch nie bei den beiden gesehen   - ich wusste doch, dass meine Theorie richtig ist. Dann sieht er Nina. �Oh,   hallo, wusste gar nicht, dass du auch da bist.� Er klingt entt�uscht, und so gut   kenne ich die Menschen mittlerweile, um zu wissen, dass er es auch ist. Nur Nina   scheint davon rein gar nichts zu bemerken, sie winkt ihm fr�hlich zu.</p><p>�Ja, ich habe mich spontan eingeklinkt. Mir war zwar eher nach einem   Frauenabend, aber du kannst ruhig dableiben.� Sie lacht.</p><p>Daniel ringt sich ein L�cheln ab. �Angesichts der Tatsache, dass ich im   Gegensatz zu dir einer Einladung folge, ein sehr gro�z�giges Angebot.�</p><p>�Bitte sehr.�</p><p>Nina strahlt Daniel an. Offenbar ist sie nicht dazu zu bewegen, Leine zu   ziehen. �Was kochen wir denn?�</p><p>Sie geht Richtung K�che, Carolin guckt Daniel an und zuckt mit den Schultern.   Dann folgen beide Nina. Vor dem K�hlschrank angekommen, bleiben die drei   stehen.</p><p>�Ich habe alles f�r ein Coq au vin vorbereitet. Wir m�ssten nur noch   gemeinsam Kartoffeln schnippeln, w�hrend das H�hnchen im Ofen brutzelt. Also   dann setzt euch mal, ich gebe euch Sch�lmesser.�</p><p>Carolin, du bist echt zu gut f�r diese Welt. So werden wir Nina nie los. Und   du und Daniel nie ein Paar. Und ich nie der   Super-ich-habs-schon-immer-gewusst-Dackel.</p><p>Es kommt wie bef�rchtet: Nach einer halben Stunde ist Nina immer noch da.   Kein Wunder, verstr�mt das H�hnchen mittlerweile einen ziemlich verf�hrerischen   Duft. Da will sie nat�rlich einen Bissen von abhaben, und ich kann es ihr nicht   einmal verdenken. Auch ich spekuliere schon auf einen kleinen Happen. Um meine   Ausgangsposition zu verbessern, schl�pfe ich neben Carolin, die mittlerweile   auf der K�chenbank sitzt, lege meinen Kopf auf ihren Scho� und gucke sie so   herzerweichend wie nur m�glich an. Leider mit m��igem Erfolg, denn Carolin, Nina   und Daniel sind so in ihr Gespr�ch vertieft, dass sie mich gar nicht   bemerken.</p><p>�So, und Dr. Wagner ist nun also doch nicht der Traumtyp?�</p><p>Wie kann man sich nur st�ndig �ber einen Tierarzt unterhalten? Und dann mit   dieser Diagnose? Mit Verlaub, die stand doch wohl schon vorher fest. Tja, Nina,   h�ttest du mich mal gefragt, ich h�tte es dir gleich gesagt. Nina schenkt sich   noch ein Glas ein.</p><p>�Wir waren jetzt schon dreimal verabredet. Es ist auch jedes Mal nett und   witzig - aber ansonsten passiert gar nichts. Und heute war es noch nicht einmal   besonders nett, weil unser Strandausflug leider von mehreren Gro�familien mit   ihren ungezogenen G�ren boykottiert wurde. Nervig, das.�</p><p>�Mensch, und das, wo du doch eine bekennende Kinderfreundin bist. Dann muss   es ja wirklich schlimm gewesen sein.�</p><p>T�usche ich mich, oder macht sich Daniel �ber Nina lustig. Wird wohl so   sein, die reagiert n�mlich sehr gereizt.</p><p>�Na und? Es tr�umt eben nicht jeder von einer Kinderschar. Nur, weil ich   eine Frau bin, muss ich nicht Mutter sein wollen.�</p><p>Daniel hebt beschwichtigend die H�nde. �Ist ja gut. Dann eben keine Kinder.   Muss ja nicht.�</p><p>�Na, jedenfalls passiert bei Marc und mir absolut nichts. Und so hat's ja   keinen Sinn. Ich suche schlie�lich keinen Kumpel, sondern einen Lover.   Vielleicht ist Marc ja schwul?�</p><p>Schwul? Was mag das sein? Ein anderes Wort f�r sch�chtern?</p><p>Daniel grinst. �Nicht jeder Mann, der nichts mit dir anfangen will, muss   automatisch schwul sein. Sieh mich an, ich bin der lebende Beweis.�</p><p>Nina guckt ihn b�se an. Hm, es muss irgendetwas anderes bedeuten als   sch�chtern.</p><p>�Vielen Dank auch f�r die Blumen. Und keine Sorge, ich werde mich dir nicht   unsittlich n�hern.�</p><p>�Gut, dann w�re das ja gekl�rt�, ruft Carolin betont fr�hlich. �Ich schlage   vor, wir essen jetzt mal was.�</p><p>Eine ganz ausgezeichnete Idee. Schnell setze ich wieder meinen treusten   Dackelblick auf. Und diesmal reagiert Carolin.</p><p>�Sch�tze, Herkules h�tte auch gerne einen kleinen Appetizer. Wenn ich gewusst   h�tte, dass wir zu viert sind, h�tte ich mehr gekauft.�</p><p>�Na h�r mal, du willst mich jetzt nicht mit einem Hund gleichsetzen, oder?   Au�erdem hat mir niemand gesagt, dass heute Abend ein Kochevent stattfindet.   Sonst h�tte ich mich ordnungsgem�� angemeldet. Oder ...�, Nina stockt einen   kurzen Moment, �oder wolltet ihr allein sein?�</p><p><emphasis>Richtig geraten!, </emphasis>m�chte ich rufen, aber weder Carolin noch Daniel   entgegnen hierauf etwas. Stattdessen holt Carolin den Br�ter aus dem Backofen.   Eine warme Wolke H�hnchentraum schwebt zu mir her�ber. Hm, lecker! Ich schlecke   mit der Zunge einmal um meine Lefzen herum. Nina sieht das und guckt mich   nachdenklich an.</p><p>�Sag mal, Coq au vin - ist das wohl das Richtige f�r einen Hund? Immerhin ist   da Alkohol drin.�</p><p>Na, das ist wohl das Letzte! Sich erst selbst einladen und mir dann meine   Pordon streitig machen. Frechheit! Ich knurre sie an.</p><p>�He, ist ja schon gut! Ich m�chte nur nicht, dass du morgen einen Kater   hast.�</p><p>In welchem Zusammenhang steht denn Herr Beck nun wieder mit dem H�hnchen? Ich   sag mal, wie es ist: F�r meinen Geschmack wird heute Abend entschieden zu viel   geredet. Und das ist alles Ninas Schuld. Dabei sah alles so gut aus - ohne die   dumme Kuh h�tte Daniel bestimmt wieder nach Carolins Hand gegriffen, vielleicht   h�tten sich die beiden sogar schon gek�sst. Ich beschlie�e, in den weiteren   Verlauf des Abends einzugreifen. Aber erst, nachdem ich endlich auch etwas zu   fressen bekommen habe!</p><p>Daniel, der alte Hundefreund, bereitet tats�chlich einen kleinen Teller f�r   mich vor. Feinstes H�hnerfleisch, ohne Knochen, ohne Sehnen. Es riecht   himmlisch, aber auch ein wenig ungewohnt. Das liegt bestimmt an der roten   Fl�ssigkeit, die Carolin nicht nur in die andere Flasche, sondern auch   reichlich in den Br�ter gegossen hat. Ob das der Alkohol ist? Und warum soll der   sch�dlich sein? Oder ist das genau das Zeug, das Carolin ins Krankenhaus   bef�rdert hat? Ach, egal, Appetitt siegt �ber Misstrauen, und nach dem ersten   Bissen bin ich wie verzaubert, so grandios schmeckt es. Ich muss mich sehr   beherrschen, nicht einfach alles in mich hineinzuschlingen. Nach f�nf Happen ist   der Traum leider vorbei, ordentlich lecke ich meinen Teller ab, um nur ja keinen   Tropfen der k�stlichen Sauce zu vergeuden.</p><p>Den anderen schmeckt es leider genauso gut, ein Nachschlag ist also   illusorisch. Macht aber nichts, denn nun startet die Aktion <emphasis>Freiheit f�r   Carolin und Daniel. </emphasis>Ich flitze aus der K�che zur Garderobe und schnappe mir   meine Leine. Mit dieser im Maul renne ich zur�ck und mache direkt vor Nina   M�nnchen. Sie guckt mich erstaunt an.</p><p>�Willst du etwa mit mir Gassi gehen?�</p><p>Aber nat�rlich! Zur Best�tigung h�pfe ich auf und ab.</p><p>�Och n�, ich sitze hier gerade so sch�n. Frag doch lieber dein Frauchen -   oder noch besser, frag doch mal den Onkel Daniel.� Sie grinst Daniel an.</p><p>�Verstehe, ihr wollt noch ein bisschen Hardcore-Frauengespr�che f�hren. Na   komm, Herkules, dann drehen wir eine Runde um den Block.�</p><p>Nein! Auf keinen Fall! Das ist doch das genaue Gegenteil von dem, was ich   wollte! Schnell lasse ich die Leine fallen und renne aus der K�che. Leider   deutet Daniel dies v�llig falsch und kommt mit der Leine hinter mir her Richtung   Wohnungst�r. Ich knurre kurz, aber es hilft nichts: Daniel zieht sich seine   Jacke �ber, dann leint er mich an und zwei Minuten sp�ter stehen wir auf dem   B�rgersteig vor dem Haus. Wortlos marschieren wir los. Als wir im Park ankommen,   r�uspert sich Daniel.</p><p>�Wahrscheinlich ist es komisch, sich ausgerechnet mit einem Hund dar�ber zu   unterhalten - aber du bist momentan der einzige Mann in der N�he, und ich muss   dringend meinen Frust loswerden. Denn wenn ich ehrlich bin, habe ich mir den   heutigen Abend etwas anders vorgestellt. Romantischer. Inniger. Und vor allem:   zweisamer. Was in aller Welt hatte Nina denn bei unserer Verabredung zu suchen?   Kannst du mir das mal erz�hlen, Herkules?�</p><p>Ich sch�ttle den Kopf und hoffe, dass Daniel diese Meisterleistung an   Kommunikation Hund - Mensch erkennt.</p><p>�Ach, ich wei� auch nicht - ich dachte, irgendwie sei da mittlerweile mehr   zwischen Carolin und mir. Aber offensichtlich war sie heute Abend ganz froh   �ber Ninas Spontanbesuch.�</p><p>Ich belle kurz.</p><p>�Oder nicht? Aber warum hat sie dann nichts gesagt?�</p><p>Betr�bt lasse ich die Ohren h�ngen. Das, mein lieber Daniel, wei� ich   ehrlich gesagt auch nicht. Ich finde auch, dass sie Nina h�tte vor die T�r   setzen k�nnen. Schweigend laufen wir nebeneinander her.</p><p>�Aber es ist wahrscheinlich meine eigene Schuld. Ich muss deutlicher zeigen,   dass Carolin f�r mich mehr als nur eine Kollegin und Freundin ist. Sonst wird   sie mich ewig nur f�r den netten Kumpel Daniel halten. Ich muss endlich   handeln.�</p><p>Eine gute Idee! Ich w�re jedenfalls schwer daf�r und springe deswegen kurz an   Daniels Bein hoch.</p><p>�Das glaubst du auch, was?� Er sieht sich um, dann lacht er auf. �Ob mich   jemand dabei beobachtet, wie ich M�nnergespr�che mit einem Dackel f�hre? Und ob   man deswegen eingewiesen werden kann? Sieht bestimmt ziemlich gaga aus.</p><p>Egal. Wir drehen noch unsere Runde zu Ende, dann werde ich meinen neuen   Entschluss in die Tat umsetzen.�</p><p>Das ist doch mal ein Wort! Sofort lege ich einen Zahn zu. Ab nach Hause!</p><empty-line/><p>Wieder in der Wohnung, ist Nina endlich gegangen. Carolin r�umt die K�che auf   und begr��t uns fr�hlich.</p><p>�Da seid ihr ja wieder! Hat dir der Spaziergang gefallen, Herkules? War f�r   dich bestimmt ein langweiliger Abend - zu viel Gerede, oder? Aber dass dir mein   H�hnchen geschmeckt hat, freut mich nat�rlich.�</p><p>�Mir hat es �brigens auch sehr gut geschmeckt. Nochmals vielen Dank f�r die   Einladung. Wollen wir noch ein Glas Wein trinken?�</p><p>�Ja, warum nicht. Ich bin allerdings schon ziemlich m�de. Sp�t wird's bei mir   heute nicht.�</p><p>Sie holt zwei neue Gl�ser aus dem K�chenschrank und stellt sie neben die   Flasche, die noch auf dem K�chentisch steht. Daniel gie�t ein und gibt Carolin   ein Glas.</p><p>�So, bitte sch�n. Auf unseren Kochabend zu zweit!�</p><p>Beide lachen.</p><p>�Hm, offensichtlich war Nina wild entschlossen, alle unsere Hinweise zu   ignorieren. Aber sie hat sich so in diese Tierarzt-Geschichte verrannt, da   brauchte sie heute ganz dringend seelischen Beistand. Tut mir leid, ich hatte   mir den Abend auch anders vorgestellt.�</p><p>�Schon in Ordnung, mit weiblicher Solidarit�t kann ich leben. Ich hatte schon   bef�rchtet, dir w�re Ninas Besuch ganz recht gewesen.�</p><p>Carolin sch�ttelt den Kopf und g�hnt. �Auf keinen Fall. Aber jetzt muss ich   wirklich ins Bett. Habe morgen einen Ausw�rtskundentermin - und das leider schon   um acht Uhr. Lass uns mal einen neuen Termin f�r unser Kochevent suchen - und   das findet dann an einem geheimen Ort statt.�</p><p>Sie steht auf, Daniel ebenfalls. Na super, so viel zum Thema <emphasis>ich muss mal   handeln. </emphasis>Jetzt geht Daniel nach Hause und passiert ist immer noch nichts.   Was f�r eine Pleite. Damit brauche ich mich bei Herrn Beck nicht blicken zu   lassen. Er hatte eben doch Recht. Daniel ist echt zu nett. Und zu lahm.</p><p>Die beiden stehen im Flur, und Carolin �ffnet Daniel die T�r. Einen kurzen   Moment lang sieht es so aus, als w�rde er an ihr vorbeigehen, doch dann z�gert   er - und schlie�t die T�r wieder.</p><p>�Du, Carolin, ich muss dir etwas sagen. Ich, �h, nein, ich muss etwas   machen.�</p><p>Dann legt er seine H�nde auf ihre Schultern, zieht sie zu sich heran und -   k�sst sie. Auf den Mund. Genauso schnell wie das passiert ist, l�sst er sie dann   wieder los, murmelt ein undeutliches <emphasis>Tsch�ss </emphasis>und verschwindet.</p><empty-line/></section><section><p><strong><emphasis>F�NFZEHN</emphasis></strong></p><p>Mist! Eigentlich wollte ich Herrn Beck sofort vom gestrigen Abend erz�hlen.   Ich hatte mich schon auf seinen Gesichtsausdruck gefreut, wenn ihm klar w�rde,   dass ich doch Recht hatte. Aber daraus wird nun leider nichts. Denn anstatt   morgens gem�tlich in die Werkstatt zu trotten und mich dann in den Garten zu   verkr�meln, laufe ich hinter einer Carolin her, die einen gro�en Koffer vor sich   her tr�gt und es offensichtlich sehr eilig hat. Jetzt wirft sie mir einen Blick   �ber die Schulter zu.</p><p>�Komm, Herkules, gib Gas! Nicht mit jedem Baum Freundschaft schlie�en!�</p><p>Sie zieht mit Nachdruck an meiner Leine, und das mag ich nun gar nicht. So   nicht. Nicht mit mir. Aus Protest setze ich mich erst einmal hin.</p><p>�Herkules, was soll denn das? Komm schon, wir sind sp�t dran. Ich muss dieses   Ding p�nktlich abliefern.�</p><p>Wieder ein Ziehen. Ich lege den R�ckw�rtsgang ein. Carolin schnaubt genervt   und stellt den gro�en Kasten ab.</p><p>�Du bist ein ungezogener Dackel! Frauchen muss arbeiten, damit sie f�r dich   Fleischwurst kaufen kann. Wir haben einen Termin, die Leute warten auf uns.�</p><p>Pah! Mir doch egal. H�ttest mich ja bei Daniel parken k�nnen, wenn ich st�re.   Carolin �berlegt einen Augenblick, dann kniet sie sich zu mir herunter.</p><p>�Herkules, Sch�tzchen, sei ein braver Hund und komm jetzt mit. Ich verspreche   dir, es geht ganz schnell. Ich muss nur etwas abliefern, dann gehen wir wieder   nach Hause zu Daniel. Bitte! �</p><p>T�usche ich mich, oder bekommt ihre Stimme bei dem Namen �Daniel� einen ganz   warmen Klang? Ist vielleicht auch Wunschdenken, aber auf alle F�lle bes�nftigt   mich der Gedanke an eine baldige R�ckkehr. Ich gebe meinen Widerstand auf und   trotte einen Schritt auf Carolin zu. Die krault mich kurz am Hals.</p><p>�Danke, S��er. Ich beeile mich auch.�</p><p>Kurz darauf stehen wir vor der Dreht�r eines gro�en Geb�udes.</p><p>�Willst du drau�en warten?�</p><p>Ne, will ich nicht. Ich dr�cke mich ganz eng an Carolins Bein.</p><p>�Na gut, dann komm mit rein. Aber lass mich kurz die Leine abmachen, nicht,   dass du dich noch in der T�r verhedderst.�</p><p>Sie b�ckt sich und hakt die Leine von meinem Halsband ab, dann wuchten wir   uns mitsamt Kasten durch die T�r, was gar nicht so leicht ist. Schlie�lich bin   ich zwar klein, aber lang, und eine Dreht�r zu passieren, ohne sich den Schwanz   einzuklemmen, ist eine gewisse Herausforderung. Menschen haben das Problem   nicht, sonst w�ren sie nicht auf eine so bl�de Konstruktion verfallen. Das Glas   touchiert auch leicht die Spitze meiner Rute, aber dann sind wir drin. Vor uns   liegt eine riesige Halle, in der ziemlich viele Menschen hin- und herlaufen.   Links und rechts ist auf jeder Seite ein S�ulengang, was der Halle gewisse   �hnlichkeit mit dem Ballsaal auf Schloss Eschersbach verleiht.</p><p>Ich bin mir sicher, dass ich hier noch nie war, und dennoch kommt mir dieser   Ort bekannt vor. Nicht nur wegen Schlo� Eschersbach - ich war mit Carolin schon   in einem �hnlichen Raum. An den Seitenw�nden stehen gro�e Ger�te, die aussehen   wie eine Kombination aus einem Schrank und so einem Fernseher, wie ihn Carolin   im Wohnzimmer hat. Wenn Menschen nun vor diesen Schr�nken stehen und etwas unter   dem Fernseher eintippen, fangen die Schr�nke an zu rattern und spucken   Papierscheine aus, die auch Carolin immer mit sich herumtr�gt. Daf�r gibt es   beim Schlachter Pansen und im Restaurant einen Kaffee, das habe ich schon   herausgefunden.</p><p>Weiter vorn in der Halle stehen Menschen sowohl vor als auch hinter hohen   Tischen und reden miteinander. Es scheint sich hier also um eine Art   Begegnungsst�tte zu handeln. Nur etwas Essbares habe ich noch nicht   erschn�ffelt, was sonderbar ist, denn normalerweise gibt es immer etwas zu   essen, wenn Menschen sich gezielt treffen. Aber vielleicht ist das hier auch   eher ein Ort, an dem sie zusammen spielen. Na ja, wenn Carolin sich an ihr   Versprechen h�lt, sind wir sowieso bald wieder drau�en, es lohnt sich also   nicht, den genauen Zweck dieser Halle zu ergr�nden.</p><p>W�hrend sich Carolin mit einem Mann weiter vorne in der Halle unterh�lt,   stromere ich ein bisschen herum, schaue mir die Leute an und hocke mich   schlie�lich an den Rand. Mir ist langweilig. Wenn Menschen sich unterhalten,   verlieren sie offenbar v�llig ihr Zeitgef�hl. Ob ich mal zu Carolin trabe und   sie ein bisschen am Hosenbein ziehe? Wobei - momentan sehe ich sie gar nicht   mehr. Wo ist sie blo� hin? Vielleicht sollte ich sie suchen, sonst dauert das   hier noch eine Ewigkeit.</p><p>In diesem Moment gibt es einen unglaublich lauten Knall. Ich quietsche vor   Schreck und dr�cke mich an die Wand hinter mir. Was war das? Weiter vorne bei   den hohen Tischen entsteht ein Stimmengewirr, Leute laufen durcheinander.</p><p>Dann knallt es noch mal und jemand raft: �Alle auf den Boden, aber   sofort!�</p><p>Und wirklich, wie auf das Kommando �Platz� schmei�en sich die meisten   Menschen sofort hin. So muss es auf dem Hunde�bungsplatz zugehen, von dem mir   meine Mutter ab und zu erz�hlt hat. Tolle Veranstaltung! Fragt sich nur, was das   soll. Und - wo ist Carolin? Liegt sie hier auch irgendwo rum? Langsam schleiche   ich weiter nach vorne, bem�ht, diese Auff�hrung nicht zu st�ren. Am Kopfende der   Halle scheint der Mann zu sein, der gerufen hat. Jedenfalls ist er der Einzige,   der noch steht. Und nicht nur das - er hat auch irgendetwas in der Hand, mit dem   er herumfuchtelt und weitere Kommandos zu geben scheint. Was ist das blo�? Ich   versuche, seidich von ihm m�glichst unauff�llig n�her zu schleichen, das muss   ich mir mal genauer anschauen.</p><p>Als ich mich bis auf zwei Meter herangepirscht habe, dreht sich der Mann   pl�tzlich in meine Richtung. Jetzt kann ich erkennen, was er in der Hand h�lt:   Es ist ein Gewehr. Wie peinlich, das h�tte ich doch schon am Knall erkennen   m�ssen! Also wirklich - als Nachfahre ber�hmter Jagdhunde darf mir das   eigentlich nicht passieren. Sinn und Zweck dieser ganzen �bung ist mir   allerdings immer noch unklar, denn wie ein J�ger sieht der Mann nicht aus: Er   ist ganz schwarz angezogen, zudem kann man sein Gesicht nicht erkennen, weil er   auch eine schwarze M�tze tr�gt, die vom Scheitel bis zum Hals reicht und nur   einen Schlitz f�r die Augen freil�sst. Sehr seltsam.</p><p>Ich bin so abgelenkt von diesem interessanten Szenario, dass ich nicht merke,   wie neben mir ein Mann ebenfalls nach vorne robbt. Erst als er aufspringt und   sich direkt auf den Mann mit der schwarzen M�tze st�rzt, bekomme ich davon   etwas mit. Die beiden rangeln miteinander und gehen schlie�lich zu Boden, dort   k�mpfen sie weiter. Unglaublich! Hier passiert ja in f�nf Minuten mehr als in   Carolins Werkstatt in zwei Wochen. Der Mann ohne M�tze bem�ht sich ganz   offensichtlich, an das Gewehr zu kommen, w�hrend sich der M�tzentr�ger nach   Kr�ften wehrt. Die beiden kugeln hin und her, so verkeilt ineinander, dass man   kaum sagen kann, zu wem die jeweiligen Arme und Beine geh�ren. Dann gibt es   pl�tzlich wieder einen lauten Knall - offensichtlich hat sich ein Schuss gel�st.   Der Mann ohne M�tze rollt laut st�hnend zur Seite, der andere steht auf und   sch�ttelt sich. Dann nimmt er das Gewehr, das mittlerweile auf dem Boden liegt,   geht damit auf seinen Angreifer zu und - zielt!</p><p>Ich wei� sofort, was das bedeutet: ein Fangschuss. Die M�tze will den anderen   Mann t�ten! Nein!, will ich laut rufen. Das ist doch ein Mensch und kein   Kaninchen! Mir wird hei� und kalt. Und dann, ohne weiter zu �berlegen, gehe ich   aus der Deckung und springe den Mann mit der M�tze an. Es ist fast, als w�rde   ich mich dabei selbst beobachten, so unwirklich ist das alles: Ich springe hoch   und verbei�e mich im Hosenbein des Mannes, ehe er noch abdr�cken kann. Der   schwarze Stoff der Hose ist nicht besonders fest, ich sp�re sofort, wie er   rei�t. Und dann h�nge ich mit meinen Z�hnen auch schon im Bein. Der Mann zuckt   heftig zur�ck, br�llt vor Schmerz und rei�t sein Bein hoch. Ich lasse los und   falle vor ihn hin. Er zieht sich die M�tze vom Kopf und starrt mich b�se an.</p><p>�Was zum Teufel soll das? Kann mir jemand erkl�ren, wo dieser Hund auf einmal   herkommt?�</p><p>Pl�tzlich laufen von �berall her Menschen auf uns zu, das Kommando, auf dem   Boden zu liegen, scheint aufgehoben. Aber die gr��te �berraschung: Der   angeschossene Mann, der sich eben noch in Qualen auf dem Boden wand, hat sich   auf einmal aufgesetzt und schaut mitf�hlend zu seinem Peiniger auf.</p><p>�Schei�e, Jens, tut's weh?�</p><p>�Und ob!� Der von mir Gebissene schiebt sein Hosenbein hoch, auf seiner Wade   ist ein wundersch�ner Gebissabdruck von mir zu bewundern. �Helen! Ich glaube,   ich brauche ein Coolpad oder so was.�</p><p>Eine junge Frau mit blonden Haaren kommt hinter einer der S�ulen hervor und   aus einer Gruppe von Leuten l�st sich ein �lterer Mann mit silbernen Locken, der   eine gewisse �hnlichkeit mit dem alten Eschersbach hat. Die junge Frau kniet   sich vor den Mann namens Jens und betrachtet den Biss, der �ltere Herr dreht   sich zu den anderen Menschen um.</p><p>�So, raus mit der Sprache: Wer hat den Hund mit ans Set gebracht?�</p><p>Schweigen.</p><p>�Wer?�, wiederholt Silberlocke.</p><p>Ich w�rde am liebsten abhauen, denn mein Gef�hl sagt mir, dass Silberlocke   echt sauer ist und Carolin gleich ziemlichen �rger bekommen wird. Warum, ist   mir immer noch unklar, denn schlie�lich habe ich ein Verbrechen verhindert. Aber   das scheint hier keinen zu interessieren - alle tun so, als ob es die normalste   Sache der Welt w�re, ein Gewehr auf seine Mitmenschen zu richten. Aber bevor ich   noch dar�ber nachdenken kann, ob ich mich irgendwie geschickt aus der   Angelegenheit herauslavieren kann, h�re ich schon Carolins Stimme: �Ich war das.   Ich habe den Hund mitgebracht.�</p><p>Jetzt sehe ich sie endlich, sie steht auch neben einer der S�ulen auf der   linken Seite.</p><p>�Es tut mir leid, ich habe nicht gemerkt, dass Herkules weggelaufen ist. Ich   dachte, er steht immer noch neben mir und ...�</p><p>Sie will noch irgendetwas erkl�ren, aber da br�llt der Mann schon los: �Sind   Sie wahnsinnig? Wissen Sie, wie teuer dieser ganze Dreh ist? Jede Stunde, die   wir h�ngen, kostet bares Geld! Und dann bringen Sie hier Ihren ungezogenen   Dackel mit. Ich hoffe, er hat Jens nicht wirklich verletzt - ohne ihn k�nnen wir   die Produktion vergessen, er ist unser Hauptdarsteller!� Er schnaubt noch   einmal, dann holt er tief Luft und spricht in etwas ruhigerem Ton weiter. �Wer   sind Sie eigentlich?�</p><p>Carolin ist mittlerweile ganz blass um die Nase geworden und fl�stert fast,   als sie antwortet: �Neumann mein Name. Ich habe den Cellokasten f�r das Gewehr   geliefert. Das mit Herkules tut mir echt leid. Er dachte wohl, das sei ein   echter Bankraub und wollte den Herrn da dr�ben besch�tzen.�</p><p>Genau! Ich bin nicht ungezogen. Ich bin nur hilfsbereit -und ganz sch�n   mutig!</p><p>Mittlerweile hat sich dieser Jens neben uns gestellt und mustert Carolin   neugierig. Ohne die M�tze sieht er eindeutig besser aus. Er hat die f�r   M�nnerverh�ltnisse anscheinend so wichtigen blauen Augen, seine Haare sind ganz   dunkel und wild verstrubbelt. Letzteres kann nat�rlich auch an der M�tze   liegen.</p><p>�Lass mal gut sein, Roland. Ich bin okay, der Kleine hat zwar ziemlich   zugeschnappt, aber ich glaube, ich komme durch.� Bei diesen Worten zwinkert er   Carolin zu, die tats�chlich zur�ckl�chelt. Dann beugt er sich zu mir. �Na, hast   gedacht, dass ich hier wirklich eine Bank �berfalle? Und wolltest dem Uwe   helfen? Braver Hund.�</p><p>Eine Bank �berfallen? Was zum Teufel ist das? Und warum sind Jens und Uwe   offensichtlich Freunde? Eben wollten sie sich doch gegenseitig noch ganz schwer   ans Leder. In meinem Kopf macht sich eine sehr gro�e Verwirrung breit.</p><p>Da soll man als Hund noch durchsteigen. Silberlocke scheint jedenfalls auch   genug von dem ganzen Gerede zu haben. Er klatscht kurz und energisch in die   H�nde.</p><p>�So, Kinder. Damit hier mal wieder Ruhe reinkommt, halbe Stunde Pause. Jens,   leg mal einen Moment das Bein hoch. Die Komparsen bitte in zwanzig Minuten   wieder auf Position. Und ich trinke jetzt zur Beruhigung mal einen sch�nen   Yogi-Tee.� Dann guckt er mich noch mal an. �Und der Hund verschwindet hier ganz   schnell.�</p><p>Carolin nickt und b�ckt sich, um mich wieder anzuleinen. �So, bevor du noch   mehr Chaos stiftest, gehen wir lieber schnell.�</p><p>Ich bin beleidigt. Schlie�lich wei� ich immer noch nicht, was genau ich   falsch gemacht haben soll. Aber weil es mir nat�rlich auch sehr unangenehm ist,   f�r so viel �rger bei Carolin gesorgt zu haben, trotte ich gleich brav neben ihr   her.</p><p>Sie wendet sich noch einmal kurz an Jens. �Es tut mir furchtbar leid, und ich   hoffe, Sie haben keine gro�en Schmerzen. Wenn ich irgendetwas f�r Sie tun kann,   lassen Sie es mich wissen. Mir ist die ganze Sache sehr peinlich.�</p><p>�Halb so schlimm, Frau Neumann. Mit einer Sache w�rden Sie mir allerdings   eine gro�e Freude machen und meine Schmerzen erheblich lindern.