<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf</genre><author><first-name>E.</first-name><middle-name>T. 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T. A. Hoffmann</p><p>Die Brautwahl</p></title><section><subtitle><emphasis>Eine berlinische Geschichte, in der mehrere ganz unwahrscheinliche Abentheuer vorkommen</emphasis></subtitle></section><section><title><p>Erstes Kapitel</p><p>Welches von Br�uten, Hochzeiten, Geheimen Kanzleisekret�ren, Turnieren, Hexenprozessen, Zauberteufeln und andern angenehmen Dingen handelt</p></title><p>In der Nacht des Herbst-�quinoktiums kehrte der Geheime Kanzleisekret�r Tusmann aus dem Kaffeehause, wo er regelm��ig jeden Abend ein paar Stunden zuzubringen pflegte, nach seiner Wohnung zur�ck, die in der Spandauerstra�e gelegen. In allem, was er tat, war der Geheime Kanzleisekret�r p�nktlich und genau. Er hatte sich daran gew�hnt, gerade w�hrend es auf den T�rmen der Marien- und Nikolai-Kirchen eilf Uhr schlug, mit dem Rock- und Stiefelnausziehen fertig zu werden, so da� er, in die ger�umigen Pantoffeln gefahren, mit dem letzten dr�hnenden Glockenschlage sich die Nachtm�tze �ber die Ohren zog.</p><p>Um das heute nicht zu vers�umen, da die Uhren sich schon zum Eilfschlagen anschickten, wollte er eben mit einem raschen Schritt (beinahe war es ein behender Sprung zu nennen) aus der K�nigsstra�e in die Spandauerstra�e hineinbiegen, als ein seltsames Klopfen, das sich dicht neben ihm h�ren lie�, ihn an den Boden festwurzelte.</p><p>Unten an dem Turm des alten Rathauses wurde er in dem hellen Schimmer der Reverberen eine lange hagere, in einen dunkeln Mantel geh�llte Gestalt gewahr, die an die verschlossene Ladent�re des Kaufmanns Warnatz, der dort bekanntlich seine Eisenwaren feilh�lt, stark und st�rker pochte, zur�cktrat, tief seufzte, hinaufblickte nach den verfallenen Fenstern des Turms.</p><p>�Mein bester Herr,� wandte sich der Geheime Kanzleisekret�r gutm�tig zu dem Mann, �mein bester Herr, Sie irren sich, dort oben in dem Turm wohnt keine menschliche Seele, ja, nehme ich wenige Ratten und M�use und ein paar kleine Eulen aus, kein lebendiges Wesen. Wollen Sie von dem Herrn Warnatz einiges Vortreffliche in Eisen oder Stahl erstehen, so m�ssen Sie sich morgen wieder herbem�hen.�</p><p>�Verehrter Herr Tusmann� � �Geheimer Kanzleisekret�r seit mehreren Jahren,� fiel Tusmann dem Fremden unwillk�rlich ins Wort, ungeachtet er etwas verdutzt dar�ber war, von dem Fremden gekannt zu sein. Der achtete darauf aber gar nicht im mindesten, sondern begann von neuem: �Verehrter Herr Tusmann, Sie belieben sich in meinem Beginnen hier ganz und gar zu irren. Weder der Eisen- noch der Stahlwaren bin ich bed�rftig, habe es auch gar nicht mit dem Herrn Warnatz zu tun. Es ist heute das Herbst-�quinoktium, und da will ich die Braut schauen. Sie hat schon mein sehns�chtiges Pochen, meine Liebesseufzer vernommen und wird gleich oben am Fenster erscheinen.�</p><p>Der dumpfe Ton, in dem der Mann diese Worte sprach, hatte etwas seltsam Feierliches, ja Gespenstisches, so da� es dem Geheimen Kanzleisekret�r eiskalt durch alle Glieder rieselte. Der erste Schlag der eilften Stunde dr�hnte von dem Marienkirchturm herab, in dem Augenblicke klirrte und rauschte es an dem verfallenen Fenster des Rathausturms, und eine weibliche Gestalt wurde sichtbar. Sowie der volle Laternenglanz ihr ins Antlitz fiel, wimmerte Tusmann ganz kl�glich: �O du gerechter Gott im Himmel, o all ihr himmlischen Heerscharen, was ist denn das!�</p><p>Mit dem letzten Schlage und also im selbigen Augenblick, wo Tusmann, wie sonst, die Schlafm�tze aufzusetzen gedachte, war auch die Gestalt verschwunden.</p><p>Es war, als h�tt' die verwunderliche Erscheinung den Geheimen Kanzleisekret�r ganz au�er sich selbst gebracht. Er seufzte, st�hnte, starrte hinauf nach dem Fenster, lispelte in sich hinein: �Tusmann � Tusmann, Geheimer Kanzleisekret�r! � besinne dich doch nur! werde nicht verr�ckt, mein Herz! � La� dich vom Teufel nicht blenden, gute Seele!� �</p><p>�Sie scheinen�, begann der Fremde, �von dem, was Sie sahen, sehr ergriffen worden zu sein, bester Herr Tusmann? � Ich habe blo� die Braut schauen wollen, und Ihnen selbst, Verehrter, mu� dabei noch anderes aufgegangen sein.�</p><p>�Bitte, bitte,� wimmerte Tusmann, �wollen Sie mir nicht meinen schlichten Titel verg�nnen, ich bin Geheimer Kanzleisekret�r und zwar in diesem Augenblick ein h�chst alterierter, ja wie ganz von Sinnen gekommener. Bitte ergebenst, mein wertester Herr, gebe ich Ihnen selbst nicht den geb�hrenden Rang, so geschieht das lediglich aus v�lliger Unbekanntschaft mit Ihrer werten Person; aber ich will Sie Herr Geheimer Rat nennen, denn deren gibt es in unserm lieben Berlin so gar absonderlich viele, da� man mit diesem w�rdigen Titel selten irrt. Bitte also, Herr Geheimer Rat m�gen es mir nicht l�nger verhehlen, was f�r eine Braut Sie hier zu der unheimlichen Stunde zu schauen gedachten!�</p><p>�Sie sind,� sprach der Fremde mit erh�hter Stimme, �Sie sind ein besonderer Mann mit ihren Titeln, mit ihrem Rang. Ist man dann Geheimer Rat, wenn man sich auf manches Geheimnis versteht und auch wohl nebenher guten Rat zu erteilen vermag, so kann ich wohl billigen Fugs mich so nennen. Mich nimmt es wunder, da� ein so in alten Schriften und seltenen Manuskripten belesener Mann wie Sie, wertester Herr Geheimer Kanzleisekret�r, es nicht wei�, da� wenn ein Kundiger � verstehen Sie wohl! � ein Kundiger, zur eilften Stunde in der Nacht des �quinoktiums hier unten an die T�re oder auch nur an die Mauer des Turms klopft, ihm oben am Fenster dasjenige M�dchen erscheint, das bis zum Fr�hlings-�quinoktium die gl�cklichste Braut in Berlin wird.�</p><p>�Herr Geheimer Rat,� rief Tusmann, wie pl�tzlich begeistert von Freude und Entz�cken, �verehrungsw�rdigster Herr Geheimer Rat, sollte das wirklich der Fall sein?�</p><p>�Es ist nicht anders,� erwiderte der Fremde, �aber was stehen wir hier l�nger auf der Stra�e. Sie haben Ihre Schlafstunde bereits vers�umt, wir wollen uns stracks in das neue Weinst�bchen auf dem Alexanderplatz begeben. Es ist nur darum, da� Sie mehr von mir �ber die Braut erfahren, wenn Sie wollen, und wieder in die Gem�tsruhe kommen, aus der Sie, selbst wei� ich nicht recht warum, ganz und gar herausgebracht zu sein scheinen.� �</p><p>Der Geheime Kanzleisekret�r war ein h�chst m��iger Mann. Seine einzige Erholung bestand, wie schon erw�hnt wurde, darin, da� er jeden Abend ein paar Stunden in einem Kaffeehause zubrachte und, politische Bl�tter, Flugschriften durchlaufend, ja auch in mitgebrachten B�chern emsig lesend, ein Glas gutes Bier geno�. Wein trank er beinahe gar nicht, nur Sonntags nach der Predigt pflegte er in einem Weinkeller ein Gl�schen Malaga mit etwas Zwieback zu sich zu nehmen. Des Nachts zu schw�rmen, war ihm sonst ein Greuel; unbegreiflich schien es daher, da� er sich ohne Widerstand, ja ohne auch nur ein einziges Wort zu sagen, von dem Fremden fortziehen lie�, der mit starken, durch die Nacht dr�hnenden Schritten forteilte nach dem Alexanderplatz.</p><p>Als sie in die Weinstube eintraten, sa� nur noch ein einziger Mann einsam an einem Tisch und hatte ein gro�es Glas, mit Rheinwein gef�llt, vor sich stehen. Die tief eingefurchten Z�ge seines Antlitzes zeugten von sehr hohem Alter. Sein Blick war scharf und stechend, und nur der stattliche Bart verriet den Juden, der alter Sitte und Gewohnheit treu geblieben. Dabei war er sehr altfr�nkisch, ungef�hr wie man sich ums Jahr Eintausendsiebenhundertundzwanzig bis drei�ig trug, gekleidet, und daher mocht' es wohl kommen, da� er aus l�ngst vergangener Zeit zur�ckgekehrt schien.</p><p>Noch seltsamer war aber wohl der Fremde anzuschauen, auf den Tusmann getroffen.</p><p>Ein gro�er, hagerer, dabei kr�ftiger, in Gliedern und Muskeln stark gebauter Mann, scheinbar in den funfziger Jahren. Sein Antlitz mochte sonst f�r sch�n gegolten haben, noch blitzten die gro�en Augen unter den schwarzen buschichten Augenbrauen mit jugendlichem Feuer hervor � eine freie offene Stirn � eine stark gebogene Adlersnase � ein fein geschlitzter Mund � ein gew�lbtes Kinn � das alles h�tte den Mann vor hundert andern eben nicht ausgezeichnet; w�hrend aber Rock und Unterkleid nach Art der neuesten Zeit zugeschnitten waren, geh�rten Kragen, Mantel und Barett dem Ende des sechzehnten Jahrhunderts an; vorz�glich mocht' es aber wohl der eigne, wie aus tiefer schauerlicher Nacht hinausstrahlende Blick des Fremden, der dumpfe Ton seiner Stimme, sein ganzes Wesen, das durchaus gegen jede Form der jetzigen Zeit grell abstach, vorz�glich mochte es das alles sein, was in seiner N�he jedem ein seltsames, beinahe unheimliches Gef�hl einfl��en mu�te.</p><p>Der Fremde nickte dem Alten, der am Tische sa�, zu, wie einem alten Bekannten.</p><p>�Seh' ich Euch einmal wieder nach langer Zeit,� rief er, �seid Ihr noch immer wohlauf?�</p><p>�Wie Ihr mich findet,� erwiderte der Alte m�rrisch, �wohl und gesund und noch zur rechten Zeit auf den Beinen und munter und t�tig, wenn es darauf ankommt!�</p><p>�Das fragt sich, das fragt sich�, rief der Fremde laut lachend und bestellte bei dem aufwartenden Burschen eine Flasche des �ltesten Franzweins, der im Keller vorhanden.</p><p>�Mein bester, verehrungsw�rdigster Herr Geheimer Rat!� � begann Tusmann deprezierend.</p><p>Aber der Fremde fiel ihm schnell in die Rede: �Lassen wir doch jetzt alle Titel, bester Herr Tusmann. Ich bin weder Geheimer Rat noch Geheimer Kanzleisekret�r, sondern nichts mehr und nichts weniger als ein K�nstler, der in edlen Metallen und k�stlichem Gestein arbeitet, und hei�e mit Namen Leonhard.�</p><p>�Also ein Goldschmied, ein Juwelier�, murmelte Tusmann vor sich hin. Er besann sich nun auch, da� er bei dem ersten Anblick des Fremden in der erleuchteten Weinstube es h�tte wohl einsehen m�ssen, wie der Fremde unm�glich ein ordentlicher Geheimer Rat sein k�nne, da er in altdeutschem Mantel, Kragen und Barett angetan, wie solches bei Geheimen R�ten nicht �blich.</p><p>Beide, Leonhard und Tusmann, setzten sich nun hin zu dem Alten, der sie mit einem grinsenden L�cheln begr��te.</p><p>Nachdem Tusmann auf vieles N�tigen Leonhards ein paar Gl�ser des gehaltigen Weins getrunken, trat R�te auf seine blassen Wangen; vor sich hinblickend, den Wein gem�tlich einschl�rfend, l�chelte und schmunzelte er �beraus freundlich, als gingen die angenehmsten Bilder in seinem Innern auf.</p><p>�Und nun,� begann Leonhard, �und nun sagen Sie mir unverhohlen, bester Herr Tusmann, warum Sie so gar besonders sich geb�rdeten, als die Braut im Fenster des Turms erschien, und was jetzt so ganz und gar Ihr Inneres erf�llt? Wir sind, Sie m�gen das nun glauben oder nicht, alte Freunde und Bekannte, und vor diesem guten Mann brauchen Sie sich gar nicht zu genieren.�</p><p>�O Gott,� erwiderte der Geheime Kanzleisekret�r, �o Gott, mein verehrtester Herr Professor � lassen Sie mich Ihnen diesen Titel geben; denn da Sie, wie ich �berzeugt bin, ein sehr wackrer K�nstler sind, k�nnten Sie mit Fug und Recht Professor bei der Akademie der K�nste sein � Also! mein verehrtester Herr Professor � vermag ich denn zu schweigen? Wovon das Herz voll ist, davon geht der Mund �ber! � Erfahren Sie es! � Ich gehe, wie man sprichw�rtlich zu sagen pflegt, auf Freiers F��en und gedenke zum Fr�hlings-�quinoktium ein gl�ckliches Br�utlein heimzuf�hren. Konnt' es denn nun wohl fehlen, da� es mir durch alle Adern fuhr, als Sie, verehrtester Herr Professor, beliebten, mir eine gl�ckliche Braut zu zeigen?�</p><p>�Was,� unterbrach der Alte den Geheimen Kanzleisekret�r mit kreischender, kr�chzenden Stimme, �was? � Sie wollen heiraten? Sie sind ja viel zu alt dazu und h��lich wie ein Pavian.�</p><p>Tusmann erschrak �ber die entsetzliche Grobheit des j�dischen Alten so sehr, da� er kein Wort herauszubringen vermochte.</p><p>�Nehmen Sie�, sprach Leonhard, �dem Alten da das harte Wort nicht �bel, lieber Herr Tusmann, er meint es nicht so b�se, als es wohl den Anschein haben m�chte. Aufrichtig gesagt, mu� ich aber auch selbst gestehen, wie es mich bed�nken will, da� Sie etwas sp�t sich zur Heirat entschlossen haben, da Sie mir beinahe ein Funfziger zu sein scheinen.�</p><p>�Auf den 9ten Oktober, am Tage des heiligen Dionysius erreiche ich mein achtundvierzigstes Jahr�, fiel Tusmann etwas empfindlich ein. �Dem sei, wie ihm wolle,� fuhr Leonhard fort, �es ist auch nicht das Alter allein, das Ihnen entgegensteht. Sie haben bisher ein einfaches, einsames Junggesellenleben gef�hrt, Sie kennen das weibliche Geschlecht nicht, Sie werden sich nicht zu raten, nicht zu helfen wissen.�</p><p>�Was raten, was helfen,� unterbrach Tusmann den Goldschmied, �ei, bester Herr Professor, Sie m�ssen mich f�r ungemein leichtsinnig und unverst�ndig halten, wenn Sie glauben, da� ich blindlings ohne Rat und �berlegung zu handeln imstande w�re. Jeden Schritt, den ich tue, erw�ge und bedenke ich weislich, und als ich mich in der Tat von dem Liebespfeil des losen Gottes, den die Alten Cupido nannten, getroffen f�hlte, sollte da nicht all mein Dichten und Trachten dahin gegangen sein, mich f�r diesen Zustand geh�rig auszubilden? � Wird jemand, der ein schweres Examen zu �berstehen gedenkt, nicht emsig alle Wissenschaften studieren, aus denen er befragt werden soll? � Nun, verehrtester Herr Professor, meine Heirat ist ein Examen, zu dem ich mich geh�rig vorbereite und wohl zu bestehen glaube. Sehen Sie, bester Mann, dieses kleine Buch, das ich, seit ich mich zu lieben und zu heiraten entschlossen, best�ndig bei mir trage und unaufh�rlich studiere, sehen Sie es an und �berzeugen Sie sich, da� ich die Sache gr�ndlich und gescheit beginne und keinesweges als ein Unerfahrner erscheinen werde, ungeachtet mir, wie ich gestehen will, das ganze weibliche Geschlecht bis dato fremd geblieben.�</p><p>Mit diesen Worten hatte der Geheime Kanzleisekret�r ein kleines, in Pergament gebundenes Buch aus der Tasche gezogen und den Titel aufgeschlagen, welcher folgenderma�en lautete:</p><cite><p>�Kurzer Entwurff der politischen Klugheit, sich selbst und andern in allen Menschlichen Gesellschafften wohl zu rathen und zu einer gescheiden Conduite zu gelangen; Allen Menschen, die sich klug zu seyn d�nken, oder noch klug werden wollen, zu h�chst n�thiger Bed�rfni� und ungemeinem Nutzen, aus dem Lateinischen des Herrn Thomasii �bersetzt. Nebst einem ausf�hrlichen Register. Frankfurt und Leipzig. In Verlag Johann Gro�ens Erben. 1710.�</p></cite><p>�Bemerken Sie,� sprach Tusmann mit s��em L�cheln, �bemerken Sie, wie der w�rdige Autor im siebenten Kapitel, das lediglich vom Heiraten und von der Klugheit eines Hausvaters handelt, � 6 ausdr�cklich sagt:</p><cite><p>�Zum wenigsten soll man damit nicht eilen. Wer bei vollkommenem m�nnlichen Alter heirathet, wird so viel kl�ger, weil er so viel weiser wird. Fr�hzeitige Heirathen machen unversch�mte oder arglistige Leute und werffen sowohl des Leibes, als des Gem�ths Kr�ffte �bern Hauffen. Das m�nnliche Alter ist zwar nicht ein Anfang der Jugend, dieselbe aber soll nicht eher, als mit demselben zugleich sich enden.�</p></cite><p>Und dann, was die Wahl des Gegenstandes betrifft, den man zu lieben und zu heiraten gesonnen, so sagt der vortreffliche Thomasius � 9:</p><cite><p>�Die Mittelstra�e ist die sicherste, man nehme keine allzu Sch�ne noch H��liche, keine sehr Reiche noch sehr Arme, keine Vornehmere noch Geringere, sondern, die mit uns gleichen Standes ist, und so wird auch bey den meisten �brigen Eigenschafften die Mittelstra�e zu treffen das Beste seyn.�</p></cite><p>Dem bin ich denn auch gefolgt und habe mit der anmutigen Person, die ich erw�hlet, nach dem Rat, den Herr Thomasius im � erteilet, nicht nur einmal Konversation gepfleget, weil man durch Verstellung der Fehler und Annehmung von allerhand Scheintugenden leicht hintergangen werden kann, sondern zum �ftern, da es denn unm�glich ist, sich g�nzlich in die L�nge zu bergen.�</p><p>�Aber,� sprach der Goldschmied, �aber mein werter Herr Tusmann, eben dieser Umgang oder, wie Sie es zu nennen belieben, diese Konversation mit den Weibern scheint mir, soll man nicht get�uscht werden auf schn�de Weise, langer Erfahrung und �bung zu bed�rfen.�</p><p>�Auch hierin�, erwiderte Tusmann, �steht mir der gro�e Thomasius zur Seite, indem er sattsam lehrt, wie eine vern�nftige angenehme Konversation einzurichten und wie vorz�glich, konversiert man mit Frauenzimmern, dabei einiger Scherz auf liebliche Art einzumischen. Aber Scherzreden, sagt mein Autor im f�nften Kapitel, soll man sich bedienen, wie ein Koch des Salzes, ja selbst der spitzigen Redensarten wie eines Gewehrs, nicht andere damit anzutasten, sondern zu unserer Besch�tzung, ebenm��ig als ein Igel seine Stacheln zu brauchen pfleget. Und soll man dabei als ein kluger Mann auf die Geb�rden fast noch mehr, als auf die Worte regardieren, indem �fters das, was einer in Diskursen verbirget, durch Geb�rden hervorbricht, und die Worte gemeiniglich nicht so viel als die �brige Auff�hrung zu Erweckung Freund- oder Feindschaft verm�gen.�</p><p>�Ich merk' es schon,� nahm der Goldschmied das Wort, �man kommt Ihnen auf keine Weise bei, Sie sind gegen alles gewappnet und ger�stet. Wetten will ich daher auch, da� Sie durch Ihr Betragen die Liebe der von Ihnen erkornen Dame ganz und gar gewonnen.�</p><p>�Ich beflei�ige mich�, sprach Tusmann, �nach Thomasii Rat einer ehrerbietigen und freundlichen Gef�lligkeit, denn diese ist sowohl das nat�rlichste Merkmal der Liebe, als der nat�rlichste Zug und Erweckung der Gegenliebe, gleichwie das Hojanen oder G�hnen eine ganze Gesellschaft zur Nachahmung antreibt. Doch gehe ich in der allzu gro�en Ehrerbietung nicht zu weit, denn ich bedenke wohl, da�, wie Thomasius lehrt, die Weiber weder gute noch b�se Engel, sondern blo�e Menschen und zwar, den Leibes- und Gem�tskr�ften nach, schw�chere Kreaturen sind als wir, welches der Unterschied des Geschlechts sattsam anzeiget.�</p><p>�Ein schwarz Jahr�, rief der Alte ergrimmt, �komme �ber Euch, da� Ihr l�ppisches Zeug schwatzt ohne Aufh�ren und mir die gute Stunde verderbt, in der ich hier mich zu erlaben gedachte nach vollbrachtem gro�en Werk!� �</p><p>�Schweigt nur, Alter,� sprach der Goldschmied mit erh�hter Stimme, �seid froh, da� wir Euch hier leiden; denn mit Euerm brutalen Wesen seid Ihr ein unangenehmer Gast, den man eigentlich hinauswerfen sollte. � Lassen Sie sich, wertester Herr Tusmann, durch den Alten nicht irren. Sie sind der alten Zeit hold, Sie lieben den Thomasius; was mich betrifft, so gehe ich noch viel weiter zur�ck, da ich nur auf die Zeit etwas gebe, der, wie Sie sehen, zum Teil meine Kleidung angeh�rt. Ja, Verehrter, jene Zeit war wohl herrlicher, als die jetzige, und aus ihr stammt noch jener sch�ne Zauber her, den Sie heute am alten Rathausturm geschaut haben.�</p><p>�Wie das, wertester Herr Professor?� fragte der Geheime Kanzleisekret�r.