<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>prose_contemporary</genre><genre>home_pets</genre><author><first-name>Frauke</first-name><last-name>Scheunemann</last-name></author><book-title>Katzenjammer</book-title><annotation><p>Wo die Liebe hinbellt.</p><p>Geschafft! Endlich hat Dackel Herkules f�r Frauchen Carolin den richtigen Mann gefunden: Marc, Tierarzt und echter Hundeversteher. Als sie zu Marc ziehen, ist Herkules selig. Nur der Kater Herr Beck, Dackels bester Freund, bleibt skeptisch. Recht hat er: Denn da gibt es leider noch Sabine, Marcs Exfrau, die pl�tzlich wieder Interesse an ihrem Verflossenen zeigt. Und die sch�ne Cherie, eine elegante Golden-Retriever-Dame, die von Herkules gl�hend verehrt wird, aber ihrerseits den kleinen Dackel komplett ignoriert. Schon bald hat Herkules alle Pfoten voll zu tun, seine Menschen vor neuen Katastrophen zu bewahren und Cheries Herz vielleicht doch noch zu erobern �</p></annotation><date>2011</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang></title-info><document-info><author><first-name>Scheunemann,</first-name><last-name>Frauke</last-name></author><program-used>calibre 3.42.0, FictionBook Editor Release 2.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2019-08-11">21.6.2019</date><id>0822ca95-968e-45af-ba39-b4a88fea5e3c</id><version>2.0</version><history><p>1.0�� calbire'&#x43D;&#x438;&#x435; &#x444;&#x430;&#x439;&#x43B;&#x430;�� &#x43D;&#x435;&#x438;&#x437;&#x432;&#x435;&#x441;&#x442;&#x43D;&#x44B;&#x439;; </p><p>2.0�� &#x438;&#x441;&#x43F;&#x440;&#x430;&#x432;&#x43B;&#x435;&#x43D;&#x438;&#x435; &#x424;&#x418;&#x41E; &#x430;&#x432;&#x442;&#x43E;&#x440;&#x430;, &#x441;&#x442;&#x440;&#x443;&#x43A;&#x442;&#x443;&#x440;&#x430;, &#x434;&#x43E;&#x431;&#x430;&#x432;&#x43B;&#x435;&#x43D;&#x438;&#x435; &#x430;&#x43D;&#x43D;&#x43E;&#x442;&#x430;&#x446;&#x438;&#x438; � Isais.</p></history></document-info><publish-info><book-name>Katzenjammer</book-name><publisher>PeP eBook</publisher><city>M�nchen</city><year>2011</year></publish-info></description><body><title><p>Frauke Scheunemann</p><p><emphasis>Katzenjammer</emphasis></p></title><epigraph><p><strong>Katzenjammer</strong>, der [katz&#x259;njam&#x259;r]: die Ern�chterung nach �berschw�nglicher Freude</p></epigraph><section><title><p>EINS</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>M</strong>ein Leben ist sch�n. Und es wird t�glich sch�ner. Zufrieden r�kle ich mich auf dem kleinen Rasenst�ckchen unseres Vorgartens und beobachte drei M�nner dabei, wie sie schwere Kartons aus unserem Haus heraustragen und in dem gro�en Lastwagen verstauen, der auf der Stra�e davor parkt.</p><p>Ein tiefes Seufzen neben mir erinnert mich daran, dass nicht alle mit dem heutigen Tag so gl�cklich sind wie ich. Ich schaue �ber meine Schulter und sehe meinen Freund, den Kater Herrn Beck, der langsam auf mich zugeschlichen kommt.</p><p>�So. Und das soll nun also das vielbeschworene Happy End sein. Na ja.� Becks negative Ausstrahlung macht mich noch wahnsinnig! Warum kann er sich nicht einfach mal mit mir freuen?</p><p>�Ja, das ist das Happy End, Punkt!�</p><p>�Meiner Erfahrung nach gibt es das bei Menschen gar nicht. Gl�ckliche Enden, meine ich. Die finden immer ein Haar in der Suppe.�</p><p>�Okay, von mir aus. Auf alle F�lle ist es MEIN Happy End.� Beck seufzt und sch�ttelt den Kopf. Das sieht bei einem dicken schwarzen Kater immer sehr fatalistisch aus. �Also dann wird es jetzt ernst, oder?� Er setzt sich neben mich.</p><p>�Ja, ich sch�tze mal noch zehn Kartons, dann sind sie fertig. � Beck nickt und schweigt. Vielsagend, wie mir scheint.</p><p>�Nun komm schon! F�r uns wird sich gar nichts �ndern. Wir bleiben weiterhin die besten Freunde.� Beck sagt nichts. �Okay, ich verstehe ja, dass es f�r dich netter w�re, wenn wir weiterhin im gleichen Haus wohnen w�rden. Aber ich habe mir immer eine richtige Familie gew�nscht. Und dazu geh�ren f�r mich eben mehrere Menschen. Und Kinder. Ich bin so froh, dass Carolin gl�cklich mit Marc ist, ich w�re mit ihr auch sonst wohin gezogen. Und jetzt ist es doch nur die andere Seite des Parks.� Beck sagt immer noch nichts. Ich unternehme einen letzten Anlauf. �Au�erdem bin ich tags�ber immer noch da. Ihre Werkstatt beh�lt Carolin schlie�lich hier im Haus. Es geht doch nur um die Wohnung.� Becks Schwanzspitze zuckt.</p><p>�Lass gut sein, Kumpel. Ich hatte mich eben doch mehr an dich gew�hnt, als ich es selbst f�r m�glich gehalten h�tte. An einen Dackel! Das muss man sich mal vorstellen. H�tte man mir das vor einem Jahr geweissagt, ich h�tte es mit Abscheu und Emp�rung von mir gewiesen. Offensichtlich werde ich altersmilde.�</p><p>�Nee, ich w�rde sagen, du bist einfach schlauer geworden und hast erkannt, dass der Hund nicht nur der beste Freund des Menschen, sondern auch des Katers ist. Ist doch nicht das Schlechteste.� F�r diese Bemerkung ernte ich einen weiteren abgrundtiefen Seufzer. Gut, das hat wohl keinen Sinn. Dann soll er eben weiter hier rumh�ngen und Tr�bsal blasen. Das ist f�r mich an diesem aufregenden Tag nat�rlich keine Alternative, und ich beschlie�e nachzuschauen, wie weit Carolin schon mit dem ganzen Krimskrams ist, der nicht in Kartons gepackt wurde. Vielleicht kann ich noch irgendwas aus dem K�hlschrank abstauben? Ich bilde mir ein, dass der heute Morgen noch gut gef�llt war. Zumindest roch es ganz vielversprechend, als Carolin ihn �ffnete, um eine T�te Milch herauszunehmen.</p><empty-line/><empty-line/><p>Die Wohnung � unsere Wohnung! � sieht ganz seltsam aus: Das Sofa, auf dem Carolin und ich so oft zusammen gekuschelt haben, fehlt, ebenso alle anderen M�bel. Nur das kleine Tischchen mit dem Telefon steht noch im Wohnzimmer, einsam und verlassen. Ansonsten wirkt der Raum nun wie eine Halle. Ich gebe es ungern zu, aber bei diesem Anblick wird mir doch ein bisschen mulmig, und ich hoffe, dass Becks Bemerkung �ber Menschen und das Fehlen von gl�cklichen Enden nur sein �bliches Geunke war. Carolin und Marc werden sich das schon gr�ndlich �berlegt haben.</p><p>In diesem Moment packen mich zwei riesige H�nde und wuchten mich nach oben. Autsch! Nicht so grob!</p><p>�Na, Kleiner? Was stromerst du denn noch hier rum?� Ich blicke direkt in die Augen eines dunkelhaarigen Mannes, den ich noch nie zuvor gesehen habe. Er geh�rt offensichtlich zu den Menschen, die gerade die Wohnung ausr�umen, jedenfalls tr�gt er die gleichen Arbeitsklamotten wie die anderen und riecht nach Schwei�. Jetzt wiegt er mich ein wenig hin und her, als w�rde er �berlegen, was er mit mir anstellen soll. <emphasis>Sofort runterlassen!</emphasis>, m�chte ich am liebsten laut rufen, ich bin schlie�lich kein M�belst�ck. In Ermangelung einer menschlichen Stimme muss ich mich aber leider darauf beschr�nken, den Typen anzuknurren. Der zieht die Augenbrauen hoch.</p><p>�Nanu? Wirste etwa frech?�</p><p>Bitte? Wer r�ckt denn hier wem auf die Pelle? Ich knurre noch lauter. Vorsicht! Normalerweise bei�e ich nicht, aber wenn es gar nicht anders geht �</p><p>�Also gut, du hast es nicht anders gewollt.�</p><p>Mit diesen Worten setzt mich Herr Grobian in den Umzugskarton, der noch neben dem Telefontischchen steht. Bevor ich auch nur daran denken kann herauszuh�pfen, schlie�t er den Deckel. Um mich herum wird es dunkel, und der Geruch von Pappe und Staub steigt in meine Nase. Sofort schwappt eine Woge der Erinnerung �ber mich hinweg: Schloss Eschersbach, mein Geburtsort, und der alte von Eschersbach, der mich in einen ebensolchen Karton hebt. Mich, den Dackelmischling Carl-Leopold, den er in seiner Zucht nicht duldet. Mein Erstaunen, als ich beim Verlassen des Kartons feststelle, dass ich nicht mehr zu Hause, sondern an einem Ort namens Tierheim bin. Und mein Entsetzen, als sich dieser Ort als wahrer Alptraum herausstellt, aus dem mich Carolin allerdings schon nach einem Tag rettet. Und mich fortan Herkules nennt. Ich beginne zu winseln.</p><p>�He, Sie! Haben Sie da etwa gerade meinen Hund in einen Karton gesteckt?�</p><p>Durch die Pappe klingt Carolins Stimme ganz dumpf, trotzdem erkenne ich sie nat�rlich sofort. Der Deckel wird wieder aufgeklappt, Carolins Gesicht erscheint am oberen Rand, mit ihren gro�en, hellen Augen schaut sie mich mitleidig an.</p><p>�Du Armer! Kein Wunder, dass du weinst! Ganz allein in diesem dunklen, engen Karton!�</p><p>Sie hebt mich heraus und streichelt mir �ber den Kopf.</p><p>�Alles wieder gut, Herkules. Und Sie merken sich mal eines�, faucht sie den Mann an, �Finger weg von meinem Hund, sonst gibt es gleich richtig �rger!�</p><p>Der guckt sie so bl�d an, wie es tats�chlich nur Menschen k�nnen. Nat�rlich � wenn denkende Wesen dem Stumpfsinn anheimfallen, ist es eben viel dramatischer, als wenn beispielsweise ein Goldfisch komplett unterbelichtet ist.</p><p>�Is ja gut, is ja gut � ich wollte dem Kleinen doch nichts tun. Nur ein bisschen mit ihm spielen!�</p><p>Aha, der wollte nur spielen. Unter Hundebesitzern ja angeblich eine beliebte Ausrede f�r verzogene Vierbeiner. Dass jetzt schon Zweibeiner darauf zur�ckgreifen, sagt so einiges �ber den Zustand aus, in dem sich die Menschheit befindet. Carolin setzt mich wieder auf den Boden, und ich �berlege kurz, ob ich an dem Idioten mein Bein heben soll � verwerfe den Gedanken aber als niveaulos. Ein Carl-Leopold von Eschersbach pinkelt nicht aufs Parkett.</p><p>Der Mann verzieht sich, und Carolin kniet sich neben mich und streicht sich eine Str�hne ihres langen blonden Haares aus dem Gesicht.</p><p>�So, Herkules, den sind wir erst mal los. Aber vielleicht gehst du trotzdem wieder in den Garten? Nicht, dass dir gleich der N�chste auf die Pfoten tritt.�</p><p>Auf keinen Fall! Meine Mission lautet schlie�lich K�hlschrank! Ich laufe also Richtung K�che. Dort angekommen, warte ich, bis Carolin mir gefolgt ist, setze mich auf meinen Po und gucke sie so treuherzig an, wie es mir als Dackel nur m�glich ist. Zur Unterstreichung meiner Bed�rftigkeit fiepe ich noch ein bisschen und hebe eine Vorderpfote. Carolin lacht.</p><p>�Aha, daher weht der Wind! Monsieur hat Hunger. Na gut, ein kleiner Snack ist wohl okay.� Sie �ffnet die K�hlschrankt�r und nimmt ein Sch�lchen heraus. Hm, obwohl die Portion kalt ist, breitet sich ein verf�hrerischer Geruch in der K�che aus. Lecker! Herz!</p><p>�Also, die Mikrowelle ist schon verpackt, die T�pfe auch. Frisst du es auch kalt?�</p><p>Klaro! Immer her damit! Sie stellt mir das Sch�lchen vor die F��e, und ich mache mich gleich dar�ber her.</p><p>�Ach, hier steckst du!� Marc steckt seinen Kopf durch die K�chent�r. Carolin dreht sich zu ihm herum und strahlt ihn an.</p><p>�Herkules hatte ein bisschen Hunger, und den K�hlschrank muss ich sowieso noch ausr�umen. Hast du auch Appetit auf irgendetwas?�</p><p>Marc stellt sich neben sie.</p><p>�Hm, lass mal �berlegen. Ja, es gibt tats�chlich etwas, worauf ich richtig Appetit habe.� Blitzschnell packt er Carolin, zieht sie in seine Arme und gibt ihr einen langen Kuss. Mir wird ganz warm und wohlig. Von wegen �<emphasis>kein Happy End</emphasis>� � die beiden sind gl�cklich miteinander, das sieht ein Blinder mit Kr�ckstock. Selbst, wenn er ein Kater ist.</p><p>Carolin kichert und strampelt sich los.</p><p>�He, so werden wir hier nicht fertig! Also, m�chtest du nun noch einen Joghurt oder vielleicht ein St�ck Salami?�</p><p>Marc sch�ttelt den Kopf.</p><p>�Nein, danke! Ich wollte eigentlich nur schauen, wie weit ihr hier seid. Meinst du, ihr schafft den Rest in einer halben Stunde? Oder brauchen die Jungs noch l�nger? Denn dann w�rde ich jetzt schon mal Luisa von der Schule abholen. Sie war heute Morgen ziemlich aufgeregt, ich habe ihr versprochen, dass sie heute nicht in den Hort zu gehen braucht.�</p><p>Carolin nickt.</p><p>�Ja, das ist eine gute Idee, mach mal. Wenn sie auch nur ansatzweise so aufgeregt ist wie ich, braucht sie bestimmt ein bisschen v�terlichen Beistand. Und ich glaube, wir kommen in der n�chsten Stunde auch ohne dich aus.�</p><p>�Alles klar, dann d�se ich mal los.� Er dreht sich, um zu gehen, �berlegt es sich dann aber anders und nimmt Carolin wieder in den Arm.</p><p>�Glaub mir, ich bin auch verdammt aufgeregt. Aber auch verdammt gl�cklich.� Dann k�sst er sie noch einmal und verschwindet aus der K�che. Carolin schaut ihm eine ganze Weile versonnen hinterher, dann sch�ttelt sie kurz den Kopf.</p><p>�So, Herkules. Genug getr�umt! Wenn wir in einer Stunde fertig sein wollen, gibt es noch einiges zu tun.� Sie �ffnet wieder die K�hlschrankt�r und beginnt, diverse Flaschen und Schalen herauszur�umen. Einige verstaut sie in einem Karton, der neben ihr auf dem Boden steht, andere wirft sie in den gro�en M�llsack neben der K�chent�r.</p><p>Gut, etwas zu fressen scheint es also nicht mehr zu geben, dann kann ich eigentlich auch wieder in den Garten. Menschen beim Aufr�umen zuzusehen ist nicht wirklich interessant.</p><empty-line/><empty-line/><p>Unten angekommen, halte ich kurz Ausschau nach Herrn Beck, sehe ihn aber nirgends. Daf�r komme ich an Marc vorbei, der offenbar noch nicht losgefahren ist, sondern zwei M�belpackern irgendwelche Anweisungen gibt. Als er mich sieht, beugt er sich zu mir herunter.</p><p>�Sag mal, Herkules, hast du vielleicht Lust mitzukommen, wenn ich Luisa abhole? Ich glaube, sie w�rde sich freuen, dich zu sehen.�</p><p>Ich wedele mit dem Schwanz � nat�rlich habe ich dazu Lust! Luisa ist ein wirklich nettes M�dchen, und seitdem Carolin und ich so viel Zeit bei Marc verbringen, habe ich seine Tochter schon richtig ins Herz geschlossen. Schlie�lich hat sie auch noch Lust, mit mir spazieren zu gehen, wenn alle anderen Menschen l�ngst streiken.</p><p>�Gut, Kumpel, dann mal ab ins Auto, die Schule ist gleich aus.�</p><empty-line/><empty-line/><p>Kurze Zeit sp�ter h�lt Marc vor einem gro�en Geb�ude, das wie ein riesiger Schuhkarton mit Fenstern aussieht. Nein, eigentlich eher wie vier riesige Schuhkartons, von denen man zwei aufeinandergestapelt und die beiden anderen links und rechts davon platziert hat. Marc steigt aus und �ffnet mir die T�r, ich h�pfe direkt auf den B�rgersteig. Wir laufen los und kommen auf eine gro�e Wiese, die direkt vor dem Schuhkarton-Haus liegt. Ein paar Kinder spielen hier mit einem Ball, die Sonne scheint, eine Mutter sitzt mit ihrem Baby auf dem Arm auf einer Bank. Ein friedliches Bild. Das Leben mit Kindern muss einfach sch�n sein.</p><p>Keine drei Sekunden sp�ter ist es mit der Ruhe vorbei. Erst ert�nt eine Klingel, und dann bricht ein wahrer H�llenl�rm los: Durch die gl�serne Eingangst�r des Hauses kann ich sehen, wie Kinder geradezu rudelweise auf den Flur st�rzen und sich ihren Weg Richtung Ausgang bahnen. Die Glast�r schwingt auf, die Kinder schubsen und dr�ngeln nach drau�en, sie lachen und singen � und das alles in einer ohrenbet�ubenden Lautst�rke.</p><p>Das ist nun wirklich �berhaupt nicht mein Fall, Dackelohren sind schlie�lich sehr empfindlich. Aber gerade, als ich �berlege, schon mal allein zum Auto zur�ckzulaufen, kommt Luisa aus dem Geb�ude. Sie sieht uns sofort und kommt her�bergelaufen.</p><p>�Papa! Herkules!� Marc bekommt einen schnellen Kuss, dann beugt sich Luisa sofort zu mir herunter und krault mich unter der Schnauze.</p><p>�Herkules, mein S��er! Das ist aber lieb, dass du mich abholst. Seid ihr denn schon fertig mit Packen?� Sie stellt sich wieder auf.</p><p>�Ich glaube, ein bisschen braucht Caro noch�, antwortet Marc, �aber heute Nachmittag sollte alles �ber die B�hne sein.� Luisa nickt, und ihre dunklen, lockigen Z�pfe wippen lustig hin und her.</p><p>�Dann k�nnen wir doch schnell nach Hause fahren. Ich habe eine �berraschung f�r Carolin gebastelt.�</p><p>Eine �berraschung? Das klingt gut. Aber warum eigentlich nur f�r Carolin? Schlie�lich zieht nicht nur sie bei Marc und Luisa ein � ich bin auch mit von der Partie.</p><p>�Was ist es denn f�r eine �berraschung?�, will Marc wissen.</p><p>�Das wird nicht verraten, Papa. Fahr uns einfach nach Hause, dann wirst du es gleich sehen.�</p><p>Marc l�chelt.</p><p>�Na gut. Stets zu Diensten, meine Prinzessin.�</p><empty-line/><empty-line/><p>�Herr Dr. Wagner, da sind Sie ja endlich!� Die junge Frau, die Marc immer in seiner Tierarztpraxis hilft, st�rzt sich gleich auf ihn, kaum dass wir das Haus betreten haben. �Frau Deithard hat schon dreimal angerufen, weil sie sich solche Sorgen um Caramel macht. K�nnen Sie sie kurz zur�ckrufen? �</p><p>Marc rollt genervt mit den Augen.</p><p>�Ich habe doch gesagt, dass die Praxis heute geschlossen ist und Sie mir nur die absoluten Notf�lle auf den Hals hetzen d�rfen und sich ansonsten mal um die Buchhaltung k�mmern sollen, Frau Warnke. Und wir wissen doch wohl beide, dass Caramel kein absoluter Notfall ist.�</p><p>Frau Warnke guckt schuldbewusst, aber nur circa drei Sekunden lang. Dann l�chelt sie.</p><p>�Na ja. Aber wir wissen auch beide, dass immerhin Frau Deithard selbst ein absoluter Notfall ist. Ohne Sie, lieber Herr Doktor, ist diese Frau wirklich kreuzungl�cklich. Also seien Sie nett und rufen Sie sie an.�</p><p>B�se Stimmen behaupten, dass einige Frauchen nur mit ihren Tieren in die Praxis kommen, weil Marc so gut aussieht. Und ganz offensichtlich ist auch diese Frau Deithard Marcs vollen, dunklen Haaren und blauen Augen verfallen. Aber nix da! Der geh�rt zu uns!</p><p>Luisa mischt sich ein.</p><p>�Nee, zuerst gehen wir nach oben in die Wohnung. Ich muss noch meine �berraschung auspacken, bevor Carolin kommt.�</p><p>�Sie h�ren es, Frau Warnke. Ich werde an anderer Stelle viel dringender ben�tigt. Denn falls hier nicht alles fertig ist, wenn der M�belwagen meiner Freundin ankommt, dann habe ich gleich mit zwei Frauen Stress.�</p><p>Frau Warnke grinst.</p><p>�Aye, aye, Chef. Aber ich erinnere Sie sp�ter nochmal an Frau Deithard. Die bringt es n�mlich sonst fertig und steht h�chstpers�nlich vor der T�r � geschlossene Praxis oder nicht. Und das w�re Ihnen dann bestimmt auch nicht recht.�</p><p>Marc seufzt.</p><p>�Okay, ich rufe sie nachher an. Versprochen. Und jetzt zeig mir mal, was es mit deiner �berraschung auf sich hat, Luisa.�</p><p>Im ersten Stock angekommen, stellt Luisa ihre Tasche in den Flur und nestelt am Verschluss. Neugierig komme ich etwas n�her. Lustig, so eine gro�e bunte Tasche mit Schlaufen. Ich schn�ffele daran. Sie riecht ein bisschen nach Butterbrot und Apfelsaft � und ganz viel nach Luisa.</p><p>�Das ist mein Schulranzen, Herkules.�</p><p>Sie �ffnet eine Klappe und holt etwas heraus, das wie eine Rolle Papier aussieht. Also ziemlich unspektakul�r. Und das soll nun die gro�e �berraschung sein? Ich bin entt�uscht. Ich hatte etwas erwartet, das mindestens auf der Stufe von Fleischwurst oder Kauknochen rangiert, was auch immer das f�r einen Menschen sein k�nnte. Sie gibt Marc das Papier, er rollt es auf. Es ist ziemlich lang, und Marc schaut es sich gr�ndlich an. Leider kann ich von unten nicht sehen, was er sieht � aber es muss dann doch etwas Tolles sein. Jedenfalls f�ngt er auf einmal an zu l�cheln, legt das Papier zur Seite und nimmt Luisa in den Arm.</p><p>�Vielen Dank, mein Schatz. Das bedeutet mir ganz viel. Und Carolin mit Sicherheit auch. Es ist auch wirklich sehr sch�n geworden.� Luisa nickt.</p><p>�Nicht wahr? Ich habe mir auch echt viel M�he gegeben und die ganzen zwei Stunden Kunstunterricht daf�r gebraucht. Eigentlich sollten wir einen Leuchtturm malen, aber als ich Frau Spengler erkl�rt habe, was ich machen will und wof�r ich es brauche, war sie gleich einverstanden.�</p><p>Na toll. An mich denkt nat�rlich wieder keiner. Hallo, ihr beiden Menschen! Ich will endlich wissen, wor�ber ihr redet! Zeigt mir doch auch mal die Rolle! Vielleicht muss ich mir ein bisschen mehr Aufmerksamkeit verschaffen. Ich fange also an zu fiepen und springe an Marc hoch.</p><p>�Musst du mal raus, Herkules?�</p><p>Ignorant. Und du willst Tierarzt sein? Dann solltest du doch ein Mindestma� an Einf�hlungsverm�gen f�r Vierbeiner besitzen. Aber wenigstens Luisa scheint zu haben, was ihrem Vater fehlt. Sie schnappt sich die Rolle und h�lt sie mir vor die Nase.</p><p>�Hier, guck mal, Herkules. Sch�n, oder?�</p><p>Das ganze Papier ist bunt bemalt und beklebt, au�erdem glitzert es. Schaut h�bsch aus, auch wenn ich als Dackel wirklich nicht der Farbenspezialist bin. Aber was genau soll das sein?</p><p>�Guck mal: hier steht <emphasis>Herzlich Willkommen, Carolin! Sch�n, dass du da bist!</emphasis> Und daneben habe ich uns alle gemalt, auch dich, Herkules.�</p><p>Stimmt. Ich erkenne eindeutig drei Figuren, die wohl ein Mann, eine Frau und ein Kind sein sollen � und daneben einen kleinen Hund mit langen Ohren. �ber die Proportionen m�ssten wir uns nochmal unterhalten, aber nat�rlich f�hle ich mich geschmeichelt, dass mich Luisa hier verewigt hat. Der Sinn der Rolle ist mir allerdings immer noch nicht ganz klar. Und warum sich Marc dar�ber so freut, auch nicht.</p><p>�So�, verk�ndet dieser, �dann wollen wir das Begr��ungsplakat mal an geeigneter Stelle aufh�ngen. Wo h�ttest du es denn gerne?�</p><p>Luisa �berlegt kurz.</p><p>�Vielleicht gleich unten? Wenn man von der Praxis ins Treppenhaus kommt? Dann sieht es Carolin sofort, wenn sie reinkommt. Das w�re doch sch�n.�</p><p>Aha. Eine Begr��ung. Das ist nat�rlich nett. Wenn auch ein bisschen albern, schlie�lich sind Carolin und ich mittlerweile doch fast jeden Tag hier. Warum nun gerade jetzt dieses Plakat aufgeh�ngt werden muss, verstehe ich nicht ganz.</p><p>�Gut. Ich glaube, ich habe noch irgendwo Teppichklebeband, damit m�sste es gut halten.�</p><p>Gesagt, getan. Kurz darauf stehen wir zusammen mit Frau Warnke vor dem Aufgang zur Wohnung und bewundern Luisas Werk. Und keine Sekunde zu fr�h, denn in diesem Moment ert�nt eine Hupe, die offensichtlich zu Carolins M�belwagen geh�rt. Jedenfalls verschwinden Marc und Luisa sofort nach drau�en, ich schlie�e mich den beiden an.</p><p>Tats�chlich. Der gelbe Lastwagen h�lt vor der T�r, und neben dem Fahrer, der sich als der Bl�dmann von heute Mittag herausstellt, springt auch Carolin heraus.</p><p>�So! Endlich fertig!�</p><p>�Dann mal <emphasis>Welcome Home</emphasis>, meine Liebe. Ich w�rde dich jetzt gerne �ber die Schwelle tragen, aber ich f�rchte, ich habe mich heute Morgen an deinem Klavier verhoben.�</p><p>Carolin t�tschelt Marcs Wange.</p><p>�Du Armer, man wird eben nicht j�nger. Aber ich wei� den Gedanken zu sch�tzen.�</p><p>Jetzt zupft Luisa sie ungeduldig am �rmel.</p><p>�Komm mal mit rein!�</p><p>Carolin l�chelt und nickt, dann gehen die drei ins Haus. Bevor ich noch hinterherlaufen kann, h�re ich schon Carolins Stimme.</p><p>�Oh, Luisa, wie sch�n! Das ist ja ein toller Empfang, vielen Dank!�</p><p>Ich biege um die Ecke und sehe, wie Marc Luisa und Carolin umarmt. Was er sagt, kann ich nicht h�ren, aber ich bin mir sicher, dass es irgendetwas ist, was Herrn Beck �berhaupt nicht gefallen w�rde. Etwas Nettes eben. Hat einfach keine Ahnung, der bl�de Kater. Nat�rlich ist das hier ein Happy End. Wir sind endlich eine richtige Familie. Ein Mann, eine Frau und ein Kind. Und ich. Ein kleiner Dackel.</p></section><section><title><p>ZWEI</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>W</strong>irklich, Marc. Entweder du trennst dich endlich mal von ein paar dieser Uralt-Klamotten, oder wir brauchen einen neuen Kleiderschrank. Du hast selbst gesagt, du wolltest mal ausmisten.�</p><p>Carolin und Marc stehen vor dem gro�en Schrank im Schlafzimmer der neuen Wohnung. Vor Carolin liegt ein gro�er blauer Plastiksack, in den sie gerade ein paar von Marcs Sachen aus dem Schrank gelegt hat. Oder besser gesagt: legen wollte. Denn schon das erste Teil hat Marc umgehend wieder aus dem Sack gefischt.</p><p>�Dieses Hemd ist noch so gut wie neu. Guck mal, da ist sogar noch das Preisschild dran.�</p><p>�Marc, es sieht aus wie ein K�chenhandtuch. Blau-gr�n karierter Flanell, gekauft bei Tchibo. Das ist jetzt nicht dein Ernst.�</p><p>Das Teil wandert wieder in den M�llsack. Carolin greift erneut in den Schrank und holt etwas hervor, was mich von der Form entfernt an einen der Kittel erinnert, die Marc bei der Arbeit tr�gt. Es hat allerdings eine Art Bl�mchenmuster. Sehr ungew�hnlich.</p><p>�So. Was spricht f�r dieses Teil?�</p><p>Marc schnappt emp�rt nach Luft.</p><p>�Hallo? Das ist ein echtes Designerst�ck. Habe ich mal von einem Kurztrip nach London mitgebracht.�</p><p>�Und? Schon mal getragen?�</p><p>��h, na ja ��</p><p>Der Bl�mchenkittel wandert in den Sack. Der n�chste Kandidat ist eine Hose. Marc sieht sie und richtet sich spontan zu voller Gr��e auf.</p><p>�Also echt jetzt! Das ist meine absolute Lieblingshose! Und die sieht doch noch super aus!�</p><p>�Marc, wenn es deine <emphasis>absolute Lieblingshose</emphasis> ist, wieso habe ich sie dann noch nie an dir gesehen? Wir kennen uns jetzt ein Jahr, ich w�rde sagen, du hattest sie noch nie an. Und offen gestanden glaube ich, sie passt dir auch gar nicht mehr.�</p><p>�Entschuldige mal! Nat�rlich passt die mir noch!�</p><p>�Ja? Das will ich sehen.�</p><p>Carolin h�lt ihm die Hose unter die Nase. Marc seufzt und zieht seine aktuelle Hose aus. Er schl�pft in die andere, zieht sie hoch und l�chelt triumphierend.</p><p>�Da siehst du�s. Passt!�</p><p>Carolin verzieht keine Miene.</p><p>�Zumachen.�</p><p>�Bitte?�</p><p>�Du musst sie zumachen. Sonst z�hlt es nicht.�</p><p>Marc sch�ttelt unwillig den Kopf und macht sich daran, die vielen Kn�pfe zu schlie�en. Gar nicht so einfach. Jedenfalls schnappt er auf einmal nach Luft und zieht den Bauch ein, dann erst ist die Hose endg�ltig zu. Ich bin wahrlich kein Experte f�r Hosen, aber es sieht relativ unbequem aus, so, als sei Marc in seiner eigenen Hose eingeklemmt. Jetzt l�chelt Carolin.</p><p>�Also, wenn du damit leben kannst, den ganzen Tag keine Luft zu holen, dann sitzt die Hose in der Tat noch wie angegossen. �</p><p>Marc rollt mit den Augen, zieht die Hose wieder aus und schleudert sie zur Seite. Dabei wirft er sie mir direkt auf die Nase, ich jaule �berrascht auf und springe zur�ck.</p><p>�Ups, tschuldige, Herkules. Ich habe dich gar nicht gesehen. Aber du kommst gerade recht. Du kannst hier etwas lernen, was auch f�r dich als Haustier interessant sein d�rfte: die Domestizierung des Mannes. Will sagen: vom Mann zum Milchbr�tchen.�</p><p>H�? Milchbr�tchen? Wovon spricht Marc? Und was hat das mit Haustieren zu tun. Carolin holt Luft.</p><p>�Also echt, Marc. Was soll denn das? Wir waren uns einig, dass Nina meinen Kleiderschrank behalten sollte, weil in deinem angeblich genug Platz f�r uns beide sei und mein Schrank auch gar nicht in dieses Zimmer passt. Und wenn du schon dieses olle Teil, das dir noch dazu viel zu eng ist, behalten willst, dann sehe ich f�r den Rest wirklich schwarz.�</p><p>�Ist ja gut, ist ja gut. Reg dich nicht auf. Es ist eben nur so, dass ich mit dieser Hose viele Erinnerungen verbinde. Ich habe sie mir gleich im ersten Semester in M�nchen gekauft, und sie war damals schweineteuer und supersexy. Auf Partys kam ich damit sensationell an.�</p><p>�Tja, das war dann doch wohl eindeutig noch zu D-Mark-Zeiten. Ich finde, du solltest kleidungstechnisch langsam mal in der Eurozone ankommen. Aber ich habe auch gar keine Lust, mich hier mit dir �ber deine alten Hosen zu streiten. Ich schlage vor, ich gehe eine Runde mit Herkules einkaufen, und du sortierst deinen Schrank selbst neu. Und wenn es dann eben doch keinen Platz f�r meine Sachen gibt, dann fahre ich nachher zu Ikea und kaufe einen neuen Schrank f�r mich. Ich habe jedenfalls keine Lust, noch die ganze Woche aus dem Koffer zu leben.�</p><p>Spricht�s, dreht sich um und geht aus dem Zimmer. Hoppla, das klang sch�rfer, als Carolin sonst mit Marc spricht. Offensichtlich scheint diese Kleiderschranknummer irgendwie wichtig zu sein. Ich folge Carolin, die sich ihre Jacke schnappt und Richtung Treppenhaus steuert. Marc guckt noch einmal aus dem Schlafzimmer.</p><p>�He, bist du jetzt sauer?�</p><p>Carolin bleibt stehen.</p><p>�Nein. Na ja. Vielleicht ein bisschen.�</p><p>Marc kommt uns hinterher, nimmt sie kurz in den Arm und k�sst sie.</p><p>�Ich gelobe hiermit feierlich: Wenn ihr vom Einkaufen zur�ckkommt, hast du mindestens die H�lfte des Kleiderschranks f�r dich. Und wenn ich daf�r alle Hosen, die ich vor 1975 gekauft habe, rituell verbrennen muss. Ehrenwort.�</p><p>Carolin kichert und erwidert seinen Kuss.</p><p>�Ich bin gespannt.�</p><empty-line/><empty-line/><p>Nach dem Einkaufen treffen wir einen alten Bekannten: Willi. Er steht direkt am Eingang vom Supermarkt und baut gerade einen Stapel mit Zeitungen neben sich auf. Willi ist ein �lterer Herr, der auf einer Bank in unserem Park wohnt und mich einmal aus einem Kaninchenbau gerettet hat. In letzter Zeit habe ich ihn allerdings kaum noch gesehen, umso mehr freue ich mich, ihn hier zu treffen.</p><p>�Gr��e Sie, Willi!� Auch Carolin scheint sich zu freuen.</p><p>�Hallo, Frau Neumann!�</p><p>�Wie geht es Ihnen denn?�</p><p>�Pr�chtig! Ich habe endlich wieder eine Wohnung � und auch einen Job! Sehen Sie mal�, er h�lt Caro eine Zeitung unter die Nase, �ich bin jetzt Zeitungsverk�ufer. Ist ein Projekt extra f�r Obdachlose, von jedem verkauften Exemplar bekomme ich auch Geld.�</p><p>�Klasse, da kaufe ich Ihnen gleich mal eine ab.�</p><p>�Danke.� Dann beugt er sich zu mir hinunter. �Und du, Kleiner? Hast du mich schon vermisst?�</p><p>Ich wedele mit dem Schwanz. Na klar!</p><p>�Wei�t du, dem Willi geht�s jetzt wieder richtig gut. Deswegen bin ich so selten in eurer Ecke. Aber ich komm dich mal besuchen.�</p><p>Ich schlecke ihm die H�nde ab, er lacht, und Caro verabschiedet sich. Sie will unserer alten Wohnung noch einen Besuch abstatten. Oder besser gesagt: Nina, die in Carolins Wohnung gezogen ist. Nina ist ihre beste Freundin und ganz anders als Carolin: Gro� und dunkelhaarig � und w�hrend Carolin f�r mich die Sanftmut in Person darstellt, ist Nina meist sehr bestimmt und energisch.</p><p>Sie �ffnet die T�r, sieht uns und strahlt.</p><p>�Mensch, das ist ja eine nette �berraschung! Komm rein, ich bin mal gespannt, wie es dir gef�llt.�</p><p>Sie winkt uns ins Wohnzimmer, das nun mit Ninas Sofa und einem einzigen B�cherregal sehr mager best�ckt und so kaum wiederzuerkennen ist. Nina und Carolin setzen sich, und ich lege mich auf mein ehemaliges Lieblingsfleckchen vors Sofa. Schon komisch, der Raum ist nat�rlich derselbe geblieben, aber er riecht schon ganz anders. Eben deutlich nach Nina, auch wenn ich noch eine leichte Note Carolin erschnuppere.</p><p>�Willst du vielleicht etwas trinken?�</p><p>Carolin sch�ttelt den Kopf.</p><p>�Nee, danke. Ich war einfach nur neugierig, wie meine Wohnung aussieht, wenn sie deine ist.�</p><p>�Tja, so richtig viel kann man noch nicht erkennen. Ich hatte zwar l�ngst nicht so viele Kartons wie du, trotzdem habe ich sie noch nicht alle ausgepackt. Wahrscheinlich brauche ich auch noch jede Menge neuer M�bel, meine alte Wohnung war deutlich kleiner als deine. Gut, dass ich deinen Kleiderschrank behalten konnte.�</p><p>Carolin lacht.</p><p>�Du wirst es nicht glauben. �ber das Thema Kleiderschrank hatten wir eben unsere erste kleine Kabbelei.�</p><p>�Wirklich? Ich hoffe doch, nicht meinetwegen?�</p><p>�Nein, nein. Marc ist nur der Ansicht, dass er s�mtliche Klamotten horten muss, die er seit seinem Eintritt in den Stimmbruch angeschafft hat. Also, da sind Sachen dabei � unglaublich. Aber wir haben im Schlafzimmer keinen Platz f�r einen weiteren Schrank, und deswegen muss er jetzt mal ausmisten, sonst passen meine Sachen da definitiv nicht rein.�</p><p>�Aha. Also zeigt Marc eindeutiges Revierverhalten.�</p><p>�Ist das die Diagnose der Psychologin?�</p><p>�Gewisserma�en.�</p><p>Revierverhalten. Das klingt f�r mich endlich mal nachvollziehbar, und jetzt verstehe ich auch, warum die Stimmung im Schlafzimmer eben so angespannt war. Sein Revier muss man nat�rlich verteidigen, das leuchtet jedem Hund sofort ein. Nicht umsonst habe ich vor noch nicht allzu langer Zeit als Welpe eifrig das Beinchenheben ge�bt. Das ist n�mlich gar nicht so einfach, wie es aussieht. Aber sehr, sehr wichtig. Eine eindrucksvolle Duftmarke zu setzen ist eben die effektivste Methode, das eigene Revier zu kennzeichnen. So weit, so gut. Eine Sache gibt mir dennoch zu denken: Warum verteidigt Marc das gemeinsame Schlafzimmer gegen Carolin? Also gewisserma�en gegen sein eigenes Weibchen? Das macht aus Hundesicht nun �berhaupt keinen Sinn. Es gilt zwar, das Revier von l�stiger Konkurrenz freizuhalten, die Mitglieder des eigenen Rudels sind aber willkommen. Insbesondere die Weibchen. Im Grunde genommen veranstaltet der R�de den ganzen Zirkus doch nur f�r die H�ndin. Ob bei Menschen auch Paare miteinander konkurrieren k�nnen? Und falls ja, um was? Es ist und bleibt r�tselhaft mit diesen Zweibeinern.</p><p>W�hrend ich noch dar�ber sinniere, ob Marc Carolin demn�chst auch den Zugang zum K�hlschrank erschweren k�nnte � denn schlie�lich geht es da ums Futter! �, gibt Nina ein paar praktische Tipps, um das Kleiderschrank-Problem aus der Welt zu r�umen.</p><p>�Vielleicht schmei�t du seine Sachen einfach heimlich weg oder spendest sie der Kleiderkammer, wenn er in der Praxis ist?�</p><p>F�r meinen Geschmack ein etwas simpler Plan. Dass Marc das nicht merkt, halte ich f�r geradezu ausgeschlossen. Auch Carolin scheint nicht �berzeugt.</p><p>�Also, das klingt doch etwas rabiat. Ich setze lieber erst einmal auf Freiwilligkeit. Marc hat versprochen, radikal aufzur�umen, bis ich wieder zu Hause bin.�</p><p>�Dann lass dir lieber ein bisschen Zeit. Musst du heute nochmal in die Werkstatt?�</p><p>�Wo ich gerade hier bin, schau ich mal kurz nach der Post. Ansonsten hatte ich mir die Tage f�r den Umzug eigentlich freigehalten.�</p><p>Wenn Carolin in die Werkstatt m�chte, kann ich bestimmt noch ein Weilchen im Garten verbringen. Nicht, dass sich da nun fremde Hunde aus dem Park breitmachen, Stichwort Revierverteidigung. Direkt an den Garten hinterm Haus grenzt n�mlich ein Park, und manchmal verirrt sich der ein oder andere Artgenosse auf die falsche Seite des Tors, das unseren Garten vom Park trennt. Da kann ich gleich mal nach dem Rechten sehen und Besuchern n�tigenfalls freundlich, aber bestimmt, klarmachen, wer hier Herr im Haus beziehungsweise Hund im Garten ist. Au�erdem schwirrt Herr Beck bei dem sch�nen Wetter bestimmt auch irgendwo durch die Gegend, und mich w�rde interessieren, wie er die letzten beiden Tage so verbracht hat. Mit Sicherheit ist ihm ohne mich entsetzlich langweilig.</p><empty-line/><empty-line/><p>Von der Werkstatt aus f�hrt eine Terrassent�r direkt in den Garten, es sind nur drei Stufen nach oben, schon sitzt man im Gras. Das ist nat�rlich enorm praktisch, denn manchmal arbeitet Carolin stundenlang an einer Geige und hat keine Zeit, mit mir spazieren zu gehen. Meist ist mir das ganz recht, denn ohne Frauchen durch den Park zu stromern ist eindeutig spannender, als an der Leine hinter ihr herzulaufen. Ich erschn�ffele Kaninchen, jage Eichh�rnchen oder Amseln � kurz: Ich bin ganz ich. Eigentlich ist das total verboten, und wenn Carolin mich dabei erwischt, schimpft sie. Aber als Dackel bin ich nun einmal ein Jagdhund � geboren f�r das gro�e Abenteuer, nicht f�r das Leben auf der Etage.</p><p>Im Garten riecht es wie immer im Sommer: nach Gras, den gro�en Blumen im Beet und eben nach mir. Der Duft von Herrn Beck schwebt �ber dem Rasen, allerdings nur so schwach, dass er wohl schon l�nger nicht mehr hier war. Komisch, normalerweise ist Herr Beck im Sommer fast immer hier unterwegs. Ich muss spontan daran denken, wie wir uns kennengelernt haben. Dieses denkw�rdige Ereignis fand n�mlich genau vor dem gro�en Baum direkt am Haus statt. Kaum zu glauben, dass der Kater und ich uns bei unserem ersten Treffen fast gepr�gelt h�tten. Er hatte mich beim Pinkeln beobachtet und sich �ber mein noch relativ wackeliges Beinchenheben lustig gemacht. Was nat�rlich eine Frechheit war. Dass ich ihm dann <emphasis>versehentlich</emphasis> in den Schwanz biss, war nat�rlich auch nicht so nett. Schon erstaunlich, dass wir trotzdem noch die besten Freunde geworden sind. Aber wo steckt der fette Kater jetzt?</p><p>Ich suche hinter dem gro�en Blumenbeet, auf der Wiese vor dem Zaun zum Park, beim Komposthaufen, laufe in den Vorgarten � selbst die Nische mit den M�lltonnen lasse ich nicht aus. Aber nirgends eine Spur von Herrn Beck, ich kann �berhaupt keine Witterung aufnehmen. Betr�bt schleiche ich zur�ck und trolle mich mit h�ngenden �hrchen in die Werkstatt. Schade, ich h�tte Beck so gerne von meinem neuen Zuhause berichtet.</p><p>�Nanu, Herkules, was ist los? Keine Lust mehr auf Garten ?�</p><p>Carolin hebt mich hoch und setzt mich auf den Tisch, vor dem sie gerade steht.</p><p>�Oder bekommst du Heimweh nach deinem alten Zuhause? Du guckst irgendwie so traurig. Aber mach dir nichts draus, ich fand es eben auch ein bisschen seltsam, in <emphasis>meiner</emphasis> Wohnung auf <emphasis>Ninas</emphasis> Couch zu sitzen. Ich denke, wir werden uns schon dran gew�hnen, oder?�</p><p>Ich lege mich hin und lasse den Kopf auf meine Vorderl�ufe sinken. Tja, werden wir uns daran gew�hnen? Vermutlich schon, auch wenn es sich gerade anders anf�hlt. Schlie�lich haben wir uns wirklich nicht verschlechtert. Marcs Wohnung ist viel gr��er als die von Carolin, es gibt ebenfalls einen tollen Garten und, auch nicht ganz unwichtig: Da im Erdgeschoss gleichzeitig Marcs Tierarztpraxis ist, f�hle ich mich seinen Patienten gegen�ber wie der Chefdackel. Es ist ja nun auch mein Haus, und all die anderen Hunde, Katzen, Meerschweinchen und was sonst noch so zu Marc gekarrt wird, sind eindeutig nur von mir geduldete G�ste. Ein sehr erhabenes Gef�hl.</p><p>Auch die ganze Hin- und Her-Schlepperei unseres halben Hausstands entf�llt zuk�nftig. In den letzten Wochen und Monaten haben Carolin und ich zwar schon fast jede Nacht bei Marc und Luisa geschlafen, aber meist hatten wir irgendwas in unserer eigentlichen Wohnung vergessen: Mal Carolins Haarspange, ein bestimmtes Buch oder � noch viel schlimmer � meinen neuen Kauknochen. Das kann nun nicht mehr passieren. Und es wohnt auch kein Fremder in unserer alten Wohnung, sondern Nina. Wir k�nnen also jederzeit zu Besuch kommen.</p><p>�Wei�t du, ich bin hier gleich fertig, und dann machen wir etwas Sch�nes zusammen. Wir k�nnten zum Beispiel eine Runde durch den Park drehen. Wie findest du das?�</p><p>Nat�rlich gro�artig! Meine schlechte Laune ist sofort wie weggeblasen, ich springe auf und wedele mit dem Schwanz.</p><p>�Siehst du, wusste ich es doch. Also, abgemacht: Wir gehen spazieren, sobald ich alles auf meinem Tisch wegsortiert habe. Die Eink�ufe lassen wir einfach hier, die k�nnen wir auch noch sp�ter nach Hause bringen.�</p><p>Sie kichert.</p><p>�Dann hat Marc auch wenigstens genug Zeit f�r das Projekt Kleiderschrank.�</p><empty-line/><empty-line/><p>Als wir am fr�hen Abend wieder nach Hause kommen, duftet es schon im Flur verf�hrerisch nach Essen. Hm! Verhei�ungsvoll! Hoffentlich hat der Koch auch an mich gedacht. Es klappert hinter der K�chent�r, und einen kurzen Moment sp�ter erscheint Luisa mit einem Stapel Teller in den H�nden.</p><p>�Hallo ihr beiden! Papa hat euch schon vermisst. Wir haben n�mlich f�r euch gekocht.�</p><p>Carolin l�chelt und stellt die Einkaufst�ten ab.</p><p>�Wie nett! Es riecht auch schon sehr lecker. Was gibt es denn?�</p><p>�Rahmgeschnetzeltes mit Reis. Ein Rezept von Oma. Das schmeckt immer.�</p><p>Das glaube ich nur zu gerne. Ob ich etwas davon abbekomme? Marc ist da leider immer ein wenig streng und behauptet, menschliches Essen sei f�r Dackel g�nzlich ungeeignet.</p><p>�Wir haben sogar eine kleine Portion f�r Herkules zubereitet. Ohne Gew�rze oder so. Zur Feier des Tages wollte Papa ihm auch etwas g�nnen.�</p><p>Juchhu! Eine echte Spitzenidee vom Herrn Doktor! Der biegt in diesem Moment selbst um die Ecke.</p><p>�Hallo, S��e! Ihr wart ja ganz sch�n lange weg. Hattest du Angst, ich h�tte sonst nicht genug Zeit zum Entr�mpeln?� Er grinst.</p><p>�Nee, aber ich war noch in der Werkstatt und habe bei Nina vorbeigeschaut.�</p><p>�Aha. Schon Sehnsucht nach der alten Wohnung?�</p><p>�Tja, ein bisschen komisch war es schon. Ich hatte auch den Eindruck, dass Herkules etwas wehm�tig war. Falls Tiere so etwas sein k�nnen.�</p><p>Marc nickt.</p><p>�Klar k�nnen sie das. Gerade Hunde binden sich meist sehr an den Ort, an dem sie leben. Es gibt immer wieder Berichte von Tieren, die erstaunliche Distanzen �berwinden, um in ihre alte Heimat zur�ckzukehren. Aber nachdem Hunger ja bekanntlich schlimmer ist als Heimweh, haben Luisa und ich jetzt das perfekte Mittel gegen beides parat. Ich bin gespannt, wie es euch schmeckt.�</p><p>Im Esszimmer f�llt Marc die Teller auf, Luisa stellt mir ein Sch�lchen mit besagtem Geschnetzelten neben den Tisch. Ich probiere und bin begeistert! Das Fleisch ist ganz zart und saftig, der Bratensaft ist l�ngst nicht so salzig wie das, was Carolin immer in der Pfanne zaubert. Wenn Marc von nun an jeden Abend f�r mich kocht, ist die Sehnsucht nach unserer alten Heimat bestimmt schnell Geschichte. Oder ich lade Herrn Beck mal zum Essen ein? Vielleicht zieht er dann auch noch bei uns ein.</p><p>Auch Carolin scheint es zu schmecken.</p><p>�Hm, k�stlich. Deine Mutter scheint ja eine gute K�chin zu sein.�</p><p>�Meine Mutter? Wie kommst du denn da drauf?�</p><p>�Luisa sagte, es sei ein Rezept deiner Mutter.�</p><p>Luisa lacht.</p><p>�Nee, nicht von Oma Hilde. Das ist ein Rezept von Oma Burgel.�</p><p>�Oma Burgel?�</p><p>Carolin schaut Marc fragend an.</p><p>��h, das ist ein Rezept von Burgel, Sabines Mutter. Also quasi meine Ex-Schwiegermutter. Und die kann in der Tat ausgezeichnet kochen. Sie hat mir das Rahmgeschnetzelte mal gezeigt, weil ich es so gerne bei ihr gegessen habe.�</p><p>�So, hast du das.�</p><p>Carolin wirft Marc einen Blick zu, den ich von hier unten nicht richtig deuten kann. Irgendetwas in Carolins Stimme aber sagt mir, dass er nicht allzu freundlich ausgefallen ist. Komisch, was spricht denn auf einmal gegen die Weitergabe von Kochrezepten? Scheint mir doch eine sehr sinnvolle Aktion zu sein.</p><p>Den Rest des Essens schweigen Marc und Carolin gr��tenteils, stattdessen erz�hlt Luisa von der Schule und von etwas namens Pyjamaparty, das sie dringend veranstalten m�chte. Was das wohl sein mag?</p><p>�Ach bitte, Papa! Das ist sooo cool! Und wenn ich nicht bald mal selbst etwas mache, dann laden mich die anderen M�dels nicht mehr ein. Bei Lenas Geburtstag war ich auch nicht dabei, das war voll doof! Die waren n�mlich beim Ponyreiten, und ich h�tte so gerne mitgemacht.�</p><p>Marc seufzt.</p><p>�Na gut. Wenn es unbedingt sein muss. Aber gib uns wenigstens noch zwei Wochen Zeit, um den Umzug zu bew�ltigen. Dann kann deine Party von mir aus steigen, oder, Carolin?�</p><p>Die nickt.</p><p>�Super, Papa! Vielen Dank! Dann werde ich gleich mal Einladungskarten basteln!�</p><p>�Gut, aber hilf uns zuerst, den Tisch abzur�umen.�</p><p>�Lass sie ruhig schon basteln, Marc. Schlie�lich habt ihr zusammen gekocht. Jetzt kann ich mich mal ums Aufr�umen k�mmern.�</p><p>Luisa ruft kurz: �Danke!�, und springt geradezu aus dem Zimmer. Carolin f�ngt an, die Teller zusammenzur�umen. Marc steht auf und stellt sich neben sie.</p><p>�Lass mal, die K�che k�nnen wir nachher auch noch saubermachen. Erst will ich dir etwas anderes zeigen. K�nnte auch deine Laune verbessern.�</p><p>�Meine Laune ist gar nicht schlecht!�</p><p>Marc l�chelt.</p><p>�Nat�rlich nicht.�</p><p>Dann geht er aus dem Zimmer, Carolin folgt ihm. Ich auch, denn ich bin schlie�lich neugierig, was Marc vorhat. Er geht Richtung Schlafzimmer.</p><p>Dort angekommen, schaltet er mit einem lauten �Tataa!� das Licht an.</p><p>Ich sehe den Kleiderschrank. Seine T�ren sind ge�ffnet � und anders als heute Morgen ist die linke Seite tats�chlich komplett leer. Jedenfalls fast. Das Einzige, was sich noch darin befindet, ist eine ziemliche Menge Blumen. Dem Duft nach eindeutig Rosen. Pflanzen im Kleiderschrank? Was hat das nun wieder zu bedeuten? So passen da Carolins Sachen doch erst recht nicht rein. Also eine besonders perfide Art der Revierverteidigung?</p><p>Carolin scheint das aber nicht zu st�ren, denn sie f�llt Marc um den Hals und k�sst ihn.</p><p>�Danke, Marc!�</p><p>Er streicht ihr �bers Haar und guckt sie ganz ernst an.</p><p>�Ich liebe dich. Sch�n, dass du da bist.�</p><p>He! Und was wird jetzt mit dem Blumenbeet? �ber die naheliegenden Dinge denken Menschen einfach nicht nach. Typisch.</p></section><section><title><p>DREI</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>I</strong>mmer noch keine Spur von Herrn Beck. Eine Stunde habe ich nach ihm gesucht und nichts entdeckt. Keine frische F�hrte, keine Duftnote, nichts, rein gar nichts. Er ist wie vom Erdboden verschluckt. Langsam fange ich an, mir Sorgen zu machen.</p><p>Dabei hat der Tag eigentlich gut begonnen: Nach einem sehr friedlichen gemeinsamen Familienfr�hst�ck ist Marc in seine Praxis gegangen, Luisa Richtung Schule gestartet, und Carolin und ich haben uns auf den Weg in die Werkstatt gemacht. Sie auf dem Fahrrad, ich immer nebenher. Bei strahlendem Sonnenschein durch den Park � besser geht�s nicht.</p><p>Aber jetzt sitze ich hier vor Carolins Werkbank und zermartere mir das Hirn dar�ber, wo ich noch nach Herrn Beck suchen k�nnte. Selbst vor seiner Wohnungst�r im zweiten Stock bin ich schon auf und ab geschlichen, immer in der Hoffnung, etwas zu erschn�ffeln oder zu ersp�hen. Ob es vielleicht wirklich so etwas wie Tierf�nger gibt? B�se Menschen, die harmlose Haustiere einfangen und wegsperren? Mein geliebter Opili, der schlauste und �lteste Dackel auf Schloss Eschersbach, hatte einmal so etwas erz�hlt. Meine Schwester Charlotte und ich waren ausgeb�chst, lange hatten Mama, Opili und Emilia, die K�chin, nach uns gesucht. Wir hockten derweil hinter den gro�en B�schen neben der Auffahrt zum Schloss, f�hlten uns wild und gef�hrlich und genossen das Abenteuer. Als wir wieder nach Hause kamen, gab es ein ziemliches Donnerwetter. Und Opilis unheimliche Geschichte von den b�sen Tierf�ngern, die nur auf kleine dumme Hunde warten, die sie einfangen und verkaufen k�nnen. Und die dann nie wieder gesehen werden. Charlotte und ich taten so, als w�rden wir Opili das Schauerm�rchen nicht abkaufen. Aber insgeheim gruselten wir uns sehr, und hin und wieder muss ich immer noch an die Geschichte denken.</p><p>Zum Bespiel jetzt. Ob also die Tierf�nger auch Katzen fangen? Oder sind das reine Hundef�nger? Oder gibt es die in Wirklichkeit gar nicht, und Herr Beck macht nur ein paar Tage Urlaub mit seinem Frauchen? Von dem fehlt n�mlich auch jede Spur. L�sst sich Herr Beck also wom�glich den frischen Wind um die Nase wehen und die M�use schmecken? Wie finde ich das blo� heraus? Wahrscheinlich kann ich Carolin noch so sehnsuchtsvoll angucken, ich glaube nicht, dass sie mir diese Frage von den Augen ablesen kann.</p><p>Es klingelt. Ich flitze zur T�r. Obwohl es eigentlich blanker Unsinn ist zu vermuten, bei dem Besuch k�nnte es sich um Herrn Beck handeln. Er ist zwar wie alle Katzen ein echtes Bewegungswunder, aber an den Klingelknopf wird er trotzdem kaum rankommen. Vielleicht gibt uns der n�chste Besucher aber doch einen Hinweis auf Becks Verbleib?</p><p>Fehlanzeige. Vor der T�r steht Nina.</p><p>�Ich habe gerade etwas gekocht. Hast du vielleicht Lust hochzukommen? Allein essen ist doof.�</p><p>Carolin l�chelt und nickt.</p><p>�Mensch, ich wusste gar nicht, dass du so eine h�usliche Seite hast. Und m�sstest du eigentlich nicht an der Uni sein?�</p><p>Nina sch�ttelt den Kopf.</p><p>�Nein, es sind Semesterferien. Da habe ich deutlich weniger zu tun. Meine Privatpatienten kommen sowieso zu mir nach Hause, und die Sprechstunden in der Klinik laufen zwar weiter, aber daf�r fallen die Seminare weg. Ich muss also erst sp�ter los.�</p><p>�Klingt entspannt. Was gibt�s denn?�</p><p>�Einen Maultaschenauflauf. Mindestens 5000 Kalorien pro Person, aber sehr lecker.�</p><p>�Okay, in zehn Minuten bin ich oben.�</p><p>Was hei�t hier <emphasis>ich</emphasis>? Mich gibt�s schlie�lich auch noch, und ich habe ebenfalls Hunger! Ich presse mich gegen Carolins Bein und belle. Nina schaut zu mir herunter.</p><p>�Oh, Herkules, f�r dich gibt es nat�rlich auch etwas. Ihr habt noch eine Packung Hundekuchen bei mir stehen lassen. �</p><p>Na also. Geht doch.</p><empty-line/><empty-line/><p>Hundekuchen ist eindeutig keine Alternative zum Geschnetzelten von Oma Burgel, so viel steht schon mal fest. W�hrend sich Nina und Carolin ihre 5000 Kalorien � was auch immer das sein mag � in die B�uche hauen, kaue ich missmutig auf einem trockenen Rindfleischkringel herum. Wann hat Carolin das Zeug blo� gekauft? Das muss ja direkt zu Beginn ihrer Hundehalterkarriere gewesen sein. Genau so schmeckt es auch: Als ob es schon ein Jahr irgendwo rumsteht. Bah!</p><p>Nina und Carolin unterhalten sich angeregt. Carolin erz�hlt von unserem Fr�hst�ck, wie <emphasis>s����</emphasis> Marc den Tisch gedeckt hat, was f�r ein tolles Begr��ungsplakat Luisa gemalt hat und nat�rlich von den Rosen im Kleiderschrank. Offenbar sind gerade Letztere der Beweis f�r Marcs Liebe zu Carolin. Warum, leuchtet mir immer noch nicht ein, denn Carolin begr�ndet das vor allem mit der Tatsache, dass die Rosen rot waren. <emphasis>Rote Rosen, ist das nicht toll?</emphasis> Nun ist das Auseinanderhalten von Farben sowieso nicht meine St�rke, und warum gerade in Rot der Liebesbeweis liegen soll, ist mir nicht klar. Zu meiner Ehrenrettung muss ich sagen, dass auch Nina eher skeptisch guckt. Dann seufzt sie.</p><p>�Also ist das nun das Happy End, oder wie?�</p><p>Carolin nickt heftig.</p><p>�Auf alle F�lle!�</p><p>�Ich will ja nicht zu negativ klingen � aber nach meiner Erfahrung gibt�s so etwas gar nicht. Also, au�er bei den Gebr�dern Grimm.�</p><p>Moment � das kommt mir aber sehr bekannt vor! Es ist doch fast das gleiche Gespr�ch, was Beck und ich beim Umzug gef�hrt haben. Ich habe es schon manches Mal gedacht � mit ihrer negativen Art sind Herr Beck und Nina tats�chlich so etwas wie Seelenverwandte. Schlimm, so was. Nur gut, dass Carolin so ein sonniges Gem�t hat und sich davon nicht beeindrucken l�sst.</p><p>�Dann nenn mich von mir aus Schneewittchen, und Herkules den siebten Zwerg. Auf alle F�lle ist Marc mein Prinz.�</p><p>�O nein, meine Liebe. Du bist die b�se Stiefmutter, und Luisa f�hlt sich bestimmt bald wie Aschenputtel. Du wirst es schon noch merken. Patchwork ist mit Sicherheit schwieriger, als du jetzt glaubst. Es gibt ja Untersuchungen, dass gerade die Rolle der neuen Frau an der Seite eines Vaters sehr problematisch ��</p><p>Mit einer schnellen Handbewegung unterbricht Carolin Nina.</p><p>�Mann, jetzt h�r endlich auf mit der Schwarzseherei. Manchmal glaube ich echt, du bist noch eifers�chtig, weil du Marc am Anfang auch ganz niedlich fandest.�</p><p>Nina schnappt nach Luft.</p><p>�Bitte?! Das ist jetzt nicht dein Ernst! Also wenn du das wirklich denkst, dann ��</p><p>Bevor Nina noch ausf�hren kann, was genau dann passiert, klingelt es. Ich bin ganz froh �ber diese Unterbrechung, denn ich bin mir ziemlich sicher, dass die beiden Damen hier gerade auf einen handfesten Streit zugesteuert sind.</p><p>Nina steht vom Tisch auf und geht zur T�r, ich lasse meinen trockenen Hundekuchen zur�ck und trabe hinterher. Vor der T�r steht ein junger Mann.</p><p>�Guten Tag, Frau Bogner?�</p><p>�Ja, die bin ich. Was gibt�s?�</p><p>�Martin Wiese mein Name. Ich bin der Neffe von Frau Wiese, Sie wissen schon, die �ltere Dame, die direkt �ber Ihnen wohnt.�</p><p>Genau, Frau Wiese, Herrn Becks Frauchen. Klar kenne ich die. Herr Beck wohnt schon ziemlich lange mit ihr zusammen und hat sich eigentlich noch nie �ber sie beschwert. Und das, obwohl er ja ein durchaus kritischer Zeitgenosse ist. Nina allerdings hat Frau Wiese nat�rlich noch nie zu Gesicht bekommen.</p><p>�Tut mir leid, ich kenne Ihre Tante nicht, ich bin erst letzte Woche hier eingezogen.�</p><p>Jetzt kommt auch Carolin dazu.</p><p>�Aber ich kenne Ihre Tante. Hallo, ich bin Carolin Neumann, ich habe vorher in dieser Wohnung gewohnt. Was ist denn mit Ihrer Tante?�</p><p>Martin Wiese seufzt.</p><p>�Tja, meine Tante hatte am Wochenende einen Schlaganfall. �</p><p>Was auch immer das ist � mich beschleicht das Gef�hl, dass meine dunkle Vorahnung sich bewahrheiten k�nnte: Herr Beck steckt in Schwierigkeiten.</p><p>Carolin holt Luft. �Wie furchtbar! Das tut mir leid!�</p><p>�Gott sei Dank war sie nicht allein, als das passiert ist, meine Frau war gerade mit den Kindern zu Besuch. Meine Tante ist auch gleich ins Krankenhaus gekommen, es geht ihr inzwischen etwas besser. Allerdings wird sie auf absehbare Zeit nicht in die Wohnung zur�ckkommen. Deswegen wollte ich fragen, ob vielleicht einer der Nachbarn ab und zu nach der Post und den Pflanzen schauen k�nnte.�</p><p>Nach der Post und den Pflanzen? Aber was ist denn mit Herrn Beck passiert? Der ist doch wohl viel wichtiger als ein bisschen Papier und das Gr�nzeug. Ich beginne, unruhig hin und her zu laufen. Leider ignorieren mich die Zweibeiner komplett.</p><p>�Na ja, ich habe nach wie vor meine Werkstatt im Haus. Ich k�nnte nat�rlich schon alle drei, vier Tage nach dem Rechten sehen.�</p><p>Das war ja klar, dass sich meine grundgute Carolin hier gleich wieder opfert, w�hrend Nina wahrscheinlich im Leben nicht auf die Idee k�me, helfend einzuspringen. Erstaunlich, wie unterschiedlich die Menschen sind. Eine grunds�tzliche Charakterfestigkeit, wie sie Dackeln oder Terriern zu eigen ist, geht ihnen leider v�llig ab. Es ist offenbar Zufall, ob ein Mensch edel und hilfreich oder mies und gemein ist. Wobei ich damit nat�rlich nicht gesagt haben will, dass Nina mies und gemein ist, nur edel und hilfreich ist sie eben nicht, obwohl sie durchaus �</p><p>�Sagen Sie, Herr Wiese, Ihre Tante hat doch eine Katze, oder?�</p><p>Hoppla, Nina erinnert sich an Herrn Beck. Das h�tte ich nicht gedacht. Es untermauert meine These von der Seelenverwandtschaft allerdings ungemein.</p><p>��h, ja, das stimmt. Sie hat tats�chlich einen Kater. Blecki oder so. Der ist momentan bei uns zu Hause. Ist aber auch keine Dauerl�sung, meine Frau hat eine leichte Tierhaarallergie. �</p><p>�Was halten Sie denn davon, wenn ich mich um Blecki k�mmere, solange, bis es Ihrer Tante wieder besser geht? Dann muss sich das Tier nicht gro� umgew�hnen.�</p><p>�Oh, das ist ja ein nettes Angebot! Wir haben tats�chlich schon �berlegt, was wir mit ihm machen. Meine Tante h�ngt sehr an ihm, das Tierheim w�re also keine Alternative.�</p><p>Ach du Schreck � das Tierheim! Nein, das w�rde ich Beck nicht einmal in seinem missmutigsten Zustand w�nschen. Meine eigenen Erfahrungen dort waren mehr als gruselig. Nur gut, dass Nina auf einmal ihre Tierliebe entdeckt hat. Auch wenn das eine v�llig �berraschende Entwicklung ist. Offenbar muss ich meine Meinung �ber Nina noch einmal �berdenken. Der Punkt mit der fehlenden Charakterfestigkeit war vielleicht ein bisschen voreilig. Aber konnte ich das ahnen? Selbst Carolin scheint erstaunt.</p><p>�Du willst dich wirklich um die Katze k�mmern?�</p><p>�Klar, warum nicht? Du die Post, ich das Viech. Passt doch.�</p><p>Herr Wiese l�chelt.</p><p>�Danke, das ist sehr nett. Da haben wir auf einen Schlag ein paar Sorgen weniger.�</p><p>�Keine Ursache. Eigentlich habe ich schon immer mit einer Katze gelieb�ugelt. Jetzt kann ich das mal ein bisschen �ben.�</p><p>�Sehr gut! Dann bringe ich Ihnen die Katze morgen vorbei. �</p><p>Nina nickt.</p><p>�Ja, machen Sie mal. Falls ich nicht da bin, klingeln Sie doch einfach in der Werkstatt bei Frau Neumann.�</p><p>Nina, die verkappte Tierfreundin. Fragt sich nur, wie ich ihr klarmache, dass Herr Beck nicht Blecki hei�t.</p><empty-line/><empty-line/><p>�Sag mal, meinst du, Luisa hat wirklich nichts dagegen, dass wir zusammengezogen sind?�</p><p>Carolin und Marc sitzen auf dem Sofa, in der Hand jeweils ein Glas von dem f�rchterlichen Zeug, das sich Rotwein nennt. Luisa ist l�ngst ins Bett gegangen, ich bin eigentlich auch schon ziemlich m�de. Aber nat�rlich ist meinem feinen N�schen nicht entgangen, dass sich hier ein menschliches Beziehungsgespr�ch anbahnt. Und weil ein kleiner Hund wie ich dabei in aller Regel viel �ber Zweibeiner lernen kann, verziehe ich mich nicht ins K�rbchen, sondern bleibe h�bsch neben dem Sofa liegen. Beziehungen zwischen Hunden sind ja meist recht simpel gestrickt: Ober sticht Unter, und R�de liebt Weibchen. Wobei mir bei Letzterem noch die praktische Erfahrung fehlt, aber wenn ich den �lteren Hunden im Park bei ihren wilden Geschichten zuh�re, dann muss es wohl so sein. Also einfach und �berschaubar.