�</p><p>Auweia, wahrscheinlich kommt jetzt so etwas wie �Bringen Sie das freche Vieh   ins Tierheim�.</p><p>Jens w�hlt kurz in seiner Hosentasche, dann dr�ckt er Carolin einen Zettel in   die Hand. �W�rden Sie bitte mit mir essen gehen? Da steht meine Telefonnummer   drauf. Ich warte auf Ihren Anruf.�</p><p>�Wahnsinn! Jens Uhland! Jens UHLAND! Deutschlands angesagtester   Nachwuchsschauspieler will mit dir essen gehen! Ich fasse es nicht! Wahnsinn,   Wahnsinn, Wahnsinn!�</p><p>Nina ist tats�chlich v�llig aus dem H�uschen. Der Typ mit der M�tze scheint   irgendwie wichtig zu sein. Seitdem ihr Carolin beim Mittagessen erz�hlt hat, was   heute Morgen passiert ist, hat Nina kein einziges Mal richtig Luft geholt.   Stattdessen redet sie fast ununterbrochen. Bei Menschen, speziell Frauen, laut   Herrn Beck ein todsicheres Zeichen gro�er Aufregung. Warum Nina aber so   aufgeregt ist, verstehe ich nicht. Eigentlich ist doch nichts Gro�artiges   passiert. Jens hat keine bleibenden Sch�den davongetragen, Silberlocke hat auch   aufgeh�rt zu schimpfen, und schlie�lich sind wir wohlbehalten, wenn auch ohne   unseren Cellokasten, wieder zu Hause angekommen. Unklar ist mir nach wie vor   allerdings, was der ganze Zauber mit dem Gewehr und dem Schuss sollte. Jens   hatte den anderen Mann doch ganz klar angeschossen - aber wieso sprang der   sp�ter trotzdem herum wie ein junges Reh? Die Erkl�rung von Carolin habe ich   auch nicht verstanden: Film, Set, Dreharbeiten? Was bedeutet das blo�? Nina   hingegen scheint sich nur f�r eins zu interessieren: n�mlich f�r besagten Jens.   Furchtbar, diese Frau.</p><p>�Und hast du ihn schon angerufen?�</p><p>�Quatsch - wann denn? Das ist doch gerade mal drei Stunden her.�</p><p>�Ach stimmt - aber du wirst ihn doch anrufen?� �Na ja, ich wei� nicht so   recht.�</p><p>�Du wei�t nicht so recht? Ich fasse es nicht - du bist jung, du bist Single:   Was gibt es da noch zu �berlegen?�</p><p>�Na ja, nur weil er ein respektabler C-Promi ist, muss er noch nicht gleich   mein Typ sein. Sicher, ich fand ihn ganz s��, aber mehr auch nicht.�</p><p>�Was nicht ist, kann ja noch werden. Und &gt;ganz s��&lt; ist wirklich die   Untertreibung des Jahrhunderts. Jens Uhland ist ein richtiger Hammertyp. Sieht   blendend aus, ist witzig. Und Charme scheint er auch zu haben.�</p><p>Carolin verdreht die Augen. �Ist dir schon mal der Gedanke gekommen, dass   ich momentan gar nicht nach einem neuen Freund suche?�</p><p>�Ne, das finde ich v�llig abwegig. Aber selbst wenn - du musst ja nicht   suchen, trotzdem kannst du doch zugreifen, wenn der Richtige vorbeikommt.�</p><p>Das ist ja alles h�chstinteressant. Nina findet also tats�chlich, dass   dieser Jens in die Kategorie �richtig� f�llt. Warum, verstehe ich nicht. Ganz im   Gegenteil - ich w�rde ihn eher in die Kategorie �bewaffneter Gewaltt�ter�   stecken. Au�er mir scheint das aber niemand bemerkt zu haben. Stattdessen gelte   ich jetzt als gewaltbereiter Dackel. Und noch etwas anderes st�rt mich ganz   gewaltig: Carolin soll sich keinen Freund suchen. Denn wir haben doch schon den   idealen Kandidaten gefunden. Eben Daniel. Diese Nina geht mir langsam gewaltig   auf den Zeiger: Erst st�rt sie das traute T�te-�-t�te mit Daniel, und jetzt will   sie Carolin noch den doofen Jens aufschwatzen. Unm�glich! Die soll sich lieber   mal um ihr eigenes Liebesleben k�mmern, da hat sie genug zu tun.</p><p>Ich beschlie�e, mich beim Projekt �Jens� querzustellen. Nun habe ich ihn   schon gebissen, da werden wir sowieso keine engen Freunde mehr werden. Sollte er   noch einmal aufkreuzen, werde ich ihn einfach anpinkeln. Und das ist w�rtlich zu   nehmen.</p><empty-line/></section><section><p><strong><emphasis>SECHZEHN</emphasis></strong></p><p>Wenn Frauen sehr lange vor ihrem Kleiderschrank stehen, immer wieder ein Teil   herausnehmen, es sich an den K�rper halten und dann vor den Spiegel gehen, um   sich so zu betrachten, dann hat das aus Dackelsicht etwas enorm Komisches. Gut,   ich wei� mittlerweile, dass sich Menschen je nach Anlass gewisserma�en ein   anderes Fell zulegen - aber nach welchen Kriterien die Fellwahl erfolgt, ist mir   immer noch r�tselhaft. Warum gestern ein gebl�mtes Kleid und morgen eine   schwarze Hose? Und apropos Kleid: Auch die L�nge scheint hier eine entscheidende   Rolle zu spielen. Denn gerade jetzt legt Carolin drei schwarze Kleider   nebeneinander auf ihr Bett, die eigentlich v�llig gleich aussehen. Nur, dass   sie eben unterschiedlich lang sind. Schweigend betrachtet sie die Kleider, dann   dreht sie sich zu mir um.</p><p>�Hm, was meinst du, Herkules? Mini, Midi oder Maxi?� Ich bin ratlos.   Nat�rlich will ich Carolin gerne beraten, denn wenn sie sich heute Abend wieder   mit Daniel trifft, soll es endlich klappen mit den beiden. Und ich bin mir   sicher, dass ein entscheidender Schritt zum Erfolg gemacht ist, wenn sich   Carolin wohl in ihrer Haut beziehungsweise Kleidung f�hlt. Die Rockl�nge ist   allerdings etwas, �ber das ich mir noch nie im Leben Gedanken gemacht habe. Das   w�re bei der L�nge meiner eigenen Beine auch ziemlich unsinnig - selbst wenn es   R�cke f�r Dackel gebe, m�ssten die zwangsl�ufig immer sehr kurz sein. Was aber   will die Frau als solche mit der L�nge des Rocks sagen? Ich laufe unsicher vor   dem Bett hin und her. Was ist wohl besser, viel Bein zeigen oder wenig? Worauf   achten Menschenm�nner?</p><p>Bei Hunden respektive Dackeln ist das nat�rlich viel einfacher. Da gibt es   den Welthundeverband FCI, und der definiert in seinem Rassestandard Nr. 148/   13.3.2001 D einen sch�nen Dackel wie folgt: <emphasis>Niedrige, kurzl�ufige,   langgestreckte, aber kompakte Gestalt, sehr muskul�s mit keck herausfordernder   Haltung des Kopfes und aufmerksamem Gesichtsausdruck. Bei einem Bodenabstand von   etwa einem Drittel der Widerristh�he soll die K�rperl�nge in einem harmonischen   Verh�ltnis zur Widerristh�hestehen, etwa 1 zu 1,8.</emphasis></p><p>Was das Fellkleid des Rauhaardackels anbelangt, so hat der Deutsche   Teckelclub von 1888 ganz klare Vorstellungen: <emphasis>Der Rauhhaarteckel zeigt ein   kurzes, dichtes, enganliegendes, drahtiges Deckhaar mit gen�gend Unterwolle. Am   Fang zeigt sich deutlich ein Bart, die Augenbrauen sind buschig. An den Beh�ngen   ist die Behaarung k�rzer als am K�rper, fast glatt. An der Rute entspricht die   Behaarung der K�rperbehaarung, sie ist eng anliegend behaart und l�uft verj�ngt   aus.</emphasis></p><p>So einfach ist das also bei Dackeln. Woher ich das so genau wei�? Nun, als   Mischling musste ich mir auf Schloss Eschersbach oft genug anh�ren, was bei mir   nicht stimmt. Meine Beine sind n�mlich eindeutig zu lang, und mein Fell ist zu   weich und zu wuschelig f�r einen echten Rauhaar. Und Opili liebte mich zwar   innig, aber seiner Tochter hat er den Seitensprung nie verziehen. Waren doch   alle seine bisherigen Enkel immer Champions gewesen.</p><p>Aber zur�ck zur eigentlichen Frage: Wie sieht denn nun der g�ltige Standard   f�r Menschen aus? Denn dass es einen gibt, da bin ich mir ganz sicher. Es w�re   anders kaum zu erkl�ren, warum zum Beispiel Carolin vor jeder Verabredung mit   anderen Menschen so einen Zinnober mit ihrer Verkleidung treibt. Das w�re dann   ja v�llig egal, und sie k�nnte einfach so los, wie sie nun mal aussieht. Leider   kenne ich aber diesen Standard nicht. Denn sonst wusste ich, ob man zum Beispiel   so lange Beine, wie Carolin sie hat, eher versteckt oder doch lieber betont. Ich   setze mich auf meinen Hintern und mustere Carolin genau. F�r meinen Geschmack   ist sie ein extrem h�bscher Mensch. Aber ist sie das f�r die anderen Menschen   auch?</p><p>�He, Herkules, du guckst ja so nachdenklich? Willst dir M�he geben, mich gut   zu beraten? Also, es ist so: Ich schwanke zwischen diesem kurzen schwarzen   Kleid hier oder dem langen anthrazitfarbenen, das ich eben anhatte. Die schwarze   Hose gef�llt mir doch nicht so gut. Schwierig, oder? Meine Oma sagt ja immer,   die Sch�nheit liegt im Auge des Betrachters - will hei�en, jeder findet etwas   anderes sch�n.�</p><p>Also bitte, was ist das denn f�r ein Spruch? Das wei� nun wieder mein Opili   besser, und Carolins Oma hat offenbar keine Ahnung, sonst w�rde sie nicht so   einen Unsinn erz�hlen. Vielleicht gibt es bei Menschen tats�chlich keinen klar   definierten Standard, aber so etwas �hnliches wird schon existieren. Ich kann   mir nicht vorstellen, dass jeder Mensch wirklich selbst entscheidet, was er   sch�n findet. Im �brigen habe ich neulich Abend mit Carolin eine Sendung im   Fernsehen gesehen, die im Wesentlichen wie eine Hundeschau aufgebaut war. Nur   ohne Hunde, stattdessen mit Frauen. Wie bei der Hundeschau liefen die Frauen   einzeln vor den Richtern im Kreis und dann haben ihnen die Richter gesagt, ob   sie sch�n sind oder nicht. Okay, die Wertungsskala reichte nicht von   �Vorz�glich� bis �Nicht gen�gend�, aber ansonsten war es exakt dasselbe. Die   Frauen, die gut bewertet worden sind, haben anscheinend irgendwas gewonnen - da   sagte die Oberrichterin dann solche Sachen wie �Du darfst zum Casting�, und die   jeweilige Frau hat sich ganz doll gefreut. Und zu den schlechteren Frauen sagte   sie, dass es leider nicht reicht. Die haben dann geweint. Wof�r es nicht reicht?   Keine Ahnung. Vielleicht f�r die Zucht? Ist aber nur eine Vermutung. So, wo war   ich? Richtig: Die Sch�nheit liegt eben nicht im Auge des Betrachters. Auch bei   Menschen nicht. Man kann sie nachmessen.</p><p>Also, Jeans oder Rock? Was ist besser? Ich lege den Kopf schief und versuche,   mir Carolin in beidem nebeneinander vorzustellen. Carolin nickt mir aufmunternd   zu und h�lt sich noch einmal das kurze Kleid vor.</p><p>�Was meinst du, worin findet mich Jens am sch�nsten?�</p><p>JENS?! Carolin ist gar nicht mit Daniel verabredet? Diese schlechte Nachricht   haut mich wortw�rtlich von den Pfoten, und mit einem wehleidigen Jaulen rolle   ich mich auf die Seite.</p><p>�Herkules!�, ruft Carolin. �Kriegst du jetzt etwa wieder so einen   Anfall?�</p><p>Sie l�sst das Kleid fallen, kniet sich neben mich und streicht mir �ber den   Kopf. Da kommt mir die Idee: Wenn ich krank bin, sagt sie bestimmt die   Verabredung mit diesem Jens ab. Also gebe ich noch einmal meine ber�hmte   Parkvorstellung - mit allem drum und dran: Ich jaule und zittere, winde mich   unter Kr�mpfen. Carolin sieht mich entsetzt an, dann springt sie auf und rennt   aus dem Schlafzimmer. Uff, kurze Verschnaufpause. Ganz sch�n anstrengender   Beruf, die Schauspielerei. Ich h�re, wie Carolin offenbar mit Nina   telefoniert.</p><p>�Nina? Hast du die private Telefonnummer von Marc Wagner? Herkules hat schon   wieder so einen Anfall, und die Sprechstunde ist ja l�ngst vorbei ...� Eine   kurze Pause. �Danke, richte ich ihm aus.�</p><p>Sie erscheint mit dem Telefon in der Hand im Schlafzimmer. Mittlerweile   liege ich auf dem R�cken und zucke nur ab und zu. Ich glaube, ich bin sehr   eindrucksvoll.</p><p>�Dr. Wagner? Neumann hier, Sie wissen schon, die Freundin von Nina mit dem   Dackel. Tut mir leid, dass ich Sie um diese Uhrzeit st�re, aber Herkules hatte   gerade so einen Anfall und jetzt liegt er hier ganz apathisch. Ich mache mir   solche Sorgen ...� Sie kniet sich wieder neben mich. �O ja, w�rden Sie das   machen? Das ist sehr, sehr nett. Helvetiastra�e 12, ein gro�es Jugendstilhaus.   Genau, bis gleich.�</p><p>Kaum hat sie das Gespr�ch beendet, w�hlt sie eine neue Nummer. �Jens? Ich   bin's, Carolin. Du, es tut mir leid, und ich wei�, das klingt jetzt saubl�d:   Aber mein Dackel hatte gerade wieder einen epileptischen Anfall, und jetzt kommt   der Tierarzt noch vorbei. K�nnen wir es nicht auf einen anderen Abend   verschieben? Ich f�hle mich nicht so gut dabei, Herkules heute allein zu lassen.   Ja? Danke, ich melde mich morgen. Tsch�ss!�</p><p>Wenn ich nicht gerade den kranken Hund mimen w�rde, w�re es jetzt an der Zeit   f�r Triumphgeheul. Leider w�rde dann meine Deckung auffliegen, also lasse ich   es. Stattdessen liege ich einfach wie hingegossen auf dem Bettvorleger und jaule   ab und zu. Carolin streichelt mich und summt vor sich hin. Soll mich   wahrscheinlich beruhigen. Dann klingelt es: Dr. Wagner. Auch nicht der Mann, den   ich hier gerne sehe, aber bevor Jens meine Pl�ne f�r Carolin und Daniel   durchkreuzt, lasse ich mich lieber noch ein paar Mal von diesem Tierarzt   durchchecken. Ist schlie�lich f�r eine gute Sache.</p><p>Carolin l�sst ihn herein und f�hrt ihn gleich ins Schlafzimmer. �Danke, dass   Sie so schnell gekommen sind. Sehen Sie mal, wie schlecht es ihm immer noch   geht!�</p><p>Wagner hat eine Tasche dabei, die er neben mir abstellt. �Hm, dann wollen wir   mal sehen, was wir da machen k�nnen.�</p><p>Er setzt sich neben mich auf den Boden und greift sich eine Art dicken Stift   aus seiner Tasche. Mit diesem zielt er direkt auf meine Augen - ein heller   Lichtstrahl blendet mich.</p><p>�Pupillenreflexe sind normal.� Er richtet sich wieder auf. �Also, es sieht   nicht so aus, als h�tte Herkules gerade einen epileptischen Anfall gehabt. Dann   m�ssten seine Pupillen n�mlich weitgestellt sein und w�rden sich bei einem   Lichteinfall nicht verengen. Gut, Sicherheit h�tten wir nur bei einem EEG, aber   ich glaube nicht, dass das n�tig ist. Was auch immer Herkules hatte - es scheint   irgendetwas anderes zu sein. Eine Idee habe ich aber noch.�</p><p>Er kramt wieder in seiner Tasche, dann holt er ein Metallding mit zwei   Strippen und einer Art Zange heraus und setzt sich wieder neben mich. Die Zange   st�pselt er sich in die Ohren, das runde Metallding legt er auf meine Brust. Er   scheint auf irgendetwas zu lauschen.</p><p>�Tja, das Herz klingt aber auch ganz normal. Sein Herzrhythmus scheint   v�llig unbeeintr�chtigt.� Er st�pselt das Dings wieder aus seinen Ohren.   �Herzrhythmusst�rungen k�nnen n�mlich auch Anf�lle ausl�sen. Das muss man sich   so vorstellen, dass die Rhythmusst�rung zu einem Blutdruckabfall im Hirn f�hrt   und daraufhin kann es zu einer Ohnmacht mit Zuckungen kommen.� Er streichelt   mich. �Gut, der Anfall ist nat�rlich schon vorbei, aber in der Regel dauert es   schon eine Weile, bis der Rhythmus wieder komplett in Ordnung ist. Herkules,   was machst du nur f�r Sachen?�</p><p>Carolin mustert mich besorgt. �Vielleicht hat er ja irgendeine andere   schlimme Krankheit?�</p><p>Carolins Stimme klingt so nerv�s, dass ich mich entschlie�e, jetzt wieder   gesund zu sein. Ich will es auch nicht �bertreiben, also stehe ich wieder auf   und sch�ttle mich kurz.</p><p>�Frau Neumann, so wie Herkules jetzt aussieht, wirkt er auf mich v�llig   gesund. Sicher, wir k�nnen ihn n�chste Woche in meiner Praxis mal von Kopf bis   Fu� durchchecken, aber irgendetwas sagt mir, dass es hier kein gesundheitliches   Problem gibt. Nennen Sie es meinetwegen Tierarztinstinkt, aber ich glaube,   Herkules geht es gar nicht so schlecht, wie wir denken. Vermutlich machen Sie   sich gerade v�llig unn�tig Sorgen.�</p><p>Grrr, du Verr�ter - h�r blo� auf, in die Richtung weiterzuforschen! Carolin   ist bestimmt sauer, wenn sie merkt, dass das alles nur Show ist. Ich beschlie�e,   die Nummer mit dem Anfall einzumotten. Ich glaube, Wagner ist mir schon zu dicht   auf den Fersen.</p><p>�Aber sagten Sie nicht, Sie kennen die Zucht, aus der Herkules stammt? Es   w�rde mich doch sehr beruhigen, wenn Sie dort noch mal nachfragen.�</p><p>�Ja, gut, dass Sie mich erinnern. Ich bin n�chste Woche sowieso da, dann   werde ich mich erkundigen. Aber trotzdem sollten Sie jetzt erst mal davon   ausgehen, dass Herkules nichts Ernstes hat.� Er steht wieder vom Boden auf und   schnappt sich seine Tasche. �So, dann werde ich mal wieder losd�sen. Sie haben   heute sicher auch noch etwas vor. Sie sehen n�mlich irgendwie ganz so aus, als   h�tten Sie hier gerade eine kleine Kost�mprobe veranstaltet.�</p><p>Carolin lacht und steht ebenfalls auf. �Da haben Sie Recht. Aber wenn Sie   m�chten, dann bleiben Sie doch noch auf ein Glas Wein. Schlie�lich haben Sie   Ihren Feierabend f�r uns geopfert, daf�r w�rde ich mich gerne bedanken.�</p><p>Wagner z�gert. Los, Junge, zieh ab - Carolin will nur h�flich sein. In   Wirklichkeit legt hier niemand auf deine Anwesenheit wert!</p><p>�Aber Sie sind doch noch verabredet, da will ich nicht st�ren.�</p><p>Messerscharf erkannt, Wagner. Auf Wiedersehen!</p><p>�Im Gegenteil! Ich freue mich, wenn Sie noch bleiben. Und meine   Abendverabredung hatte ich sowieso schon wegen Herkules abgesagt.�</p><p>�Dann freue ich mich, wenn ich einspringen darf.�</p><p>Och n�! Kaum sind wir den einen los, haben wir den n�chsten an der Hacke! Nun   gut, wenigstens ist Wagner keine Gefahr f�r Daniel, aber das ist auch schon sein   einziger Vorteil. Carolin l�chelt ihn an. �Ich hei�e �brigens Carolin.�</p><p>�O ja. Danke! Ich bin Marc.�</p><p>Carolin nickt. �Ich wei�.�</p><p>Sie lachen beide - etwas sch�chtern, wie ich finde.</p><p>�Gehen Sie, �h, gehst du schon vor ins Wohnzimmer? Es ist gleich gegen�ber   der Eingangst�r. Ich ziehe mir nur schnell etwas anderes an.�</p><p>�Von mir aus nicht n�tig - ich finde, du siehst bezaubernd aus.�</p><p>Carolin lacht verlegen. �Na gut, wenn du mich in Jeans und Schlabberpulli   ertr�gst, dann bleibe ich so.� �Sehr gerne, kein Problem.�</p><p>Und anstatt dass sich Wagner seinen bl�den Koffer schnappt und sich   verkr�melt, sitzt er keine zwei Minuten sp�ter auf unserer Wohnzimmercouch.   Schlecht gelaunt lege ich mich direkt davor und beobachte, wie Carolin zwei   Gl�ser aus dem Schrank holt. Sie ist einfach zu nett. Warum hat sie Wagner nicht   fahren lassen? Stattdessen geht jetzt wieder diese �Weintrinken-Geschichte� los.   Ich sage es wirklich nur ungern - aber manchmal sind Menschen einfach uferlos   langweilig. Zum Beispiel beim Weintrinken: Gleich wird Carolin wieder die eine   in die andere Flasche gie�en. Dann werden sie das Zeug von der zweiten Flasche   in zwei Gl�ser f�llen. Wenn ich Gl�ck habe, trinken sie dann einfach schnell   aus, und wir sind Dr. Wagner bald los. Diese Entwicklung ist leider extrem   unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher ist, dass die beiden eine Ewigkeit auf   dem Sofa sitzen und �ber die Dinge schwadronieren, die im Leben angeblich   wichtig sind. Stichwort: reden statt machen. W�re Dr. Wagner Nina, ginge es dann   fast nur um M�nner. Das w�re f�r mich wenigstens einigerma�en interessant, denn   vielleicht w�rde ich noch etwas �ber Daniels Chancen bei Carolin erfahren. Aber   mit Wagner redet sie wahrscheinlich eher �ber das andere Thema, das Menschen so   gerne besch�ftigt: die Arbeit. Oder auch beliebt: vergangene Zeiten. G�hn. Oder   auch ein Favorit: die Kombination aus beidem. Arbeit und Vergangenheit. Allein   die Frage, wer gerne was als Kind geworden w�re und warum das dann nicht   geklappt hat, f�llt locker eine Stunde. Es ist mir unbegreiflich, wie man sich   so ausgiebig mit Dingen befassen kann, die nicht mehr zu �ndern sind. Aber   darin sind Menschen ohnehin wahre Meister. Was w�re wenn? Eine Frage, die sich   kein vern�nftiger Hund jemals stellen w�rde. Anders gesagt: <emphasis>Weintrinken </emphasis>ist offenbar ein Synonym f�r eine besonders ineffiziente Methode, einen   Abend totzuschlagen, wenn man, wie die meisten Menschen, einfach zu bequem ist,   eine ordentliche Runde durch den n�chsten Park zu rennen.</p><p>Ich seufze innerlich und lege den Kopf auf meine Vorderl�ufe. W�hrend die   Stimmen von Carolin und Wagner zu einem leichten Hintergrundrauschen   verschwimmen, �berlege ich, wie ich die Sache mit Daniel dingfest machen kann.   K�nnte ich die beiden irgendwie in eine Art Hinterhalt locken, so dass sie   endlich einmal allein sind? Dann ergibt sich der Rest vielleicht von selbst.   Aber wie?</p><p>Ich muss dringend wieder mit Herrn Beck konferieren. Katzen sind ja als   Meisterstrategen bekannt, und er hat bestimmt eine Idee, wie das gehen k�nnte.   Es ist schon tragisch - erst neulich waren die beiden so nah dran! Wenn Nina   nicht gekommen w�re, k�nnten sie schon l�ngst ein Paar sein. Aber seit diesem   Abend haben sich Daniel und Carolin kaum gesehen, nur kurz in der Werkstatt, und   fast immer waren irgendwelche Kunden dabei. So wird das nat�rlich nichts. Denn   eine Sache habe ich mittlerweile gelernt, auch ohne Unterricht von Herrn Beck:   Was die Paarung anbelangt, scheinen Menschen eine wirklich scheue Gattung zu   sein. Jedenfalls verfl�chtigt sich diese prickelnde Spannung zwischen Daniel und   Carolin sofort, wenn andere Menschen dazukommen. Im Park habe ich die gleiche   Beobachtung gemacht: Die P�rchen, die sich k�ssen, stehen meist ein wenig   abseits oder sitzen auf einer Bank, auf der sonst niemand ist. In Autos k�ssen   sich Menschen gerne, im Supermarkt fast nie. Im Fr�hst�ckscafe, in dem Carolin   und Nina sich oft treffen und das immer bis auf den letzten Platz voll ist:   Fehlanzeige in puncto knutschende Paare. Vielleicht mal ein K�sschen hier oder   da, aber definitiv nichts, was nach echter Paarung aussieht, so wie Beck und ich   es damals bei Thomas und der anderen Frau beobachtet haben. Da sind wir Hunde   schon deutlich forscher. Ein Dackelr�de, der auf der anderen Stra�enseite seine   Herzensdame entdeckt, wird sich jedenfalls durch ein paar Spazierg�nger von   nichts abhalten lassen. Seltsam eigentlich. Schlie�lich neigt der Mensch an sich   nicht gerade zur Sch�chternheit.</p><p>Mittlerweile sind Carolin und Wagner tats�chlich beim Thema Arbeit angelangt.   Ich sag's ja: So langsam habe ich doch schon ein bisschen Ahnung von den   Zweibeinern. Wagner jedenfalls erm�det Carolin gerade mit einer   detailverliebten Schilderung seines beruflichen Werdegangs:</p><p>�Und da war mir klar, dass ich doch lieber Tierarzt werden will. Also habe   ich noch von Human- zu Veterin�rmedizin gewechselt. Obwohl ich mir eigentlich   geschworen hatte, niemals dasselbe zu machen wie mein Vater. Tja, und jetzt habe   ich sogar seine Praxis �bernommen und wohne, genau wie er damals, im gleichen   Haus. Am Anfang war das schon ein seltsames Gef�hl, aber mittlerweile kann ich   sagen, dass es die beste Entscheidung meines Lebens war. Mein Beruf macht mich   gl�cklich.�</p><p>Und, wen interessiert's? Mich jedenfalls nicht. Hoffentlich komplimentiert   Carolin diesen aufgeblasenen Langweiler gleich hinaus. Gut, ich muss zugeben,   dass ich an seiner Anwesenheit nicht ganz unschuldig bin, aber der wesentliche   Zweck von Wagners Besuch ist nun erf�llt: Jens ist f�r diesen Abend erst mal   verhindert, Wagner also mehr als �berfl�ssig. Der soll schnell sein Glas   austrinken und dann husch ins K�rbchen. Also, im �bertragenen Sinne. Bestimmt   �berlegt Carolin auch schon, wie sie ihn m�glichst elegant aus der Wohnung   bekommt.</p><p>�Das finde ich toll, dass du deiner inneren Stimme gefolgt bist. Das sollte   man �berhaupt viel �fter machen. Apropos �fter - noch ein Glas Wein?�</p><p>Da habe ich mich doch wohl verh�rt - noch mehr Wein? Aber anscheinend geht   Wagner Carolin nicht ganz so auf die Nerven wie mir. Mit reiner H�flichkeit ist   das jedenfalls nicht mehr zu erkl�ren. Findet sie seine Geschichten etwa   spannend?</p><p>Carolin f�llt wieder beide Gl�ser, dann setzt sie sich neben Wagner. �Ich   wohne auch �ber meiner Werkstatt. Nina meint immer, sie w�rde es nerven, wenn   sie unter einem Dach wohnen und arbeiten w�rde, aber ich finde es ideal.�</p><p>Wagner nickt. �Ja, geht mir genauso. Wie bist du denn auf die Idee mit der   Werkstatt gekommen? Ist ja nicht gerade ein Beruf wie jeder andere. Oder liegt   das bei dir auch in der Familie?�</p><p>Carolin sch�ttelt den Kopf. �Nein, ganz und gar nicht. Mein Vater ist Anwalt,   meine Mutter Hausfrau. Aber ich wusste schon als Sch�lerin, dass ich   Geigenbauerin werden will. Wei�t du - ich liebe Musik, habe selbst viel Geige   gespielt, und ich wollte etwas Handwerkliches machen. Dann habe ich ein   Praktikum in einer Geigenbauwerkstatt gemacht und gemerkt: Das ist es!�</p><p>Carolin strahlt regelrecht, Wagner mustert sie. Ach was, er guckt sie an wie   der Fuchs die Gans! Der wird doch wohl nicht auf die Idee kommen, sich hier an   meine, respektive Daniels Carolin ranzumachen?</p><p>Er r�uspert sich. �Da kommt mir eine Idee. H�ttest du Lust, mit mir n�chste   Woche in ein Konzert zu gehen? Ich habe zwei Karten f�r die Musikhalle und noch   keine Begleitung.�</p><p>Carolin z�gert. Klar, ist ja nicht einfach, dem Retter ihres Hundes hier   gleich mal eine klare Abfuhr zu erteilen. �Also, ich, �h ...�</p><p>Nun schon raus damit, Carolin! Wird Zeit, dass wir den Kerl loswerden.   �Furchtbar gern!�</p><empty-line/></section><section><p><strong><emphasis>SIEBZEHN</emphasis></strong></p><p>�Junge, du kannst es nicht �bers Knie brechen. Vergiss es.�</p><p>Okay, Zustimmung klingt anders. Aber so schnell lasse ich mich nicht   entmutigen. Ich w�re schlie�lich nicht Carl-Leopold von Eschersbach, wenn mich   der fade Einwand eines gealterten Katers gleich aus dem Konzept bringen w�rde.   Wir sitzen wieder auf unserer Lieblingsstelle unter dem Baum, und ich habe Beck   eben ein kurzes Update der Irrungen und Wirrungen der letzten drei Tage in   Sachen Carolin und die M�nner gegeben.