</p><p>�Ei,� fuhr der Goldschmied fort, �damals gab es gar �fters fr�hliche Hochzeit auf dem Rathause, und solche Hochzeiten sahen ein wenig anders aus, als die jetzigen. � Nun! manche gl�ckliche Braut blickte damals zum Fenster heraus, und so ist es ein anmutiger Spuk, wenn noch jetzt ein luftiges Gebilde das, was sich jetzt begeben wird, weissagt aus dem, was vor langer Zeit geschehen. �berhaupt mu� ich bekennen, da� damals unser Berlin bei weitem lustiger und bunter sich ausnahm, als jetzt, wo alles auf einerlei Weise ausgepr�gt wird, und man in der Langeweile selbst die Lust sucht und findet, sich zu langweilen. Da gab's Feste, andere Feste, als man sie jetzt ersinnen mag. Ich will nur daran denken, wie im Jahr Eintausendf�nfhundert und einundachtzig zu Okuli in der Fasten der Kurf�rst Augustus zu Sachsen mit seinem Gemahl und Sohne Christian von allen anwesenden Herrn herrlich und pr�chtig zu K�lln eingeholt wurde mit etlichen hundert Pferden. Und die B�rger beider St�dte, Berlin und K�lln, samt den Spandauischen, standen zu beiden Seiten vom K�penicker Tore bis zum Schlosse in vollst�ndiger R�stung. Tages darauf gab es ein stattliches Ringrennen, bei dem der Kurf�rst zu Sachsen und Graf Jost zu Barby mit mehreren vom Adel aufzogen in goldener Kleidung, hohen goldnen Stirnhauben, an Schultern, Ellenbogen und Knien mit goldenen L�wenk�pfen, sonst an Armen und Beinen mit fleischfarbener Seide, als w�ren sie blo� gewesen, angetan, wie man die heidnischen K�mpfer zu malen pflegt. S�nger und Instrumentisten sa�en verborgen in einer goldenen Arche Noahs, und darauf ein kleiner Knabe, mit fleischfarbener Seide bekleidet, mit Fl�geln, Bogen, K�cher und mit verbundenen Augen, wie der Cupido gemalt wird. Zwei andere Knaben, mit sch�nen wei�en Strau�federn bekleidet, goldenen Augen und Schn�beln wie T�ubelein, f�hrten die Arche, in welcher, wenn der F�rst gerannt und getroffen, die Musik ert�nte. Darauf lie� man etliche Tauben aus der Arche, von denen sich eine auf die spitze Zobelm�tze unsers gn�digen Herrn Kurf�rsten setzte, mit den Fl�geln schlug und eine welsche Arie zu singen begann, gar lieblich und viel sch�ner, als siebenzig Jahre sp�ter unser Hofs�nger Bernhard Pasquino Grosso aus Mantua zu singen pflegte, wiewohl nicht so anmutig, als zu jetziger Zeit unsere Theaters�ngerinnen, die freilich, zeigen sie ihre Kunst, besser placiert sind, als jenes T�ubelein. Dann gab es ein Fu�turnier, zu dem zog der Kurf�rst von Sachsen mit dem Grafen von Barby in einem Schiffe auf, das war mit gelbem und schwarzem Zeuge bekleidet und hatte ein Segel von goldenem Zindel. Und es sa� hinter dem Herrn der kleine Knabe, der Tages zuvor Cupido gewesen, mit einem langen bunten Rocke und spitzigem Hute von gelbem und schwarzem Zeuge und langem grauen Barte. S�nger und Instrumentisten waren ebenso gekleidet. Aber rings um das Schiff tanzten und sprangen viele Herren vom Adel her, mit K�pfen und Schw�nzen von Lachsen, Heringen und andern lustigen Fischen angetan, welches sich gar anmutig ausnahm. Am Abend um die zehnte Stunde wurde ein sch�nes Feuerwerk angez�ndet, welches einige tausend Sch�sse hatte, in der Gestalt einer viereckigen Festung mit Landsknechten besetzt, die alle voller Sch�sse waren, und trieben die B�chsenmeister viel merkliche Possen mit Stechen und Fechten und lie�en feurige Rosse und M�nner, seltsame V�gel und andere Tiere in die H�he fahren mit schrecklichem Gerassel und Geprassel. Das Feuerwerk dauerte an die zwei Stunden.� � W�hrend der Goldschmied dies alles erz�hlte, gab der Geheime Kanzleisekret�r alle Zeichen der innigsten Teilnahme, des h�chsten Wohlgefallens von sich. Er rief mit feiner Stimme: �Ei � O � Ach� � dazwischen, schmunzelte, rieb sich die H�nde, rutschte auf dem Stuhle hin und her und schl�rfte dabei ein Glas Wein nach dem andern hinunter.</p><p>�Mein verehrtester Herr Professor,� rief er endlich im Falsett, den ihm die h�chste Freude abzun�tigen pflegte, �mein teuerster, verehrtester Herr Professor, was sind das f�r herrliche Dinge, von denen Sie so lebhaft zu erz�hlen belieben, als w�ren Sie selbst pers�nlich dabei gewesen.�</p><p>�Ei,� erwiderte der Goldschmied, �soll ich denn vielleicht nicht dabei gewesen sein?�</p><p>Tusmann wollte, den Sinn dieser verwunderlichen Rede nicht fassend, eben weiter fragen, als der Alte m�rrisch zum Goldschmied sprach: �Verge�t doch die sch�nsten Feste nicht, an denen sich die Berliner erg�tzten in jener Zeit, die Ihr so hoch erhebt. Wie auf dem Neumarkt die Scheiterhaufen dampften, und das Blut flo� der ungl�cklichen Schlachtopfer, die, auf die entsetzlichste Weise gemartert, alles gestanden, was der tollste Wahn, der plumpste Aberglaube nur sich ertr�umen konnte.�</p><p>�Ach,� nahm der Geheime Kanzleisekret�r das Wort, �ach, Sie meinen gewi� die schn�den Hexen � und Zauberprozesse, wie sie in alter Zeit stattfanden, mein bester Herr! � Ja, das war freilich ein schlimmes Ding, dem unsere sch�ne Aufkl�rung ein Ende gemacht hat.�</p><p>Der Goldschmied warf seltsame Blicke auf den Alten und auf Tusmann und fragte endlich mit geheimnisvollem L�cheln diesen: �Kennen Sie die Geschichte vom M�nzjuden Lippold, wie sie sich im Jahr Eintausendf�nfhundert und zweiundsiebenzig zutrug?�</p><p>Noch ehe Tusmann antworten konnte, fuhr der Goldschmied weiter fort: �Gro�en Betruges und arger Schelmerei war der M�nzjude Lippold angeklagt, der sonst das Vertrauen des Kurf�rsten besa�, dem ganzen M�nzwesen im Lande vorstand und allemal, wenn es not tat, gleich mit bedeutenden Summen bei der Hand war. Sei es aber nun, da� er sich gut auszureden wu�te, oder da� ihm andere Mittel zu Gebote standen, sich vor den Augen des Kurf�rsten rein zu waschen von aller Schuld, oder da�, wie man damals sich auszudr�cken pflegte, etzliche, die beim Herrn Tun und Lassen waren, mit der silbernen B�chse geschossen; genug, es war an dem, da� er als unschuldig loskommen sollte; er wurde nur noch in seinem kleinen, in der Stralauer Stra�e belegenen Hause von B�rgern bewacht. Da trug es sich zu, da� er sich mit seinem Weibe erz�rnte, und da� diese in zornigem Mute sprach: �Wenn der gn�dige Herr Kurf�rst nur w��te, was du f�r ein b�ser Schelm bist, und was f�r Bubenst�cke du mit deinem Zauberbuche kannst zuwege bringen, w�rdest du lange kalt sein.� Das wurde dem Kurf�rsten berichtet, der lie� strenge nachforschen in Lippolds Hause nach dem Zauberbuche, das man endlich fand, und das, als es Leute, die dessen Verstand hatten, lasen, seine Schelmerei klar an den Tag brachte. B�se K�nste hatte er getrieben, um den Herrn sich ganz zu eigen zu machen und das ganze Land zu beherrschen, und nur des Kurf�rsten Gottseligkeit hatte dem satanischen Zauber widerstanden. Lippold wurde auf dem Neumarkt hingerichtet, als aber die Flammen seinen K�rper und das Zauberbuch verzehrten, kam unter dem Ger�st eine gro�e Maus hervor und lief ins Feuer. Viele Leute hielten die Maus f�r Lippolds Zauberteufel.�</p><p>W�hrend der Goldschmied dies erz�hlte, hatte der Alte beide Arme auf den Tisch gest�tzt, die H�nde vors Gesicht gehalten und gest�hnt und ge�chzt, wie einer, der gro�e unertr�gliche Schmerzen leidet.</p><p>Der Geheime Kanzleisekret�r schien dagegen nicht sonderlich auf des Goldschmieds Worte zu achten. Er war �ber die Ma�en freundlich und in dem Augenblick von ganz andern Gedanken und Bildern erf�llt. Als n�mlich der Goldschmied geendet, fragte er schmunzelnd mit s�� lispelnder Stimme: �Aber sagen Sie mir nur, mein allerwertester hochverehrtester Herr Professor, war denn das wirklich die Demoiselle Albertine Vo�winkel, die aus dem verfallenen Fenster des Rathausturmes mit ihren sch�nen Augen auf uns herniederblickte?�</p><p>�Was,� fuhr ihn der Goldschmied wild an, �was haben Sie mit der Albertine Vo�winkel?�</p><p>�Nun,� erwiderte Tusmann kleinlaut, �nun, du mein lieber Himmel, das ist ja eben diejenige holde Dame, die ich zu lieben und zu heiraten unternommen.�</p><p>�Herr,� rief nun der Goldschmied, blutrot im ganzen Gesicht und gl�henden Zorn in den feuerspr�henden Augen, �Herr, ich glaube, Sie sind vom Teufel besessen oder total wahnsinnig! Sie wollen die sch�ne blutjunge Albertine Vo�winkel heiraten? Sie alter abgelebter, armseliger Pedant? Sie, der Sie mit all Ihrer Schulgelehrsamkeit, mitsamt Ihrer aus dem Thomasius gesch�pften politischen Klugheit nicht drei Schritt �ber Ihre eigne Nase wegsehen k�nnen? � Sol che Gedanken lassen Sie sich nur vergehen, sonst k�nnte Ihnen noch in dieser �quinoktialnacht das Genick gebrochen werden.�</p><p>Der Geheime Kanzleisekret�r war sonst ein sanfter friedfertiger, ja furchtsamer Mann, der niemanden, wurde er auch angegriffen, ein hartes Wort sagen konnte. Zu schn�de waren aber wohl des Goldschmieds Worte, und kam noch hinzu, da� Tusmann mehr starken Wein, als er gewohnt, getrunken hatte, so konnt' es nicht fehlen, da� er, wie sonst niemals, zornig auffuhr und mit gellender Stimme rief: �Ich wei� gar nicht, wie Sie mir vorkommen, mein unbekannter Herr Goldschmied, was Sie berechtigt, mir so zu begegnen? � Ich glaube gar, Sie wollen mich �ffen durch allerhand kindische K�nste und vermessen sich, die Demoiselle Albertine Vo�winkel selbst lieben zu wollen, und haben die Dame portr�tiert auf Glas und mir mittelst einer Laterna magica, die Sie unter dem Mantel verborgen, das angenehme Bildnis gezeigt am Rathausturm! � O mein Herr, auch ich verstehe mich auf solche Dinge, und Sie verfehlen den Weg, wenn Sie glauben, mich durch Ihre K�nste, durch Ihre groben Redensarten einzusch�chtern!� �</p><p>�Nehmen Sie sich in acht,� sprach nun der Goldschmied gelassen und sonderbar l�chelnd, �nehmen Sie sich in acht, Tusmann, Sie haben es hier mit kuriosen Leuten zu tun.�</p><p>Aber in dem Augenblick grinste statt des Goldschmieds ein abscheuliches Fuchsgesicht den Geheimen Kanzleisekret�r an, der, von dem tiefsten Entsetzen erfa�t, zur�cksank in den Sessel.</p><p>Der Alte schien sich �ber des Goldschmieds Verwandlung weiter gar nicht zu verwundern, vielmehr hatte er auf einmal sein m�rrisches Wesen ganz verloren und rief lachend: �Sehen Sie doch, welch h�bscher Spa�; � aber das sind brotlose K�nste, da wei� ich Besseres und vermag Dinge, die dir stets zu hoch geblieben sind, Leonhard.�</p><p>�La� doch sehen,� sprach der Goldschmied, der nun wieder sein menschliches Gesicht angenommen, sich ruhig an den Tisch setzend, �la� doch sehen, was du kannst.�</p><p>Der Alte holte einen gro�en schwarzen Rettig aus der Tasche, putzte und sch�lte ihn mit einem kleinen Messer, das er ebenfalls hervorgezogen, sauber ab, zerschnitt ihn in d�nne Scheiben und legte diese auf den Tisch.</p><p>Aber sowie er mit geballter Faust auf eine Rettigscheibe schlug, sprang klappernd ein sch�n ausgepr�gtes flimmerndes Goldst�ck hervor, das er fa�te und dem Goldschmied zuwarf. Doch, sowie dieser das Goldst�ck auffing, zerst�ubte es in tausend knisternde Funken. Das schien den Alten zu �rgern, immer rascher und st�rker pr�gte er die Rettigscheiben aus, immer prasselnder zersprangen sie in des Goldschmieds Hand.</p><p>Der Geheime Kanzleisekret�r war ganz au�er sich, bet�ubt von Entsetzen und Angst; endlich raffte er sich mit Gewalt auf aus der Ohnmacht, der er nahe war, und sprach mit bebender Stimme: �Da will ich mich doch den hochzuverehrenden Herren lieber ganz gehorsamer empfehlen;� sprang alsbald, nachdem er Hut und Stock ergriffen, schnell zur T�re heraus.</p><p>Auf der Stra�e h�rte er, wie die beiden Unheimlichen hinter ihm her eine gellende Lache aufschlugen, vor der ihm das Blut in den Adern gefror.</p></section><section><title><p>Zweites Kapitel</p><p>Worin erz�hlt wird, wie eines Zigarros halber, der nicht brennen wollte, sich ein Liebesverst�ndnis erschlo�, nachdem die Verliebten schon fr�her mit den K�pfen aneinandergerannt</p></title><p>�Auf weniger verf�ngliche Weise als der Geheime Kanzleisekret�r Tusmann hatte der junge Maler Edmund Lehsen die Bekanntschaft des alten wunderlichen Goldschmieds Leonhard gemacht.</p><p>Edmund entwarf gerade an einer einsamen Stelle des Tiergartens eine sch�ne Baumgruppe nach der Natur, als Leonhard zu ihm trat und ohne Umst�nde ihm �ber die Schulter ins Blatt hineinsah. Edmund lie� sich gar nicht st�ren, sondern zeichnete emsig fort, bis der Goldschmied rief: �Das ist ja eine ganz sonderbare Zeichnung, lieber junger Mann, das werden ja am Ende keine B�ume, das wird ja ganz etwas anders.�</p><p>�Merken Sie etwas, mein Herr?� sprach Edmund mit leuchtenden Blicken. �Nun,� fuhr der Goldschmied fort, �ich meine, aus den dicken Bl�ttern da guckten allerlei Gestalten heraus im buntesten Wechsel, bald Genien, bald seltsame Tiere, bald Jungfrauen, bald Blumen. Und doch sollte das Ganze wohl nur sich zu jener Baumgruppe uns gegen�ber gestalten, durch die die Strahlen der Abendsonne so lieblich funkeln.�</p><p>�Ei, mein Herr,� rief Edmund, �Sie haben entweder einen gar tiefen Sinn, ein durchschauendes Auge f�r dergleichen, oder ich war in diesen Augenblicken gl�cklicher im Darstellen meiner innersten Empfindung, als jemals. Ist es Ihnen nicht auch so, wenn Sie sich in der Natur ganz Ihrem sehns�chtigen Gef�hl �berlassen, als schauten durch die B�ume, durch das Geb�sch allerlei wunderbare Gestalten Sie mit holden Augen an? � Das war es, was ich in dieser Zeichnung recht versinnlichen wollte, und ich merke, es ist mir gelungen.�</p><p>�Ich verstehe,� sprach Leonhard etwas kalt und trocken, �Sie wollten, frei von allem eigentlichen Studium, sich Rast geben und in einem anmutigen Spiel Ihrer Phantasie sich erheitern und erkr�ftigen.�</p><p>�Keinesweges, mein Herr!� erwiderte Edmund, �gerade diese Art, nach der Natur zu zeichnen, halte ich f�r mein bestes, nutzenvollstes Studieren. Aus solchen Studien trag' ich das wahrhaft Poetische, Phantastische in die Landschaft. Dichter mu� der Landschaftsmaler ebensogut sein als der Geschichtsmaler, sonst bleibt er ewig ein St�mper.�</p><p>�Hilf Himmel,� rief Leonhard, �auch Sie, lieber Edmund Lehsen� �</p><p>�Wie,� unterbrach Edmund den Goldschmied, �wie, Sie kennen mich, mein Herr!�</p><p>�Warum,� erwiderte Leonhard, �soll ich Sie denn nicht kennen? � Ich machte Ihre erste werte Bekanntschaft in einem Augenblick, auf den Sie sich wahrscheinlich nicht sehr deutlich besinnen werden, n�mlich, als Sie soeben geboren waren. F�r die wenige Welterfahrung, die Sie damals besitzen konnten, hatten Sie sich �beraus sittig und klug betragen, Ihrer Frau Mama ungemein wenig M�he gemacht und sogleich ein sehr wohlklingendes Freudengeschrei erhoben, auch heftig ans Tageslicht verlangt, das man Ihnen nach meinem Rat nicht verweigern durfte, da nach dem Ausspruch der neuesten �rzte dieses den neugebornen Kindern nicht nur keinesweges schadet, sondern vielmehr wohlt�tig auf ihren Verstand, auf ihre physischen Kr�fte �berhaupt wirkt. Ihr Herr Papa war auch derma�en fr�hlich, da� er auf einem Beine im Zimmer herumhopste und aus der �Zauberfl�te� sang: �Bei M�nnern, welche Liebe f�hlen etc.� Nachher gab er mir Ihre kleine Person in die H�nde und bat mich, Ihr Horoskop zu stellen, welches ich auch tat. Dann kam ich noch �fters in Ihres Vaters Haus, und Sie verschm�hten nicht, manche T�te Rosinen und Mandeln aufzunaschen, die ich Ihnen mitbrachte. Nachher ging ich auf Reisen, Sie mochten damals sechs oder acht Jahr alt sein. Dann kam ich hieher nach Berlin, sah Sie und vernahm mit Vergn�gen, da� Ihr Vater Sie aus M�ncheberg hieher geschickt, um die edle Malerkunst zu studieren, f�r welches Studium in M�ncheberg eben nicht sonderlicher Fond vorhanden an Bildern, Marmorn, Bronzen, Gemmen und andern bedeutenden Kunstsch�tzen. Ihre gute Vaterstadt kann sich darin nicht mit Rom, Florenz oder Dresden messen, wie vielleicht k�nftig Berlin, wenn funkelnagelneue Antiken aus der Tiber gefischt und hieher transportiert werden.� �</p><p>�Mein Gott,� sprach Edmund, �jetzt gehen mir alle Erinnerungen aus meiner fr�hesten Jugend lebhaft auf. Sind Sie nicht Herr Leonhard?�</p><p>�Allerdings,� erwiderte der Goldschmied, �hei�e ich Leonhard und nicht anders, indessen m�cht' es mich doch wundern, wenn Sie sich aus so fr�her Zeit meiner noch erinnern sollten.�</p><p>�Und doch,� fuhr Edmund fort, �ist es der Fall. Ich wei�, da� ich mich jedesmal, wenn Sie in meines Vaters Hause erschienen, sehr freute, weil Sie mir allerlei N�schereien mitbrachten und sich �berhaupt viel mit mir abgaben, und dabei verlie� mich nicht eine scheue Ehrfurcht, ja eine gewisse Angst und Beklommenheit, die oft noch fortdauerte, wenn Sie schon weggegangen waren. Aber noch mehr sind es die Erz�hlungen meines Vaters von Ihnen, die Ihr Andenken in meiner Seele frisch erhalten haben. Er r�hmte sich Ihrer Freundschaft, da Sie ihn mit besonderer Gewandtheit aus allerlei verdrie�lichen Vorf�llen und Verwickelungen, wie sie im Leben wohl vorkommen, gl�cklich gerettet hatten. Mit Begeisterung sprach er aber davon, wie Sie in die tiefen geheimen Wissenschaften eingedrungen, �ber manche verborgene Naturkraft geb�ten nach Willk�r, und manchmal � verzeihen Sie � gab er nicht undeutlich zu verstehen, Sie w�ren wohl am Ende, das Ding bei Lichte besehen, Ahasverus, der ewige Jude!� �</p><p>�Warum nicht gar der Rattenf�nger von Hameln oder der Alte �berall und Nirgends oder das Peterm�nnchen oder sonst ein Kobold,� unterbrach der Goldschmied den J�ngling; �aber wahr mag es sein, und ich will es gar nicht leugnen, da� es mit mir eine gewisse eigene Bewandtnis hat, von der ich nicht sprechen darf, ohne �rgernis zu erregen. Ihrem Herrn Papa habe ich in der Tat viel Gutes erzeigt durch meine geheimen K�nste; vorz�glich erfreute ihn gar sehr das Horoskop, das ich Ihnen stellte nach Ihrer Geburt.�</p><p>�Nun,� sprach der J�ngling, indem hohe R�te seine Wangen �berflog, �nun, mit dem Horoskop war es eben nicht so sehr erfreulich. Mein Vater hat es mir oft wiederholt, Ihr Ausspruch sei gewesen, es w�rde was Gro�es aus mir werden, entweder ein gro�er K�nstler oder ein gro�er Narr. � Wenigstens hab' ich es aber diesem Ausspruch zu verdanken, da� mein Vater meiner Neigung zur Kunst freien Lauf lie�, und glauben Sie nicht, da� Ihr Horoskop zutreffen wird?�</p><p>�O ganz gewi�,� erwiderte der Goldschmied sehr kalt und gelassen, �es ist gar nicht daran zu zweifeln, denn Sie sind eben jetzt auf dem sch�nsten Wege, ein gro�er Narr zu werden.�</p><p>�Wie, mein Herr,� rief Edmund betroffen, �wie mein Herr, Sie sagen mir das so geradezu ins Gesicht? Sie ��</p><p>�Es liegt�, fiel ihm der Goldschmied ins Wort, �nun g�nzlich an dir, der schlimmen Alternative meines Horoskops zu entgehen und ein t�chtiger K�nstler zu werden. Deine Zeichnungen, deine Entw�rfe, verraten eine reiche lebendige Phantasie, eine rege Kraft des Ausdrucks, eine kecke Gewandtheit der Darstellung; auf diese Fundamente l��t sich ein wackeres Geb�ude auff�hren. La� ab von aller modischen �berspanntheit und gib dich ganz hin dem ernsten Studium. Ich r�hm' es, da� du nach der W�rde und Einfachheit der alten deutschen Maler trachtest, aber auch hier magst du sorglich die Klippe vermeiden, an der so viele scheitern. Es geh�rt wohl ein tiefes Gem�t, eine Seelenkraft, die der Erschlaffung der modernen Kunst zu widerstehen vermag, dazu, ganz aufzufassen den wahren Geist der alten deutschen Meister, ganz einzudringen in den Sinn ihrer Gebilde. Nur dann wird sich aus dem Innersten heraus der Funke entz�nden, und die wahre Begeisterung Werke schaffen, die ohne blinde Nachahmerei eines besseren Zeitalters w�rdig sind. Aber jetzt meinen die jungen Leute, wenn sie irgendein biblisches Bild mit klapperd�rren Figuren, ellenlangen Gesichtern, steifen eckichten Gew�ndern und falscher Perspektive zusammenstoppeln, sie h�tten gemalt in der Manier der alten deutschen hohen Meister. Solche geistestote Nach�hmler m�gen dem Bauerjungen zu vergleichen sein, der in der Kirche bei dem Vaterunser den Hut vor die Nase hielt, ohne es auswendig beten zu k�nnen, angebend, wisse er auch das Gebet nicht, so kenne er doch die Melodie davon.�</p><p>Der Goldschmied sprach noch viel Wahres und Sch�nes �ber die edle Kunst der Malerei und gab dem k�nstlerischen Edmund weise vortreffliche Lehren, so da� dieser, ganz durchdrungen, zuletzt fragte, wie es m�glich sei, da� Leonhard so viel Kenntnis habe erwerben k�nnen, ohne selbst Maler zu sein, und da� er so im Verborgenen lebe, ohne sich Einflu� zu verschaffen auf die Kunstbestrebungen aller Art.</p><p>�Ich habe,� erwiderte der Goldschmied mit sehr mildem ernsten Ton, �ich habe dir schon gesagt, da� eine lange, ja in der Tat sehr wunderbar lange Erfahrung meinen Blick, mein Urteil gesch�rft hat. Was aber meine Verborgenheit betrifft, so bin ich mir bewu�t, da� ich �berall etwas seltsam auftreten w�rde, wie es nun einmal nicht nur meine ganze Organisation, sondern auch das Gef�hl einer gewissen mir inwohnenden Macht gebietet, und dies k�nnte mein ganzes ruhiges Leben hier in Berlin verst�ren. Ich gedenke noch eines Mannes, der in gewisser Hinsicht mein Ahnherr sein k�nnte, und der mir so in Geist und Fleisch gewachsen ist, da� ich zuweilen im seltsamen Wahn glaube, ich sei es eben selbst. Niemanden anders meine ich, als jenen Schweizer Leonhard Turnh�user zum Thurm, der ums Jahr Eintausendf�nfhundert und zweiundachtzig hier in Berlin am Hofe des Kurf�rsten Johann George lebte. Damals war, wie du wissen wirst, jeder Chemiker ein Alchimist und jeder Astronom ein Astrolog genannt, und so mochte Turnh�user auch beides sein. So viel ist indessen gewi�, da� Turnh�user die merkw�rdigsten Dinge zustande brachte und au�erdem sich als t�chtiger Arzt bewies. Er hatte indessen den Fehler, seine Wissenschaft �berall geltend machen zu wollen, sich in alles zu mischen, �berall mit Rat und Tat bei der Hand zu sein. Das zog ihm Ha� und Neid zu, wie der Reiche, der mit seinem Reichtum, ist er auch wohl erworben, eitlen Prunk treibt, sich am ersten Feinde auf den Hals zieht. Nun begab es sich, da� man dem Kurf�rsten eingeredet hatte, Turnh�user verm�ge Gold zu machen, und da� dieser, sei es nun, weil er sich wirklich nicht darauf verstand, oder weil andere Gr�nde ihn dazu trieben, hartn�ckig verweigerte, zu laborieren. Da kamen Turnh�users Feinde und redeten zum Kurf�rsten: �Seht Ihr wohl, was das f�r ein verschmitzter unversch�mter Geselle ist? Er prahlt mit Kenntnissen, die er nicht besitzt, und treibt allerlei zauberische Possen und j�dische H�ndel, die er b��en sollte mit schmachvollem Tode, wie der Jude Lippold.