</p><p>Nicht so nat�rlich beim Menschen. Das fiel mir schon auf, als ich noch nach dem passenden Mann f�r Carolin Ausschau hielt. Ihr Exfreund Thomas war wirklich der letzte Heuler, aber kaum waren wir ihn los, wurde es erst richtig kompliziert. Denn das Beuteschema von Menschenfrauen ist voller R�tsel. Merke: M�nner sollen nett sein, aber keinesfalls zu nett. Als Herr Beck mir das zum ersten Mal erkl�rte, war ich mir sicher, er wolle mich auf den Arm nehmen. Aber am Ende haben wir ja Gott sei Dank Marc dingfest gemacht.</p><p>Umso wichtiger, mal hinzuh�ren, was die beiden nun zu besprechen haben. Nur f�r den Fall, dass die Beck�sche Theorie, wonach es beim Menschen immer kompliziert bleibt, stimmen k�nnte.</p><p>�Aber warum sollte Luisa denn auf einmal etwas dagegen haben, dass du hier eingezogen bist? Im Gegenteil, wir haben doch vorher alles miteinander besprochen, und sie hat sich gefreut.�</p><p>�Na ja, aber es k�nnte ja sein, dass sie immer noch hofft, dass es mit Sabine und dir doch wieder etwas wird, und dann w�rde ich nur st�ren.�</p><p>�Sag mal, wie kommst du denn auf einmal auf so eine absurde Idee? Sabine und ich sind seit drei Jahren getrennt und seit zwei Jahren geschieden.�</p><p>�Na, ich sage ja nicht, dass ich das denke. Ich sage ja nur, dass Luisa das vielleicht hofft.�</p><p>Marc rutscht vom Sofa und kniet sich vor Carolin.</p><p>�Spatzel, was ist heute eigentlich mit dir los? Warum machst du dir auf einmal solche Gedanken?�</p><p>�Ach, ich habe heute mit Nina Mittag gegessen. Und dann haben wir uns fast gestritten, weil sie schon wieder damit anfing, ob ich mir das mit dem Zusammenziehen gut �berlegt habe. Gott sei Dank bekam sie dann Besuch, und wir konnten es nicht weiter ausdiskutieren. Aber zum Abschied hat sie mir einen ganzen Stapel B�cher �ber Patchworkfamilien in die Hand gedr�ckt. Da habe ich ein bisschen drin gebl�ttert. Und jetzt ist mir irgendwie mulmig.�</p><p>Marc sch�ttelt den Kopf.</p><p>�Und die will deine Freundin sein.�</p><p>�Sie hat es bestimmt nicht b�se gemeint. Und sie ist als Psychologin schlie�lich vom Fach.�</p><p>Richtig, Nina ist Psychologin. Es hat eine Weile gedauert, bis ich kapiert habe, was das bedeutet. Denn sie macht nichts, was man sehen kann, also so wie Carolin, die Geigen baut. Und es ist auch nicht wie bei Marc, der sich als Tierarzt um kranke Kollegen von mir k�mmert: Hund krank, Marc ran, Hund gesund. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann besch�ftigt sich Nina mit Menschen, die ein Problem in ihrem Kopf haben. Also nicht Kopfschmerzen oder so. Eher Schmerzen beim Denken. Das ist bei Menschen nat�rlich ein gro�es Problem, weil sie ja �ber so vieles nachdenken. Und wenn das nicht mehr so rund l�uft, dann kommt Nina ins Spiel. So jedenfalls erkl�re ich mir das. Und deswegen ist es auch logisch, dass Carolin auf sie h�rt, wenn sie <emphasis>denkt</emphasis>, dass Luisa irgendwas <emphasis>denkt</emphasis>. Puh � mir wird schon bei diesen wenigen Gedanken ganz schwindelig. Gut, dass ich ein Dackel bin.</p><p>�Darf ich die B�cher mal sehen? Vielleicht kann ich da ja auch noch was lernen. Bestimmt mache ich seit Jahren alles falsch.�</p><p>Marc klingt genervt, Carolin rutscht vom Sofa herunter, setzt sich neben ihn auf den Boden und k�sst ihn.</p><p>�Komm, du unsensibler Veterin�r, sei nicht so grummelig. �</p><p>�Tut mir leid. War nicht so gemeint. Aber die B�cher interessieren mich wirklich.�</p><p>�Moment.�</p><p>Carolin steht auf und holt einen Stapel B�cher aus ihrer Tasche, die noch auf der Fensterbank steht.</p><p>�Hier.�</p><p>Sie reicht Marc ein Buch.</p><p>�Hm. <emphasis>Im Schatten der Ersten. Wie Partnerschaft mit einem geschiedenen Mann gelingen kann.</emphasis> Aha.�</p><p>Er bl�ttert darin.</p><p>�<emphasis>Kapitel 2: Von Gl�cksgriffen und Traumata � der Gebrauchte Mann als Partner</emphasis>. So, ich bin also ein �Gebrauchter Mann�, oder wie. Das klingt ja nicht gerade ermutigend. Bin ich denn eher ein Gl�cksgriff oder ein Trauma?�</p><p>Jetzt kichert Carolin.</p><p>�Das, mein Lieber, muss sich noch erweisen.�</p><p><emphasis>Trauma</emphasis>? <emphasis>Traumata</emphasis>? Wor�ber reden die? Ich verstehe kein Wort. Oder meinen die <emphasis>Traummann</emphasis>? Und warum �rgert sich Marc dann? Klingt doch gut. Vielleicht ist es aber auch die Sache mit dem �gebraucht�, die ihn aufregt. Aber auch das verstehe ich nicht. Ist doch gut, wenn man gebraucht wird. Selbst als Mann. Hm. Hoffentlich kommt Herr Beck bald wieder nach Hause. Ohne einen versierten Menschenkenner wie ihn gerate ich ganz sch�n ins Schwimmen.</p></section><section><title><p>VIER</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>D</strong>u kannst dir einfach nicht vorstellen, wie schrecklich diese kleinen Monster sind. F�rchterlich! Grausam!� Herr Beck sitzt vor mir und schnauft gequ�lt. Seine Augen wirken tr�b, und ich bilde mir sogar ein, dass seine Schnurrbarthaare nach unten h�ngen. Keine Frage � die drei Tage bei Familie Wiese haben ihm schwer zugesetzt. Nicht einmal das tolle Wetter und ein gemeinsamer Plausch im Garten k�nnen ihn aufmuntern.</p><p>�Hm. Luisa ist eigentlich sehr nett zu mir. Ich kann da nichts Negatives berichten.�</p><p>Beck starrt mich an.</p><p>�Ha! Luisa! Das ist ja nur <emphasis>ein</emphasis> Kind. Ein einigerma�en gro�es noch dazu. Aber dieser nichtsnutzige Neffe hat gleich drei St�ck davon � alles noch kleine Hosenschei�er und eines verzogener als das andere!�</p><p>�Hosenschei�er?�</p><p>�Ja, mein Lieber, da staunst du! Menschen sind nicht automatisch stubenrein � nein, und es dauert bei ihnen auch nicht nur ein paar Wochen, bis sie kapiert haben, dass man nicht einfach auf den n�chsten Teppich pinkelt. Stell dir vor � diese Menschen brauchen JAHRE, um das zu lernen, was unsereins eigentlich ratzfatz raushat. Also tragen die kleinen Menschlein sogenannte Windeln in der Hose, in die sie einfach � na, du wei�t schon. Das nur mal, um zu verdeutlichen, wie DUMM Kinder eigentlich sind.�</p><p>Ach, das ist in der Tat interessant.</p><p>�Also, das ist mir bei Luisa noch nie aufgefallen.�</p><p>�Nat�rlich nicht. Ich sagte doch: Die ist ja schon gro� f�r ein Kind. Aber die G�ren von diesem Wiese � einfach schrecklich. Stell dir vor: Sie haben mich angezogen. In Puppenkleidung haben sie mich reingequ�lt. Sogar eine M�tze haben sie mir aufgesetzt, auf meine empfindlichen Ohren! Und dann wurde ich in den Puppenwagen gestopft. Ich konnte mich nicht wehren, die waren ja zu dritt. Durch die Gegend haben sie mich gefahren. Ach was: geschleudert! Mir ist richtig schlecht geworden, ich dachte, mein letztes St�ndlein h�tte geschlagen.�</p><p>Der arme Herr Beck! Was f�r ein Alptraum. Nur gut, dass ihn Nina aus dieser H�lle befreit hat. Dagegen scheint ja selbst das Tierheim ein Hort der Stille und des Friedens zu sein. Ich beschlie�e, ihn ein wenig abzulenken.</p><p>�Ist es nicht toll, dass du jetzt bei Nina wohnst? Quasi in meiner alten Wohnung?�</p><p>Er schaut mich stumpf an.</p><p>�Was soll daran toll sein?�</p><p>�Du bist wieder hier! Bei deinen Freunden!�</p><p>�Ich vermisse mein Frauchen.�</p><p>Das allerdings wundert mich fast. Bisher dachte ich, Herr Beck ist niemand, der sein Herz an einen Menschen h�ngt. Stark und unabh�ngig. Im Grunde genommen eher Wildkatze als Hauskater.</p><p>�Sieh es doch mal so: die ist bestimmt bald wieder gesund, und so lange ist Nina nicht die schlechteste Adresse. Ich finde, ihr passt richtig gut zusammen.�</p><p>Wieder dieser stumpfe Blick.</p><p>�Wieso?�</p><p>�Na ja, weil ihr beide immer so schlecht gelau� �h, weil ihr so �hnliche Ansichten �ber die Welt und eure Mitmenschen und -tiere habt. Das verbindet euch bestimmt, du wirst schon sehen.�</p><p>Herr Beck schnaubt. �Warum sollte ich denn mit der verbunden sein wollen? Du bist doch eigentlich nicht gerade Ninas gr��ter Fan. War die nicht eine Zeitlang auch hinter Carolins Tierarzt her?�</p><p>�Ja, aber das spielt doch jetzt keine Rolle. W�rst du lieber im Tierheim gelandet? Oder h�ttest noch gern ein paar Tage bei den Mini-Monstern verbracht?�</p><p>Beck sch�ttelt den Kopf. �Nat�rlich nicht. Wahrscheinlich bin ich einfach schlecht drauf. Wie gesagt: Ich vermisse Frau Wiese. Sie ist wahrlich nicht die hellste Kerze auf der Torte, aber enorm zuverl�ssig. Bei Menschen ein unsch�tzbarer Wert. Was n�tzt dir das ganze Rumgekuschel, wenn das Essen nicht rechtzeitig auf dem Tisch steht? Respektive im Fressnapf landet?�</p><p>�Immerhin kann Nina gut kochen. Gestern hat sie uns zum Mittagessen eingeladen.�</p><p>�Nun lass mal gut sein. Du brauchst sie mir nicht anzupreisen. Ich bin in der Tat froh, dass sie mich aufgenommen hat. Ich dachte immer, sie sei so eine Zicke, aber offenbar hat sie doch einen guten Kern.�</p><p>�Freut mich, dass du das so siehst. Ich finde Nina wirklich ganz in Ordnung.� <emphasis>Und sie ist nicht zickiger als du</emphasis>, f�ge ich in Gedanken hinzu.</p><p>�Aber wie l�uft�s denn jetzt in der neuen Wohnung? Noch alle gl�cklich? Oder gab�s schon den ersten Zoff?�</p><p>Ich sch�ttele den Kopf.</p><p>�Nein, alles in bester Ordnung. Und damit es noch besser l�uft, hat Nina den beiden sogar ein Buch geschenkt, in dem drinsteht, wie sehr so jemand wie Marc gebraucht wird.�</p><p>�Aha. Eine Abhandlung �ber Tiermedizin?�</p><p>�Nein, nein, mit Tieren hatte das nichts zu tun. Es ging um M�nner. Genauer gesagt, um gebrauchte M�nner.�</p><p>�Du wei�t aber schon, dass es zwischen �brauchen� und �gebraucht� einen Riesenunterschied gibt?�</p><p>War ja klar. Wenn hier jemand f�r eine Wortklauberei gut ist, dann Herr Beck.</p><p>�<emphasis>Brauchen</emphasis>, <emphasis>gebrauchen</emphasis> � das ist doch v�llig egal. Carolin braucht Marc, und selbst Nina ist dieser Meinung. Das ist doch toll. Du willst ja nur nicht zugeben, dass diese ganze Familiennummer eine Supersache ist. Ist f�r dich als Einzelg�nger wahrscheinlich einfach nicht zu verstehen, wie sch�n das Zusammenleben mit anderen ist.�</p><p>Bl�de Katze. Jetzt rutscht Beck mit den Pfoten nach vorne, legt sich auf den Bauch und mustert mich durchdringend.</p><p>�Ich sage es wirklich nicht gern, aber: Du musst noch viel lernen, Kleiner.�</p><p>Was genau ist es eigentlich, was ich an Beck so nett finde? Seine �berheblichkeit bestimmt nicht. Ich drehe mich um und lasse den Bl�dmann einfach unter dem gro�en Baum liegen. Da turne ich lieber noch ein bisschen durch die Werkstatt, als mich hier weiter belehren zu lassen.</p><p>�He, nun sei doch nicht gleich beleidigt! Bleib hier!�</p><p>Ich sch�ttle den Kopf und trotte weiter.</p><p>�Mensch, Carl-Leopold, ich habe mich total gefreut, dich wiederzusehen. Lass mich bitte nicht allein hier sitzen!�</p><p>Alle Achtung � wenn sich Herr Beck dazu aufrafft, mich mit meinem urspr�nglichen Namen anzureden, ist es ihm wirklich ernst. Dann will ich mal nicht so sein. Und eigentlich geht es mir ja genauso wie Beck: Ich habe mich auf das Wiedersehen sehr gefreut. Ich drehe mich um und lege mich genau vor Becks Nase.</p><p>�Dann gilt in Zukunft aber Folgendes: Du begr�ndest deine Einsichten �ber Menschen im Allgemeinen und meine Familie im Besonderen mal n�her, oder aber: Klappe halten. Verstanden? Dein Rumgest�nker nervt mich n�mlich gewaltig. �</p><p>Herr Beck seufzt und nickt. �Na gut. Vielleicht bin ich in letzter Zeit wirklich etwas griesgr�mig. Ich werde zuk�nftig darauf achten, nicht zu verschroben zu werden.�</p><p>�Eine gute Idee. Ich werde dich beizeiten daran erinnern.�</p><p>�Mach das. Aber wenn du unbedingt Klartext willst, dann muss ich dir schon sagen, dass Nina mit ihrem Buch �ber gebrauchte M�nner bestimmt nicht sagen wollte, dass Carolin Marc braucht. Vielmehr wollte sie darauf hinweisen, dass M�nner, die schon mal eine Familie hatten, nicht der beste Griff f�r die eigene Familiengr�ndung sind. Und der gute Marc ist eben so ein gebrauchter Mann. Schlie�lich war er schon mal verheiratet und hat bereits ein Kind. Frauen wollen aber meist lieber einen Mann ohne Anhang und Vergangenheit. �</p><p>Tja, und da sieht man wieder deutlich, wie verr�ckt die Menschen sind. Kein Z�chter k�me doch auf die Idee, dass der ideale Kandidat f�r den Aufbau einer neuen Zucht ein Dackel sein k�nnte, der noch keinen Nachwuchs hat. Da kann man doch gar nicht beurteilen, ob der das �berhaupt hinkriegt mit ansehnlichen Kindern. Marc hingegen hat mit Luisa bewiesen, dass er Vater <emphasis>kann</emphasis>.</p><p>Ich sch�ttele den Kopf und schnaufe in meinen nicht vorhandenen Bart.</p><p>�Gut, wenn du es so sagst, wird es Nina schon so gemeint haben. Aber Unsinn ist es allemal.�</p><p>�Wei� nicht. Ich ��</p><p>Bevor Herr Beck noch n�her ausf�hren kann, wie er denn zu der ganzen Geschichte steht, kommt Carolin die beiden Stufen von der Werkstatt zum Garten hoch.</p><p>�So, mein Lieber, jetzt mal nicht faul in der Sonne rumliegen. Action ist angesagt! Wir sind mit Marc und Luisa an der Alster verabredet, also auf, auf!�</p><p>Lachhaft! Als m�sste man mich besonders motivieren, um mich zum Laufen zu kriegen.</p><empty-line/><empty-line/><p>An der Alster sind wir an einem sch�nen Sommertag nat�rlich nicht allein. Wahre Menschenmassen schieben sich �ber die Sandwege beim See: M�nner, Frauen und Kinder, Babys in Kinderwagen, �ltere Herrschaften sind mit Gehstock unterwegs, kurz: Jeder Mensch, der sich halbwegs fortbewegen kann, hat offensichtlich beschlossen, dies auch zu tun. Das wiederum ist ungew�hnlich, denn eigentlich laufen die Zweibeiner nur ungern. Jedenfalls mit ihren eigenen F��en. Mit Auto oder Fahrrad sieht die Sache schon wieder anders aus. Woran das wohl liegt? Zu weiteren philosophischen Gedanken bleibt mir allerdings keine Zeit, denn ich bin angeleint und muss daher sehen, dass ich im passenden Tempo hinter Carolin herkomme, die gerade recht schnell ist.</p><p>�Komm, Herkules, gib mal ein bisschen Gas! Wir sind schon sp�t dran und wollen doch nicht, dass die anderen auf uns warten m�ssen.�</p><p>Das ist ja mal wieder typisch! Was kann ich denn daf�r, wenn wir nicht rechtzeitig aufbrechen? Bin ich hier etwa f�r die Verabredungen zust�ndig? Nervig, so was. Die menschliche Zeitrechnung ist sowieso ziemlich undurchsichtig, wenn man dann noch von ihr abh�ngt und deswegen total hetzen muss, wird es richtig unangenehm. �berhaupt finde ich, dass es in letzter Zeit ziemlich viel Zeitplan und ziemlich wenig Streicheleinheiten von Carolin gab. Ich setze mich auf meinen Po.</p><p>�Was wird das? Ein Sitzstreik?�</p><p>Carolin klingt vorwurfsvoll. Ich lasse meine �hrchen h�ngen und fiepe ein wenig. Sie kniet sich neben mich.</p><p>�Herkules, S��er, was ist denn los mit dir?�</p><p>Ich lege meinen Kopf auf ihre Knie und drehe ihn leicht. Ohne ein bisschen Z�rtlichkeit werde ich mich nicht von der Stelle r�hren. Basta. Aus den Augenwinkeln sehe ich, dass mich Carolin mustert. Offensichtlich denkt sie nach, jedenfalls kneift sie ihre Augen leicht zusammen � ihr klassisches Denkergesicht. Dann f�hrt sie mir mit einer Hand �ber den Kopf und krault mich hinter den Ohren.</p><p>�War ein bisschen stressig in letzter Zeit, oder? Aber ich verspreche dir, dass es bald wieder ruhiger wird. Du hast auch alles ganz toll mitgemacht, ehrlich! Da bin ich schon ein bisschen stolz auf meinen kleinen Dackel.�</p><p>Gut. Das will ich gelten lassen. Ich nutze die Gelegenheit und schlecke Carolin einmal quer �bers Gesicht. Ich wei�, sie mag das nicht. Ich aber umso mehr! Sie kichert.</p><p>�He, mein Make-up! Das muss ich wohl gleich nochmal �berpr�fen. Wenn du mir jetzt den Gefallen tun w�rdest?�</p><p>Sie macht eine einladende Handbewegung in die Richtung, in der sich wohl unsere Verabredung befindet.</p><p>Gerade will ich aufstehen und Carolin hinterhertrotten, da geschieht ES. Ich sehe SIE und bin � �berw�ltigt! Denn sie ist sch�n. Nein, sie ist wundersch�n. Ich bin fassungslos. Sie geht direkt an mir vorbei, streift mich dabei fast und wirft mir einen kurzen Blick �ber ihre Schulter zu. Sie ist mir so nah, dass ich sofort in einer Woge ihres unglaublich wunderbaren Geruchs gefangen bin. Ich sage <emphasis>gefangen</emphasis>, weil ich in diesem Moment absolut unf�hig bin, mich zu regen. Ich bin gel�hmt. Aber gl�cklich. Denn mir ist gerade ein Engel begegnet.</p><p>Ein unsanfter Ruck an meinem Halsband erinnert mich daran, dass ich nicht im Himmel, sondern an der Alster bin.</p><p>�Hallo, Erde an Herkules! Du wolltest doch brav sein, oder?�</p><p>H�? Wer? Herkules? Ich sch�ttele mich kurz und starre dem Wesen hinterher, das mich gerade verzaubert hat. Blonde, lange Haare, schlank, aber sportlich, und ein Gang, der eigentlich mehr ein Schweben ist, kurzum: eine absolute Wahnsinnsfrau. Mir wird schwindelig, ich glaube, ich muss mich kurz hinlegen. Mittlerweile steht Carolin direkt �ber mir und grinst mich an.</p><p>�Du hast Gl�ck, mein Kleiner, wir wollen in die gleiche Richtung wie der h�bsche Golden Retriever, der dich so aus den Socken gehauen hat.�</p><p>Ertappt! Wie hat sie das blo� gemerkt?</p><p>�Also nicht mehr sabbern und jaulen � sondern schnell aufstehen und nichts wie hinterher!�</p><p>Wie peinlich! Habe ich tats�chlich gesabbert und gejault? Was ist blo� aus meinen guten Manieren geworden? Es spricht vieles daf�r, dass sie sich im Angesicht dieses Naturschauspiels verabschiedet haben. Ich rappele mich auf und laufe sofort hinter Carolin her, die mittlerweile ein paar Schritte vorgegangen ist. Tats�chlich, sie geht in Richtung Traumfrau. Ich mache einen Satz nach vorne und �berhole Carolin. Kann die nicht mal schneller machen? Was schleicht sie denn hier lang? Ich dachte, wir h�tten es eilig!</p><p>�Wow, Herkules � du hast ja dein Gaspedal wieder entdeckt. Wenn du noch schneller wirst, muss ich joggen.�</p><p>Carolin legt zwar noch einen Zahn zu, zu laufen beginnt sie allerdings nicht. Mist, gleich ist der Engel verschwunden, und bei den vielen anderen Menschen und Hunden wird es einigerma�en schwierig werden, ihrer Witterung zu folgen.</p><p>�Autsch! Halt mal, ich habe mir den Fu� verknackst!�</p><p>Auch das noch! Carolin bleibt stehen und reibt sich den Kn�chel. Muss das denn sein? Da kann man sich doch wohl mal einen Moment zusammenrei�en.</p><p>�H�r mal auf, an der Leine zu zerren, ich habe mir wirklich weh getan. Komm zu mir und mach Sitz!�</p><p>Missmutig trabe ich zu Carolin und setze mich neben sie. Die soll blo� nicht glauben, dass ich nun den Rettungshund gebe. Wegen ihr habe ich gerade die Chance meines Lebens verpasst. Wer wei�, ob ich Carolin das �berhaupt jemals verzeihen kann. Noch nie zuvor habe ich eine so sch�ne H�ndin gesehen. Und wie toll sie roch! Mein Herz beginnt schneller zu schlagen, und in meiner Magengegend macht sich ein Gef�hl breit, das ich noch nie zuvor hatte. Ob ich krank werde?</p><p>Carolin hat sich hingesetzt, den Schuh ausgezogen und betrachtet ihren Fu�. Zugegebenerma�en sieht der dazugeh�rige Kn�chel auf einmal ziemlich dick aus. Wahrscheinlich tut es auch wirklich weh. Hm. Ich m�sste schon sehr hartherzig sein, um das zu ignorieren. Was ich nat�rlich nicht bin. Wenn es meinem Frauchen schlecht geht, f�hle ich mich auch nicht wohl. Schlie�lich sind meine Ahnen in grader Linie 300 Jahre lang ihrem J�ger treu gefolgt. Und das vermutlich auch, wenn sie gerade einen wundersch�nen anderen Hund erblickt hatten. Ich kuschle mich also an Carolins Beine und schlecke ihr die H�nde ab, mit denen sie gerade ihren Kn�chel abtastet.</p><p>�Aua, also das hat mir gerade noch gefehlt! So was Bl�des, ich bin richtig umgeknickt und kann mit dem linken Fu� gar nicht mehr auftreten. Hoffentlich kommen wir �berhaupt bis ins <emphasis>Cliff</emphasis>. Das ist bestimmt noch ein halber Kilometer, und es tut richtig weh.�</p><p>Sie st�hnt, und ich merke, dass ich ein schlechtes Gewissen bekomme. Wenn ich nicht so an der Leine gezogen h�tte, w�re das vielleicht nicht passiert. Ein Hund, der sein Frauchen in Schwierigkeiten bringt: Ich will gar nicht wissen, was Opili dazu sagen w�rde. Vielleicht kann ich zum Ausgleich Hilfe holen? Marc alarmieren? Andererseits � keine Ahnung, wo der steckt.</p><p>Ein Fahrradfahrer h�lt neben uns.</p><p>�Kann ich Ihnen helfen? Haben Sie Probleme?�</p><p>Er steigt ab. Ein junger Kerl mit einer wirklich riesigen Umh�ngetasche. Seltsam, dabei dachte ich, gro�e Taschen seien ein Privileg von Menschenfrauen. Der Typ riecht ein bisschen nach Pfefferminz � und irgendwie abenteuerlustig. Ich knurre. Diese Frau ist bereits vergeben, verzieh dich, Freundchen.</p><p>�Hoppla, keine Gewalt, Kleiner!�</p><p>Er grinst. Ich knurre lauter.</p><p>�Herkules, also wirklich! Wo ist dein Benehmen? Der Herr will mir doch nur helfen.�</p><p>Nee, schon klar. Und ich trete demn�chst dem Verein der Freunde des Zwergkaninchens bei. Der will nicht helfen, der will Beute machen, Carolin! Und wenn ich das ganze Alsterufer nach Marc absuchen muss � so leicht sind wir doch wohl nicht zu haben!</p><p>Das Raubtier nimmt den Fahrradhelm ab. Ziemlich viele Haare kommen zum Vorschein.</p><p>�Tja, da passt einer gut auf sein Frauchen auf. Ist ja nicht das Schlechteste. Ich bin �brigens Robert.�</p><p>Er reicht Carolin die Hand und zieht sie zu sich hoch. Grrrrr!</p><p>�Danke. Ich bin Carolin. Ich glaube, ich habe mir den Fu� verstaucht. Und jetzt muss ich noch die 500 Meter bis zum <emphasis>Cliff</emphasis> schaffen � leider wei� ich gerade nicht, wie.�</p><p>�Da helfe ich doch gerne. Was halten Sie davon: Sie setzen sich auf mein Fahrrad, ich schiebe Sie hin. Wenn Sie dort erwartet werden, kann Ihre Begleitung vielleicht den n�chsten Transport organisieren.�</p><p>Er l�chelt, Carolin l�chelt zur�ck. Das passt mir zwar nicht, aber eine brauchbare Alternative f�llt mir auch nicht ein. Carolin kann schlecht auf meinem R�cken zum <emphasis>Cliff</emphasis> reiten. Daf�r bin ich eindeutig zu klein. Dann lieber das Fahrrad von Mr. Raubtier. Er hebt Carolin auf den Sattel und schiebt los. Ich trotte hinterher und komme mir komplett �berfl�ssig vor. Traumfrau weg, Frauchen verletzt, Dackel hilflos. Was f�r ein �tzender Nachmittag.</p><p>Wenig sp�ter kommen wir in dem Restaurant an, in dem Carolin und Marc offensichtlich verabredet sind. Sie bedankt sich bei Robert, er hilft ihr vom Fahrrad, und sie humpelt gest�tzt auf ihn Richtung Terrasse. An einem der hinteren Tische sehe ich Marc und Luisa. Er winkt uns zu, Carolin winkt zur�ck. Robert verabschiedet sich � mit einem K�sschen auf Carolins Wange und einem kurzen Griff an ihren Po, so, als m�sse er sie festhalten. Carolin schaut �berrascht, aber bevor sie etwas sagen kann, hat sich Mister Lebensretter schon zu seinem Fahrrad davongemacht. GRRRR. Aber egal, den sind wir los.</p><p>Carolin humpelt zu Marc. Er kommt uns entgegen und fasst Carolin um die H�fte.</p><p>�Mensch, Schatz, was ist denn mit dir los?�</p><p>�Ich bin umgeknickt, und jetzt tut mein Fu� tierisch weh. Er ist auch schon ziemlich geschwollen. Ohne Hilfe von dem Fahrradkurier h�tte ich es gar nicht mehr hierhin geschafft.�</p><p>�Hm. Sollen wir gleich gehen?�</p><p>Carolin sch�ttelt den Kopf.</p><p>�Nein, lass mal. Ich habe mich auch schon auf das Essen mit euch gefreut. Wenn wir wieder zu Hause sind, werde ich mal den Fu� hochlegen und k�hlen. Aber das hat noch ein bisschen Zeit.�</p><p>Sie setzen sich, ich lege mich unter den Tisch. Sofort schweifen meine Gedanken wieder zu meiner Begegnung mit dem Engel ab. Ich muss so sehr an sie denken, dass ich fast das Gef�hl habe, sie zu riechen. Hm, toll, was Phantasie auszurichten vermag. Fast ist es, als l�ge sie unter dem Nachbartisch. Ich schlie�e die Augen und beginne zu tr�umen. Was sie wohl f�r ein Hund ist? Sch�chtern? Mutig? Vorlaut? Still? In meinem Traum wird ihr Geruch immer st�rker. Ich muss mich sehr beherrschen, nicht zu jaulen. St�rker und st�rker. Ich �ffne meine Augen wieder und versuche mir anzuh�ren, wor�ber Carolin, Marc und Luisa reden. Aber gerade jetzt ist der Geruch so stark, dass ich mich beim besten Willen nicht darauf konzentrieren kann. Wie gemein Vorstellungskraft doch sein kann.</p><p>�Ich bin �brigens Cherie.�</p><p>Meine Vorstellungskraft kann offensichtlich sprechen. Ich drehe den Kopf Richtung eingebildeter Stimme. WAHNSINN! Dort liegt sie tats�chlich! In voller Sch�nheit. Die Retriever-Dame von der Alster. Und sie spricht mich an! Ich bekomme Herzrasen. Und kein Wort heraus.</p><p>Die Sch�nheit l�sst nicht locker. �Kennen wir uns nicht? Ich glaube, ich habe dich schon mal gesehen.�</p><p>SIE hat MICH schon mal gesehen? Und kann sich daran erinnern? Ich glaube, ich werde ohnm�chtig. Quatsch. Ich werde ohnm�chtig.</p></section><section><title><p>F�NF</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>K</strong>leiner? Alles in Ordnung bei dir?�</p><p>Als ich aus meiner Blitzohnmacht wieder erwacht bin, ist Cherie noch ein St�ck n�her an mich heranger�ckt und betrachtet mich neugierig.</p><p>�Du warst eben total weggetreten. Geht es dir nicht gut?�</p><p>��h, doch, blendend.�</p><p>�Ich kenn dich. Du warst im letzten Jahr mit deinem Frauchen hier. Sie hatte ein Date, und du hattest Angst, sie k�nnte Schluss machen. Was sie wohl auch getan hat, wenn ich mir den Typen neben ihr ansehe. Das ist eindeutig ein anderer.�</p><p>Stimmt. Im letzten Sommer bin ich Cherie hier schon einmal begegnet. Sie lag unter dem Nachbartisch, als Carolin eine Verabredung mit Jens, dem Schauspieler, hatte. Damals waren wir noch auf M�nnersuche, und eigentlich erf�llte Jens alle Anforderungen an ein zuk�nftiges Herrchen. Er ging gerne spazieren, brachte Hundewurst mit und hatte auch Eigenschaften, die bei Menschenfrauen f�r Begeisterung sorgen: n�mlich blaue Augen und ein Auto ohne Dach. Leider hatte er ganz vergessen zu erz�hlen, dass er bereits eine Freundin hatte. Das kam bei Carolin nat�rlich nicht so gut an, und so mussten wir Jens dann wieder loswerden.</p><p>Wieso ist mir damals nicht aufgefallen, wie sensationell Cherie aussieht und riecht? Dass es sich bei ihr wahrscheinlich um die tollste H�ndin der Welt handelt? Also, h�bsch fand ich sie damals auch, daran kann ich mich noch erinnern. Aber wiedererkannt habe ich sie jetzt trotzdem nicht. Ob sie irgendwie sch�ner geworden ist? Oder hat sich irgendetwas bei mir ge�ndert? Kann ich auf einmal besser sehen und riechen? Mysteri�s.</p><p>Schmeichelhaft ist allerdings, dass sich Cherie noch an mich erinnert hat. Ich bin eben ein Mann, der Eindruck hinterl�sst. Klasse! Beste Voraussetzung, um mal ein Rendezvous unter uns Vierbeinern klarzumachen.</p><p>�Sch�n, dass du noch wei�t, wer ich bin.�</p><p>�Wie k�nnte ich das vergessen! Du hast an dem Abend so ein Theater gemacht, dass ich zuerst dachte, du h�ttest eine Blasenschw�che. Mindestens. Wenn nicht etwas Schlimmeres. St�ndig bist du unter dem Tisch hervorgeschossen und hast gebellt. Und dann hast du mir erkl�rt, dass du das nur machst, damit sich dein Frauchen in den richtigen Kerl verliebt. Das war wirklich die verr�ckteste Geschichte, die ich je geh�rt habe. Bellen f�r die Liebe � wie bescheuert ist das denn?�</p><p>Sie lacht. Und ich sch�me mich in Grund und Boden. Stimmt, so war das damals. Peinlich. Wie soll ich diesen verheerenden Eindruck wieder wettmachen? Denn dass ich ihn wettmachen muss, steht fest. Cherie ist m�glicherweise die Frau meines Lebens. Ach was, ganz sicher ist sie das. Ich �berlege fieberhaft, was ich nun Schlaues sagen k�nnte. Leider f�llt mir �berhaupt nichts ein.</p><p>�Nun schau mal nicht so bedr�ppelt, Kleiner. Ich meine, die Idee war bescheuert, aber auch irgendwie ganz romantisch. Und au�erdem warst du doch noch ein halbes Kind. Da kann man schon mal auf solche Gedanken kommen.�</p><p>Gut, tr�stlich, dass Cherie mich anscheinend nicht f�r einen Vollidioten h�lt. Nicht ganz so tr�stlich ist, dass sie mich <emphasis>Kleiner</emphasis> nennt. Ich bin zwar neu im Flirt-Gesch�ft, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die mehrfache Verwendung dieser Anrede ein Zeichen f�r die abgrundtiefe Bewunderung des so Angesprochenen ist. <emphasis>Gro�er</emphasis> w�re da vermutlich besser. Mir ist nat�rlich klar, dass ich gemessen an einem Golden Retriever tats�chlich klein bin, aber es muss doch m�glich sein, diese fehlenden Zentimeter irgendwie auszugleichen.</p><p>In diesem Moment schie�t etwas an unserem Tisch vorbei. Gro�, schwarz und schnell. Ehe ich noch sehen kann, um wen oder was es sich dabei handelt, ist es auch schon verschwunden. Und zwar in der Alster. Mit einem riesigen Satz. Sensationell! Ich springe unter unserem Tisch hervor. Das muss ich mir genauer ansehen. Auf die gleiche Idee kommt auch Cherie, gemeinsam laufen wir zu dem kleinen Bootssteg, der dem Gartenlokal vorgelagert ist.</p><p>Vorne angekommen, starren wir beide neugierig auf die Stelle, wo <emphasis>das Ding</emphasis> eben verschwunden ist. Die vielen Luftblasen verraten, dass sich unter der Wasseroberfl�che mehr befinden muss als ein paar kleine Fische. Und richtig � in diesem Moment taucht <emphasis>Es</emphasis> auf: ein riesiger schwarzer Labrador, der in der Schnauze eine Art gro�en Ring h�lt. Ein paar kr�ftige Schwimmz�ge, schon ist er am Steg angelangt, springt aus dem See und sch�ttelt sich kr�ftig. Wasser spritzt nach allen Seiten, wir werden richtig nass, aber zumindest Cherie scheint das nicht zu st�ren.</p><p>�Wahnsinn, was f�r ein toller Typ!�</p><p>Ein junger Mann l�uft auf den <emphasis>Wahnsinnstypen</emphasis> zu und nimmt ihm den Ring ab.</p><p>�Gut gemacht, Alonzo!�</p><p>Alonzo. Was f�r ein beknackter Name.</p><p>�<emphasis>Alonzo</emphasis>! Was f�r ein toller Name!�</p><p>Die letzten Worte sind fast nur ein Hauchen. Cherie ist offensichtlich hin und weg. Verdammt. Wenn der Cheries Vorstellung vom Traummann nahe kommt, bin ich weiter als weit davon entfernt, ihr zu gefallen. Alonzos Herrchen holt jetzt noch einmal aus und wirft den Ring wieder in die Alster. Der Labrador springt sofort hinterher. Cherie h�lt den Atem an. Wenig sp�ter taucht Alonzo mit dem Ring in der Schnauze wieder auf. Ich muss zugeben, dass ich auch ein klein bisschen beeindruckt bin. Wie hat er den Ring im See blo� noch gesehen? Das Wasser der Alster ist nicht gerade das, was man glasklar nennen w�rde.</p><p>�Hast du das gesehen, Kleiner? Toll, oder? Wie hat er den Ring so schnell gefunden? Und was f�r ein guter Schwimmer er ist. Wir Golden Retriever sind ja auch nicht schlecht im Wasser, aber dieser Alonzo ist wirklich unglaublich! So sportlich, super!�</p><p>Na ja, also sportlich bin ich auch. Vielleicht k�nnte ich auch einen Ring aus dem Wasser fischen? Ob Cherie dann beeindruckt w�re? Und ich in ihren Augen gleich ein St�ck gr��er? Alonzo hat in der Zwischenzeit den Ring noch zwei weitere Male apportiert. Und immer, wenn er an Land kommt, wirft er Cherie hei�e Blicke zu. Der Angeber! Aber der wird sich noch wundern! Als sein Herrchen das n�chste Mal den Ring wirft, z�gere ich keine Sekunde.</p><p>Das Wasser ist nicht so kalt, wie ich dachte. Allerdings ist es tats�chlich sehr tr�b. Ich sehe noch kurz, in welche Richtung der Ring sinkt, dann muss ich mich auf meine Intuition verlassen. Schnell tauche ich tiefer und paddle in die Richtung, in der ich den Ring vermute. Meine Schnauze st��t gegen etwas � das muss er sein! Entschlossen packe ich zu und habe tats�chlich den Ring erwischt. Bravo, Carl-Leopold! Du bist eben doch ein Gro�er.</p><p>Ich tauche wieder auf und will Richtung Steg schwimmen. Aber das geht auf einmal gar nicht mehr so leicht. Irgendetwas scheint mich zur�ckzuziehen, jeder Schwimmzug f�llt mir schwer. Mit M�he kann ich meinen Kopf noch �ber Wasser halten, immer wieder dr�ckt es mich unter die Wasseroberfl�che. Wahrscheinlich w�re es besser, den Ring einfach wieder loszulassen, aber das will ich auf keinen Fall. Ich kann Opilis Stimme h�ren: <emphasis>Ein von Eschersbach gibt niemals auf!</emphasis> Verdammt, was ist blo� los? Je mehr ich mich anstrenge, desto schwerer f�llt es mir, Richtung Steg zu paddeln. Das Wasser, das eben noch ruhig und glatt war, hat auf einmal regelrechte Strudel bekommen, die mich immer wieder hinunterziehen.</p><p>Ich werfe einen Blick nach hinten � und bekomme Panik: Ein riesiges Schiff f�hrt direkt hinter mir vorbei, und riesige Wellen kommen direkt auf mich zu. Schnell will ich mich wegducken, aber das ist aussichtslos, denn langsam geht mir die Luft aus, und ich werde Richtung Schiff gezogen. Ich paddle noch einmal nach Kr�ften, dann wird mir schwarz vor Augen, und ich merke, wie ich immer tiefer sinke.</p><p>In diesem Moment f�hrt mir ein stechender Schmerz in den Nacken, irgendetwas packt mich und rei�t mich wieder nach oben. Ich will mich umdrehen, bin aber zu schwach. Alles, was ich sehen kann, sind Sternchen vor meinen Augen. Ich lasse den Kopf wieder sinken und bewege mich nicht mehr. Dann werde ich aus dem Wasser gehoben. Einen Moment bleibe ich regungslos liegen, nach einer Weile �ffne ich die Augen. Wie auch immer ich wieder hier hingekommen bin: Ich liege auf dem Steg und lebe noch.</p><p>�Mensch, Kleiner, was machst du denn f�r Sachen?�</p><p>Ich blinzle nach oben ins Licht und sehe direkt in Cheries Augen. Sie ist klitschnass und grinst mich an.</p><p>�Also, wenn du das n�chste Mal ins Wasser springst und Hilfe brauchst, sag doch bitte vorher Bescheid. Dann achte ich n�mlich darauf, dass ich keine Leine mehr am Halsband habe. Das war doch sehr l�stig.�</p><p>Oh! Mein! Gott! Cherie hat mich gerettet. Okay, die Sache ist durch. Selbst wenn ich doppelt so gro� w�re � nach dieser Aktion stehe ich garantiert nicht als Held da. Ich schlie�e die Augen wieder und w�nschte, ich w�re einfach auf den Grund der Alster gesunken. Da stupst mich Cherie in die Seite.</p><p>�Was mich allerdings wirklich beeindruckt: Du hast immer noch den Ring in der Schnauze.�</p><p>Sag ich ja: Ein von Eschersbach ist ein echter K�mpfer! Auch wenn ich mich gerade �berhaupt nicht so f�hle.</p><p>�Herkules! Bist du von allen guten Geistern verlassen?!�</p><p>Jetzt sind auch Marc und Luisa am Steg angelangt, und insbesondere Marc scheint irgendwie sauer zu sein.</p><p>�Du kannst doch nicht einfach in die Alster springen! Um ein Haar w�rst du abgesoffen! Wenn der Retriever dich nicht im letzten Moment rausgezogen h�tte, w�rst du jetzt tot. Du bist direkt vor den Ausflugsdampfer gesprungen � wie kann man nur so bl�d sein?�</p><p>Okay, Marc <emphasis>ist</emphasis> sauer. Unter normalen Umst�nden w�rde ich mich jetzt m�glichst schuldbewusst geben, aber ich bin zu ersch�pft und bleibe einfach so liegen, wie mich Cherie auf den Steg geschleppt hat. Wenigstens Luisa scheint Mitleid zu haben, sie kniet sich neben mich und streichelt mich.</p><p>�Nicht so schimpfen, Papi. Du siehst doch, wie schlecht es Herkules geht.�</p><p>�So eine Dummheit aber auch! Wie ist er blo� auf die Idee gekommen?�</p><p>�Schimpfen Sie nicht mit ihm � das war eigentlich nicht seine Schuld.�</p><p>Aus den Augenwinkeln sehe ich, dass Cheries Frauchen vom Tisch aufgestanden und auch auf den Steg gekommen ist.</p><p>�Hier hat eben jemand seinen Labrador st�ndig diesen Ring apportieren lassen. Offensichtlich wollte Ihr Kleiner es auch einmal versuchen. Dass das Schiff so nah an den Steg kommen w�rde, konnte er sicher nicht ahnen. Der Herr mit dem Labrador ist dann ganz fix verschwunden. Wahrscheinlich das schlechte Gewissen. Ist ja auch eine doofe Idee, eine Hundesportstunde im Gartenlokal abzuhalten.�</p><p>Genau! So gesehen bin ich gar nicht schuld.</p><p>�Da haben Sie Recht. Wenn der Retriever nicht gewesen w�re, h�tte Herkules vielleicht das Zeitliche gesegnet.�</p><p>�Ja, unsere Cherie hat eine sehr zupackende Art.�</p><p>�Ach, ist das Ihr Hund? Vielen Dank! Da muss ich ja wohl mal eine Fleischwurst springen lassen f�r die Dame! Wissen Sie, unser Herkules neigt ab und zu zur Selbst�bersch�tzung. Ist halt noch ein Teenager.�</p><p>Pah! Ist das etwa Solidarit�t mit den eigenen Familienmitgliedern? Und was hei�t hier Selbst�bersch�tzung? Immerhin habe ich den Ring sofort erwischt. Wenn das doofe Schiff nicht gekommen w�re, w�re das ein Ia-Auftritt meinerseits gewesen. Ich hebe den Kopf und versuche, Marc m�glichst b�se anzugucken, was der nat�rlich ignoriert. Stattdessen plaudert er auch gleich noch meine finstersten Geheimnisse aus.</p><p>�Bestimmt wollte er auch den gr��eren Hunden imponieren. Wissen Sie, Herkules ist ein Dackelmix, zu einer H�lfte Terrier. Und die f�hlen sich doch gerne mal gr��er, als sie eigentlich sind. Mutige Hunde, aber manchmal etwas unvorsichtig.�</p><p>Vielen Dank, Marc. Jetzt wei� wenigstens auch Cherie, dass ich nicht reinrassig bin. Heute bleibt mir auch nichts erspart. Es mag Einbildung sein � aber ich glaube, Cherie guckt mich bereits absch�tzig an. Ich lege den Kopf wieder auf den Steg. Was f�r ein furchtbarer Tag.</p><p>�Hm, er sieht aber noch ganz sch�n schlapp aus. Meinen Sie, er ist okay? Vielleicht gehen Sie besser mit ihm zum Tierarzt.�</p><p>Jetzt mischt sich Luisa ein.</p><p>�Das brauchen wir nicht. Papa ist selbst Tierarzt.�</p><p>�Ach so? Das ist nat�rlich praktisch. Hier in der N�he?�</p><p>�Ja, ich habe meine Praxis gleich hinter dem Helvetia-Park. �</p><p>�Das ist gut zu wissen � unser Tierarzt ist n�mlich gerade in den Ruhestand gegangen und hat die Praxis aufgel�st. Jetzt suche ich einen neuen, falls mal was mit Cherie sein sollte.�</p><p>�Na, das w�re mir nat�rlich eine Ehre, die tapfere Lebensretterin zu behandeln. Warten Sie, ich glaube, ich habe eine Karte dabei.�</p><p>Er greift in die Hosentasche und zieht ein St�ck Karton heraus.</p><p>�Bitte sehr � Marc Wagner. Ich w�rde mich freuen, Sie beide zu sehen.�</p><p>�Danke, ich hei�e Claudia Serwe. Ich komme bestimmt bald mal mit Cherie vorbei. Sp�testens bei der n�chsten Wurmkur.�</p><p>Hm, das ist nun eine unerwartete, aber ausgezeichnete Wendung. Wenn Cherie erst mal in Marcs Praxis aufkreuzt, kann ich die Scharte von eben vielleicht auswetzen. Als Hund des Tierarztes genie�t man doch ein gewisses Ansehen bei den Patienten. Das ist meine Chance, und ich werde sie nutzen!</p></section><section><title><p>SECHS</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>K</strong>omm Schatz, lass mich doch mit Herkules Gassi gehen. Wenn dein Fu� noch so weh tut, solltest du ihn lieber ein bisschen hochlegen, anstatt unserem Kampfdackel hinterherzuhinken.�</p><p>�Danke, das ist lieb von dir. Es geht zwar schon viel besser, aber so ganz in Ordnung ist mein Fu� tats�chlich noch nicht.�</p><p>Seit ihrem kleinen Unfall an der Alster lahmt Carolin. Und zwar gewaltig. Zudem hat sich herausgestellt, dass Marc sich zwar mit Pferdegelenken bestens auskennt, bei Menschen hingegen passen muss. Viel mehr als ein paar aufmunternde Worte und das Angebot, mit mir spazieren zu gehen, ist vom Herrn Doktor noch nicht gekommen. Das �berrascht mich: Es kann doch nicht sein, dass Marc vom Hamster bis zum Elefanten alles behandelt, was durch seine Praxist�r kommt, bei Carolin aber v�llig ahnungslos ist. Ob er vielleicht keine Lust hat, sich um sie zu k�mmern? Weil er mit seinen Patienten schon ausgelastet ist? Aber ein reines Zeitproblem kann es auch nicht sein: Immerhin hat sich Marc jetzt meine Leine geschnappt und scheint fest entschlossen, eine Runde mit mir zu drehen. Gut, ich muss nehmen, wen ich kriegen kann. Denn nicht nur, dass Caro schw�chelt: Luisa ist dieses Wochenende gar nicht da.</p><p>Marc zieht sich eine Jacke �ber, dann geht es los. Wir steuern direkt auf den Park zu, das ist gewisserma�en unsere Stammstrecke. Nicht mehr besonders aufregend f�r mich, aber immer wieder gerne genommen. Kaum haben wir allerdings die ersten B�ume passiert, setzt sich Marc schon auf eine Parkbank. Ach n� � was soll das denn? Das ist doch wohl nicht wahr! Soll ich jetzt etwa im Kreis um die Bank laufen? Ich zerre an der Leine und belle.</p><p>�Keine Sorge, Herkules, es geht gleich weiter. Ich muss nur mal eben in Ruhe telefonieren. Dauert auch nicht lang.�</p><p>Okay, das kann sogar stimmen. Wenn Marc telefoniert, dann tats�chlich meist sehr kurz. Carolin hingegen kann stundenlang in das kleine K�stchen sprechen, das sie sich beim Telefonieren ans Ohr h�lt. Wie �berhaupt alle Menschenfrauen, die ich bisher beim Telefonieren beobachtet habe, hier wesentlich mehr Ausdauer beweisen als M�nner. Dann kann ich also nur hoffen, dass Marc nicht mit einer Frau telefonieren will. Ich setze mich neben die Bank.</p><p>�Hallo Sabine, Marc hier. Du hattest um R�ckruf gebeten.�</p><p>Mist. Soweit ich wei�, ist Sabine ein Frauenname. Ich glaube, die eigentliche Mutter von Luisa hei�t zum Beispiel so. Die Stimme, die ich dank meiner ausgezeichneten Ohren aus dem Telefon h�ren kann, ist auch tats�chlich die einer Frau. Das kann also dauern. Ich lege mich hin. G�hn. Vielleicht schlafe ich ein bisschen.</p><p>Bevor ich jedoch wegd�mmern kann, �ndert sich die Stimmung schlagartig von �langweilig� zu �explosiv�. Und nicht nur die <emphasis>Stimmung</emphasis> � vor allem Marcs <emphasis>Stimme</emphasis> bekommt auf einmal einen ganz schneidenden Ton.</p><p>�Ich muss dich gar nichts fragen. Ob meine Freundin bei mir einzieht, geht dich nichts an! Ich kann mich auch nicht erinnern, dass du mich gefragt h�ttest, bevor du mit deinem Flugkapit�n abgehoben bist.�</p><p>Auch die Frau klingt auf einmal ganz aufgeregt. Ich kann zwar keine einzelnen Worte verstehen, aber ihre Stimme ist pl�tzlich hell und schrill.</p><p>�So, du machst dir Sorgen um deine Tochter? Das ist aber neu. Wo waren denn deine Muttergef�hle, als du ausgezogen bist? Das war f�r Luisa mit Sicherheit schlimm.�</p><p>Sabine, Luisa? Marc scheint also tats�chlich mit Luisas Mutter zu telefonieren. Aber warum ist er denn so w�tend? Ich dachte, das Konzept menschlicher Familie sei Harmonie. Davon ist Marc aber meilenweit entfernt: Er br�llt regelrecht. Verschreckt verkrieche ich mich unter der Parkbank. Jetzt springt Marc auf und geht vor der Bank auf und ab. Ich beobachte ihn aus sicherer Entfernung. Seine Aggression ist so greifbar, dass ich ein bisschen Angst bekomme. Sabine schreit auch irgendwas, aber Marc f�llt ihr ins Wort.</p><p>�O nein, meine Liebe, so einfach ist es eben nicht. Wir waren uns einig, dass Luisa zu mir zieht. Das war eine gemeinsame Entscheidung. Wenn dir das heute nicht mehr schmeckt, ist das allein dein Problem.�</p><p>Jetzt wieder sie � weit kommt sie allerdings nicht. Marc unterbricht sie und schreit in den H�rer.</p><p>�Pass mal auf, Sabine: Ich bin endlich wieder gl�cklich, und das stinkt dir. So einfach ist das.�</p><p>Dann dr�ckt er auf einen Knopf und steckt das Handy in seine Hosentasche. Er atmet tief durch, dann dreht er sich zu mir um.</p><p>�Herkules, was machst du denn unter der Bank? Komm da mal raus.�</p><p>Ich z�gere. Er b�ckt sich und streckt mir eine Hand entgegen.</p><p>�Nun komm schon. Ich habe mich wieder beruhigt. Keine Schreierei mehr, versprochen.�</p><p>Kaum stehe ich neben ihm, nimmt mich Marc auf einmal auf den Arm und dr�ckt mich fest an sich. Hoppla, so kuschelig ist er doch sonst nicht! Ich frage mich, ob diese pl�tzliche Gef�hlsanwandlung mit dem Telefonat zu tun hat. Was hat Luisas Mutter blo� zu ihm gesagt, das ihn so aufgeregt hat? Ich w�rde es wirklich gerne wissen, denn so habe ich Marc noch nie erlebt. Der ist eigentlich ein sehr besonnener Mensch.</p><p>Er setzt mich wieder auf den Boden und dreht sich um.</p><p>�So, mein Lieber. Jetzt kommst du endlich zu deinem Recht: einem ausgedehnten Spaziergang. Wir werden uns doch von der bl�den Kuh nicht den Tag verderben lassen, Kumpel! Wir sind gut drauf, oder?�</p><p>Ich mag mich t�uschen, aber diese pl�tzliche Fr�hlichkeit wirkt auf mich irgendwie � gek�nstelt und Marc eher verzweifelt als guter Dinge. Um ihn aber nicht noch mehr runterzuziehen, gebe auch ich mich nun geradezu k�mpferisch gut gelaunt und belle aufmunternd. Hoffe ich jedenfalls.</p><empty-line/><empty-line/><p>�Ich habe dir doch gleich gesagt, dass es mit gebrauchten M�nnern etwas schwieriger wird. Und das liegt unter anderem an den alten Frauen.�</p><p>Marc hat gestern kein Wort mehr �ber sein Gespr�ch mit Sabine verloren � selbst Carolin hat er meines Wissens nichts davon erz�hlt. Ich bin also immer noch ratlos, was diesen Gef�hlsausbruch seinerseits verursacht haben k�nnte, und habe mich daher heute umgehend an den Spezialisten in Menschenfragen gewandt: Herrn Beck.</p><p>Der liegt neben mir auf dem Rasen und erl�utert mir haarklein die T�cken der menschlichen Familie. Beck ist hier unglaublich versiert: Sein altes Herrchen, der Bruder von Frau Wiese, war Anwalt und als solcher oft mit Familienfragen befasst. Menschen, die ihren Partner loswerden wollten, kamen zu ihm, und auch solche, die sich dar�ber streiten wollten, bei wem die Menschenkinder k�nftig wohnen, z�hlten zu seinen Kunden. Ich mag es kaum glauben, aber das Thema Familie scheint wirklich unglaublich kompliziert zu sein.</p><p>�Aber was haben denn alte Frauen mit gebrauchten M�nnern zu tun? Das verstehe ich nun �berhaupt nicht. Marc ist gebraucht, das habe ich jetzt geschnallt. Aber wenn Sabine die Mutter von Luisa ist, dann ist sie doch wahrscheinlich noch gar nicht so alt.�</p><p>�Ich meine doch nicht <emphasis>alt</emphasis> im Sinne von <emphasis>alt</emphasis>.�</p><p>�Nein?�</p><p>Okay, vielleicht verstehe ich es auch einfach nicht, weil Beck es so schlecht erkl�rt.</p><p>�Ich meine: Wenn Carolin die <emphasis>neue</emphasis> Frau von Marc ist, dann ist Sabine die <emphasis>alte</emphasis>. Kapiert?�</p><p>�Aha. Aber wo ist das Problem? Die Frauen begegnen sich doch nie. Marc wohnt schlie�lich nicht mit beiden zusammen. Obwohl das in der freien Wildbahn jeder Dackelr�de so machen w�rde � also, mit all seinen Frauen zusammenleben, neuen, alten, jungen, betagten, einfach allen. Behauptet jedenfalls mein Opili. Und wenn Marc sich das aussuchen kann, dann k�nnte er doch ��</p><p>Beck atmet schwer.</p><p>�Unsinn. Das kann sich Marc doch nicht aussuchen! Was denkst du denn. Da w�rden ihm die beiden Damen aber aufs Dach steigen!�</p><p>�Ja, schon klar. Die Menschen bilden P�rchen, wei� ich doch. Aber dann verstehe ich den ganzen �rger noch weniger. Marc hat doch dann alles richtig gemacht. Ein neues P�rchen gebildet. Mit Carolin. Damit hat doch dann die alte Frau gar nichts zu tun.�</p><p>�Wenn du mir nun endlich mal zuh�ren w�rdest, anstatt hier immer alles zu kommentieren, w�rde ich es dir erkl�ren.�</p><p>Ich nicke schuldbewusst. �Okay, ich halt die Klappe.�</p><p>�Das Problem mit den alten Frauen ist doch Folgendes: Menschen als denkende Wesen k�nnen die Vergangenheit einfach nicht ruhen lassen. W�hrend der durchschnittliche Hund sich maximal noch daran erinnern kann, was vergangene Woche alles so passiert ist, und selbst eine Katze selten mehr als den vergangenen Monat auf dem Zettel hat, h�ngen Menschen gerne ganzen Jahren nach. Ich habe es bei meinem Herrchen gesehen: Die Menschenpaare trennen sich, aber dann verbringen sie immer noch genauso viel Zeit mit Streitereien. Sie sind wie gefangen in der Vergangenheit. Und besonders schlimm kann das werden, wenn Menschenkinder zu der ganzen Geschichte geh�ren. Weil Mann und Frau dann ja tats�chlich immer noch miteinander zu tun haben, als Vater und Mutter.�</p><p>Ein interessantes Konzept. Nat�rlich habe ich auch an meiner Mutter gehangen. Aber man wird als Hund schnell unabh�ngig von den Eltern. Deckr�de und H�ndin wohnen meist sowieso nicht zusammen. Streit �ber den Aufenthalt des Nachwuchses kann es nicht geben, weil der Z�chter den bestimmt. Kein Wunder, dass Menschen st�ndig Probleme haben. Sie machen es sich einfach zu schwer.</p><p>�Also, so wie du es erz�hlst, wird wohl Folgendes passiert sein: Sabine und Marc haben beschlossen, dass Luisa bei Marc wohnen soll. Leider hat Marc dann vergessen, Sabine zu erz�hlen, dass Carolin bei ihm einzieht. Und jetzt ist Sabine sauer, weil sie nicht will, dass ihr Kind mit einer fremden Frau zusammenlebt, ohne dass sie vorher gefragt wurde. Vielleicht hat sie auch Angst, dass Carolin ihr die Mutterrolle streitig macht.�</p><p>�H�?�</p><p>�Ja, Letzteres ist f�r Fortgeschrittene. Das erkl�re ich dir ein andermal genauer. Momentan versp�re ich tats�chlich ein leichtes Hungergef�hl. Wei�t du, Nina kocht jetzt immer f�r mich, und wahrscheinlich wartet schon etwas ganz Leckeres in meinem Napf. Ich sehe dich sp�ter!�</p><p>Spricht�s, steht auf und verschwindet. So, so. Nina kocht f�r Herrn Beck. Und der verbringt seine Zeit offenbar lieber mit seiner neuen Freundin als mit mir. Dabei wollte ich ihm noch von Cherie erz�hlen. Ich bin mir zwar ziemlich sicher, dass Hundedamen nicht gerade in Herrn Becks Kernkompetenz fallen. Trotzdem h�tte ich mich gerne mal mit jemandem ausgetauscht. Oder besser: jemandem von Cherie vorgeschw�rmt. Und nun l�sst mich dieser alte Kater schn�de hier sitzen. Wer h�tte das gedacht? Und warum kocht eigentlich niemand f�r mich?</p><p>Bevor ich mich weiter mit dieser Frage befassen kann, streckt Carolin ihren Kopf durch die Terrassent�r und ruft nach mir. Ob sie vielleicht Ninas leuchtendem Beispiel gefolgt ist und auch etwas Leckeres f�r mich vorbereitet hat? Neugierig trabe ich in Richtung Werkstatt.</p><p>�So, Herkules, heute machen wir mal fr�her Feierabend. Ich habe Marc versprochen, dass wir Luisa von der Schule abholen. Der Hort f�llt heute aus, wir werden uns also ein bisschen um die junge Dame k�mmern.�</p><p>Gut, dagegen ist nichts zu sagen � aber was ist denn mit meinem Mittagessen? Oder bekomme ich nicht nur <emphasis>nicht</emphasis> etwas Selbstgekochtes, sondern <emphasis>insgesamt</emphasis> nix? Carolins Kinderliebe in allen Ehren und auch wenn mir langsam klar wird, dass die menschliche Brutpflege eine ganz delikate Angelegenheit ist: Das geht nun echt zu weit! Luisa wird schon keinen Schaden nehmen, nur weil sie vielleicht ein bisschen vor der Schule warten muss. Ich werde auch h�ufiger vor dem Supermarkt angebunden und muss mich dann gedulden, bis Carolin mit dem Einkaufen fertig ist. Meines Wissens hat sich noch kein einziger Mensch dar�ber Gedanken gemacht, wie es mir eigentlich damit geht.</p><p>Aber so wie es aussieht, f�llt das Essen tats�chlich aus, denn Carolin hat schon ihre Jacke an und wedelt mit dem Autoschl�ssel. Ein eindeutiges Signal zum Aufbruch. Normalerweise erledigt Carolin alles zu Fu� oder mit dem Fahrrad. Werkstatt, Marcs Haus und die Schule liegen schlie�lich so dicht beieinander, dass es selbst f�r Menschen keine un�berwindbare Distanz darstellt. Doch mit Hinkefu� ist die sonst so bewegliche Carolin zum Autofahrer mutiert. Nun gut, dann muss ich eben hungern. Wenn ich deshalb gleich die Autositze fresse, ist Carolin selbst schuld. Ich knurre leise vor mich hin, aber dieses Zeichen meines Protests wird von Carolin komplett ignoriert. Stattdessen scheucht sie mich aus der Werkstatt und schlie�t die T�r hinter uns. Hier im Treppenhaus riecht es verf�hrerisch lecker nach gekochtem H�hnchen. Wahrscheinlich eigens f�r Herrn Beck zubereitet. So eine Gemeinheit!</p><p>Schlecht gelaunt h�pfe ich auf den Beifahrersitz. Eigentlich mag ich Luisa sehr gerne, aber gerade entdecke ich, dass das Zusammenleben mit einem Kind auch ganz offenkundig Nachteile hat. Man spielt als Hund eindeutig nur noch die zweite Geige. Es ist wahrscheinlich der Hunger, aber ich kann mich nicht daran hindern, in Selbstmitleid zu versinken. Was bin ich nur f�r ein armer Hund! Es ist noch nicht so lange her, da gab es nur Carolin und mich. Das war herrlich. Sie hatte jede Menge Zeit f�r mich, wir haben auf dem Sofa gekuschelt, und ab und zu durfte ich in ihrem Bett schlafen. Dann kam Marc dazu. Das war auch noch in Ordnung, immerhin war Carolin seitdem deutlich ausgeglichener und gl�cklicher. Ab und zu hat uns Luisa besucht, und wir waren eine kleine Familie auf Zeit. Vielleicht war das ideal, und es w�re besser so geblieben. Herr Beck hatte Recht. Damals war alles besser: Luisa spielte und schmuste mit mir, f�tterte mich, ich war f�r sie auch etwas Besonderes, denn zu Hause, bei ihrer Mutter, gab es offensichtlich keine Tiere. Das habe ich gleich gerochen. Jetzt bin ich nat�rlich nichts Besonderes mehr, und es spielt nicht einmal eine Rolle, dass ich �</p><p>�Herkules, mein S��er! Komm, lass dich mal richtig knuddeln! �</p><p>Luisa rei�t die Autot�r auf und nimmt mich sofort auf den Arm. Sie dr�ckt mich fest an sich, vergr�bt ihr kleines Gesicht in meinem Fell und bl�st mir ihren warmen Kinderatem ins Genick. Das kitzelt zwar, ist aber trotzdem ein sch�nes Gef�hl. Dann hebt sie mich hoch und guckt mir direkt in die Augen.</p><p>�Wei�t du, ich freue mich immer, wenn ich dich sehe! Ich glaube, du bist mein bester Freund.�</p><p>Ich merke, wie mein Herz einen kleinen H�pfer macht. Luisa ist einfach ein ganz tolles M�dchen, ich bin wirklich froh, dass es sie gibt. Das mit dem Freund stimmt schon � Kinder und Hunde passen super zusammen. Man ist einfach gleich auf Augenh�he. Ich schlecke ihr einmal quer �bers Gesicht, und sie quietscht vor Freude.</p><p>�Komm, Luisa, steig ein! Ich glaube, Herkules h�ngt der Magen schon auf den Knien, ich hatte eben keine Zeit mehr, ihn zu f�ttern. Wahrscheinlich frisst er mir gleich die Autositze auf.�</p><p>So ein Quatsch! Die Autositze? Absurd. So einen riesigen Hunger habe ich nun auch wieder nicht. Ist doch wohl wichtiger, dass Luisa erst mal heil nach Hause kommt.</p></section><section><title><p>SIEBEN</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>D</strong>er Hundegott ist doch ein g�tiger: Nach einer sehr reichlichen Portion Pansen sitze ich zufrieden und ein bisschen m�de neben Luisa und lasse mich hinter den �hrchen kraulen. Die unterh�lt sich gleichzeitig mit Carolin. Gewisserma�en ein Gespr�ch von Frau zu Frau. Jedenfalls kommt es mir so vor, denn beide haben einen einigerma�en geheimnisvollen Tonfall.</p><p>�So, und Pauli ist echt cool?�</p><p>�Genau. Eigentlich der einzige coole Junge an der ganzen Schule. Er ist nat�rlich auch schon in der vierten Klasse. Die Jungs in meiner Klasse sind alle kleine Pupsis, voll doof.�</p><p>�Na ja, <emphasis>ein</emphasis> netter Typ ist doch auch schon mal was.�</p><p>�Ja, aber im n�chsten Schuljahr kommt Pauli aufs Gymnasium � und dann ist er weg, und ich sehe ihn nie wieder.�</p><p>�Also, das Gymnasium liegt vermutlich nicht in Australien. Wieso solltest du ihn denn nie wiedersehen?�</p><p>�Weil, dann m�sste ich mich schon extra mit ihm verabreden. �</p><p>�Na und? Kannst du doch machen.�</p><p>�Carolin! Pauli verabredet sich nicht mit M�dchen. Dazu ist er viel zu cool.�</p><p>�Aha? Das ist ein Zeichen von Coolness? Das wird sich der Pauli bestimmt noch mal anders �berlegen.�</p><p>�Also selbst wenn er sich mit M�dchen verabreden sollte, dann bestimmt nicht mit kleinen M�dchen. Das ist v�llig aussichtslos. Momentan sehe ich ihn noch auf dem Schulhof, und da unterh�lt er sich sogar mit mir. Aber wenn er erst mal weg ist, ist er weg. Hundertprozentig.�</p><p>Schweigen. Carolin legt Luisa einen Arm um die Schulter.</p><p>�Und das w�re schon bl�d, nicht wahr?�</p><p>Luisa nickt, sagt aber nichts.</p><p>�Wie ist es denn sonst so an der Schule?�</p><p>Luisa zuckt mit den Schultern.</p><p>�Du wolltest doch eine Party machen. Hast du denn deine Freundinnen schon eingeladen?�</p><p>Luisa nickt wieder, sagt aber immer noch nichts.</p><p>�Und wann findet die Party statt?�</p><p>Jetzt f�ngt Luisa endlich an zu sprechen, aber so leise, dass selbst ich mit meinem ausgezeichneten Geh�r sie kaum verstehen kann.</p><p>�Die findet gar nicht statt. Die wollten alle nicht kommen. Ich bin n�mlich nicht im Club.�</p><p>Luisa hat aufgeh�rt, mich zu kraulen. Ich blinzele nach oben. Sie wischt sich mit einer Hand �ber die Augen, und ich kann sehen, dass etwas auf ihrer Wange glitzert. Klarer Fall: Luisa weint. Das hat auch Carolin bemerkt, die ihr jetzt �ber den Kopf streicht.