</p><p>�Glaub mir, Herr Beck, da geht was! Du hast die beiden nicht gesehen -   immerhin hat Daniel sie gek�sst. Das muss doch etwas bedeuten.�</p><p>�Ja. Das bedeutet, dass Daniel in Carolin verliebt ist. Was nicht   zwangsl�ufig hei�t, sie auch in ihn. Sonst h�tte sie ihn gek�sst, und nicht   umgekehrt.�</p><p>Langsam beginne ich, mich richtig �ber Beck zu �rgern. �Das ist nun wirklich   Wortklauberei - was macht es schon f�r einen Unterschied, ob er sie k�sst oder   sie ihn. Das ist doch das Gleiche - sie haben eben einander gek�sst.�</p><p>�Da merkt man, dass du keine Ahnung hast. Es ist ein RIESEN-Unterschied. Ich   sag dir was: Daniel ist ein ganz armes Schwein. Schmachtet Carolin die ganze   Zeit aus der Ferne an, aber wenn es z�hlt, dann kommt ihm sogar Nina in die   Quere.�</p><p>�Das war nun wirklich Pech. Daf�r konnte er nichts. Und deswegen m�ssen wir   ihm helfen - er braucht einfach noch eine Chance, eine Gelegenheit, mit Carolin   allein zu sein.�</p><p>�O Mann, kapier es doch mal, Herkules: Ein Typ, der auf einen fetten Kater   und eine kurzbeinige Promenadenmischung angewiesen ist, um eine Frau   klarzumachen, der ist ein hoffnungsloser Fall. Ein Verlierer. Eine Null. Das   habe ich dir ja gleich gesagt.�</p><p>Ich sp�re, wie Wut in mir aufsteigt. Meine Stimme klingt ganz heiser, als ich   Beck anfahre: �Das nimmst du sofort zur�ck! Sofort! Sonst bist du die l�ngste   Zeit mein Freund gewesen!�</p><p>�Gott, ja, tut mir leid. Ich entschuldige mich hiermit f�r die   Promenadenmischung.�</p><p>��Das meine ich nicht.�</p><p>�Gut, f�r kurzbeinig entschuldige ich mich auch. Nun zufrieden?�</p><p>�Ich meine den Verlierer. Daniel ist kein hoffnungsloser Fall. Er ist ein   sehr netter Mensch, der mir zuf�lligerweise einiges bedeutet. Er ist mein   Freund.�</p><p>Herr Beck verdreht die Augen. �Also ihr Hunde immer mit diesem <emphasis>Mein-Freund-der-Mensch-Unsinn!� </emphasis>Jetzt mal Klartext: Der Hund ist nicht   der beste Freund des Menschen, und umgekehrt ist es genauso. Daniel ist ein   Mensch. Und der beste Freund des Menschen ist der Mensch. Und nur weil der ein   oder andere Mensch keinen anderen Menschen als Freund findet, hei�t das noch   lange nicht, dass er auf einmal mit einem Tier befreundet sein kann. Wann immer   ein Mensch mit dir redet und dir lauter pers�nlichen Krempel erz�hlt, dann meint   er nicht dich, sondern sich. Er f�hrt Selbstgespr�che, kapiert? Aber damit er   sich dabei nicht so bescheuert und einsam vorkommt, f�hrt er sie mit dir. Du   bist in diesem Moment genau genommen so etwas wie dieser kleine Plastikkollege   von dem doofen Wellensittich. Ein Ersatz. Mehr nicht. Also heul hier nicht rum   von wegen <emphasis>Rede nicht so �ber meinen Freund Daniel - </emphasis>das ist einfach nur   l�cherlich.�</p><p>Wenn ich weinen k�nnte, jetzt w�re ein guter Moment daf�r. Und wenn ich ein   Freund der gewaltt�tigen Auseinandersetzung w�re, auch. Dass Herr Beck so   gemein sein kann, h�tte ich nicht gedacht. Aber eines ist mir klargeworden: Mag   sein, dass sich Beck einiges Wissen �ber Menschen zusammengesammelt hat;   richtig kennen tut er sie deswegen nicht. Nat�rlich kann ein Mensch ein Freund   sein. Die Art, wie Daniel mit mir redet, hat nicht das Geringste mit dem   Plastikvogel zu tun, an dem sich der bedauernswerte Wellensittich aus dem   zweiten Stock jeden Tag abarbeitet. Daniel meint mich, nicht sich. Ich wei� es -   ich sp�re es. Gut, Menschen k�nnen ganz sch�n �tzend sein, man denke nur an   Thomas. Aber gleichzeitig haben sie etwas, das sie f�r mich einzigartig macht.   Und wertvoll. Sie haben Gef�hl, Mitgef�hl. Sie k�nnen sich mit anderen freuen   und mit anderen traurig sein. Und w�tend sein, wenn der Freund sich �rgert. Und   sie k�nnen lieben. Und zwar auch einen kleinen Hund wie mich. Ich werde niemals   Emilias Tr�nen vergessen, als mich von Eschersbach in den Karton setzte und sie   wusste, dass sie mich nicht wiedersehen w�rde. Carolin ist mein Freund. Und   Daniel ist mein Freund. Ich wei� es genau. Jetzt m�ssen die beiden nur noch ein   Paar werden. Und daf�r werde ich sorgen, ob mit oder ohne Beck. In diesem Fall   wohl ohne. Und so drehe ich mich um und lasse Beck einfach sitzen.</p><p>�Hey, Kleiner, nun hau doch nicht gleich ab! Das war nicht b�se gemeint!�,   ruft mir Beck hinterher, aber ich tue so, als ob ich ihn nicht h�re und trotte   weiter. Beck kommt hinterher. �Ich mag Daniel doch auch gerne, aber man muss   doch mal Realist bleiben. Hey, jetzt bleib doch stehen, Herkules!� Ich bin schon   fast an der Terrassent�r. �Carl-Leopold! Es tut mir leid!�</p><p>Okay, scheint ihm doch ernster zu sein. Ich bleibe stehen. Soll keiner sagen,   ich w�re verbohrt und nachtragend. Herr Beck l�uft um mich herum und setzt sich   vor mich.</p><p>�Ich wollte dich nicht kr�nken. Wenn du all diese Menschen so in dein Herz   geschlossen hast, ist es nat�rlich deine Sache. Bestimmt m�gen die dich auch   richtig gerne. Vielleicht bin ich nur ein bisschen neidisch.�</p><p>Ich lege den Kopf schief. Gut, das klingt doch schon besser.</p><p>�Aber bei einem bleibe ich: Wenn Carolin nicht in Daniel verliebt ist, dann   k�nnen wir beide das auch nicht �ndern. Das menschliche Herz ist da wenig zu   beeinflussen und rationalen Erw�gungen nur sehr bedingt zug�nglich. Will sagen:   Auch wenn wir beide wissen, dass Daniel ein Super-Typ f�r Carolin w�re, k�nnen   wir in diesem Fall wenig ausrichten. Und wenn wir noch so viele Gelegenheiten   schaffen, in denen die beiden allein sind.�</p><p>Hm, das klingt nun wieder sehr einleuchtend. Trotzdem will ich noch nicht   aufgeben.</p><p>�Ja, aber wir wissen doch noch gar nicht, ob Carolin nicht doch verliebt ist.   Und deswegen dachte ich, wir m�ssen es wenigstens noch mal probieren. Wenn es   dann nicht klappt, strecke ich die Waffen, versprochen!�</p><p>Herr Beck seufzt. �Mann, bist du hartn�ckig. Ich finde, all diese   Beinahe-Verabredungen mit Schauspielern und Tier�rzten sprechen zwar extrem   dagegen - aber meinetwegen. Starten wir noch einen Versuch. Wie ist der   Plan?�</p><p>�Ich habe noch keinen�, r�ume ich etwas kleinlaut ein. �Deswegen habe ich   dich ja gefragt. Weil du doch so ein Stratege bist.�</p><p>Herr Beck grinst und streckt sich ganz lang vor mich hin. �Ja, das bin ich.   Ich werde dr�ber nachdenken.�</p><empty-line/><p>In der Werkstatt ist heute nicht viel los. Daniel und Carolin stehen mehr   oder weniger schweigend an ihren Tischen und schrauben und hobeln an   irgendwelchen Holzst�cken rum. Langweilig. Und au�erdem habe ich das Gef�hl,   dass die Stimmung zwischen den beiden nicht mehr spannend, sondern eher   angespannt ist. Carolin hat Daniel heute noch kein einziges Mal richtig   angesehen - w�hrend er sie umgekehrt immer verstohlen mustert, wenn er denkt,   dass sie es nicht sieht. Sehr komisch. Vielleicht hat Beck Recht, und wir   sollten unseren Plan einmotten, bevor wir ihn richtig entwickelt haben.</p><p>Daniel r�uspert sich. �Du, Carolin�, Daniel kommt hinter seinem Tisch hervor   und geht auf Carolin zu. Aha! Endlich kommt hier mal Fahrt in die Sache!</p><p>�Ja?�</p><p>��h, hast du da dr�ben noch Collophonium liegen? Ich finde hier gerade keins   mehr.�</p><p>Argh! Was soll das denn? Collophonium? Ich wei� zwar nicht, was das ist, bin   mir aber ziemlich sicher, dass es kein Codeword f�r <emphasis>�Ich liebe dich, darf ich   dich bitte k�ssen?� </emphasis>ist.</p><p>�Ja, habe ich noch. Hier.�</p><p>Klonk! Mit einem dumpfen Scheppern f�llt ein kleiner durchsichtiger brauner   Block aus dem D�schen, das Carolin Daniel gerade gereicht hat, ohne richtig   hinzusehen. Nun liegt beides auf dem Boden. Carolin kniet sich hin, um Block und   D�schen aufzuheben. Auch Daniel b�ckt sich. Einen Moment lang sind sich beide   ganz nah. Fast Gesicht an Gesicht. <emphasis>Los! Daniel! Tu was!, </emphasis>w�rde ich am   liebsten laut rufen. Leider bleibt mir nat�rlich nichts anderes �brig, als es   sehr laut zu denken. Und tats�chlich, sie funktioniert, die Telepathie zwischen   Dackel und Mann: Daniel greift nach Carolins Hand und h�lt sie fest.</p><p>�Carolin, stimmt etwas nicht?�</p><p>Carolin schaut Daniel kurz an, dann blickt sie wieder zu Boden.</p><p>�Nein, wieso?�, murmelt sie.</p><p>��Du weichst mir aus.� �Gar nicht, das bildest du dir ein.�</p><p>�Ist es wegen neulich?� �Ich verstehe nicht, was du meinst.�</p><p>�Komm schon, lass uns wenigstens dr�ber reden: Ist es, weil ich dich gek�sst   habe?� �Nein, also, ich ...�</p><p>Daniel seufzt. �Ich wusste es. Ich wusste, dass das ein Fehler war.�</p><p>Daniel l�sst Carolins Hand los und setzt sich neben sie auf den Boden. Einen   Moment lang schweigen beide, dann knufft Daniel Carolin in die Seite.</p><p>�He, Carolin. Komm, nimm es nicht so schwer. Du musst mir nichts erkl�ren. Es   ist v�llig in Ordnung. Es war der Moment, du sahst toll aus, und ich war schon   ein bisschen beduselt. Da konnte ich nicht anders.�</p><p>Carolin nickt. �Ja, es war ein sehr sch�ner Moment. Aber jetzt...�</p><p>�Jetzt bei Tageslicht sieht die Sache irgendwie anders aus, ich wei߫,   beendet Daniel ihren Satz. �Und du fragst dich, ob das so eine gute Idee ist,   mit mir, deinem Kumpel und Partner.�</p><p>Carolin nickt.</p><p>�Nein, ist es vermutlich nicht�, f�hrt Daniel fort. �Obwohl es eine sehr   sch�ne Vorstellung war, du und ich ein Paar. Jedenfalls f�r einen   Augenblick.�</p><p>�Und du bist nicht sauer auf mich?�</p><p>�Nee, die gleichen Gedanken hatte ich auch schon. So, und jetzt h�r sofort   auf, weiter so bedr�ppelt hier rumzuschleichen. Das ist ein Befehl!�</p><p>Daniel lacht, und schlie�lich, wenn auch ein wenig z�gerlich, lacht Carolin   auch.</p><p>Ich hingegen k�nnte eher heulen. Mein sch�ner Plan! Na ja, Fast-Plan! Dabei   w�re es so toll gewesen, mit Daniel und Carolin als Herrchen und Frauchen. Eine   richtige kleine Familie. Und das Schlimmste ist: Jetzt geht die Sucherei wieder   von vorne los, und die Gefahr, dass wir uns dabei so einen Idioten wie Thomas   einfangen, ist alles andere als gebannt. Dabei war ich mir wirklich sicher, dass   Daniel der perfekte Mann f�r Carolin ist. Ach, was hei�t hier �war� - ich <emphasis>bin </emphasis>mir sicher, dass er es ist. Aber da hat Herr Beck schon Recht: Wenn Carolins   Herz das nicht irgendwann von allein einsieht, dann hat es keinen Sinn. Mit   gesenktem Kopf schleiche ich wieder Richtung Terrassent�r, um Beck von meiner   Niederlage zu berichten. Wenn er wirklich mein Freund ist und die Entschuldigung   eben ernst gemeint war, wird er mich vielleicht tr�sten.</p><p>Bevor ich allerdings drau�en bin, l�utet es an der Werkstattt�r. Eigentlich   renne ich dann immer gerne nach vorne und begr��e die Besucher, aber meine Laune   ist so im Keller, dass ich mich selbst dazu nicht recht aufraffen kann. Ist   wahrscheinlich wieder die bl�de Aurora, die mit Daniel flirten will. Es   klingelt noch einmal, und nat�rlich bin ich doch ziemlich neugierig.   Andererseits scheint drau�en so sch�n die Sonne und die Vorstellung, unter   meinem Baum zu liegen und Herrn Beck mein Leid zu klagen, w�hrend das Gras an   meinem Bauch kitzelt, ist auch verlockend. Schlie�lich aber siegt die Neugier,   und ich renne Richtung T�r.</p><p>Carolin hat sie schon ge�ffnet. In unserem Flur steht ein Mann mit brauner   Uniform und dr�ckt Carolin ein P�ckchen in die Hand.</p><p>�Sind Sie Frau Neumann? Dann brauche ich hier Ihre Unterschrift.�</p><p>Carolin stellt das P�ckchen auf den Boden, um zu unterschreiben. Neugierig   schn�ffele ich daran. Hmh, riecht irgendwie lecker. Was mag da drin sein? Als   Carolin das P�ckchen zu ihrem Tisch im Werkraum tr�gt, laufe ich hinterher.</p><p>�War das f�r dich?�, will Daniel wissen.</p><p>�Ja.�</p><p>�Was ist es denn?�</p><p>�Keine Ahnung. Ich habe nichts bestellt.� �Von wem ist es denn?�</p><p>�Mal sehen - es ist von ...�, sie stockt, �es ist von Jens Uhland.�</p><p>Daniel zuckt mit den Schultern. �Kenne ich nicht. Ein Kunde?�</p><p>�Gewisserma�en. Der geh�rt zu dem Filmteam, das sich neulich den Cellokasten   ausgeliehen hat.�</p><p>�Aha. Na, vielleicht hast du da was liegen lassen.� �Ja, kann sein.�</p><p>Das glaube ich pers�nlich kaum. Schlie�lich war ich dabei und bin mir sicher,   dass wir mit allen Sachen gegangen sind, mit denen wir auch gekommen sind. Also,   au�er dem Kasten nat�rlich, aber der ist in dem P�ckchen garantiert nicht drin.   Viel zu gro� und riecht auch ganz anders. L�ngst nicht so lecker. Was ist da   drin? Ich mache M�nnchen und komme somit immerhin auf Knieh�he von Carolin. Die   wundert sich.</p><p>�Hey, S��er, was ist denn mit dir los? Du bist ja ganz wild.�</p><p>�Tja, vielleicht schickt dir dieser Jens ein Kilo Koks, und Herkules hat alle   Anlagen zu einem Top-Drogensp�rhund.�</p><p>Daniel grinst. �Man wei� ja, wie diese Filmtypen sind. Alles schlimme   Finger.�</p><p>Carolin sch�ttelt den Kopf. �Ein Kilo Koks? Bisschen teuer, um es einer   fl�chtigen Bekannten zu schicken. Aber was kann es blo� sein?� Mit einem Messer   l�st sie den Klebestreifen von dem Deckel des kleinen Kartons. �Da liegt eine   Karte bei. Mal sehen.�</p><p>Sie liest und f�ngt an zu grinsen. Daniel kommt zu ihrem Tisch und versucht,   �ber Carolins Schulter mitzulesen. Die will einen Schritt von ihm weg machen,   als er blitzschnell zugreift und ihr die Karte wegzieht.</p><p>�He, was soll das? Schon mal was vom Briefgeheimnis geh�rt? Das ist nicht f�r   dich bestimmt.� Carolin klingt genervt, aber Daniel lacht nur.</p><p>�Tja, meine Liebe, f�r dich aber auch nicht. Hier steht eindeutig: <emphasis>Lieber   Herkules!�</emphasis></p><p>Was? Die Karte ist f�r mich? Sofort laufe ich zu Daniel hin�ber. Ich habe   noch nie im Leben eine Karte bekommen. Aufregend! Aber auch ein bisschen   komisch, denn wer schreibt schon an jemanden, der gar nicht lesen kann? Ich   setze mich vor Daniel und schaue ihn erwartungsvoll an. Der versteht den Wink   und f�ngt an, vorzulesen.</p><p><emphasis>�Lieber Herkules, ich hoffe sehr, dass es dir heute wieder besser geht. Um   dir schnell auf die Beine zu helfen, habe ich f�r dich eine Spitzen-Hundewurst   besorgt, die bestimmt sehr lecker ist. Meldet euch mal, wenn du wieder auf dem   Damm bist. Viele Gr��e, dein Jens.�</emphasis></p><p>Wow, das muss ja doch ein wahnsinnig netter Mensch sein, trotz des Gewehrs.   Ich bin begeistert! Kein Wunder, dass der Karton so gut riecht. Die Wurst muss   ich sofort probieren.</p><p>�Wieso kommt dieser Jens auf die Idee, dass Herkules krank sein k�nnte?�</p><p>�Ah, er hatte wieder so einen Anfall.� Carolins Stimme klingt komisch.</p><p>�W�hrend ihr in der Bank wart?�</p><p>�Ja, genau. Deswegen mussten die sogar den Dreh unterbrechen.�</p><p>He! Das stimmt doch gar nicht! Was erz�hlt Carolin denn da?</p><p>Daniel guckt besorgt. �Hm, das klingt nicht gut. Hast du noch mal mit Wagner   gesprochen? Der wollte doch beim Z�chter nachfragen.�</p><p>�Stimmt, das hatte ich gar nicht mehr auf dem Zettel. Ich rufe nachher in der   Praxis an.�</p><p>Aha, von Dr. Wagners Rettungseinsatz will sie Daniel anscheinend auch nichts   erz�hlen - das wird ja immer mysteri�ser. Das waren zwei faustdicke L�gen in   nur zwei S�tzen. So kenne ich Carolin gar nicht. Und dann auch noch Daniel   gegen�ber. Gut, sie will ihn offensichtlich nicht als Mann, aber er ist doch   trotzdem ihr Freund! Warum macht sie das nur?</p><p>Bei dieser Gelegenheit fallen mir zahlreiche Vortr�ge des alten von   Eschersbach zum Thema �Verlogenheit� ein. Verlogenheit war f�r ihn einer der   gr��ten Charakterm�ngel des Menschen, wenn nicht gar der gr��te. L�gen kam   deutlich vor Verfressenheit und Kurzatmigkeit. <emphasis>T�uschung und L�ge sind ein   Zeichen der Schw�che!, </emphasis>predigte er h�ufig. <emphasis>Der Mutige ist ehrlich,   Verlogenheit die Schwester der Feigheit. </emphasis>Kurz und in schlichten Dackelworten   zusammengefasst: Schlechte Menschen l�gen, gute sagen die Wahrheit.</p><p>Wobei man den schlechten Menschen nat�rlich zugute halten muss, dass sie   �berhaupt auf die Idee kommen, bewusst die Unwahrheit zu erz�hlen. Das ist schon   ziemlich schlau, und ich bin mir nicht sicher, ob mir so etwas von allein   einfallen w�rde. Aber es hilft nichts: Verlogene Menschen m�gen schlau sein,   schlecht sind sie allemal. Gleichzeitig bedeutet das f�r mich, dass Carolin   nicht richtig gelogen hat, denn es steht wohl au�er Frage, dass sie ein toller   Mensch ist. Aber wenn sie nicht gelogen hat, was war das dann? Vielleicht   leidet sie an einer Krankheit und kann sich nicht mehr so recht erinnern, wie   das wirklich mit Jens und Dr. Wagner war?</p><p>Bevor ich �ber dieses schwierige Thema allerdings noch weiter nachdenken   kann, stellt mir Carolin eine Sch�ssel mit einem Haufen kleingeschnittener   Hundewurst hin. Sofort schlinge ich los - g�ttlich! Diesen Jens sollten wir uns   doch mal n�her angucken. Vielleicht war es ein Fehler, die Verabredung zwischen   ihm und Carolin so zu sabotieren. Er scheint immerhin ein gro�er Hundekenner zu   sein, oder zumindest ein Hundefreund. Ich nehme noch zwei St�cke ins Maul.   Lecker! Andererseits - h�tten die beiden sich gestern Abend getroffen, h�tte ich   diese k�stliche Wurst nicht bekommen. Es war also kein Fehler. H�chstens ein   kleiner Umweg.</p><empty-line/><p>�Also, verstehe ich dich richtig: Die Sache mit Daniel ist endg�ltig   gegessen, und der neue, hoffnungsvolle Kandidat hei�t Jens und ist ein   Hundekenner?� �Richtig.�</p><p>�Das beweist f�r mich h�chstens eines.� �Was denn?</p><p>�Dass du k�uflich bist. Eben jammerst du noch rum, von wegen Daniel ist dein   Freund, und wir m�ssen ihm unbedingt helfen und so weiter und so fort. Und   jetzt? Kaum schickt dir irgendein dahergelaufener Schauspieler einen Zipfel   Wurst, schon ist Daniel Schnee von gestern. Wer hat eigentlich das Ger�cht in   die Welt gesetzt, dass Hunde treu wie Gold sind?� Herr Beck sch�ttelt   ver�chtlich den Kopf. �Ich dachte, du wolltest mir von einem tollen Plan   berichten, stattdessen muss ich mir diesen Hundewurst-Mist anh�ren. Daf�r ist   mir meine Zeit zu schade.�</p><p>�Aber, aber�, stottere ich kleinlaut, �du hast doch selbst gesagt, du glaubst   nicht, dass es mit Daniel und Carolin etwas wird, und da wollte ich dir eben   erz�hlen, dass du v�llig Recht hattest. Warum bist du denn jetzt so sauer auf   mich?�</p><p>�Vielleicht bin ich ja entt�uscht, dass ich Recht habe? Vielleicht hatte ich   irgendwo gehofft, dass du Recht beh�ltst und ein Kater und ein Dackel doch mehr   ausrichten k�nnen, als ich je gedacht h�tte. Irgendwie hast du mich mit deinem   Optimismus mitgerissen. Ich h�tte mich auch gefreut, wenn es mit den beiden   geklappt h�tte. Und jetzt das!�</p><p>Ich lasse den Kopf sinken. �Tut mir leid�, fl�stere ich.</p><p>�Versteh mich nicht falsch - du kannst nichts daf�r, dass aus Daniel und   Carolin nichts wird. Aber dass du gleich zu diesem Jens �berl�ufst!�</p><p>�Ist ja gut! Ich habe mich eben gefreut, dass er sich Sorgen um mich gemacht   hat. Und es ist das erste Mal in meinem Leben, dass mir ein Mensch einen Brief   schreibt!�</p><p>�Gute G�te, bist du naiv! Der hat sich doch keine Sorgen um dich gemacht! Der   wollte Carolin beeindrucken! Mehr nicht. Und damit gleich die n�chste   Verabredung rausschlagen.�</p><p>�Meinst du?�</p><p>�Das ist doch wohl offensichtlich. Was hat denn Daniel dazu gesagt? Ist   bestimmt auch nicht gerade toll, wenn man selbst einen Korb bekommt und schon   steht der N�chste auf der Matte. Muss ihn doch getroffen haben zu erfahren, dass   Carolin gestern eigentlich schon mit Jens ausgehen wollte.�</p><p>�Tja, das war in der Tat komisch: Carolin hat Daniel gar nicht erz�hlt, dass   sie eigentlich mit Jens verabredet war und die Sache wegen meiner <emphasis>Krankheit </emphasis>geplatzt ist. Sie hat behauptet, ich sei schon in der Bank umgekippt, und   das habe Jens mitbekommen.�</p><p>�Aha, eine kleine Notl�ge.�</p><p>�Notl�ge?�</p><p>�Sch�tze mal, Carolin wollte Daniel mit dieser Hundewurst-Geschichte nicht   auch noch kr�nken. Er ist schlie�lich ihr bester Freund.�</p><p>�Und dann darf man l�gen? Obwohl Verlogenheit so etwas Schlechtes ist? Sagte   jedenfalls mein altes Herrchen immer.�</p><p>�Generell hat er damit Recht. Eine Notl�ge ist immer noch eine L�ge. Aber   manchmal l�gen Menschen eben auch, weil sie jemanden nicht verletzen wollen. Und   das ist dann nicht ganz so b�se. Es f�llt eher in die Kategorie <emphasis>Besch�nigung.�</emphasis></p><p>Langsam schwirrt mir der Kopf. L�gen, Notl�gen, Besch�nigungen - wer soll da   noch durchblicken.</p><p>�Aber wieso sollte Daniel gekr�nkt sein? Er hat doch selbst gesagt, dass sein   Kuss wohl keine gute Idee gewesen ist. Er hat sogar gesagt, es sei nun v�llig in   Ordnung.�</p><p>Herr Beck sch�ttelt den Kopf. �Herkules, ich dachte, du h�ttest die Menschen   mittlerweile schon besser kennengelernt. Hier geht es um eine   Herzensangelegenheit. Kein Mensch gibt gerne zu, wenn es ihn hier ganz b�se   erwischt hat. Lieber tun sie so, als sei das alles kein Problem. Habe ich dir   doch schon mal erkl�rt - der andere darf niemals wissen, wie sehr du ihn liebst.   Das ist eine eiserne Regel. Sonst bist du geliefert.�</p><p>Ich f�rchte, Herr Beck hat in diesem Punkt schon wieder Recht. Dass in der   Liebe so ein Chaos bei den Menschen herrscht, wundert mich �berhaupt nicht. Ihre   Regeln sind einfach v�llig absurd. Auf so einen Unsinn k�me ein Hund   niemals.</p><empty-line/></section><section><p><strong><emphasis>ACHTZEHN</emphasis></strong></p><p>Heute ist ein v�llig langweiliger, unspektakul�rer Tag. Herrlich! Ich liege   in meiner Werkstattkiste herum, schaue ab und zu in den Garten und kehre dann zu   einem Nickerchen wieder in besagte Kiste zur�ck. Das Einzige, was gerade zum   vollkommenen Gl�ck fehlt, ist ein sch�ner Napf randvoll mit Pansen oder Herz.   Eine Weile �berlege ich, ob ich das aufkommende Hungergef�hl ignorieren soll -   eigentlich bin ich zu faul, jetzt zu Carolin zu laufen und meine n�chste   Mahlzeit einzufordern. Aber schlie�lich grummelt mein Bauch so laut, dass ich   auch nicht mehr vern�nftig d�sen kann. Ich rapple mich also auf, laufe zu   Carolin, die an ihrem Schreibtisch sitzt, und stupse sie mit der Nase an.</p><p>�Zeit f�r dein Fresschen?� Carolin schaut auf ihre Uhr. �Aber ein bisschen   musst du dich noch gedulden. Wir haben noch etwas vor.�</p><p>Och n�! Ich habe Hunger! Und zwar jetzt! Ich stupse Carolin noch mal an. Die   lacht und krault mich am Hals.</p><p>�Wart's ab, Herkules. Wir werden gleich etwas unternehmen, was dir auch   gefallen wird. Und dann gibt's auch etwas zu futtern.�</p><p>He! Ich will nichts unternehmen! Ich will jetzt meinen Pansen, und dann will   ich weiter rumliegen. Gestern - da h�tten wir doch gut etwas unternehmen k�nnen.   Die ganze Zeit hatte ich so ein Bed�rfnis nach frischer Luft, nach   Kaninchenschnuppern und Fliegenfangen. Aber stattdessen konnte ich Carolin noch   nicht einmal zu einem kleinen Spaziergang im Park loseisen, so besch�ftigt war   sie. <emphasis>Morgen ist Samstag, da habe ich mehr Zeit, versprochen. </emphasis>Als ob einen   Hund das tr�sten k�nnte. Der Moment ist da, wenn der Moment da ist. Aber das   verstehen Menschen einfach nicht.</p><p>Ich trotte wieder zur�ck zu meiner Kiste. Eben hatte ich noch so gute Laune,   die ist schlagartig verflogen. Mit dem Kopf auf meinem Kuschelkissen brummle ich   beleidigt vor mich hin. Immer machen wir, was Carolin will. Das ist so   ungerecht. Mittlerweile hat sich das Gef�hl in meinem Bauch von einem gesunden   Appetit zu einem ausgewachsenen L�wenhunger gesteigert. Ich beginne ein   bisschen zu fiepen. Carolin soll ruhig wissen, dass sie sich haarscharf an der   Grenze zur Tierqu�lerei bewegt.</p><p>�Mach doch nicht so ein Theater!�, kommt es herzlos aus ihrem Zimmer. �Es   geht ja gleich los. Wir m�ssen nur noch etwas aus der Wohnung holen und dann   starten wir auch schon. Unser Chauffeur m�sste in ungef�hr drei�ig Sekunden vor   der Haust�r stehen.�</p><p>Unser Chauffeur? Das klingt nun wieder spannend. Das Wort habe ich seit   mehreren Monaten nicht mehr geh�rt, und es weckt gleich Erinnerungen an alte   Zeiten. Denn selbstverst�ndlich gab es auf Schloss Eschersbach auch einen   Chauffeur. Der alte von Eschersbach setzte sich n�mlich nur noch h�chst ungern   selbst ans Steuer. <emphasis>�Meine Augen sind einfach zu schlecht geworden, da w�re   ich eine Gefahr f�r die Allgemeinheit�, </emphasis>pflegte er gerne zu erkl�ren, wenn   er darauf wartete, dass sein Wagen vorfuhr, um ihn zu einer Jagdgesellschaft zu   bringen. Die meisten Mitmenschen d�rften sich an dieser Stelle die Frage   gestellt haben, ob es eigentlich eine gute Idee war, mit von Eschersbach auf die   Jagd zu gehen. Meines Wissens ist allerdings nie etwas passiert, wahrscheinlich   war die Nummer mit dem Chauffeur also nur eine aristokratische Form von   Angeberei.</p><p>Es klingelt, und Carolin geht an meiner Kiste vorbei, um die T�r zu �ffnen.   Dort steht: Jens!</p><p>�Guten Morgen, Carolin. Guten Morgen, Herkules!