� Turnh�user war sonst wirklich ein Goldschmied gewesen, das kam heraus, und nun bestritt man ihm vollends alle Wissenschaft, die er doch sattsam an den Tag gelegt. Man behauptete sogar, da� er all die scharfsinnigen Schriften, die bedeutungsvollen Prognostika, die er herausgegeben, nicht selbst verfertigt, sondern sich habe machen lassen von andern Leuten um bares Geld. Genug, Ha�, Neid, Verleumdung, brachten es dahin, da� er, um dem Schicksal des Juden Lippold zu entgehen, in aller Stille Berlin und die Mark verlassen mu�te. Da schrien die Widersacher, er habe sich zum p�pstischen Haufen begeben, das ist aber nicht wahr. Er ging nach Sachsen und trieb sein Goldschmiedshandwerk, ohne der Wissenschaft zu entsagen� �</p><p>Edmund f�hlte sich auf wunderbare Weise zu dem alten Goldschmied hingezogen, und dieser lohnte ihm das ehrfurchtsvolle Vertrauen, wie er es gegen ihn �u�erte, dadurch, da� er nicht allein in seinem Kunststudium sein strenger, aber tief belehrender Kritiker blieb, sondern ihm auch in Ansehung der Bereitung und Mischung der Farben gewisse Geheimnisse, die den alten Malern zu Gebote standen, entdeckte, welche sich in der Ausf�hrung auf das herrlichste bew�hrten.</p><p>So bildete sich nun zwischen Edmund und dem alten Leonhard das Verh�ltnis, in dem der hoffnungsvolle geliebte Z�gling mit dem v�terlichen Lehrer und Freunde steht.</p><p>Bald darauf begab es sich, da� an einem sch�nen Sommerabende bei dem �Hofj�ger� im Tiergarten dem Kommissionsrat Herrn Melchior Vo�winkel kein einziger von den mitgebrachten Zigarren brennen wollte. Sie hatten s�mtlich keine Luft. Mit steigendem Unwillen warf der Kommissionsrat einen nach dem andern an die Erde und rief zuletzt: �O Gott, hab' ich darum mit vieler M�he und nicht unbedeutenden Kosten Zigarren direkte aus Hamburg verschrieben, damit mich die schm�hlichen Dinger in meiner besten Lust st�ren sollten? � Kann ich jetzt wohl auf vern�nftige Weise die sch�ne Natur genie�en und einen n�tzlichen Diskurs f�hren? � Es ist doch entsetzlich!�</p><p>Er hatte diese Worte gewisserma�en an Edmund Lehsen gerichtet, der neben ihm stand, und dessen Zigarro ganz fr�hlich dampfte.</p><p>Edmund, ohne den Kommissionsrat weiter zu kennen, zog sogleich seine gef�llte Zigarrenb�chse hervor und reichte sie freundlich dem Verzweifelnden hin, mit der Bitte, zuzulangen, da er f�r die G�te und Brennbarkeit der Zigarren einstehe, ungeachtet er sie nicht direkte von Hamburg bekommen, sondern aus einem Laden in der Friedrichsstra�e erkauft habe.</p><p>Der Kommissionsrat, ganz Freude und Fr�hlichkeit, langte mit einem: �Bitt' ganz ergebenst,� wirklich zu, und als nur, kaum mit dem brennenden Fidibus ber�hrt, die feinen lichtgrauen Wolken aus dem angenehmen Glimmstengel oder Tabaksr�hrlein, wie die Puristen den Zigarro benannt haben wollen, sich emporkr�uselten, rief der Mann ganz entz�ckt: �O mein wertester Herr, Sie rei�en mich wirklich aus arger Verlegenheit! � Tausend Dank daf�r, und beinahe m�cht' ich unversch�mt genug sein, Sie, wenn dieser Zigarro verraucht, um einen zweiten zu bitten.�</p><p>Edmund versicherte, da� er �ber seine Zigarrenb�chse gebieten k�nne, und beide trennten sich dann.</p><p>Als nun aber, da es schon ein wenig zu d�mmern begann, Edmund, den Entwurf eines Bildes im Kopfe, mithin ziemlich abwesend und die bunte Gesellschaft nicht beachtend, sich durch Tische und St�hle dr�ngte, um ins Freie zu kommen, stand pl�tzlich der Kommissionsrat wieder vor ihm und fragte sehr freundlich, ob er nicht an seinem Tisch Platz nehmen wolle. Im Begriff, es auszuschlagen, weil er sich hinaussehnte in den Wald, fiel ihm ein M�dchen ins Auge, das die Jugend, Anmut, der Liebreiz selbst, an dem Tische sa�, von dem der Kommissionsrat aufgestanden war.</p><p>�Meine Tochter Albertine�, sprach der Kommissionsrat zu Edmund, der regungslos das M�dchen anstarrte und beinahe verga�, sie zu begr��en. Er erkannte auf den ersten Blick in Albertinen das bildsch�ne, mit der h�chsten Eleganz gekleidete Frauenzimmer wieder, das er in der vorj�hrigen Kunstausstellung vor einer von seinen Zeichnungen antraf. Sie erkl�rte mit Scharfsinn der �ltern Frau und den beiden jungen M�dchen, die mit ihr gekommen, den Sinn des phantastischen Gebildes, sie ging ein auf Zeichnung, Gruppierung, sie r�hmte den Meister, der das Werk geschaffen, und bemerkte, da� es ein sehr junger hoffnungsvoller K�nstler sein solle, den sie wohl kennen zu lernen w�nsche. Edmund stand dicht hinter ihr und sog begierig das Lob ein, das von den sch�nsten Lippen flo�. Vor lauter s��er Angst und bangem Herzklopfen vermochte er es nicht �ber sich, hervorzutreten als Sch�pfer des Bildes. � Da l��t Albertine den Handschuh, den sie eben von der Hand gezogen, auf die Erde fallen; schnell b�ckt sich Edmund ihn aufzuheben, Albertine ebenfalls, beide fahren mit den K�pfen zusammen, da� es knackt und kracht! � �Herr Gott im Himmel�, ruft Albertine, vor Schmerz sich den Kopf haltend.</p><p>Entsetzt prallt Edmund zur�ck, tritt bei dem ersten Schritt den kleinen Mops der alten Dame wund, da� er laut aufquiekt, bei dem zweiten einem podagrischen Professor auf die F��e, der ein furchtbares Gebr�lle erhebt und den ungl�cklichen Edmund zu allen tausend Teufeln in die flammende H�lle w�nscht. Und aus allen S�len laufen die Menschen herbei, und alle Lorgnetten sind auf den armen Edmund gerichtet, der unter dem trostlosen Wimmern des wunden Mopses, unter dem Fluchen des Professors, unter dem Schelten der alten Dame, unter dem Kichern und Lachen der M�dchen, �ber und �ber gl�hend vor Scham, ganz verzweifelt herausst�rzt, w�hrend mehrere Frauenzimmer ihre Riechfl�schchen �ffnen und Albertinen die hoch aufgelaufene Stirn mit starkem Wasser reiben. �</p><p>Schon damals, in dem kritischen Augenblick des l�cherlichen Auftritts, war Edmund, ohne doch dessen sich selbst deutlich bewu�t zu sein, in Liebe gekommen, und nur das schmerzliche Gef�hl seiner T�lpelei hielt ihn zur�ck, das M�dchen an allen Ecken und Enden der Stadt aufzusuchen. Er konnte sich Albertinen nicht anders denken, als mit roter wunder Stirn und den bittersten Vorwurf, den entschiedensten Zorn im Gesicht, im ganzen Wesen.</p><p>Davon war aber heute nicht die mindeste Spur anzutreffen. Zwar err�tete Albertine �ber und �ber, als sie den J�ngling erblickte, und schien ebensosehr au�er Fassung; als aber der Kommissionsrat ihn um Stand und Namen fragte, fiel sie holdl�chelnd mit s��er Stimme ein, da� sie sehr irren m��te, wenn sie nicht Herrn Lehsen vor sich s�he, den vortrefflichen K�nstler, dessen Zeichnungen, dessen Gem�lde ihr tiefstes Gem�t ergriffen.</p><p>Man kann denken, da� diese Worte Edmunds Inneres z�ndend durchfuhren wie ein elektrischer Schlag. Begeistert wollte er ausbrechen in die vortrefflichsten Redensarten, der Kommissionsrat lie� es aber nicht dazu kommen, sondern dr�ckte den J�ngling st�rmisch an die Brust und sprach: �Bester! um den versprochenen Zigarro!� � Und dann weiter, w�hrend er den Zigarro, den ihm Edmund darbot, geschickt mit dem Brennstoff, der noch in der Asche des eben verrauchten enthalten, anz�ndete: �Also ein Maler sind Sie, und zwar ein vortrefflicher, wie meine Tochter Albertine behauptet, die sich auf dergleichen Dinge genau versteht. � Nun, das freut mich au�erordentlich, ich liebe die Malerei oder, um mit meiner Tochter Albertine zu reden, die Kunst �berhaupt ganz ungemein, ich habe einen wahren Narren daran gefressen! � bin auch Kenner � ja wahrhaftig, ein t�chtiger Kenner von Gem�lden, mir kann ebensowenig, als meiner Tochter Albertine, jemand ein X vor ein U machen, wir haben Augen � wir haben Augen! � Sagen Sie mir, teurer Maler, sagen Sie mir's ehrlich ohne Scheu, nicht wahr, Sie sind der wackre K�nstler, vor dessen Gem�lden ich t�glich vorbeigehe und jedesmal stehen bleibe wohl einige Minuten lang, weil ich vor lauter Freude �ber die sch�nen Farben gar nicht loskommen kann?�</p><p>Edmund begriff nicht recht, wie es der Kommissionsrat anstellen sollte, t�glich bei seinen Gem�lden vor�berzugehen, da er sich nicht erinnern konnte, jemals Aush�ngeschilder gemalt zu haben. Nach einigem Hin- und Herfragen kam es aber heraus, da� Melchior Vo�winkel nichts anders meinte, als die lackierten Teebretter, Ofenschirme und dergleichen in dem Stobwasserschen Laden unter den Linden, die er in der Tat jeden Morgen um eilf Uhr, wenn er bei Sala Tarone vier Sardellen gegessen und ein Gl�schen Danziger genommen, mit wahrem Entz�cken betrachtete. Diese Kunstfabrikate galten ihm f�r das H�chste, was jemals die Kunst geleistet. � Das verschnupfte den Edmund nicht wenig, er verw�nschte den Kommissionsrat, der mit seinem faden Wortschwall ihm jede Ann�herung an Albertinen unm�glich machte.</p><p>Endlich erschien ein Bekannter des Kommissionsrats, der ihn in ein Gespr�ch zog. Diesen Moment nutzte Edmund und setzte sich hin dicht neben Albertinen, die das gar gern zu sehen schien.</p><p>Jeder, der die Demoiselle Albertine Vo�winkel kennt, wei�, da� sie, wie gesagt, die Jugend, Sch�nheit und Anmut selbst ist, da� sie sich, wie die Berliner M�dchen �berhaupt, nach der besten Mode sehr geschmackvoll zu kleiden wei�, da� sie in der Zelterschen Akademie singt, von Herrn Lauska Unterricht auf dem Fortepiano erh�lt, in den niedlichsten Spr�ngen der ersten T�nzerin nachtanzt, schon eine sch�n gestickte Tulpe nebst diversen Vergi�meinnicht und Veilchen zur Kunstausstellung geliefert hat und, von Natur heitern aufgeweckten Temperaments, doch, zumal beim Tee, gen�gende Empfindsamkeit an den Tag legen kann. Jeder wei� auch endlich, da� sie mit niedlicher, sauberer Perlschrift Gedichte und Sentenzen, die ihr in Goethes, Jean Pauls und anderer geistreicher M�nner und Frauen Schriften vorz�glich wohlgefallen, in ein B�chlein mit einem goldverzierten Maroquindeckel eintr�gt und das Mir und Mich, Sie und Ihnen niemals verwechselt.</p><p>Wohl war es nat�rlich, da� Albertine an der Seite des jungen Malers, dem das Entz�cken der scheuen Liebe aus dem Herzen str�mte, in noch h�here als in die gew�hnliche Tee- und Vorlese-Empfindsamkeit geraten mu�te, und da� sie daher von Kindlichkeit, poetischem Gem�t, Lebenstiefe u.d.g. auf die artigste Weise melodisch lispelnd sprach.</p><p>Der Abendwind hatte sich erhoben und wehte s��e Bl�tend�fte vor sich her, und im dichten dunkeln Geb�sch duettierten zwei Nachtigallen in den z�rtlichsten Liebesklagen.</p><p>Da begann Albertine aus Fouqu�s Gedichten:</p><poem><stanza><v>�Ein Fl�stern, Rauschen, Klingen</v><v>Geht durch den Fr�hlingshain,</v><v>F�ngt wie mit Liebesschlingen</v><v>Geist, Sinn und Leben ein!�</v></stanza></poem><p>K�hner geworden in der tiefen D�mmerung, die nun eingebrochen, fa�te Edmund Albertinens Hand, dr�ckte sie an seine Brust und sprach weiter:</p><poem><stanza><v>�S�ng' ich es nach, was leise</v><v>Solch stilles Leben spricht,</v><v>So schien' aus meiner Weise</v><v>Das ew'ge Liebeslicht.� �</v></stanza></poem><p>Albertine entzog ihm ihre Hand, aber nur, um sie von dem feinen Glac�-Handschuh zu befreien und dann dem Gl�cklichen wieder zu �berlassen, der sie eben feurig k�ssen wollte, als der Kommissionsrat dazwischenfuhr: �Potz tausend, das wird k�hl! � Ich wollte, ich h�tt' einen Mantel oder einen �berrock zu mir gesteckt, oder mit mir genommen, will ich vielmehr sagen. H�lle dich in deinen Shawl, Tinchen, � es ist ein t�rkischer, bester Maler, und kostet 50 bare Dukaten. � H�lle dich wohl ein, sag' ich, Tinchen, wir wollen uns auf den Weg machen. Leben Sie wohl, mein Bester.� �</p><p>Von einem richtigen Takt getrieben, griff in diesem Augenblick Edmund nach der Zigarrenb�chse und bot dem Kommissionsrat den dritten Glimmstengel an.</p><p>�O, ich bitte ganz gehorsamst,� rief Vo�winkel, �Sie sind ja ein �beraus artiger gef�lliger Mann. Die Polizei will nicht erlauben, da� man im Tiergarten wandelnd rauche, damit man das sch�ne Gras nicht versenge; aber deshalb schmeckt ein Pfeifchen oder ein Zigarro nur desto sch�ner.�</p><p>In dem Augenblick, als der Kommissionsrat sich der Laterne nahte, um den Zigarro anzuz�nden, bat Edmund leise und scheu, Albertinen nach Hause begleiten zu d�rfen. Sie nahm seinen Arm, beide schritten vor, und der Kommissionsrat schien, als er hinantrat, es vorausgesetzt zu haben, da� Edmund mit ihnen nach der Stadt gehen w�rde.</p><p>Jeder, der jung war und verliebt oder beides noch ist (manchem passiert das niemals) wird es sich einbilden k�nnen, da� es dem Edmund an Albertinens Seite d�nkte, er gehe nicht durch den Wald, sondern schwebe hoch �ber den B�umen im schimmernden Gew�lk mit der Sch�nsten daher. �</p><p>Nach Rosalindens Ausspruch in Shakespeares: �Wie es Euch gef�llt�, sind die Kennzeichen eines Verliebten: Eingefallene Wangen, Augen mit blauen R�ndern, ein gleichg�ltiger Sinn, ein verwilderter Bart, lose h�ngende Knieg�rtel, eine ungebundene M�tze, aufgekn�pfte �rmel, nicht zugeschn�rte Schuhe und eine nachl�ssige Trostlosigkeit in allem Tun und Lassen. Dies alles traf nun zwar bei Edmund ebensowenig zu, als bei dem verliebten Orlando, aber so wie dieser die junge Baumzucht ruinierte, indem er den Namen Rosalinde in alle Rinden grub, Oden an Wei�dornen hing und Elegien an die Brombeerstr�uche; so verdarb Edmund eine Menge Papier, Pergament, Leinwand und Farben, seine Geliebte in hinl�nglich schlechten Versen zu besingen und sie zu zeichnen, zu malen, ohne sie jemals zu treffen, da seine Phantasie seine Kunstfertigkeit �berfl�gelte. Kam nun noch der seltsam somnambule Blick des Liebeskranken und ein erkleckliches Seufzen zu jeder Zeit und Stunde hinzu, so konnte es nicht fehlen, da� der alte Goldschmied den Zustand seines jungen Freundes sehr bald erriet. Als er ihn dar�ber befragte, nahm Edmund gar keinen Anstand, ihm sein ganzes Herz zu erschlie�en.</p><p>�Ei,� rief Leonhard, als Edmund geendet, �ei, du denkst wohl nicht daran, da� es ein schlimmes Ding ist, sich in eine Braut zu verlieben: Albertine Vo�winkel ist so gut wie versprochen an den Geheimen Kanzleisekret�r Tusmann.�</p><p>Edmund geriet �ber diese entsetzliche Nachricht sogleich in ganz ungemeine Verzweiflung. Leonhard wartete sehr ruhig den ersten Paroxismus ab und fragte dann, ob er wirklich die Demoiselle Albertine Vo�winkel zu heiraten gedenke. Edmund versicherte, da� die Verbindung mit Albertinen der h�chste Wunsch seines Lebens sei, und beschwor den Alten, ihm beizustehen mit aller Kraft, um den Geheimen Kanzleisekret�r aus dem Felde zu schlagen und die Sch�nste f�r sich zu gewinnen.</p><p>Der Goldschmied meinte, verlieben k�nne ein blutjunger K�nstler sich wohl, aber ganz unersprie�lich sei es f�r denselben, wenn er gleich ans Heiraten d�chte. Eben deshalb habe auch der junge Sternbald zur Heirat sich durchaus nicht bequemen wollen, und er sei, soviel er wisse, bis dato unverheiratet geblieben.</p><p>Der Stich traf; denn Tiecks �Sternbald� war Edmunds Lieblingsbuch, und er w�re gar zu gern selbst der Held des Romans gewesen. Daher kam es denn, da� er ein gar betr�btes Gesicht schnitt und beinahe ausgebrochen w�re in herbe Tr�nen.</p><p>�Nun,� sprach der Goldschmied, �mag es kommen, wie es will, den Geheimen Kanzleisekret�r schaff' ich dir vom Halse; in das Haus des Kommissionsrats auf diese oder jene Weise zu dringen und dich Albertinen mehr und mehr anzun�hern, das ist deine Sache. �brigens k�nnen meine Operationen gegen den Geheimen Kanzleisekret�r erst in der �quinoktial-Nacht beginnen.�</p><p>Edmund war �ber des Goldschmieds Zusicherung au�er sich vor Freuden, denn er wu�te, da� der Alte Wort hielt, wenn er etwas versprach.</p><p>Auf welche Weise der Goldschmied seine Operationen gegen den Geheimen Kanzleisekret�r begann, hat der geneigte Leser bereits im ersten Kapitel erfahren.�</p></section><section><title><p>Drittes Kapite</p><p>lEnth�lt das Signalement des Geheimen Kanzleisekret�rs Tusmann, sowie die Ursache, warum derselbe vom Pferde des Gro�en Kurf�rsten herabsteigen mu�te, nebst andern lesenswerten Dingen</p></title><p>Eben aus dem allen, was du, mein sehr g�nstiger Leser, �ber den Geheimen Kanzleisekret�r Tusmann bereits erfahren, magst du den Mann wohl ganz und gar vor Augen haben nach seinem ganzen Sinn und Wesen. Doch will ich, was sein �u�eres betrifft, noch nachbringen, da� er von kleiner Statur war, kahlk�pfig, etwas krummbeinig und ziemlich grotesk im Anzuge. Zu einem altv�terisch zugeschnittenen Rock mit unendlich langen Sch��en und einem �berlangen Gilet trug er lange weite Beinkleider und Schuhe, die aber im Gehen den Klang von Kurierstiefeln von sich gaben, wobei zu bemerken, da� er nie gemessenen Schrittes �ber die Stra�e ging, vielmehr in gro�en unregelm��igen Spr�ngen mit unglaublicher Schnelligkeit forth�pfte, so da� oben besagte Sch��e, vom Winde erfa�t, sich ausbreiteten wie ein Paar Fl�gel. Ungeachtet in seinem Gesicht etwas unbeschreiblich Drolliges lag, so mu�te das sehr gutm�tige L�cheln, das um seinen Mund spielte, doch jeden f�r ihn einnehmen, so da� man ihn liebgewann, w�hrend man �ber seine Pedanterie, �ber sein linkisches Benehmen, das ihn der Welt entfremdete, von Herzen lachte. Seine Hauptleidenschaft war � Lesen! � Er ging nie aus, ohne beide Rocktaschen voll B�cher gestopft zu haben. Er las, wo er ging und stand, auf dem Spaziergange, in der Kirche, in dem Kaffeehause, er las ohne Auswahl alles, was ihm vorkam, wiewohl nur aus der �ltern Zeit, da ihm das Neue verha�t war. So studierte er heute auf dem Kaffeehause ein algebraisches Buch, morgen das Kavellerie-Reglement Friedrich Wilhelms des Ersten und dann das merkw�rdige Buch: �Cicero, als gro�er Windbeutel und Rabulist dargestellt in zehn Reden�, aus dem Jahre 20. Dabei war Tusmann mit einem ungeheuren Ged�chtnisverm�gen begabt. Er�pflegte alles, was ihm bei dem Lesen eines Buches auffiel, zu zeichnen und dann das Gezeichnete wieder zu durchlaufen, welches er nun nie wieder verga�. Daher kam es, da� Tusmann ein Polyhistor, ein lebendiges Konversations-Lexikon wurde, das man aufschlug, wenn es auf irgendeine historische oder wissenschaftliche Notiz ankam. Traf es sich ja etwa einmal, da� er eine solche Notiz nicht auf der Stelle zu geben vermochte, so st�berte er so lange unerm�det in allen Bibliotheken umher, bis er das, was man zu wissen verlangte, aufgefunden, und r�ckte dann mit der verlangten Auskunft ganz fr�hlich heran. Merkw�rdig war es, da� er in Gesellschaft, lesend und scheinbar ganz in sein Buch vertieft, doch alles vernahm, was man sprach. Oft fuhr er mit einer Bemerkung dazwischen, die ganz an ihrem Orte stand, und wurde irgend etwas Witziges, Humoristisches vorgebracht, gab er, ohne von dem Buche aufzublicken, durch eine kurze Lache im h�chsten Tenor seinen Beifall zu erkennen.</p><p>Der Kommissionsrat Vo�winkel war mit dem Geheimen Kanzleisekret�r zusammen auf der Schule im Grauen Kloster gewesen, und von dieser Schulkameradschaft schrieb sich die enge Verbindung her, in welcher sie geblieben. Tusmann sah Albertinen aufwachsen und hatte ihr wirklich an ihrem zw�lften Geburtstage, nachdem er ihr ein duftendes Blumenbukett, das der ber�hmteste Kunstg�rtner in Berlin selbst mit Geschmack geordnet, �berreicht, zum erstenmal die Hand gek��t mit einem Anstande, mit einer Galanterie, die man ihm gar nicht h�tte zutrauen sollen. Von diesem Augenblick an entstand bei dem Kommissionsrat der Gedanke, da� sein Schulfreund wohl Albertinen heiraten k�nne. Er meinte, so w�rde Albertinens Verheiratung, die er w�nschte, am wenigsten Umst�nde machen und der gen�gsame Tusmann sich auch mit einem geringen Heiratsgut abfinden lassen. Der Kommissionsrat war �ber die Ma�en bequem, f�rchtete sich vor jeder neuen Bekanntschaft und hielt dabei als Kommissionsrat�das Geld viel mehr zu Rate als n�tig. An Albertinens achtzehntem Geburtstage er�ffnete er diesen Plan, den er so lange f�r sich behalten, dem Geheimen Kanzleisekret�r.