</p><p>�Mensch, Luisa, warum hast du das denn nicht erz�hlt?�</p><p>�Ich wollte nicht, dass Papi sich Sorgen um mich macht. Er hat sich doch so gefreut, dass ich nach Hamburg gezogen bin.�</p><p>Ich bin entsetzt � Luisa geht es schlecht, und ich habe davon rein gar nichts bemerkt. Ein Unding � ein Dackel, der keine Antennen f�r sein Rudel hat! Offenbar kreise ich in letzter Zeit zu sehr um mich selbst. Ob das an Cherie liegt? Sofort schweifen meine Gedanken ab. Wie finde ich blo� heraus, wann sie in Marcs Praxis kommen wird? Ich bin tags�ber immer mit Carolin in der Werkstatt, da w�rde ich sie glatt verpassen. Oder ich bleibe in Zukunft einfach zu Hause und verbringe meine Zeit in der Praxis. Gut, das ist nat�rlich f�r den Fall, dass Cheries Frauchen erst in ein paar Wochen einen Termin macht, eine ziemlich langweilige Variante. In Marcs Haus habe ich n�mlich keine Freunde. Luisa ist tags�ber in der Schule, und die einzigen anderen Tiere sind Marcs Patienten, die aber st�ndig wechseln. Also niemand, mit dem ich mich anfreunden k�nnte. Ein echtes Problem, aber hoffentlich kein unl�sbares.</p><p>�Eigentlich ist nur Herkules mein Freund.�</p><p>Ich h�re meinen Namen und erschrecke. Ein feiner Freund bin ich! Wenn Luisa das w�sste � sie sch�ttet ihr Herz aus, und ich denke bei n�chstbester Gelegenheit wieder nur an Cherie. Was ist blo� los mit mir?</p><p>�Vielleicht musst du die anderen Kinder erst besser kennenlernen? Ich meine, du bist doch erst seit Januar in der Klasse. Manchmal braucht es etwas mehr Zeit, bis man Freunde findet.�</p><p>Im Gegensatz zu mir ist Carolin r�hrend um Luisa bem�ht. Ob es das ist, was Herr Beck meinte? Mit �Mutterrolle streitig machen�? Hat Sabine deshalb Angst vor Carolin? Also, falls sie �berhaupt Angst hat � so genau wei� ich das nat�rlich nicht, denn Marc hat nichts erz�hlt. Und wenn es so ist, welchen Sinn w�rde das machen? Sabine m�sste doch froh sein, dass Carolin sich so gut um Luisa k�mmert.</p><p>Wenn ein Z�chter Welpen abgibt, dann sorgt er immer daf�r, dass sie in liebevolle H�nde kommen. Jedenfalls ein gewissenhafter Z�chter tut das. Gut, der alte von Eschersbach hat mich gemeinerweise einfach ins Tierheim verfrachtet, aber w�re ich reinrassig gewesen, h�tte er potenzielle K�ufer auf Herz und Nieren gepr�ft. In ihrem neuen Zuhause sollen sich die Welpen wohl f�hlen, so denkt sich ein guter Z�chter das. Ich sehe zwar ein, dass man die Sache wahrscheinlich nicht eins zu eins auf Menschen �bertragen kann. Aber nicht wenigstens ein bisschen?</p><p>Nachdem ich zu der ganzen Geschichte offensichtlich nichts Sachdienliches beitragen kann, beschr�nke ich mich darauf, Luisa ein wenig die H�nde abzuschlecken. Vielleicht ist das irgendwie tr�stlich. Sie kichert. Na also, wer sagt�s denn?</p><p>Carolin guckt nachdenklich. Das hei�t, sie legt ihre Stirn in Falten und h�lt den Kopf schief. �Was ist denn das f�r ein Club, in dem du nicht Mitglied bist?�</p><p>�Der Tussi-Club.�</p><p>Carolin prustet laut los.</p><p>�Bitte? Wie hei�t der?�</p><p>�Tussi-Club.�</p><p>Was, bitte, ist daran so komisch?</p><p>�Bist du sicher, dass du in einem Club mit einem so bescheuerten Namen Mitglied sein m�chtest? Ich meine <emphasis>Tussi</emphasis> � schlimmer geht�s doch nicht. Wei�t du �berhaupt, was das bedeutet?�</p><p>Luisa nickt.</p><p>�Klar wei� ich das. Tussi ist normalerweise ein Schimpfwort f�r doofe Frauen. Aber das macht es ja gerade so cool, verstehst du?�</p><p>Carolin guckt sie mit gro�en Augen an.</p><p>�Nee, ehrlich gesagt, nicht.�</p><p>Mir geht�s genauso. <emphasis>Tussi</emphasis> ist ein Schimpfwort, und trotzdem nennen sich die M�dchen so?</p><p>�Ist doch logisch: Pony-Club, Prinzessinnen-Club � das sind alles Namen f�r Clubs von kleinen M�dchen. Weil die immer was Tolles sein wollen. Aber Lena und so � die wollen gar nichts Tolles sein. Die <emphasis>sind</emphasis> toll. Und deswegen nennen sie sich <emphasis>Tussi-Club</emphasis> � zum Spa�, verstehst du?�</p><p>��h, nicht so ganz. Ist ja aber auch egal. Die Frage ist doch: Wie wird man da nun Mitglied? Bewirbt man sich?�</p><p>Luisa seufzt tief.</p><p>�Nein, das geht nicht. Die m�ssen einen fragen. Und sie fragen mich einfach nicht.�</p><p>�Hm. Verstehe. Das ist nat�rlich ein Problem. Aber ich verspreche dir, ich werde dar�ber nachdenken. Und jetzt lade ich dich erst mal auf ein Eis ins Caf� Violetta ein. Danach sieht die Welt garantiert schon besser aus.�</p><empty-line/><empty-line/><p>Luisa ist l�ngst im Bett, als Carolin Marc vom Tussi-Club erz�hlt. Die beiden kuscheln bei einem Glas Wein auf dem Sofa, ich liege davor � alles in allem saugem�tlich.</p><p>�<emphasis>Tussi-Club</emphasis>? Ich lach mich schlapp! Und da will Luisa unbedingt Mitglied werden und ist todungl�cklich, weil die sie nicht lassen? Ach komm, die wird sich schon wieder beruhigen. �</p><p>Carolin mustert Marc �ber den Rand ihres Glases.</p><p>�Hm, ich wei� nicht. Luisa war wirklich sehr traurig. Und sie wollte dir nichts davon erz�hlen. Vielleicht geht das Problem ja auch tiefer, und es gef�llt ihr nicht in Hamburg? Oder unser Zusammenziehen war doch ein bisschen zu schnell f�r sie?�</p><p>Sofort richtet sich Marc auf. �Wie kommst du denn darauf? �</p><p>�Es ist nur so ein Gedanke. Ich mache mir eben ein wenig Sorgen um das Kind.�</p><p>�Ach � und ich nicht, oder wie?� Marc klingt sehr scharf.</p><p>�Hey, das habe ich gar nicht gesagt. F�hl dich doch nicht gleich angegriffen.�</p><p>�Ich f�hle mich nicht angegriffen. Ich glaube nur, dass das totaler Schwachsinn ist. Luisa f�hlt sich sehr wohl, und mit dir kommt sie blendend aus. Alles ist gut.�</p><p>Carolin legt ihre Hand auf Marcs Arm und t�tschelt ihn. �S��er, alles in Ordnung bei dir?�</p><p>�Nat�rlich. Warum?�</p><p>�Du wirkst so angespannt.�</p><p>��berhaupt nicht. Ich bin v�llig entspannt. Gewisserma�en die Ruhe selbst.�</p><p>Ich muss sagen, dass das nicht gerade �berzeugend klingt. Weder wirkt Marc ruhig noch entspannt. Und er riecht auch nicht so.</p><empty-line/><empty-line/><p>Am n�chsten Tag bringen Caro und ich Luisa auf dem Weg in die Werkstatt noch bei der Schule vorbei. Die Stimmung ist gut, Luisa und Caro bl�deln miteinander herum, und Luisa scheint wieder so fr�hlich zu sein, wie ich sie eigentlich kenne. Au�erdem stecken in ihrer Jackentasche Leckerlis � ich rieche das genau. Ob ich gleich eins davon bekomme?</p><p>Caro stoppt das Auto kurz vor der Schule, und tats�chlich kramt Luisa in ihrer Jacke herum.</p><p>�Hier, Herkules, f�r dich. Weil du mich gestern so lieb getr�stet hast!�</p><p>Hm, k�stlich! Wo hat sie das blo� her? Und gibt�s dort noch mehr davon?</p><p>�Wo du gerade von tr�sten redest � ich habe mir tats�chlich schon ein paar Gedanken �ber den Tussi-Club gemacht, und ich glaube, mir ist da eine gute Idee gekommen. �</p><p>Luisa rei�t die Augen auf.</p><p>�Ehrlich? Was denn?�</p><p>�Na, ich will noch nicht zu viel verraten � aber ich sage mal: Stichwort Ponys und Prinzessinnen. Mal sehen, ob�s klappt.�</p><p>Carolin l�chelt geheimnisvoll.</p><p>�Och, Carolin, nun sag schon!�</p><p>�Nein, lass mich erst mal machen. Aber es wird bestimmt gut.�</p><p>�Bitte!�</p><p>�Neihein!�</p><p>Carolin lacht, und auch Luisa f�ngt an zu kichern. Trotzdem unternimmt sie noch einen letzten Versuch, bevor sie aussteigt.</p><p>�Bitte, Carolin! Was hast du dir �berlegt?�</p><p>�Lass dich einfach �berraschen. Und jetzt schnell � du kommst sonst zu sp�t!�</p><p>Nun bin ich aber auch neugierig geworden. Was kann sich Carolin blo� ausgedacht haben, damit Luisa in den Tussi-Club kommt. Mit Ponys und Prinzessinnen. Wobei die doch <emphasis>uncool</emphasis> waren, wenn ich das gestern Abend richtig verstanden habe. Also, nur f�r kleine M�dchen. Oder sollten die Tussis doch kleiner sein, als sie eigentlich zugeben? Es bleibt mir wohl nichts anderes �brig, als mich ebenfalls �berraschen zu lassen.</p><empty-line/><empty-line/><p>�Frau Wiese kommt nicht wieder. Nie wieder.�</p><p>Herr Beck empf�ngt mich mit Grabesstimme, als ich mit Carolin in Ninas Wohnung komme. O je, das klingt gar nicht gut.</p><p>�Was ist denn passiert?�</p><p>�Der Neffe war gestern Nachmittag hier. Frau Wiese geht es immer noch so schlecht, dass sie nicht mehr allein wohnen kann. Sie kommt in ein Heim.�</p><p>In ein HEIM? Ich traue meinen Ohren kaum.</p><p>�So etwas gibt es auch f�r Menschen?�</p><p>�Ja. Ein Altersheim. Dort kommen die alten Menschen hin, die sich nicht mehr um sich selbst k�mmern k�nnen.�</p><p>�Und da gibt es dann auch Pfleger, die sie f�ttern? Und saubermachen und so?�</p><p>Becks Schwanzspitze zuckt hin und her, er legt den Kopf schief.</p><p>�Ich glaube schon.�</p><p>Ich sch�ttele mich.</p><p>�Die arme Frau Wiese! Von meinem eigenen eint�gigen Tierheimaufenthalt habe ich heute noch Albtr�ume. Ich bin dort von zwei riesigen K�tern fertiggemacht worden. Boxer und Bozo. Das vergesse ich nie. Wenn mich Carolin nicht gerettet h�tte, dann ��</p><p>�Ja, ja, dann h�tte dein letztes St�ndlein geschlagen. Die Geschichte hast du mir schon hundert Mal erz�hlt. Aber es geht hier gerade nicht um Frau Wiese.�</p><p>�Geht es nicht?�</p><p>Versteh einer diesen Kater.</p><p>�Nein. Es geht um MICH. Was wird nun aus MIR?�</p><p>Herr Beck macht eine sehr nachdr�ckliche Bewegung mit seiner Tatze. Stimmt, die Frage stellt sich nat�rlich. Wenn Frau Wiese nicht wiederkommt, muss Beck dann ausziehen? Vielleicht ins Menschenheim? Falls Tiere da �berhaupt erlaubt sind. Jetzt bekomme ich es auch mit der Angst zu tun � ich will meinen Kumpel Beck auf keinen Fall verlieren! Er starrt mich d�ster an.</p><p>�Am schlimmsten w�re es, wenn ich wieder zu den drei kleinen Monstern zur�ckmuss. Das �berlebe ich nicht.� Er holt theatralisch Luft. �Dann haue ich lieber ab und lebe auf der Stra�e.�</p><p>�Aber meinst du nicht, dass du bei Nina bleiben kannst? Ihr versteht euch doch super. Sie kocht jeden Tag f�r dich!�</p><p>Beck nickt.</p><p>�Ja, das w�re am sch�nsten. Nur kann ich sie das leider nicht selbst fragen, ich muss darauf vertrauen, dass sie es von allein anbietet.� Er st�hnt. �Gott! Ich f�hle mich so hilflos! Wei�t du, eigentlich bin ich sehr gerne ein Tier. Beziehungsweise: gerne ein Kater. Aber als Haustier letztendlich immer von den Menschen abh�ngig zu sein, das geht mir gegen den Strich. Aber gewaltig. Vielleicht sollte ich gleich abhauen.�</p><p>�Jetzt w�rde ich mal nichts �berst�rzen. Ich kann verstehen, dass du dir Sorgen machst. Aber so, wie ich die Sache sehe, will Nina dich bestimmt behalten. Ich wiederhole es nur ungern: Sie kocht jeden Tag f�r dich! Da k�nnte sich Carolin mal eine Scheibe von abschneiden.�</p><p>�Hoffentlich hast du Recht.�</p><p>�Bestimmt. Lass uns doch mal h�ren, was die Damen zu besprechen haben. Wo stecken die �berhaupt?�</p><p>Wir m�ssen nicht lange suchen. Die beiden stehen in der K�che, Nina hat einen Kaffee aufgesetzt. Der Duft der Kaffeebohnen str�mt langsam durch die ganze Wohnung. Carolin redet, Nina h�rt aufmerksam zu.</p><p>�Irgendwas ist komisch mit Marc. Ich habe ihm gestern erz�hlt, dass Luisa Schwierigkeiten hat, neue Freunde zu finden und dass ich mir ein bisschen Sorgen mache � da ist er gleich an die Decke gegangen. Du h�ttest ihn h�ren sollen! Dabei habe ich ihn wirklich nicht kritisiert. Es ging mir nur um Luisa.�</p><p>�Ich hab�s dir gesagt: Patchwork ist nicht so einfach, wie du vielleicht denkst.�</p><p>�Super, vielen Dank! Mal im Ernst � ich erz�hle dir das nicht, damit du mit einem <emphasis>ich hab�s ja gleich gesagt</emphasis> um die Ecke kommst. Damit hilfst du mir �berhaupt nicht.�</p><p>�Entschuldige, du hast Recht. Wahrscheinlich steht Marc unter einem gewissen Erfolgsdruck, und deine Vermutung, es k�nne Luisa nicht gut gehen, stresst ihn da noch zus�tzlich.�</p><p>�Erfolgsdruck? Warum?�</p><p>�Na, immerhin muss er jetzt beweisen, dass er der Superpapi ist.�</p><p>�Das ist doch Quatsch. Ich wei� doch, dass er ein toller Vater ist.�</p><p>Nina sch�ttelt heftig den Kopf.</p><p>�Doch nicht dir, Caro. Seiner Ex, der muss er das beweisen. Schlie�lich wohnt das Kind zum ersten Mal seit der Trennung bei ihm, und es ist ja m�glich, dass sie der Sache eher skeptisch gegen�bersteht.�</p><p>Was genau mag eine Ex sein? Und was hat sie mit Luisa zu tun? Muss etwas Naheliegendes sein. Carolin jedenfalls wei� sofort, was gemeint ist.</p><p>�Kann eigentlich nicht � es war immerhin auch ihre Idee, dass Luisa zu Marc zieht. Sie ist Stewardess und wollte wieder mehr arbeiten. Das ist mit einem Kind zu Hause nat�rlich schwierig, zumal ihr Neuer als Pilot �hnlich oft unterwegs ist. Marc war nat�rlich begeistert, er wollte schon lange mehr Zeit mit Luisa verbringen.�</p><p>�Tja, wenn das so ist � dann wei� ich auch nicht, was das Problem ist. Also entweder es ist etwas, was er dir nicht erz�hlen will. Oder aber er hatte einfach einen schlechten Tag.�</p><p>Apropos Problem: Wenn sich die Damen mal eben des Anliegens meines besten Freundes annehmen k�nnten? Das w�re ganz reizend. Sonst gehen hier wieder Stunden mit Gespr�chen �ber den menschlichen Nachwuchs ins Land, und wir wissen immer noch nicht, wo Herr Beck demn�chst sein m�des Haupt betten kann. Der sieht offen gestanden schon ziemlich angeschlagen aus � die Sorge um seine Zukunft scheint ihm wirklich zuzusetzen. Nur: Wie lenken wir die Aufmerksamkeit von Nina und Carolin in diese Richtung?</p><p>Ach, ich versuche es einfach mal ganz platt. Ich fange an, zu bellen und mich an Herrn Beck zu reiben. Der springt �berrascht zur Seite.</p><p>�Hey, was ist denn mit dir los?�</p><p>�Vertrau mir, ich habe jetzt auch schon ein paar Sachen �ber das menschliche Hirn gelernt. Wenn sich Nina �berhaupt schon Gedanken gemacht hat, ob sie dich endg�ltig adoptieren soll, dann braucht sie dich bestimmt nur anzugucken und wird Carolin davon erz�hlen.�</p><p>�Und deswegen musst du mit mir kuscheln?� Beck faucht mich regelrecht an. Der muss wirklich runter mit den Nerven sein.</p><p>�Meine G�te, sei doch nicht so empfindlich. Es ist zu deinem Besten. Und so schlimm ist es auch nicht, mit mir auf Tuchf�hlung zu gehen.�</p><p>�Was ist denn mit euch beiden los?�, wundert sich Nina. �Ihr versteht euch doch sonst so gut.� Genau, tun wir eigentlich auch � also, woran wird�s wohl liegen? Komm schon, Nina, denk mal nach. Du kommst bestimmt drauf.</p><p>Herr Beck schenkt mir einen Blick, der irgendwo zwischen <emphasis>�so wird das nie was�</emphasis> und <emphasis>�wird�s nun endlich was?�</emphasis> schwankt. Und dann ist es erstaunlicherweise Carolin, die auf die richtige Idee kommt.</p><p>�Wie gestaltet sich eigentlich deine WG mit Blecki?�</p><p>�Oh, gut. Vor allem habe ich inzwischen herausgefunden, dass das Viech Herr Beck hei�t.�</p><p>�Stimmt. Jetzt, wo du es sagst, f�llt es mir auch wieder ein. Bist du denn jetzt auf den Geschmack gekommen und schaffst dir auch eine Katze an, wenn Frau Wiese wieder da ist?�</p><p>�Die arme Frau Wiese kommt gar nicht wieder. Ihr Neffe war da. Es geht ihr noch so schlecht, dass sie erst einmal in ein Pflegeheim zieht. Die Wohnung wird aufgel�st. Und ich habe mir �berlegt, Herrn Beck zu behalten. Es ist n�mlich der erste Mann in meinem Leben, mit dem das Zusammenleben richtig Spa� macht. Ich glaube, es ist was Ernstes.�</p></section><section><title><p>ACHT</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>I</strong>ch habe eine Superidee in Sachen Tussi-Club!�</p><p>Carolin f�llt Marc um den Hals und k�sst ihn, kaum dass wir durch die Praxist�r gekommen sind. Normalerweise ist sie diesbez�glich etwas zur�ckhaltender und die Praxis erst recht nicht der Ort f�r innige Zweisamkeit bei den beiden. Aber es sind keine Patienten mit den dazugeh�rigen Menschen mehr da, also scheint das aus ihrer Sicht in Ordnung zu sein. Marc schaut zuerst etwas �berrascht, dann erwidert er ihren Kuss.</p><p>�Na, erz�hl mal. Ich bin gespannt.�</p><p>Ja? Ich nicht. Etwas Langweiligeres, als jetzt Carolins Ideen zu dieser Kinderveranstaltung zu lauschen, kann ich mir gerade nicht vorstellen. Viel spannender ist doch, dass Herr Beck nun dauerhaft bei Nina wohnen wird! Warum erz�hlt Carolin denn das nicht als Erstes?</p><p>�Luisa hat doch gesagt, dass diese Lena einen Pony-Geburtstag veranstaltet hat. Also offensichtlich stehen Pferde bei den Damen hoch im Kurs. Was h�ltst du davon, wenn wir den gesamten Club zu einem Au�entermin mit Pferden und echtem Schloss einladen? Daf�r m�sstest du allerdings mal deine guten Verbindungen spielen lassen.�</p><p>G�hn! Pferde? Wen interessiert�s? Gut, ich wei�, dass meine Vorfahren oft auch J�ger begleitet haben, die mit Pferden unterwegs waren. Opili sagt, dass das immer die tollsten Erlebnisse waren � eine ganze Meute Hunde und die Menschen auf den Pferden nat�rlich viel schneller als sonst zu Fu�. Allerdings bin ich mir sicher, dass Carolin mit dem Tussi-Club keine Treibjagd plant. Ohne Jagd kann ich mit Pferden aber nichts anfangen. Auf Schloss Eschersbach standen auch so einige davon rum, mir pers�nlich kamen die immer ein wenig bl�d vor. Marc runzelt die Stirn. Ob er meine Ansicht �ber Pferde teilt?</p><p>�Ich f�rchte, ich kann dir momentan nicht ganz folgen.�</p><p>�Macht nichts, ich erkl�re es dir. Wir waren doch letztes Jahr einmal zusammen mit Herkules bei seinem Z�chter � diesem etwas kauzigen Grafen, oder Herzog, oder was auch immer der ist, auf diesem riesigen Landgut.�</p><p>Herkules? Z�chter? Landgut? Mit einem Mal bin ich wie elektrisiert. Carolin muss einfach von Schloss Eschersbach reden. Tats�chlich war ich einmal mit Carolin und Marc dort zu Besuch. Es war das erste und letzte Mal, dass ich meine Familie wieder zu Gesicht bekommen habe, nachdem mich der alte von Eschersbach ins Tierheim abgeschoben hatte. Es war ein traumhafter Tag. Alle haben sich gefreut, mich wiederzusehen: meine Schwester Charlotte und Mama, Emilia, die K�chin, und nat�rlich Opili. Es schien mir, dass selbst von Eschersbach ein bisschen ger�hrt war. Wahrscheinlich hatte er es schon bitter bereut, mich so schlecht behandelt zu haben. Aber das Tollste von allem war fast, als Hund des Tierarztes auf dem Schloss aufzutauchen. Ich habe regelrecht gerochen, wie viel Respekt die anderen auf einmal vor mir hatten. Leider haben wir diesen Ausflug nie wiederholt, ich h�tte riesige Lust dazu gehabt.</p><p>��h, du meinst den alten von Eschersbach?�</p><p>�Genau. Du betreust doch seine Dackelzucht, oder?�</p><p>�Ja, das hat schon mein Vater gemacht, und ich habe das �bernommen. Aber was hat das mit dem Tussi-Club zu tun?�</p><p>�Wenn ich mich recht erinnere, gibt es auf dem Gut auch Pferde.�</p><p>�Richtig. Deswegen war von Eschersbach auch schwer begeistert, als ich Vaters Praxis �bernommen habe. Schlie�lich war ich in M�nchen lange Assistent in der Pferdeklinik der Uni.�</p><p>�Ja, du bist ein ganz Toller. Aber darauf wollte ich gar nicht hinaus.�</p><p>Marc grinst, schnappt pl�tzlich nach Carolin und kippt sie in die Waagerechte. �So, wolltest du nicht? Na warte, bevor ich nicht einen Kuss bekomme, lasse ich dich nicht wieder los.�</p><p>Hey, Leute, nicht flirten, weitererz�hlen! Ich will jetzt unbedingt wissen, was Carolins Plan mit Schloss Eschersbach zu tun hat. Ob nun Marc auch ein klasse Pferdedoc ist oder nicht, tut doch hier gar nichts zur Sache!</p><p>Carolin windet sich lachend aus Marcs Griff. �Nee, nee, mein Lieber, erpressen ist nicht! H�r mir lieber weiter zu.�</p><p>Marc seufzt und nickt. �Hat von Eschersbach auch Ponys?�</p><p>�Ja, hat er. Beziehungsweise seine Schwiegertochter hat welche. Er war erst �berhaupt nicht begeistert davon, aber mittlerweile stehen dort meines Wissens auch noch drei oder vier Isl�nder. Viel habe ich mit den Pferden aber nicht zu tun, die sind Gott sei Dank ziemlich gesund.�</p><p>�Meinst du, Luisa k�nnte mal mit ein paar M�dchen zum Reiten vorbeikommen?�</p><p>Eine echte Knaller-Idee! Und ich komme gleich mit! Gro�artig, Carolin! Du bist wirklich zu gebrauchen. Marc allerdings scheint mir nicht ganz so euphorisch. Er zuckt blo� mit den Schultern.</p><p>�Wei� nicht. Von Eschersbach ist da immer sehr eigen. Allerdings mag er mich wohl recht gerne. Ich kann ihn mal fragen. Aber was spricht eigentlich gegen einen <emphasis>normalen</emphasis> Reitstall?�</p><p>�Echt, Marc � du verstehst auch gar nichts von jungen Damen. Schon gar nicht von <emphasis>Tussis</emphasis>. Schloss Eschersbach ist doch eine sehr exklusive Location. Da werden die M�dchen schon aus purer Neugier nicht Nein sagen. Ich will nicht, dass Luisa noch einmal so eine Schlappe wie mit der Pyjama-Party erlebt.�</p><p>�Nein, das will ich auch nicht�, erwidert Marc sehr knapp. Carolin schaut ihn erstaunt an.</p><p>�Sag mal, was ist eigentlich mit dir los? Nervt es dich, wenn ich solche Vorschl�ge mache? Findest du, dass mich das nichts angeht? Oder ist es was anderes?�</p><p>��berhaupt nicht. Im Gegenteil, ich freue mich, dass du dir Gedanken um Luisa machst.�</p><p>�Aber was ist es dann? Stress mit Sabine?�</p><p>Sabine? Da klingelt doch etwas bei mir. Ich muss sofort an Marcs Telefongespr�ch im Park denken.</p><p>�Quatsch, wie kommst du denn darauf? Es ist alles in bester Ordnung.�</p><p>In bester Ordnung? Wenn das mal stimmt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Marc mit der Sabine, die Luisas Mutter ist, telefoniert hat und dass sich die beiden gestritten haben. Also, entweder ich habe das im Park v�llig falsch verstanden � oder es handelt sich hierbei um eine faustdicke L�ge. Ich tippe auf Letzteres, denn auf einmal beginnt Marc, nach Stress zu riechen. Und ein kleines bisschen nach Angst. Auch Carolin scheint das zu bemerken, obwohl sie wie alle Menschen ziemlich taub auf der Nase sein d�rfte. Sie zieht die Augenbrauen nach oben und mustert Marc eindringlich. Er weicht ihrem Blick aus.</p><p>�Also, wie dem auch sei � vielleicht ist deine Idee wirklich gut. Ich werde morgen bei von Eschersbach anrufen und einen Termin machen. Muss sowieso mal wieder nach den Dackeln gucken.�</p><p>Ohne weiter nachzudenken, fange ich an zu bellen. Marc und Carolin schauen sich �berrascht an � und lachen gleichzeitig los. Dann b�ckt sich Carolin und streichelt mir �ber den Kopf.</p><p>�Hast du uns etwa verstanden?�</p><p>�Ich glaube schon. Keine Sorge, Herkules. Wenn es so weit ist, nehme ich dich mit. Und jetzt habe ich auch einen Wunsch.�</p><p>Ach ja? Carolin und ich schauen Marc interessiert an.</p><p>�Ich m�chte gerne mit meiner Liebsten ein romantisches Abendessen verbringen. Meinst du, Nina k�nnte spontan babysitten?�</p><p>Carolin nickt. �Klar, ich rufe sie gleich mal an. Auf ein Dinner zu zweit h�tte ich auch Lust. Schade, dass Herkules uns im Zweifel nicht anrufen kann. Sonst w�re er bestimmt der perfekte Babysitter f�r Luisa.�</p><p>Marc guckt mich an und grinst. �Tja, Herkules ist schon ziemlich gut � aber er ist kein Superdackel.�</p><p>Bitte? Bodenlose Frechheit.</p><empty-line/><empty-line/><p>Als Nina zwei Stunden sp�ter tats�chlich im Hause Wagner-Neumann aufkreuzt, bringt sie Herrn Beck mit. Luisa ist begeistert, Herr Beck wahrscheinlich weniger.</p><p>�Oh, wie s��! Eine Katze!�</p><p>�Genau genommen ein Kater�, erkl�rt ihr Nina und gibt ihr Herrn Beck auf den Arm. Hoffentlich kriegt unser Kinderfreund da nicht gleich einen Herzinfarkt! Aber zu meiner gro�en �berraschung l�sst sich Beck offenbar ganz entspannt von Luisa kraulen und f�ngt sogar an zu schnurren. Ganz neue T�ne � aber ich freue mich nat�rlich, dass die beiden sich offenbar auf Anhieb verstehen.</p><p>�Wie hei�t er denn?�, will Luisa wissen.</p><p>�Herr Beck. Er ist schon ein etwas �lterer Herr, ich habe ihn gewisserma�en geerbt.�</p><p>Luisa l�chelt und wiegt ihn hin und her, Beck schnurrt noch lauter.</p><p>�Heuchler!�, zische ich ihm zu, aber er ignoriert mich. Stattdessen schmiegt er sich sogar noch ein bisschen n�her an Luisa.</p><p>�Ich glaube, er mag Kinder.�</p><p>�Bestimmt!�</p><p>Gut, dass ich nicht sprechen kann.</p><p>�Dein Vater hat gesagt, dass du noch eine halbe Stunde aufbleiben darfst. Soll ich dir etwas vorlesen?�</p><p>Luisa sch�ttelt den Kopf.</p><p>�Nein danke, lesen kann ich ja schon selbst, das mache ich nachher im Bett. Lieber spiele ich noch etwas mit Herkules und Herrn Beck. Oder vertragen sich die beiden nicht? Ich meine, so von wegen Hund und Katze?�</p><p>�Im Gegenteil, die beiden sind Kumpels. Sozusagen beste Freunde�, beruhigt sie Nina. Luisa seufzt, setzt Herrn Beck neben mich auf den Boden und sich selbst gleich dazu.</p><p>�Das ist sch�n, wenn man einen besten Freund hat. Oder eine beste Freundin.�</p><p>Auch Nina setzt sich auf den Boden.</p><p>�Stimmt. Ich bin auch froh, dass ich Carolin habe. Wer ist denn deine beste Freundin?�</p><p>Luisa zuckt mit den Schultern. �Niemand. Johanna war meine beste Freundin in M�nchen, aber hier in Hamburg habe ich noch keine.�</p><p>�Verstehe. Das ist nat�rlich doof.�</p><p>�Wei�t du, ich habe schon versucht, ein paar M�dchen aus meiner Klasse einzuladen, aber die wollten leider nicht kommen. Ich habe es neulich schon Carolin erz�hlt � und die hat sich jetzt etwas �berlegt, wie ich vielleicht doch noch Freundinnen finde. Ist aber noch geheim, sie will mich �berraschen.�</p><p>�Das klingt doch gut. Bestimmt hat Caro eine richtig tolle Idee, du wirst schon sehen.�</p><p>Herr Beck robbt an mich heran. �Muss man sich Sorgen um Luisa machen? Das arme Kind!�</p><p>�Sag mal, seit wann bist du denn so ein Kinderfreund? Neulich hast du wegen der G�ren von Wiese junior noch Gift und Galle gespuckt.�</p><p>�Was hei�t hier <emphasis>Gift und Galle</emphasis>? Ich war lediglich ein wenig ungehalten, vielleicht hatte ich auch einen schlechten Tag wegen der ganzen Geschichte mit Frau Wiese.�</p><p>H�rt, h�rt. Herr Beck r�umt einen schlechten Tag ein. Eine interessante pers�nliche Entwicklung. Allerdings nicht so interessant wie das Gespr�ch zwischen Luisa und Nina. Letztere kann es sich n�mlich nicht verkneifen, sich mal genauer nach dieser Sabine zu erkundigen.</p><p>�Und deine Mama? Wie findet die, dass du jetzt bei deinem Papa wohnst?�</p><p>Wenn Marc das w�sste, w�re es ihm bestimmt nicht recht. Ich kann gar nicht genau sagen, warum ich das glaube � aber ich habe das Gef�hl, dass Nina die Familiengeschichte eigentlich nichts angeht.</p><p>�Mama findet das gut. Wir haben uns das zusammen �berlegt.�</p><p>�Wer ist denn <emphasis>wir</emphasis>?�</p><p>Mann, diese Nina ist aber richtig neugierig. Warum will sie das blo� so genau wissen?</p><p>�Na, Mama, Papa und ich. Und auch Jesko. Das ist Mamas Freund. Der wohnt mit ihr zusammen.�</p><p>�Aha. Dann ist ja alles gut.�</p><p>Eben. Und so hat es ihr doch auch schon Carolin erz�hlt. Aber der wollte Nina das wohl nicht glauben. Wobei � so ganz gut scheint es nicht zu sein, sonst h�tte Marc keinen Streit mit Sabine gehabt. Glaube ich jedenfalls. Und ich k�nnte einen gro�en Kauknochen darauf verwetten, dass Nina auf die gleiche Idee gekommen ist.</p><empty-line/><empty-line/><p>Luisa ist l�ngst im Bett, und Herr Beck und ich l�mmeln mit Nina vor dem Fernseher auf dem Sofa herum. Eine gute Gelegenheit, Herrn Beck endlich mal von dem Thema zu erz�hlen, das mich am meisten bewegt: Cherie. Ich habe ihm gegen�ber zwar schon die ein oder andere Andeutung gemacht, aber bisher hat er darauf �berhaupt nicht reagiert. Was ich schon ein bisschen ungerecht finde. Schlie�lich habe ich mir auch das ganze Elend �ber Frau Wiese, Wiese junior, die kleinen Monster und die Sorgen �ber die Suche nach einer neuen Bleibe von ihm angeh�rt. Da wird er doch mal f�nf Minuten Zeit �brig haben, sich anzuh�ren, wie es um mein kleines Dackelherz bestellt ist.</p><p>�Wei�t du, was ich dir schon die ganze Zeit erz�hlen wollte?�</p><p>Herr Beck rollt sich herum und dreht den Kopf in meine Richtung. �Nee, was denn?�</p><p>�Ich habe jemanden kennengelernt.�</p><p>�Ach.� Besonders interessiert klingt Beck nicht, aber das ist mir egal.</p><p>�Ja, eine Golden-Retriever-H�ndin. Sie hei�t Cherie und ist sch�n. Wundersch�n.�</p><p>Herr Beck r�ckt n�her an mich heran. �Sag blo�, du hast dich verliebt?�</p><p>�Na ja, also, ich wei� nicht so genau. Aber ein bisschen Herzklopfen kriege ich schon, wenn ich sie sehe. Genau genommen ziemlich viel Herzklopfen.�</p><p>Wenn er es k�nnte, w�rde Herr Beck in wieherndes Gel�chter ausbrechen, das sehe ich ihm genau an. So allerdings muss er sich auf etwas beschr�nken, das wie ein heiseres Fauchen klingt.</p><p>�Cherie? Golden Retriever? Oh, Mann, Herkules, die ist doch mindestens doppelt so gro� wie du! Wenn nicht dreimal! �</p><p>Er rollt sich vor Vergn�gen auf dem Boden herum. Irgendwie hatte ich mir von einem guten Freund eine andere Reaktion erhofft.</p><p>�Also, ich wei� wirklich nicht, was daran so komisch ist. Sicher, ich bin kleiner, aber eigentlich bin ich doch auch ein Jagdhund und da ��</p><p>Es klingelt an der Wohnungst�r. Nanu? Ganz sch�n sp�t f�r Besuch. Wahrscheinlich haben Carolin und Marc nur den Schl�ssel vergessen. Nina l�uft in den Flur, um zu �ffnen, ich folge ihr.</p><p>Aber vor der T�r stehen nicht Marc und Carolin. Sondern eine Frau, die ich noch nie zuvor gesehen habe.</p></section><section><title><p>NEUN</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>I</strong>ch habe sie wirklich noch nie gesehen. Da bin ich mir ganz sicher. Und trotzdem riecht sie irgendwie vertraut. Seltsam. Wie kann das sein? Nina scheint es interessanterweise �hnlich zu gehen. Kommt ihr die Frau auch bekannt vor? Sie schaut hin, schaut kurz wieder weg, �berlegt, schaut nochmal hin. Dann �ffnet sie die T�r ein St�ck weiter.</p><p>�Ja, bitte?�</p><p>Die fremde Frau macht einen Schritt nach vorne. Der vertraute Geruch weht mir nun direkt in die Nase. Es riecht ein bisschen nach � hm � nach � Luisa!</p><p>�Hallo. Ich bin Sabine. Sie m�ssen Carolin sein. Darf ich reinkommen?�</p><p>�Marc ist nicht da�, beeilt sich Nina zu sagen.</p><p>�Schade.� Die Frau denkt kurz nach. �Wobei � vielleicht ist es auch gar nicht schlecht, wenn wir beide uns mal unterhalten.�</p><p>Hey, Nina, vergiss es! Du bist doch gar nicht Carolin. Und das ist auch gar nicht deine Wohnung � willst du diese Fremde wirklich reinlassen? Ich merke, wie sich jede Muskelfaser in meinem K�rper anspannt. Lass! Sie! Nicht! Rein!, w�rde ich am liebsten laut rufen. Stattdessen muss ich mich aufs Knurren beschr�nken. Dackel sind zwar eigentlich Jagdhunde, aber vielleicht sorgt der Terrieranteil in mir auch f�r gewisse Wachhundqualit�ten.</p><p>Die fehlen Nina leider v�llig. Sie z�gert nur kurz, dann �ffnet sie die T�r ganz. Die Frau betritt unseren Flur und schaut sich fragend um. Ich bleibe bei der T�r stehen und mustere sie aus den Augenwinkeln. Sie ist gro� und schlank und hat dunkle, gelockte Haare, genau wie Luisa. Warum sagt Nina dieser Sabine nicht einfach, dass sie heute Abend nur der Babysitter ist, und schmei�t sie dann raus?</p><p>�Kommen Sie doch bitte mit ins Wohnzimmer. Hier entlang.�</p><p>�Ich wei�. Meine Schwiegereltern haben hier fr�her gelebt. � Der letzte Satz kommt schnell und scharf. Sehr scharf. Meine Nackenhaare beginnen, sich zu str�uben. Diese Frau ist gef�hrlich, das ist eindeutig. Hoffentlich ist sie nicht bewaffnet, immerhin hat sie eine sehr gro�e Handtasche dabei. Ich halte mich jetzt dicht an Nina, bereit, sie sofort zu verteidigen.</p><p>Noch allerdings geht die Frau nicht in eine Angriffshaltung �ber. Sie mustert Nina.</p><p>�Komisch. Ich hatte Sie mir ganz anders vorgestellt.�</p><p>Kein Wunder. Das ist ja auch gar nicht Carolin. Nina, was ist los mit dir? Kl�r das auf, und zwar bevor sie dich anf�llt und niederschl�gt. Riechst du die Gefahr etwa nicht?</p><p>Nat�rlich nicht. Stattdessen geht sie ins Wohnzimmer vor und bietet der Frau mit einer Handbewegung einen Platz auf dem Sofa an. Wozu haben Menschen eigentlich eine Nase im Gesicht? Die ist komplett �berfl�ssig. Ich habe mir das schon �fter gedacht. Meistens st�rt es mich nicht � jeder hat eben seine Schw�chen. Aber gerade im Moment regt es mich schon auf, dass Nina diesen stechend aggressiven Duft, der die Frau umweht, so gar nicht wahrnimmt.</p><p>Wer allerdings auch nichts wahrnimmt, ist Herr Beck. Der liegt nach wie vor auf dem Sofa. Ist anscheinend eingeschlafen. Himmel, bin ich hier denn der Einzige, der den Ernst der Lage erkannt hat? Nur zwei T�ren weiter schl�ft Luisa friedlich in ihrem Bett. Was, wenn die Fremde, die behauptet, Sabine zu sein, unser Kind rauben will?</p><p>Nina setzt sich neben Herrn Beck, der tats�chlich angefangen hat zu schnarchen. Ich lege mich vor ihre F��e. Von hier aus habe ich die potentielle Angreiferin genau im Blick, sie hat sich n�mlich in den Sessel gegen�ber vom Sofa gesetzt.</p><p>�Womit kann ich Ihnen denn helfen?�, beginnt Nina das Gespr�ch betont freundlich.</p><p>�Sie haben keine eigenen Kinder, oder?�</p><p>Ha! Ich hab�s gewusst! Es geht um Luisa! Nina schaut schwer irritiert. Klar, die Frage nach eigenen Kindern w�rde auch die Dackelin krummnehmen. Klingt glatt so, als ob man ihr unterstellt, nicht f�r die Zucht geeignet zu sein.</p><p>��h, nein, noch nicht.�</p><p>�Dann k�nnen Sie auch nicht wissen, wie sich das anf�hlt.�</p><p>�Was denn?�</p><p>�Wenn das eigene Kind zu einer fremden Frau zieht. Das kann sich niemand vorstellen, der es noch nicht erlebt hat.�</p><p>Nina legt den Kopf schief.</p><p>�Na ja, ich habe zwar keine Kinder, aber ich bin Psychologin, also da ��</p><p>�Ach? Ich dachte, Sie seien Geigenbauerin. Hat Marc jedenfalls behauptet.�</p><p>�Nat�rlich � �h � richtig. Ich meinte damit nur, dass ich auch mal ein paar Semester Psychologie studiert habe. Nach meiner Ausbildung, weil es mich so interessiert hat.�</p><p>Sabine zieht die Augenbrauen hoch, und Ninas Gesichtsfarbe wird deutlich dunkler. L�gen ist eben gar nicht so einfach. Als Hund sowieso nicht, aber auch als Mensch muss man so einiges beachten, damit man nicht auffliegt. Trotzdem machen sie es sehr oft. Also, ich meine: l�gen. Der alte von Eschersbach wurde seinerzeit nicht m�de, die Schlechtigkeit von l�genden Menschen hervorzuheben, und anfangs hat es mich auch schwer irritiert, wenn ich einen Menschen dabei erwischt habe. Aber mittlerweile bin ich zu der �berzeugung gelangt, dass es ein wichtiger Bestandteil menschlicher Kommunikation ist und die meisten Menschen die ein oder andere L�ge in ihrem Alltag fest einkalkulieren. Mit einer kleinen L�ge hier und da schummeln sie sich so durch, es macht ihr Leben einfacher.</p><p>Ninas L�ge scheint mir aber ein ganz anderes Kaliber zu sein. Nicht die Sorte <emphasis>Ich war schon mit dem Hund drau�en</emphasis> oder <emphasis>Nat�rlich habe ich beim Zahnarzt angerufen</emphasis>. Immerhin tut sie einfach so, als sei sie ein anderer Mensch. Ich frage mich nur, warum? Sie k�nnte doch auch einfach zugeben, der Babysitter zu sein, und dann w�ren wir vermutlich auch schnell diese unangenehme Frau los.</p><p>�Auf alle F�lle muss ich mit Marc sprechen, wie es nun weitergeht. Denn <emphasis>so</emphasis> geht es nicht weiter, das steht schon mal fest. Ich habe neulich versucht, mit ihm am Telefon dar�ber zu sprechen, aber da hat er mir einfach den H�rer aufgelegt. Hat er Ihnen das erz�hlt?�</p><p>Aha, das Telefonat im Park. Nun bin ich auf einmal doch ganz Ohr.</p><p>�Nein, das wusste ich nicht.�</p><p>�Das wundert mich nicht. Marc ist so ein konfliktscheuer Idiot. Deswegen bin ich jetzt nach Hamburg geflogen. Ich habe mir extra zwei Tage freigenommen.�</p><p>�Was ich nicht ganz verstehe � es war doch eigentlich auch Ihre Idee, dass Luisa zu uns zieht. Wo ist denn jetzt das Problem?�</p><p>Sabine schnappt h�rbar nach Luft. �Wo das Problem ist? Es war eben nicht meine Idee, dass Luisa zu <emphasis>Ihnen</emphasis> zieht. Als ich das mit Marc besprochen habe, war er noch Single. Es war �berhaupt keine Rede davon, dass er mit einer Frau zusammenziehen w�rde. Es gab <emphasis>Sie</emphasis> noch gar nicht.� W�tend funkelt sie Nina an, die verschr�nkt die H�nde vor der Brust.</p><p>�Sie k�nnen Marc doch nicht verbieten, mit einer Frau zusammenzuziehen. Oder erwarten Sie, dass er im Z�libat lebt?�</p><p>Z�li-was?!</p><p>�Nat�rlich nicht. Ich erwarte nur, dass er mir erz�hlt, wenn so etwas Wichtiges in seinem Leben passiert. Vor allem, wenn es auch <emphasis>mein</emphasis> Kind betrifft.�</p><p>Nina l�sst die Arme sinken.</p><p>�Hat er Ihnen das denn nicht erz�hlt?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Oh.�</p><p>�Ja. <emphasis>Oh</emphasis>. Ich habe es erst von Luisa bei ihrem letzten Besuch erfahren.�</p><p>Nina sch�ttelt den Kopf. �Gut, M�nner gehen einem Streit in der Tat gerne mal durch das klassische Aussitzen aus dem Weg. Aber in diesem Fall war das vielleicht nicht so geschickt.�</p><p>Sabine springt von dem Sessel auf. �Nicht so geschickt? Es hat mich extrem gekr�nkt! Mein Kind wohnt nun mit einer fremden Frau zusammen, und ich erfahre es nur durch Zufall. So geht das nicht. Ich kann wohl zu Recht erwarten, dass Marc in diesem Punkt auch auf meine Gef�hle R�cksicht nimmt.�</p><p>�Okay, wahrscheinlich hat er sich gedacht, da Sie doch auch mit einem neuen Partner �� Weiter kommt Nina nicht, denn Sabine schie�t auf sie zu und bleibt erst ganz kurz vor ihr stehen. Dabei tritt sie mir fast auf den Schwanz, so dass ich erschreckt aufheule. Das ignoriert die Furie komplett, sie wettert einfach drauflos.</p><p>�Ja, ja, damit kommt Marc auch am liebsten um die Ecke: Dass ich diejenige war, die ihn verlassen hat und dass ich ihn Knall auf Fall f�r Jesko habe sitzen lassen. Und daf�r l�sst er mich jetzt b��en, oder wie? Meinen Sie, mein lieber Exmann hat sich schon ein einziges Mal gefragt, warum ich ihn verlassen habe? Zu einer Trennung geh�ren immer zwei. Jesko war vielleicht der Anlass, aber er war mit Sicherheit nicht der Grund.�</p><p>Tollwut. Ein ganz klarer Fall von Tollwut. Ich kann es jetzt nicht so genau sehen, weil Sabine direkt �ber mir steht, aber ich bin mir sicher, dass sie Schaum vor dem Mund hat. Tragisch, denn eigentlich muss man die Frau bei dieser Diagnose sofort erschie�en. Ich wei� allerdings nicht, ob Marc ein Gewehr im Haus hat. Er ist da sehr schlecht sortiert, f�rchte ich.</p><p>�Ja, also�, stottert Nina, �ich wei� gar nicht ��</p><p>�Richten Sie Marc einen sch�nen Gru� aus�, unterbricht Sabine sie erneut, �er soll mich anrufen. Wir m�ssen reden. Und wir werden reden.�</p><p>Dann macht sie auf dem Absatz kehrt, schnappt sich ihre gro�e Tasche und rauscht aus der Wohnung. Als die T�r mit einem lauten Knall ins Schloss f�llt, schreckt Herr Beck hoch.</p><p>�Was? Wie? Sprichst du mit mir? Also was war denn nun, als du mit Carolin an der Alster spazieren warst?�</p><empty-line/><empty-line/><p>In dieser Nacht schlafe ich sehr schlecht. St�ndig tr�ume ich von Sabine, die versucht, Luisa aus ihrem Bett zu zerren. Und wenn ich zwischen zwei Alptr�umen kurz hochschrecke, horche ich angestrengt, ob irgendjemand durch die Wohnung schleicht. Dabei ist der Abend ganz friedlich zu Ende gegangen. Kurz nachdem die Verr�ckte abgehauen war, kamen auch schon Marc und Carolin. Sie waren gut gelaunt, hatten offenbar einen tollen Abend zu zweit. Marc hat eine Flasche Wein ge�ffnet, gemeinsam mit Nina haben sie noch eine Zeitlang im Wohnzimmer gesessen und gequatscht. Nina hat allerdings kein Wort �ber unsere unheimliche Besucherin verloren, sondern nur erz�hlt, dass sich Luisa schon auf Carolins �berraschung freut. Dann hat sie sich Herrn Beck unter den Arm geklemmt und ist gegangen. Sehr seltsam, das Ganze.</p><p>Jetzt ist es Morgen, und ich f�hle mich wie ger�dert. Dieser Menschenkram f�ngt an, sehr anstrengend zu werden. Wie hatte Herr Beck gesagt? Ein Happy End gibt es bei Menschen nicht? Langsam ziehe ich wenigstens vage in Betracht, dass er Recht gehabt haben k�nnte. Ich sollte mich aus der Angelegenheit raushalten und mich auf mein eigenes Leben konzentrieren. Das allerdings ist leichter gesagt als getan. Denn das Leben eines treuen Dackels ist untrennbar verbunden mit dem seines Herrchens. Und das gilt mit Sicherheit auch, wenn der Dackel ein Dackelmix und das Herrchen ein Frauchen ist.</p><p>Zumindest k�nnte ich aber versuchen, mich verst�rkt auf hundgerechte T�tigkeiten wie durch den Park stromern und Kaninchen jagen zu verlegen. Oder ich bleibe einfach mal einen Tag faul im K�rbchen liegen. Wir Dackel sind ohnehin nicht die gro�en Langstreckenl�ufer. Ein Tag Ruhe wird mir gewiss guttun. Uah, bin ich m�de!</p><p>Carolin steht auf einmal neben mir. �Alles okay bei dir, Herkules? Du warst so unruhig heute Nacht. Ich habe dich ab und zu heulen h�ren. Oder musst du nur ganz dringend raus? Vielleicht sollten wir f�r diese F�lle mal ein Katzenklo besorgen. Nina hat ja nun eines in ihrer Wohnung stehen, ich frage sie mal, wo sie das besorgt hat.�</p><p>Katzenklo? Kein Hund mit einem Funken Ehre im Leib w�rde sich auf so ein Teil hocken. Das w�re ja noch sch�ner ! Aber typisch Mensch: immer sch�n bequem. Was ich in solchen F�lle brauche, ist ein Baum, keine Plastikwanne. Jawollja! Ich lege den Kopf auf die Vorderl�ufe und knurre ein bisschen. Carolin lacht.</p><p>�Na gut, also kein Katzenklo. Kannst ja gleich auf dem Weg in die Werkstatt den n�chsten Baum aufsuchen. Wir gehen heute mal zu Fu�, ich glaube, das kriege ich wieder hin.�</p><p>Hm, das klingt nicht schlecht. Wobei ich mir doch gerade �berlegt hatte, einfach hierzubleiben. Ach, was soll�s � ausruhen kann ich mich auch noch in der Werkstatt. Ich komme mit!</p><p>Schnell h�pfe ich aus meinem K�rbchen und sch�ttele mich, dann laufe ich in die K�che. Marc und Luisa sitzen auch schon dort, Luisa kritzelt in einem Heft herum, Marc liest Zeitung und trinkt Kaffee. Es sieht ziemlich idyllisch aus � eben doch nach Happy End. Wahrscheinlich habe ich mir v�llig umsonst Sorgen gemacht. Liegt bestimmt an meiner �berm�dung.</p><p>Carolin geht zum K�hlschrank, holt mein Fresschen und verfrachtet es in die Mikrowelle. Pling! Sie stellt mir ein Sch�lchen vor die F��e. Ich schnuppere daran. Hm, Herz. Lecker! Okay, die Nacht war schlimm. Aber der Tag l�sst sich daf�r umso besser an.</p><p>Es klingelt. Erst kurz. Dann l�nger. Dann durchgehend. Marc und Carolin schauen sich fragend an.</p><p>�Erwartest du irgendjemanden?�, will Carolin wissen.</p><p>�Um halb acht? Nat�rlich nicht. Keine Ahnung, wer das ist.�</p><p>Aber ich wei� es: die Verr�ckte. Sie ist zur�ck, ich bin mir ganz sicher. Sie wird versuchen, Luisa zu holen. Genau wie in meinem Traum. Sofort lasse ich mein Fressen Fressen sein und rase zur T�r. Diese Frau wird keinen Fu� �ber unsere Schwelle tun, ich werde pers�nlich daf�r sorgen.</p><p>�Hoppla, Herkules! Fast w�re ich �ber dich gestolpert � was ist denn los mit dir?� Marc muss mich zur Seite schieben, um �berhaupt die T�r �ffnen zu k�nnen. Das wollte ich eigentlich verhindern, aber auf dem Parkettboden kann ich mich leider nicht festkrallen, und so schiebt mich Marc mitsamt der T�r zur Seite. Jetzt kann ich noch nicht einmal sehen, wer geklingelt hat, geschweige denn verhindern, dass dieser Jemand in die Wohnung kommt.</p><p>�Guten Morgen! Sie kenne ich doch, oder?�</p><p>�Ja, ich bin Claudia Serwe. Meine H�ndin hat neulich Ihren Dackel aus der Alster gefischt. Entschuldigen Sie diese fr�he St�rung, aber Cherie ist eben von einem Auto angefahren worden. Ich wusste nicht, wo ich mit ihr hinsoll, und dann fiel mir wieder ein, dass Ihre Praxis gleich um die Ecke ist. Ich hatte gehofft, dass Sie vielleicht schon da sind. Ja, und dann habe ich auf dem Klingelschild gesehen, dass Sie auch hier wohnen.�</p><p>Mir wird hei� und kalt. Cherie! Ihr ist etwas zugesto�en! Die Frau klingt atemlos und verzweifelt. Ich dr�cke mich an Marcs Beinen vorbei, um sie mir genauer anzuschauen. Sie hat geweint, ihre Augen sind ganz rot. Marc legt ihr eine Hand auf die Schulter.</p><p>�Gut, dass Sie gleich gekommen sind. Wo ist das Tier denn?�</p><p>�Sie liegt bei mir auf dem R�cksitz, mein Auto steht direkt vor der T�r. Ich habe solche Angst um sie!�</p><p>�Frau Serwe, ich sehe sie mir sofort an.�</p><p>Und ich komme mit! Ich lasse dich nicht allein, Cherie! Auf keinen Fall.</p></section><section><title><p>ZEHN</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>I</strong>ch hatte schon fast vergessen, wie sie riecht. Oder vielleicht hatte ich es auch verdr�ngt, um nicht st�ndig an sie zu denken. Und jetzt liegt sie hier, direkt vor mir, und als Frau Serwe die Autot�r noch ein bisschen weiter �ffnet, werde ich von dem Geruch regelrecht �berrollt. Sofort ist er wieder da, der Tag an der Alster � Cherie und ich auf dem Steg, ihr sp�ttisches Lachen, ihre Ber�hrungen, ihr federnder Gang. Mein Herz f�ngt an zu rasen, und ich muss mich kurz sch�tteln, um wieder im Hier und Jetzt anzukommen.</p><p>Von der R�ckbank h�re ich ein leises Wimmern, es klingt kl�glich und auch �ngstlich. Ich dr�nge mich noch weiter nach vorne, versuche, mit meinen Vorderl�ufen ins Wageninnere zu kommen. Das gelingt mir auch, und so reiche ich mit meiner Schnauze fast bis zum Polster der Bank. Von hier aus kann ich Cheries Kopf sehen. In ihr wundersch�nes blondes Haar hat sich Blut gemischt, das sich wie ein d�nnes Rinnsal vom Ohr bis zu ihrer Nasenspitze zieht.</p><p>Marc beugt sich nach vorne in den Wagen.</p><p>�Wie ist das passiert?�</p><p>�Ich wollte heute vor dem B�ro noch eine kurze Runde mit ihr drehen. Wir kommen aus der Haust�r � und werden fast von einem Fahrradkurier �ber den Haufen gefahren. Der war auf dem B�rgersteig unterwegs und so schnell, dass sich Cherie wahnsinnig erschreckt hat. Ich mich ehrlich gesagt auch. Aber Cherie ist auf die Stra�e gesprungen. Genau vor ein Auto. Die Fahrerin konnte nicht mehr bremsen und hat sie noch seitlich erwischt. Cherie ist richtig durch die Luft geflogen.� Claudia Serwe f�ngt wieder an zu weinen. �Ich dachte schon, sie sei tot.�</p><p>Marc legt seinen Kopf auf Cheries Brustkorb.</p><p>�Also, ihr Atem ist sehr flach, aber einigerma�en regelm��ig. � Er greift mit einer Hand an die Innenseite ihres Hinterlaufs und wartet einen Moment. �Hm, der Puls ist sehr schnell, sch�tze mal ungef�hr hundert Schl�ge pro Minute. Das ist viel f�r einen so gro�en Hund, aber noch nicht dramatisch. Ich habe in der Praxis eine Trage, damit k�nnen wir Cherie in den Untersuchungsraum transportieren, ohne sie unn�tig zu bewegen. Bin gleich wieder da.�</p><p>Er zieht seinen Kopf aus dem Wagen und verschwindet ins Innere des Hauses. Claudia Serwe geht um das Auto herum und holt irgendetwas von ihrem Sitz. Ich nutze die Gelegenheit und h�pfe jetzt ganz ins Wageninnere. Vorsichtig lege ich meine Schnauze neben Cheries Kopf.</p><p>�Alles wird wieder gut, bestimmt! Marc ist ein toller Arzt, mach dir keine Sorgen.�</p><p>Cherie versucht den Kopf in meine Richtung zu drehen. �Wer bist du?�</p><p>�Herkules. Der Dackel, den du aus der Alster gerettet hast.�</p><p>Sie f�ngt an zu schnaufen, dann st�hnt sie.</p><p>�Werden die Schmerzen schlimmer?�, will ich besorgt wissen.</p><p>�Nein. Ich h�tte nur fast gelacht, und das tut weh.�</p><p>Also, wenn sie ihren Sinn f�r Humor noch hat, besteht Hoffnung. Ein gutes Zeichen!</p><p>�Dieser bl�de Radfahrer. Ich habe ihn echt nicht gesehen. Er war so schnell. Dann wollte ich zur Seite springen � und ab da kann ich mich an nichts mehr erinnern.�</p><p>�Du bist unter ein Auto gekommen. Aber dein Frauchen hat dich gleich zu Marc gefahren. Und der wird dich bestimmt schnell wieder auf die Beine bringen.�</p><p>�Dein Optimismus ehrt dich, Kleiner. Momentan f�hlt es sich nur leider nicht so an. So mit <emphasis>schnell auf die Beine bringen</emphasis>, meine ich.�</p><p>Marc kommt mit der Trage an, das hei�t, er rollt an. Seine Trage hat n�mlich ausklappbare Beine mit Rollen, was sie nun entfernt wie einen Einkaufswagen aussehen l�sst.</p><p>�Herkules, tr�stest du unsere Patientin ein bisschen? Bist ein guter Hund, aber jetzt musst du mal zur Seite gehen, sonst kriege ich Cherie nicht auf die Trage gehoben.�</p><p>Er taucht Richtung R�ckbank, nimmt Cherie behutsam auf den Arm und legt sie dann auf die blanke Metallfl�che der Trage. Claudia Serwe stellt sich daneben und streichelt Cherie vorsichtig.</p><p>�Schh, schh, wird alles wieder gut, meine S��e.�</p><p>Marc rollt die Trage Richtung Praxiseingang. Hier, auf dem B�rgersteig, stehen auch Carolin und Luisa. Obwohl ich selbst sehr aufgeregt bin, sehe ich, dass Luisa zittert.</p><p>�Papa, was ist denn mit dem armen Hund?�</p><p>�Er ist von einem Auto angefahren worden. Ich muss ihn untersuchen, um festzustellen, wie schwer seine Verletzungen sind.�</p><p>�Und wird er wieder ganz gesund werden?�</p><p>�Ich tue mein Bestes, Schatz.�</p><p>�Soll ich irgendwie helfen? Der Hund tut mir so leid.�</p><p>�Das ist ganz lieb, Luisa, aber am meisten hilfst du mir, wenn du jetzt zur Schule gehst. Zu viele aufgeregte Menschen sind auch nicht gut f�r unsere tierische Patientin.�</p><p>Luisa nickt und setzt den Schulranzen auf, der schon neben ihr steht. Marc wendet sich an Carolin.</p><p>�Sag mal, ist Frau Warnke denn noch nicht da? Es ist doch bestimmt schon nach acht Uhr, oder?�</p><p>Carolin nickt.</p><p>�Ja, gleich Viertel nach.�</p><p>�Mist. Wo bleibt die denn? Sie m�sste l�ngst da sein. Sie soll mir jetzt assistieren, und gleich beginnt auch die normale Sprechstunde.�</p><p>�Kann ich dir vielleicht helfen?�</p><p>Marc �berlegt kurz. �Ja, wenn es dir nichts ausmacht, w�re das gut.�</p><empty-line/><empty-line/><p>Im Behandlungsraum rollt Marc ein kleines Schr�nkchen neben die Trage.</p><p>�So, Frau Serwe, ich mache jetzt einen Ultraschall von Cheries Brustraum und Unterbauch, um innere Verletzungen auszuschlie�en. Dann versorge ich die Platzwunde am Kopf, die muss ich wahrscheinlich n�hen. Meine Frau wird mir dabei assistieren. W�ren Sie so freundlich und w�rden so lange im Wartezimmer Platz nehmen?�</p><p>Frau Serwe nickt. �Ja, sicher. Aber sagen Sie mir gleich Bescheid, wenn Sie etwas klarer sehen?�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Soll ich den Dackel mitnehmen?�</p><p>�Nein, der st�rt mich eigentlich nicht, und Ihren Hund scheint er eher zu beruhigen. Nach der Nummer an der Alster bilden die beiden ja offensichtlich so eine Art Schicksalsgemeinschaft.�</p><p>Er l�chelt schief, was Frau Serwe erwidert. Dann geht sie ins Wartezimmer. Marc zieht einen langen, dicken Stab aus dem Schr�nkchen.</p><p>�So, hier oben ist der Schallkopf�, erkl�rt er Carolin, �damit werde ich jetzt Brustkorb und Bauchraum schallen, damit wir uns die gute Cherie von innen mal genauer ansehen k�nnen.�</p><p>Unglaublich � mit diesem Stab kann sich Marc Cherie von innen anschauen? Hoffentlich muss er daf�r nicht ein Loch in sie bohren. Ich merke, dass mir unwohl wird. Nicht, dass Marc Cherie noch mehr weh tut � wo ich ihr doch versprochen habe, dass Marc ihr helfen wird. Als k�nne er meine Gedanken lesen, streichelt Marc Cherie einmal kurz �ber den R�cken.</p><p>�Ganz ruhig, meine Liebe, das tut nicht weh. Carolin, bleib bitte oben beim Kopf stehen und halte sie am Halsband fest, falls sie aufspringen will. Ich kann ihr wegen der Kopfverletzung leider gerade keinen Maulkorb anlegen. Also sei ein bisschen vorsichtig.�</p><p>�Was h�ltst du denn davon, wenn wir Herkules neben sie setzen? Ich hatte auch den Eindruck, dass er sie beruhigt.�</p><p>Marc kratzt sich am Kopf.</p><p>�Hm, ja, warum nicht. Wir k�nnen es probieren, vielleicht funktioniert es.�</p><p>Er hebt mich nun ebenfalls auf die Trage, so dass ich direkt neben Cheries Kopf sitze, dann klappt er die T�ren des Schr�nkchens auf � zum Vorschein kommt ein Fernseher. Aha? Was passiert denn jetzt?</p><p>�Ich konzentriere mich vor allem auf Lunge, Milz und Leber. Bei Unf�llen mit Autos sind innere Verletzungen an diesen Organen leider h�ufig. Der Hund kann daran verbluten. Eigentlich m�sste ich Cherie f�r ein besseres Bild vorher rasieren, aber hier am Bauch ist ihr Fell etwas d�nner. Und wenn sich aus den ersten Bildern kein entsprechender Verdacht ergibt, w�rde ich ihr das gerne ersparen. So, ich trage erst ein wasserhaltiges Gel auf, damit die Schallwellen auch wirklich bis zu den Organen vordringen und nicht unterwegs verloren gehen. Vorsicht, Cherie, jetzt wird�s erst ein bisschen kalt am Bauch, und dann lege ich los.�</p><p>Er f�hrt mit dem kugeligen Ende des Stabs �ber Cheries Bauch, die zuckt zusammen und wimmert ein bisschen.</p><p>�Ich bin bei dir�, fl�stere ich ihr zu, �nur Mut! Es dauert bestimmt nicht lang.� Ich habe zwar keine Ahnung, ob das tats�chlich stimmt, aber es kann bestimmt nicht schaden, ein wenig Zuversicht zu verbreiten.</p><p>�Danke, dass du da bist�, fl�stert Cherie zur�ck, dann schlie�t sie die Augen.</p><p>�So, das hier sieht schon mal gut aus. Keine Einblutungen zu sehen. Jetzt gehe ich weiter Richtung Leber � Moment ��, Marc schaut sehr konzentriert auf den kleinen Fernseher, �sieht auch gut aus.�</p><p>Neugierig geworden, riskiere ich ebenfalls einen Blick Richtung Bildschirm. Wie mag Cherie wohl von innen aussehen? Zu meiner Entt�uschung kann man auf dem Fernseher eigentlich gar nichts erkennen. Wie kann sich Marc da so sicher sein, dass alles in Ordnung ist? Ich sehe nur helle und dunkle Flecken, die mal gr��er, mal kleiner werden.</p><p>�Dass du da �berhaupt etwas erkennen kannst�, merkt nun auch Carolin an. Ihr scheint es genauso zu gehen wie mir. Marc lacht.</p><p>�Na, ein bisschen �bung braucht man schon. Im Prinzip ist es so: Blut und die meisten anderen Fl�ssigkeiten werfen den Schall nicht so stark zur�ck zum Schallkopf, deswegen erscheinen sie auf dem Bildschirm schwarz, Gewebe mit hoher Dichte, wie zum Beispiel Knochen, reflektieren dagegen ziemlich gut und tauchen deswegen auf dem Bild viel heller auf.�</p><p>Ich versteh kein Wort, und auch Carolin sieht so aus, als k�nne sie nicht ganz folgen.</p><p>�Okay, mal ein Beispiel: Hier siehst du Cheries Rippen.�</p><p>�Stimmt, das kann ich erkennen.�</p><p>�Die kann ich jetzt z�hlen und auch nachschauen, ob sie von der Struktur her in Ordnung sind. Sind sie �brigens. Hier weiter unten sehen wir die Leber. Wenn sich jetzt irgendwo Blut angesammelt h�tte, wo es nicht hingeh�rt, w�rde ich das als schwarze Fl�che sehen. Aber es ist alles so, wie es sein soll. Bittest du kurz Frau Serwe herein?�</p><p>�Klar, mache ich.�</p><p>Kurz darauf steht auch Claudia Serwe im Untersuchungsraum. �ngstlich schaut sie Marc an.</p><p>�Wird Cherie wieder ganz gesund?�</p><p>�Ich denke schon. Innere Verletzungen hat sie jedenfalls nicht. Ich w�rde jetzt gerne eine R�ntgenaufnahme vom Kopf machen, um einen Sch�delbruch auszuschlie�en, und dann muss ich noch ihre Platzwunde versorgen. Daf�r bekommt Cherie eine Narkose, damit sie keine Schmerzen hat.�</p><p>�Das klingt ja nach einer richtigen Operation!�</p><p>�Nein, es ist nur ein kleiner Eingriff. Allerdings braucht sie danach eine Infusion, damit sie das Narkosemittel schneller wieder loswird. Au�erdem hat sie dann schon einige Zeit nichts gefressen und getrunken. Wir m�ssen sie also ein bisschen st�rken. Und dann sollte sie �ber Nacht hierbleiben, nur zur Vorsicht, falls es ihr schlechter gehen sollte.�</p><p>�Nat�rlich, das ist bestimmt besser so. Aber sagen Sie, Herr Doktor, Cherie wirkt noch sehr schwach. Ist das normal? �</p><p>�Mit der Infusion wird sie schnell wieder zu Kr�ften kommen, keine Sorge. Au�erdem hat sie wahrscheinlich eine Gehirnersch�tterung. War sie nach dem Unfall bewusstlos?�</p><p>�Ja, aber nicht lange � vielleicht ein oder zwei Minuten. Danach war sie noch sehr benommen, aber bei Bewusstsein.�</p><p>�Wie ich schon sagte � das deutet auf eine Gehirnersch�tterung hin.�</p><p>�Sagen Sie, Herr Dr. Wagner, k�nnen Sie schon sagen, wie teuer die gesamte Behandlung wird?�</p><p>�Nicht auf den Cent genau, aber ich sch�tze, es wird so an die 400 Euro kosten.�</p><p>Claudia Serwe seufzt.</p><p>�Kann ich das vielleicht im n�chsten Monat bezahlen? Ich bin momentan ein bisschen knapp bei Kasse.�</p><p>Marc l�chelt.</p><p>�Wissen Sie was � Cherie ist ja immerhin die Lebensretterin von unserem Herkules. Zahlen Sie einfach, was Sie k�nnen, das ist dann schon in Ordnung.�</p><p>�Danke, das ist nett. Aber es ist mir sehr unangenehm, dass ich Sie momentan nicht so bezahlen kann, wie es Ihnen eigentlich zusteht.