�, werden wir von ihm   begr��t.</p><p>Ich muss zugeben, dass Jens ohne schwarze M�tzenmaske und ohne Gewehr   eigentlich sehr nett aussieht.</p><p>Er gibt Carolin links und rechts einen Kuss auf die Wangen. �Na, ihr zwei?   Alles bereit f�r unser Picknick?�</p><p>�Klar, ich muss nur schnell den Korb von oben holen. Ich habe ein paar Sachen   kalt gestellt, die packe ich noch ein.�</p><p>Sie h�pft die Treppe hoch, ich bleibe neben Jens sitzen.</p><p>�Na, biste wieder fit?�, will er von mir wissen. Ich schaue ihn neugierig an.   �Und hat dir meine Wurst geschmeckt?�</p><p>Okay, laut Herrn Beck war die Nummer mit der Wurst reine Bestechung, aber da   ich ein h�flicher Dackel bin und die Wurst tats�chlich lecker war, wedele ich   ein bisschen mit dem Schwanz. Dann kommt mir der Gedanke, dass, wo eine Wurst   ist, wohlm�glich auch zwei W�rste sein k�nnten, und ich wedele noch   euphorischer.</p><p>�Wusste ich es doch, braver Hund!� Er beugt sich zu mir herunter und krault   mich ein bisschen hinter den Ohren. In diesem Moment kommt Carolin mit einem   gigantischen Korb die Treppe herunter.</p><p>�Das ist ja sch�n, dass ihr euch schon ein bisschen anfreundet. Euer letztes   Treffen war schlie�lich nicht so harmonisch.�</p><p>Jens lacht. �Ich habe immer noch einen blauen Fleck an der Stelle, wo   Herkules zugeschnappt hat. Aber Schwamm dr�ber, er wollte euch schlie�lich   retten. Au�erdem habe ich jetzt endlich wieder einen wirksamen Tetanusschutz. Es   stellte sich heraus, dass meine letzte Impfung schon viel zu lange her ist.   Hatte die Sache also etwas Gutes. Und mein kleines Pr�sent ist offensichtlich   auch bestens angekommen.�</p><p>Carolin nickt. �Ja, Herkules hat ungef�hr zwanzig Sekunden gebraucht, um die   Wurst aufzufuttern. Hat ihm sehr gut geschmeckt.�</p><p>Auweia, wenn die hier noch weiter �ber Hundewurst reden, breche ich zusammen.   Vor lauter Hunger ist mir mittlerweile schon ganz schwindelig. Hoffentlich   dauert es nicht mehr so lange, bis ich etwas zu fressen bekomme. Wobei der Korb,   den Carolin aus der Wohnung geholt hat, auch so riecht, als sei etwas sehr   Leckeres darin. Unwillk�rlich fange ich an zu sabbern.</p><p>�Dann k�nnen wir los, oder?�</p><p>�Jupp, abmarschbereit!�, ruft Carolin fr�hlich und �ffnet die Haust�r. Jens   marschiert an ihr vorbei und auf das Auto zu, das direkt vor dem Haus parkt.</p><p>�Bitte einsteigen!� Schwungvoll rei�t er die Beifahrert�re auf.</p><p>�Komm, Herkules!�, ruft Carolin - doch ich z�gere. Das Auto sieht irgendwie   komisch aus. Irgendwie - gef�hrlich. Erst komme ich nicht drauf, was genau mich   so st�rt. Aber als mich Carolin hochhebt, um mich in das Auto zu setzen, ist es   un�bersehbar. Das Auto: Es hat kein Dach!</p><empty-line/><p>Zwanzig Minuten sp�ter sind meine Bedenken, in etwas sehr Schnelles   einzusteigen, aus dem man herausfallen k�nnte, verflogen. Ich sitze auf Carolins   Scho�, halte die Nase in die herrliche Sommerluft, und meine �hrchen wehen im   Wind. Ein Traum! Jens und Carolin unterhalten sich gut gelaunt. Wor�ber, kann   ich gar nicht genau sagen, denn es rauscht so in meinen Ohren, dass ich nicht   besonders gut h�re. Aber das ist auch egal. In diesem Moment habe ich das Gef�hl   zu fliegen, und das f�hlt sich einfach gro�artig an. Die B�ume am Stra�enrand   rauschen nur so vorbei und verschwimmen dabei zu einer hellgr�nen Hecke, der   Himmel �ber uns ist blau und weit; ich k�nnte eigentlich stundenlang so   weiterfahren. Eigentlich. Denn leider zwickt mich mein Bauch noch etwas, ich   hoffe also, dass gleich der Moment gekommen ist, in dem Carolin den Korb mit   Leckereien aus dem Kofferraum holt.</p><p>Tats�chlich f�hrt Jens nun langsamer, und die gr�ne Wand wird wieder zu   einzelnen B�umen. Schlie�lich h�lt er an.</p><p>�So, da w�ren wir. Moment, ich helfe dir!�</p><p>Jens springt aus dem Auto, l�uft herum und �ffnet Carolins T�r. Sehr   aufmerksam, das muss ich schon sagen. Ich h�pfe von Carolins Scho�, dann reicht   Jens Carolin die Hand und hilft ihr hinaus. Hm, hier riecht es gut. Nach Wald   und Wasser und irgendwie ein bisschen wild. Mit dem Picknickkorb bewaffnet,   marschieren wir auf ein kleines W�ldchen zu, das an einem Abhang liegt.   Treppenstufen f�hren hinunter zu einer Lichtung. Dort bleiben wir einen Moment   stehen.</p><p>�Schau mal�, Jens zeigt nach vorne, �ist das nicht ein toller Blick?�</p><p>�Ja, sieht toll aus, wenn die Elbe so in der Sonne glitzert.�</p><p>Klingt gut, aber falls es jemanden interessiert: Ich kann leider nichts   sehen. Meine kurzen Beine bringen mich genau auf die H�he der Brennnesseln, die   links und rechts der Treppenstufen wuchern. Ob mich einer von den beiden   hochhebt? Ich will auch mal gucken! Ich mache M�nnchen.</p><p>�Ich glaube, Herkules hat langsam echt Kohldampf�, wertet Carolin mein   Anliegen v�llig falsch. �Normalerweise bekommt er schon um 11 Uhr etwas zu   essen.�</p><p>�Wir sind gleich da. Da vorne beginnt schon der Strand.�</p><p>Okay, auch gute Nachrichten. Endlich was zu essen. Aber was ist <emphasis>Strand? </emphasis>Am Ende des zweiten Treppenabsatzes angelangt, h�rt der Wald komplett auf,   und wir �berqueren einen kleinen Weg. Jetzt kann ich auch sehen, woher der   Wassergeruch kommt: Vor uns liegt ein sehr gro�er Fluss. Ein wirklich sehr, sehr   gro�er Fluss, wenn man nach der Gr��e des Schiffes geht, das gerade an uns   vorbeif�hrt. Gigantisch, so etwas habe ich noch nie gesehen! Es sieht aus wie   ein riesiges, fahrendes Haus. Ich kl�ffe aufgeregt, Carolin lacht.</p><p>�Da staunst du, Herkules! Wir waren bisher nur an der Alster, Herkules kennt   maximal Segelboote.�</p><p>�Dann war es h�chste Zeit, dass er mal ein richtiges Schiff sieht. Man kann   doch nicht in Hamburg leben und die Elbe nicht kennen!�, ruft Jens fast   vorwurfsvoll. Wir laufen weiter auf das Ufer zu - und landen in einer   gigantischen Sandkiste. Ich mache eine Vollbremsung, denn Sand an meinen Pfoten   ist f�r mich mittlerweile ein untr�gliches Zeichen, dass gleich eine   Menschenmutter um die Ecke biegen wird, um mich ganz doll auszuschimpfen. Aber   komisch, ich habe gar keine Holzumrandung gesehen. Unsicher bleibe ich   sitzen.</p><p>�Jetzt sag blo�, dein Hund war auch noch nie an einem Strand? Er scheint sich   fast ein bisschen zu f�rchten.�</p><p>�Nein, war er tats�chlich noch nicht. Ich habe ihn ja noch nicht so lange,   und bisher war ich mit ihm nur bei uns im Park oder an der Alster. Urlaub haben   wir auch noch nicht zusammen gemacht. Es ist also seine Premiere.�</p><p>Jens macht einen Schritt auf mich zu und hebt mich hoch. �Guck dich mal   richtig um, mein Kleiner. An so einem Tag ist Hamburg mit Sicherheit die   sch�nste Stadt der Welt, und dies hier der sch�nste Teil davon. An den Sand an   den F��en musst du dich einfach gew�hnen, dann wirst du schnell merken, wie   toll es hier ist. Von hier aus kannst du eigentlich in jede Richtung so weit   laufen, wie du m�chtest. Aber wenn du das erste Schaf auf dem Deich siehst, dann   kehr mal besser um, sonst verlierst du uns noch.�</p><p>Er setzt mich wieder runter. So weit laufen, wie ich will - ein toller   Gedanke. Aber erst mal brauche ich: richtig! Etwas zu fressen.</p><p>Carolin hat neben dem Korb noch eine Decke mitgenommen, die breitet sie   jetzt auf dem Sand aus. Der Fluss ist gerade so weit weg, dass die Wellen uns   nichts anhaben k�nnen, auch wenn wieder so ein gro�es Schiff vorbeif�hrt. Dann   �ffnet Carolin den Korb und nimmt die Sachen heraus. Hm, lecker. Da sehe ich   schon ein Sch�lchen mit Herz f�r mich. Sie stellt es ein wenig abseits, und ich   st�rze mich gleich darauf. W�hrend ich meine Mahlzeit hinunterschlinge, sehe ich   aus den Augenwinkeln, dass Carolin m�chtig auftischt: Wurst, K�se, sogar einen   Kuchen hat sie mit. Jens setzt den Rucksack ab, den er eben noch auf dem R�cken   hatte.</p><p>�So, zur Feier des Tages habe ich auch noch etwas Sch�nes mitgebracht.� Er   zieht ein St�ck Stoff aus dem Sack und wickelt es auf, zwei langstielige Gl�ser   kommen zum Vorschein. Dann greift er noch mal in den Rucksack und bef�rdert eine   gr�ne Flasche ans Tageslicht, an der er sich sofort zu schaffen macht. Mit einem   lauten <emphasis>Plopp </emphasis>springt der Korken heraus, Jens gie�t die Fl�ssigkeit in die   Gl�ser. Hellgelb sieht sie aus und sprudelt sehr h�bsch.</p><p>�Bitte sehr: Champagner! Ein sch�nes Getr�nk f�r eine sch�ne Frau!�</p><p>Carolin kichert ein bisschen verlegen, dann nimmt sie das Glas, das Jens ihr   gibt.</p><p>�Danke sch�n. Und �berhaupt - danke f�r die gute Idee.�</p><p>�Ich habe zu danken! Sch�n, dass es doch noch mit unserer Verabredung   geklappt hat. Und jetzt: auf einen tollen Tag!� Sie sto�en mit ihren Gl�sern an.   �Ja, auf einen tollen Tag.�</p><empty-line/><p>Als wir sp�tabends wieder nach Hause kommen, bin ich m�de, aber bestens   gelaunt. Ich bin zum ersten Mal im Leben in einem Fluss geschwommen, was   wirklich viel anstrengender ist als in einem See. Ich habe dabei fast einen   Fisch gefangen. Ich bin gelaufen, bis ich die Schafe gesehen habe. Jens hat   mindestens hunderttausend St�ckchen f�r mich geworfen. Ich habe neben dem   Hundefutter auch noch Fleischwurst und Erdbeertorte gemampft. Ich habe mich auf   der kuscheligen Picknickdecke gefl�zt, ged�st und Jens und Carolin einfach nur   beim Reden zugeschaut. Und irgendwann lagen wir alle drei auf der Decke, guckten   gemeinsam in den Himmel, sahen dem Mond beim Aufgehen und sp�ter der Sonne dabei   zu, wie sie langsam in dem gro�en Fluss versank. Es war der perfekte Tag.</p><p>Jetzt l�mmele ich mich sandig, wie ich bin, in unserer Wohnung auf der Couch   und bin einfach gl�cklich. Carolin stellt den leeren Picknickkorb wieder in die   K�che und geht dann zu dem kleinen K�stchen neben dem Telefon, das einem   erz�hlt, wer angerufen hat, w�hrend man nicht da war. <emphasis>Sie haben zwei neue   Nachrichten. Erste neue Nachricht.</emphasis></p><p>�Hallo, S��e, hier ist Nina! Und? Wie war es? Ich bin so neugierig! Ruf mich   sofort an.�</p><p><emphasis>Zweite neue Nachricht.</emphasis></p><p>�Hallo, Carolin, Marc Wagner hier. Du wei�t schon, der Tierarzt deines   Vertrauens. Wollte nur h�ren, ob es mit unserer Verabredung am Mittwoch klappt.   Sollen wir vor dem Konzert eine Kleinigkeit essen gehen? Ich habe mittwochs   immer etwas fr�her Schluss und k�nnte dich abholen. Melde dich mal.�</p><p><emphasis>Es gibt keine weiteren Nachrichten.</emphasis></p><p>Marc Wagner - den hatte ich schon v�llig vergessen. Und im Sinne einer   effizienten Partnersuche k�nnte Carolin den Termin doch eigentlich absagen. Jens   macht einen sehr guten Eindruck, ich konnte heute keine M�ngel feststellen. Er   riecht gut, war gek�mmt und hatte etwas Sauberes an - wozu also Zeit mit dem   unsympathischen Wagner verschwenden? Und Carolin hat es garantiert auch   gefallen, ich habe sie schon lange nicht mehr so fr�hlich und locker erlebt.   Also los, ruf Wagner an und sag ab! Aber Carolin sieht unschl�ssig aus.   Nachdenklich betrachtet sie das schwarze K�stchen, dann greift sie zum   Telefon.</p><p>�Hallo, Nina. Ich wei�, es ist schon sp�t - aber kann ich vielleicht noch   vorbeikommen? Echt? Danke, das ist nett. Ich brauche dringend jemanden zum   Quatschen.�</p><p>Na super. Auf die Idee, dass sie es auch mir erz�hlen k�nnte, kommt sie   nat�rlich nicht. Jetzt noch einmal loszufahren, passt mir eigentlich gar nicht.   Ich liege gerade so bequem. Aber als Carolin aufsteht, rapple auch ich mich   hoch, will schlie�lich kein Spielverderber sein.</p><p>�Herkules, leg dich ruhig wieder hin. Ich fahre eben noch zu Nina, aber du   bleibst hier.�</p><p>Wieso das denn? Haben die etwa Geheimnisse vor mir? Ich springe vom Sofa. So   m�de bin ich auch wieder nicht!</p><p>�Nein, ehrlich, Herkules. Du kannst auch mal ein St�ndchen allein sein. Guck   mal, du bist voller Sand, und ich habe keine Lust, dich jetzt noch zu baden. Und   Nina ist bestimmt nicht begeistert, wenn ich mit einem dreckigen Hund ankomme.   Also leg dich brav ins K�rbchen. Du hast doch heute schon genug erlebt.�</p><p>Hmpf. Sie will mich wirklich nicht mitnehmen. So schmutzig bin ich doch gar   nicht. Doofe Nina.</p><p>Als Carolin die Wohnungst�r hinter sich zuzieht, lasse ich mich missmutig in   mein K�rbchen fallen. Irgendwie ist es gemein, wenn man erst den ganzen Tag   zusammen verbringt und dann sp�ter nicht mehr mitkommen darf. Ich f�hle mich so   ... zur�ckgestuft. Eben geh�rte ich noch dazu und auf einmal bin ich nur noch   das Haustier. Atzend. Zu allem �berfluss bin ich auch �berhaupt nicht mehr   m�de.</p><p>Eine Weile liege ich noch in meinem K�rbchen, dann stehe ich auf und trabe in   die K�che. Vielleicht ist noch ein Fresschen in meinem Napf, das k�nnte ich mir   dann mal einverleiben. Von Eschersbach sagt immer, dass Langweile dicke Dackel   macht. Ich glaube, er hat Recht. Leider ist mein Napf aber so blank gewienert,   dass man sich darin spiegeln kann. Fressen ist also auch keine Alternative. Ich   trabe wieder zur�ck. Als ich an der Wohnungst�r vorbeikomme, rieche ich einen   vertrauten Duft. Herr Beck! Er muss direkt vor der T�r stehen, wahrscheinlich   ist er gerade auf dem Weg zu einem n�chtlichen Spaziergang. Ein kleiner Plausch   mit ihm w�re doch genau die richtige Ablenkung! Ich belle laut los.</p><p>�Na, Kumpel?�, h�re ich seine Stimme durch die T�r, �wie geht's?�</p><p>�Geht so. Mir ist total langweilig, und Carolin hat mich einfach allein zu   Hause gelassen.�</p><p>�Das ist nat�rlich Pech. Ich bin auf dem Weg in den Park. W�rde dich ja   mitnehmen, aber ohne Carolin kriegen wir dich nicht aus der Wohnung.�</p><p>�Ja, bl�d. Ich w�rde auch sehr gerne mitkommen. Aber durch den Briefschlitz   kann ich mich kaum quetschen.�</p><p>Ich h�re Herrn Beck kichern. �Ne, das lass man. Da bleibste eher stecken, und   das d�rfte dann ziemlich unbequem sein.�</p><p>�Tja, was anderes f�llt mir auch nicht ein. Dann muss ich wohl hierbleiben   und mich weiter langweilen. Gr�� mir den Park und die Kaninchen.�</p><p>�Hm. Mach ich.�</p><p>Es wird wieder still. Aber gerade, als ich mich umdrehen und zu meinem   K�rbchen zur�ck will, rieche ich Herrn Beck noch mal ganz deutlich.</p><p>�He, Herkules! Eine Idee ist mir noch gekommen. Ist allerdings eher etwas f�r   den wagemutigen Dackel.�</p><p>Na, also wer, wenn nicht ich!</p><p>�Was denn?�, will ich wissen.</p><p>�Erinnerst du dich noch an unsere Aktion mit dem H�schen?�</p><p>�Wie k�nnte ich die jemals vergessen?�</p><p>�Wei�t du noch, wie ich da reingekommen bin? Durch das gekippte Fenster. Du   l�ufst jetzt mal schnell in Carolins Schlafzimmer. Vielleicht haben wir Gl�ck,   und die Balkont�r ist dort ebenfalls gekippt. Da kommst du raus.�</p><p>Auf so eine Idee kann auch nur eine Katze kommen.</p><p>�Beck, dein Vertrauen in meine artistischen F�higkeiten in allen Ehren, aber   das kann ich nicht. Selbst wenn das Fenster auf Kipp steht: Da komme ich nie im   Leben durch. Auch wenn du - verzeih - fett bist, du kannst dich auf eine Art und   Weise durch L�cken durchzw�ngen, die ich einfach nicht draufhabe. Da bleibe ich   garantiert stecken.�</p><p>�Du hast ja so gar keinen Ehrgeiz. Lass uns doch wenigstens mal gucken. Ich   komme durch den Garten auf euren Balkon, und dann checken wir die Lage. W�re   doch toll, so ein abendlicher Spaziergang ganz ohne Menschen.�</p><p>Herr Beck beziehungsweise sein Geruch verschwindet.</p><p>Dieser Kater. Das wird doch nie im Leben was. Und so langweilig, dass ich   hier Kopf und Kragen riskiere, ist mir dann auch wieder nicht. Andererseits -   mal allein nachts im Park rumzustromern, ist nat�rlich auch ein reizvoller   Gedanke. Ich seufze innerlich, dann trotte ich ins Schlafzimmer.</p><p>Tats�chlich, die Balkont�r ist gekippt. Allerdings beginnt der Spalt erst   weit oberhalb meines Kopfes, richtig breit zu werden. In diesem Moment springt   Herr Beck von der mit Efeu bewachsenen Hauswand auf unseren Balkon.</p><p>�Na, das sieht doch gut aus!�, ruft er mir fr�hlich zu.</p><p>�Was, bitte, sieht daran gut aus?�</p><p>�Die T�r steht auf kipp. Ist doch prima.�</p><p>�Ja, aber hier unten passe ich noch nicht durch und weiter oben komme ich   nicht ran. Das k�nnen wir vergessen.�</p><p>�Kannst du da nicht hochspringen?�</p><p>�Ne, wie denn?�</p><p>�Und wenn du dich am Vorhang hochhangelst?�</p><p>�Herr Beck, du machst dir eindeutig die falschen Vorstellungen �ber meine   Krallen. Mit denen kann ich mich nirgendwo dranhaken, wie du das machst. Daf�r   sind die viel zu gerade und zu glatt.�</p><p>�Tja, dann wird's schwierig.�</p><p>�Sag ich ja.�</p><p>Eine Weile sitzen wir da und gucken uns durch die Balkont�r an. Dann kommt   zur Abwechslung mal mir eine gute Idee. Ich sehe mich kurz im Zimmer um und   wirklich: In der Ecke steht der Stuhl, auf den Carolin abends immer ihre   Klamotten legt, wenn sie ins Bett geht. Er ist ziemlich massiv und hat auch   eine hohe Lehne - wenn ich den als Leiter nehme, dann k�nnte es vielleicht   klappen. Ich trabe zu dem Stuhl und versuche, ihn zur Balkont�r zu schieben.   Puh, ist der schwer!</p><p>�Schaffst du es oder soll ich reinkommen?�</p><p>�Bleib lieber, wo du bist. Entweder ich kriege es allein hin, oder wir   vergessen die Sache mit dem gemeinsamen Ausflug.�</p><p>Ich lehne mich mit meinem ganzen Gewicht gegen den Stuhl. Endlich bewegt er   sich ein St�ck. Ich lehne mich noch einmal gegen das linke Bein, er r�ckt   weiter. Dann rechts, dann wieder links - St�ckchen f�r St�ckchen schiebe ich den   Stuhl mit meiner Brust durch das Zimmer. Eine sehr m�hsame Angelegenheit, aber   schlie�lich ist es geschafft. Der Stuhl steht genau vor dem Spalt der   Balkont�r.</p><p>Ich h�pfe auf die Sitzfl�che. Tats�chlich. Von hier oben sieht die Sache doch   schon sehr vielversprechend aus. Eigentlich m�sste ich schon fast   durchpassen.</p><p>�Los! Worauf wartest du?�, dr�ngelt Beck.</p><p>�Keinen Stress! Ich muss mich konzentrieren.�</p><p>Ohne einen kleinen Sprung wird es nicht gehen - schlie�lich will ich nicht   stecken bleiben. Aber um zu springen, brauche ich ein bisschen Anlauf, und das   ist auf dem Stuhl unm�glich. Mist, ich m�sste einfach noch ein St�ck h�her sein,   dann w�re es deutlich einfacher.</p><p>�Herkules, schau mal, ob du mit der Schnauze an den Griff kommst. Vielleicht   kannst du die T�r ganz �ffnen, wenn du den Griff mit den Z�hnen zu packen   kriegst. Dann musst du ihn nur noch nach unten ziehen.�</p><p>Was hei�t denn hier <emphasis>nur noch? </emphasis>Sind wir hier im Zirkus? Das �ffnen von   versperrten T�ren durch kleine Dackel f�llt doch wohl eindeutig unter <emphasis>technische Kunstst�cke.</emphasis></p><p>�Probier's einfach mal, das kann doch nicht so schwer sein!�</p><p>Der hat gut reden, wie er da auf seinem dicken Hintern sitzt. Andererseits -   vielleicht ist die Idee nicht so schlecht. Auf alle F�lle besser, als bei einem   Sprung in dem Spalt stecken zu bleiben. Ich mache also M�nnchen, bekomme   tats�chlich den Griff der T�r zu fassen, schnappe zu und lasse mich dann wieder   auf die Sitzfl�che fallen. Mit einem Ruck bewegt sich der Griff nach unten - und   die T�r schwingt auf! Sensationell! Ich, Carl-Leopold von Eschersbach, habe   soeben eine Balkont�r ge�ffnet!</p><p>Meine Euphorie w�hrt allerdings nur einen kurzen Augenblick. Denn zwei   Sekunden sp�ter stehe ich zwar neben Herrn Beck auf dem Balkon, aber schnell   wird mir klar, dass unser Spitzenplan nicht bis zu Ende gedacht war. Wie, zum   Geier, komme ich von diesem Balkon herunter?</p><empty-line/></section><section><p><strong><emphasis>NEUNZEHN</emphasis></strong></p><p>�Ich bin ein Held, ein Supermann, ein Superdackel!� �Hast du diesen Satz   gesehen? War das nicht ph�nomenal? Geradezu eine Sensation?� �Ja, war ganz   gut.�</p><p>�Ganz gut? Es war PERFEKT! Ich habe es einfach drauf, mein Lieber.� Herr Beck   scheint nicht ganz zu begreifen, dass dies gerade eine athletische   Jahrhundertleistung war. �Ich meine, hast du schon mal einen anderen Dackel   gesehen, der aus dem ersten Stock gesprungen ist? Ich w�rde sagen, ich gehe   mittlerweile als Katze durch.�</p><p>Beck sch�ttelt den Kopf. �Also, wie ich schon sagte: Es war okay. Aber   erstens ist das eher Hochparterre und zweitens bist du in den W�schekorb der   alten Meyer gesprungen. Wenn ich den nicht gefunden h�tte, w�rdest du immer noch   vor dem Balkongel�nder hocken und weinen.�</p><p>Ist es denn die M�glichkeit? Dieser fette Kater! Mir ist kein anderer Dackel   bekannt, der jemals so ein waghalsiges Man�ver ausgef�hrt h�tte. Allein die   Meisterleistung, sich durch die St�be des Balkongel�nders zu zw�ngen, dem   sicheren Abgrund entgegen. Und dann der Sprung selbst: zielsicher in den   W�schekorb mit Handt�chern von Frau Meyer. Und das im Dunkeln! Gut, wenn die   Meyer den Korb nicht drau�en h�tte stehen lassen, w�re es in der Tat ein wenig   komplizierter geworden. Aber mutig war die Aktion allemal. Ich h�tte schlie�lich   auch ungl�cklich neben dem Korb landen und mir alle Pfoten brechen k�nnen.</p><p>�So, wenn du dich von deiner Heldentat ausreichend erholt hast, k�nnen wir   doch mal los, oder?�</p><p>B�se funkele ich Beck an, was der leider nicht sehen kann, weil es schon   dunkel ist. Andererseits ist es auch langweilig, hier weiter zwischen den   Handt�chern zu hocken. Und so beschlie�e ich in einem Akt wahrer Gr��e, Herrn   Beck zu verzeihen, obwohl er sich nicht entschuldigt hat.</p><p>Ich h�pfe aus dem Korb und trabe hinter Beck her, der schon Richtung   Gartenpforte strebt. Ein leichter Wind weht mir um die Nase, es riecht schon ein   bisschen nach Abenteuer. Auch wenn Herr Beck eine bl�de Katze ist, in einem hat   er nat�rlich v�llig Recht: So ein Spaziergang ohne Carolin ist die beste   Gelegenheit, endlich einmal auf die Jagd zu gehen. Sofort sp�re ich dieses   angenehme Kribbeln in der Nase, und meine Rute wippt automatisch nach oben.   Nehmt euch in Acht, ihr Kaninchen! Carl-Leopold von Eschersbach will euch an den   Kragen - und er wird euch kriegen.</p><p>Im Park angekommen, ist von Kaninchen erst einmal nichts zu sehen und zu   riechen. Ob die schon alle im Bau liegen und schlafen? Egal, ich werde sie schon   aufst�bern. Herr Beck ist eher auf V�gel spezialisiert, da kommen wir uns schon   mal nicht ins Gehege. Mit der Nase dicht �ber dem Boden laufe ich den Kiesweg   entlang. Nach ein paar Metern ein sehr vielversprechender Geruch: Hier muss vor   kurzem noch ein Kaninchen entlanggehoppelt sein, wahrscheinlich auf dem Weg in   seinen Bau. Ich bin ganz aufgeregt! In einem Kaninchenbau sind bestimmt gleich   ein paar Kollegen, da werde ich den ein oder anderen schon erwischen.   Tats�chlich wird der Geruch immer st�rker. Ich verlasse den Weg und trabe auf   die Wiese, in Richtung einiger gro�er B�sche.</p><p>Genau hier muss es sein! Ich w�hle mit meiner Nase durch das Gras, immer auf   der Suche nach der Bau�ffnung. Endlich gibt ein Grasb�schel direkt vor mir nach,   dahinter liegt ein tiefes Loch. Der Geruch ist jetzt ganz intensiv, ich kann mir   einen lauten Freudenjauchzer nicht verkneifen. Hurra!</p><p>�He, alles in Ordnung bei dir, Herkules?�</p><p>Herr Beck steht auf einmal neben mir.</p><p>�Alles bestens! Ich habe soeben den ersten Kaninchenbau meiner   Jagdhundkarriere aufgest�bert!�</p><p>�Du wei�t aber schon, dass so ein Kaninchenbau ganz sch�n eng ist, oder?�</p><p>Was f�r eine saubl�de Frage.</p><p>�Nat�rlich wei� ich das. Und jetzt entschuldige mich, ich muss arbeiten.�</p><p>Anstatt mich in Ruhe in den Bau zu lassen, setzt sich Herr Beck nun direkt   vor mich. Nervig!</p><p>�Dir ist hoffentlich bei allem Jagdtrieb klar, dass du kein Dackel bist.�</p><p>Ich schnaufe tief durch. �Na und? Da siehst du mal, wie falsch von   Eschersbach lag: Ich bin zwar nicht reinrassig, aber habe sofort den Bau   gefunden. Alle Vorbehalte mir gegen�ber sind also v�llig aus der Luft   gegriffen. Ich bin eben ein Jagdhund durch und durch. W�rdest du jetzt bitte zur   Seite gehen?�</p><p>�Entschuldige, du verstehst mich falsch. Ich wollte mit dir nicht in deine   Stammbaumdiskussion einsteigen. Was ich sagen wollte ist lediglich, dass du   doch ein St�ck gr��er als ein Dackel bist. Nicht, dass du gleich in dem Bau   stecken bleibst. Ich w�sste n�mlich nicht, wie ich dich da wieder rauskriegen   soll. Und um diese Zeit sind auch nicht gerade viele andere Helfer hier   unterwegs.�</p><p>�So ein Quatsch. Stecken bleiben - was meinst du, wozu ich meine Krallen   habe? Ich kann mich damit vielleicht nicht durch das Efeu hangeln, aber graben   geht damit ganz hervorragend. Mach dir also um mich keine Sorgen. Und jetzt   muss ich mal loslegen, sonst sind die Kaninchen wieder weg, und wir diskutieren   hier immer noch.�</p><p>Ich stecke meine Nase tief in das Loch und beginne, den Eingang in den Bau   etwas breiter zu buddeln. Es ist ein tolles Gef�hl! Endlich habe ich meine wahre   Bestimmung gefunden. Schade nur, dass ich nicht mit einem leidenschaftlichen   J�ger unterwegs bin, sondern nur mit dem bedenkentr�gerischen Herrn Beck.