<emphasis>�Der</emphasis>�erschrak erst dar�ber gewaltig. Er vermochte den k�hnen Gedanken, zur Ehe zu schreiten, und noch dazu mit einem blutjungen bildsch�nen M�dchen, gar nicht zu ertragen. Nach und nach gew�hnte er sich daran, und als ihm eines Tages auf des Kommissionsrats Veranlassung Albertine eine kleine B�rse, die sie selbst in den anmutigsten Farben gestrickt, �berreichte und ihn dabei mit: �Lieber Herr Geheimer Kanzleisekret�r� anredete, entz�ndete sich sein Inneres ganz und gar in Liebe zu der Holden. Er erkl�rte sofort insgeheim dem Kommissionsrat, da� er Albertinen zu heiraten gesonnen, und da dieser ihn als seinen Schwiegersohn umarmte, sah er sich als Albertinens Br�utigam an, wiewohl der kleine Umstand vielleicht noch zu ber�cksichtigen gewesen w�re, da� Albertine von dem ganzen Handel zur Zeit auch nicht ein Sterbensw�rtchen wu�te, ja wohl nicht gut eine Ahnung davon haben konnte.</p><p>Am fr�hsten Morgen, als in der Nacht vorher sich das seltsame Abenteuer am Rathausturme und in der Weinstube auf dem Alexanderplatz begeben, st�rzte der Geheime Kanzleisekret�r bleich und entstellt in des Kommissionsrats Zimmer. Der Kommissionsrat erschrak nicht wenig, da Tusmann noch niemals ihn um diese Zeit besucht hatte, und sein ganzes Wesen irgendein ungl�ckliches Ereignis zu verk�nden schien.</p><p>�Geheimer!� (so pflegte der Kommissionsrat den Geheimen Kanzleisekret�r abgek�rzt zu benennen) �Geheimer! wo kommst du her? wie siehst du aus? was ist geschehen?�</p><p>So rief der Kommissionsrat, aber Tusmann warf sich ersch�pft in den Lehnsessel, und erst, nachdem er ein paar Minuten Atem gesch�pft, begann er mit fein wimmernder Stimme:</p><p>�Kommissionsrat, wie du mich hier siehst in diesen Kleidern, mit der �politischen Klugheit� in der Tasche, komme ich her aus der Spandauer Stra�e, wo ich die ganze Nacht auf und ab gerannt seit gestern Punkt zw�lf Uhr! � Nicht mit einem Schritt bin ich in mein Haus gekommen, kein Bette habe ich gesehen, kein Auge zugetan!� �</p><p>Und nun erz�hlte Tusmann dem Kommissionsrat genau, wie sich in der abgewichenen Nacht alles begeben von dem ersten Zusammentreffen mit dem fabelhaften Goldschmied an bis zu dem Augenblick, als er, entsetzt �ber das tolle Treiben der unheimlichen Schwarzk�nstler, aus dem Weinhause herausst�rzte.</p><p>�Geheimer,� rief der Kommissionsrat, �du hast deiner Gewohnheit zuwider starkes Getr�nk zu dir genommen am sp�ten Abend und verfielst nachher in wunderliche Tr�ume.�</p><p>�Was sprichst du,� erwiderte der Geheime Kanzleisekret�r, �was sprichst du, Kommissionsrat? � Geschlafen, getr�umt sollt' ich haben? Meinst du, da� ich nicht wohl unterrichtet bin �ber den Schlaf und den Traum? Ich will dir's aus Nudows �Theorie des Schlafes� beweisen, was Schlaf hei�t, und da� man schlafen kann, ohne zu tr�umen, weshalb denn auch der Prinz Hamlet sagt: �Schlafen,�<emphasis>vielleicht</emphasis>�auch tr�umen.� Und was es mit dem Traume f�r eine Bewandtnis hat, w�rdest du ebensogut wissen als ich, wenn du das �Somnium Scipionis� gelesen h�ttest und Artemidori ber�hmtes Werk von Tr�umen und das Frankfurter Traumb�chlein. Aber du liesest nichts, und daher schie�est du fehl �berall auf schn�de Weise.�</p><p>�Nun, nun, Geheimer,� nahm der Kommissionsrat das Wort, �ereifre dich nur nicht; ich will dir's schon glauben, da� du gestern dich bereden lie�est, etwas �ber die Schnur zu hauen, und unter schadenfrohe Taschenspieler gerietest, die Unfug mit dir trieben, als der Wein dir zu sehr geschmeckt hatte. Aber sage mir, Geheimer, als du nun�gl�cklich zur T�re heraus warest, warum in aller Welt gingst du nicht geradezu nach Hause, warum triebst du dich auf der Stra�e umher?�</p><p>�O Kommissionsrat,� lamentierte der Geheime Kanzleisekret�r, �o teurer Kommissionsrat, getreuer Schulkamerad aus dem Grauen Kloster! � Insultiere mich nicht mit schn�den Zweifeln, sondern vernimm ruhig, da� der tolle unselige Teufelsspuk erst recht losging, da ich mich auf der Stra�e befand. Als ich n�mlich an das Rathaus komme, bricht durch alle Fenster helles blendendes Kerzenlicht, und eine lustige Tanzmusik mit der Janitscharen- oder, richtiger gesprochen, Jenjitscherik-Trommel schallt herab. Ich wei� selbst nicht wie es geschah, da�, ungeachtet ich mich nicht einer sonderlichen Gr��e erfreue, ich doch auf den Zehen mich so hoch aufzurichten vermochte, da� ich in die Fenster hineinschauen konnte. Was sehe ich! � O du gerechter Sch�pfer im Himmel! � wen erblicke ich! � niemanden anders als deine Tochter, die Demoiselle Albertine Vo�winkel, welche im saubersten Brautschmuck mit einem jungen Menschen unm��ig walzt. Ich klopfe ans Fenster, ich rufe: �Werteste Demoiselle Albertine Vo�winkel, was tun Sie, was beginnen Sie hier in sp�ter Nacht!� � Aber da kommt eine niedertr�chtige Menschenseele die K�nigsstra�e herab, rei�t mir im Vorbeigehen beide Beine unterm Leibe weg und rennt damit laut lachend spornstreichs fort. Ich armer Geheimer Kanzleisekret�r plumpe nieder in den schn�den Gassenkot, ich schreie: �Nachtw�chter � hochl�bliche Polizei � verehrbare Patrouille � � lauft herbei � lauft herbei � haltet den Dieb, haltet den Dieb! er hat mir meine Beine gestohlen!� Aber oben im Rathause ist alles pl�tzlich still und finster geworden, und meine Stimme verhallt unvernommen in den L�ften! � Schon will ich verzweifeln, als der Mensch zur�ckkehrt, und, wie rasend vorbeilaufend, mir meine Beine ins Gesicht wirft. Nun raffe ich mich, so schnell es in der totalen Best�rzung gehen will, vom Boden auf, renne in�die Spandauer Stra�e hinein. Aber sowie ich, den herausgezogenen Hausschl�ssel in der Hand, an meine Haust�r gelange, stehe ich � ja, ich selbst � schon vor derselben und schaue mich wild an mit denselben gro�en schwarzen Augen, wie sie in meinem Kopf befindlich. Entsetzt pralle ich zur�ck und auf einen Mann zu, der mich mit starken Armen umfa�t. An dem Spie�, den er in der Hand tr�gt, gewahre ich, da� es der Nachtw�chter ist. Getr�stet spreche ich: �Teurer Nachtw�chter, Herzensmann, treiben Sie mir doch gef�lligst den Filou von Geheimen Kanzleisekret�r Tusmann dort von der T�re weg, damit der ehrliche Kanzleisekret�r Tusmann, der ich selbst bin, in seine Wohnung hinein kann.� �Ich glaube, Ihr seid besessen, Tusmann!� So schnarcht mich der Mann an mit hohler Stimme, und ich merke, da� es nicht der Nachtw�chter, nein, da� es der furchtbare Goldschmied ist, der mich umfa�t h�lt. Da �bernimmt mich die Angst, die kalten Schwei�tropfen stehen mir auf der Stirne, ich spreche: �Mein verehrungsw�rdiger Herr Professor, ver�beln Sie es mir doch nur ja nicht, da� ich Sie in der Finsternis f�r den Nachtw�chter gehalten. O Gott! nennen Sie mich, wie Sie wollen, nennen Sie mich auf die schn�deste Weise- Monsieur Tusmann oder gar, mein Lieber, traktieren Sie mich barbarisch per Ihr, wie Sie es soeben zutun belieben, alles, alles will ich mir gefallen lassen, nur befreien Sie mich von diesem entsetzlichen Spuk, welches ganz in Ihrer Macht steht.� �Tusmann�, beginnt der schn�de Schwarzk�nstler, mit seiner fatalen hohlen Stimme, �Tusmann, Ihr sollt fortan unangetastet bleiben, wenn Ihr hier auf der Stelle schw�rt, an die Heirat mit der Albertine Vo�winkel gar nicht mehr zu denken.� Kommissionsrat, du kannst es dir vorstellen, wie mir zumute wurde bei dieser abscheulichen Proposition. �Allerliebster Herr Professor�, bitte ich, �Sie greifen mir ans Herz, da� es blutet. Das Walzen ist ein h��licher, unanst�ndiger Tanz, und eben walzte die Demoiselle Albertine Vo�winkel, und noch dazu als meine�Braut, mit einem jungen Menschen auf eine Weise, da� mir H�ren und Sehen verging; doch kann ich indessen von der Sch�nsten nicht lassen, nein, ich kann nicht von ihr lassen.� Kaum habe ich aber diese Worte ausgesprochen, als mir der verruchte Goldschmied einen Sto� gibt, da� ich mich sofort zu drehen beginne. Und wie von unwiderstehlicher Gewalt gehetzt, walze ich die Spandauer Stra�e auf und ab und halte in meinen Armen statt der Dame einen garstigen Besenstiel, der mir das Gesicht zerkratzt, w�hrend unsichtbare H�nde mir den R�cken zerbl�uen, und um mich her wimmelt es von Geheimen Kanzleisekret�ren Tusmanns, die mit Besenstielen walzen. Endlich sinke ich ersch�pft, ohnm�chtig nieder. Der Morgen d�mmert mir in die Augen, ich schlage sie auf und � Kommissionsrat, entsetze dich mit mir, fall' in Ohnmacht, Schulkamerad! und finde mich wieder sitzend hoch oben auf dem Pferde vor dem Gro�en Kurf�rsten, mein Haupt an seine kalte eherne Brust gelehnt. Zum Gl�ck schien die Schildwache eingeschlafen, so da� ich unbemerkt mit Lebensgefahr hinabklettern und mich davonmachen konnte. Ich rannte nach der Spandauer Stra�e, aber mich �berfiel aufs neue unsinnige Angst, die mich dann endlich zu dir trieb.�</p><p>�Geheimer,� nahm nun der Kommissionsrat das Wort, �Geheimer, und du vermeinest, da� ich all das tolle abgeschmackte Zeug glauben soll, was du da vorbringst? � Hat man jemals von solchen Zauberpossen geh�rt, die sich hier in unserm guten aufgekl�rten Berlin ereignet haben sollten?�</p><p>�Siehst du,� erwiderte der Geheime Kanzleisekret�r, �siehst du nun wohl, Kommissionsrat, in welche Irrt�mer dich der Mangel aller Lekt�re st�rzt? H�ttest du wie ich Haftitii, des Rektors beider Schulen zu Berlin und K�lln an der Spree, �Microchronicon marchicum� gelesen, so w�rdest du wissen, da� sich sonst noch ganz andere Ding begeben haben. � Kommissionsrat, am Ende glaube ich�schier, da� der�<emphasis>Goldschmied</emphasis>�der verruchte Satan selbst ist, der mich foppt und neckt.�</p><p>�Ich bitte dich,� sprach der Kommissionsrat, �ich bitte dich, Geheimer bleibe mir vom Leibe mit den dummen abergl�ubischen Possen. Besinne dich! � nicht wahr, du hattest dich berauscht und stiegst im �bermut der Betrunkenheit zum Gro�en Kurf�rsten hinauf?� �</p><p>Dem Geheimen Kanzleisekret�r traten die Tr�nen in die Augen �ber Vo�winkels Verdacht, den er sich bem�hte, mit aller Kraft zu widerlegen.</p><p>Der Kommissionsrat wurde ernster und ernster. Endlich als der Geheime Kanzleisekret�r nicht aufh�rte zu beteuern, da� sich wirklich alles so begeben, wie er es erz�hlt, begann er: �H�r' einmal, Geheimer, je mehr ich dar�ber nachdenke, wie du mir den Goldschmied und den alten Juden, mit denen du, ganz deiner sonst sittigen und frugalen Lebensart zuwider, in sp�ter Nacht zechtest, beschrieben, desto klarer wird es mir, da� der Jude unbezweifelt mein alter Manasse ist, und da� der schwarzk�nstlerische Goldschmied niemand anders sein kann, als der Goldschmied Leonhard, der sich zuweilen in Berlin sehen l��t. Nun habe ich zwar nicht soviel B�cher gelesen als du, Geheimer, dessen bedarf es aber auch nicht, um zu wissen, da� beide, Manasse und Leonhard, einfache ehrliche Leute sind und nichts weniger als Schwarzk�nstler. Es wundert mich ganz ungemein, da� du, Geheimer, der du doch in den Gesetzen erfahren sein solltest, nicht wei�t, da� der Aberglaube auf das strengste verboten ist und ein Schwarzk�nstler nimmermehr von der Regierung einen Gewerbschein erhalten w�rde, auf dessen Grund er seine Kunst treiben d�rfte. � H�re, Geheimer, ich will nicht hoffen, da� der Verdacht gegr�ndet ist, der in mir aufsteigt! � Ja! � ich will nicht hoffen, da� du die Lust verloren hast zur Heirat mit meiner Tochter? � da� du nun dich hinter allerlei tolles Zeug verbergen, mir seltsame Dinge vorfabeln, da� du sagen willst: �Kommissionsrat,�wir sind geschiedene Leute, denn heirate ich deine Tochter, so stiehlt mir der Teufel die Beine weg und zerbl�ut mir den R�cken!� Geheimer, es w�re arg, wenn du so mit Lug und Trug umgehen solltest.�</p><p>Der Geheime Kanzleisekret�r geriet ganz au�er sich �ber des Kommissionsrates schlimmen Verdacht. Er beteuerte ein Mal �bers andere, da� er die Demoiselle Albertine ganz ungemessen liebe, da� er, ein zweiter Leander, ein zweiter Troilus, in den Tod gehen f�r sie und sich daher als ein unschuldiger M�rtyrer vom leidigen Satan sattsam zerbl�uen lassen wolle, ohne seiner Liebe zu entsagen.</p><p>W�hrend dieser Beteuerungen des Geheimen Kanzleisekret�rs klopfte es stark an die T�r, und hinein trat der alte Manasse, von dem der Kommissionsrat vorher gesprochen.</p><p>Sowie Tusmann den Alten erblickte, rief er: �O du Herr des Himmels, das ist ja der alte Jude, der gestern aus dem Rettig Goldst�cke pr�gte und dem Goldschmied ins Gesicht warf! � Nun wird auch wohl gleich der alte verruchte Schwarzk�nstler hereintreten!�</p><p>Er wollte schnell zur T�re hinaus, der Kommissionsrat hielt ihn aber fest, indem er sprach: �Nun werden wir ja gleich h�ren.�</p><p>Dann wandte der Kommissionsrat sich zu dem alten Manasse und erz�hlte, was Tusmann von ihm behauptet und was sich zur Nachtzeit in der Weinstube auf dem Alexanderplatz zugetragen haben sollte.</p><p>Manasse l�chelte den Geheimen Kanzleisekret�r von der Seite h�misch an und sprach: �Ich wei� nicht, was der Herr will, der Herr kam gestern ins Weinhaus mit dem Goldschmied Leonhard, eben als ich mich erquickte mit einem Glase Wein nach m�hseligem Gesch�ft, das bis beinahe Mitternacht gedauert. Der Herr trank �ber den Durst, konnte nicht auf den F��en stehn und taumelte hinaus auf die Stra�e.�</p><p>��Siehst du wohl,� rief der Kommissionsrat, �siehst du wohl, Geheimer, ich hab' es gleich gedacht. Das kommt von dem abscheulichen Saufen, das du lassen mu�t ganz und gar, wenn du meine Tochter heiratest.�</p><p>Der Geheime Kanzleisekret�r, ganz vernichtet von dem unverdienten Vorwurf, sank atemlos in den Lehnsessel, schlo� die Augen und qu�kte auf unverst�ndliche Weise.</p><p>�Da haben wir's,� sprach der Kommissionsrat, �erst die Nacht durchschw�rmt und dann matt und elend.�</p><p>Aller Protestationen ungeachtet, mu�te Tusmann es leiden, da� der Kommissionsrat ein wei�es Tuch um sein Haupt band und ihn in eine herbeigerufene Droschke packte, in der er fortrollte nach der Spandauer Stra�e.</p><p>�Was bringen Sie Neues, Manasse?� fragte der Kommissionsrat nun den Alten.</p><p>Manasse schmunzelte freundlich und meinte, da� der Kommissionsrat wohl nicht ahnen werde, welches Gl�ck er ihm zu verk�nden gekommen.</p><p>Als der Kommissionsrat eifrig weiterforschte, er�ffnete ihm Manasse, da� sein Neffe Benjamin D�mmerl, der sch�ne junge Mann, der Besitzer von beinahe einer Million, den man seiner unglaublichen Verdienste halber in Wien baronisiert, der nicht l�ngst aus Italien zur�ckgekehrt � ja! da� dieser Neffe sich pl�tzlich in die Demoiselle Albertine sterblich verliebt habe und sie zur Frau begehre.</p><p>Den jungen Baron D�mmerl sieht man h�ufig im Theater, wo er sich in einer Loge des ersten Rangs br�stet, noch h�ufiger in allen nur m�glichen Konzerten; jeder wei� daher, da� er lang und mager ist wie eine Bohnenstange, da� er im schwarzgelben Gesicht von pechschwarzen krausen Haaren und Backenbart beschattet, im ganzen Wesen den ausgesprochensten Charakter des Volks aus dem Orient tr�gt, da� er nach der Letzten bizarrsten Mode der englischen Stutzer gekleidet geht, verschiedene Sprachen in gleichem Dialekt unserer Leute spricht, die Violine kratzt, auch wohl das Piano h�mmert, miserable Verse�zusammenstoppelt, ohne Kenntnis und Geschmack den �sthetischen Kunstrichter spielt und den literarischen M�zen gern spielen m�chte, ohne Geist witzig und ohne Witz geistreich sein will, dummdreist, vorlaut, zudringlich, kurz, nach dem derben Ausdruck derjenigen verst�ndigen Leute, denen er gar zu gern sich ann�hern m�chte � ein unausstehlicher Bengel ist. Kommt nun noch hinzu, da� trotz seines vielen Geldes aus allem, was er beginnt, Geldsucht und eine schmutzige Kleinlichkeit hervorblickt, so kann es nicht anders geschehen, als da� selbst niedere Seelen, die sonst vor dem Mammon sich beugen, ihn bald einsam stehen lassen.</p><p>Dem Kommissionsrat fuhr nun freilich in dem Augenblick, wo Manasse ihm die Absicht seines liebensw�rdigen Neffen kund tat, sehr lebhaft der Gedanke an die halbe Million, die Benschchen wirklich besa�, durch den Kopf, aber auch zugleich kam ihm das Hindernis ein, welches seiner Meinung nach die Sache ganz unm�glich machen m��te.</p><p>�Lieber Manasse,� begann er, �Sie bedenken nicht, da� Ihr werter Herr Neveu von altem Glauben ist und� � �Ei,� unterbrach ihn Manasse, �ei, Herr Kommissionsrat, was tut das? � Mein Neffe ist nun einmal verliebt in Ihre Demoiselle Tochter und will sie gl�cklich machen, auf ein paar Tropfen Wasser wird es ihm daher wohl nicht ankommen, er bleibt ja doch derselbe. �berlegen Sie sich die Sache, Herr Kommissionsrat, in ein paar Tagen komm' ich wieder mit meinem kleinen Baron und hole mir Bescheid.�</p><p>Damit ging Manasse von dannen.</p><p>Der Kommissionsrat fing sofort an zu �berlegen. Trotz seiner grenzenlosen Habsucht, seiner Charakter � und Gewissenlosigkeit emp�rte sich doch sein Inneres, wenn er sich lebhaft Albertinens Verbindung mit dem widerw�rtigen Bensch vorstellte. In einem Anfall von Rechtlichkeit beschlo� er, dem alten Schulkameraden Wort zu halten.</p></section><section><title><p>Viertes Kapitel</p><p>Handelt von Portr�ts, gr�nen Gesichtern, springenden M�usen und j�dischen Fl�chen</p></title><p>�Bald, nach dem sie bei dem �Hofj�ger� mit Edmund Lehsen bekannt geworden, fand Albertine, da� des Vaters gro�es, in �l gemaltes Bildnis, welches in ihrem Zimmer hing, durchaus un�hnlich und auf unausstehliche Weise geklext sei. Sie bewies dem Kommissionsrat, da�, ungeachtet mehrere Jahre dar�ber vergangen, als er gemalt worden, er doch noch in diesem Augenblicke viel j�nger und h�bscher aussehe, als ihn der Maler damals aufgefa�t, und tadelte vorz�glich den finstern, m�rrischen Blick des Bildes, sowie die altfr�nkische Tracht und das unnat�rliche Rosenbukett, welches der Kommissionsrat auf dem Bilde sehr zierlich zwischen zwei Fingern hielt, an denen stattliche Brillantringe prangten.</p><p>Albertine sprach so viel und so lange �ber das Bild, da� der Kommissionsrat zuletzt selbst fand, das Gem�lde sei abscheulich, und nicht begreifen konnte, wie der ungeschickte Maler seine liebensw�rdige Person in solch ein h��liches Zerrbild habe umwandeln k�nnen. Und je l�nger er das Portr�t anblickte, desto mehr ereiferte er sich �ber die fatale Sudelei; er beschlo� das Bild herunterzunehmen und in die Polterkammer zu werfen.</p><p>Da meinte nun Albertine, das schlechte Bild verdiene dies wohl, indessen habe sie sich so daran gew�hnt, V�terchens Bildnis in ihrem Zimmer zu haben, da� die leere Wand sie g�nzlich st�ren w�rde in all ihrem Tun. Kein anderer Rat sei vorhanden, V�terchen m�sse sich noch einmal malen lassen von einem geschickten, im genauen Treffen gl�cklichen K�nstler, und dieser d�rfe kein anderer sein als der junge Edmund Lehsen, der schon die sch�nsten, wohlgetroffensten Bildnisse gemalt.</p><p>�Tochter,� fuhr der Kommissionsrat auf, �Tochter, was verlangst du! Die jungen K�nstler kennen sich nicht vor Stolz und �bermut, wissen gar nicht, was sie f�r ihre geringen Arbeiten an Geld fordern sollen, sprechen von nichts anderm als blanken Friedrichsdoren, sind mit dem sch�nsten Kurant, sollten es sogar neue Talerst�cke sein, nicht zufrieden!�</p><p>Albertine versicherte dagegen, da� Lehsen, da er die Malerei mehr aus Neigung als aus Bed�rfnis treibe, gewi� sich sehr billig finden lassen w�rde, und mahnte den Kommissionsrat so lange, bis er sich entschlo�, zu Lehsen hinzugehen und mit ihm �ber das Gem�lde zu sprechen.</p><p>Man kann denken, mit welcher Freude Edmund sich bereit erkl�rte, den Kommissionsrat zu malen, und zum hohen Entz�cken stieg diese Freude, als er vernahm, da� Albertine den Kommissionsrat auf den Gedanken gebracht, sich von ihm malen zu lassen. Er ahnte richtig, da� Albertine auf diese Weise ihm die Ann�herung an sie verstatten wollen. Ganz nat�rlich war es auch, da� Edmund, als der Kommissionsrat etwas �ngstlich von dem zu bezahlenden Preise des Gem�ldes sprach, versicherte, da� er durchaus gar kein Honorar nehmen werde, sondern sich gl�cklich sch�tze, durch seine Kunst Eingang zu finden in das Haus eines so vortrefflichen Mannes, als der Kommissionsrat sei.</p><p>�Gott!� begann der Kommissionsrat im tiefsten Erstaunen, �was h�re ich? � bester Herr Lehsen � gar kein Geld, gar keine Friedrichsdore f�r Ihr Bem�hen? � nicht einmal eine Entsch�digung f�r verbrauchte Leinwand und Farben in gutem Kurant?