<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>David</first-name><middle-name>C.</middle-name><last-name>Smith</last-name></author><author><first-name>Richard</first-name><middle-name>L.</middle-name><last-name>Tierney</last-name></author><book-title>Der Prinz der H�lle</book-title><annotation><p>In Conans Welt dem pr�historischen hyborischen Zeitalter, lebt die Rote Sonja, eine gef�rchtete Schwertk�mpferin, die wegen ihrer Wildheit und Tollk�hnheit ber�chtigt ist. Als die Soldaten der grausamen K�nigin Gedren ihre Eltern und ihren Bruder ermorden, schw�rt sie, ihre Familie zu r�chen. Ger�stet mit einem machtvollen Schwert, beginnt sie ihre abenteuerliche, gefahrvolle Reise.</p><p>In glei�enden Feuerschein geh�llt, st�rzt ein Meteor vom Himmel und schl�gt in die geheimnisumwitterte Stufenpyramide des Ordens der Roten Sonne ein. Von den grausamen Priestern des Heiligtums verehrt, verbreitet der Himmelsk�rper fortan Unfrieden und Hass unter den Menschen, und zwischen dem Orden und den Bewohnern des Landes beginnt ein erbarmungsloser Kampf auf Leben und Tod. Unter den S�ldnern, die auf der Seite der unterdr�ckten Bauern streiten, sind Sonja und ihr Begleiter Daron. In ohnm�chtiger Wut angesichts der feindlichen �bermacht beschlie�en die beiden, Darons Vater, einen ber�hmten Zauberer, um Hilfe zu bitten. Es g�be ein Mittel, den H�llenspuk zu beenden � doch unter den zahllosen unschuldigen Opfern bef�nde sich auch Daron �</p></annotation><date>1986</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Lore</first-name><last-name>Stra�l</last-name></translator><sequence name="Die Rote Sonja" number="5"/></title-info><src-title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>David</first-name><middle-name>C.</middle-name><last-name>Smith</last-name></author><author><first-name>Richard</first-name><middle-name>L.</middle-name><last-name>Tierney</last-name></author><book-title>Against the Prince of Hell</book-title><date>1983</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2015</date><src-ocr>till</src-ocr><id>053E7E4E-E42D-4BB4-A8DA-0DD18CFAC5C7</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info><publish-info><isbn>3-453-31269-4</isbn></publish-info></description><body><title><p>David C. Smith</p><p>Richard L. Tierney</p><empty-line/><p>Der Prinz der H�lle</p></title><section><image alt="Die Karte" l:href="#1"/><empty-line/><p><sub>Das Umschlagbild schuf Boris Vallejo</sub></p><p><sub>Die Karte zeichnete Erhard Ringer</sub></p><empty-line/></section><section><title><p>Prolog</p></title><p>Hoch in den s�dlichen Bergen, wo der Herbst auf schneidendem Wind mit dem Rascheln d�rrer Bl�tter daherbraust, reitet eine gro�e rothaarige Fremde mit einem Schwert an der H�fte und einem Dolch im Stiefel. Stra�enstaub klebt auf ihrer Stirn, und ihr leuchtendes Haar ist schwei�getr�nkt, denn Fieber sch�ttelt sie.</p><p>Sie wei�, dass dieses Bergfieber als solches selten t�dlich ist, aber es schw�cht und verhindert klares Denken. Zu kraftlos, etwas zu essen zu suchen, k�nnte sie verhungern, und zu krank, sich einen Unterschlupf zu bauen, k�nnte sie in dem eisigen Wind erfrieren oder einem Raubtier zum Opfer fallen. Es ist bereits ihre vierte Nacht auf dieser Bergstra�e.</p><p>Die Sterne am blauschwarzen Himmel drehen sich in einem unwirklichen Muster, ziehen sich zusammen und �ffnen sich wie Bl�ten. Sie lauscht ihrem schweren Atem und schwankt im Sattel, w�hrend ihr Pferd dahin trottet. Sie muss ein Fleckchen finden, das ihr Sicherheit bietet: eine kleine H�hle oder Mulde vielleicht, etwas, wo Felsen oder Laubwerk sie sch�tzen. Sie wendet ihre ganze Kraft auf, um nicht aus dem Sattel zu rutschen und sich im Nichts zu verlieren � Da sieht sie �</p><p>Das Morgengrauen im Dunst? Nein! Lichter, ferne Lichter, die in der Dunkelheit am Fu� des Berges schimmern. Eine Stadt! Irgendwie muss sie sie erreichen.</p><p>Doch eine Stunde vor dem echten Morgengrauen f�llt sie aus dem Sattel und wei�, dass ihr die Kraft fehlt, wieder hochzuklettern. So kriecht sie zu einem Geb�sch am Stra�enrand. Gegen einen Baum gelehnt, fest in ihren wollenen Umhang geh�llt, ergibt sie sich dem �berw�ltigenden Schlaf. Alptr�ume qu�len sie.</p><p><emphasis>Wer bist du, o Wesen � weder Mann noch Frau? Du gl�hst aus dir heraus; dein Licht schmerzt meine Augen. Setz die Maske wieder auf!</emphasis></p><p><emphasis>Nie wollte ich deinen Fluch � du h�ttest mich verbluten lassen sollen! Das Schwert, das du mir gabst, ist schwerer als ein Berg! Soll ich diese B�rde ablegen? Und tue ich es, wer bin ich dann? Ich bin niemand. Niemand! Die Rote Sonja nennen sie mich � rotes Haar, wei�e Haut, schwarzes Herz. Ich bin eine Frau, doch verflucht, nie zu lieben. Verflucht. Ich bin verflucht � Und immer einsam �</emphasis></p></section><section><title><p>1</p></title><p>�Lebt sie noch?� fragte eine tiefe Stimme.</p><p>�Ja, sie lebt noch, Lord Omeron. Sie phantasiert. Die Worte kann ich nicht verstehen. Wahrscheinlich eine Hyrkanierin. Sie hat hohes Fieber, f�rchte ich � wie lange schon, kann ich nicht sagen. Ihr Pulsschlag ist kr�ftig � das ist ein gutes Zeichen.�</p><p>�Das dort dr�ben im Gras muss ihr Pferd sein. Edles Tier. Nehmt sie mit, ihr zwei. Vorsichtig! Reibt sie mit kaltem Wasser ab, das wird ihr Fieber senken. Und versucht ihr etwas einzufl��en.�</p><p>�Sie tr�gt eine seltsame R�stung, Lord � nichts passt zusammen. Muss wohl eine S�ldnerin sein. Zamorianische Stiefel, kothisches Kettenhemd, hyrkanisches Schwert; einen Helm hat sie nicht.�</p><p>�Egal, nehmt sie mit.�</p><p>�Lord, Ihr glaubt doch nicht, sie geh�rt zu ��</p><p>�Diesem Ungeheuer Du-jum mit seinen Schwarzen? Wohl kaum, Sadhur, wohl kaum. Sieh sie dir an! Sie ist eine Reisende, obwohl vermutlich eine S�ldnerin, wie du schon sagtest. Wenn sie wieder gesund ist, k�nnen wir sie gut gebrauchen. K�mmert euch um sie.�</p><p>�Eine h�bsche Frau.�</p><p>�Ja, ja. Und geschickt mit der Klinge, glaube ich. Schaut euch die Schwielenmuster an ihrer Rechten an! Ich wette, sie f�hrt ihr Schwert oft! Hebt sie vorsichtig auf! Wir lassen jemanden das Pferd holen, sobald wir das Lager erreichen! Und wir stellen Doppelwache auf, denn die Nacht ist nicht mehr fern.�</p><p>�Du-jum wird heute Nacht bestimmt nichts mehr unternehmen, nicht solange es in der Stadt noch was zu pl�ndern gibt.�</p><p>�Er wird alles versuchen, was er nur kann, Sadhur, um uns aufzusp�ren und niederzumetzeln. Das darfst du mir glauben! Wir m�ssen daf�r sorgen, dass die Frau bald wieder auf die Beine kommt. Wir brauchen jedes Schwert, das wir anwerben k�nnen!�</p><empty-line/><p>Kurz nach Sonnenuntergang weckten Sonja Stimmen, die sich �ber Tod, Gr�ueltaten und Eroberung unterhielten.</p><p>Also lebte sie noch!</p><p>Sie bem�hte sich vergebens, sich aufzusetzen. Ihre Muskeln gehorchten nicht. W�hrend sie allm�hlich wacher wurde und zu sich fand, sp�rte sie jeden einzelnen ihrer Knochen, die ihr f�rchterlich schwer vorkamen.</p><p>Schritte n�herten sich. Sie �ffnete die Augen bewusster und erschauderte, als sie einen riesenhaften, ger�steten Mann mit dunklem Bart stirnrunzelnd auf sie herabblicken sah. Ihr erster Gedanke war, nach dem Schwert zu greifen und hochzuspringen. Es gelang ihr jedoch nicht einmal sich aufzurichten. Husten sch�ttelte sie.</p><p>�Bist du wach, Weib?� grollte der kr�ftige Mann. Seine dunklen Augen musterten sie eingehend, dann wandte er das Gesicht ab. �Sie ist wach, mein Lord.�</p><p>Ein weiteres Stiefelpaar n�herte sich, ein zweites Gesicht schob sich in ihr Blickfeld, ein Gesicht mit heller Haut, Schnurrbart, gutaussehend unter dem Metallschirm eines eingebeulten Kampfhelms, ja, gutaussehend, trotz der Runen, die Leid und M�digkeit hinterlassen hatten.</p><p>Er sprach sie h�flicher an als der Schwarzb�rtige. �Seid Ihr wach?�</p><p>Sonja sch�ttelte den Kopf, damit die Schleier vor den Augen verschw�nden, und atmete tief ein, als lie�e sich Fieber so leicht vertreiben wie ein Kater.</p><p>�Da ��</p><p>Starke H�nde legten sich um ihre Oberarme, um ihr beim Aufsetzen zu helfen. Kraftlos lie� sie es geschehen und sch�ttelte erneut den Kopf. Die Welt verschwamm vor ihren Augen. Es war eine Welt der D�mmerung, von Lagerfeuern und Fackelschein. Blinzelnd sah sie Scharen von Bewaffneten, hinter ihnen Pferde und offenbar Vorr�te, dann weitere M�nner und wieder D�mmerung.</p><p>�Wo � .?�</p><p>��beranstrengt Euch nicht.� Der gutaussehende Mann, drehte sich um und winkte. �Sadhur?�</p><p>Der riesenhafte Schwarzb�rtige nickte und streckte seinen Wasserbeutel aus. Der andere nahm ihn, �ffnete ihn und hielt ihn an Sonjas aufgesprungene Lippen.</p><p>�Wasser. Trinkt ganz langsam und nur wenig. Ihr habt viel Schwei� verloren und m�sst vorsichtig sein.�</p><p>Aber sie trank das kalte Wasser in hastigen Schlucken, bis der Mann ihr den Beutel wegnahm. Danach halfen die beiden ihr, sich sitzend mit dem R�cken an einen Baumstamm zu lehnen.</p><p>�Wo � bin ich?�</p><p>�Im Vorgebirge, etwas �stlich von Thesrad.�</p><p>�Thes � rad?�</p><p>�Nein, nicht in Thesrad, sondern in den Bergen dahinter. Die Stadt liegt im Tal. Ich bin Omeron, und Thesrad ist mein Stadtstaat.�</p><p>�Was ist passiert? Wie bin ich...?�</p><p>�Macht Euch keine Sorgen. Meint Ihr, Ihr k�nnt ein bisschen etwas essen? Ja? Sadhur, bitte.�</p><p>W�hrend. der riesenhafte Krieger davonstapfte, fuhr Omeron fort: �Ihr habt Euch das Bergfieber geholt, aber das Schlimmste ist bereits �berstanden. Doch Ihr hattet Gl�ck, dass Ihr so weit gekommen seid. W�rt Ihr in den Bergen vom Pferd gerutscht, h�ttet Ihr inzwischen vermutlich den Tod gefunden.�</p><p>Sonja versuchte sich zu entsinnen. Mehr oder weniger deutlich begann sie sich an Sterne, V�gel und mondhelle B�ume zu erinnern, die sich pl�tzlich alle um sie gedreht zu haben schienen. Sie blickte Omeron an, bem�hte sich, soviel wie m�glich aufzunehmen. Er hatte tiefblaue Augen, klar und fest. Ihr gefielen sie, und nun hatte sie das Gef�hl, ihnen und damit ihm trauen zu k�nnen.</p><p>�Wie habt Ihr mich gefunden?�</p><p>�Wir sind Vertriebene.� Bitterkeit sprach aus seiner Stimme. �Eine Woche lang k�mpften wir f�r Thesrad, dann mussten wir der �bermacht weichen und suchten Zuflucht in den Bergen.�</p><p>�Thesrad � Euer Stadtstaat?�</p><p>�Ja. Hier ist Euer Essen.�</p><p>Sadhur war mit einer gesprungenen Holzschale zur�ckgekehrt. Er b�ckte sich, um sie Sonja zu geben. Vergebens versuchte sie, sie festzuhalten. Da nahm Omeron die Schale und r�hrte mit einem gro�en Holzl�ffel um.</p><p>�Haferschleimsuppe mit ein bisschen Fleisch, nahrhaft, wenn auch nichts Besonderes. Aber wir konnten nicht viel von Thesrad mitnehmen. Unsere kargen Vorr�te bessern wir mit Wild � was immer wir fangen k�nnen � auf.� Er bot Sonja einen L�ffelvoll an. Sie kostete und schluckte.</p><p>�Ich � ich m�chte lieber selbst essen.� Mit zitternden H�nden griff sie nach der Schale.</p><p>�Seid Ihr sicher, dass Ihr sie halten k�nnt?� Omeron l�chelte.</p><p>Sie stellte sich die Schale auf den Scho� und tauchte den L�ffel ein. Jedes Mal, wenn sie ihn zum Mund hob, versch�ttete sie die H�lfte.</p><p>�Wollt Ihr uns sagen, wer Ihr seid?� fragte Omeron.</p><p>�Man nennt mich die Rote Sonja.� Nach den ersten paar Mundvoll f�hlte sie sich bereits etwas kr�ftiger. �Ich bin Hyrkanierin.�</p><p>�Kriegerin?�</p><p>�S�ldnerin, seit ich zur Frau reifte.�</p><p>�Ich verstehe. Sucht Ihr Anstellung?�</p><p>Sonja zuckte mit den Schultern. �Ich habe noch etwas Gold, es sei denn �� Sie legte den L�ffel ab und griff nach ihrem G�rtel. Ihr Beutel hing noch daran.</p><p>Omeron l�chelte verst�ndnisvoll. �Niemand hat Euch bestohlen. Aber auch in der Beziehung hattet Ihr Gl�ck; leicht h�tten Euch R�uber in den Bergen entdecken k�nnen.�</p><p>Sie wandte sich wieder der Suppe zu. Doch einen Augenblick sp�ter wurde ihr �bel, und ihr Kopf drohte zu zerspringen. Die Schale auf ihrem Scho� kippte um, und die Suppe schwappte auf den Boden.</p><p>�Sadhur!�</p><p>�Tarim und Erlik!� fluchte Sonja kraftlos. �Lasst mich noch einen Augenblick ausruhen, dann geht es schon wieder. Ich bin ��</p><p>�Ihr seid immer noch zu schwach, Rote Sonja. K�mpft nicht dagegen an, dadurch wird es blo� schlimmer. Nach einer durchgeschlafenen Nacht werdet Ihr Euch kr�ftiger f�hlen.�</p><p>�Aber, ich ��</p><p>�Verdammt! Bleibt liegen und strengt Euch nicht an!�</p><p>Hilfloser �rger stieg bei Omerons Ton in ihr auf. Er benahm sich fast wie ein Vater, der sein krankes Kind zu Bett bringt. Aber sie konnte sich diesen Ton nicht verbieten. Sie sp�rte, wie Omeron und Sadhur sie hochhoben und n�her zu einem Feuer trugen. Sie lag schlaff ausgestreckt, f�hlte die W�rme der Flammen im Gesicht und am K�rper und h�rte Fetzen der ged�mpften Gespr�che im Lager.</p><p>Jemand warf eine Decke �ber sie und schob sie ihr unter die Beine, H�ften, Schultern und den Hals. Danach hob man ihren Kopf auf eine zusammengerollte Decke oder einen Umhang, der als Kissen diente.</p><p>Als sie in fiebrigen Schlaf fiel, tr�umte sie von einem brennenden Bauernhaus, und Omeron wurde zu ihrem Vater, der sie besch�tzte, als er und sie als junge Frau aus dieser Feuersbrunst flohen. Danach schlief sie traumlos weiter.</p><p>Omeron und Sadhur setzten sich ans Feuer neben die kleine Gruppe von Offizieren, die mit ihnen entkommen waren.</p><p>�Was meint Ihr?� fragte einer seinen Herrn.</p><p>�Eine S�ldnerin.� Omeron blickte auf die Schlafende. �Vielleicht l�sst sie sich anwerben.�</p><p>�Um gegen Du-jum zu k�mpfen? K�nnen wir ihr denn genug bezahlen, dass sie bereit ist, durch Zauberei zu sterben?�</p><p>�Vielleicht w�re das nicht ihre erste Begegnung mit Zauberei.� Omerons Blick blieb nachdenklich � absch�tzend, bewundernd � auf der Frau in seiner Obhut ruhen, der sch�nen S�ldnerin.</p><p>�Vielleicht ist ihre Ankunft hier ein gutes Omen.�</p><p>Sp�her riefen vom Hang aus ins Lager: �Immer noch brennen Feuer in der Stadt!�</p><p>Langsam wich die D�mmerung der Nacht.</p><p>Omeron klatschte auf sein Knie, stand auf, setzte sich wieder.</p><p>�Beruhigt Euch�, sagte Sadhur. �Wir werden die Stadt zur�ckerobern.�</p><p>�Er martert mein Volk!� st�hnte Omeron laut.</p><p>Einige M�nner, die an anderen Feuern lagerten, schauten zu ihm. Alle waren ersch�pft, viele verwundet, einige krank. Und alle f�hlten sich mit ihrem Herrscher, ihrem Feldherrn, verbunden, der mit ihnen aus ihrer Stadt, ihrem Zuhause vertrieben worden war.</p><p>Omeron grub die Abs�tze in den trockenen Boden des Hangs und starrte ins Lagerfeuer. Wie konnte er die Stadt aus der Gewalt der Magie zur�ckgewinnen?</p><p>Magie, ja. Aber lie� nicht auch Magie sich bek�mpfen? Es war nicht nur Du-jum, der kushitische Hexer, gegen den Omeron und seine M�nner k�mpfen mussten. So blutig und hart das auch war, damit hatten sie gerechnet.</p><p>Aber Du-jum, Zauberer oder nicht, h�tte nie in Thesrad Einlass gefunden, h�tte nicht ein Verr�ter ihm geholfen, ein sehr einflussreicher � Omerons Gattin Yarise.</p><p>Omerons H�nde verkrampften sich, und im Feuerschein vertieften die Schatten sich auf seinem Gesicht. Yarise, seine eigene Frau, hatte dem Hexer die T�r ge�ffnet. Yarise, seine Frau, die er von ganzem Herzen geliebt hatte, in die er nach sieben Jahren Ehe noch so verliebt gewesen war wie am ersten Tag. Yarise mit dem starken Willen, dem heftigen Gem�t, die jedoch trotzdem liebevoll, verst�ndnisvoll und ihm ergeben zumindest geschienen hatte.</p><p>Yarise, Tochter eines verstorbenen Statthalters von Iranistand, in schweren Zeiten gro� geworden, eine Verbannte, hungrig nach Macht und Aufregung. Warum hatte sie es getan? Um ihm, Omeron zu schaden? Er konnte es immer noch nicht glauben. Vor neun Monaten war Du-jum auf angeblicher Pilgerschaft nach Thesrad gekommen. Er hatte mit seinen Zauberkunstst�cken die H�flinge unterhalten, und Yarise war davon fasziniert gewesen.</p><p>Das hatte Omeron nat�rlich bemerkt, aber er hatte gar nicht an die M�glichkeit gedacht, dass auch der Hexer selbst sie interessierte. Wie in allem, war er auch hier gro�z�gig und nachsichtig gewesen. Doch Gro�z�gigkeit und Nachsicht kann man sich nur bei jenen leisten, die wesensgleich sind. Yarise hatte beides ausgenutzt und eine engere Verbindung zu dem kushitischen Hexer gekn�pft. Verbittert erkannte Omeron jetzt, dass sie sich vermutlich gleich am ersten Tag in diesen Mann verliebt und von da an heimlich und listenreich alles getan hatte, um Du-jum die Eroberung Thesrads zu erm�glichen.</p><p>Aber warum? Weshalb sollte Yarise zum Verr�ter ihres Gemahls werden und gegen�ber einer Stadt, �ber die sie ohnedies bereits zur H�lfte herrschte? Konnte ihre Faszination so gro� sein, dass sie das Risiko nicht achtete? Und weshalb sollte Du-jum ausgerechnet dieses winzige Reich unter so vielen Stadtstaaten in den Steppen, den T�lern und an den unteren Bergh�ngen f�r sich haben wollen? War es nur Yarise, die er besitzen wollte? Yarise, die Du-jum mit seiner Hexerei und seinen Soldaten eingelassen hatte, damit sie �ber Thesrad herfallen, sie einnehmen und erobern konnten?</p><p>Jeder hier im Lager wusste, dass es Lord Omerons Gemahlin gewesen war, die die Eroberung der Stadt erm�glicht hatte. Und Omeron wusste, dass alle, trotz ihrer Treue und Liebe zu ihm und dem Vertrauen, das sie ihm schenkten, auch ihm Schuld daran gaben. Denn zur F�hrerschaft geh�rte nicht nur die F�hrung im Kampf und im Gebet, in der Regierung, der Verwaltung und den Gesetzen; zur F�hrerschaft geh�rte auch, dass man sich selbst und jene um sich herum kennt. Und in dieser letzteren Beziehung hatte Omeron versagt.</p><p>Thesrads Truppen w�ren vielleicht imstande gewesen, Du-jums Zauberei und seine Mannen zu besiegen. Aber sie waren hilflos gewesen gegen�ber dem Verrat der eigenen Gemahlin ihres Gebieters � einer Frau, die ihrem Herrscher blindlings das Messer in den R�cken gesto�en hatte, w�hrend sie vort�uschte, ihn zu lieben.</p><empty-line/><p>Eine kleine Stadt war Thesrad, mit alten Mauern und dem hohen Palast in der Mitte des Hauptplatzes. Sie war eine von vielen befestigten St�dten in dem weiten Gebiet zwischen den Fl�ssen Styx und Ilbars � ein P�nktchen auf der Karte, so gut wie autark, aber mit unsicherem Stand zwischen den gro�en Staaten im Westen und den unbest�ndigen K�nigreichen des Ostens.</p><p>Alt war sie, diese Stadt, �lter als ihre Bewohner ahnten. Thesrad war lediglich ihr letzter Name, den ihr ein corinthischer Statthalter vor hundert Jahren gegeben hatte. Davor war sie als Akasad bekannt gewesen, und wiederum davor als Kor-du�um: �mit-leeren-Mauern�. Ihre fr�here Geschichte war in Vergessenheit geraten, nur Sagen hatten �berlebt. Unter den neueren Bauten der Stadt befanden sich unterirdische G�nge, alte Grabkammern, die meisten eingefallen, und unter Erdschichten vergrabene Idole. Thesrads modernes Leben war wie T�nche �ber einem weit �lteren und finstereren Bau.</p><p>Nach einer Sage war sie einst die Zuflucht von Hexern und Anh�ngern des B�sen gewesen. O ja, Thesrad verbarg finstere Geheimnisse in ihrem alten Scho�, und Du-jum war gekommen, sie freizulegen.</p><p>Yarise, Herrscherin von Thesrad, wusste davon, denn sie hatte sich willig bereiterkl�rt, dem Hexer bei seinem Plan zu helfen, die alten M�chte der Finsternis wiederzubeleben. Dadurch erhoffte sie sich gro�e Macht, vielleicht sogar �ber die ganze Erde.</p><p>Weite Viertel der Stadt standen in Flammen, und nun war Du-jum der Eroberer. W�hrend ein gro�er Teil der Bewohner den Tod fand oder wie Vieh unterdr�ckt wurde, jetzt, da ihr Gemahl tot oder geflohen war � niemand wusste etwas Genaueres �, betrachtete Yarise ihre Augen. Sie sa� in ihrer Kemenate im Palast von Thesrad und betrachtete sich eingehend in ihrem br�nierten Silberspiegel, ohne auf die Schreie der B�rger zu achten, die auf den Stra�en niedergemetzelt wurden, obgleich sie laut durch ihr Fenster schallten. Sie fragte sich, ob ihr Lidschatten vielleicht etwas zu dunkel sei oder ob es nur eine T�uschung des Lichtes war. Und so z�ndete sie die �llampen an.</p><p>Sie stand auf und musterte sich in dem gro�en Spiegel, der sie ganz zeigte, und war mit sich zufrieden. Sie war gro� und schlank, mit �ppigem Busen. Schon immer war sie sich ihrer Anziehungskraft auf M�nner bewusst gewesen, und das war ihr eine Quelle der Freude. Dunkelhaarig war sie, dunkel�ugig, mit vollen Lippen. Sie wusste, dass die Jahre ihr nichts ihrer Sch�nheit zu rauben vermocht hatten.</p><p>Sie hatte Du-jum nicht mehr gesehen, seit er mit seiner Armee in die Stadt eingefallen war, doch als die Schreie allm�hlich verstummten, zweifelte sie nicht, dass ihr dunkler Liebster bald zu ihr kommen w�rde, um seinen Sieg zu feiern. Dann w�rde sie sich einem Herrscher hingeben, den sie wirklich lieben und zu dem sie aufblicken konnte!</p><p>Denn Du-jum war ein wahrhaft gro�er Zauberer mit langer Erfahrung; und Yarise � einst Tochter eines Herrschers �ber ein Reich, das es nicht mehr gab; dann eine Dirne in einem stygischen Freudenhaus; danach Gefangene im Harem eines turanischen Statthalters; und nun seit sieben Jahren die Gemahlin von F�rst Omeron � hielt sich selbst f�r zauberbegabt und hatte versucht, sich in Magie zu �ben, sogar mit ein bisschen Erfolg.</p><p>Sie erinnerte sich an den Abend vor neun Monaten, als Omeron den Kelch zu einem Toast auf Du-jums Zauberkunstst�cke erhoben hatte. In diesem Moment hatte sie dem schwarzen Zauberer in die Augen geblickt, und er in ihre, und die beiden Sucher nach dem �berirdischen hatten einander ein wortloses Versprechen gegeben.</p><p>Yarise klatschte in die H�nde. Eine junge blonde Maid, die einzige Leibmagd in der Kemenate, eilte herbei und setzte Yarise wie verlangt das Kr�nchen auf.</p><p>�Ich bin sch�n, nicht wahr?� fragte Yarise.</p><p>�Wundersch�n, meine Lady.�</p><p>�Heute ist ein gro�er Tag, der in die Geschichte eingehen wird, Endi. Ist dir das klar?�</p><p>�Ja, meine Lady.�</p><p>�Du zitterst ja!�</p><p>Neue Schreie, etwas entfernt, drangen durch das Fenster. Endi bebte am ganzen Leib.</p><p>�F�rchtest du dich vor dem Gemetzel?� Yarise drehte sich um und blickte tief in die Augen ihrer Leibmagd. Endi schwieg, aber ihr Blick verriet alles.</p><p>Yarise l�chelte nachsichtig. �Du brauchst dich nicht zu f�rchten, Kind. Ich bin deine Herrin und werde dich besch�tzen. Du hast wahrhaftig Gl�ck, M�dchen, denn du wirst Dienerin und Leibmagd einer neuen Generation von m�chtigen Zauberern und Herrschern werden. Freust du dich nicht dar�ber?�</p><p>�J-ja � J-ja � na-nat�rlich�, stammelte Endi.</p><p>�Freust du dich wirklich?�</p><p>�Ich � ich tue alles, Euch zu dienen, meine Lady. Das wisst Ihr.�</p><p>�Du-jum wird bald hier sein. Komm n�her, Endi.�</p><p>�Meine Lady?�</p><p>�K�ss mich, Endi. Bin ich nicht sch�n? Mein Kuss wird dich sch�tzen. Komm her!�</p><p>Unsicher, noch mehr zitternd, trat Endi einen Schritt n�her. Yarise legte die H�nde auf des M�dchens Schultern und l�chelte strahlend. �K�ss mich�, wisperte sie. �Ich werde dich besch�tzen.�</p><p>Vorsichtig legte Endi den Kopf ein wenig zur�ck, beugte sich vor, schloss die Augen und �ffnete ganz leicht die Lippen. Auf Stirn und Wangen glitzerte Schwei�.</p><p>Sie sp�rte die Lippen ihrer Herrin auf ihren und ihren anhaltenden Druck. Der Duft von Yarises Parf�m und Bade�l stieg ihr in die Nase �</p><p>Gerade als der sanfte Kuss h�tte enden sollen, gerade als Endi begann, das Gesicht zur�ckzuziehen, stie� Yarise ihre Fingern�gel tief in die Schultern des M�dchens, zog sie grob n�her, fasste Endis Unterlippe mit den Z�hnen und biss zu.</p><p>Hustend und schreiend warf das M�dchen sich zur�ck. Sie hatte die Augen vor Schrecken weit aufgerissen.</p><p>Wieder l�chelte Yarise strahlend und leckte die wei�en Z�hne. Ein roter Tropfen schimmerte auf ihrer Unterlippe.</p><p>Schmerz pulsierte in Endis Mund. Heftig rieb sie �ber die Lippen, dann starrte sie zuerst auf das Blut an ihrer Hand, danach auf ihre Herrin, und wieder zur�ck zu ihren Fingern � Sie wimmerte leise.</p><p>�Ein Blutkuss�, gurrte Yarise. �Ich habe dein Blut gekostet, Kind. Das ist starke Magie. Nun bist du gesch�tzt.�</p><p>Endi begann zu weinen. Der Schmerz war heftig und pulsierend. Sie w�re gern weggelaufen, aber die Zucht langer Jahre hielt sie, wo sie stand: eine misshandelte Dienerin, die unterw�rfig auf weitere Befehle ihrer Herrin wartete.</p><p>Yarises Ton wurde weich, ihre Augen sanfter. �Geh jetzt, Endi. Wasch dich. Du bist nun gesch�tzt.�</p><p>Endi hustete, sch�ttelte fl�chtig den Kopf und rannte, ihr Schluchzen unterdr�ckend, aus dem Gemach.</p><p>Yarise kehrte zu dem Spiegel zur�ck und betrachtete sich erneut im Licht der �llampen. Mit der Fingerspitze rieb sie den Blutstropfen in die Lippen, dass sie dunkler und feucht wurden und sehr rot, was ihre Sch�nheit noch erh�hte.</p><empty-line/><p>Von seinen Soldaten besch�tzt, dunkelh�utigen S�ldnern, Ausgesto�enen, Taugenichtsen in R�stung � stand Du-jum wie ein glitzernder Schatten in der feuererhellten D�sternis. Er war gro�, muskul�s und hatte wei�e, von Hass brennende Augen. Von Stirn, Wangen und Hals hoben sich Narben ab, Narben aus jenen l�ngstvergangenen Tagen, als er weder Hexer, noch Feldherr, noch Eroberer war, sondern Sklave, der sich der Willk�r eines anderen hatte beugen m�ssen.</p><p>�Heute beugt die Welt sich meinen Befehlen!� murmelte er. �Meinen Taten!�</p><p>Er lauschte den Schmerzens- und Verzweiflungsschreien in der Stadt. F�r ihn waren sie wie, das Lustst�hnen einer Frau. Rund um ihn z�ngelten Flammen von Wohnh�usern und Tempeln himmelw�rts, und schwarzer dichter Rauch streckte sich den Sternen entgegen, um sie zu verh�llen. Leichen lagen ringsum in ihren R�stungen, haufenweise: die letzten Verteidiger der Stadt. Frauen schrillten, Kinder wimmerten. Die Feuer loderten, und Du-jums finstere Soldaten trieben ihr Unwesen in den Stra�en.</p><p>�Mein Wille geschieht!� knurrte er in die Nacht hinaus. �Du-jums Wille!�</p><p>Er hatte gelitten. Nun sorgte er daf�r, dass andere litten! Er hatte gehungert und ged�rstet. Nun w�rde er andere hungern und d�rsten lassen! Ihm war Gewalt angetan worden. Nun sollten andere Feuer und Stahl sp�ren. Rache war s��! Zwar hatte er sich f�r die Narben auf Stirn, R�cken, Wangen und Hals ger�cht, aber dadurch war sein Rachedurst erst richtig gewachsen.</p><p>Doch mehr als nach Rache strebte er nach Macht, nach gro�en Taten, nach Eroberung. Kleine Leute tr�umen, doch sie wissen, dass es Tr�ume bleiben. Gro�e M�nner tr�umen und machen ihre Tr�ume zur Wirklichkeit, zu ihrer Zukunft.</p><p>Du-jum genoss diesen Gedanken an seine gro�e Zukunft. Seine R�stung war nicht blutig. Er trug ein Schwert, doch nur zur Zier. Seine Gef�hrlichkeit lag in weniger greifbaren Waffen. Seine gelbgl�henden Augen verrieten die Zauberkr�fte in seinen Nerven und Adern, in seinem ganzen Ich. Sein dunkles Gewand, sein Schwert und der eiserne Harnisch, sie alle wiesen bedeutende Zauberrunen auf, und sein Sch�del war so kahl geschoren wie der eines stygischen Priesters. Von einer geflochtenen Goldkette um seinen Hals baumelte ein geschnitzter, h�sslicher Vogel, und die langen Finger seiner Rechten umklammerten ein langes Zepter aus gr�nem, geschliffenem Stein. Es war ein Schlangenzepter, mit Ornamenten und Glyphen verziert, der in einem juwelenbesteckten Schlangensch�del mit klaffendem Rachen, spitzen F�ngen und vorgeschnellter Zunge endete.</p><p>Der Vogel geh�rte Du-jum, er war das Zeichen Urmus, des Geiergottes, den Du-jum verehrte. Das Zepter hatte er gestohlen.</p><p>Die Schreie verstummten allm�hlich, und w�hrend Du-jum wartete, begannen auch die Feuer niederzubrennen. Er sammelte seine Soldaten, die nicht auf Streife waren, um sich. Alle trugen sein Zeichen auf der Stirn � ein tiefes V, das er selbst ihnen mit langen Fingern�geln eingeritzt hatte.</p><p>Nun, da das Warten zu Ende war, drehte Du-jum sich um und hob die Arme. Er stand vor dem Portal eines alten, lange missachteten Bauwerks aus dunklem Stein, in einem Viertel der Stadt, in dem seit langer Zeit nur noch Dirnen, Zuh�lter, Diebe und M�rder hausten. Fr�her einmal war. das Geb�ude ein Tempel gewesen, seit Jahren diente es nun jedoch gleicherma�en als Huren- und Schlafhaus sowie als Schenke.</p><p>�Die Gottessch�nder im Innern wurden zusammengetrieben und get�tet!� donnerte Du-jum. �Nun lasst ihr Blut aus ihren Kadavern str�men im Namen Urmus, des Geiers, auf dass seine Alt�re endlich wieder zu trinken bekommen!�</p><p>Seine gelben Augen funkelten zu den Gesimsen empor, wo unbeachtet von den Generationen Thesradern gewaltige Steingeier kauerten und mit weitausgebreiteten Schwingen �ber die Stadt sp�hten, die dereinst, vor langer, langer Zeit, von den Priestern und Zauberern des Geiers beherrscht worden war.</p><p>Erneut hob Du-jum die langen Arme und ballte die F�uste. Seine Soldaten verstummten, w�hrend aus der Stadt immer noch St�hnen zu h�ren war.</p><p><emphasis>�Urmu!�</emphasis> rief er, und seine Stimme dr�hnte wie ein Messinggong. <emphasis>�Urmu! Kadulu imest!�</emphasis></p><p>Seine Soldaten begannen zu schwitzen und zu murmeln, doch beruhigten sie sich wieder.</p><p>�Urmu! Erwache zu neuem Leben! Deine Macht ist wiederhergestellt! Die Stadt vergie�t Blut f�r dich, o Urmu! Ich habe sie f�r dich erobert! Wieder soll der Tag der Finsternis geh�ren, o Urmu!�</p><p>Senkrecht blies der Wind vom Himmel herab. Der bisher von Wolken verhangene Vollmond leuchtete pl�tzlich ungehindert. Der Wind hob zu heulen an. Die Fackeln flackerten, und die Umh�nge der Soldaten flatterten wild.</p><p>Du-jums weiter schwarzer, Umhang wickelte sich um dessen K�rper.</p><p><emphasis>�Urmu! Kidesh kidera!</emphasis> Erheb dich, Geier! Erhebt euch, Schwingen der Finsternis! Erschau mit deinem weit reichenden Blick den Teppich aus Blut, der f�r dich ausgebreitet ist. Das Beuteopfer wird dir vor den Schnabel gelegt. Deine Magie lebt wieder, o Urmu!�</p><p>Der Wind peitschte herab. Das Feuer loderte neu auf.</p><p>�Urmu, gew�hr uns dein Zeichen! Best�tige unsere Eroberung! Wir beten dich an mit Magie und Blut! Wir warten auf dein Zeichen, o Urmu!�</p><p>Pl�tzlich erschrillte ein Kreischen in dem alten Tempel. Mit noch immer hocherhobenen H�nden drehte Du-jum sich um und blickte in die D�sternis. Eilige Schritte waren zu vernehmen, ein weiterer kreischender Schrei zu h�ren. Ein von Wahnsinn verzerrtes Gesicht mit wilden Augen tauchte auf, ein Arm, der ein Messer hielt. Einen fl�chtigen Moment hielt der Besessene in der offenen Tempelvorhalle an.</p><p>�Hunde!� kreischte er. �Hunde! Ihr wollt Thesrad einnehmen? <emphasis>Hunde!�</emphasis></p><p>Dann st�rzte er heraus zum Portikus und schwang das Messer, um den Hexer zu erdolchen.</p><p>Du-jum lachte.</p><p>Der Wind schwoll zu einem pfeifenden Kreischen an. Eine der Geierstatuen hoch am Tempel l�ste sich vom Gesims und st�rzte herunter.</p><p><emphasis>�Hu-u-u-nde-e-e!�</emphasis> schrie der Wahnsinnige.</p><p>Wieder lachte Du-jum, als keine drei Schritte von ihm entfernt der Besessene von der Statue getroffen wurde. Ein gewaltiges Krachen, ein Knacken und Bersten war zu h�ren, und der Mann lag zermalmt auf den Fliesen des Eingangs.</p><p>Unter dem steinernen Geier breitete sich eine Blutlache aus. Der Vogel war zersprungen, aber sein Steinschnabel war sichtbar rot von Blut.</p><p>Du-jums Gel�chter hallte von den W�nden wider. Seine Soldaten, trunken von fanatischer Ekstase, schrien zum Himmel: <emphasis>�Urmu! Urmu!�</emphasis></p><p>Der Wind erstarb, doch nicht das St�hnen der Stadt. Immer wieder f�hrte Du-jum besessen heulend seine Soldaten zum beschw�renden Ruf an: �Urmu! Urmu! <emphasis>Urmu!�</emphasis> Doch schlie�lich verdr�ngte ein anderer ihn: �Du-jum! Du-jum! <emphasis>Du-jum!�</emphasis></p><empty-line/><p>Der Mond war fast verblasst, als er den Urmu-Tempel verlie� und seine Soldaten ihn zum Hauptpalast geleiteten.</p><p>Er betrat ihn mit wallendem Umhang. Seine Soldaten, die Wache standen, verbeugten sich und salutierten. Sklaven eilten mit tief gesenkten K�pfen vor ihm her, um ihm den Weg zu Omerons Gem�chern zu weisen.</p><p>Yarise wartete dort auf ihn.</p><p>Du-jum trat ein. Seine Wachen schlossen die T�r hinter ihm und blieben davor stehen.</p><p>Stille herrschte, nur das Knistern der Fackeln war zu h�ren. Yarise blickte ihm stolz und erwartungsvoll mit gro�en Augen entgegen. Ganz schwach neigte Du-jum zu ihr gewandt den Kopf und l�chelte ernst.</p><p>Sie benahm sich wie in der Gegenwart eines Gottes: Anbetend, dem�tig n�herte sie sich ihm mit langsamen Schritten. Sie hob ihm das Gesicht entgegen und streckte die Finger durch die Luft, um ihn zu ber�hren, doch bereit, sie sofort zur�ckzuziehen, falls die St�rke seines Gl�hens versengend sein sollte.</p><p>Da breitete Du-jum die Arme aus und lachte dr�hnend, von Wahnsinn gezeichnet.</p><p>Yarise warf sich an seine Brust, k�sste ihn leidenschaftlich, schlang die Arme um ihn, blickte hoch in seine brennenden Augen, dann presste sie den Busen an seinen Harnisch mit dem gr�sslichen Vogel und rieb ihr Gesicht in wildem �berschwang an seines.</p><p>�Ich bin dein!� hauchte sie. �Die Stadt ist unser, Du-jum � unser! Unser! Und ich bin dein!�</p><p>Immer noch kamen die Schreie und das St�hnen ged�mpft durch das Fenster. Der Wind pfiff. Soldaten stapften und marschierten.</p><p>�Dein, Du-jum! Nach so langem Warten!�</p><p>�Eine Nacht der Rache und der Schatten!� knurrte der schwarze Hexer. �Eine Nacht des Blutes und des Feuers und der Steingeier. Und jetzt �� M�helos hob er Yarise auf die kr�ftigen Arme. �Eine Nacht der Macht, der Eroberung und Ekstase!�</p><p>Yarise erwiderte sein triumphierendes L�cheln, als er sie zu ihrem � zu Omerons � Bett trug.</p></section><section><title><p>2</p></title><p>Nacht � und das Lager kauerte in ihr, wie eine winzige Traube verlorener Lichter, am Grund eines ungeheuren, tief schwarzen Brunnens. Wald und steile Bergh�nge erhoben sich ringsum. Ein paar Stimmen murmelten noch schl�frig. Kohle schwelte in erl�schenden Feuern.</p><p>Die Augen der Posten blitzten wachsam wie die von Raubtieren, und die M�nner lauschten, mit der Hand nahe dem Schwert, auf die geringsten Ger�usche.</p><p>Weit, weit unten lag stumm die Stadt.</p><p>Die immer noch kranke Sonja schlief tief und fest wie im Mutterscho�. Doch Omeron, der sie beobachtete und in die Nacht hinein lauschte, konnte nicht schlafen.</p><p>Der Rachedurst fra� an ihm wie ein schw�rendes Siechtum, wuchs immer mehr und wurde zur Besessenheit. Das Erscheinen dieser kranken rothaarigen S�ldnerin, einer Ausl�nderin, erschien ihm wie ein r�tselhaftes Symbol, das er noch nicht deuten konnte. Ganz gewiss war es ein Omen, ein dringend ben�tigtes Omen der Hoffnung. Er w�rde es nicht missachten oder daran zweifeln, nicht jetzt. Denn nun war ihm klar, wie viel er in den vergangenen neun Monaten durch Sorglosigkeit, ja Dummheit, �bersehen hatte, wo doch ein offenes Auge, ein scharfes Ohr, ein bisschen �berlegung ihn vor der drohenden Zukunft h�tte warnen k�nnen.</p><p>Ver�rgert sch�ttelte er den Kopf, stand auf und streckte sich. Er war entsetzlich m�de, ersch�pft, aber seine unruhigen Gedanken vertrieben den Schlaf. Leise ging er zur Roten Sonja und blickte gedankenverloren auf sie hinunter. Er murmelte ein kurzes Gebet zu den G�ttern und bat sie, dass ihr Kommen Gutes bedeute und er ihr Zeichen verstehen w�rde.</p><p>Neben Sonja lagen zwei Verwundete. Auch zu ihnen ging Omeron. Er kniete sich zwischen sie, legte vorsichtig die Hand auf ihre Stirn und f�hlte nach ihrem Puls. Der des einen war schwach, der andere hatte keinen mehr.</p><p>Noch einer seiner Leute weniger! Ein weiteres Leben, das Du-jum und Yarise ihm schuldeten. Ischtar und Eliel! Seine eigene Frau!</p><p>�Bringt sie mir, ihr G�tter!� murmelte er. �Bringt sie mir und lasst mich sie erdrosseln, ganz langsam. Lasst diese verzweifelten M�nner sie in St�cke rei�en, lasst sie sterben und bringt sie ins Leben zur�ck, damit sie einen Tod f�r jeden erleidet, der ihretwegen sterben musste. Ihre Opfer! Ja, auch <emphasis>meine</emphasis> Opfer. Denn ich bin kaum weniger schuldig!�</p><p>Von seinem Gewissen gequ�lt, ging er weiter, vorbei an den Verwundeten, bis er zu einem Posten kam. Der Mann salutierte. Omeron fl�sterte ihm kurz etwas zu. Der Soldat verstand nicht.</p><p>�Geh schon!� dr�ngte Omeron. �Ruh dich aus! Ich kann nicht schlafen. Ich halte Wache f�r dich.�</p><p>Der Mann z�gerte. �Ich bin in Ordnung�Lord. Wirklich ��</p><p>�Keiner von uns ist in Ordnung. Also sieh zu, dass du ein bisschen Schlaf kriegst. Heute Nacht passiert nichts mehr. Es wird �berhaupt nichts geschehen, bis � bis wir selbst etwas unternehmen!�</p><p>�Wie � Ihr wollt, Lord Omeron.�</p><p>Salutierend, dann g�hnend schritt der Soldat davon. Omeron wandte sich von ihm ab und blickte hinunter auf die gespenstischen Lichter von Thesrad.</p><p>Hinter ihm keuchte der Soldat erschrocken auf.</p><p>Sofort wirbelte Omeron herum. �Was ist los?�</p><p>Der Mann deutete auf den dichten Wald an einer Seite, auf Dickicht und Unterholz, zum Teil hinter Felsen verborgen und ganz von der Nacht eingeh�llt.</p><p>Leise schritt Omeron auf den Soldaten zu und legte schweigengemahnend einen Finger auf die Lippen.