</p><p>Nach ein paar Minuten bin ich schon fast komplett unter der Erde. Der   Kaninchengeruch ist mittlerweile so stark, dass sich meine Nase ganz gespannt   und doppelt so gro� wie sonst anf�hlt. Das Kribbeln hat sich in meinem ganzen   K�rper ausgebreitet, und ich bin so aufgeregt, dass mein Herz richtig rast. Noch   ein kleines St�ck, dann habe ich sie! Ich bilde mir ein, dass ich die Kaninchen   sogar schon h�ren kann. Wahrscheinlich sitzen sie starr vor Schreck in ihrer   H�hle und denken gar nicht an die Flucht. Fast ein bisschen einfach, das Ganze.   Ich dr�cke ganz kr�ftig mit meinen Pfoten und der Nase in Richtung der   vermuteten H�hle - da gibt die Erde vor mir nach, und ich h�nge pl�tzlich mit   meiner gesamten vorderen H�lfte in einem Loch. Horrido! Ich bin in der   H�hle!</p><p>Dann die gro�e Entt�uschung: Es ist zwar stockfinster, aber meine Nase verr�t   mir sofort, dass die Kaninchen doch schon auf und davon sind. Der Geruch ist   nicht mehr ganz so deutlich, wie noch vor ein paar Minuten. So ein Mist, ich   muss sie ganz knapp verpasst haben! Das ist alles Becks Schuld! H�tte ich gleich   angefangen zu graben, dann h�tte ich die Kameraden hier unten bestimmt noch   gekriegt. So hatten sie nat�rlich genug Zeit, sich ein neues Loch zu buddeln und   zu fl�chten. �rgerlich. Es bleibt mir also nichts anderes �brig, als nach einem   anderen Bau zu suchen.</p><p>Ich lege den R�ckw�rtsgang ein. Besser gesagt: Ich versuche, den   R�ckw�rtsgang einzulegen. Denn tats�chlich ist das gar nicht so einfach, wenn   man mit den Vorderl�ufen in der Luft baumelt, wie ich es gerade tue. Ich   versuche, mich mit den Hinterl�ufen zur�ckzuziehen, um so auch vorne wieder Halt   zu finden. Aber so sehr ich mich auch hinten in die Erde stemme - es tut sich   gar nichts. Ich stecke wie in einem Flaschenhals und komme weder vor noch   zur�ck. Ein paar Mal versuche ich es noch, dann muss ich eine Pause machen,   weil mir schon so warm ist. Verdammt stickig ist es hier unten au�erdem. Meine   Nase beginnt wieder zu kribbeln. Allerdings nicht, weil nun das ein oder andere   Kaninchen zur�ckgekommen w�re. Nein, was ich jetzt f�hle, ist: Angst. Wie zum   Teufel komme ich hier wieder raus?</p><p>Hoffentlich steht Herr Beck noch oben. Ich belle, so gut und so laut ich   unter den gegebenen Umst�nden kann. Ob er mich �berhaupt h�ren kann? Er sagt   selbst, dass er nicht mehr so gut sieht. Vielleicht h�rt er auch nicht mehr so   gut. Das w�re allerdings eine Katastrophe. Mir wird immer hei�er, es ist schon   fast unertr�glich. Bleib ruhig, Carl-Leopold! Keine Panik! Immerhin wei� jemand,   wo du bist. Herr Beck wird sich schlie�lich wundern, wenn du nicht wieder   hochkommst. Der wird schon nicht ohne dich nach Hause gehen. Und wenn ich ihn   eben so vergr�tzt habe, dass er doch schon weg ist? Mit meinem albernen   Jagdhundgefasel habe ich ihn bestimmt ganz sch�n genervt. Ich belle weiter.   Lieber, lieber Herr Beck, alles Bl�de, was ich jemals zu dir gesagt habe, war   garantiert nicht so gemeint. Du bist ein sehr lieber Freund von mir. Im Grunde   mein einziger. Hilfe!</p><p>�Herkules? Alles klar da unten!�</p><p>Hallelujah! Er h�rt mich!</p><p>�Nein! Ich stecke fest!�</p><p>�Wie bitte? Ich kann dich kaum verstehen.�</p><p>�ICH STECKE FEST!�</p><p>Hustenreiz, ich muss w�rgen. Los, Herr Beck, tu was!</p><p>�Mist. Ich hab's ja geahnt. Diese Kaninchennummer war eine echte   Schwachsinnsidee. Wie kriegen wir dich da jetzt blo� raus?� Er schweigt. �Bist   du sehr tief unten?�</p><p>�Nein, geht so. Der Tunnel verl�uft relativ weit oben.�</p><p>�Ich schaue mal, ob ich irgendwo Hilfe finde.�</p><p>�Nein, bitte lass mich nicht allein! Ich habe Angst!�</p><p>�Ich muss jemanden suchen, der dich ausgraben kann. Am besten einen Menschen.   Anders wird's nicht gehen, ich selbst schaffe das garantiert nicht. Bleib ganz   ruhig, sonst verbrauchst du zu viel Luft. Und versuch dich zu entspannen.�</p><p>Entspannen? Sehr witzig. Da m�chte ich mal sehen, wie entspannt Herr Beck an   meiner Stelle w�re. Aber er hat nat�rlich Recht. Wir brauchen Hilfe.</p><p>�Okay, aber beeil dich!�</p><p>�Klar, ich mach so schnell ich kann. Halte durch!�</p><empty-line/><p>Wahrscheinlich ist Herr Beck erst seit ein paar Minuten unterwegs, aber es   f�hlt sich an wie eine Ewigkeit. Es ist ganz still hier unten, totenstill. Ich   habe furchtbare Angst, versuche aber, Becks Rat zu befolgen und ruhig zu   bleiben. Wieso war ich nur so bl�d und habe mich in diese Lage gebracht? Beck   hatte v�llig Recht. Und ich bin ein Idiot. F�r die Jagd jedenfalls komplett   ungeeignet. Wie Opili immer sagte: Leidenschaft ist ein sehr schlechter   Ratgeber. Und falscher Stolz auch. Wieso beschr�nke ich mich nicht darauf, ein   niedliches Haustier zu sein? Ab und zu mal ein Zipfel Fleischwurst. Vielleicht   mal einer Taube hinterherjagen. Nichts Gef�hrliches. Lieber Dackelgott, falls es   dich gibt, bitte mach, dass Herr Beck jemanden findet, der mir hilft. Ich   verspreche, ich werde fortan immer an der Leine gehen, nie mehr nachts aus der   Wohnung ausb�chsen und �berhaupt der bravste Hund der Welt werden. Und keinem   Kaninchen mehr nach dem Leben trachten.</p><p>Direkt �ber mir h�re ich auf einmal ein dumpfes Dr�hnen. Menschliche   Schritte! Das muss einfach die Rettung sein! Mein Gebet an den Dackelgott wurde   offenbar erh�rt, und Herr Beck hat jemanden gefunden.</p><p>�Hey, Herkules! Du glaubst nicht, wenn ich mitgebracht habe!�</p><p>Dies ist definitiv nicht der Moment f�r R�tselspiele, aber ich verkneife mir   diese Bemerkung und bin eigentlich auch schon zu schwach, um noch laut zu   rufen.</p><p>�Willi. Ich habe Willi gefunden. Er hat zwar ziemlich auf uns beide   geschimpft, aber trotzdem ist er noch einmal mitgekommen. Belle noch einmal,   damit er kapiert, was wir von ihm wollen.�</p><p>Ich nehme all meine Kraft zusammen und belle, so laut ich kann.</p><p>�Ach so!�, h�re ich Willis tiefe Stimme von oben brummen. �Dein kleiner   Freund steckt da unten fest, richtig?�</p><p>Ich kann zwar nicht sehen, was Herr Beck jetzt macht, aber ich hoffe doch   sehr, er best�rkt Willi irgendwie in dieser Annahme.</p><p>�Dann will ich mal versuchen, ihn da auszugraben. Hoffe, er ist nicht zu   tief, ohne Schaufel, nur mit blo�en H�nden wird das schwierig.�</p><p>Es wummert noch mal ordentlich �ber mir, Willi scheint sich hingekniet zu   haben. Erst h�re ich eine ganze Weile nichts mehr, dann beginnt die Erde �ber   mir wieder zu beben. Willi gr�bt. Dackelgott sei Dank!</p><p>Ich h�re Willi �chzen und st�hnen, das Graben scheint f�r Menschen ziemlich   anstrengend zu sein. Kein Wunder, so ohne Krallen ist es bestimmt nicht leicht,   die Erde zur Seite zu schaffen. Aber das Beben kommt immer n�her und ab und zu   f�llt jetzt auch ein wenig Erde von der H�hlendecke auf meine Nase.</p><p>�Mensch, da haste dir ja ein prima Pl�tzchen f�r deinen Ausflug unter Tage   ausgesucht! Die Erde hier ist so was von lehmig - richtig anstrengend ist das!�,   flucht Willi. Dann sagt er nichts mehr, sondern gr�bt still weiter.</p><p>�Geht's noch, Herkules?�, will Herr Beck wissen.</p><p>�Ja!�, rufe ich knapp, denn inzwischen bekomme ich kaum noch richtig   Luft.</p><p>�Du kannst echt froh sein, dass Willi auf seinem Stammplatz sa� und noch   nicht allzu viel Bier intus hatte. Hat gar nicht so lange gedauert, ihm   klarzumachen, was ich will.�</p><p>Gerade als ich Herrn Beck antworten will, dass es bei aller Schnelligkeit f�r   mich trotzdem langsam eng wird, sp�re ich einen Luftzug an meiner Rute.</p><p>�Endlich!�, ruft Willi. �Ich habe den Tunnel. So, gleich ist es   geschafft!�</p><p>Ich kann zwar noch nichts sehen, aber Willi ist bereits an meinem Hinterteil   angelangt. Ich h�re sein Schnaufen und Prusten fast direkt hinter meinem Nacken.   Jetzt hat er meine Hinterl�ufe komplett freigelegt und streicht mir �ber den   R�cken.</p><p>�M�nsch, mein Lieber, du machst Sachen. Jetzt grabe ich noch vorsichtig dein   K�pfchen frei, dann hast du es geschafft.�</p><p>Immer mehr Erde f�llt auf meine Nase, aber weil ich wei�, dass das an Willi   liegt, der direkt neben meiner Schnauze gr�bt, bleibe ich ruhig. Da! Willi hebt   die Decke von der H�hle, und ich bin endlich befreit. Ich sch�ttle mich und   schaue nach oben. Oha! Ich sitze doch in einer ziemlich tiefen Grube. Vorsichtig   hebt mich Willi hoch und setzt mich an den Rand des gro�en Loches, das er f�r   mich gebuddelt hat. Dann klettert er selbst raus und setzt sich neben mich.</p><p>�So, Willi braucht mal eine Verschnaufpause. Mir ist direkt ein bisschen   schwindelig von der ganzen Anstrengung. Bin ja nichts mehr gewohnt in meinem   Alter, ha, ha!�</p><p>Herr Beck kommt zu uns r�bergetrabt, und so hocken wir zu dritt unter dem   funzeligen Licht der etwas entfernt stehenden Parklaterne.</p><p>�Da hast du Gl�ck gehabt, dass dein Kumpel mich gefunden hat, mein Freund.   So w�rst du nicht mehr rausgekommen. Puh, bin ich schlapp. Bisschen schlecht   ist mir. Na ja, kein Wunder, untrainiert wie ich bin.� Willi streicht sich mit   einer Hand durch sein wirres Haar. Dann holt er tief Luft und starrt in die   Ferne. �Aber jetzt wird's doch komisch. Und schlecht ist mir auf einmal. Ich   f�hle mich so ...� Er l�sst den letzten Satz in der Luft h�ngen - und kippt zur   Seite ins Gras. Dort bleibt er liegen. Ach du Schreck! Nicht auch noch das!</p><p>�Was ist los mit ihm?�</p><p>�Was auch immer es ist, es sieht nicht gut aus.� Herr Beck geht n�her an   Willi heran und stupst ihn mit der Pfote im Gesicht an. Der regt sich nicht.   �Mist, Willi, mach nicht solche Sachen!�</p><p>Ich laufe ebenfalls herum, �berlege kurz und springe dann auf Willis   Oberk�rper. Wenn er darauf nicht reagiert, ist es ernst.</p><p>Es ist ernst: Selbst als ich nach vorne laufe und Willi �bers Gesicht   schlecke, r�hrt er sich nicht. Daf�r atmet er ganz schnell und unregelm��ig. Ich   merke, dass ich panisch werde.</p><p>�Beck, ich glaube, Willi geht es sehr schlecht. Was machen wir jetzt   blo�?�</p><p>�Schei�e!�, entf�hrt es Beck. �Das ist alles deine Schuld! W�rst du nicht in   den bl�den Bau, und h�tte Willi dich nicht ausgraben m�ssen, dann l�ge er nicht   hier. Das war offenbar zu viel f�r ihn. Wir brauchen dringend Hilfe!�</p><p>Ich lasse die Ohren h�ngen. Beck hat Recht. Es ist alles meine Schuld. Und   weit und breit ist niemand zu sehen.</p><p>�Waren da eben noch andere Menschen?�, frage ich Herrn Beck, doch der   sch�ttelt nur den Kopf.</p><p>�Keine Menschenseele. Nicht mal Liebesp�rchen. Einfach niemand.�</p><p>Willi gibt ein kl�gliches St�hnen von sich. <emphasis>Denk nach, Carl-Leopold, denk   nach. Wer kann jetzt helfen? </emphasis>Dann endlich der Geistesblitz.</p><p>�Ich hab's!�, belle ich aufgeregt. �Ich habe Willi in diese Lage gebracht -   ich hole ihn auch wieder raus. Du bleibst neben ihm, damit er nicht so allein   ist. Bis gleich!�</p><p>Und bevor Herr Beck noch etwas sagen kann, sause ich auch schon los.</p><empty-line/></section><section><p><strong><emphasis>ZWANZIG</emphasis></strong></p><p>Aus dem Park heraus, die kleine Stra�e ganz bis zum Ende. Dann links her�ber,   zu dem gro�en Baum an der Ecke, der so eindrucksvoll nach dem schwarzen   Dobermann riecht, den ich schon oft aus der Ferne bewundert habe. Eine gr��ere   Stra�e �berquert, um diese Zeit ohne Autos. Ich laufe, so schnell ich kann, ohne   die Orientierung zu verlieren. An der n�chsten Ecke bin ich erst unsicher, aber   dann nehme ich den Geruch der B�ckerei auf, an der ich auch mit Daniel und   Carolin vorbeigekommen bin. Genau, hier bin ich noch richtig. Diese Stra�e ist   ziemlich lang, ich muss ihr bis zu einer scharfen Kurve folgen. Als sie endlich   kommt, h�ngt mir die Zunge schon aus dem Hals.</p><p>Und endlich rieche ich den fast vertrauten Gestank einer Reinigung. Ich bin   am Ziel - schr�g gegen�ber ist die Praxis von Wagner. Deren Fenster sind   nat�rlich dunkel - aber die Wohnung im Stockwerk dar�ber ist zum Gl�ck hell   erleuchtet. Dr. Wagner scheint da und wach zu sein. Ohne zu z�gern, hocke ich   mich auf den B�rgersteig vor dem Haus und beginne, laut zu bellen.   Ununterbrochen. Irgendwann wird mich schon jemand h�ren. Jetzt nicht aufgeben.   Das bin ich Willi einfach schuldig.</p><p>Es dauert nicht einmal sonderlich lang: Bald geht ein Fenster auf, leider im   zweiten Stock, und eine Frau schaut heraus.</p><p>�Was ist denn das f�r ein gottverdammter L�rm! Bl�der K�ter, scher dich   gef�lligst weg!�</p><p>Unbeeindruckt belle ich weiter, langsam schon etwas heiser.</p><p>�Hau ab, oder ich rufe die Polizei!�</p><p>Mir doch egal. Zur Abwechslung heule ich nun ein bisschen. Die Frau macht   das Fenster wieder zu. Eine Weile passiert nichts. Egal. Durchhalten,   Carl-Leopold, durchhalten. Es geht um Willi!</p><p>Da klappert es, und die Haust�r �ffnet sich. Die Frau kommt auf die Stra�e -   und sie hat Dr. Wagner dabei! Sie sprechen miteinander, w�hrend sie auf mich   zugehen.</p><p>�Ich wei� zwar nicht, wie Sie darauf kommen, dass das ein Patient von mir   sein k�nnte, aber ich gucke mal, wo das Problem ist.�</p><p>�Na ja, warum sonst sollte sich ein Hund hier so auff�hren? Also danke, dass   Sie mal schauen.�</p><p>Die beiden bleiben vor mir stehen. Wagner starrt mich an. Ich starre zur�ck.   Hoffentlich erkennt er mich. Sonst rufen sie wohlm�glich wirklich noch die   Polizei.</p><p>�Tats�chlich. Ich kenne das Tier. Es geh�rt einer Freundin von mir.�</p><p>Na, also das stimmt so nun gar nicht. Carolin ist nicht deine Freundin! Aber   in dieser Situation will ich mal nicht so sein. Stattdessen springe ich an   Wagner hoch und begr��e ihn schwanzwedelnd. Wagner streichelt mich kurz und   guckt mich dann nachdenklich an.</p><p>�Was ist denn wieder los bei euch, Herkules?�</p><p>Wenn ich das einfach erz�hlen k�nnte, m�sste ich hier nicht so einen Zinnober   veranstalten. Ich springe noch einmal an ihm hoch und zerre dabei an seinem   �rmel. Die Frau, die eben noch auf hundertachtzig war, schaut am�siert.</p><p>�Sieht so aus, als sollten Sie mitkommen.�</p><p>�Ja, k�nnte man glauben, nicht? Ist etwas mit Carolin?�</p><p>Ich springe auf und ab. Gut, das ist zwar gelogen, aber Hauptsache, er kommt   erst einmal mit. Und da locke ich ihn mit Carolin wahrscheinlich eher. Dass es   nicht um eine h�bsche junge Frau, sondern um einen wohl eher h�sslichen alten   Mann geht, wird er noch fr�h genug selbst sehen.</p><p>�Wo ist Carolin denn? Zu Hause?�</p><p>Ich laufe drei Schritte vor, dann drehe ich mich wieder zu Wagner um und   wedele mit dem Schwanz. Wagner sch�ttelt staunend den Kopf, dann zieht er ein   Handy aus seiner Hosentasche und tippt eine Nummer ein. Er h�lt das Handy an   sein Ohr und lauscht hinein. Nach einer Weile nimmt er es wieder herunter und   steckt es zur�ck in die Tasche. �Hm, ich erreiche sie nicht, geht nur der   Anrufbeantworter ran. Okay, Herkules, dann muss ich dir wohl folgen. Warte einen   Moment, ich hole kurz meine Jacke.�</p><p>Die Frau schaut Wagner v�llig perplex an.�He, das war eben ein Scherz! Sie   glauben doch wohl nicht im Ernst, dass der Hund Sie gerade bittet, ihn zu   begleiten?�</p><p>�Doch, das glaube ich, Frau Loretti. Dieser Hund scherzt nicht. Der meint es   bitterernst.�</p><p>Dann dreht er sich um und geht wieder ins Haus. Ich bin begeistert. Wagner   mag ein Idiot sein. Aber mit Hunden kennt er sich einfach aus.</p><p>Einen Augenblick sp�ter steht er wieder neben mir.</p><p>�Gut, Herkules. Ich bin wirklich sehr gespannt, was der Grund f�r deinen   b�hnenreifen Auftritt ist.�</p><p>Ich wedele wieder mit dem Schwanz und trabe los, ein kurzer Blick �ber die   Schulter: Wagner kommt brav hinterher. Auf dem R�ckweg muss ich nicht mehr   �berlegen, wo ich eigentlich hinwill, das erleichtert die Sache enorm. Schon   bald kommen wir an Carolins Haus vorbei, und Dr. Wagner will in Pachtung   Hauseingang abbiegen. Ich belle kurz - nix da!</p><p>�Aha, da also nicht. Sondern?� Wagner schaut mich fragend an, ich laufe   weiter Pachtung Park. Jetzt nicht schlappmachen, wir haben es gleich geschafft.   Schlie�lich steure ich direkt auf Herrn Beck zu, der auftragsgem�� neben Willi   sitzt. Willi liegt immer noch so im Gras, wie ich ihn verlassen hatte. Herr Beck   starrt mich an.</p><p>�Du meine G�te, das ist wirklich eine brillante Idee: Du hast den Tierarzt   geholt.�</p><p>Nun kommt auch Wagner auf uns zu. �Was ist denn hier passiert? Habt ihr den   Mann hier gefunden? Und mich als Hilfe geholt? Das ist einfach unglaublich.� Er   kniet sich neben Willi. �Hallo? K�nnen Sie mich h�ren? Hallo?�</p><p>Willi reagiert nicht. Wagner schiebt seinen Pullover hoch und legt sein Ohr   auf Willis Brust. Dann beginnt er, ihn zu massieren. Nein, eigentlich eher, auf   ihn einzuschlagen. Das sieht ziemlich brutal aus. Ich hoffe, Wagner wei�, was er   tut! Nach einer ganzen Weile voll massieren und schlagen legt Wagner wieder sein   Ohr auf die Brust. Offenbar scheint irgendetwas wieder besser zu funktionieren,   denn jetzt l�chelt Wagner zufrieden. Er setzt sich auf und kramt sein Handy   hervor. Dann tippt er eine Nummer ein.</p><p>�Hallo, hier ist Marc Wagner. Ich habe soeben im Helvetia-Park eine   bewusstlose m�nnliche Person gefunden, Alter zwischen f�nfzig und sechzig Jahre.   Eine genauere Untersuchung ist schwierig, aber ich sch�tze, es k�nnte ein   Herzinfarkt sein. Herzschlag war jedenfalls sehr unregelm��ig, scheint nach   Herzmassage jetzt besser zu sein.�</p><p>Er lauscht wieder. Jemand am anderen Ende der Leitung scheint ihn etwas zu   fragen.</p><p>�Na, nicht so direkt. Ich bin Tierarzt. Ich habe ihn jetzt in die stabile   Seitenlage gebracht, Herzmassage ist wohl nicht mehr n�tig. Sie finden uns   rechts von dem Kinderspielplatz. Bis gleich!�</p><p>Wagner legt auf, dann guckt er Herrn Beck und mich ernst an. �Ich glaube,   dieser Mann hatte einen Herzinfarkt. Auf alle F�lle scheint es etwas Ernstes zu   sein. Es ist gut, dass ihr Hilfe geholt habt.� Er streichelt erst mich, dann   Herrn Beck �ber den Kopf. �Gut gemacht!� Er schweigt einen Moment. �Obwohl ich   mir ziemlich sicher bin, dass mir niemand diese abgefahrene Geschichte glauben   wird. Wahrscheinlich am wenigsten dein Frauchen, Herkules. Wo steckt die   eigentlich? Und warum rennst du nachts allein im Park herum?� Er mustert mich   nachdenklich. �Schade, dass du nicht sprechen kannst.�</p><p>Er nimmt wieder das Handy und tippt eine Nummer ein. �Hallo, Nina, hier ist   Marc. Sag mal, hast du vielleicht die Handynummer deiner Freundin Carolin? Hm.   Ja.�</p><p>Wie schlau von Wagner - er hat offensichtlich Nina angerufen.</p><p>�Nein, ich wollte ihr lediglich etwas erz�hlen, was eventuell von Interesse   f�r sie sein k�nnte. Also, wenn du mir den Gefallen tun w�rdest ...�, wieder   Schweigen. �Ach hallo, Carolin! So ein Zufall - du bist bei Nina. Tja, das   klingt jetzt erst mal seltsam, aber ich sitze hier mit Herkules im   Helvetia-Park. Willst du vielleicht vorbeikommen?�</p><empty-line/><p>Die Rettungssanit�ter wuchten Willi auf eine Trage. Wagner unterh�lt sich   noch kurz mit dem Menschenarzt, der Willi gerade untersucht hat.</p><p>�Ich denke auch, dass es ein Herzinfarkt war. Hat echt Gl�ck gehabt, dass Sie   vorbeigekommen sind, Herr Kollege.�</p><p>�Tja, normalerweise sind meine Patienten ja sehr viel kleiner oder sehr viel   gr��er und meist sehr behaart, aber im Notfall geht's auch mal ohne Fell.� Die   beiden lachen.</p><p>�So, wir bringen den Herrn jetzt in die Uniklinik. Also, tsch�ss!�</p><p>Marc Wagner nickt kurz, dann dreht er sich zu Carolin und Nina um, die   mittlerweile neben uns stehen. �Einen sch�nen guten Abend, die Damen!�</p><p>Carolin sagt erst mal nichts, sondern nimmt mich auf den Arm. �Herkules! Was   machst du hier? Was um Gottes willen ist passiert?�</p><p>Wagner l�chelt ein bisschen schief. �Also, ich habe es mir wie folgt   zusammengereimt: Herkules war mit dem Kater im Park unterwegs, und dabei haben   sie diesen Obdachlosen gefunden. Schlaue Viecher, die sie nun mal sind, haben   sie erkannt, dass ein Notfall vorliegt. Und dann hat Herkules den einzigen Arzt   geholt, den er kennt: n�mlich mich.�</p><p>Nina lacht laut auf. �Entschuldige, Marc, aber merkst du eigentlich, wie   bescheuert das klingt, was du hier gerade erz�hlst? Der Dackel und der Kater   wollen einen Penner retten und deswegen holen sie dich? Hast du was   getrunken?�</p><p>Was f�r eine Frechheit! Und wieso klingt das bescheuert? Das ist so ziemlich   genau die Wahrheit! Komisch, Nina scheint regelrecht sauer auf Wagner zu sein -   sie klingt jedenfalls sehr gereizt. Ich frage mich nur, warum.</p><p>Wagner verteidigt sich. �Warum so heftig, Nina? Was glaubst du denn? Dass ich   Herkules aus Carolins Wohnung entf�hrt, den Kater mitgenommen und anschlie�end   diesen armen, alten Mann �berfallen habe? Oder dass unsere zwei Freunde hier den   Mann angefallen haben? Ich kann nur erz�hlen, was ich selbst gesehen habe. Und   selbst gesehen habe ich, dass Herkules vor meiner Praxis aufgekreuzt ist und so   lange gebellt hat, bis ich rausgekommen bin. Dann hat er mich hierhergelotst,   und da lag schon dieser Mann, augenscheinlich bewacht von der Katze. Wie die   beiden allerdings aus Carolins Haus in den Park gekommen sind, und was dem Mann   passiert ist - keine Ahnung. Ich sch�tze, er hatte einen Herzanfall. Betrunken   scheint er jedenfalls nicht zu sein, ich konnte keinen Alkoholgeruch   feststellen. Oh, und ich bin es �brigens auch nicht.�</p><p>Nina schnappt h�rbar nach Luft, Carolin dr�ckt mich fest an sich.</p><p>�Ich kann mir zwar �berhaupt nicht erkl�ren, wie Herkules aus der Wohnung   gekommen ist, aber zum Gl�ck hat er zu dir gefunden. Ich kenne den kranken Mann   - er stand eines Tages bei uns vor dem Haus und schien ein bisschen verwirrt zu   sein. Danke, dass du ihm geholfen hast. Wer wei�, was sonst passiert w�re.�</p><p>Nina guckt die beiden an und kichert - etwas b�sartig, wie mir scheint.   �Warum? Was sollte denn schon passieren? Den Notarzt h�tte auch jeder andere   rufen k�nnen. Ich bezweifle, dass Marc sein veterin�rmedizinisches Studium dabei   sehr geholfen hat.�</p><p>Marc Wagner l�chelt noch breiter. �Liebe Nina, wenn du dereinst bewusstlos im   Park liegst, wirst du auch hoffen, dass dich wenigstens ein Tierarzt   findet.�</p><p>Genau! Besser als eine Psychologin, w�rde ich denken. Auch wenn ich gar nicht   genau wei�, was das ist.</p><p>�So, die Damen. Das Wesentliche w�re ja gesagt, ich gehe dann mal wieder.   Einen sch�nen Abend noch.�</p><p>Er nickt Nina und Carolin freundlich zu und geht in Richtung Parkausgang.   Als er f�nf Schritte entfernt ist, dreht er sich aber noch einmal um.</p><p>�Ach so, Carolin - Mittwochabend, halb sieben? Ich hole dich ab, okay? Bis   dann!�</p><p>Carolin nickt und winkt ihm kurz zum Abschied. Nina sagt nichts. Jedenfalls   nicht, solange wir noch im Park stehen. Auf dem Weg nach Hause redet sie daf�r   umso mehr.</p><p>�Du bist verabredet? Mit Marc? Warum hast du mir das nicht erz�hlt?�</p><p>�Das wollte ich ja, aber ...�</p><p>�Ich meine, da kommst du extra noch vorbei und schwafelst mich zu von deinem   tollen Tag an der Elbe mit Jens und wie romantisch das war und wie gut ihr euch   verstanden habt und dein Date mit Marc erw�hnst du mit keinem Wort?�</p><p>�Ja, aber ...�, setzt Carolin noch einmal an, doch Nina l�sst sie nicht   ausreden.</p><p>�Und ich dachte wirklich, deinem bl�den K�ter w�rde es schlechtgehen. Dabei   wolltest du nur Marcs Nummer! Hast du dich eigentlich mal gefragt, wie ich mich   f�hle, wenn ich so davon erfahre? Echt Schei�e, das kann ich dir sagen - echt   Schei�e!�</p><p>�Ich wollte es dir sagen. Deswegen bin ich heute Abend extra noch zu dir   gefahren. Aber dann rief Marc an, und ich bin nicht dazu gekommen.�</p><p>�Wer's glaubt wird selig. Wir haben ja auch erst eine Stunde gequatscht. Das   ist nat�rlich viel zu kurz, um so etwas Unwichtiges loszuwerden.�</p><p>�Wieso, du hast doch gleich nach Jens gefragt - etwas anderes hat dich doch   gar nicht interessiert.�</p><p>�Nat�rlich nicht. Woher sollte ich auch wissen, dass es noch etwas anderes zu   berichten gibt.�</p><p>�Er hat mich in ein Konzert eingeladen, mehr nicht.�</p><p>�Ach, das ist ja sch�n. Und wie kunstsinnig.�</p><p>�Au�erdem hast du gesagt, dass er doch nicht so dein Fall ist. Ich konnte ja   nicht ahnen, dass das nicht stimmt.�</p><p>�Richtig. Ahnen konntest du es nicht. Aber wissen h�ttest du es k�nnen, wenn   du mich einmal in letzter Zeit gefragt h�ttest, wie es mir eigentlich geht. Aber   stattdessen reden wir ja nur �ber dich. Und deinen Liebeskummer. Und als ich   neulich bei dir vorbeigekommen bin und echt mal eine Freundin gebraucht h�tte,   da ist dir ein bl�des Kochen mit Kumpel Daniel auf einmal unglaublich wichtig,   und ich f�hle mich sogar, als w�rde ich st�ren. Sch�ne Freundin, vielen Dank.   Ich werde dich daran erinnern, wenn du das n�chste Mal jemanden zum Quatschen   brauchst.� Sie dreht sich um und stapft weg.</p><p>Carolin bleibt mit mir zur�ck. �O Mist. Ich habe ja geahnt, dass das �rger   gibt. Ist wohl doch noch nicht alles gegessen mit dem Herrn Doktor.� Sie seufzt.   �Na, lass uns mal nach Hause gehen, S��er. Da kannst du mir mal ganz genau   erkl�ren, wie du �berhaupt hierhergekommen bist.�</p><p>Das mache ich doch gerne. Aber k�nnte mir im Gegenzug jemand erkl�ren, was   genau gerade zwischen Nina und Carolin passiert ist? Nina fand den Tierarzt doch   inzwischen genauso doof, wie ich ihn urspr�nglich fand. Und warum ist sie dann   sauer? Und davon mal ganz abgesehen: Was ist jetzt eigentlich mit Jens? War doch   ein toller Tag mit ihm. Wei� Carolin eigentlich, was sie will? Ich vermute mal:   nein.</p><empty-line/><p>In der Wohnung angekommen, laufe ich ganz schuldbewusst ins Schlafzimmer und   hocke mich vor Stuhl und ge�ffnete Balkont�r. Carolin schaut mit gro�en Augen   zwischen mir und Beweisst�ck A und B hin und her.</p><p>�Du willst mir nicht sagen, dass du diese T�re von allein aufbekommen hast,   oder? Das ist unglaublich. Damit kannst du im Zirkus auftreten. Aber wie um   alles in der Welt bist du dann vom Balkon gekommen? Bist du etwa gesprungen?�   Ich gucke sie sehr treuherzig an und mache M�nnchen. �Herkules! Bist du   verr�ckt? Du bist doch keine Katze! Neun Leben hast du auf keinen Fall!�</p><p>H�? Neun Leben? Hat die Katze neun Leben? Das w�rde nat�rlich einiges am   Verhalten von Herrn Beck erkl�ren. Oder ist das wieder nur so ein   Menschensprichwort?</p><p>Carolin schlie�t die Balkont�r und zieht den Vorhang zu. �Ich bin saum�de,   mein S��er. Und ein bisschen traurig. Wegen Nina und Marc. Und ein bisschen   gl�cklich. Wegen Marc und Jens. Was f�r ein Durcheinander! Hoffentlich bringe   ich da wieder Ordnung rein. Was meinst du? Aber jetzt gehe ich erst einmal ins   Bett. Heute bekomme ich das Problem sowieso nicht mehr gel�st. Gute Nacht,   Herkules!�</p><p>Ich laufe zu meinem K�rbchen und rolle mich in meiner Kuscheldecke zusammen.   M�de bin ich auch. Aber gleichzeitig schwirrt mir der Kopf. Erst Daniel, dann   Jens. Oder vielleicht Doktor Wagner? Wie kann es blo� sein, dass es hier vor ein   paar Wochen noch gar keinen Kandidaten f�r mein zuk�nftiges Herrchen gab und   jetzt gleich drei? Und keinen davon habe ich selbst ausgesucht, obwohl ich doch   so einen tollen Plan hatte.</p><p>In meinem m�den Hundehirn macht sich eine ern�chternde Erkenntnis breit: der   M�nnergeschmack von jungen Frauen und kleinen Dackeln scheint doch sehr weit   auseinander zu liegen.</p><empty-line/></section><section><p><strong><emphasis>EINUNDZWANZIG</emphasis></strong></p><p>Als wir durch die T�r kommen, richtet sich Willi �berrascht im Bett auf.</p><p>�M�nsch, ihr besucht mich! Das ist ja toll!�</p><p>�Tja, ich hoffe, es strengt Sie nicht zu sehr an, aber die Schwester meinte,   es sei okay.�</p><p>�Nein, ich freu mich. Damit hatte ich gar nicht gerechnet. Sie sind doch die   junge Frau mit der Geigenwerkstatt, oder?�</p><p>�Richtig. Ich hei�e Carolin Neumann.� Sie reicht Willi die Hand, der sie kurz   dr�ckt.</p><p>�Sehr angenehm. Wilhelm Schamoni mein Name, aber alle nennen mich Willi. Und   wie hei�t Ihr kleiner Freund da unten?� Er zeigt auf mich.</p><p>�Das ist Herkules.�</p><p>Carolin zieht sich einen Stuhl neben Willis Bett, setzt sich und nimmt mich   auf den Scho�. Willi streckt seinen Arm aus und streichelt mich. Puh!   Offensichtlich ist er nicht b�se auf mich. Ich bin erleichtert.</p><p>�Du b�sch ja n ganz S��er! Und nu hast du den Willi noch gerettet, nech?�</p><p>Carolin zieht die Augenbrauen hoch. �Ach, woher wissen Sie das denn? Haben   Sie gesehen, wie Herkules mit Dr. Wagner angekommen ist?�</p><p>�Nein�, ert�nt eine Stimme hinter uns, �ich habe es Willi gerade   erz�hlt.�</p><p>Carolins Kopf f�hrt herum. Im T�rrahmen lehnt Marc Wagner und grinst uns an.   �Da sind wir wohl beide auf die gleiche Idee gekommen. Ich dachte auch, dass ein   bisschen Besuch jetzt genau das Richtige f�r Willi w�re.�</p><p>�Oh, hallo, Marc.�</p><p>Komisch, Carolin klingt wenig euphorisch. Ich dachte, sie mag ihn. Egal, ich   f�r meinen Teil versuche, gute Stimmung zu verbreiten, indem ich mit dem Schwanz   wedele.</p><p>�Na, freust du dich, mich zu sehen?� Marc streichelt mir �ber den Kopf. �Du   bist unser kleiner Heldenhund, nicht wahr?�</p><p>Na ja, <emphasis>Heldenhund </emphasis>- das ist mir nun doch ein bisschen zu dick. Ich bin   schon froh, dass Willi nicht findet, dass ich an allem schuld bin. Aber Willi   l�chelt tats�chlich noch ganz gut gelaunt.</p><p>�Ein verr�ckter Tag - gestern haben Herkules und ich uns wohl gegenseitig   gerettet: Bevor ich n�mlich den Herzanfall bekam, habe ich Herkules aus einem   Kaninchenbau befreit. Er steckte fest und kam nicht mehr raus. Gemerkt habe ich   das aber nur, weil auf einmal der fette Kater neben meiner Parkbank auftauchte.   Ich habe mich zwar erst gefragt, ob wohl langsam mit meinem Kopf etwas nicht in   Ordnung ist. Schlie�lich ist es ja schon das zweite Mal, dass ich das Gef�hl   hatte, der Kater will mich irgendwohin bringen. Aber es hat ja gestimmt. Toll,   oder? Ich meine, wie sich Tiere gegenseitig helfen. Das scheinen echte Kumpels   zu sein.�</p><p>Marc Wagner nickt. �Ja, viele Menschen untersch�tzen Tiere. Und ich gebe zu,   dass ich gestern auch �berrascht war. Hatte fast etwas von <emphasis>Lassie.�</emphasis></p><p>Lassie? Wer oder was ist das? Carolin und Marc lachen, und selbst Willi   wiehert schwach, aber fr�hlich. Muss ja komisch sein.</p><p>Die T�r klappt auf, und eine Frau mit wei�em Kittel kommt herein.</p><p>�So, Herr Schamoni, jetzt muss ich Ihren Besuch leider nach drau�en bitten.   Ich werde Sie gleich noch einmal untersuchen, und au�erdem brauchen Sie auch   viel Ruhe.� Sie wendet sich an uns - und ihr strenger Blick bleibt an mir   kleben. �Tiere sind hier nicht erlaubt! Bitte bringen Sie den Hund nicht mehr   mit.�</p><p>Carolin schaut schuldbewusst. �Oh, das tut mir leid, wir gehen auch gleich.   Aber Herkules hat Herrn Schamoni gestern entdeckt, deswegen dachte ich   ausnahmsweise ...�</p><p>Die Frau sch�ttelt den Kopf. �Nein, keine Ausnahmen. Sie k�nnen gerne morgen   wiederkommen, allerdings ohne den Hund.�</p><p>Carolin setzt mich auf den Boden und steht auf. �Also, Willi, dann w�nsche   ich Ihnen gute Besserung! Vielleicht schaue ich wirklich noch einmal   vorbei.�</p><p>�Ja, das w�rde mich riesig freuen!� Er dr�ckt noch einmal Carolins Hand zum   Abschied.</p><p>Auch Marc Wagner reicht ihm die Hand. �Tsch�ss, Willi, gute Besserung!�</p><p>�Vielen Dank noch mal f�r den Besuch, lasst euch mal wieder blicken.�</p><p>Willi winkt kurz, dann stehen wir wieder auf dem Krankenhausflur.</p><p>�Wollen wir noch einen Kaffee trinken gehen?�</p><p>Carolin z�gert. �Hm, wei� nicht, mit Hund ist man auf dem Krankenhausgel�nde   nicht gerade gern gesehen.�</p><p>�Dann lass uns doch zum Hauptausgang gehen. Zwei Ecken weiter gibt es doch   schon das erste Cafe.�</p><p>Und so kommt es, dass die beiden kurze Zeit sp�ter an einem gem�tlichen   Holztisch sitzen, w�hrend ich mich unter der dazugeh�rigen Bank zusammenrolle.   Erst plaudern sie �ber irgendwelche Belanglosigkeiten, dann bekommt Carolins   Stimme einen seltsam d�steren Klang.</p><p>�Marc, ich w�rde unser Treffen am Mittwoch gerne absagen.�</p><p>O nein! Das ist mit Sicherheit kein gutes Zeichen - und gerade jetzt, wo ich   beginne, mich an den Tierarzt zu gew�hnen! Mist. Auch Marc ist nicht eben   erbaut �ber diese Wendung.</p><p>�Aber warum denn? Ich denke, du hast dich schon auf das Konzert gefreut.�</p><p>�Ja, habe ich ja auch.� �Es ist wegen Nina, oder?�</p><p>�Nein. Das hei�t, ein bisschen vielleicht. Also eigentlich ja.�</p><p>Marc sch�ttelt den Kopf. �Ich habe mir schon so etwas gedacht nach ihrem   Auftritt im Park gestern. Ganz verstanden habe ich den aber nicht. Da war doch   gar nichts zwischen Nina und mir. Gut, wir waren ein paar Mal aus - aber mehr   nicht.�</p><p>�Das sieht Nina offenbar anders.�</p><p>�Ich hab's gemerkt. Warum, ist mir allerdings ein R�tsel. Ehrlich gesagt war   unsere letzte Verabredung eher ein Desaster, danach hat sie sich nie mehr   gemeldet.� Marc greift nach Carolins Hand. �Bitte, sag nicht ab. Ich m�chte dich   einfach mal privat kennenlernen. Nicht immer nur, wenn irgendein Notfall uns   zusammenbringt. Ich finde dich wirklich sehr nett, und ich verspreche dir auch,   mich h�chst vorbildlich und wie ein Gentleman zu benehmen. Es wird keinen Grund   zur Beanstandung geben.� Er hebt eine Hand in die Luft. �Gro�es   Indianerehrenwort!�</p><p>Carolin l�chelt, zieht aber ihre Hand aus seiner. �Wirklich, Marc. Ich habe   mich �ber deine Einladung gefreut. Aber mein Leben war in letzter Zeit sehr   anstrengend und kompliziert, und ich m�chte nicht gleich in das n�chste Problem   schlittern. Nina ist meine beste Freundin, sie hat mir geholfen, als es mir sehr   schlechtging - und das ist noch nicht allzu lange her. Ich finde dich auch sehr   nett, aber vielleicht ist momentan nicht der richtige Zeitpunkt, um sich besser   kennenzulernen.�</p><p>Jaul! Die bl�de Nina! Es laufen noch genug andere M�nner in der Stadt herum.   Und Herr Beck hat doch schon festgestellt, dass Nina bisher nie Schwierigkeiten   hatte, eine ganze Menge von ihnen kennenzulernen. Wieso muss sie uns also gerade   hier in die Quere kommen? Marc sieht das offenbar genauso. Er guckt so gequ�lt,   als ob ihm der alte von Eschersbach gerade eins mit der Hundepeitsche   �bergezogen h�tte.</p><p>�Und da kann ich gar nichts machen? Ich k�nnte doch mal mit Nina reden.�</p><p>Carolin sch�ttelt heftig den Kopf. �Nein, bitte mach das auf keinen Fall. Es   ist ja nicht nur Nina. Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen, so viele   Gedanken gingen durch meinen Kopf. Und dann, so gegen vier Uhr morgens, war mir   klar: Ich muss mehr Ruhe in mein Leben bringen. Und erst mal herausfinden, was   f�r mich wichtig ist. Herausfinden, wer ich eigentlich bin. Bitte sei mir nicht   b�se, ich kann nicht anders.�</p><p>Marc guckt traurig, aber sagt nichts mehr. Eine Weile sitzen die beiden   schweigend nebeneinander, dann verabschiedet sich Carolin, und wir lassen den   armen Wagner allein im Caf� sitzen.</p><empty-line/><p>�Sie sagt, sie muss herausfinden, wer sie eigentlich ist. Kann man's denn   fassen?� Wieder zu Hause angekommen, klage ich Herrn Beck mein Leid.</p><p>�Hast du so einen Quatsch schon mal geh�rt? Sie ist Carolin Neumann, wer   sonst? Sie hat doch bestimmt auch so eine Art Stammbaum, da wird es doch wohl   drinstehen, ich meine, mit Namen und allem drum und dran. Oder haben die   Menschen das nicht?�</p><p>Ich bin wirklich fassungslos. Und das von Carolin - das h�tte ich nie   gedacht.</p><p>�So, jetzt beruhig dich mal, Kleiner. Du hast das falsch verstanden.   Nat�rlich wei� Carolin noch, wie sie hei�t.�</p><p>Der h�lt mich wohl auch f�r bl�d. Ich wei� doch, was ich geh�rt habe!</p><p>�Nein, nein, nein! Sie hat w�rtlich gesagt: <emphasis>Ich muss herausfinden, wer   ich eigentlich bin. </emphasis>W�rtlich, Herr Beck, w�rtlich! Ich hab's doch nicht auf   den Ohren.�</p><p>Da kommt mir pl�tzlich ein ganz neuer Gedanke: Vielleicht geht es der armen   Carolin ja wie mir? Und sie ist auch irgendwie nicht so wirklich reinrassig?   Oder wie auch immer das bei Menschen hei�t, wenn man seinen Vater nicht kennt?   Vor dem Hintergrund ist es nat�rlich einleuchtend, dass sie bei der Partnerwahl   nun extrem vorsichtig ist. Sie kann dann ja gar nicht genau wissen, wer   besonders gut zu ihr passen w�rde. Aber als ich Beck diese neue Theorie   erl�utere, l�sst der sich japsend vor Lachen zu Boden fallen.</p><p>�Herkules, du bist einmalig! Nu sieh doch endlich mal ein, dass es ein paar   grundlegende Unterschiede zwischen Menschen und Hunden gibt. Menschen sind   denkende Wesen!�</p><p>Na, sch�nen Dank auch! Als ob ich nicht denken w�rde! Ich knurre ein   bisschen.</p><p>�War klar, dass du das wieder in den falschen Hals kriegst und beleidigt   bist. Nat�rlich denken wir auch. Aber der Mensch - oder besser: der ein oder   andere Mensch - ist selbstreflektiert. Will hei�en: Er denkt st�ndig �ber sich   selbst nach. Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich?�</p><p>�Also, das klingt jetzt noch nicht so besonders, muss ich dir sagen.�</p><p>�Ich meine doch im �bertragenen Sinne! Carolin will wissen, was sie als   Mensch ausmacht. Was sie von anderen unterscheidet. Was f�r sie selbst wichtig   ist. Solche Sachen eben.�</p><p>Herrje, ich komme immer wieder auf meine Ausgangsthese zur�ck: n�mlich, dass   der aufrechte Gang nicht gut f�r das Gehirn ist.</p><p>�Wie schade, dass ich nicht mit Menschen sprechen kann. Sonst w�rde ich   Carolin einfach sagen, was das Besondere an ihr ist, und sie m�sste nicht l�nger   dar�ber nachdenken. Es liegt doch auf der Hand: Sie ist ein lieber Mensch. Sie   macht sich Gedanken um die anderen Menschen in ihrer Umgebung, um Nina und   Daniel, sogar um Marc. Und um Tiere macht sie sich auch Gedanken, sonst h�tte   sie mich nicht aus dem Heim geholt. Also, ich finde, das reicht. Mehr muss sie   doch nicht �ber sich wissen, um sich gut zu f�hlen. Jetzt braucht sie dann nur   noch den richtigen Mann, und alles ist gut. Wenn sie da allerdings so   weitermacht, sind wir bald alle Kandidaten los und k�nnen von vorne anfangen.   Diesmal denke ich mir dann aber eine andere Masche aus.�</p><p>Herr Beck seufzt. �Ne, glaube mir, Herkules. Solange Carolin das Gef�hl hat,   sich selbst finden zu m�ssen, k�nnen wir die tollsten Typen anschleppen - es   wird nichts n�tzen. Offenbar k�nnen manche Menschen nur gut zu zweit sein, wenn   sie auch gut allein sein k�nnen. Und daf�r braucht Carolin wahrscheinlich   wirklich Zeit. Fassen wir uns also in Geduld.�</p><p>�Ich hoffe, du hast zur Abwechslung mal Unrecht. Aber eine Chance gibt es   noch: Jens. Zumindest war unser Ausflug an den Fluss einfach wundersch�n,   vielleicht wird es doch etwas mit den beiden.�</p><p>�Ja, vielleicht.� Herr Beck nickt bed�chtig - aber sein Blick verr�t, dass er   nicht daran glaubt.</p><empty-line/></section><section><p><strong><emphasis>ZWEIUNDZWANZIG</emphasis></strong></p><p>�Kannst du mir mal einen vern�nftigen Grund nennen, warum du mir das nicht   erz�hlt hast?� Daniel klingt sauer. �Ich verstehe dich nicht, Carolin. Wir haben   hier neulich gesessen, und ich war ganz ehrlich zu dir. Da h�tte ich wohl von   dir das Gleiche erwarten k�nnen, findest du nicht?� Er ist <emphasis>richtig </emphasis>sauer.</p><p>Dabei hat der heutige Tag eigentlich ganz harmlos begonnen. Als wir nach   unten in die Werkstatt kommen, steht dort ein gro�er Blumenstrau� auf Carolins   Werkbank. Carolin freut sich - bis sie Daniel sieht, der mit m�rrischem Gesicht   an seinem eigenen Tisch steht. Und dann geht es ganz schnell: Denn es stellt   sich heraus, dass der Strau� von Jens stammt. Und das Daniel eifers�chtig ist.   Sehr eifers�chtig. �Ich wollte dich eben nicht verletzen.� �Na, Gl�ckwunsch. War   'ne super Idee. Falls es dich interessiert: Jetzt hast du mich richtig   verletzt. Wenn du mir damals gleich gesagt h�ttest, dass du dich f�r jemand   anderen interessierst, dann w�re es f�r mich viel leichter gewesen. Aber nun   f�hle ich mich wie der Riesendepp.�</p><p>Carolin schluckt. �Aber warum denn? Ich hab doch nur ...�</p><p>�Weil ich mir einen abgebrochen hab von wegen <emphasis>ist vielleicht keine so   gute Idee mit uns </emphasis>und <emphasis>ist vielleicht besser so. </emphasis>Hab den   Verst�ndnisvollen gegeben. Mann, was bin ich bl�d! Ich darf gar nicht daran   denken, da wird mir schlecht.�</p><p>�Also nun beruhige dich mal wieder - ganz so war das schlie�lich nicht. Ich   fand unser Kochen auch sch�n. Und dass ich mir mehr nicht vorstellen konnte, hat   �berhaupt nichts mit Jens zu tun. Den hatte ich da genau einmal gesehen. Was   h�tte ich dir denn da gro� erz�hlen sollen? Da war doch �berhaupt nichts.�</p><p>�Nun tu doch nicht so, du wei�t genau, was ich meine. Ich hatte keine Chance.   Und das h�tte ich gerne gewusst. Ich dachte, wir sind Freunde.�</p><p>Auf Carolins Wangen bilden sich kleine rote Flecken. �Nat�rlich sind wir   Freunde! Und ich kann mir auch vorstellen, dass die Situation f�r dich schwer   ist. Aber f�r mich ist sie es auch, und ich finde nicht, dass ich hier die B�se   bin!�</p><p>�Das habe ich auch nicht behauptet.�</p><p>�Hast du nicht? Finde ich aber doch.�</p><p>�O Mann, was f�r eine Schei�e!� Daniel haut mit seiner Faust so laut auf den   Tisch, dass ich vor Schreck einen Satz unter die Werkbank mache. Dann rennt er   von seinem Tisch weg, aus dem Raum hinaus und knallt hinter sich die T�re zu.   Carolin und ich bleiben zur�ck. Sie beugt sich zu mir und holt mich unter der   Werkbank hervor.</p><p>�Ganz sch�n laut, nicht?� Sie streichelt mich. �Tja, sieht so aus, als w�ren   langsam alle meine Freunde sauer auf mich. Gut, dass ich dich noch habe.�</p><p>Ich schaue Carolin mit gro�en Augen an. Es ehrt mich nat�rlich, dass ich ihr   als Freund genauso wichtig bin wie Daniel und Nina. Trotzdem hoffe ich, dass   sich hier schnell alles wieder einrenkt. Ich bin doch eher f�r Harmonie zu   haben. Carolin scheint meine Gedanken lesen zu k�nnen.</p><p>�Mach dir keine Sorgen. Ich verspreche dir, dass wir uns alle wieder   vertragen werden. Und damit das m�glichst schnell passiert, rufe ich jetzt auch   mal die Nina an und verabrede mich mit ihr. Was meinst du, guter Plan?� Ich   wedele mit dem Schwanz. �Aha. Guter Plan. Sehr sch�n, dann wird's so   gemacht.�</p><p>Offensichtlich hat Nina auch das dringende Bed�rfnis, mit Carolin zu   sprechen. Denn kaum hat Carolin sie angerufen, da sind wir schon unterwegs in   unser Stammcafe um die Ecke. Als wir eintrudeln, ist Nina schon da und winkt uns   zu. Recht freundlich, wie ich mir einbilde.</p><p>�Hallo, Nina! Sch�n, dass es so spontan klappt�, begr��t Carolin sie.</p><p>�Ja, gl�ckliche F�gung. Mir waren auch gerade zwei Patienten ausgefallen. Als   du anriefst, dachte ich mir: Das Schicksal will, dass wir endlich miteinander   reden.�</p><p>Beide lachen. Na, das sieht doch wirklich nach einer Vers�hnung aus. Die   Kellnerin kommt an unseren Tisch.</p><p>�Ich wei� nicht, wie es dir geht. Aber ich finde, unser Treffen verlangt   nach zwei Gl�sern Sekt.�</p><p>Nina nickt. �Genau. Besondere Situationen erfordern besondere Ma�nahmen.   Bringen Sie uns bitte zwei Gl�ser?�</p><p>Mir bitte auch eins!, w�rde ich gerne sagen. Denn wenn das etwas Besonderes   ist, h�tte ich es auch gerne probiert. Aber so bleibt mir gleich lediglich ein   Gang zum Hundetrinknapf, den es in diesem Caf� netterweise gleich an der T�r   gibt.</p><p>Zwei Gl�ser mit einer hellen Fl�ssigkeit kommen, die Damen greifen gleich   zu.</p><p>�So, meine Liebe, auf uns!� Nina prostet Carolin zu. �Ja, auf uns!�</p><p>Die beiden trinken einen gro�en Schluck.</p><p>�Ehrlich, ich bin froh, dass du endlich angerufen hast. Langsam wurde es   unheimlich. Aber morgen h�tte ich auch zum H�rer gegriffen. Ich kann immer noch   nicht fassen, dass wir uns im Grunde wegen eines Typen gestritten haben. Ts,   ts.� Sie sch�ttelt den Kopf.</p><p>Carolin l�chelt. �Ja, aber was mir am meisten leid tut, ist, dass ich dich in   letzter Zeit tats�chlich immer mit meinem Ungl�ck zugetextet habe. Damit hast du   Recht. Und das tut mir auch leid. Ich werde mich bessern!� Sie hebt ihre rechte   Hand. �Versprochen!�</p><p>�Na ja, aber so im Nachhinein muss ich sagen, dass ich auch ziemlich zickig   reagiert habe. Immerhin hatte ich dir ja wirklich gesagt, dass Marc nichts f�r   mich ist. Ich wei� auch nicht, warum ich neulich im Park so ausgeflippt bin. War   bestimmt auch eine Menge gekr�nkter Stolz mit dabei.�</p><p>�Ehrlich, Nina, wenn ich gewusst h�tte, dass Marc dir noch so viel bedeutet,   dann h�tte ich sowieso die Finger von der ganzen Sache gelassen. Und falls es   dich beruhigt: Ich habe die Verabredung mit ihm abgesagt.�</p><p>�Oh!� Nina klingt, als ob sie sich erschreckt hat. �Aber das solltest du   nicht! Jedenfalls nicht wegen mir. Ich gebe zu, ich war sauer, aber wenn es bei   euch richtig gefunkt hat, dann kann ich damit leben. Das ist dann h�here   Gewalt.�</p><p>�Nein, an dir liegt es nicht. Jedenfalls nicht nur. Nat�rlich habe ich nach   dem Streit mit dir schon ziemlich viel �ber Marc nachgedacht. Und dann hatte ich   auf einmal das Gef�hl, dass mir alles zu viel wird. Dass ich erst mal zur Ruhe   kommen muss nach dem Chaos der letzten Wochen. Ein neuer Mann hat da eigentlich   momentan gar keinen Platz. Auch ein so toller wie Marc nicht.�</p><p>Was soll ich sagen: Herr Beck hat's einfach raus. Es ist immer wieder   erschreckend, wie gut der fette Kater die Situation einsch�tzen kann.</p><p>Nina guckt nachdenklich. �Normalerweise w�rde ich dir jetzt Recht geben. Aber   vielleicht solltest du es dir doch noch einmal �berlegen. Mit tollen M�nnern   kann man leider nicht die Stra�e pflastern, das sage ich dir. Die sind echt   Mangelware.�</p><p>�Momentan habe ich aber eher ein gegenteiliges Problem: zu viele interessante   M�nner. Und deswegen mach ich jetzt eine Pause, bis ich wei�, was ich wirklich   will.�</p><p>�Aha. Interessantes Konzept. Nicht, dass sie dann alle weg sind. Wer sind   denn die anderen. Gut, Jens. Der ist echt rattenscharf. Aber sonst?�</p><p>�Wei�t du, der Abend, an dem ich mit Daniel kochen wollte - das war   eigentlich schon eher romantisch gedacht. Ich habe es dir bisher nicht erz�hlt,   weil ich dachte, dass du mich auslachst. Aber es hat in letzter Zeit ein   bisschen geknistert zwischen Daniel und mir. Und da dachte ich mir, ich sollte   es einfach mal ausprobieren.�</p><p>Nina rei�t die Augen weit auf. �Du wolltest etwas mit Daniel anfangen?�</p><p>�Also, sooo absurd ist der Gedanke nun auch wieder nicht. Daniel ist ein   attraktiver Mann, er ist witzig, nett und gef�hlvoll ...�</p><p>�Und du kennst ihn seit ungef�hr hundert Jahren! Ne, das ist es doch nicht.   Und stell dir mal vor, was passieren w�rde, wenn das schiefgeht.�</p><p>Carolin nickt. �Tja, einen kleinen Vorgeschmack davon habe ich heute schon   bekommen. Daniel hat mitbekommen, dass ich mich mit Jens treffe. Also, ich habe   es ihm selbst erz�hlt, weil Jens mir Rosen in die Werkstatt geschickt hat. Na   ja, Daniel war alles andere als begeistert.�</p><p>Aha! Jetzt verstehe ich das. Heute Morgen war ich doch etwas verwirrt. Aber   offenbar geh�rt das �berbringen von Geschenken wie Hundewurst oder Blumen in   gr��eren Mengen zum menschlichen Balzritual.</p><p>�Das wundert mich nicht. Dass Daniel in dich verliebt ist, war mir schon   immer klar. Aber dass du ernsthaft �berlegt hast ... also ne! Seien wir ehrlich,   Daniel ist einfach viel zu nett!�</p><p>Eines steht fest - sollte Herr Beck jemals ein neues Herrchen   beziehungsweise Frauchen brauchen, Nina w�re die perfekte Frau f�r ihn. Selten   habe ich erlebt, dass Mensch und Tier so oft einer Meinung sind wie die beiden.   Schade nur, dass man Nina nicht ernsthaft als Tierfreundin bezeichnen kann. So   wird wohl nichts aus diesem Dreamteam.</p><p>�Du bist gemein. Der arme Daniel.�</p><p>�Quatsch. Daniel muss mal aus dem Quark kommen. So wird es auch bei allen   anderen Frauen nichts. Aber was ich viel spannender finde: Triffst du dich denn   jetzt noch einmal mit Jens - oder f�llt der auch unter den Bannstrahl deiner   Selbstfindung?�</p><p>Carolin seufzt. �Na ja, heute Abend bin ich mit ihm verabredet, dann werde   ich ihm wohl sagen, dass ich ihn nicht weiter treffen will.�</p><p>Nina schnappt nach Luft. �Bist du des Wahnsinns? Dieser tolle Typ? Nach eurem   romantischen Tag an der Elbe? Lass dir bitte mal den Puls f�hlen, da kann etwas   nicht stimmen.�</p><p>�Wieso denn? Ich habe dir doch erkl�rt, was das Problem ist. Nat�rlich war   der Ausflug sch�n, und es war auch sehr romantisch und prickelnd. Aber ich habe   vor allem die Situation genossen. Ob ich mich in Jens ernsthaft verlieben   k�nnte, wei� ich nicht.�</p><p>Nina sch�ttelt den Kopf. �Also, dann gib ihm wenigstens meine Telefonnummer,   wenn du ihm heute die schlechte Nachricht �berbringst. Ich h�tte ja jetzt wieder   Verwendung.� Die beiden lachen.</p><p>�Apropos: Eines interessiert mich aber doch.� Carolin mustert Nina �ber den   Rand ihres Glases. �Woran genau hat es denn bei Marc gehapert?�</p><p>�Ach, das ist eine bl�de Geschichte. Ich hab's verbockt, w�rde ich sagen.�   Nina holt tief Luft. �Also, eigentlich habe ich schon beim zweiten Treffen   gemerkt, dass Marc zwar sehr charmant und lustig ist, aber dass der Funke bei   ihm nicht so richtig �berzuspringen scheint. Das hat mich ziemlich frustriert.   Na ja, und bei unserem letzten Date haben wir uns dann auch noch in die Wolle   bekommen, wegen einer dummen Bemerkung von mir.�</p><p>�Echt? Das hast du gar nicht erz�hlt.�</p><p>�Ich wollte es dir an dem Abend erz�hlen, als wir mit Daniel gekocht haben.   Aber dann war Daniel nur so kurz mit dem Hund drau�en, dass ich nicht genug   &gt;Anlauf&lt; hatte. Es ist mir auch immer noch ein bisschen unangenehm.�</p><p>�Das klingt ja sehr geheimnisvoll. Also, raus mit der Sprache!�</p><p>�Wir waren an dem Tag auch an der Elbe. Das Wetter war so sch�n, also wollten   wir den Tag in der Strandperle verbringen - du wei�t schon, dieser kleine   Strandimbiss direkt am Wasser.