�</p><p>Edmund meinte l�chelnd, diese Auslage sei zu unbedeutend, als da� davon nur im mindesten die Rede sein k�nne.</p><p>�Aber,� fiel der Kommissionsrat kleinlaut ein, �aber Sie wissen vielleicht nicht, da� hier von einem Kniest�ck in Lebensgr��e� � Das sei alles gleich, erwiderte Lehsen.</p><p>Da dr�ckte ihn der Kommissionsrat st�rmisch an die Brust und rief, indem ihm die Tr�nen vor inniger R�hrung in die Augen traten: �O Gott im Himmel! � gibt es denn auf dieser im Argen liegenden Welt noch solche erhabene uneigenn�tzige Menschenseelen! � Erst die Zigarren, dann das Gem�lde! � Sie sind ein vortrefflicher Mann oder J�ngling vielmehr, bester Herr Lehsen, in Ihnen wohnt deutsche Tugend und Biederkeit, von der, wie sie zu unserer Zeit aufgebl�ht sein soll, in mehreren Schriften viel Angenehmes zu lesen. Doch glauben Sie mir, ungeachtet ich Kommissionsrat bin und mich durchaus franz�sisch kleide, dennoch hege ich gleichen Sinn, wei� Ihren Edelmut zu sch�tzen und bin uneigenn�tzig und gastfrei wie einer.� �</p><p>Die schlaue Albertine hatte die Art, wie sich Edmund bei des Kommissionsrates Antrag nehmen w�rde, vorausgesehen. Ihre Absicht war erreicht. Der Kommissionsrat str�mte �ber vom Lobe des vortrefflichen J�nglings, der entfernt sei von jeder geh�ssigen Habsucht, und schlo� damit, da�, da junge Leute, vorz�glich Maler, immer etwas Phantastisches, Romanhaftes in sich tr�gen, viel auf verwelkte Blumen, B�nder, die an ein h�bsches M�dchen geheftet gewesen, hielten, �ber irgendein von sch�nen H�nden verfertigtes Fabrikat aber ganz au�er sich geraten k�nnten, Albertine dem Edmund ja ein Geldbeutelchen h�keln m�chte, und sei es ihr nicht unangenehm, sogar eine Locke von ihrem sch�nen kastanienbraunen Haar hinein tun, so aber jede etwanige Verpflichtung gegen Lehsen quitt machen k�nne. Er erlaube das ausdr�cklich und wolle es schon bei dem Geheimen Kanzleisekret�r Tusmann verantworten.</p><p>Albertine, noch immer nicht von des Kommissionsrats Absichten und Pl�nen unterrichtet, verstand nicht, was er mit dem Tusmann wollte, und fragte auch weiter nicht darnach.</p><p>Noch denselben Abend lie� Edmund seine Malerger�tschaften ins Haus des Kommissionsrates tragen, und am andern Morgen fand er sich ein zur ersten Sitzung.</p><p>Er bat den Kommissionsrat, sich im Geist in den heitersten, frohsten Moment seines Lebens zu versetzen, etwa wie ihm seine verstorbene Gattin zum erstenmal ihre Liebe versichert, oder wie ihm Albertine geboren, oder wie er vielleicht einen verloren geglaubten Freund unvermutet wiedergesehen. �</p><p>�Halt,� rief der Kommissionsrat, �halt, Herr Lehsen, vor ungef�hr drei Monaten erhielt ich den Aviso aus Hamburg, da� ich in der dortigen Lotterie einen bedeutenden Gewinst gemacht. � Mit dem offnen Briefe in der Hand lief ich zu meiner Tochter! � Einen froheren Augenblick habe ich in meinem Leben nicht gehabt; w�hlen wir also denselben, und damit mir und Ihnen alles besser vor Augen komme, will ich den Brief holen und ihn wie damals offen in der Hand halten.�</p><p>Edmund mu�te den Kommissionsrat wirklich in dieser Stellung malen, auf den offnen Brief aber ganz deutlich und leserlich dessen Inhalt hinschreiben:</p><cite><p>�Ew Wohlgeb. habe ich die Ehre zu avertieren� u.s.w.</p></cite><p>Auf einem kleinen Tisch daneben mu�te (so wollt' es der Kommissionsrat) das ge�ffnete Kuvert liegen, so da� man die Aufschrift:</p><cite><p>Des Herrn Kommissionsrats, Stadtverordneten und</p><p>Feuerherrn Melchior Vo�winkel, Wohlgeboren</p><p>zu Berlin�</p></cite><p>deutlich lesen konnte, und auch das Postzeichen: Hamburg durfte Edmund nicht vergessen nach dem Leben zu kopieren. Edmund malte �brigens einen sehr h�bschen, freundlichen, stattlich gekleideten Mann, der in der Tat einige entfernte Z�ge von dem Kommissionsrat im Gesichte trug, so da� jeder, der jenes Briefkuvert las, unm�glich in der Person irren konnte, welche das Bild vorstellen sollte.</p><p>Der Kommissionsrat war ganz entz�ckt �ber das Bild. Da sehe man, sprach er, wie ein geschickter Maler die anmutigen Z�ge eines h�bschen Mannes, sei er auch schon etwas in die Jahre gekommen, aufzufassen wisse, und nun erst merke er, was der Professor gemeint, den er einmal in der Humanit�ts-Gesellschaft behaupten geh�rt, da� ein gutes Portr�t zugleich ein t�chtiges historisches Bild sein m�sse. Blicke er n�mlich sein Bildnis an, so falle ihm jedesmal die angenehme Historie von dem gewonnenen Lotterielos ein, und er verstehe das liebensw�rdige L�cheln seines Ichs, das sich auf seinem eigenen Gesicht dann abspiegle.</p><p>Noch ehe Albertine ausf�hren konnte, was weiter in ihrem Plane lag, kam der Kommissionsrat ihren W�nschen zuvor, indem er Edmund bat, nun auch seine Tochter zu malen.</p><p>Edmund begann sogleich das Werk. Indessen schien es mit Albertinens Bildnis gar nicht so leicht, so gl�cklich vonstatten gehen zu wollen, als es bei des Kommissionsrats Portr�t der Fall gewesen.</p><p>Er zeichnete, l�schte aus, zeichnete wieder, fing an zu malen, verwarf das Ganze, begann von neuem, ver�nderte die Stellung, bald war es ihm zu hell im Zimmer, bald zu dunkel etc., bis der Kommissionsrat, der so lange den Sitzungen beigewohnt, die Geduld verlor und davonblieb.</p><p>Edmund kam nun vormittags und nachmittags, und r�ckte auch das Bild auf der Staffelei nicht sonderlich vor, so geschah dies doch mit dem innigen Liebesverst�ndnis, das sich zwischen Edmund und Albertinen immer fester und fester kn�pfte.</p><p>Du wirst es, vielgeneigter Leser, ganz gewi� selbst erfahren haben, da�, ist man verliebt, es oftmals durchaus n�tig wird, um allen Beteurungen, allen s��en, schmachtenden Worten und Redensarten, allen sehns�chtigen W�nschen die geh�rige Kraft zu geben, so da� sie eindringen mit unwiderstehlicher Gewalt ins tiefste Herz, die Hand der Geliebten zu fassen, zu dr�cken, zu k�ssen, und da� dann im Liebkosen, wie verm�ge eines elektrischen Prinzips, unvermutet Lipp' an Lippe schl�gt und dies Prinzip sich entladet im gl�henden Feuerstrom des s��esten Kusses. Nicht allein, da� Edmund deshalb oft das Malen ganz lassen mu�te, er wurde auch oft sogar gezwungen, von der Staffelei aufzustehen.</p><p>So kam es denn, da� er an einem Vormittage mit Albertinen an dem mit wei�en Gardinen verzogenen Fenster stand und um, wie gesagt, seinen Beteurungen mehr Kraft zu geben, Albertinen umfa�t hielt und ihre Hand unaufh�rlich an den Mund dr�ckte.</p><p>Zu selbiger Stunde und zu selbigem Augenblick ging der Geheime Kanzleisekret�r Tusmann mit der �politischen Klugheit� und andern pergamentnen B�chern, worin das Angenehme mit dem N�tzlichen verbunden, in der Tasche, vor dem Hause des Kommissionsrates vor�ber. Ungeachtet er scharf zusprang, da gerade die Uhr auf dem Punkt stand, die Stunde zu schlagen, mit der er in das Bureau einzutreten ge wohnt war, hielt er doch einen Augenblick an und warf den schmunzelnden Blick hinauf nach dem Fenster seiner vermeintlichen Braut.</p><p>Da gewahrte er wie im Nebel Albertinen mit Edmund, und ungeachtet er durchaus nichts deutlich zu erkennen vermochte, schlug ihm doch das Herz, er wu�te selbst nicht warum. Eine seltsame Angst trieb ihn an, das Unerh�rte zu beginnen, n�mlich zu ganz ungew�hnlicher Stunde hinauf und geradezu nach Albertinens Zimmer zu steigen.</p><p>Als er hineintrat, sprach Albertine soeben sehr vernehmlich: �Ja, Edmund! ewig, ewig werd' ich dich lieben!� Und damit dr�ckte sie Edmund an seine Brust, und ein ganzes Feuerwerk von elektrischen Schl�gen, wie sie oben beschrieben, begann zu rauschen und zu knistern.</p><p>Der Geheime Kanzleisekret�r schritt unwillk�rlich vor und blieb dann starr, sprachlos, wie von der Katalepsie befallen, in der Mitte des Zimmers stehen.</p><p>Im Taumel des h�chsten Entz�ckens hatten die Liebenden den eisenschweren Tritt der Stiefelschuhe des Geheimen Kanzleisekret�rs nicht vernommen, nicht geh�rt, wie er die T�r �ffnete, wie er ins Zimmer trat, bis in dessen Mitte vorschritt.</p><p>Nun qu�kte er pl�tzlich im h�chsten Falsett: �Aber Demoiselle Albertine Vo�winkel!� �</p><p>Erschrocken fuhren die Liebenden auseinander, Edmund an die Staffelei, Albertine auf den Stuhl, wo sie behufs des Malens sitzen sollte.</p><p>�Aber,� begann der Geheime Kanzleisekret�r nach einer kleinen Pause, in der er Atem gesch�pft, �aber Demoiselle Albertine Vo�winkel, was tun Sie, was beginnen Sie? Erst walzen Sie mit dem jungen Herrn da, den ich zu kennen nicht die Ehre habe, auf dem Rathause in tiefer Mitternacht, da� mir armen Geheimen Kanzleisekret�r und geschlagenen Br�utigam H�ren und Sehen vergeht, und nun am hellen lichten Tage hier am Fenster hinter den Gardinen � o Gerechter! � Ist das ein ziemliches, sittiges Betragen f�r eine Demoiselle Braut?� �Wer ist Braut,� fuhr Albertine auf, �wer ist Braut? � von wem sprechen Sie, Herr Geheimer Kanzleisekret�r, reden Sie!�</p><p>�O du mein Sch�pfer im Himmelsthrone,� lamentierte der Geheime Kanzleisekret�r, �Sie fragen noch, werteste Demoiselle, wer Braut ist, von wem ich spreche? � Von wem anders kann ich denn hier jetzt reden als von Ihnen. Sind Sie denn nicht meine verehrte, im stillen angebetete Braut? Hat nicht Ihr wertester Herr Papa mir Ihre liebe, wei�e, k�ssensw�rdige Hand zugesagt schon seit langer Zeit?�</p><p>�Herr Geheimer Kanzleisekret�r,� rief Albertine ganz au�er sich, �Herr Geheimer Kanzleisekret�r, entweder sind Sie schon am Vormittage in die Weinstube geraten, die Sie, wie mein Vater sagt, jetzt zu h�ufig besuchen sollen, oder von einem seltsamen Wahnsinn heimgesucht. Mein Vater hat, kann nicht daran gedacht haben, Ihnen meine Hand zuzusagen.�</p><p>�Allerliebste Demoiselle Vo�winkel,� fiel der Geheime Kanzleisekret�r ein, �bedenken Sie doch nur! � Sie kennen mich ja schon seit so vielen Jahren, bin ich dem nicht jederzeit ein m��iger, besonnener Mann gewesen und soll jetzt auf einmal mich dem schn�den Weintrinken und ungeziemlicher Verr�cktheit hingeben? Beste Demoiselle, ein Auge will ich zudr�cken, schweigen soll mein Mund dar�ber, was hier soeben geschehen! � Alles vergeben und vergessen! � Aber besinnen Sie sich doch, angebetete Braut, da� Sie mir ja schon Ihr Jawort gaben, aus dem Fenster des Rathausturms zur mittern�chtlichen Stunde, und wenn Sie daher auch im Brautschmuck mit diesem jungen Herrn da stark walzten, so ��</p><p>�Sehn Sie wohl,� unterbrach Albertine den Geheimen Kanzleisekret�r, �sehn Sie wohl, merken Sie wohl, da� Sie unsinniges Zeug durcheinander schwatzen, wie ein der Charit� Entsprungener? � Gehen Sie � es wird mir bange in Ihrer Gegenwart � gehen Sie, sag' ich, verlassen Sie mich!�</p><p>Die Tr�nen st�rzten dem armen Tusmann aus den Augen. �O Gerechter,� schluchzte er, �solche schn�de Behandlung von der verehrtesten Demoiselle Braut! � Nein, ich gehe nicht, ich bleibe so lange, bis Sie, werteste Demoiselle Vo�winkel, was meine geringe Person betrifft, zu besserer �berzeugung gekommen sind.�</p><p>�Gehen Sie!� sprach Albertine mit halb erstickter Stimme, indem sie, das Schnupftuch vor die Augen gedr�ckt, in eine Ecke des Zimmers fl�chtete.</p><p>�Nein,� erwiderte der Geheime Kanzleisekret�r, �nein, werteste Demoiselle Braut, nach Thomasii politisch klugem Rat mu� ich bleiben, ich gehe nun durchaus nicht eher, bis �� Er machte Miene, Albertinen zu verfolgen.</p><p>Edmund hatte, kochend vor Wut, indessen an dem dunkelgr�nen Hintergrunde des Gem�ldes hin und her gestrichen. Nun konnte er sich nicht l�nger halten. �Verr�ckter, �berl�stiger Satan!� � So schrie er ganz au�er sich, sprang los auf Tusmann, fuhr ihm mit dem dicken, in jene dunkelgr�ne Farbe getunkten Pinsel drei-, viermal �bers Gesicht, fa�te ihn, gab ihm, nachdem er die T�r ge�ffnet, solch einen derben Sto�, da� er hinausflog wie ein abgeschossener Pfeil.</p><p>Entsetzt prallte der Kommissionsrat, der eben aus der T�r gegen�ber heraustreten wollte, zur�ck, als der gr�ne Schulkamerad in seine Arme st�rzte.</p><p>�Geheimer,� rief er aus, �Geheimer, um des Himmels willen, wie siehst du aus?�</p><p>Der Geheime Kanzleisekret�r, beinahe von Sinnen �ber alles, was sich eben zugetragen, erz�hlte in kurzen, abgebrochenen S�tzen, wie Albertine ihn behandelt, was er von Edmund erlitten.</p><p>Der Kommissionsrat, ganz �rger und Zorn, nahm ihn bei der Hand, ging mit ihm zur�ck in Albertinens Zimmer, fuhr los auf das M�dchen: �Was mu� ich h�ren, was mu� ich vernehmen? F�hrt man sich so auf, behandelt man so den Br�utigam?�</p><p>�Br�utigam?� schrie Albertine auf im j�hsten Schreck.</p><p>�Nun ja,� sprach der Kommissionsrat, �Br�utigam freilich. Ich wei� gar nicht, was du dich alterierst �ber eine Sache, die ja l�ngst beschlossen. Mein lieber Geheimer ist dein Br�utigam, und in wenigen Wochen feiern wir die vergn�gte Hochzeit.�</p><p>�Nimmermehr,� rief Albertine, �nimmermehr heirate ich den Geheimen Kanzleisekret�r. Wie sollt' ich ihn denn lieben k�nnen, den alten Mann � nein ��</p><p>�Was lieben, was alter Mann,� fiel ihr der Kommissionsrat ins Wort, �von Lieben ist gar nicht die Rede, sondern von Heiraten. Freilich ist mein lieber Geheimer kein leichtsinniger J�ngling mehr, aber so wie ich eben in den Jahren, die man mit Recht die besten nennt, und dabei ein rechtschaffener, gescheiter, belesener, liebensw�rdiger Mann und mein Schulkamerad.�</p><p>�Nein,� sprach Albertine in der heftigsten Bewegung, indem ihr die Tr�nen aus den Augen st�rzten, �nein, ich kann ihn nicht leiden, er ist mir unausstehlich, ich hasse, ich verabscheue ihn! � O mein Edmund ��</p><p>Und damit fiel das M�dchen, ganz au�er sich, beinahe ohnm�chtig dem Edmund in die Arme, der sie mit Heftigkeit an seine Brust dr�ckte.</p><p>Der Kommissionsrat, ganz erstarrt, ri� die Augen weit auf, als s�h' er Gespenster, dann brach er los: �Was ist das, was gewahre ich ��</p><p>�Ja,� fiel der Geheime Kanzleisekret�r mit kl�glicher Stimme ein, �ja, die Demoiselle Albertine scheinen ganz und gar nichts von mir wissen zu wollen, scheinen eine ungemeine Inklination zu dem jungen Herrn Maler zu hegen, da sie ihn ohne Scheu k�ssen, mir �rmsten aber kaum die liebe Hand reichen wollen, da ich doch bald den Trauring an dero angenehmen Goldfinger zu stecken gedenke.�</p><p>�Heda � Heda, auseinander sage ich�, schrie der Kommissionsrat und ri� Albertinen aus Edmunds Armen. Der rief aber, da� er Albertinen nicht lassen werde und solle es ihm das Leben kosten. � �So?� sprach der Kommissionsrat mit spottendem Ton, �seht doch, eine saubere Liebesgeschichte hinter meinem R�cken! � Sch�n, herrlich, mein junger Herr Lehsen, darum Ihre Uneigenn�tzigkeit, darum die Zigarren und die Bilder. � Sich in mein Haus einzuschleichen, mit losen K�nsten meine Tochter zu verf�hren. Feiner Gedanke, da� ich meine Tochter an den Hals h�ngen soll einem d�rftigen, armseligen, nichtsw�rdigen Farbenkleckser!� �</p><p>Au�er sich vor Wut �ber des Kommissionsrats Schimpfreden, ergriff Edmund den Malerstock, hob ihn in die H�he; da rief mit donnernder Stimme der zur T�re hereinbrechende Leonhard: �Halt, Edmund! Keine �bereilung, Vo�winkel ist ein alberner Narr und wird sich besinnen.�</p><p>Der Kommissionsrat, erschrocken �ber Leonhards unvermutete Erscheinung, rief aus dem Winkel, in den er zur�ckgeprallt: �Ich wei� gar nicht, Herr Leonhard, wie Sie sich unterfangen k�nnen ��</p><p>Aber der Geheime Kanzleisekret�r war schnurstracks hinter den Sofa gefl�chtet, sowie er den Goldschmied erblickt, hatte sich tief niedergeduckt und qu�kte mit �ngstlicher, weinerlicher Stimme: �O du Gott im Himmel! � Kommissionsrat, sieh dich vor � schweige � halt das Maul, geliebter Schulkamerad. � O du Gott im Himmel, das sind ja der Herr Professor � der grausame Ball-Entrepreneur aus der Spandauer Stra�e ��</p><p>�Kommt nur hervor,� sprach der Goldschmied lachend, �kommt nur hervor, Tusmann, f�rchtet Euch nicht, Euch soll nichts mehr angetan werden, Ihr seid ja schon bestraft genug f�r Eure alberne Heiratslust, da Ihr nun Euer Lebelang ein gr�nes Gesicht behaltet.�</p><p>�O Gott,� schrie der Geheime Kanzleisekret�r ganz au�er sich, �o Gott, ein gr�nes Gesicht immerdar! � Was werden die Leute, was wird Se. Exzellenz der Herr Minister sagen? Werden Se. Exzellenz nicht glauben, ich h�tte mir aus purer, schn�der, weltlicher Eitelkeit das Gesicht gr�n gef�rbt? � Ich bin ein geschlagener Mann, ich komme um meinen Dienst, denn nicht dulden kann der Staat Geheime Kanzleisekret�rs mit gr�nen Gesichtern � O ich �rmster ��</p><p>�Nun, nun,� unterbrach der Goldschmied Tusmanns Klagen, �nun, nun, Tusmann, lamentiert nur nicht so sehr, es kann doch wohl noch Rat geben f�r Euch, wenn Ihr gescheit seid und dem tollen Gedanken, Albertinen zu heiraten, entsagt.�</p><p>�Das kann ich nicht � das soll er nicht�, so riefen beide durcheinander, der Kommissionsrat und der Geheime Kanzleisekret�r.</p><p>Der Goldschmied sah beide an mit funkelndem, durchbohrendem Blick; doch eben als er losbrechen wollte, �ffnete sich die T�r, und hinein trat der alte Manasse mit seinem Neffen, dem Baron Benjamin D�mmerl aus Wien. � Bensch ging gerade los auf Albertinen, die ihn zum erstenmal in ihrem Leben sah, und sprach in schnarrendem Ton, indem er ihre Hand fa�te: �Ha, bestes M�dchen, da bin ich nun selbst, um mich Ihnen zu F��en zu werfen. � Verstehen Sie! das ist nur solch eine Redensart, der Baron D�mmerl wirft sich niemanden zu F��en, auch nicht Sr. Majest�t dem Kaiser. Ich meine, Sie sollen mir einen Ku� geben.� � Damit trat er noch n�her an Albertinen heran und beugte sich nieder, doch in demselben Moment geschah etwas, wor�ber sich alle, den Goldschmied ausgenommen, tief entsetzten.</p><p>Benschs ansehnliche Nase scho� pl�tzlich zu einer solchen L�nge hervor, da� sie, dicht bei Albertinens Gesicht vorbeifahrend mit einem lauten Knack hart anstie� an die gegen�berstehende Wand. Bensch prallte einige Schritte zur�ck, sogleich zog sich die Nase wieder ein. Er n�herte sich Albertinen, dasselbe Ereignis; kurz hinaus, hinein schob sich die Nase wie eine Ba�posaune.</p><p>�Verruchter Schwarzk�nstler�, br�llte Manasse, und indem er einen verschlungenen Strick aus der Tasche zog und ihn dem Kommissionsrat zuwarf, rief er: �Ohne Umst�nde, werfen Sie dem Kerl die Schlinge �ber den Hals, dem Goldschmied mein' ich, dann ziehen wir ihn ohne Widerstand zur T�r hinaus, und alles ist in Ordnung.� � Der Kommissionsrat ergriff den Strick, statt aber dem Goldschmied warf er dem alten Juden den Strick �ber den Hals, und sogleich prallten beide auf in die H�he bis an die Stubendecke und wieder herab, und so immerfort herauf und herab, w�hrend Bensch sein Nasen-Konzert fortsetzte und Tusmann wie wahnsinnig lachte und plapperte, bis der Kommissionsrat ohnm�chtig, ganz ersch�pft in den Lehnsessel niedersank.</p><p>�Nun ist's Zeit, nun ist's Zeit�, schrie Manasse, schlug an die Tasche, und mit einem Satze sprang eine �bergro�e abscheuliche Maus hervor und gerade los auf den Goldschmied. Aber noch im Sprunge durchstach sie der Goldschmied mit einer spitzen, goldnen Nadel, worauf sie mit einem gellenden Schrei verschwand, man wu�te nicht wohin.</p><p>Da ballte Manasse die F�uste gegen den ohnm�chtigen Kommissionsrat und rief, indem Zorn und Wut aus seinen feuerroten Augen spr�hten: �Ha, Melchior Vo�winkel, du hast dich gegen mich verschworen, du bist im Bunde mit dem verruchten Schwarzk�nstler, den du in dein Haus gelockt; aber verflucht, verflucht sollst du sein, du und dein ganzes Geschlecht hinweggenommen wie die hilflose Brut eines Vogels. Gras soll vor deiner T�r wachsen, und alles, was du unternimmst, soll gleichen dem Tun des Hungernden, der sich im Traum ers�ttigen will an erdichteten Speisen, und der Dales soll sich einlagern in dein Haus und wegzehren deine Habe, und du sollst betteln in zerrissenen Kleidern vor den T�ren des verachteten Volks Gottes, das dich verst��t wie einen r�udigen Hund. Und du sollst sein wie ein verachteter Zweig zur Erde geworfen und statt des Klanges der Harfen Motten deine Gesellschaft! � Verflucht, verflucht, verflucht, du Kommissionsrat Melchior Vo�winkel!� � Damit fa�te der w�tende Manasse den Neffen und st�rmte mit ihm zur T�re hinaus.</p><p>Albertine hatte im Grausen und Entsetzen ihr Gesicht verborgen an Edmunds Brust, der sie umschlungen hielt, mit M�he Fassung erringend.