</p><p>Der Mann zitterte vor Anspannung. Er zog sein Kurzschwert und deutete damit auf den dunklen Wald. Omeron legte eine Hand auf des Soldaten Schulter und sp�hte in die gewiesene Richtung. �Was?� wisperte er. � �Ein Ger�usch. Etwas.�</p><p>�Bist du sicher?�</p><p>Lange Augenblicke der Stille, der Dunkelheit und des St�hnens und Schnarchens Schlafender. Niemand sonst schien etwas bemerkt zu haben. Schleier schoben sich vor Omerons Augen, weil er so angestrengt sp�hte. Er hatte das Gef�hl, nicht einmal mehr sicher zu sein, ob er �berhaupt noch lebte, geschweige denn, dass er etwas geh�rt �</p><p>�Horcht!� zischte der Soldat.</p><p>Omeron machte einen leisen Schritt vorw�rts. Ja, zweifellos bewegte, sich etwas im Wald, und es verursachte ein schwaches Ger�usch.</p><p>�Indra!� hauchte der Posten. Seine Stimme verriet die Angst. �Es ist Du-jum!�</p><p>�Nein.�</p><p>�Es <emphasis>ist</emphasis> Du-jum, mein Lord. Bestimmt ist es er!�</p><p>�Nein!� Omerons ged�mpfte Stimme klang streng.</p><p>Ein Posten in der N�he, der sie beobachtet hatte, kam nun auf sie zu. Omeron bedeutete ihm, leise zu sein, und ging, vorsichtig �ber Schlafende steigend, ein St�ck weiter.</p><p><emphasis>�Etwas!�</emphasis> fl�sterte der erste Posten dem zweiten zu.</p><p>Omeron blieb stehen und zog sein Schwert.</p><p>Der Mond brach durch eine Wolkenbank und warf seinen hellen Silberschein �ber das Lager, doch das Licht drang nicht durch das dichte Dickicht. Omeron schlich weiter.</p><p>Wieder das Ger�usch � ein ganz leises Rascheln. In Gedanken bewunderte Omeron die scharfen Ohren des Soldaten.</p><p>Die beiden Wachen durchquerten das Lager, nahezu auf ihres Lords Fersen, bis die drei nebeneinander anhielten und versuchten, das Dickicht mit den Blicken zu durchdringen.</p><p>Wieder das Ger�usch!</p><p><emphasis>�Du-jum!�</emphasis> schrie der erste Posten gellend und sprang pl�tzlich vorw�rts.</p><p>Omeron br�llte den Mann an und rannte hinter ihm her, ohne die Augen vom Wald zu nehmen. Der Soldat, der mit erhobenem Schwert dahinsauste, stolperte �ber einen schlafenden Kameraden und fiel auf den Bauch. Omeron konnte ihm gerade noch ausweichen. Auch jetzt behielt er den Wald im Auge. In der pl�tzlichen Unruhe im Lager w�rde das Rascheln im Dickicht lauter, und Omeron glaubte zwei Lichter, gl�henden Kohlen �hnlich, zu sehen, die aufgest�rt in der Dunkelheit verschwanden.</p><p>Kalter Schwei� stand ihm auf Gesicht und Armen.</p><p>�Habt Ihr es gesehen?� rief der erste Posten.</p><p>�Mitra!� hauchte der zweite.</p><p>Nun war offenbar das ganze Lager wach. Verschlafen setzten die M�nner sich auf und riefen fragend durcheinander. Wachen von der gegen�berliegenden Lagerseite rannten herbei, um Lord Omeron zu helfen. Der Tumult wurde immer gr��er.</p><p>�Wir werden angegriffen!�</p><p>�Es ist der Zauberer!�</p><p>�Sie haben uns aufgesp�rt!�</p><p>�Zu den Waffen!�</p><p>Ergrimmt br�llte Omeron seine M�nner an; versicherte ihnen, dass sie keineswegs angegriffen w�rden, sondern nur ein Tier sich ger�hrt habe, kein zauberwirkender Unhold. Doch es dauerte eine Weile, bis sie endlich auf ihn h�rten; und erst nachdem er auf einen Felsblock geklettert war, eine Fackel hochhielt und schrie, dass ihre Ersch�pfung und ihre Tr�ume die Ursache ihrer Angst seien, nicht Du-jum, hatte er sie halbwegs �berzeugt.</p><p>�Er wartet darauf, dass wir <emphasis>ihn</emphasis> angreifen!� br�llte er. �H�rt mir zu, M�nner! H�rt endlich! Es war ein Tier im Wald � ein Tier, oder ein Traum!�</p><p>Schlie�lich beruhigten sie sich allm�hlich, h�rten wirklich auf ihren Herrscher, und Vernunft kehrte zur�ck. Der Mond verzog sich wieder hinter die Wolken, ein Wind kam auf, und die Sterne verblassten im Osten.</p><p>Die Soldaten gingen zur�ck zu ihren Posten, Decken oder Feuern.</p><p>Omeron stieg vom Felsblock hinunter und blickte auf den Soldaten, der den Tumult ausgel�st hatte. Der Mann sch�mte sich, er wich seinen Augen aus, und Omeron brachte nicht den Grimm auf, ihn zurechtzuweisen.</p><p>Im Lager setzte Ruhe ein, und Omeron kehrte zur kalten Asche seines Feuers zur�ck. Er lie� sich auf einen Stein nieder, stemmte die F��e auf den Boden und st�tzte das Kinn auf die F�uste. Um ihn herum wisperten, lachten und unterhielten sich die M�nner, die keinen Schlaf mehr finden konnten.</p><p>Omeron betrachtete wieder die Rote Sonja. Der L�rm hatte sie nicht geweckt, oder wenn, hatte sie vielleicht unbewusst angenommen, dass er Teil ihrer Fiebertr�ume war, und nicht die Kraft aufgebracht, sich zu vergewissern.</p><p>Erneut beobachtete er sie und fragte sich wieder, ob sie als Symbol oder r�tselhafte Botschaft der G�tter anzusehen sei. Und langsam wanderte sein Blick unwillk�rlich zu dem Dickicht am Waldrand, um nach den gelben Augen Ausschau zu halten.</p><p>Gelbe Augen �</p><p>Sein Herz pochte heftiger, alte �ngste griffen nach ihm, Schreie gellten stumm in ihm. Yarise spottete seiner, geduldig, endlos.</p><p>Gelbe Augen!</p><p>Ganz bestimmt die Augen eines Tieres. Aber war er <emphasis>wirklich</emphasis> sicher, dass es Tieraugen waren? War dieses Augenpaar im dunklen Dickicht das eines nat�rlichen Waldgesch�pfs? Wenn nicht, wessen dann? Welcher, Art waren diese Augen?</p><empty-line/><p>Du-jum stand am offenen Fenster seines Gemachs und blickte hinaus auf die Stadt. Yarise schlief. Der Morgen war noch fern. Der stadteigene Geruch stieg zu ihm hoch, gemischt mit dem von Blut und Furcht. Er war so durchdringend wie der von R�ucherwerk aus der Feuerschale unter einem G�tzen. Und er hatte es sich verdient, dieses Gottesopfer aus R�ucherwerk und Blut und Gewalt aus der lodernden Feuerschale, zu der diese gesch�ndete Stadt geworden war.</p><p>Du-jum � Du-jum � <emphasis>Du-jum �</emphasis></p><p>Vom Bett kam ein schwaches Ger�usch. Du-jum drehte sich um. Yarise lag auf der Seite und l�chelte ihm mit strahlend wei�en Z�hnen zu.</p><p>�Wach?� fragte er.</p><p>�Ich tr�umte�, murmelte sie gl�cklich.</p><p>�Auch ich tr�umte, doch im Wachen.�</p><p>�Ich tr�umte von dir.�</p><p>Du-jum schloss das Fenster, durchquerte das Gemach und schl�pfte zu ihr ins Bett.</p><p>�Du bist ein gro�er Mann�, fl�sterte Yarise in sein Ohr.</p><p>Du-jum brummte zufrieden. �Meine Gr��e liegt nicht nur in dem, was wir bisher erreichten, Yarise, sondern was wir noch erreichen werden � was wir erreichen m�ssen!�</p><p>�Dar�ber mache ich mir keine Sorgen.�</p><p>In der Dunkelheit des Gemachs sagte Du-jum: �Ich setze mein ganzes Vertrauen haupts�chlich. in mich und die Kr�fte in mir.�</p><p>�Auch ich setze mein Vertrauen in dich.� Sie schmiegte sich an ihn, k�sste ihn.</p><p>�Aber Omeron ist nicht tot!�</p><p>Einen Augenblick schwieg Yarise, dann sagte sie: �Du wei�t es? Aber es gibt ihn so gut wie nicht mehr, und f�r mich ist er in jeder Hinsicht tot. Versteckt er sich irgendwo? Wir werden ihn finden!�</p><p>�Ja, wir werden ihn finden. Er wird zu uns kommen, dann machen wir Schluss mit ihm.�</p><p>�Hast du �berhaupt keine Angst?� Yarise hob ganz leicht die fein nachgezogenen Brauen.</p><p>�Vor Omeron?�</p><p>�Vor Omeron und vor der Tatsache, dass er nicht tot ist.�</p><p>�Ich f�rchte nichts � nichts, �ber das ich Macht habe. Und bald werde ich Macht �ber alles haben.� Er strich �ber Yarises Haar, �ber ihre leicht raubvogelhafte Nase. �Welch anderer Mann auf Erden kann das schon? Pass auf!�</p><p>Er hob eine ge�ffnete Hand und streichelte die dunkle Luft, als w�re sie ein Scho�tier, das man liebkost. �Sp�rst du die Finsternis?� fragte er. �Es ist unsere Finsternis, Yarise. Sie liebt und versteht uns. Wir sind ein Teil von ihr, du und ich. Die Finsternis weicht nicht dem Licht, sondern verschlingt es. F�hlst du es, Yarise? Ja?�</p><p>Pl�tzlich fragte sie sich mit einer Spur Sorge, ob er sich von der Finsternis so angezogen f�hlte, weil er ein schwarzh�utiger Kushit war und die wei�en M�nner des Westens ihn auch innerlich sich so schwarz hatten f�hlen lassen, wie er �u�erlich war.</p><p>�Horch! Lausch der Finsternis!� wisperte er, immer noch die Luft streichelnd.</p><p>Und nun fragte sie sich, ob Du-jum auf irgendeine Weise das Licht in sich, das Licht, das alle Menschen in sich tragen sollten, so dunkel gemacht hatte, wie es in diesem Gemach war.</p><p>Du-jum h�rte nicht auf, die Luft zu streicheln. �Lausche, Yarise. L-a-u-sch-e ��</p><p>Nein, sie w�rde ihn deshalb nicht f�rchten, sondern ihm erst recht vertrauen. Statt die Dunkelheit in sich zu unterdr�cken, hatte Du-jum sie freigelassen, damit sie die Herrschaft �bernehmen konnte. Yarise hatte nun vor, dasselbe zu tun. Dadurch w�rden sie st�rker, m�chtiger und ehrlicher als andere Sterbliche.</p><p>�Da, Yarise! F�hle meine Macht! Wer sonst auf Erden vermag das?�</p><p>Tastend streckte sie eine Hand aus, ber�hrte seine, die so gut wie nicht zu sehen war und die er mit der Handfl�che nach oben ausgestreckt hielt. Statt leere Luft zu halten, stie�en ihre Finger auf etwas Halbfestes, Trockenes, durchaus Greifbares: eine sich k�hl anf�hlende Kugel.</p><p>Verdichtete Finsternis � Finsternis greifbar gemacht durch Du-jums Magie!</p><p>Yarise lachte sanft, aus einer Mischung von Nervosit�t und Angst heraus. Du-jum zog die Hand zur Seite und klatschte sie in die andere.</p><p>�Genug!� sagte er. Sie grub das Gesicht in ihr Kissen, zitterte und lachte. Du-jum strich ihr �ber das Haar. �Du bist m�de, meine K�nigin. Schlaf jetzt! Tr�um von mir! Tr�um von unserer gro�en Zukunft.�</p><p>Schlie�lich schlummerte sie ein, ihr zitternder Atem wurde regelm��ig � eine schlafende Zauberin.</p><p>Auch Du-jum schlief ein, mit dem berauschenden Duft der Finsternis in der Nase, mit Magie in sich und Tr�umen von absoluter Macht in seiner Seele.</p><empty-line/><p>Sie erschien am Morgen, kaum dass die Sonne aufgegangen war, und erschreckte Omerons M�nner, denen ohnehin der Seelenfrieden fehlte. Es herrschte bereits rege Betriebsamkeit. Einige Soldaten trugen die Leichen ihrer in der Nacht verstorbenen Kameraden zur Seite, um sie zu begraben; andere bereiteten Fr�hst�ck; und wieder andere versorgten die Pferde. In der N�he war eine Quelle entdeckt worden, aus deren Wasser die Vorr�te nachgef�llt wurden, und einige wuschen sich den Schmutz und das verkrustete Blut des gestrigen Kampfes ab. Die Klingen wurden geschliffen, und das Raspeln des Stahls auf dem Wetzstein klang durch das Lager.</p><p>Omeron setzte die leere Suppenschale ab und wandte seine Aufmerksamkeit der Roten Sonja zu, die noch tief schlief. Er beugte sich �ber sie, lauschte ihrem Atem und k�hlte ihre Handgelenke, Schl�fen und die Stirn mit frischem Wasser. Sie hatte zwar noch Fieber, aber bei weitem nicht mehr so stark wie am vergangenen Abend.</p><p>Selbst das Wasser weckte sie nicht. Omeron zog gerade die Hand von ihrer Stirn zur�ck, als einer seiner M�nner mit ged�mpfter Stimme zu ihm sagte: �Mein Lord ��</p><p>Er schaute auf. Alle seine Leute hatten den Blick zum Rand des Lagers gerichtet, wo Felsbrocken, Sch�sslinge und Dickicht in den Wald �bergingen.</p><p>Langsam, in ungewisser Erwartung, richtete Omeron sich hoch auf. Seine M�nner fl�sterten unsicher aufeinander ein. Ein paar umklammerten ihre Schwerter, andere scharrten beunruhigt mit den Stiefeln. Omeron tat ein paar Schritte.</p><p>Langsam, vorsichtig und doch entschlossen, in majest�tischer Haltung kam sie aus dem Wald und n�herte sich ohne Zaudern dem Lager der Bewaffneten. Ihr Blick wirkte weder herausfordernd noch abweisend, sondern gleichm�tig. Sie hatte scharfe Augen � gelbe Augen, wie die einer Katze oder eines anderen Raubtiers; Sie verrieten keinerlei Gef�hlsregung, sie beobachteten lediglich, und es schien ihnen nichts zu entgehen.</p><p>Als ihr Blick auf Omeron verharrte, durchzog ihn Eisesk�lte, derer er nicht Herr wurde, doch sie verging schnell, und es blieb nur das Bild einer bezaubernd sch�nen jungen Frau mit seltsamen Augen, die in das Lager kam.</p><p>Omeron ging ihr entgegen. Als h�tte er es ihnen befohlen, bildeten seine M�nner wortlos eine lange Gasse, durch die er und die Frau aufeinander zuschritten.</p><p>Als die Frau stehen blieb, tat Omeron das gleiche.</p><p>Schweigen herrschte, w�hrend aller Blicke angespannt auf ihr ruhten und sie Omeron eindringlich anschaute.</p><p>Da verfing der Wind sich im langen schwarzen Haar der Frau, und es f�cherte aus wie die Schwingen eines Vogels. Hochgewachsen; schlank und von dunkler Haut war sie, und sie bewegte sich mit katzenhafter Geschmeidigkeit � oder war es eher wie eine Schlange? Sie trug einen einfachen wei�en Leinenkittel, an der Schulter mit Broschen und um die Taille mit einem d�nnen Goldg�rtel zusammengehalten, und Schuhe, die aus Echsenleder zu sein schienen. Ein einfacher Reif schm�ckte den Mittelfinger ihrer Rechten, und von einem Kettchen um ihren Hals baumelte ein unauff�lliger Anh�nger.</p><p>Es w�re l�cherlich anzunehmen, dachte Omeron, dass die Frau in dieser leichten Kleidung weit aus den Bergen gekommen sei. War sie etwa gar ein Fl�chtling aus Thesrad?</p><p>Aber er kannte die B�rger von Thesrad, selbst die einfachsten, die niedrigsten, und die Frau geh�rte nicht zu ihnen.</p><p>�Ihr seid der Befehlshaber dieses Lagers?� Sie blickte Omeron fest an. Ihre Stimme klang streng. Sie war so ruhig und k�hl wie ihre Haltung, ihre Sch�nheit und die Augen.</p><p>Unwillk�rlich r�usperte er sich, ehe er antwortete: �Ja, ich bin F�rst Omeron von Thesrad. Und wer seid Ihr?�</p><p>�Ich hei�e Ilura. Euretwegen bin ich hier hergekommen, F�rst Omeron. Ich bedauere, dass ich Euch unter diesen Umst�nden kennen lernen muss.�</p><p>�Unter diesen Umst�nden?�</p><p>Ihre Geb�rde schloss das ganze Lager ein. �Ihr wurdet aus Eurer Stadt vertrieben, nicht wahr? Durch den Hexer Du-jum?�</p><p>Die K�lte breitete sich wie ein Eisklumpen in Omerons Bauch aus. Er h�rte, wie seine M�nner nerv�s mit den F��en scharrten. �Woher wisst Ihr das, Ilura?�</p><p>�H�rt mir zu, Omeron.� Sie blinzelte ganz leicht. �Ich bin eine Dienerin der Schlangeng�ttin Sithra, deren Tempel sehr weit von hier liegt. Meine Herrin schickte mich aus, Du-jum zu suchen.�</p><p>�Warum?� erkundigte sich Omeron misstrauisch.</p><p>�Weil es an der Zeit ist�, antwortete Ilura dunkel. �Vor langem stahl er einen heiligen Gegenstand aus unserem Tempel, den ich zur�ckbringen werde.�</p><p>�Was ist das f�r ein Gegenstand? Eine Zauberwaffe? Ich frage, weil ich sp�re, dass Ihr des Zaubers m�chtig seid.�</p><p>�Es ist der Stab von Ixcatl�, antwortete Ilura ruhig. �Das Schlangenzepter, durch das sich Du-jum zus�tzliche Kr�fte erhoffte.�</p><p>Wieder herrschte einen langen Moment Stille. Dann fragte Omeron: �Ihr habt vor, Du-jum zu stellen? Er ist ein m�chtiger Hexer, Priesterin. Seid Ihr allein gekommen, den ganzen weiten Weg von��</p><p>�Aus dem S�den, und weit mehr Meilen, als Ihr glaubt, Lord Omeron. Doch bin ich aus dem Tempel Sithras, also zweifelt nicht an meinen F�higkeiten. Ich habe den Weg allein zur�ckgelegt und bin auf das, was ich tun muss, vorbereitet. Ich verf�ge �ber ungew�hnliche Kr�fte, aber habt keine Angst vor mir, denn wenn Ihr es gestattet, werde ich Euch und Euren M�nnern helfen. Wollt Ihr jedoch nichts von mir wissen und verjagt mich, ist es Euer eigener Schaden, denn gegen Euren Willen kann ich Euch nicht unterst�tzen.�</p><p>Omeron blickte sie lange nachdenklich an. War diese Frau nicht zurechnungsf�hig, oder war sie wahrhaftig das, was sie zu sein behauptete?</p><p>Sadhur kam herbei, um etwas zu dem F�rsten zu sagen, aber Omeron bedeutete ihm zu schweigen und wandte sich wieder der Frau zu.</p><p>�Wir haben gegen Zauberei gek�mpft, Ilura, und wurden besiegt. Vorl�ufig, zumindest. Meine M�nner sind verunsichert.�</p><p>�Was kein Wunder ist. Werdet Ihr mich trotzdem bei Euch aufnehmen, Lord Omeron? Bitte, seid nicht so t�richt, mich fortzujagen. Ich f�hre nichts B�ses gegen Euch im Schilde.�</p><p>Immer noch �berlegte Lord Omeron.</p><p>Da sagte Ilura zu ihm: �Es ist Krankheit in Eurem Lager. Aber Ihr braucht jedes Leben, jedes Schwert, das Euch helfen kann. Ich bin ausgebildet, Krankheiten zu heilen. Gestattet.�</p><p>Bed�chtig nickte Omeron. Sie ging an ihm vorbei und blieb neben Sonja stehen, die immer noch in Decken geh�llt schlief. Ilura blickte nach rechts, nach links, wie um sich zu vergewissern, dass niemand ein Schwert gegen sie erhob, dann beugte sie sich �ber die Hyrkanierin. Sie fuhr mit der Hand �ber Sonjas Kopf und Brust, ohne sie jedoch zu ber�hren.</p><p>�Fieber�, sagte sie leise. �Das Schlimmste ist �berstanden, doch wird sie noch drei bis vier Tage brauchen, sich zu erholen, obgleich sie eine starke Frau ist. Passt auf, Lord Omeron.�</p><p>Ilura legte die Hand auf Sonjas Stirn und dr�ckte darauf. Die Hyrkanierin zuckte einmal, zweimal krampfhaft, dann seufzte sie tief und lag still. Ilura zog die Hand zur�ck und erhob sich.</p><p>Stiefel scharrten, Metall klickte und klirrte.</p><p>Omeron blickte seine M�nner scharf an.</p><p>Da sagte Ilura zu ihm: �Ihr k�nnt Euch in ein paar Stunden selbst vergewissern. Ich habe ihr den letzten Rest ihrer Krankheit entzogen und ihr die Kraft zur beschleunigten Genesung gegeben. In K�rze wird sie frisch und gesund erwachen. Lasst mich nun Eure anderen Kranken und Verwundeten gleicherma�en heilen. Ihr werdet feststellen, dass ich es gut mit Euch meine, Lord Omeron. Es ist zum Besten von Euch und Euren M�nnern und von mir, wenn wir einander helfen, denn wenn nicht, wird Du-jum uns weiterhin schaden. Vertraut mir.�</p><p>Er blickte in ihre Augen � diese seltsamen gelben Augen � und dachte an den Zwischenfall in der Nacht.</p><p>�Vertraut mir, F�rst Omeron.�</p><p>Doch Ger�usche am Himmel unterbrachen seine �berlegungen. Mit zur�ckgelegtem Kopf sah Omeron eine gro�e Schar V�gel, die von Thesrad hoch zu den Bergen flog, eine Weile am Himmel kreiste und sich langsam aufl�ste.</p><p>Omeron senkte den Kopf und wandte sich wieder Ilura zu. Sie blickte ihn eindringlich an.</p><p>�Du-jum hat sie geschickt, Lord Befehlshaber. Seid gewarnt! Nun wird der Hexer bald wissen, wo Ihr Euch aufhaltet. Diese V�gel sind seine Diener. Schon lange lernte er. die Beherrschung b�ser Geister, die in wilden V�geln wiedergeboren wurden.�</p><empty-line/><p>Erst sp�t nach Sonnenaufgang erwachte Yarise. Neben ihr in dem gro�en Bett schlief Du-jum weiter. Nach der langen Nacht und der anstrengenden Eroberung des vergangenen Tages brauchte er die Erholung.</p><p>Yarises Lider flatterten, aber ihr zaubergesch�rfter Verstand gewahrte etwas, und deshalb g�hnte sie weder, noch r�kelte sie sich oder setzte sich pl�tzlich auf. Unter den Wimpern schweifte ihr Blick hinter Du-jums breite Schulter �ber das. Gemach.</p><p>Die Fensterl�den waren geschlossen und weder Lampen noch Fackeln angez�ndet; so war es trotz des Tageslichts dunkel. Die T�r zum Vorgemach stand einen Spalt auf, und ein schmaler Lichtstreifen fiel ein. Vor diesem Licht bewegte sich ein hoher schmaler Schatten und kam stetig heran.</p><p>Als der hohe Schatten vorsichtig Schritt um Schritt n�her kam, erkannte Yarise in ihm einen der vielen Palastdiener. Sie konnte sich an den Namen dieses jungen Mannes nicht erinnern, doch das war auch nicht wichtig. Von Bedeutung war lediglich seine Absicht. Yarise hielt den Atem an und r�hrte sich nicht. Mit halboffenen Augen und halb hinter dem gewaltigen R�cken des Eroberers und neuen Herrschers der Stadt verborgen, beobachtete sie den Eindringling und sah das schwache Schimmern einer Messerklinge.</p><p>Der junge Mann kam n�her. Das ged�mpfte Licht, das durch die Ritzen der Fensterl�den drang, hob ihn besser vom Hintergrund ab. Leise wie ein Atemhauch waren seine Schritte.</p><p>Unwillk�rlich und fast k�rperlich sp�rte Yarise seine Anspannung, seinen Grimm, seine Seelenqual, den brennenden Hass und den Drang des Besessenen, zu t�ten, Blut zu vergie�en.</p><p>Yarise zwang sich zur Ruhe und sammelte ihre Kr�fte. Der Mann ging in die Knie, geduckt und vorn�bergebeugt, um mit dem Dolch erhoben vorw�rtszuspringen und zuzustechen. Bed�chtig holte Yarise tief aber lautlos Atem. Pl�tzlich setzte sie sich auf, schnellte den Arm vor und blickte dem Mann durchdringend in die Augen.</p><p>�T�te dich selbst!� schrie sie.</p><p>Einen Herzschlag lang stierte der Diener Yarise hassfunkelnd an. Dann schwang er den Dolch herab, stie� ihn mit aller Kraft ins eigene Herz und heulte schrill auf.</p><p>Nun erst erwachte Du-jum. Sofort schwang er die Beine aus dem Bett, beugte sich vor und starrte.</p><p>Yarise legte ihm die H�nde auf die Schultern und schmiegte sich an seinen R�cken.</p><p>�Es ist vollbracht, Du-jum! Es ist vollbracht!� Mit schier aus den H�hlen quellenden. Augen und heraush�ngender Zunge taumelte der junge Mann. Seine Knie gaben nach, und er st�rzte aufs Gesicht, wodurch der Dolch noch tiefer in seine Brust drang.</p><p>�Es ist vollbracht, Du-jum!�</p><p>�Yarise?�</p><p>�Ein Meuchler!� zischte sie. �Aber er hat sich selbst umgebracht!�</p><p>Mit angespannten, sich wie Taue unter der Haut abhebenden Muskeln starrte Du-jum auf den im Todeskampf Zuckenden am Boden. Da verstand er. Auch Yarise verf�gte �ber Zauberkr�fte! Er hob eine Hand zu Yarises Schulter. und l�chelte zufrieden.</p><p>�Narren!� murmelte Yarise. �Nie werden sie uns etwas anhaben k�nnen � nie!�</p></section><section><title><p>3</p></title><p>Von weit her waren sie gekommen, die sieben, � junge Zauberer, die noch viel lernen wollten. Sie hatten miteinander Verbindung aufgenommen und sich �ber weite Strecken hinweg mit Hilfe von Spiegeln, Tr�umen und Vasallend�monen verst�ndigt. Einstimmig hatten sie Thesrad als Ort f�r ihr Treffen gew�hlt, die alte Stadt, die auf den Grundmauern vormenschlicher Bauten und durch die Arbeit unz�hliger Generationen errichtet war. In einer einfachen Herberge der Stadt waren sie zusammengekommen. Jeder war auf seine Weise gekleidet, einige in R�stung, andere in buntgew�rfelter Gewandung wie fahrende Scholaren oder Spielleute, doch trug jeder einen schwarzen Umhang, und sie h�tten die gleiche Haltung und kannten das geheime Augenzeichen. Sie hatten beschlossen, in Thesrad zu lernen, was es da zu lernen gab, und dann weiterzuziehen. Doch dann hatte Du-jums Einfall sie �berrascht, und sie hatten sich gezwungen gesehen unterzutauchen, um den Schwertern seiner Soldaten zu entgehen. Der neue Morgen fand sie zusammengepfercht im schmutzigen Hinterraum eines alten verlassenen Hauses. W�hrend das fr�he Tageslicht von der Gasse durch das bretterverschlagene Fenster fiel, besprachen sie ihre Lage und �berlegten, was sie unternehmen k�nnten.</p><p>Aspre, der �lteste unter ihnen, ein Scholar von zweiunddrei�ig, den die anderen seiner Einsicht und seiner w�hrend weiter Reisen gesammelten Erfahrung hoch sch�tzten, sagte, den Blick nachdenklich auf die wachsenden Sonnenkringel am staubigen Boden gerichtet: �Wir m�ssen Du-jum offen gegen�bertreten!�</p><p>Drei der anderen widersprachen ihm, vor allem Elath. �Wir m�ssen weg von hier. Auf den Stra�en flie�t Blut, und das Morden hat erst begonnen. Bei Einbruch der Dunkelheit sollten wir im Schutze eines Zaubers die Stadt verlassen.</p><p>Hier ist nicht der richtige Ort f�r uns. Du-jums Magie sind wir unterlegen, und gegen seine viertausend Soldaten nutzen unsere Zauberkr�fte wenig.�</p><p>�Aber �berlegt doch!� mahnte Aspre sanft. �Denkt an die Geschichte vom Herzog und den zwei Dieben. Der Herzog wusste, dass sich beide ins Haus geschlichen und versteckt hatten. Der eine wagte sich hervor und flehte den Herzog um Vergebung an, woraufhin dieser ihm ein gutes Mahl vorsetzte und sogar noch Gold schenkte. Den anderen jedoch lie� er k�pfen, nachdem er ihn aus seinem Versteck gezerrt hatte. Es war weder der Einbruch noch die Absicht, die der Herzog bestrafte, sondern die Einstellung des Diebes.�</p><p>�Ein h�bsches Gleichnis�, entgegnete �Elath, �aber bei einem so m�chtigen Hexer wie Du-jum liegen die Dinge sicher ganz anders.�</p><p>�Nein�, widersprach Menth, der j�ngste der sieben, ein blonder Corinthier. �Ich pflichte Aspre bei. Wir sind von der Bruderschaft des Grenzwissens, deshalb wird Du-jum uns achten.�</p><p>�Im Gegenteil, er wird uns als Gefahr ansehen!� sagte Elath �berzeugt.</p><p>�Wir werden ihm nur dann als Gefahr erscheinen, wenn wir ihm Grund zu dieser Annahme geben�, meinte Aspre. �Machen wir ihm offen unsere Aufwartung, wird er an unsere Ehrlichkeit glauben. Wir sind alle Br�der, Elath, ob wir nun den Schlangenstern verehren wie du, oder den Monddrachen wie ich, oder Urmu wie Du-jum. Wir sind derselben Gesinnung. Du-jum wird das verstehen, und er wird uns verstehen. Doch wir m�ssen zu ihm gehen als zu einem Meister seines Fachs, also nicht stolz und eingebildet, sondern bereit, seine �berlegenheit anzuerkennen und von ihm zu lernen, so wie wir es m�chten, dass dereinst Scholaren zu uns kommen, um von uns zu lernen.�</p><p>Das lie�en sich alle ernsthaft durch den Kopf gehen.</p><p>�Wir m�ssen abstimmen�, schlug Aspre vor. �Die Zeit bleibt nicht stehen. Wer meiner Meinung ist, m�ge mit der Hand auf den Boden klopfen.�</p><p>Sechs Staubw�lkchen stiegen auf.</p><p>Aspre blickte Elath fragend an. �Und du?�</p><p>Elath schwieg.</p><p>�Wenn du nicht einer Meinung mit uns bist, Bruder, m�ssen wir dich ersuchen, allein deinen Weg zu gehen. Wir brauchen Einheit in unserer kleinen Verbindung.�</p><p>Menth blickte ihn an. �Elath?�</p><p>Elath verzog das Gesicht, sein d�nner Schnurrbart zitterte, aber schlie�lich klopfte auch er mit der Hand auf den staubigen Boden.</p><p>�So sind wir denn einer Meinung.� Aspre erhob sich und b�rstete den Staub aus der Kleidung. �Fr�hst�cken wir. Bestimmt finden wir etwas f�r unsere leeren M�gen, ehe wir uns zum Palast begeben.�</p><p>Getrennt durchsuchten sie das alte Haus nach leeren Weinkannen, die sich durch Zauber f�llen lassen w�rden, � nach alten Brotkrumen, im Mond gereift, damit sie durch Magie angespornt zu einem frischen, warmen Laib w�chsen.</p><p>Nur Elath blieb kurz zur�ck, um allein mit Aspre zu sprechen.</p><p>�Was gibt es, Elath?�</p><p>Der Akoluth sprach in grimmigem Ton: �Nicht weil ich an der Weisheit deiner Worte zweifle, Bruder, bin ich gegen deinen Plan, sondern weil ich Du-jum nicht traue.�</p><p>�In welcher Hinsicht? Er ist ein Meister!�</p><p>�Ja, ein Meister ist er, doch halte ich ihn f�r wahnsinnig.�</p><p>�Welchen Grund hast du f�r diese Annahme?�</p><p>�Nur eine Ausstrahlung. Ich sp�re es.�</p><p>�Ich habe nichts wahrgenommen.�</p><p>Elath zuckte mit der Schulter. �Wir benutzen vielleicht dasselbe Werkzeug, Aspre, du und ich, aber wir sind nicht gleich. Die anderen sp�ren es ebenfalls nicht. Ich hege jedoch keinen Zweifel.�</p><p>Aspre nickte. �Ich verstehe. Das Zweite Gesicht. Es ist eine Gabe. Was ist es, das du sp�rst? Unheil?�</p><p>�Vielleicht. Haupts�chlich jedoch, dass wir Du-jum nicht trauen k�nnen.�</p><p>�Nun, ist es nicht so, dass man im Grund genommen nichts und niemandem trauen kann?�</p><p>�Aber Du-jum ist gr��enwahnsinnig geworden. Wir kamen hierher, um Wissen und Weisheit zu finden, und folgten unserem Pfad. Auch Du-jum kam hierher � und sieh doch selbst, wie er Blut vergie�t. Ich sp�re, dass er nur an Macht interessiert ist!�</p><p>Aspre antwortete nicht.</p><p>�Gewiss, er ist ein Meister, doch Blut und Furcht folgen ihm�, gab Elath dr�ngend zu bedenken.</p><p>�Das mag seine Bestimmung sein. Vielleicht ist es erforderlich f�r das Gleichgewicht seiner anderen Seele, all das getan zu haben.�</p><p>Bedr�ckt sch�ttelte Elath den Kopf. �Ausfl�chte, Aspre. Ich wei�, dass du dich in Du-jums Schutz begeben m�chtest, da wir uns ohne ihn vielleicht in gro�er Gefahr befinden. Ein Meister mit Du-jums Kr�ften kann uns leicht aufsp�ren und vernichten. Ich m�chte nicht durch Zauberei sterben. Doch genauso wenig m�chte ich einen Wahnsinnigen unterst�tzen, der vom Pfad abgewichen ist. Ich habe noch viel zu lernen.� � �Wie wir alle � vielleicht ist Du-jum bereit, uns zu lehren.�</p><p>�Ja, aber was?�</p><p>Aspre beschrieb ein Zeichen. �Genug! Du hast meinen Gedankengang richtig erkannt. Doch ist es f�r uns J�ngere nicht das beste, den Meistern zu vertrauen? Schlie�lich verbinden wir nur unsere F�higkeiten mit Du-jum, nicht unsere Seelen.�</p><p>�Vielleicht will Du-jum es aber gerade andersherum.�</p><p>�Nun, wenn es dazu kommt, sind wir schlie�lich sieben gegen ihn. Aber ich bin sicher, dass er uns als seine Sch�ler willkommen hei�en wird. So ist es bei jenen, die das �bersinnliche suchen.�</p><p>�Willkommen hei�en wird er uns vermutlich schon, aber vielleicht wie der verhungernde L�we die verirrten Waisen.�</p><p>�Elath!�</p><p>�Da ist noch etwas, Aspre, das du nicht in Betracht gezogen hast.�</p><p>�Und das w�re?�</p><p>�Yarise. Du-jums Geliebte � F�rst Omerons Gattin. Sie h�lt sich f�r eine Zauberin.�</p><p>�Gewiss ist sie von keiner Bedeutung!�</p><p>�Sie studiert unabh�ngig. Wer kennt schon ihre Kr�fte? Und f�r Du-jum mag sie sehr viel bedeuten. Ihm mag sie die Schwingen sein, uns das Bleigewicht.�</p><p>�Dann m�ssen wir tun, was man uns lehrte�, sagte Aspre. �Unseren Pfad vor uns mit der Rechten, hinter uns mit der Linken sch�tzen und mit allen Sinnen auf die Feuerf�lle zu beiden Seiten achten. Und nun wollen wir etwas zu essen suchen, Bruder. <emphasis>Effessa</emphasis>!�</p><p>�<emphasis>Effessa,</emphasis> Bruder. Aber trotzdem � wem k�nnen wir vertrauen, wenn wir gelernt haben, niemandem in dieser Welt zu trauen, und Du-jum alles in dieser Welt f�r sich haben will?�</p><p>Aspre brauchte Zeit zum �berlegen. �<emphasis>Effessa,</emphasis> Bruder, <emphasis>effessa!</emphasis> Suchen wir erst einmal etwas zu unserer leiblichen St�rkung, dann k�nnen wir uns in aller Ruhe unterhalten.�</p><empty-line/><p>Die Peitschenstr�nge von Du-jums Soldaten waren mit Metalldornen versehen.</p><p>�Schneller, ihr Hunde! In den Palast! Fleht Du-jum an, ehe er euch das Leben nimmt!�</p><p>Die scharfen Schwertspitzen bohrten sich in Seiten und R�cken der Gefangenen.</p><p>�So macht schon, verdammt! Oder ich sto�e euch die Klinge in den Bauch!�</p><p>Ketten hielten die zwanzig Gefangenen dicht zusammen, schnitten in die Handgelenke und hingen ihnen schwer vom Hals.</p><p>�Hinein mit euch, marsch! He du, steh auf! Zieht ihn hoch! Na macht schon!�</p><p>Obgleich sie bluteten, wimmerten sie nicht. Obgleich ihre Wunden, die sie sich im Kampf gegen die Soldaten auf den Stra�en zugezogen hatten, brannten und pochten, zeigten sie ihre Schmerzen nicht. Obgleich sie Angst vor dem Tod; hatten, der sie zweifellos erwartete, flehten sie nicht um Erbarmen, sondern duldeten mit ausdrucksloser Miene das Bohren der Speerspitzen und die Schl�ge mit den flachen Schwertklingen, w�hrend sie immer tiefer in die Korridore von Du-jums Palast gedr�ngt wurden.</p><p>Sie waren M�nner. Sie hatten wie M�nner gek�mpft und w�rden wie M�nner sterben, selbst durch die Hand eines Zauberers. Ihre Familien waren gefangen genommen oder get�tet worden, ihr F�rst war verschwunden, vielleicht tot, und ihre letzte Kraft hatten sie f�r ihre Hoffnung auf Rache aufgebracht. Obgleich sie das Schlimmste bef�rchteten, war ihr Stolz ungebrochen.</p><p>Es war Vormittag. Die riesigen T�rfl�gel des Thronsaals hatten die W�chter weit aufgerissen, und nun wurden die Geketteten auf den blutigen Teppich gesto�en und gezerrt. Verkrustendes Blut besudelte alles. Einige Tote waren noch nicht wegger�umt, sondern lediglich in die Ecken des gro�en Marmorsaals geschafft worden, so dass sie die Erinnerung an Gold und Topas, Samt und duftendes R�ucherwerk mit einem �blen Geruch �berdeckten � �</p><p>Majest�tisch sa� Du-jum auf Omerons Thron, der auf einem Basaltpodest stand. Der Schwarze war in d�steres Grau und leuchtendes Rot gekleidet, und die �rmel und der Saum seines Gewandes waren mit Goldborte verziert. Die schwere Krone Thesrads schm�ckte seinen Kopf, doch wirkte sie anders als bei Omeron. Du-jum hatte ihre Form ver�ndert, sie gedehnt, verdreht und so schief aufgesetzt, dass sie ein Spottbild ihrer fr�heren Pracht war.</p><p>Stolz sa� Yarise neben ihm. Doch w�hrend Du-jum auff�llig und prunkvoll gewandet war, pr�sentierte sie sich herausfordernd in mangelnder Bekleidung. Sie stellte sich zur Schau, wie. sie es an Omerons Seite nie gewagt hatte. Auf ihren langen schwarzen Locken thronte eine Silberkrone, und ein Silberanh�nger nistete zwischen den nackten Vollreifen Br�sten, deren Warzen mit grellrotem Farbstoff bepinselt waren. Von dem gr�nen, mit Brillanten besteckten Jadeg�rtel hing ein kurzes R�ckchen aus hauchd�nnem gelben Seidengespinst. Die B�nder ihrer Sandalen aus Leder und Gold reichten bis fast zu den Knien.</p><p>Sie sog den Saft aus fleischigen reifen Pflaumen, und ihre dunklen Augen blickten lachend auf die Gefangenen, die man ihr vorf�hrte.</p><p>Die Widerstandsk�mpfer wussten nicht, was sie erwartete, nur dass sie f�r die Verteidigung ihrer Heimat mit dem Tod bezahlen mussten, und ihr einziger Wunsch war ein schneller Tod.</p><p>Nun w�rden sie wie Schlachtvieh vor den Thron getrieben. Ein Teil der Ketten wurde ge�ffnet, so dass sie nunmehr in einer langen Reihe aneinandergekettet vor dem Thron standen. Mit hocherhobenen K�pfen und gespreizten Beinen warteten sie stumm. Von mehreren tropfte Blut auf den Boden.</p><p>Du-jum beugte sich vor. Der gro�e Vogeltalisman an seiner Brust baumelte heftig. Dann stand er auf, musterte die Gefangenen eingehend mit kalten Augen und rief schlie�lich: �Sind das die Rebellen, die heute morgen festgenommen wurden?�</p><p>Ein Soldat antwortete: �Ja, Lord Du-jum.�</p><p>Du-jum blickte finster auf die M�nner hinab. �Sagt mir,. was Ihr von F�rst Omeron wisst, wenn ihr nicht sterben wollt!�</p><p>Nach diesen Worten klatschte er mehrmals in die H�nde, dann hob er sie und murmelte leiernd eine Reihe barbarischer Worte.</p><p>Pl�tzlich sp�rten die zwanzig Zusammengeketteten, wie der Boden unter ihren F��en schwand, bis sie mehrere Zoll, leicht nach vorn gelehnt, dar�ber schwebten. Unwillk�rlich keuchten einige erschrocken, genau wie mehrere von Du-jums Soldaten. Die Ketten der Gefangenen hingen in lockerem Bogen zwischen ihnen von Mitte zu Mitte. Nun stieg Du-jum vom Podest und stand ihnen in Augenh�he gegen�ber.</p><p>Lange betrachtete er die M�nner, die mitten im Thronsaal reglos in der Luft schwebten und ihr Los erwarteten. Yarise auf ihrem Thron lutschte weiter an ihren Pflaumen, und dieses saugende Ger�usch h�rte sich weniger l�cherlich, als vielmehr unendlich herzlos an.</p><p>Schlie�lich stellte Du-jum sich vor den Mann an einem Reihenende, blickte ihm fest in die Augen und fragte sanft: �Sagst du mir, wo Lord Omeron ist, oder willst du lieber dich und deine Freunde in alle Ewigkeit verdammt sehen?�</p><p>Bed�chtig, um seine Furcht nicht zu verraten, antwortete der Mann: �Ich wei� nicht, wo mein Lord ist.�</p><p>�Ich werde dich kein zweites Mal fragen.�</p><p>�Ich wei� es nicht ��</p><p>Schnell hob Du-jum die Hand zu des Mannes Gesicht und ber�hrte dessen Augen mit Zeige- und Mittelfinger. Dort hielt er sie kurz an. Yarise fragte sich, ob der Zauberer vielleicht die Gedanken des Mannes las. Pl�tzlich bohrte Du-jum die Finger in die Augen. Unwillk�rlich schrie der Mann gellend auf und wand sich in der Luft.</p><p>Yarise hatte aufgeh�rt, an ihren Pflaumen zu saugen.</p><p>Du-jum machte einen Schritt zur�ck und stellte sich vor den zweiten Mann, der die Augen entsetzt aufriss und dem der Schwei� aus dem pl�tzlich aschgrauen Gesicht ausbrach.</p><p>Aber Du-jum war zu schlau, die M�nner der Reihe nach zu foltern und ihnen dadurch Zeit zu geben, sich zu wappnen. Er wandte sich von dem zweiten ab und gab ihm so eine Galgenfrist. Langsam schritt er an den schwebenden Geketteten entlang und wandte sich abrupt dem vierzehnten zu.</p><p>Als auch dieser Mann behauptete, nichts zu wissen, t�tete er ihn auf qualvolle Weise.</p><p>Nun schritt er die Reihe entlang zur�ck und stellte sich vor den siebten, der vor Entsetzen die Luft anhielt, doch dann ging er zum neunzehnten und stellte ihm dieselbe Frage.</p><p>Einen nach dem anderen t�tete er auf grausame Weise.</p><p>Als alles zu Ende war, hatte nicht einer gesprochen. Einige hatten sich lautlos in ihrem Schmerz gewunden, andere hatten hinausgebr�llt, ein paar hatten sogar um Erbarmen gefleht oder zu diesem und jenem Gott gebetet, doch nicht einer hatte Du-jum verraten, was er wissen wollte.</p><p>Mit einem fast raubtierhaften Knurren eilte Du-jum aus dem Saal und lie� Yarise allein auf dem Thron zur�ck, mit seinen Saalw�chtern und zwanzig neuen Leichen.</p><p>Sie schwebten weiter einige Zoll �ber dem Boden, bis Du-jum die T�rfl�gel hinter sich zuschlug. Erst da st�rzten sie kettenklirrend zu Boden.</p><empty-line/><p>Gegen Mittag bew�lkte sich der Himmel. Omeron und seine M�nner, die essend und trinkend um das Feuer sa�en, entschieden sich f�r einen Plan gegen Du-jum.</p><p>Die Spionv�gel hatten sich noch nicht v�llig zur�ckgezogen, sondern verharrten in einer langen Reihe fern am Himmel zwischen den Bergen und der Stadt.</p><p>Wenn die seltsame Frau, Ilura, recht mit der Behauptung hatte, dass Du-jum sie geschickt hatte, um herauszufinden, wo Omeron sich aufhielt, war es ihnen zweifellos gegl�ckt und sie hatten es ihm inzwischen schon mitgeteilt. Um so wichtiger war es, dass sie schnell handelten.</p><p>�Wir sind uns also einig�, sagte Omeron ruhig, und sein Blick wanderte �ber seine Offiziere.