�</p><p>Carolin nickt. �Klar, den kennt doch jeder.�</p><p>�Na ja, jedenfalls war ich schon nur so mittel gelaunt, weil eben auch unser   letztes Treffen nicht so war, wie ich mir das vorgestellt hatte. Ich war   unsicher. Und dann bin ich immer gerne ein bisschen biestig.�</p><p>�Ja, ich wei�. Ich kenne dich schon ein paar Tage.�</p><p>�Na, jedenfalls sa�en wir auf unserer Decke, und Marc hatte im Imbiss   Bockw�rstchen und Kartoffelsalat f�r uns geholt. Da hat sich eine Familie direkt   neben uns hingesetzt, mit so zwei kleinen Rotzl�ffeln. Ein Baby, das die ganze   Zeit schrie, und ein kleiner Hosenschei�er, vielleicht so zwei oder drei Jahre.   Der lief immer zwischen den Leuten hin und her und wirbelte jede Menge Sand auf.   Also ein Traum.�</p><p>Carolin lacht. �Ich ahne schon, was kommt. Ich wei� ja, wie gerne du Kinder   magst.�</p><p>�Ja, du bist da anders, du hast Kinder gern, ich wei�. Aber es verf�llt nun   mal nicht jeder gleich in Verz�ckung beim Anblick zweier kleiner Blagen. Ich   meine, wir konnten uns kaum unterhalten, weil das Baby so laut war. Und dann   stolperte das andere G�r noch und schaufelte dabei jede Menge Sand auf meinen   Kartoffelsalat. Tja, und da bin ich echt mal deutlich geworden und habe den   Erziehungsversagern auf der Nachbardecke erz�hlt, was ich von ihren Kindern   halte. Gut, vielleicht war ich da ein bisschen laut. Aber meine Nerven waren   echt runter.�</p><p>�Und Marc war nicht ganz mit deiner Reaktion einverstanden, richtig?�</p><p>Nina nickt. �Das kann man so sagen. Er war regelrecht geschockt und hat mich   angeblafft, dass ich mich mal beruhigen soll. Das seien schlie�lich kleine   Kinder, und es sei ja keine Absicht gewesen. Vor den anderen Leuten hat er mir   das gesagt. Es war ein sehr peinlicher Moment. Ich bin aufgestanden und habe   Marc mit dem ganzen sandigen Kartoffelsalat einfach sitzenlassen. Oben an der   Stra�e habe ich den n�chsten Bus genommen. Tja. Und das ist im Wesentlichen auch   schon die ganze Geschichte. Seitdem habe ich erst wieder etwas von Marc geh�rt,   als er mich neulich abends auf der Suche nach dir anrief.�</p><p>�Auweia! Das ist wirklich eine furchtbare Geschichte! Und er hat sich nicht   mehr gemeldet?�</p><p>Nina sch�ttelt den Kopf. �Nein. Und ich mich auch nicht. Gut, ich w�re   vielleicht dran gewesen, aber ich konnte nicht. Und dann treffe ich ihn wieder,   und es stellt sich heraus, da� er sich mit dir verabredet hat. Das war ein   bisschen viel f�r mich.�</p><p>�Das glaube ich, und es tut mir leid. Ich hatte echt keine Ahnung.�</p><p>Die Kellnerin kommt noch einmal an den Tisch. �Darf's bei Ihnen noch etwas   sein?�</p><p>Carolin und Nina schauen sich an und kichern. Dann antworten beide wie aus   einem Mund: �Ja, bitte noch zwei Glas Sekt!�</p><empty-line/></section><section><p><strong><emphasis>DREIUNDZWANZIG</emphasis></strong></p><p>Ich bin mir nicht sicher, ob man das als Hund �berhaupt sein kann. ABER:   Falls dieses Gef�hl nicht ausschlie�lich f�r Zweibeiner reserviert ist, dann bin   ich frustriert. Und zwar v�llig.</p><p>Ich liege auf meinem Lieblingsplatz im Garten, das Wetter ist sch�n, und die   V�gel zwitschern. Gerade gab es etwas Leckeres zu essen, und spazieren war   Carolin mit mir heute auch schon. Es herrscht auch einigerma�en Harmonie in der   Werkstatt: Daniel und Carolin reden jedenfalls wieder miteinander. Und trotzdem   ist mir zum Heulen zumute. Was ich jetzt auch mache. Von meinem Gejaule   aufgeschreckt leistet mir Herr Beck Gesellschaft.</p><p>�Was ist denn los mit dir?�, will er wissen. �Schmerzen?�</p><p>�Ja. Seelische Schmerzen.�</p><p>�Warum denn das?�</p><p>�Nichts klappt. Ich habe mir so viel M�he gegeben, einen Mann f�r Carolin zu   finden. Und sie macht alles kaputt. Jetzt wird sie auch noch Jens einen Korb   geben. Dann sind wir wieder am Anfang.�</p><p>Herr Beck setzt sich neben mich. �Na ja, aber sieh es doch mal so: Du   wolltest einen Mann f�r Carolin, weil sie als Single so ungl�cklich war. Nun   hat sie sich aber �berlegt, es erst mal allein zu versuchen. Also ist sie doch   gar nicht mehr ungl�cklich. Und du brauchst nicht mehr suchen. Passt doch.�</p><p>�Nein! Passt �berhaupt nicht. Denn <emphasis>ich </emphasis>bin ungl�cklich. Ich will ein   Herrchen. Wei�t du, der Tag an der Elbe mit Jens und Carolin war unglaublich   sch�n. <emphasis>So </emphasis>m�sste es sein: als Hund bei einem gl�cklichen Paar. Und   seitdem ich das wei�, habe ich einfach gehofft, dass sich Carolin bald richtig   verliebt. Muss nicht mal Jens sein. Aber kann ruhig. Wei�t du, ich glaube, ich   will eine richtige Familie. Ein Rudel.�</p><p>Herr Beck seufzt. �Ihr Hunde lernt es aber auch nicht! Warum h�ngt ihr euer   Herz immer an Menschen? Das gibt nur �rger! Ein Mensch kann doch niemals deine   Familie sein, Herkules. Das ist Unsinn, sieh es endlich ein!�</p><p>�Aber ich w�nsche es mir so!�</p><p>�Dann sei ruhig weiter frustriert. Es wird nicht dein letztes Frusterlebnis   mit den Menschen bleiben, das garantiere ich dir.� Mit diesen Worten dreht sich   Herr Beck um und wandert wieder davon.</p><p>Soll er ruhig. Ein gro�er Trost war er sowieso nicht.</p><p>Ich setze mich auf und beschlie�e, Herrn Becks weise Ratschl�ge einfach zu   ignorieren. Nat�rlich kann ein Hund Teil einer menschlichen Familie sein. Ich   bin mir sogar sehr sicher, dass eine Katze das auch k�nnte, sie m�sste nur   wollen. Das bringt mich aber wieder zu meiner Ausgangs�berlegung: Wie komme ich   selbst an eine Familie? Aber vielleicht ist es ja f�r Jens und Carolin noch   nicht zu sp�t. Immerhin sind sie heute Abend verabredet. Vielleicht kann ich da   irgendwie f�r gute Stimmung sorgen? Immerhin hat Carolin selbst gesagt, dass sie   den Tag mit Jens toll fand. Auf alle F�lle muss ich mich irgendwie in diese   Verabredung mit reinmogeln, komme, was da wolle! Den restlichen Nachmittag   verbringe ich also damit, mich auf die Lauer zu legen. Nicht, dass Carolin noch   ohne mich das Haus verl�sst.</p><p>Tats�chlich macht sie heute etwas fr�her Schluss als sonst und geht hoch, um   sich umzuziehen. Ich hefte mich an ihre Fersen und weiche auch nicht von ihr,   als sie noch einmal ins Badezimmer verschwindet.</p><p>�He, Herkules! Was ist denn heute los mit dir? Du bist so anh�nglich.� Sie   scheucht mich vor die Badezimmert�r und schlie�t ab.</p><p>Nun gut, wenn sie wieder rauskommt, muss sie an mir vorbei, es sei denn, sie   klettert aus dem Fenster.</p><p>Tut sie nat�rlich nicht - nach einer ganzen Weile taucht sie wieder auf und   hat jetzt das schwarze, kurze Kleid an, �ber das wir neulich Abend schon einmal   diskutiert haben. Au�erdem hat sie ihre Haare auf ihrem Kopf zu einem kleinen   Berg aufget�rmt. Ich sch�pfe Hoffnung - wenn Carolin so viel Arbeit auf ihr   Aussehen verwendet, will sie sich das mit Jens vielleicht doch noch mal   �berlegen.</p><p>Es klingelt, und kurz darauf steht Jens vor unserer T�r. Carolin begr��t ihn   mit einem K�sschen auf die Wange, dann beugt sie sich zu mir herunter.</p><p>�So, Herkules, du bleibst heute hier. Also sei sch�n brav und spring vor   allem nicht wieder vom Balkon!�</p><p>Nix da! Ich will nicht hierbleiben. Ich laufe her�ber zu Jens und mache   M�nnchen. Der lacht am�siert.</p><p>�Scheint so, als wolle uns dein Kumpel unbedingt begleiten. Hat mich wohl   seit der Wurstaktion ins Herz geschlossen.�</p><p>�Das kommt gar nicht infrage. Der bleibt sch�n hier.�</p><p>Pfui! Wie herzlos von dir! Aber ganz so einfach lasse ich das nicht mit mir   machen. Als Carolin die Wohnungst�re �ffnet, renne ich einfach los und an ihr   vorbei ins Treppenhaus. Unten angekommen, habe ich Gl�ck: Die   Wellensittich-Meyer kommt gerade ins Haus, und ich kann an ihr vorbei ins Freie.   Dort steht auch schon das Auto ohne Dach und l�chelt mich einladend an. Wenn ich   nicht so kurze Beine h�tte, k�nnte ich gleich reinspringen, so muss ich noch auf   Jens und Carolin warten.</p><p>�Sag mal, du ungezogener Hund!� Carolin kommt auf mich zu und schimpft. �Wenn   ich sage, du bleibst hier, dann bleibst du auch hier!�</p><p>Sie greift nach mir, aber bevor sie mich am Halsband packen kann, laufe ich   zu Jens und reibe mich schwanzwedelnd an seinen Beinen. Dazu versuche ich,   m�glichst freundlich zu bellen. Jens b�ckt sich und hebt mich hoch.</p><p>�Tja, mein Kleiner, ich w�rde dich ja mitnehmen, aber dein Frauchen ist heute   ganz streng. Ich habe fast ein bisschen Angst vor ihr.�</p><p>Carolin lacht. �Gegen zwei M�nner, die sich einig sind, komme ich wohl nicht   an. Dann nimm ihn von mir aus mit.�</p><p>�Siehst du, Kumpel, Gl�ck gehabt. Dann wollen wir mal los.�</p><p>Er setzt mich in den Fu�raum der Beifahrerseite, dann steigen beide ein, und   wir fahren los. Hartn�ckigkeit lohnt sich eben doch!</p><p>Als wir im Restaurant ankommen, frage ich mich, warum Carolin mich nicht   mitnehmen wollte. Schlie�lich handelt es sich um ein Gartenlokal, und schon auf   den ersten Blick sehe ich zwei Hunde unter anderen Tischen liegen: einen alten   Boxer und eine sehr h�bsche Retriever-Dame, die mir huldvoll zunickt, als wir am   Nachbartisch Platz nehmen. Ich lege mich so hin, dass ich sie gut sehen kann.   Vielleicht sollte ich nicht immer nur an Carolins Herz denken, sondern zur   Abwechslung auch mal an mein eigenes. Andererseits muss ich gerade heute   nat�rlich die �hrchen spitzen, wenn ich mitbekommen will, was Carolin so   erz�hlt. Ich will schlie�lich eingreifen, wenn sie wieder mit ihrem   Ich-muss-mich-selbst-finden-Murks anf�ngt.</p><p>Noch kreist das Gespr�ch aber unverd�chtig um die Auswahl der Speisen und   Getr�nke. Carolin bestellt sich ein Wasser, Jens lacht.</p><p>�Ich dachte eigentlich, wir bestellen zur Feier des sch�nen Abends etwas, das   ein bisschen prickelt. Und damit meine ich nicht die Kohlens�ure in deinem   Mineralwasser.�</p><p>�Du wirst es nicht glauben, aber ich habe heute Morgen schon zwei Glas Sekt   mit Nina getrunken. Quasi ein Vers�hnungsritual, wir hatten n�mlich ein bisschen   Stress. Deswegen bleibe ich erst mal bei nichtalkoholischen Getr�nken.�</p><p>�Wie du meinst. Ich will dich zu nichts �berreden. Warum hattet ihr denn   Streit?�</p><p>�Ach, eine bl�de Geschichte. Ich hatte mich mehr oder weniger aus Versehen   mit jemandem verabredet, den sie sehr mag. Das fand sie bl�d.�</p><p>�Mehr oder weniger aus Versehen? Das klingt ja interessant. Wie macht man   das denn?�</p><p>�Na, es war nicht wirklich als Date geplant. Sondern eher ... ach, ich wei�   auch nicht. Jedenfalls war Nina sauer.�</p><p>�So, so, ein ungeplantes Date. Mir war gleich klar, dass du eine begehrte   Frau bist.�</p><p>Er lacht und greift nach Carolins Hand. Sie z�gert, aber bevor sie die Hand   richtig offensichtlich wegziehen kann, springe ich auf und fange einfach mal an   zu bellen. Carolin beugt sich zu mir.</p><p>�Pst, Herkules, was hast du denn?�</p><p>�Vielleicht ein anderer Hund?�</p><p>�Hm, eigentlich ist Herkules kein Kl�ffer. Hat ihn bestimmt irgendetwas   erschreckt.�</p><p>Ja, klar hat mich etwas erschreckt. N�mlich die Aussicht, dass Carolin hier   gleich den n�chsten Mann vergrault. Immerhin habe ich diese Situation zwar   brachial, aber wirkungsvoll umschifft. Hoffe nur, dass das nicht den ganzen   Abend so weitergeht.</p><p>Es geht den ganzen Abend so weiter. Immer, wenn ich das Gef�hl habe, Carolin   steuert das falsche Thema an, werde ich unruhig. Und das ist so alle zehn   Minuten der Fall. Carolin ist schon schwer genervt.</p><p>�Sag mal, was ist eigentlich los mit dir?�, zischt sie mich an. �Ich wollte   ja, dass du zu Hause bleibst, und das w�re auch besser gewesen. Du bist   unglaublich ungezogen! Wenn du so weitermachst, sperren wir dich gleich ins Auto   ein.�</p><p>Okay, das w�re schlecht. Vielleicht muss ich mal ein bisschen vom Gas gehen.   Ich lege mich wieder ganz brav unter Carolins Stuhl. Die Retriever-H�ndin am   Nachbartisch mustert mich interessiert.</p><p>�Sag mal, Kleiner, hast du eine Blasenschw�che?�</p><p>�N�, ich? Weso?�</p><p>�Weil du die ganze Zeit so rumhampelst.�</p><p>Wie peinlich. Diese sch�ne Frau denkt, ich sei inkontinent. Das kann ich   nat�rlich nicht auf mir sitzen lassen.</p><p>�Also, ich bin so unruhig, weil ich mein Frauchen gerade vor einem gro�en   Fehler bewahren will.�</p><p>�Wie, vor dem Typen da? Der sieht doch gar nicht so schlimm aus. Hat eine   nette Stimme.�</p><p>�Das finde ich auch. Wir haben aber das umgekehrte Problem. Ich f�rchte, sie   will ihn loswerden.�</p><p>�Aha. Na, sie wird ihre Gr�nde haben.�</p><p>�Finde ich nicht. Sie mag ihn, aber sie will erst sich selbst finden. Das ist   v�llig gaga, oder?�</p><p>�Kleiner, darf ich dir einen Rat geben?�</p><p>�Gerne.�</p><p>Von einer attraktiven Frau verspreche ich mir gerade in dieser Angelegenheit   einen guten Tipp. Wahrscheinlich war sie schon einmal in der gleichen Situation   wie Carolin.</p><p>�Halt dich aus den Menschensachen raus. Das gibt nur �rger. Und sieht auch   ziemlich albern aus, die Show, die du gerade abziehst.�</p><p>Rums. Das hat gesessen. Man k�nnte fast meinen, die Dame sei von Herrn Beck   gebrieft worden. Beleidigt trolle ich mich wieder unter Carolins Stuhl. Dann   eben nicht! Dann macht doch alle, was ihr wollt. Aber sagt hinterher nicht, ich   h�tte euch nicht gewarnt.</p><p>Den restlichen Abend verbringe ich so gut wie stumm unter Carolins Stuhl.   Allerdings macht Carolin auch keine weiteren Anl�ufe, Jens die schlechte   Nachricht zu �berbringen. Ob sie es sich wohl anders �berlegt hat? Als die   beiden schlie�lich aufstehen, um zu gehen, macht Jens einen Vorschlag, der mir   besonders gut gef�llt.</p><p>�Was h�ltst du davon, wenn wir noch ein bisschen mit Herkules spazieren   gehen? Das letzte Mal waren wir an der Elbe, jetzt k�nnten wir ihm doch mal die   Alster zeigen, oder? Und immerhin war er die letzte Stunde bemerkenswert ruhig.   Deine kleine Gardinenpredigt schien also gewirkt zu haben. Das sollten wir   belohnen. So von <emphasis>wegen positiver Verst�rkung. </emphasis>Was meinst du?�</p><p>�Ja, warum nicht? Eine gute Idee.�</p><p>Mein Herz schl�gt schneller. Bestimmt hat es sich Carolin anders �berlegt, da   bin ich mir nun ganz sicher. Sonst h�tte sie bestimmt dankend abgelehnt.</p><p>Der See, der sich Alster nennt, liegt direkt neben dem Lokal. Wir schlendern   auf dem breiten Weg direkt am Ufer entlang. Normalerweise w�rde ich mal eben   losrennen und die Gegend erkunden, aber nat�rlich will ich auch h�ren, wor�ber   die beiden sich unterhalten. Also bleibe ich erst mal da. Und dann - legt Jens   seinen Arm um Carolin! Mittlerweile rast mein Herz richtig, so aufgeregt bin   ich. Wie wird Carolin reagieren?</p><p>Sie macht erst einmal nichts. Ein gutes Zeichen. Die beiden schlendern   weiter, ich immer hinterher.</p><p>�Wei�t du�, setzt Carolin an, etwas zu sagen, verstummt dann aber wieder. Oh,   oh! Doch kein gutes Zeichen?</p><p>�Was denn?� Jens bleibt stehen. Die beiden gucken sich nun direkt an, und er   nimmt ihre H�nde.</p><p>�Also, ich finde dich sehr nett, Jens. Aber ich glaube, ich bin noch nicht so   weit. Und ich habe Angst, dir falsche Hoffnungen zu machen.�</p><p>�Wie meinst du das?�</p><p>�Na ja, wir hatten einen sehr romantischen Tag an der Elbe, und der heutige   Abend war bis auf die Herkules'schen Ausf�lle auch sehr sch�n. Aber ich denke,   dass du dir jetzt vielleicht mehr erhoffst, als ich momentan geben kann. Und ich   will dich nicht entt�uschen. Deswegen finde ich es besser, gleich Klartext zu   reden. Ich glaube, ich kann mich gerade nicht verlieben. Bevor ich wieder �ber   eine Beziehung nachdenke, muss ich erst einmal ein paar Sachen �ber mich selbst   herausfinden.�</p><p>Jens l�sst ihre H�nde los. �Aha.�</p><p>Mehr sagt er nicht. Auweia. Am liebsten w�rde ich mich unter irgendeinem   Busch verstecken, so unangenehm ist mir die Situation.</p><p>�Bist du jetzt sauer?�</p><p>�Nein. Ich bin nur erstaunt.�</p><p>�Ja, das glaube ich. Das h�tte mir nat�rlich auch eher einfallen   k�nnen.�</p><p>�Nein, so meine ich das gar nicht. Ich bin erstaunt, dass du hier allen   Ernstes �ber eine Beziehung nachgedacht hast und dir Sorgen machst, dass ich   eine solche will.�</p><p>�Ja, willst du denn nicht?�</p><p>Jens lacht. �Ne, nat�rlich nicht. Ich habe schlie�lich schon eine   Freundin.�</p><p>WIE BITTE? Vor uns steht offensichtlich Thomas Nr. 2.</p><p>�Ja ... aber ... das wusste ich nicht.� Carolin klingt v�llig fassungslos. Zu   Recht.</p><p>�Na h�r mal, M�dchen, liest du etwa nie die <emphasis>Gala? </emphasis>Oder die <emphasis>Bunte?�</emphasis></p><p>�Nein, offen gestanden nicht.�</p><p>�Gut�, sagt Jens in g�nnerhaftem Ton, �dann eben nicht. Aber wenn du sie   lesen w�rdest, w�sstest du, dass ich seit vier Jahren mit Alexa von Sch�ning   zusammen bin, einem sehr erfolgreichen Model.�</p><p>�Ja, aber ... was wolltest du denn von mir? Warum hast du dich mit mir   �berhaupt getroffen?�</p><p>�Weil ich dich super niedlich finde. Und weil ich gerne etwas Spa� habe.   Alexa wei� das, es ist okay f�r sie. Ich dachte nat�rlich, du w�sstest das   auch.�</p><p>Gut, dass ich nicht sprechen kann. Denn mir fehlen die Worte. Der ist ja   schlimmer als Thomas! Der hat ja nicht mal ein schlechtes Gewissen. Carolin hat   es auch die Sprache verschlagen.</p><p>�Du sagst ja gar nichts mehr. Ich meine, jetzt, wo du wei�t, dass ich in   festen H�nden bin, spricht doch nichts gegen ein bisschen Spa�, oder? Musst dir   doch gar keine Sorgen machen, dass ich was Ernstes will. Das m�sste dir doch   sehr entgegenkommen.� Carolin sagt nichts, sondern starrt ihn nur an.</p><p>�He, Carolin, lach mal!� Jens gibt ihr einen Stupps. Ich knurre ihn an.   Finger weg von dieser Frau, und zwar sofort!</p><p>�O Mann, jetzt nervt der K�ter aber echt. Was hat der blo� heute? Ich dachte,   der mag mich.�</p><p>�Ja�, sagt Carolin fast tonlos, �ich dachte auch, ich mag dich. So kann man   sich t�uschen. Ich w�rde jetzt gerne nach Hause fahren.�</p><p>�Okay, dann machen wir das. Ich wei� allerdings nicht, warum du jetzt   beleidigt bist. Ich meine, ist doch noch gar nichts passiert. Was allerdings   sehr schade ist.� Jens grinst, Carolin guckt ihn sehr b�se an.</p><p>Wir fahren im offenen Wagen zur�ck. Meine Ohren wehen im Wind, was ein sehr   sch�nes Gef�hl ist. Ansonsten f�hlt sich gerade gar nichts gut an. Ich komme mir   wie ein Riesenidiot vor. Mit diesem Mann wollte ich Carolin verkuppeln.   Unfassbar! Ich habe anscheinend �berhaupt keine Menschenkenntnis. Gut, Carolin   auch nicht, aber das ist nur ein schwacher Trost.</p><p>Vor dem Haus h�lt Jens an. Carolin will sich gerade verabschieden, da beugt   sich Jens nach vorne und r�ckt ihr ziemlich nah auf die Pelle.</p><p>�Carolin, jetzt mal im Ernst. Du und ich - das knistert doch richtig. Lass es   uns doch wenigstens mal versuchen. Ich will ehrlich sein - ich habe richtig Lust   auf dich. Dass du dich jetzt ein bisschen str�ubst, macht die Sache nur noch   interessanter.�</p><p>Carolin sagt nichts und greift nach dem T�rgriff. Da packt sie Jens auf   einmal, dr�ckt sie wieder in den Sitz und f�ngt an, sie auf den Mund zu k�ssen.   Carolin schreit auf und will ihn wegsto�en, aber Jens h�lt sie an den H�nden   fest und k�sst sie weiter.</p><p>Ich bin v�llig geschockt - das darf doch nicht wahr sein.</p><p>Der Schreck h�lt aber nicht lange an: Ich springe aus dem Fu�raum hoch zu den   beiden und bei�e Jens in genau die Stelle, die schon beim letzten Mal Wunder   bewirkt hat. Er br�llt und versucht, nach mir zu schlagen. Dabei muss er Carolin   nat�rlich loslassen. Die nutzt den Moment, rei�t die T�r auf, greift mich und   springt aus dem Auto. Jens kr�mmt sich vor Schmerzen. Carolin schmei�t die   Beifahrert�r zu und l�uft Richtung Haus, dann �berlegt sie es sich aber anders   und dreht sich noch einmal zum Auto.</p><p>�Einen sch�nen Gru� an Alexa. Sie soll sich keine Sorgen machen. Eine   Tetanusimpfung h�lt meines Wissens locker zehn Jahre.�</p><empty-line/></section><section><p><strong><emphasis>VIERUNDZWANZIG</emphasis></strong></p><p>�Ah, da ist der Heldenhund!� Nina kommt auf mich zu, b�ckt sich und   �berreicht mir mit gro�er Geste ein St�ck Fleischwurst. �Das hast du richtig   gemacht, und ich hoffe, der Herr Uhland muss noch sehr, sehr lange an dich   denken. Brav!�</p><p>Ich muss zugeben, dass ich diese Reaktion durchaus angemessen finde. Auch   die Tatsache, dass ich letzte Nacht in Carolins Bett schlafen durfte, erscheint   mir die passende Belohnung f�r einen mutigen Dackel wie mich. Zufrieden kaue   ich auf der Wurst herum, w�hrend sich Nina noch einmal alle Details des   Vorabends schildern l�sst. Ab und zu st��t sie ein <emphasis>�Unfassbar!� </emphasis>oder <emphasis>�Gibt's doch nicht� </emphasis>aus, und immer wieder streichelt mich eine der   beiden. Mittlerweile liege ich n�mlich zwischen Carolin und Nina auf Carolins   Sofa und habe alle viere von mir gestreckt. Herrlich! Ich liebe es, am Bauch   gekrault zu werden! Das Leben kann so sch�n sein. Wahrscheinlich brauchen wir   doch keinen Mann.</p><p>�Hast du das auch schon Daniel erz�hlt?�</p><p>�Nein, und ich glaube, das mache ich auch nicht. Wir haben uns zwar wieder   vertragen, und er sagt, es sei okay. Aber trotzdem ist die Stimmung irgendwie   angespannt. Da muss ich ihn nicht noch mit einer Schilderung meines grandios   verungl�ckten Rendezvous behelligen.�</p><p>�Hm, stimmt. Aber das wird sich schon wieder einrenken, ganz sicher.�</p><p>In diesem Moment klingelt es an der Wohnungst�r.</p><p>�Erwartest du noch Besuch?�</p><p>�Ne, ich hatte nur dich eingeladen. Komisch.�</p><p>�Vielleicht Fleurop mit einem Entschuldigungsstrau� von Herrn Uhland?�</p><p>�Um neun Uhr abends? Eher unwahrscheinlich. Au�erdem hat der Typ mit   Sicherheit kein Unrechtsbewusstsein.�</p><p>Es klingelt noch einmal. Carolin steht auf und geht zu dem Telefon, mit dem   man h�ren kann, wer unten vor dem Haus steht.</p><p>�Hallo?�</p><p>Jetzt klopft es auch noch.</p><p>�Ich bin's, Daniel. Ich stehe schon vor deiner T�r.�</p><p>Carolin wirft Nina, die mittlerweile auch in den Flur gekommen ist, einen   fragenden Blick zu, dann �ffnet sie. Tats�chlich. Daniel. Allerdings sieht er   irgendwie anders aus als sonst. Irgendwie - traurig. Und entschlossen.</p><p>�Hallo, Carolin. Entschuldige die sp�te St�rung, aber ich muss unbedingt mit   dir sprechen.�</p><p>Jetzt erst sieht er Nina. �Oh, hallo!�</p><p>�Hallo, Daniel! Alles in Ordnung bei dir?�</p><p>�Ja, klar. Ich muss allerdings etwas Wichtiges mit Carolin besprechen. W�rde   es dir etwas ausmachen, uns allein zu lassen? Ich wei�, das ist nicht gerade   h�flich, aber es ist wirklich wichtig.�</p><p>Ich merke, wie meine Nackenhaare anfangen, sich zu str�uben. Der Ton in   Daniels Stimme verhei�t nichts Gutes. �hnliches scheint auch Nina zu denken. Sie   schaut fragend zu Carolin.</p><p>�Ist schon okay, Nina.�</p><p>�Na gut, dann r�ume ich das Feld. Tsch�ss ihr beiden, bis bald.�</p><p>Als sie gegangen ist, h�ngt Daniel seine Jacke an die Garderobe und setzt   sich auf das Sofa. Carolin folgt ihm, setzt sich aber in den Sessel   gegen�ber.</p><p>�Was gibt es denn so Wichtiges?�, will sie wissen.</p><p>�Ich will nicht lange darum herum reden: Ich werde im n�chsten Monat f�r ein   Vierteljahr verschwinden.�</p><p>�Was?�</p><p>�Ja. Aurora hatte mich schon vor einiger Zeit gefragt, ob ich sie auf einer   Konzertreise begleiten w�rde. Ich soll dabei gleichzeitig Geigen pr�fen, die ihr   angeboten werden.�</p><p>�Du willst drei Monate mit Aurora verreisen? Das ist nicht dein Ernst!�</p><p>�Doch. Ich muss mal raus. Wei�t du, ich habe gedacht, ich w�rde das schon   hinkriegen. Das mit dir und mir. Aber ich habe mich geirrt. Ich schaffe es   nicht, es tut mir zu weh, dich jeden Tag zu sehen. Und deshalb brauche ich   Abstand.�</p><p>Carolin schluckt. �Das tut mir leid. Ich wusste nicht, dass es so schlimm   ist.�</p><p>�Es muss dir nicht leidtun, ich wusste es ja auch nicht. Au�erdem kannst du   nichts daf�r, dass du nicht so verliebt in mich bist wie ich in dich. So ist es   nun einmal.�</p><p>�Wirst du wiederkommen? Ich meine, nach den drei Monaten?�</p><p>�Ehrlich gesagt: Ich wei� es noch nicht. Aber dar�ber will ich mir jetzt noch   keine Gedanken machen. Ich zahle nat�rlich meinen Werkstattanteil weiter, mach   dir dar�ber keine Sorgen.�</p><p>Carolin steht auf und setzt sich neben Daniel. Dann nimmt sie seine Hand und   dr�ckt sie fest. �Daniel, das ist nun wirklich das Letzte, wor�ber ich mir   gerade Gedanken mache. Ich bin traurig, dass es so kommt, denn du bist mein   engster Freund.�</p><p>�Ich wei�. Aber gerade jetzt kann ich nur schwer ertragen, dein Kumpel zu   sein.�</p><p>Ich schlafe schon tief und fest, als jemand an meinem K�rbchen r�ttelt. Ich   blicke nach oben. Es ist der alte von Eschersbach! B�se funkelt er mich an.</p><p>�Los, aufstehen, Nichtsnutz! Du hast es dir hier lang genug bequem gemacht.   Ich habe beschlossen, dass Carolin Abstand braucht von dir. Mindestens drei   Monate. Also nimm deinen Kauknochen und raus mit dir!