</p><p>Der Goldschmied trat nun hin zu dem Paar und sprach l�chelnd mit sanfter Stimme: �La�t euch nur durch alle diese Narrenstreiche nicht irren. Es wird alles gut werden, ich stehe euch daf�r. Aber nun ist es n�tig, da� ihr euch trennt, ehe Vo�winkel und Tusmann aus ihrer Schreckenserstarrung erwachen.�</p><p>Darauf verlie� er mit Edmund Vo�winkels Haus.</p></section><section><title><p>F�nftes Kapitel</p><p>Worin der geneigte Leser erf�hrt, wer der Dales ist, auf welche Weise aber der Goldschmied den Geheimen Kanzleisekret�r Tusmann rettet vom schmachvollen Tode und den verzweifelnden Kommissionsrat tr�stet</p></title><p>�Der Kommissionsrat war durch und durch ersch�ttert, von Manasses Fluch mehr, als von dem tollen Spuk, den, wie er wohl einsah, der Goldschmied getrieben. Jener Fluch war auch in der Tat gr��lich genug, da er dem Kommissionsrat den Dales �ber den Hals geschickt.</p><p>Ich wei� nicht, ob du, sehr geneigter Leser, die Bewandtnis kennst, die es mit diesem Dales der Juden hat?</p><p>Das Weib eines armen Juden (so erz�hlt ein Talmudist) fand, als sie eines Tages auf den Boden ihres kleinen Hauses stieg, daselbst einen d�rren, ganz ausgemergelten, nackten Menschen, der sie bat, ihm Obdach zu g�nnen, ihn zu n�hren mit Speis' und Trank. Erschrocken lief das Weib herab und sprach wehklagend zu ihrem Mann: �Ein nackter, ausgehungerter Mensch ist in unser Haus gekommen und verlangt von uns Obdach und Nahrung. Wie sollen wir aber den Fremden n�hren, da wir selbst kaum unser m�hseliges Leben von Tag zu Tag durchfristen.� �Ich will�, erwiderte der Mann, �hinaufsteigen zu dem fremden Menschen und sehen, wie ich ihn hinausschaffe aus unserm Hause.� �Warum,� sprach er dann zu dem fremden Menschen, �warum bist du gefl�chtet in mein Haus, der ich arm bin und nicht vermag dich zu ern�hren? Hebe dich fort und gehe in das Haus des Reichtums, wo die Schlachttiere l�ngst gem�stet und die G�ste geladen sind zum Gastmahl.� �Wie kannst du�, erwiderte der Mensch, �mich forttreiben wollen aus dem Obdach, das ich gefunden? Du siehst, da� ich nackt bin und blo�, wie kann ich fortziehen in das Haus des Reichtums? Doch la� mir ein Kleid machen, das mir pa�t, und ich will dich verlassen.� � �Besser ist es,� dachte der Jude, �da� ich mein Letztes daran wende, den Menschen bald fortzuschaffen, als da� er bliebe und verzehre, was ich mit Not zu erwerben vermag.� Er schlachtete sein letztes Kalb, wovon er mit seinem Weibe viele Tage hindurch sich zu n�hren gedachte, verkaufte das Fleisch und schaffte von dem gel�sten Gelde ein gutes Kleid an f�r den fremden Menschen. Als er aber hinaufging mit dem Kleide, war der Mensch, der erst klein und d�rr gewesen, gro� geworden und stark, so da� das Kleid ihm �berall zu kurz war und zu enge. Dar�ber entsetzte sich der arme Jude gar sehr, aber der fremde Mensch sprach: �La� ab von der Torheit mich fortschaffen zu wollen aus deinem Hause, denn wisse, ich bin der Dales.� Da rang der arme Jude die H�nde und jammerte und schrie: �Gott meiner V�ter, so bin ich gez�chtigt mit der Rute des Zorns und elend immerdar, denn bist du der Dales, so wirst du nicht weichen, sondern, all unser Hab und Gut wegzehrend, immer gr��er und st�rker werden.� Der Dales ist aber die Armut, die, wo sie sich einmal eingenistet, niemals wieder weicht und immer mehr zunimmt. �</p><p>Entsetzte sich nun der Kommissionsrat dar�ber, da� ihm Manasse in der Wut die Armut auf den Hals geflucht, so f�rchtete er dagegen auch den alten Leonhard, der, die seltsamen Zauberk�nste abgerechnet, die ihm zu Gebote standen, auch au�erdem in seinem ganzen Wesen etwas hatte, was wohl eine scheue Ehrfurcht erwecken mu�te. Gegen beide, das f�hlte er, konnte er nichts Sonderliches ausrichten; sein ganzer Zorn fiel daher auf Edmund Lehsen, dem er alles Unheil, was ihm widerfahren, in die Schuhe schob. Kam noch hinzu, da� Albertine ganz unverhohlen und mit entschiedener Festigkeit erkl�rte, wie sie Edmund �ber die Ma�en liebe und niemals weder den alten, pedantischen Geheimen Kanzleisekret�r, noch den unausstehlichen Baron Bensch heiraten werde, so konnt' es gar nicht fehlen, da� der Kommissionsrat sich �ber die Geb�hr erboste und den Edmund fort w�nschte, dahin, wo der Pfeffer w�chst. Da er aber diesen Wunsch nicht so verwirklichen konnte, wie es unter der vorigen franz�sischen Regierung geschah, welche Leute, die sie los sein wollte, in der Tat fortschickte nach dem Ort, wo der Pfeffer w�chst, so begn�gte er sich damit, dem Edmund ein angenehmes Billett zu schreiben, worin er all sein Gift, all seine Galle ergo� und damit endete, da� er sich nicht unterfangen solle, jemals die Schwelle seines Hauses zu betreten.</p><p>Man kann denken, da� Edmund �ber diese grausame Trennung von Albertinen sofort in die geh�rige Verzweiflung geriet, in welcher ihn denn Leonhard fand, als er ihn seiner Gewohnheit gem�� in der Abendd�mmerung besuchte.</p><p>�Was habe ich,� rief Edmund dem Goldschmied entgegen, �was habe ich nun von Euerm Schutz, von Euerm M�hen, mir die geh�ssigen Nebenbuhler vom Leibe zu schaffen? Durch Eure unheimlichen Taschenspielerk�nste verwirrt und entsetzt Ihr alle, selbst mein holdes M�dchen, und Euer Treiben ist es allein, das mir als ein un�bersteigliches Hindernis in den Weg tritt. Ich fliehe, ich fliehe, den Dolch im Herzen, fort nach Rom!�</p><p>�Nun,� sprach der Goldschmied, �nun, dann t�test du ja wirklich das, was ich recht von Herzen w�nsche. Erinnere dich, da� ich schon damals, als du zum ersten Male von deiner Liebe zu Albertinen sprachst, dir versicherte, da� meiner Meinung nach ein junger K�nstler sich wohl verlieben k�nne, aber nicht gleich ans Heiraten denken m�sse, da dies ganz unersprie�lich sei. Ich r�ckte dir damals halb im Scherz das Beispiel des jungen Sternbald vor Augen, aber ganz ernsthaft sage ich dir jetzt, da�, gedenkst du ein t�chtiger K�nstler zu werden, du mu�t. Frei und froh ziehe in das Vaterland der Kunst, durchaus alle Heiratsgedanken dir aus dem Kopf schlagen studiere in voller Begeisterung ihr innerstes Wesen, und dann erst wird dir die technische Fertigkeit, die du vielleicht auch hier erlangen kannst, etwas n�tzen.�</p><p>�Ha,� rief Edmund, �was f�r ein Tor war ich, Euch meine Liebe anzuvertrauen! Nun sehe ich es wohl ein, da� gerade Ihr, von dem ich Beistand erwarten durfte mit Rat und Tat, da� gerade Ihr, sage ich, absichtlich mir entgegenhandelt und meine sch�nsten Hoffnungen mit h�mischer Schadenfreude zerst�rt.� �</p><p>�Hoho,� erwiderte der Goldschmied, �hoho, junger Herr! m��igt Euch in Euren Ausdr�cken, seid weniger heftig und bedenkt, da� Ihr viel zu unerfahren seid, um mich zu durchschauen. Aber ich will Euern irren Zorn Eurer wahnsinnigen Verliebtheit zugute halten ��</p><p>�Und,� fuhr Edmund fort, �und was die Kunst betrifft, so sehe ich gar nicht ein, warum ich, da es mir dazu, wie Ihr wi�t, gar nicht an Mitteln fehlt, der innigen Verbindung mit Albertinen unbeschadet, nicht nach Rom gehen und dort die Kunst studieren sollte. Ja, ich gedachte gerade dann, wenn ich Albertinens Besitz gewi� sein konnte, nach Italien zu wandern und dort ein ganzes Jahr hindurch zu verweilen, dann aber, bereichert mit wahrer Kunstkenntnis, zur�ckzukehren in die Arme meiner Braut.�</p><p>�Wie,� rief der Goldschmied, �wie, Edmund, war das in der Tat dein wirklicher, ernsthafter Vorsatz?�</p><p>�Allerdings,� erwiderte der J�ngling, �so sehr mein Inneres entbrannt ist in Liebe zu der holden Albertine, so sehr erf�llt mich doch die Sehnsucht nach dem Lande, das die Heimat meiner Kunst ist.�</p><p>�K�nnet,� fuhr der Goldschmied fort, �k�nnet Ihr Euer treues Wort mir darauf geben, da�, wird Albertine Euer, Ihr sogleich die Reise nach Italien antreten wollt?�</p><p>�Warum sollte ich das nicht,� erwiderte der J�ngling, �da es mein fester Entschlu� war und es bleiben w�rde, sollte das geschehen, woran ich verzweifeln mu�.�</p><p>�Nun,� rief der Goldschmied lebhaft, �nun, Edmund, so sei guten Mutes, diese feste Gesinnung erwirbt dir die Geliebte. Ich gebe dir mein Wort, da� in wenigen Tagen Albertine deine Braut sein soll. Da� ich das zu bewirken verstehen werde, daran magst du nicht zweifeln.�</p><p>Die Freude, das Entz�cken strahlte aus Edmunds Augen. Der r�tselhafte Goldschmied �berlie�, schnell davoneilend, den J�ngling all den s��en Hoffnungen und Tr�umen, die er in seinem Innern aufgeregt. �</p><p>In einem abgelegenen Teil des Tiergartens, unter einem gro�en Baum, lag, um mit Celia in �Wie es euch gef�llt� zu reden, wie eine abgefallene Eichel oder wie ein verwundeter Ritter der Geheime Kanzleisekret�r Tusmann und klagte sein tiefes Herzeleid den treulosen Herbstwinden.</p><p>�O Gott gerechter!� lamentierte er, �ungl�cklicher, bedauernsw�rdiger Geheimer Kanzleisekret�r, womit hast du all diese Schmach verdient, die dir �ber den Hals gekommen. Sagt denn nicht Thomasius, da� der Ehestand an Erlangung der Weisheit keinesweges hindern solle, und doch hast du schon jetzt, da du nur den Ehestand zu intendieren begonnen, beinahe deinen ganzen angenehmen Verstand verloren. Woher der entsetzliche Widerwille der werten Demoiselle Albertine Vo�winkel gegen deine geringe, aber mit l�blichen Eigenschaften sattsam ausgestattete Person? Bist du etwa ein Politikus, der keine Frau haben, oder gar ein Rechtsgelehrter, der nach der Lehre des Cleobulus seine Frau, sobald sie unartig, was weniges pr�geln soll, da� die Sch�nste deshalb einige Scheu tragen k�nnte, dich zu ehelichen? O Gerechter, welchem Jammer gehst du entgegen! � Warum mu�t du, o geliebter Geheimer Kanzleisekret�r, in offne Fehde geraten mit schn�den Schwarzk�nstlern und malerischen W�trichen, die dein zartes Gesicht f�r ein aufgespanntes Pergament halten und mit frechem Pinsel einen wilden Salvator Rosa darauf schmei�en, ohne Geschick, Haltung und Manier! Ja, das ist das �rgste! Alle meine Hoffnung hatte ich auf meinen intimen Freund gesetzt, auf den Herrn Streccius, der in der Chemie wohlerfahren ist und in jedem Malheur zu helfen wei�, aber es ist alles vergebens. Je mehr ich mich mit dem Wasser wasche, das er mir angeraten, desto gr�ner werde ich, wiewohl das Gr�n sich in den verschiedensten Nuancen und Schattierungen �ndert, so da� es bereits Fr�hling, Sommer und Herbst auf meinem Antlitz gewesen! � Ja, dieses Gr�n ist es, was mich ins Verderben st�rzt, und erlange ich nicht den wei�en Winter wieder, welcher die schicklichste Jahreszeit f�r mein Gesicht, so gerate ich in Desperation, st�rze mich hier in den schn�den Froschlaich und sterbe einen gr�nen Tod!� �</p><p>Tusmann hatte wohl recht, so bittre Klagen auszusto�en, denn in der Tat war es arg mit der gr�nen Farbe seines Antlitzes, die gar nicht gew�hnliche �lfarbe, sondern irgendeine k�nstlich zusammengesetzte Tinktur zu sein schien, die, in die Haut eingedrungen, durchaus nicht verschwinden wollte. Zur Tageszeit durfte der arme Geheime Kanzleisekret�r gar nicht an ders ausgehen, als mit tief in die Augen gedr�cktem Hut und vorgehaltenem Schnupftuch, und selbst wenn die D�mmerung eingebrochen, wagte er es nur in gestrecktem Galopp durch die entlegenen Gassen zu rennen. Teils f�rchtete er den Hohn der Stra�enbuben, teils mu�te er sich �ngstigen, irgend jemanden aus dem Bureau, in dem er arbeitete, zu begegnen, da er sich krank melden lassen.</p><p>Es geschieht wohl, da� wir das Ungemach, welches uns getroffen, st�rker und t�tender f�hlen in der stillen, schwarzen Nacht als am ger�uschvollen Tage. So kam es auch, da�, sowie immer dunkler und dunkler die Wolken heraufzogen, wie schw�rzer und schw�rzer die Schatten des Waldes sich ausbreiteten, wie recht schauerlich verh�hnend der rauhe Herbstwind durch B�ume und Geb�sche pfiff, Tusmann, sein ganzes Elend bedenkend, in vollkommene Trostlosigkeit geriet.</p><p>Der entsetzliche Gedanke, in den gr�nen Froschlaich zu springen und so ein verst�rtes Leben zu enden, trat dem Geheimen Kanzleisekret�r so lebendig in die Seele, da� er ihn f�r einen entscheidenden Wink des Schicksals hielt, dem er folgen m�sse.</p><p>�Ja,� rief er mit gellender Stimme, indem er hastig aufsprang vom Boden, wo er sich hingelagert, �ja, Geheimer Kanzleisekret�r, mit dir ist es aus! � Verzweifle, guter Tusmann! � Kein Thomasius kann dich retten, fort mit dir in den gr�nen Tod! � Leben Sie wohl, grausame Demoiselle Albertine Vo�winkel! � Sie sehen Ihren Br�utigam, den Sie verschm�ht auf schn�de Weise, niemals wieder! � Er wird sogleich in den Froschlaich springen!�</p><p>Wie rasend rannte er fort nach dem nahegelegenen Bassin, das in der tiefen D�mmerung anzusehen war wie ein breiter, sch�n bewachsener Weg, und blieb dicht am Rande stehen.</p><p>Der Gedanke an den nahen Tod mochte wohl seine Sinne zerr�tten, denn er sang mit hoher, durchdringender Stimme das englische Volkslied, dessen Refrain lautet: �Gr�n sind die Wiesen, gr�n sind die Wiesen�, warf dann die �politische Klugheit�, das �Handbuch f�r Hof und Staat�, sowie Hufelands �Kunst, das Leben zu verl�ngern� in das Wasser und war eben im Begriff, mit einem t�chtigen Ansatz nachzuspringen, als er sich von hinten her mit starken Armen umfa�t f�hlte.</p><p>Zugleich vernahm er die ihm wohlbekannte Stimme des schwarzk�nstlerischen Goldschmieds: �Tusmann, was habt Ihr vor? Ich bitte Euch, seid doch kein Esel und macht doch nicht tolle Streiche!�</p><p>Der Geheime Kanzleisekret�r bot alle Kraft auf, sich aus des Goldschmieds Armen loszuwinden, indem er, kaum der Sprache mehr m�chtig, kr�chzte: �Herr Professor, ich bin in der Desperation, und da h�ren alle R�cksichten auf, Herr Professor, nehmen Sie es einem desperaten Geheimen Kanzleisekret�r, der sonst wohl wei�, was Anstand und Sitte heischt, nicht �bel, aber, Herr Professor � ich sag' es unverhohlen, ich w�nschte, da� Sie der Teufel hole samt Ihren Hexenk�nsten, samt Ihrer Grobheit, samt Ihrem verdammten Ihr � Ihr � Ihr und Tusmann!� �</p><p>Der Goldschmied lie� den Geheimen Kanzleisekret�r los, und alsbald taumelte er ersch�pft nieder in das hohe, durch und durch feuchte Gras.</p><p>W�hnend, er liege im Bassin, rief er: �O kalter Tod, o gr�ne Wiese � Adieu! � Mich ganz gehorsamer zu empfehlen, werteste Demoiselle Albertine Vo�winkel � Lebe wohl, wackrer Kommissionsrat � Der ungl�ckliche Br�utigam liegt bei den Fr�schen, die den Herrn loben zur Sommerszeit!� �</p><p>�Seht Ihr wohl,� sprach der Goldschmied mit starker Stimme, �seht Ihr wohl, Tusmann, da� Ihr von Sinnen seid und matt und elend dazu! � Zum Teufel wollt Ihr mich schicken, wie wenn ich nun selbst der Teufel w�re und Euch den Hals umdrehte hier auf der Stelle, wo Ihr w�hnt, im Bassin zu liegen?�</p><p>Tusmann �chzte, st�hnte, sch�ttelte sich wie im st�rksten Fieberfrost. �</p><p>�Aber,� fuhr der Goldschmied fort, �aber ich mein' es gut mit Euch, Tusmann, und vergebe Eurer Desperation alles, richtet Euch auf, kommt mit mir.�</p><p>Der Goldschmied half dem armen Geheimen Kanzleisekret�r auf die Beine. Ganz vernichtet lispelte er: �Ich bin in Ihrer Gewalt, verehrtester Herr Professor, machen Sie mit meinem geringen sterblichen Leichnam, was Sie wollen, aber meine unsterbliche Seele bitte ich ganz gehorsamst g�tigst verschonen zu wollen.�</p><p>�Schwatzt nicht solch aberwitziges Zeug, sondern kommt rasch fort�, rief der Goldschmied, fa�te den Geheimen Kanzleisekret�r unterm Arm und schritt mit ihm von dannen. Doch mitten in dem Wege, der quer durch den Tiergarten nach den Zelten f�hrt, hielt er inne und sprach: �Halt, Tusmann! Ihr seid ganz na� und seht abscheulich aus, ich will Euch wenigstens das Gesicht abtrocknen.�</p><p>Damit holte der Goldschmied ein blendend wei�es Tuch aus der Tasche und tat, wie er verhei�en.</p><p>Als nun schon die hellen Laternen des Weberschen Zeltes durch die Geb�sche funkelten, rief Tusmann pl�tzlich ganz erschrocken: �Um tausend Gotteswillen, verehrtester Herr Professor, wo f�hren Sie mich denn hin? � Nicht nach der Stadt? Nicht nach meiner Wohnung? � Doch nicht etwa in Gesellschaft? unter Menschen? � Gerechter! Ich kann mich ja gar nicht blicken lassen � Ich errege ja �rgernis � ein Skandalum ��</p><p>�Ich wei� nicht,� erwiderte der Goldschmied, �ich wei� nicht, Tusmann, was Ihr wohl mit Euerm menschenscheuen Wesen, seid doch kein Hase! Ihr m��t durchaus etwas Starkes genie�en. � Vielleicht ein Glas warmen Punsch, sonst bekommt Ihr das Fieber vor Erk�ltung. Kommt nur mit! ��</p><p>Der Geheime Kanzleisekret�r lamentierte, sprach unaufh�rlich von seinem gr�nen Gesicht, von seinem schn�den Salvator Rosa im Antlitz, der Goldschmied achtete aber nicht im mindesten darauf, sondern zog ihn fort mit unwiderstehlicher Gewalt.</p><p>Als sie nun in den erleuchteten Saal traten, bedeckte Tusmann mit dem Schnupftuch sein ganzes Gesicht, da noch ein paar G�ste an der langen Tafel speisten.</p><p>�Was habt Ihr denn,� sprach der Goldschmied dem Geheimen Sekret�r ins Ohr, �was habt Ihr denn, Tusmann, da� Ihr Euer rechtschaffenes Antlitz so verh�llen wollt und verbergen?�</p><p>�Ach Gott,� st�hnte der Geheime Kanzleisekret�r, �ach Gott, verehrtester Herr Professor, Sie wissen es ja, mein Gesicht, das der j�hzornige junge Herr Maler mit gr�ner Farbe �berstrichen ��</p><p>�Possen,� rief der Goldschmied aus, indem er den Geheimen Kanzleisekret�r mit gewaltiger Faust packte und hinstellte vor den gro�en Spiegel am Ende des Saals und hineinleuchtete mit der Kerze, die er ergriffen.</p><p>Tusmann schaute unwillk�rlich hinein und konnte sich eines lauten Ach! nicht erwehren.</p><p>Nicht allein, da� die h��liche gr�ne Farbe g�nzlich verschwunden war, Tusmanns Gesicht hatte �berdies noch ein lebhafteres Kolorit erhalten als jemals, so da� er in der Tat um einige Jahre j�nger aussah, als sonst. Im �berma� des Entz�ckens sprang der Geheime Kanzleisekret�r mit beiden F��en zugleich in die H�he und sprach dann mit s��weinerlicher Stimme: �O Gerechter, was sehe, was erblicke ich! � Wertester, ungemein verehrter Herr Professor, das Gl�ck habe ich gewi� Ihnen allein zu verdanken! � Ja! � nun wird die Demoiselle Albertine Vo�winkel, um derentwillen ich beinahe hinabgesprungen in den Abgrund zu den Fr�schen, gewi� keinen Anstand nehmen, mich zu ihrem Gemahl zu erkiesen! � Ja, wertester Herr Professor, Sie haben mich geborgen aus tiefem Elend! � Ich f�hlte sogleich eine gewisse Behaglichkeit, als Sie �ber mein geringes Antlitz mit Dero schneewei�em Schnupftuch zu fahren beliebten. � O sprechen Sie, gewi� waren Sie mein Wohlt�ter?� �</p><p>�Nicht leugnen,� erwiderte der Goldschmied, �nicht leugnen will ich, Tusmann, da� ich es war, der Euch die gr�ne Farbe wegwusch, und Ihr k�nnt daraus abnehmen, da� ich gar nicht so feindlich wider Euch gesinnt bin, als Ihr es wohl vermeinen m�get. Blo� Eure alberne Faselei, da� Ihr Euch von dem Kommissionsrat �berreden lasset, Ihr k�nntet Euch noch mit einem blutjungen, h�bschen M�dchen, welche aufsprudelt vor Lebenslust, verheiraten, blo� diese Faselei, sage ich, kann ich an Euch gar nicht leiden und m�chte Euch, da Ihr selbst jetzt, kaum den Schabernack los, den man Euch antat, wiederum gleich ans Heiraten denkt, den Appetit dazu auf nachdr�ckliche Weise vertreiben, welches ganz und gar in meiner Macht steht. Doch will ich das nicht tun, sondern Euch raten, ruhig zu sein bis zum k�nftigen Sonntag in der Mittagsstunde, da werdet Ihr denn das Weitere h�ren. Wagt Ihr es, fr�her Albertinen zu sehen, so la� ich Euch vor ihren Augen erst tanzen, da� Euch Sinn und Atem vergeht, verwandle Euch dann in den gr�nsten Frosch und schmei�e Euch hier im Tiergarten in das Bassin oder gar in die Spree, wo Ihr quaken k�nnet bis an Euer Lebensende! � Gehabt Euch wohl! Ich habe heute noch etwas vor, das mich nach der Stadt eilen hei�t. Ihr w�rdet meinen Schritten nicht folgen k�nnen. Gehabt Euch wohl!�</p><p>Der Goldschmied hatte recht, da� wohl keiner so leicht ihm h�tte folgen k�nnen, denn als h�tte er Schlemihls ber�hmte Siebenmeilenstiefel an den F��en, war er mit einem einzigen Schritt, den er zur Saalt�r hinaus machte, dem best�rzten Geheimen Kanzleisekret�r aus den Augen verschwunden. �</p><p>So mochte es denn auch geschehen, da� er schon in der n�chsten Minute wie ein Gespenst pl�tzlich in dem Zimmer des Kommissionsrates stand und ihm mit ziemlich rauher Stimme einen guten Abend bot.</p><p>Der Kommissionsrat erschrak heftig, fa�te sich jedoch bald zusammen und fragte den Goldschmied ungest�m, was er so sp�t in der Nacht noch wolle, er m�ge sich fortscheren und ihn in Ruhe lassen mit den albernen Taschenspielerst�ckchen, die ihm vorzugaukeln er vielleicht im Sinne habe.