</p><p>�Jawohl!� antwortete Sadhur als erster. Er war bereit, sein Schwert zur Vergeltung zu schwingen.</p><p>Die anderen f�hlten wie er.</p><p>Omeron erhob sich, schob die Daumen in seinen G�rtel und bat seine Offiziere: �Sammelt Steine � genug f�r die M�nner in allen euren Kompanien, damit wir das Los sprechen lassen k�nnen. Ich nehme zehn Mann von jeder Kompanie, nicht mehr. Und wenn einer, den das Los trifft, lieber nicht mitkommen m�chte, dann zwingt ihn nicht.�</p><p>Sadhur runzelte finster die Stirn. �Was sagt Ihr da? Dass es Feiglinge unter uns gibt, mein Lord?�</p><p>�Feiglinge? Nein � nein � Dieses Wort gef�llt mir nicht.</p><p>Sie alle wurden f�r den Kampf ausgebildet, und ich glaube nicht, dass auch nur ein einziger zur�ckschrecken w�rde. Aber wir haben Schreckliches mitgemacht, Sadhur, das d�rfen wir nicht vergessen. Trotz allem, was Ilura f�r sie getan hat, sind einige der M�nner vielleicht noch zu schwach. Wir brauchen die besten M�nner in bestem k�rperlichen und geistigen Zustand. Einige sind vielleicht ihres Glaubens wegen nicht geeignet, gegen einen Zauberer und seine Armee zu k�mpfen, da sie dadurch ihre Seele in Gefahr bringen k�nnten. Und es ist so, dass einige von uns, wenn nicht sogar alle, die wir nach Thesrad ziehen, durch Zauberei sterben werden. Du und ich, wir werden gehen, und die meisten unserer M�nner werden uns bereitwillig begleiten wollen � aber wenn einige zaudern, weshalb auch immer, so zwingt sie nicht. Ich will, dass die Gr�nde eines jeden geachtet werden. Wir sind alle kampferfahren, haben alle tapfer gefochten, und ein jeder hat ein Recht auf seine eigene Einstellung.�</p><p>Sadhur brummte best�tigend, und die anderen nickten.</p><p>�Also�, fuhr Omeron fort, �nachdem wir heute Abend aufgebrochen sind, wirst du, Ergas, zwei Tage und zwei N�chte auf unsere R�ckkehr warten. Sind wir dann noch nicht zur�ck � oder wenn du schon zuvor erf�hrst oder sp�rst, dass sich etwas Schlimmes in der Stadt tut �, schickst du einen berittenen Kurier zu F�rst Sentharion in Ribeth und ersuchst ihn um Verst�rkung. Klar? Und ich �berlasse es deiner Entscheidung, uns dann nach Thesrad zu folgen oder zu warten, bis F�rst Sentharion ankommt.�</p><p>�Wir werden folgen!� rief Ergas und verkrampfte die Finger um den Schwertknauf.</p><p>�Entscheide dich nicht jetzt, sondern warte, bis die zwei Tage um sind.�</p><p>Widerwillig sprach Ergas: �Wie mein Lord befehlen.�</p><p>Die Offiziere machten sich daran, Steinchen im Lager und am nahen Waldrand zu sammeln. Die Soldaten, die nach Kompanien getrennt um die Feuer sa�en, schauten ihnen verwundert zu. .</p><p>Als sie erfuhren, worum es ging, scheute nicht einer davor zur�ck, Lord Omeron nach Thesrad zu begleiten, um gegen den Zauberer zu k�mpfen, der die Stadt zur H�lle gemacht hatte.</p><p>Omeron ging durchs Lager auf die Rote Sonja zu, die v�llig wiederhergestellt auf einem Stein neben einem kleinen Feuer sa�. Sie hatte ihr blankes Schwert �ber den Knien liegen und sch�rfte es.</p><p>Sie blickte nicht auf, als Omerons Stiefel in ihr Blickfeld kamen, doch als er stehen blieb und zu ihr hinabschaute, sagte sie ruhig: �Ich komme mit.�</p><p>�Ihr kommt mit?�</p><p>�Hinunter in Eure Stadt, wenn Ihr gegen diesen Hexer k�mpft, der sie eingenommen hat.�</p><p>�Aber ich habe Euch ja noch gar nicht ��</p><p>Jetzt erst blickte sie zu ihm hoch. Ihr zerzaustes rotes Haar fiel zur�ck und rahmte ihr bleiches Gesicht ein. Ihre erstaunlich klaren Augen blickten fest in seine. �Ich wei�, was Ihr mitgemacht habt. Ich habe mich mit einigen Eurer M�nner unterhalten.�</p><p>�Und?�</p><p>�Ihr habt mir das Leben gerettet. Daf�r schulde ich Euch etwas. Und ich lasse Schulden nie unbezahlt. Au�erdem bin ich grunds�tzlich gegen Zauberei. Sie hat bereits fr�her meinen Weg gekreuzt. Einmal sah ich, wie sie eine ganze Stadt wie die Eure vernichtete und ihren Herrscher ��</p><p>Abrupt hielt sie inne. Sie hatte bereits zuviel gesagt. Die Erinnerungen an die Stadt Suthad und Lord Olin, den sie aus ganzem Herzen h�tte lieben k�nnen, �berw�ltigten sie fl�chtig. Schlimme Erinnerungen waren es, schmerzende �<a l:href="#a2" type="note">[*]</a></p><p>Omeron blickte sie scharf an.</p><p>�Verdammt die Zauberei nicht voreilig, Sonja.�</p><p>�Was meint Ihr damit?� Sie schob ihr Schwert in die H�lle und stand auf. Nun fiel Omeron erst auf, wie gro� sie war. Ihre Augen waren fast in einer H�he mit seinen.</p><p>�Gewiss, es waren meine M�nner und ich, die Euch fanden und pflegten, so gut wir konnten. Doch nicht wir vertrieben Euer Fieber und machten Euch gesund, sondern eine Zauberin.�</p><p>Sonja hob die Brauen. Sie blickte ihn fragend an, doch dann wanderte ihr Blick wie von selbst zu der fremden Frau, die am Rand des Lagers sa�. �Jene?�</p><p>�Ilura, ja.�</p><p>�Sie ist eine Zauberin? Und sie heilte mich?�</p><p>�Ja. Und nicht nur Euch, sondern auch viele meiner M�nner � alle, die krank und verwundet waren ��</p><p>Sonja holte tief Atem. �Trotzdem stehe ich in Eurer Schuld und werde sie begleichen. Ich k�mpfe mit Euch um Eure Stadt. Ihr brecht heute Abend auf?�</p><p>�Ja, bei Mondaufgang.�</p><p>�Dann komme ich mit. Und � es sieht so aus, als schulde ich auch Ilura meinen Dank.�</p><p>�So ist es�, best�tigte Omeron erfreut. Diese Frau war selbstbeherrscht�willensfest und stolz wie seine besten Soldaten.</p><p>Sonja wandte sich von ihm ab und durchquerte das Lager. Ilura, die sp�rte, dass sie zu ihr kam, erhob sich und blickte ihr entgegen. Ihr Gesicht war unbewegt, ihre Augen ruhten gleichm�tig auf der Hyrkanierin, doch ihre Haltung verriet Wachsamkeit. Sonja ihrerseits verriet, instinktives Misstrauen, indem sie unwillk�rlich die Hand zum Schwertknauf hob, und in den langen Schritten, die sie vorw�rtstrugen.</p><p>Nur ein paar Fu� vor Ilura blieb sie stehen, und wie sie es �blicherweise tat, blickte sie ihrem Gegen�ber fest in die Augen. Seltsam, nicht eine Spur von B�sem ging von dieser Zauberin aus. Etwas Kaltes, vage Unmenschliches zwar, doch nichts B�ses, nichts Bedrohliches.</p><p>�Ich erfuhr, dass ich Euch mein Leben verdanke�, sagte Sonja ruhig.</p><p>�Das stimmt nicht ganz.�</p><p>�Ihr m�gt eine Zauberin sein, aber Ihr habt mich vom Bergfieber gerettet, und so schulde ich Euch meine Dankbarkeit.�</p><p>�Eure Wiedergenesung war bereits vorangeschritten, Hyrkanierin, als ich zu Euch kam. Ich beschleunigte sie lediglich durch einen milden Zauber. Ihr habt Euch selbst geheilt, f�r Euch war ich nichts weiter als ein Katalysator. Und ich tat es nicht allein aus Sorge um Euch, sondern weil ich F�rst Omerons Vertrauen gewinnen wollte.�</p><p>Unwillk�rlich grinste Sonja. �Das ist ehrlich, aber es �ndert nichts an der Tatsache. Ihr habt mir geholfen, und ich schulde Euch meinen Dank. Ich werde daf�r etwas f�r Euch tun.�</p><p>�Macht Euch deshalb keine Gedanken.�</p><p>�Trotzdem ��</p><p>Sonja hielt inne, als sie Omerons nahende Schritte h�rte. Ilura blickte dem Mann entgegen. Sonja drehte sich zu ihm um und nickte.</p><p>�Einige ausgew�hlte M�nner und ich schleichen uns heute Nacht in die Stadt�, erkl�rte Omeron der Zauberin. �Wir wollen gegen Du-jum k�mpfen, soweit wir dazu imstande sind.�</p><p>�Das ist mir inzwischen klar�, antwortete Ilura.</p><p>�Habt noch einmal Dank, dass Ihr meinen Soldaten geholfen habt. Wenn ich etwas f�r Euch ��</p><p>�Nein. H�rt zu, F�rst, und misstraut mir nicht. Bitte �berlegt, ob es nicht verfr�ht ist, schon jetzt in die Stadt zur�ckzukehren.�</p><p>�Ich wei� Eure Besorgnis zu w�rdigen, Ilura, aber meine M�nner d�rsten nach Rache � und ich ebenfalls. Und wenn Ihr recht hattet, dass Du-jums V�gel uns entdeckten ��</p><p>�Bis morgen, sp�testens �bermorgen werde ich genug starken Zauber bewirkt haben, um mehr zu erfahren und mehr tun zu k�nnen, Lord Omeron.�</p><p>�Wir d�rfen nicht warten. Wir m�ssen so schnell wie m�glich handeln. Gewiss versteht Ihr, dass die Kraft der �berraschung auf unserer Seite ist, je fr�her wir zur�ckschlagen. Au�erdem sterben von Stunde zu Stunde mehr meiner Untertanen unter Du-jums Hand. Ich muss jedes Leben retten, das ich zu retten vermag.�</p><p>�Ich verstehe Euch sehr gut, F�rst Omeron, aber ich f�hle auch, dass Ihr ein wenig starrk�pfig seid. Ich werde Euch helfen, soweit es in meiner Macht liegt, doch ich brauche ein wenig Zeit. Wenn Ihr nur noch ein bisschen warten ��</p><p>�Ich kann nicht. Und Ihr habt mir bereits sehr geholfen.�</p><p>Sadhur rief aus dem Lager hinter Omeron: �Das Los hat entschieden, mein Lord.�</p><p>�Entschuldigt mich, bitte.� Omeron verneigte sich knapp, drehte sich um und ging zu Sadhur.</p><p>Ilura blickte ihm nach, dann wandte sie sich an Sonja. �Ich hoffe, er bringt sich und seine M�nner durch dieses �berst�rzte Vorgehen nicht in Gefahr.�</p><p>�Ich begleite sie�, sagte Sonja.</p><p>�Seid besonders vorsichtig, Hyrkanierin. Du-jum ist ein ungemein m�chtiger Hexer. Er verf�gt �ber viele Zauberkr�fte.�</p><p>�Wie ich h�rte, besitzt er auch eines Eurer Zaubermittel?� Sonja blickte Ilura fragend an.</p><p>�Nicht meines, sondern eines meines Tempels�, antwortete Ilura ruhig. �Ein Zepter � den heiligen Steinstab Ixcatls.�</p><p>�Ist das der einzige Grund, weshalb Ihr Omeron unterst�tzt?�</p><p>Die beiden Frauen blickten einander fest und forschend in die Augen.</p><p>Bed�chtig antwortete Ilura: �Jede Handlung hat viele Beweggr�nde, Hyrkanierin. Doch es gen�gt, wenn Ihr wisst, dass Du-jum dieses Zauberhilfsmittel aus unserem Tempel stahl und ich beabsichtige, es zur�ckzubringen.�</p><p>�Und Ihr zu diesem Zweck Zauberei benutzt.� Sonja hob eine Braue und sch�rzte die Lippen. �Tut nicht zu geheimnisvoll vor den M�nnern hier, Ilura. Ihre Nerven sind bereits zu straff gespannt, und wenn sie rei�en, ist nicht vorherzusehen, was sie tun werden.�</p><p>�Das ist mir voll bewusst.�</p><p>�Dann ist es ja gut � Und mein Name ist nicht Hyrkanierin, sondern Rote Sonja.�</p><p>Ilura nickte. �Habt Ihr ordentlich gegessen?�</p><p>�Ein bisschen Suppe, nicht mehr.�</p><p>�Dann esst von meinen Sachen, zur St�rkung.� Aus einem Lederbeutel neben sich holte Ilura eine frische Birne und bot sie Sonja an. �Lasst sie Euch schmecken.�</p><p>Es war eine freundschaftliche Geste. Nach kurzem Zaudern streckte Sonja die Hand danach aus. Ilura war ihr Z�gern nicht entgangen.</p><p>�Es ist wirklich nur eine Birne, Sonja. Es steckt keinerlei Zauber in ihr.�</p><p>Sonja nickte und biss in die Birne. Sie war reif und vollfruchtig und schmeckte gut.</p><p>�Noch einmal danke ich Euch, Ilura.�</p><p>Die Zauberin nickte. Sonja kehrte in die Lagermitte zur�ck, und Iluras kalter Blick folgte ihr.</p><empty-line/><p>Die V�gel flogen nach Thesrad zur�ck und landeten in gro�en Scharen �berall in der Stadt. Es waren Geier, Falken, Raben, Kr�hen und kr�ftigschn�belige Aasst�rche � tausende waren es, die da kr�chzten und kreischend schrien. Du-jum trat ans Fenster eines Turmgemachs im Palast und lauschte aufmerksam � lauschte und erfuhr so allerlei.</p><p>Yarise sa� auf einem weichen Diwan im selben Gemach. An einem Kelch Wein nippend, betrachtete sie Du-jums Umrisse, die sich vom Fenster abhoben. Reglos und stumm wie eine Statue stand er und schien nicht einmal zu atmen. Die Nachmittagssonne, die durch das offene Fenster schien, fiel auf sein Gesicht, die Brust und die �H�nde.</p><p>Ein h�rbar z�gerndes Klopfen erklang an der T�r des Vorgemachs. �Herein, Endi!� rief Yarise.</p><p>Du-jum regte sich auch nicht, als die junge Sklavin eintrat. Leise trippelte sie mit h�ngenden Schultern. Sie brachte nicht den Mut auf, zu ihrer Herrin oder deren zauberm�chtigen Geliebten hochzublicken.</p><p>�Noch eine Kanne Wein, Endi, wenn du hier aufger�umt hast.�</p><p>�Ja, Herrin.� Eilig, aber behutsam, um nur ja nichts fallenzulassen und sich so in Schwierigkeiten zu bringen, stellte Endi das Geschirr des Nachmittagsmahls auf ein Tablett und verlie� damit den Raum durch die T�r des Vorgemachs.</p><p>Du-jum erwachte aus seiner Trance. �So ��, hauchte er.</p><p>Als Endi hinausging, schloss sie die Au�ent�r nicht v�llig. Leise stellte sie das Tablett auf ein Tischchen, dann sp�hte sie vorsichtig durch den Spalt.</p><p>Yarise beugte sich vor. �Du wei�t, wo sie sind?�</p><p>�Dort!� Der Hexer deutete aus dem Fenster. �In den Bergen. Omeron lebt noch.�</p><p>�Die Verdammnis auf ihn! Wie hat er �berlebt? Wie ist er entkommen?�</p><p>�Das ist unwichtig. Er muss vernichtet werden � <emphasis>das</emphasis> ist wichtig!� Immer noch wie halb in Trance trat Du-jum vom Fenster weg, griff sich an den Hals und l�ste den gro�en geschnitzten Vogel, der an seiner Brust hing.</p><p>Yarise beobachtete ihn.</p><p>Verst�rt, schwitzend und schluckend, beobachtete auch Endi ihn.</p><p>Du-jum lie� die Halskette achtlos auf den Boden fallen. Den gro�en dunklen Vogel streckte er auf einer Hand aus und fl�sterte zischelnd: �<emphasis>Aetra�aei!</emphasis>�</p><p>Mit einem grauenvollen Kreischen, das die feinen Kristallkelche fast zerspringen lie�, erwachte der Vogel zum Leben. Ein pl�tzlicher Wind kam in dem Gemach auf, ein abscheulicher Gestank erhob sich, und die flatternden Schwingen des Vogels warfen bewegte Schatten �ber das Gemach. Der Vogel kreischte, kreiste mehrmals durch das Gemach und schwang donnernd die Fl�gel.</p><p>Yarise erschrak so sehr, dass sie vom Diwan rutschte und mit dem Ges�� schwer auf dem harten Boden landete. Sie zog an weichen Kissen, als wollte sie sich damit vor den riesigen Krallen sch�tzen.</p><p>�Mein Liebster � haltet ihn mir fern!�</p><p>Furchterf�llt stolperte Endi r�ckw�rts, stie� gegen das Tablett und st�rzte mit dem klirrenden Geschirr auf den Boden.</p><p>Du-jum lachte laut, als sein gro�er Vogel ein letztes Mal kreiste, die Schwingen anzog und durch das offene Fenster schoss. Er flog �ber die Stadt, kreischte laut, zog eine Runde um den n�chsten Turm und flog schlie�lich schreiend in die Richtung der Berge.</p><p>Mit jedem Fl�gelschlag schien der gro�e Vogel zu wachsen, anzuschwellen, bis er einen riesigen Schatten, wie von einem gewaltigen Drachen, �ber die �cker warf und sein Schrei wie der eines gigantischen Vogels der Sage vom Himmel schallte.</p></section><section><title><p>4</p></title><p>D�mmerurig. Die durch das Los erw�hlten Soldaten, die Lord Omeron nach Thesrad begleiten sollten, bereiteten sich vor. Sie versorgten ihre Pferde, schnallten ihre R�stung fester, �berpr�ften ihre Waffen und�wiesen ihre zur�ckbleibenden Freunde an, was sie f�r sie tun sollten, falls sie nicht zur�ckkehrten.</p><p>Sonja stand ein wenig abseits. Sie sagte zu niemandem Lebewohl und bat niemandem, eine Botschaft f�r sie zu �bermitteln. Sie hatte sich schon vielmals, �fter als die meisten Krieger in ihrem ganzen Leben, Zauberei gegen�bergesehen und lebte immer noch. Sie hatte nicht vor, sich damit zu besch�ftigen, was geschehen w�rde, falls die Zauberei diesmal st�rker sein sollte als sie. Statt dessen probte sie mit einem von Omerons M�nnern ein paar schwierige Fechtpositionen. Mit der Klinge in der Hand standen beide vor einer kleinen Birke, die sie f�r ihre �bung brauchten.</p><p>�Einige Kushiten�, sagte Sonja gerade, �k�mpfen erst seit kurzem mit dem Schwert. Da sie keine wirkliche Erfahrung und richtige Ausbildung damit haben, erfanden sie ihre eigene Art und Weise, die Klinge zu f�hren. Viele ihrer Hiebe und Stiche sind recht wirkungsvoll und k�nnen Schwertk�mpfer aus anderen L�ndern sehr wohl verbl�ffen. Ich zeige dir. einige, pass auf! Ich stelle mir vor, der Kushit kommt geradewegs auf mich zu, aber ich ahne, dass er einen Schritt zur Seite springen wird. Ich muss parieren. Statt wie �blich vorzusto�en, mache ich das ��</p><p>Geschickt stach sie vor, als w�re die Birke ihr Gegner.</p><p>Omerons Mann war nicht nur �ber die Geschicklichkeit der Frau verbl�fft, sondern �ber den Hieb als solchen. �Einen solchen Zug habe ich noch nie gesehen!� gestand er.</p><p>�Er gibt einem einen Herzschlag lang Zeit, seinen Zug zu �berlegen�, fuhr Sonja fort. �Er ist sicherer als die �bliche Methode, wo man doch ungedeckter bei der Durchf�hrung ist. Versuch es mal!�</p><p>Der Soldat tat es. �So?�</p><p>�Wenn du den Ellbogen ein bisschen h�her bringst, ist es ausgewogener.�</p><p>Er versuchte es ein paar Mal, und Borkensp�ne fielen von der Birke.</p><p>�Jetzt ist es richtig�, versicherte Sonja ihm l�chelnd.</p><p>Omeron stand bei Sadhur und einigen seiner anderen Offiziere und erteilte ihnen letzte Anweisungen. Ilura war im Lager nicht zu sehen, und das gefiel Sadhur nicht.</p><p>�Ich m�chte wissen, was die Hexe im Schilde f�hrt�, brummte er. �Ich trau ihr nicht!�</p><p>�Uns bleibt keine Wahl�, erinnerte ihn Omeron. �Und ich . traue ihr, Sadhur. Vielleicht ist sie nur in den Wald, um einen Hilfszauber f�r uns vorzubereiten. Hab keine Angst, ich sp�re, dass sie Du-jum nicht weniger hasst als wir, auch wenn sie keine Gef�hle zeigt.�</p><p>�Trotzdem! Sie ist eine Zauberin, und ich bin mir �ber sie nicht im klaren.�</p><p>�Aber ich bin �berzeugt, dass Ilura keine Gefahr f�r uns ist � doch ich f�rchte andererseits, von nun an kann sie uns auch nicht mehr viel helfen. Wie dem auch sei, wir haben keine Wahl mehr. Kommt, ich will aufbrechen, sobald die Schatten dicht genug sind.�</p><p>Der Himmel verdunkelte sich nun schnell. Die Wolken, die den ganzen Tag tief gehangen hatten, verbargen jetzt den Blick auf den Sonnenuntergang. Ein paar M�nner schauten fl�chtig zu dem schimmernden Lichtband zwischen den Wolken und dem Horizont im Westen, dann sp�hten sie hinab nach Thesrad. Da fiel ihnen eine dunkle Wolke auf, die sich schnell bewegte und sich von den andern abhob. Seltsam, dachten sie, und wandten sich ab. Doch dann blickten sie wieder zur�ck und winkten ihre Kameraden in der N�he herbei.</p><p>Die Wolke wuchs � es war keine. Es war zu kompakt, zu dunkel. Einige M�nner deuteten nach oben. Einer rief: �Lord Omeron!�</p><p>Omeron schaute auf. Sein Blick folgte dem deutenden Finger himmelw�rts. Nun sah auch Sonja erstaunt hoch. Als sie den riesigen dunklen Flecken sah, der sich von der Wolkendecke abhob, durchzog sie Eisesk�lte.</p><p>Der Soldat, dem sie Unterricht erteilt hatte, schob sein Schwert in die H�lle und stemmte die F�uste an die H�ften. �Eine seltsame Wolke�, brummte er.</p><p>�Es ist keine Wolke�, versicherte ihm Sonja. �Bei Erlik! Es ist Zauberei! Schnell, die Klinge heraus! Es kommt!�</p><p>Ein schrilles Kreischen erschallte, das die M�nner mitten in der Bewegung erstarren lie�. Omerons Gesicht wurde aschgrau.</p><p>�Mitra!�</p><p>�Das ist Du-jums Hexerei, mein Lord!� schrie ein Soldat.</p><p>Wieder gellte das Kreischen, h�llisch hallte es von den Bergen wider, und dann kam der schwarze Flecken herbei, genau wie Sonja gewarnt hatte. Und nun breitete er die Schwingen aus, und sein riesiger schwarzer Schatten hastete schneller und schneller den Hang empor und senkte sich �ber das Lager.</p><p>M�nner schrien, duckten sich, rannten, stolperten, fielen. Mit dem Tosen eines Wirbelsturms kam er �ber sie und blies die Soldaten durch die Luftverdr�ngung und den Fl�gelschlag von den F��en. Er flog �ber Omeron und die M�nner um ihn, die dem Hang am n�chsten waren, dann schwang er sich hoch in die Luft, und kurz bedeckte sein Schatten das ganze Lager. Und wieder kreischte er ohrenbet�ubend.</p><p>�Omeron! Lord Omeron!� Das Fl�gelbrausen �bert�nte Sadhurs Stimme.</p><p>Sonja lie� sich auf die Knie fallen, hielt ihre Klinge hoch und lie� den Blick keine Sekunde von dem Riesenvogel. Er flog noch h�her, flatterte und kreischte, dann kreiste er ein paar Mal und schoss pl�tzlich auf die Mitte des Lagers herab.</p><p>Die M�nner dort nahmen in alle Richtungen Rei�aus.</p><p>Als der Vogel zum Bremsen des Falls die Schwingen weit �ffnete, hob der Luftzug viele M�nner von den F��en und schmetterte sie gegen Felsbl�cke, B�ume und in die Feuer. Nur wenigen gelang es, sich aufrechtzuhalten. Einer zog sein Schwert, legte den Kopf zur�ck und starrte hoch, bereit zu k�mpfen.</p><p>Da sah er etwas, das so breit wie eine Schiffsseite zu sein schien, auf ihn herabbrausen, und Krallen von der Gr��e eines Pferdes streckten sich nach ihm aus. Schreiend schwang er sein nutzloses Schwert. Die Krallen ergriffen ihn und rissen ihn hoch. Er hatte keinen Atem mehr, als er von hoch oben fallengelassen wurde und gegen den Felshang schmetterte.</p><p>�In den Wald!� br�llte Omeron. �In den Wald!�</p><p>Seine M�nner �berschlugen sich schier, als sie auf die B�ume zurannten, zwischen denen der Vogel sie nicht erreichen konnte.</p><p>�Du-jum!� schrie Omeron und schwenkte wild sein Schwert gegen den Vogel, der unter den Wolken kreiste und sich bereitmachte, erneut herabzusto�en. �Du-jum!�</p><p>�Lord Omeron!� Sadhur stand auf, fasste Omeron am Umhang und zog ihn herunter auf den steinigen Boden. �Wir m�ssen in den Wald fliehen! Sch�tzt Euch!�</p><p>Sonja folgte den anderen nicht zu den B�umen, sondern rannte statt dessen quer durch das Lager und wappnete sich gleichzeitig gegen den Luftzug, den der Sturzflug mit sich bringen w�rde. Sie kauerte sich hinter einen Felshaufen und beobachtete das Ungeheuer. Es schoss �ber den Berghang herab, um sich auf die Soldaten zu st�rzen, die die Sicherheit der B�ume noch nicht erreicht hatten.</p><p>Hilflos beobachteten auch Omeron und Sadhur es, die sich ebenfalls hinter einem Felshaufen � allerdings auf der Sonja gegen�berliegenden Lagerseite � versteckt hatten.</p><p>Der Riesenvogel stie� herab. �ste und Gerten brachen und wurden in einem heftigen Wirbel in die Luft gezogen. Im Wirbelwind seiner eigenen Geschwindigkeit flatterte und kreischte der Vogel heftig, schlug die Krallen in den Boden, zerschmetterte B�ume mit seinen weiten Schwingen und st�rzte Felsbl�cke um.</p><p>Fluchend kroch Sonja unter einen Berg�berhang und konnte sich dadurch gerade noch vor herabpolterndem Ger�ll sch�tzen.</p><p>Wieder kreischte das Ungeheuer, wieder flatterte es heftig mit den Schwingen, ehe es sich erneut hoch in die L�fte schwang.</p><p>. �Was g�be ich f�r einen vergifteten Wurfspeer!� br�llte Sadhur �ber das Tosen des Windes hinweg. �Oder f�r brennende Pfeile! Oder ��</p><p>�Nichts vermag es aufzuhalten!� unterbrach Omeron ihn. �Welche Werkzeuge der H�lle setzt dieser Hexer gegen uns ein!�</p><p>In diesem Moment waren ein Krachen und Bersten im Wald zu h�ren und die Schreckensschreie von M�nnern. Omeron blickte hoch und riss die Augen vor Entsetzen auf. Soldaten st�rzten aus dem Wald heraus, doch als sie den Riesenvogel unmittelbar �ber dem Lager flattern sahen, wichen sie zur�ck, stolperten und warfen einander um. Der Vogel kreischte, schnellte den Kopf vor, packte einen Mann mit unerbittlichem Schnabel und verschlang ihn.</p><p>Das Krachen und Bersten im Wald wurde lauter, und auch die Schreie gellten durchdringender. Weitere verst�rte Gesichter tauchten im Unterholz auf.</p><p>Sonjas Nasenfl�gel zuckten, fester umklammerte sie den Schwertgriff, da sie neue Gefahr witterte, als der nur von �bernat�rlichen Sinnen wahrnehmbare Geruch von Zauberei aus dem Wald drang.</p><p>�Verdammte G�tter!� fluchte Sadhur. �Verdammte � Lord Omeron! Seht doch!�</p><p>Die M�nner suchten Schutz, so gut sie konnten. Auf dem Bauch krochen sie unter dem heftigen Windsto� dahin, w�hrend im Wald B�ume wie Halme knickten, als in der Dunkelheit gelbe Augen gl�hten und etwas heftig Zuckendes im Schuppenpanzer sichtbar wurde.</p><p>�Tarim!� entfuhr es Sonja, sie dr�ckte sich an die Felswand unter dem �berhang.</p><p>Es war eine unvorstellbar gro�e Schlange.</p><p>�Ihr G�tter!� wisperte Omeron. Er entsann sich der gelben Augen, des Krachens und Berstens im Wald, der Furcht, die seine M�nner des Nachts �berw�ltigt hatte. Er erinnerte sich an das, was der eine W�chter gesehen und was er selbst geglaubt hatte zu sehen.</p><p>Eine Riesenschlange kroch aus dem Wald � gewaltig, mit grauen Schuppen, den -Kopf erhoben, den Rachen weit ge�ffnet, dass die Zunge, so dick wie der Oberschenkel eines Mannes, zu sehen war.</p><p><emphasis>�Mitra!�</emphasis></p><p>Sie kroch ins Lager, w�hrend der letzte Mann sich in Sicherheit bringen konnte. Der Vogel bemerkte nun die Schlange. Er kreischte und hob sich fl�gelschlagend vom Boden. Die Schlange zog sich zusammen, schnellte sich zischend, vorw�rts. Ihre gelben Augen brannten wie Fackeln im Dunkeln. Aufgew�hlte Steine und Staub flogen durch die Luft, und gl�hende Kohlen aus den Lagerfeuern rollten �ber den Boden.</p><p>Immer schneller flatterte der gewaltige Vogel h�her.</p><p>Da rollte die Schlange sich zusammen und schnellte empor.</p><p>Der Vogel schrie. Omeron, Sadhur, Sonja und alle M�nner sahen wie gebannt zu, als die m�chtigen Kiefer der Schlange um den Hals des Vogels zuschnappten. Blut spritzte. Erb�rmlich schrie der Vogel. Verzweifelt peitschte er mit den gigantischen Schwingen und hob sich dabei immer h�her. Doch die Schlange gab ihn nicht frei. Sie wand sich und schlang sich um die Krallen und Beine des Vogels, w�hrend er sich m�hsam h�her k�mpfte.</p><p>Weit �ber dem Lager, hoch �ber den B�umen, ert�nte das Brausen schwerf�lliger Schwingen, und entsetzliches Kr�chzen und Kreischen war zu h�ren.</p><p>Die M�nner verrenkten sich fast die H�lse, um Vogel und Schlange �ber dem Wald zu sehen. Sie wagten sich nun auch wieder ins offene Lager. Omeron befahl, die M�nner abzuz�hlen, und danach sich der Verwundeten anzunehmen.</p><p>Sonja beobachtete die gespenstisch langsamen Bewegungen von Vogel und Schlange, bis der �berhang ihr die Sicht raubte. Dann, ohne auf Omerons Bitte zu achten, dass alle herbeikommen und mithelfen sollten, steckte sie ihr Schwert ein und machte sich daran, die Felswand zu erklimmen. Es war nicht schwierig; die einzige Gefahr bestand in ihrem Eifer, keinen Augenblick des ungew�hnlichen Kampfes zu vers�umen.</p><p>Der Himmel verdunkelte sich, doch der Mond stand in seiner vollen Pracht im Osten, und in seinem Schein war der Kampf der beiden Giganten deutlich zu sehen. H�her kletterte Sonja, und Steinchen wie kleinere Felsbrocken rollten unter ihren F��en in die Tiefe. Scharfe Kanten schnitten durch ihre Handschuhe, und spitze kleine Vorspr�nge stachen in ihre Schenkel und Knie.</p><p>Doch sie wandte den Blick keinen Lidschlag lang von den K�mpfenden, und als sie auf dem Bergkamm angelangte, wurde sie Zeugin des Kampfausgangs.</p><p>Weit im Osten, als schwarze Silhouette vor der Scheibe des Mondes, schlug der riesige Vogel die schweren Schwingen und sch�ttelte die Beine. Die Riesenschlange st�rzte in die Tiefe. Atemlos sah Sonja zu, wie sie in einem fernen Teil des Waldes eintauchte. Der Vogel stie� einen letzten kreischenden Schrei hervor, spannte die Fl�gel, warf den Kopf zur�ck, flatterte h�her und verschwand mit der oberen Luftstr�mung im Dunkel finsterer Wolken.</p><p>Sonja sp�hte in den Wald und pr�gte sich die Stelle ein, wo die st�rzende Schlange zwischen die B�ume gefallen war. Da sie wusste, welchen T�uschungen die Augen durch Entfernung und Dunkelheit unterliegen konnten, studierte sie auch alle auff�lligeren Merkmale ringsum. Dann machte sie sich auf den Weg den� Hang abw�rts dorthin. Der Wind blies durch ihr Haar und k�hlte ihre fast fieberhafte Erregung ein wenig.</p><p>Immer wieder Halt suchend, kletterte und rutschte Sonja hinunter. Und als der Mond sich dem Zenit n�herte und abwechselnd zwischen Wolken verschwand und wieder auftauchte, erreichte sie den Wald und eilte nordostw�rts auf das zu, was immer dort warten mochte: das, was vom Himmel gefallen war.</p><empty-line/><p>�F�nf Tote!� meldete Sadhur grimmig Lord Omeron. �Und bei Mitras Z�hnen, wir k�nnen verdammt froh sein, dass es nicht zwanzigmal so viele sind!�</p><p>�Ja, wir hatten Gl�ck. Aber ich wei� nicht �� Omeron schaute sich nachdenklich im Lager und ringsum um, wo die Landschaft unber�hrt zu sein schien, wo kein Zweig frisch gebrochen und der Boden nicht aufgew�hlt war, und das trotz der grauenvollen Verheerung, an die er sich so gut erinnerte. �Mir scheint, nicht alles war so, wie wir es zu sehen glaubten.�</p><p>Unsicher scharrte Sadhur mit den F��en. �Kommt und schaut Euch die Toten n�her an, mein Lord.�</p><p>Omeron folgte ihm zur Lagermitte, wohin die Soldaten die Toten gebracht hatten. Er kniete sich neben sie und untersuchte sie.</p><p>�Ein paar tiefe Kratzer, wie sie die Krallen eines Habichts verursachen m�gen, doch keineswegs t�dliche Wunden. Ich glaube, alle diese M�nner starben vor Schrecken!�</p><p>�Magische Trugbilder!� knurrte Sadhur.</p><p>�Ja.� Omeron nickte mit verzerrtem Gesicht. �Und keine Spur von Sonja oder Ilura?�</p><p>. �Keine, mein Lord. Doch die M�nner sind nun wilder darauf, gegen Du-jum zu k�mpfen, denn zuvor.�</p><p>�Vielleicht sollten wir bis morgen warten.�</p><p>�Lieber noch heute Nacht, mein Lord�, dr�ngte ein anderer Offizier. �Wir k�nnen die Verwundeten ja gegen Unverletzte austauschen. Ihre Wut ist nun richtig gesch�rt, Lord Omeron. Ein hei�eres Feuer wird es nie geben, als das jetzt in ihrer Brust.�</p><p>�Du hast nat�rlich recht�, best�tigte Omeron. �Die M�nner m�gen sich zum Aufbruch bereitmachen!�</p><empty-line/><p>Es war ein Gew�sser � ein riesiger, kreisrunder Teich � mitten in einem Tal zwischen bewaldeten H�ngen. Sonja stand an seinem Ufer, am Ende des Weges, den sie sich am Bergkamm eingepr�gt hatte. Eine m�chtige Eiche ein St�ck entfernt schien ihr jene zu sein, neben der die Schlange in den Wald gefallen war. Wenn sie es war, mochte die Schlange in den Teich gest�rzt sein. Und dann zum Grund gesunken?</p><p>Dies also war das Ende des Weges, das Ende des Geheimnisses, das ihr so zu schaffen gemacht hatte � nein, immer noch machte, obgleich die Scherben nun wie die einer zerschellten Urne verstreut lagen und einige fehlten.</p><p>Etwas �ber Schlange und Vogel � und Ilura � ging Sonja nicht aus dem Kopf. Die Schlange � die riesige Schlange mit den gelben Augen �</p><p>Noch dichter trat Sonja an das Wasser, starrte auf seine schwarze Oberfl�che, bem�hte sich, sie zu durchdringen und in die tintentr�be Tiefe zu sp�hen; versuchte, aus der Spiegelung des Mondes und der Sterne eine Botschaft zu lesen, doch da war keine, auch keine Riesenschlange.</p><p>Pl�tzlich h�rte sie ein Ger�usch, ein Atmen, ein unterdr�cktes St�hnen, �ein St�ck h�her am Ufer.</p><p>Vorsichtig tastete Sonja sich durch die Dunkelheit. Ihre Stiefel quatschten im Schlamm, und ihr Schwert schimmerte, als sie es zog.</p><p>Wieder dieses St�hnen, aus dem Schmerzen und Ersch�pfung sprachen � und das auf seltsame Weise vertraut klang.</p><p>Noch w�hrend der Mond sich hinter Wolken verbarg, kam Sonja zu einer Mulde am Ufer. Mit dem Schwert in der Rechten bahnte sie sich einen Weg durch dichtes Gestr�pp. Die Wolken wanderten weiter, und nun warf der Mond seinen pr�chtigen Silberschein auf den gro�en schwarzen Teich und den hohen Wald ringsum, und als sein Licht taghell aufs Ufer fiel, sah sie dort eine Gestalt lang ausgestreckt: die einer Frau, nackt, wei�, bleich im Mondlicht und seltsam schimmernd. Ilura!</p><p>Sonja hielt den Atem an. Am Tag hatte die Haut der Frau gebr�unt gewirkt, doch hier unter dem Mond war sie von fast schillernder Bl�sse.</p><p>Wieder st�hnte Ilura, rollte auf eine Seite mit flatternden Lidern, die sich schlie�lich �ffneten. Sonjas Herz setzte einen Schlag aus, als der Blick der gelben Augen � zauberhafter, unirdischer Augen � auf ihr ruhte. Sie flackerten, verdunkelten sich und gl�hten pl�tzlich hell wie Flammen im Wind.</p><p>Sonja schluckte.</p><p>Der Mond verbarg� sich wieder hinter Wolken.</p><p>Etwas � ein Fisch, ein Vogel oder eine Schlange � platschte im dunklen Teich. Und w�hrend Sonja beunruhigt die nackte Frau am Ufer beobachtete, erklang zischelnd Iluras Stimme: �Ssssonjaaa ��</p><p>Das Zischen einer Schlange. Sonja r�hrte sich nicht.</p><p>�Ssssonja � Hab keine Angst. Ich bin verwundet.�</p><p>Schwei� rann Sonja �ber Hals und Bauch und juckte unter ihrer R�stung.</p><p>�Bitte � Ich kann dir nichtsss tun. Ich w�rde essss auch nicht.�</p><p>Sonja ging durch den Schlamm, w�hrend der Mond abwechselnd schien und sich verbarg. Sie k�mpfte gegen ihren tiefen Instinkt an, dieses nichtmenschliche Wesen mit dem Schwert anzugreifen.</p><p>Unsicher, mit verzogenem Gesicht, beugte sie sich �ber Ilura.</p><p>Die Zauberin keuchte schwer. Ihr nackter schlanker K�rper schimmerte gespenstisch bleich auf dem dunklen Uferschlamm. �Es � es wird mir bald wieder besser gehen. Bitte, hab� keine Angst vor mir. Was ich tat, tat ich � um gegen Du-jum zu k�mpfen. Es war notwendig � um ihn zu hindern ��</p><p>Sonja starrte sie an. �Du � du warst die � Schlange?�</p><p>Ilura lachte m�hsam. �Ja. Ja.�</p><p>�Du bist eine Zauberin und verwandelst dich in eine Schlange?�</p><p>�Es ist ein � Trugbild, auf gewisse Weise. Und doch ��</p><p>Ilura h�rte zu sprechen auf. Sie begann tiefer zu atmen, und nach einer kurzen Weile war sie kr�ftig genug, sich auf einen Arm gest�tzt aufzusetzen. Sie blickte Sonja fest in die Augen.</p><p>Sonja sah die dunklen Bluterg�sse an Iluras Beinen, H�ften, Armen und Br�sten. Stammten sie von den Krallen des Riesenvogels?</p><p>. �Verrat mein Geheimnis nicht, Sonja.� Iluras Stimme klang flehend. �So sehr du auch Zauberei verabscheust, hasse Du-jum, nicht mich.�</p><p>�Und warum sollte ich dich nicht hassen?�</p><p>�Sagtest du nicht selbst, du schuldest mir Dank? Und Omeron � auch ihm habe ich geholfen. Glaubst du da wirklich, dass alle Zauberei b�se ist?�</p><p>Sonja antwortete nicht.</p><p>�Sind alle Schwerter b�se, Rote Sonja von Hyrkanien? Oder ist es nicht eher so, dass das B�se in dem Menschen ist, der die Klinge f�hrt?�</p><p>Immer noch schwieg Sonja. Sie zauderte vor einem Zugest�ndnis. Ilura sagte kehlig und nun v�llig menschlich, ohne jegliches Zischeln: �H�te mein Geheimnis, Sonja, dann werde ich dir alles erz�hlen.�</p><p>�Das ganze Geheimnis?�</p><p>�Meine Schlangengestalt ist lediglich Teil meiner Zauberei. Ich wurde von jenen, die mich schickten, mit starken Kr�ften ausger�stet, auch verf�ge ich �ber vererbte Magie, derer ich mich bedienen muss, um eine alte Rechnung zu begleichen. Mein Tempel hat mich geschickt, damit ich Du-jum stelle, damit ich Vergeltung an ihm �be, so gut ich es kann. Ich bin ein Schatten aus der Vergangenheit. Ein Schatten, der auf Du-jums Seele f�llt, und ich wei�, dass er ihn jetzt sp�rt.�</p><p>Unwillk�rlich beugte Sonja sich n�her. �Warum, Ilura? Warum?�</p><p>�Du-jum � Du-jum, Rote Sonja, ist mein Vater.�</p><empty-line/><p>Der Mond trat bereits seinen Abstieg am Himmel an, als Sonja Ilura verlie�, damit sie sich am Ufer des dunklen Teichs ungest�rt ausruhen und ihren �berlegungen nachh�ngen konnte.</p><p>Sonja eilte durch den Wald, ver�rgert �ber ihre �ngste, verwirrt, aber nun fest entschlossen, ihren Plan durchzuf�hren, nun, da sie die ganze Geschichte kannte, oder zumindest Iluras Version.</p><p>�Mein Vater war ein Sterblicher�, hatte Ilura ihr erz�hlt. �Doch meine Mutter geh�rte zu den unsterblichen Schlangenfrauen. Ich wurde mit dem Zeichen des untergehenden Sternes auf meiner Handfl�che geboren, und von den Schlangenfrauen in ihrem verborgenen Tempel fern im S�den aufgezogen. Meine Pflicht ist es, Du-jum zu finden und zu t�ten, wenn ich es vermag. Er ist ein m�chtiger Hexer und ein Mann von gro�er Anziehungskraft, das zumindest habe ich geh�rt. Er verf�hrte meine Mutter, eine Tempelw�chterin, durch Zauberkr�fte, um das Zepter Ixcatls stehlen zu k�nnen, das er, wie er glaubte, zur Verst�rkung seiner Kr�fte brauchte. Ich bin das Nebenerzeugnis seines damaligen Plans � die Tochter, die er nie gesehen hat.</p><p>Die �ltesten von Set und Apop verfluchten das Zepter, als sie feststellten, dass es fehlte. Deshalb hat es Du-jum auch wenig genutzt, aber in seiner Hand ist es immer noch. Ich wurde erzogen und gelehrt, meine Pflicht zu erf�llen. Es bedeutet f�r mich die Aufnahme und entsprechende Vollf�hrung. Aus Du-jums eigener Untat muss die Vergeltung kommen, die sein Ende ist. Ich werde nicht ohne das Zepter zur�ckkehren, sondern eher sterben.�</p><empty-line/><p>Sonja erreichte das Lager gerade, als die M�nner sich zum Aufbruch bereitmachten. Omeron sah sie aus dem Wald kommen, und warnte seine Wachen, nicht auf sie zu zielen.</p><p>�Wir h�tten Euch fast mit einem Pfeilhagel begr��t�, empfing er sie. �Wir hielten Euch f�r tot, von dem Vogel verschlungen.�</p><p>�Ich folgte ihm�, entgegnete Sonja. �Ich sah, wie er die Schlange absch�ttelte, und versuchte sie zu finden.�</p><p>�Die Schlange?�</p><p>�Ja.�</p><p>Barsch fragte Sadhur: �Und habt Ihr sie gefunden?�</p><p>Sonja blickte ihn an und antwortete bed�chtig: �Ich fand einen fast seegro�en Teich, etwa eine halbe Meile �stlich von hier, doch keine Spur der Schlange. Ich vermute, sie st�rzte in den Teich.�</p><p>Schweigen antwortete ihr. �Ich fand die Schlange nicht�, wiederholte sie.</p><p>Omeron seufzte tief. �Habt Ihr immer noch die Absicht, uns in die Stadt zu begleiten?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Dann kommt. Zum Ausruhen ist keine Zeit mehr. Wir m�ssen das Tal vor Tagesanbruch erreichen.�</p><p>Sonja nickte. �Nun, dann wollen wir es angehen. Ich bin ebenso bereit, gegen Du-jum zu k�mpfen, wie jeder andere von euch auch.