�</p><p>Mein Herz f�ngt an zu rasen. Ich will mich verstecken. Aber wo? Von   Eschersbach greift nach mir, es gibt kein Entkommen. �ngstlich jaule ich auf   und versuche, mich unter meine Kuscheldecke zu ducken, aber da hat er mich schon   am Schlafittchen. O nein! Ich werde wieder im Tierheim landen!</p><p>�Herkules, wach auf! Du tr�umst!�</p><p>Vorsichtig schaue ich hoch - und blicke in die Augen von Carolin, die mich   verwundert anschaut. �Meine G�te, du machst so einen L�rm. Tr�umst du wieder von   der Kaninchenjagd?�</p><p>Kaninchenjagd? Wenn die w�sste. Ich h�pfe aus meinem K�rbchen und kauere mich   ganz eng an Carolin.</p><p>�Du zitterst ja, du Armer. Ist wohl eher ein Alptraum gewesen, was? Aber   tr�ste dich. Ich kann auch nicht richtig gut schlafen. Das mit Daniel nimmt mich   doch ziemlich mit. Warum muss blo� alles immer so kompliziert sein?� Sie seufzt.   Ich auch. Dass bei Menschen immer alles kompliziert ist, habe ich schlie�lich   auch schon festgestellt. Zum Trost schlecke ich ihr die nackten Zehen ab. Sie   kichert. �Das kitzelt, Herkules!�</p><p>Mit einem Griff unter mein B�uchlein nimmt sie mich auf den Arm. �Ich habe   eine sehr gute Idee, wie wir beide den Rest der Nacht etwas ruhiger verbringen   k�nnen. Du darfst heute noch einmal bei mir schlafen. Mir ist jetzt auch nicht   so nach allein sein. Wahrscheinlich verziehe ich dich total, aber das ist mir   jetzt wurscht.�</p><p>Genau. Wurscht ist immer gut!</p><p>In Carolins Bett angekommen, kuschle ich mich gleich in eines der Kissen.   Carolin legt sich auch wieder hin und streichelt mich.</p><p>�Wei�t du, vielleicht war das auch alles Unsinn mit meiner Selbstfindung. Ich   meine, es f�hlte sich ungef�hr einen Tag gut an, aber jetzt bin ich nicht mehr   so sicher, ob das richtig war. Gut, Jens war ein Totalausfall. Aber Daniel ist   erst mal weg. War das falsch? Ich meine, ihn gehen zu lassen? Ich w�nschte, du   k�nntest sprechen, Herkules. Deine Meinung w�sste ich nur zu gerne.   Andererseits: Was h�tte ich anders machen k�nnen? Das, was sich Daniel w�nscht,   ist einfach nicht drin. Ich bin nicht verliebt in ihn. Ich hatte selbst   gehofft, ich k�nnte es sein. Aber es funktioniert nicht.�</p><p>Eine Weile ist sie ganz still, so dass ich schon denke, dass sie   eingeschlafen ist. Aber dann redet sie weiter.</p><p>�Und bei Marc brauche ich mich wahrscheinlich auch nicht mehr zu melden. O   Mann, ich glaube, ich hab's total versaut. Dabei fand ich ihn schon sehr   spannend. Warum habe ich ihm blo� gesagt, dass ich ihn nicht mehr sehen   will?�</p><p>Ja. In der Tat. Warum eigentlich? Kein geschickter Schachzug. Ich hab's ja   gleich gesagt bzw. h�tte, wenn ich denn sprechen k�nnte. Aber auf mich h�rt   doch sowieso kein Mensch.</p><p>�Der Marc ist schon nett, oder?� Ich schlecke wie zur Best�tigung einmal an   ihrer Wange. �lieh, Herkules! Ich glaube dir auch so, dass du ihn magst. Ich mag   ihn ja auch. Ehrlich gesagt hatte mich vor allem diese Sache mit Nina gest�rt.   Sie ist eben meine beste Freundin. Und das Gef�hl zu haben, dass sie noch so in   ihn verknallt ist, war nicht gerade sch�n. Verstehst du das?�</p><p>Pl�tzlich sch�pfe ich wieder Hoffnung f�r meinen Plan vom gl�cklichen   Familienleben. M�glicherweise kommen wir doch noch ans Ziel. Wie genau, wei� ich   zwar nicht, aber das ist erst mal zweitrangig. Auf alle F�lle kann es nicht   schaden, mich als Frauenversteher zu positionieren. So erz�hlt Carolin   vielleicht noch ein bisschen �ber Marc. Ich gebe mir also M�he, Carolin   m�glichst treu ins Auge zu blicken.</p><p>�Herrje, das ist ja ein richtiger Dackelblick. Du findest, das mit Marc war   ein Fehler, nicht? Na ja, aber bei Nina hat er echt ein bisschen �berreagiert.   Die Arme. Gut, sie ist nicht die kinderfreundlichste, aber sie vor allen   abzukanzeln? Auch nicht okay, oder?� Ich blinzele wieder und schn�ffele an ihr.   �Das macht ihn doch irgendwie etwas unsympathisch.�</p><p>Brrr, auf keinen Fall! Ich sch�ttle den Kopf und knurre ein bisschen.</p><p>�Gut, dann sind wir da eben nicht einer Meinung. Ich finde schon, dass es ihn   ein wenig unsympathisch macht. Insofern war es vielleicht doch die richtige   Entscheidung. Ich meine, nach Thomas ist mein Bedarf an Cholerikern echt   gedeckt.�</p><p>Wuff! Was redet sie sich da blo� wieder ein? Wer wei� schon, was genau Marc   zu Nina und vor allem Nina zu Marc gesagt hat. Wenn ich es recht bedenke, passt   Marc von allen mit Abstand am besten zu uns. Wenn es also nach mir geht, dann   sollte Carolin ihn schleunigst anrufen und die Sache mit der Selbstfindung erst   einmal auf Eis legen. Das kann sie doch hinterher immer noch machen. Ich stupse   sie noch einmal in die Seite. Keine Reaktion. Unglaublich. Carolin ist   tats�chlich eingeschlafen. Mitten in unserem interessanten Gespr�ch.</p><p>Aber ich kann nicht einschlafen. Noch nicht. In meinem Kopf rattern die   Gedanken. Was sagen mir die Dinge, die ich �ber Menschen in den letzten Wochen   gelernt habe, �ber Carolin und die M�nner? Erstens: Sie findet Marc nett.   Zweitens: Sie will aber nicht mit ihm sprechen, weil ihr das Gespr�ch im Caf�   mittlerweile unangenehm ist. Und drittens: Deswegen redet sie sich ein, dass es   sowieso nichts geworden w�re. Genau, so muss es sein! Daraus folgt viertens: Ich   muss Marc dazu bringen, mit ihr zu sprechen. Aber wie mache ich das? Wie mache   ich das blo�?</p><empty-line/></section><section><p><strong><emphasis>F�NFUNDZWANZIG</emphasis></strong></p><p>Also, deine Theorie ist, dass Marc doch der richtige Mann f�r Carolin ist und   sie es nur nicht zugeben will. Denn dann m�sste sie ihn ja ansprechen, und das   ist ihr peinlich. Und deswegen hat sie sich etwas zurechtkonstruiert, was   angeblich an ihm nicht passt. Hm.� Herr Beck schaut sehr nachdenklich.   �Donnerwetter. Du hast viel gelernt. Was allerdings kein Wunder ist, denn du   hattest einen exzellenten Lehrmeister.�</p><p>�Ja, du bist toll. Aber was denkst du, sollte ich jetzt tun? Immerhin ist die   Sache sehr kompliziert. Ich kann leider nicht einfach zu Marc marschieren und   sagen <emphasis>He, ruf endlich an! </emphasis>Andererseits f�rchte ich, wenn er nicht   auftaucht, dann wird das nie etwas mit den beiden.�</p><p>Herr Beck nickt. �Tja. Kompliziert. Wirklich.�</p><p>Wir schweigen. Dann setzt Beck wieder an: �Im Grunde genommen kannst du nur   eines machen: Lauf zur Praxis und hoffe, dass Marc das als Zeichen nimmt.�</p><p>�Als Zeichen? F�r was denn? Dass ihn ein Dackel verfolgt?�</p><p>Herr Beck kichert. �Siehst du! Alles hast du dann doch noch nicht �ber die   Menschen gelernt. Also: Wenn Menschen sich etwas sehr w�nschen, neigen sie   dazu, in allem ein Zeichen zu erblicken. Was es meistens gar nicht ist. Also,   nehmen wir mal an, der Mensch m�chte gerne Kinder haben. Dann wird er mit   Sicherheit bald �ber einen Kinderwagen stolpern. Und es f�r ein Zeichen halten,   dass eigener Nachwuchs angezeigt ist. In Wirklichkeit ist es nat�rlich nur ein   Zeichen daf�r, dass ihm jemand einen Kinderwagen in den Weg gestellt hat.�   �Aha.�</p><p>Irgendwie verstehe ich Herrn Beck nicht ganz. Was hat denn jetzt ein   Kinderwagen mit Marc und Carolin zu tun? Offensichtlich gucke ich bel�mmert,   denn Herr Beck sch�ttelt den Kopf und wird g�nnerhaft.</p><p>�Es ist doch ganz einfach, Herkules: Wenn Marc sich nach Carolin sehnt und   dann dich sieht, wird er es f�r ein Zeichen halten, dass er Kontakt mit ihr   suchen sollte.�</p><p>�Ja, aber so ist es doch von mir auch gemeint. Das w�re doch Absicht.�</p><p>Herr Beck schnaubt ungeduldig. �Sicher. Aber das wei� doch Marc nicht. Der   kommt nicht auf die Idee, dass ein Dackel einen Plan hat. Der sieht in dir doch   nur ein einf�ltiges Tier. Und deswegen wird er glauben, es sei ein Zeichen.   Verstanden?�</p><p>Ehrlich gesagt nein, aber das traue ich mich nicht zuzugeben.</p><p>�Also laufe ich jetzt zu Marc und hoffe, dass er mich irgendwie sieht?�</p><p>�Genau. So machst du es.�</p><empty-line/><p>Vor der Praxis angekommen, wird mir klar, dass unser Plan einen   entscheidenden Sch�nheitsfehler hat: Um diese Zeit ist die Stra�e hier ziemlich   laut, einen bellenden Hund wird Marc wahrscheinlich gar nicht h�ren. Au�erdem   wird er kaum zu Hause sein, sondern vielmehr in der Praxis arbeiten. Selbst wenn   ich da reinkomme, werde ich mich wohl nicht an der Frau am Tresen vorbeimogeln   k�nnen. Und ohne begleitenden Hundebesitzer schmei�t die mich wahrscheinlich   gleich raus. Seit meiner Jagd auf Bobo und Schneewei�chen genie�e ich bei ihr   bestimmt einen zweifelhaften Ruf.</p><p>Ich sitze also eine Weile auf dem B�rgersteig vor dem Hauseingang und denke   nach. Weder nach Hause? Beck zur Hilfe holen? Nein, meine einzige Chance ist, in   das Wartezimmer zu kommen und dort von Marc gesehen zu werden.</p><p>Als eine Frau mit einer Katze auf dem Arm den Hauseingang ansteuert, mache   ich mich startbereit. Sie klingelt, die T�r geht auf, und ich schl�pfe hinter   den beiden her. Die Katze beobachtet mich am�siert. �Na, Kleiner? Heimlich zum   Tierarzt? Will Frauchen nicht glauben, dass du krank bist?�</p><p>Ich sch�ttle den Kopf. �Ne, ich bin quasi in geheimer Mission unterwegs. Und   wenn man �berhaupt von Krankheit sprechen kann, dann w�rde ich sagen: herzkrank.   Aber nicht ich, sondern mein Frauchen. Und der Herr Doktor auch.�</p><p>�So, so. Verliebt ist er also. Die Nachricht wird in dieser Praxis ja   einschlagen wie eine Bombe. Sch�tze, die H�lfte der Patienten hier wird nur   angeschleppt, weil Frauchen sich mit dem Tierarzt unterhalten will. Ich zum   Beispiel werde auch deutlich h�ufiger entwurmt, seit Wagner die Praxis von   seinem Vater �bernommen hat.�</p><p>Das freut mich nat�rlich. Schlie�lich ist das Beste respektive der Beste f�r   Carolin gerade gut genug, und man will sich ja keinen Ladenh�ter einhandeln. Es   verdeutlicht mir aber auch, dass ich schnell handeln muss. Die Konkurrenz steht   schon in den Startl�chern.</p><p>Vor dem Tresen macht die Katzenbesitzerin schlie�lich Halt, um ihren Liebling   anzumelden. Die junge Frau dahinter guckt erst zur Katze, dann zu mir.</p><p>�Oh, haben Sie jetzt auch einen Hund, Frau Urbanczik?�</p><p>Die sch�ttelt den Kopf. �Nein, warum?�</p><p>�Das kleine Kerlchen hier ist doch mit Ihnen hereingekommen.� Sie deutet auf   mich.</p><p>�Ach, den habe ich gar nicht bemerkt, der muss mir einfach hinterhergelaufen   sein. Aber das ist nicht mein Hund.�</p><p>Die junge Frau im Kittel schaut in den Warteraum. �Geh�rt irgendjemand   dieser Hund?�</p><p>Auf den aufgereihten Plastikst�hlen sitzen drei Menschen, sie alle sch�tteln   wortlos den Kopf. So, wenn Wagner nicht gleich auftaucht, ist mein Plan   gescheitert. Denn die Helferin wird mich bestimmt gleich rausschmei�en. Ich   setze meinen mideidigsten Blick auf.</p><p>�Hm, irgendwie kommt mir der Hund bekannt vor. Aber ohne Besitzer kann ich   die meisten Tiere gar nicht zuordnen.� Sie �berlegt. �Was machen wir denn jetzt   mit dir? Ich will dich auch nicht einfach vor die T�r setzen. Wenn du allerdings   ganz allein bist, sollten wir dich vielleicht ins Tierheim bringen, bis sich   dein Herrchen findet.�</p><p>WUFF! Tierheim? Auf keinen Fall! Mist, ich habe mich offensichtlich gerade   selbst ans Messer geliefert. Auweia, wie komme ich hier wieder raus? Und wo   bleibt eigentlich Dr. Wagner? In diesem Moment geht die T�r des Sprechzimmers   auf. Ich will schon meinem Sch�pfer danken, doch statt Marc Wagner kommt ein   kleines M�dchen durch die T�re. Heute klappt aber auch nichts. Das kleine   M�dchen guckt mich an. Es hat ganz gro�e blaue Augen, braune lockige Haare und   viele kleine braune Punkte auf der Nase.</p><p>�Na, bist du der N�chste? Wie hei�t du denn?�</p><p>�Wir wissen gar nicht, wie er hei�t. Er scheint einfach so hereingekommen zu   sein�, erkl�rt die Helferin dem M�dchen. �Ich werde gleich mal beim Tierheim   anrufen.�</p><p>�Och n�!�, ruft das M�dchen. �Der ist doch so s��!� Sie b�ckt sich zu mir und   krault mich hinter den Ohren. �Dann will ich ihn behalten. Warte, ich frage   gleich mal Papa!�</p><p>Die Helferin l�chelt. �Aber, Luisa, so einfach geht das nicht. Ich bin mir   sicher, dass der Kleine schon l�ngst ein Herrchen oder Frauchen hat, die ihn   wahrscheinlich bald vermissen werden. Das Tierheim passt nur auf, bis sich die   Besitzer melden.�</p><p>Das M�dchen, das Luisa hei�t, verzieht den Mund. �Er ist so niedlich. Ich   will ihn behalten!� Spricht's und stampft davon in Richtung Sprechzimmer. Durch   die halb ge�ffnete T�r h�rt man sie mit jemandem sprechen.</p><p>�Papa, drau�en sitzt ein niedlicher Hund, der ganz allein ist. Guck doch mal,   ich glaube, der braucht unsere Hilfe. K�nnen wir ihn nicht behalten? Frau Warnke   will ihn ins Tierheim bringen.�</p><p>Papa? Mit wem spricht das Kind da blo�?</p><p>Die T�r zum Sprechzimmer schwingt jetzt wieder ganz auf und heraus kommen   Luisa - und Marc Wagner! Wagner ist �Papa�? Hei�t das etwa, Wagner hat ein Kind?   Und demnach auch eine Frau? V�llig verwirrt lasse ich mich auf den Po   plumpsen.</p><p>�Herkules! Was machst du denn hier?�</p><p>�Sie kennen das Tier?�</p><p>�Ja, Frau Warnke. Das ist der Hund von Frau Neumann. Ist er wirklich allein   hier?�</p><p>�Ja, er ist eben mit reingekommen, als Frau Urbanczik ihre Katze anmelden   wollte. Ich dachte schon, ich m�sste das Tierheim anrufen. Aber wenn Sie den   Hund kennen, dann rufe ich jetzt einfach die Besitzerin an.�</p><p>Marc Wagner �berlegt kurz. �Warten Sie damit noch einen Augenblick. Und du   kommst mal mit rein, Herkules.�</p><p>�Ich will auch mit!�, ruft Luisa und l�uft hinter Wagner her. Als wir alle im   Sprechzimmer sind, schlie�t Wagner die T�r hinter uns. Dann hebt er mich auf den   Untersuchungstisch und mustert mich.</p><p>�So, Herkules. Dann erz�hl mal. Wieder jemand in Not?�</p><p>Luisa kichert. �Aber, Papa, Hunde k�nnen doch nicht sprechen.�</p><p>�Du wirst dich wundern, mein Schatz. Dieser schon!�</p><p>Genau! Zur Best�tigung belle ich einmal kurz. Luisa macht gro�e Augen.</p><p>�Also, wei� Carolin, dass du hier bist?�</p><p>Ich sch�ttle den Kopf, so gut ich kann. Dann packe ich mit meinem Fang   vorsichtig einen Armel von Wagners Kittel und ziehe daran.</p><p>�Ich soll mitkommen? Zu Carolin?�</p><p>Ich kl�ffe zweimal. Ich wei� zwar nicht, ob man als Zeichen so direkt sein   darf, aber Herrn Beck kann ich schlecht fragen.</p><p>�Also, Herkules, ich wei� nicht, ob das so eine gute Idee ist.�</p><p>Aha. Er hat n�mlich schon eine Frau. Wahrscheinlich ist es das. Ich lasse   deprimiert den Kopf sinken.</p><p>�Ach komm, sei nicht traurig. Ich w�rde liebend gerne mitkommen. Aber dein   Frauchen hat eindeutig gesagt, dass sie mich nicht mehr treffen will. Glaube   mir, dagegen zu versto�en, kommt bei Frauen gar nicht gut an.�</p><p>Doch keine andere Frau? Sondern Taktik? Ich bin einigerma�en verwirrt,   beschlie�e aber, mich davon nicht ablenken zu lassen. Offenbar hat Wagner nach   wie vor Interesse an Carolin, das soll mir reichen. Vielleicht gibt es auch f�r   alles eine gute Erkl�rung.</p><p>�Ich habe eine viel bessere Idee. Daf�r musst du jetzt aber mal ehrlich zu   mir sein. Wei�t du noch, als ich dich nach deinem Anfall neulich untersucht   habe?�</p><p>Wie k�nnte ich das vergessen? Ich versuche also wieder zu nicken.</p><p>�Sehr gut. Ich hatte damals offen gestanden den Eindruck, dass es dir ganz   hervorragend geht. Ist es denkbar, dass dieser Anfall Ausdruck deines enormen   schauspielerischen K�nnens war?�</p><p>Ertappt. Wie peinlich.</p><p>�Also, Papa, jetzt verstehe ich gar nichts mehr.� �Warte mal ab, Luisa. So,   Herkules, komm: Mach den Anfall!�</p><p>Bitte, soll das etwa ein Kommando sein? �Mach den Anfall, los!�</p><p>Na, wenn er meint. Das kann er haben. Ich lasse mich auf die linke Seite   kippen und fange an, mit Vorder- und Hinterl�ufen gleichzeitig zu zucken. Winde   mich, sch�ume, jaule -und achte gleichzeitig darauf, nicht vom   Untersuchungstisch zu fallen. Ich finde, es ist eine ziemlich beeindruckende   Vorstellung. Luisa rei�t die Augen noch ein St�ck weiter auf, Wagner grinst.</p><p>�Donnerwetter. Unser Dackel ist ein Staatsschauspieler. Ich hab's ja gewusst.   So, braver Hund, kannst aufh�ren.�</p><p>Ich bleibe ruhig liegen, Luisa krault mich am Bauch.</p><p>�Das war ja wie im Zirkus, Papa!�</p><p>�Richtig.�</p><p>�Und was passiert jetzt?�</p><p>�Jetzt soll der liebe Herkules mal wieder nach Hause laufen. Und dort,   Herkules, wirst du diesen sch�nen Anfall noch mal deinem Frauchen vorf�hren. Es   sollte mich sehr wundern, wenn sie sich darauf nicht bei mir meldet. Und dann   erscheine ich als Retter in der Not. Alles klar?�</p><p>Alles klar! Ein Spitzenplan. Er k�nnte glatt von mir und Herrn Beck sein. Ich   springe wieder auf und belle einmal kurz. Dann hebt mich Wagner vom Tisch und   bringt mich nach drau�en.</p><p>�So, du wei�t, was du zu tun hast. Ich warte auf Carolins Anruf!�</p><p>Ich winde mich in furchtbaren Kr�mpfen. Dies muss einfach die �berzeugendste   Darstellung sein, die ich jemals abgeliefert habe. Kaum war Daniel heute weg,   schon habe ich mich noch in der Werkstatt praktisch direkt vor Carolins F��e   geworfen. Die scheint mir den Anfall abzukaufen, sie ist vor Schreck ganz wei�   um die Nase. Ich hoffe, sie reagiert so, wie Wagner es vorausgesagt hat.</p><p>Tats�chlich - sie holt das Telefon!</p><p>�Neumann hier. Ist Dr. Wagner zu sprechen? Danke.� Sie wartet kurz. �Hallo,   Marc, hier ist Carolin. Es tut mir leid, dich zu st�ren, aber Herkules hat   gerade wieder einen ganz furchtbaren Anfall. Viel schlimmer als beim letzten   Mal. Ja? Du kommst gleich vorbei? Vielen Dank, das ist furchtbar nett von dir.   Wir sind in der Werkstatt.�</p><p>Ziel erreicht! Ich kann meinen Anfall also langsam ausklingen lassen. Wurde   auch ein bisschen anstrengend. Ruhig liege ich auf dem R�cken und mime den   v�llig Ersch�pften. Carolin setzt sich neben mich auf den Boden und krault   mich.</p><p>�Armer Herkules. Du tust mir so leid. Aber gleich kommt Dr. Wagner, und dann   wird alles gut. Bestimmt.�</p><p>Kurz darauf klingelt es schon an der T�r. Wagner muss sofort losgest�rmt   sein. Er kommt rein und stellt seinen Arztkoffer neben mir ab. Dann untersucht   er mich genau so wie beim letzten Mal, macht ab und zu <emphasis>hm, hm </emphasis>und setzt   sich dann neben Carolin.</p><p>�Also, ich kann eine Epilepsie nun tats�chlich nicht mehr ausschlie�en. Ich   mache dir deswegen folgenden Vorschlag:</p><p>Ich bin morgen Vormittag sowieso auf Schloss Eschersbach. Was h�ltst du   davon, wenn ich euch beide morgen fr�h einsammle und wir fahren zusammen. Dann   werden wir schnell herausfinden, ob Herkules wirklich ein geb�rtiger <emphasis>von   Eschersbach </emphasis>ist und ob es erbliche Epilepsie sein k�nnte.�</p><p>�Ja�, sagt Carolin leise, �das klingt nach einer sehr guten Idee. Ich komme   gerne mit, vielen Dank.�</p><p>Schloss Eschersbach? Mit Carolin und Marc! Sensationell! Ich m�chte am   liebsten vor Freude hoch in die Luft springen, lasse es aber. Das s�he   wahrscheinlich nicht sonderlich ersch�pft aus.</p><empty-line/><p>Der Himmel ist strahlend blau. Ganz so, wie er an einem so wichtigen Tag sein   muss. Und wichtig ist dieser Tag, daran habe ich keinen Zweifel. Ich werde   Schloss Eschersbach und meine Familie wiedersehen. Und wenn Wagners Plan   aufgeht, dann gibt es doch noch eine Chance f�r ihn und Carolin. Wie genau er   sich das vorstellt, habe ich nicht verstanden. Aber ich verlasse mich mal   darauf, dass er sich ausreichend Gedanken gemacht hat. Wie sagte Herr Beck so   sch�n? Ein Typ, der einen Hund braucht, um die Frau seines Herzens zu gewinnen,   der hat schlechte Karten. Also halte ich mich ab jetzt fein raus.</p><p>Ungeduldig warte ich darauf, dass Wagner endlich kommt. Carolin scheint auch   nerv�s zu sein. Sie schaut immer wieder auf die Uhr. Da klopft es an die   Fensterscheibe der Terrassent�r. Wagner - und er hat Luisa mitgebracht.</p><p>Carolin �ffnet die T�r.</p><p>�Hallo! Und? Bereit f�r unseren Ausflug?�</p><p>�Hallo, ja, ich bin schon fertig.� Sie schaut zu Luisa. Wagner folgt ihrem   Blick.</p><p>�Ich habe heute jemanden mitgebracht, den ich dir gerne vorstellen w�rde. Das   ist Luisa, meine Tochter. Luisa, das ist Carolin.�</p><p>Na, wenn das mal eine gute Idee war. Der Nachwuchs von fremden Dackeldamen   ist bei H�ndinnen jedenfalls nicht gut gelitten. Hoffentlich ist das bei   Menschen anders. Ein Blick auf Carolins Gesicht sagt mir, dass es in der   Menschenwelt �hnliche Spannungsfelder gibt.</p><p>�Deine Tochter? Ich verstehe nicht ganz ...�</p><p>�Ich war schon einmal verheiratet. Luisa ist meine Tochter. Sie lebt meistens   bei Sabine, ihrer Mutter. Aber momentan sind Schulferien, und die verbringt   Luisa immer bei mir.� Er holt tief Luft. Irgendetwas Bedeutsames muss er wohl   noch sagen. �Tja, und weil ihr mir beide so wichtig seid, wollte ich, dass ihr   euch kennt.�</p><p>�Du hast eine Tochter.� Carolin wiederholt es noch einmal, als h�tte sie   nicht richtig verstanden.</p><p>�Ja. Und was f�r eine. Ein tolles M�dchen.�</p><p>Luisa streckt Carolin die Hand entgegen. �Hallo!�</p><p>Jetzt l�chelt Carolin. Von meinem Herzen f�llt ein ziemlich gro�er   Stein.</p><p>�Hallo, Luisa. Sch�n, dich kennenzulernen.�</p><p>�Darf ich mal in den Garten? Ich habe da eine Schaukel gesehen.�</p><p>�Nat�rlich, geh nur.�</p><p>Als Luisa gegangen ist, sagen beide erst einmal nichts. Dann r�uspert sich   Marc.</p><p>�Luisa ist so oft es geht bei mir. Ich m�chte n�mlich kein Wochenendpapa   sein. Das wollte ich nie. Unter der Trennung sollte sie so wenig wie m�glich   leiden. Sabine und ich �berlegen auch, ob Luisa demn�chst ganz zu mir zieht.   Sabine ist Stewardess und will jetzt wieder mehr arbeiten. Ehrlich gesagt,   freue ich mich schon sehr darauf. Es wird zwar stressiger werden, aber ich   m�chte gerne den Alltag meines Kindes mit ihm teilen. Sie werden so schnell   gro�, und dann ist die Zeit vorbei und kommt nicht wieder.�</p><p>�Hast du dich deswegen so mit Nina gestritten? Weil sie dir gesagt hat, wie   �tzend sie Kinder findet?�</p><p>Wagner nickt. �Auch. Aber es war nicht nur das. Schon beim zweiten Treffen   war mir eigentlich klar, dass der Funke nicht so richtig �berspringen will. Aber   ihr Ausraster am Strand war dann schon ziemlich heftig. Ich hatte ihr noch nicht   von Luisa erz�hlt, wollte es aber eigentlich gerade tun. Na ja. Du kennst ja die   Geschichte. F�r mich sind Kinder eben sehr wichtig. Mir war sofort klar, dass   das keinen Sinn hat.�</p><p>�Ja, ich verstehe, dass dich das getroffen hat.�</p><p>�Tja, und als du sagtest, dass du mich erst mal nicht sehen willst, da h�tte   ich dir am liebsten die ganze Geschichte aus meiner Sicht erz�hlt. Aber du   klangst so entschlossen, und ich wollte auch nicht schlecht �ber deine beste   Freundin reden.�</p><p>Carolin greift nach seiner Hand und dr�ckt sie. �Ich bin froh, dass du   gekommen bist. Im Nachhinein habe ich mich �ber mich selbst ge�rgert. Denn   eigentlich bin ich sehr gerne mit dir zusammen.�</p><p>Wagner l�chelt. �Na, dann haben wir ja Gl�ck im Ungl�ck, dass Herkules so   schwach bei Gesundheit ist.� Er zwinkert mir zu.</p><p>�Apropos Gesundheit: Meinst du, f�r Herkules ist es schlimm, wieder dorthin   zu fahren? Ich meine, immerhin haben diese Leute ihn ins Tierheim gegeben?�</p><p>�Im Gegenteil. Er hat doch jetzt einen gro�en Auftritt.�</p><p>�Ach ja?�</p><p>�Na, immerhin ist er m�glicherweise der angehende Hund des Tierarztes.�</p><p>Carolin schaut ihn an. �So, meinst du?�</p><p>�Ja. M�glicherweise.� Er z�gert kurz. �Quatsch! Ich bin mir ganz sicher.�</p><p>Dann zieht Marc Carolin dicht an sich heran und k�sst sie ganz sanft auf die   Nase. In diesem Moment kommt Luisa wieder aus dem Garten zur�ck.</p><p>�Mensch, Papa! Du bist echt peinlich!�</p><p>Marc l�sst Carolin los. �Ne, ich bin verliebt!�</p><p>Carolin stellt sich auf die Zehenspitzen und fl�stert Marc etwas ins Ohr.   Aber so leise kann sie gar nicht fl�stern, dass ich es mit meinen hervorragenden   Ohren nicht geh�rt h�tte: <emphasis>�Ich bin es auch.�</emphasis></p><p><emphasis/></p><p><emphasis>Ich schaue mit dem Kopf aus dem offenen Wagenfenster, und meine Ohren wehen   im Wind. Heute ist wirklich ein ganz hervorragender Tag. Carl-Leopold von   Eschersbach darf auf Schloss Eschersbach zur�ckkehren. Ich horche kurz in mich   hinein. Nein. Es ist in Wirklichkeit ganz anders, viel sch�ner: Herkules Neumann   erweist Schloss Eschersbach die Ehre seines Besuchs.</emphasis></p><empty-line/></section><section><p><strong><emphasis>Impressum</emphasis></strong></p><p>Dackelblick: Roman</p><empty-line/><p>
von Frauke Scheunemann (Autor)</p><empty-line/><p>

Preis: EUR 14,95</p><empty-line/><p>

Gebundene Ausgabe: 288 Seiten</p><empty-line/><p>
Verlag: Page &amp; Turner (22. Februar 2010)</p><empty-line/><p>
Sprache: Deutsch</p><empty-line/><p>
ISBN-10: 3442203570</p><empty-line/><p>

ISBN-13: 978-3442203574</p><empty-line/><p>ebook Erstellung - Mai 2010 - TUX</p><empty-line/><p>Ende</p><empty-line/><p><image l:href="#1"/></p></section></body><binary id="cover" 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