�</p><p>�Machen Sie sich dar�ber keine Gedanken. Wie gesagt � es ist v�llig in Ordnung.�</p><p>�Trotzdem! Ich w�nschte, ich k�nnte diesen Kurierfahrer drankriegen, der hat den ganzen Unfall ja �berhaupt verursacht. Aber der ist nat�rlich sofort abgehauen.�</p><p>�Vielleicht hat er gar nichts davon mitbekommen?�</p><p>�Nein, das kann nicht sein. Ich bin noch hinter ihm hergelaufen und habe gerufen. Der hat uns immerhin fast �berfahren � und das auf dem B�rgersteig! Er hat einmal kurz �ber seine Schulter geschaut und dann ordentlich in die Pedale getreten.�</p><p>�Das ist nat�rlich eine echte Schweinerei. Arme Cherie! Aber sie wird bestimmt wieder ganz die Alte.�</p><empty-line/><empty-line/><p>Als Cherie wieder aus der Narkose aufwacht, sitze ich neben ihr in der Pflegebox. Sie guckt mich aus matten Augen �ngstlich an.</p><p>�Wo sind wir?�</p><p>�Du bist immer noch in Marcs Praxis. Aber es ist alles gut gelaufen. Bald springst du wieder fr�hlich herum.�</p><p>�Ich bin so m�de und schlapp. Momentan m�chte ich eigentlich nur schlafen.�</p><p>�Dann lasse ich dich jetzt besser mal in Ruhe. Soll ich sp�ter nochmal wiederkommen?�</p><p>�Gerne.�</p><p>Ich wende mich zum Gehen, Marc hat extra die Zwingert�r offen gelassen.</p><p>�Herkules?�</p><p>�Ja?�</p><p>�Vielen Dank! Du hast mir sehr geholfen.�</p><p>Ich merke, dass mein Herz wieder zu rasen beginnt. Ich habe ihr sehr geholfen! Sie mag mich! Bestimmt! Wie auf Wolken schwebe ich aus dem Beobachtungsraum wieder zur�ck in den Empfangsbereich.</p><p>Marc und Carolin stehen am Tresen und sind �ber irgendwelche Papiere gebeugt. Frau Warnke ist noch immer nicht da, deswegen hat Carolin beschlossen, heute ein wenig auszuhelfen. Sehr nett, mein Frauchen! Eine �ltere Dame mit ihrem Wellensittich und ein M�dchen mit einem Hamster warten noch, ansonsten ist es einigerma�en ruhig � eben Mittagspause.</p><p>Ich setze mich neben den Tresen, als die T�r zur Praxis aufgeht und ein Geruch hereinweht, der mich sofort elektrisiert. O Schreck, die Verr�ckte! Diesmal ganz sicher! Keine drei Sekunden sp�ter steht Sabine neben Marc.</p><p>�Hallo, Marc. Du solltest mich eigentlich anrufen. Aber wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, dann eben der Berg zum Propheten.�</p><p>Berg? Prophet? Ich sag�s ja: Die Alte ist <emphasis>v�llig</emphasis> verr�ckt. Nur gut, dass Luisa in sicherer Entfernung in der Schule ist. Marc schaut Sabine an, als ob er eine Erscheinung habe.</p><p>�Ich � �h � hallo, Sabine, was machst du denn hier?�</p><p>�Hat man dir etwa nichts erz�hlt?�</p><p>�Nein, was denn?�</p><p>Sabine sch�ttelt den Kopf.</p><p>�Na, das best�tigt ja alle Bef�rchtungen, die ich im Hinblick auf deine neue Freundin habe.�</p><p>Carolin schnappt nach Luft, aber bevor sie etwas sagen kann, greift Marc Sabine am Handgelenk und zieht sie hinter sich in den Behandlungsraum. Ich husche m�glichst unauff�llig hinterher. Das verspricht sehr interessant zu werden �</p><p>�Sag mal, spinnst du, hier einfach so aufzukreuzen? Ich arbeite, schon vergessen?�</p><p>�Wie k�nnte ich? Vom aufstrebenden Veterin�rmediziner mit wissenschaftlicher Zukunft zum Inhaber einer Kleintierpraxis�, erwidert Sabine sp�ttisch.</p><p>�Ja, ja, w�hrend du auf dem besten Wege zur Miss Lufthansa bist, schon klar. Also, was willst du?�</p><p>Jetzt l�chelt Sabine.</p><p>�Tut mir leid. Auf alle F�lle nicht mit dir streiten. Ich dachte, wir vergessen das Telefonat von neulich und versuchen es nochmal wie erwachsene Menschen.�</p><p>�Von mir aus gerne.�</p><p>In diesem Moment �ffnet Carolin die T�r und kommt dazu. Was Sabine nicht weiter st�rt.</p><p>�Marc, vielleicht ist in der Vergangenheit nicht alles optimal gelaufen. Ach was, ganz sicher nicht. Und das war auch meine Schuld. Aber als mir Luisa jetzt erz�hlt hat, dass diese Carolin bei dir eingezogen ist, da hat es mir einen Stich ins Herz gegeben. Und ehrlich gesagt � diese Frau, das ist doch nicht dein Ernst! Kein Format. Aber ich will nicht selbstgef�llig sein. Vielleicht war das alles ein Fehler, die letzten Jahre. Auch meinerseits.�</p><p>Carolin bleibt der Mund offen stehen, und auch Marc sieht mehr als verbl�fft aus. Er r�uspert sich.</p><p>��h, also, das kommt sehr �berraschend. Ich � �h ��</p><p>�Du musst jetzt nichts sagen. Einfach dar�ber nachdenken. � Sie haucht ihm einen Kuss auf die Wange und rauscht raus.</p><p>Zur�ckbleiben Carolin und Marc, die sich ansehen und erst einmal beide nichts sagen. Dann hat Carolin offensichtlich ihre Sprache wiedergefunden.</p><p>�WAS F�LLT DIESER FRAU EIN! Das ist ja unglaublich! Und du stehst daneben wie ein Idiot, h�rst, wie sie mich beleidigt, und sagst kein Wort.�</p><p>�Ja, aber das ging so schnell � ich konnte �berhaupt nicht reagieren!�, verteidigt sich Marc.</p><p>�Quatsch � soll ich dir etwas sagen? Du WOLLTEST nicht reagieren! Sch�n den Schwanz eingezogen und dir ein K�sschen geben lassen. Ich fasse es nicht! Du � du � WICHT!�</p><p>Auch Carolin verl�sst ger�uschvoll das Zimmer. Wow � so habe ich sie noch nie erlebt. Zur�ckbleibt ein Marc, der ziemlich betr�bt aussieht. Dann sch�ttelt er den Kopf und guckt mich an.</p><p>�Da siehst du es, Herkules: Weiber! Das passiert, wenn du dich mit ihnen einl�sst. Also besser Finger weg! Auch von dieser Cherie! Das ist ein guter Rat unter M�nnern, mein Freund.�</p></section><section><title><p>ELF</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>A</strong>lso ich erkl�r�s dir nochmal genau: Ich klingele und gehe schnell weg, du beh�ltst die Rose im Maul und bleibst sitzen, bis sie die T�r aufmacht. Und wenn sie dann hoffentlich begeistert ist, komme ich als �berraschung wieder um die Ecke. Verstanden, Kumpel?�</p><p>Sagen wir mal so: Ich hab�s geh�rt. Verstanden habe ich es nicht. Wieso soll es Carolin bes�nftigen, wenn ich mit einer Rose im Maul vor der T�r sitze? Auf mich ist sie doch gar nicht sauer. Aber wenn die Nummer hier zur schnellen Vers�hnung der beiden beitr�gt, dann meinetwegen. An mir soll�s nicht scheitern.</p><p>Ich setze mich also hin, Marc h�lt mir die Rose vor die Nase, und ich schnappe zu. Wenigstens hat er vorher die Dornen abgemacht, sehr umsichtig. Dann dr�ckt er die Klingel zur Werkstatt und verschwindet �ber die drei Stufen in Richtung Haust�r. Kurz darauf �ffnet Carolin und starrt mich an. Ist das jetzt die Begeisterung, die sich Marc erhofft hat?</p><p>�Was machst du denn hier, Herkules? Und was soll die alberne Nummer mit der Rose?�</p><p>Na gut, vielleicht kann sie ihre Freude einfach nicht so zeigen. Sie nimmt mir die Blume ab, dann geht sie an mir vorbei in den Hausflur und beginnt laut zu rufen.</p><p>�Marc, was soll das? Wir sind hier doch nicht im Zirkus. Wenn du mir etwas sagen willst, dann versteck dich bitte nicht hinter meinem Dackel.�</p><p>Marc kommt die Stufen wieder herunter.</p><p>�Hallo, Schatz!�</p><p>O je, er klingt kl�glich. Jetzt tut er mir wirklich leid. Komm schon, Carolin! Ich habe zwar nicht verstanden, worum euer Streit eigentlich ging, aber kannst du Marc nicht einfach verzeihen? Vielleicht ist er auch gar nicht schuld an woranauch-immer. Mein Instinkt sagt mir n�mlich, dass das ganze Schlamassel auch irgendetwas mit Nina zu tun haben k�nnte. Und der Tatsache, dass sie sich Sabine gegen�ber als Caro ausgegeben hat. Aber das kann ich hier leider nicht zum Besten geben, sonst h�tte ich es l�ngst getan.</p><p>Wortlos stehen Carolin und Marc sich gegen�ber, dann nimmt Marc sie in seine Arme und gibt ihr einen sanften Kuss auf die Lippen.</p><p>�Es tut mir echt leid. Ich habe doof reagiert, aber das lag nur daran, dass ich so perplex war � das musst du mir einfach glauben. Bitte!� Marcs Stimme klingt flehentlich.</p><p>Carolin windet sich aus seiner Umarmung und macht einen Schritt zur�ck.</p><p>�Wei�t du, Marc, das war heute eine sehr unangenehme Situation f�r mich. Ich m�chte wirklich, dass das mit uns funktioniert. Aber das habe ich nicht allein in der Hand, du musst dich genauso einbringen.�</p><p>�Aber das mache ich doch!�</p><p>�Nein, das finde ich nicht. Wenn ich dich in letzter Zeit gefragt habe, ob bei dir alles in Ordnung ist, weil ich eben das Gef�hl hatte, dass etwas nicht stimmt, hast du sofort dichtgemacht. Du bist nicht offen mit mir.�</p><p>�Ich wei� jetzt wirklich nicht, wovon du redest.�</p><p>�Nein? Dann denk mal dr�ber nach. So, Herkules, kommst du rein mit mir? Oder bleibst du lieber bei Marc?�</p><p>�h, ich, �h � hallo? Nicht streiten! Was soll denn das?! Gut, die Sache mit der Rose war anscheinend nicht die Idee des Jahrhunderts, aber es war immerhin eine Idee. Eine ganz nette, wie ich mittlerweile finde. Carolin ist zu streng mit Marc. Wenn jemand einen Fehler einsieht, sollte man nicht noch mit ihm schimpfen.</p><p>Ich denke daran, wie ich einmal auf dem wei�en, flauschigen Teppich im Salon von Schloss Eschersbach ein dringendes Gesch�ft verrichtet hatte. In dem Moment, in dem es passiert war, wusste ich schon, dass das ein Fehler war. Und als der alte von Eschersbach dann auf mich zuschoss, um mit mir zu schimpfen, habe ich mich gleich in einer Geste der Unterwerfung vor seine F��e gerollt und meinen Hals angeboten. Trotzdem hat er mich geschnappt und meine empfindliche Nase mitten in die Bescherung gedr�ckt. Obwohl ich mich gewisserma�en entschuldigt hatte. Das habe ich mir gemerkt. Wenn ich danach etwas ausgefressen hatte, habe ich mich nie wieder freiwillig gemeldet, sondern immer zugesehen, dass ich ganz schnell Land gewinne.</p><p>Auch Marc guckt Carolin nun so finster an, als h�tte er gerade beschlossen, nie wieder irgendeinen Fehler zuzugeben. Das allerdings kann Carolin nicht sehen, weil sie sich schon umgedreht hat und wieder auf dem Weg in die Werkstatt befindet. Ich �berlege kurz, mit Marc zu gehen. Immerhin erholt sich Cherie in der Praxis noch von ihrem Unfall. Andererseits soll sie �ber Nacht bleiben, wird also sp�ter auch noch da sein, und vielleicht kann ich bei Carolin ein bisschen gut Wetter f�r Marc machen. Schweren Herzens trotte ich deshalb hinter ihr in die Werkstatt.</p><p>Drinnen angekommen, legt Carolin die Rose achtlos auf den kleinen Tisch im Flur, auf dem auch das Telefon steht. Dann schnappt sie sich selbiges und geht ins n�chste Zimmer, um zu telefonieren. Nicht einmal Wasser f�r die arme Blume holt sie. Pfui, wie gemein! Ich beschlie�e, ein Zeichen zu setzen. Carolin soll wissen, dass ich ihr Verhalten nicht guthei�e. Einer muss ja hier zu Marc halten. Stichwort Solidarit�t unter M�nnern.</p><p>Das Telefontischchen ist so niedrig, dass ich mit den Vorderpfoten leicht daraufspringen kann. Kaum habe ich das getan, komme ich auch mit der Schnauze an den Rosenstiel. Ich fasse zu und habe die Rose im Maul. Dann ziehe ich sie vorsichtig vom Tisch herunter. Noch einmal fest nachfassen � passt! Ich trabe mit der Rose im Maul zu Carolin, setze mich vor sie und gucke sie m�glichst vorwurfsvoll an. Leider telefoniert Carolin und bemerkt mich nicht gleich.</p><p>�Ja, Herr Lemke, ich habe mir die Instrumente bereits angesehen. Sie sind wirklich sehr sch�n. Das ist nat�rlich ein sehr gro�er Auftrag, der einige Zeit in Anspruch nehmen wird.�</p><p>Sie horcht auf die Stimme aus dem Telefon. �Hm, aber Herr Carini arbeitet nicht mehr in Hamburg. Ja. Sie haben Recht, wir waren ein tolles Team. Ihn gewisserma�en <emphasis>einkaufen</emphasis> f�r diesen Auftrag? Ich wei� nicht, aber ich kann ihn nat�rlich fragen.�</p><p>Der Mensch am anderen Ende der Leitung redet jetzt sehr eindringlich auf Carolin ein, ich kann seine Stimme ab und zu h�ren. Carolin h�rt ihm aufmerksam zu, dann nickt sie.</p><p>�Ja, ja. Das stimmt. Vielleicht hat er Zeit und Lust. Ja, versprochen, ich werde mit ihm sprechen. Danke, Herr Lemke, ich melde mich dann.�</p><p>Sie beendet das Gespr�ch und schaut den Telefonh�rer eine Zeitlang versonnen an.</p><p>�Daniel Carini, wird das wieder etwas mit uns?�</p><p>Sie l�chelt, macht einen Schritt nach vorne � und tritt mir auf den Schwanz. Aber richtig! JAUL, aua, geht�s noch? Ich bin doch wohl nicht unsichtbar!</p><p>�O Gott, Herkules, das tut mir leid! Ich habe dich gar nicht gesehen! Mein Armer � und hattest du etwa noch mal Marcs Rose angeschleppt? Und ich beachte dich gar nicht? O je, komm mal auf meinen Arm.�</p><p>Sie hebt mich hoch, geht mit mir zu dem Korbsessel, der neben ihrer Werkbank steht, und setzt sich mit mir. Dann beginnt sie, mich hinter den Ohren zu kraulen. Recht so! Ein bisschen Z�rtlichkeit ist jetzt wohl das mindeste, was ich als Wiedergutmachung erwarten kann. Vielleicht auch noch einen Zipfel Fleischwurst.</p><p>�Ein verr�ckter Tag heute, nicht wahr? Ich wei� langsam gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Erst der Unfall heute fr�h, mein erster Einsatz als OP-Schwester, der Auftritt von dieser bl�den Kuh, der Streit mit Marc � puh, mir reicht�s so langsam.� Z�rtlich streicht sie mir �ber den Kopf. Mhm, wenn ich Herr Beck w�re, w�rde ich jetzt schnurren.</p><p>�Aber der letzte Anruf war nett. Herr Lemke, ein sehr guter Kunde. Er handelt mit Instrumenten und hat vielleicht einen Gro�auftrag. Den schaffe ich allein gar nicht, und er hat sich deshalb gleich nach Daniel erkundigt. Du erinnerst dich doch noch an Daniel, oder?�</p><p>WUFF! Nat�rlich erinnere ich mich an Daniel! Was f�r eine Frage, Daniel ist schlie�lich einer der nettesten Menschen �berhaupt. Fr�her hat er zusammen mit Carolin in der Werkstatt gearbeitet, er baut n�mlich auch Geigen. Als wir endlich Carolins bl�den Freund Thomas los waren, hatte ich lange Zeit gehofft, dass Daniel mein neues Herrchen werden w�rde. Daraus wurde aber nichts, obwohl Daniel in Carolin verliebt war. Am Ende blieb mit Marc noch genau ein Kandidat �brig, auf den Carolin und ich uns einigen konnten � und trotzdem musste ich gaaanz tief in die Trickkiste greifen, damit aus den beiden etwas wurde. Purer Stress war das damals! Aber wo war ich stehengeblieben ? Richtig. Daniel. Der setzte sich dann kurzerhand mit Aurora ab, einer sehr attraktiven Stargeigerin. Also, dass sie attraktiv war, hat Daniel behauptet. Ich pers�nlich fand ihre Eigenart, sich im Gesicht mit Farbe anzumalen, h�chst suspekt.</p><p>Die Aussicht, dass Daniel nun vielleicht zur�ck in die Werkstatt kommt, finde ich allerdings klasse. Tags�ber mal ein Gespr�ch unter M�nnern, noch dazu mit einem so netten Hundefreund wie Daniel, ist doch eine willkommene Abwechslung nach den ganzen menschlichen Problemgespr�chen, die ich mir hier in letzter Zeit anh�ren muss. Ich bin daf�r!</p><p>�Jedenfalls muss ich Daniel mal anrufen und ihn fragen, ob er Zeit und Lust h�tte, sich f�r ein paar Wochen von Aurora loszueisen und mir zu helfen.�</p><p>Als Zeichen meiner Zustimmung wedele ich begeistert mit dem Schwanz, was gar nicht so einfach ist, weil ich noch auf Carolins Scho� sitze.</p><p>�Hey!� Carolin kichert. �Das kitzelt, Herkules! Komm, ich setz dich wieder runter.�</p><p>Auf dem Boden lande ich direkt neben der Rose, die von dem ganzen Hin und Her schon ein bisschen mitgenommen aussieht. Carolin hebt sie auf und schaut sie nachdenklich an. Dann geht sie zum Waschbecken in ihrem Werkraum, nimmt ein Glas vom Regal dar�ber, f�llt es mit Wasser und stellt die arme Rose hinein. So versorgt, landet diese schlie�lich auf Carolins Werkbank.</p><p>Die n�chste Stunde verbringt Carolin damit, Holzst�cke zu hobeln. Immer wieder setzt sie den Hobel ab und betrachtet das Holz, setzt wieder an, arbeitet ein wenig, setzt ab, guckt. Sie sieht sehr konzentriert dabei aus, fast habe ich das Gef�hl, dass sie gerade ganz froh ist, sich endlich wieder mit Holz besch�ftigen zu k�nnen.</p><p>Das Klingeln an der Werkstattt�r rei�t sie schlie�lich aus der Arbeit. Sie seufzt und geht nach vorne � es ist Nina, die einigerma�en aufgeregt aussieht.</p><p>�Gr�� dich, Carolin! Du, ich muss dir unbedingt etwas erz�hlen.�</p><p>Na, endlich r�ckt sie mit der Sprache raus! Es geht doch bestimmt um Sabine.</p><p>�Muss das jetzt sein? Ich habe so viel zu tun und habe schon den ganzen Vormittag in Marcs Praxis verplempert.�</p><p>�Echt? Seit wann bist du denn Sprechstundenhilfe?�</p><p>�Gar nicht. Aber Frau Warnke, seine Assistentin, ist einfach nicht gekommen, und gleich heute fr�h gab es einen Notfall. Da brauchte Marc dringend etwas Hilfe.�</p><p>�Wie nett von dir. Aber es ist trotzdem wichtig. Magst du nicht kurz hochkommen? Falls du noch nichts gegessen hast, gibt�s bei mir noch Mozzarella mit Tomate. Was meinst du?�</p><p>Carolin l�chelt.</p><p>�Das klingt nat�rlich gut. Okay, ich komme gleich rauf. Muss nur noch eine Sache zu Ende machen.�</p><empty-line/><empty-line/><p>�Diese Sabine war in Marcs Wohnung? Und ich habe nichts davon mitbekommen? Unglaublich.� Herr Beck ist fassungslos. Wir liegen unter dem Esstisch in Ninas K�che, und ich gebe Beck eine kurze Zusammenfassung der letzten 24 Stunden.</p><p>�Genau so war es. Und was noch unglaublicher ist: Sie dachte, Nina sei Carolin. Und Nina hat nichts dazu gesagt, sondern sie einfach in dem Glauben gelassen. Heute Morgen ist Sabine nochmal aufgekreuzt und dachte dann, die echte Carolin sei Frau Warnke. Deshalb hat sie Marc gek�sst, obwohl Carolin daneben stand.�</p><p>Beck sch�ttelt den Kopf.</p><p>�Kleiner, jetzt geht die Phantasie mit dir durch. Das bildest du dir eindeutig ein. Ich m�sste doch schon v�llig senil sein, wenn ich von dem wilden Durcheinander nichts mitbekommen h�tte. Das macht wahrscheinlich deine ganze Aufregung um diese Cherie. Da haben dir die Hormone schon v�llig den Kopf vernebelt. Nee, nee, mein Lieber, diese w�ste Geschichte kauf ich dir nicht ab.�</p><p>Hormone? Was meint Herr Beck denn damit? Ob das so was wie dieser Alkohol ist, den sich die Menschen bei jeder Gelegenheit reinkippen und mit dem sie nicht klar denken k�nnen? Aber ich habe nichts dergleichen zu mir genommen, eingebildet habe ich mir das ganze Tohuwabohu mit Sicherheit nicht. Au�erdem kann ich ganz entspannt bleiben, denn ich gehe mal davon aus, dass die dringende Geschichte, die Nina gleich loswerden will, im Wesentlichen mit meiner �bereinstimmt. Und dann wird Beck ganz sch�n dumm aus der W�sche gucken. Was schl�ft der auch an entscheidender Stelle ein? Selbst schuld! Ich krieche unter dem Tisch hervor. Wenn es gleich losgeht, will ich schlie�lich alles mitbekommen. Beck hingegen bleibt liegen. Er scheint sich seiner Sache sehr sicher zu sein.</p><p>Nina stellt zwei Gl�ser auf den Tisch und gie�t sie voll. Alkohol? Hormone? Egal. Hauptsache, sie f�ngt endlich mal an zu erz�hlen.</p><p>�Also, du wirst nicht glauben, was gestern passiert ist, als ich bei euch gebabysittet habe.�</p><p>�Nun mach�s mal nicht so spannend. Es ist bestimmt nicht so unglaublich wie die Geschichte, die ich dir dann noch erz�hlen werde.�</p><p>�Das werden wir sehen! Ich habe jedenfalls einen ziemlichen Knaller: Sabine Wagner war gestern Abend da!�</p><p>�Was?! Die war gestern schon da?�</p><p>Nina guckt irritiert.</p><p>�Wieso <emphasis>schon da</emphasis>? Wusstest du, dass die in Hamburg ist? Ich dachte, die wohnt in M�nchen.�</p><p>�Erkl�r ich dir sp�ter. Erz�hl erst mal weiter � sie war also gestern Abend da. Und was wollte sie?�</p><p>�Mit Marc sprechen. Ehrlich gesagt, dachte sie, ich sei du. Tja, und dann habe ich sie reingelassen und mich mit ihr unterhalten. Wollte mal h�ren, was sie so zu sagen hat.�</p><p>�Du hast WAS?!�</p><p>�Ich habe mich mit ihr unterhalten.�</p><p>�Und dabei so getan, als seist du ich? Bist du eigentlich v�llig verr�ckt geworden?� Carolin ist aufgesprungen. Herr Beck auch. Na, wer sagt�s denn? Wenn ich in der Lage w�re, h�misch zu grinsen � jetzt w�rde ich es tun.</p><p>�Na ja, sie ist mehr oder weniger gleich zur Sache gekommen, ich konnte sie kaum bremsen und das Missverst�ndnis aufkl�ren.�</p><p>�Das glaubst du doch wohl selbst nicht! Du wolltest sie aushorchen!�</p><p>�Also bitte, warum sollte ich denn so etwas tun, das ist doch v�lliger Quatsch.�</p><p>�Ich kann dir genau sagen, warum: Weil du Marc nicht ausstehen kannst und du gehofft hast, irgendetwas Negatives �ber ihn zu erfahren.�</p><p>Jetzt springt auch Nina auf.</p><p>�Wie kannst du nur so etwas von mir denken?�</p><p>�Entschuldige, das liegt doch wohl nahe. Jeder normale Mensch h�tte Sabine gleich gesagt, dass sie ein anderes Mal wiederkommen soll. Ich bleibe dabei: Seitdem das mit dir und Marc nicht geklappt hat, ist er f�r dich ein rotes Tuch. Und wenn Sabine irgendwelche Schauerm�rchen �ber ihn erz�hlt hat, war es dir bestimmt sehr recht. Du warst doch auch von Anfang an dagegen, dass ich mit Marc zusammenziehe. Allein dieser gruselige Beziehungsratgeber, den du mir geschenkt hast � negativer geht�s ja kaum.�</p><p>Jetzt sagt Nina gar nichts mehr, sondern setzt sich wieder auf ihren Stuhl. Carolin macht das Gleiche, die beiden Frauen starren sich an. Herr Beck und ich sitzen nebeneinander und warten gespannt, was nun passieren wird. Schlie�lich r�uspert sich Nina.</p><p>�Es tut mir leid, Carolin. Du hast wahrscheinlich Recht. Unsinn � du hast Recht! Marc ist wirklich ein rotes Tuch f�r mich, und die Tatsache, dass ihr ein Paar seid und jetzt sogar zusammenwohnt, ist schwer zu verdauen. Aber du bist meine beste Freundin, und ich bem�he mich wirklich, dir dein Gl�ck zu g�nnen. Meist klappt das gut, manchmal leider nicht. Tja, und gestern Abend war wohl so ein Fall von <emphasis>manchmal</emphasis>. Nimmst du eine Entschuldigung an?�</p><p>Carolin nickt.</p><p>�Ich kann verstehen, dass die Situation f�r dich nicht einfach ist. Aber ich hoffe trotzdem, dass du und Marc euch zusammenraufen k�nnt. Ihr seid mir beide wichtig, es w�re schlimm, wenn ihr euch dauerhaft nicht versteht. Also, als Wiedergutmachung w�nsche ich mir, dass du es nochmal im Guten mit ihm versuchst.�</p><p>Nina hebt die rechte Hand.</p><p>�Versprochen! Aber was wolltest du mir denn erz�hlen?�</p><p>�Sabine war heute Vormittag in der Praxis. Sie hat sich sehr abf�llig �ber mich ge�u�ert, hat Marc angegraben und entschwand mit einem K�sschen f�r ihn, obwohl ich direkt daneben stand. Jetzt erscheint mir ihr Auftritt allerdings in einem anderen Licht. Genau genommen hat sie sich ja eher abf�llig �ber dich ge�u�ert.� Carolin muss grinsen, und nun f�ngt auch Nina an zu kichern. Gott sei Dank � alles wieder gut zwischen den Damen!</p><p>�Sie sagte, ich � also du � sei eine Frau ohne Format.� Beide prusten laut los.</p><p>�Hat sie gedacht, du seist die Sprechstundenhilfe?�</p><p>�Offensichtlich. So muss es wohl gewesen sein. Der arme Marc.�</p><p>�Wieso?�</p><p>�Ich habe ihn anschlie�end ganz sch�n zusammengefaltet. Weil ich mich nat�rlich gefragt habe, was in aller Welt er Sabine �ber mich erz�hlt hat. Und weil er auch nicht sofort zu meiner Verteidigung geschritten ist. Na ja, er war nat�rlich von ihrem Auftritt ebenso �berrascht wie ich, aber in meiner Wut hat mich das �berhaupt nicht interessiert. Vielleicht war ich doch ein bisschen ungerecht zu ihm.�</p><p>�Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.�</p><p>Carolin rollt mit den Augen.</p><p>�Was soll das denn nun wieder hei�en? Du hast doch gerade versprochen, nicht mehr zu sticheln. Und genau genommen geht ein Teil dieses Streits auch auf dein Konto. Wenn du dich nicht als meine Wenigkeit ausgegeben h�ttest, w�re es zu der Szene heute gar nicht erst gekommen.�</p><p>�Ja doch, du hast ja Recht. Allerdings darf ich wohl schon sagen, wenn ich finde, dass der gute Marc sich etwas ungeschickt verh�lt. Sabine war n�mlich deswegen so spontan bei euch, weil sie sich mit Marc gestritten hat und nun in Ruhe mit ihm reden wollte. Und sie haben sich gestritten, weil Marc ihr �berhaupt nicht erz�hlt hat, dass du bei ihm eingezogen bist. Sie hat es erst von Luisa erfahren. Was sie als Mutter nat�rlich ziemlich genervt hat. Schlie�lich will man doch wissen, mit wem das eigene Kind zusammenlebt. Das habe selbst ich als bekennende Nicht-Mutter verstanden.�</p><p>Gut, ich als bekennender Fast-Dackel verstehe es nach wie vor nicht so ganz, aber Carolin sieht so aus, als w�sste sie genau, wovon Nina spricht. Herr Beck hingegen scheint sich M�he zu geben, seine Ohren h�ngen zu lassen � was ihm als Kater nat�rlich nicht gelingen kann.</p><p>�Irgendwann werden mich die Menschen noch in den Wahnsinn treiben. Zu kompliziert, sie sind einfach zu kompliziert. Kein Wunder, dass ich gestern Abend eingeschlafen bin, bevor diese Sabine aufgekreuzt ist. Das war der reine Selbstschutz. Das h�lt doch kein Tier auf Dauer aus. Nur gut, dass Nina Single und kinderlos ist. Ich hoffe, das bleibt auf absehbare Zeit so. Ich meine, Luisa ist wirklich ganz zauberhaft � aber dieser ganze Stress? N�!� Er verdr�ckt sich wieder unter den Tisch.</p><p>�Jetzt verstehe ich auch, warum Marc in letzter Zeit so merkw�rdig reagiert hat, wenn ich ihn auf Luisa angesprochen habe. Wahrscheinlich hatte er da schon �rger mit Sabine. �</p><p>�Sabine sagte jedenfalls, dass sie schon versucht h�tte, mit Marc dar�ber zu sprechen�, best�tigt Nina.</p><p>�M�nner!�, seufzt Carolin. �Im <emphasis>Probleme aussitzen</emphasis> sind sie ganz gro�e Klasse. Sabine einfach nicht von dem Umzug zu erz�hlen � auf so eine Idee muss man doch erst mal kommen.�</p><p>Hm. Ich finde, die Idee liegt ziemlich nahe. Es h�tte ja auch gut gehen k�nnen, und dann w�ren es mit Sicherheit mindestens drei Problemgespr�che weniger gewesen. Aber ich bin ja auch ein Mann. Kein Wunder, dass ich so denke.</p></section><section><title><p>ZW�LF</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>C</strong>herie sieht schon wieder deutlich munterer aus. Die Wunde �ber ihrem rechten Auge ist zwar noch ziemlich geschwollen, aber das macht nichts. Eine sch�ne Frau entstellt bekanntlich nichts.</p><p>Anscheinend hat sie sich mit Luisa angefreundet, w�hrend ich mit Carolin in der Werkstatt war. Jedenfalls sitzen die beiden ganz eintr�chtig nebeneinander in der K�che, als ich mit Carolin wieder nach Hause komme.</p><p>Marc steht am Herd und kocht irgendetwas, das definitiv nicht so riecht wie das leckere Geschnetzelte nach dem Rezept von Oma Burgel. Eher wie etwas, das g�nzlich ohne Fleisch zustande gekommen ist. Igitt!</p><p>Carolin stellt sich neben ihn und gibt ihm einen Kuss auf die Wange, er dreht sich zu ihr und erwidert den Kuss.</p><p>�Hallo, Schatz! Ich dachte, ich koche etwas Leckeres f�r uns. Spaghetti Puttanesca � wie in unserem Urlaub an der Amalfi-K�ste, wei�t du noch?�</p><p>Ob Carolin das noch wei�, wei� wiederum ich nicht. Ich allerdings wei� es noch genau � denn ich durfte nicht mitkommen und habe vier lange Tage bei Nina gefristet, die bei Dauerregen einfach nicht mit mir spazieren gehen wollte. Immer nur kurz an den Baum vor ihrer damaligen Haust�r. Richtig �tzend war das. Also h�rt mir auf mit der Amalfi-K�ste! Carolin l�chelt hingegen versonnen und k�sst Marc schon wieder.</p><p>�Ja, Amalfi. Wie k�nnte ich das vergessen?�</p><p>�Bist noch b�se auf mich?�</p><p>�Nein. B�se bin ich nicht mehr. Aber ein paar Fragen habe ich schon.�</p><p>�So?�</p><p>�Ja. Aber lass uns sp�ter dr�ber reden.�</p><p>Cherie kommt zu mir gelaufen. �Hoppla! �rger im Paradies?�, will sie wissen.</p><p>�Da fragst du jetzt den Falschen. Ich habe echt keine Ahnung, wor�ber die beiden sich streiten. Hat aber irgendwas mit seiner Exfrau zu tun.�</p><p>Cherie sch�ttelt bedauernd den Kopf. �Ja, ja, Exfrau, Exmann � ein schwieriges Thema. Ist bei meinem Frauchen auch so. Er hat sie mit einem Haufen Schulden sitzen lassen, und sie ist jetzt die Dumme.�</p><p>�Was sind denn Schulden?�</p><p>�So genau wei� ich das auch nicht, aber es hat mit Geld zu tun, und es verursacht eine Menge Probleme. Mein Frauchen ist deswegen jedenfalls immer ziemlich traurig. Irgendwie bedeutet es, dass man weniger als gar kein Geld hat und nicht mehr so leben kann, wie man eigentlich m�chte.�</p><p>�Ach so, verstehe.� Das klingt kl�ger, als es eigentlich ist. Denn ehrlicherweise verstehe ich nicht so recht, was Cherie meint. Ich dachte immer, Menschen leben auf alle F�lle so, wie sie m�chten. Sie k�nnen es sich selbst aussuchen. �ber sie bestimmt doch niemand. Bei uns Haustieren hat letztendlich immer der Mensch das letzte Wort. Wie kann es da sein, dass ein Mensch nicht so lebt, wie er m�chte? Wer hat denn dann das letzte Wort? R�tselhaft, das.</p><p>�Wie geht es denn unserer Patientin?�, will Carolin von Marc wissen.</p><p>�Ich glaube, sie hat alles gut �berstanden. Wenn wir in einer Klinik w�ren, m�sste sie in der �berwachungsbox bleiben, und irgendein armer Studierender der Veterin�rmedizin w�rde jede Stunde nach ihr gucken. Aber nachdem ich ja nur eine poplige Kleintierpraxis betreibe � wie meine Exfrau so zutreffend feststellte �, wird Cherie einfach die Nacht mit uns verbringen.�</p><p>�Herkules wird es dir danken. Ich habe den Eindruck, dass die beiden gewisserma�en zarte Bande gekn�pft haben.�</p><p>Marc lacht. �Tja, ein echtes Traumpaar. Schade, dass sie ungef�hr doppelt so gro� ist wie er.�</p><p>T�usche ich mich, oder klingt das abwertend? Warum wird hier eigentlich immer alles an der k�rperlichen Gr��e festgemacht? Hat er etwa Cherie beruhigt, als es ihr so schlecht ging? Eben! Ich kann es nur wiederholen: Jemand, der so unsensibel ist, sollte nicht Tierarzt sein. Sondern lieber ein Arzt f�r Menschen. Die k�nnen bestimmt besser damit umgehen.</p><p>Anscheinend habe ich geknurrt, denn Cherie stupst mich an. �Hey, alles in Ordnung? Du wirkst auf einmal so �bellaunig.�</p><p>�Ach nein, es ist nichts.� Hoffentlich hat Cherie Marcs Bemerkung nicht geh�rt. Das w�re mir irgendwie unangenehm.</p><p>�So, Essen ist fertig. Bitte Platz zu nehmen!�</p><p>Marc stellt eine gro�e Sch�ssel mit dampfendem Inhalt auf den Esstisch. Carolin und Luisa setzen sich dazu. Marc f�llt den beiden ihre Teller auf.</p><p>�Iieh, Papa � was ist denn das f�r gr�nes Zeugs an den Nudeln?� Soweit ich das von hier unten beurteilen kann, stochert Luisa wohl wenig begeistert mit ihrem Besteck in den Nudeln herum.</p><p>�Das Gr�ne sind Kapern. Probier doch mal, sehr lecker!�</p><p>�Nein, das mag ich nicht. Gibt�s nicht was Vern�nftiges?�</p><p>�Hey, wie redest du denn �ber das Essen, das dein Vater dir liebevoll zubereitet hat?� Marc klingt entt�uscht. Aber kann man es Luisa verdenken? Er ist doch selbst schuld, wenn er seiner Familie hier so ungenie�bare Dinge vorsetzt. Und apropos: seiner Familie. Was ist eigentlich mit Cherie und mir? Kriegen wir gar nichts? Oder sollen wir etwa auch diese <emphasis>Kapern</emphasis> fressen? Also, �ber die Versorgungslage im Hause Wagner m�ssen wir uns nochmal ernsthaft unterhalten. Wenn ich da an Herrn Beck denke, der nun jeden Tag von Nina bekocht wird, bekomme ich glatt noch schlechtere Laune.</p><p>�Hast du denn keine Hackfleischsauce, Papa? Mama macht zu Spaghetti <emphasis>immer</emphasis> Hackfleischsauce. Die schmeckt viel, viel besser. Also das hier ess ich nicht. Das ist eklig.�</p><p>Luisa schiebt den Teller von sich weg. Marc springt von seinem Platz auf und schiebt den Teller wieder zu ihr hin.</p><p>�Verdammt noch mal, Luisa! Du probierst das wenigstens. Ich stell mich doch nicht eine Stunde in die K�che, damit du mir von der tollen Hackfleischsauce deiner Mutter erz�hlst.� Marc br�llt jetzt richtig, Luisa f�ngt an zu weinen.</p><p>�Marc, nun h�r doch auf, das Kind anzuschreien. Du kannst doch niemanden durch Rumgebr�ll dazu zwingen, etwas zu essen, was er nicht mag�, schaltet sich Carolin in den Streit ein.</p><p>�So, kann ich nicht? Wisst ihr was? Mir ist der Appetit jetzt auch vergangen.� Er dreht sich um und geht aus der K�che. Carolin und Luisa bleiben schweigend zur�ck.</p><p>Cherie schaut mich erstaunt an.</p><p>�Auweia! Geht es hier immer so zur Sache? Da lob ich mir doch das Alleinleben � bei uns zu Hause ist es sehr friedlich.�</p><p>�Tja, in dieser Konstellation probieren wir es auch noch nicht so lange. Und ich muss sagen: Ich hatte es mir einfacher vorgestellt.�</p><p>Carolin steht auf und geht zu Luisas Platz.</p><p>�Komm, sei nicht traurig. Dein Vater hatte heute einfach einen sehr anstrengenden Tag. Ich glaube, ihm sind deswegen ein wenig die Nerven durchgegangen. Wenn du m�chtest, schmiere ich dir ein Brot.�</p><p>Luisa sch�ttelt den Kopf.</p><p>�Nein, danke. Ich versuche jetzt mal die Spaghetti mit dieser komischen Sauce zu essen. Vielleicht geht es Papi dann wieder besser.�</p><p>Carolin streicht ihr �ber den Kopf.</p><p>�Na gut, dann lass uns mal aufessen, und dann spielen wir noch etwas zusammen, okay? Bestimmt macht Marc mit, wenn er sich wieder beruhigt hat.�</p><p>�Kannst du ihn das fragen?�, will Luisa wissen.</p><p>�Nat�rlich. Das mach ich.�</p><empty-line/><empty-line/><p>Tats�chlich hat sich etwas sp�ter die Lage wieder beruhigt: Marc, Luisa und Carolin hocken vor dem kleinen Sofatisch und spielen etwas, das sich <emphasis>Mensch-�rgere-Dich-Nicht</emphasis> nennt. Es scheint einigerma�en lustig zu sein, jedenfalls lachen die drei viel, was nach dem Streit beim Abendessen ziemlich wohltuend ist.</p><p>Entspannt bin ich trotzdem nicht: Cherie und ich liegen nebeneinander auf dem Teppich, was bei mir in regelm��igen Abst�nden f�r Herzrasen sorgt. Bei Cherie ist leider das Gegenteil der Fall, sie ist mittlerweile eingeschlafen. Ich tr�ste mich damit, dass sie nach diesem langen Tag wahrscheinlich zu ersch�pft ist, um in meiner N�he noch solche Symptome wie Herzrasen zu entwickeln.</p><p>Als Luisa im Bett ist, holt Marc eine Flasche und zwei Gl�ser aus der K�che ins Wohnzimmer. Er schenkt ein, dann reicht er Carolin ein Glas.</p><p>�So, bitte sch�n. Wollen wir mal dar�ber sprechen, was heute eigentlich passiert ist? Mir w�re allerdings sehr an einem friedlichen Ende des Abends gelegen. Kriegen wir das hin?�</p><p>Carolin nickt. �Ich glaube schon. Das muss doch m�glich sein � unter erwachsenen Menschen.� Beide lachen. Nach meiner Erfahrung schon mal ein gutes Zeichen.</p><p>�Es tut mir leid, dass ich eben so ausgerastet bin. Ich habe mich daf�r auch bei Luisa entschuldigt � die allerdings zugibt, dass meine Sauce doch nicht so schlecht war.� Er grinst. �Mann, als sie das mit Sabines Hackfleischsauce sagte, sind bei mir echt die Sicherungen durchgebrannt. War aber auch ein amtlicher Schei�tag heute. Erst taucht die Warnke nicht auf, daf�r aber Sabine, dann haust du ab, unser Streit vor der Werkstatt, sp�ter das verungl�ckte Abendessen � na ja.�</p><p>�Dass ich dich vor der Werkstatt so angemacht habe, tut mir auch leid. Immerhin steht deine Rose jetzt in einem Glas auf meiner Werkbank.�</p><p>Marc r�ckt n�her an Caro heran und k�sst sie auf die Wange. �Ich dachte, die h�ttest du gleich in die Biotonne geschmissen � so b�se, wie du mich angestarrt hast.�</p><p>�Nein, du hattest einen prominenten F�rsprecher: Herkules hat sie vom Boden aufgeklaubt und mir hinterhergetragen. �</p><p>�Danke, Kumpel!�, lobt mich Marc. �Aber ich glaube, Herkules hat momentan auch ein Herz f�r an der Liebe leidende M�nner. Guck mal, wie unser Kleiner an dieser Cherie dranh�ngt, obwohl er da gar keine Chance hat. Putzig.�</p><p>Ha, ha, sehr witzig! Sieh du lieber mal zu, dass du dein eigenes Privatleben auf die Reihe kriegst, mein Lieber. Damit hast du momentan wohl genug zu tun.</p><p>�Eine Sache ist mir aber extrem wichtig: Wenn es �rger mit Sabine gibt, der auch mich betrifft, dann m�chte ich, dass du mir davon erz�hlst.�</p><p>Marc nickt.</p><p>�Klar, das verstehe ich. Aber ich wusste wirklich nicht, dass sie in Hamburg ist. Ich war von ihrem Auftritt genauso �berrascht wie du. Gro�es Ehrenwort!�</p><p>�Ich wei�. Ich hatte in der Zwischenzeit ein sehr aufschlussreiches Gespr�ch mit Nina. Stell dir vor � Sabine war gestern Abend schon da. W�hrend wir essen waren.�</p><p>�Bitte? Aber warum hat Nina denn nichts davon erz�hlt?�</p><p>�Tja, jetzt krieg bitte keinen Tobsuchtsanfall.�</p><p>�Nein, versprochen. Nun erz�hl schon.�</p><p>�Nina hat Sabine gestern in dem Glauben gelassen, dass sie Carolin sei, weil sie h�ren wollte, was Sabine so erz�hlt. Und das wollte sie dann erst mal mir erz�hlen.�</p><p>�Unglaublich � was f�llt dieser dummen Kuh ein? Die kauf ich mir, die werde ich gleich mal ��</p><p>Carolin legt beschwichtigend einen Arm um Marcs Schulter und zieht ihn n�her an sich heran. �Hallo, kein Tobsuchtsanfall. Schon vergessen?�</p><p>�Ja, hast ja Recht. Aber das ist doch wirklich unm�glich, oder etwa nicht?�</p><p>�Klar ist es das. Und ich habe Nina deswegen auch schon ordentlich den Kopf gewaschen. Sie war einsichtig und hat sich entschuldigt.�</p><p>�Das ist wohl das Mindeste.�</p><p>�Eine Sache hat mir allerdings schon zu denken gegeben.�</p><p>�N�mlich?�</p><p>�Nina sagt, Sabine habe sich bei ihr beklagt, dass du ihr nicht gesagt h�ttest, dass ich bei dir einziehe. Sie h�tte es von Luisa erfahren.�</p><p>Carolin schaut Marc fragend an, der schweigt.</p><p>�Wenn das wirklich so war, ist es nicht wirklich verwunderlich, dass Sabine w�tend auf dich und nicht besonders gut zu sprechen auf mich ist.�</p><p>Marc schweigt immer noch.</p><p>�Also hast du es ihr tats�chlich nicht erz�hlt.� Sie seufzt. �Kannst du nicht mal etwas dazu sagen?�</p><p>�Was soll ich noch dazu sagen? Das Tribunal hat mich doch bereits �berf�hrt.�</p><p>�Hey!� Carolin runzelt die Stirn. �Nicht wieder streiten! Was hei�t denn hier <emphasis>Tribunal</emphasis>? Ich m�chte nur von dir wissen, was du Sabine gesagt hast � oder auch nicht.�</p><p>�Ich habe es ihr nicht gesagt, weil ich der Meinung bin, dass es sie nichts angeht. Punkt.�</p><p>�Ja, aber ��, will Carolin darauf erwidern, aber Marc f�llt ihr sofort ins Wort.</p><p>�Und im �brigen bin ich der Meinung, dass ich dich nicht fragen muss, was ich meiner Exfrau wann sage.�</p><p>Eins merkt selbst ein kleiner Dackel: Dieses Thema ist f�r Marc ein rotes Tuch. Und daf�r, dass er sich so sehr ein friedliches Ende des Abends w�nscht, ist er wieder ganz sch�n unfriedlich. Hoffentlich beh�lt wenigstens Carolin die Nerven, sonst kracht es bestimmt gleich wieder.</p><p>�Schatz, ich wei�, dass Sabine dich sehr verletzt hat. Und ich kann verstehen, dass du immer noch w�tend auf sie bist. Aber es muss m�glich sein, dass wir dar�ber in Ruhe reden. Und dass ich auch eine eigene Meinung dazu vertreten darf. Sonst haben wir in absehbarer Zeit ein echtes Problem.�</p><p>Sehr gut, Carolin. Immer ruhig bleiben. Damit bist du ganz auf Opilis Linie: <emphasis>Bei sehr aufgeregten Hunden hilft nur ein ganz ruhiger J�ger, der den �berblick beh�lt. Sonst verjagt sich das Rudel in k�rzester Zeit.</emphasis> Gut, vielleicht ist die Kommunikation zwischen J�ger und Hund nicht eins zu eins auf die zwischen Frau und Mann �bertragbar, aber da es sich in beiden F�llen um Paare handelt, kann man vielleicht gewisse Parallelen ziehen.</p><p>�Entschuldige, Caro. Du hast Recht. Aber bei dieser Geschichte sitze ich sofort auf der Palme. Ich bem�he mich aber auch redlich, wieder hinunterzuklettern.� Er l�chelt. Etwas gequ�lt, aber er l�chelt. Faszinierend. Es funktioniert also tats�chlich. Nicht nur zwischen J�ger und Hund.</p><p>�Brav, mein Lieber!�, lobt ihn Carolin. Und auch das ist gewisserma�en nach Lehrbuch. <emphasis>Den folgsamen Hund immer loben!</emphasis>, war einer der wichtigsten Grunds�tze des alten von Eschersbach. Er hatte zu diesem Thema sogar einmal etwas in der <emphasis>Wild und Hund</emphasis> geschrieben, einer Zeitschrift, die in regelm��igen Abst�nden zu uns aufs Schloss flatterte. Alle waren deswegen ganz stolz, Emilia hat uns damals sogar vorgelesen, was der Alte da verzapft hatte, und anschlie�end bekam das Heft in der Schlossbibliothek einen Ehrenplatz. Ja, von Eschersbach war zwar sonst ein harter Knochen, aber in der Hinsicht sehr verl�sslich. Wenn man genau machte, was er wollte, konnte man gut mit ihm auskommen. Vielleicht k�nnte Carolin ja auch mal in der <emphasis>Wild und Hund</emphasis> � ?</p><p>�Wei�t du, Sabine war damals Knall auf Fall verschwunden. Mit Luisa. Ich kam nach Hause, und die Wohnung war so gut wie leer. Es war der furchtbarste Tag in meinem Leben. Sie war einfach zu diesem Jesko gezogen, ohne vorher auch nur ein Wort dar�ber zu verlieren. Und dass diese Frau nun hier aufkreuzt und meint, mir sagen zu k�nnen, wie ich sie im Vorfeld h�tte informieren m�ssen � tut mir leid, da platzt mir der Kragen. Es hat mich sehr viel Kraft gekostet, wieder ein halbwegs normales Verh�ltnis zu ihr aufzubauen. Und ich habe das nur wegen Luisa �berhaupt auf mich genommen. Aber zu mehr bin ich nicht bereit.�</p><p>Carolin holt Luft, so als ob sie dazu noch etwas sagen wollte, schweigt dann aber. Eine Weile sitzen sie so da, dann nimmt Marc Carolins H�nde.</p><p>�Vielleicht streichen wir den heutigen Tag einfach, ja? Er war wirklich eine Katastrophe.�</p><p>�Ja, tun wir das.� Sie k�ssen sich. �Ach so � von wegen Katastrophe: Hat sich eigentlich Frau Warnke mal gemeldet? Die kann doch nicht einfach nicht zur Arbeit kommen.�</p><p>�Stimmt. Das habe ich dir noch gar nicht erz�hlt. Dabei passt es zu meiner heutigen Gl�cksstr�hne: Ihr Freund hat heute Nachmittag angerufen. Es gibt zwei Neuigkeiten � gewisserma�en eine gute und eine schlechte. Erstens ist Frau Warnke schwanger. Dazu habe ich nat�rlich gratuliert. Und zweitens geht es ihr so schlecht, dass sie heute Morgen ins Krankenhaus gekommen ist. Ich f�rchte, so schnell sehen wir sie nicht wieder.�</p><p>�O nein!�</p><p>�Genau. O nein. Das habe ich auch gesagt.�</p><p>�Aber was machst du denn jetzt ohne Helferin?�</p><p>�Dazu habe ich mir schon Gedanken gemacht und eine gute L�sung gefunden.�</p><p>�Und die w�re? Ich gebe meine Werkstatt auf und werde ab sofort deine Assistentin?� Carolin kichert.</p><p>�Auch ein verlockender Gedanke. Aber ich hatte noch eine andere Idee: Meine Mutter hilft mir. Sie hat es jahrelang bei meinem Vater gemacht, kennt also die Praxis. Und sie k�nnte sofort anfangen.�</p><p>�Deine Mutter?�</p><p>�Ja, gute Idee, oder?�</p><p>�Ja, toll.�</p><p>Ein Blick auf Carolins Gesicht, und ich wei�, dass sie das genaue Gegenteil denkt. Ein Wunder, dass Marc das nicht merkt. M�nner und Frauen. Richtig gut passen sie nicht zusammen.</p></section><section><title><p>DREIZEHN</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>V</strong>on au�en betrachtet wirkt der heutige Tag v�llig unspektakul�r. Drau�en nieselt es, im Wartezimmer der Praxis sitzt nur ein einziger Herr mit seiner Katze, und Marcs Mutter sortiert am Tresen einen Papierstapel von links nach rechts. Sie kommt nun jeden Tag, um Marc zu helfen, und was auch immer Carolin bef�rchtet hatte � bisher ist noch nichts Schlimmes passiert. Im Gegenteil, meist kocht Oma Wagner nach Ende der Sprechstunde noch etwas Sch�nes f�r die ganze Familie und denkt dabei auch an mich. Wenn ich also mit Carolin aus der Werkstatt komme, freue ich mich schon richtig auf das Abendessen.</p><p>Heute allerdings bin ich gleich zu Hause geblieben, denn in Wirklichkeit ist dieser Tag doch spektakul�r: Ich werde mit Marc Schloss Eschersbach besuchen! Offenbar soll an einem der n�chsten Wochenenden die Pony�berraschungsparty f�r Luisa steigen. Jedenfalls wenn alles so klappt, wie Carolin sich das vorstellt. Es wird also h�chste Zeit, dass Marc sein Versprechen einl�st und den alten von Eschersbach endlich nach seinen Pferden fragt.</p><p>Jetzt nur noch der Typ mit der Katze � dann kann es losgehen. Marc schaut aus dem Behandlungszimmer.</p><p>�So, Herr Weiler, dann lassen Sie uns mal nachsehen, was Lucy haben k�nnte. Kommen Sie bitte?�</p><p>Und zwar ein bisschen dalli, m�chte ich hinzuf�gen, wenn ich mir ansehe, mit welchem Schneckentempo dieser Herr Weiler in Marcs Richtung schleicht. Wir haben schlie�lich noch etwas Besseres vor!</p><p>Ich lege mich vor die T�r des Behandlungszimmers. Nicht, dass sich hier noch irgendein Notfall reinmogelt. Nach der Katze ist Schluss, basta!</p><p>�Na, Herkules, brauchst du auch einen Arzt?� Marcs Mutter hockt sich neben mich und krault mich unter dem Kinn. �Oder willst du noch ein kleines Fresschen, bevor ihr losfahrt?�</p><p>�Mutter, h�r bitte auf, den Hund zu m�sten. Der braucht weder drei Mahlzeiten am Tag noch zwei Kilo mehr auf den Rippen. Und dann bring mir doch bitte mal die Patientenakte von Lucy Weiler, hier liegt leider die falsche.� Marc steckt den Kopf durch die T�r des Behandlungszimmers.</p><p>�Ja, mache ich sofort. Aber drei Kilo w�rden Herkules auf keinen Fall schaden. Und dir �brigens auch nicht, mein Schatz. Deine neue Freundin h�lt euch ja offensichtlich etwas kurz. Wenn ich die letzten Abende nicht gekocht h�tte �� Sie l�sst offen, was dann gewesen w�re.</p><p>Was sie damit sagen will, verstehe ich nicht. Es klingt aber nicht so, als ob es unbedingt nett gemeint war. Kurz gehalten? Bezieht sich das etwa auf meine Beine? Aber f�r die kann Carolin ja gar nichts. Und sie sind wegen meines Terrier-Vaters auch eher ein St�ck l�nger als bei Dackeln �blich. Au�erdem ist Marc ziemlich gro�. Das kann es also auch nicht sein. Aber was meint sie dann?</p><p>�Mutter, Carolin ist eine ausgezeichnete K�chin. Aber sie ist gleichzeitig eine berufst�tige Frau, sie hat also gar nicht die Zeit, mich st�ndig zu verpflegen. Das muss sie auch nicht. Ich bin schlie�lich schon gro� und kann mir im Zweifel selbst ein Brot schmieren.�</p><p>Frau Wagner schnappt h�rbar nach Luft. �Na ja, mein Junge. Man muss wissen, wie man seine Priorit�ten setzt. Nicht jede Frau stellt immer den Beruf an erste Stelle.�</p><p>Jetzt ist es an Marc, tief einzuatmen. Fast scheint es, als wolle er noch etwas sagen. Dann aber nimmt er nur die Akte, die ihm seine Mutter entgegenh�lt, und geht wieder ins Behandlungszimmer zur�ck.</p><p>Kurze Zeit sp�ter ist Lucys Problem anscheinend gel�st und Marc mit seiner Sprechstunde fertig.</p><p>�So, Herkules, dann wollen wir mal in deine alte Heimat starten. Hoffentlich klappt diese Ponygeschichte gleich. Ich k�nnte einen Erfolg bei Carolin momentan gut gebrauchen. Irgendwie l�uft es gerade nicht ganz rund bei uns, mein Freund.�</p><p>Es l�uft nicht rund? Bei Marc und Carolin? Was denn? Also, laufen tut doch sowieso nie jemand von den beiden. Marc springt in sein Auto, sobald er die Praxis verl�sst. Und Carolin f�hrt eigentlich immer Fahrrad. Wenigstens geht sie noch mit mir spazieren, in letzter Zeit absolviert sie dabei aber auch nur das absolute Pflichtprogramm. Also, dass es mit dem Laufen ein Problem gibt, ist eine Diagnose, die ich schon vor Monaten h�tte stellen k�nnen.</p><p>Wir verlassen das Haus, Marc verfrachtet mich � nat�rlich! � kurzerhand auf den Beifahrersitz seines Autos und f�hrt los. Es ist ziemlich viel Verkehr auf den Stra�en. Als wir wieder einmal anhalten m�ssen, fasst Marc mit seiner rechten Hand kurz unter meinen Bauch.</p><p>�Also, mein Lieber, es tut mir leid, dir das so sagen zu m�ssen: Aber du hast eine ganz sch�ne Wampe bekommen. Meine Mutter kocht jetzt seit zwei Wochen f�r uns, und du hast schon mindestens ein Kilo zugenommen. Wenn das in dem Tempo weitergeht, k�nnen wir dich bald rollen. Ich glaube, ich muss mal dein Fressen rationieren. �bergewicht ist gar nicht gesund, schon gar nicht f�r Hunde mit so einem langen R�cken.�</p><p>Ich starre Marc fassungslos an. Was f�llt dem ein? Ich bin doch nicht <emphasis>dick</emphasis>! Und falls ich tats�chlich ein klein wenig zugelegt haben sollte, dann eindeutig nur, weil ich in letzter Zeit zu wenig Auslauf habe. Marc nimmt die Hand zur�ck und legt sie wieder ans Steuer.</p><p>�Aber andererseits: Warum soll es dir besser gehen als mir? Mich m�stet sie ja auch. Ist eben meine Mutter. Ich hoffe nur, sie f�llt Caro noch nicht auf die Nerven. Vielleicht war meine Idee mit der Krankheitsvertretung doch nicht so gut.�</p><p>Dazu kann ich wenig sagen. Also, sagen kann ich nat�rlich sowieso nichts. Aber selbst wenn ich k�nnte � ich finde es sch�n, dass Frau Wagner nun da ist. Auch wenn ich ein klitzekleines bisschen zugenommen haben sollte. Und Luisa ist gl�cklich, ihre Oma so oft zu sehen. Denn die k�mmert sich nicht nur um die Praxis, sondern auch um Luisas Hausaufgaben. Vor dem Abendessen zeigt Luisa ihr jetzt immer ihre Schulhefte, und Oma Wagner sagt ihr, ob sie das richtig oder falsch gemacht hat. So lernen Menschenkinder lesen und schreiben. Ob ich das auch k�nnte? W�re bestimmt spannend. Ich w�rde mir ein Buch schnappen und diese Zeichen anstarren, und dann w�rden auch in meinem Kopf Bilder entstehen. Bei einem Buch �ber die Jagd bestimmt welche von F�chsen und Kaninchen.</p><p>Das Auto wird langsamer, ich schaue aus dem Fenster. Wir haben die Stadt verlassen und fahren an einem W�ldchen vorbei. Marc biegt von der gro�en Stra�e ab, jetzt geht es direkt durch den Wald. Von hier oben aus dem Auto heraus ist es sehr schwer zu erkennen � aber ich glaube, dies ist bereits die Auffahrt zum Schloss! Aufgeregt h�pfe ich auf dem Sitz auf und ab.</p><p>�Da freust du dich, nicht? Aber bleib noch sitzen, wir halten ja gleich an.�</p><p>In diesem Moment taucht auch schon das Schloss auf. Es ist im Wesentlichen ein riesiges wei�es Haus mit einem gro�en Portal in der Mitte und zwei hohen T�rmen an der Stirnseite. Davor ein Schlossplatz mit einem Springbrunnen und dahinter ein riesiger Park. Marc parkt sein Auto auf dem Schlossplatz und l�sst mich heraus. Ich atme tief ein und genie�e den Geruch, der immer noch so viel von Heimat f�r mich hat. Klar, ich wohne jetzt schon mehr als mein halbes Leben bei Carolin, aber den Ort, an dem man seine Kindheit verbracht hat, vergisst man wohl nie.</p><p>Und er vergisst einen auch nicht: In diesem Moment kommt meine Schwester Charlotte auf mich zugeschossen. Sie wedelt wie wild mit dem Schwanz und kann nur m�hsam vor meinen Pfoten bremsen.</p><p>�Carl-Leopold! Das ist ja toll! Du bist es wirklich!� Sie schlabbert mir �ber die Schnauze, dann setzt sie sich. �Immer, wenn der Tierarzt kommt, renne ich sofort zu seinem Auto in der Hoffnung, dich mal wiederzusehen. Schade, dass du so selten mitkommst.�</p><p>�Tja, ich bin ja meistens bei meinem Frauchen in der Werkstatt. Aber heute hat Marc selbst daran gedacht, dass er mich mitnehmen k�nnte. Er will irgendetwas �ber eure Pferde und Ponys wissen.�</p><p>Charlotte schaut erstaunt. �Nanu? Ich glaube, die sind alle gesund. Ansonsten sind die ja sooo langweilig. Furchtbar dumme Tiere. G�nzlich uninteressant. Was will er denn mit denen?�</p><p>�Ich habe es auch nicht ganz verstanden. Aber Marc hat eine Tochter, Luisa, und die mag Ponys. Damit hat es irgendwas zu tun. Und mit ihren Freundinnen.�</p><p>�Aha. Menschenkinder und Ponys. Der Alte wird begeistert sein. Ich glaube, wenn es nach ihm ginge, w�ren die G�ule schon l�ngst abgeschafft. Aber die junge Gr�fin ist auch so ein Pferdenarr � und deswegen bleiben die Viecher. Sag mal, was ganz anderes�, Charlotte mustert mich, �hast du irgendwie zugenommen? Du siehst so � so � kr�ftig aus.�</p><p>Jetzt f�ngt die auch noch damit an!</p><p>�Vielleicht ein ganz kleines bisschen. Aber ich glaube eher nicht.� Ich <emphasis>hoffe</emphasis> eher nicht! Was wird sonst Cherie denken, wenn wir uns das n�chste Mal begegnen? Golden Retriever sind extrem sportliche Zeitgenossen, ich kann mir nicht vorstellen, dass ein kleiner, dicker Dackel bei ihr besonders gut ankommt. Ich versuche, mein B�uchlein einzuziehen und Charlotte besonders selbstbewusst anzustrahlen.</p><p>�Du hast nicht zugenommen? Okay, dann bilde ich es mir wohl ein. Ist ja auch kein Wunder � der Alte drillt hier alle Hunde auf schlanke Linie, ein St�ck Herz zu viel, und es gibt �rger. Selbst hinter mir ist er her, obwohl ich doch Emilia geh�re und sowieso nicht zur Zucht tauge.�</p><p>Emilia ist die K�chin auf Schloss Eschersbach. Als der alte Schlossherr auf die glorreiche Idee verfiel, uns beide Mischlingskinder ins n�chste Tierheim zu verfrachten, beschloss Emilia, wenigstens eines von uns aufzunehmen. Warum ihre Wahl gerade auf Charlotte fiel, wei� ich nicht. Vielleicht Solidarit�t unter Frauen?</p><p>Mittlerweile steht auch der alte von Eschersbach neben uns und unterh�lt sich mit Marc. Ich kann mir nicht helfen, und auch, wenn ich l�ngst ein erwachsener Dackel bin: Vor dem Alten habe ich immer noch Angst. Neben Marc sieht er nicht einmal besonders imposant aus, f�r einen Menschen eher schmal und gebrechlich, aber sobald ich seine schnarrende Stimme h�re, werde ich ganz unruhig. Brrr, besser ich stromere ein wenig mit Charlotte herum.</p><p>�Wei�t du�, schlage ich ihr deshalb vor, �ich w�rde furchtbar gerne Mama und Opili begr��en.�</p><p>�Tja, Opili, �h � das wei�t du ja noch gar nicht, aber ��</p><p>�Mama ist auch erst mal wichtiger!�, unterbreche ich sie.</p><p>�Klar, kein Problem. Komm mit. Mama d�rfte momentan zwar nicht die beste Laune haben, aber vielleicht heiterst du sie ja auf.� Charlotte trabt los, ich hinterher.</p><p>�Wieso ist Mama schlecht gelaunt? Was ist denn los?�</p><p>�Sie wird gerade getrimmt. Soll bestimmt wieder auf irgendeine Hundeschau. Sie hasst es, aber der Alte kann es einfach nicht lassen.�</p><p>�Hm.� Stimmt. Meine Mutter ist ein gefeierter Dackelchampion. Sie war sogar schon Bundessiegerin, ein riesiger Pokal in der Glasvitrine im Salon zeugt von diesem Triumph. F�r von Eschersbach ist dies neben dem Jagen sein liebstes Hobby. Macht auch Sinn, denn schlie�lich z�chtet er Dackel, und da kommt ihm jeder Titel recht � Pr�miumnachwuchs ist teuer. Umso entsetzter muss er gewesen sein, als er feststellte, dass Mama ihr Herz ein einziges Mal nicht an einen Herrn mit den besten Dackelpapieren, sondern an den Terrier des benachbarten Jagdp�chters verschenkt hatte.</p><p>Wo die Liebe eben hinf�llt. Aber so ist Mama: eine Frau mit eigenem Kopf. Und sosehr sie es hasst, selbst f�r eine Hundeschau zurechtgemacht zu werden, so egal werden ihr auch die z�chterischen Ambitionen von von Eschersbach gewesen sein. Jedenfalls im Fall unseres Vaters. Sie hat es mir nie erz�hlt, aber ich glaube, der Terrier war ihre gro�e Liebe. Wann immer sein Name fiel � und der fiel oft, wenn von Eschersbach wieder einmal dazu ansetzte, �ber die Schlechtigkeit der Welt im Allgemeinen und die Ungezogenheit von Dackeln im Besonderen zu wettern �, lag in ihren Augen etwas Sanftes.</p><p>Liebe � wie die sich wohl anf�hlt? Ist es dieses Herzrasen, das ich sp�re, wenn ich an Cherie denke? Das Ohrensausen, das ich bekomme, wenn ich sie rieche? Ist das Liebe? Das Gef�hl, dass ich am liebsten jeden Tag mit ihr verbringen w�rde? Ich kann es gar nicht genauer beschreiben, aber es steckt wirklich tief in mir, macht mich ganz fahrig � aber erf�llt mich gleichzeitig mit so viel Gl�ck und Energie, dass ich mich nie, nie wieder anders f�hlen m�chte.</p><p>�Hey, schl�fst du?� Charlotte ist stehen geblieben und knufft mich unsanft in die Seite.</p><p>��h, nein, warum?�</p><p>�Na, ich habe dich nun schon zweimal nach deiner neuen Familie gefragt, aber du antwortest nicht.�</p><p>�Entschuldige, ich war in Gedanken. Was wolltest du wissen?�</p><p>�Wie isses denn jetzt so mit dem Tierarzt? Als du das letzte Mal da warst, kannte dein Frauchen ihn ja noch nicht so lange.�</p><p>�Oh, es ist sch�n. Wir sind jetzt eine richtige Familie. Vater, Mutter, Kind, Hund.�</p><p>�Kind? Wo kommt das denn so schnell her? Die Frau des jungen Stallmeisters hat vor einiger Zeit ein Baby bekommen, das hat aber ganz sch�n lange gedauert, bis es fertig war. Also, bestimmt den ganzen Winter lang und das Fr�hjahr noch dazu.�</p><p>�Das Tierarzt-Kind war schon fertig, bevor Marc mein Frauchen Carolin kennengelernt hat.�</p><p>�Ach?� Charlotte bleibt schon wieder stehen und mustert mich.</p><p>�Ja. Marc ist n�mlich ein gebrauchter Mann�, f�ge ich mit wichtiger Miene hinzu. �Das hei�t, er hatte schon mal eine Frau, und von der stammt das Kind. Luisa, sehr nett.�</p><p>�Und was ist jetzt mit der alten Frau? Wohnt die auch bei euch, oder was habt ihr mit der gemacht?�</p><p>�Nein, die wohnt nat�rlich nicht bei uns. Menschenpaare bestehen doch immer nur aus zwei Leuten. Glaube ich jedenfalls. Dass ein Mann mit zwei Frauen zusammenlebt oder eine Frau mit zwei M�nnern, habe ich noch nicht geh�rt. Die alte Frau wohnt irgendwo anders. Aber neulich war sie da und hat ganz sch�n �rger gemacht. Ich dachte schon, sie will Luisa klauen. Wollte sie dann aber doch nicht.�</p><p>�Vielleicht will sie eher den Tierarzt klauen?