�</p><p>Aber Misstrauen und argw�hnische Blicke folgten ihr, als sie sich auf ihr Pferd schwang und Omeron, Sadhur und den anderen aus dem Lager und in die Nacht, hinunter zur Stadt im Tal folgte.</p><p>Eine Feier sollte stattfinden, hatte Yarise beschlossen � ein Fest, ein unvergessliches Bankett mit T�nzerinnen und anderer Unterhaltung war angebracht, um den �berlebenden Stadt�ltesten und Edlen von Thesrad ihren und Du-jums guten Willen zu zeigen. Ein Bankett sollte es werden, wie sie und Du-jum es inzwischen gew�hnt waren, mit Unterhaltung, die die ganze Nacht andauerte. Und dieser Unterhaltung sollte es nicht an feinen Andeutungen und Hinweisen fehlen � vielleicht eine Folterung von Rebellen, kunstvoll durchgef�hrt, und ein paar Zauberkunstst�cke, um die Reichen und Edlen von Thesrad zu warnen, die neuen Herrscher anzuerkennen und nicht mehr f�r die verlorenen Ideale des alten zu k�mpfen. Sie w�rde es diesen Leuten zeigen, die sie nie geliebt und immer als Fremde betrachtet, hatten, dass man mit ihr rechnen musste.</p><p>Nun, da sie sich entschlossen hatte, konnte sie kaum den Morgen erwarten, um Du-jum in ihren Plan einzuweihen. Hastig verlie� sie den Garten, in dem sie die ganze Nacht �berlegend umhergewandelt war, eilte in den Palast und zur Vorkammer ihres Schlafgemachs, in das sich Du-jum nach seiner Beschw�rung und dem Ausschicken des. Vogels zur�ckgezogen hatte.</p><p>Ihr Herz schlug schneller, als sie durch ein Fenster einen gewaltigen Schatten am Mond vorbeigleiten sah. Doch nicht eine Wolke war es, sondern der zur�ckkehrende Vogel, der nun immer kleiner werdend auf den Palast zuflog.</p><empty-line/><p>Endi hatte beschlossen fortzugehen.</p><p>Die Zeit war gekommen, den G�ttern zu vertrauen und, ob es nun k�hn war oder nicht, gef�hrlich oder nicht, zu versuchen Thesrad zu verlassen und nichts als fortzugelangen von den Schrecken des Palasts und den entsetzlichen Gefahren in der Stadt. Du-jum und Yarise waren beide wahnsinnig, und beide zu stark, als dass sie gegen sie angekommen w�re.</p><p>Nachdem sie Du-jums furchterregende Belebung des Vogelanh�ngers miterlebt hatte, war sie wie gehetzt durch den Palast gelaufen und hatte sich in einer Nische der K�che versteckt. Dort hatte sie sich allm�hlich beruhigt und war zu ihrem Entschluss gekommen. Sie musste fliehen!</p><p>W�hrend Du-jum sich von seiner magischen Anstrengung im Schlafgemach erholte und Prinzessin Yarise im Garten herumwandelte, kehrte die kleine Endi in die Gesindeunterkunft zur�ck, ohne jemanden aufzuwecken. Leise und vorsichtig suchte sie in der Dunkelheit ihre k�rgliche Habe zusammen und schob sie unter ihr Bett. Dann legte sie sich nieder, t�uschte vor zu schlafen und wappnete sich. Als der tiefstehende Mond durch die Ritzen der westlichen Fensterl�den schien, begann sie zu husten und sich unruhig auf dem Bett zu w�lzen, als w�re sie krank. Nat�rlich wollte sie nicht wirklich jemanden aufwecken, aber wenn, war es besser, man glaubte, sie f�hle sich nicht wohl und verlie�e deshalb mitten in der Nacht die Schlafstube und nicht aus einem anderen Grund.</p><p>Nach einer Weile glitt Endi wie w�rgend aus dem Bett und taumelte zur T�r. Ihr B�ndel versteckte sie unter ihrem Hemd. Nahe der T�r setzte sich ein Schatten im Bett auf und fragte: �Was ist los?�</p><p>Fl�chtig erstarrte Endi, dann fing sie sich und fl�sterte rau: �Ich � ich wei� nicht. Mein Bauch schmerzt, und mir ist schlecht.�</p><p>�Dann geh nur!�</p><p>�Es tut mir leid, dass ich Euch geweckt habe, Matrone. Ich gehe ins Freie, denn es k�nnte sein, dass ich mich �bergeben muss.�</p><p>�Ist schon gut.� Die �ltere Frau drehte sich ohne gro�es Interesse um und schlief weiter.</p><p>Endi �ffnete die T�r und zwang sich, langsam zu gehen. Am Ende des langen Korridors stieg sie die Haupttreppe hinunter. Sie hatte Angst, die Hintertreppe zu nehmen, weil sie wusste, dass Du-jums Soldaten sich in diesem Palastteil aufhielten. Sie konnte sie deutlich h�ren, offenbar spielten und tranken sie. W�rden sie mitten in der Nacht eine hilflose Sklavin sehen, k�nnten sie vielleicht der Versuchung nicht widerstehen. Also ging Endi, ob es ihr nun gefiel oder nicht, durch den Hauptkorridor, vorbei an Du-jums und Yarises Schlafgemach und dr�ckte dabei, wie in gro�en Schmerzen, die H�nde auf den Bauch.</p><p>Unbemerkt gelangte sie an den gef�rchteten Gem�chern vorbei, bis zur breiten Treppe, die zur Eingangshalle f�hrte. Hier h�rte sie laute Stimmen. Sie schlich zur Br�stung und sp�hte vorsichtig hinunter, um zu sehen, was hier so fr�h am Morgen vorging.</p><p>�Ich habe es euch schon einmal gesagt�, brummte ein W�chter m�rrisch, �dass ihr erst bei der Morgenaudienz mit Lord Du-jum sprechen, k�nnt.�</p><p>�Und ich habe dir bereits gesagt�, entgegnete eine andere Stimme, �dass wir gerade in Thesrad angekommen und hier sicherer als auf den Stra�en sind. Lord Du-jum wird uns sehen wollen, und du t�test gut daran, uns den Rest der Nacht hier warten zu lassen.�</p><p>�Wart ihr die ganze Nacht in der Stadt?�</p><p>�Nein, am Morgen werden wir die ganze Nacht hier gewesen sein. Wir werden dich nicht st�ren, wir warten nur auf eine Gelegenheit, Lord Du-jum so schnell wie m�glich zu sprechen.�</p><p>Auf den Zehen stehend versuchte Endi, �ber die Br�stung auch den zu sehen, der jetzt sprach. Schritte wurden unten lauter � und da sah sie einen hochgewachsenen Mann in schwarzem Umhang, auf den ein paar andere, ebenfalls in schwarzen Umh�ngen, zukamen. Sie begannen leise aufeinander einzureden. Sie fand, dass sie alle wie Zauberer aussahen.</p><p>Ihr G�tter! Wie sollte sie aus dem Palast gelangen, wenn sich dort unten Zauberer aufhielten? Griff der Wahnsinn um sich?</p><p>Pl�tzlich erklangen hinter ihr Schritte. Verst�rt drehte sie sich um. Yarise kam den Korridor entlang und bemerkte sie, gerade als sie ihr Schlafgemach betreten wollte. Erstaunt ging sie nun statt dessen auf ihre Leibmagd zu und fragte: �Endi, was machst du denn mitten in der Nacht hier?�</p><p>�Verzeiht, Herrin. Mir war so schlecht, dass ich ein bisschen in die frische Luft wollte, hatte jedoch wegen der Soldaten Angst, den Hinterausgang zu nehmen.� Sie schwitzte, ihre H�nde zitterten, und sie konnte Yarise nicht in die Augen blicken.</p><p>�Du wirst mir doch nicht krank werden! Das kann ich nicht brauchen.� Yarises Stimme klang eine Spur gereizt.</p><p>�Ich � ich �hatte Kr�mpfe und Fieber. Ich fr�stelte. Ich hoffe, es ist nicht ��</p><p>�Geh in die K�che, lass dir von der Nachtk�chin etwas richten, H�hnerbr�he, vielleicht.� Sie musterte Endi. �Du f�rchtest dich doch nicht, oder?�</p><p>�Doch, ein wenig ��</p><p>�Warum? Was sind das f�r Stimmen unten?�</p><p>�Fremde sprachen mit den W�chtern. Ich sah sie, sie sind ��</p><p>Da brach in der Stille der Nacht die H�lle im Palast aus. Ein furchtbares Krachen war zu h�ren, und ein grauenvolles Kreischen kam aus Yarises Schlafgemach, danach donnerte Du-jums Stimme.</p><p>�Ihr G�tter!� Yarise wandte sich von Endi ab und rannte den Korridor zur�ck.</p><p>Verst�rt blickte Endi in alle Richtungen. Sie wusste nicht, was sie tun sollte, dann folgte sie nach kurzem Zaudern ihrer Herrin.</p><p>Yarise riss die T�r zum Vorgemach auf und br�llte die W�chter an, gegen die sie fast prallte. Aber sie achteten gar nicht auf sie, sondern stolperten mit vor Schreck weit aufgerissenen Augen auf den Gang. Endi rannte an ihnen vorbei, obgleich einer nach ihrem �rmel griff und sie zur�ckzuhalten versuchte.</p><p>Du-jum heulte wie ein Besessener � nicht aus Furcht, sondern auf und ab schwellend, offenbar in einer Beschw�rung. Endi st�rmte durch das Vorgemach und blieb wie angewurzelt an der T�r zum Schlafgemach stehen.</p><p>Es war der Vogel!</p><p>Kreischend und �chzend flog er herum und versuchte immer wieder, Du-jum mit den Krallen zu erwischen und mit dem Schnabel nach seinem Gesicht zu hacken.</p><p>Du-jum selbst kauerte am Boden in der Mitte des Gemachs. Die Arme hatte er erhoben und beschrieb damit hastige Zeichen. Ein schwacher Schein umgab ihn: sein sichtlich schw�cher werdender Schutzschirm. Jedes Mal, wenn Krallen, Schwingenspitzen oder Schnabel ihn ber�hrten, spr�hten blaue, gelbe und rote Funken auf. Du-jums Heulen wurde schriller, noch schneller schwenkte er die Arme, um die schreckliche Macht seiner eigenen, nun gegen ihn selbst gerichteten Kraft abzuwehren.</p><p>V�llig erstarrt und ver�ngstigter denn je zuvor stand Endi an der Schwelle. Sie war nicht imstande sich zu r�hren, und vermochte kaum zu atmen. Sie konnte nicht wissen, dass dieser Vogel des B�sen durch Zauberei daran gehindert worden war, den Zauberauftrag Du-jums durchzuf�hren, und dass er noch geladen mit seiner h�llischen Kraft zur�ckgekehrt war und sie nun loswerden musste. Der Zauber war zur�ckgeprallt, der Fluch kehrte zu dem zur�ck, der ihn ausgesandt hatte.</p><p>Und Yarise, die sich ins Schlafgemach gewagt hatte, stand in der hinteren Ecke und versuchte ihre eigene, nutzlose Beschw�rung, um den H�llenvogel zu b�ndigen. Verzweifelt griff sie pl�tzlich hoch, hob eine brennende Fackel aus der Wandhalterung und warf sie gegen den kreisenden Vogel.</p><p>Der Vogel kreischte und fing die Fackel mit dem Schnabel auf. Dann schmetterte er sie mit einer heftigen Kopfbewegung zu Boden. Funken spr�hten.</p><p>Yarise schrie und dr�ckte sich an die Wand.</p><p>Vom Korridor erklangen die Schritte vieler Stiefel und das Rasseln von Waffen, die gezogen wurden. W�chter � und andere.</p><p>�Zur�ck!�</p><p>Endi sah einen hochgewachsenen Mann in dunklem Umhang. Mit leuchtend gelben Augen st�rmte er sechs weiteren voraus ins Vorgemach.</p><p>�Zur�ck, Wachen! Ihr k�nnt ihm nicht helfen. Klingen verm�gen hier nichts auszurichten! <emphasis>Zur�ck!�</emphasis></p><p>�Aber � was k�nnen wir tun?� fragte ein W�chter.</p><p>�Ich bin der Zauberer Aspre, und dies sind meine Mitbr�der. Wir alle sind mit dem untergehenden Stern gezeichnet. Hindert uns nicht! Zur�ck jetzt � schnell!�</p><p>Verst�rt wichen die W�chter nun tats�chlich aus der Vorkammer auf den Korridor zur�ck und schoben dabei Endi aus dem Weg. Sie kauerte sich wie bet�ubt in eine Ecke, spielte unbewusst mit den Fingern, starrte auf die Schatten und sp�rte den kalten Schwei� auf ihrer Haut.</p><p>Vorsichtig f�hrte Aspre seine Br�der ins Schlafgemach. �Umzingelt seinen Pfad!� rief er. �Umzingelt ihn! Nehmt die sieben Spitzen und betet den <emphasis>Hojus!�</emphasis></p><p>Die sieben verteilten sich, ohne dass der Vogel sie beachtete. Sie hielten sich knapp au�erhalb des Kreises seiner ausgebreiteten Schwingen und streckten ihre Arme seitw�rts aus, dass ihre Fingerspitzen sich fast ber�hrten.</p><p>Aspre hob die H�nde. <emphasis>�Emburrus-uto-toa!�</emphasis></p><p>Der Vogel kreischte. Offenbar bemerkte er die sieben Zauberer nun zum ersten Mal.</p><p>Ein bl�uliches Gl�hen breitete sich um Aspres H�nde aus. <emphasis>�Esfu! Esfu tuota!�</emphasis></p><p>Seine sechs Begleiter hoben ebenfalls die Arme und wiederholten seine Worte wie ein Echo. Blaues Gl�hen erf�llte ihre offenen Handfl�chen und zog an ihren Armen entlang. Wieder kreischte der Vogel. Sein Fl�gelschlag wurde schwerf�lliger, und er h�rte auf, mit Schnabel und Krallen angreifen zu wollen. Und dann, als das blaue Gl�hen auf ihn �bergriff, flog er fast verborgen in saphirblauem Dunst im Kreis und konnte sich kaum noch in der Luft halten.</p><p>Schw�cher wurde er � immer schw�cher. Und schlie�lich st�rzte er in der Mitte seiner Kreisbahn ab, auf Du-jum zu.</p><p>Auch Du-jums Schutzschirm erlosch, als er dem Hexer die letzte Kraft entzogen hatte. Du-jum sackte zusammen. Seine Stirn schlug gegen den Boden. Reglos blieb er liegen, und Schwei� brach ihm an Armen und Gesicht aus.</p></section><section><title><p>5</p></title><p>Kurz vor dem Morgengrauen erreichten Omeron und seine Leute den Fu� der Berge und so das fast ebene Grasland, das sich bis Thesrad erstreckte. Klar und deutlich erhoben sich die Mauern der Stadt keine Meile entfernt vor ihnen. Als die Sonne allm�hlich aufging, schimmerten die T�rme und Bronzekuppeln, und vereinzelte Scharen von Du-jums V�geln kreisten �ber T�rmen und Wehrg�ngen.</p><p>�Was nun?� fragte Sonja laut und blickte auf Omeron und Sadhur. Sie sp�rte selbst, wie reizbar sie war � vom Kampf gegen den Vogel am vergangenen Abend, von den langen Stunden ohne Schlaf, und nun von der offensichtlichen Fehleinsch�tzung Omerons, dieses Wiesenland in hellem Tageslicht �berqueren zu wollen.</p><p>Sadhur blickte sie finster an, offenbar ver�rgert, dass sie an Omerons Urteilsverm�gen zweifelte; er schwieg jedoch.</p><p>Auch Omeron sagte nichts, denn er hatte Sonja gar nicht geh�rt. Er blickte sichtlich �berlegend den Rand des Waldes am Fu� der Berge entlang. Als er offenbar zu einer Entscheidung gekommen war, dr�ckte er seinem Pferd die Knie in die Flanken und lenkte es zu einigen dicht beisammenstehenden B�umen in n�herer Entfernung. Sadhur, Sonja und seine M�nner folgten ihm.</p><p>Bei der Baumgruppe sa� Omeron ab, machte ein paar Schritte und schaute sich wieder sichtlich �berlegend um. Dann schritt er entschlossen geradeaus und blieb vor einem Felsblock stehen, der mit Moos und Gestr�pp �berwuchert war. Er griff nach seinem Schwert, zog die Hand jedoch wieder zur�ck und langte statt dessen nach einem schweren abgebrochenen Ast zu seinen F��en. Ohne sich umzudrehen, bat er: �Sadhur, hol ein paar kr�ftige M�nner!�</p><p>Sadhur winkte sechs st�mmige Soldaten herbei. Sie sa�en ab und folgten ihm zu Lord Omerons Seite. Zun�chst verbl�fft, schaute Sonja wortlos zu, doch dann schien ihr klar zu werden, dass diese scheinbar sinnlose Handlung offenbar doch einen Zweck erf�llte.</p><p>Sadhur und seine sechs suchten sich ebenfalls kr�ftige �ste. Damit stellten sie sich in einer Reihe neben Lord Omeron auf. Auf einen Befehl schoben sie die Astenden unter den Felsblock, um ihn hochzustemmen. Es kostete die acht mehrere vergebliche Versuche, ehe sie den Felsblock �chzend und fluchend bewegen konnten. Ein etwas hohl klingendes Scharren war zu vernehmen � ein Ger�usch so gar nicht wie das eines Steins, der aus festem Boden gestemmt wird.</p><p>Omeron trat ein paar Schritte zur�ck, holte tief Luft und befahl den M�nnern weiterzumachen. Mit gr��ter Anstrengung gelang es endlich, den Felsblock zur Seite zu heben. Wo er gestanden hatte, klaffte ein Loch.</p><p>�Ein Gang!� entfuhr es Sonja.</p><p>Omeron blickte hoch und grinste. �Ja, Sonja, und zumindest so alt wie Thesrad. Als ich den Thron bestieg, erz�hlte mein Vater mir davon. Sein urspr�nglicher Zweck war wahrscheinlich, im Fall einer Belagerung unbemerkt aus der Stadt zu gelangen. Zu diesem Zweck wurde er fr�her auch vielfach benutzt � jede Stadt im Tal hat solche Geheimg�nge, glaube ich �, aber w�hrend der l�ngen Zeit verh�ltnism��igen Friedens geriet er in Vergessenheit. Wenn die alten Karten stimmen, f�hrt er geradewegs in die Kanalisation unter dem Nordviertel der Stadt.�</p><p>Sonja l�chelte in stummer Anerkennung. Omeron war ein F�hrer, und kein guter F�hrer gibt sich je geschlagen. Er hebt sich immer einen Ausweg f�r den Notfall auf, und nat�rlich noch einen f�r danach. Aber gute, anst�ndige F�hrer, die in einer Krise nicht versagen, waren so rar wie fette Hasen in einem asgardischen Winter. Bestimmt w�rde dieser Herrscher von Thesrad sich als ein solcher erweisen und in die Geschichte eingehen.</p><p>Alle Soldaten sa�en nun ab und begaben sich paarweise in den Geheimgang. Als alle au�er zw�lf unter der Erde verschwunden waren, hielt Lord Omeron diese letzten zur�ck. �Euch brauche ich zur Bewachung der Pferde�, erkl�rte er ihnen.</p><p>�Aber, Lord Omeron, wir wollen k�mpfen!�</p><p>�Das wei� ich und w�rdige es � und ihr werdet die Gelegenheit dazu auch bestimmt noch bekommen, dessen bin ich sicher. Doch im Augenblick ��</p><p>�Versucht nicht, Lord Omeron umstimmen zu wollen�, wandte Sadhur sich brummend an sie.</p><p>�Du kannst leicht reden�, antwortete einer bei�end. �Du darfst ja gegen dieses Schwein von einem Hexer k�mpfen.�</p><p>Sadhur verzog das Gesicht, schwieg jedoch. Er wusste, wie es in ihren Herzen aussah, und verstand ihre Entt�uschung.</p><p>Omeron nickte. �Ihr werdet nicht zu kurz kommen.�</p><p>�Gut, wir warten�, sagte einer der j�ngeren M�nner. �Bis morgen Abend. Wenn sich bis dahin nichts tut ��</p><p>�Kehrt ihr zur�ck�, befahl Omeron.</p><p>�� folgen wir�, beendete der junge Mann seinen Satz.</p><p>�Wie ihr wollt.� Omeron sch�ttelte den Kopf, als w�sste er, dass er lieber etwas anderes sagen sollte. �Ich werde euch keine Befehle erteilen � nicht diesmal �, die eurem Gewissen widersprechen.�</p><p>�Wir werden daf�r sorgen, dass Ihr Euren Thron zur�ckbekommt, Lord Omeron!� versprach der junge Offizier. Er streckte die Hand aus.</p><p>Omeron ergriff sie, blickte dem Mann in die Augen und l�chelte leicht. �Ah �� Dann gab er seine Hand frei und wandte sich an Sadhur. �Geh schon zu. Sonja wird dir folgen, dann komme ich nach.�</p><p>Sadhur lie� sich in das Loch fallen. Sonja trat an den Rand und sprang hinunter. Ihm fehlt auch die Demut nicht, dachte sie. Die unerl�ssliche Tugend eines guten F�hrers. Demut � das Vertrauen in die G�tter. Ich k�nnte nie ein guter F�hrer werden!</p><p>Omeron landete neben ihr und rief hoch: �Schiebt den Felsblock dahin zur�ck, wo er war, dann bringt die Pferde in Sicherheit! Habt ihr verstanden?�</p><p>Der junge Offizier nickte und schlug die Faust auf die Brust. �Macht und Sieg, mein Lord!�</p><p>�Bewacht die Pferde, und gebt uns Zeit bis morgen Nacht!�</p><p>Omeron sagte nichts zu Sadhur, Sonja oder den anderen, als er zu dem Tageslicht hochblickte, das der Wald abschirmte, zu den Grashalmen, die von unten zu sehen waren, zu Stiefeln und H�nden oben. Er sah zu, wie das Licht durch den Felsblock verdr�ngt wurde, wie sein Schatten in die Tiefe fiel.</p><p>Als der Eingang ganz verdeckt war, sagte er: �Z�ndet die Fackeln an und geht los. Wir haben fast eine Meile vor uns, und ich m�chte erst eine Fr�hst�ckspause einlegen, wenn wir das Ende des Gangs erreicht haben. Und seid so leise wie m�glich. Die schweren Stiefel k�nnten Ger�usche verursachen, die man bis in die Stadt hinauf h�rt.�</p><p>Der unterirdische Marsch begann. Sonja, die Omeron folgte, blickte auf seinen breiten R�cken, das lange helle Haar, das immer wieder schimmerte, wenn Fackelschein darauf fiel. Vielleicht, dachte sie, ist dies aber doch der letzte Ausweg, den er kennt.</p><empty-line/><p>Du-jum erwachte, umgeben von Schweigen und Sonnenschein, und hatte das Gef�hl, dass sich mehrere Leute in seinem Gemach aufhielten. Als er voll wach war und auch seine Kr�fte zur�ckgekehrt waren, erinnerte er sich, was geschehen war. Sofort setzte er sich auf, schwang die Beine �ber den Bettrand und starrte auf die sieben Gestalten in den dunklen Umh�ngen, die geduldig und unbewegt an einer Wand standen.</p><p>�Ich danke euch, Br�der der Magie.�</p><p>Alle verneigten sich gleichzeitig.</p><p>�Euer Eingreifen erfolgte genau zum richtigen Zeitpunkt. Eure Kr�fte unterst�tzten meine.�</p><p>�Wir sieben zusammen waren nur so stark wie Ihr allein, Lord Du-jum. Und das auch blo�, weil Ihr bereits geschw�cht wart.�</p><p>�Wie hei�t ihr?�</p><p>�Aspre, Lord Du-jum.�</p><p>�Ich habe den Namen noch nie geh�rt.�</p><p>�Ich bin noch neu in der Magie, wie wir alle hier. Wir kamen nach Thesrad, weil wir Euch um Unterweisung und Rat bitten wollten.�</p><p>�Beides sollt ihr haben, jeder einzelne von euch, als Dank f�r das, was ihr f�r mich getan habt.�</p><p>Nun wandte er sich Yarise zu, die mit verkrampften H�nden, die Augen voll Furcht und Zweifel, in einer Ecke stand. Er sprach nicht, sondern lie� nur kurz den Blick auf ihr ruhen. Als die Kraft dieser Augen zuviel f�r sie wurden, platzte sie heraus: �Ich tat, was ich konnte, mein Lord!�</p><p>Hart, mit einem Ton kalten Verstehens, antwortete er: �Das wei� ich.�</p><p>�Ich habe getan, was ich konnte!� wiederholte sie. <emphasis>�Wirklich!</emphasis> Das Ungeheuer war zu m�chtig! <emphasis>Du</emphasis> bist zu m�chtig!�</p><p>Du-jums Blick wanderte von ihr zu den sieben. �Ihr m�sst mich jetzt allein lassen. Ich m�chte mich noch ein wenig ausruhen, dann werde ich den Tempel Urmus besuchen und ein Opfer darbringen. Folgt den Wachen � sie werden euch Gem�cher anweisen. Betrachtet euch als meine G�ste, meine Studenten und Akoluthen.�</p><p>Wieder verneigten sich alle gleichzeitig. Mit raschelnden Umh�ngen verlie�en sie das Gemach im G�nsemarsch. Yarises Schluchzen und Wimmern folgte ihnen.</p><p>�Geh auch du jetzt, Yarise. Ich will noch schlafen.�</p><p>Aber sie schluchzte noch mehr, rannte zu ihm, warf sich auf das Bett und schmiegte sich an ihn. Sie k�sste und streichelte ihn, hielt ihn ganz fest � so sehr bewusst war ihr, dass er ihr fast genommen worden w�re.</p><p>�Ich liebe dich, ich liebe dich! Ich will dich nicht verlieren!�</p><p>�Ruhig, Yarise, ruhig! Jetzt ist alles gut! Wir kennen unsere Feinde und werden sie besiegen. Ruh dich aus, Yarise. Ich werde schlafen, und du wirst schlafen. Ruhig. Alles ist gut, meine Liebste.�</p><p>In ihm flammte die Glut eines alten Feuers neu auf, und er fand keine echte Ruhe. Yarise fiel neben ihm in einen unruhigen Schlaf.</p><empty-line/><p>Als ihre Fackeln fast niedergebrannt waren, erreichten sie das Ende des Geheimgangs. Omeron, der sich nach vorn begeben hatte, mit Sadhur an seiner Seite, war nunmehr der vorderste und stand vor einer schweren Gittert�r, deren Angeln an einer Seitenwand befestigt waren.</p><p>�L�scht alle Fackeln!� rief Omeron �ber die Schulter. �Au�er einer, die ihr zu mir bringt.�</p><p>Der Soldat, der ihm am n�chsten war, leuchtete ihm mit der gew�nschten Fackel.</p><p>�Sadhur ��, sagte Omeron.</p><p>�Ich bin hier, Lord.�</p><p>Im Fackellicht betrachtete Omeron die T�r genau, dann nahm er dem Soldaten die Fackel aus der Hand und versuchte, durch das enge Gitter zu sp�hen.</p><p>�Genau wie ich vermutete�, murmelte er. �Der Gang f�hrt zum Haupttunnel der Kanalisation. Wir m�ssen zusehen, dass wir die T�r aufkriegen, dann k�nnen wir feststellen, wo wir genau sind.�</p><p>Sadhur kam herbei. Sorgf�ltig tastete er die T�r ab und begutachtete die St�rke der Angeln. Sie waren v�llig durchgerostet, so dass die T�r sich in den Stein gedr�ckt hatte.</p><p>Mit einem �chzen zog und schob Sadhur an den Gitterst�ben und versuchte sie zu drehen. Omeron erbot sich, ihm zu helfen, doch sein riesenhafter Offizier schien es gar nicht zu bemerken. Die M�nner dr�ngten sich n�her herbei und lauschten angespannt, w�hrend Sadhur an der T�r arbeitete.</p><p>Knarrend und scharrend gab sie endlich nach. St�cke verrosteten Metalls klapperten auf den Boden.</p><p>Die m�chtigen Pranken immer noch um die Gitterst�be geklammert, trat Sadhur vorw�rts, wobei er die T�r vor sich hertrug, duckte sich und sprang in die Kanalisation. Er landete auf einem Ziegelgang, machte einen Schritt zur Seite und lehnte die T�r an die Wand.</p><p>In der Kanalisation war es nicht v�llig dunkel. Es herrschte ein� graues Zwielicht, dazu ein �bel riechender Dunst, den Licht von der Stra�e erhellte, das durch die in regelm��igen Abst�nden an der Decke verteilten Gitterroste fiel. Der Gestank war �berw�ltigend.</p><p>Einer nach dem anderen sprangen die M�nner auf den schmalen Ziegelgang hinunter, und als ihre Augen sich an das Halbdunkel gew�hnt hatten, bemerkten sie die schmalen Stege �ber dem Abwasser und kleine Inseln aus Ziegeln und Naturstein im Kanal. Sie sammelten sich, verfluchten den Gestank und die Nager und Schlangen, die an ihnen vorbeihasteten oder ins graue Wasser sprangen oder glitten.</p><p>Omeron stand dicht an der Wand und wartete, bis alle seine M�nner sich auf dem Ziegelgang geschart hatten. Er blickte hoch zum n�chsten Gitterrost.</p><p>�Wir warten die paar Stunden, bis es dunkel wird�, sagte er, �dann steigen wir in die Stadt hoch. Inzwischen suchen wir nach weiteren Ausstiegen, m�glichst in Hintergassen, wo man uns nicht bemerkt.�</p><p>Sonja war die letzte, die aus dem Geheimgang kam. Sie sagte nichts, sondern schaute sich lediglich um. Hier war Lord Omeron der F�hrer. Den Gestank fand sie kaum schlimmer als die modrig-stickige und rauchige Luft des Gangs. Obwohl sie sich nicht zum ersten Mal in einem Kanalisationsnetz befand, empfand sie Unbehagen in diesem Halbdunkel, dem ekelerregenden Gestank und der klammen Luft. Der Kampf gegen den Riesenvogel an einem windigen Berghang hatte ihr nichts ausgemacht, genauso wenig wie der Ritt durch den Wald. Und vor einem Kampf war sie noch nie zur�ckgeschreckt. Aber dieser Marsch durch den Geheimgang hatte begonnen an ihren Nerven zu zerren. Und nun, versteckt wie eine Ratte unter anderen Ratten in einer Falle, in dieser �belkeitverursachenden Unterwelt der Kanalisation, sp�rte sie den ganzen Druck �ihrer gef�hrlichen Lage. Und schuld daran, dass sie sich wie Tiere mit Ratten und Schlangen in der Kanalisation verkriechen, mussten, war Du-jum, der Hexer; und das wiederum spornte Sonja an, alles was sie konnte zu seiner Vernichtung zu tun.</p><empty-line/><p>Am Sp�tnachmittag verlie� Du-jum den Palast in Begleitung von f�nfzig Soldaten und begab sich zum alten, lange Zeit zweckentfremdeten Tempel Urmus, des Geiers. Als Anh�nger trug er wieder seinen geschnitzten Vogel an der Brust. Er hatte kein eigenes Leben, keine Intelligenz, weder Macht noch Kraft. All das w�rde er nur haben, wenn Du-jum es so wollte.</p><p>Am Tempel begutachtete er den Fortschritt des Neuaufbaus. Die Leichen waren aus dem Innern entfernt worden und sollten sp�ter als Opfergaben benutzt werden. Das �chzen und St�hnen der Thesrader B�rger, die unter den Peitschen seiner Soldaten beim Bau mithalfen, klang in Du-jums Ohr wie ein finsterer Lobgesang.</p><p>Du-jum sah ihnen zu, seine schweigenden Wachen um sich geschart. Wenn ihn stumme, erbitterte Blicke trafen, begegnete er dem Hass in ihnen unger�hrt, winkte jedoch einem W�chter zu, damit er sofort mit voller Strenge die Peitsche einsetze.</p><p>Als die Sonne unterging, betete er um die Kraft, sein gro�es Werk zu vollenden und sein hohes Ziel zu erreichen. Danach erteilte er den Befehl, alle, die zu schwach f�r weitere Arbeit waren, Urmu zu opfern.</p><p>Schlie�lich kehrte er in den Palast zur�ck, bereit f�r ein Mahl, etwas Wein und ein eingehendes Gespr�ch mit den sieben jungen Zauberern. Unterwegs �berlegte er, ob er sie gleich t�ten sollte, als Vorsichtsma�nahme, aber auch um seine Macht zu erproben, oder ob er sie lieber in seine Dienste f�r m�gliche sp�tere Verwendung nehmen sollte. Er war noch zu keiner Entscheidung gekommen, als er im Palast angelangte.</p><empty-line/><p>Inzwischen wuschen sich die sieben, denen die Diener mitgeteilt hatten, dass das Mahl im Speisesaal serviert w�rde, kleideten sich an und sprachen miteinander.</p><p>�Du-jum�, sagte Elath mit schwerm�tiger Stimme, �ist unser Feind. Ich sp�re es.�</p><p>�Noch nicht�, widersprach Aspre. �Er k�nnte es werden, wenn wir uns unklug verhalten. Aber er ist es nicht, noch nicht. Unser wahrscheinlichster Gegner ist Prinzessin Yarise.�</p><p>Menth, der j�ngste, schnaufte sp�ttisch. �Na und? Sie ist blo� eine Frau, und eine t�richte noch dazu. Ihre Zauberei vermag weder Du-jum zu helfen, noch uns zu schaden. Sie gibt sich mit R�ucherwerk- und Parf�m�l-Beschw�rungen ab, versteht sich jedoch auf nichts ann�hernd so Wirksames wie unsere Sternenzauber.�</p><p>Aspre bedachte ihn mit einem strengen Blick. �H�te dich, Menth; und dasselbe gilt f�r euch alle. Untersch�tzt nie eine Frau als Feindin, und schon gar keine, die so anziehend wie Yarise ist. Ihre Macht �ber Du-jum �berwiegt m�glicherweise all unsere Zauberk�nste.�</p><p>Als alle dar�ber nachdachten, f�gte Aspre hinzu: �Ich glaube nicht, dass Du-jum sich von irgend jemand beeinflussen oder besitzen l�sst. Aber ich f�rchte, Yarise bildet sich das ein. Sie vermeint, mit ihrer Leidenschaft und dem Versprechen ihres K�rpers Macht �ber ihn bekommen zu k�nnen, und es w�re m�glich, dass sie Angst hat, wir k�nnten uns mit Du-jum gegen sie zusammentun. Deshalb mag sie uns sehr gef�hrlich werden. Wenn es um Stolz, Hass und Ehrgeiz geht, erweist sich als wahr, was im <emphasis>Weggef�hrten</emphasis> steht: �Im Stolz ist keine Gerechtigkeit. Vertrau keinen Versprechen, und trau keinen, die nach Macht d�rsten. Ihnen schlie�t der Verrat eine Faust und blendet ihnen ein Auge. Ihre Zunge wird zum Dolch, ihre Versprechen zerfallen zu Asche.� Er hob die Arme, starrte auf die Handfl�chen, dann presste er sie zusammen und murmelte ein Schutzgebet.</p><empty-line/><p>Dienerinnen klopften an Yarises T�r, traten jedoch nicht ein; das h�tten sie nie gewagt. Yarise lag auf ihrem Bett. Sie kicherte und seufzte, strich �ber ihren nackten K�rper und r�kelte sich sinnlich. Dann nahm sie Endis blondes Haar zwischen die Finger, zog den Kopf des M�dchens heran und dr�ckte ihr einen langen, nassen Kuss auf die Lippen.</p><p>�Du hast es gut gemacht, Endi�, lobte sie schlie�lich.</p><p>�So seid Ihr zufrieden mit mir?� Das M�dchen zitterte. Sie wischte sich die Lippen ab und drehte sich hastig um, um ihren Ekel zu verbergen.</p><p>�O ja, durchaus. Hast du noch Angst?�</p><p>�Ich werde immer Angst haben.�</p><p>�Vielleicht ist das gar nicht so schlecht. Vielleicht solltest du mich lehren, Angst zu haben, Endi.�</p><p>Endi setzte sich auf. Sie sp�rte einen eisigen Schauder und f�hlte sich �bel.</p><p>�Ist Angst etwas, das man lernen oder lehren kann, Endi? Was meinst du?�</p><p>�Verzeiht, wenn ich es sage, Herrin � ich glaube nicht, dass das eine oder andere m�glich ist.�</p><p>�Vielleicht hast du recht�, sagte Yarise ruhig. �Vielleicht habe ich alle Furcht, die mir im Leben beschieden war, bereits hinter mir. Nun, ich habe mich damit abgefunden, nur noch t�richt, besorgt, ja eventuell sogar verzweifelt zu sein � aber keine Angst zu haben.� L�chelnd setzte sie sich auf. Doch dann, in einem pl�tzlichen Stimmungswandel, warf sie das dunkle Haar zur�ck und befahl scharf: �Hol mir mein Gewand und meine Duftstoffe, Endi. Ich muss in den Speisesaal gehen.�</p><empty-line/><p>Es war dunkel. Omeron hatte den Weg ausgew�hlt, der in eine schmale Gasse f�hrte. Einer nach dem anderen kletterten seine Leute heraus, heimlich und verstohlen wie Verbrecher und Feinde und Halunken. Alles erschien ihnen fremd, als sie zur n�chsten Stra�e schlichen, so vertraut ihnen hier noch vor einer Woche alles gewesen war. Nun schienen Qualen, Verrat und Zauberei geradezu sp�rbar in der Luft zu h�ngen. Omeron hatte Sadhur angewiesen: �Geh du mit der H�lfte der M�nner nordw�rts, w�hrend ich die andere H�lfte s�dw�rts mitnehme.�</p><p>Sie hatten sich die H�nde gesch�ttelt und sich versprochen, ihr Bestes zu tun, noch ein Gebet gemurmelt � und sich getrennt.</p><p>Sofort teilte Sadhur seine M�nner in Dreier- und Vierergruppen auf. �Kurz vor dem Morgengrauen treffen wir uns alle wieder hier�, sagte er zu ihnen. �Auch Lord Omeron wird hierher zur�ckkehren. Passt gut auf euch auf, lasst euch, nicht umbringen, und t�tet niemanden, au�er es ist unumg�nglich. Wohin ihr auch geht, lauscht achtsam, �berlegt gut und seid nicht voreilig im Handeln oder Sprechen. Wir suchen Widerstandsk�mpfer! Es muss ihrer viele geben, die sich nichts sehnlicher w�nschen, als eine Gelegenheit zu k�mpfen. Aber zeigt ihnen den Erkennungsgru� nur, wenn ihr ganz sicher seid, dass sie sich uns anschlie�en, und wenn ihr von ihrem Mut und ihrer Treue �berzeugt seid.�</p><p>Dann brach Sadhur allein und voll innerem Grimm auf; er wollte niemanden bei sich haben. Sein Grimm vermischte sich mit wilder Begeisterung. Jetzt war die Zeit der Vergeltung, der Rache; die Zeit, alles r�ckg�ngig zu machen, was geschehen war; die Zeit, jene zu vernichten, die Vernichtung verursacht hatten.</p><p>Leicht vorn�bergebeugt, das Schwert unter dem langen Umhang verborgen, schritt er an Soldaten vorbei und tat, als habe er ein festes Ziel, genau wie die anderen B�rger, die er stumm durch die Stra�en hasten sah. �berall auf den fackelbeschienenen Stra�en standen W�chter, auch hinter Fenstern und auf den D�chern. Die meisten w�ren Schwarze: barbarische Krieger aus Kush, Keshan und Darfar, und zwischendurch ein S�ldner mit hellerer Haut aus Stygien oder Iranistan.</p><p>Sadhur kam an Gesch�ften vorbei, aus denen man Freudenh�user gemacht hatte, Banken, die zu Stallungen geworden waren, Bibliotheken, in denen nun Bier und Wein flossen. An H�userw�nden waren mit Blut fremdartige, magische Zeichen gemalt. Manche waren mit Kohle durchgestrichen und darunter oder dar�ber trutzige Herausforderungen gekritzelt, wie: �Tod dem Hexer Du-jum!� �Die Rache der G�tter auf Du-jum!� Und h�ufiger als alles andere: <emphasis>�Omero dafu!</emphasis>� � �Omeron lebt!�</p><p>Er kam an vier oder f�nf W�chtern an einer Stra�enecke vorbei, die um eine junge Frau herumstanden und auf sie einredeten. Einer strich ihr �ber das Haar, und sie wimmerte. Sadhur sah stumm zu, w�hrend er vor�berging, aber, er musste heftig dagegen ank�mpfen, nicht das Schwert zu ziehen und den M�nnern eine Lehre zu erteilen. Das M�dchen schrie auf, als ein Soldat sie in die Knie zwang. Dann trat ein anderer heran und schlug ihr die Hand ins Gesicht.</p><p>Sadhur nutzte die Gelegenheit. Derma�en abgelenkt, sahen die Soldaten nicht, wie er in eine Gasse einbog. Erst als er sich in ihrer Dunkelheit unbemerkt f�hlte, blieb er kurz stehen und schaute sich um, so gut es ging. Dann eilte er fast lautlos weiter. Er kam an einer niedrigen T�r vorbei und kurz danach zu einem vergitterten, aber offenen Fenster. Licht fiel aus ihm auf die Gasse und erhellte bis zur H�lfte die gegen�berliegende Hauswand. Als Sadhur n�her kam, quiekten Ratten in einem Abfallhaufen und huschten hastig fort. Au�erhalb des Lichtscheins blieb er stehen und blickte den schattenhaft zu sehenden Nagern nach.</p><p>Aus dem offenen Fenster h�rte er Gespr�chsfetzen.</p><p>�� wenn wir wirklich glaubten, dass du eine Verschw�rung gegen Du-jum planst, Kiros?�</p><p>Sadhur horchte auf.</p><p>Die h�rbar nerv�se Stimme eines jungen Mannes antwortete: �Ich wei� nicht � Aber Sirt, es ist ja ohnehin Unsinn, da wir doch nur den Fall setzen ��</p><p>Nun sprach eine barsch klingende Stimme in tiefem Basston: �Vielleicht, vielleicht auch nicht.�</p><p>Die erste Stimme, die des mit Sirt angesprochenen Mannes, sagte unter sp�ttischem Gel�chter: �Aber man spricht �ber dich.�</p><p>�Was?� Kiros Stimme kam nun einem Quieken nahe.</p><p>Die beiden anderen lachten laut. Sadhur zitterte f�rmlich vor Aufregung, w�hrend er �berlegte, ob er hier auf einen Widerstandsk�mpfer gesto�en war, der von zwei Soldaten Du-jums in die Enge getrieben wurde, oder ob es lediglich eine keinesfalls ernst gemeinte Unterhaltung nicht mehr ganz n�chterner Saufkumpane war. Alle drei Stimmen sprachen die M�ndart der Thesrader.</p><p>�Was erz�hlt man sich �ber mich?�</p><p>�Die kleine, blonde Sklavin aus dem Palast trifft sich heimlich mit dir.�</p><p>�Ein h�bsches Ding�, bemerkte die barsche Stimme. �Sie scheint auch sonst einige Qualit�ten zu haben.�</p><p>Der junge�Kiros zwang sich zu einem Lachen. �Ich verstehe. Ihr glaubt, ich benutze sie, um etwas �ber Du-jum zu erfahren!�</p><p>�Ist es nicht so?�</p><p>�Und wenn es so w�re? Was w�rdet ihr unternehmen? Du-jum hat nichts f�r uns getan. Wir sind jetzt schlimmer dran als zuvor.�</p><p>�Frauen � Essen � ein Dach �ber dem Kopf.�</p><p>�Als Omerons Untertan hatte ich das auch zuvor � und ohne Zwang!�</p><p>�Der Junge hat da gar nicht so unrecht�, sagte die barsche Stimme zu Sirt.</p><p>�Dann w�rst du also bereit, dich gegen Du-jum zu wenden?�</p><p>�Warum nicht. Wir sind nur Diener, keine Helden. Ich versuche herauszuholen, was ich kann. Und aus Du-jum l�sst sich nicht mehr herausholen, f�rchte ich.�</p><p>�Dann willst du versuchen, Omeron zu finden?� fragte Sirt.</p><p>Bassstimme antwortete nicht.</p><p>�Na?�</p><p>�Ich war in dieser Stadt, als Omeron herrschte. Es lie� sich gut leben hier. Was meinst du, du junger Spund?�</p><p>�Ich bin kein Soldat�, antwortete Kiros, �was immer ihr zwei auch glauben m�gt. Aber ich w�re bereit, f�r Omeron zu k�mpfen.�</p><p>Sadhur vibrierte innerlich vor Erregung. Der Aufstand entwickelte sich von selbst! Doch noch musste er abwarten.</p><p>Schritte waren zu h�ren. �Gehen wir zu deinen Freunden, Kiros. Sie sind schon ungeduldig, nicht wahr?�</p><p>�Das stimmt. Aber seid ihr wirklich bereit, uns zu helfen?�</p><p>Ehe Sadhur damit rechnete, schwang die Haust�r auf. Ein kr�ftiger Mann trat auf die Gasse, wandte sich in seine Richtung � und sah ihn.</p><p>Einen Augenblick schien die Zeit stillzustehen. Dann sagte Bassstimme: �Was suchst du hier? Wer zum ��</p><p>Sadhur legte die Hand um den Schwertgriff.</p><p>Der zweite Mann, Sirt, kam aus dem Haus, dann der junge Mann, Kiros. Alle drei blickten Sadhur unsicher an.</p><p>�Ist euch ernst mit dem, was ihr gesagt habt?� fragte Sadhur. Seine Mundart verriet ohne Zweifel, dass er Thesrader war.</p><p>�Ernst womit?�</p><p>Bassstimme, der kr�ftige Mann, schob Kiros zur Seite und stellte sich vor Sadhur. �Dass wir uns gegen Du-jum wenden wollen?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Du bist ein B�rger dieser Stadt!� entfuhr es Sirt.</p><p>�Ist es euch ernst?� wiederholte Sadhur.