</p><p>�So sind,� erwiderte der Goldschmied sehr gelassen, �so sind nun die Menschen und vorz�glich die Kommissionsr�te. Gerade diejenigen Personen, die sich Ihnen wohlwollend n�hern, denen Sie sich zutrauensvoll in die Arme werfen sollten, gerade diese Personen sto�en Sie von sich; � Sie sind, bester Kommissionsrat, ein armer, ungl�cklicher, bedauernsw�rdiger Mann, ich komme � renne her noch in tiefer Nacht, um mich mit Ihnen zu beraten, wie vielleicht noch der t�tende Schlag abzuwenden ist, der Sie eben treffen will und Sie ��</p><p>�O Gott,� schrie der Kommissionsrat ganz au�er sich, �o Gott, gewi� schon wieder ein Falliment in Hamburg, Bremen oder London, das mich vollends zu ruinieren droht, o ich geschlagener Kommissionsrat � das fehlte noch ��</p><p>�Nein,� unterbrach der Goldschmied Vo�winkels Klagen, �nein, es ist hier noch von etwas anderm die Rede. Sie wollen also Albertinens Hand durchaus nicht dem jungen Edmund Lehsen geben?�</p><p>�Wie kommen Sie�, rief der Kommissionsrat, �auf diesen albernen, �rgerlichen Schnack? Ich! meine Tochter dem armseligen Pinsler!�</p><p>�Nun,� sprach der Goldschmied, �er hat doch Sie und Albertinen recht wacker gemalt.�</p><p>�Hoho!� erwiderte der Kommissionsrat, �das w�re ein sch�ner Kauf, meine Tochter f�r ein paar bunte Bilder! � Ich habe ihm die Dinger ins Haus zur�ckgeschickt.�</p><p>�Edmund,� fuhr der Goldschmied fort, �Edmund wird, versagen Sie ihm Albertinen, sich r�chen.�</p><p>�Nun,� rief der Kommissionsrat, �nun das m�cht' ich doch wissen, welche Rache der Schlucker, der Kiekindiewelt an dem Kommissionsrat Melchior Vo�winkel zu nehmen verm�chte!�</p><p>�Das will,� erwiderte der Goldschmied, �das will ich Ihnen gleich sagen, mein sehr wackrer Herr Kommissionsrat. Edmund ist eben im Begriff, Ihr liebes Bild auf w�rdige Weise zu retouchieren. Das fr�hliche, l�chelnde Antlitz verkehrt er in ein bittergr�mliches, mit heraufgezogenen Brauen, tr�ben Augen, herunterh�ngenden Lippen. St�rker markiert er die Runzeln auf Stirn und Wangen, vergi�t nicht die vielen grauen Haare, die der Puder verbergen soll, hinl�nglich anzudeuten durch geh�rige F�rbung. Statt der freudigen Botschaft von dem Lotteriegewinst schreibt er die h�chst betr�bte Nachricht in den Brief, die Sie vorgestern erhielten, n�mlich, da� das Haus Campbell et Kompagnie in London falliert, und auf dem Kuvert steht: �An den verfehlten Stadt � und Kommissionsrat� u.s.f., denn er wei�, da� Sie vor einem halben Jahre vergebens darnach trachteten, Stadtrat zu werden. Aus den zerrissenen Westentaschen fallen Dukaten, Taler und Tresorscheine heraus, den Verlust andeutend, den Sie erlitten. So wird das Bild dann ausgeh�ngt bei dem Bilderh�ndler am Bankgeb�ude in der J�gerstra�e.� �</p><p>�Der Satan,� schrie der Kommissionsrat, �der Halunke, nein, das soll er nicht unternehmen! � Polizei, Justiz rufe ich zu Hilfe ��</p><p>�Haben,� fuhr der Goldschmied gelassen fort, �haben nur funfzig Menschen eine Viertelstunde hindurch das Bild gesehen, dann dringt die Kunde davon mit tausend st�rkeren Nuancen, die dieser, jener Witzbold hinzuf�gt, durch die ganze Stadt. Alles L�cherliche, alles Alberne, das man von Ihnen erz�hlt hat und noch erz�hlt, wird aufgefrischt mit neuen, gl�nzenden Farben, jeder, dem Sie begegnen, lacht Ihnen ins Gesicht, und was das Schlimmste ist, man spricht dabei unaufh�rlich von dem Verlust, den Sie durch Campbells Fall erlitten, und Ihr Kredit ist hin.�</p><p>�O Gott,� rief der Kommissionsrat, �o Gott! � Aber er mu� mir das Bild herausgeben, der B�sewicht, ja, das mu� er morgen mit dem fr�hsten Tage.�</p><p>�Und,� sprach der Goldschmied weiter, �und t�te er das wirklich, woran ich sehr zweifle, was w�rd' es Ihnen helfen? Er radiert Ihre werte Person, wie ich es erst beschrieben, auf eine Kupferplatte, besorgt viele hundert Abdr�cke, illuminiert sie selbst recht con amore und schickt sie in die ganze Welt, nach Hamburg, Bremen, L�beck, Stettin, ja nach London ��</p><p>�Halten Sie ein,� unterbrach der Kommissionsrat den Goldschmied, �halten Sie ein! � Gehen Sie hin zu dem entsetzlichen Menschen, bieten Sie ihm funfzig � ja � bieten Sie ihm hundert Taler, wenn er die Sache mit meinem Bilde ganz unterl��t ��</p><p>�Ha ha ha!� lachte der Goldschmied, �Sie vergessen, da� sich Lehsen ganz und gar nichts macht aus dem Gelde, da� seine Eltern wohlhabend sind, da� seine Gro�tante, die Demoiselle Lehsen, die in der Breiten Stra�e wohnt, ihm l�ngst ihr ganzes Verm�gen vermacht hat, das nicht weniger als bare achtzigtausend Taler betr�gt!� �</p><p>�Was,� rief der Kommissionsrat, erbleicht vor pl�tzlichem Erstaunen, �was sagen Sie � achtzig � H�ren Sie, Herr Leonhard, ich glaube, Albertinchen ist ganz vernarrt in den jungen Lehsen � Ich bin nun einmal ein guter Kerl � ein weichm�tiger Vater � kann keinen Tr�nen, keinen Bitten widerstehen � Zudem gef�llt mir der junge Mensch. Er ist ein t�chtiger K�nstler. � Sie wissen, was die Kunst betrifft, da bin ich ein rechter Narr mit meiner Vorliebe � Er hat h�bsche Eigenschaften, der liebe, gute Lehsen � Achtzig � Nun, wissen Sie was, Leonhard, aus purer Herzensg�te geb' ich ihm meine Tochter, dem artigen Jungen!� �</p><p>�Hm,� sprach der Goldschmied, �ich mu� Ihnen doch etwas Spa�haftes erz�hlen. Soeben komme ich aus dem Tiergarten. Dicht an dem gro�en Bassin fand ich Ihren alten Freund und Schulkameraden, den Geheimen Kanzleisekret�r Tusmann, der dar�ber, da� ihn Albertine verschm�ht, in wilde Verzweiflung geraten, sich ins Wasser st�rzen wollte. Nur mit M�he gelang es mir, ihn von der Ausf�hrung seines schrecklichen Entschlusses abzuhalten, indem ich ihm vorstellte, da� Sie, mein wackrer Kommissionsrat, gewi� Ihr treugegebenes Wort halten und durch v�terliche Ermahnungen Albertinen dahin bringen w�rden, ihm unverweigerlich die Hand zu reichen. Geschieht dies nun nicht, geben Sie Albertinens Hand dem jungen Lehsen, so springt Ihr Geheimer in das Bassin, das ist so gut wie gewi�. Denken Sie, was dieser entsetzliche Selbstmord des soliden Mannes f�r Aufsehn erregen w�rde? � Jeder klagt Sie � Sie allein als Tusmanns M�rder an und begegnet Ihnen mit tiefer Verachtung. Sie werden nirgends mehr zur Tafel geladen, und finden Sie sich auf irgendeinem Kaffeehause ein, um Neues zu erwischen, so wirft man Sie zur T�r hinaus � die Treppe hinunter. Aber noch mehr! � Der Geheime Kanzleisekret�r ist hochgeachtet von allen seinen Vorgesetzten, sein Ruf als t�chtiger Gesch�ftsmann hat alle Bureaus durchdrungen. Haben Sie nun durch Ihren Wankelmut, durch Ihre Falschheit den �rmsten zum Selbstmorde gebracht, so ist gar nicht daran zu denken, da� Sie jemals in Ihrem ganzen Leben noch einen Geheimen Legations-, einen Geheimen Oberfinanzrat zu Hause finden sollten, die Wirklichen am allerwenigsten. Keine Beh�rde, deren Geneigtheit Ihr Gesch�ft bedarf, nimmt sich hinfort Ihrer mehr im mindesten an. Von simplen Kommerzienr�ten werden Sie verh�hnt, Expedienten verfolgen Sie mit Mordwaffen, und Kanzleiboten dr�cken, Ihnen begegnend, die H�te fester auf den Kopf. Man nimmt Ihnen den Titel als Kommissionsrat, Sto� erfolgt auf Sto�, Ihr Kredit ist hin, Ihr Verm�gen ger�t in Verfall, schlechter und schlechter geht's, bis Sie zuletzt in Verachtung, Armut und Elend ��</p><p>�H�ren Sie auf�, schrie der Kommissionsrat, �Sie martern mich! � Wer h�tte denken sollen, da� der Geheime noch in seinen Jahren solch ein verliebter Affe sein w�rde! � Aber Sie haben recht. � Mag es nun gehen, wie es in der Welt will, ich mu� dem Geheimen Wort halten, sonst bin ich ein ruinierter Mann. � Ja, es ist beschlossen, der Geheime erh�lt Albertinens Hand.� �</p><p>�Sie vergessen�, sprach der Goldschmied, �die Bewerbung des Barons D�mmerl. Sie vergessen den f�rchterlichen Fluch des alten Manasse! � An diesem haben Sie, wird Bensch verschm�ht, den f�rchterlichsten Feind. In allen Ihren Spekulationen tritt Ihnen Manasse entgegen. Er scheut kein Mittel, Ihren Kredit zu schm�lern, er benutzt jede Gelegenheit, Ihnen zu schaden, er ruht nicht, bis er Sie in Schimpf und Schande heruntergebracht hat, bis der Dales, den er Ihnen auf den Hals geflucht hat, wirklich eingekehrt ist in Ihr Haus. � Genug, Sie m�gen nun Albertinens Hand diesem oder jenem der drei Freier geben, immer geraten Sie in Not, und eben deshalb nannte ich Sie vorhin einen armen, bedauernsw�rdigen Mann.�</p><p>Der Kommissionsrat rannte wie unsinnig im Zimmer auf und ab, rief ein Mal �ber das andere: �Ich bin verloren � ein ungl�cklicher Mensch, ein ruinierter Kommissionsrat � H�tt' ich nur das M�dchen gar nicht auf dem Halse. M�ge sie alle der Satan davonf�hren, den Lehsen, den Bensch und � meinen Geheimen dazu ��</p><p>�Nun, nun,� begann der Goldschmied, �noch gibt es wohl ein Mittel, Sie aus aller Verlegenheit zu rei�en.�</p><p>�Welches,� sprach der Kommissionsrat, indem er pl�tzlich stillstand und den Goldschmied starr anblickte, �welches? Ich gehe alles ein.�</p><p>�Haben Sie,� fragte der Goldschmied, �haben Sie in dem Theater den �Kaufmann von Venedig� gesehen?�</p><p>�Das ist,� erwiderte der Kommissionsrat, �das ist das St�ck, in welchem Herr Devrient einen mords�chtigen Juden spielt, namens Shylock, dem es gel�stet nach frischem Negozianten-Fleisch. � Allerdings habe ich dies St�ck gesehen, aber was sollen jetzt die Possen?�</p><p>�Kennen Sie�, fuhr der Goldschmied fort, �den �Kaufmann von Venedig�, so werden Sie sich erinnern, da� darin ein gewisses reiches Fr�ulein Porzia vorkommt, deren Vater verm�ge testamentlicher Verf�gung die Hand seiner Tochter zum Gewinst in einer Art von Lotterie gemacht hatte. Drei K�sten werden hingestellt, unter denen die Bewerber eins w�hlen und �ffnen m�ssen. Derjenige von den Bewerbern erh�lt Porzias Hand, der in dem K�stchen, das er gew�hlt, ihr Portr�t eingeschlossen findet. Machen Sie es, Kommissionsrat, als lebendiger Vater wie Porzias verstorbener. Sagen Sie den drei Freiern, da�, da Ihnen einer so lieb w�re als der andere, Sie die Entscheidung dem Zufall �berlassen wollten. Drei verschlossene K�stchen werden hingestellt den Freiern zur Wahl, und der, der Albertinens Bildnis gefunden, erh�lt ihre Hand.�</p><p>�Welch ein abenteuerlicher Vorschlag�, rief der Kommissionsrat. �Und ging ich wirklich darauf ein, glauben Sie denn, werter Herr Leonhard, da� mir das im mindesten etwas helfen, da� ich mir nicht, hat auch der Zufall entschieden, den Zorn und Ha� derjenigen auf den Hals laden w�rde, die das Portr�t nicht getroffen, hinfolglich abziehen m�ssen?� �</p><p>�Halt,� sprach der Goldschmied, �das ist eben der wichtigste Punkt! � Sehn Sie, Kommissionsrat, ich verspreche Ihnen hiermit feierlichst, die Sache mit den K�stchen so einzurichten, da� sich alles gl�cklich und friedlich enden soll. Die beiden, welche fehlgegriffen, werden in ihren K�stchen keinesweges, wie die Prinzen von Marokko und Aragon, eine schn�de Abfertigung finden, vielmehr etwas erhalten, welches sie derma�en befriedigt, da� sie an die Heirat mit Albertinen gar nicht mehr denken und noch dazu Sie, Kommissionsrat, f�r den Sch�pfer eines gar nicht geahnten Gl�ckshalten.�</p><p>�W�re das m�glich!� rief der Kommissionsrat.</p><p>�Nicht allein m�glich,� erwiderte der Goldschmied, �es wird, es mu� so kommen, wie ich es Ihnen sage, mein festes Wort darauf.�</p><p>Nun nahm der Kommissionsrat keinen Anstand mehr einzugehen in des Goldschmieds Plan, und beide kamen darin �berein, da� in der Mittagsstunde des n�chsten Sonntags die Wahl vor sich gehen solle.</p><p>Die drei K�stchen versprach der Goldschmied herbeizuschaffen.</p></section><section><title><p>Sechstes Kapitel</p><p>Worin von der Art, wie die Brautwahl vor sich ging, gehandelt, dann aber die Geschichte geschlossen wird</p></title><p> Man kann denken, da� Albertine ganz und gar in Verzweiflung geriet, als der Kommissionsrat sie mit der ungl�ckseligen Lotterie, in der ihre Hand gewonnen werden sollte, bekannt machte, als alles Bitten, alles Flehen, alles trostlose Weinen nicht vermochte, ihn von dem einmal gefa�ten Entschlu� abzubringen. Dazu kam, da� Lehsen ihr so gleichg�ltig, so indolent schien, wie es keiner sein kann, der wirklich liebt, da er nicht das mindeste versuchte, sie heimlich zu sehen oder ihr wenigstens eine Liebesbotschaft zuzustecken. Am Sonnabend vor dem verh�ngnisvollen Sonntage, der ihr Schicksal entscheiden sollte, sa�, als schon tiefe Abendd�mmerung eingebrochen, Albertine einsam in ihrem Zimmer. Ganz erf�llt von dem Gedanken an das Ungl�ck, von dem sie bedroht, kam es ihr ein, ob es nicht besser sei, einen raschen Entschlu� zu fassen, schnell aus dem v�terlichen Hause zu entfliehen, als das F�rchterlichste abzuwarten, zur Heirat gezwungen zu werden mit dem alten, pedantischen Geheimen Kanzleisekret�r oder gar mit dem ekelhaften Baron Bensch. Da kam ihr aber auch pl�tzlich der r�tselhafte Goldschmied in den Sinn und die seltsame zauberische Art, wie er den zudringlichen Bensch ihr vom Leibe gehalten. Es war ihr nur zu gewi�, da� er dem Lehsen beigestanden, und so d�mmerte in ihr die Hoffnung auf, da� es eben der Goldschmied sein m�sse, von dem Hilfe zu hoffen in dem kritischen Moment. Sie empfand den lebhaften Wunsch, den Goldschmied zu sprechen, und war im Innern �berzeugt, da� sie sich nicht im mindesten entsetzen w�rde, sollte der Goldschmied sich ihr auch im Augenblick offenbaren auf gespenstige Weise.</p><p>Es geschah auch wirklich, da� Albertine nicht im mindesten erschrak, als sie gewahrte, da� das, was sie f�r den Ofen gehalten, eigentlich der Goldschmied Leonhard war, der sich ihr n�herte und mit sanfter, sonorer Stimme folgenderma�en begann:</p><p>�La�, mein liebes Kind, all deine Traurigkeit, all dein Herzeleid fahren. Wisse, da� Edmund Lehsen, den du wenigstens jetzt zu lieben vermeinst, wisse, da� er mein Sch�tzling ist, dem ich mit aller Macht beistehe. Wisse ferner, da� ich es bin, der deinen Vater auf den Gedanken der Lotterie gebracht, da� ich es bin, der die verh�ngnisvollen K�stchen besorgt hat, und nun kannst du es dir doch wohl denken, da� niemand anders dein Bild finden wird, als eben Edmund.� � Albertine wollte aufjauchzen vor Entz�cken; der Goldschmied fuhr fort:</p><p>�Edmund deine Hand zu verschaffen, w�re mir auch auf andere Weise gelungen; es war mir aber daran gelegen, zu gleicher Zeit die Mitbewerber, den Geheimen Kanzleisekret�r Tusmann und den Baron Bensch, ganz und gar zufriedenzustellen. Auch das wird geschehen, und ihr beide, du und dein Vater, werdet vor jeder Anfechtung der verschm�hten Freier sicher sein.�</p><p>Albertine str�mte �ber in hei�en Dank. Sie w�re dem alten Goldschmied beinahe zu F��en gesunken, sie dr�ckte seine Hand an ihre Brust, sie versicherte, da� sie trotz aller Zauberk�nste, die er treibe, ja selbst bei der gespenstigen Art, wie er auch heute abend pl�tzlich in ihrem Zimmer erschienen, durchaus nichts Unheimliches in seiner N�he f�hle, und schlo� mit der naiven Frage, was es denn eigentlich f�r eine Bewandtnis mit ihm habe, wer er denn eigentlich sei.</p><p>�Ei, mein liebes Kind,� begann der Goldschmied l�chelnd, �sehr schwer wird es mir zu sagen, wer ich eigentlich bin. Mir geht es so wie vielen, die weit besser wissen, wof�r sie die Leute halten, als was sie eigentlich sind! � Erfahre also, mein liebes Kind, da� manche mich f�r niemand anders halten, als f�r jenen Goldschmied Leonhard Turnh�user, der in den funfzehnhundert und achtziger Jahren am Hofe des Kurf�rsten Johann George in solch gro�em Ansehen stand, und der, als Neid und Bosheit ihn zu verderben trachteten, verschwunden war, man wu�te nicht wie und wohin. Geben mich nun solche Leute, die man Romantiker oder Phantasten zu nennen pflegt, f�r jenen Turnh�user, mithin f�r einen gespenstischen Mann aus, so kannst du dir denken, welchen Verdru� ich von den soliden, aufgekl�rten Leuten, die als t�chtige B�rger und Gesch�ftsm�nner den Teufel was nach Romantik und Poesie fragen, auszustehen habe. Ja selbst handfeste �sthetiker wollen mir zu Leibe, verfolgen mich wie die Doktoren und Schriftgelehrten zu Johann Georgs Zeiten und suchen mir das bi�chen Existenz, das ich mir anma�e, zu verbittern und zu verk�mmern, wie sie nur k�nnen.</p><p>Ach, mein liebes Kind, ich merk' es schon, ungeachtet ich mich des jungen Edmund Lehsen und deiner so sorglich annehme und �berall wie ein echter Deus ex machina erscheine, so werden doch viele, die mit jenen �sthetikern gleichen Sinnes sind, mich in der Geschichte gar nicht leiden wollen, da sie an meine wirkliche Existenz nun einmal durchaus nicht glauben k�nnen! � Um mich nur einigerma�en sicherzustellen, habe ich niemals geradehin zugestehen m�gen, da� ich der schweizerische Goldschmied Leonhard Turnh�user aus dem sechzehnten Jahrhundert bin. Jenen Leuten bleibt es daher verg�nnt anzunehmen, ich sei ein geschickter Taschenspieler und die Erkl�rung aller Spukereien, wie sie vorgekommen, in Wieglebs �nat�rlicher Magie� oder sonst aufzusuchen. Freilich habe ich in diesem Augenblick noch ein Kunstst�ck vor, das mir kein Philidor, kein Philadelphia, kein Cagliostro nachmacht, und das als durchaus unerkl�rlich jenen Leuten ein ewiger Ansto� bleiben wird; indessen kann ich davon deshalb keinesweges abstehen, da es zur Vollendung der Berlinischen Geschichte, welche von der Brautwahl dreier bekannten Personen, die sich um die Hand der h�bschen Demoiselle Albertine Vo�winkel bewerben, handelt, unumg�nglich n�tig ist. � Nun also Mut gefa�t, mein liebes Kind, stehe morgen fein fr�h auf, ziehe das Kleid an, das du am liebsten tr�gst, weil es dir am besten steht, flechte dein Haar auf in den zierlichsten Z�pfen und erwarte das �brige, wie es sich dann begeben mag, ruhig und in bescheidener Geduld.� �</p><p>Hierauf verschwand der Goldschmied, wie er gekommen.</p><p>Sonntags um die bestimmte Stunde, d.h. Punkt eilf Uhr, fanden sich ein der alte Manasse mit seinem hoffnungsvollen Neffen, der Geheime Kanzleisekret�r Tusmann und Edmund Lehsen mit dem Goldschmied. Die Freier, den Baron Bensch nicht ausgenommen, erschraken beinahe, als sie Albertinen erblickten, denn noch niemals war sie ihnen so �beraus sch�n und an mutig vorgekommen. Jedem M�dchen, jeder Dame, die etwas h�lt auf geschmackvollen Anzug und zierlichen Schmuck (und wo w�re diejenige hier in Berlin zu finden, die das nicht t�te), kann ich aber auch versichern, da� die Garnitur des Kleides, welches Albertine trug, von ausnehmender Eleganz, das Kleid aber gerade kurz genug war, um den niedlichen, wei� beschuhten Fu� zu zeigen, da� die kurzen �rmel, sowie der Busenstreif aus den kostbarsten Spitzen bestanden, da� die wei�en franz�sischen Glac�handschuhe nur was weniges �ber die Ellbogen heraufgestreift, den sch�nsten Oberarm sehen lie�en, da� der Kopfputz in nichts weiter, als in einem zierlichen, goldenen, mit Steinen besetzten Kamm bestand, kurz, da� zu dem br�utlichen Schmuck nichts weiter fehlte, als die Myrtenkrone in den dunkeln Flechten. Warum aber Albertine eigentlich viel reizender aussah als sonst, kam wohl daher, da� Liebe und Hoffnung in den Augen strahlten, auf den Wangen bl�hten.</p><p>In einem Anfall von Gastlichkeit hatte der Kommissionsrat ein Gabelfr�hst�ck bereiten lassen. Mit h�mischen, scheelen Blicken betrachtete der alte Manasse den gedeckten Tisch, und da der Kommissionsrat ihn einlud, zuzulangen, las man auf seinem Antlitz jene Antwort Shylocks: �Ja, um Schinken zu riechen, von der Behausung zu essen, wo euer Prophet, der Nazarener, den Teufel hineinbeschwor. Ich will mit euch handeln und wandeln, mit euch stehen und gehen und was dergleichen mehr ist; aber ich will nicht mit euch essen, mit euch trinken noch mit euch beten!� �</p><p>Baron Bensch war weniger gewissenhaft, denn er a� viel mehr Beefsteakes als ziemlich und schwatzte dabei sehr l�ppisches Zeug, wie es in seiner Art lag.</p><p>Der Kommissionsrat verleugnete in der verh�ngnisvollen Stunde ganz und gar seine Natur; denn au�erdem, da� er r�cksichtslos Madera und Portwein einschenkte, ja sogar verriet, da� er hundertj�hrigen Malaga im Keller habe, machte er auch, nachdem das Fr�hst�ck beendet, den Freiern die Art, wie �ber die Hand seiner Tochter entschieden werden sollte, in einer solchen wohlgesetzten Rede bekannt, wie man es ihm gar nicht h�tte zutrauen sollen. Die Freier mu�ten es sich einpr�gen, da� nur der Albertinens Besitz errungen, der das K�stchen, worin ihr Bild befindlich, gew�hlt.