� Charlotte stellt da eine interessante neue Theorie auf. �Wenn er ihr mal geh�rt hat, will sie ihn doch wom�glich zur�ckhaben.�</p><p>K�nnte das sein? Es w�rde zumindest erkl�ren, warum Carolin so sauer �ber den ganzen Vorfall war. Aber wie klaut man einen Mann? Marc ist mindestens einen Kopf gr��er als diese Sabine � ich glaube nicht, dass sie kr�ftig genug w�re, Marc aus unserer Wohnung zu schleifen. Luisa h�tte sie raustragen k�nnen, aber Marc? Keine Chance.</p><p>Wir kommen am Schlossportal an, und Charlotte h�pft sehr beschwingt die Stufen zum Eingang hinauf. Die schweren T�ren zum Innenhof stehen auf, was tags�ber immer so ist. Ich merke, dass sich in meiner Nase ein leichtes Kribbeln ausbreitet, denn mit dem Geruch kommt auch die Erinnerung: an eine unbeschwerte Kindheit voller Abenteuerlust, an Abende, die Opili mit Geschichten �ber Kaninchen und Wildschweine f�llte � und an meine Mutter. So schnell ich kann, laufe ich hinter Charlotte her, quer �ber den Innenhof, durch die n�chste T�r, Stufen hinauf und hinunter.</p><p>Kurz darauf landen wir im kleinen Salon, der eigentlich nichts weiter als ein schmuckloser Aufenthaltsraum neben der K�che ist. Hier steht das gro�e Hundek�rbchen, in dem Charlotte und ich die ersten Wochen mit unserer Mutter verbracht haben. Eigentlich ist es eher eine gro�e Kiste, die mit dicken Wolldecken ausgelegt ist. Ich erinnere mich noch sehr gut an den ersten Ausflug. Aufgeregt und auf ziemlich wackeligen Beinen, erkundeten Lotti und ich den gesamten Salon. Er kam mir damals riesig vor, und nach einiger Zeit war ich so ersch�pft, dass ich kaum noch laufen konnte. Schlie�lich hob mich Mama sanft am Nacken auf und trug mich wieder in die Kiste. Wenn ich bedenke, wie klein mir der Salon heute vorkommt, kann ich kaum glauben, dass der R�ckweg von der T�r zur Kiste damals zu anstrengend f�r mich war.</p><p>Jetzt allerdings ist die Kiste leer, von meiner Mutter keine Spur. Ich drehe mich zu Charlotte.</p><p>�Wo ist sie denn?�</p><p>Charlottes Schwanzspitze zuckt. �Tja, dann ist sie wohl wirklich noch beim Trimmen. Wollen wir hier warten oder nach ihr sehen?�</p><p>�Wer wei�, wie lange Marc noch mit von Eschersbach spricht. Lass uns lieber zu ihr flitzen, sonst verpasse ich sie am Ende noch.�</p><p>In diesem Moment �ffnet sich die T�r zur K�che.</p><p>�Carl-Leopold! Nein, ist das sch�n, dass du uns mal wieder besuchst!� Emilia! Ihre Stimme w�rde ich jederzeit unter tausenden erkennen. Sie ist f�r eine Frau sehr dunkel und klingt fast so, als w�rde Emilia singen, auch wenn sie nur spricht. Sofort renne ich zu ihr und springe an ihr hoch.</p><p>�Ja, mein Braver, du freust dich auch, nicht? Warte mal, ich hole etwas Leckeres f�r dich.� Es ist eindeutig von Vorteil, mit der K�chin befreundet zu sein!</p><p>Als Emilia wieder auftaucht, hat sie ein kleines Sch�lchen in den H�nden, das sie mir direkt vor die Nase stellt. Lecker! Pansen und Herz! Sofort schlinge ich los. Ich liebe meine Schwester zwar sehr, aber dies ist eindeutig <emphasis>mein</emphasis> Willkommensgeschenk. Zwei Sekunden sp�ter steht Charlotte neben mir und schmollt.</p><p>�Hey, kein Wunder, dass du zugenommen hast! H�ttest mir ruhig etwas abgeben k�nnen.�</p><p>Ich ignoriere diesen Einwand und schlinge hastig das letzte St�ck Herz hinunter. Abnehmen kann ich immer noch, und vielleicht kommen auch irgendwann mal schlechte Zeiten. Dann bin ich gewappnet.</p><p>�Hast du denn deine Mutter schon gesehen, Carlchen?� Emilia hebt mich hoch und streicht mir �ber den Kopf. �Ach nein, die ist ja noch mit dem Hundefris�r zugange. Am Wochenende ist die Hundeschau, da muss sie doch besonders sch�n sein. Aber warte mal, ich bringe dich hin. Die sind im Anbau hinter den Pferdest�llen.� Spricht�s und klemmt mich unter den Arm. Charlotte beeilt sich hinterherzukommen, und so stehen wir schon bald darauf vor der T�r zu dem gekachelten Raum am Stall, in dem auch immer die tier�rztlichen Untersuchungen auf dem Schloss stattfinden. Emilia setzt mich wieder auf den Boden und �ffnet die T�r.</p><p>Brrr, auch wenn ich Marc nun sehr gut kenne und mag � der Gedanke an die Untersuchungen und Impfungen, die ich durch ihn in diesem Raum erdulden musste, l�sst mich sehr z�gern, hineinzugehen. Obwohl das nat�rlich Quatsch ist. Aber offensichtlich haben Dackel ein gutes Ged�chtnis.</p><p>�Komm schon, Carl-Leopold, auf was wartest du?�</p><p>Okay, soll schlie�lich niemand sagen k�nnen, ich sei ein Feigling. Ich dr�cke mich also an der T�r vorbei � und stehe sofort vor dem Tisch, den Tierarzt und Hundefris�r anscheinend gleicherma�en benutzen. Und auf dem Tisch: Mama! Ich belle aufgeregt, sie dreht den Kopf zur Seite.</p><p>�Mensch, Daphne, stillhalten! Sonst schneide ich dir noch ins Ohr!� Der Hundefris�r, der eine Hundefris�rin ist, schimpft. Aber meiner Mutter ist das v�llig egal. Sie h�pft einfach zu mir herunter.</p><p>�Junger Mann, wir kennen uns doch!�</p><p>Begeistert schlecke ich ihr die Schnauze ab. Meine Mutter ist einfach eine ganz tolle Frau!</p><p>�Hey, nicht so st�rmisch! Deine Mutter ist mittlerweile schon eine �ltere Dame, Carl-Leopold. Und was machst du �berhaupt hier?�</p><p>�Er ist wieder mit dem Tierarzt da, Mama.�</p><p>�Ach so? Ja, den Arzt habe ich eben schon gesehen. Hat auch mit dem Alten hier reingeschaut. Dann sind sie wohl zu den Pferden gegangen. Hach, es ist wirklich sch�n, dich zu sehen, mein Junge.� Mama erwidert mein Schlecken.</p><p>Die Hundefris�rin scheint nun genug von unserer spontanen Familienzusammenf�hrung zu haben. Sie beugt sich herunter, schnappt sich meine Mutter und setzt sie wieder auf den Tisch.</p><p>�So. Stillgehalten jetzt, Daphne. Sonst kann ich aus dir keinen Champion machen.�</p><p>Ergeben setzt sich Mutter auf ihr Hinterteil.</p><p>�Du siehst es, Carl-Leopold. Mir bleibt hier nichts erspart. Vielleicht sehen wir uns sp�ter nochmal.�</p><p>�Alles klar. Dann gehen wir erst einmal Opili suchen.�</p><p>Mama f�hrt so schnell herum, dass die Fris�rin den Trimmkamm fallen l�sst.</p><p>�Hat dir Charlotte etwa noch nichts erz�hlt?�</p><p>Ich sch�ttele den Kopf. �Nein, was denn?�</p><p>Mama senkt die Schnauze. �Opili ist im letzten Winter gestorben.�</p></section><section><title><p>VIERZEHN</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>H</strong>erkules, das ist der Lauf der Dinge. Hunde sterben, Menschen sterben. Ja, sogar Katzen treten irgendwann ab.�</p><p>Falls Herr Beck versucht, mich mit diesen halbgaren �berlegungen zur Verg�nglichkeit alles Irdischen zu tr�sten: So klappt das nicht! Wir liegen unter Ninas Tisch im Wohnzimmer, hier hat mich Caro geparkt, weil sie auf einen Termin musste. Auch so ein Ding. Mir geht es schlecht, und sie schiebt mich einfach ab. Heute ist ein furchtbarer Tag. Drau�en regnet es schon wieder in Str�men, und hier drinnen ist mir zum Heulen zumute.</p><p>�Aber warum hat mir das niemand erz�hlt?�</p><p>Herr Beck starrt mich an. �Ja, um Gottes willen, wer h�tte dir das denn erz�hlen sollen?�</p><p>�Na, Marc zum Beispiel. Der wusste es bestimmt. Er ist schlie�lich Tierarzt auf dem Schloss!�</p><p>�Herkules, ich sage es dir wirklich nur ungern, aber: Du bist nur ein Hund. Kein Mensch k�me jemals auf die Idee, dass diese Information f�r dich wichtig sein k�nnte.�</p><p>�Bitte? Es war immerhin mein Opili!�</p><p>�Richtig. Aber f�r Marc war Opili garantiert nur ein alter Dackel. Und damit hat er aus Menschensicht auch nicht ganz Unrecht.�</p><p>Ich lege meinen Kopf auf die Schnauze und schweige. Bin ich vielleicht beleidigt? Nein. Ich bin traurig. Und gekr�nkt. Ich lebe offensichtlich mit Leuten zusammen, die sich nicht im Geringsten um mein Gef�hlsleben scheren. Eine erschreckende Erkenntnis. Wieso blo� mache ich mir dann umgekehrt so viele Gedanken um sie? Um ihre Krisen, Sorgen und N�te? Das lasse ich demn�chst doch einfach. Jeder ist sich selbst der N�chste. Schon wahr. Und nicht nur der n�chste Mensch. In Zukunft gilt das auch f�r Dackel.</p><p>Herr Beck holt tief Luft. �Sieh es doch mal so: Dein Opili war wahrscheinlich schon ganz sch�n alt. M�glicherweise auch krank, das geht ja oft Hand in Hand. Und vielleicht hatte er am Ende auch gar keine Lust mehr auf sein Hundeleben. K�nnte doch sein.�</p><p>Ich sch�ttele entschieden den Kopf.</p><p>�Man merkt, dass du Opili nicht kennst. Er war total fit. Ein Klassehund. Immer gut drauf und voller Ideen. <emphasis>Lustlos</emphasis>? Das Wort gab es f�r ihn gar nicht.�</p><p>�Mein lieber Herkules, abgesehen davon, dass <emphasis>niemand</emphasis> immer gut drauf ist, und sei er noch so jung, muss ich dir leider sagen, dass das �lterwerden nicht immer das reine Vergn�gen ist. Ich merke es doch an mir selbst. Was war ich fr�her f�r ein tollk�hner Kater. Und heute? Liege ich gerne mal den ganzen Tag bei Nina auf dem Fensterbrett und lausche and�chtig, wenn sie wieder ein paar arme Verwirrte vor dem Wahnsinn rettet. Herkules, glaube mir, das ist nix, wenn man alt wird. Du wirst es schon noch sehen.�</p><p>Jetzt bin ich ernsthaft besorgt. Will mir Herr Beck damit etwa sagen, dass er keine Lust mehr hat, mit mir durch die Welt zu streifen? Opili ist die eine Sache � aber wenn Beck nun auch schw�cheln sollte � Der ist doch noch gar nicht so alt, oder? Was w�rde ich blo� ohne ihn machen?</p><p>�Geht es dir nicht gut?�, will ich von Herrn Beck wissen.</p><p>�Doch, es geht mir gut. Aber ich bin nicht mehr der J�ngste. Ich renne nicht mehr jeder dummen Maus hinterher. Das ist mir viel zu anstrengend geworden. Und ich brauche mehr Ruhe als fr�her, mehr Erholung. Gestern war es zum Beispiel so laut in der Wohnung �ber uns, dass ich tags�ber nicht richtig schlafen konnte. Das merke ich heute. Ich bin ziemlich schlapp.�</p><p>�Also geht es dir schlecht?�</p><p>�Nein. Wie ich schon sagte: Ich bin nur schlapp.�</p><p>Da kommt mir eine Idee. �Aber du w�rdest mir Bescheid sagen, wenn es dir mal nicht so gut geht, oder?�</p><p>Beck guckt erstaunt. �Warum?�</p><p>�Na ja, ich dachte, wo ich doch gewisserma�en an der Quelle sitze ��</p><p>�An welcher Quelle? Vertickst du illegale Dopingmittel f�r Katzen?�</p><p>�Was?� Wovon redet der Kater?</p><p>�Ach, nur ein Scherz. Nein, ich frage mich nur, wie du mir helfen k�nntest, falls es mir mal schlecht gehen sollte.�</p><p>�Du sagst mir Bescheid, und ich informiere Marc. Und der hilft dir dann. Also, bevor die unsensible Nina etwas merkt, nehmen wir die Sache doch lieber selbst in die Hand.�</p><p>�He! Nina ist nicht unsensibel! Sie ist eine tolle Frau.�</p><p>�Das sind ja ganz neue T�ne! Ich dachte immer, du �� Weiter komme ich nicht, denn in diesem Moment �bert�nt ein ohrenbet�ubendes H�mmern alle weiteren Ger�usche. Beck rollt sich auf den R�cken und st�hnt.</p><p>�O nein! Jetzt geht das schon wieder los. Ich werde noch verr�ckt.�</p><p>�Was ist denn das? �ber euch wohnt doch niemand mehr�, wundere ich mich.</p><p>�Die Wohnung bleibt aber nicht leer, Herkules. Da ziehen nat�rlich neue Menschen ein. Und die haben offenbar vor, dort keinen Stein auf dem anderen zu lassen. Schrecklich!�</p><p>Das findet offenbar auch Nina, die in diesem Moment mit den Worten <emphasis>Jetzt reicht es mir!</emphasis> an der offenen Wohnzimmert�r vorbeischie�t und zur Wohnungst�r rennt. Irgendetwas sagt mir, dass wir gleich Zeugen einer handfesten menschlichen Auseinandersetzung werden. Ich krieche unter dem Tisch hervor.</p><p>�Mann, wo willst du denn hin, Kumpel?� Herr Beck kann sich offenbar nicht aufraffen, seinem Frauchen zu folgen.</p><p>�Na, vielleicht braucht Nina Hilfe? Wenn du Recht hast und die Menschen �ber euch wirklich keinen Stein auf dem anderen lassen, dann sind sie m�glicherweise gewaltbereit. Da ist es immer gut, einen Jagdhund an seiner Seite zu haben. Mit schlappen Katern ist das allerdings so eine Sache. Du bleibst mal besser unter dem Tisch liegen, um dich kann ich mich in so einer Krisensituation nicht auch noch k�mmern.�</p><p>Herr Beck macht ein Ger�usch, das wie <emphasis>PPFFF</emphasis> klingt, und taucht kurz darauf neben mir auf. Gemeinsam laufen wir in den Hausflur. Nina steht schon oben vor der T�r und klingelt Sturm. Als wir nach den letzten Treppenstufen um die Ecke biegen, kommen wir gerade im richtigen Moment: Die T�re �ffnet sich, dahinter steht ein junger Mann mit wild in alle Richtungen abstehenden hellen Haaren. Ehe er es sich noch versieht, schreit ihn Nina auch schon an.</p><p>�Was f�llt Ihnen eigentlich ein, hier stundenlang das ganze Haus zu tyrannisieren? Ich habe Patienten � soll ich jetzt meine Praxis wegen Ihnen dichtmachen?�</p><p>Der junge Mann tritt einen Schritt zur�ck und mustert Nina interessiert von oben bis unten. Dann l�chelt er. �Nun mal halblang, Frau Nachbarin. Wir haben kurz nach 15 Uhr. Wenn ich die Hausordnung richtig interpretiere, ist das eine ausgezeichnete Zeit f�r Renovierungsarbeiten. Und die sind in der Wohnung leider dringend n�tig. Also � wenn nicht jetzt, wann dann?�</p><p>�Von mir aus gar nicht! Wieso k�nnen Sie nicht still und leise die W�nde streichen, so wie alle anderen Menschen auch? Warum haben Sie die Wohnung �berhaupt angemietet, wenn Sie nun anscheinend jede einzelne Wand rausrei�en oder versetzen?�</p><p>Nina funkelt den Mann b�se an, der grinst ziemlich breit.</p><p>�Wissen Sie, ich bin �sthet. Da kann ich mich mit simplem W�ndestreichen leider nicht zufriedengeben. Das werden Sie sicher verstehen � Sie scheinen doch auch Wert auf �u�eres zu legen. H�bsches Kleid �brigens.�</p><p>Der Typ grinst � sofern das �berhaupt m�glich ist � noch breiter, Nina schnaubt f�rmlich.</p><p>�Sie � Sie � unversch�mter Kerl! Ich werde mich bei der Hausverwaltung �ber Sie beschweren! Sie h�ren noch von mir!� Dann macht Nina auf dem Absatz kehrt und st�rmt nach unten. Beck und ich bleiben verdutzt sitzen. Der Mann schaut uns an.</p><p>�Oh, seid ihr Teil der Abordnung? Eins muss man ihr lassen, euer Frauchen hat Temperament.� Er nickt. Etwa anerkennend? Dann schlie�t er die T�r. Beck und ich schauen uns einigerma�en ratlos an.</p><p>�Also, mein Lieber � wo war denn jetzt dein Einsatz als sch�tzender Jagdhund? Davon habe ich nicht viel gesehen.�</p><p>�Daf�r ging das alles viel zu schnell. Wenn er sie angefasst h�tte, dann h�tte ich nat�rlich eingegriffen. Aber stattdessen hat er ihr doch ein nettes Kompliment gemacht. Ich verstehe gar nicht, warum Nina sich so dar�ber aufgeregt hat.�</p><p>�Welches nette Kompliment? Habe ich da etwas verpasst? Bin ich nicht nur alt, sondern auch taub?� Herr Beck legt den Kopf schief.</p><p>�Na, das mit dem Kleid. Er sagte doch, dass Ninas Kleid h�bsch sei.�</p><p>�Mann, Herkules � das war doch kein Kompliment! Damit wollte er sie �rgern! Und das hat ja auch einwandfrei funktioniert.�</p><p>�Bitte? Wie kann ein Mann denn eine Frau damit �rgern, dass er ihr sagt, dass ihr Kleid h�bsch ist? Dar�ber freuen sich Frauen doch. Das macht gar keinen Sinn.�</p><p>�Macht es doch. Denn damit sagt er ihr, dass er sie nicht ernst nimmt.�</p><p>�Quatsch. Damit sagt er ihr, dass sie ein h�bsches Kleid tr�gt.� Ob Herr Beck Recht hat mit dem �lterwerden? Er ist ganz offensichtlich schon v�llig verwirrt. <emphasis>T�delig</emphasis>, wie der alte von Eschersbach sagen w�rde.</p><p>�Hach, Herkules, du bist echt kein Frauenkenner. Hoffentlich gehst du bei deiner Cherie etwas geschickter vor, sonst wird das nie was. Also: <emphasis>Normalerweise</emphasis> ist das mit dem Kleid ein Kompliment. Da hast du schon Recht. Aber in diesem Fall war die Lage eine andere: Sie hat sich �ber ihn ge�rgert und ihn scharf kritisiert. Das hast du noch mitbekommen, oder?�</p><p>Ich nicke. Es war schlie�lich nicht zu �berh�ren.</p><p>�So. Jetzt lenkt er nicht etwa ein, sondern sagt ihr, dass sie Unsinn redet. Und das ihr Kleid h�bsch ist.�</p><p>�H�?�</p><p>�Na, das bedeutet, dass er sie nicht ernst nimmt. Er sagt damit eigentlich: <emphasis>Du hast keine Ahnung, Schnecke, beschr�nk dich mal aufs H�bschsein</emphasis>. F�r eine schlaue Frau wie Nina eine t�dliche Beleidigung.�</p><p>Mir schwirren die Dackelohren. �<emphasis>Das</emphasis> sagt er ihr damit?�</p><p>�Jepp. Das ist der sogenannte Subtext.�</p><p>�Aha.� Ich hoffe ganz stark, dass es so etwas wie Subtext in der Kommunikation zwischen H�ndin und R�de nicht gibt. Sonst bin ich geliefert. Aber so was von.</p><p>Schweigend trotten wir nebeneinander die Stufen zu Ninas Wohnung wieder hinunter. Sie hat die T�r einen Spalt offen stehen lassen, also k�nnen wir problemlos hineinhuschen. Immer noch schweigend legen wir uns wieder unter den Wohnzimmertisch. Hoffentlich kommt Carolin bald wieder, hier drinnen ist die schlechte Stimmung gerade mit Pfoten zu greifen. Immerhin ist es nun ruhiger, vielleicht hat sich der neue Nachbar Ninas Worte doch zu Herzen genommen, auch wenn er unversch�mterweise ihr Kleid sch�n fand.</p><p>Kurze Zeit sp�ter klingelt es an Ninas Wohnungst�r. Endlich, mein Flehen wurde erh�rt! Das ist bestimmt Carolin, die von ihrem Treffen kommt und mich abholt. Ich sause schnell zur T�r, nichts wie raus hier.</p><p>Aber als Nina, die hinter mir hergekommen ist, die T�r �ffnet, steht dort: niemand. Stattdessen liegt ein kleines P�ckchen mit einem gelben Zettel darauf auf der Fu�matte. Nina b�ckt sich und hebt es hoch. Sie liest den Zettel, rei�t dann das P�ckchen auf, um nachzuschauen, was es enth�lt. Ich bin nat�rlich auch neugierig, was ihr da wohl vor die T�r gelegt worden ist, kann es aber von hier unten nicht genau erkennen. Es scheinen kleine K�gelchen in einer durchsichtigen Box zu sein. Seltsam, so etwas habe ich noch nie gesehen. Nina dreht die Box hin und her, murmelt <emphasis>eine Unversch�mtheit</emphasis> und schlie�t die T�r wieder.</p><p>Ich trabe zur�ck zu Beck, der immer noch unter dem Wohnzimmertisch liegt.</p><p>�Was war denn los?�, erkundigt er sich.</p><p>�Irgendjemand hat etwas auf Ninas Fu�matte gelegt. Aber falls es ein Geschenk sein sollte, hat es ihr nicht gefallen.�</p><p>Es klingelt nochmal an der T�r, und ich sause zur�ck in den Flur.</p><p>�Also jetzt habe ich die Schnauze aber wirklich voll! Was f�llt dem Typen eigentlich ein?� Nina st�rzt aus ihrem B�ro in Richtung T�r und rei�t sie auf. �Sie k�nnen sich Ihre Ohrst�psel gleich sonst wohin � oh, hallo, Carolin! Komm doch rein.�</p><p>Tats�chlich. Vor der T�r steht endlich Carolin und schaut sehr erstaunt.</p><p>�Gr�� dich, Nina. Ist alles in Ordnung bei dir? Ich wollte nur Herkules abholen.�</p><p>�Klar, nat�rlich. Ich dachte nur, du seist mein neuer Obermieter. �</p><p>�Und den begr��t du derart herzlich? Die Geschichte musst du mir mal genauer erz�hlen.�</p><p>�Sehr gerne. Und noch lieber bei einem Kaffee. Ich kann mich heute sowieso nicht mehr konzentrieren und muss mal raus. Also � wenn du nichts dagegen hast, w�rde ich mit dir mal eben das n�chste Caf� ansteuern.�</p><p>�Ja, warum nicht? Lass uns doch ins Violetta gehen, dann kann sich Herkules auf dem Hinweg im Park noch ein bisschen seine krummen Beinchen vertreten.�</p><p><emphasis>Krumme Beinchen</emphasis>? Da frage ich mich: Wenn Komplimente im Subtext manchmal b�se gemeint sind, sind Boshaftigkeiten dann in Wirklichkeit ein Liebesbeweis?</p><empty-line/><empty-line/><p>Das Herumsitzen im Caf� geh�rt eindeutig zur Lieblingsbesch�ftigung von Frauen. Jedenfalls von den beiden Frauen, die ich kenne: Carolin und Nina. Interessanterweise bestellen sie sich aber meist nicht das gleichnamige Getr�nk. Sondern meist viel lieber einen sogenannten <emphasis>Prosecco</emphasis>. Der kommt zwar in einem etwas anderen Glas daher als der <emphasis>Rotwein</emphasis>, den Marc so gerne mit Carolin trinkt, aber er riecht �hnlich und hat auch eine �hnliche Wirkung auf Menschen. Erst reden sie ein bisschen schneller als sonst und lachen h�ufiger, dann reden sie <emphasis>viel</emphasis> langsamer und daf�r lauter. Offenbar schlagen diese beiden Getr�nke auf die Ohren. Leider nicht auf meine, die sind ganz ausgezeichnet, und f�r meinen Geschmack w�re es sowieso sch�n, wenn Menschen insgesamt ein bisschen leiser veranlagt w�ren.</p><p>Lautst�rke ist auch das Thema, das Nina nun gerade mit Carolin vertieft. Nat�rlich bei einem Glas Prosecco. Den brauche sie jetzt f�r ihre Nerven, hat Nina angemerkt und gleich mal zwei davon bei der Bedienung geordert. War also wieder nichts mit dem Kaffee. Ich habe es mir vor Carolins F��en bequem gemacht und h�re zu, wie Nina von der unerfreulichen Begegnung mit dem neuen Nachbarn berichtet.</p><p>�Ich meine � den ganzen Tag h�mmert der da in der Bude rum. Das ist doch nicht normal! Ich hatte heute Vormittag zwei Patienten, die h�tte ich fast wieder nach Hause geschickt, weil es wirklich ein ohrenbet�ubender L�rm war. Gestern auch schon! Und das ohne jede Vorank�ndigung durch die Hausverwaltung, so dass ich mich h�tte darauf einstellen k�nnen. Nichts von alledem. Eine Frechheit! Als es dann heute Nachmittag wieder losging, bin ich hoch und habe mal zart nachgefragt, wie lange das denn noch so gehen soll.�</p><p>Unter <emphasis>zart nachgefragt</emphasis> stelle ich mir aber etwas anderes vor. Nach meinem Eindruck war Nina schon ganz sch�n auf Zinne. Vielleicht w�re das Gespr�ch auch insgesamt besser verlaufen, wenn Nina den Mann nicht gleich so angefahren h�tte. Oder ist der Subtext � was f�r ein tolles neues Wort! � von Anschreien <emphasis>he, ich finde dich nett</emphasis>?</p><p>�Und was hat er dazu gesagt?�</p><p>�Im Wesentlichen, dass ich mich mal nicht so anstellen soll und er sich schlie�lich an die Ruhezeiten der Hausordnung h�lt. Und dass er ja irgendwann renovieren m�sse.�</p><p>�Hm, klingt aber ehrlich gesagt, als sei es nicht ganz von der Hand zu weisen�, gibt Carolin zu bedenken.</p><p>�Das war nun wieder klar, dass man dich mit dieser Hausordnungsnummer sofort kriegt. Du bist eben viel zu defensiv. Ich meine � hallo? Ich verdiene in der Wohnung mein Geld. Ich <emphasis>brauche</emphasis> Ruhe. Der soll sich gef�lligst ein paar vern�nftige Handwerker nehmen � dann ist die Renovierung ruckzuck fertig, und ich gehe solange ins Hotel. Auf seine Rechnung.�</p><p>��h, ja. Und was war das mit den Ohrst�pseln?�</p><p>�Ohrst�psel?� Nina guckt verst�ndnislos.</p><p>�Du sagtest, ich solle mir meine Ohrst�psel sonst wohin � Ich meine, als du mir die T�r ge�ffnet hast.�</p><p>�Stimmt. Ich war nach meiner Beschwerde gerade wieder in der Wohnung angekommen, als es an der T�r geklingelt hat. Na, dachte ich mir, da ist wohl jemand zur Vernunft gekommen und will sich entschuldigen. Stand aber niemand vor der T�r. Stattdessen lag ein P�ckchen mit einem Post-it davor. Hier.� Sie kramt in ihrer Handtasche und dr�ckt Caro die kleine Box mit dem gelben Zettel in die Hand. Die f�ngt an zu l�cheln und liest laut vor: �<emphasis>Mit den besten Gr��en an Ihre empfindlichen Ohren, Alexander Klein</emphasis>. Wie s��. Ohropax.�</p><p>�S��?! Also ich bitte dich! Das ist nicht s��, das ist unversch�mt. Der Typ will mich provozieren. Und dann so ein Bengel � bestimmt zehn Jahre j�nger als ich! S��? Von wegen!�</p><p>Caro sch�ttelt den Kopf.</p><p>�Echt, Nina, jetzt komm mal wieder runter. Oder trink schnell noch ein Glas Sekt. So schlimm ist das nun wirklich nicht. Die Renovierung wird ja nicht ewig dauern, und m�glicherweise gewinnst du einen netten neuen Nachbarn. Aber nicht, wenn du ihn gleich so verschreckst. Mit dem hast du doch auch ansonsten gar nichts zu tun. Ich meine � sieh mich mal an. Ich treffe nun jeden Abend auf meine Quasi-Schwiegermutter und mache dazu noch ein freundliches Gesicht.�</p><p>�Tja, fragt sich nur, wie lange noch. Au�erdem bist du auch kein Ma�stab. Du bist eh zu gut f�r diese Welt.�</p><p>�Ich will eben mit ihr auskommen. Selbst wenn sie mich ab und zu nervt. Ist schlie�lich Marcs Mutter.�</p><p>�Sag ich doch: zu gut f�r diese Welt.�</p><p>�Wenn du meinst. Aber damit kannst du mich gar nicht aus der Ruhe bringen. Daf�r bin ich heute viel zu gut gelaunt.�</p><p>Carolins L�cheln wird tats�chlich noch strahlender und �berzieht nun ihr gesamtes Gesicht. Mehr L�cheln geht nicht. Das sieht einfach toll aus, ich liebe es, wenn sie so strahlt. Das k�nnen einfach nur ganz wenige Menschen: so von den Augen bis zum Mund durchgehend l�cheln. Und meine Carolin geh�rt dazu.</p><p>�Dann lass mich mal an deiner Freude teilhaben�, fordert Nina sie auf, �vielleicht bessert sich meine Laune dann wieder. �</p><p>�Das kann sogar sein�, gibt Carolin ihr Recht. �Es hat n�mlich mit jemandem zu tun, den du auch kennst und magst.�</p><p>�Schie� los � ich bin gespannt.�</p><p>�Mein Treffen eben. Rate mal, mit wem das war.�</p><p>Nina sch�ttelt den Kopf. �O n�! Nicht solche Spielchen! Nun sag schon!�</p><p>�Hast Recht. Kommste sowieso nicht drauf. Ich habe mich eben mit Daniel getroffen.�</p><p>Jetzt rei�t Nina wirklich die Augen auf. �Echt? Mit Daniel? Seit wann ist der denn wieder in Hamburg? Das ist ja toll!�</p><p>�Aurora gibt morgen ein Konzert in der Laeiszhalle, und Daniel begleitet sie.�</p><p>�Also ist er immer noch mit dieser Schnepfe zusammen.�</p><p>Caro zieht die Augenbrauen hoch. �Aurora ist ganz nett.�</p><p>�Unsinn. Ist sie nicht. Du � ich wiederhole mich � bist einfach zu gut f�r ��</p><p>�Also�, unterbricht Caro sie, �willst du nun weiter rumst�nkern oder lieber die Geschichte zu Ende h�ren?�</p><p>Nina rollt mit den Augen, sagt aber nichts mehr.</p><p>�Ich wusste von Auroras Konzert und habe Daniel angerufen und ihn gefragt, ob er mitkommt. Ich wollte n�mlich etwas mit ihm besprechen.�</p><p>�Aha. Du hast erkannt, dass du nicht mit Marc zusammenpasst, und willst es doch noch mal mit Daniel versuchen, der selbstverst�ndlich noch immer heimlich in dich verliebt ist? Sehr clever.� Nina kichert. Findet sie das wirklich lustig, oder ist das der Prosecco?</p><p>�Ach, Mann, Nina. Bleib doch mal ernst. Ich habe einen Gro�kunden, der mit einem noch viel gr��eren Auftrag winkt. Den kann ich aber nicht allein schaffen. Der Kunde wiederum kennt Daniel noch aus alten Zeiten, und ich habe ihm versprochen, mit Daniel zu besprechen, ob er Lust zu einer zeitlich begrenzten Kooperation mit mir hat. Hier in Hamburg. Also habe ich ihn gefragt, ob er sich vorstellen k�nnte, die n�chsten zwei, drei Monate nach Hamburg zu kommen.�</p><p>�Und, konnte er?�</p><p>Sagte ich eben, mehr L�cheln geht nicht? Es geht doch. Carolin beweist es gerade, und im Violetta wird es mit einem Schlag heller, so sehr strahlt sie nun.</p><p>�Ja. Er hat gesagt, dass er sich �ber mein Angebot freut und es sehr gerne annimmt.�</p><p>�Na, da schau her.� Mehr sagt Nina nicht. Aber jetzt l�chelt sie auch.</p></section><section><title><empty-line/><p>F�NFZEHN</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>H</strong>m. Sieht von au�en aus wie ein ganz normaler Schuhkarton. Was da wohl drin ist? Neugierig robbe ich mich m�glichst nah an Luisa heran, ich will schlie�lich dabei sein, wenn das Geheimnis gel�ftet wird. Carolin und Marc haben Luisa den h�bsch verpackten Karton eben feierlich �berreicht und von einer �berraschung gesprochen. Daraufhin hat sich Luisa sofort damit auf den Teppich im Wohnzimmer gesetzt und das Geschenkpapier aufgerissen.</p><p>Jetzt nimmt sie den Deckel ab, und ich sehe � ja, was sehe ich da eigentlich? Ein H�uschen, gebastelt aus Papier, davor lauter kleine Pferdefiguren. Das H�uschen erinnert mich an irgendetwas. Um es mir mal genauer anzusehen, stecke ich meine Nase in den Karton.</p><p>�Herkules, vorsichtig!� Luisa zieht mich sanft am Nacken. �Sonst machst du noch mein Geschenk kaputt!�</p><p>Ich ziehe den Kopf wieder zur�ck, ich habe auch so schon genug gesehen. Das H�uschen sieht aus wie Schloss Eschersbach! Das ist ja ein Ding!</p><p>Marc kniet sich neben Luisa. �So, mein Schatz, hier siehst du die lang angek�ndigte gute Idee, die Carolin hatte.�</p><p>Luisa guckt etwas verst�ndnislos. Das ist kaum verwunderlich, denn auch ich habe noch nicht begriffen, was es mit diesem Mini-Schloss im Karton auf sich hat. Ganz zu schweigen von den davor platzierten kleinen Pferdchen.</p><p>�Spielzeugpferde?� Luisa klingt entt�uscht.</p><p>�Keine Sorge, die sind nicht das Geschenk. Der ganze Karton ist eigentlich nur ein Gutschein. F�r ein Pony-Schloss-Wochenende mit deinen Freundinnen. Freitags k�nnt ihr hinfahren, und dann lebt ihr drei Tage auf einem echten Schloss und k�nnt so viel reiten, wie ihr wollt�, erkl�rt Carolin. �Dein Papa wollte sich nur besondere M�he geben und hat deswegen Schloss Eschersbach und die dazugeh�rigen Pferde gebastelt.�</p><p>Jetzt begreift Luisa, springt auf und f�llt Carolin um den Hals. �Danke, Caro! Und danke, Papa! Das ist wirklich eine Superidee! Klasse!�</p><p>Auch Oma Wagner ist mittlerweile ins Wohnzimmer gekommen. �Tja, mein Schatz, sch�n, dass es dir gef�llt. Dein Vater war jetzt auch fast zwei Tage durchgehend mit der ganzen Geschichte besch�ftigt. Allein dieses Gebastel hat die halbe Sprechstunde gedauert. Dann noch die Visite zum Schloss, um den alten Grafen zu �berreden. Na ja. Der Opa h�tte so was nie gemacht, dem habe ich immer alles abgenommen. � Sie schaut in Carolins Richtung und l�chelt. Ich bin mir nicht sicher, ob das nett gemeint ist.</p><p>Falls es das aber nicht war, ignoriert Carolin diese Spitze. �Ja, Marc, du hast wirklich handwerkliches Geschick. Du k�nntest glatt bei mir anfangen. Vielleicht ist an dir ein Geigenbauer verloren gegangen.�</p><p>Marc grinst, und Frau Wagner verabschiedet sich mit einem deutlichen <emphasis>Dann werde ich mal die K�che aufr�umen, das macht sich ja auch nicht von alleine</emphasis> in Richtung derselben.</p><p>�Komm her, Spatzl�, Marc steht auf, geht zu Carolin und nimmt sie in den Arm, �wenn mir niemand mehr seinen Zwerghamster anvertrauen will, werde ich bei dir vorsprechen. � Er gibt ihr einen Kuss. �Insofern passt es mir eigentlich gar nicht, dass du jetzt wieder mit Daniel zusammenarbeiten willst. Vielleicht w�re ich ein besserer Partner f�r dich.�</p><p>�Na gut, ich werde Daniel klipp und klar sagen, dass es sich nur um ein paar Wochen handelt, weil sich dann eine aufstrebende Nachwuchskraft angek�ndigt hat.� Sie l�chelt.</p><p>�Gut. Mach das. Dann wei� er gleich, wo es langgeht. Habe mir sowieso schon ein wenig Sorgen gemacht, dass der hier pl�tzlich wieder auftaucht.�</p><p>Warum macht sich Marc Sorgen? Wenn ich das richtig verstanden habe, kommt Daniel doch, um zu helfen.</p><p>�Zu Recht, mein Lieber, man muss die Konkurrenz immer im Auge behalten.�</p><p>Ach, Marc will Geigenbauer werden und Daniel dann Tierarzt? Versteh ich nicht.</p><p>�Also komme ich heute Abend besser mit?�</p><p>�Das h�ttest du wohl gerne. Nee, nee, wir trinken auf alte Zeiten, du w�rdest dich nur langweilen. Und ich habe so lange nichts mehr mit Daniel unternommen, ich freue mich schon auf ein Glas Wein mit ihm. Will mal h�ren, wie es ihm privat geht. Heute Nachmittag haben wir nur �bers Gesch�ft gesprochen, morgen geht er ins Konzert, und �bermorgen ist er schon wieder weg, also das passt schon.�</p><p>Marc seufzt. �Okay, ich lasse dich ziehen. Aber keine Dummheiten machen!�</p><p>Carolin rollt mit den Augen. �Werde mich gehorsamst um 22 Uhr zur�ckmelden.�</p><p>�Sp�testens! Sonst schicke ich die Feldj�ger los!�</p><p>Feldj�ger klingt spannend. Ich habe eine stille Passion f�r die Jagd. Alle meine Vorfahren waren gro�e J�ger, und aus mir w�re bestimmt auch einer geworden. Wenn man mich nur lie�e. Aber leider werde ich mehr und mehr zum Scho�h�ndchen und spiele mit kleinen M�dchen, anstatt endlich einen ordentlichen Fuchsbau zu sprengen. Mein einziger Ausflug in einen Kaninchenbau ist schon sehr, sehr lange her und endete in einem v�lligen Desaster: Ich blieb stecken und musste von Willi gerettet werden, der beim Ausgraben meiner Wenigkeit etwas erlitt, was Marc sp�ter Herzinfarkt nannte. Seitdem habe ich mich an Kaninchen nicht mehr rangetraut, obwohl es doch immer mein Traum war, einmal mit Opili auf die Jagd zu gehen. Ach, Opili, nun werden wir niemals gemeinsam durch Wiesen streifen und F�hrte aufnehmen. Bei diesem Gedanken kann ich nicht anders. Ich fange an zu heulen.</p><p>�Schatz�, Carolin dreht sich zu Marc, �ich glaube, Herkules will nochmal raus. Ich muss mich jetzt aber schnell f�r mein Date mit Daniel fertig machen.�</p><p>Marc verzieht das Gesicht und meckert: �Na klasse � ich kriege den Hund aufs Auge gedr�ckt, damit du dich f�r deinen Galan noch sch�n machen kannst.�</p><p>Das klingt zwar unfreundlich, aber da Marc jetzt schon wieder lacht, denke ich mal, dass es sich bei der Beschwerde um die gef�rchtete menschliche Ironie gehandelt hat: Eine Sache sagen, die andere Sache meinen. Verr�ckt, oder?</p><p>�Papa, ich komm mit!� Luisa stellt den Karton auf den Wohnzimmertisch und l�uft zu uns. Eigentlich ist das hier ein Missverst�ndnis, denn ich muss gar nicht, aber bei so netter Begleitung gehe ich nat�rlich gerne noch ein bisschen Gassi. Marc schnappt sich meine Leine von der Garderobe und �ffnet die Wohnungst�r.</p><empty-line/><empty-line/><p>�Guten Abend, Frau Serwe! Alles in Ordnung bei Ihnen und Cherie?�</p><p>Ich traue meinen Augen kaum � wir kommen aus der Haust�r, und das Erste, was ich sehe, ist tats�chlich Cherie. Und sie ist ganz offensichtlich nicht meiner bl�henden Phantasie entsprungen, denn sonst w�rde Marc wohl kaum ihr Frauchen begr��en.</p><p>�Ja, alles bestens, danke! Wir drehen nur gerade unsere t�gliche Abendrunde, und da wollte ich Ihnen schnell etwas vorbeibringen.� Claudia Serwe h�lt Marc eine Art umgekehrte Sch�ssel unter die Nase. Ich kann zwar nicht sehen, was sich darin befindet � aber es riecht gro�artig! Spontan fange ich an zu sabbern und kann nicht umhin, M�nnchen zu machen. Cherie setzt sich und mustert mich.</p><p>�Hallo, Herkules, wie ich sehe, liebst du Sahnekuchen. Bist also ein ganz S��er, was?� Wenn sie k�nnte, w�rde sie kichern, da bin ich mir ganz sicher. Wieso nur muss ich gerade in Gegenwart dieser Traumfrau immer unangenehm auffallen?</p><p>�Gr�� dich, Cherie � �h, ja, es roch gerade so gut, da wollte ich mal nachschauen, was das wohl sein k�nnte.�</p><p>�Kein Problem. Und mein Frauchen ist wirklich eine phantastische B�ckerin. Leider kriege ich fast nie etwas davon ab � Zucker soll ja so ungesund f�r Hunde sein. Aber wenn ich mal etwas stibitzt habe, war es immer sensationell.�</p><p>�Geht�s dir denn wieder gut?�, versuche ich schnell das Thema zu wechseln. Nicht, dass Cherie auch noch merkt, dass ich zugelegt habe.</p><p>�Tja, manchmal habe ich noch etwas Kopfschmerzen, und die Naht an meiner Braue juckt auch ab und zu. Aber eigentlich bin ich wieder ganz fit. Allerdings tr�ume ich �fter von dem Unfall. Es hat mich doch ganz sch�n mitgenommen.�</p><p>Ich nicke. �Ja, das glaube ich. Habt ihr denn den Typen geschnappt, der schuld an der ganzen Sache ist?�</p><p>Cherie sch�ttelt den Kopf. �Nein, leider nicht. Und das macht mich auch ziemlich traurig. Denn zum einen w�rde ich den Kerl richtig gerne mal in den Allerwertesten bei�en f�r die Schmerzen, die er mir angetan hat. Und zum anderen wei� ich, dass mein Frauchen sich schlecht f�hlt, weil sie die Tierarztrechnung nicht richtig bezahlen konnte. Deswegen hat sie auch die tolle Torte f�r dein Herrchen gebacken. Schwarzw�lder Kirsch. So hei�t die. Die macht Claudia nur zu ganz besonderen Anl�ssen oder f�r ganz besondere Menschen.�</p><p>�Auf alle F�lle riecht sie sehr, sehr lecker! Aber wahrscheinlich bekomme ich davon sowieso nichts ab. Mal eine ganz andere Frage � geht ihr �fter hier spazieren?� Das w�re nat�rlich toll, dann k�nnte ich doch in Zukunft jedes Mal nach dem Abendessen ein bisschen Tamtam machen und wenigstens Luisa zu einer Runde �berreden. Und vielleicht, wer wei�, wenn mich Cherie erst mal besser kennt, vergisst sie auch, dass ich nicht mal halb so gro� bin wie sie.</p><p>�Ja, manchmal kommen wir tats�chlich hier lang. Nicht gerade jeden Abend, aber ab und zu. Tags�ber gehen wir fast immer auf die Hundewiese an der Alster, abends machen wir dann oft eine Runde durch das Viertel. Warum?�</p><p>�Och, nur so.�</p><p>Bevor mich Cherie noch eingehender zu meinen Motiven befragen kann, will ihr Frauchen weitergehen und Marc die Torte nach drinnen bringen. Cherie verabschiedet sich mit einem m�tterlichen <emphasis>Mach�s gut, Kleiner!</emphasis>. Wahrscheinlich ist das nicht gerade ein Zeichen daf�r, dass sie mich f�r wild und gef�hrlich h�lt und gerne mal nachts mit mir allein durch den Park stromern w�rde. Egal, ich werde meine Chance schon bekommen.</p><empty-line/><empty-line/><p>�Das war ja eine kurze Runde!�, wundert sich Marcs Mutter, als wir wieder in der Wohnung sind.</p><p>�Wir waren auch gar nicht im Park, denn vor dem Hauseingang haben wir eine Patientin von mir getroffen. Ihr Frauchen hatte diese Torte f�r mich gebacken. Ich habe das Tier vor drei Wochen operiert, nachdem es vom Auto angefahren wurde.�</p><p>Frau Wagner wirft einen Blick auf die Torte. �Hm, Schwarzw�lder Kirschtorte. Die sieht aber gut aus! Siehst du, das ist das Sch�ne an einer Praxis � die Dankbarkeit von Mensch und Tier.�</p><p>�Ja, Mutter, das ist wirklich sch�n. M�chtest du vielleicht ein St�ck? Gewisserma�en als Nachtisch?�</p><p>�Gerne. Komm, ich decke kurz f�r uns in der K�che.�</p><p>�Gut, ich bringe Luisa ins Bett. Dann komme ich.�</p><p>Falls dieser Kuchen tats�chlich so lecker ist, wie er riecht, lohnt es sich bestimmt, wenn ich mich in diesem Fall an die Fersen von Oma hefte. Sie denkt doch eigentlich immer daran, dass auch Dackel Genussfreunde sind.</p><p>Ich scharwenzel also um ihre Beine und bem�he mich um einen m�glichst unwiderstehlichen Dackelblick. Leider schaut sie nicht nach unten, kann also davon nicht beeindruckt sein. Vielleicht ein bisschen Jaulen? Kann bestimmt nicht schaden.</p><p>�Herkules, ich wei� genau, was du willst. Ein St�ck von der Torte. Die sieht auch wirklich gro�artig aus, aber Marc hat neulich schon mit mir geschimpft. Ich muss also ein bisschen strenger mit dir sein. Es gibt nichts.�</p><p>Och n�. Wie doof ist das denn? Au�erdem ist Marc gar nicht f�r meine Erziehung zust�ndig. Der hat genug mit Luisa zu tun. Soll er bei der streng sein. Caro h�tte bestimmt nichts dagegen. Ich jaule noch ein bisschen lauter.</p><p>�Hach, na gut! Aber dann musst du dich beeilen, damit uns Marc nicht erwischt. Hier.�</p><p>Sie stellt mir ein kleines Tellerchen mit Torte direkt vor die Nase, ich schlabbere sofort los. HERRLICH! Und so was kann Cheries Frauchen backen? K�nnen die mich nicht adoptieren? Sofort?</p><p>Die K�chent�r geht auf.</p><p>�Mutter! Du hast doch nicht etwa Herkules ein St�ck abgegeben, oder?�</p><p>�Ach Junge, er hat so lieb geguckt. Es war auch nur ein ganz, ganz kleines.�</p><p>�Das glaube ich jetzt nicht! Da ist bestimmt Alkohol drin. Mutter, du hast jahrelang in einer Tierarztpraxis gearbeitet, du wei�t doch, wie sch�dlich das f�r Hunde ist!� Marc klingt sehr, <emphasis>sehr</emphasis> vorwurfsvoll. Ich bekomme ein schlechtes Gewissen. War ja im Grunde genommen meine Idee. Also lasse ich von dem Sch�lchen ab, schleiche zu ihm hin�ber und lege mich ergeben vor seine F��e. Gro�e Demutsgeste.</p><p>�Okay, Herkules, du kannst die Show einstellen.� Er seufzt. �Ich gebe zu, es ist schwer, ihm zu widerstehen, Mutter. Aber bitte f�ttere ihn nicht mehr, wenn er bettelt. Wir haben hier sonst binnen k�rzester Zeit einen fetten, kurzatmigen Dackel.�</p><p>Das sind wirklich keine verlockenden Aussichten. So will mich Cherie bestimmt nicht. Ich lasse also den Rest Torte auf dem Teller liegen und trolle mich unter den Esstisch.</p><p>�Ich habe auch noch einen Kaffee gekocht. M�chtest du?� Oma Wagner holt Tassen aus dem Schrank und tr�gt sie zum Tisch.</p><p>�Gerne. Danke.�</p><p>�Wei�t du, ich habe den Erfolg deines Vaters auch immer als meinen eigenen betrachtet. Das war mir Best�tigung genug. Es war eben <emphasis>unsere</emphasis> Praxis. Ich habe mich schon ein wenig gewundert in den letzten Wochen. Deine neue Freundin scheint sich �berhaupt nicht f�r deinen Beruf zu interessieren.�</p><p>�Mutter, ich wei� wirklich nicht, wie du darauf kommst.�</p><p>Ich kann es nat�rlich von meiner Position unter dem Tisch aus nicht sehen, aber ich wette, Marc runzelt gerade die Stirn. Seine Stimme klingt jedenfalls genau so.</p><p>�Na, also ich bitte dich. Die normalste Sache der Welt w�re doch, wenn sie dir nun assistieren w�rde. Gut, sie ist nicht vom Fach, aber zumindest, bis Frau Warnke wieder da ist, k�nnte sie doch ein bisschen aushelfen. Ich meine, ich freue mich ja, dass du mich gefragt hast. Aber gewundert habe ich mich trotzdem.�</p><p>�Ich habe es bereits gesagt, und ich wiederhole es gerne nochmal: Carolin ist berufst�tig. Sie hat eine eigene Werkstatt, die sie seit mehreren Jahren sehr erfolgreich f�hrt. Da kann sie nicht einfach mal ein paar Wochen wegbleiben, weil bei mir die Sprechstundenhilfe ausgefallen ist.�</p><p>�Sabine hat schlie�lich auch ihren Beruf f�r dich aufgegeben. �</p><p>�Halt mal � den hat sie nicht f�r mich aufgegeben, sondern f�r unser gemeinsames Kind. Und aufgegeben hat sie ihn auch nicht, sondern nur reduziert. Was als angestellte Stewardess deutlich einfacher ist als als selbst�ndige Handwerkerin.�</p><p>�Tja, und deswegen musst du jetzt stundenweise die Praxis schlie�en, um eine Feier f�r dein Kind zu organisieren. Das h�tte ich damals nie von deinem Vater verlangt. Da war mir die Familie immer wichtiger.�</p><p>Marc seufzt so laut, dass es sogar unter der dicken Tischplatte zu h�ren ist. �Luisa ist aber nicht Carolins Tochter.�</p><p>�Ja, vielleicht ist das das Problem. Vielleicht h�ttet ihr euch damals nicht so schnell trennen sollen.�</p><p>Pl�tzlich gibt es einen lauten Knall, vor Schreck fange ich an zu bellen und schie�e unter dem Tisch hervor. Was ist passiert? Hat Marc irgendetwas auf den Tisch gehauen? Vielleicht mit der Hand? Die liegt jedenfalls noch zur Faust geballt auf der Tischplatte und zittert leicht.</p><p>�Verdammt noch mal, Mutter, h�r endlich auf damit! Du wei�t genau, wie das damals war. Wir haben uns nicht getrennt � Sabine ist abgehauen. Und zwar bei Nacht und Nebel, wie man so sch�n sagt. Ich kam nach Hause, und sie war weg. Mitsamt Luisa. Und dass du findest, dass ich mit dieser Frau ��</p><p>Oma Wagner legt beschwichtigend die Hand auf Marcs Unterarm. �Schatz, ich wei� doch, wie weh dir das getan hat. Aber das ist nun drei Jahre her, und manchmal muss man auch verzeihen k�nnen. Denk an deine Tochter.�</p><p>�Ich denke an meine Tochter. Die braucht vor allem einen gl�cklichen Vater. Und ich bin gl�cklich, wenn ich mit Carolin zusammen bin. Denn ich liebe diese Frau. Im �brigen verstehen sich Caro und Luisa blendend. Caro hat sofort gemerkt, dass sich Luisa an ihrer neuen Schule nicht so wohl f�hlt, und ist dann auf die Idee mit den Ponys gekommen. Dass ich mich um die Umsetzung k�mmere, weil ich derjenige von uns bin, der den alten Grafen kennt, finde ich selbstverst�ndlich. So, und damit ist das Thema f�r mich beendet. Ich m�chte nicht weiter mit dir dar�ber reden.�</p><p>Schweigend trinken die beiden ihren Kaffee und essen etwas von der Torte. In meinem Kopf rattern die Gedanken, und ich merke, dass ich Ohrensausen bekomme. Alte und neue Frauen, eigene und fremde Kinder, Omas und gebrauchte M�nner � das Leben der Menschen ist wirklich undurchsichtig. Ich beschlie�e, mich einfach in mein K�rbchen zu legen und zu schlafen. Morgen sieht die Welt vielleicht wieder etwas �bersichtlicher aus.</p></section><section><title><p>SECHZEHN</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>L</strong>eine, Fressnapf, Hundefutter, Kuscheldecke � meinst du, du brauchst auch seinen Impfpass?� Carolin w�hlt noch einmal in der gro�en Tasche, die sie soeben bei Nina im Flur abgestellt hat. Die verdreht die Augen.</p><p>�Carolin, ihr seid drei Tage weg. Eigentlich nur zweieinhalb. Was soll ich da mit seinem Impfpass? Das Kerlchen bekommt regelm��ig sein Happi, tags�ber kann er mit Herrn Beck in den Garten, und ansonsten schl�ft er hoffentlich viel. Nein, ich brauche keinen Impfpass. Falls etwas Schlimmes passiert, rufe ich euch in eurem romantischen Winkel an, und ihr kommt wieder nach Hamburg. So einfach ist das.�</p><p>�Na gut. Dann mache ich mich jetzt auf den Weg. Komm, Herkules, gib Caro ein K�sschen.�</p><p>Ich trabe r�ber zu Carolin, die nimmt mich auf den Arm und dr�ckt mich nochmal ganz fest. Sie riecht fast ein bisschen traurig. Ob sie wirklich bald zur�ck ist?</p><p>Herr Beck liegt in der Ecke schr�g gegen�ber der Wohnungst�r und am�siert sich augenscheinlich k�stlich. Er rollt sich von links nach rechts und verdreht sich dabei ziemlich den Hals, um die Abschiedsszenerie besser beobachten zu k�nnen. Als Caro weg ist, kommt er zu mir und gibt mir einen Sto� mit seiner Tatze.</p><p>�Na, da war Mutti aber traurig, oder? Mann, das muss dir als Fast-Jagdhund doch echt peinlich sein!�</p><p>�He! Was soll das hei�en? Erstens: Fast-Jagdhund? Ich bin vielleicht nicht aktiv in Dienst gestellt, aber ich bin zweifelsohne ein Jagdhund. Terrier und Dackel. Mehr Jagdhund geht nicht. Und zweitens: Wieso soll mir das peinlich sein, wenn mein Frauchen beim Abschied traurig ist?�</p><p>Herr Beck streicht sich �ber den Schnurrbart. �Weil du ein Tier bist und sie ein Mensch ist. Zu viel Rumgekuschel finde ich da unangemessen. Ach, ihr Hunde lernt es eben nicht. Ich glaube, Carolin braucht einfach mal ein eigenes Kind. Dann w�re sie auch wieder klar im Kopf.�</p><p>Na super. Das kann ja ein tolles Wochenende werden. Drei Tage mit Kratzb�rste Nina und Oberlehrer Beck. Bravo. Nicht, dass ich Carolin ihr <emphasis>romantisches</emphasis> Wochenende � was auch immer damit gemeint sein mag � mit Marc nicht g�nne, aber h�tten sie mich nicht mitnehmen k�nnen? Ich h�tte doch gar nicht gest�rt. Aber nein � kaum war klar, dass Luisa das Wochenende bei ihrer Mutter verbringt, schon wurde auch nach einer Abschiebem�glichkeit f�r mich gesucht. Und bei Nina prompt gefunden.</p><p>�So, Herkules. Dann will ich dir mal den Abschiedsschmerz ertr�glicher machen und etwas Leckeres f�r dich kochen. Die ollen Hundekuchen brauchen wir doch gar nicht, ich habe mir etwas Besseres �berlegt. Komm mal mit in die K�che.�</p><p>Na ja, manchmal ist so eine gewisse r�umliche Trennung vom Frauchen vielleicht auch gar nicht schlecht. Man wei� sich hinterher bestimmt wieder viel mehr zu sch�tzen. Und die ganze Zeit nur mit Marc und Caro, ohne andere Tiere � das w�re auch langweilig geworden. Hach, es riecht schon ganz k�stlich!</p><p>�Kumpel, da steigt die Laune, oder?�</p><p>Ich ignoriere Beck, denn ich habe beschlossen, ihm heute mal in keinem einzigen Punkt Recht zu geben. Er ist mir einfach zu oberschlau. Stattdessen sehe ich gebannt zu, wie Nina leckere Herzst�ckchen mit Sauce auf einer Portion Reis verteilt, die sie zuvor in meinen Napf gef�llt hat. Lecker!</p><p>�Sag mal, kann es �brigens sein, dass du zugenommen hast?�, erkundigt sich Beck.</p><p>Ich sage nichts dazu. Ich lasse mich nicht provozieren. Ich nicht. Er l�uft einmal um mich herum und betrachtet mich genau.</p><p>�Doch. Mindestens ein Kilo, oder?�</p><p>Ich lasse mich nicht provozieren. Ich nicht.</p><p>�Tja, was rede ich da. Du wei�t wahrscheinlich gar nicht, was ein Kilo ist. Also, es ist ungef�hr so viel wie ein halbes Kaninchen.�</p><p>Ich tauche meine Schnauze tief in den Napf und versuche, nicht hinzuh�ren.</p><p>�Diese Cherie ist ziemlich schlank, oder? Sind Retriever ja meistens.�</p><p>Okay. Gott wei�, ich habe es versucht. �Beck. Du nervst. Und zwar gewaltig. Ich bem�he mich wirklich, deine st�ndigen Belehrungen nicht pers�nlich zu nehmen. Aber das f�llt mir immer schwerer. Wenn ich deiner Meinung nach alles verkehrt mache, zu sehr an meinem Frauchen und an meinem Opili h�nge, mich in die falschen Frauen verliebe und sowieso ein bedauernswerter Scho�hund bin, dann frage ich mich ernsthaft, warum du mein Freund bist. Oder ob du �berhaupt mein Freund bist. Oder ob du nur jemanden brauchst, bei dem du schlaumeiern kannst, um dich selbst besser zu f�hlen.�</p><p>�Oh.� Mehr sagt Beck nicht, stattdessen schaut er mich v�llig erstaunt an.</p><p>�Ja: oh!�, entgegne ich einigerma�en giftig. Wir schweigen uns eine Weile an.</p><p>�So siehst du mich?�</p><p>Ich nicke.</p><p>Beck schaut zu Boden. Dann sch�ttelt er sich kurz. �Es tut mir leid. Ich bin wohl mittlerweile etwas zynisch geworden.�</p><p>�Mag sein. Ich wei� nicht, was das hei�t. Aber du kannst es mir nat�rlich gerne erkl�ren. Ist ja sowieso deine Lieblingsbesch�ftigung. �</p><p>�Herkules, ich habe gesagt, dass es mir leidtut. Und ich meine das ernst. Nat�rlich will ich dein Freund sein, und ich hoffe, ich bin es auch. Zynismus ist n�mlich gar nicht gut. Es bedeutet, dass man Sachen, die anderen wichtig sind, l�cherlich macht. Und zwar meistens, weil man diese Sachen fr�her selbst mal f�r wichtig gehalten hat, aber dann das Gef�hl hatte, dass es sie vielleicht gar nicht gibt. Nimm beispielsweise deinen unersch�tterlichen Glauben an die Freundschaft zwischen Mensch und Tier. Als ich noch ein junger Kater war, habe ich auch fest daran geglaubt. Aber vielleicht habe ich einfach ein paar Mal zu oft den Besitzer gewechselt und zu unerfreuliche Dinge mit Menschen erlebt, um davon noch �berzeugt zu sein. Bei Frau Wiese war es zwar ganz okay, aber sie war nat�rlich nicht meine Freundin. Eher meine Zimmerwirtin. Offen gestanden, ist Nina der erste Mensch seit langer Zeit, der mir richtig viel bedeutet. Wahrscheinlich war ich immer ein bisschen neidisch auf dein gutes Verh�ltnis zu Carolin. Verzeih mir, mein Freund!�</p><p>Ach, ich habe einfach ein weiches Herz. Wenn mir Beck so eine traurige Geschichte erz�hlt und mich dabei auch noch so treu anschaut, ist es dahin mit meinem Vorsatz, endlich mal hart zu bleiben. Mist.</p><p>�Ausnahmsweise. Aber du musst dich bessern!�</p><p>�Gro�es Ehrenwort! Ich werde mich anstrengen, versprochen!�</p><p>Um unsere nun per Schwur erneuerte Freundschaft ein bisschen zu feiern, beschlie�en wir, uns im Garten zu sonnen. Die letzten Tage war das Wetter f�r solche Aktionen zu schlecht, aber heute regnet es endlich mal nicht, und der Himmel ist strahlend blau. Nina deutet unser Maunzen und Jaulen gleich richtig und l�sst uns raus.</p><p>Herrlich, sich so im Gras zu fl�zen. Ich f�hle mich trotz meines vollen B�uchleins ganz leicht und unbeschwert. Herr Beck, der nun offenbar bem�ht ist, den neuen Superfreund zu geben, legt sich neben mich und signalisiert Interesse an meinem Gef�hlsleben.</p><p>�Sag mal, Freund Herkules, wie steht es denn nun um dein kleines Dackelherz? Immer noch verliebt in diese Cherie?�</p><p>�Ja, leider.�</p><p>�Und? Schon irgendwelche Fortschritte gemacht?�</p><p>Ich sch�ttele den Kopf, was im Liegen gar nicht so einfach ist, ohne gleich herumzukugeln.</p><p>�Nein. Leider nicht. Also: Sie kennt mich, und seit sie in Marcs Praxis war, findet sie mich wohl auch nett. Aber ich werde das Gef�hl nicht los, dass ich f�r sie nur ein guter Kumpel bin.�</p><p>�Immerhin. Das ist doch schon mal etwas.�</p><p>�Ja. Aber es ist irgendwie nicht das, was ich gerne f�r sie w�re. Ein <emphasis>Kumpel</emphasis>. Nat�rlich bin ich gerne ihr Freund. Aber ich w�rde einiges daf�r geben, wenn sie mich nur einmal so anschauen w�rde, wie sie damals an der Alster diesen Alonzo angeschaut hat. So � so � bewundernd! Ja, das ist es � sie hat ihn bewundert, sie fand ihn toll. Als R�de, nicht als Kumpel.�</p><p>�Hm. Da hast du in der Tat ein Problem. Und wie willst du das l�sen?�</p><p>Ich schaue auf meine Pfoten, als g�be es dort etwas Interessantes zu entdecken. Vielleicht gar die L�sung meines Problems. Aber nat�rlich sehe ich da nur Gras und zwei bis drei wagemutige Ameisen, die sich an meinen Krallen zu schaffen machen.</p><p>�Keine Ahnung, was ich da machen k�nnte. Hast du vielleicht eine Idee?�</p><p>�Einen alten Kater nach den Chancen bei einer jungen H�ndin zu fragen ist mit Sicherheit nicht besonders erfolgversprechend. Aber ich werde mir M�he geben, mir anhand meiner generellen Erkenntnisse �ber die Liebe etwas Sinnvolles einfallen zu lassen.�</p><p>�Ach, Herr Beck, das klingt gut. Denn ich habe nicht einmal generelle Erkenntnisse �ber die Liebe. Mich trifft es zum ersten Mal. Und manchmal f�hlt sich das ganz toll an und manchmal leider ganz furchtbar.�</p><p>�Na gut, eine Sache steht damit schon mal fest: Du bist wirklich verliebt.�</p><empty-line/><empty-line/><p>Das Wummern aus der Decke �ber uns ist mittlerweile so laut, dass es sogar den Fernseher �berdr�hnt. Es ist mal schneller, mal langsamer, aber leider nie leise. Zwischendurch klingt es auch so, als w�rden Menschen rauf- und runterspringen, wobei ich mir das kaum vorstellen kann, denn eigentlich machen Menschen so was nicht. Wenn ich mal vor Begeisterung rauf- und runterspringe, ernte ich jedenfalls meist tadelnde Blicke von ihnen.</p><p>Nina scheint aber wild entschlossen, den L�rm zu ignorieren. Sie geht zum Fernseher und stellt ihn noch ein bisschen lauter. F�r Herrn Beck und mich ist das allerdings keine Alternative, denn nun sind wir wie eingeklemmt zwischen dem L�rm des Fernsehers und dem von oben. Ein kurzer Blickkontakt, und wir sind uns einig: Das geht so nicht!</p><p>Wir verziehen uns also in den Flur. Hier ist es aber leider auch nicht wesentlich ruhiger, denn offenbar bekommt der Herr Obermieter heute sehr viel Besuch. Auf der Treppe herrscht jedenfalls reger Verkehr, Menschen traben zu seiner Wohnung, und viele von ihnen m�ssen sehr seltsames Schuhwerk anhaben, denn die Schritte klingen gar nicht wie Schritte, sondern wie ein schnelles Klackern.</p><p>Da! Schon wieder! Klack klack, klack klack! Die Klingel schrillt, dann lautes Hallo an der T�r, Musik schwappt in den Hausflur. Nervig. Ob es in Ninas Schlafzimmer ruhiger ist? Und ob Beck und ich da ausnahmsweise reind�rfen? Beck schaut mich leidend an.</p><p>�Warum sind Menschen blo� so furchtbar laut? Jedes vern�nftige Tier kann auch im Stillen seinen Spa� haben. Aber nein, wenn die Zweibeiner eine Party feiern, dann geht das nicht ohne H�llenl�rm.�</p><p>Aha. Eine Party. Interessant. Ich habe zwar schon davon geh�rt. Luisa wollte doch eine Pyjamaparty machen, und Marc und Carolin reden in letzter Zeit h�ufiger davon, dass nun mal eine Einweihungsparty anst�nde. Was genau das ist, wei� ich allerdings nicht.</p><p>�Was machen Menschen denn bei einer Party?�, will ich von Beck wissen.</p><p>�Du h�rst es doch selbst. Sie machen Krach.�</p><p>�Aber sie werden sicherlich noch irgendetwas anderes machen, oder? Die treffen sich doch nicht nur, um gemeinsam laut zu sein.�</p><p>�Na ja, sie h�ren laute Musik, sie tanzen, sie reden, nat�rlich trinken sie Alkohol. Manchmal k�ssen sie sich, auch wenn sie sich vor der Party noch gar nicht kannten. Also, mit Zunge meine ich. Nicht nur das Begr��ungsk�sschen. So Zeug eben.�</p><p>Hm. <emphasis>So Zeug eben</emphasis>. Mit Zunge k�ssen, obwohl man sich nicht kennt. Als mir Beck vor langer Zeit erkl�rte, dass die Menschen ihre Zunge ab und zu auch f�r etwas anderes brauchen, als Worte zu formen, war ich sehr �berrascht. Ich meine, mir als Hund muss man nicht sagen, wie sch�n es ist, jemanden abzuschlecken. Das wei� ich. Aber dass Menschen im Grunde ihres Herzens genauso denken, h�tte ich nicht gedacht. Bis eben Beck mir das erl�uterte.</p><p>Allerdings war ich bisher davon ausgegangen, dass Menschen nur solche anderen Menschen abschlecken, die sie wirklich gut kennen. Stattdessen auch Fremde? Das ist nach meiner Kenntnis vom menschlichen Paarungsverhalten nun in der Tat ungew�hnlich. Aus diesem ganzen Kennenlernzeug vor der Paarung wird doch sonst eine Riesensache gemacht. Wie lange das allein gedauert hat, bis Marc endlich Carolin das erste Mal gek�sst hat � also, mit einer einzigen <emphasis>Party</emphasis> war es da nicht getan. Nein, der Arme musste sich wochenlang M�he geben. Alles in allem klingt das so, als sollte man sich die Party oben mal ansehen.</p><p>Meine Chance dazu ergibt sich schneller als erwartet. Denn noch bevor ich meinen letzten Gedanken zum Thema L�rm, K�ssen und Party richtig zu Ende gedacht habe, kommt Nina aus dem Wohnzimmer. Sehr entschlossen stapft sie zur Wohnungst�r � mir ist sofort klar, wo sie hin will: nach oben, sich beschweren. Ich hefte mich also an ihre Fersen, Beck tut es mir gleich. Und Nina ist offenbar so w�tend, dass sie gar nicht bemerkt, dass ihr eine kleine Eskorte die Treppe hoch folgt.