</p><p>Die drei blickten ihn stumm an. W�rden sie sich auf ein Gespr�ch einlassen oder zur Waffe greifen? Es war offensichtlich, dass sie �berlegten. Sie sahen in ihm einen kr�ftigen Riesen, dessen ganze Haltung verriet, dass er ein ernstzunehmender Gegner war, und au�erdem �</p><p>Die beiden �lteren M�nner blickten einander an. Der j�ngere hinter ihnen wirkte besorgt.</p><p>�Nun?� brummte Sadhur.</p><p>�Bist du einer von Omerons Leuten?�</p><p>Doch Sadhur war nicht bereit, darauf offen zu antworten, ehe er sich der drei sicher sein konnte. �Das war ich.�</p><p>�Und jetzt geh�rst du zum Widerstand?�</p><p>Sadhur schwieg. <emphasis>�berlegt gut, und seid nicht voreilig im</emphasis><emphasis>Handeln oder Sprechen �</emphasis> und was er seinen M�nnern geraten hatte, galt auch f�r ihn selbst.</p><p>Bassstimme sagte: �Wir sind bereit, mein Guter. Dieser Junge hier kennt weitere M�nner, die genug von Du-jum und seinen Untaten haben.�</p><p>�Das stimmt�, best�tigte Kiros.</p><p>Sadhur lockerte die Hand um den Schwertgriff.</p><p>�K�nnen wir uns unterhalten?� fragte Sirt.</p><p>�Ja.� Sadhur war immer noch unsicher, zumindest was die beiden �lteren M�nner betraf.</p><p>Sirt � er war hochgewachsen und schielte leicht � blickte �ber die Schulter auf Kiros, dann zur Seite auf seinen Kameraden. �Wir waren unterwegs zu Kiros� Freunden.�</p><p>Kiros wandte sich an Sadhur: ��Es d�rfte heute nicht so gef�hrlich auf den Stra�en sein. Du-jum f�hlt sich bereits sicher hier. Aber lasst Euer Schwert nicht sehen, Fremder. Meine Freunde sind in der �Goldenen Kr�te�.�</p><p>Das gab den Ausschlag f�r Sadhur: Ein Krug guten k�hlen Bieres erschien ihm ungemein verlockend.</p><p>Bassstimme sagte: �Also, dann wollen wir uns einen Krug g�nnen und die Sache besprechen. Aber wir d�rfen den Wachen auf den Stra�en nicht auffallen. Also benehmen wir uns, als geh�rte uns die Stadt, dann werden die Burschen sich nichts denken! Die �Goldene Kr�te�, das ist doch Tros� Schenke, oder?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Na so was! Wer h�tte gedacht, dass er den Mut zum Widerstand hat! Komm, Freund � willst du mit?�</p><p>Sadhur nickte und behielt seine anhaltenden Zweifel f�r sich. �Ja, gehen wir.�</p><p>Der J�ngling, der mit Sadhur vorausging, fragte h�rbar aufgeregt: �Kennt Ihr Omeron wirklich? Ich � ich meine, F�rst Omeron. Ich habe oft davon getr�umt, ihm eines Tages als Soldat dienen zu d�rfen. Und nun ist es soweit!�</p><p>Vorsichtig, wohl�berlegt, um ja nicht zuviel zu verraten, erz�hlte Sadhur ihm voll Stolz einiges �ber Omeron.</p><p>Die beiden anderen �berholten sie und gingen ein paar Schritte voraus. Sie l�chelten und fl�sterten miteinander, w�hrend Sadhur und Kiros sich unterhielten.</p><p>�Zwei�, zischelte Sirt. �Und einer ein echter Widerstandsk�mpfer. Die G�tter meinen es gut mit uns!�</p><p>�Dem Jungen haben wir ordentlich Sand in die Augen gestreut. Um seine Freunde m�ssen wir uns sp�ter k�mmern.�</p><p>�Kein Problem. Jetzt bringen wir die beiden erst mal zum Palast und streichen unser Gold ein.�</p><p>�Weitere Opfer f�r Du-jum! So kommen wir zu viel gr��erem Reichtum, als wir je als Omerons Diener eingeheimst h�tten.�</p><p>�Und auf dem R�ckweg k�nnten wir uns vielleicht Yarises Sklavin vornehmen, was meinst du?�</p><p>�Warum nicht?� brummte Bassstimme. �Die Nacht ist jung, und die blonde Maid hat einen h�bschen Hintern. Nein, lieber doch nicht. Man munkelt, dass die Prinzessin es mit ihr treibt. Es k�nnte gef�hrlich sein, wenn wir sie eifers�chtig machten.�</p><p>Beide lachten rau, wie �ber einen schmutzigen Witz.</p><p>Sadhur, der dem jungen Mann F�rst Omerons Lob in allen T�nen sang, hielt den Witz der beiden f�r einen gegen Du-jum gerichteten Spott.</p><empty-line/><p>Omeron, Sonja und f�nf andere hatten eine Schenke aufgesucht, deren Wirt Omeron seit dessen Kindheit kannte. Der F�rst hatte zun�chst einen seiner Leute durch die unverschlossene Hintert�r in einer dunklen Gasse hineingeschickt, um erkunden zu lassen, ob der grauhaarige ein�ugige Alte �berhaupt noch lebte.</p><p>Er lebte noch und hauste mit vier M�nnern und zwei Frauen � eine davon war seine schwangere Enkelin � in seinem Keller. Den ein�ugigen Benfu h�tte fast der Schlag getroffen, als Omerons Mann ihm aus dem Dunkeln zufl�sterte, w�hrend der Alte Brot und Wein aus der verlassenen Schenke zu dem Kellerversteck trug.</p><p>�Ich diene Du-jum!� hatte er herausgew�rgt.</p><p>�Von wegen!� entgegnete der Soldat. �Ich komme von Omeron!�</p><p>�Ihr l�gt!�</p><p>�Wir sind Widerstandsk�mpfer, Alter. Beruhigt Euch. Omeron ist bei uns. Kommt und seht selbst!�</p><p>�Ihr l�gt! Ihr l�gt!�</p><p>Aber der Mann hatte inzwischen die T�r ge�ffnet � und Omeron, Sonja und der Rest traten ein. Gl�cklich umarmte Benfu seinen F�rsten und weinte vor Freude, dass dieser noch lebte.</p><empty-line/><p>W�hrend die anderen im Keller eine wohlverdiente Mahlzeit zu sich nahmen, sa�en Omeron und Sonja oben an einem Tisch in der dunklen Gaststube. Sie blickten durch ein halboffenes Fenster, doch hier am Stadtrand gab es wenige Streifen, ja kaum Schritte waren zu h�ren, und wenn, dann die von alten Frauen oder ver�ngstigten jungen M�dchen, die in den Abf�llen nach etwas Essbarem suchten.</p><p>Sonja und Omeron a�en Brot und K�se, w�hrend sie in die Stille und Dunkelheit lauschten, bis zwei von den anderen sie hier oben abl�sen und ihrerseits Wache halfen w�rden. Erst dann konnten sie sich ein bisschen schwerverdiente Ruhe g�nnen.</p><p>Hin und wieder wechselten sie ein paar leise Worte miteinander.</p><p>�Und Eure Gattin?� fragte Sonja und griff damit einen Gespr�chsfaden auf, den Omeron abrupt hatte fallen lassen.</p><p>�Ich hasse sie. Ich kann nicht dagegen an, Sonja. Bei den G�ttern, ich vertraute ihr, und dieses Vertrauen hat sie auf so gemeine Weise missbraucht! Sie ist ein verzogenes Kind, das nach gr��eren Zielen strebt, als das Leben gew�hren kann, und verachtet das Erreichte und Erreichbare. Sie konnte sich nie damit abfinden, eine gew�hnliche Sterbliche zu sein. Und nun ist sie zur Zauberin und Verr�terin geworden. Ich nehme an, es h�ngt mit ihrer Vergangenheit zusammen.�</p><p>�Jeder muss lernen, auf seine Weise zu �berleben, Omeron.�</p><p>�Das stimmt, ist jedoch keine Entschuldigung f�r sie. Trotz allem darf man die Gesetze der G�tter nicht au�er acht lassen.�</p><p>�Nein, es entschuldigt sie nicht. Aber ich habe mir oft Gedanken �ber die G�tter und ihre Werte gemacht.�</p><p>Omeron blickte Sonja scharf an. �Aber gewiss glaubt Ihr doch an das Gute in Euch?�</p><p>�Ja..., Nat�rlich.�</p><p>�Ihr dankt, wenn man Euch zu helfen versucht, und wollt, wenn Ihr Euch in jemandes Schuld glaubt, diese vermeintliche Schuld begleichen, so wie Ihr m�chtet, dass andere es Euch gegen�ber t�ten. Habe ich recht?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ihr glaubt an M�chte, die gr��er als der Mensch sind, und an ihre Gesetze?�</p><p>�Ja.� Es wurde Sonja innerlich ein wenig kalt, als sie an jene �berirdischen M�chte dachte, denen sie ein fruchtloses, unerf�lltes Leben verdankte.</p><p>�Ihr seid der Meinung, dass der Mensch sich f�r Gerechtigkeit und Ehrlichkeit einsetzen soll und kann, und dass er weiter danach streben soll, selbst, wenn er so manches Mal zu versagen scheint?�</p><p>Sonja nickte.</p><p>�Und dass es Liebe gibt?�</p><p>�Ja, das wei� ich.�</p><p>�Und dass � soweit wir als Sterbliche das zu erkennen verm�gen � es Gesch�pfe und Dinge gibt, die gut sind, und andere, die b�se sind?�</p><p>�Auch das, Omeron. Aber worauf wollt Ihr hinaus?�</p><p>�Es gibt Werte. Ob man nun Soldat oder Hure, K�nig oder Schuhmacher ist, all diese Werte werden von jenen gesch�tzt, die stolz sind, Menschen zu sein, die gern Menschen sind und die den Fortgang des Lebenskampfes wert erachten. Jeder, der nichts von diesen Werten h�lt, ist im selben Ma�, in dem er sie verleugnet, weniger Mensch und wird jede Gelegenheit nutzen, sich noch mehr vom Menschsein zu entfernen. So ist es mit Yarise. In dieser Flucht vor sich selbst mag sie vielleicht sogar gro�e Macht erlangen. Doch wie und wo sie sich auch verstecken mag, der strafenden Gerechtigkeit wird sie nicht entgehen. Je gr��er die Prahlerei, desto gr��er der Zweifel des Prahlers; je st�rker die R�stung, desto schw�cher der Mann in ihr; je lauter die Stimme, desto unsicherer die �berzeugung. Und so weiter. Ihr wisst das alles selbst, Sonja, denn sonst w�rt Ihr nicht, was Ihr seid. Fr�her oder sp�ter offenbart sich das Wesen eines Menschen, sei es durch ein Wort, eine Geste, beim Brotbacken, beim Lieben oder beim Kampf ums Leben.�</p><p>Sonja h�rte ihm stumm zu. Ihr war klar geworden, dass Omerons Philosophie in der tiefen Wunde wurzelte, die Yarise ihm geschlagen hatte. Am liebsten h�tte sie die Hand �ber den Tisch nach der seinen ausgestreckt, nicht aus Liebe, sondern in tiefem Mitgef�hl, aus dem Verst�ndnis heraus, das zwei Au�enstehende verband, zwei K�mpfer gegen das gleichg�ltige Geschick, das so ungerecht in seiner Verteilung von Waffen und Schutz war.</p><p>�Wir benutzen Worte, um nicht handeln zu m�ssen, und Taten, um Worte zu vermeiden. O ihr G�tter! Wo ist das wahre Gleichgewicht? Wo die Antwort, die zu keinen weiteren Fragen veranlasst? Wieso ist der Mensch nichts weiter als ein bisschen Hoffnung und ein verg�nglicher Geist, dessen Nachkommen das zerst�ren, was er erreicht hat?�</p><p>Er verschr�nkte die H�nde, zog sie dicht an sich und lehnte sich weit zur�ck, so dass die Schatten des Raums ihn fast verbargen.</p><p>Erinnerungen quollen in Sonja auf, w�hrend sie auf ihn blickte. Erinnerungen an Olin � an Suthad � Nein, sie musste diese schmerzlichen Geister der Vergangenheit verdr�ngen. Sie und Omeron waren m�de, ersch�pft, aufgew�hlt, bedr�ngt, unsicher.</p><p>Pl�tzlich lie� ein Ger�usch sie zusammenzucken � ein Ger�usch von der Gasse.</p><p>Es brannte kein Licht in der Schenke, das sie h�tte verraten k�nnen, trotzdem duckte Sonja sich, zog leise ihr Schwert, dr�ckte sich an die Wand und sp�hte so aus dem Fenster. Omeron tat es ihr auf der anderen Tischseite gleich, um festzustellen, wer das Ger�usch in der dunklen Gasse verursacht hatte.</p><p>Einen langen Moment herrschte absolute, fast unertr�gliche Stille. Sonja begann sich zu entspannen. Konnte es sein, dass sie sich das Ger�usch in ihrem �berreizten Zustand nur eingebildet hatte?</p><p>Doch da war es erneut zu vernehmen, und etwas Gro�es, Dunkles bewegte sich in der Gasse. Im gleichen Augenblick erklangen Schritte auf der Kellertreppe.</p><p>�Omeron ��</p><p>Es waren seine beunruhigten M�nner. �Pssst!� warnte Omeron. �Feinde!�</p><p>Sofort dr�ckten sich seine Soldaten � vier waren es � in die Dunkelheit an der Wand, lauschten und zogen lautlos ihre Schwerter.</p><p>Sonja hielt den Atem an, als die Gestalt auf der Gasse vor das Fenster trat und mit unsicheren Blicken in die Gaststube sp�hte. In dem schwach zu sehenden fahlwei�en Gesicht brannten gelbe Augen. Ein Zauberer!</p></section><section><title><p>6</p></title><p>Als sie um eine Ecke bogen, blickte Kiros auf und bemerkte, wie nahe sie. dem Palast waren. Mit einem Finger auf den Lippen bedeutete er Sadhur zu schweigen und wisperte: �Das ist nicht der Weg zu meinen Freunden.�</p><p>Sadhur ging langsamer und drehte sich um. Auch Kiros schaute �ber die Schulter. Da und dort auf der Stra�e waren Soldaten.</p><p>Ihren Begleitern vor ihnen fiel das Z�gern der beiden auf. Sie wirbelten herum. Die Schwerter�die sie bisher verborgen gehalten hatten, lagen blank in ihren H�nden.</p><p>Sadhur blieb stehen. Ein kalter Schauder rann ihm �ber den R�cken. �Was zum �� Sofort griff er nach seiner Klinge.</p><p>Aber die beiden sprangen auf ihn und Kiros zu und gaben Sadhur keine Gelegenheit, das Schwert zu ziehen.</p><p>�Geht weiter!�</p><p>�Ich schneide euch die Gurgel durch!� knurrte Sadhur.</p><p>�Das bezweifle ich.� Sirt dr�ckte leicht seine Klinge an Sadhurs Kehle und beugte sich nach vorn, um Sadhurs Schwert aus der Scheide zu ziehen. Sein Kamerad tat dasselbe bei Kiros, der vor Schrecken sprachlos war, als er erkannte, dass man ihn �bert�lpelt hatte.</p><p><emphasis>�Omeron!�</emphasis></p><p>Wahnsinnig vor Wut, �berzeugt, dass alles verloren sei, schlug Sadhur die Klinge an seinem Hals mit dem linken Arm zur Seite und schmetterte seine gewaltige Rechte in Sirts Gesicht. Knochen barsten unter dem gewaltigen Hieb. Du-jums Mann schlug schwer auf dem Kopfsteinpflaster auf und spuckte mehrere Z�hne aus.</p><p>Bassstimme wirbelte herum und hob die Klinge, ehe Sadhur seine ziehen konnte. Pl�tzlich erstarrte er, dann br�llte er seine Wut und seinen Schmerz hinaus. Kiros hatte seinen Dolch gezogen und ihn dem Kerl ins Ges�� gestochen. Wieder wirbelte Bassstimme herum, schwang das Schwert, doch es sauste durch leere Luft, als der Junge sich duckte und geschickt zur Seite sprang. Da der Kr�ftige sah, dass Sadhur nun mit blankem Schwert auf ihn losging, stie� er eine Verw�nschung hervor und raste davon.</p><p>Jetzt war es Sadhur, der fluchte. Er riss eines seiner langen Wurfmesser heraus und schleuderte es gekonnt. Die schwere Klinge drang in den R�cken des Burschen, der erstaunlich schrill schrie, schwer mit dem Gesicht auf das Pflaster st�rzte und mit den Armen verzweifelt um sich schlug, w�hrend er seine Beine nicht mehr zu bewegen vermochte.</p><p>Du-jums Soldaten kamen sofort aus allen Richtungen herbeigerannt und zogen die Klingen. Blutspuckend stie� Sirt Verw�nschungen aus und tastete nach seinem entglittenen Schwert. Knurrend schwang Sadhur. seine Klinge und trennte dem Kerl den Arm an der Schulter ab.</p><p>�R�cken an R�cken, Junge!� br�llte er Kiros zu, als Du-jums M�nner immer n�her kamen. �Hier, nimm meinen anderen Dolch. Und tu dein Bestes � wir wollen unser Leben so teuer wie m�glich verkaufen, bei Mitra! Da sind sie! <emphasis>Omeron!�</emphasis></p><p>Stahl klirrte auf Stahl, als die W�chter die beiden umzingelten.</p><p>Sie kamen gegen Ende des Abendmahls im Palast an � ein kleiner Trupp Soldaten, ersch�pft und verwundet.</p><p>�Wir bringen zwei Gefangene, Lord Du-jum�, meldete ihr Offizier, ein schwarzer Darfarier, der Knochen in sein Haar eingeflochten hatte und eine blutige Binde um seine Schwerthand trug. �Thesrader Aufr�hrer. Wir nahmen sie lebend gefangen, denn wir wussten, dass Euch das lieber w�re, obwohl es uns teuer zu stehen kam.�</p><p>Du-jum hie� sie erfreut willkommen und versprach ihnen Gold, weil sie f�r die so dringend ben�tigte Unterhaltung zum Wein nach dem Abendessen gesorgt hatten. Yarise und die Zauberer schauten zu, als Du-jum den Soldaten befahl�die Gefangenen hereinzubringen.</p><p>Sie waren gekettet und wiesen am ganzen K�rper Schnittwunden und Bluterg�sse auf, vor allem der muskul�se Riese, dessen linker Arm so zerfleischt war, dass er gewiss verblutet w�re, h�tte man ihm den Arm nicht unter den Achseln abgebunden.</p><p>�Wer sind diese Gefangenen?� fragte Du-jum.</p><p>�Thesrader Rebellen, mein Lord. Ihre Namen kennen wir nicht.�</p><p>Du-jum betrachtete die beiden n�her. �Der j�ngere ist ein Diener. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, ich habe ihn ein- oder zweimal im Palast gesehen; diese bleichen Hundes�hne sehen alle gleich aus. Schafft ihn ins Verlies. Wir benutzen ihn ein andermal als Opfer. Aber lasst den Gro�en da. Er d�rfte uns ausreichend. Unterhaltung bieten.�</p><p>Die W�chter verbeugten sich, und zwei f�hrten den J�ngling aus dem Speisesaal.</p><p>�Wie hei�t du?� wandte Du-jum sich an den gro�en Gefangenen. �Sprich freiwillig, wenn du nicht m�chtest, dass ich nachhelfe.� Er blickte, die W�chter fragend an, die mit langklingigen Speeren hinter dem Mann standen.</p><p>Einer hob eine Braue. �Ich glaube, er ist ein Offizier Omerons, Lord Du-jum.�</p><p>�Stimmt das?� Der Hexer wandte sich an den Riesen.</p><p>�Ja!� rief ein Thesrader Spitzel von einem nahen Tisch. �Er ist Sadhur, einer von Omerons Offizieren.�</p><p>Pl�tzlich spuckte Sadhur Du-jum ins Gesicht. Der Hexer wollte hochfahren, doch dann wischte er sich den Speichel ab und lachte rachs�chtig.</p><p>�Wo habt ihr ihn gefunden?� fragte er die Soldaten.</p><p>�Auf der Stra�e, als er gegen zwei Eurer Thesrader Informanten k�mpfte. Er verwundete sie so schwer, dass man ihnen den Gnadensto� geben wird m�ssen.�</p><p>Wieder wandte Du-jum sich an Sadhur: �Sag mir, wo du herkommst und wo Omeron jetzt ist. Am Berghang ist er nicht mehr, das wei� ich. Und sag mir, wer den Zauber bewirkte, der meinen magischen Vogel zur�ckschickte.�</p><p>Eisig und stumm blickte Sadhur ihn an.</p><p>�Nun gut�, sagte Du-jum mit ruhiger Stimme. Er streckte den rechten Arm aus und tupfte Sadhur mit einem schlanken Finger auf die Stirn.</p><p>Der Fingernagel ber�hrte den Riesen kaum, aber Sadhur war, als h�tte ihn ein Schmiedehammer mit voller Kraft getroffen. Er. kippte nach hinten, seine Knie gaben nach, und er st�rzte heftig auf den R�cken, da seine Arme und Beine immer noch gekettet waren. Er war wie gel�hmt, kein Muskel gehorchte, ja er brachte nicht einmal einen Laut hervor. Ein Schatten legte sich auf ihn. Als er nach oben schaute, sah er den hochgewachsenen Du-jum in seinem langen dunklen Gewand mit gr�belndem Gesicht �ber sich stehen.</p><p>�Du wirst sprechen. Du wirst mir sagen, was ich wissen will, oder du wirst solche Qualen erleiden, wie du sie dir nicht einmal vorstellen kannst. Verstehst du? Ich benutze keine gl�henden Zangen oder Daumenschrauben f�r meine Foltern, sondern dies hier!� Er hob die H�nde. �Ich werde dich nicht einmal ber�hren, trotzdem wirst du Schmerzen erleiden, wie wenige auf Erden sie je kennen lernten � und sie werden anhalten, bis du mir alles sagst!�</p><p>St�hle knarrten laut im Saal, als die Anwesenden sich vorlehnten, damit ihnen nur ja nichts entgehe. Nur die paar Thesrader Verr�ter im Saal zogen sich beunruhigt von den Tischen zur�ck und schlossen sich den W�chtern an den T�ren an.</p><p>Sadhur funkelte den Hexer herausfordernd an, aber sein Gesicht war blass, und Schwei� rann von der Stirn in den Bart. Er war noch wie benommen durch die Tatsache seiner Gefangennahme, au�erdem verwundet und ersch�pft. Falls er sprach, w�rde Du-jum vielleicht die unsichtbaren Bande l�sen, mit denen er ihn hielt, trotzdem �ffnete er den Mund nicht.</p><p>�Nun gut�, sagte Du-jum schlie�lich. �Ich werde dich zum Reden bringen!� Er trat n�her an den Gefangenen heran, hob die H�nde, und seine Augen begannen zu gl�hen.</p><empty-line/><p>Das Abendessen war Elath nicht bekommen. Er hatte es vorzeitig verlassen, noch ehe Sadhur und Kiros herbeigeschleppt wurden, und nun wanderte er in der Dunkelheit durch die trostlosen Stra�en, um mit sich ins reine zu kommen., .</p><p>�Wohin wird meine Bestimmung mich jetzt f�hren?� fragte er sich laut.</p><p>Aspre war zu selbstsicher und zu vertrauensselig. Er war ein Spielzeug in Du-jums Hand � obwohl Du-jum m�glicherweise selbst noch nicht so recht wusste, was er mit den sieben machen sollte.</p><p>�Aber er wird uns als Bedrohung sehen�, murmelte Elath. �Als Bedrohung, wie nur starke Verb�ndete es sein k�nnen oder wie ein eigensinniges Kind es f�r die Eltern sein mag.�</p><p>Es hatte wenig Sinn, mit Du-jum um Zeit zu pokern, denn die Zeit war auf seiner Seite, wie vielleicht alles andere auch. Alles an dem Hexer war kalt, finster und verzerrt.</p><p>�Lenke mich, o mein Los�, fl�sterte Elath in die Nacht. �Leitet mich, ihr G�tter des Schicksals!�</p><p>Derart gr�belnd und vor sich hinmurmelnd, wanderte er durch Stra�en und Gassen, bis er in das gespenstischste Viertel am Stadtrand gelangte, mit seiner Erinnerung an grauenvolle Schreie in der Luft und trocknendem Blut auf den Kopfsteinen. Ein Nebel erhob sich � von seinem Geist? Von seinen Zweifeln? Elath wurde bewusst, dass er sich in einer engen Hintergasse befand, au�erhalb einer Schenke, die verlassen sein sollte.</p><p>Doch das war sie nicht.</p><p>Mit seinem ausgebildeten Geh�r vernahm er leise Stimmen und die ungestellten Fragen menschlichen Geistes. Er blieb stehen und sp�hte durch das Fenster. Er vermeinte Menschen zu sehen.</p><p>Menschen. Kinder des Sturms, diese Menschen, die im Dunkeln kauerten �</p><p>Und w�hrend er hineinblickte, spiegelte die Fensterscheibe seine gelben Augen wider, ged�mpft durch den Schleier davor. Auch sein Geist war verschleiert � geteilt. Ihm wurde bewusst, dass er �berlegte, ob er sich diese Menschen zu Freunden machen, sie fragen und ihnen antworten � oder sie als m�gliche Feinde vernichten sollte.</p><p>Schritte � eine T�r �ffnete sich, scharrte. F�r ihn klang es wie der knurrende Magen eines hungrigen Drachen. Stimmen, Atmen � und ergrimmte, doch erschrockene Gesichter.</p><p>Elath drehte sich um � er starrte geradewegs auf einen Mann und eine Frau in der Dunkelheit, die die Klingen gez�ckt hatten. Und er h�rte sie sprechen.</p><p>�Omeron � dort!�</p><p>Es war alles so schnell gegangen. Selbst die Magie von Zauberern ist der treibenden Furcht von Menschen auf einer ihrer Bahn unsicheren Welt unterlegen.</p><p>�Ich sehe ihn, Sonja! Geist oder Mensch, was auch immer, bleib stehen, wo du bist!�</p><p>�Bleib stehen!� echote die Stimme der Frau, laut vor Erregung. Dann kamen sie auf ihn zu, ganz dicht mit ihren Klingenspitzen.</p><p>Da handelte Elath. Er hob die H�nde in einer ersten Geste magischen Schutzes.</p><p>�Sonja! Passt auf!� Omeron hob das Schwert.</p><p>Zischend stie� Elath wirksame Worte der Macht hervor: <emphasis>�lak-sa-togo, iuta mei!�</emphasis></p><p>�Zauberer! <emphasis>Zauberer!�</emphasis> W�hrend sein Schwert mit hassgetriebener Heftigkeit auf den Kopf des jungen Magiers herabsauste, knirschte Omeron zwischen den Z�hnen: <emphasis>�Ihr � habt � Thesrad � zerst�rt�.�</emphasis></p><p>Sonja war einen Schritt zur�ckgeblieben. Sie keuchte, als sie sah, wie Omerons Schwert wie von einem unsichtbaren Schild zur�ckprallte.</p><p>�Vorsicht, Omeron � Zauberer sind listig!�</p><p>Aber rasend vor Wut griff der Lord erneut an und hieb auf die Brust der gelb�ugigen Kreatur ein. All sein angestauter Grimm und seine Verzweiflung steckten in diesem Schlag.</p><p>Der Zauberer wich zur�ck. Seine Augen gl�hten. Er streckte einen Arm aus, und die Hand wob einen m�chtigen, unsichtbaren Schild in die Luft.</p><p>�Stirb, verdammt!� heulte Omeron. Er zog das Schwert nach dem vergeblichen Hieb zur�ck und schwang es erneut.</p><p><emphasis>�Omeron!�</emphasis> schrie der Zauberer. <emphasis>�H�rt auf!�</emphasis></p><p>Doch aufs neue sauste die Klinge des F�rsten herab, ein Silberblitz in der Dunkelheit der Gasse. Sie traf Elaths magischen Schutz und h�tte ihn fast durchbrochen. Wieder schwang Omeron das Schwert. Elath sch�ttelte mit immer noch gl�henden Augen den Kopf, dann kniete er sich vor ihm nieder und hob flehend die H�nde. Aber schon brauste Omerons Klinge erneut herab, und auch diesmal prallte sie wie von einem unsichtbaren Schild ab.</p><p>Trotzdem dachte Omeron nicht daran, aufzugeben. Er st�rzte sich auf den Knienden, versuchte immer wieder die Klinge durch den magischen Schutz zu sto�en � vergebens.</p><p>�Omeron!� schrie Elath.</p><p>Knirschend vor hilflosem Zorn wich Omeron schlie�lich zur�ck, und das Schwert zitterte in seiner Hand.</p><p>�Omeron! Ich bin nicht Euer Feind, Omeron!�</p><p>�Vorsicht � Zauberer sind Meister der T�uschung!� warnte Sonja. �Kommt ihm nicht zu nahe! Wer wei�, ob er nicht �ber Euch herf�llt, wenn Ihr es am wenigsten erwartet!� Aber sie stellte sich neben den F�rsten und blickte hinab auf Elath und fragte sich, was die gelben Augen verbargen.</p><p>�Ich bin nicht Euer Feind, Lord Omeron!� versicherte ihm Elath aufs neue. �Der Zauberer ist mein Feind nicht weniger als. Eurer. Er muss get�tet werden!�</p><p>�Get�tet!� Omeron w�rgte an dem Wort. �Thesrad ist vernichtet!�</p><p>�Omeron!� Sonja legte sanft die Hand auf seine Schulter.</p><p>�Thesrad ist vernichtet! Thesrad ist vernichtet!� heulte er. Nicht mehr Herr seiner Sinne, trat er nach Elaths Schutzschirm, dann hieb er mit dem Schwert auf die Hausmauer ein. �Und ich kann nicht einmal einen ihrer Vernichter t�ten!�</p><p>�Ich hatte nichts damit zu tun, Lord Omeron!�</p><p>Inzwischen hatte der L�rm auch andere herbeigelockt. Sie hielten sich jedoch beobachtend und lauschend zur�ck. Sonja blickte auf sie, dann wieder auf den F�rsten.</p><p>�Omeron, Ihr m�sst einen klaren Kopf bewahren! H�rt Ihr? Ich glaube, dieser Magier spricht die Wahrheit. Und in einem Punkt hat er sicher recht: Wir m�ssen Du-jum t�ten!�</p><p>Omeron drehte sich zu ihr um. Aus den Augenwinkeln sah er seine Soldaten an der Hintert�r der Schenke, und Tr�nen zogen Rillen durch seine schwei�- und schmutz�berkrusteten Wangen. �Zauberer!�</p><p>Sein Gesicht verwandelte sich in eine Maske der Wut. Er hielt den Kopf erhoben und deutete mit dem Schwert hinter sich auf den noch immer knienden Elath. �Ihr Blut � ihr Blut � wird die Stadt vom Blut unserer Br�der und Schwestern, unserer M�tter und Kinder und V�ter reinigen. Wir werden Thesrad neu aufbauen, mit Ziegeln, die wir mit dem Blut unserer Feinde zusammenf�gen!�</p><p>Niemand sagte etwas. Alle starrten ihn nur an.</p><p>Stolz, zornig, von Rache erf�llt und in seiner Ersch�pfung l�ngst �ber den Punkt der Duldsamkeit hinaus, betrat Omeron wieder die Schenke. Seine M�nner, die inzwischen n�her herangekommen waren, machten ihm Platz. Er zog eine. Flasche aus dem Weinregal hinter dem Schanktisch und setzte sich mit ihr an einen Tisch in der D�sternis, um zu trinken und zu gr�beln � und um die Anwesenheit des Zauberers aus seinen Gedanken zu vertreiben, bis seine Wut abgek�hlt war.</p><p>Auch Sonja und die anderen kehrten in die Schenke zur�ck, und Elath folgte ihnen. Als Sonja es bemerkte, wandte sie sich an ihn: �So seid Ihr wahrhaftig auf unserer Seite, Zauberer?�</p><p>�Ja � und tief in seinem Innern wei� Omeron es, denn wenn nicht, h�tte er seine M�nner auf mich gehetzt. Er wird es zugeben, sobald sein aus Wut und Verzweiflung geborener Wahnsinn verflogen ist.�</p><p>Sonja nickte. �Ja, Wahnsinn � ein Wahnsinn, der ihn. schon eher h�tte erfassen m�ssen. Aber er wird vergehen, genau wie Ihr sagt, denn er ist ein starker Mann. Vielleicht ist es noch nicht zu sp�t � f�r Omeron, oder f�r mich, oder f�r die Stadt Thesrad.�</p><p>�Nicht zu sp�t�, echote der Zauberer leise und schloss die Schenkent�r hinter sich. �Nicht zu sp�t. Dank Euch, Kriegerin, denn Ihr sp�rtet die Wahrheit meiner Worte. Ich werde Euch im Kampf gegen Du-jum helfen!</p><p>Ihr m�sst Euch nun alle beruhigen und Euren Geist verschlie�en, denn selbst in den verborgensten Winkeln einer, Stadt und mitten in der Nacht k�nnen alte Ziegel, f�r einen des Zaubers so M�chtigen wie Du-jum, Geheimnisse belauschen und beobachten. Er f�hlt Stimmen und Schritte, von denen nur versteckte Wege wissen.�</p><p>Die Stimme des Zauberers wurde klangvoller. �Die Zeit schreitet voran, sie ver�ndert sich, wie der Mensch sich ver�ndert. St�dte, Gesetze, Armeen, M�tter mit Kindern, Zauberadepten, ins Leben gerufene steinerne V�gel � alles ver�ndert sich und schwindet, nimmt neue Formen an. Und alle St�dte sind eins � eine einzige namenlose Stadt inmitten der Nacht.�</p><p>Nebel wallte herbei, d�mpfte das schwache Licht und verbarg die hochgewachsene Gestalt Elaths. Nur seine gelben Augen blieben sichtbar. Beunruhigt scharrten Omerons M�nner mit den F��en.</p><p>�Wenn Ihr wirklich auf unserer Seite seid�, murmelte Sonja und k�mpfte gegen den Schauder an, der wie mit eisiger Hand �ber ihren R�cken strich, �dann haltet jetzt lieber den Mund und helft uns, ein paar Kerzen anzuz�nden!�</p><empty-line/><p>Sadhur schrie, als er aus seiner Mutter blutigem Scho� wiedergeboren, aus ihr gerissen und an ihre Brust zum Saugen angelegt wurde. Doch seine Mutter stillte ihn nicht. Sie hob ihn hoch � ihr Neugeborenes � und hielt ihn �ber ihr Gesicht, blickte mit den Augen einer D�monin in seine, dann senkte sie ihn ein wenig und n�herte ihre Vampirz�hne seinem weichen Hals.</p><p>Sadhur schrie � schrillte und wehrte sich, obgleich er gerade erst neugeboren und kraftlos war. Alle Leben, die er je gelebt hatte, k�mpften und b�umten sich auf und kreischten, als seiner Mutter Kiefer sich weiter �ffneten und mit Du-jums unerbittlicher Stimme befahlen: �Sprich! Sprich, Sadhur! Erz�hl mir von Omeron � oder ich werde dich aus dem feurigen Scho� eines Drachen geb�ren lassen!�</p><p>Sadhur br�llte, als die F�nge sich in ihn bohrten und wie gl�hende Lanzenspitzen brannten. Er w�lzte und wand sich im Geist, und er wusste doch, dass er zur Reglosigkeit verdammt auf dem Boden lag. Einen fl�chtigen Moment erschien Du-jums Gesicht klar und deutlich �ber ihm. Sadhur versuchte, den Schwei� aus den Augen zu blinzeln, und wollte sprechen. Doch seine Zunge klebte dick und hei� am Gaumen und verschloss ihm die Kehle.</p><p>�Sprich, Sadhur!� befahl Du-jum h�hnisch.</p><p>Tr�nen rollten �ber Sadhurs Wangen. Er versuchte den Mund zu bewegen, ein bisschen Speichel zu sammeln, doch mit h�hnischer Miene gestikulierte Du-jum, und wieder wurde Sadhur fortgerissen, und panisch schrie er im Geist, als er in einen bodenlosen Abgrund st�rzte.</p><p>Rotgl�hende D�sternis herrschte. Frauen erschienen, formten sich aus der Dunkelheit, vier sch�ne Frauen � von. �ppiger Figur zwei, die beiden anderen schlank. Sie schwebten auf Sadhur zu. R�stung und Kleidung fielen von ihm ab, und sie begannen ihn zu liebkosen. Sinnlich, erfahren k�ssten sie ihn, streichelten ihn mit Fingern und Lippen, schmiegten sich an ihn. �Sag es uns�, fl�sterten sie leidenschaftlich. �Sag es uns!� Doch als Sadhur es nicht tat, bissen und kratzten sie ihn. Qualvoll st�hnte er, als die Frauen sich verwandelten: eine in eine Schlange mit Giftz�hnen, eine in eine haarige Riesenspinne, die dritte in eine wie aus Eis gehauene Erscheinung, und die vierte in einen gewaltigen ledrigen Vogel mit langem, spitzem Schnabel. �Sag es uns!� kreischten sie. �Sag es uns.�</p><p>Weiter kratzten und bissen sie ihn, bedr�ngten ihn k�rperlich. <emphasis>�Ich kann nicht! Ich kann nicht!�</emphasis> schrillte Sadhur. Da schnellte der Schnabel der Vogelfrau vor, und Blut spritzte zwischen Sadhurs Beinen. Die Spinne sprang ihm auf den Kopf, ihre haarigen Beine wanden sich w�rgend um sein Gesicht und den Hals. Und Sadhur schrie im Geist: <emphasis>�Ich kann nicht! Ich kann nicht!�</emphasis> Und dann, ganz pl�tzlich, l�ste er sich voll Dankbarkeit in endlose Dunkelheit ohne jegliches Gef�hl auf.</p><p>Du-jum fletschte die Z�hne in wilder Entt�uschung. Eine lange Weile starrte er auf Sadhurs Leiche und wisperte: �Dummkopf! Du h�ttest dich retten und Lust haben k�nnen, so gro� wie dein Leiden!�</p><p>Wachen eilten schnell herbei und starrten auf den Toten, der verst�mmelt war, ohne dass eine Hand ihn ber�hrt hatte. Blut floss immer noch zwischen den Beinen hervor, von dem bis zur Unkenntlichkeit zerkratzten Gesicht und von den Armen und Beinen. Doch Du-jum winkte sie zur�ck und beschrieb mit beiden H�nden Zeichen �ber der Leiche.</p><p><emphasis>�Ka naku!�</emphasis> sprach er bed�chtig. <emphasis>�Astur im kanayam og ioto ��</emphasis></p><p>Sadhurs Leiche begann zu verschwimmen und sich in blauem Rauch aufzul�sen, der schlie�lich bei�end den ganzen Raum erf�llte. In wenigen Herzschl�gen war alles verschwunden � Fleisch und Gebeine und vergossenes Blut. Nur ein l�nglicher ru�iger Fleck blieb auf den Bodenplatten zur�ck.</p><p>Ohne ein weiteres Wort drehte Du-jum sich um und verlie� das Gemach, nicht ohne einen strengen Blick auf Yarise und die sechs jungen Zauberer zu werfen, die er v�llig ersch�ttert �ber das unmenschliche Schauspiel zur�cklie�.</p><empty-line/><p>Im Morgengrauen kehrten Omerons M�nner einzeln oder in kleinen Gruppen zur�ck. Sie fanden sich in der Schenke ein und meldeten, was sie erfahren und erreicht hatten.</p><p>Allen war es gelungen, Verbindung mit Widerstandsk�mpfern aufzunehmen, denen sie versichert hatten, dass Lord Omeron wahrhaftig noch lebte und dass ein allgemeiner Aufstand gegen den Zauberer am fr�hen Morgen geplant war � ein Sturm auf den Palast. Die ersten paar Minuten w�rden entscheidend sein, denn wenn die Legionen von Du-jums W�chtern �berw�ltigt werden konnten, w�rden die unterdr�ckten B�rger sich vielleicht ein Herz fassen und mit Omerons Leuten gegen den Hexer k�mpfen.</p><p>Aber Sadhur fehlte, und als die letzten der M�nner eintrafen, meldete einer bedr�ckt: �Lord Omeron, wir haben ihn noch gesehen. Er und ein junger Bursche wurden in einem Kampf gegen Du-jums Soldaten �berw�ltigt.�</p><p>�Gefangen genommen?� Omerons Stimme zitterte. Er hatte sich kurz ausruhen k�nnen, aber sein Gesicht verriet seine immer noch gro�e M�digkeit.</p><p>�Ja, mein Lord.�</p><p>Omeron schwieg eine lange Weile. �Dann ist er tot�, sagte er d�ster.</p><p>�Das wissen wir nicht mit Sicherheit�, gab Sonja zu bedenken.</p><p>�Nein!� Der F�rst von Thesrad schlug mit der Faust auf die Tischplatte. �Aber es ist anzunehmen, dass er tot ist. Und es ist ebenfalls anzunehmen, dass Du-jum versuchte, alles, was er �ber uns wusste, aus ihm herauszufoltern. Und wir m�ssen annehmen, dass es ihm gelang. Aber wir werden mit unserem Plan fortfahren und dabei wachsam auf jegliches Anzeichen von Verrat achten!�</p><p>Alle nickten.</p><p>Als. es hell genug wurde, um Einzelheiten zu erkennen, lie� Omeron alle den Eid leisten, auf Leben und Tod zu k�mpfen, um die Stadt zur�ckzuerobern.</p><p>Auch Sonja leistete diesen Eid. Bald w�rde sie ihr Bestes geben m�ssen. Bisher hatte sie noch wenig hier getan, doch das w�rde sich nun �ndern. Wie oft hatte das Schicksal sie schon gezwungen, gegen Zauberei zu k�mpfen! Sie war die Rote Sonja, und sie leistete den Eid, nicht nur Omeron in seinem Kampf zu helfen, sondern wie schon so oft zuvor, sie selbst zu bleiben: die Rote Sonja, die hyrkanische Ausgesto�ene, die Kriegerin, die ihr Schwert gegen die M�chte der Finsternis f�hrte �</p><p>�Euer ist ein ungew�hnliches Los, Rote Sonja von Hyrkanien.�</p><p>Aus ihren Gedanken gerissen, wurde Sonja bewusst, dass es der Magier Elath war, der zu ihr sprach. Das Gl�hen seiner gelben Augen war im Kerzenschein und dem Grau des jungen Tages kaum zu bemerken, und so wirkte er menschlicher.</p><p>�Ja, und es �berrascht mich nicht, dass Ihr etwas �ber das Los anderer wisst, Zauberer. Ihr seid ein noch ziemlich junger Mann, nicht �lter als f�nfundzwanzig, w�rde ich sch�tzen. Was veranlasste Euch, Eure Seele der H�lle zu verschreiben?�</p><p>Elath seufzte. �Ich bin sicher, Ihr wisst es besser! Zauberei als solche ist nicht b�se. Sie kann so gut oder so b�se sein, wie der, der sich ihrer bedient. Nur ein h�herer Einblick als der, den Zauberei erm�glicht, kann das B�se vom Guten unterscheiden, Das ist der Grund, weshalb viele Zauberer B�ses tun. Aber tun nicht auch die meisten Menschen mehr B�ses als Gutes, je nach der Macht, �ber die sie verf�gen?�</p><p>�Mir scheint Wahrheit aus Euren Worten zu klingen. Doch Zauberei ist voll T�uschung.�</p><p>�Eure Voreingenommenheit sitzt tief, Sonja, doch sp�re ich nicht weniger starke Zweifel. Auch f�hle ich, dass Ihr zumindest einmal in Eurem Leben einem Zauberer begegnet seid, der Gutes f�r die Welt tat und viel B�ses vernichtete. Habe ich nicht recht?�</p><p>Leicht gereizt runzelte Sonja die Stirn, doch dann gab sie zu: �Ja � Saureb.�</p><p>�Seid nicht so ver�rgert. Ich lese Eure Gedanken nicht � nur Eure Stimmung. Und Ihr selbst benutzt Zauber, Sonja � auch das sp�re ich. Nie begegnete ich jemandem, der besser zu fechten versteht als Ihr; vielleicht gibt es auf der ganzen Welt niemanden, der Euch auch nur ebenb�rtig w�re. Aber Eure Geschicklichkeit mit der Klinge entstand nicht auf die gew�hnliche Art und Weise durch �bung; urspr�nglich, meine ich. Nehmt Ihr es mir �bel, wenn ich frage, wie Ihr sie erlangt habt?�</p><p>�Ich � mir wurde Gewalt angetan, und meine Eltern und Br�der wurden vor meinen Augen get�tet. Durch schurkische Krieger. Einer verfolgte mich zu einem Heiligtum im Wald. Da erschien mir eine Gottheit � eine Wesenheit � <emphasis>etwas �</emphasis> und verlieh mir Kraft. Ich t�tete meinen Peiniger mit dem Schwert meines toten Vaters. Seither begegnete ich niemandem, der mich mit der Klinge h�tte schlagen k�nnen.�</p><p>Elath blickte sie ehrfurchtsvoll an. �Ich bin stolz, Euch kennen gelernt zu haben. Rote Sonja. Gewiss muss Eure eigene Erfahrung Euch doch sagen, dass der Einfluss �bernat�rlicher Kr�fte nicht immer b�se ist.�</p><p>�Ich � ich wei� es nicht. Aber ich muss, wenn auch widerwillig, zugeben, ich sp�re, dass nichts B�ses von Euch ausgeht. Sah ich Euch gerade Omeron den Treueid leisten?�</p><p>Elath sch�ttelte den Kopf. �Der Forscher des endg�ltigen Wissens schw�rt in seinem Leben nur einen einzigen Eid, und diesen keinem Menschen.�</p><p>�Ihr habt den Eid verweigert? Findet Ihr das nicht �berheblich?�</p><p>�Omeron nahm mein Angebot, ihm zu helfen, an, Sonja. Ich gab ihm mein Wort und erkl�rte ihm, wenn mein Wort nicht gen�gte, w�rde es auch mein Eid nicht. Er las die Wahrheit in mir und lehnte meine Hilfe nicht ab. M�ge ich mich seines Vertrauens w�rdig erweisen! Er ist ein guter Mann, Euer F�rst Omeron, und ein edler Herrscher. Es ist weit besser, ihm zu dienen, als Du-jum, der beabsichtigt, der F�rst der H�lle zu werden und die ganze Welt der Grausamkeit und dem immerw�hrenden Schrecken der Allnacht zu �berantworten � so sehr treiben Furcht und Hass ihn an!