</p><p>Mit dem Glockenschlage zw�lf ging die T�re des Saals auf, und man erblickte in der Mitte desselben einen mit einem reichen Teppich beh�ngten Tisch, auf welchem drei kleine K�stchen standen.</p><p>Das eine von glei�endem Gold hatte auf dem Deckel einen Kranz von funkelnden Dukaten, in dessen Mitte die Worte standen:</p><cite><p>�Wer mich erw�hlt, Gl�ck ihm nach seines Sinnes</p><p>Art!�</p></cite><p>Das zweite K�stchen war sehr zierlich in Silber gearbeitet. Auf dem Deckel standen zwischen mancherlei Schriftz�gen fremder Sprachen die Worte:</p><cite><p>�Wer mich erw�hlt, bek�mmt viel mehr als er gehofft!�</p></cite><p>Das dritte K�stchen, sauber aus Elfenbein geschnitzt, trug die Aufschrift:</p><cite><p>�Wer mich erw�hlt, dem wird getr�umte Seligkeit!�</p></cite><p>Albertine nahm Platz auf einem Lehnsessel hinter dem Tisch, ihr zur Seite stellte sich der Kommissionsrat; Manasse und der Goldschmied zogen sich zur�ck in den Hintergrund des Zimmers.</p><p>Als das Los entschieden, da� der Geheime Kanzleisekret�r Tusmann zuerst w�hlen sollte, mu�ten Bensch und Lehsen abtreten ins Nebenzimmer.</p><p>Der Geheime Kanzleisekret�r trat bed�chtig an den Tisch, betrachtete mit Sorgfalt die K�stchen, las ein Mal �ber das andere die Inschriften. Bald f�hlte er sich aber durch die sch�nen verschlungenen Schriftz�ge, die auf dem silbernen K�stchen befindlich, unwiderstehlich angezogen. �Gerechter,� rief er begeistert aus, �welch sch�ne Schrift, wie angenehm paart sich hier das Arabische mit r�mischer Fraktur! Und �wer mich erw�hlt, bek�mmt viel mehr als er gehofft�. � Habe ich denn noch gehofft, da� Demoiselle Albertine Vo�winkel mich mit ihrer werten Hand jemals begl�cken werde? Bin ich nicht vielmehr in totale Verzweiflung geraten? � Habe ich mich nicht � im Bassin � Nun! hier ist Trost, hier ist mein Gl�ck! � Kommissionsrat! � Demoiselle Albertine � ich w�hle das silberne K�stchen!� �</p><p>Albertine stand auf und reichte dem Geheimen Kanzleisekret�r einen kleinen Schl�ssel, mit dem er sofort das K�stchen �ffnete. Doch wie erschrak er, als er keinesweges Albertinens Bild, wohl aber ein kleines, in Pergament gebundenes Buch vorfand, das, als er es aufschlug, nur leere, wei�e Bl�tter enthielt.</p><p>Dabei lag ein Zettel mit den Worten:</p><poem><stanza><v>�War dein Treiben auch verkehrt,</v><v>Gro�es Heil dir widerf�hrt.</v><v>Was du findest, ist bew�hrt,</v><v>Ignorantiam macht's gelehrt,</v><v>Sapientiam dir's beschert!�</v></stanza></poem><p>�Gerechter,� stammelte der Geheime Kanzleisekret�r, �ein Buch � nein, kein Buch � gebundenes Papier statt des Bildes � alle Hoffnung zerst�rt. � O geschlagener Geheimer Kanzleisekret�r! mit dir ist es aus, rein aus! � fort in den Froschteich!� �</p><p>Tusmann wollte davon, da vertrat ihm aber der Goldschmied den Weg und sprach: �Tusmann, Ihr seid nicht gescheit, kein Schatz kann Euch ersprie�licher sein, als der, den Ihr gefunden! Die Verse h�tten Euch schon darauf aufmerksam machen sollen. Tut mir den Gefallen und steckt das Buch, das Ihr aus dem K�stchen nahmt, in die Tasche.� � Tusmann tat es. �</p><p>�Nun,� fuhr der Goldschmied fort, �nun denkt Euch ein Buch, das Ihr gern in diesem Augenblick bei Euch tragen m�chtet.�</p><p>�O Gott,� sprach der Geheime Kanzleisekret�r verdutzt, �o Gott, unbesonnener-, unchristlicherweise warf ich Thomasii �kurzen Entwurf der politischen Klugheit� in den Froschteich!� �</p><p>�Fa�t in die Tasche, zieht das Buch hervor�, rief der Goldschmied.</p><p>Tusmann tat, wie ihm gehei�en, und siehe � das Buch war eben kein anderes als Thomasii �Entwurf�.</p><p>�Ha, was ist das,� rief der Geheime Kanzleisekret�r ganz au�er sich, �o Gott, mein lieber Thomasius gerettet vor den feindlichen Rachen schn�der Fr�sche, die doch nimmermehr daraus Konduite gelernt!�</p><p>�Still,� unterbrach ihn der Goldschmied, �steckt das Buch wieder in die Tasche.�- Tusmann tat es.</p><p>�Denkt,� fuhr der Goldschmied fort, �denkt Euch jetzt irgend ein seltnes Werk, dem Ihr vielleicht lange vergebens nachgetrachtet, das Ihr aus keiner Bibliothek erhalten konntet.�</p><p>�O Gott,� sprach der Geheime Kanzleisekret�r beinahe wehm�tig, �o Gott, da ich nun auch zu meiner Erheiterung bisweilen die Oper zu besuchen gesonnen, wollte ich mich vorher etwas in der edlen Musica feststellen und trachtete bis jetzt vergebens, ein kleines B�chlein zu erhalten, das allegorischerweise die ganze Kunst des Komponisten und Virtuosen darlegt. Ich meine nichts anders, als Johannes Beers Musikalischen Krieg oder die Beschreibung des Haupttreffens zwischen beiden Heroinen, als der Komposition und Harmonie, wie diese gegeneinander zu Felde gezogen, gescharmutzieret und endlich nach blutigem Treffen wieder verglichen worden.� �</p><p>�Fa�t in die Tasche�, rief der Goldschmied, und vor Freude jauchzte der Geheime Kanzleisekret�r laut auf, als er das Buch aufschlug, das nun eben wieder Johannes Beers �musikalischen Krieg� enthielt.</p><p>�Seht Ihr wohl,� sprach nun der Goldschmied, �mittelst des Buchs, das Ihr in dem K�stchen gefunden, habt Ihr die reichste, vollst�ndigste Bibliothek erlangt, die jemals einer besessen, und die Ihr noch dazu best�ndig bei Euch tragen k�nnt. Denn habt Ihr dieses merkw�rdige Buch in der Tasche, so wird es, zieht Ihr es hervor, jedesmal das Werk sein, das Ihr eben zu lesen w�nscht.�</p><p>Ohne auf Albertine, ohne auf den Kommissionsrat zu achten, sprang der Geheime Kanzleisekret�r schnell in die Ecke des Zimmers, warf sich in einen Lehnsessel, steckte das Buch in die Tasche, zog es wieder hervor, und man sah an dem Entz�cken, das in seinen Augen strahlte, wie herrlich eintraf, was der Goldschmied verhei�en.</p><p>Nun kam die Reihe der Wahl an den Baron Bensch. Er trat hinein, schritt nach seiner l�ppischen t�lpelhaften Manier geradezu los auf den Tisch, beschaute mit der Lorgnette die K�stchen und murmelte die Inschriften her. Aber bald fesselte ihn ein nat�rlicher unwiderstehlicher Instinkt an das goldene K�stchen mit den blinkenden Dukaten auf dem Deckel. ��Wer mich erw�hlt, Gl�ck ihm nach seines Sinnes Art� � Nun ja, Dukaten, die sind nach meinem Sinn, und Albertine, die ist auch nach meinem Sinn, was ist da lange zu w�hlen und zu �berlegen!� So sprach Bensch, griff nach dem goldenen K�stchen, empfing von Albertinen den Schl�ssel, �ffnete und fand � eine kleine saubere englische Feile! Dabei lag ein Zettel mit den Versen:</p><poem><stanza><v>�Hast gewonnen, was dein Herz</v><v>W�nschen konnt' mit wehem Schmerz.</v><v>Alles andre ist nur Scherz,</v><v>Immer vor, niemals r�ckw�rts</v><v>Geht ein bl�hendes Kommerz.�</v></stanza></poem><p>�He,� rief er erbost, �was tu' ich mit der Feile? � ist die Feile ein Portr�t, ist die Feile Albertinens Portr�t? Ich nehm' das K�stchen und schenk' es Albertinen als Brautgabe � Kommen Sie, mein M�dchen ��</p><p>Damit wollt' er los auf Albertinen, aber der Goldschmied hielt ihn bei den Schultern zur�ck, indem er sprach: �Halt, mein Herr, das ist wider die Abrede. Sie m�ssen mit der Feile zufrieden sein und werden es unbezweifelt sein, sobald Sie den Wert, den unsch�tzbaren Wert des k�stlichen Kleinods, das Sie erhalten, erkannt haben, den schon die Verse andeuten. � Haben Sie einen sch�nen r�ndigen Dukaten in der Tasche?� �</p><p>�Nun ja,� erwiderte Bensch verdrie�lich, �nun ja, was soll's?�</p><p>�Nehmen Sie,� fuhr der Goldschmied fort, �einen solchen Dukaten aus der Tasche und feilen Sie den Rand ab.� �</p><p>Bensch tat es mit einer Geschicklichkeit, die von langer �bung zeugte. Und siehe � noch sch�ner kam der Rand des Dukatens zum Vorschein, und so ging es mit dem zweiten, dritten Dukaten, je mehr Bensch feilte, desto r�ndiger wurden sie.</p><p>Manasse hatte bis jetzt ruhig alles, was sich begeben, mit angesehen, doch jetzt sprang er mit wildfunkelnden Augen los auf den Neffen und schrie mit hohler entsetzlicher Stimme: �Gott meiner V�ter � was ist das � mir her die Feile � mir her die Feile � es ist das Zauberst�ck, f�r das ich meine Seele verkauft vor mehr als dreihundert Jahren. � Gott meiner V�ter � her mit der Feile.�</p><p>Damit wollte er die Feile dem Bensch entrei�en, der stie� ihn aber zur�ck und schrie: �Weg von mir, alter Narr, ich habe die Feile gefunden, nicht du� �</p><p>Darauf Manasse in voller Wut: �Natter � wurmstichige Frucht meines Stammes, her mit der Feile! � Alle Teufel �ber dich, verfluchter Dieb!� �</p><p>Unter einem Strom hebr�ischer Schimpfw�rter krallte sich Manasse nun fest an den Baron und strengte knirschend und sch�umend alle seine Kraft an, ihm die Feile zu entwinden. Bensch verteidigte aber das Kleinod wie die L�win ihr Junges, bis zuletzt Manasse schwach ward. Da packte der Neffe den lieben Onkel mit derben F�usten, warf ihn zur T�re hinaus, da� ihm die Glieder knackten, kehrte pfeilschnell zur�ck, schob einen kleinen Tisch in die Ecke des Zimmers dem Geheimen Kanzleisekret�r gegen�ber, sch�ttete eine ganze Handvoll Dukaten aus und fing mit Eifer an zu feilen.</p><p>�Nun,� sprach der Goldschmied, �nun sind wir den entsetzlichen Menschen, den alten Manasse, auf immer los. Man will behaupten, er sei ein zweiter Ahasverus und spuke seit dem Jahre Eintausendf�nfhundert und zweiundsiebzig umher. Damals wurde er unter dem Namen des M�nzjuden Lippold wegen teuflischer Zauberei hingerichtet. � Aber der Teufel rettete ihn vom Tode um den Preis seiner unsterblichen Seele. Viele Leute, die sich auf so etwas verstehen, haben ihn hier in Berlin unter verschiedenen Gestalten bemerkt, woher denn die Sage entsteht, da� es noch zur Zeit nicht einen, sondern viele, viele Lippolds g�be. � Nun! � ich habe ihm, da ich auch einige Erfahrung in geheimnisvollen Dingen besitze, den Garaus gemacht!� �</p><p>Es w�rde dich, sehr geliebter Leser, ungemein langweilen m�ssen, wenn ich nun noch weitl�uftig erz�hlen wollte, was du, da es sich von selbst versteht, schon l�ngst wei�t. Ich meine, da� Edmund Lehsen das elfenbeinerne K�stchen mit der Aufschrift:</p><cite><p>�Wer mich erw�hlt, dem wird getr�umte Seligkeit,�</p></cite><p>w�hlte und darin Albertinens wohlgetroffenes Miniaturbild mit den Versen fand:</p><poem><stanza><v>�Ja du trafst es, lies dein Gl�ck</v><v>In der Sch�nsten Liebesblick.</v><v>Was da war, kommt nie zur�ck,</v><v>So will's irdisches Geschick.</v><v>Was dein Traum dir schaffen mu�,</v><v>Lehrt dich der Geliebten Ku�.�</v></stanza></poem><p>Da� ferner Edmund dem Bassanio gleich der Anweisung der letzten Worte folgte und die in gl�hendem Purpur err�tende Geliebte an sein Herz dr�ckte � k��te, und da� der Kommissionsrat ganz vergn�gt war und gl�cklich �ber den fr�hlichen Ausgang der verwickeltsten aller Heiratsangelegenheiten.</p><p>Der Baron Bensch hatte ebenso emsig fortgefeilt als der Geheime Kanzleisekret�r fortgelesen. Beide nahmen von dem, was sich eben begeben, nicht eher Notiz, als bis der Kommissionsrat laut verk�ndete, da� Edmund Lehsen das K�stchen, worin Albertinens Portr�t befindlich, gew�hlt, folglich ihre Hand erhalte. Der Geheime Kanzleisekret�r schien dar�ber au�er sich vor Freuden, indem er nach der Art, wie er sein Vergn�gen zu �u�ern pflegte, sich die H�nde rieb, zwei-, dreimal etwas weniges in die H�he sprang und eine feine Lache aufschlug. Den Baron Bensch schien die Heirat gar nicht weiter zu interessieren; daf�r umarmte er aber den Kommissionsrat, nannte ihn einen vortrefflichen Gentleman, der ihn durch das solide Geschenk der Feile ganz und gar gl�cklich gemacht habe, und versicherte, da� er in jedem Gesch�ft auf ihn rechnen k�nne. Dann entfernte er sich schnell.</p><p>Ebenso dankte der Geheime Kanzleisekret�r dem Kommissionsrat unter vielen Tr�nen der innigsten R�hrung, da� er ihn durch das seltenste aller B�cher, welches er ihm aus seiner Bibliothek verehrt habe, zum gl�cklichsten aller Menschen gemacht, und folgte, nachdem er sich noch in galanter H�flichkeit gegen Albertine, Edmund und den alten Goldschmied ersch�pft, dem Baron eiligst nach.</p><p>Bensch qu�lte von nun an nicht mehr die literarische Welt mit �sthetischen Mi�geburten, wie er sonst getan, sondern verwandte lieber die Zeit, Dukaten abzufeilen. Tusmann fiel dagegen nicht mehr den Bibliothekaren zur Last, die ihm sonst tagelang alte, l�ngst vergessene B�cher herbeischaffen mu�ten.</p><p>Nach einigen Wochen des Entz�ckens und der Freude ging in des Kommissionsrats Hause aber schreckliches Herzeleid los. Der Goldschmied hatte n�mlich den jungen Edmund dringend ermahnt, seiner Kunst, sich selbst zur Ehre, sein gegebenes Wort zu halten und nach Italien zu gehen.</p><p>Edmund, so schmerzlich ihm die Trennung von der Geliebten werden mu�te, f�hlte doch den dringenden Trieb, zu wallfahrten nach dem Lande der Kunst, und auch Albertine dachte, w�hrend sie die bittersten Tr�nen verga�, daran, wie interessant es sein w�rde, in diesem, jenem Tee Briefe, die sie aus Rom erhalten, aus dem Strickk�rbchen hervorzuziehen.</p><p>Edmund ist nun schon l�nger als ein Jahr in Rom, und man will behaupten, da� der Briefwechsel mit Albertinen immer seltener und k�lter werde. Wer wei�, ob am Ende einmal gar aus der Heirat der beiden jungen Leute etwas wird. Ledig bleibt Albertine auf keinen Fall, dazu ist sie viel zu h�bsch, viel zu reich. �berdies bemerkt man auch, da� der Referendarius Gloxin, ein h�bscher junger Mann, mit schmaler, engeingeschn�rter Taille, zwei Westen und auf englische Art gekn�pftem Halstuch, die Demoiselle Albertine Vo�winkel, mit der er den Winter hindurch auf den B�llen die angenehmsten Fran�aisen getanzt, h�ufig nach dem Tiergarten f�hrt, und da� der Kommissionsrat dem P�rchen nachtrippelt mit der Miene des zufriedenen Vaters. Zudem hat der Referendarius Gloxin schon das zweite Examen bei dem Kammergericht gemacht und ist nach Aussage der Examinatoren, die ihn in der fr�hsten Morgenstunde sattsam gequ�lt oder, wie man zu sagen pflegt, auf den Zahn gef�hlt haben, welches weh tut, vorz�glich wenn der Zahn hohl, vortrefflich bestanden. Eben aus diesem Examen soll sich denn auch ergeben haben, da� der Referendarius offenbar Heiratsgedanken im Kopfe hat, da er in der Lehre von gewagten Gesch�ften ganz vorz�glich bewandert.</p><p>Vielleicht heiratet Albertine gar den artigen Referendarius, wenn er einen guten Posten erschwungen. � Nun! man mu� abwarten, was geschieht! �</p><empty-line/><p>�Das ist,� sprach Ottmar, als Lothar geendet hatte, �das ist ein wunderlich tolles Ding, was du da aufgeschrieben hast. Mir will deine sogenannte Geschichte mit den unwahrscheinlichen Abenteuern vorkommen, wie eine aus allerlei bunten Steinen willk�rlich zusammengef�gte Mosaik, die das Auge verwirrt, so da� es keine bestimmte Figur zu erfassen vermag.� �Was mich betrifft,� nahm Theodor das Wort, �so leugne ich nicht, da� ich manches in Lothars Erz�hlung erg�tzlich genug finde, und es ist sogar m�glich, da� das Ganze h�tte ziemlich gut geraten k�nnen, wenn Lothar nicht unvorsichtigerweise den Hafftitz las. Die beiden spukhaften M�nner aus jener Zeit, der Goldschmied und der M�nzjude, mu�ten nun einmal hinein in die �Brautwahl�, es half nichts, und nun erscheinen die beiden ungl�ckseligen Revenants als fremdartige Prinzipe, die mit ihren Zauberkr�ften nur auf gezwungene Weise einwirken in die Handlung. Es ist gut, da� deine Erz�hlung nicht gedruckt wird, Lothar, sonst w�rdest du schlecht wegkommen vor dem strengen Richterstuhl der Kritik.�</p><p>�K�nnte,� sprach Lothar, nach seiner skurrilen Art l�chelnd, �k�nnte meine angenehme Geschichte von den seltsamen Drangsalen des Geheimen Kanzleisekret�rs Tusmann nicht wenigstens einen Berliner Almanach zieren? Ich w�rde nicht unterlassen, die Lokalit�t noch lokaler zu machen, einige zelebre Namen hinzuzuf�gen und mir so den Beifall wenigstens des literarisch-�sthetischen Theaterpublikums erwerben<a l:href="#n_1" type="note">[1]</a>. Doch nun im Ernste gesprochen, Leute! Habt ihr nicht, w�hrend ich las, manchmal recht herzlich gelacht, und sollte das nicht die Strenge eurer Kritik beugen? � Vergleichst du, Ottmar, meine Geschichte mit einer bunten, willk�rlich zusammengef�gten Mosaik, so sei wenigstens nachgiebig genug, dem Dinge, das du wunderlich toll nennst, eine kaleidoskopische Natur einzur�umen, nach welcher die heterogensten Stoffe, willk�rlich durcheinander gesch�ttelt, doch zuletzt artige Figuren bilden. Wenigstens f�r artig sollt ihr n�mlich manche Figur in meiner �Brautwahl� erkennen, und an die Spitze dieser artigen Personen stelle ich den liebensw�rdigen Baron Bensch, der durchaus der Familie des M�nzjuden Lippold entsprossen sein mu�. � Doch schon viel zu viel von meinem Machwerk, das euch nur als ein bizarrer Scherz f�r den Augenblick aufregen sollte. �brigens gewahrt ihr, da� ich meinem Hange, das M�rchenhafte in die Gegenwart, in das wirkliche Leben zu versetzen, wiederum treulich gefolgt bin.�</p><p>�Und diesen Hang�, begann Theodor, �nehme ich gar sehr in Schutz. Sonst war es �blich, ja Regel, alles, was nur M�rchen hie�, ins Morgenland zu verlegen und dabei die M�rchen der Dscheherezade zum Muster zu nehmen. Die Sitten des Morgenlandes nur eben ber�hrend, schuf man sich eine Welt, die haltlos in den L�ften schwebte und vor unsern Augen verschwamm. Deshalb gerieten aber jene M�rchen meistens frostig, gleichg�ltig und vermochten nicht den innern Geist zu entz�nden und die Phantasie aufzuregen. Ich meine, da� die Basis der Himmelsleiter, auf der man hinaufsteigen will in h�here Regionen, befestigt sein m�sse im Leben, so da� jeder nachzusteigen vermag. Befindet er sich dann, immer h�her und h�her hinaufgeklettert, in einem phantastischen Zauberreich, so wird er glauben, dies Reich geh�re auch noch in sein Leben hinein und sei eigentlich der wunderbar herrlichste Teil desselben. Es ist ihm der sch�ne pr�chtige Blumengarten vor dem Tore, in dem er zu seinem hohen Erg�tzen lustwandeln kann, hat er sich nur entschlossen, die d�stern Mauern der Stadt zu verlassen.�</p><p>�Vergi�,� sprach Ottmar, �vergi� aber nicht, Freund Theodor, da� mancher gar nicht die Leiter besteigen mag, weil das Klettern einem verst�ndigen gesetzten Manne nicht ziemt, mancher schon auf der dritten Sprosse schwindlicht wird, mancher aber auch wohl die auf der breiten Stra�e des Lebens befestigte Leiter, bei der er t�glich, ja st�ndlich vor�bergeht, gar nicht bemerkt! � Was aber die M�rchen der Tausendundeinen Nacht betrifft, so ist es seltsam genug, da� die mehrsten Nachahmer gerade das �bersehen, was ihnen Leben und Wahrheit gibt und was eben auf Lothars Prinzip hinausl�uft. All die Schuster, Schneider, Lasttr�ger, Derwische, Kaufleute etc., wie sie in jenen M�rchen vorkommen, sind Gestalten, wie man sie t�glich auf den Stra�en sah, und da nun das eigentliche Leben nicht von Zeit und Sitte abh�ngt, sondern in der tieferen Bedingung ewig dasselbe bleibt und bleiben mu�, so kommt es, da� wir glauben, jene Leute, denen sich mitten in der Allt�glichkeit der wunderbarste Zauber erschlo�, wandelten noch unter uns. So gro� ist die Macht der Darstellung in jenem ewigen Buch.�</p><p>Der Abend wurde k�hler und k�hler. Des kaum genesenen Theodors halber fanden es daher die Freunde geraten, in den Gartensaal zu treten und statt jedes starken nervenreizenden Getr�nks in aller Demut und Milde Tee zu genie�en.</p><p>Als die Teemaschine auf dem Tische stand und wie gew�hnlich ihr Liedchen zischte und summte, sprach Ottmar: �Wahrhaftig, keinen bessern Anla� h�tte ich finden k�nnen, euch eine Erz�hlung vorzulesen, die ich schon vor langer Zeit aufschrieb, und die gerade mit einem Tee beginnt. Zum voraus bemerke ich, da� sie in Cyprians Manier abgefa�t ist.�</p><p>Ottmar las:</p></section></body><body name="notes"><title><p>&#x41F;&#x440;&#x438;&#x43C;&#x435;&#x447;&#x430;&#x43D;&#x438;&#x44F;</p></title><section id="n_1"><title><p>1</p></title><p>Diese �u�erung Lothars zeigt, was er schon damals im Sinne trug. Seine Erz�hlung, �die Brautwahl�, erschien n�mlich in der Tat abgedruckt in dem �Berliner Taschenbuch f�r das Jahr 20�, und es sind wirklich zelebre Namen aus der Berliner Kunstwelt genannt und manche Lokalit�ten hinzugef�gt. Wie gerecht aber der Tadel der Freunde, beweiset der Umstand, da� die Redaktion jenes Taschenbuchs den Verfasser dringend hat, sich k�nftig doch im Gebiet der M�glichkeit zu halten.</p><cite><text-author>D. H.</text-author></cite></section></body><binary id="cover" 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