</p><p>Oben angekommen, klingelt sie kurz. Als nicht sofort ge�ffnet wird, klopft sie sehr entschlossen mit der Faust gegen die T�r. Das gleiche Spiel wie neulich: Die T�r �ffnet sich, dahinter der junge Mann mit den hellen Haaren. Die sind heute allerdings nicht so verwuschelt wie beim letzten Mal, sondern ordentlich gek�mmt, und auch sonst sieht der Nachbar heute irgendwie gepflegter aus. Sauberes Hemd, keine farbverschmierte Hose. Nicht schlecht!</p><p>�Frau Nachbarin! Welche Freude! Sie folgen meiner Einladung und bringen noch zwei weitere kleine G�ste mit?�</p><p>Nina, die offensichtlich gerade zum Angriff �bergehen wollte, schaut verwirrt. �Kleine G�ste?�</p><p>�Na, der Hund und die Katze. Oder geh�ren die nicht zu Ihnen? Dann hat sich wohl schon auf der Stra�e rumgesprochen, dass hier gerade das Fest des Jahres steigt.� Er l�chelt. Nein. Er grinst.</p><p>�Herr � Herr ��</p><p>�Alexander�, erg�nzt der Hellhaarige.</p><p>�Ja. Alexander. Ihre Einladung habe ich tats�chlich aus dem Briefkasten gefischt, aber ich bin keinesfalls hier, um ihr zu folgen. Im Gegensatz zu Ihnen habe ich eine anstrengende Arbeitswoche hinter mir und muss mich dringend erholen.�</p><p>Alexander grinst noch breiter. �Ja, Sie haben Recht. Ich als Student habe nat�rlich die ganze Woche im Bett gelegen � wenn ich Sie nicht gerade mit meiner Renovierung terrorisiert habe � und Kr�fte f�r meine Party gesammelt. Aber da sehen Sie mal, was f�r ein ekstatisches Fest Sie verpassen w�rden, wenn Sie jetzt nicht reinkommen. Bitte!�</p><p>Falls das eine erneute Einladung war, geht Nina nicht darauf ein.</p><p>�Ich bin wirklich kein Kind von Traurigkeit, aber Ihre Musik ist so laut, dass ich unten nicht einmal meinen eigenen Fernseher verstehe. Bitte drehen Sie den Ton runter.�</p><p>�Damit eine sch�ne Frau wie Sie den Samstagabend vor dem Fernseher verbringt? Nein, das werde ich auf keinen Fall tun. Eher drehe ich den Ton noch lauter.�</p><p>�Wenn Sie das machen, rufe ich die Polizei. Mir reicht�s!�</p><p>Nina will sich umdrehen, da packt Alexander sie mit beiden H�nden an den Schultern und zieht sie zu sich �ber die Schwelle in die Wohnung. Beck und ich h�pfen schleunigst hinterher, dann dr�ckt Alexander die T�r wieder zu. Nina ist so �berrumpelt, dass sie sich nicht wehrt.</p><p>�Hey, Simon, bring mir bitte mal zwei Gl�ser Sekt! Und zwar flott!�</p><p>Ich kann nicht sehen, wem Alexander das zugerufen hat, aber das Kommando funktioniert. Zwei Sekunden sp�ter dr�ckt Alexander Nina ein Glas in die Hand.</p><p>�Auf gute Nachbarschaft. Sch�n, dass du da bist.�</p><p>Ogottogott! So behandelt niemand unsere Nina ungestraft. Der soll sich mal besser warm anziehen. In Erwartung des sicheren Donnerwetters dr�cke ich mich an die Wand des Flurs und mache mich ganz klein.</p><p>Doch es geschieht das Unglaubliche: Kratzb�rste Nina kippt diesem Alexander das Glas nicht etwa �ber den Kopf, sondern leert es in einem Zug. Dann macht sie einen Schritt nach vorne � und k�sst ihn!</p><p>Ich bin fassungslos. Wir sind noch keine zwei Minuten auf der Party, und schon k�sst Nina einen Mann, den sie kaum kennt. Mittlerweile k�sst der auch Nina. Also, will sagen, sie k�ssen sich. Und zwar sehr innig. Meine G�te, die Menschenkenntnis von Herrn Beck ist einfach vollkommen. Teufelskerl!</p><p>Jetzt l�sst Nina Alexander wieder los und mustert ihn gr�ndlich. �Ich hei�e �brigens Nina.�</p><p>Der Typ grinst. Nein, diesmal l�chelt er. �Ich wei�.�</p></section><section><title><p>SIEBZEHN</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>D</strong>u hast was? Du hast deinen Nachbarn aufgerissen? Den Lauten von neulich? Auf seiner Einweihungsparty?� Carolin guckt genau so, wie ich gestern auf der Party geguckt h�tte, wenn ich ein Mensch w�re. Nina kichert. �Warst du betrunken, oder was?�</p><p>�Nein, sogar ziemlich n�chtern. Apropos � wollen wir nicht von Kaffee auf Prosecco umsteigen? Mir ist gerade so danach.�</p><p>Caro nickt ergeben, und Nina winkt der Kellnerin. Die beiden sitzen wieder an ihrem Lieblingstisch im Violetta. Eigentlich wollte Caro mich nur ganz schnell einsammeln, aber nachdem Nina sie mit einem verschw�rerischen <emphasis>ich muss dir unbedingt noch etwas erz�hlen</emphasis> gek�dert hatte, war ihr Widerstand sofort gebrochen.</p><p>�Also, du bist hoch, um dich zu beschweren, und dann?�</p><p>�Dann fiel mir auf, dass der Bursche ziemlich gut aussieht und ungef�hr f�nftausend Jahre vergangen sind, seit ich das letzte Mal Sex hatte.�</p><p>F�nftausend Jahre? Ist das lang? Klingt irgendwie so und w�re ja auch kein Wunder. Denn wie ich schon feststellte, hat das normale Paarungsverhalten von Menschen f�r meinen Geschmack einen geradezu unglaublich langen Vorlauf, siehe Marc und Carolin. Da kann man wahrscheinlich schon mal f�nftausend Jahre warten, bis sich was tut. Insofern hat sich Nina hier eindeutig als Frau der Tat gezeigt und sich offenbar das n�chste verf�gbare M�nnchen geschnappt. Gef�llt mir! Carolin dagegen scheint weniger angetan.</p><p>�Und dann bist du gleich mit ihm in die Kiste?�</p><p>�Na, was hei�t hier <emphasis>gleich</emphasis>? Wir haben uns auf der Party nat�rlich erst miteinander unterhalten.�</p><p>Das allerdings ist die etwas gesch�nte Variante. Tats�chlich haben Nina und Alexander nach meiner Wahrnehmung die restliche Party knutschend verbracht � und zwar von dem Augenblick, in dem Nina in die Wohnung kam, bis zu dem Moment, in dem die letzten G�ste die Party verlie�en.</p><p>�Ach?�</p><p>�Na ja, und als die Party vorbei war, haben wir eben noch ein bisschen weitergefeiert. Im ganz kleinen Kreis.� Sie kichert wieder.</p><p>�Also wirklich, Nina!�</p><p>�Sag mal, seit wann bist du denn so pr�de?�</p><p>�Bin ich gar nicht. Aber das ist immerhin dein Nachbar, dem wirst du doch jetzt st�ndig begegnen.�</p><p>�Na und?�</p><p>�Ja, ist es was Ernstes?�</p><p>�Quatsch. Der Typ ist mindestens sechs, sieben Jahre j�nger als ich.�</p><p>�Und das ist ein Ausschlusskriterium?�</p><p>�Genau. Ich steh nicht auf j�ngere M�nner. Die sind mir zu unreif.�</p><p>�Aber f�r Sex geht es gerade noch, oder wie?�</p><p>�Da muss Jugend ja kein Nachteil sein.�</p><p>Nina grinst, Caro starrt sie an.</p><p>�Nina, du bist unm�glich. Was ist denn, wenn er sich jetzt in dich verliebt hat?�</p><p>�Mann, Caro, komm mal wieder zu dir. Dein Familienidyll hat dir ja schon komplett das Hirn vernebelt. Hallo! Erde an Neumann! Im wirklichen Leben verlieben sich M�nner nicht gleich, weil Frau einmal mit ihnen im Bett war.�</p><p>�Wei�t du was, Nina? Du wirst langsam zynisch.�</p><p><emphasis>Zynisch</emphasis>! Da ist das Wort wieder. Jetzt habe ich�s kapiert. Nina macht etwas l�cherlich, was sie sich in Wahrheit w�nscht, weil sie Angst hat, dass es das nicht gibt. Also ist die Sache klar: Nina w�nscht sich Liebe. Das muss ich unbedingt Herrn Beck erz�hlen � falls er es nicht schon wei�.</p><empty-line/><empty-line/><p>�Sag mal, Mutter, kannst du hier eine Stunde ohne mich die Stellung halten?�</p><p>Marc lehnt am Tresen, w�hrend Oma Wagner dahinter am Computer sitzt und sehr gesch�ftig auf der Tastatur herumtippt. Ich habe mich neben ihre F��e gerollt und will hier ein Nickerchen halten. Nach dem Wochenende bei Nina bin ich ein wenig schlapp. Zum einen bin ich schon lange nicht mehr so ausdauernd mit Beck durch den Garten getobt, zum anderen hat die Party mit allem, was noch dazu kam, ganz sch�n lange gedauert. Mir fehlt also eindeutig eine M�tze Schlaf. Und weil Caro heute nur Termine au�erhalb der Werkstatt hat, gibt es doch nichts Besseres, als neben Oma zu entspannen und darauf zu bauen, dass sie mich alle halbe Stunde mit einem St�ck Fleischwurst, einem Schokokeks oder etwas �hnlich Leckerem versorgt. Die Sache mit Nina und der Liebe kann ich Herrn Beck auch noch morgen erz�hlen. Die ist zwar wichtig, aber nicht eilig. So schnell l�sst sich wahrscheinlich ohnehin keine Liebe f�r Nina finden.</p><p>�Muss das sein? Es ist immerhin Montag, und nach der Mittagspause wird das Wartezimmer sich sehr schnell f�llen.�</p><p>�Ja, ich wei� � es ist aber wichtig.�</p><p>Oma Wagner seufzt. �Und was ist, wenn ein Notfall reinkommt?�</p><p>�Ich nehme mein Handy mit. Bitte, Mutter, du w�rdest mir wirklich sehr helfen.�</p><p>�Aber was hast du denn so Wichtiges vor?�</p><p>Marc z�gert einen Moment, dann r�ckt er raus mit der Sprache. �Ich habe mich zum Mittagessen mit Sabine verabredet. Wir m�ssen ein paar Dinge besprechen.�</p><p>Jetzt geht ein Strahlen �ber Frau Wagners Gesicht. �Ach, Sabine ist in Hamburg?�</p><p>�Ja, sie ist gestern zusammen mit Luisa nach Hamburg geflogen.�</p><p>�Na, wenn das so ist, dann fahr mal los. Ich komm hier schon klar. Die Leute k�nnen ja auch ruhig mal einen Moment warten, so tragisch ist das auch wieder nicht.�</p><p>�Danke. Das ist lieb von dir.�</p><p>Er wendet sich zum Gehen, dreht sich dann nochmal zu seiner Mutter um.</p><p>�Ach, eine Bitte habe ich noch.�</p><p>�Ja?�</p><p>�Carolin regt sich bei dem Thema Sabine immer so schnell auf. Es w�re mir lieb, wenn das unter uns bliebe.�</p><p>Seine Mutter l�chelt und nickt. �Nat�rlich, Marc. Du kannst dich auf mich verlassen. Von mir erf�hrt sie nichts.�</p><p>Hm. Irgendwie klingt das komisch. So, als w�re es gar nicht gut f�r Carolin. Und was nicht gut f�r Carolin ist, kann mir eigentlich auch nicht gefallen. Was genau will Marc denn mit Sabine besprechen? Eines ist klar: Ich muss da irgendwie mit.</p><p>Bevor Marc aus der T�r verschwindet, laufe ich hinter ihm her und winsele vernehmlich. Ob er mich jetzt mitnimmt? Seinem Blick nach zu urteilen wohl eher nicht. Da kommt mir Oma Wagner zu Hilfe.</p><p>�Also, die Praxis h�ten oder mit Herkules Gassi gehen � ich kann nur eins von beiden. Nicht, dass hier noch ein Malheur passiert. Das habe ich nicht so gerne in den Praxisr�umen. Schlimm genug, wenn sich die Patienten nicht benehmen k�nnen.�</p><p>Marc geht wieder zur�ck und nimmt meine Leine von der Garderobe.</p><p>�Ja, ist schon gut. Ich nehme ihn mit. Das Kerlchen st�rt ja nicht weiter.�</p><p>Drau�en angekommen, schl�gt Marc gleich den Weg zum Park ein. Will er sich dort mit Sabine treffen? Das w�re einigerma�en beruhigend. Zumindest scheint er dann nichts mit ihr machen zu wollen, was seiner Liebe zu Carolin in die Quere k�me. Wenn es unter freiem Himmel stattfindet, kann es ganz so bedrohlich nicht sein. F�r echte Zweisamkeit zieht es Menschen doch meistens in Geb�ude. Jedenfalls soweit ich das bisher beobachtet habe.</p><p>Wir landen dann aber doch nicht im Park, sondern: schon wieder im Violetta! Langsam werde ich hier Stammgast. Ob man irgendwann f�r eine Hundetr�nke mit meinem Namen sorgt? Als wir das Caf� betreten, sitzt Sabine schon an einem Tisch in der Ecke. Sie sieht uns, springt auf, l�uft zu Marc und f�llt ihm um den Hals. Ich knurre ein bisschen. So wollen wir hier doch gar nicht erst anfangen!</p><p>�Huch, was hat denn der Kleine?�, erkundigt sie sich nach dieser herzlichen Begr��ung bei Marc. Der schiebt sie ein St�ck zur Seite.</p><p>�Hallo, Sabine. Tja, Herkules geh�rt Caro. Vielleicht wundert er sich genauso �ber deine st�rmische Begr��ung wie ich.�</p><p>Sabine zieht die Augenbrauen hoch. �Ich wollte nur nett sein. Aber bitte � wir k�nnen uns in Zukunft auch einfach die Hand geben. Wenn du es lieber f�rmlich magst ��</p><p>Dazu sagt Marc nichts, stattdessen geht er zu Sabines Tisch und setzt sich. Auch Sabine setzt sich wieder hin.</p><p>�Nett hier�, stellt sie fest.</p><p>�Ja, ich bin �fter mal hier, ist ziemlich genau die Mitte zwischen der Praxis und Caros Werkstatt.�</p><p>Sabine verzieht den Mund. Diese Info scheint ihr nicht zu gefallen, sie sagt jedoch nichts dazu.</p><p>�So. Du wolltest dich mit mir treffen. Also, was gibt�s?� Marc klingt nicht besonders freundlich, das beruhigt mich enorm. Die Wahrscheinlichkeit, dass er seine alte Frau irgendwie wieder zu seiner neuen machen will, kommt mir sehr gering vor.</p><p>�Na ja, unsere letzte Begegnung in deiner Praxis verlief doch ein bisschen ungl�cklich. Da dachte ich, ich nutze meinen n�chsten Hamburg-Aufenthalt mal f�r ein Gespr�ch mit dir. Es ist mir n�mlich durchaus an einem guten Verh�ltnis zu dir gelegen. Auch, wenn du mir das immer nicht glaubst.�</p><p>�Die Begegnung verlief deswegen ungl�cklich, weil du meine Freundin beleidigt hast � passenderweise, als sie direkt daneben stand.�</p><p>�Daf�r konnte ich nun wirklich nichts. Ich dachte doch, dass diese andere Frau, die abends bei euch auf dem Sofa sa�, Caroline sei.�</p><p>�Carolin. Meine Freundin hei�t Carolin.�</p><p>�Ja. Wie auch immer. Jedenfalls war das keine b�se Absicht von mir. Und umgekehrt hast du mittlerweile vielleicht auch ein bisschen mehr Verst�ndnis daf�r, dass ich gerne vorher gewusst h�tte, wenn deine neue Flamme bei dir einzieht.�</p><p>Marc schiebt das Kinn nach vorne. �Carolin ist nicht meine <emphasis>neue Flamme</emphasis>. Wir sind seit �ber einem Jahr zusammen, sie war schon mit Luisa und mir im Urlaub, und das wei�t du ganz genau. Es ist nun wirklich nicht so, als h�tte ich dem Kind in einer Nacht-und-Nebel-Aktion meine neue Lebensgef�hrtin aufgedr�ngt.�</p><p>�Mein Gott, das habe ich doch gar nicht gesagt. Trotzdem: Es ist unser gemeinsames Kind. Da m�chte ich �ber so einschneidende Dinge vorher informiert werden.�</p><p>Dazu sagt Marc erst einmal nichts, dann nickt er langsam. �Ja, du hast Recht. Das war ein Fehler von mir, und es tut mir leid.�</p><p>Sabine greift �ber den Tisch und nimmt seine Hand. �Danke. Es tut gut, dass du das sagst. Wei�t du, ich m�chte mich nicht die n�chsten zehn Jahre mit dir streiten. Und ich wei� auch, dass ich dich damals tief verletzt habe. Ich w�nschte, ich k�nnte es ungeschehen machen.�</p><p>Ihre Stimme bekommt einen ganz warmen, samtigen Klang � und bei mir gehen s�mtliche Alarmglocken an. <emphasis>Das</emphasis> ist <emphasis>definitiv</emphasis> nicht der Ton, den ich von der alten Frau im normalen Gespr�ch mit ihrem gebrauchten Mann erwarten w�rde. Marc geht es anscheinend �hnlich. Jedenfalls will er seine Hand zur�ckziehen, aber Sabine h�lt sie fest.</p><p>�Marc, auch ich m�chte mich entschuldigen. Es tut mir leid. Es war ein gro�er Fehler von mir. Wei�t du, ich habe neulich ein Buch gelesen. <emphasis>Die zweite Chance</emphasis> oder so �hnlich hie� das. Handelte davon, wie man als getrenntes Paar wieder aufeinander zugeht. Da musste ich die ganze Zeit an uns denken. Die ganze Zeit.�</p><p>Marc mustert sie eindringlich.</p><p>�Sag mal, Sabine, ist alles in Ordnung bei dir?�</p><p>Er hat die letzten Worte gerade ausgesprochen, da bricht Sabine in Tr�nen aus. Und <emphasis>ausbrechen</emphasis> ist hier definitiv das richtige Wort, denn es rollt nicht ein vereinzeltes Tr�nchen �ber ihre Wange, sondern ein regelrechter Sturzbach. Es sch�ttelt Sabine geradezu, und zwar so stark, als w�rde ein unsichtbarer Mensch hinter ihr stehen und sie hin und her werfen. Marc springt von seinem Stuhl auf, stellt sich neben Sabine und legt seinen Arm um ihre Schulter.</p><p>�Mensch, Sabine, was ist denn los mit dir?�</p><p>Anstatt zu antworten, steht Sabine auf, schlingt ihre Arme um Marc und legt ihren Kopf auf seine Brust. Unter Tr�nen stammelt sie etwas, was sehr schwer zu verstehen ist, aber einzelne Wortfetzen klingen wie <emphasis>Jesko � schon lange nicht mehr gl�cklich � gro�er Fehler</emphasis>. Sie weint immer weiter, bis sich auf Marcs Hemd schon ein nasser Fleck bildet. Er streicht ihr �ber den Kopf und murmelt <emphasis>na, na</emphasis>.</p><p>Auweia � sollte ich hier eingreifen? Immerhin h�lt Marc eine fremde Frau im Arm. Also, nicht richtig fremd, aber eben nicht Carolin. Und die ganze Szenerie sieht sehr vertraut aus. Ich bin unschl�ssig. Was mache ich blo�? Andererseits will Marc Sabine wohl nur tr�sten. Eigentlich sehr nett von ihm und entspricht bestimmt auch seiner Veranlagung. Schlie�lich ist er Arzt, und �rzte sollen sich k�mmern. Das ist wahrscheinlich bei Menschen wie bei Hunden, so jedenfalls hat es mir Opili mal erkl�rt. H�tehunde zum Beispiel haben die Veranlagung zu h�ten, und wenn keine Schafe zu sehen sind, k�mmern sie sich stattdessen um ihre Menschen und passen auf, dass da keiner unerlaubt das Rudel verl�sst. Opili erz�hlte, dass der Border Collie unseres alten Nachbarn beim Spazierengehen immer die Kinder in die Fersen gezwickt hat, wenn die woanders hinliefen. Das war nicht b�se gemeint, nur Veranlagung. <emphasis>Und wir, Carl-Leopold, wir sind Jagdhunde. Wir wollen eben jagen</emphasis>. Ach, Opili! Was mache ich jetzt nur? Mein Jagdtrieb bringt mich hier jedenfalls nicht weiter.</p><p>Daf�r aber mein gesunder Dackelverstand. Denn wahrscheinlich kennt auch Sabine Marcs Veranlagung und nutzt diese schamlos aus. Wenn ich mit dem Verdacht richtigliege, dann ist sie nicht so ungl�cklich, wie sie tut, und es ist v�llig in Ordnung, wenn ich mit einem St�rman�ver dieses Schauspiel beende. Wie war das mit dem Border Collie? In die Fersen zwicken? Richtig, damit h�lt man die Schafe zusammen und den b�sen Wolf fern. Um Letzteren k�mmere ich mich nun.</p><p>Ich laufe um Marc und Sabine, die immer noch neben dem Tisch stehen, herum und werfe einen Blick auf Sabines Beine. Na gut, sie hat keine Hosen an, sondern einen kurzen Rock. Muss ich eben ein bisschen vorsichtig sein. Und � Attacke!</p><p>�Autsch!� Sabine f�hrt sofort herum. �Sag mal, bist du verr�ckt geworden, du bl�der K�ter?! Das sind sauteure Str�mpfe von Wolford! Die haben ein Verm�gen gekostet! Wenn da jetzt eine Laufmasche drin ist��</p><p>Na, wer sagt�s denn? Das klingt doch schon nicht mehr ganz so verzweifelt. Marc ist �berrascht.</p><p>�Was ist denn passiert?�</p><p>�Deine doofe T�le hat mich gebissen!�</p><p>�Das tut mir leid! Herkules, also wirklich! Komm sofort zu mir, du ungezogener Hund!�</p><p>�Was bringst du den auch mit? Wir wollten doch in Ruhe reden. Bl�des Biest, dir geh�rt ein Maulkorb verpasst!� Sabine funkelt mich b�se an, ich gucke m�glichst unschuldig zur�ck.</p><p>�Vielleicht wollte er mich besch�tzen, oder er ist ein bisschen eifers�chtig�, unternimmt Marc den Versuch einer Erkl�rung. Ich gucke noch unschuldiger.</p><p>�Hunde, die einen einfach anfallen, geh�ren doch weggesperrt! �</p><p>�Also, so schlimm ist das nun auch wieder nicht � wenn er richtig zugebissen h�tte, dann w�rdest du hier nicht mehr so ruhig stehen. Wahrscheinlich hat er dich nur gezwickt. Das geh�rt sich nat�rlich auch nicht � aber, wie gesagt, vielleicht wollte er mich sch�tzen. Er kennt dich nicht, und die Situation ist f�r ihn schwer zu durchschauen. F�r mich �brigens auch.�</p><p>Sie setzen sich wieder, Sabine wirft einen Blick auf ihre Waden und versucht dann zu l�cheln.</p><p>�Na ja, ist ja nochmal gut gegangen. Keine Laufmasche.�</p><p>Schade. Ich muss noch an meiner Technik feilen. Ansonsten bin ich mit dem Ergebnis meiner Aktion sehr zufrieden: Die Stimmung ist von <emphasis>dramatisch</emphasis> auf <emphasis>sachlich</emphasis> gefallen.</p><p>�Also, wo waren wir stehen geblieben? Genau, ich wollte wissen, ob bei dir alles in Ordnung ist�, versucht Marc an das Gespr�ch vor dem Heulkrampf anzukn�pfen.</p><p>�Nat�rlich ist alles in Ordnung. Ich muss nur in letzter Zeit h�ufig an uns denken, und das macht mich dann traurig. Es waren ja auch sch�ne Zeiten.�</p><p>Marc sagt dazu nichts.</p><p>�Und wenn wir uns dann streiten, dann f�hle ich mich hinterher sehr schlecht. Deswegen wollte ich das endlich mal zwischen uns ausr�umen. Ich wollte mich entschuldigen f�r den Schmerz, den ich dir bereitet habe, und wollte nochmal �ber die Sache mit dem Einzug deiner <emphasis>Lebensgef�hrtin</emphasis> mit dir sprechen.� Das Wort Lebensgef�hrtin betont Sabine ganz seltsam, so, als wolle sie damit etwas Bestimmtes sagen.</p><p>Jetzt r�uspert sich Marc. �Gut. Wie ich schon sagte: Ich gebe dir Recht, dass es ein Fehler war, dir nicht vorher davon zu erz�hlen. Das tut mir leid, und daf�r habe ich mich entschuldigt. �</p><p>Sabine beugt sich ein St�ck nach vorne und schaut Marc ganz eindringlich an. �Und? Nimmst du meine Entschuldigung auch an?�</p><p>Marc lehnt sich zur�ck und bringt damit wieder mehr Raum zwischen Sabine und sich. �Ich wei� es noch nicht. Ich werde dar�ber nachdenken.�</p></section><section><title><p>ACHTZEHN</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>E</strong>s ist sch�n, wieder hier zu sein.� Daniel stellt seinen Rucksack und die gro�e Tasche in den Flur und geht bed�chtig durch die einzelnen R�ume der Werkstatt. In dem Zimmer mit den beiden gro�en Werkb�nken bleibt er stehen. Carolin folgt ihm und schiebt auf ihrer Werkbank einen Stapel Papier zusammen, der so hoch und schief ist, dass er schon fast vom Tisch zu fallen droht.</p><p>�Viel habe ich nicht ver�ndert, seitdem du nicht mehr da bist. Okay, es ist nicht mehr ganz so ordentlich, da hattest du doch eine sehr disziplinierende Wirkung auf mich.�</p><p>�Ich hoffe doch sehr, du vermisst nicht nur meinen unschlagbaren Sinn f�r Ordnung.� Beide fangen an zu lachen � dann nimmt Daniel Caro in den Arm und dr�ckt sie ganz fest. �Wirklich, Caro, ich habe mich sehr gefreut, als du mich wegen des Jobs angerufen hast.� Er l�sst sie wieder los.</p><p>�Ja, als die Anfrage von Herrn Lemke kam, dachte ich mir sofort, dass die Restaurierung einer historischen Instrumentensammlung bestimmt spannend genug w�re, um dich nach Hamburg zu locken.�</p><p>Daniel guckt sie versonnen an. �Ich w�re auch f�r die Begutachtung einer chinesischen Kiefernholzfiedel nach Hamburg gekommen, wenn du mich darum gebeten h�ttest.�</p><p>Dazu sagt Carolin nun nichts, sondern schaut zu Boden. Offenbar macht Daniel sie verlegen. Wie spannend! Ich freue mich allerdings auch sehr, dass Daniel wieder da ist. Auch wenn er bisher nur Augen f�r Carolin hatte. Ich beschlie�e, mal ein bisschen auf mich aufmerksam zu machen, indem ich mit einem Satz auf Daniels F��e h�pfe.</p><p>�Hoppla! Mann, Herkules, stimmt � dich habe ich noch gar nicht richtig begr��t!�</p><p>Was hei�t hier <emphasis>nicht richtig</emphasis>? Gar nicht, mein lieber Daniel, gar nicht! Aber das macht ja nichts, du kannst es jetzt nachholen, ich bin da nicht nachtragend. Und das macht Daniel, der alte Hundeversteher, jetzt auch. Er beugt sich zu mir herunter und hebt mich hoch.</p><p>�Nun lass dich mal richtig knuddeln, du S��er!� Er krault mich hinter den Ohren, ich drehe den Kopf und schlecke ihm blitzschnell �bers Gesicht. Daniel lacht.</p><p>�Mann, das ist ja eine Freude unter den Dackeln. Herkules, ich habe dich vermisst. Vielleicht sollte ich mir auch so ein kleines Kerlchen wie dich anschaffen, aber ich bef�rchte, dann bekomme ich Probleme mit Aurora. Sie ist n�mlich nicht das, was man gemeinhin als Hundefreundin bezeichnen k�nnte.�</p><p>Nein, so habe ich sie auch nicht in Erinnerung. Und leider beantwortet das auch gleich meine dringendste Frage, n�mlich, ob Daniel tats�chlich noch mit dieser Schreckschraube zusammen ist. Ist er offensichtlich. Auweia. Dabei h�tte ich ihm doch sehr eine nettere Frau geg�nnt. Gut, die netteste ist nun vergeben, aber ein paar andere laufen bestimmt noch frei herum.</p><p>Daniel setzt mich wieder ab, dann geht er nochmal zu seiner Tasche im Flur und kramt einen Zettel heraus.</p><p>�So, Herr Lemke hat mich in einem Apartmenthaus ganz in der N�he untergebracht. Lauter kleine Wohnungen, im Internet sah es sehr nett aus. Da werde ich die n�chsten sechs Wochen wohnen. Mal sehen, wo genau das ist.� Er studiert den Zettel. �Ach, eigentlich genau neben dem Park, wie praktisch!�</p><p>�Soll ich dir ein Taxi rufen?�</p><p>�Gerne. Ich will nur schnell auspacken und mich vielleicht ein St�ndchen aufs Ohr legen. Ich bin ein bisschen m�de.�</p><p>Tats�chlich sieht Daniel geschafft aus: Seine blonden Locken stehen kreuz und quer vom Kopf ab, und seine gro�en, dunklen Augen haben noch dunklere Ringe darunter.</p><p>�Klar, mach das. Ich gebe dir einen Werkstattschl�ssel, dann kannst du einfach wiederkommen, wenn du so weit bist.�</p><p>�Danke, Carolin. Es ist ein sch�nes Gef�hl, wieder einen Schl�ssel zu haben.�</p><empty-line/><empty-line/><p>Als Daniel gegangen ist, macht sich Carolin an ihrer eigenen Werkbank zu schaffen. Sie nimmt eine der fast fertigen Geigen und h�lt sie ins Licht, dreht sie hin und her und schnappt sich ein St�ck Schleifpapier. In diesem Moment klingelt es an der T�r. Caro legt die Geige wieder zur Seite.</p><p>�Was denkst du, wer das ist, Herkules? Nina vielleicht? K�nnte sein, oder? Erwarten tue ich jedenfalls niemanden.�</p><p>Richtig geraten: Es ist wirklich Nina, die vor der T�r steht. Ohne gro� Hallo zu sagen, st�rmt sie gleich in die Werkstatt.</p><p>�Na, wo ist Daniel? Ich wollte ihn doch gleich mal begr��en. �</p><p>�Den hast du knapp verpasst. Er ist eben in sein Hotel gefahren. War ein bisschen geschafft.�</p><p>�Ach schade.� Nina klingt entt�uscht.</p><p>�Aber ich denke mal, dass er sp�ter wiederkommt. Soll ich ihm einen Zettel hinlegen, dass er sich bei dir melden soll? Deine Sehnsucht scheint ja gro� zu sein.�</p><p>�Was hei�t hier <emphasis>Sehnsucht</emphasis>? Ich habe ihn einfach ganz lange nicht mehr gesehen und mich deshalb schon auf ihn gefreut. Ich dachte, wir k�nnten vielleicht einen Kaffee zusammen trinken.�</p><p>�Tja, ich f�nde einen Kaffee auch nicht schlecht. Oder bekomme ich den bei dir nur, wenn ich Daniel mitbringe?�</p><p>Nina sch�ttelt den Kopf und macht dabei ein Ger�usch, das wie <emphasis>TSSS</emphasis> klingt. �Ich habe mir �brigens eine neue Kaffeemaschine gekauft und kann dir gleich einen sehr leckeren Latte Macchiato anbieten.�</p><p>�Klingt super! Dann mal los!�</p><p>Bevor wir Ninas Wohnung entern k�nnen, gilt es allerdings noch ein Hindernis zu �berwinden: Auf ihrer Fu�matte liegt ein ziemlich gro�er Blumenstrau�, der herrlich frisch duftet. Mir ist nat�rlich sofort klar, wer den da hingelegt hat: der Nachbar? Das ist doch der gleiche Trick wie mit dem anderen P�ckchen, der Box mit diesen <emphasis>Ohropax</emphasis>. Lustige Gewohnheiten hat der Herr. Fast wie eine Katze. Bei Herrn Beck habe ich das zwar noch nie beobachtet, aber die Katzen im Schloss legten tats�chlich auch gerne Sachen auf die Fu�matte vom Seiteneingang zur K�che. Meist waren das tote M�use, manchmal auch ein kleines V�gelchen, das sie erjagt hatten. Emilia war dar�ber nicht besonders begeistert, hat aber nie geschimpft, weil es <emphasis>die Katzen nur gut gemeint h�tten</emphasis>.</p><p>Nina guckt zwar nicht so angewidert, wie es Emilia bei den M�usen tat, besonders begeistert scheint sie aber auch nicht zu sein. Sie seufzt und hebt die Blumen auf.</p><p>Caro guckt neugierig. �Aha. Ein heimlicher Verehrer?�</p><p>Nina sch�ttelt den Kopf. �Heimlich trifft es nicht ganz.�</p><p>�Dein Nachbar, oder?�</p><p>�Ja�, antwortet Nina knapp.</p><p>Carolin lacht. �Siehste, ich hab�s dir ja gleich gesagt.�</p><p>�Warte mal kurz, bin gleich wieder da.� Nina dreht sich um und geht die Treppe nach oben. Caro und ich bleiben derweil unten stehen. Wir k�nnen h�ren, dass Nina bei Alexander klingelt, er �ffnet die T�r.</p><p>�Hallo, Alex. H�r mal, das ist ja nett gemeint mit den Blumen � aber wie ich dir schon sagte: Ich will mich nicht weiter mit dir treffen. Also bem�h dich bitte nicht mehr. Und die �� Es raschelt laut, vermutlich das Papier, in das die Blumenstiele eingeschlagen sind, �� die m�chte ich auch nicht behalten. Vielleicht kannst du sie deiner Mutter schenken.�</p><p>Alex scheint gar nichts zu sagen, Ninas Schuhe klappern auf dem Weg nach unten, oben wird die T�r wieder geschlossen.</p><p>�Wow, Nina, das war schon sehr direkt!�</p><p>Nina erwidert nichts, stattdessen schlie�t sie Caro und mir die T�r auf und schiebt uns in ihre Wohnung. Als sie die T�r hinter uns zugemacht hat, atmet sie tief durch.</p><p>�Mann, Alexander ist echt niedlich, aber er kommt mir vor wie ein Kind. Die letzten zwei Tage hat er mich jedes Mal, wenn er mich gesehen hat, um ein Date gebeten. Den Zahn musste ich ihm gerade mal endg�ltig ziehen.�</p><p>�Ja, das d�rfte dir gelungen sein. Schade um die Blumen. Die waren wirklich sch�n. Der Mann hat offensichtlich Geschmack.�</p><p>Mittlerweile hat sich auch Herr Beck aus seinem K�rbchen erhoben und steht neben uns. Er sieht noch ein wenig verschlafen aus. �Sag mal, Freund, wovon reden die beiden Damen?�</p><p>�Die Kurzversion? Der Typ von der Party hatte Blumen f�r Nina vor eure T�r gelegt. Die hat sie ihm aber gerade wieder in die Hand gedr�ckt.�</p><p>�Aha.� Herr Beck scheint unger�hrt. So, als h�tte er in diesem Fall auch nichts anderes erwartet.</p><p>�Findest du das gar nicht komisch? Ich meine, auf der Party sah es doch so aus, als h�tte sie ihn sehr, sehr gerne.�</p><p>�Findest du? Ich hatte eher den Eindruck, Nina war nur auf der Suche nach Spa�.�</p><p>H�? Wie meint der Kater denn das jetzt? Wieso Spa�? Ich dachte, beim K�ssen geht�s den Menschen um Liebe. Und beim Sex sowieso. Genauso hat mir Beck das mal erkl�rt � dass Sex und Liebe bei den Menschen irgendwie zusammengeh�ren. Ich fand das Konzept zwar nicht sofort einleuchtend, aber nicht alles beim Menschen l�sst sich logisch erkl�ren. Muss es ja auch nicht. Jedenfalls hatte Carolin ja auch deswegen mit ihrem gruseligen Freund Thomas Schluss gemacht: weil Beck und ich ihr beweisen konnten, dass er Sex mit einer anderen Frau hatte. Das nennt man Betrug, und es vertr�gt sich nur sehr schlecht mit der menschlichen Liebe.</p><p>�Aber du selbst hast mir doch erkl�rt, dass diese ganze Sache mit K�ssen und so weiter bei den Menschen mit Liebe zu tun hat. Und dann m�sste sich Nina doch �ber Blumen von Alexander freuen. Was meinst du denn jetzt mit <emphasis>nur Spa�</emphasis>?�</p><p>Herr Beck sieht mich an, als sei ich heute besonders schwer von Begriff, und atmet schwer. Das ist eigentlich eine Frechheit, denn immerhin war er es, der mich erst auf die Idee gebracht hat, dass es den Menschen bei der Paarung um die Liebe geht.</p><p>�Also, es ist wie folgt�, beginnt Beck zu erkl�ren und spricht dabei so langsam, als habe er es mit einem Schwachsinnigen zu tun, �oft ist das K�ssen wirklich ein Zeichen von Liebe. ABER � es muss nicht immer so sein. Menschen k�ssen sich auch, weil es Spa� macht. Und insbesondere, wenn sie sich eigentlich nicht kennen, geht es oft nur um den Spa�. Man kann ja eigentlich niemanden lieben, den man nicht kennt. Mit Sex ist es dann genauso.�</p><p>Nun gut. Klingt logisch. Allerdings habe ich Herrn Beck ja auch noch nicht von meiner sensationellen Erkenntnis berichtet, die das alles in einem v�llig anderen Licht erscheinen l�sst.</p><p>�Aber Nina w�nscht sich Liebe.�</p><p>Herr Beck z�gert einen Moment, dann prustet er los. �Wie kommst du denn auf diese Idee?�</p><p>�Weil sie zynisch ist.�</p><p>�Bitte? Was soll das denn f�r ein Grund sein?�</p><p>�Also, es war ungef�hr so: Nina hat Carolin gesagt, dass sie sich Alexander geschnappt hat, weil sie seit f�nftausend Jahren keinen Sex mehr hatte. Carolin wollte dann wissen, ob es was Ernstes ist, und Nina hat ihr erkl�rt, dass Alexander f�r Sex genau richtig, aber f�r Liebe zu jung ist. Oder so �hnlich. Und dann sagte Carolin: <emphasis>Nina, du bist zynisch</emphasis>.�</p><p>�Sch�n und gut, aber wieso denkst du deswegen, dass Nina sich Liebe w�nscht?�</p><p>�Na, du hast es doch selbst gesagt: Zynismus ist, wenn man etwas l�cherlich macht, weil man es gerne h�tte, aber gleichzeitig Angst hat, dass es das nicht gibt.�</p><p>�Tut mir leid, Kumpel. Ich kann dir gerade �berhaupt nicht folgen.�</p><p>Mann, das ist heute aber auch schwierig mit Beck. Also, wenn hier jemand schwer von Begriff ist, dann dieser Kater.</p><p>�Es ist doch sonnenklar: Nina macht die Sache mit Alexander l�cherlich, weil sie sich genau das w�nscht. Liebe eben. Sie hat nur Angst, dass es eh nichts wird.�</p><p>Herr Beck sch�ttelt den Kopf. �Eine sehr steile These, Herr Kollege. Und im �brigen hat Nina Liebe.�</p><p>�Echt? Hat sie einen Freund, von dem ich noch gar nichts wei�?�</p><p>�Nein. Sie hat mich. Und ich wei�, ich habe immer das Gegenteil �ber das Verh�ltnis von Mensch und Tier behauptet � aber ich muss mich revidieren. Diesmal ist es wirklich Liebe.�</p><p>Dazu sage ich nichts mehr. Es ist sowieso zwecklos. Aber ich bleibe dabei: Nina w�nscht sich Liebe. Und zwar nicht die eines alternden Katers. Da bin ich mir ganz sicher. Vielleicht kann ich mich momentan auch deswegen so gut in Nina hineinversetzen, weil es mir ganz �hnlich geht. Auch ich w�nsche mir Liebe. Leider hatte ich immer noch keine Idee, wie ich Cherie beeindrucken und ihr Herz damit f�r mich gewinnen k�nnte. Beck vielleicht? Immerhin wollte er dar�ber nachdenken.</p><p>�Sag mal, Beck, hast du dir vielleicht noch mal Gedanken �ber mein Problem gemacht?�</p><p>�Welches Problem?�</p><p>�Na � mit Cherie!�</p><p>�Cherie?�</p><p>Gro�artig. Herr Beck kann sich anscheinend nicht mal mehr daran erinnern, dass ich ihm vor kurzem mein Herz ausgesch�ttet habe.</p><p>�Du wei�t schon � die Retrieverh�ndin.�</p><p>�Ach ja, die. Nee, dar�ber habe ich noch gar nicht weiter nachgedacht.�</p><p>Ich seufze innerlich und lege den Kopf auf meine Vorderl�ufe. Beck scheint momentan v�llig von seiner neuentdeckten Liebe zum Menschen in Beschlag genommen zu sein. Auf sein strategisches Geschick kann ich also nicht unbedingt bauen. Dann muss ich es selbst hinbekommen. Fragt sich nur, wie ich das anstellen soll. Ich habe offen gestanden nicht den blassesten Schimmer.</p><p>Caro und Nina haben sich mittlerweile in die K�che verzogen und testen den neuen Kaffeeautomaten. Der macht einen gewaltigen L�rm, dampft und zischt. Da soll Kaffee rauskommen? Die Maschine in der K�che von Marc und Caro versieht diese Aufgabe eigentlich immer still und leise, von einem gelegentlichen Blubbern vielleicht mal abgesehen.</p><p>Aber tats�chlich f�llen sich die beiden Gl�ser, die Nina in den Automaten gestellt hat, mit Fl�ssigkeit. Riecht von hier unten allerdings eher wie Milch. In diesem Moment schie�t noch mehr Fl�ssigkeit in die Gl�ser, diesmal eindeutig Kaffee. Nina wartet ab, bis die Maschine zu Ende gespuckt hat, dann reicht sie Caro ein Glas.</p><p>�E prego, un latte macchiato.�</p><p>�Grazie tante.�</p><p>Beide beginnen zu schl�rfen, schnell hat Caro einen Schnurrbart aus Milch. Sieht sehr lustig aus.</p><p>�Hm, der ist aber lecker. So eine Espressomaschine ist schon toll. Da hast du ja ordentlich in deine K�che investiert. �</p><p>�Na ja, eigentlich ist sie f�r mein B�ro an der Uni. Das Semester f�ngt n�chste Woche wieder an, und so wie ich das sehe, werde ich eine ziemlich aufw�ndige Arbeitsgruppe leiten und viel Zeit dort verbringen. Da musste ich mir mal ein Highlight g�nnen.�</p><p>�Klingt interessant. Worum geht�s da?�</p><p>�Im wesentlichen um interdisziplin�re Suchtforschung. Machen wir mit den Medizinern zusammen.�</p><p>�Aha. Na, dann noch mal auf die Forschung!�</p><p>�Ja. Prost.�</p><p>Die beiden sto�en mit ihren Gl�sern an.</p><p>Caro trinkt noch einen Schluck, guckt dann auf ihre Uhr. �Oh, schon gleich halb drei. Ich mache f�r heute Schluss. Ich habe Luisa versprochen, sie fr�her aus dem Hort abzuholen, damit wir noch die Einladungen f�r ihre Ponyparty auf Schloss Eschersbach basteln k�nnen.�</p><p>Nina zieht die Augenbrauen hoch. �Ponyparty auf Schloss Eschersbach? Klingt reichlich �berkandidelt f�r ein neunj�hriges M�dchen.�</p><p>�Unter normalen Umst�nden w�rde ich dir Recht geben, aber hier ist es ein Notfall. Ich habe dir doch erz�hlt, dass Luisa Schwierigkeiten hat, in ihrer neuen Klasse Freundinnen zu finden. Sie wollte vor ein paar Wochen eine Pyjamaparty feiern, aber keine von diesen kleinen Ziegen hat zugesagt. Luisa war ganz deprimiert. Da dachte ich, wir k�dern die Damen mal mit einem richtigen Highlight. Hat Marc dann eingef�delt, er betreut ja die Dackelzucht vom Schlossherrn.�</p><p>�Aha. Und du meinst, die kleinen Biester sind k�uflich?�</p><p>�Garantiert. Wer sich selbst den Namen <emphasis>Tussi-Club</emphasis> gibt, kann zu so einer glamour�sen Veranstaltung mit Sicherheit nicht Nein sagen.�</p></section><section><title><p>NEUNZEHN</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>P</strong>apa, ich bin so aufgeregt! TOTAL aufgeregt, echt!�</p><p>Luisa ist heute Morgen schon mit dem ersten Vogelzwitschern aufgestanden, vielleicht sogar ein bisschen fr�her. Seitdem flitzt sie durch die Wohnung, sucht Sachen aus den verschiedensten Schr�nken, packt sie in den kleinen Koffer mit dem B�rchenbild, nur um sie ein paar Minuten sp�ter wieder herauszur�umen und gegen andere Dinge auszutauschen. Dabei h�pft sie auf und ab wie ein kleines K�tzchen auf der Jagd nach einem Wollkn�uel.</p><p>Marc hingegen sieht um diese fr�he Stunde irgendwie � zerknittert aus. Momentan lehnt er am T�rrahmen von Luisas Kinderzimmer und g�hnt verstohlen.</p><p>�Ich finde, du solltest noch ein bisschen schlafen, damit du sp�ter auch richtig fit bist.�</p><p>Wieder ein G�hnen. Aber Luisa sch�ttelt energisch den Kopf. �Aber Papa! Ich kann doch jetzt nicht wieder ins Bett gehen! Ich muss meine Sachen packen.�</p><p>�Luisa, es ist erst halb sechs Uhr. Wir haben noch jede Menge Zeit. Leg dich bitte nochmal hin, wir packen deinen Koffer nach der Schule. Ich helfe dir auch, versprochen.�</p><p>�Nein, ich kann nicht mehr schlafen. Ich freue mich so, dass tats�chlich alle M�dchen zugesagt haben. Alle vier � der gesamte Tussi-Club! Papa, das ist suuuuper!�</p><p>Marc nickt.</p><p>�Ja, mein Schatz, das freut mich auch riesig. Aber ich gehe jetzt wieder ins Bett. Und vor sieben kriegt mich da auch niemand wieder raus. Also meinetwegen pack weiter, aber sei bitte einigerma�en leise dabei.� Er schlurft in Richtung Schlafzimmer.</p><p>Luisa schaut ihm kurz hinterher, dann dreht sie sich zu mir. �Mann, Herkules, warum wollen Erwachsene blo� immer so lang schlafen? Im Bett zu liegen ist doch voll langweilig! �</p><p>Ich wedele mit dem Schwanz. Genau meine Meinung! Mir ist auch nicht klar, was daran so toll sein soll. Die Menschen sollten lieber tags�ber ein bisschen schlafen, dann w�rden sie morgens auch zu einer vern�nftigen Zeit aus den Federn kommen.</p><p>Luisa betrachtet den momentanen Inhalt ihres B�rchenkoffers kritisch. �Wei�t du, ich muss mir jetzt echt �berlegen, was ich mitnehme. Viele Sachen von mir sind n�mlich leider voll Baby. Das merken die anderen doch gleich, wenn ich nicht aufpasse, wei�t du?�</p><p>Ich lege mich neben den Koffer und versuche zu verstehen, was genau Luisa meint. <emphasis>Voll Baby</emphasis>. Hm. Was k�nnte das wohl bedeuten? Luisa ist doch l�ngst kein Baby mehr. Und die Sachen, die sie so kritisch be�ugt, w�ren f�r ein Menschenbaby auch viel zu gro�.</p><p>�Das hier zum Beispiel�, sie h�lt mir ein T-Shirt unter die Nase, �Rosa! Und das auch � und hier: schon wieder Rosa. Dabei ist Rosa gar nicht in. Das ist eine Farbe f�r kleine M�dchen.�</p><p>Aha. Nun bin ich sowieso kein Farbspezialist, weil ich die Unterschiede, die Menschen da angeblich sehen, kaum ausmachen kann. Insofern war ich schon erstaunt, als ich lernte, dass Menschen bestimmte Farben f�r M�nner, andere wiederum f�r Frauen vorgesehen haben. Dass es aber auch Farben f�r bestimmte K�rpergr��en gibt, �berrascht mich noch mehr. Welchen Sinn hat das? Luisa legt mehrere Kleidungst�cke nebeneinander und guckt nachdenklich.</p><p>�Mama kauft sowieso immer Babyklamotten f�r mich. Und die l�ssigen Sachen, die Carolin f�r mich gekauft hat, kann ich bei ihr gar nicht anziehen. Dann ist sie gleich traurig. Also lasse ich das lieber. Aber deshalb denkt sie nat�rlich, ich finde die Babysachen noch toll, und dann bekomme ich noch mehr davon. Die anderen M�dels haben viel coolere Klamotten.�</p><p>Ich merke schon � gelegentlich ist es sehr praktisch, ein Fell zu haben. Ob das nun <emphasis>cool</emphasis> ist oder nicht: Es ist meins, und daran l�sst sich auch nichts �ndern. �berhaupt scheint eines der gro�en menschlichen Probleme zu sein, dass es f�r Menschen so viele M�glichkeiten gibt. Rock oder Hose? Suppe oder Braten? Marc oder Daniel? Kein Wunder, dass sie da manchmal ein bisschen durcheinanderkommen.</p><p>Aber wenigstens Luisa scheint sich nun entschlossen zu haben, was sie auf das Schloss mitnehmen will. Jedenfalls packt sie sehr entschieden mehrere Hosen und Hemden in ihren kleinen Koffer und schlie�t ihn.</p><p>�So, fertig! Glaube ich jedenfalls.� Luisa greift nach mir und setzt mich auf ihren Scho�, dann beginnt sie, mich unter dem Maul zu streicheln. Sehr angenehm! �Es ist schon komisch: Ich freue mich riesig � aber ich habe auch ein bisschen Angst. Was, wenn die wieder total bl�d zu mir sind? Manchmal habe ich Angst, dass ich in Hamburg nie Freunde finden werde. Ich bin auf alle F�lle sehr froh, dass du mitkommen darfst. Das war eine gute Idee von Carolin. Mit dir zusammen bin ich immer viel mutiger, wei�t du?�</p><p>Bei so einem Lob f�ngt mein Schwanz doch fast von alleine an zu wedeln! Luisa kichert.</p><p>�Hihi, deine Haare kitzeln an meinen Beinen!�</p><p>Richtig. Luisa tr�gt ja nur ihr Nachthemd. Und jetzt g�hnt sie herzhaft.</p><p>�Vielleicht hat Papa Recht, und es ist wirklich ziemlich fr�h. Ich lege mich noch ein bisschen hin. Willst du mit in mein Bett kommen?�</p><p>Na, das muss man mich nun garantiert nicht zweimal fragen. Begeistert folge ich Luisa in ihr Kinderzimmer und h�pfe zu ihr ins Bett. Dort lege ich mich zu ihren F��en und schlafe sofort ein.</p><empty-line/><empty-line/><p>�So, dann zeige ich euch jetzt mal, wo ihr schlafen werdet.� Corinna von Eschersbach, die Frau des jungen Grafen, f�hrt uns durch einen Teil des Schlosses, den selbst ich noch nie gesehen habe. Er liegt im Westfl�gel, also dem Teil, in dem der junge Graf mit seiner Familie wohnt. Von innen sieht es hier eigentlich aus wie in einem normalen Haus, nur gr��er. Die Decken sind sehr hoch, und wenn ich das nicht schon aus dem anderen Teil des Schlosses gew�hnt w�re, w�rde es mir vielleicht ein bisschen Angst machen. Den f�nf M�dchen scheint es jedenfalls gerade so zu gehen � sie laufen mit weit aufgerissenen Augen und M�ndern hinter der Gr�fin her und haben sogar aufgeh�rt, miteinander zu tuscheln. Carolin, die auch dabei ist, dreht sich zu den Kindern um.</p><p>�Also, das ist schon etwas Tolles, so ein echtes Schloss, oder? Ich muss sagen, dass ich euch ein bisschen beneide. Das n�chste Mal komme ich mit, Frau von Eschersbach!�</p><p>Die beiden Frauen lachen. Dann �ffnet Corinna von Eschersbach eine T�r zu einem gro�en Raum, der offensichtlich als Schlafsaal dienen soll. Jedenfalls stehen hier mehrere Betten nebeneinander, jeweils getrennt durch ein kleines Schr�nkchen. Zwei der Betten sehen sogar aus wie ein kleiner Turm � mit einem Bett oben und einem unten. Sehr interessantes Konstrukt.</p><p>�Jede von euch kann sich nun ein Bett aussuchen und im Schrank daneben ihre Sachen verstauen. Die Stockbetten teilen sich den etwas gr��eren Schrank daneben. Ihr werdet euch einig, oder?�</p><p>Die M�dchen nicken und beginnen sofort, ihre Sachen auf den Betten zu verteilen. Corinna nickt Carolin zu.</p><p>�H�tten Sie noch Lust auf einen Kaffee?�</p><p>�Gerne.�</p><p>Kurz darauf sitzen wir in einer K�che � allerdings nicht in Emilias Reich, der gro�en Schlossk�che im Erdgeschoss, sondern in einer viel kleineren, die mich stark an die K�che in Marcs Wohnung erinnert. Corinna von Eschersbach gie�t Carolin einen gro�en Becher mit Kaffee und Milch ein.</p><p>�Ich hoffe, dass die M�dchen am Sonntag auch wirklich zufrieden sind. Es ist schlie�lich das erste Mal, dass ich so etwas mache � obwohl ich schon l�nger Lust dazu hatte. Mein Schwiegervater hat sich bisher immer gegen die Idee gewehrt, aber mit F�rsprache von Herrn Dr. Wagner hat es diesmal geklappt. Also, dr�cken Sie uns die Daumen, dass es sch�n f�r die Kinder wird.�</p><p>�Ach, bestimmt wird es das, da habe ich gar keine Zweifel! Ponys, ein echtes Schloss � was soll da schiefgehen?�</p><p>�Sie haben Recht. Ich habe mir auch schon ein paar sch�ne Dinge �berlegt, die wir an diesem Wochenende unternehmen werden. Um den Reitunterricht mache ich mir sowieso keine Sorgen, schlie�lich bin ich ausgebildete Reitlehrerin.�</p><p>�Na also � das wird bestimmt toll. Aber noch eine ganz andere Frage: Ist es in Ordnung, wenn Herkules bei Luisa schl�ft? Ich fand es sehr nett, dass sie ihn �berhaupt mitnehmen darf. Aber wenn das mit dem Schlafen ein Problem ist, habe ich daf�r Verst�ndnis. Wissen Sie, Luisa hatte es in den letzten Monaten nicht leicht. Sie ist gerade erst von M�nchen nach Hamburg gezogen, und ich habe das Gef�hl, dass sie sich mit Herkules zusammen etwas sicherer f�hlt.�</p><p>�Nat�rlich, das verstehe ich. Und solange Herkules stubenrein ist und hier nicht die Vorh�nge anknabbert, darf er gerne bei den M�dchen bleiben.� Sie nimmt einen Schluck aus ihrem Becher und mustert Carolin neugierig. �Luisa ist nicht Ihre gemeinsame Tochter, oder?�</p><p>Caro sch�ttelt den Kopf. �Nein. Luisa ist Marcs Kind aus erster Ehe. Aber wir wohnen seit ein paar Wochen zusammen, und ich mag das M�dchen sehr gerne.�</p><p>�Das merkt man. Und es scheint auf Gegenseitigkeit zu beruhen.�</p><p>�Ja. Jedenfalls hoffe ich das. Trotzdem ist es f�r Luisa nat�rlich nicht einfach. Im Grunde ihres Herzens w�nscht sie sich bestimmt, dass ihre Eltern wieder ein Paar w�ren.�</p><p>Corinna von Eschersbach nickt. �Tja, Patchwork ist oftmals schwierig. Ich wei�, wovon ich rede. Meine Mutter hat nach der Trennung von meinem Vater auch noch einmal geheiratet. Die erste Zeit war es nicht leicht. Aber ich kann Sie beruhigen � heute verstehen wir uns alle gut, und ich habe auch sehr sch�ne Erinnerungen an meine Kindheit. Und �brigens�, sie beugt sich zu mir herunter und streicht mir �ber den Kopf, �ist daf�r unter anderem ein Artgenosse von Herkules verantwortlich. Apropos Herkules � hei�t der nicht Carl-Leopold? Oder haben Sie ihn umgetauft?�</p><p>�Oh, das ist eine l�ngere Geschichte. Aber ich erz�hle sie immer wieder gern!�</p><empty-line/><empty-line/><p>�Bist du schon einmal geritten?� Lena, die anscheinend die Anf�hrerin des Tussi-Clubs ist, hat bereits Reithose und Reitstiefel an und steht vor Luisa, die sich noch umziehen muss.</p><p>�Ja. Bei meiner Mama in M�nchen gab es einen Reitstall, der hatte ganz tolle Pferde. Ich hatte sogar ein Pflegepony, das ich jeden Tag reiten durfte. Es hie� Sally.�</p><p>Lena zieht eine Augenbraue hoch. Nach allem, was ich �ber menschliche Mimik wei�, nicht unbedingt ein Ausdruck von Freundschaft und Wertsch�tzung.</p><p>�So. <emphasis>Sally</emphasis>. Dann bin ich mal gespannt, wie gut du reiten kannst. <emphasis>Ich</emphasis> reite schon seit drei Jahren. Und Carla, Emmi und Greta schon fast genauso lange. Deswegen konnte ich dich nat�rlich auch nicht zu meinem Pony-Geburtstag einladen. Ich wusste ja nicht, dass du reiten kannst.�</p><p>H�ttest sie ja fragen k�nnen, du kleine Wichtigtuerin. Ob sich Luisa freut, wenn ich Lena mal ein bisschen zwicke? Vielleicht in den Po? Dann kann sie n�mlich garantiert nicht mehr reiten. Wie gerne w�rde ich genau das jetzt tun. Aber ein Blick auf Luisa h�lt mich davon ab. Denn sie sieht nicht so aus, als sei sie sauer auf Lena. Eher so, als wolle sie ihr irgendwie gefallen. Traurig, aber wahr: Die Hierarchie in diesem M�dchenrudel scheint klar zu sein, und wenn Luisa da mitmachen will, muss sie erst einmal kleine Br�tchen backen.</p><p>�Seid ihr fertig umgezogen und startklar f�r eure erste Reitstunde?� Corinna kommt herein, auch sie hat schon Reitsachen an und riecht nach Pferd. Puh, wenn Luisa nun wirklich zur Vollblutreiterin wird, muss sich meine Nase wohl auf einiges einstellen. Andererseits � w�re ich zum Jagdhund ausgebildet worden, dann w�rde ich bei diesem Geruch bestimmt an eine Fuchsjagd denken und in wilde Begeisterung ausbrechen.</p><p>Kurz darauf finde ich mich im Pferdestall wieder, wo die M�dchen ihre Ponys putzen und satteln. Als Welpe war ich hier nie, also ist es auch f�r mich ganz interessant. Luisa hat ein kleines wei�es Pony von Corinna bekommen, es hei�t Lucky, und soweit ich das beurteilen kann, sieht es sehr sanftm�tig aus.</p><p>�Hey, Kollege�, versuche ich, Lucky in ein Gespr�ch zu verwickeln, �ich hoffe, du passt gut auf Luisa auf. Sie ist wirklich ein sehr nettes M�dchen.�</p><p>Aber Lucky starrt mich blo� mit seinen gro�en Ponyaugen an und kaut weiter auf dem Heuhalm, der noch aus seinem Maul h�ngt. Na gut, dann eben kein Smalltalk. Wie meine Schwester schon so treffend anmerkte: F�r die Jagd sind Pferde toll, ansonsten langweilig.</p><p>�Mal kurz herh�ren!� Corinna von Eschersbach steht in der Stallgasse und klatscht in die H�nde. �Ich m�chte euch zwei Jungs vorstellen, die euch in den n�chsten beiden Tagen ein bisschen helfen werden. Das hier sind Lasse und Max.�</p><p>Neben ihr tauchen zwei Jungs auf, die etwas gr��er als Luisa und ihre Freundinnen sind. Der eine ist kr�ftig, hat ganz helle Haare und lauter Punkte auf der Nase, der andere hat dunkle Locken und ist sehr d�nn. Beide grinsen zu den M�dchen her�ber, die wiederum die Jungs neugierig �ber die R�cken der Ponys mustern.</p><p>�Lasse und Max kennen den Stall und die Pferde ganz genau und sind selbst tolle Reiter�, f�hrt Corinna fort, �also, wann immer ihr eine Frage zu den Ponys habt oder einen Tipp braucht, seid ihr bei den beiden bestens aufgehoben.�</p><p>Lasse kommt einen Schritt nach vorne. �Ja, M�dels, wir helfen euch gerne. Sagt einfach Bescheid.�</p><p>�Ich w�sste nicht, was ich von euch �ber Pferde lernen k�nnte�, kommt es in diesem Moment in einem sehr hochn�sigen Ton aus der Box, in dem ein etwas gr��eres schwarzes Pony steht. Lena, nat�rlich! �Ich reite schon seit drei Jahren, mein Papa sagt, dass ich eine <emphasis>exzellente</emphasis> Reiterin bin. Vor den Sommerferien gab es in meinem Reitstall ein Turnier, und in meiner Altersgruppe habe selbstverst�ndlich ich gewonnen.�</p><p>Lasse und seinem Kumpel bleibt der Mund offen stehen, und auch Corinna von Eschersbach guckt sehr erstaunt. Lena ist das egal, unbeeindruckt erz�hlt sie weiter von ihren Erfolgen in der Welt der Pferde und Ponys.</p><p>�Das Adventsreiten habe ich �brigens auch gewonnen, und demn�chst bekomme ich sowieso ein eigenes Pony, damit ich regelm��ig auf Turnieren reiten kann. Also, vielleicht fragt <emphasis>ihr</emphasis> eher <emphasis>mich</emphasis>, wenn ihr etwas wissen wollt.�</p><p>Max fl�stert Lasse etwas ins Ohr, was wie <emphasis>bl�de Pute</emphasis> klingt, und ich muss ihm Recht geben. Aber so ist es vielleicht immer mit Rudelf�hrern � Hauptsache, eine gro�e Klappe und gleich mal klarmachen, wer Chef ist. Sollte ich mir da etwas abgucken? Andererseits � welches Rudel k�nnte ich f�hren? Dass sich Marc und Caro demn�chst von mir, dem kleinen Dackelmix, erz�hlen lassen, wo die Reise hingeht, ist doch mehr als unwahrscheinlich. Ich kann also ruhig ein netter Kerl bleiben.</p><empty-line/><empty-line/><p>Nach Reitstunde und Abendessen verziehen sich die f�nf M�dchen auf ihr Zimmer. Corinna hat erlaubt, dass ich auch dort schlafen darf, also klebe ich f�rmlich an Luisa. Schlie�lich hat sie gesagt, dass ich sie mutiger mache � und Mut kann sie meiner Meinung nach in dieser Gruppe wirklich gut gebrauchen. Schon wieder f�hrt Lena das gro�e Wort, die anderen lauschen and�chtig, hin und wieder gibt ein M�dchen ein Stichwort, auf das Lena dann eine neue Geschichte erz�hlen kann. Nur Luisa bleibt die ganze Zeit �ber stumm, und ich kann mir kaum vorstellen, dass es f�r sie tats�chlich sch�n ist, das Wochenende mit dem Tussi-Club zu verbringen.</p><p>Als es drau�en schon fast dunkel ist, kommt Corinna noch einmal ins Zimmer. �Es ist jetzt kurz nach neun, und morgen wartet wieder ein aufregender Tag auf euch. Ich habe mir heute genau angesehen, wie ihr reitet, und muss sagen, ihr macht eure Sache alle sehr gut. Wenn das Wetter also morgen so gut ist wie heute, will ich mit euch ausreiten. Deswegen macht bitte gleich das Licht aus und schlaft. Gute Nacht!�</p><p>�Gute Nacht!�, schallt es im Chor zur�ck, dann macht Luisa die gro�e Deckenlampe aus, so dass es mit einem Mal ziemlich schummrig im Zimmer wird. Luisa legt sich in ihr Bett, ich h�pfe hinterher und lege mich wieder ans Fu�ende. Herrlich � von mir aus br�uchte ich zu Hause gar kein K�rbchen, sondern w�rde dauerhaft ins Kinderzimmer ziehen.</p><p>Luisa schl�ft ziemlich schnell ein, die anderen M�dchen fl�stern noch ein bisschen miteinander, dann wird es auch bei ihnen still. Ich denke noch einen Moment �ber den Nachmittag im Stall nach. Ob Luisa mich irgendwann mal auf eine Fuchsjagd mitnehmen k�nnte? Ausritt klingt doch schon mal vielversprechend, also ein bisschen wie Jagd ohne Jagd. Da m�chte ich auf alle F�lle mitkommen. Vielleicht freunde ich mich dann auch noch mit dem Kollegen Lucky an. Mit dem Gedanken an wundervolle Gespr�che zwischen Hund und Pferd schlafe ich ein.</p><p>Ein knirschendes Ger�usch weckt mich wieder. Schlaftrunken rappele ich mich hoch und versuche zu orten, aus welcher Ecke des Zimmers das Knirschen kommen k�nnte. Das ist in einem dunklen, unbekannten Raum gar nicht so einfach, aber schlie�lich bin ich mir sicher: Das Ger�usch kommt von der Seite, an der die Fenster sind. Es wird lauter, jetzt ist es ein richtiges H�mmern, gefolgt von einem Heulen. Greta wird wach und setzt sich in ihrem Bett auf, dann auch Lena und Luisa.</p><p>�Was ist das?�, fl�stert Greta in die Dunkelheit.</p><p>�Wei� nicht�, fl�stert Luisa zur�ck.</p><p>�Ich glaube, es kommt vom Fenster�, stellt Lena fest. �Greta, geh doch mal gucken.�</p><p>�Nee, ich trau mich nicht. Das klingt so gruselig!�</p><p>In diesem Moment wird das Heulen lauter, und dann taucht hinter der Fensterscheibe etwas auf, was auch einen tapferen Dackel wie mich verschreckt: ein Totenkopf! Genauer gesagt, ein Totenkopf mit einer dunklen Kapuze um den Sch�del und einer riesigen, dreizackigen Gabel in der Hand. Der Totenkopf heult jetzt ganz laut, zudem schl�gt er die Gabel gegen das Fenster. Von dem L�rm sind nun auch die anderen M�dchen wach geworden und sitzen ver�ngstigt in ihren Betten.</p><p>Keine Frage � ein Monster will die Scheiben einschlagen! Es ist gekommen, um uns zu holen! Wie aus einem Mund kreischen alle f�nf M�dchen vor Angst los, und ich kl�ffe, was das Zeug h�lt.</p></section><section><title><p>ZWANZIG</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>A</strong>lso, es hat versucht, mit einem Dreizack das Fenster einzuschlagen? Und es hat getobt und geheult?� Am n�chsten Morgen sitzt Corinna von Eschersbach mit den M�dchen am Fr�hst�ckstisch und l�sst sich noch einmal genau schildern, was in der Nacht zuvor passiert ist. Wobei nach dem Geschrei der Kinder eigentlich gar nichts mehr passiert ist, denn als Corinna und ihr Mann Gero daraufhin ins Zimmer geschossen kamen, gab es von dem Monster weit und breit keine Spur mehr.</p><p>Ich pers�nlich bin nach dieser Nacht v�llig ger�dert. Die M�dchen sind geschlossen in das Wohnzimmer von Corinna und Gero umgezogen und haben dort ein Matratzenlager aufgebaut. Von mir gewissenhaft bewacht, sind die Kinder auch irgendwann eingeschlafen, aber ich habe nat�rlich kein Auge zugetan. Immer wieder bin ich zur T�r geschlichen und habe geschn�ffelt, ob sich dort etwas Verd�chtiges tun k�nnte. Und als ich dann doch einmal kurz eingenickt bin, habe ich von glut�ugigen Monstern und anderen Schlossgespenstern getr�umt und bin sofort wieder aufgewacht.</p><p>�Vielleicht wohnt das Schlossgespenst ja schon ganz lange hier, und wir haben es irgendwie aufgeschreckt�, mutma�t Luisa jetzt. Die anderen M�dchen nicken heftig.</p><p>�Also, ich lebe bereits seit zehn Jahren auf dem Schloss, und von einem Gespenst habe ich noch nie etwas geh�rt�, versucht Corinna zu beruhigen. Damit hat sie Recht. Mir geht es genauso, und ich bin mir sicher, Opili h�tte ein Monster erw�hnt, wenn es eines gegeben h�tte. An den blassen Nasenspitzen von Luisa, Lena, Greta und den anderen kann ich allerdings ablesen, dass sie immer noch gro�e Angst haben. Mist! Dabei sollte das hier doch ein ganz tolles Wochenende f�r die M�dchen werden, damit Luisa endlich ihre Freundin wird.