�</p><p>�Ja, Omeron ist ein guter, edler Mann�, murmelte Sonja, die sich an einen anderen erinnerte, der ihm ein wenig �hnlich gewesen war.</p><p>Und Elath, der die Erinnerung an Liebe und Schmerz in ihren Augen las, drehte sich taktvoll um, denn er sp�rte, dass sie sie mit niemandem teilen wollte.</p><empty-line/><p>Am schwarzen Teich hatte Ilura gebetet. Wieder und immer wieder war die Verwandlung �ber sie gekommen. Der Wechsel in ihren Kr�ften pulsierte durch Wind und Luft, durch Stein und Erde, um alle unterirdischen Wesen wachzur�tteln, die Elementargeister und den Geist aller Adepten � um sie alle wissen zu lassen, dass die Zeit gekommen war, r�ckg�ngig zu machen, was getan worden war. Nachtv�gel waren herabgesto�en, um sie anzugreifen, w�hrend sie am Teich gebetet und sich verwandelt hatte. Schutzschlangen hatten sie mit bedrohlichen F�ngen abgewehrt, doch immer noch kreisten die V�gel auf lautlosen Schwingen unter dem Mond um sie.</p><p>�Ich bin Ilura!� sagte sie zum Wind und zu den Sternen. �H�rt mich, o Sithra und Ixcatl! Bald werde ich aus den n�chtlichen W�ldern ins beleuchtete Lager der Menschen zur�ckkehren. Nacht und Vergangenheit haben uns lange verborgen, doch nun steht unsere Wiederauferstehung bevor. H�rt mich, o ihr wilden Wesen unter der Erde, ihr schuppigen Wesen, ihr kriechenden Wesen! Erinnert euch eurer alten Gebieter, eurer Treue zu ihnen! H�rt auf eure Priesterin, die aus eurem lange vergessenen Tempel kam, und folgt ihrem Ruf! H�rt auf mich, und erinnert euch eures alten Hasses. Nehmt den Kampf gegen jene wieder auf, die euch vor langer Zeit die Herrschaft �ber die Welt wegnahmen!�</p><p>So betete sie und wob ihren Zauber � Ilura, Schlange und Frau. Und so wiegelte sie die Gesch�pfe der Natur auf, die wilden, unduldsamen Wesen, die aus alter Zeit an dunklen Orten in entarteter Form �berlebt hatten.</p><p>�Vollende deinen Pakt, o Ixcatl! Verflucht sei die Menschheit, m�ge sie schnell untergehen! O Sithra, lass die lang ersehnte Gerechtigkeit walten!�</p><p>Die Nachtv�gel heulten vor Furcht, und nun flogen sie hastig von hinnen. Pl�tzlich herrschte gespenstisches Leben im Unterholz des Waldes. Ein Gleiten und Kriechen war zu h�ren. Wahre Legionen von Schlangen und Echsen eilten durch Gras und Steine, bewegten sich im Rhythmus von Iluras Gebet.</p><p>�Ihr Opfer der Menschheit, bald werdet ihr aus den Menschen Opfer machen!� rief Ilura. Und lautlos, nur f�r sich, f�gte sie hinzu: <emphasis>Und du, mein Vater Du-jum, wirst bald am eigenen Leib und an eigener Seele erfahren, welche Qualen ein Opfer erleidet!</emphasis></p><p>Als das Gebet beendet war, machte eine v�llig ersch�pfte Ilura sich mit dem Traum von Rache im Herzen auf den Weg zur�ck zum Lager am Berghang.</p><p>Der Morgen graute im Lager, und mit dem jungen Tag kam die Ahnung neuer Gefahr, die alle Hoffnung d�mpfte. Zwischen den Schlachten stellen sich derlei qu�lende Gef�hle h�ufig ein, doch tragen sie nicht immer dazu bei, die Dinge klarer und genauer zu sehen.</p><p>Was das l�hmende Gef�hl erh�hte, waren die kriechenden und raschelnden Kreaturen im Gras rings um das Lager.</p><p>�Mitra hilf!� schrie ein W�chter und schlug in dem D�mmerlicht wild um sich. �Schlangen! Es wimmelt nur so von Schlangen!�</p><p>Auch andere Soldaten br�llten jetzt und schlugen auf das Gras ein, ehe sie sich ekelerf�llt tiefer ins Lager zur�ckzogen. Dann bem�hten die Soldaten sich um Ruhe. Angespannt und furchterf�llt beobachteten sie das schwach glitzernde Schlangenmeer rings um das gesamte Lager.</p><p>�Sie haben uns umzingelt!� schrie ein junger Soldat panikerf�llt.</p><p>�Sie haben es nicht auf uns abgesehen�, beruhigte ihn ein Kamerad. �Sieh selbst, sie kriechen nur um uns herum den Berg hinunter!�</p><p>�Mitra besch�tze uns!� betete ein dritter. .</p><p>Als das Tageslicht den Flammen der Lagerfeuer die Leuchtkraft raubte, trat Ilura aus dem Buschwerk und n�herte sich dem Lager. Die Schlangen und Echsen �ffneten eine Gasse f�r sie. Misstrauische und w�tende Augen blickten ihr entgegen. Fester umklammerten die M�nner ihre Waffen.</p><p>�Wo warst du, Hexe?� fragte der junge Offizier, der in Stellvertretung von Lord Omeron den Befehl �ber das Lager hatte.</p><p>�Im Wald. Ich bereitete einen Zauber vor, um Lord Omeron zu unterst�tzen.�</p><p>�Vergangene Nacht kam es hier zum Kampf � ein Kampf von Zauberkr�ften. Wo warst du w�hrend dieses Kampfes?�</p><p>�Zauberkr�fte?�</p><p>�Ja � ein riesiger Vogel, den dieser Hexer geschickt hatte! Und du warst nirgendwo zu finden!�</p><p>Ilura blickte ihn k�hl an. �Ich hielt mich im Wald auf. Nun kehre ich zur�ck, um Lord Omeron zu helfen.�</p><p>�Helfen? Du? Eine Hexe will uns helfen?�</p><p>Sie umringten sie, und die Finger um die Schwertgriffe zuckten. Diese fremdartige Frau, diese Hexe, die aus dem Unbekannten kam und behauptete, helfen zu wollen, aber verursachte, dass Riesenv�gel erschienen und ein wogendes Meer von Schlangen!</p><p>�Omeron war ein Narr, ihr zu trauen!� schrie ein Soldat.</p><p>�Ich bin derselben Meinung�, sagte der Offizier. �Aber vergesst nicht, was Omeron sagte!�</p><p>�Sie ist nicht hier, um uns zu helfen, verdammt! Sie wurde von diesem Hexer geschickt, der Thesrad eingenommen hat. Uns helfen? Ha! Sie erscheint, und bald darauf greift ein Riesenvogel an, dann ein anderes Ungeheuer � und jetzt kommen all diese Reptilien!�</p><p>Ein langes Schweigen setzte ein, w�hrend �ber diese Worte nachgedacht wurde, w�hrend die Sonne aufging, w�hrend das Gras rings um das Lager raschelte. Feindselige M�nneraugen starrten in Iluras gelbe Frauenaugen.</p><p>Sie sp�rte, wie in ihr der Hass auf die Menschen zur�ckkehrte. Immer diese Menschen, immer der Hass der Menschen � Menschen, die die Welt f�r alles Leben gef�hrlich machten.</p><p>Da fl�sterte einer die Worte, die alle dachten, doch noch nicht ausgesprochen hatten: �Tod der Hexe!�</p><p>Ilura zischte und wich zur�ck, Stiefel scharrten, Schwerter wurden aus den Scheiden gezogen und zum Schlag erhoben.</p><p><emphasis>�Narrren!�</emphasis></p><p>Es war ein Schrei aus Wut geboren, aus Hass, aus Grauen vor einer Spezies, die zu fremdartig f�r sie war, Verbundenheit mit ihr zu f�hlen. Und mit ihrem Schrei begann ihre ungeheuerliche Verwandlung.</p><p>Schwerter hieben und stachen nach ihr, doch keines vermochte ihr etwas anzuhaben. Funken knisterten � von der namenlosen Energie, die frei wird, wenn Sterbliche mit Zauberei in Ber�hrung kommen. Die Soldaten schnaubten, knurrten und strengten sich mit der panikartigen Unsicherheit einer Masse von Menschen an, die gleichzeitig dasselbe erreichen wollen.</p><p>Dann ein wilder Schrei � ein weiterer � und viele mehr.</p><p>Aus der bewegten Menge w�tender, von Rache erf�llter Menschen schnellte eine gigantische Schlange empor.</p><p>Ilura � mit einem Soldaten zwischen den Kiefern.</p><p>Sie peitschte um sich, und die M�nner schrien wild und sprangen zur Seite, um den malmenden Windungen ihres Leibes zu entgehen. Der Bursche in ihrem Maul br�llte verzweifelt. Ilura lie� ihn auf die anderen Soldaten fallen, die sie nun mit Schwertern, Steinen, ja selbst brennenden �sten aus den Lagerfeuern bewarfen. Doch nichts davon vermochte der titanischen Schlange etwas anzuhaben, auch nicht die Pfeile von schnell gespannten Sehnen.</p><p><emphasis>�Narrrren!�</emphasis> Iluras Schlangenstimme war ohrenbet�ubend. Zischend hob sie den Kopf noch mehr und war nun h�her als die vier gr��ten Soldaten �bereinander. Sie schwang die Windungen ihres gewaltigen K�rpers nach den t�richten Menschen, warf ganze Reihen der nun Ver�ngstigten um und knickte B�ume, die ihr im Weg standen. Schreiend vor Furcht rannten die M�nner auseinander. Ilura st�rmte zwischen ihnen hindurch und bahnte sich einen breiten Weg durch Lagerfeuer und Schlafdecken.</p><p>In wenigen Augenblicken hatte sie das Lager hinter sich. Ein paar zermalmte Leichen blieben zur�ck. Der von den v�llig ver�ngstigten Pferden aufgewirbelte Staub senkte sich wieder, und alsbald war von der Schlange nur noch der dunkle und doch silbrig gl�nzende Schwanz zu sehen, der schnell bergab verschwand. Das von ihr verursachte Krachen und Bersten war noch eine Weile zu h�ren, ebenso das Rascheln der kleineren Reptilien, dann wurde es still.</p><p>�Folgt ihr!�</p><p>�T�tet sie!�</p><p>�Sie ist mit Du-jum verb�ndet!�</p><p>So br�llten die w�tenden Soldaten durcheinander. Doch noch w�hrend sie tobten, begannen sie die Wahrheit zu seilen: Es wurde ihnen bewusst, dass die Dinge nicht so waren, wie sie ihnen geschienen hatten!</p><p>�Mitra, seht doch! Die Leichen � das Lager!�</p><p>Es lagen keine geknickten B�ume herum, der Boden war nicht durchfurcht, und der einzige Staub in der Luft war der, den die immer noch verst�rten Pferde aufwirbelten. Nur drei M�nner waren tot, aber ohne jegliche Verletzung, nicht einmal mit winzigen Wunden, wie normale Schlangenz�hne sie h�tten verursachen k�nnen.</p><p>�Bei den G�ttern! Es war wieder eine magische T�uschung!�</p><p>Die Soldaten verstummten betroffen, und in diesem Augenblick der Stille glaubten sie noch einmal fl�chtig das Krachen und Bersten der Riesenschlange zu h�ren, die Thesrad bereits sehr nahe sein musste.</p><empty-line/><p>Das Grau des jungen Morgens breitete sich in Thesrad aus. In der Stadt, die ihm geh�rt hatte, durch deren gepflasterte Stra�en er einst unter dem Jubel seiner getreuen Untertanen gezogen war, machte F�rst Omeron, nunmehr gedem�tigt und entthront, sich auf, die Herrschaft mit denselben Mitteln zur�ckzugewinnen, durch die sie ihm geraubt worden war: mit Schwertern, Gewalt, Mut und � falls n�tig � Zauberei.</p><p>In kleinen Gruppen zogen sie los. Omeron f�hrte einen Trupp, Sonja einen anderen, und dem F�rsten ergebene Offiziere hatten den Befehl �ber weitere. Mit gr��ter Vorsicht und verstohlen bewegten sie sich Schritt f�r Schritt voran. Zu Sonjas Trupp geh�rte der geheimnisvolle junge Adept Elath.</p><p>Du-jums Soldaten machten ihre Runde durch die Stra�en. ��berfallt sie unbemerkt�, hatte Omeron befohlen. �Wenn das nicht m�glich ist, dann weicht ihnen aus.�</p><p>Sie n�herten sich dem Palast wie die Scheren eines vielarmigen Krebses; immer dichter kamen sie an diesen Ort des Blutvergie�ens heran, der Zauberei, der Tr�nen und der Finsternis.</p><p>Sonja sah ihn vor sich, nur wenige Blocks entfernt: seine Zinnen und T�rme, seine hohen Statuen, die schwarzen Banner, die in der Fr�hmorgenbrise in den ersten Sonnenstrahlen flatterten. H�her stieg die Sonne auf. Staub hing in der Luft, und Leben erwachte in der Stadt.</p><p>Grimmige Schwertk�mpfer, stumm vor Zorn, kamen n�her � immer n�her.</p><p>Sonja kauerte sich an eine niedrige Mauer, durch eine alte steinerne Wassertonne verborgen. Sie sp�hte um sie herum. Ein Dutzend bewaffnete, ger�stete M�nner warteten auf ihr Zeichen.</p><p>Sie gab es.</p><p>Und f�hrte sie vorw�rts.</p><p>Es gibt kein Leben, dachte Sonja, ohne den Vorgeschmack des Todes � kein Leben ohne ein bisschen Angst vor dem Schicksal, vor Erfolg oder Versagen. Sie war eine Hyrkanierin, vom Tod gerettet durch einen entthronten F�rsten und eine nichtmenschliche Zauberin. Und nun, als Dank, f�hrte sie einen Trupp ihr Fremder an, um ihnen zu helfen, ihre Stadt zur�ckzuerobern.</p><p>�Ich bin hier keine Fremde�, murmelte sie und gr�belte �ber ihre Bestimmung.</p><p>Bald, das wusste sie, w�rde ihre Klinge das alte Lied singen, und sie w�rde auf ihre eigene Weise, genau wie Omeron, den Thron des Schicksals zur�ckgewinnen � oder sie beide w�rden durch die finstere Macht des H�llenf�rsten fallen.</p><empty-line/><p>Yarise schlief noch, nicht voll innerer Zufriedenheit, sondern v�llig ersch�pft. Du-jum stapfte im Gemach herum, ohne ihrer zu achten. Er sp�rte etwas, das ihm keine Ruhe lie� �</p><p>War etwas in seinen Geist eingedrungen? War es seine Erinnerung? Der Hauch von etwas Fremden? Etwas, das einen Schleier hinter anderen Schleiern in seinem Gehirn zur Seite schob? Etwas war im Schlaf zu ihm gekommen, kurz vor dem Morgengrauen. Etwas �</p><p>Was war mit den sechs Zauberern? Und dem siebenten, der nicht zur�ckgekehrt war? Sp�t in der Nacht hatten die sechs durchblicken lassen, dass er, Du-jum, verantwortlich f�r seine Abwesenheit sei. Narren! Wenn er es wollte, k�nnte er sie mit Leichtigkeit alle t�ten!</p><p>Du-jum hatte selbst aus einer Kanne Wein auf die gl�nzende Kupferoberfl�che eines Spiegels gesch�ttet, um festzustellen, was mit dem jungen Adepten geschehen war. Doch der magische Spiegel hatte nichts gezeigt. Befand sich jener au�erhalb der Reichweite der Spiegelkr�fte? Oder war er tot oder bewusstlos? Oder hatte er einen Zauberschirm um sich errichtet, um unbemerkt etwas gegen ihn ausbr�ten zu k�nnen?</p><p>Im Hinundhergehen trat Du-jum, der leichte Pantoffel trug, auf einen der vielen L�ufer im Gemach, und der lange schmale Teppich bewegte sich, doch nicht, weil er unter seinem Fu� verrutschte.</p><p>Der Hexer war sofort hellwach. Er wich zur�ck, b�ckte sich tief und starrte durch die D�sternis auf den L�ufer.</p><p>Er bewegte sich noch immer etwas wand sich unter ihm.</p><p>Zischend streckte Du-jum eine Hand aus. Er hob eine Ecke des Teppichs und riss den ganzen L�ufer von den Fliesen hoch.</p><p>Auf dem nun entbl��ten Marmor kroch eine Schlange. Sie wand sich, rutschte auf dem glatten Stein aus, dann ringelte sie sich zusammen und stierte mit gl�henden gelben Augen giftig auf Du-jum. Zischend �ffnete sie den Rachen und machte sich daran zuzusto�en.</p><p>Du-jum fluchte und strich schnell mit beiden H�nden durch die Luft. Die Schlange wurde in die Luft gezogen, wo sie sich hilflos wand. Mit einer Handbewegung riss Du-jum einen Dolch aus der Scheide und hackte die Schlange entzwei.</p><p>Sie zischte und st�rzte zu Boden. Blut sickerte aus den beiden Teilen. W�hrend Du-jum sie beobachtete und ihn eine schlimme Vorahnung plagte, streckten die beiden Schlangenh�lften sich und erstarrten im Tod. Doch ihr Blut formte sich auf den Fliesen zu einem Symbol � einer Botschaft � einer Antwort auf des Hexers ungestellte Frage.</p><p>Du-jum keuchte. Vor ihm wogten sieben Linien, die sich in einem gemeinsamen Mittelpunkt zusammenfanden � sieben d�nne Blutspuren, lang und gewunden wie Schlangen: das Zeichen Sithras, der Schlangeng�ttin.</p><p>Ja, das Blut hatte dieses Zeichen alter Macht geformt. Das Blut, das �ber den Boden rann, kurz anhielt und fest wurde und auf �bernat�rliche Weise tiefrot leuchtete. Dann verglomm es, und das Blut rann weiter, Schlangenblut, nichts anderes mehr, und versickerte in den Rillen zwischen den Fliesen.</p><p>Die beiden Schlangenh�lften blieben liegen, wo sie waren, und gl�hten in einem nur langsam schwindenden gelben Licht.</p><p>�Sithra und Ixcatl!� murmelte Du-jum.</p><p>Mit finsterer Miene, ohne Zweifel an dem Symbol und der damit �bermittelten Botschaft, schritt er hastig durch das Gemach und holte aus einem kleinen Kasten hinter einem B�cherschrank das Zepter hervor, das er vor Jahren gestohlen hatte. Damit ber�hrte er beide H�lften des Schlangenkadavers. Sofort l�sten sie sich in fl�chtigen Rauch auf.</p><p>In einem best�rzten, stummen Knurren fletschte Du-jum die Z�hne. Seine Kehle schien ihm wie zugeschn�rt. Sithra, also? Ixcatl? �Urmu und Set!� murmelte er. �Dieser Traum!�</p><p>Pl�tzlich erhitzte sich das Zepter in seiner Hand, und es gl�hte auch. Du-jum lie� es sofort fallen, und es schlug klappernd auf dem Marmorboden auf. Furcht griff nach seinem Herzen. Furcht! Sithra! Ixcatl!</p><p><emphasis>Sie wissen es! Sie kommen!</emphasis></p><p>�Ich f�rchte mich nicht!� sagte der Hexer beschw�rend. �Ich werde mich nicht f�rchten! Furcht hat keinen Platz in meiner Bestimmung!�</p><p>Das Zepter hatte seinen normalen Ton wieder angenommen. Du-jums Gedanken �berschlugen sich, die Erinnerungen wirbelten in ihm, als er mit, finsterem Gesicht das Zepter aufhob und es in sein Versteck zur�cklegte, ehe er sich in einen Sessel fallen lie�, die H�nde faltete und sie nachdenklich an die Lippen hob.</p><p>Furcht?</p><p>Furcht vor Sithra? Vor Ixcatl? Oder � oder vor der Tochter, von deren Dasein er wusste, die er aus der Ferne gesehen hatte, w�hrend seiner Jahre der Wanderschaft, die er in magischen Spiegeln gesehen hatte und in Weinkelchen. Eine Tochter, von der er nichts kannte, au�er einen Namen, der �lter als die Menschheit war: Rache.</p><p>Wie Trompetenschall in der Nacht, wie eine reife Frucht, die birst, um ihren Samen dem finsteren Wind anzuvertrauen, durchfuhr es Du-jum: <emphasis>Die Macht der Schlange!</emphasis></p><p>�H�rt, ihr alle, die ihr durch die L�fte braust�, murmelte Du-jum eine der Lobpreisungen zu Urmu. �Die kriechenden Wesen der Erde sind die Feinde der fliegenden Wesen der L�fte. Doch so sicher, wie die Wolken das Land verdunkeln, wie der Regen die Berge �berflutet, so sicher werden die fliegenden Wesen alle kriechenden, h�pfenden, gehenden besiegen! Lasst euch nicht auf der Erde erwischen! Verlasst euch nicht auf sie! Dies ist das Gesetz Urmus!�</p><p>Yarise w�lzte sich im Schlaf. Ihre Lider begannen zu flattern. Sie �ffnete die Augen und starrte durch die D�sternis auf Du-jum. Z�rtlich rief sie seinen Namen, streckte die Arme nach ihm aus, damit er zu ihr kommen m�ge.</p><p>�Ohhhh � Du-jum. Ich � ich hatte einen schrecklichen Traum! Komm zu mir und hilf mir, ihn zu vergessen!�</p><p>Doch er r�hrte sich nicht. Ein schwerer innerer Kampf tobte in ihm. Dann fand innerhalb eines Herzschlags auch er seine Antwort, genau wie seine Furcht zuvor eine durch das Blut der Schlange erhalten hatte. Rufe, Schreie hallten pl�tzlich von fern durch das Fenster, und Augenblicke sp�ter h�rte Du-jum das Klirren von Schwertern, das Wiehern von Pferden und laute begeisterte Stimmen: �Omeron lebt! Lord Omeron lebt! Tod dem Hexer! K�mpft mit uns, B�rger von Thesrad! K�mpft f�r Eure Familien! K�mpft um eure Freiheit! K�mpft mit uns um Ehre und Vergeltung! Tod dem Hexer! Lord Omeron lebt!�</p></section><section><title><p>7</p></title><p>Der Angriff l�hmte die Wachen, die, auf ihre Abl�sung wartend, auf ihren Posten halb eingenickt waren. Sechs von ihnen am Ostfl�gel des Palasts, die sich miteinander unterhielten und Borisamen kauten, um wach zu bleiben, sahen pl�tzlich eine rothaarige Kriegerin in Kettenr�stung von einer niedrigen Mauer auf sie zuspringen.</p><p>Verbl�fft griffen sie nach ihren Lanzen � doch in wenigen Augenblicken lagen bereits zwei von ihnen tot auf dem Boden � Opfer der Fechtkunst, wie sie dergleichen nie gesehen hatten.</p><p>Hinter Sonja st�rmten die Thesradier herbei. Sie hieben die restlichen Wachen nieder, ehe diese Alarm schlagen konnten. Sonja dr�ckte sich an die Wand und blickte auf die schmale T�r, die vermutlich in eine K�che oder einen Vorratsraum f�hrte. Sie machte sich schon daran, auf sie zuzugehen, doch dann z�gerte sie. Sie wusste, dass es besser war, wenn sie zwei oder drei Mann mitnahm.</p><p>Sie kam genau in dem Moment zu dieser Entscheidung, als Tumult aus dem Innern laut wurde � Schritte hallten und Stimmen fluchten heftig �, der n�her kam. Und nun waren auch die wilden Schreie und Rufe vom Haupteingang des Palasts zu h�ren, wo Omeron mit seinem Trupp angriff.</p><p>Sonja duckte sich, steckte ihr Schwert in die Scheide und hob zwei Lanzen auf, die den gefallenen Soldaten Du-jums aus der Hand geglitten waren. Sie lehnte eine an die Wand neben sich und nahm die andere stichbereit in beide H�nde. Schritte und Verw�nschungen waren bereits sehr nah.</p><p>Dann schwang die T�r auf und knallte innen an die Wand. Durch den Efeu, der an einem Rankengitter hoch wucherte, sah Sonja, wie ein ganzer Trupp, mit Schwertern und Lanzen bewaffnet, durch den Hof zum Tor rannte.</p><p>Sie wartete, bis die M�nner das leichte Torgitter aufgerissen hatten, dann schwang sie die Lanze und warf sie. Die lange Spitze durchbohrte den Hals des vordersten Soldaten und verletzte durch ihre Wucht auch noch den n�chsten. Beide gingen blutend zu Boden.</p><p>�T�tet die Frau!� br�llte ein Soldat.</p><p>Sonja griff nach der zweiten Lanze und schleuderte sie mitten in die dichtgedr�ngten M�nner am Tor. Schreie schrillten � und zwei weitere Soldaten starben durch diese eine Lanze.</p><p>�Folgt mir, Soldaten von Thesrad!� br�llte Sonja und griff wieder nach ihrem Schwert. �F�r Omeron!�</p><p>�Tod diesen Hunden!� schrien die M�nner ihres Trupps begeistert. �Tod den Knechten des Hexers!�</p><p>Sie k�mpften wie besessen, angetrieben durch ihren Hass und die lange angestaute Wut. Sonja br�llte einen alten hyrkanischen Schlachtruf, w�hrend ihr Schwert den Tod austeilte.</p><p>Die �berlebenden wichen entsetzt �ber den berserkerhaften Grimm der Thesrader zur�ck. Sonja sprang �ber die Toten in Richtung zum Palast. Ein Kushit hieb mit der Streitaxt nach ihr, doch sie parierte geschickt und schlug dem Mann den Arm ab, so dass er mitsamt der Axt durch die Luft flog.</p><p>Die restlichen Palastwachen zogen sich �ber den Hof zur�ck und sammelten sich an der kleinen T�r.</p><p>�Ihr Toren!� br�llte Sonja ihnen nach und schwenkte ihr blutiges Schwert. �Ihr habt eure Seele einem Hexer verkauft! F�r eure Dummheit seid ihr in die Sieben H�llen verdammt!�</p><p>Der letzte der fliehenden Soldaten verschwand durch die T�r im Palast. Sonja senkte ihr Schwert und atmete tief ein. Sie lebte � sie lebte, und ein ungeheures Gl�cksgef�hl erf�llte sie. Nun war sie nicht mehr halb tot, wie sie sich gef�hlt hatte, w�hrend sie sich vor dem Feind in der Kanalisation wie eine Ratte hatte verkriechen m�ssen. Sie lebte!</p><p>In diesem Augenblick kam sie sich wie eine Kriegsg�ttin vor, pulsierend vor �bersch�umendem Leben. Ihr Leben � wild und erf�llt, obgleich der Tod gerade noch ihr Kampfgef�hrte gewesen war!</p><p>Jemand tupfte leicht auf ihre Schulter. Es war der junge Zauberer Elath.</p><p>�Ich sp�re, dass Ihr jetzt ganz Ihr seid. Rote Sonja.�</p><p>Als Antwort warf sie den Kopf zur�ck, sch�ttelte Blutstropfen aus dem langen roten Haar, hob ihr Schwert in die H�he und rief, �ber einem von ihr get�teten Feind stehend: �Ich bin Sonja! Ich bin die Rote Sonja aus Hyrkanien, und mein Schwert <emphasis>leeebt!�</emphasis></p><p>Schweigen folgte ihren Worten � ein erschrockenes Schweigen der M�nner ihres Trupps �, doch nur kurz, dann schrien auch sie jubelnd auf.</p><p>Sozusagen als Antwort darauf grollte ferner Donner, der n�her kam und lauter wurde. Ein unnat�rliches Donnern!</p><p>Pl�tzlich blickte Elath zum Himmel und schrie: �Seht! Seht nach oben! Dort ist <emphasis>Du-jum!�</emphasis></p><p>Sonja starrte hoch, und alle M�nner Omerons taten es ihr gleich. Auf dem Balkon eines hohen Turms blickte Du-jum �ber die ganze Stadt und auf die Schlacht, die auf der Freitreppe des Palastes tobte. Eine wahrhaft erschreckende Gestalt, der F�rst der H�lle, beeindruckend in seinem goldenen Gewand mit der smaragdgr�nen Borte und mit dem schwarzen Vogel, der auf seiner Brust schimmerte.</p><p><emphasis>�Urmu!�</emphasis></p><p>�ber den brausenden Wind hinweg donnerte seine Stimme ein Gebet und eine Beschw�rung zugleich:</p><p><emphasis>�Urmu! Mentek upsa kele beiem orku kra!�</emphasis></p><p>Der Vogel auf seiner Brust erwachte kreischend zum Leben. Du-jum l�ste ihn von der Kette und schleuderte ihn von der Hand. Weiterhin kreischend flog er davon. Gleich danach f�llten Hunderte, dann Tausende V�gel den Himmel, erhoben sich von D�chern und Tempelkuppeln, von B�umen und Zinnen, verdeckten den Himmel in dichten Schw�rmen, und ihr Kreischen ma� sich mit dem endlosen Donnern.</p><p>�Ihr G�tter!� fl�sterte Sonja, als Omerons M�nner dicht hinter ihr aufschlossen.</p><p>�Wieder seine V�gel!� fluchte einer und umklammerte sein Schwert fester. �Wieder seine verdammten V�gel!�</p><p>�K�mpft gegen sie �� begann Sonja, doch da wurde ihr bewusst, wie t�richt ihre Worte waren.</p><p>Die Vogelschw�rme kamen tiefer, lange Reihen der flatternden Gesch�pfe l�sten sich aus dem wirbelnden Kreisen der Massen, tauchten hinab, auf den Palast zu � und die ersten Schreckens- und Schmerzensschreie der M�nner Omerons schrillten, die gegen Du-jums Truppen auf der Freitreppe fochten.</p><p>�Gegen sie k�mpfen?� echote Elath. �Nein, Rote Sonja, man kann nicht gegen sie k�mpfen. Zur T�r! Schnell!�</p><p>Eine dunkle Welle von V�geln schw�rmte um den Palast herum und stie� hinab, auf Sonja und ihre Begleiter zu. Die Soldaten schrien panikerf�llt. Sonja wirbelte herum und rannte zur offenen T�r, und die M�nner hasteten hinterher. Die V�gel folgten ihnen nicht in den Palast, sondern tauchten wild in die nahen B�ume und B�sche. Hilflos fluchten Sonja und Omerons M�nner, als sie die Schmerzensschreie ihrer Kameraden h�rten.</p><p>�Dieser verdammte schwarze Hexer!� st�hnte ein junger Soldat.</p><p>Die V�gel stiegen wieder auf. Sie setzten ihre weiten Kreise um den Palast fort, und einigen tropfte Blut vom Schnabel und von den. Krallen.</p><p>�Verdammt! Verdammt!� br�llte der junge Soldat jetzt.</p><p>�Halt den Mund!� fuhr Sonja ihn an. �Du-jums Wachen k�nnen jeden Augenblick mit Verst�rkung zur�ckkehren. Wir m�ssen zusehen, dass wir tiefer in den Palast gelangen, ehe ��</p><p>Da l�ste sich pl�tzlich aus einem der B�sche eine blut�berstr�mte Gestalt. Sonja hielt den Atem an. Einer ihrer Leute wollte auf den Blutenden zulaufen, doch ein anderer hielt ihn zur�ck. �Sinnlos�, brummte er. �Wir k�nnen jetzt nichts f�r ihn tun.�</p><p>Es war einer ihrer Kameraden, der hilflos das Schwert schwenkte und vorw�rtstaumelte.</p><p>�Ich kann nichts sehen!� wimmerte er. �Ich kann nichts sehen! <emphasis>Sie haben mir die Augen ausgehackt!�</emphasis> Er stolperte �ber eine Wurzel und st�rzte zu Boden. �Die Augen ausgehackt! Die Verdammnis auf Du-jum!�</p><p>�Wir m�ssen weiter ��, begann Sonja.</p><p>�Ja � die Verdammnis auf ihn!� schrillte der junge Soldat. Das Kreischen der V�gel wurde wieder lauter, und auch die Schreie am Vordereingang setzten mit neuer St�rke wieder ein; dazu blitzte und donnerte es mit Allgewalt, ohne dass ein Tropfen Regen fiel.</p><p>Sonja dachte an ihre �berschw�ngliche Lebensfreude vor wenigen Augenblicken. Welch eine Torin sie gewesen war! Oder vielleicht doch nicht? Jetzt jedenfalls war sie wieder ganz Kriegerin, und sie w�rde diesem verfluchten Hexer zeigen, was in ihr steckte!</p><p>�Wir m�ssen weiter!� rief sie erneut.</p><p>�Und Omeron im Stich lassen?� schrie der junge Soldat mit sich �berschlagender Stimme. �Nie!�</p><p>�Von hier aus k�nnen wir ihm nicht helfen!� antwortete Sonja. �Rei� dich zusammen, Mann!�</p><p>�Sie hat recht�, pflichtete ein anderer ihr bei.</p><p>�Kommt, solange der Weg frei ist�, dr�ngte Sonja. �Dann ��</p><p>�Ich muss Lord Omeron helfen!� kreischte der junge Soldat.</p><p>�Sei doch vern�nftig!� Ein Kamerad fasste ihn am Arm, doch der junge Mann riss sich los.</p><p>�Ich muss ihm helfen! Helfen!� Und schon sprang er um die herumliegenden Gefallenen und rannte durch die B�sche. �Omeron! <emphasis>Omeron!�</emphasis> schrie er.</p><p>Die V�gel, die n�her gekommen waren, stie�en wieder herab.</p><p>Als warteten sie auf die Stimme des Schicksals, hielten Sonja und ihre Leute einen Augenblick den Atem an. Dann erreichte der gellende Schrei des jungen Soldaten sie. Als er verstummte, atmeten sie erst wieder aus.</p><p>Sie zogen sich tiefer in den Eingang zur�ck�w�hrend die zweite Welle V�gel drau�en vorbeiflog, in einer endlosen finsteren Reihe: Geier, Raben, Stare, Tauben, Sperlinge, Falken und ein Dutzend andere Arten, gro� und klein, und das Rauschen ihrer Fl�gel �bert�nte fast das Donnern.</p><p>�Weiter!� zischte Sonja. Sie drehte sich um und schloss die T�r hinter ihnen allen.</p><p>Sie befanden sich in einer Kammer mit W�nden aus kahlem Stein, ohne Fenster, und nur eine einsame �llampe erhellte sie sp�rlich. Wenige Schritte von der entfernt, durch die sie gekommen waren, befand sich eine zweite T�r. Sie war geschlossen und hatte ein vergittertes Fensterchen in Augenh�he. Das Schwert einsatzbereit in der Hand, n�herte sich Sonja und sp�hte hindurch.</p><p>�Eine K�che�, sagte sie. �Sie ist leer ��</p><p>�Da ist noch eine T�r�, stellte Elath fest und ging darauf zu. Er betrachtete ihren Verschluss, dann �ffnete er sie vorsichtig. Aller Augen folgten seinem Blick.</p><p>�Dunkel�, sagte Elath, und ein dumpfes Echo seiner Stimme hallte zur�ck.</p><p>�Gebt ihm die Lampe�, befahl Sonja.</p><p>Sie wurde von der Wand gehoben und an Elath weitergegeben. Er hielt sie in der ausgestreckten Linken und rief �ber die Schulter: �Stufen! Sie f�hren abw�rts. Mir sagt meine innere Stimme, dass wir diesen Weg nehmen sollten, Rote Sonja.�</p><p>�Nat�rlich w�hlt ein Zauberer den dunkleren Weg�, brummte Sonja. �Aber nehmen wir ihn. Zumindest sind wir da nicht so leicht allen Blicken ausgesetzt, wie wir es in der K�che w�ren. Wir k�nnen ungest�rt Ausschau nach G�ngen halten � vielleicht etwas h�ren, das uns hilft � und aus einer unerwarteten Richtung angreifen.�</p><p>Ged�mpfte Stimmen pflichteten ihr bei. Elath ging mit der Lampe voraus und ermahnte die anderen, ihm vorsichtig zu folgen. Sonja blieb noch kurz an dem vergitterten Fensterchen stehen, als k�nnte etwas dahinter ihr verraten, was aus Omeron und seinen Leuten am Haupteingang geworden war.</p><p>Doch das einzige, was sie sah, war die T�r an der gegen�berliegenden K�chenseite, die sich soeben �ffnete.</p><p>�Schnell, Sonja!� dr�ngte eine heisere Stimme von der Treppe.</p><p>Doch sie konnte sich noch nicht losrei�en. Sechs Personen hatten die K�che betreten: sechs M�nner, alle in langen schwarzen Gew�ndern. Irgendwie sp�rte sie sofort, dass sie sich dem �bersinnlichen verschrieben hatten, dass sie einem magischen Kult angeh�rten. Ihre Nasenfl�gel bl�hten sich, und sie knirschte mit den Z�hnen.</p><p>Eine leise Stimme sagte: �Hier herein, Br�der, fort von dem Blut. Wir m�ssen uns ungest�rt besprechen und unsere eigene Entscheidung treffen.�</p><p>�Ja, ja�, pflichteten die anderen ihm bei.</p><p><emphasis>�Sonja!�</emphasis> dr�ngte der Soldat an der obersten Stufe.</p><p>Sie wandte sich von dem Gitterfenster ab und huschte zur Treppe. So lautlos wie m�glich schloss sie die schwere T�r hinter sich.</p><p>�Was war denn? Was habt Ihr gesehen, Sonja?�</p><p>�Noch mehr Hexer�, antwortete sie seufzend. �Gleich sechs!�</p><p>�Mitra!� fluchte der Soldat. Sonja, die in diesem Augenblick Elaths Gesicht im Lampenschein sah, fand, dass es ungew�hnlich angespannt, ja bedr�ckt aussah.</p><p>Doch ohne ein weiteres Wort stiegen sie vorsichtig die Stufen hinunter, immer tiefer. Die hinteren tasteten sich mit einer Hand an der klammen Wand weiter. Elath, der immer noch mit der Lampe vorausging, bot in ihrem flackernden orangen Schein ein schattenhaft unwirkliches Bild, w�hrend sie hinunterstiegen zu den modrigen unterirdischen G�ngen.</p><p>Von den hundertzweiundf�nfzig Mann von Omerons Sturmtrupp, die auf der Freitreppe und vor dem Eingang gegen Du-jums Soldaten und seine fliegende Armee von V�geln gek�mpft hatten, lebten nur noch dreiundsechzig. Und davon hatten vierundzwanzig so schwere Verletzungen, dass sie nicht mehr ohne Hilfe zurechtkamen. Augen, Ohren und Nasen waren blutig gehackt; aus den Beinen, Armen und dem Hals str�mte Blut von Schnabel- und Krallenwunden.</p><p>Nachdem Du-jum seine Vogelarmee zur�ckgepfiffen und den schwarzen geschnitzten Vogel zur�ck an die Halskette geh�ngt hatte, befahl er seinen Soldaten, die �berlebenden in die gro�e Vorhalle zu treiben. Dort wurden die Gefangenen in Gruppen zusammengestellt und die Schwerverwundeten in eine Ecke geschoben.</p><p>Von der untersten Stufe der Treppe zum Thronsaal aus lie� Du-jum seinen Blick �ber alle schweifen, dann deutete er auf die Verwundeten. �T�tet sie!� wies er seine Leute an. �Und fangt ihr Blut f�r den Urmutempel auf. Die anderen schafft ihr in den Thronsaal und bindet sie nackt in Ketten. Sie kommen uns f�r unser Fest heute Abend gerade gelegen.�</p><p>Er wandte sich an Yarise, die zitternd neben ihm stand. �Du wolltest doch ein Fest, nicht wahr? Und als Unterhaltung lehrreiche Folterungen f�r unsere thesradischen G�ste? Du sollst es haben. Schick gleich Diener mit Einladungen an die Edlen.�</p><p>�Ja, Liebster, ja, ja�, antwortete sie atemlos, doch ohne ihn anzusehen. Ihr Blick wanderte suchend �ber die blutigen Gefangenen.</p><p>Du-jum betrachtete sie. �H�ltst du Ausschau nach Omeron?� fragte er sie fl�sternd.</p><p>Mit aufgerissenen Augen starrte sie zu ihm hoch. �Ist er � ist er unter ihnen?� Aus ihren Lippen war jede Farbe gewichen.</p><p>Ein freudloses L�cheln huschte �ber Du-jums Lippen. Er schaute auf, lie� den Blick �ber die Gefangenen schweifen, dann deutete er in Richtung der M�nner. �Bringt Lord Omeron herbei.�</p><p>F�ssescharren war zu h�ren, ebenso heftige Verw�nschungen. Du-jums Soldaten drohten mit den Schwertern, als sie sich einen Weg durch die Verwundeten bahnten und Omeron herbeizerrten, der stark hinkte. Vier Soldaten hielten ihn. Er trug den Kopf hoch und blickte Yarise nicht an, Du-jums finsterem Blick begegnete er jedoch grimmig.</p><p>�Omeron ��, murmelte Yarise.</p><p>Er k�mpfte gegen sein Zittern, sein Gef�hl der Schmach und seinen an Wahnsinn grenzenden Zorn an. �Der H�llenf�rst�, sagte er trocken, und auch jetzt schaute er Yarise nicht an, �und seine Hure.�</p><p>Yarise erblasste, dann verzog das Gesicht sich in wilder Wut. �T�tet ihn!� schrie sie. �T�tet ihn!�</p><p>�Schafft ihn in mein Gemach�, befahl Du-jum den W�chtern. �Kettet ihn nackt an die Wand. Ich komme dann.�</p><p>Omeron schluckte schwer und blickte fl�chtig auf Yarise, als er fortgebracht wurde. Er sah Augen voll Qual und Zorn zugleich.</p><p>�Die finsteren Geister werden viele N�chte prassen k�nnen�, murmelte Du-jum, dann wandte er sich laut an seine Soldaten: �Bringt nun die Verwundeten sogleich zu Urmu!�</p><empty-line/><p>�Dieser Gang f�hrt zu den Verliesen�, erkl�rte Elath, der kurz stehen blieb.</p><p>Sonja und die sechs Soldaten, die den Kampf im Hof �berlebt hatten, waren den verschlungenen G�ngen tief unter dem Palast gefolgt.</p><p>�Wie k�nnt Ihr das wissen, Elath?� fragte Sonja.</p><p>Die �llampe flackerte pl�tzlich, doch nicht von einem durch ihre Bewegung entstandenen Luftzug. Elath dr�ckte schweigengebietend einen Finger an die Lippen. Nun blieben auch die anderen stehen.</p><p>�Ich sp�re menschliches Leben in der N�he. Menschen voll Furcht, doch nicht ohne Hoffnung.�</p><p>Er streckte den Arm mit der Lampe aus und wandte das Gesicht von ihr ab, damit sein Atem die Flamme nicht beeinflusste. Trotzdem flackerte sie weiter, als k�me von irgendwoher eine leichte Brise.</p><p>�Wir m�ssen vorsichtig sein�, mahnte ein Soldat.</p><p>Sie schlichen auf Zehenspitzen weiter, und nachdem der Gang mehrere Biegungen gemacht hatte, wurde der Luftzug st�rker, und sie h�rten den ged�mpften Klang von Stimmen.</p><p>Lauschend blieben sie stehen. Sonja, die den Abschluss bildete, konnte das Stimmengemurmel kaum h�ren. Leicht benommen von der modrigen Luft, lehnte sie sich mit einer Schulter an die Wand. Da gab der Stein nach.</p><p>Erschrocken duckte sie sich und sah im Geist eine Hand, die nach ihr greifen wollte, einen Dolch, der nach ihr stach und einen Strick, der sich um ihren Hals schlang.</p><p>Doch da war nichts dergleichen, nur das Scharren des alten Steins, der sich nach innen drehte und gerade noch am Rand des Steins unter sich balancierend anhielt.</p><p>Die anderen vor Sonja waren bei dem Scharren herumgewirbelt. Sie hatte sich inzwischen wieder aufgerichtet und betastete die Wand.</p><p>�Was ist los?� erkundigte sich der vorderste, der jetzt auf sie zukam.</p><p>�Die Wand ist hohl!� fl�sterte sie.</p><p>�Sonja, wir haben jetzt keine Zeit, um ��</p><p>�O doch, daf�r haben wir Zeit. M�glich, dass diese Entdeckung uns nichts nutzt, aber es k�nnte ja auch sein, dass sie uns sehr hilft. Vielleicht wei� Du-jum nichts davon.� Sie kratzte mit den kurzen Fingern�geln an dem uralten, zerbr�ckelnden M�rtel zwischen den Steinbl�cken, dann nahm sie die Dolchspitze zur Hilfe.</p><p>Sie h�rte ein ungeduldiges Seufzen hinter sich, ehe Elath mit der Lampe in der Hand herbeikam.</p><p>�Geht ruhig weiter!� fl�sterte Sonja angespannt. �Ich m�chte wissen, was hinter dieser Wand ist.�</p><p>�Ich ebenfalls�, versicherte ihr der junge Zauberer. �Ich betete zu den Schicksalsg�ttinnen, uns zu helfen. Vielleicht ist dies ihre Antwort.�</p><p>Die Soldaten h�rten auf zu brummeln und auch zu seufzen.</p><p>�Ah!� Sonja hatte den M�rtel von dem Stein unter dem verschobenen gel�st und dr�ckte ihn nach innen. �Helft mir�, bat sie. �Sie d�rfen auf keinen Fall umkippen, sonst machen sie einen furchtbaren Krach!�</p><p>Zwei Paar Arme unterst�tzten sie, und gemeinsam hoben die drei, mit leisen Verw�nschungen und unter gro�er M�he, die Steinbl�cke aus der Wand und setzten sie vorsichtig auf den Boden.</p><p>�Was jetzt?� fragte ein Soldat.</p><p>�Bringt die Lampe hierher, Elath.�</p><p>Der Zauberer gehorchte. Das schwache Licht zeigte einen h�hlen�hnlichen Raum. Der Moder aus dem Gang stie� mit der uralten, stinkenden Luft zusammen, die durch die �ffnung kam, so dass es Sonja und den anderen den Atem abw�rgte.</p><p>�Was wohl da drinnen ist?� fragte ein Soldat.</p><p>�Hebt mich hoch!� befahl Sonja. Sie steckte den Dolch ein, st�tzte die Arme auf den unteren Stein der �ffnung und machte sich daran sich hochzuziehen.</p><p>Ein Soldat legte beide H�nde fest an Sonjas Ges�� und stemmte sie hoch. Die �ffnung war mehr als gro� genug, dass sie hindurch kriechen konnte. Sie kauerte sich hinein und fauchte den Mann an, der ihr geholfen hatte: �Danke f�r die Hilfe � aber pass das n�chste Mal besser auf, wo du hingreifst!�</p><p>�Meine Hand ist ausgerutscht.�</p><p>�Ja, ja, das kann ich mir denken. Bringt die Lampe hierher!�</p><p>�Sonja, wir wissen nicht, wo es da drinnen weitergeht, und auch nicht wie alt ��</p><p>�Gebt mir die Lampe! Bei Mitra, wovor habt ihr M�nner denn Angst?�</p><p>Dass sie mit ihrem Fluch angedeutet hatte, es sei Angst, die sie zaudern lie�, nicht etwa die Bef�rchtung, Zeit zu verlieren, brachte die M�nner zum Verstummen.</p><p>Sonja nahm die �llampe, stellte sie neben sich auf den Stein, sch�tzte dann die Entfernung zum inneren Boden ab und sprang. Einen Augenblick war sie ganz aus der Sicht verschwunden, dann tauchte ihr zerzauster Lockenkopf auf, und ihre Hand griff nach der Lampe.</p><p>Drei Gesichter dr�ngten sich in die �ffnung und sp�hten hindurch. Was sie sahen, war nicht das, was sie erwartet hatten.</p><p>Sonja war zutiefst entt�uscht. In wenigen Augenblicken hatte sie den ganzen Raum durchmessen. Er war kreisrund, die W�nde bestanden aus uralten Steinbl�cken � und ganz offensichtlich f�hrte er nirgendwohin. Sie fluchte leise vor sich hin und machte sich daran, zur �ffnung zur�ckzukehren. �Seid Ihr jetzt zufrieden?� brummte einer der drei.</p><p>�Wer nichts wagt � Hoppla!� Sie war gestolpert, hatte sich aber gefangen, ehe sie auf dem Boden landete. Sie senkte die Lampe, um zu sehen, wor�ber sie gefallen war. �Mitra!�</p><p>In der Mitte der Kammer war eine runde Steinplatte in den Boden eingelassen, und aus ihrer Mitte ragte ein schwerer eiserner Griff. Sonja betrachtete den Rand der Platte eingehend, dann stellte sie die Lampe ab und langte nach dem Griff.</p><p>�Sonja!� Es war Elath. Er kletterte, nein glitt eher, durch die �ffnung. Und wieder gl�hten seine gelben Augen.</p><p>Sonja strengte sich an, um die Platte zu heben, doch sie lie� sich nicht bewegen.</p><p>�Sonja, h�rt mir zu�, dr�ngte Elath, der nun neben ihr stand. �Es gibt Sagen �ber einige der St�dte in diesem Tal. Es soll bestimmte G�nge unter ihnen geben, und nach uralten Schriften f�hren sie geradewegs in die Sieben H�llen, oder sogar den ganzen Weg unter die Erde ins Meer der Finsternis, auf der wir treiben.�</p><p>�Was?� Sonja strich sich das Haar aus dem Gesicht und stand auf. Sie atmete schwer von ihrer vergeblichen Anstrengung.</p><p>�Ich glaube, dass Du-jum deshalb hier ist, Sonja. Er sucht nach einem Weg zu den H�llen, um ihren Meister und Gebieter, dem zu dienen er sich entschieden hat, leiblich kennen zu lernen. Und Ihr habt vielleicht gerade einen der Zug�nge gefunden.�</p><p>Sie dachte kurz nach, dann sagte sie nur beklommen: �Oh!� Sie hatte keineswegs vor, einer solchen M�glichkeit nachzugehen. D�monen, Hexer, Zauberei � ihnen allen war sie begegnet, ja hatte sogar gegen sie gek�mpft. Aber sich mit dem Leibhaftigen selbst anzulegen, auf einen von den Anderen Welten zu sto�en �</p><p>�Sonja, lasst uns weitergehen!� dr�ngte ein Soldat verst�rt.</p><p>�Ja �� Sie b�ckte sich, um. die �llampe aufzuheben, dabei bemerkte sie etwas, das wie eine ungew�hnliche Reliefverzierung auf der Steinplatte aussah. Als sie sich tiefer beugte und genauer hinschaute, stellte sie fest, dass es gar kein Zierwerk war, sondern ein so stark schmutzverkrusteter Dolch, dass er tats�chlich wie ein Teil des Steins aussah.</p><p>Sie stellte die Lampe daneben, fasste den Griff und zog daran. Die Klinge l�ste sich aus der H�lle: eine steinerne Scheide, die Teil der runden Platte war.</p><p>�Sonja!� Die Stimme klang jetzt ver�rgert, zum Teil aus Furcht, zum anderen aus Ungeduld.</p><p>Eine andere fragte: �Was ist denn das?�</p><p>Elath antwortete: �Ein Dolch. Es ist ein Dolch!�</p><p>Und ein sehr ungew�hnlicher noch dazu, wurde Sonja nun bewusst � makellos und gl�nzend, wie frisch von der Schmiede, und von perfekter Form. Sie kratzte die Schmutzkruste vom Griff ab, der nun ebenfalls wie neu aussah und offenbar aus Jade geschnitzt war. Er lag in ihrer Hand, als w�re er f�r sie geschaffen. Die Klinge war aus � ja, woraus war sie? Aus Kupfer oder Bronze, Silber oder Stahl? In dem tr�gerischen Lampenlicht war es schwer zu sagen � vielleicht w�re es jedoch selbst im hellsten Licht nicht anders, denn er schien aus sich heraus stumpf zu leuchten. Auf der Klinge gl�hten Zeichen. Sonja vermochte sie weder zu lesen, noch hatte sie, so weitgereist sie auch war, je �hnliche gesehen. Auch der Griff war erstaunlich. Er war kunstvoll geschnitzt und auf Hochglanz poliert. Im Lampenschein betrachtete sie ihn genauer: winzige Gesch�pfe waren eingeschnitzt: am oberen Ende etwas, das wie ein gefl�gelter Krake aussah, und, davon ausgehend und sich nach unten ziehend, ausschw�rmende Schlangen, in seltsam geometrischer Anordnung. Die Gesichter wirkten so d�monisch und lebendig im schwach flackernden Lampenlicht, dass sich Ekel in Sonja r�hrte. Sie hatte im Lauf der Jahre so manche seltsamen Tore ge�ffnet und eigenartiges Land betreten, ohne sich sonderlich Gedanken zu machen, was dahinter liegen mochte, doch nie zuvor hatte sie eine solche N�he zur Au�enwelt empfunden, zu �</p><p><emphasis>�Sonja!�</emphasis> rief Elath. �Verliert Euch nicht!�</p><p>Sie schreckte aus ihrer Betrachtung hoch, nickte und stand auf, sowohl von einer unheimlichen Ahnung, wie von der Warnung des Zauberers bewegt. Sie steckte den Dolch mit dem Jadegriff in ihren G�rtel, hob die Lampe auf und kehrte zur �ffnung zur�ck. Sie kletterte hindurch und war so geistesabwesend, dass sie nicht auf die H�nde der M�nner achtete, die ihr herabhalfen.</p><p>Auf dem Gang nahm Elath ihr die Lampe ab und schritt wieder voraus. Nur ein Soldat interessierte sich f�r Sonjas Fund.</p><p>�Das war ein Dolch?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Darf ich ihn sehen?�</p><p>�In diesem Licht?� Sie sch�ttelte den Kopf. Irgendwie widerstrebte es ihr, sich auch nur kurz von der Waffe zu trennen. �Es ist blo� ein alter Dolch. Er mag noch recht n�tzlich sein.�</p><p>�Mhm.�</p><p>Sie folgten dem verwinkelten Korridor noch eine Weile. Die entfernten Stimmen wurden deutlicher, der Luftzug st�rker, und Licht schien in den Gang. Alle bewegten sich mit �u�erster Vorsicht. Nach ein paar weiteren Biegungen hielt Elath die Lampe hoch und winkte mit dem Arm nach hinten.</p><p>�Was ist los?� wisperte Sonja.</p><p>�Seht selbst, Kerker!�</p><p>Sie standen an der Schwelle zu den Verliesen. Unmittelbar vor ihnen befand sich hinter einer schweren Eisent�r mit vergittertem Fenster ein langer Korridor. Dort reihten sich zu beiden Seiten Zellen � und die Stimmen kamen von Du-jums Soldaten, die vor den Gitterst�ben standen und die Gefangenen dahinter verh�hnten.</p><p>�Wer immer auch dahinter eingesperrt ist, sie werden zweifellos unsere Partei ergreifen.�</p><p>�Wir wollen sie befreien?� fragte ein Soldat.</p><p>�Sobald diese kushitischen Esel sich entschlie�en, nach oben zum Fr�hst�ck zu gehen.�</p><p>Sonjas Trupp wartete zun�chst hinter der Biegung ab und lauschte.</p><p>�Wie hast du gesagt, hei�t du?� fragte ein W�rter den Gefangenen in der vordersten Zelle. Seinem gedehnten Tonfall und Akzent nach war er Darfarier. �Ich hatte mal einen Hund, den ich Kiros nannte. Sagtest du nicht, dein Name sei Kiros?�</p><p>�Du bist der Hund, das wei�t du genau. Du-jums Hund. Mach die T�r auf, verdammt, dann bringe ich dich so schnell um, dass ��</p><p>�Du-jum wird dich foltern wie ��</p><p>�Halt�s Maul! Halt�s Maul, du Hund!�</p><p>Sonja seufzte. Sie lehnte sich an die Wand vor der T�r und fl�sterte: �Sieht ganz so aus, als m�ssten wir noch eine Weile warten.�</p><empty-line/><p>Yarise verh�hnte inzwischen Omeron, der nackt, die Arme an die Wand gekettet, vor ihr hing. Die ebenfalls geketteten F��e ber�hrten den Boden nicht.</p><p>�Und wei�t du auch, was Du-jum und ich tun?� Sie leckte sich die Lippen und strich sinnlich mit beiden H�nden �ber ihren K�rper.</p><p>�Es ist mir v�llig egal, Yarise. Du bist eine Hure � warst es schon immer. Jetzt bist du eben eines Zauberers Hure. Wo ist da der Unterschied?�</p><p>�Du-jum wird dich ganz langsam martern!�</p><p>�Aber gewiss nicht, weil ich seiner Hure die Wahrheit sagte!�</p><p>Yarise konnte ihre Wut nicht mehr beherrschen. Nach einer Waffe suchend, wirbelte sie herum und sah auf einem Tischchen eine Silberschale, die sie f�r geeignet hielt. Sie griff danach und holte zum Wurf aus. Omeron, der ihr in seinen Ketten nicht ausweichen konnte, zuckte zusammen. Die Schale flog geradewegs auf seinen ungesch�tzten Unterleib zu.</p><p>�Halt!� donnerte Du-jum.</p><p>Sofort �nderte die Silberschale ihre Richtung, drehte sich wie ein Kreisel und schmetterte gegen die Wand.</p><p>W�tend schaute Yarise hoch. Omeron beobachtete den Hexer, der mit wallendem Gewand in das Gemach eilte.</p><p>�Geh jetzt, Yarise�, forderte Du-jum sie auf. �Lass deinen �rger an irgendwelchen Sklavinnen aus. Ich m�chte mich ungest�rt mit deinem � Gatten unterhalten.�</p><p>Yarise wollte nicht, dass Omeron merkte, welche Macht Du-jum �ber sie hatte, wagte es jedoch auch nicht, sich ihm zu widersetzen. So verzog sie das Gesicht h�hnisch, spuckte ihren ehemaligen Gemahl an, machte eine unmissverst�ndliche Geste und verlie� das Gemach mit hocherhobenem Haupt.</p><p>Du-jum winkte. Ein schwerer Holzstuhl bewegte sich scharrend �ber den Boden und blieb einige Schritte vor Omeron entfernt stehen. St�hnend setzte Du-jum sich darauf, wischte sich das Gesicht ab und blickte zu dem fr�heren Herrscher von Thesrad hoch.</p><p>�Sie ist eine Hexe�, sagte er seufzend. �Und ich meine damit nicht, dass sie einige Zauberkunstst�cke beherrscht, was sie zweifellos tut.�</p><p>�Eine Hure�, entgegnete Omeron kalt. <emphasis>�Hure</emphasis> ist das richtige Wort. Und sie hat auch die entsprechende Begabung. Doch vor allem, was Ihr ja inzwischen wissen m�sstet, ist sie ein verzogenes, rachs�chtiges Balg!�</p><p>Du-jum lachte laut �ber diese treffende Bemerkung, doch dann wurde sein Gesicht wieder ernst. �Wein. Ihr braucht ein bisschen Wein.� Er deutete auf einen Krug, der sofort von einem Tisch herbeischwebte. Doch Omeron sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Keinen Wein f�r mich, ehe ich nicht wieder in Thesrad herrsche.�</p><p>�Ich verstehe.� Du-jums Stimme wurde k�hler, und der Krug kehrte zu dem Tisch zur�ck. �Dann werdet Ihr lange warten, bis Ihr Euren Durst wieder stillen k�nnt.�</p><p>�Nur Vergeltung vermag meinen Durst zu stillen.�</p><p>�Was sonst? Omeron � F�rst � ich bewundere Euch. Ich achte Euch. Ihr habt gut gegen mich gek�mpft, und Ihr seid alles andere denn ein Feigling. Ich m�chte nur eines von Euch wissen. Wenn Ihr es mir sagt � jetzt oder etwas sp�ter �, werde ich Euch schmerzlos t�ten. Denn zu jenen, die mir zu Willen sind, bin ich gn�dig.�</p><p>Omeron g�nnte ihm keine Antwort.</p><p>�Ihr k�nnt selbst entscheiden, F�rst von Thesrad. Wollt Ihr einen raschen Tod, oder lange unertr�gliche Qualen?�</p><p>�Wie Sadhur?�</p><p>�Ihr wisst davon? Hat Yarise ��</p><p>�Ich schloss es.�</p><p>�Ihr habt richtig geschlossen�, knurrte Du-jum. �Sadhur starb unter grauenvollen Schmerzen, weil er versuchte, edel zu sein � wie Ihr, und jetzt windet er sich in den sieben H�llen.�</p><p>�Wenn Ihr meint. Aber selbst falls es so ist, zieht er dieses Los bestimmt vor.�</p><p>�Seid nicht so sicher. Sadhurs Geschick ist bereits entschieden � Eures noch nicht. Ihr werdet mir sagen, was ich wissen will. Unter dieser Stadt gibt es G�nge, H�hlen �� Bei diesen Worten stand Du-jum auf und ging n�her an Omeron heran, der ihm argw�hnisch entgegenblickte. �Sie f�hren zu � anderen Orten. Ich brauche Zugang zu ihnen. Sie sind schwer zu finden und �lter als die Menschheit. Sie durch Zauberkr�fte finden zu wollen, verst�rkt nur den sie verbergenden Schutzschild. Es ist bekannt, dass manchmal Menschen durch Zufall auf sie stie�en. Diese Zuf�lle sind selten, kommen jedoch vor. Offenbar verga�en die Errichter dieser Tore, sie vor ungewollter, zuf�lliger Entdeckung zu sch�tzen.�</p><p>�Ich wei� nichts von solchen G�ngen�, sagte Omeron hart.</p><p>�Vielleicht nicht, F�rst. Doch falls Ihr es wisst, werde ich es erfahren. Erz�hlt mir von diesen G�ngen, dann �wird Euch meine Gnade und Barmherzigkeit widerfahren. Wenn nicht ��</p><p>�Ich sagte Euch, dass ich nichts �ber sie wei�!�</p><p>�Und ich sage, dass ich Euch nicht glaube.� Du-jum seufzte. �Ich hatte es bef�rchtet. Strenge F�hrer sind hartn�ckige Gefangene. Doch was in der Staatskunst klug ist, Omeron, ist in anderen Bereichen h�ufig t�richt. Ihr lasst mir keine Wahl.�</p><p>�Ich hatte keine Wahl von dem Augenblick an, da Ihr Thesrad �berfallen habt, Hexer.�</p><p>Du-jum l�chelte finster. �Ich bewundere Euch wirklich, Omeron. Denkt daran, wenn ich Euch Schmerzen verursachen muss, habt Ihr es Euch selbst zuzuschreiben.�</p><p>�Bringt es hinter Euch, Hexer!�</p><p>�Nun gut. Wie Ihr wollt.� Du-jum kam noch n�her und streckte die Arme aus.</p><p>Die Wachen auf dem Korridor vernahmen einen pl�tzlichen grauenvollen Schmerzensschrei aus dem Gemach � dann noch einen und weitere.</p></section><section><title><p>8</p></title><p>�Brecht die T�r auf!� befahl Sonja.</p><p>Der Tag war halb vor�ber. Elath hatte ihnen gerade versichert, dass er keine W�rter mehr in der N�he f�hlte. Nun suchten die sechs Omeron-Soldaten mit den Spitzen ihrer schweren Dolche entlang dem T�rrahmen nach schwachen Punkten. Das Schloss, vor langer Zeit eingerastet, war v�llig verrostet und unm�glich zu �ffnen. Am meistversprechenden waren die Angeln.</p><p>�Es sind keine normalen Angeln�, murmelte Elath und studierte sie, w�hrend die sechs Soldaten arbeiteten. Es war eine seltsame Vorrichtung von Kugeln in einer Halterung: Eisenst�be mit kugeligen Enden, im T�rrahmen befestigt, paarweise mit Mulden in der Wand so verbunden wie Ellbogen- oder Kniegelenke, durch Stifte festgehalten. Es war erstaunlich, denn diese Angeln schienen weit komplizierter zu sein als erforderlich und in der ganzen Anordnung ausgekl�gelter denn n�tig. Sonja fragte sich, wie alt diese G�nge wohl waren und wer � oder was � sie erbaut hatte.</p><p>Doch welchen Ursprung diese Angeln auch haben mochten, dem festen Stahl und den kr�ftigen Armen vermochten sie nicht lange zu widerstehen. In k�rzester Zeit hatten Sonja und ihre Begleiter, schwitzend und keuchend in der verbrauchten Luft, vier der eisernen Ellbogen auseinander gerissen. Die schwere T�r kippte beim vierten bedrohlich nach innen.</p><p>Dann zogen alle sechs M�nner die T�r vorsichtig zur�ck, sie knarrte, scharrte und w�re nun fast auf sie gest�rzt, doch sie duckten sich unter ihr hinweg und lie�en sie auf den Boden fallen.</p><p>�Wer ist da?� � �Was war das?� � �Was ist los?� riefen die Gefangenen erstaunt aus ihren Zellen und versuchten durch das Gitter zu sehen. �Ihr G�tter! Es muss Du-jum sein!�</p><p>�Still, ihr alle!� rief Sonja ihnen zu und bem�hte sich, zwar verst�ndlich, aber nicht zu laut zu sein. �Wir sind Widerstandsk�mpfer! Lord Omeron ist in die Stadt zur�ckgekehrt, doch viele seiner Soldaten wurden heute morgen �berw�ltigt.�</p><p>�Widerstandsk�mpfer!�</p><p>�F�rst Omeron!�</p><p>�Er lebt?�</p><p>�H�rt mir zu! Wir sind vielleicht die letzten, die noch frei sind. Wir werden euch aus den Verliesen holen, aber wir m�ssen geschlossen handeln!�</p><p>Inzwischen befanden Sonja und die anderen sich etwa in der Mitte des Korridors, schauten sich sorgf�ltig um, beobachteten alle Gefangenen und sprachen unmittelbar zu ihnen.</p><p>�Wir machen mit, M�dchen!�</p><p>�Ja! Holt uns hier heraus, und wir helfen euch, Du-jum umzubringen!�</p><p>�Wir k�mpfen mit euch f�r Omeron!�</p><p>�So sagt uns, wo die Schl�ssel sind. Wo bewahren die W�rter sie auf?�</p><p>�An einem Ring!� rief Kiros. �Der fetteste W�chter hat ihn an seinem G�rtel h�ngen.�</p><p>�Und wo sind die W�chter? Noch hier in diesem Kellergescho�?�</p><p>�Folgt diesem Gang�, wies Kiros sie an, �dann findet ihr nach einigen Biegungen den Eingang zur Wachstube. Dort halten sich die W�rter auf. Zumindest immer zwei, manchmal mehr.�</p><p>Sonja schaute ihre Leute an, sofort sagte ein Soldat ohne Z�gern. �Ich gehe. Ich werde schnell zur�ck sein.�</p><p>�Nimm noch zwei Mann mit.�</p><p>Die drei eilten mit gez�ckten Schwertern den Korridor entlang und verschwanden um die n�chste Biegung. Ihre Schritte verhallten rasch.</p><p>Sonja ging auf die Stelle zu, aus der der junge Kiros durch die Gitterst�be sp�hte und die H�nde um sie verkrampft hatte. �Wie viele seid ihr hier?�</p><p>�Schwer zu sagen. Ich wurde vergangene Nacht hier hergeschafft. Sie nahmen mich mit einem von Lord Omerons Offizieren gefangen, aber ihn brachten sie nicht hierher.�</p><p>�Sadhur?�</p><p>�Ja, so hie� er.�</p><p>�Gut. Wie viele seid ihr hier?� wandte Sonja sich nun an alle.</p><p>Nach dem Stimmendurcheinander, das ihr antwortete, schloss sie auf zumindest zwanzig oder f�nfundzwanzig.</p><p>Sie kehrte wieder zu dem J�ngling zur�ck. �Du hei�t also Kiros?�</p><p>�Ja. Ich bin ein Rebell. Ich m�chte f�r Lord Omeron k�mpfen.�</p><p>�Mein Name ist Sonja. Ich stamme nicht aus Thesrad, aber Lord Omeron rettete mir das Leben, als ich schwerkrank war, deshalb helfe ich ihm.�</p><p>Kiros nickte. �Eine S�ldnerin?�</p><p>�Ja. Kennst du dich, im Palast aus?�</p><p>�Einigerma�en, doch vielleicht nicht so gut wie andere hier. Aber gemeinsam finden wir uns bestimmt zurecht.�</p><p>�Gut. Wir m�ssen ohnehin beisammenbleiben und herausfinden, was vorgeht. Wir m�ssen uns einen Plan einfallen lassen, wie wir Du-jum �berraschen k�nnen.�</p><p>�Das werden wir! Er ist ��</p><p>In diesem Augenblick kehrten die drei mit Blut an ihren Klingen zur�ck und lie�en die Schl�ssel an einem Ring klingeln. Wieder riefen alle in den Zellen laut durcheinander.</p><p>�Geduld! Geduld!� mahnte Sonja. �Wir holen euch gleich heraus.�</p><p>Sie wandte sich an den Mann mit den Schl�sseln. �Irgendwelche Schwierigkeiten?�</p><p>�Keinerlei. Es waren vier. Ehe sie uns bemerken konnten, waren sie bereits tot.�</p><p>Sonja nickte. Sie begann am Ende des Korridors mit dem Aufschlie�en, bis alle befreit waren.</p><p>Yarises Einladungen zu dem Fest, das am selben Abend im Hauptthronsaal stattfinden sollte, wurden schnell und h�flich von allen au�er einem der dreiundf�nfzig Edlen beantwortet, die sich noch in der Stadt befanden. Der eine, der sie nicht erwiderte, hatte sich am Morgen selbst in sein Schwert gest�rzt, wie Yarise erfuhr.</p><p>Das ist vermutlich besser f�r ihn, dachte sie, w�hrend sie in ihrem Gemach hin und her ging. Besser, dass er tot und nicht mehr hier war. Sie sollten alle sterben, alle diese hochn�sigen Edlen, die sie immer verachtet hatten. Und bald w�rden sie tot sein � bald!</p><p>Trotzdem versp�rte sie ein leichtes Unbehagen. Es verlief nicht alles so, wie sie es gehofft hatte. Du-jum besch�ftigte sich nicht mehr soviel mit ihr wie anfangs. Verlor sie ihre Macht �ber ihn? Hatte sie denn je wirklich welche �ber ihn besessen? Schmollend sch�rzte sie die Lippen. Es war ungerecht! Sie hatte Omeron verh�hnt, weil sie sich ein Lob von Du-jum versprochen hatte, aber er hatte sich kaum um sie gek�mmert. Schlie�lich � und das war das Schlimmste � konnte sie dem Hexer nicht damit dienen, was ihm offenbar am wichtigsten war. Sie verstand wenig von alter Zauberei, wusste nichts �ber die G�nge und H�hlen unter der Stadt, die angeblich zu den Sieben H�llen f�hrten. Sie fragte sich, ob er ihre Gegenwart nun als l�stig empfand und nicht mehr als warmes Licht?</p><p>Er war auf ihren Vorschlag eingegangen, ein Fest zu veranstalten, aber mit einer anderen Absicht als sie. Zu viele waren bereits gefoltert worden, zu viele Opfer hatte es gegeben. Die verhassten Edlen zu t�ten, war ganz in ihrem Sinne, aber hatte Du-jum vor, schlie�lich �ber eine Totenstadt zu herrschen? Brachte er nach und nach alle in der Stadt um? Sie wollte �ber eine Stadt voll Leben regieren, der Hexer jedoch schien sie zerst�ren und ihre Bev�lkerung den finsteren G�ttern opfern zu wollen, bis er sein Ziel erreicht hatte. Und was war dieses Ziel?</p><p>Yarise bekam Angst.</p><p>Ihr wurde klar, dass sie allein war. Allein, ohne Omeron, ohne Du-jum, ohne �berhaupt irgend jemanden, dem sie trauen konnte. Ganz allein! Und allein musste sie f�r sich entscheiden, und sie konnte niemandem die Schuld geben, wenn etwas, das sie verursacht hatte, schlimme Folgen zeitigte.</p><p>Der Gedanke jagte ihr Angst ein, also schob sie ihn hastig von sich. Nein! Sie w�rde gemeinsam mit Du-jum herrschen! Sie w�rden K�nig und K�nigin auf einem gro�en Doppelthron sein, der auf gewaltiger Zaubermacht errichtet war. Trotzdem, sie wollte nicht, dass die Welt vernichtet wurde. Sie wollte � Mit einemmal wurde ihr bewusst, was sie wirklich wollte: dass Omeron ein m�chtiger Zauberer h�tte sein k�nnen, mit der Kraft, ihr jeden Wunsch zu erf�llen, w�hrend ihre Stadt sich auf magische Weise in einem geschlossenen Kreis bewegte und tat, was St�dte eben so tun, damit sie, Yarise, die G�ttin h�tte sein k�nnen, die zu sein sie bestimmt war � um erhaben auf einem Elfenbeinthron zu ruhen, hoch �ber dieser verachtenswerten Welt mit all ihrem Gewimmel und ihrer Erb�rmlichkeit. Aber Omeron war eben nur ein Mensch gewesen. Das Fest musste alles ver�ndern, das beschloss sie. Du-jum und sie w�rden ihre Macht zeigen. Omeron w�rde zu Tode gemartert, und dann war endg�ltig Schluss mit ihm und seiner kleinlichen Gerechtigkeitsliebe. Du-jum w�rde erfahren, was er sich erhoffte, und dann w�rden sie beide in Thesrad gl�cklich sein. Zauberer und W�rdentr�ger w�rden von �berall auf der Welt herbeikommen, und Thesrad w�rde zur prunkvollen Hauptstadt und zur Stadt der K�nste, Wissenschaft und Magie werden. Und sie, Yarise, w�rde ihr Leben lang als K�nigin verehrt und angebetet werden. Und nach ihrem Tod w�rde sie in alle Ewigkeit gepriesen werden, weil es durch sie zu Thesrads Gr��e gekommen war, und Pilger w�rden in endlosen Prozessionen ihre Grabst�tte besuchen.</p><empty-line/><p>Der Tag neigte sich dem Ende entgegen, und die Schatten wurden l�nger und dichter �ber den Wiesen. Ilura, die Schlange � riesig in dem Trugbild, das sie wob � wand sich �ber die weite Grasebene. Sie h�rte und sp�rte das Rascheln und die feinen Ger�usche zu beiden Seiten, w�hrend die Schlangen und Echsen sich bem�hten, sich an ihre Geschwindigkeit zu halten.</p><p>Die Stadt erhob sich vor ihr, mit ihren Mauern �ber dem wogenden Gras. Sie erstreckte sich �ber eine sanfte Erh�hung im Tal und fiel hinab zum Fluss. Die Sonne begann ihre T�rme und Banner rot zu f�rben, und die ersten Lichter leuchteten hinter den Fenstern auf.</p><p>Unerm�dlich, ungeduldig und rachedurstig kroch Ilura weiter und mit ihr ihre zahllosen Diener. Ihr Hass war gegen ihren Vater gerichtet. Sie wusste, dass er gewarnt war, doch auch, dass gerade die Warnung finsterste Furcht in ihm erweckt hatte. Die gerechte Strafe w�rde ihm durch die malmenden Schlangenleiber und die Giftz�hne von Sithras Getreuen widerfahren. Die Gefiederten, die ihrem verruchten Vater mit ihren Schn�beln und Krallen halfen, w�rden vernichtet werden. Der Tod w�rde schwelgen, die Geister heulen und die D�monen lachen. Die Zeit der Vergeltung war gekommen. Zauberei w�rde mit der Kraft von St�rmen und Blitzschl�gen gegen Zauberei k�mpfen.</p><p>Langsam, doch unaufhaltsam wuchsen die Mauern von Thesrad im Blickfeld Tausender von Reptilaugen h�her.</p><empty-line/><p>Es waren f�nfundzwanzig Gefangene, einige unterern�hrt oder verwundet, ein paar dem Wahnsinn nahe, alle waffenlos, doch voll Hass � und nunmehr frei � frei, ihr eigenes Geschick zu entscheiden und das von Thesrad.</p><p>Sie nahmen an Waffen an sich, was sie nur finden konnten, und lie�en den toten Wachen nichts, was noch brauchbar war. Dann brachen sie eine kleine Kammer auf, die auch noch einige Waffen zu bieten hatte: zehn Schwerter, ein Dutzend Dolche, ein paar Morgensterne und ein paar Eisenst�be, die wahrscheinlich von einer Schmiedearbeit �brig geblieben waren.</p><p>Bewaffnet verlie�en sie den Kerkerkorridor durch eine offenbar lange nicht mehr benutzte, zerbrochene und nicht wieder instand gesetzte alte T�r. Sie stapften ohne viel Worte dahin, im Licht der Fackeln, die die Wachstube erhellt hatten. Schlie�lich gelangten sie zu einem L-f�rmigen Lagerraum, in dem es nach Jahre altem Unrat stank. Als sie dort zu der Biegung kamen, l�schten sie bis auf zwei alle Fackeln im Staub am Boden aus.</p><p>Kiros und einige von Omerons M�nnern zeichneten einen groben Plan des Palasts in den Staub, mit allen bekannten Treppen, Korridoren, Eing�ngen, Gem�chern und so weiter.</p><p>�Wir m�ssen uns aufteilen�, bestimmte Sonja,. �damit wir mehr erkunden und unsere Erfahrungen sp�ter austauschen k�nnen. Was w�re ein guter Treffpunkt? Einer, an dem wir Du-jum �berraschen k�nnen?�</p><p>�Sein Schlafgemach�, meinte ein Soldat.</p><p>�Nein.� Elath sch�ttelte den Kopf. �Das hat er mit Zauberei gut gesch�tzt. Ein gr��erer Raum im Palast w�re besser, einer, in dem er sich mit ein paar W�chtern um sich sicher f�hlt ��</p><p>�Nicht schlecht�, lobte Sonja. �Dort k�nnen wir ihn und seine Wachen �berfallen, w�hrend er gar nicht an Zauberschutz denkt. Wir sind jetzt dreiunddrei�ig. M�glich, dass wir alle sterben, aber selbst wenn es dazu kommen sollte, k�nnen wir zumindest Du-jum mit uns in den Tod nehmen.�</p><p>�Wie w�re es mit dem Thronsaal?� schlug einer vor. �Er ist riesig und hat eine Galerie ringsum, auf die vom ersten Stock mindestens zehn, wenn nicht zw�lf T�ren f�hren.�</p><p>�Sind dort Wachen?� fragte Sonja.</p><p>�H�chstwahrscheinlich. Aber wir k�nnen uns durch die Korridore von hinten anschleichen und ihnen keine M�glichkeit mehr geben, Alarm zu schlagen. Von der Galerie aus haben wir einen guten �berblick �ber den Thronsaal, und wir k�nnen in Ruhe unseren n�chsten Schritt �berlegen.</p><p>Wir sind gen�gend, dass einige sich in den ersten Stock, schleichen und die Wachen auf der Galerie t�ten k�nnen, w�hrend wir vom Erdgescho� aus in den Thronsaal dringen.�</p><p>�Ihr habt recht, Sonja. Das m�sste zu schaffen sein.�</p><p>�Rechnet mit dem Tod�, warnte sie alle. �Doch bevor er uns trifft, m�ssen wir Du-jum t�ten. Was auch kommen mag, wir werden Omeron und Thesrad r�chen!�</p><p>Sie bildeten nunmehr vier Gruppen, und jede pr�gte sich ihren Weg durch die Geheimg�nge ein, die sie in den Staub gezeichnet hatten.</p><p>Elath zog Sonja kurz zur Seite und sagte: �Omeron hat Gl�ck, dass Ihr einen Freund in ihm seht, Sonja, denn ich bin �berzeugt, kein Thesrader w�rde williger f�r seine gute Sache k�mpfen und sterben als Ihr. Und doch sp�rte ich, als Ihr sagtet, wir w�rden Omeron und Thesrad r�chen, andere Namen hinter diesen. Habe ich recht, Rote Sonja?�</p><p>Sonja antwortete nur mit einem Blick. Es st�rte sie, dass der junge Zauberer so tief in ihrer Seele lesen konnte. <emphasis>Olin � Suthad �</emphasis></p><empty-line/><p>Bei Sonnenuntergang trafen zweiundf�nfzig Edle p�nktlich im Palast ein, und man wies ihnen mit ihren Dienern Pl�tze an einem langen U-f�rmigen Tisch vor drei W�nden des riesigen Saales an. In der Mitte des mittleren Teils der U-Form stand gegen die Wand Du-jums Thron auf einem niedrigen Podest, und zu beiden Seiten davon waren die St�hle f�r Yarise und die sechs jungen Zauberer.</p><p>In Saalmitte war ein gro�es Rad hochaufgestellt, auf das der nackte Omeron mit gespreizten Armen und Beinen gebunden war. Der F�rst lebte, sollte jedoch offenbar nach dem Festmahl gemartert werden � zur Unterhaltung und als Warnung?</p><p>Als die Edlen den Saal betraten, erschraken sie zutiefst, ihren hochverehrten F�rsten so gedem�tigt vorzufinden. Einigen kamen unwillk�rlich die Tr�nen, andere protestierten laut gegen diese Behandlung, und ein paar versuchten sich Omeron zu n�hern, doch Du-jums W�chter lie�en es. nicht zu.</p><p>Kein Wort kam �ber des F�rsten Lippen, obgleich mehrere sich flehentlich fragend an ihn wandten. Was h�tte er ihnen auch schon sagen k�nnen, was sie nicht ohnehin sahen: dass ihr Lord, der ehemalige Herrscher des jetzt unterdr�ckten Thesrads, der Willk�r des Eroberers ausgeliefert war?</p><empty-line/><p>Inzwischen hastete ein W�chter den Gang entlang zu Du-jums Gem�chern.</p><p>�Mein Lord!� schrie er und h�mmerte aufgeregt auf die T�r.</p><p>Du-jum bereitete sich gerade auf die Zauberei f�r die abendliche Darbietung vor. Er war angespannt und schon halb in Trance.</p><p>�Mein Lord! Eine wichtige Neuigkeit!�</p><p>W�tend rief Du-jum mit schwerer Zunge: �Hinfort! Ich darf nicht gest�rt werden, wenn ich mich in diesem Gemach aufhalte! Noch ein Wort von dir, und ich t�te dich!�</p><p>Best�rzt �berlegte der Wachmann, was er tun sollte. Wenn er die dringende Botschaft nicht seinem Gebieter �bermitteln konnte, musste er sie Prinzessin Yarise anvertrauen!</p><p>Er fand sie in einem Vorgemach des Thronsaals, wo auch sie sich auf ihren gro�en Auftritt vorbereitete. Mit einer tiefen Verbeugung fl�sterte er: �Die Gefangenen sind entflohen!�</p><p>�Was hast du gesagt?� Sie war sichtlich erschrocken und zog den Mann zur Seite. �Erz�hl mir!�</p><p>�Ich versuchte, Lord Du-jum Bescheid zu geben, Herrin, aber er schickte mich ungeh�rt fort, weil er sich in sich selbst zur�ckgezogen hatte. Es stimmt, Gebieterin. Irgendwie ist es den Gefangenen gelungen, sich aus ihren Zellen zu befreien. Sie t�teten die W�rter. Wir haben sofort alles nach den Entflohenen abgesucht, konnten sie jedoch nirgends finden!�</p><p>�Und Du-jum wei� nichts davon?�</p><p>�Nein, Herrin.�</p><p>Yarise �berlegte. Ganz gewiss befanden sich gen�gend W�chter �ber den gesamten Palast verteilt, um sie und ihre G�ste ausreichend zu sch�tzen. Diese Sache kam ihr im Grund genommen gerade recht � etwas, das Du-jum nicht wusste! Sie w�rde die Gelegenheit nutzen � sobald die Entflohenen gefunden waren, w�rde sie sie alle t�ten, und so Du-jum ihren Wert beweisen und sich seine Dankbarkeit sichern.</p><p>�St�r ihn nicht mehr�, warnte sie den W�chter. �Ich werde mich der Angelegenheit annehmen. Und sprich mit niemandem dar�ber, es w�rde nur zur Unruhe kommen.�</p><p>�Sehr wohl, Gebieterin.�</p><empty-line/><p>Im ganzen Thronsaal wurde verstohlen gewispert.</p><p>Die Edlen, die ihre Pl�tze nun eingenommen hatten, warteten auf Du-jums Eintreffen. Die meisten, all jene n�mlich, die nicht feige waren, hatten sich auf einen geheimen Plan geeinigt. Sie trugen Dolche unter ihren Gew�ndern, und auch ihre Diener hatten Messer in den Stiefelsch�chten oder unter dem langen Haar verborgen.</p><p>Sie wussten, dass Du-jum sich in eine Zaubertrance versetzen w�rde, wenn er Omeron marterte, und hoff ten, er w�re dadurch so abgelenkt, dass sie ihn t�ten konnten. Vierzig von ihnen und dazu achtzig Diener waren an diesem Komplott beteiligt. Gewiss waren sie gen�gend, Du-jums W�chter zu �berw�ltigen und ihm selbst mit seinen sechs jungen Zauberern ein Ende zu machen.</p><p>Letztere � Aspre mit seinen Br�dern �, betraten mit gemessenen Schritten den Saal. Dunkle Gew�nder raschelten, Augen gl�hten kaum merklich in dem hellbeleuchteten Saal. Die jungen Zauberer lie�en sich auf den f�r sie bestimmten St�hlen neben Du-jums Thron nieder. Die Edlen tasteten heimlich nach ihren versteckten Waffen und versuchten ihre Anspannung mit seichtem Geplauder zu vertuschen.</p><p>Durch Hintergem�cher und Geheimg�nge n�herten sich Sonja, Kiros, Elath und sieben weitere der Galerie des Thronsaals, in der Hoffnung, dass die anderen Trupps ihrer Kameraden ebenso gut wie sie vorankamen.</p><p>Sie hatten eine winzige, fensterlose Kammer erreicht, entlang deren W�nde sich Regale mit Schriftrollen befanden. Stumm lauschten sie den Ger�uschen aus dem. Thronsaal, die ged�mpft bis hierher zu vernehmen waren, und sp�hten durch einen T�rspalt auf den Korridor.</p><p>�Der Gang ist leer�, wisperte Sonja. �Ich werde mich dort umsehen ��</p><p>Pl�tzlich schwang ein Vorhang hinter ihnen zur�ck, und die Stimme einer erschrockenen jungen Frau war zu h�ren: �Ihr G�tter, wie kommt ihr hierher?�</p><empty-line/><p>Ilura, nicht mehr als ein verschwommener Schlangenschatten, erreichte die Stadtmauer.</p><p>Die Nacht senkte sich herab. Hoch oben � Umrisse im schwindenden Licht des Westens � zogen Posten ihre Runden auf dem Wehrgang, ohne auch nur zu ahnen, dass ein wahres Meer von Reptilien herbeikroch und die uralten Grundmauern der Stadt nach Spalten und Rissen absuchte.</p><p>�Sithra!� fl�sterte die Riesenschlange Ilura. �Ixcatl! Helft mir, in die Stadt zu gelangen.�</p><p>Sie hielt inne, ihre nicht-menschlichen Instinkte und Sinne auf die kaum merklichen Einfl�sse willenberaubenden Zaubers gerichtet. Dann wandte sie sich nach links, glitt �ber die flachen Wiesen, zwischen gepflanzten B�umen hindurch und um alte, halb eingefallene Mauern herum. Panisch ergriffen H�hner gackernd vor ihr die Flucht, ebenso aufgeregt bellende Hunde. .</p><p>Unweit des Flusses gelangte sie zu einer niedrigen Seitent�r aus schwerer Eiche � ein Weg in die Stadt!</p><p>In der D�sternis fing die Schlangengestalt an sich zu ver�ndern. Schon viel kleiner, begann sie noch weiter zu schrumpfen und sich aufzurichten.</p><p>Und dann stand Ilura vor dem Tor: eine schlanke junge Frau in einfachem Leinenkittel. Lauschend achtete sie auf das Rascheln unz�hliger Diener im hohen Gras hinter sich.</p><p>Sie hob einen Stein auf und begann damit an die dicke Eichent�r zu klopfen.</p><p>�Macht auf!� rief sie. �Lasst mich ein!�</p><p>Sie h�rte Schritte auf dem Wehrgang und Verw�nschungen, doch ansonsten tat sich eine Weile gar nichts. Dann wurden mehrere Fackeln �ber die Brustwehr gehalten.</p><p>�Was wollt Ihr, M�dchen?�</p><p>�Dumme Frage, hinein nat�rlich.�</p><p>�Seid Ihr allein?�</p><p>�Sieht es etwa so aus, als h�tte ich eine Armee bei mir?�</p><p>Weitere Augenblicke verstrichen, dann war ein Knarren von Riegeln und Rasseln von Ketten zu h�ren, und schlie�lich schwang die schwere T�r auf. Mehrere Soldaten standen unmittelbar davor. Ihre Fackeln spiegelten sich auf ihrer R�stung und auf barbarischem Schmuck aus geblichenen Knochen. Bei Iluras Anblick grinsten alle erfreut.</p><p>�Na so etwas�, sagte der vorderste Soldat. �Was macht ein so h�bsches junges Ding ��</p><p><emphasis>�Satha na ikis Ixcatl!�</emphasis> rief Ilura und deutete mit ausgestrecktem Arm auf sie.</p><p>Sofort glitt eine Welle schuppiger Kreaturen aus dem wogenden Gras. Sie quoll durch das Tor und �ber die F��e der W�chter. Schreckens- und Schmerzensschreie zerrissen fl�chtig die Luft, gemischt mit dem Zischen Tausender von Schlangen. Dann schritt Ilura ruhig durch die T�r, vorbei an den durch Gift aufgedunsenen Leibern der Soldaten, w�hrend ein wahrer Strom von Reptilien zischelnd an ihr vorbeifloss.</p><p>Die T�r f�hrte in einen kahlen Ziegelraum, und eine weitere an der gegen�berliegenden Wand zu der Stra�e am Fluss. Durch sie sah Ilura zu einer Seite Stallungen und eine Schmiede. Ein paar Betrunkene be�ugten im Fackellicht l�stern eine nackte Frau von �ppigen Formen, deren Haut wie Kupfer glitzerte. Gel�chter erklang und trunkenes Stammeln � beides erstarb urpl�tzlich.</p><p>Und dann schrillten Schreie.</p><p>Die Reptilienmasse folgte der Mauer am Fluss zu einem gr��eren Eingang mit seit langem unbenutztem verrostetem Fallgatter, das hochgekettet war. Die Stra�e von Seite zu Seite ausf�llend, wogten sie durch das Tor, die Schuppen schimmerten im Fackelschein.</p><p>Da kam um ein Hauseck ein Reiter � ein Du-jum-Offizier, der durch die Stra�en Thesrads streifte, vielleicht auf der Suche nach Pl�ndergut oder einem M�dchen zur Befriedigung seiner Lust. Sein Pferd, das die Reptilienflut witterte, wieherte und versuchte durchzugehen. Verst�ndnislos blickte der Kushit sich um, die Lanze in der Hand, um den Grund der Erregung seines Tieres zu erkunden. Er sah wogende Schatten. �Was � <emphasis>Ahhhh!�</emphasis></p><p>Wie das Rascheln d�rrer Bl�tter im Herbst klang es, als die Schlangen �ber das Kopfsteinpflaster glitten, mit g�hnenden Rachen und spitzen Giftz�hnen. Verzweifelt schrie der Reiter, als das Pferd ihn in panischer Angst abwarf.</p><p>Es war schnell vorbei. Tot blieb der Mann auf der Stra�e liegen, und die Schlangen und Echsen krochen �ber ihn hinweg. Wiehernd galoppierte das Pferd davon.</p><p>Ilura und ihre m�chtige Schar drangen weiter vor und lie�en Tod und Grauen in der Dunkelheit zur�ck. Sie hatten jetzt nur noch die halbe Stadt zwischen sich und dem Palast.</p><empty-line/><p>Rasch dr�ckte einer von Sonjas M�nnern dem M�dchen die Hand auf den Mund und die Spitze seines Kurzschwerts an die Kehle. Verst�rt versuchte sie sich zu befreien, doch dann erschlaffte sie halb besinnungslos in seinem Griff.</p><p>Sonja ging auf das M�dchen zu und blickte in die weit aufgerissenen Augen. �Sie ist nur eine Dienerin�, sagte sie. �Nimm das Schwert weg.�</p><p>Der Soldat gehorchte.