</p><p>�Lasst es uns doch so machen: Nach dem Fr�hst�ck gehen wir gleich zu euren Ponys r�ber. Das Wetter ist wundersch�n, wir k�nnen ausreiten. Und nach ein, zwei Stunden in der Sonne sieht die Welt bestimmt wieder viel freundlicher aus. Gero wird in der Zwischenzeit das ganze Schloss und den Hof nach dem Gespenst absuchen. Und wenn er es findet, macht er es dingfest. Was meint ihr? Gute Idee?�</p><p>Die M�dchen nicken. Erst etwas z�gerlich, dann �berzeugter. Emmi, eine kleine Blonde, die bisher fast noch gar nichts gesagt hat, macht einen weiteren Vorschlag. �Luisa, vielleicht kann dein Hund ja mit suchen helfen. Dackel sind doch Jagdhunde � wenn Herkules eine F�hrte aufnimmt, kann er sie bestimmt gut verfolgen.�</p><p>Och, n�! Das ist eine bl�de Idee. Ich will mit auf den Ausritt!</p><p>�Das ist eine gute Idee!�, mischt sich nun ausgerechnet Lena ein. �Muss doch auch einen Sinn haben, dass du den Kleinen hier mitgeschleppt hast.�</p><p>�Das macht Herkules bestimmt gerne. Nicht wahr, Herkules? Du f�ngst das Gespenst!�</p><p>Ich hab�s geahnt: Wenn die Rudelchefin es w�nscht, z�gert Luisa keine Sekunde. Sonst tue ich ihr gerne jeden Gefallen, aber muss es ausgerechnet dieser sein? Ich will auch raus und durch den Wald und die Felder laufen, Kaninchen und F�chsen nachsp�ren, kurz: mich mal wieder richtig wie ein Hund f�hlen. Aber dann sehe ich das Strahlen auf Luisas Gesicht. Zum ersten Mal an diesem Wochenende sieht sie gl�cklich aus. Es bedeutet ihr offenbar sehr viel, vor Lena gut dazustehen. Also gut: Adieu ihr Kaninchen und ihr F�chse, f�r heute habt ihr Gl�ck gehabt.</p><p>Als die M�dchen in den Stall verschwunden sind, �berlegen Corinna und Gero gemeinsam, wie sie dem Gespenst auf die Schliche kommen k�nnen.</p><p>�Was meinst du � haben die M�dchen tats�chlich etwas am Fenster gesehen? Oder hat eine schlecht getr�umt, und der Rest war allgemeine Hysterie?� Corinna schaut ihren Mann nachdenklich an, der zuckt mit den Schultern.</p><p>�Nachdem wir uns wohl einig sind, dass es hier nicht spukt, wird es eher ein Alptraum gewesen sein. Aber sicherheitshalber sehe ich mir die Sache gleich mal von au�en an. Vielleicht hat sich auch jemand einen schlechten Scherz erlaubt.�</p><p>�Danke, Gero. Das ist nett. Dann reite ich mit den Damen aus und versuche, sie auf andere Gedanken zu bringen. Nimm doch wirklich Herkules mit. Falls uns jemand einen Streich spielt, findet er vielleicht eine Spur.�</p><p>Was hei�t denn hier <emphasis>vielleicht</emphasis>? Und wieso Alptraum? Ich wei� doch, was ich gesehen habe! Kinder m�gen sich alles M�gliche einbilden � Dackel neigen nicht dazu. Es ist also bestimmt eine gute Idee, nach ein paar Spuren zu suchen. Am besten, wir fangen gleich damit an!</p><p>�Hoppla, Carl-Leopold! Du hast es ja auf einmal so eilig! Lass mich wenigstens noch die T�r aufmachen.� Gero von Eschersbach lacht und l�uft hinter mir her. So, mal sehen � wie kommen wir denn jetzt auf die andere Seite des Fensters vom M�dchenschlafzimmer? Also an die Stelle, wo das Monster gestanden haben muss?</p><p>Gero �ffnet erst die T�r zum Flur, dann die Ausgangst�r des Westfl�gels. Dieser Teil des Schlosses hat l�ngst nicht so ein eindrucksvolles Portal wie der Haupteingang in der Mitte des Geb�udes, aber ein paar Stufen m�ssen wir doch hinunter, um nach drau�en zu gelangen. Dort angekommen, geht Gero ein paar Meter an der Hauswand entlang, dann bleibt er stehen. Gut, das ist offenbar die Stelle auf H�he des Schlafzimmers.</p><p>Ich trabe auch dorthin und beginne, an dem Fleckchen Erde vor der Hauswand zu schn�ffeln. Tats�chlich nehme ich noch den Hauch einer Geruchsspur wahr. Und ich bin mir sicher: Er geh�rt zu einem Menschen, nicht zu einem Monster! Eindeutig. So riecht nur ein Mensch. Die Erkenntnis beruhigt mich. Ich meine, nicht, dass ich vor einem Monster Angst h�tte, o nein! Aber trotzdem ist mir der Gedanke an ein menschliches Wesen irgendwie sympathischer.</p><p>�Hm, was auch immer durch dieses Fenster geguckt haben mag, muss sehr, sehr gro� gewesen sein�, �berlegt Gero laut. �Denn das Zimmer liegt im Hochparterre, selbst ich kann kaum durch das Fenster schauen, und ich bin immerhin 1,90.�</p><p>Gero hat Recht. Ein echter Geist h�tte wom�glich bis zum Fenster fliegen k�nnen, aber der Mensch muss irgendwie anders dort hochgekommen sein. Ich schn�ffle noch einmal an der Stelle. Gibt es irgendeine Spur, die uns noch weiterhelfen k�nnte?</p><p>Aha. Hier ist sie wieder, meine F�hrte! Ich folge ihr von der Hauswand weg ein paar Meter weiter. Sie verl�uft in Richtung der St�lle und endet schlie�lich vor einem alten Schuppen. Ich setze mich vor dessen T�r und beginne zu bellen. Gero kommt zu mir.</p><p>�Na, hast du was gefunden? In diesem Schuppen? Mal sehen.� Er �ffnet die T�r. Direkt dahinter steht eine Leiter aus Holz. Jetzt ist mir alles klar: Der Mensch, der uns das Monster vorgegaukelt hat, ist offensichtlich auf die Leiter gestiegen, um ans Fenster zu gelangen. Die Leiter ist jedenfalls von dem gleichen Menschen angefasst worden, der auch die Spur vom Schloss hierher hinterlassen hat. Und nicht nur das: An der Bretterwand des Schuppens lehnt der Dreizack! Aufgeregt laufe ich hin�ber, belle und stupse den Stiel mit meiner Nase an.</p><p>�Hey, an dir ist ja ein echter Polizeihund verloren gegangen! Das ist doch mit Sicherheit der Dreizack, den die M�dchen gesehen haben. Eine Mistgabel! Und eine Leiter, um an das Fenster zu reichen. Also war die Monster-Attacke doch kein Alptraum. Aber wer versetzt denn hier harmlose kleine M�dchen in Angst und Schrecken?�</p><p>Tja, keine Ahnung. Ich habe mich zwar daran gew�hnt, dass Menschen unsinnige Sachen machen, aber das hier ist schon sehr seltsam. Warum sollte das jemand tun? Ich schnuppere noch ein bisschen an Leiter und Mistgabel, aber hier verliert sich die Spur. Ein Grund mehr, den d�steren Schuppen wieder zu verlassen und ein wenig an der frischen Luft herumzustromern. Auch Geros Interesse an der Monsterjagd scheint etwas abgeflaut zu sein. Jedenfalls �ffnet er die Schuppent�r und geht wieder mit mir nach drau�en.</p><p>�Was mache ich denn jetzt mit dir, Carl-Leopold? Den Ausritt hast du verpasst, und ich muss kurz in die Stadt. Wer auch immer der ungebetene Besucher war, ich kann mich momentan nicht damit besch�ftigen, um den m�ssen wir uns also sp�ter k�mmern. Denkst du, du kommst alleine klar? Du kennst dich doch hier aus.�</p><p>Ich wedele mit dem Schwanz. Klar komme ich klar. Ich brauche doch kein Kinderm�dchen. Und wenn ich schon keine Kaninchen jagen kann, will ich wenigstens meine Zeit auf dem Schloss genie�en. Vielleicht hat Charlotte Lust, etwas zu unternehmen. Gero b�ckt sich kurz und klopft mir auf den R�cken.</p><p>�Braver Hund. Bis sp�ter.�</p><p>Als Gero weg ist, laufe ich zur anderen Seite des Schlosses. Ich habe Gl�ck: Die K�chent�r steht offen, und ich kann sogar Emilias Stimme h�ren. Schnell h�pfe ich die Stufen zum Eingang hoch, ihrer Stimme und einem sehr verf�hrerischen Geruch folgend.</p><p>�Hoppla, Carl-Leopold � was machst du denn hier?� Emilia ist �berrascht, mich zu sehen, ihrem L�cheln nach zu urteilen, freut sie sich aber. Ich springe an ihr hoch und mache M�nnchen. �Ja, bist ein ganz Lieber. Warte mal, ich habe gerade ein leckeres H�hnerfrikassee f�r den alten Herrn zubereitet. Es ist noch nicht so stark gew�rzt, du kannst es gerne mal probieren.�</p><p>Sie dreht sich um, nimmt eine Sch�ssel und sch�pft etwas von dem Inhalt des gro�en Topfes, der auf dem Herd steht, hinein. Es riecht so lecker, dass mir sofort das Wasser in der Schnauze zusammenl�uft.</p><p>�Hier, guten Appetit! Es m�sste kalt genug sein, sonst musst du eben noch ein bisschen warten.�</p><p>Vorsichtig nehme ich den ersten Brocken ins Maul � herrlich! Und auch nicht zu hei�. Schnell schlinge ich den Rest hinterher, fahre mir mit der Zunge �ber die Schnauze und blicke Emilia noch einmal erwartungsvoll an.</p><p>�Was denn? Schon fertig? Na gut, einen kleinen Nachschlag bekommst du noch, aber dann ist Schluss. Sonst schimpft der Alte, wenn er das merkt!�</p><p>Sie gibt mir noch eine Portion. Ich bin im Hundehimmel, eindeutig! Seltsam, dass Charlotte immer noch so schlank ist. Muss am Trainingsprogramm vom Alten liegen.</p><p>�Jetzt f�llt es mir auch wieder ein: die L�tte vom Tierarzt verbringt das Wochenende mit den Ponys der jungen Gr�fin, richtig? Oh, da war der alte von Eschersbach �berhaupt nicht begeistert von. Aber Corinna plant schon so lange einen Ferienhof f�r Kinder, da ist das doch eine gute Gelegenheit, mal zu �ben. Ist sch�n, dass du mitgekommen bist.� Sie kniet sich neben mich und streichelt mich. Gerne w�rde ich schnurren. Ob mir Herr Beck irgendwann beibringen kann, wie er das immer hinkriegt?</p><p>�Hallo, Carli � oder soll ich <emphasis>Herkules</emphasis> sagen?�</p><p>Charlotte ist in die K�che gekommen und setzt sich neben mich.</p><p>�Hallo, Charlotte. Gerne <emphasis>Herkules</emphasis>. Ich habe mich schon so daran gew�hnt, dass mir Carl-Leopold mittlerweile selbst komisch vorkommt.�</p><p>�Ich h�re, du musst dich mit den langweiligen Ponys besch�ftigen? Du Armer.�</p><p>�Ach, ich freue mich eher, dass ich schon wieder hier bin. Au�erdem ist es �berhaupt nicht langweilig � im Gegenteil: Gestern Nacht sind wir �berfallen worden. Von einem Monster! �</p><p>Charlotte rei�t die Augen auf.</p><p>�Von einem Monster?�</p><p>�Genau! Es tauchte nachts vor dem Fenster auf und bedrohte die M�dchen. Ich habe es verbellt!�</p><p>Das stimmt zwar nicht so ganz, aber es ist auch nicht wirklich gelogen.</p><p>�Nein! Das gibt�s doch nicht! Von einem Monster habe ich hier noch nie geh�rt. Konntest du es stellen?�</p><p>Ich sch�ttle den Kopf.</p><p>�Nein, leider nicht. Aber ich habe heute zusammen mit Gero nach ihm gesucht. Und habe dabei eine sensationelle Entdeckung gemacht.�</p><p>�N�mlich?�</p><p>�Das Monster ist ein Mensch. Ich habe es gerochen.�</p><p>�Ach. Und was willst du nun unternehmen?�</p><p>�So genau wei� ich das auch nicht. Was w�rdest du denn tun?�</p><p>�Also, ich w�rde schon versuchen, den Menschen irgendwie zu schnappen. Sonst �berf�llt der die M�dchen vielleicht ein zweites Mal. Immerhin l�uft er ja noch frei herum.�</p><p>Wahrscheinlich hat Charlotte Recht. Aber wie k�nnte man das anstellen? Falls das vermeintliche Gespenst heute Nacht wieder auftaucht, m�sste ich schnell nach drau�en rennen und es schnappen. Doch wenn die M�dchen wieder schreien und es dann so schnell weg ist wie gestern, kann ich das kaum schaffen. Andererseits kann ich auch nicht von vornherein drau�en warten, ob es kommt. Denn dann kann ich nicht drinnen bei Luisa bleiben. Die aber wird heute auf keinen Fall ohne mich schlafen wollen. Und falls es doch kein Mensch, sondern ein Monster ist, muss ich die M�dchen besch�tzen k�nnen. Wie ich es auch drehe und wende: Ich m�sste schon an zwei Orten gleichzeitig sein. Und das ist unm�glich. Es sei denn �</p><empty-line/><empty-line/><p>�Alles klar, sie schlafen fest. Kannst reinkommen.�</p><p>Ich h�pfe aus Luisas Bett und mache den Platz f�r Charlotte frei, die gerade ins Zimmer geschlichen gekommen ist. Sie springt hoch und kuschelt sich ans Kopfende, genau so, wie ich dort gerade noch gelegen habe. Das war zwar ziemlich warm, hat Luisa aber wirklich beruhigt. Sollte sie nun wach werden, wird sie den Unterschied nicht merken und wieder einschlafen. Charlotte sieht mir ziemlich �hnlich, und im Dunkeln sind wir bestimmt nicht voneinander zu unterscheiden.</p><p>�Wie komme ich denn jetzt nach drau�en? Die Eingangst�r hier ist doch bestimmt verschlossen.�</p><p>�Du musst dich durch die Katzenklappe zw�ngen. Die ist ein bisschen eng, aber das schaffst du. Sie ist direkt neben dem Eingang am Hauptportal. Findest du das?�</p><p>�Ja, ich glaube schon.�</p><p>Ich flitze los. Im Dunkeln ist es zwar nicht so einfach, sich zurechtzufinden, aber nachdem sich meine Augen daran gew�hnt haben, bin ich schnell am Ziel. Da ist die Klappe: Ich halte die Luft an und ziehe den Bauch ein � uff, vielleicht habe ich wirklich zugenommen � aber dann habe ich mich ins Freie gedr�ckt. Jetzt noch zweimal um die Ecke � geschafft! Ich stehe unter dem Fenster zum Schlafzimmer.</p><p>Eine ganze Weile passiert erst einmal: nix. Ich lege mich hin. Eigentlich bin ich unglaublich m�de, vielleicht sollte ich ein Nickerchen machen. Wenn das Monster auftaucht, werde ich bestimmt von allein wach. Andererseits: Was, wenn nicht? Dann w�rde ich den Angriff verpassen, und der ganze tolle Plan mit Charlotte w�re vergebens. Nein, ich bleibe lieber wach. Zumindest versuche ich es.</p><p>Kurz bevor mir doch die Augen zufallen, passiert es endlich: Ich h�re etwas hinter dem alten Schuppen rumpeln. Irgendjemand hat die T�r ge�ffnet. Schritte � dann sehe ich zwei Gestalten mit Leiter und Mistgabel auf das Schloss zuhuschen. Und ich habe richtig geschnuppert: Die Umrisse sind eindeutig menschlich, obwohl beide Gestalten weite Umh�nge mit Kapuzen tragen. Die Bewegungen kommen mir bekannt vor, als h�tte ich sie schon einmal gesehen.</p><p>Die beiden n�hern sich, ich dr�cke mich in den Schatten der Hauswand. Jetzt lehnt der eine die Leiter ans Fenster, und mit einem Mal scheint ihm der Mond, gespiegelt durch das Fenster, genau ins Gesicht. Wie gruselig! Es ist der Totenkopf! Ich rei�e mich zusammen, um nicht wieder zu kl�ffen. F�r dieses Aussehen muss es eine ganz einfache Erkl�rung geben, denn Menschen sehen im Normalfall nicht so aus, und dieser Kollege riecht eindeutig wie ein normaler Mensch. Kein Grund zur Panik, Herkules! Aber mulmig ist mir trotzdem.</p><p>Totenkopf steigt auf die Leiter, der andere reicht ihm die Mistgabel � und nun beginnt das gleiche Spektakel wie gestern Abend, nur dass ich diesmal auf der anderen Seite des Fensters stehe. Erst kratzt Totenkopf mit der Gabel ein wenig an der Fensterscheibe, dann f�ngt er an zu heulen. Das ist mein Einsatz! Ich komme aus der Deckung, mache einen Satz auf die beiden Unholde zu und schnappe nach dem Erstbesten, was mir vor den Fang kommt. Offenbar eine menschliche Wade, denn jetzt heult nicht nur der Totenkopf, sondern auch sein Kumpan.</p><p>�Aua! Verdammt, was ist das?�</p><p>Ich h�pfe hinterher, um ihn nicht entkommen zu lassen. Dabei knurre und belle ich laut und springe an ihm hoch.</p><p>�He, lass los!� Totenkopf h�pft von der Leiter und versucht, nach mir zu greifen, aber ich bin schneller und springe einen Meter zur�ck. Die beiden Kapuzenm�nner stehen jetzt zwischen mir und dem Haus, mit dem R�cken zur Wand. In diesem Moment geht die Au�enbeleuchtung �ber dem Seiteneingang an.</p><p>�Los, lass uns abhauen, sonst kriegen wir richtig �rger!�</p><p>Das k�nnte euch so passen! Ich belle weiter so laut und furchteinfl��end, wie ich nur kann. Dabei springe ich vor den beiden auf und ab und dr�cke sie f�rmlich gegen die Wand.</p><p>�Nun lauf doch!�, ruft Totenkopfs Helfer, ohne allerdings selbst loszurennen.</p><p>�Ich trau mich nicht an dem Hund vorbei! Vielleicht hat der ja Tollwut. Und wenn wir rennen, bei�t er garantiert nochmal.�</p><p>Richtig, mein Freund. Volle Punktzahl � genau das w�rde ich tun. Bevor es aber dazu kommt, biegt Gero von Eschersbach um die Ecke. Auch er hatte offenbar auf das Monster gewartet, jedenfalls hat er eine Taschenlampe in der Hand und leuchtet die beiden Gestalten an.</p><p>�Aha, ich dachte mir doch, dass wir heute Nacht wieder Besuch bekommen. Und nun lasst mich mal raten, wer unsere G�ste sind. So, Carl-Leopold, nun ist gut. Aus und sitz.�</p><p>Ich gebe den perfekt dressierten Dackel und tue, wie mir gehei�en. Gero geht an mir vorbei und zieht Totenkopf und seinem Freund die Kapuzen von den K�pfen, und Totenkopf das b�se Gesicht gleich mit: Es ist eine Maske! Zum Vorschein kommen �</p><p>�Lasse und Max! Also wirklich! Sch�mt euch!�</p><p>Die beiden Jungs gucken schuldbewusst zu Boden.</p><p>�Was f�llt euch ein, diese kleinen M�dchen so zu erschrecken? Ich glaube, ihr habt sie nicht mehr alle. Ich dachte, ihr wolltet Corinna bei dem Ponywochenende helfen? Also, wenn die Hilfe so aussieht, dann vielen Dank!�</p><p>Nun kommen auch Corinna und die M�dchen zu uns nach drau�en.</p><p>Corinna sch�ttelt den Kopf. �Ich bin wirklich ziemlich entt�uscht von euch. Wie seid ihr auf so eine Idee gekommen? Die M�dchen hatten Todesangst.�</p><p>Lasse r�uspert sich. �Na ja, wir wollten ja auch helfen. Aber dann waren die M�dchen gleich so doof zu uns. Besonders die da!� Er zeigt auf Lena. �Da haben wir uns �berlegt, denen mal richtig Dampf zu machen. Wir dachten, dann freuen die sich vielleicht �ber uns als Besch�tzer und sind ein bisschen netter zu uns.�</p><p>Gero sch�ttelt den Kopf. �Tja, da habt ihr aber offensichtlich die Rechnung ohne den Hund gemacht. Denn wenn wir hier schon von Besch�tzern reden � Carl-Leopold hat sich heute als Ia-Schutzhund erwiesen. <emphasis>Stellen und verbellen</emphasis>. Besser kann man es nicht machen.�</p><p>Luisa kommt zu mir und nimmt mich auf den Arm. �Mein lieber Herkules! So ein toller Hund! Du bist wirklich ein Held. Vielleicht von au�en nicht der Gr��te, aber von innen bist du mindestens ein Sch�ferhund. Mindestens!�</p><p>Jetzt tritt Lena neben sie. �Du hast Recht, Luisa. Dein Hund ist wirklich ein Held. Es ist gut, dass er dabei war. Vielleicht bringst du ihn zum n�chsten Treffen vom Tussi-Club mal mit? Wir h�tten euch beide sehr gerne als Mitglieder.�</p><p>Luisa macht einen kleinen Freudensprung und dr�ckt mich noch fester. Dann fl�stert sie in mein Ohr: �Mein Heldendackel, vielen Dank f�r alles.�</p><p>Ich, ein Held? Und Mitglied in einem exklusiven Club? Ich sp�re, wie ich tats�chlich ein paar Zentimeter wachse. Und in diesem Moment kommt mir eine geniale Idee.</p></section><section><title><p>EINUNDZWANZIG</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>S</strong><emphasis>tellen und verbellen</emphasis>? Und das ist dein toller Plan? Also, vielleicht bin ich etwas begriffsstutzig, aber ich kapiere echt nicht, was du meinst.�</p><p>Gut, ich kann und will Herrn Beck nicht vorwerfen, dass er keine Schutzhundausbildung hat. Aber dass er so wenig Phantasie aufbringt und sich nicht vorstellen kann, wie mich diese Strategie ans Ziel meiner Tr�ume bringt, ist schon ein wenig entt�uschend. Vielleicht liegt es aber auch an der gro�en Hitze, die momentan herrscht. Selbst hier, im Schatten des gro�en Baumes im Garten hinter der Werkstatt, ist es kaum auszuhalten. Das schl�gt mit Sicherheit aufs Hirn. Dann muss ich wohl ein wenig weiter ausholen.</p><p>�Also: Ich habe es dir doch erkl�rt. Von dem Moment an, in dem ich die beiden B�sewichte gestellt und verbellt hatte, war ich f�r die M�dchen ein Held. Und: Ich wurde sofort in diesen exklusiven Club aufgenommen. Genauer gesagt wurde Luisa dort aufgenommen, aber das lag an mir. Was lehrt uns das? Wenn du ein Held bist, hast du bei einer Frau den Universalzugang: in ihren Club, in ihre Arme, in ihr Herz!�</p><p>�Ja, und? Das ist doch nun wirklich keine neue Erkenntnis. � Herr Beck guckt gelangweilt und streicht mit der Tatze an seinen Barthaaren entlang.</p><p>�Nat�rlich ist das eine neue Erkenntnis! Begreifst du denn nicht? Ich muss den B�sewicht stellen, dann habe ich eine Chance bei Cherie.�</p><p>�Welchen B�sewicht?�</p><p>�Sag mal, Herr Beck, hast du mir in den letzten Wochen eigentlich jemals richtig zugeh�rt? Ich habe dir doch alles haarklein erz�hlt. Von Cheries Unfall, dass der Typ mit dem Fahrrad einfach abgehauen ist, dass sie manchmal noch davon tr�umt und dass ihr Frauchen traurig ist, weil sie Marcs Rechnung nicht bezahlen konnte.�</p><p>�Stimmt. Das kommt mir jetzt irgendwie bekannt vor.�</p><p>�So, und dieser Fahrradfahrer ist mein Mann. Ich finde ihn, bringe ihn zur Strecke � und Cherie verliebt sich unsterblich in mich.�</p><p>Triumphierend schaue ich Herrn Beck an, aber in seinen Augen lese ich Zweifel.</p><p>�Also, mal ganz abgesehen davon, dass das nat�rlich ein Spitzenplan ist: Wie genau willst du denn den Typen finden? Wie du vielleicht schon bemerkt hast, ist der ein oder andere Fahrradfahrer hier in der Gegend unterwegs. Das stelle ich mir nun also gar nicht so leicht vor.�</p><p>�Hm. Dar�ber habe ich mir noch nicht so viele Gedanken gemacht. Aber am Wochenende auf Schloss Eschersbach war das jedenfalls ganz einfach.�</p><p>�Na ja, da sind die T�ter aber auch zum Tatort zur�ckgekehrt. So leicht wirst du es diesmal nicht haben.�</p><p>Stimmt. Der Kater hat Recht. In meiner Euphorie habe ich diesen Punkt nicht bedacht. Ich lasse die Ohren h�ngen.</p><p>�Aber m�glicherweise kann ich dir mit ein wenig meines neu erworbenen Wissens helfen. Um deinem Plan zum Erfolg zu verhelfen, brauchst du als Erstes ein T�terprofil.�</p><p>�Ein T�terprofil?�, echoe ich.</p><p>�Ja. Damit du wei�t, nach wem du suchst, musst du m�glichst viel �ber den Typen herausfinden. Zum Beispiel durch Spurensicherung vor Ort und Zeugenbefragung.�</p><p>�Woher hast du denn das jetzt? Ich denke, dein altes Herrchen war Anwalt, nicht Polizist. Und bei Frau Wiese hattest du damit doch auch nichts zu tun.�</p><p>Herr Beck nickt. �Deshalb sage ich doch auch <emphasis>neu erworbenes Wissen</emphasis>. Seitdem ich mit Nina zusammenlebe, habe ich schon jede Menge Fernsehen mit ihr geguckt. Ihre Lieblingssendungen sind dabei die sogenannten Krimis. Da f�ngt die Polizei mit sch�ner Regelm��igkeit Verbrecher, und dabei geht sie ungef�hr so vor, wie ich dir das gerade erkl�rt habe.�</p><p>�Ich wei� nicht. Nur weil du irgendwas im Fernsehen gesehen hast, muss das noch nicht so funktionieren. Immerhin wird Fernsehen f�r Menschen gemacht, nicht f�r Kater. Vielleicht hast du das auch falsch verstanden.�</p><p>�Wenn du eine bessere Idee hast, wie du den Kerl findest � bitte sehr, ich will mich nicht aufdr�ngen.�</p><p>�Entschuldigung. Du hast Recht. Ich habe auch keine bessere Idee. Zeugenbefragung � damit k�nnte ich doch beginnen. Wenn ich Cherie das n�chste Mal sehe, frage ich sie, ob ihr an dem Mann irgendetwas aufgefallen ist.�</p><p>�Genau. Mach das. Und sei gr�ndlich, noch das kleinste Detail kann ��</p><p>�Herkules! Komm mal rein!� Carolin hat die Terrassent�r ge�ffnet und ruft nach mir.</p><p>�Ich muss los, Kumpel. Bis demn�chst!�</p><p>�Ja. Und denk dran: Jedes Detail kann wichtig sein!�</p><p>Ich laufe zu Carolin und springe die Stufen zur Werkstatt hinunter.</p><p>�Da bist du ja schon. Braver Hund! Wir fahren kurz mit Nina zur Uniklinik. Ich habe versprochen, ihr mit dieser riesigen Kaffeemaschine zu helfen. Also komm!�</p><p>Typisch! Ich muss mit, und der Kater darf dableiben. Wieso meinen Menschen eigentlich immer, sie k�nnten einen Hund nicht allein im Garten lassen, eine Katze aber schon? Ich w�rde schon nicht abhauen. Gut, m�glicherweise w�rde ich kurz mal im Park nach den Kaninchen schauen, aber ich k�me wieder, versprochen!</p><p>Nina wartet im Treppenhaus, neben ihr ein riesiger Karton. Da muss die Kaffeemaschine drin sein, keine Frage. Caro packt mit an, unter �chzen und St�hnen schleppen die beiden das Ding aus dem Haus. Sieht ziemlich anstrengend aus, jetzt w�re ein Mann doch gar nicht schlecht. Von mir aus auch dieser Alexander aus dem zweiten Stock. Selbst wenn er Nina zu jung ist � zum Schleppen k�me er gerade recht. Aber wie sagte der alte von Eschersbach immer? <emphasis>Wer nicht will, der hat schon.</emphasis> Dann eben kein Mann f�r Nina. Die beiden Damen hieven den Karton schlie�lich in Marcs Auto, das Caro heute wohl extra f�r den Transport mitgenommen hat. Klar, mit dem Fahrrad w�re es auch schwierig geworden.</p><empty-line/><empty-line/><p>Bei der Klinik angekommen, wuchten Nina und Carolin den Karton wieder aus dem Auto raus. Gott sei Dank parkt Caro direkt vor dem Geb�ude, in dem Ninas B�ro zu sein scheint, auf alle F�lle steuern wir die T�r des Rotklinkers gleich neben dem Parkplatz an.</p><p>�Wir m�ssen in den ersten Stock, dann haben wir es geschafft.�</p><p>�Dass du dir aber auch gerade so einen hei�en Tag aussuchen musst, um das Ding in dein B�ro zu bringen. Puh!�</p><p>Caro und Nina rinnt der Schwei�, da kommt endlich jemand, um ihnen seine Hilfe anzubieten. Ein �lterer Herr mit wei�en Haaren, nicht besonders gro�, aber recht kr�ftig gebaut.</p><p>�Hallo, Frau Dr. Bogner, was schleppen Sie denn da durch die Gegend?�</p><p>�Guten Tag, Herr Professor Sommer. Das ist meine neue Kaffeemaschine.�</p><p>�Warten Sie, ich helfe Ihnen.�</p><p>�Danke, das ist nett. Ich dachte, wo sich doch die neue Arbeitsgruppe in Zukunft �fter bei mir treffen wird, w�re das bestimmt eine lohnende Investition in eine gute Arbeitsatmosph�re.�</p><p>Ninas B�ro ist nicht besonders gro�, aber immerhin gibt es neben ihrem Schreibtisch noch einen weiteren Tisch mit ein paar St�hlen. Hinter dem Schreibtisch steht ein kleines Schr�nkchen, dort platziert der freiwillige Helfer den Karton. Dann wischt er sich den Schwei� von der Stirn.</p><p>�Sehr hei� heute, wirklich. Da w�rde ein kaltes Wasser wahrscheinlich besser passen als ein Kaffee. Die Idee ist nat�rlich trotzdem gut. Ich freue mich, dass Sie die neue Aufgabe so dynamisch angehen. Und apropos: Ich habe heute auch schon einen sehr engagierten Assistenten f�r Sie eingestellt. Also, eigentlich f�r mich, aber mit der andern H�lfte seiner Stelle wird er Sie unterst�tzen.�</p><p>�Oh, das ist ja toll�, freut sich Nina, �ich dachte, wir h�tten unser Personalbudget schon �berzogen.�</p><p>Sommer nickt.</p><p>�Ja, das stimmt. Aber es handelt sich um einen meiner neuen Doktoranden. Bekommt ein Stipendium, kostet uns also nichts. Mediziner, sehr motiviert. Und er wollte unbedingt zu Ihnen.�</p><p>�Ach ja?�</p><p>�Er schien Sie zu kennen. Vielleicht hatte er als Student mit Ihnen zu tun? Vorklinik oder so? Jedenfalls war er ausgezeichnet �ber die Arbeitsgruppe informiert, da haben wir bestimmt einen guten Fang gemacht.�</p><p>�Interessant. Wie hei�t der junge Mann denn?�</p><p>�Tja, Frau Bogner. Ich und Namen, nicht? Aber ich gucke es gleich nach, wenn ich wieder im B�ro bin, versprochen. Dann rufe ich Sie an.�</p><p>�Eilt ja nicht. Aber eine Weile bin ich noch da. Wir versuchen gleich mal, die Maschine zum Laufen zu kriegen.�</p><p>Sommer verl�sst das Zimmer, und Nina und Carolin heben den Kaffeeautomaten aus dem Karton und stellen ihn wieder auf das Schr�nkchen. Den Stecker l�sst Nina in einer Dose dahinter verschwinden, dann klappt sie die Maschine auf und zieht eine Art kleinen Eimer heraus.</p><p>�Jetzt noch Wasser in den Tank � und schon k�nnen wir mit unserem ersten Cappuccino ansto�en.�</p><p>Gesagt, getan � kurz darauf halten beide eine Tasse in der Hand, die nach Kaffee duftet und ein H�ubchen aus Milch tr�gt. Riecht ganz angenehm, ist aber wahrscheinlich nichts, was mir schmecken w�rde. Nina und Caro prosten sich zu.</p><p>�Auf gutes Gelingen in deiner neuen Arbeitsgruppe!�</p><p>�Danke!�</p><p>Das Telefon auf Ninas Schreibtisch klingelt, sie hebt den H�rer ab.</p><p>�Ja? Hallo, Herr Professor Sommer! Genau. Wie hei�t er denn nun?� Sie horcht in den H�rer. �Aha. Klein. Ist ja ein Allerweltsname. Hm. Ja, schauen Sie mal.�</p><p>Einen Moment sagt Nina nichts, sie scheint darauf zu warten, dass Sommer noch etwas f�r sie heraussucht. Dann rei�t sie die Augen auf � und l�sst die Tasse, die sie noch in der anderen Hand h�lt, auf den Boden fallen!</p><empty-line/><empty-line/><p>Im Auto kann sich Nina gar nicht wieder beruhigen. �Das gibt�s doch wohl nicht! Alexander Klein! Was f�llt dem ein? So was nennt man Stalking!�</p><p>�Vielleicht ist es ja ein anderer Alexander Klein�, wirft Carolin vorsichtig ein, �so selten ist der Name nun auch wieder nicht.�</p><p>Nina schnaubt w�tend. �Das glaubst du doch wohl selbst nicht! So viele Zuf�lle gibt�s gar nicht. Und vom Alter kommt es hin.�</p><p>�Ist dein Nachbar denn auch Medizinstudent?�</p><p>�Woher soll ich denn das wissen?�</p><p>�Na, aus den wertvollen und tiefsinnigen Gespr�chen, die ihr gef�hrt habt, bevor ihr miteinander geschlafen habt.� Caro grinst. Ich kann es von meinem Platz im Fu�raum der Beifahrerseite zwar nicht sehen, aber am Ton ihrer Stimme erkenne ich es genau.</p><p>�Ha ha, sehr witzig. Wir hatten Sex, na und? Kein Grund, mich jetzt zu verfolgen.�</p><p>�Aber auch kein Grund, ihn komplett zu ignorieren. Ich hab�s dir gleich gesagt � vielleicht ist er ein bisschen verliebt in dich. Ist ja nicht strafbar. Und auch nicht so schwer zu verstehen.�</p><p>Nina sagt daraufhin nichts mehr und schweigt, bis wir wieder zu Hause angekommen sind. Dort verabschiedet sich Nina von uns und geht gleich nach oben in ihre Wohnung, Carolin und ich gehen in die Werkstatt. Sie legt ihre Handtasche auf die Kommode im Flur, dann schaut sie zu Daniel ins Zimmer.</p><p>�Ich bin wieder da!�</p><p>�Alles klar. Ich habe mir gerade einen Kaffee gekocht. M�chtest du auch einen?� Daniel guckt von seiner Werkbank hoch.</p><p>�Danke, ich habe eben einen Cappuccino mit Nina getrunken. Das hei�t, ich habe meinen getrunken, sie hat ihren fallen lassen, als sie geh�rt hat, dass ihr neuer Nachbar auch gleichzeitig ihr neuer Assistent ist.�</p><p>�Echt? So schlimm? Oder so toll?�</p><p>Caro verzieht den Mund und wiegt den Kopf hin und her. �Ich w�rde denken: Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.�</p><p>�Klingt geheimnisvoll.�</p><p>�Sagen wir mal so: Nina hatte einen heftigen Flirt mit dem Kerl und behauptet nun, er w�rde sie nerven und sei nicht ihr Typ. Aber ich kenne meine Freundin: raue Schale, weicher Kern. Wenn sie so heftig auf ihn reagiert, hat er irgendwas, was sie eigentlich gut findet, aber nicht zugeben will. Wei�t du, blo� nicht uncool werden � das ist doch Ninas Motto. Da wird sie gerne mal zum Gefrierschrank, obwohl sie jemanden mag. Oder vielleicht gerade deswegen.�</p><p>�Och, bei Marc war sie doch damals alles andere als frostig. �</p><p>�Ich wei�. Und ich glaube, das hat sie ihm bis heute nicht verziehen. Dass er sie aufgetaut hat.�</p><p>Daniel hebt die H�nde. �Also, da halte ich mich raus. Ich bin mit meiner eigenen schwierigen Freundin schon v�llig ausgelastet.�</p><p>�Echt? So schlimm?�</p><p>�Na ja. Einfach ist Aurora nicht.�</p><p>Beide lachen.</p><p>�Was h�ltst du denn davon, heute Abend mal mit einer pflegeleichten Frau ein Bierchen trinken zu gehen?�</p><p>�Eine Superidee. Blo� � wo soll ich die so schnell kennenlernen? Ich meine, ich muss hier noch arbeiten, und dann ��</p><p>�He!� Caro knufft Daniel in die Seite. �Nun mal nicht frech werden! Also, wie schaut es aus?�</p><p>�Heute Abend? Gerne. Wo?�</p><p>�Ich �berlege mir noch was. Jetzt fahr ich erst mal los, zwei Geigen ausliefern, und anschlie�end nach Hause. Bei dem sch�nen Wetter hat sich Herkules einen etwas l�ngeren Spaziergang verdient. Ich melde mich dann sp�ter bei dir.�</p><empty-line/><empty-line/><p>Es ist perfekt! Die Alster glitzert in der Nachmittagssonne, Carolin ist gut gelaunt, und endlich laufe ich mit ihr wieder eine richtig lange Runde. Klar, im Park hinter der Werkstatt geht sie oft mit mir spazieren, aber das ist nat�rlich nicht das Gleiche. Dort ist alles viel kleiner, und au�erdem kenne ich den Park mittlerweile in- und auswendig.</p><p>Der Ausflug an die Alster hat allerdings noch einen anderen unschlagbaren Vorteil: Wenn es irgendwo die Chance gibt, Cherie zu begegnen, dann hier. Und dann k�nnte ich gleich mal mit der Zeugenbefragung beginnen. Am besten lotse ich Carolin zur Hundewiese, da k�nnten wir Gl�ck haben.</p><p>Aber sosehr ich an der Leine auch in Richtung Wiese zerre, Carolin will sich erst mal ein Eis holen. Na gut, wenn es denn unbedingt sein muss! Gelangweilt warte ich, dass der Eismann ihr das H�rnchen in die Hand dr�ckt. So, nun aber los! Ich drehe mich um, will losrennen, und stolpere direkt in: Cherie!</p><p>�Hallo, Cherie! Das ist ja ein Zufall!�</p><p>Cherie legt den Kopf schief und mustert mich. �Findest du? Es ist sch�nes Wetter, es ist hei� � da ist doch der Weg zur Eisdiele an der Alster naheliegend. Jedenfalls, wenn man hier wohnt und sowieso mit dem Hund rausmuss.�</p><p>Hach, messerscharf, der Verstand dieser Frau. Sie ist eben nicht nur sch�n, sie ist auch noch schlau.</p><p>�Okay, du hast Recht. Vermutlich kann man heute noch viele Menschen und Hunde hier treffen, die man kennt. Aber gut, dass ich dich sehe. Ich wollte dich sowieso etwas fragen.�</p><p>�Dann schie� los. Die Gelegenheit ist g�nstig: Unsere beiden Frauchen haben sich gerade verquatscht.�</p><p>So ist es: Carolin und Claudia Serwe stehen ganz entspannt mit ihrem Eis in der Hand da und plaudern miteinander. Also, los geht�s mit meiner Zeugenbefragung: �Sag mal, der Typ, der dich umgefahren hat: Ist dir an dem irgendwas aufgefallen?�</p><p>Cherie sch�ttelt den Kopf. �Nein, daf�r ging es viel zu schnell.�</p><p>Hm, das ist nat�rlich nicht besonders ergiebig. Aber � nicht so schnell aufgeben, Herkules!</p><p>�Denk doch noch mal nach. Vielleicht irgendeine Kleinigkeit? Jedes Detail ist wichtig.�</p><p>�Wieso willst du denn das noch wissen? Der Typ ist doch sowieso �ber alle Berge.�</p><p>Ich ignoriere diesen v�llig berechtigten Einwand. �Bitte, Cherie, denk nach!�</p><p>�Okay. Mal sehen. Also: Er hatte eine gro�e Tasche mit Riemen �ber seiner Schulter, die Tasche selbst hing hinten auf seinem R�cken. Und ich glaube, die war schwarz.�</p><p>�Das ist doch schon mal nicht schlecht.�</p><p>�Ich habe auch kurz seine Stimme geh�rt � er hat <emphasis>Hoppla</emphasis> gerufen, als er mich fast �berfahren hat. Die klang jung, ziemlich jung. Ein junger Mann, kein alter.�</p><p>�Super, das ist gut!�</p><p>�Und dann�, Cherie scheint in ihrem Ged�chtnis zu kramen, �dann wehte noch ein Geruch hinter ihm her. Er roch irgendwie � irgendwie nach � Kaugummi oder so was.�</p><p>�Kaugummi?�</p><p>�Nein! Jetzt hab ich�s: Er roch nach Pfefferminz. Genau. Er roch nach Pfefferminz. Das war�s!�</p><p>Fahrradfahrer. Jung. Gro�e Tasche. Pfefferminz. Hier in der Gegend unterwegs. Langsam beginnt es in meinem Kopf zu rattern. Langsam, aber unaufh�rlich.</p></section><section><title><p>ZWEIUNDZWANZIG</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>D</strong>ieser Schrank muss magische Kr�fte besitzen. Denn er hat eindeutig Macht �ber Menschen. Leider nutzt er diese Macht nicht, um Gutes zu bewirken. Im Gegenteil: Schon zum zweiten Mal l�st der Kleiderschrank einen handfesten Streit zwischen Carolin und Marc aus. Wie macht er das blo�?</p><p>Ich sitze neben dem T�rrahmen zum Schlafzimmer und versuche zu verstehen, worum es bei dem Streit geht. Irgendwie um W�sche. Und wer die wohin gelegt hat, in besagtem Schrank. Es fing erst ganz harmlos an: Carolin wollte sich f�r ihr Treffen mit Daniel umziehen und hat eine bestimmte Sache nicht gefunden. Und jetzt ist sie richtig sauer auf Marc. Dabei hat der gar nichts gemacht, sondern seine Mutter. Marc wiederum ist nicht sauer, sondern klingt eher verzweifelt.</p><p>�Carolin, ich bitte dich � meine Mutter wollte sich doch nur n�tzlich machen. Ich verstehe nicht, was daran so schlimm ist.�</p><p>�Das verstehst du nicht? Ich will nicht, dass deine Mutter in meiner Unterw�sche rumw�hlt. So einfach ist das.�</p><p>�Sie hat doch nicht darin rumgew�hlt. Sie hat lediglich unseren Kleiderschrank etwas umorganisiert.�</p><p>Caro schnappt nach Luft, Marc guckt sehr ungl�cklich � und mir leuchtet der Grund f�r diesen Streit immer noch nicht ein. Also, au�er der Tatsache, dass der Kleiderschrank hier seine unheilvolle Macht entfaltet. Daran muss es liegen. Gut, ich selbst trage weder Unter- noch Oberw�sche, aber ich glaube, w�rde ich welche tragen, w�re es mir ziemlich egal, ob diese nun links oder rechts im Schrank liegt. Oder nicht? Ich schleiche mich n�her an den Schrank heran und schn�ffele, ob ich irgendwelche weiteren Indizien f�r die B�sartigkeit dieses M�belst�cks finde.</p><p>�Umorganisiert? Was f�llt dieser Frau ein? Dieser Schrank ist meine Intimsph�re. Ich bin eine erwachsene Frau, kein Teenager, dem Mutti die W�sche machen muss. Und du bist �brigens auch ein erwachsener Mann!�</p><p>Der Schrank ist <emphasis>was</emphasis>? Caros Intimsph�re? Was bedeutet das? Ob es auch etwas mit dem Revierverhalten zu tun hat, das Marc bei unserem Einzug in Sachen Kleiderschrank an den Tag gelegt hat? Das w�rde nat�rlich erkl�ren, warum Caro nun so genervt reagiert. Mit dem Sortieren der W�sche h�tte Oma Wagner dann quasi ihr Beinchen gehoben. Im Schlafzimmer. So geht�s nat�rlich nicht. Der Kleiderschrank w�re dann doch nicht magisch, sondern unschuldig. Aber warum versteht Marc das nicht?</p><p>�Caro, ich habe eigentlich keine Lust, mich jeden Tag mit dir �ber meine Mutter zu streiten.�</p><p>�Ja, glaubst du etwa, ich?�</p><p>�Nein, nat�rlich nicht. Aber ohne Sprechstundenhilfe kann ich nun mal nicht arbeiten. Frau Warnke ist von einem auf den anderen Tag ausgefallen, und die L�sung mit meiner Mutter war die einfachste.�</p><p>�Genau. F�r dich. F�r mich ist es mittlerweile eine �tzende Situation. Sie mischt sich �berall ein, sie kritisiert mich, wo sie nur kann � und nun macht sie auch noch unsere W�sche. Nee, wirklich, Marc, so habe ich mir das Zusammenleben mit dir nicht vorgestellt. Und wenn du das nicht kapierst, dann tut�s mir leid.�</p><p>�Aber, Caro, lass uns doch bitte in Ruhe dar�ber reden! Ich bin auch nicht gl�cklich mit der Situation.�</p><p>�Nix <emphasis>aber Caro</emphasis>. Ich ziehe mich jetzt um und gehe mit Daniel ein Bier trinken. Du kannst dir gerne allein Gedanken �ber die Situation machen. F�r heute habe ich die Nase voll. Komm, Herkules, du kannst mich begleiten, ich gehe zu Fu�.�</p><empty-line/><empty-line/><p>Wir landen � mal wieder � im Violetta. Offenbar kann man hier nicht nur ganz hervorragend Kaffee und Prosecco trinken, sondern auch Bier. Jedenfalls bestellt sich Caro gleich eins, kaum dass wir angekommen sind und ohne auf Daniel zu warten. Mit finsterer Miene trinkt sie es ziemlich schnell aus und bestellt sich sofort noch ein zweites. Als die Kellnerin es bringt, ist Caros Laune schon auf wundersame Weise besser geworden. Ob Bier gut f�rs Gem�t ist? Ich hoffe es sehr � nicht, dass sich Caro gleich auch noch mit Daniel streitet.</p><p>Der kommt jetzt geradewegs auf unseren Tisch zu und strahlt Carolin an.</p><p>�Hallo, Caro!� Dann guckt er nach unten. �Und hallo, Herkules, mein Freund.� Ich wedele mit dem Schwanz. �Was f�r ein netter Empfang, vielen Dank!� Er wendet sich wieder an Carolin. �Gut schaust du aus, hast du dich extra f�r mich noch umgezogen?�</p><p>Um Caros Mundwinkel zuckt es, aber sie sagt nichts weiter dazu. Offenbar will sie nicht von dem Streit mit Marc erz�hlen.</p><p>�Willst du auch ein Bier? Ich habe mir eben schon eins bestellt, ich hatte so Durst.�</p><p>�Ja, klar. F�r mich auch eins.� Sie winken der Kellnerin zu, und Daniel h�lt Caros Glas in die H�he. Die Kellnerin nickt und verschwindet.</p><p>�Bist du mit dem zweiten Cello fertig geworden?�, will Caro von Daniel wissen.</p><p>�Ja. Jedenfalls fast. Die Grundierung habe ich schon, es fehlt nur noch der Lack. Ein wundersch�nes Instrument. �berhaupt ist die ganze Sammlung toll. Ich bin echt froh, dass du mich gefragt hast.�</p><p>Caro l�chelt ihn an. �Ich hoffe doch, du bist nicht nur wegen der Sammlung froh.�</p><p>�Nein. Nat�rlich nicht. Das Sch�nste ist, wieder mit dir zusammenzuarbeiten. Auch wenn es nur f�r einen begrenzten Zeitraum ist.�</p><p>Eine Weile schweigen beide. Die Kellnerin bringt Daniels Bier und stellt es vor ihn auf den Tisch.</p><p>�Prost! Auf unsere gemeinsame Zeit!�</p><p>�Ja, Prost! Und nochmal herzlich Willkommen in Hamburg. �</p><p>Sie trinken ein paar Schlucke und stellen die Gl�ser wieder ab.</p><p>�Wie l�uft es eigentlich so in M�nchen?�, erkundigt sich Carolin.</p><p>�Och, ganz gut. Meine Werkstatt da ist nat�rlich viel kleiner als deine hier. Aber weil ich Aurora auf fast jeder Konzertreise begleite, bin ich auch viel zu selten da, um mehr zu machen. Na ja, ich bin jetzt quasi Teilzeit-Handwerker.� Er lacht, aber es klingt nicht fr�hlich.</p><p>�Und du bekommst viel zu sehen von der Welt.�</p><p>�Ja. Flugh�fen, Hotels und Konzerthallen.� Jetzt lacht Daniel nicht einmal mehr unfr�hlich. Caro schaut ihn erstaunt an.</p><p>�Aber � mit dir und Aurora ist noch alles in Ordnung, oder?�</p><p>�Ja, ja�, beeilt Daniel sich zu sagen, �alles in Ordnung. Aber es ist eben auch ein anstrengender Lebensstil, und Aurora ist keine einfache Frau. Du kennst sie ja.�</p><p>�Hm, ich glaube, ich wei� was du meinst. Trotzdem � irgendwie passt ihr gut zusammen.�</p><p>Daniel schaut Caro nachdenklich an, sagt aber erst einmal nichts, sondern nippt an seinem Bier.</p><p>�Und bei dir und dem Tierarzt�, will er dann doch wissen, �alles gut?�</p><p>�Ja. Alles gut. Oder: fast alles.�</p><p>�Fast alles? Ich dachte, ihr seid Mr und Mrs Happy.�</p><p>�Waren wir auch. Aber seit ein paar Wochen arbeitet seine Mutter als Krankheitsvertretung f�r die Sprechstundenhilfe in seiner Praxis � und die macht mich echt wahnsinnig.�</p><p>�Echt? Aber du bist doch w�hrend der Sprechzeiten gar nicht da.�</p><p>�Richtig. Aber ihr Engagement beschr�nkt sich leider nicht darauf, Marc zu assistieren, sondern sie scheint auch noch f�r den Titel <emphasis>Superhausfrau des Jahres</emphasis> zu kandidieren. Bleibt auch nach Sprechstundenende, kocht abends warm, macht mit Marcs Tochter die Hausaufgaben und hat st�ndig Verbesserungsvorschl�ge f�r mein Leben an der Seite ihres tollen Sohnes.�</p><p>�Hoppla! Kann es sein, dass sich da ein bisschen Frust angesammelt hat?�</p><p>�Also, wie w�rde es dir denn gehen, wenn du nicht nur mit Aurora, sondern auch noch mit Auroras Mutter zusammenleben m�sstest?�</p><p>Daniel verdreht die Augen. �Ich mag es mir gar nicht vorstellen! Aber was sagt denn Marc dazu? Ihn muss das doch auch nerven.�</p><p>�Ach, der tut so, als sei alles gar nicht so schlimm. Heute zum Beispiel: Seine Mutter hat es tats�chlich fertiggebracht, <emphasis>unseren</emphasis> Kleiderschrank umzusortieren. Mit <emphasis>meiner</emphasis> W�sche. Ungefragt. Ich bin explodiert � und was sagt er? <emphasis>Sie wollte doch nur helfen</emphasis>.� Carolin sch�ttelt den Kopf.</p><p>�Okay, dann musst du wohl mal ein ernsteres Gespr�ch mit ihm f�hren.�</p><p>�Ja, du hast Recht. Das habe ich bisher noch nicht gemacht. Werde ich mal nachholen. Denn ansonsten ist es sehr sch�n, mit ihm zusammenzuwohnen. Auch mit Luisa, seiner Tochter, klappt es prima.�</p><p>�Na, also! Klingt doch gut. Dann war es ja die richtige Entscheidung, ihn zu nehmen � und nicht mich.�</p><p>Oh, oh � bahnt sich hier das n�chste Krisengespr�ch an? Ich robbe ein St�ck n�her an Daniel heran, um sein Gesicht betrachten zu k�nnen. Aber Entwarnung: Er grinst. Und auch Caro l�chelt.</p><p>�Ja, das war auf alle F�lle richtig. Und mit Marc habe ich ja nicht nur <emphasis>two for the price of one</emphasis> � nein, es sind eher <emphasis>three</emphasis> oder auch <emphasis>four</emphasis>.�</p><p>�Echt?� Daniel scheint diese Bemerkung genauso wenig zu kapieren wie ich. �<emphasis>Two</emphasis> ist klar � er hat ja das Kind. Und auch <emphasis>three</emphasis> verstehe ich noch, wenn die Mutter st�ndig bei euch rumh�ngt. Aber wer bitte ist <emphasis>number four</emphasis>?</p><p>�Oh, in letzter Zeit schaut auch hin und wieder die Exfrau vorbei.�</p><p>�Na, bravo. Damit h�tte ich nun wirklich nicht mithalten k�nnen.�</p><p>�Das kannst du laut sagen. Da habe ich mir ein echtes Spitzenpaket geschn�rt.�</p><p>Erst lachen beide, dann wird Daniel wieder ernst. �Ab und zu denke ich schon dar�ber nach, warum es mit uns nicht geklappt hat. Ich habe mir das damals sehr gew�nscht.�</p><p>Caro greift �ber den Tisch, nimmt Daniels Hand und dr�ckt sie. �Ich wei�. Und ob du es glaubst oder nicht: Ich habe es mir auch gew�nscht. Aber wahrscheinlich kannten wir uns einfach zu gut.�</p><p>Jetzt nimmt Daniel Carolins zweite Hand, und von meinem Blickwinkel sieht es so aus, als w�rde er mit seinen H�nden die ihren streicheln. Vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein. Auf alle F�lle sieht es sehr vertraut aus und � z�rtlich. Ob Marc dieses Bild gefallen w�rde, wenn er die beiden jetzt sehen k�nnte? Und m�sste ich in diesem Moment nicht eigentlich genauso einschreiten wie bei Marc und Sabine? Andererseits � Sabine war mir gleich unsympathisch, Daniel dagegen sofort mein Freund. Und wahrscheinlich gibt es Dinge, die kl�ren M�nner und Frauen lieber unter sich. Ohne die Einmischung eines Dackels.</p><empty-line/><empty-line/><p>�Also, die Befragung der Zeugin hat folgendes T�terprofil ergeben: Der Gesuchte ist ein junger Mann mit gro�er Tasche, Fahrrad und rasantem Fahrstil. Des Weiteren riecht er nach Pfefferminz und h�lt sich im Gro�raum Alster auf.� Herr Beck wiederholt noch einmal mit wichtiger Miene, was ich ihm soeben �ber mein Gespr�ch mit Cherie berichtet habe. �Ein Fahrradkurier. Sehr selten in dieser Stadt. Ich w�rde sagen, der Typ ist so gut wie gefunden.�</p><p>Wenn dieser fette Kater h�misch grinsen k�nnte, w�rde er es nun mit Sicherheit tun. Aber ich habe noch ein Ass im �rmel, von dem er nichts ahnt.</p><p>�Tja, mein Lieber, das w�rde ich auch sagen. Denn ich bin selbst Zeuge. Ich habe die Zielperson schon selbst gesehen.� Ha! Das hat gesessen, Herr Beck guckt ganz sch�n doof aus der W�sche. Kein Wunder. Gerade auf meinen letzten Satz bin ich besonders stolz. Der bl�de Kater ist n�mlich beileibe nicht das einzige Haustier, das schon einmal einen Krimi im Fernsehen geguckt hat. Und bevor ich Herrn Beck �ber die neueste Entwicklung mit Cherie informiert habe, habe ich nochmal ganz tief in meinem Erinnerungsschatz an gemeinsame Fernsehabende mit Carolin gegraben. <emphasis>Zielperson</emphasis>. Ich bin ein Superdackel.</p><p>��h, du hast ihn schon mal gesehen?�</p><p>�Ja. Damals an der Alster. Als Carolin mit dem Fu� umgeknickt ist. Ein junger Mann hat ihr ins Caf� geholfen, sie konnte ja kaum noch laufen. Und auf diesen Herrn passt die Beschreibung perfekt. Er war auch genauso frech, wie man wahrscheinlich sein muss, um wehrlose Retrieverdamen umzufahren. Hat gleich an Carolin rumgegraben. Bei der hatte er nat�rlich keine Chance. Egal � ich bin mir sicher, das ist unser Mann.�</p><p>Herr Beck guckt sehr zweifelnd. �Ich wei� nicht. So sensationell einzigartig ist das T�terprofil nun auch wieder nicht. Das passt bestimmt auf ein paar mehr Leute.�</p><p>Der nun wieder! Immer diese negative Art! Aber davon lasse ich mich gar nicht ersch�ttern.</p><p>�Gut, es mag sein, dass ich falschliege. Aber was spricht dagegen, den Kerl zu suchen? Ich erkenne ihn bestimmt wieder. Und wenn wir ihn haben, organisieren wir eine <emphasis>Gegen�berstellung</emphasis> .� Noch so ein tolles Wort. Und tats�chlich scheint Herr Beck nun ein bisschen beeindruckt. Jedenfalls murmelt er <emphasis>Gegen�berstellung</emphasis> in seinen Schnurrbart und streicht sich mit einer Tatze �ber die Barthaare.</p><p>�Gut�, befindet Beck, als er sich genug um seinen Bart gek�mmert hat, �ich habe dir vom T�terprofil berichtet. Kommen wir nun zu etwas, das der Fachmann als Bewegungsprofil bezeichnet.� Mist. Beck trumpft wieder auf, und ich habe kein weiteres Fachwort, das ich noch verbraten k�nnte. Offenbar sieht er mir an, dass ich nicht wei�, was damit gemeint sein k�nnte, denn er setzt in sehr g�nnerhaftem Ton zu einer Erkl�rung an. �Unter dem Bewegungsprofil verstehen wir einen durch Datensammlung erstellten Datensatz, der es uns erm�glicht, die Bewegungen und damit auch die Aufenthaltsorte einer Person nachzuvollziehen und zu �berwachen. Gerade bei einem Fahrradkurier ein wichtiges kriminalistisches Werkzeug.�</p><p>H�? Ich verstehe kein Wort. Datensatz? Datensammlung? Das kann sich Herr Beck unm�glich durch ein paar gemeinsame Fernsehstunden mit Nina angeeignet haben. Langsam werden mir Katzen unheimlich.</p><p>�Gut, dann jetzt mal f�r Hunde: Du hast ihn gesehen, Cherie hat ihn gesehen. Dann �berlegen wir doch mal, wann und wo das jeweils war, und vielleicht haben wir so eine Chance herauszufinden, wo man ihn eventuell wiederfindet.�</p><p>�Ach so. Sag das doch gleich. Also ich habe ihn an der Alster getroffen, und Cherie wurde direkt vor der Haust�r �berfahren. Das ist aber auch in der N�he der Alster. Insgesamt also alles nicht weit von hier.�</p><p>�Okay. Dann spricht doch einiges daf�r, dass dieser Kurier hier sein Revier hat. Viele Kunden, die an der Alster wohnen und von ihm regelm��ig beliefert werden. Wenn wir uns also eine Zeitlang an den Hauptverkehrsadern hier in der Gegend tummeln, sollten wir ihn finden.�</p><p>Klingt einfach und logisch � hat aber einen entscheidenden Haken: Ich kann mich nicht einfach tummeln. Wenn ich mal verschwinde, wird gleich nach mir gefahndet. Herr Beck seufzt.</p><p>�Gut, dann m�ssen wir eben immer dann losziehen, wenn Carolin wirklich gut besch�ftigt ist und denkt, dass wir im Garten sind. Und hoffen, dass wir ein bisschen Gl�ck haben.�</p><p>Ich bin skeptisch. Es war zwar mein eigener Plan, aber wenn Beck ihn so vortr�gt, bin ich nicht mehr ganz so �berzeugt von ihm. Nett ist allerdings, dass Beck schon in der <emphasis>Wir</emphasis>-Form davon spricht. Offensichtlich will er mir helfen. Er ist eben doch ein echter Freund.</p><p>�So, und nun habe ich Hunger. Ich werde mal schauen, ob Nina schon etwas Sch�nes in meinen Fressnapf gef�llt hat.�</p><p>Kein Wunder, dass Beck immer fetter wird. Wann der wohl das letzte Mal sein Essen selbst gejagt hat? Andererseits: meist f�llt bei Nina etwas f�r mich mit ab. Ich werde Beck also begleiten.</p><p>Im Treppenhaus treffen wir tats�chlich auf Nina. Allerdings ist sie weit davon entfernt, sich Gedanken �ber Becks Verpflegung zu machen: Sie steht auf halber Treppe zwischen dem ersten und zweiten Stock und streitet sich mit Alexander Klein. Beck und ich hocken uns auf die erste Stufe des Absatzes und beobachten das Spektakel.</p><p>�Was soll das? Ich habe dir gesagt, dass ich dich nicht weiter treffen will. Und was machst du? Bewirbst dich f�r meine Arbeitsgruppe.�</p><p>�Na und? Ist ja ein freies Land mit freier Berufswahl. Oder ist es dir unangenehm, mit mir zusammenzuarbeiten?�</p><p>�Quatsch. Aber ich brauche Mitarbeiter, die an dem Projekt interessiert sind, nicht an mir.�</p><p>�Wer sagt dir denn, dass ich nicht an dem Projekt interessiert bin? Lass dir doch mal von Sommer meine Bewerbungsunterlagen geben. Ich glaube kaum, dass du einen besseren Assistenten findest. Ich bin n�mlich ziemlich gut.�</p><p>Jetzt muss Nina grinsen. Warum eigentlich?</p><p>�Das wei� ich, Alexander. Aber darum geht�s hier nicht.�</p><p>�Ach. Und worum geht es dann?�</p><p>�Das wei�t du ganz genau.�</p><p>�Nee. Erkl�r�s mir.�</p><p>Die beiden starren sich an. Nina r�uspert sich. �Gut. Was muss ich tun, um dich nicht mehr zu sehen?�</p><p>�Gib mir eine Chance. Geh mit mir essen. Verbringe vierundzwanzig Stunden mit mir. Und wenn du mich dann immer noch loswerden willst, verspreche ich, mich in Luft aufzul�sen.�</p><p>�Okay. Also vierundzwanzig Stunden?�</p><p>Alexander nickt.</p><p>�Vierundzwanzig Stunden.�</p><p>�Abgemacht.�</p></section><section><title><p>DREIUNDZWANZIG</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>N</strong>och so ein Tag, und ich schmei�e hin. Meine Augen tr�nen, und meine Nase ist von dem Gestank der Autos schon richtig geschwollen. Das ist das Schlimmste! Abgesehen von meinen tauben Ohren, die nun seit mehreren Tagen den Krach von vorbeiknatternden Wagen und Motorr�dern ertragen m�ssen. Und das alles ohne jeden Erfolg. Ich beginne zu jaulen.</p><p>�Ehrlich, Herkules, jetzt rei� dich mal zusammen! Ich habe dir gleich gesagt, dass so eine Fahndung kein Zuckerschlecken ist.�</p><p>Herr Beck guckt mich streng an.</p><p>�Aber ich kann nicht mehr! Dieser ganze Verkehr macht mich fertig!�, verteidige ich mich.</p><p>�Nun sei doch nicht so weinerlich! Hart in der Sache und gegen sich selbst � das ist das Erfolgsrezept des wahren Kriminalisten.�</p><p>Das sagt nun gerade der Richtige. Sonst ist es doch immer Beck, der rummeckert. Und au�erdem bin ich ein Dackel, kein Kriminalist. Ich wei� ja nicht mal genau, was das Letztere �berhaupt bedeutet.</p><p>�Beck, vielleicht ist unser Plan einfach gescheitert, und wir sollten nach Hause gehen.�</p><p>�Quatsch. So schnell willst du doch wohl nicht aufgeben. Denk an deine gro�e Liebe � f�r eine H�ndin finde �brigens selbst ich sie recht attraktiv und sportlich, wenn sie jeden Tag auf der Hundewiese trainiert. Ich muss sagen: Geschmack hast du.�</p><p>Tats�chlich hat unser bisheriger Einsatz zumindest dazu gef�hrt, dass Beck Cherie kennengelernt hat, als sie gestern mit ihrem Frauchen zur Hundewiese spazierte. Sie war sichtlich erstaunt, mich ohne Mensch, daf�r aber in Begleitung eines Katers anzutreffen.</p><p>�Wahrscheinlich findet mich Cherie jetzt erst recht wunderlich. Wir h�tten ihr schon mal von unserem Plan erz�hlen sollen.�</p><p>�Auf keinen Fall. Der ist streng geheim. Und nun mach dir nicht so viele Sorgen. Denk einfach daran, was f�r ein Held du sein wirst, wenn du ihr den Schurken auf dem Silbertablett pr�sentierst.�</p><p>�Genau: <emphasis>wenn</emphasis>. Ich meine, seit fast einer Woche h�ngen wir in jeder freien Minute hier rum � und von dem Typen keine Spur.�</p><p>�Ach, der wird schon kommen. Und unser Beobachtungsposten ist perfekt: Hier muss eigentlich jeder vorbei, der von Cheries Haus zur Alster will. Du siehst doch, wie viel hier los ist.�</p><p>Keine Frage, das sehe ich. Und riechen und h�ren tue ich es leider auch. Ich seufze und frage mich, ob ich unseren Kandidaten schon verpasst habe. Vielleicht ist er so schnell gefahren, dass ich keine Witterung aufnehmen konnte. Andererseits � die Stelle ist von Beck tats�chlich perfekt gew�hlt. Denn an der neben uns liegenden Kreuzung m�ssen alle, die Richtung Alster wollen, abbiegen, werden also langsamer oder halten ganz an. W�re der Kurier an mir vorbeigekommen, h�tte ich ihn bemerken m�ssen. Ich beschlie�e, der Sache noch eine letzte Chance zu geben. Ohnehin m�ssen wir gleich wieder in die Werkstatt zur�ck. Zu lange k�nnen wir nicht auf unserem Posten bleiben, denn sonst w�rde Carolin merken, dass ich gar nicht mehr mit Beck im Garten bin.</p><p>�He, guck mal, ist das unser Mann?�</p><p>W�hrend mich diese Bemerkung von Beck noch vor drei Tagen elektrisiert h�tte, wende ich jetzt nur kurz den Kopf. Es ist immerhin das ungef�hr f�nfhundertste Mal, dass Herr Beck einen Verd�chtigen sichtet.</p><p>Von unserem Blickwinkel aus sieht der Fahrradfahrer allerdings schon sehr nach dem Typen aus, den wir suchen. Ich m�sste mal an ihm schnuppern. Ich trabe n�her an den Bordstein zur Stra�e � und habe endlich mal Gl�ck: Die Ampel springt offensichtlich gerade auf Rot, jedenfalls h�lt der Mann direkt neben mir. Ich schn�ffele an dem Bein hoch, das er praktischerweise direkt vor meiner Nase abgestellt hat: Pfefferminz! Nun bin ich wirklich elektrisiert.</p><p>�Beck! Ich glaube, das ist unsere Zielperson! K�nnte es zumindest sein!�</p><p>�Bist du sicher?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Okay. Zugriff!�</p><p>Mit diesem Kommando beginnt Teil zwei unseres Plans. Und ich hoffe sehr, dass wir uns dabei nicht alle Knochen brechen. Immerhin steht unser Mann schon, das erleichtert das Vorhaben immens. In voller Fahrt w�re alles deutlich gef�hrlicher, aber auch dann h�tten wir versucht, was wir nun in die Tat umsetzen.</p><p>Wie vorher tausendmal besprochen, l�uft Herr Beck zum Fahrrad, springt auf das Vorderrad und krallt sich in den Reifen. Dann passiert tats�chlich das, was er vorausgesagt hatte: Der Typ steigt von seinem Fahrrad ab.</p><p>�Sach mal, bist du irre, du Viech? Geh weg von meinem Fahrrad, los!�</p><p>Ah! Die Stimme! Jetzt habe ich �berhaupt keinen Zweifel mehr � der Kurier ist der Typ von der Alster. Und bestimmt ist er auch der Verkehrsrowdy, den wir suchen.</p><p>�He, weg da!�</p><p>Aber Herr Beck denkt gar nicht daran, dieser Aufforderung zu folgen. Stattdessen attackiert er den Vorderreifen, als h�tte er es mit einer sehr appetitlichen Maus zu tun. Ich schleiche mich von hinten an die beiden heran. Der Mann beugt sich zu Beck, versucht ihn zu verscheuchen. Aber noch hat er leider seine Tasche nicht abgelegt. Beck macht also weiter und versucht, einen Kampf zu provozieren. Er bei�t in den Reifen, faucht und kreischt, was das Zeug h�lt. Der Kurier wiederum versucht, ihn von dem Fahrrad wegzuziehen, hat aber deutlich Respekt vor Becks Krallen. Und dann, endlich, endlich, nimmt er seine Tasche von der Schulter, um sich beim Kampf mit Beck besser bewegen zu k�nnen.</p><p>Als er sie neben sich auf den B�rgersteig gestellt hat und sich wieder zu Beck umdreht, schleiche ich so unauff�llig wie m�glich in Richtung Tasche. Nicht dass der Typ noch merkt, dass er es in Wirklichkeit mit zweien von uns zu tun hat. Ich packe die Tasche und ziehe sie vorsichtig weg. Gott sei Dank ist sie nicht besonders schwer. Beck besch�ftigt den Mann derweil, so gut er kann. Schlie�lich brauche ich ein bisschen Vorsprung, um nicht gleich geschnappt zu werden. Ich halte nach dem n�chsten Geb�sch Ausschau. Dorthin schleppe ich meine Beute und gucke vorsichtig durch die Bl�tter. Bisher funktioniert unser Plan: Der Mann hat das Fehlen der Tasche noch nicht bemerkt und versucht inzwischen, mit seinen durch die Hemds�rmel gesch�tzten H�nden Beck von dem Fahrradreifen zu ziehen. Verdeckt durch die Str�ucher, laufe ich immer weiter von den beiden weg.</p><p>Ich renne mittlerweile so schnell, wie ich es mit einer Tasche im Maul eben kann. Einfach ist das nicht, mein Nacken ist schon ganz steif, aber die Angst, erwischt zu werden und eine Riesenmenge �rger zu kriegen, treibt mich voran. Noch zwei Ecken � dann bin ich endlich im Park vor unserem Haus. Ich halte kurz an und drehe mich um: Niemand folgt mir. Mir f�llt ein ziemlich gro�er Stein vom Herzen, denn wer Hunde mit dem Fahrrad auf die Stra�e schubst, hat bestimmt auch wenig Skrupel, Dackeln das Fell �ber die Ohren zu ziehen. Ich hoffe nur, dass die Kuriertasche auch wirklich die Informationen enth�lt, die wir brauchen. Sonst war alles umsonst.</p><p>Am Haus angekommen, schleppe ich die Tasche nicht in die Werkstatt, sondern versteckte sie hinter einem der Blumenbeete. Aus der Werkstatt klingt Musik. Carolin spielt auf einer Geige. Sehr gut. Offenbar hat sie mich noch nicht vermisst. Ich lege mich unter den gro�en Baum und warte auf Beck. Hoffentlich ist bei ihm auch alles glattgegangen � immerhin tut er das nur mir zuliebe.</p><p>Bevor ich mir aber weiter Sorgen um ihn machen kann, kommt Beck schon l�ssig in den Garten geschlendert. Ein wenig zerzaust sieht er aus, aber alles in allem wie ein strahlender Sieger. Er legt sich neben mich und reckt und streckt sich gen�sslich.</p><p>�Gut, dass du wieder da bist! Ich hatte schon ein bisschen Angst, dass du mit dem Typen noch m�chtig �rger bekommen hast.�</p><p>�Ach was! Mit einem unbewaffneten Menschen werde ich doch leicht fertig. Du solltest den mal sehen � ein paar Schrammen hat er schon abbekommen. Aber nun zum Wichtigsten: Hast du die Tasche?�</p><p>�Ja, sie liegt hinter dem Beet.�</p><p>�Sehr gut. Dann gibt es jetzt nur noch eine Schwierigkeit.�</p><p>�Echt? Welche denn?�</p><p>�Wie kriegen wir die Tasche zu Cheries Frauchen?�</p><p>Stimmt. Das ist noch ein klitzekleines Hindernis. Ansonsten hat der Plan bisher perfekt funktioniert. Wir haben dem Verbrecher tats�chlich die Tasche geklaut, und nach Becks Kenntnissen von menschlichen Taschen und Koffern d�rfte sich darin eine Information �ber ihren Eigent�mer befinden. Wenn Cheries Frauchen also in die Tasche hineinschaut, wird sie herausfinden, wem diese geh�rt, und sie ihrem Besitzer zur�ckgeben wollen. Dabei wird sie erkennen, dass sie den Schurken vor sich hat, der den Unfall mit Cherie verursacht hat, und wird ihm das Geld f�r die Operation abkn�pfen. Und Cherie wird mich lieben, weil ich ein Held bin. Es ist einfach eine strategische Meisterleistung von Beck! Auch wenn wir noch nicht ganz am Ziel sind: Ich bin trotzdem stolz auf den Kater.</p><p>�Wei�t du, Beck, das wird uns auch noch einfallen.�</p><p>�Ah, ich mag es, wenn du optimistisch bist.�</p><p>�Danke. Und wei�t du noch was? Du bist ein echter Freund. Ich bin froh, dass es dich gibt.�</p><empty-line/><empty-line/><p>�Wie geht es eigentlich deinem neuen Mitarbeiter?�, will Carolin von Nina wissen, als diese sp�ter am Tag auf einen Kaffee in der Werkstatt aufkreuzt.</p><p>�Och, ich glaube, ganz gut.�</p><p>�So, glaubst du.�</p><p>�Ja�, erwidert Nina knapp. Das ist ungew�hnlich. Normalerweise redet sie doch gerne �ber M�nner.</p><p>�Du musst ihn jetzt eigentlich gut behandeln, sonst nennt man das Bossing und ist bestimmt ein Fall f�r die Gleichstellungsbeauftragte. Nicht, dass die Arbeitsgruppe noch darunter leidet.�</p><p>�Ha, ha. Sehr witzig. Woher denn das pl�tzliche Interesse f�r meine Arbeitsgruppe?�</p><p>�Na, du bist schlie�lich meine Freundin. Mich interessiert brennend, wie es beruflich so bei dir l�uft.�</p><p>�Aha. Wie es <emphasis>beruflich</emphasis> l�uft. Na klar. Gegenfrage: Wie l�uft es denn bei dir so <emphasis>beruflich</emphasis> � mit dem Kollegen Carini?�</p><p>�Och. Gut.� Nun ist es an Carolin, einsilbig zu sein.</p><p>�Soso. Gut ist gut.�</p><p>�Ja. Gut ist gut. Aber was h�ltst du denn davon, wenn wir uns heute Abend auf ein Glas Wein treffen? Ich habe Marc versprochen, Luisa sp�ter vom Flughafen abzuholen, aber danach h�tte ich Zeit. Dann k�nnten wir uns doch mal ausf�hrlich �ber unser berufliches Fortkommen austauschen.� Carolin grinst.</p><p>�Eigentlich eine sehr gute Idee. Aber heute habe ich leider keine Zeit. Bin schon verabredet.�</p><p>�Aha? Habe ich da etwas verpasst?�</p><p>�Nein. Ein rein gesch�ftlicher Termin.�</p><p>�Abends?�</p><p>�Ja. Ein 24-Stunden-Versuchsaufbau. Ganz neues Studiendesign.�</p><p>�Schade. Dann w�nsche ich fr�hliches Forschen.�</p><p>�Danke.�</p><p>Nina trinkt ihren Kaffee aus und geht. Dabei gibt sie sich fast mit Daniel die Klinke in die Hand, der in diesem Moment in die Werkstatt kommt.</p><p>�Hallo, Nina! Musst du schon los?�</p><p>�Ja, leider, die Pflicht ruft.�</p><p>�Nina absolviert heute einen vierundzwanzigst�ndigen Versuch�, erkl�rt Carolin.</p><p>�Echt? Wow. Dann viel Erfolg!�</p><p>�Ja, den kann ich brauchen. Tsch�ss!�</p><p>Nina schlie�t die T�r hinter sich, und Daniel stellt den gro�en Cellokasten, den er gerade noch in der Hand gehalten hat, im Flur ab.</p><p>�Gibt es eigentlich Neuigkeiten von ihrem Nachbarn? Hat sie sich von dem Schock, dass er bei ihr arbeitet, erholt?�</p><p>Carolin zuckt mit den Schultern. �Schwer zu sagen. Da l�sst sich Nina nicht in die Karten gucken. Ich wollte mich heute Abend mit ihr verabreden, aber leider muss sie arbeiten. Na, ich werde es schon noch herausfinden. Aber mal was ganz anderes: Wie war es denn bei Lemke? Hat ihm die erste Restauration gefallen?�</p><p>�Ja, er war begeistert. Ehrlich. Au�erdem hatte er noch ein paar wertvolle Anregungen f�r die Sammlung. Ich bin jetzt noch motivierter als ohnehin schon � es macht Spa�, f�r jemanden mit so viel Sachverstand zu arbeiten.�</p><p>�Finde ich auch. Ich w�rde �brigens gleich gerne von <emphasis>deinem</emphasis> Sachverstand profitieren. Bei der Geige, die ich momentan bearbeite, bin ich an einer heiklen Stelle angelangt. Kannst du dir das mal anschauen?�</p><p>�Klar, mache ich.�</p><p>Die beiden verschwinden in Richtung Werkbank, und ich beschlie�e, mich ein bisschen in meinem K�rbchen im Flur auszuruhen. Der Tag war doch sehr anstrengend, und die Taschenentf�hrung hat mich ziemlich mitgenommen. Au�erdem muss ich die ganze Zeit dar�ber nachdenken, wie wir die Tasche nun m�glichst schnell zu Claudia Serwe schaffen.</p><p>Vielleicht f�llt mir im Schlaf etwas dazu ein. Ein kleines Nickerchen k�me mir ganz recht. Bevor mir die Augen zufallen, �berlege ich noch kurz, ob Ninas 24-Stunden-Experiment etwas mit Alexander Klein zu tun haben k�nnte. War da nicht auch von 24 Stunden die Rede?</p><empty-line/><empty-line/><p>Luisa kommt an der Hand einer jungen Frau, die eine Art Uniform tr�gt, durch die gro�en Glasschiebet�ren am Flughafen. Sie sieht uns, l�sst die Frau los und st�rzt auf uns zu.</p><p>�Carolin, Herkules! Das ist aber sch�n, dass ihr mich abholt! �</p><p>Sie f�llt Caro um den Hals, die dr�ckt das M�dchen herzlich.</p><p>�Das mach ich doch gerne. Ich war sogar ganz froh, dass Marc heute eine Fortbildung hat und ich einspringen konnte. Wie war es denn in M�nchen?�</p><p>�Och, das Fest bei Oma Burgel war ein bisschen langweilig. Das Beste war eigentlich, dass ich deswegen nicht zur Schule musste.�</p><p>Die Frau in der Uniform mischt sich ein. �Sind Sie Frau Neumann?�</p><p>�Ja, genau. Ich hole Luisa ab.�</p><p>�K�nnen Sie sich ausweisen?�</p><p>�Sicher.� Carolin h�lt der Dame ein K�rtchen unter die Nase.</p><p>�Alles klar. Dann noch einen sch�nen Abend!�</p><p>�Danke.�</p><p>Gemeinsam laufen wir zum Ausgang.</p><p>�Na, Luisa, haben die sich denn gut um dich gek�mmert an Bord?�, will Carolin wissen.</p><p>�Klar. Und einige von denen kennen mich ja. Mama ist doch auch Stewardess. Also bin ich fast Profi.�</p><p>Carolin lacht. �Dann ist ja gut. Gib mir doch deinen Koffer. Was hast du denn da alles drin? Der ist ja viel schwerer als auf dem Hinweg.�</p><p>�Oma hat mir noch ein paar Sachen gekauft. Und Mama hat mir auch noch etwas f�r Papa mitgegeben.�</p><p>�Aha. Was denn?�</p><p>�Ein Buch. Sie sagt, da hat sie sich neulich mit Papa dr�ber unterhalten, als sie ihn in Hamburg besucht hat.�</p><p>�Sie hat ihn in Hamburg besucht? Wann war denn das?�</p><p>Caros Stimme bekommt auf einmal einen ganz seltsamen Unterton, der mir �berhaupt nicht gef�llt. Aber Luisa bemerkt ihn nicht und plappert munter weiter. �Wei� nicht genau. Neulich irgendwann. Sie waren zusammen essen, wei�t du, in dem Caf�, in das du auch immer so gerne gehst. Da hast du mir mal ein Eis gekauft.�</p><p>�Im Violetta?� Carolin klingt tonlos.</p><p>�Genau.�</p><p>Auf der Fahrt nach Hause sagt Carolin fast gar nichts mehr. Daf�r unterh�lt sich Luisa mit mir, krault mich hinter den Ohren und wird nicht m�de, mir zu versichern, wie toll der Tussi-Club ist und wie froh sie ist, wieder in Hamburg zu sein.</p><p>Carolin tr�gt Luisas Koffer nach oben und legt ihn auf ihr Bett. Sie setzt sich neben Luisa auf den Fu�boden und guckt das Kind nachdenklich an.</p><p>�Luisa, darf ich das Buch f�r Papa mal sehen?�</p><p>�Logo.� Sie �ffnet ihren B�rchenkoffer, kramt darin herum und gibt Caro schlie�lich ein Buch. Die nimmt es, guckt auf den Titel und schl�gt die erste Seite auf. Neben den ganz geraden, dunklen Buchstaben hat offenbar jemand etwas in das Buch gemalt oder geschrieben � das ist f�r mich schwer zu unterscheiden.</p><p>�Sag mal, Luisa, Papa m�sste in einer halben Stunde wieder da sein. Ich muss noch etwas in der Werkstatt erledigen. Meinst du, du kannst so lange allein bleiben?�</p><p>Luisa nickt.</p><p>�Klar, kein Problem.�</p><p>Caro steht vom Boden auf. �Komm, Herkules. Lass uns nochmal los.�</p><p>Ich habe auf einmal ein ganz, ganz ungutes Gef�hl. Fast ein bisschen so wie an dem Tag, als mich der alte von Eschersbach in einen Karton setzte und ins Tierheim fuhr.</p></section><section><title><p>VIERUNDZWANZIG</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>K</strong>ein Zweifel: Daniel ist mehr als �berrascht, uns hier zu sehen. Er �ffnet die T�r zu seinem Hotelapartment, und seine Lippen formen ein lautloses <emphasis>Oh</emphasis>.</p><p>�Darf ich reinkommen?� Carolin hat schon im Auto geweint, und man h�rt es ihr deutlich an. Daniel macht die T�r weit auf und legt seine Hand auf Caros Schulter.</p><p>�Um Gottes willen, was ist denn los?�</p><p>�Hier, lies selbst!�</p><p>Sie dr�ckt ihm das Buch in die Hand. Er studiert den Titel und liest laut vor. �<emphasis>Die zweite Chance. Ehekrisen �berwinden, zueinanderfinden.</emphasis> Aha. Muss mir das irgendetwas sagen?�</p><p>Er schl�gt das Buch auf und liest weiter. �<emphasis>Lieber Marc! Hast du dar�ber nachgedacht? Wie hast du dich entschieden? Ruf mich an. In Liebe, Sabine.</emphasis>�</p><p>Er r�uspert sich.</p><p>�Okay. Nicht ganz unverf�nglich. Aber vielleicht schon �lteren Datums? Bevor du ihn kanntest?�</p><p>Caro sch�ttelt den Kopf und geht an Daniel vorbei in das kleine Wohnzimmer hinter dem Flur.</p><p>�Darf ich mich setzen?�</p><p>�Klar, entschuldige. Setz dich. Ich hatte irgendwie nicht mit Besuch gerechnet, aber du bist mir immer willkommen.�</p><p>�Danke.�</p><p>�Willst du etwas trinken?�</p><p>�Wenn du etwas mit Alkohol hast, gerne.�</p><p>O je. Alkohol. Mit Alkohol und Liebeskummer habe ich bei Carolin schon mal ganz schlechte Erfahrungen gemacht. Als wir damals endlich Thomas losgeworden waren, hat sie davon so viel getrunken, dass sie im Krankenhaus gelandet ist. Ich hoffe also, dass Daniel ihr jetzt nur einen Tee anbieten kann.</p><p>�Tja, mal sehen, was die Minibar hergibt.�</p><p>Er geht zu einem Schrank und �ffnet ihn. Die Flaschen, die zum Vorschein kommen, sind zwar ziemlich klein, sehen ansonsten aber genauso aus wie die, in denen die Menschen f�r gew�hnlich Alkohol aufbewahren. Mist. Na, immerhin passt nicht so viel davon in eine Miniflasche.</p><p>�Also, ich kann dir anbieten: Sekt, Wei�wein, Rotwein, Bier, Whisky, Gin und Cognac.�</p><p>�Okay, bitte genau in dieser Reihenfolge.�</p><p>Beide m�ssen lachen. Ich verstehe zwar nicht, was daran lustig sein soll, bin aber erleichtert, dass Carolin �berhaupt noch lachen kann. Daniel nimmt zwei Gl�ser, �ffnet eine der kleinen Flaschen, gie�t ein und setzt sich neben Carolin.</p><p>�Du glaubst also nicht, dass das ein �lteres Geschenk ist? Die Widmung hat immerhin kein Datum.�</p><p>�Nein. Sie hat das Buch Luisa erst heute mitgegeben. Und sie hat Marc getroffen. Erst vor ein oder zwei Wochen. Und er hat mir nichts davon erz�hlt.�</p><p>�Aber kann das nicht noch etwas anderes bedeuten? Ich meine <emphasis>hast du dar�ber nachgedacht</emphasis> � vielleicht meint das irgendetwas mit dem Kind oder so. Das hei�t doch m�glicherweise gar nicht das, was du denkst.�</p><p>Carolin nimmt einen tiefen Schluck aus ihrem Glas. �Ja, und den Weihnachtsmann gibt�s bestimmt auch. Mensch, Daniel: <emphasis>Die zweite Chance</emphasis> � dar�ber soll er nachdenken. Das liegt doch auf der Hand. Sie haben dar�ber gesprochen, es wieder miteinander zu versuchen.� Noch ein Schluck, dann schluchzt Caro. Daniel legt den Arm um ihre Schulter.</p><p>�Caro, das kann ich mir nicht vorstellen. Das muss ein Missverst�ndnis sein.�</p><p>Daniel, du hast ja so Recht! Mir wird in diesem Moment klar, was es mit dem Buch und der Widmung wirklich auf sich hat. Ich erinnere mich an das Treffen von Marc und Sabine im Violetta. Stimmt, sie hatte damals schon von dem Buch erz�hlt. Und dann hat sie sich entschuldigt. Wof�r eigentlich? Das wei� ich nicht mehr genau. Auf alle F�lle wollte Marc dar�ber nachdenken, ob er die Entschuldigung annimmt. Und nicht etwa die ganze Sabine. Genau so war es. Aber wie mache ich das Carolin klar? Die scheint nun tats�chlich zu glauben, dass Marc sie verlassen will.</p><p>Mittlerweile hat Daniel schon die zweite kleine Flasche ge�ffnet, dazu eine kleine Dose, die er jetzt auf den Sofatisch vor sich stellt. Ich hebe meine Nase auf Tischkantenh�he. Hm, Erdn�sse, also nichts f�r mich. Schade, ich bekomme langsam ein wenig Hunger.</p><p>�Wei�t du, er war in letzter Zeit auch irgendwie komisch. So angespannt und gereizt. Ich habe allerdings gedacht, dass er <emphasis>�rger</emphasis> mit Sabine hat, nicht, dass sich bei den beiden wieder etwas anbahnt.� Sie schluchzt, Daniel reicht ihr ein Taschentuch, in das sie sich ger�uschvoll schn�uzt.</p><p>�Aber das wei�t du doch gar nicht. Ich finde, du solltest erst mal mit Marc sprechen, bevor du gleich vom Schlimmsten ausgehst.�</p><p>Carolin sch�ttelt den Kopf. �Nein. Ich kenne dieses Gef�hl. Damals bei Thomas war es genauso. Und dabei liebe ich Marc doch so. Wie kann er mir das antun?� Sie schluchzt lauter, Daniel streicht ihr �ber das Haar.</p><p>Was g�be ich in diesem Moment darum, sprechen zu k�nnen! Ich wei� schlie�lich ganz genau, dass Marc kein Betr�ger wie Thomas ist. Gut, vielleicht ist er ein nicht ganz so netter Kerl wie Daniel, aber der war ja auch <emphasis>zu</emphasis> nett f�r Carolin. Unruhig laufe ich hin und her � was soll ich blo� tun?</p><p>�Muss Herkules mal raus?�, erkundigt sich Daniel.</p><p>�Nee, ich bin ja gerade erst mit ihm hierhergelaufen. Wahrscheinlich sp�rt er, wie schlecht es mir geht. Nicht wahr, Herkules? Du merkst, dass Frauchen traurig ist.�</p><p>Ich setze mich neben Caros F��e, sie hebt mich hoch auf ihren Scho� und vergr�bt ihr Gesicht in meinem Fell.</p><p>�Mein S��er, ich glaube, du bist der einzige Mann, auf den ich mich wirklich verlassen kann.�</p><p>�An dieser Stelle muss ich scharf protestieren!�</p><p>�Tut mir leid. Du hast Recht. Auf dich kann ich mich auch immer verlassen.� Sie kommt wieder nach oben, nimmt Daniels Hand und dr�ckt sie.</p><p>Er guckt Caro nachdenklich an. �Ich kann allerdings nicht sagen, dass mich das als Mann bei dir weitergebracht h�tte.�</p><p>Caro schluckt. �Ja. Vielleicht war das falsch von mir.�</p><p>Beide schweigen, die Stille f�hlt sich fast unangenehm an. Dann steht Daniel auf, geht nochmal zu dem Schr�nkchen und nimmt eine der ganz kleinen Flaschen.</p><p>�Ich glaube, ich brauche jetzt etwas H�rteres.�</p><p>�Warum?� Caro klingt erstaunt.</p><p>�Das wei�t du doch.�</p><p>�Nein, wirklich nicht.�</p><p>�Na, wir sitzen hier, und ich tr�ste dich wegen Liebeskummer mit einem anderen Mann. Es gibt sch�nere Momente.�</p><p>�Aber du bist doch mein Freund!�</p><p>�Ja!� Daniel lacht, es klingt bitter. �Genau. Ich bin eben immer der nette Kumpel. Wei�t du, ich habe gerade genau das gleiche Gef�hl wie vor einem Jahr. Als ich dir gesagt habe, dass ich nach M�nchen gehe, weil ich Abstand brauche. Und nun ist es, als h�tte es diesen Abstand nie gegeben. Ich h�nge wieder genauso drin wie vorher.�</p><p>Caro rei�t die Augen auf. �Aber � aber � ich dachte, du w�rst mit Aurora gl�cklich. Ich meine, ihr seid doch ein Paar.�</p><p>�Ja. Sind wir. Mal mehr, mal weniger. Trotzdem ist es f�r mich immer noch schwer mit dir. Merke ich gerade. H�tte ich auch nicht gedacht. Tja, und deswegen trinke ich jetzt mal einen sch�nen Whiskey.�</p><p>�Sind da zwei in der Bar? Dann gib mir auch einen!�</p><p>Daniel nickt und holt noch ein Fl�schchen.</p><p>�Auf die Freundschaft. Und die Liebe.� Sie prosten sich zu. Daniel leert sein Glas in einem Zug, Caro macht es genauso, sch�ttelt sich danach aber.</p><p>�Puh, ganz sch�n scharf. Vielleicht sollte ich auf den Sekt umsteigen, das liegt mir doch mehr.�</p><p>�Oder mal ein Wasser zwischendurch?�</p><p>Caro kichert. �Quatsch. Das wirft uns doch Stunden zur�ck. �</p><p>�Hast Recht. Dann nehme ich den Cognac, und du kriegst den Sekt.�</p><p>Auf dem Hinweg zum Schr�nkchen stellt Daniel noch das Radio an. Langsam geht es hier zu wie in einer Bar, und ich �berlege, ob mir diese Entwicklung gef�llt.</p><p>Irgendwann ist das Schr�nkchen leer. Daf�r stehen alle Flaschen und Fl�schchen, die es zuvor enthielt, sch�n ordentlich in Reih und Glied auf dem Tisch vor dem Sofa. Und es ist eine ziemlich lange Reihe � erstaunlich, was so alles in diesen kleinen Schrank reingepasst hat. Caro sitzt nicht mehr auf dem Sofa, sondern liegt, und Daniel krault ihren Kopf, denn der wiederum liegt praktischerweise auf seinem Scho�. Gesagt haben die beiden schon eine ganze Zeitlang nichts mehr, sie gucken sich einfach nur in die Augen.</p><p>Auweia. So sch�n friedlich dieses Bild auch ist � ich kann mich daran nicht erfreuen. Denn Caro ist doch Marcs Frau, nicht Daniels. Und auch, wenn sie von Marc nun das Schlechteste denkt � ich wei� ja, dass es nicht stimmt. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass wiederum Marc nicht begeistert w�re, wenn er Caro und Daniel so s�he. Das w�re vielleicht sogar das Ende unserer kleinen Familie, oder? Immerhin hat Caro damals mit Thomas kurzen Prozess gemacht, als sie ihm auf die Schliche mit der anderen Frau gekommen ist. Oh, oh, oh, diese Menschen! Die treiben mich irgendwann noch in den Wahnsinn! Dabei will ich doch einfach nur friedlich mit ihnen zusammenleben.</p><p>Jetzt sagt Caro doch etwas. �Wei�t du, ich bin schon ganz sch�n m�de. Und ganz sch�n betrunken. Kann ich vielleicht bei dir �bernachten? Ich will heute nicht nach Hause.�</p><p>�Wenn du m�chtest, gerne. In meinem Schlafzimmer steht ein sehr komfortables Doppelbett. Da passt du locker mit rein.�</p><p>�Danke, das klingt geradezu verf�hrerisch.� Carolin kichert.</p><p>Mir hingegen stellen sich die Nackenhaare auf. Ins Bett? Gemeinsam? Das verhei�t nichts Gutes � jedenfalls nicht, wenn man wie ich der Meinung ist, dass Carolin und Marc sehr gut zusammenpassen und deswegen bittesch�n ein Paar bleiben sollen. Denn nach meiner Kenntnis nutzen M�nner und Frauen das Bett auch gerne f�r andere Dinge als den reinen Nachtschlaf. Kein Dackel k�me zwar auf die Idee, mit der Dame seines Herzens im Hundek�rbchen � aber lassen wir das. Fakt ist: Hier ist Gefahr im Verzug, und ich muss einschreiten.</p><p>Als Daniel und Caro Richtung Schlafzimmer wanken � und <emphasis>wanken</emphasis> ist hier w�rtlich zu nehmen, denn die vielen sehr kleinen und etwas gr��eren Fl�schchen scheinen ihre Wirkung zu tun � trabe ich sofort hinterher. Das Gute daran ist, dass die beiden so mit ihrer Koordination besch�ftigt sind, dass sie mich �berhaupt nicht beachten. Ich gelange also problemlos ins Schlafzimmer. Caro wirft sich aufs Bett, Daniel legt sich dazu. Ich �berlege kurz � dann springe ich hinterher und platziere mich m�glichst unauff�llig am Fu�ende. Von hier aus kann ich alles gut beobachten und notfalls sofort eingreifen. Und ich werde nicht z�gern, es zu tun!</p><p>W�hrend ich noch �berlege, ob mich ein beherzter Biss in empfindliche Teile von Daniel wohl die Freundschaft zu ihm kosten w�rde, deutet ein Ger�usch direkt �ber mir darauf hin, dass zumindest Carolin heute Nacht keine wilden Dinge mehr plant: Sie schnarcht, und zwar ziemlich laut. Daniel dreht sich zu ihr � will er sie etwa wecken? Untersteh dich! Ich schiebe mich ein St�ck h�her und knurre ihn ganz unmissverst�ndlich an. H�nde weg von meiner Carolin!</p><p>�He, Herkules � willst du dein Frauchen besch�tzen? Brav! Ist aber nicht n�tig. Bei mir ist sie sicher wie in Abrahams Scho�. Ich wei� ja, dass ihr alles andere als ein friedliches Nickerchen in meinem Bett morgen leidtun w�rde. Also, Kumpel, keine Sorge. Ich gebe dir mein Wort als Gentleman. � Er streichelt mir kurz �ber den Kopf.</p><p>Na gut. Ich habe zwar keine Ahnung, wer nun wieder dieser Abraham ist. Aber Daniels Wort vertraue ich. Und mit diesem sicheren Gef�hl schlafe auch ich beruhigt ein.</p><empty-line/><empty-line/><p>�Wei�t du noch, was du beim Umzug zu mir gesagt hast?�</p><p>Beck sch�ttelt den Kopf.</p><p>�Nein, was denn?�</p><p>�Dass es deiner Erfahrung nach kein Happy End bei Menschen gibt.�</p><p>�Echt? Das habe ich gesagt?�</p><p>�Ja, hast du. Und langsam glaube ich, du hattest Recht.�</p><p>Meine Laune k�nnte heute kaum schlechter sein. Erstens habe ich nicht besonders gut geschlafen, weil ich trotz aller Beteuerungen von Daniel zwischendurch immer wieder kontrolliert habe, ob jeder von den beiden auch noch brav auf seiner Seite des Betts lag. Zweitens zerbreche ich mir den Kopf dar�ber, wie man das Missverst�ndnis zwischen Marc und Caro aus der Welt schaffen k�nnte � doch leider f�llt mir nichts ein. Drittens � und das ist nun wirklich eine Katastrophe � habe ich heute Morgen im Garten gleich als Erstes nach der versteckten Tasche geschaut. Weg! Spurlos verschwunden! Unser sch�ner Plan komplett zunichte! Der Schmerz in meinem eigenen kleinen Herzen erinnert mich daran, dass ich auch auf ein Happy End f�r mich pers�nlich gehofft hatte. Beck starrt mich an.</p><p>�Kein Happy End? Ach, ich wei� nicht. Vielleicht lag ich damit auch falsch.�</p><p>Bitte? Endlich will ich den Grundpessimismus von Herrn Beck mal geb�hrend w�rdigen, da �ndert der seine Meinung? Offenbar sehe ich sehr erstaunt aus, denn Herr Beck setzt zu einer Erkl�rung an.</p><p>�Ja, m�glicherweise wird manchmal doch alles gut. Nehmen wir zum Beispiel Nina: Zum einen hat sie jetzt einen total netten und zuverl�ssigen Mitbewohner � n�mlich mich. Und zum anderen scheint sie frisch verliebt zu sein. Und das, obwohl sie den Typen neulich noch unangespitzt in den Boden rammen wollte. Tja � und heute fr�h kommt sie bestens gelaunt und fr�hlich pfeifend in unsere Wohnung spaziert. Mit dem Herrn Nachbarn an der Hand. Die beiden haben zusammen gefr�hst�ckt, was gar nicht so einfach war, weil sie sich zwischendurch immer k�ssen mussten. Und dann ist sie mit ihm wieder abged�st. So schnell kann�s also gehen mit dem Gl�ck.�</p><p>Ich bin beeindruckt. Aber nur kurz. Dann fallen mir alle Sachen wieder ein, die bei mir f�r extremes Kopfzerbrechen sorgen.</p><p>�Trotzdem. Ich f�rchte, dein Verdacht war richtig. Bei Marc und Carolin sieht es eher so aus, als w�rde dort alles m�chtig schiefgehen. Wegen eines ganz bl�den Missverst�ndnisses.�</p><p>Ich schildere Herrn Beck haarklein die ganze Geschichte von Caro, Marc und Sabine und zwar inklusive des Treffens im Violetta und des verd�chtigen Buches. Beck h�rt aufmerksam zu und sch�ttelt hin und wieder den Kopf.</p><p>�Und leider ist das mit dem fehlenden Happy End nicht auf Menschen beschr�nkt: Ich wei� immer noch nicht, ob ich jemals wenigstens <emphasis>ein</emphasis> Rendezvous mit Cherie haben werde. Denn irgendjemand hat die bl�de Tasche aus dem Blumenbeet geklaut.�</p><p>�Ja, das habe ich auch schon gesehen. �rgerlich, aber kein Drama.�</p><p>�Kein Drama? Mit unserem tollen Plan ist es jetzt Essig! Die ganze M�he umsonst. Ach, es ist einfach alles aussichtslos. � Frustriert lasse ich mich neben Beck ins Gras fallen. Wenigstens f�hlt sich das gut an, denn es ist warm und weich.</p><p>�Herkules, das ist ein klarer Fall von Katzenjammer, den du da gerade hast.�</p><p>�<emphasis>Katzenjammer</emphasis>? Was ist denn das? Klingt wie etwas, das Hunde gar nicht bekommen k�nnen.�</p><p>Herr Beck sch�ttelt den Kopf. �Nee. Den kann jeder kriegen, der eigentlich besonders gut gelaunt ist. Damit h�ngt der n�mlich zusammen. Mit der guten Laune, oder besser gesagt: mit zu guter Laune. Also, wenn sich jemand ganz doll freut und dann pl�tzlich merkt, dass doch nicht alles so rund l�uft, wie er dachte, dann ist er nat�rlich besonders entt�uscht. Und diese Entt�uschung nennt man <emphasis>Katzenjammer</emphasis>. Was eigentlich eine Frechheit ist, weil gerade wir Katzen doch viel zu schlau sind, um so �bertrieben euphorisch zu sein. Es m�sste vielleicht eher <emphasis>Hundeungl�ck</emphasis> hei�en.�</p><p>Na, vielen Dank. Wenn mir noch etwas gefehlt hat, dann Becks Schlaumeierei. Ich rapple mich wieder auf und laufe in Richtung Terrassent�r zur Werkstatt. Anstatt mich weiter verspotten zu lassen, gucke ich mal, ob es nicht wenigstens etwas zu fressen f�r mich gibt. Immerhin ist die Mittagszeit schon fast vorbei.</p><p>�He, warte doch!�, ruft mir Beck hinterher. �Das war nicht so gemeint! Entschuldige!�</p><p>Pah. Der kann mich mal. Bevor ich jedoch die Treppen zur Werkstatt hinunterspringen kann, kommt Herr Beck im gestreckten Galopp angeprescht und direkt neben mir zu stehen.</p><p>�Hallo, Herr von Eschersbach! Ich habe mich entschuldigt. Nun sein Se mal nicht nachtragend, sondern lassen Sie uns lieber �berlegen, wie wir Sie aus diesem Stimmungstief wieder nach oben kriegen.�</p><p>Ich setze mich.</p><p>�Na gut. Was schl�gst du vor?�</p><p>�Mal sehen. Die Sache mit der Tasche, um die k�mmere ich mich. Es war meine Idee, also bringe ich das auch zu Ende. Wirst schon sehen.�</p><p>�Aber wie willst du das denn machen? Ohne die Tasche geht�s doch gar nicht. Wir h�tten sie einfach besser verstecken m�ssen � sie drau�en liegen zu lassen war echt hirnrissig.�</p><p>�Mag sein, aber Selbstvorw�rfe bringen uns nun auch nicht weiter. Und Aufgeben kommt nicht in Frage. Mir wird schon etwas einfallen. Mir f�llt immer etwas ein.�</p><p>Ich seufze. Der Kater scheint wild entschlossen.</p><p>�Und mit Marc und Carolin?�</p><p>�Auch da w�rde ich sagen: nur die Ruhe. Denn sein wir mal ehrlich: Wenn Carolin mittlerweile so wenig Vertrauen zu Marc hat, dass sie ernsthaft glaubt, er w�rde hinter ihrem R�cken wieder was mit seiner Exfrau anfangen, dann kannst du auch nichts dran machen. Wenn sie ihn wirklich liebt, muss sie sich ein Herz fassen und mit ihm sprechen. Dir empfehle ich, dich da rauszuhalten. Das ist eindeutig Menschenkram.�</p><p>Wahrscheinlich hat Beck Recht. Ich sollte mich da raushalten. Das wird mir allerdings verdammt schwerfallen. Vielleicht haben wir auch Gl�ck, und alles regelt sich von selbst? Ich beschlie�e vorzuf�hlen, ob die Stimmung in der Werkstatt vielleicht schon ein bisschen besser ist. Eben war Caro verdammt schweigsam, hoffentlich ist sie mittlerweile munterer.</p><p>Nein. Sie steht immer noch an ihrer Werkbank, scheinbar konzentriert auf ihre Arbeit. Daniel lehnt neben ihr an der Wand und mustert sie nachdenklich.</p><p>�Willst du ihn denn nicht wenigstens mal zur�ckrufen?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Er hat schon dreimal angerufen. Beim vierten Mal verleugne ich dich nicht mehr.�</p><p>Schweigen. Daniel zieht sich seine Jacke an. �Ich fahre jetzt noch mal zu Lemke und komme heute nicht mehr rein. Und ich glaube, du machst einen Fehler. Marc wei� doch gar nicht, was eigentlich los ist.� Dann schnappt er sich die Schl�ssel, die auf seiner Werkbank liegen, und geht los.</p><p>Als die T�r ins Schloss f�llt, nimmt sich Caro das Telefon und tippt eine Nummer ein.</p><p>�Hallo, Nina. Bist du an der Uni? Und noch mit deinem Experiment besch�ftigt? Ach so � na, ich dachte, wir k�nnten vielleicht einen Kaffee zusammen trinken.� Nina scheint etwas l�nger auszuholen, jedenfalls sagt Caro eine ganze Weile gar nichts. �Aha. Na gut, dann komme ich sp�ter auf ein Glas Wein vorbei � nee, muss ich dir pers�nlich erz�hlen. Bis dann.� Klick.</p><p>Sie hat aufgelegt. Ohne mich eines Blickes zu w�rdigen, geht Caro in die kleine K�che und holt sich ein Glas Wasser. Aus ihrer Handtasche kramt sie ein kleines Pappsch�chtelchen, holt zwei kleine wei�e Bonbons daraus hervor und schluckt diese. Dann stapft sie wieder zu ihrer Werkbank zur�ck.</p><p>Wenn Carolin in dieser Stimmung ist, mag ich sie gar nicht. Gut, so grimmig wie heute ist sie selten, und es ist �berdeutlich, dass es ihr nicht gut geht. Aber ist das ein Grund, seinen treuen vierbeinigen Freund zu ignorieren? Ich laufe hinter ihr her, springe dann auf den Korbsessel neben ihrer Werkbank und belle einmal laut und kr�ftig. Hallo, Caro! Nun guck mich doch wenigstens mal an! Endlich dreht sie sich zu mir um.</p><p>�Mann, Herkules! Jetzt nerv du nicht auch noch!�</p><p>Bitte? So eine Unversch�mtheit! Ich, der immer nur ihr Bestes im Sinn hat. Undank ist der Welten Lohn. Ach, Quatsch: Undank ist der Menschen, insbesondere der Frauen Lohn. Beleidigt igle ich mich im Kissen des Sessels ein und starre b�se zu Caro hin�ber. Aber sie beachtet mich schon nicht mehr, sondern bl�ttert wieder in dem unseligen Buch von Sabine. Von wegen <emphasis>du bist der einzige Mann, auf den ich mich wirklich verlassen kann.</emphasis> Wenn du alle anderen M�nner auch so behandelst wie mich, dann bist du bald verlassen. Du wirst schon sehen, was du davon hast.</p><p>Genau � das ist �berhaupt die Idee! Verlassen! Warum bin ich nicht schon eher darauf gekommen? Ich werde sie verlassen. Ich haue ab! Und zwar noch heute. Vielleicht kommt Caro dann wieder zur Besinnung. Ha, ein Spitzenplan! Wenn sie nachher mit Nina ein Glas Wein trinkt, mache ich mich davon. Ich wei� auch schon genau, wohin ich fl�chten werde. Zu einem Leidensgenossen. Und ich bringe ihm etwas mit. Etwas, das ihm geh�rt.</p></section><section><title><p>F�NFUNDZWANZIG</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>H</strong>erkules, was machst du denn hier? Und was hast du da im Maul?�</p><p>Marc beugt sich zu mir hinunter und zieht vorsichtig an dem Buch, das ich immer noch im Fang halte. Langsam lasse ich los und hoffe, dass es meine Flucht aus der Werkstatt heil �berstanden hat. Na ja, es ist ein bisschen vollgesabbert, aber insgesamt sieht es doch noch anst�ndig aus. Marc wischt mit seinem �rmel �ber den Buchdeckel und betrachtet ihn eingehend.</p><p>�<emphasis>Die zweite Chance.</emphasis> Hm.� Dann schl�gt er das Buch auf und liest. �<emphasis>Lieber Marc</emphasis> � auweia!� Irritiert starrt er mich an. �Woher hast du das, Herkules?� Er steht auf und geht kurz aus dem Behandlungszimmer. Ich h�re ihn mit seiner Mutter sprechen.</p><p>�Sag mal, und sonst war niemand vor der Haust�r?�</p><p>�Nein. Nur Herkules mit dem Teil im Maul. Wollte er mir �brigens nicht geben, hat gleich geknurrt. Ich habe mich auch gewundert. Aber er wird ausgeb�xt sein. Typisch Jagdhund. Erinnerst du dich noch an unseren Terrier Trudi? Die ist doch auch immer ��</p><p>�Ja, Mutti�, unterbricht Marc sie, �ich wei�. Ich dachte nur, dass Carolin vielleicht mit ihm unterwegs war, und er schon mal vorgelaufen ist.�</p><p>�Aber Junge, Carolin hat doch einen Schl�ssel. Die w�rde einfach reinkommen. Und falls sie ihn vergessen h�tte, h�tte sie l�ngst geklingelt. Nein, als ich eben zur Post wollte, sa� nur Herkules vor dem Hauseingang. Sonst niemand.�</p><p>�Hm.�</p><p>�Sag mal, wo steckt Carolin denn? Ich habe sie heute Morgen gar nicht gesehen.�</p><p>��h � sie hat doch gerade diesen Riesenauftrag. Musste zu einem Ausw�rtstermin.�</p><p>�Na, und l�sst dich hier einfach allein? Ja, ja, diese berufst�tigen Frauen.� Sie lacht.</p><p>�Ach, Mutter, wo du gerade davon sprichst � wenn du mit der Post fertig bist, w�rde ich mich gerne mal in Ruhe mit dir unterhalten.�</p><p>�Wor�ber denn?�</p><p>�Wie wir hier weitermachen. Sag einfach Bescheid, wenn du wieder da bist.� Er kommt zur�ck zu mir ins Behandlungszimmer.</p><p>�Herkules, ich w�nschte, du k�nntest sprechen. Wie bist du nur an dieses Buch gekommen? Und was ist gestern passiert? Wei�t du, ich mache mir wirklich Sorgen.�</p><p>Da sagt er was! Auch ich w�rde ihm zu gerne erz�hlen, was es mit dem Buch auf sich hat und warum Carolin sich so schrecklich verh�lt. Aber stattdessen kann ich nur die Ohren h�ngen lassen und ihn traurig angucken. Marc seufzt.</p><p>�Tja, Kumpel. Hoffen wir einfach mal, dass sich alles wieder einrenkt. Ich schlage vor, du vergn�gst dich ein bisschen im Garten. Und wenn ich das unangenehme Gespr�ch mit meiner Mutter hinter mich gebracht habe, machen wir beide etwas Sch�nes: Wir holen Luisa vom Hort ab und gehen gemeinsam ein Eis essen. Was h�ltst du davon? Ich finde, das haben wir uns als kleinen Lichtblick verdient.�</p><p>Ich wedele mit dem Schwanz. Solche positiven Ans�tze m�ssen unbedingt verst�rkt werden! Bis es so weit ist, werde ich mich ein bisschen in der Sonne entspannen. Schlie�lich waren die letzten Tage auch f�r mich sehr anstrengend � da muss ein kleines Schl�fchen drin sein.</p><empty-line/><empty-line/><p>Als wir vor der Schule ankommen, wartet Luisa schon auf uns.</p><p>�Mensch, Papa, du bist zu sp�t!�</p><p>�Tut mir leid, mein Schatz. Ich musste noch etwas mit der Oma besprechen, und das hat l�nger gedauert. Aber daf�r habe ich Herkules mitgebracht.�</p><p>�Oh, klasse! Ist Carolin denn auch wieder da?�</p><p>��h, nein, die ist noch unterwegs. Kommt aber bestimmt bald nach Hause. Ich finde, wir gehen jetzt mal ein Eis essen.�</p><p>�Superidee!�</p><p>�Wie war es denn sonst so?�</p><p>�Och, ganz gut. Greta vom Tussi-Club feiert Geburtstag, und ich bin auch eingeladen. Sie macht eine Rollschuh-Rallye, und du, Herkules, sollst auch mitkommen. Toll, nicht? Ich geh�re jetzt richtig dazu. Und alles wegen Herkules!�</p><p>Stolz recke ich mich und mache M�nnchen. Genau, alles wegen mir! Endlich mal eine Frau, die das erkennt und zu w�rdigen wei�. Luisa nimmt Marc die Leine aus der Hand und l�uft mit mir los.</p><p>�Kommt, wer als Erster an der Eisdiele ist!�</p><p>�Auch das noch! Dein armer, alter Vater!�</p><p>Auch Marc beginnt zu laufen, und schon kurz darauf biegen wir um die Ecke zur Eisdiele.</p><p>�Erster!�, ruft Luisa und stellt sich mit mir an die lange Schlange vor dem Eingang.</p><p>�Ja, aber du hast geschummelt. Herkules hat dich gezogen. Das z�hlt nicht.�</p><p>�Nee, Papa, du bist einfach zu langsam.�</p><p>Sie gibt Marc einen Kuss, und ich merke, wie mir wohlig warm wird. Nicht vom Rennen, sondern von dem sch�nen Gef�hl, dass hier endlich mal zwei Menschen miteinander gl�cklich sind. Hach, wenn Carolin nicht mehr auftaucht, bleibe ich einfach bei Marc und Luisa. Die kann mich gernhaben.</p><p>Offenbar kann Marc meine Gedanken lesen.</p><p>�Na, wir machen uns das auch ohne dein Frauchen nett, was?�</p><p>Luisa guckt Marc streng an. �Aber Papa! Wir k�nnen Caro doch ein Eis mitbringen! Oder ist sie heute Abend immer noch nicht da? Wo ist sie denn blo�?�</p><p>Marc streicht sich durch die Haare, er scheint zu �berlegen, was er Luisa antworten soll.</p><p>�Sag mal, Schatz, du hast mir gesagt, dass Caro noch mal wegwollte?�</p><p>�Genau. Du hast mir doch erkl�rt, dass sie momentan viel um die Ohren hat.�</p><p>�Richtig. Aber habt ihr euch noch �ber irgendetwas anderes unterhalten?�</p><p>Luisa denkt nach. �Nein, eigentlich nicht � obwohl: doch! Ich habe ihr erz�hlt, dass du neulich mit Mama im Violetta warst.�</p><p>�Was? Woher wei�t du das?�</p><p>�Von Mama. Mama hat mir ein Buch f�r dich mitgegeben. Sie sagt, dar�ber habt ihr im Violetta gesprochen. Und dann wollte Caro das Buch mal sehen. Aber ich habe mich gar nicht mehr mit ihr dar�ber unterhalten, denn dann musste sie ja schon weg.�</p><p>Marc schl�gt sich mit der Hand vor die Stirn. �Verdammte Schei�e!�</p><p>�Papa! So was darf man nicht sagen, das ist doch ein Klo-Wort!�</p><p>�Du hast Recht, entschuldige. Ist mir so rausgerutscht.�</p><p>�Bist du irgendwie b�se auf mich?�</p><p>�Nein, nein! Ich bin froh, dass du mir das erz�hlt hast.�</p><p>Und ich erst! Vielleicht wird doch wieder alles gut. Auch, wenn ich noch ziemlich sauer auf Carolin bin: Ich h�tte sie sehr, sehr gerne wieder zur�ck.</p><empty-line/><empty-line/><p>Auf dem R�ckweg erz�hlt Luisa jede Menge Geschichten aus dem Tussi-Club. Offenbar sind Lena und sie nun ein Herz und eine Seele, und ich bin froh, dass sich Luisa an der Schule endlich wohl zu f�hlen scheint. Und okay � stolz bin ich nat�rlich auch. Immerhin bin ich der Held in dieser Geschichte. Der Gedanke daran gibt meinem Herzen allerdings einen Stich: Eigentlich wollte ich doch auch f�r Cherie ein Held sein. Und dieser Plan ist wohl trotz aller Anstrengung grandios gescheitert. Ich glaube nicht, dass Herr Beck daran noch etwas �ndern kann. So werde ich f�r Cherie immer der kleine, lustige Dackel bleiben.</p><p>Ich atme schwer. Irgendwie tue ich mir heute selbst leid. Der �rger mit Carolin, kein Gl�ck in der Liebe � das Dackelleben ist schwer. Ich lasse die �hrchen h�ngen und laufe mit gesenktem Kopf hinter Marc und Luisa her. Vielleicht ist es auch besser, wenn ich Cherie nie, nie wiedersehe. Genau: Ich muss sie mir aus dem Herzen rei�en! Besser einmal leiden, als immer das Gef�hl zu haben, ihr nicht gut genug zu sein. Wenn ich sie also in Zukunft sehe, werde ich einfach die Stra�enseite wechseln. Ich werde mich in B�schen verstecken und werde in Zukunft �</p><p>�Hallo, Herkules.�</p><p>Ha! Eine Wahnvorstellung! Wir sind vor der Praxis angekommen, und direkt neben dem Hauseingang sitzt Cherie. Das ist doch nicht m�glich!</p><p>�Guten Tag, Herr Doktor Wagner!�</p><p>�Hallo, Frau Serwe! Alles in Ordnung? Ich habe heute ein bisschen fr�her Schluss gemacht, um meine Tochter abzuholen. Meine Mutter sollte mich allerdings anrufen, wenn etwas Dringendes passiert.�</p><p>�Nein, nein, alles in Ordnung. Es klingt verr�ckt, aber Cherie wollte unbedingt in diese Richtung. Wir drehen um diese Uhrzeit immer unsere Runde, und sie hat so gezogen und gezerrt, bis ich diesen Weg eingeschlagen habe. Seltsam, nicht? Wahrscheinlich kehrt sie immer gerne zu ihrem Lebensretter zur�ck.�</p><p>Marc zuckt mit den Schultern. �Tja, man h�rt die unglaublichsten Dinge �ber Hunde. Sie sind eben schon sehr intelligente Tiere. Na, Cherie, wolltest du mich besuchen?� Er streichelt ihr �ber den Kopf. Sie dreht sich zu mir.</p><p>�Nee, wollte ich eigentlich nicht. Ich wollte zu dir, Herkules. �</p><p>�Zu mir?�</p><p>�Dein Freund, der fette Kater, hat mich heute auf der Hundeauslaufwiese an der Alster besucht. Das war vielleicht ein Hallo unter den Hunden � er musste sich schnell auf einen Baum in Sicherheit bringen. Jedenfalls hat er mir erz�hlt, dass ihr diesen Verkehrsrowdy gefunden und ihm sogar seine Tasche geklaut habt.�</p><p>Ich nicke. �Ja, stimmt. Wir dachten, dass dein Frauchen ihn vielleicht mit der Tasche finden kann. Aber der zweite Teil des Plans hat nicht mehr geklappt � irgendjemand hat die Tasche aus unserem Versteck geklaut.�</p><p>�Herkules, du bist wirklich s��.�</p><p>Bilde ich es mir ein, oder strahlt mich Cherie an. �Aber � aber � jetzt bin ich doch kein Held. Wei�t du, so wie der bl�de Alonzo. Ich meine, ich hab�s echt versucht. Und bin gescheitert.�</p><p>�Ist mir doch egal. Noch nie hat sich jemand so viele Gedanken um mich gemacht und so etwas Wagemutiges f�r mich getan. Das ist, was z�hlt. Wieso glaubst du denn, dass du ein Held sein musst?�</p><p>�Weil ich doch so gerne mal mit dir zusammen w�re. Nur wir zwei, wei�t du?�</p><p>Es ist keine Einbildung: Cherie schenkt mir einen sehr warmen, liebevollen Blick.</p><p>�Ach, Herkules, warum hast du mich das denn nicht einfach mal gefragt?�</p><p>Gute Frage. Warum eigentlich nicht?</p><p>�Hm. Also, ich habe mich das nicht getraut. Du bist doch so eine tolle Frau. Und ich nur ein kleiner Mischling. Ich dachte, du lachst dich schlapp. Immerhin musstest du mich aus der Alster retten und nennst mich immer <emphasis>Kleiner</emphasis>. Da dachte ich, ich muss erst etwas Besonderes schaffen.�</p><p>�Aber du bist doch selbst etwas Besonderes! Welcher Dackel kommt schon auf so viele verr�ckte Ideen wie du?�</p><p>Ich lasse wieder die Ohren h�ngen. Verr�ckte Ideen � das ist nun nicht gerade ein Kompliment. Aber Cherie stupst mich mit der Schnauze an und leckt mir �ber das Maul. Ein tolles Gef�hl � mein ganzer K�rper f�ngt an zu kribbeln.</p><p>�He, das meine ich nett! Die meisten anderen wollen mich durch Kraft und Gr��e beeindrucken. Das hast du gar nicht n�tig. Ich mag dich. Ehrlich!�</p><p>Wirklich? Ich gucke sie erstaunt an und werde verlegen.</p><p>�Ui, guck mal, Papi � ich glaube, Cherie und Herkules m�gen sich. Die haben sich eben abgeschleckt.�</p><p>Marc r�uspert sich, dann grinst er. �Tja, tats�chlich ein untr�gliches Zeichen f�r Zuneigung zwischen M�nnern und Frauen.�</p><p>�Sag mal, Luisa�, macht nun Claudia Serwe einen Vorschlag, �wo sich unsere beiden hier doch so gut verstehen, wollen wir da nicht mal mit ihnen zusammen spazieren gehen? Ich muss jetzt leider los, aber ich finde, wir sollten uns bald verabreden, damit Herkules und Cherie sich wiedersehen k�nnen.�</p><p>�Au ja!�, ruft Luisa. �Das ist eine Superidee. Vielleicht werden die beiden dann richtige Freunde. Und neue Freunde finden ist toll, das wei� ich von mir selbst.�</p><p>�Gut, ich rufe deinen Vater an, und dann machen wir etwas aus. Ich w�nsche noch einen sch�nen Abend!�</p><p>Bevor sich auch Cherie umdreht, um weiterzulaufen, zwinkert sie mir zu. Glaube ich jedenfalls. Ach was, ich bin mir sicher. Und mein kleines Herz schl�gt ganz schnell. Ich habe eine Verabredung!</p><p>Sehr beschwingt h�pfe ich hinter Marc und Luisa die Stufen zur Wohnung hoch. Dort empf�ngt uns Oma Wagner mit einer Miene wie mindestens drei Tage Regenwetter.</p><p>�Hat dich deine Freundin schon erreicht? Die Gute wirkte etwas aufgel�st.� So, wie Marcs Mutter <emphasis>die Gute</emphasis> sagt, klingt es nicht eben freundlich. Sie hat schon den Abendbrottisch gedeckt und mir ein sehr leckeres Fresschen in den Napf gef�llt. Sch�n, so umsorgt zu werden � obwohl Oma Wagner momentan keinen besonders liebevollen Eindruck macht. Im Gegenteil. Sie scheint irgendwie sauer zu sein. Aber warum blo�?</p><p>�Nein. Warum? Was war denn los?�</p><p>�Sie vermisst ihren Hund. Ich habe dir gleich gesagt, dass der wohl ausgeb�xt war. Aber auf mich h�rt ja keiner.�</p><p>�Hast du ihr denn nicht gesagt, dass Herkules bei uns ist?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Bitte?! Du hast es ihr nicht gesagt?�</p><p>�Wei�t du, ich hatte nun wirklich keine Veranlassung, mit dieser Frau zu plaudern. Und au�erdem wollte sie ja unbedingt dich sprechen.�</p><p>�Also wirklich, Mutter!� Marc haut mit der flachen Hand auf die Tischplatte. �Was soll denn das? Wenn du jetzt beleidigt bist, weil ich eine neue Sprechstundenhilfe suche, beschwer dich bei mir. Aber h�r auf, Carolin so zu behandeln.�</p><p>In diesem Moment kommt Luisa ins Esszimmer. �Was ist mit Carolin? Kommt sie heute Abend immer noch nicht?�</p><p>�Doch, doch. Mach dir keine Sorgen. Ich rufe sie mal an.� Marc holt das Telefon, das auf der Anrichte liegt, und w�hlt eine Nummer, horcht kurz, w�hlt nochmal. �Mist. Festnetz besetzt und Handy ausgeschaltet. Komm, Herkules, du alter Fahnenfl�chtling. Wir fahren zu Frauchen.�</p><empty-line/><empty-line/><p>Carolin �ffnet uns die T�r, sieht mich � und nimmt mich sofort auf den Arm.</p><p>�Herkules, mein Schatz! Wo bist du denn gewesen? Ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht!�</p><p>�Er sa� vor etwa einer Stunde auf einmal vor unserer T�r. �brigens: Hallo, Carolin.� Huch. Marc klingt sehr, sehr streng.</p><p>�Entschuldige � hallo erst mal. Aber wei�t du, ich bin noch ganz aufgel�st. Ich habe Herkules �berall gesucht. Und ich habe auch mit deiner Mutter telefoniert. Sie hat mir nicht gesagt, dass Herkules bei euch ist.�</p><p>�Ich wei�. Sie ist etwas indisponiert.�</p><p>�Bist du etwa abgehauen, Herkules?�</p><p>Ich wedele mit dem Schwanz. Schlie�lich habe ich kein schlechtes Gewissen. Caro hat sich das selbst zuzuschreiben.</p><p>�Du b�ser, b�ser Hund! Frauchen hatte solche Angst. Warum machst du denn solche Sachen?�</p><p>�Na, wenn du diesen jungen Mann so schlecht behandelt hast wie mich, ist es offen gestanden kein Wunder.�</p><p>Carolin zieht die Augenbrauen nach oben, was von meiner Position auf ihrem Arm aus sehr lustig aussieht. �<emphasis>Ich</emphasis> dich schlecht behandelt? Was f�llt dir ein? Ich habe eher den Eindruck, dass du mir einiges zu erz�hlen hast.�</p><p>�Richtig, meine Liebe. Zuallererst n�mlich eines: Wer fremde Post liest, muss mit dem Inhalt auch selbst fertig werden.�</p><p>Carolin schnappt nach Luft. �Bitte? Wie meinst du das denn?�</p><p>Marc grinst. �Das Buch und die Widmung. Eindeutig f�r mich bestimmt.�</p><p>�Aber � aber � woher wei�t du? Hat Luisa �?�</p><p>�Nein. Luisa hat das Gott sei Dank alles gar nicht mitbekommen. Aber mein Kumpel Herkules, der wei� noch, was Eigentum bedeutet. Er kam n�mlich nicht allein, sondern hatte das Buch in der Schnauze.�</p><p>Carolin starrt mich mit offenem Mund an. �Er hatte � was?!�</p><p>�Genau. Er hatte das Buch dabei. Ein Blick auf die Widmung, und ich wusste sofort, was los ist. Das h�tte mich allerdings nicht dazu gebracht, hier aufzulaufen. Denn ich bin mir keiner Schuld bewusst. Ja � ich habe mich mit Sabine getroffen. Weil sie mit mir �ber unseren Streit sprechen wollte, und ich mit der Mutter meiner Tochter nicht in einer Dauerfehde leben will. Sie hat sich entschuldigt f�r die Tatsache, dass sie mich damals ohne jede Vorwarnung verlassen hat, und hat mich gebeten, die Entschuldigung anzunehmen. Ich habe gesagt, dass ich dr�ber nachdenke. Nicht mehr und nicht weniger ist passiert.�</p><p>Carolin vergr�bt ihr Gesicht in meinem Nacken. Das scheint ihr doch einigerma�en unangenehm zu sein. Mit Recht! Dann guckt sie wieder hoch.</p><p>�Aber warum hast du mir denn nicht gesagt, dass du dich mit ihr triffst?�</p><p>�Ganz einfach: Weil du auf das Thema Sabine schon so gereizt reagiert hast, dass ich einfach keine Lust auf einen weiteren Streit mit dir hatte. Das war wahrscheinlich ein Fehler � aber keine Tods�nde. Finde ich jedenfalls.�</p><p>Caro setzt mich wieder runter und macht einen Schritt auf Marc zu.</p><p>�Es tut mir leid. Das war nicht richtig von mir.�</p><p>Marc nickt. �Aber jetzt habe ich auch eine Frage. Wo warst du gestern Nacht? Bei Nina?�</p><p>Caro sch�ttelt den Kopf. Marc atmet tief durch.</p><p>�Etwa bei Daniel?�</p><p>�Ja. Aber da habe ich gleich mal einen Vorschlag: Ich glaube dir � und du glaubst mir. Es ist nichts passiert, ich brauchte nur ein Bett.�</p><p>Marc z�gert, dann nickt er. �Okay. Vertrauen gegen Vertrauen.�</p><p>Endlich! Das klingt doch schon ganz gut, und ich pers�nlich finde, das w�re nun eine gute Gelegenheit f�r die beiden, sich zu k�ssen. Leider kommt in diesem Moment Nina die Treppe herunter und ruft schon von oben: �Mensch, Caro, wo bleibst du denn? Du wolltest doch jetzt � oh, hallo, Marc. Eigentlich dachte ich, wir steuern hier auf einen Frauenabend zu.�</p><p>�Nimm�s mir nicht �bel � aber ich w�rde meine S��e jetzt gerne mitnehmen. Bitte!�</p><p>�Marc, du kannst fast so herzerweichend wie Herkules gucken. Na gut. Ich habe zwar schon eine Flasche Rotwein aufgemacht, aber dann muss ich mir wohl Ersatz besorgen.�</p><p>�Du k�nntest dich doch zum Beispiel mit deinem Mitarbeiter treffen�, schl�gt Caro kurzerhand vor, �der wohnt ja nicht so weit von hier.� Sie kichert.</p><p>�Das ist nicht mehr mein Mitarbeiter. Ich habe ihn rausgeschmissen. �</p><p>�Echt? Wie gemein. Ich finde, du solltest da Privates und Berufliches trennen.�</p><p>Nina grinst. �Das tue ich auch. Genau deswegen hat Alex heute die Gruppe gewechselt. Ich kann Liebe im Job n�mlich nicht gebrauchen. Und er auch nicht. Das lenkt uns zu sehr ab. So, und jetzt werde ich ihm mal schnell Bescheid sagen, dass sich mein Frauenabend erledigt hat. Tsch�ss, ihr beiden. � Kurz bevor sie wieder nach oben verschwindet, dreht sie sich noch einmal um. �Ach, was wolltest du mir eigentlich so Dringendes erz�hlen?�</p><p>Caro guckt sie mit gro�en Augen an. �Ich? Nichts. Ich wollte nur ein bisschen kl�nen.�</p><empty-line/><empty-line/><p>Ich liege in meinem K�rbchen und bin eigentlich gl�cklich und zufrieden. Aber nur eigentlich. Denn leider k�ndet ein dumpfes Grollen von drau�en ein heftiges Gewitter an. Auch das noch! Dabei bin ich doch so m�de und w�rde gerne schlafen. Das Donnern wird lauter und kommt immer n�her. Ich versuche mich ganz tief in meine Kuscheldecke zu vergraben. Vielleicht ist es dann nicht mehr ganz so laut.</p><p>Aber es nutzt nichts: Obwohl die Decke nun schon meine Ohren bedeckt, jagt mir jeder Donnerschlag neue Schauer �ber den R�cken. Der n�chste Blitz erleuchtet die Wohnung fast taghell. Und jetzt kracht es so laut, dass ich das Gef�hl habe, das ganz Haus wackelt. Mama! Angst!</p><p>Carolin hat es mir zwar streng verboten, aber es f�hrt kein Weg daran vorbei: Ich muss zu ihr ins Bett. Sonst kriege ich heute Nacht kein Auge mehr zu. Ich schleiche Richtung Schlafzimmer und dr�cke vorsichtig, aber feste mit der Schnauze gegen die T�r. Mit einem leisen <emphasis>Klack</emphasis> �ffnet sie sich, und ich husche hinein. Es ist zwar sehr dunkel, aber die Umrisse des Betts kann ich einigerma�en erkennen. Schwupp! Schon habe ich es mir am Fu�ende bequem gemacht. So ist es eindeutig besser!</p><p>Zwei helle Blitze, direkt hintereinander, dann ein f�rchterlicher Donnerschlag! Ein ohrenbet�ubender L�rm � trotzdem f�hle ich mich jetzt sicher. Das Get�se scheint auch Marc und Carolin geweckt zu haben.</p><p>�Kannst du auch nicht schlafen?�</p><p>�Nee. Bei dem L�rm schwierig.�</p><p>�Ich bin froh, wieder hier zu sein. An wen sollte ich mich sonst kuscheln?�</p><p>�Hm, das klingt gut. Dann komm mal her, ich besch�tze dich.� Es kommt Bewegung unter die Bettdecke, und ich h�re, wie die beiden sich k�ssen. Na endlich! Darauf warte ich doch schon den ganzen Tag.</p><p>�Sag mal, bist du noch b�se wegen des Buchs?�</p><p>�Nein. Schwamm dr�ber. Bist du noch b�se wegen Sabine?�</p><p>Caro kichert. �Nein. Vergeben und vergessen. Und ich bin sehr, sehr froh, dass du dir eine neue Hilfe in der Praxis suchst.�</p><p>�Ja. Ich auch. Aber wei�t du, was mich trotz des ganzen Streits heute sehr gl�cklich gemacht hat?�</p><p>�Nein, keine Ahnung.�</p><p>�Dass sich Luisa wirklich gefreut hat, dass du wiedergekommen bist. Sie hat dich ehrlich vermisst. Das finde ich sch�n. Ich bin n�mlich gerne eine Familie mit dir.�</p><p>Sie k�ssen sich wieder.</p><p>�Hm, das ist sch�n. Ich auch.�</p><p>�Wei�t du, ich k�nnte mir sogar vorstellen, sie noch ein bisschen zu vergr��ern.�</p><p>Wieder ein Kuss.</p><p>�Echt?�</p><p>�Ja, denn ich liebe dich. Sehr, sehr sogar.�</p><p>�Ich liebe dich auch.�</p><p>�Hmmhm. Das klingt gut. Dann k�nnten wir doch gleich mal � Ah! Was ist das? Irgendetwas Komisches liegt im Bett!�</p><p>Marc schaltet seine Nachttischlampe an.</p><p>�Herkules! Was f�llt dir ein? Was machst du hier?�</p><p>Carolin f�ngt an zu lachen. �Na, das Gewitter. Wahrscheinlich hat er Angst. Dann lass ihn halt hier schlafen.�</p><p>�Och n�! Nicht in unserem Bett. Okay, Herkules. Du kannst im Zimmer bleiben. Aber du schl�fst <emphasis>neben</emphasis> dem Bett!�</p><p>Wie hartherzig! Aber Marc klingt so entschlossen, dass ich brav von der warmen Decke h�pfe und mich neben das Bett lege. Wenigstens legt mir Carolin noch ein Kissen auf den Boden, in das ich mich kuscheln kann.</p><p>Ein paar Minuten vergehen, das Gewitter wird wieder heftiger. Ich bem�he mich, ruhig zu bleiben. Leicht ist es nicht.</p><p>�S��e, kannst du schlafen?�</p><p>�Ja, in deinen Armen geht es.�</p><p>�Komm noch n�her ran, ich besch�tze dich.� Marc scheint sie jetzt an einer heiklen Stelle zu k�ssen. Jedenfalls kichert Caro. Toll. Und an mich denkt keiner.</p><p>Klack. Die T�r geht auf, und Luisa steht im Schlafzimmer.</p><p>�Papa, ich hab Angst. Ich kann nicht schlafen.�</p><p>Marc seufzt, und Carolin lacht.</p><p>�Na, dann komm zu uns ins Bett.�</p><p>Sofort schl�pft Luisa zu den beiden. Ein weiterer Donnerschlag. Nee, so geht es wirklich nicht. Ich will nicht der Einzige sein, der in so einer Nacht drau�en schl�ft. Alle Verbote ignorierend, h�pfe ich wieder zu den dreien ins Bett.</p><p>�Oh, hallo, Herkules!�, freut sich Luisa. �Das ist ja toll! Jetzt sind wir alle in einem Bett. Komm zu mir, ich streichle dich, dann hast du bestimmt keine Angst mehr.� Das lasse ich mir nat�rlich nicht zweimal sagen und krieche weiter hoch.</p><p>�Na, bist du immer noch sicher, dass du eine gr��ere Familie willst?�, zieht Caro Marc auf.</p><p>�ber Luisas und meinen Kopf hinweg gibt Marc ihr einen Kuss.</p><p>�Kurz und b�ndig: ja!�</p><empty-line/><empty-line/><p><emphasis>Da ist es also endlich, mein Happy End. Schon seltsam, diese Menschen. Anstrengend ist es mit ihnen. Aber manchmal auch ganz sch�n sch�n.</emphasis></p></section><section><title><p>Dank an:</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p>&#x25B7; meine Lektorin, die fabelhafte Iris Kirschenhofer. Wer sich noch n�chtens ganze Kapitel zumailen l�sst, ist verr�ckt. Oder ein Enthusiast. Liebe Iris � ich werde dich vermissen!</p><p>&#x25B7; Dr. Martin Bucksch, den Tierarzt meines Vertrauens aus der Praxis Grandweg, der auch �berfallartige Telefoninterviews locker wegsteckte. Falls noch Fehler drin sind, Herr Dr. Bucksch: Nicht b�se sein, k�nstlerische Freiheit!</p><p>&#x25B7; Bettina Keil, meine Agentin und engagierte Mitleserin. Dein Feedback war echter Treibstoff und als solcher dringend n�tig.</p><p>&#x25B7; Alexandra Fr�hlich f�r ihren Hunde- und sonstigen Sachverstand. Und ihre Durchhalteparolen.</p><p>&#x25B7; Nat�rlich Bernd. Ich weile im Schreibexil, du b�ndigst die Bande. It�s a dirty job, but someone�s got to do it. Ohne dich h�tte ich es nicht geschafft.</p></section><section><p>Page &amp; Turner B�cher erscheinen im Wilhelm Goldmann Verlag, M�nchen, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Random House GmbH.</p><p>1. Auflage</p><p>Copyright � 2011 by Page &amp; Turner/Wilhelm Goldmann Verlag, M�nchen, </p><p>in der Verlagsgruppe Random House GmbH</p><empty-line/><p>Gesetzt aus der Janson-Antiqua</p><p>eISBN 978-3-641-06186-9</p><p>www.pageundturner-verlag.de</p><p>www.randomhouse.de</p></section></body><binary id="cover" 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