</p><p>�Versprichst du, nicht zu schreien, dann nimmt er auch die Hand von, deinem Mund�, wandte Sonja sich an das M�dchen.</p><p>Die Dienerin nickte heftig.</p><p>�Also, lass sie los!�</p><p>Das M�dchen w�re fast gefallen, doch Sonja und der Soldat st�tzten sie schnell. In diesem Augenblick rief Kiros: �Endi! Endi!�</p><p>�Kiros?� hauchte das M�dchen. �Kiros?�</p><p>�Ihr kennt euch?� fragte Sonja erstaunt.</p><p>�Sie ist eine von Yarises Leibm�gden�, antwortete Kiros. Dann wandte er sich an das M�dchen. �Endi, wir waren im Verlies gefangen. Wir entkamen. Du darfst nicht bei uns gesehen werden!�</p><p>�Wir befreiten sie heute Nachmittag�, sagte Sonja nun. �H�r zu, Endi, wei� jemand von der Flucht der Gefangenen?�</p><p>Endi sch�ttelte den Kopf. �Ich habe nichts geh�rt. Was habt ihr vor?�</p><p>�Wir werden Du-jum t�ten.�</p><p>Das schien Endi nicht zu �berraschen. Ein Schatten flog �ber ihr Gesicht. D�ster erkundigte sie sich: �Yarise ebenfalls?�</p><p>�Yarise? Wieso fragst du das?� sagte Sonja scharf.</p><p>Nun zitterte Endis Stimme. �Sie ist eine Hexe. Sie tut mir weh. Sie tut allen weh!�</p><p>�Wir wollen nur Du-jum.�</p><p>�Dann gebt mir ein Schwert � oder ein Messer! Ich werde Yarise t�ten ��</p><p>�Sonja!� rief der Soldat an der T�r leise.</p><p>Sie eilte zu ihm. Im Thronsaal wurde soeben Du-jum jubelnd begr��t.</p><p>�Es geht los, Sonja!�</p><p>�Psst!� Sonja drehte sich zu Endi um. �Bleib einstweilen hier, M�dchen. Und wenn der Kampf begonnen hat, l�ufst du am besten hinaus auf die Stra�e. Nur sieh zu, dass du von hier verschwindest, wenn dir dein Leben lieb ist.�</p><p>Sie dr�ngten sich jetzt an die T�r. Sonja streckte den Kopf hinaus, dann huschte sie �ber den Korridor und dr�ckte sich an die Wand. Andere folgten ihr. Langsam machten sie sich daran, den Gang entlangzuschleichen, auf die Galerie um den Thronsaal zu.</p><p>Kiros schaute �ber die Schulter noch einmal zu Endi,: dann hielt er an und eilte zu ihr zur�ck.</p><p>�Ich bin jetzt ein Rebell, Endi � ich k�mpfe f�r Omeron. Ich war gefangen im Verlies � die Rothaarige und ein paar andere befreiten mich. Bist du immer noch Yarises Leibmagd?�</p><p>Mit verzerrtem Gesicht nickte sie.</p><p>�Zu schade, dass wir einander nicht besser kennen gelernt haben � vor all dem jetzt.�</p><p>Traurig l�chelte Endi ihn an. �Gib mir ein Messer.�</p><p>�Lieber nicht.�</p><p>Mit Tr�nen in den Augen bat sie: �Dann � gib mir einen Kuss.�</p><p>Er k�sste sie sanft.</p><p>�Viel besser als Yarises K�sse <emphasis>�� �</emphasis>murmelte das M�dchen.</p><p>Entsetzt starrte Kiros sie an und zog ein Messer aus seinem G�rtel. �Es muss wohl sein. Hier nimm es zu deinem Schutz. Aber glaub nicht, dass du unbedingt jemanden damit t�ten musst! Lauf so schnell du kannst, und sieh zu, dass du aus dem Palast bist, ehe der Kampf hier beginnt. Versprichst du mir das?�</p><p>�Komm schon, Kiros!� rief einer der ehemaligen Gefangenen. �Du bist der letzte!�</p><p>Kiros gab dem M�dchen schnell noch einen Kuss, dann eilte er den anderen nach.</p><p>Sonja, die den anderen vorausschlich, kam zu einer Ecke und sp�hte vorsichtig herum. Ein Zugang zur Galerie wurde von mehreren Soldaten bewacht, die alle Richtung Saal blickten.</p><p>Sonja holte tief Luft. �Beeilt euch!� mahnte sie ihre Leute. �Und betet zu Mitra, dass zumindest einige der anderen rechtzeitig kommen. Wo ist denn der Zauberer Elath? Vielleicht kann er voraussehen ��</p><p>Sie hielt inne, denn sie stellte nun fest, dass der Zauberer nicht mehr unter ihnen war. Offenbar hatten auch die anderen nicht bemerkt, wann er sich zur�ckgezogen hatte, denn sie schauten sich genauso verwirrt um wie sie. Wie lange war Elath schon verschwunden?</p><p>Ihre �berlegungen wurden von Begeisterungsrufen aus dem Thronsaal unterbrochen, denen pl�tzliche Schreie folgten, dann das Klirren von Klingen, ein Poltern umkippender Tische und Du-jums donnernde Stimme.</p><p>�Kommt!� befahl Sonja und st�rmte schon mit gezogenem Schwert um die Ecke.</p><empty-line/><p>Es gibt mehr M�glichkeiten zu sterben als zu leben.</p><p>Wie nie zuvor erkannte Omeron die Wahrheit dieses alten Sprichworts � nun, da Du-jum eine kurze Ansprache vor seinen G�sten gehalten hatte und sich jetzt zu ihm umdrehte, ihm in die Augen blickte und eine Hand zur ersten magischen Marter hob.</p><p>Die Zeit verlangsamte sich. Verzweifelt wehrte Omeron sich gegen seine Bande, wappnete sich gegen die bevorstehenden, unausweichlichen Schmerzen. Du-jum l�chelte.</p><p>Da gellte ein Schrei vom Haupteingang � der. Todesschrei eines W�chters. Ihm folgten wilde Kampfrufe, als Bewaffnete in den Saal st�rmten.</p><p>Weitere Schreie schrillten, dann flog etwas durch den Saal und verfehlte Du-jum nur knapp: ein Speer, der klappernd auf dem Boden aufschlug.</p><p>Omeron blickte hoch, gerade als einer von Du-jums Leuten gellend von der hohen Galerie st�rzte und auf einem Tisch landete, der unter der Wucht zersplitterte. Die dort sitzenden Edlen sprangen r�ckw�rts auf, prallten dabei gegen ihre Diener, und alle fielen zu einem wirren, strampelnden und zappelnden Haufen.</p><p>�Zur�ck!� rief Yarise vom Thronpodest. �Oder ich t�te euch alle durch Zauber!�</p><p>Doch dann taumelte sie, als ein Wurfgescho� sie am Kopf traf und Blut �ber ihre Stirn rann. Wimmernd stolperte sie die Podeststufen hinunter und rannte zu einem Ausgang.</p><p>Die sechs Zauberer dr�ckten sich sofort an die Wand und sch�tzten sich mit einem magischen Schirm. Geschosse prallten dagegen, ohne ihnen etwas anhaben zu k�nnen.</p><p>�Kommt! Auf sie!�</p><p>Der Ruf kam von oben. Omeron drehte den Kopf und sah die rothaarige Kriegerin durch einen gr��eren Trupp Wachen am Kopfende der Treppe zur Galerie st�rmen � und ihr folgte eine br�llende Flut Ger�steter mit grimmigen Gesichtern und allen m�glichen Waffen.</p><p>Da st�rzte ein zweiter Trupp durch eine Nebent�r in den Saal, und der Tumult wurde noch gr��er. Weitere Du-jum-Soldaten fielen �ber die Galeriebr�stung herab auf die Tische. Blut floss, Stahl klirrte laut, und Schreie schrillten, w�hrend der Kampf hasserf�llt tobte.</p><p>Die Edlen zogen ihre verborgenen Klingen und schlossen sich Omerons Leuten an. Des Hexers M�nner wichen im Schock zu den W�nden zur�ck.</p><p>Du-jum wandte sich wild an Omeron. �Das ist dein Werk!� br�llte er, und die gelben Augen blitzten vor Wut. Er hob die Hand zu einem Zauberangriff.</p><p>Doch ehe er seine Geb�rde vollendet hatte, bohrte sich eine Klinge in seinen Unterarm. Du-jum zischte, funkelte den Edlen an, der das Messer geworfen hatte, dann zog er es ohne das geringste Anzeichen von Schmerz aus dem Arm und schleuderte es zur�ck. Es grub sich in die Stirn des Edlen.</p><p>�Sie werden nicht gewinnen!� rief Du-jum Omeron zu, doch dann wurde er von der wilden Menge der K�mpfenden zur�ckgedr�ngt.</p><p>Sonja, die sich in der vordersten Reihe des Gemenges befand, sah, wie Omeron sich in seinen Fesseln am Rad wand, und rief seinen Namen, dann k�mpfte sie sich einen Weg frei und rannte auf ihn zu. Ein Du-jum-Mann hieb mit der Axt nach ihr, dass Sonja sich nur noch retten konnte, indem sie sich auf den Boden fallen lie�. Im Vorbeischlittern schwang sie ihre Klinge hoch und traf den Soldaten mit einem t�dlichen Streich. Nun sprang sie auf und st�rmte zu Omeron.</p><p>�Haltet Euch ganz still!�</p><p>Ihre Klinge blitzte einmal, zweimal, noch zweimal. Beim vierten Hieb war der F�rst frei. Er fiel nach vorn, verkrampft und ersch�pft vom qualvollen Dehnen der Muskeln. Sonja fing ihn auf und zog ihn am Arm mit sich. In der Mitte war ein Freiraum geschaffen, da Omerons Soldaten Du-jums zum hinteren Saalende und an die W�nde dr�ngten. Sonja half Omeron zwischen zwei S�ulen einer Seitenreihe, dann kippte sie einen schweren Tisch um, hinter dem sie einstweilen gesch�tzt waren.</p><p>�Wie geht es Euch?� erkundigte sie sich besorgt und kniete sich neben ihn.</p><p>�Ich bin � nur noch schwach � und �berrascht.�</p><p>Sie sprang rasch hinter dem Tisch hervor, zerrte die Leiche eines von Omerons eigenen M�nnern herbei und dr�ngte:</p><p>�Schnell! Zieht seine Sachen an!�</p><p>Hastig schl�pfte Omeron in Hose und Stiefel, zw�ngte sich in das Kettenhemd und schnallte sich den Schwertg�rtel um. �Mitra, hier komme ich!� br�llte er. �Auf sie!�</p><p>Mit wilden Schlachtrufen st�rmten die beiden durch den, Saal, um sich ins Gemenge zu st�rzen.</p><empty-line/><p>Yarise rannte, so schnell sie konnte. Sie stie� ihre hinderlichen vergoldeten Sandalen von sich und raste weiter. Die oberen Korridore waren v�llig verlassen. Vom Erdgescho� schallte das erschreckende Kampfget�se hoch.</p><p>Sie musste fliehen � musste ihre Sachen in ihrem Gemach zusammenpacken und sich dann von ihren Dienerinnen helfen lassen, den Palast zu verlassen.</p><p>�Endi!� rief sie an der T�r zu ihren Gem�chern. <emphasis>�Endi!</emphasis> Verdammt, wo bist du, wenn ich dich brauche ��</p><p>�Yarise!�</p><p>Erschrocken drehte sie sich um.</p><p>Eine Frauenstimme, und doch nicht die Stimme einer Frau.</p><p>�Ich wei�, wer du bist, Yarise! Hilf mir das gestohlene Zepter Ixcatls zu finden, damit ich meinen Vater Du-jum vernichten kann.�</p><p>Furchterf�llt wich Yarise vor dieser Stimme zur�ck. Hilfesuchend schaute sie den Gang entlang, dann in alle Richtungen.</p><p>�Yarise, �berwinde das B�se in dir. Du-jum hat das Zepter mit einem magischen Schirm gesch�tzt. Sag mir, wo er es versteckt h�lt.�</p><p>�Wer seid ihr? <emphasis>Wer seid Ihr?�</emphasis> rief Yarise v�llig verst�rt und wich immer weiter den Gang entlang zur�ck.</p><p>Als Antwort schl�ngelte sich aus einem Seitenkorridor ein Schatten, ein riesiger Schatten, schw�rzer als die Nacht. Von Grauen gepackt, wich die Prinzessin noch weiter zur�ck.</p><p>�Yarise, ich komme zu dir in meiner Schlangengestalt, um zu beweisen, dass ich bin, wer zu sein ich behaupte: die Tochter von ��</p><p>Und sie kroch um die Biegung, ringelte sich zusammen.</p><p>�Ihr G�tter der Finsternis!� schrillte Yarise. Sie stolperte �ber die eigenen F��e, sprang hoch und rannte blindlings den Korridor entlang.</p><p><emphasis>�Yarise!�</emphasis> rief die Riesenschlange. Ihre gelben Augen leuchteten in der D�sternis des Ganges. �Yarise! Ich bin Ilura, Du-jums Tochter. Dies ist nicht meine wahre Gestalt. Lauf nicht fort! Sag mir, wo ich das Zepter finden kann!�</p><p>�Ihr G�tter der Finsternis! Du-jum! <emphasis>Hiiiilfe!�</emphasis></p><p>Die gigantische. Schlange glitt hinter ihr her. Ihre �Bauchschuppen scharrten �ber den Marmorboden und ihre Flanken gegen Tische und Waffengestelle an den W�nden des Gangs. �Yarise! Bleib stehen! Ich werde mich verwandeln ��</p><p>Yarise rannte immer weiter fort von ihren Gem�chern, vorbei an anderen, die ihr keinen Schutz vor der Riesenschlange bieten konnten. Blindlings raste sie dahin, bis sie ein offenes Fenster vor sich sah. Wahnsinnig vor Angst dachte sie, sie k�nnte wegfliegen, wenn sie hinaussprang.</p><p><emphasis>�Yarise!�</emphasis></p><p>Einen Blick wagte sie zur�ck und sah eine ungeheuerliche Schlange mit gelben Augen auf sie zugleiten, das Reptil ber�hrte mit seinem gewaltigen K�rper fast beide Seiten des Korridors. Und diese Schlange <emphasis>sprach</emphasis> zu ihr!</p><p>�Yarise, ich verwandle mich jetzt! Sag mir, wo das Zepter ist!�</p><p>�Du-jum! Hilf mir mit deiner Vogelmagie! Ich muss fliegen! <emphasis>Hilf mir!�</emphasis></p><p>Ohne anzuhalten, warf sie sich durch das Fenster � und flog nicht.</p><p>Schreiend st�rzte sie in die Tiefe, rief gellend nach Du-jum, doch er half ihr nicht. Ein steinernes Fabelwesen ragte �ber einem Balkon aus der Wand, ein Wesen mit spitzen, aufgerichteten H�rnern.</p><p>Yarises Schreie erstarben, als sie direkt darauf fiel und die Homer sie aufspie�ten.</p><p>Ilura, nunmehr in ihrer menschlichen Gestalt, blickte in hilflosem �rger hinunter. Die tote Prinzessin hing schlaff von den H�rnern, und ihr Blut tropfte auf den Balkon darunter. Die Hexe, die nicht fliegen konnte, hatte sich als menschlich erwiesen � aus Fleisch und Blut wie andere Sterbliche.</p><p>Ilura drehte sich w�tend um � und sah pl�tzlich auf dem d�steren Gang einen schlanken jungen Mann in dunklem Umhang, der sie mit gelben Augen beobachtete, die fast so gl�hten wie ihre eigenen.</p><p>�Ich bin Elath, ein Zauberer�, sagte der Mann, als sie n�her kam. �Ich habe alles gesehen und geh�rt. Habt keine Angst ��</p><p>�Angst?� Ilura blickte ihn hochaufgerichtet an. �Ich k�nnte Euch zerschmettern, wo Ihr steht, ob Zauberer oder nicht!�</p><p>�Das bezweifle ich nicht, denn ich bin noch Sch�ler der h�heren K�nste. Doch habe ich die Gabe des Zweiten Gesichts, so wei� ich, dass Ihr gekommen seid, jenen zu helfen, mit denen ich mich verb�ndet habe. Ich sp�rte Euch, als Ihr den Palast betratet, und machte mich sofort auf die Suche nach Euch, statt am Kampf teilzunehmen, bei dem ich mit meinen geringen F�higkeiten von wenig Nutzen gewesen w�re.�</p><p>�Wenn Ihr alles geh�rt habt, m�sst Ihr auch wissen, dass ich das Zepter Ixcatls suche, das Du-jum aus Sithras Tempel stahl.�</p><p>�Es ist in seinem Gemach, in einem kleinen Kasten hinter dem B�cherregal beim Fenster. Er zeigte es meinen Br�dern und mir einmal. Doch kann ich Euch nur raten, nicht zu versuchen dort einzudringen, denn in seiner Abwesenheit werden seine Gem�cher von D�monen gesch�tzt, derengleichen sogar Ihr scheuen w�rdet.�</p><p>�Sogar ich? So wisst Ihr, wer ich bin?� fragte Ilura.</p><p>Unwillk�rlich schluckte Elath. �Ich h�rte, wie Ihr zu der Frau sagtet, die aus dem Fenster sprang, dass Ihr Ilura seid. Doch wei� ich auch, <emphasis>was</emphasis> Ihr seid � und ich f�hle mich hochgeehrt, denn nie h�tte ich mir auch nur tr�umen lassen, je einer der Schlangenfrauen zu begegnen, selbst einer halbmenschlichen. Und schon gar nicht, wenn Ihr gestattet, dass ich das sage, einer so bezaubernd sch�nen.�</p><p>�Ihr bewundert also meine Kunst?� Abf�llig warf Ilura den Kopf zur�ck. �Wenn Ihr so viel wisst, m�sst Ihr auch wissen, dass diese Form genauso T�uschung ist wie meine Schlangengestalt, obwohl die jetzige aufrechtzuerhalten weniger Kraft kostet. Kein Mensch hat mich je gesehen, wie ich wirklich bin, und nie wird es einer.�</p><p>�Ich f�rchte, das k�nnen wir Menschen von uns ebenfalls sagen. Aber wir vergeuden Zeit. Omerons M�nner k�mpfen gegen eine �bermacht im Thronsaal. Ich sp�re, dass Ihr allein gekommen seid ��</p><p>�Diesmal tr�gen Eure Sinne Euch, Mann mit dem Zweiten Gesicht. Ich habe eine m�chtige Armee mitgebracht. Sie ist gerade dabei, Du-jums Truppen in der Stadt zu t�ten.�</p><p>�Eine Armee?�</p><p>�Meiner eigenen Diener.�</p><p>�Ah!� Elath verstand nun. �Doch nun m�sst Ihr Euch beeilen, Ilura, wenn Ihr Omeron helfen und Euren Feind finden wollt.�</p><p>Ilura eilte bereits den Gang entlang zu der Treppe, die ins Erdgescho� und zum Thronsaal f�hrte, in dem sich Du-jum befand.</p><empty-line/><p>Im Lager am Berghang �sa�en die Soldaten im Schein des Mondes und der Sterne um ihre Feuer, und ihre Ungeduld wuchs.</p><p>�Sie sind schon zu lange fort�, sagte Omerons stellvertretender Befehlshaber. �Wir m�ssen nach Ribeth um Verst�rkung schicken, wie Lord Omeron uns beauftragte.�</p><p>Drei M�nner wurden ausgew�hlt: zwei junge kr�ftige und ein dritter, der sich in den Bergen auskannte.</p><p>�Wenn ihr in zwei Tagen nicht zur�ck seid�, sagte der Offizier, �reiten wir allein in die Stadt.�</p><p>�Es ist besser, ihr seid hier, wenn wir wiederkommen. Wir werden es in weniger als zwei Tagen schaffen�, versicherte ihm der mit den Bergen vertraute Soldat.</p><p>So ritten die drei in die Nacht hinaus und den Gefahren entgegen, die die n�chtlichen H�nge bargen. Trotzdem bedr�ngte sie fast etwas wie ein Schuldgef�hl, als lie�en sie ihren F�rsten im Stich.</p></section><section><title><p>9</p></title><p>W�tend schrie Sonja auf, als ein Messer ihren Arm streifte. Mit der Beh�ndigkeit einer L�win wirbelte sie herum und stach ihr Schwert dem Angreifer mit einer Flinkheit in die Brust, mit der er nicht hatte rechnen k�nnen. Er taumelte r�ckw�rts gegen zwei Kameraden, die dadurch ins Stolpern kamen, was das Durcheinander noch gr��er machte.</p><p>Omerons Soldaten, gemeinsam mit den befreiten Gefangenen, den Edlen und ihren Dienern, bedr�ngten Du-jums v�llig entmutigte M�nner mit der Heftigkeit lange angestauten Grimms und t�teten einen nach dem anderen.</p><p>Mit allem Hass und gerechtem Zorn hatte Lord Omeron sich ins Gew�hl geworfen und k�mpfte wie ein Besessener, so dass seiner Klinge kein Ziel entging, w�hrend er selbst nicht zu treffen war.</p><p>Auch die Rote Sonja focht unbezwingbar, und um sie herum br�llten die Thesrader den Namen ihres F�rsten und den ihrer Stadt, und Sonja br�llte mit ihnen, ohne dass ihr in diesem Schlachtenget�mmel bewusst wurde, dass die Namen des F�rsten und der Stadt von ihren Lippen anders klangen: <emphasis>�Olin � Suthad!�</emphasis></p><p>Omerons Kopf wurde wieder k�hler, als er feststellte, dass weitere M�nner von Du-jums schwarzen Truppen durch den Haupteingang in den Thronsaal quollen und ihre Zahl weit gr��er als die seiner Leute war. Und da bemerkte er auch, dass er vom Hauptget�mmel entfernt und nahe des Thronpodests war. Er schaute hoch, wischte sich den Schwei� von der Stirn und sah, wer mit gelbgl�henden Augen angespannt auf ihn herabblickte.</p><p><emphasis>�Hexxxer!�</emphasis></p><p>Er wollte zu Du-jum hochst�rmen, doch prallte er schon auf der ersten Stufe mit dem gez�ckten Schwert gegen einen unsichtbaren Schutzschild. Er verlor fast das Gleichgewicht, fing sich jedoch schnell und wirbelte herum, als er herbeieilende Schritte h�rte.</p><p>Er konnte sich gerade noch rechtzeitig unter einer Klinge ducken, die ihn sonst enthauptet h�tte. Heftig stach er seinem Angreifer das Schwert in den Leib und drehte sich sofort wieder zum Thronpodest um.</p><p>Fast w�re ihm das Schwert entglitten, als ein gewaltiger Zauberschlag ihm Arm und Schulter l�hmte.</p><p>Du-jum lachte.�Nun d�rft ihr mich unterst�tzen, meine Akoluthen!�</p><p>Er hob die wallenden �rmel wie ausgebreitete Schwingen, und die sechs Zauberer neben ihm stellten sich schirmend und seine Kr�fte verst�rkend so um ihn, dass nur ein St�ck vor ihm frei war und er dadurch seinen Feind sehen konnte. Spannung hing wie eine drohende Gewitterwolke um sie. .</p><p>Omeron runzelte die Stirn und �berlegte seinen n�chsten Schritt, als er die pl�tzliche Furcht in Du-jums Z�gen las.</p><p>Furcht � doch nicht vor Omeron.</p><p>Alles schrie entsetzt durcheinander, als sich etwas Gewaltiges, Dunkles in den Saal schnellte. Jene am Rand des Gemenges ergriffen in grauenvoller Angst die Flucht. Donner krachte pl�tzlich, die S�ulen erzitterten, und die Wandbeh�nge flatterten wie im Sturmwind � und dann erklang ein ohrenbet�ubendes Zischen, als stie�e eine siedende Woge gegen einen Eisberg!</p><p><emphasis>�Ilura!�</emphasis> entfuhr es Du-jum erschrocken.</p><p>Die titanische Schlange glitt mit scharrenden Bauchschuppen zum Thronpodest.</p><p>Omeron, der sich an die Nacht in den Bergen sehr wohl erinnerte, sprang hastig aus dem Weg und hinter eine S�ule, von wo aus er die Schlange beobachtete. Iluras m�chtiger Schwanz schlug gegen eine andere S�ule, w�hrend sie zischend weiterglitt.</p><p>Vom Rand des Get�mmels aus sah Sonja Omeron und rannte zu ihm. Er warf einen raschen Blick auf sie und beobachtete dann die Schlange weiter.</p><p>�Sie geh�rt nicht zu Du-jum�, sagte er heiser; �Dieses Gesch�pf auf dem Berg��</p><p>�Ilura�, erkl�rte Sonja ihm schwer atmend.</p><p>�Ihr G�tter! Nein!�</p><p>�Doch, Ilura.� Sonja nickte heftig und warf ihr schwei�nasses Haar zur�ck.</p><p>Ehe Ilura das Podest erreichte, hob Du-jum die Arme �ber den Kopf, stie� eine Reihe unverst�ndlicher Worte hervor, dann streckte er die Arme in Schulterh�he nach vorn. Seine H�nde gl�hten.</p><p>Die Schlange zischte ohrenbet�ubend und ringelte sich zusammen. Ihr Sch�del wurde wie unter Druck nach hinten gezwungen, und sie wand sich sichtlich vor Schmerzen.</p><p>Blut sickerte zwischen den Schuppen hervor und verdampfte in schwarzem Rauch. Du-jum lachte h�hnisch. Sonja und Omeron zuckten beim Anblick des rauchenden Blutes unwillk�rlich zusammen. Sie wussten zwar, dass dieser Zauberkampf zum gr��ten Teil eine T�uschung der Augen war, doch kam es dadurch zweifellos zu echten Schmerzen des Geistes. Und alles sah erschreckend echt aus!</p><p>Ilura k�mpfte heftiger. Der Schlangensch�del schnellte vorw�rts, und die gelbgl�henden Augen waren drohend auf ihren Vater gerichtet. Pl�tzlich fiel einer der sechs jungen Zauberer, durch ihren Willen besiegt, vom Podest, v�llig von Flammen eingeh�llt. In Windesschnelle war er nur noch ein verkohltes H�ufchen, das grauenvoll nach verbranntem Fleisch und Schwefel stank.</p><p>Doch Iluras Kr�fte waren Du-jums nicht ebenb�rtig. Wieder ringelte sie sich zusammen, versuchte fortzukriechen und etwas Abstand zwischen sich und ihn zu legen. Doch ihr Schwanz und ihre mittleren Windungen klatschten schwer auf dem Boden auf, zitterten heftig, und immer noch quoll Blut zwischen den Schuppen hervor, und Dampf stieg davon auf.</p><p>�Ilura!� schrie Sonja.</p><p>Sie rannte hinter der S�ule hervor und streckte eine Hand zu der Schlange aus. Die Schuppen waren gl�hend hei�, und Sonja verbrannte sich die Finger, so schnell sie sie auch zur�ckzog.</p><p>Mit stumpfer werdendem Blick schaute die Schlange sie an. Pl�tzlich zischte sie, die Augen auf Sonjas G�rtel gerichtet: �� Messsser ��</p><p>�Ilura, was ��</p><p><emphasis>�Fort!�</emphasis> donnerte Du-jum, doch seine Zaubergeb�rde wurde von Ilura blockiert, die sich etwas zur�ckgebeugt hatte, um Sonja zu sch�tzen.</p><p>�� dein G�rtel � Du-jum� Dolch � wirf ihn ��</p><p>Sonja handelte sofort. Sie riss den uralten Dolch mit dem Jadegriff aus der Scheide und warf sich auf den Boden, wo sie sich hastig herumrollte, als eine Welle hexerischer Hitze ihre Seite streifte. Nahe des Podests sprang sie geschmeidig auf die F��e, duckte sich leicht und schwang den Arm hoch. Du-jum sah das Blitzen des Metalls und gestikulierte hastig.</p><p><emphasis>�Stirb, Hexer!�</emphasis></p><p>Der Dolch mit dem seltsam geschnitzten Griff flog aus Sonjas Hand und traf so sicher sein Ziel wie alle von Sonjas Schwertschl�gen. Die Klinge drang bis zum Griff in des Hexers Leib, und Blut quoll hervor.</p><p>Du-jums Soldaten schrien vor Entsetzen auf, und Omerons M�nner jubelten. Der Hexer st�rzte auf das Podest und nahm zwei junge Zauberer mit sich, an die er sich geklammert hatte.</p><p>Dann br�llte die Menge im Saal wild durcheinander, und der Kampf ging weiter.</p><p>Sonja rannte auf das Podest, um sich ihr Schwert zur�ckzuholen. Sie schwang es �ber den Kopf und schrie: �Alle auf Omerons Seite � zu dieser T�r!�</p><p>Das Gemenge l�ste sich auf, als blutbesudelte, ersch�pfte Streiter zu dem Ausgang rannten.</p><p>Geschw�cht begann Ilura ihre Schlangenform zu verlieren. Sie schrumpfte, und dabei h�rte gl�cklicherweise auch das Bluten auf und mit ihm der Rauch. Omeron, der mehrere unbedeutende Verletzungen davongetragen hatte, half Sonja, Ilura zur T�r zu ziehen, und die M�nner bildeten sch�tzend eine Gasse f�r sie. Die Schlangenpriesterin sah nun menschlich aus, doch Omeron bemerkte, dass auch ihre Frauengestalt leicht verschwommen wirkte.</p><p>�Beeilt euch!� schrie Sonja, als die letzten Nachz�gler von Omerons Soldaten die sie verfolgenden Du-jum Krieger abwehrten. Ein Thesrader schrie gellend, als ein Speer ihn durchbohrte. Sonja wartete an der T�r. Als der letzte Thesrader hindurchst�rmte, schlug sie seinem Verfolger die Schwerthand ab, dann schlug sie die T�r von au�en zu und schob den schweren Eisenriegel vor. Sofort schmetterten schwere Hiebe von innen gegen die dicke T�r.</p><p>Rasch schoben Sonja und einige Soldaten auch die restlichen beiden Riegel vor und verbarrikadierten die T�r au�erdem noch mit M�belst�cken und steinernen Statuen.</p><p>�Wo � sind wir?� fragte Sonja keuchend.</p><p>�Im Erdgescho� eines Turms�, antwortete Kiros. �Er ist drei Stockwerke hoch, und dies ist der einzige Eingang dazu.�</p><p>Sonja blickte blinzelnd ein zweites Mal in seine Richtung, denn pl�tzlich stand die Leibmagd Endi an seiner Seite und trug einen Dolch in ihrem G�rtel. Kiros wurde im gleichen Augenblick wie Sonja auf sie aufmerksam, als das M�dchen wie schutzsuchend seinen Arm umklammerte.</p><p>�Mitra!� rief er. �Ich habe dir doch gesagt, du sollst fortlaufen!�</p><p>�Das bin ich ja! Ich bin hier hergelaufen!�</p><empty-line/><p>In wahren Haufen lagen die Leichen im Thronsaal zwischen geborstenen M�belst�cken. Die �berlebenden hatten sich zu kleinen Gruppen gesammelt, und einige schrien vor Schmerzen, als sie oder andere ihre Wunden untersuchten.</p><p>Ein toter Zauberer lag neben dem Podest, keineswegs verkohlt, ja ohne die geringste Verletzung. Es war Menth, der j�ngste.</p><p>Und auf dem Podest sa� �chzend Du-jum, w�hrend die f�nf anderen Zauberer sich besorgt �ber ihn beugten. Er wand sich vor Qualen und blutete, doch nicht so stark, wie man es bei einer solchen Verletzung h�tte erwarten m�ssen. Die f�nf schoben St�hle aus dem Weg, legten ihn auf den R�cken und zerrissen sein Gewand, um die Wunde untersuchen zu k�nnen.</p><p>�Du-jum!� sagte der Zauberer Aspre, dicht �ber den Meister gebeugt. �Du-jum � wie schwer seid Ihr verletzt?�</p><p>. �Nicht t�dlich�, knurrte der Hexer. �Nichts vermag mich umzubringen ��</p><p>�Aber wir m�ssen die Wunde n�hen�, erkl�rte Aspre. �Tos � wasch sie mit Wein und Wasser aus. Holt T�cher, um das Blut zu stillen.�</p><p>�Es wird verheilen�, keuchte Du-jum. �Schon bis zum Abend. Ich brauche nur Ruhe. Was war das f�r ein Dolch, der mich traf? Ein gew�hnlicher kann es nicht gewesen sein.�</p><p>Man zeigte ihn ihm, und er st�hnte!</p><p>�Alt, uralt�, murmelte er und schloss die Lider. ��lter als die Menschheit. Doch seine Magie wird mir noch von Nutzen sein � denn gewiss wurde er tief in einem der G�nge unter dieser Stadt gefunden, wo er einen Eingang zur H�lle versiegelte.�</p><empty-line/><p>Die Schlacht im Palast war zum Kampf im Turm geworden.</p><p>Omeron war vor Ersch�pfung zusammengebrochen. Die Zaubermartern hatten ihn schon von Anfang an seiner Kraft beraubt, und die heftige Schlacht hatte ihn die restliche gekostet. Deshalb hatte Sonja die F�hrung �bernommen und auch, weil sie zu den wenigen geh�rte, die kaum verwundet waren. Sie hatte einige M�nner schnell den Turm zu den anderen Stockwerken hochgeschickt, um m�gliche weitere Zug�nge zu verschlie�en.</p><p>Danach hatte sie sich mit Kiros, Endi und ein paar weiteren zusammengesetzt, um von ihnen zu erfahren, wo genau sie sich hier befanden, und aus den gegebenen Einzelheiten zu schlie�en, wie Du-jum seine Kr�fte gegen sie einsetzen k�nnte.</p><p>Schlie�lich stieg sie zu dem Turmgemach im zweiten Stock hoch, wo sie Ilura auf ein Bett gelegt hatten. Sie war sehr erfreut, als sie feststellte, dass sie sich rasch erholte. Die Schlangenpriesterin f�hlte sich bereits kr�ftig genug, sich aufzusetzen, war bei Bewusstsein und wachen Sinnes, und ihre menschliche Gestalt verschwamm nicht mehr.</p><p>Sonja kam zu einem Entschluss und rief den Rest der Thesrader im Erdgescho� zusammen.</p><p>�Wir vernichten sie in kleinen Gruppen�, sagte sie. �Wir locken jeweils zwischen zwei und sechs von ihnen in den Turm und �berw�ltigen sie. Oder hat jemand einen besseren Vorschlag?�</p><p>Niemand hatte einen, und Sonja konnte ihre Entt�uschung dar�ber nicht ganz verbergen. Obgleich niemand es erw�hnte, war jedem einzelnen bewusst, dass sie nun nicht mehr f�r Freiheit oder Sieg k�mpften, sondern lediglich darum, so viele ihrer Feinde wie m�glich zu vernichten, ehe sie selbst den Tod fanden.</p><p>Die nach oben geschickten Soldaten kehrten zur�ck und meldeten, dass sie alle T�ren von innen verschlossen hatten. Auf jeden Fall aber lie� Sonja eine jede von zwei Mann bewachen. Dann arbeiteten sie, Ilura und die anderen ihre Strategie aus.</p><empty-line/><p>Du-jum beaufsichtigte die Belagerung des Turms vom Thronsaal aus. Er war zu schwach, sich zu bewegen oder sich anderswo hin bringen zu lassen, und die Magie des uralten Dolches hatte ihn zuviel seiner Kraft gekostet, als dass er seine Wunde h�tte heilen k�nnen, ehe er dazu kam sich auszuruhen. So konnte er seine Truppen nur anweisen, was zu tun sei, und sie bei der Ausf�hrung �berwachen.</p><p>Im Thronsaal hatten sie vor der Turmt�r eine Phalanx gebildet, und vor jede T�r in den anderen Stockwerken waren M�nner geschickt worden, um sich dort Zugang in den Turm zu verschaffen. Das gelang ihnen jedoch nicht ohne geeignete Ausr�stung, und das meldeten sie Du-jum.</p><p>�Wir haben sie in der Falle�, knurrte der Zauberer, �doch dadurch sind sie vielleicht noch gef�hrlicher, also gebt gut acht. Meine Magie ist im Augenblick noch schwach, genau wie die meiner Tochter, doch mag sie sich bald erholen. Darum seid vorsichtig � und brecht diese T�r auf!�</p><p>Seine M�nner taten es. Mit Rammb�cken zerschmetterten sie die eisenverst�rkte Holzt�r. In mehreren Viererreihen drangen sie ein.</p><p>Doch erwartete sie lediglich Dunkelheit � nicht der geringste Lichtschimmer, keinerlei Bewegung �</p><p>Pl�tzlich schrien die vordersten entsetzt auf und prallten r�ckw�rts gegen ihre Kameraden. Vergebens schlugen sie auf eine Riesenschlange ein, die aus der Finsternis auf sie zukam.</p><p>In ihrer Verwirrung boten sie den vielen Schwertern, die Iluras Angriff folgten, wenig Widerstand. Sieben von Du-jums Soldaten fanden den Tod, zw�lf wurden schwerverwundet, der Rest konnte sich in den Thronsaal zur�ckziehen.</p><p>Sonja, Ilura, Kiros und die anderen eilten in die Dunkelheit zur�ck, zogen einige Lederstr�nge straffer und vergewisserten sich, dass die schweren Holztische auch gut befestigt waren.</p><p>�Macht sie nieder!� schrie Du-jum w�tend von seinem Podest. Er wandte sich an die jungen Zauberer. �Einer von euch Akoluthen soll sie begleiten!�</p><p>Aspre nickte einem seiner Br�der zu. �Tos � du gehst mit.�</p><p>Der junge Zauberer schloss sich den Soldaten an und trat an ihre Spitze. �ber die Tr�mmer der T�r stiegen sie vorsichtig, und au�er dem Akoluthen vermochte keiner viel mehr als Dunkelheit zu sehen. Keine Schlangen, keine Krieger �</p><p>�Vorsicht!� br�llte Tos pl�tzlich.</p><p>Zu sp�t, denn einer von Du-jums M�nnern war �ber einen Lederstrang gestolpert, und schon fielen die schweren Tische von der Decke auf sie herab � Tische, die mit Schwertern, Messern und Eisendornen gespickt waren. Dreizehn weitere Du-jum Soldaten starben � zermalmt, durchbohrt und unter der m�rderischen Last begraben; der junge Zauberer war unter ihnen.</p><p>Schreiend wichen die hinteren Soldaten zur�ck, dann sammelten sie sich und beschlossen, sich auf ihre Gegner zu st�rzen.</p><p>Durch die Dunkelheit st�rmten sie, aus Furcht vor Du-jums Zorn, und doch zauderten sie auch, aus Angst vor weiteren Fallen.</p><p>Aber im Erdgescho� des Turms gab es keine weiteren mehr.</p><p>Ermutigt wagten sie sich die steinerne Wendeltreppe zum ersten Stock hoch. Die vordersten zw�lf erreichten ihn jedoch nicht, denn der alte Stein und M�rtel � durch die Thesrader heftig bearbeitet � vermochte ihr Gewicht nicht mehr zu tragen. Die M�nner st�rzten in die Tiefe, gefolgt von weiteren gel�sten Steinen, die sie unter sich begruben. Sonja und ihre Leute, die im ersten und den weiteren Stockwerken harrten, h�rten die Schreie und das Krachen. Sie warteten noch eine Weile, doch vor�bergehend war Stille eingekehrt.</p><empty-line/><p>�Mein Lord, in der Stadt wimmelt es von Schlangen!�</p><p>Du-jum, der von seinen Akoluthen umgeben noch auf dem Thronpodest sa�, blickte finster auf den darfarischen S�ldner, der mit dieser Meldung zu ihm geeilt war.</p><p>�Es �berrascht mich nicht�, murmelte er schlie�lich. �Geh und sag unseren Leuten, sie sollen s�mtliche Eing�nge verschlie�en. Wer noch nicht im Palast ist, muss eben zusehen, wie er sich durchschl�gt. Und t�tet alle Reptilien, die schon im Innern sind.�</p><p>�Das ist alles bereits geschehen, Lord Du-jum. Aber � da ist noch etwas ��</p><p>Beim Z�gern des Soldaten verfinsterte sich Du-jums Gesicht noch mehr. �Heraus mit der Sprache!�</p><p>�Prinzessin Yarise ist tot, mein Lord. Wir f�nden sie auf den H�rnern einer Mauerverzierung �ber einem der unteren Balkone aufgespie�t. Sie muss aus dem Fenster gesprungen oder gefallen sein.�</p><p>Du-jum zeigte keinerlei Gef�hlsregung. Yarise hatte ihre Schuldigkeit f�r ihn l�ngst getan. .</p><p>�Bringt mich jetzt zu meinen Gem�chern�, befahl er Aspre und den anderen jungen Zauberern. �Dort kann ich am meisten Kraft sch�pfen, und meine Wunden werden am schnellsten heilen.�</p><p>Sie taten es. Del S�ldner, der die Nachricht von Yarises Tod �bermittelt hatte, war erleichtert, dass sich niemand mehr um ihn k�mmerte.</p><p>Der Nachmittag verging, der Abend kam, doch kein Kampfget�mmel war mehr im Palast zu h�ren. Du-jum lag in seinem Bett und heilte sich. Er bediente sich dazu reichlich der magischen Kr�fte Aspres und seiner Br�der, die an seiner Seite Wache hielten. Auf dem Gang vor der T�r standen Soldaten Posten. W�hrend der Hexer sich erholte, hing er seinen Gedanken nach und drehte den uralten Dolch in den H�nden, mit dem Sonja ihn verwundet hatte.</p><p>�Vielleicht schenken die Schicksalsg�ttinnen mir nun doch ihre Gunst�, murmelte er. �Andere haben den so lange von mir gesuchten Gang zu den Sieben H�llen gefunden. Dieser Dolch war das Siegel, er ist auf die T�r abgestimmt. Wenn ich mich wieder ganz erholt habe, gehe ich zum Geiertempel und lege den Dolch auf Urmus Altar, damit er mir zu sagen vermag, wo sich die T�r befindet, die er einst versiegelte. Gewiss ist meine Verletzung ein niedriger Preis, wenn der Dolch mich zu JENEN f�hrt, die mir die Macht geben k�nnen, die ganze Welt der Allnacht untertan zu machen und sie mit dem Zepter der Finsternis zu regieren.� Er lachte. Aspre und die anderen erschauderten unwillk�rlich bei seinen Worten.</p><empty-line/><p><emphasis>Ilura. Ilura �</emphasis></p><p>Die Schlangenfrau erhob sich von dem Bett und erkannte sofort, dass die Stimme in ihrem Kopf die des jungen Zauberers Elath war. Sie wunderte sich nicht dar�ber, denn alle ihresgleichen, wie so manche menschliche Zauberer auch, waren imstande, sich auf diese Weise zu verst�ndigen.</p><p>�Ich sch�pfe neue Kr�fte, Mann mit dem Zweiten Gesicht�, sagte sie in die leere Turmkammer. �Weshalb st�rt Ihr mich?�</p><p><emphasis>Ich bin in einem Gemach unweit n�rdlich von Eurem und unmittelbar �ber Du-jums,</emphasis> erwiderte er. <emphasis>Er und seine Akoluthen halten sich dort auf.</emphasis></p><p>�Seid vorsichtig!� zischte Ilura. �Sie werden Euch aufsp�ren ��</p><p>Das <emphasis>k�nnen sie nicht. Ich benutze einen Spiegel zum Senden meiner Gedanken. Stellt einen an die Nordwand Eurer Kammer, damit wir einander sehen k�nnen.</emphasis></p><p>Ilura fand einen runden Spiegel aus br�niertem Silber. Sie stellte ihn auf ein Tischchen und lehnte ihn dort an die Nordwand. Unmittelbar darauf vermochte sie, obgleich etwas verschwommen, Elaths Gesicht darin zu sehen. Als er wieder sprach, erweckten seine Lippenbewegungen gemeinsam mit seiner Gedankenstimme den Eindruck, sie h�re sie mit den Ohren.</p><p>�H�rt zu, Ilura: Du-jums Gem�cher sind jetzt, da er sich mit seinen Akoluthen dort aufh�lt, nicht von D�monen bewacht. Ich habe Euch gesagt, wo das Zepter von Ixcatl versteckt ist. Jetzt w�re der richtige Zeitpunkt, es Euch zu holen, solange Du-jum von seiner Verwundung noch geschw�cht ist.�</p><p>�K�nnt Ihr mir helfen?� erkundigte sich die Schlangenfrau.</p><p>�Ich kann Euch als Ohren dienen, doch zu viel mehr bin ich mit meinen beschr�nkten Zauberk�nsten noch nicht f�hig. Eure Augen und H�nde m�sst Ihr selbst benutzen.�</p><p>Ilura nickte. �Das werde ich. Wartet auf mich, ich bin gleich zur�ck.�</p><p>Sie verlie� die Kammer und stieg die Treppe zum ersten Stock des Turms hinunter. Sonja und die dort versammelten Soldaten waren erleichtert, dass sie ihre menschliche Form angenommen hatte.</p><p>�Ich sp�re viel Tod unter diesem Raum.�</p><p>�Das sp�rt Ihr richtig�, best�tigte Sonja. Sie deutete mit dem Schwert nach unten. �W�hrend Ihr Euch ausruhtet, griffen sie noch zweimal an. Viele von Du-jums Soldaten liegen zermalmt in der Kammer unter dieser. Der Hexer wird es sich zweimal �berlegen, ehe er wieder angreifen l�sst.�</p><p>�Aber Ihr k�nnt Euch darauf verlassen, dass er es wieder tun wird�, brummte ein Soldat.</p><p>Ilura ging zur T�r, die zu der einst�rzten Treppe f�hrte und �ffnete sie. Mit einer Fackel leuchtete sie in die Tiefe auf die grauenvoll zugerichteten Toten.</p><p>�Ich, brauche einige Leichenteile�, erkl�rte sie Sonja ruhig, �wenn ich meinen Vater besiegen will. Falls Eure M�nner sich vor Zauberei scheuen, sollten sie sich jetzt besser zu den oberen Kammern zur�ckziehen.�</p><p>Viele der Soldaten taten es. Sonja und einige der M�nner blieben jedoch, um zuzusehen, was geschehen w�rde, obgleich auch ihnen nicht sehr wohl in ihrer Haut war.</p><p>Ilura steckte die Fackel in ihre Wandhalterung zur�ck, breitete die Arme aus, streckte sie �ber die eingefallene Treppe und schaute auf die Toten. M�helos ihr Gleichgewicht haltend, obgleich sie auf den wackeligen Steinen des Treppenabsatzes stand, begann sie eine Beschw�rung. Sonja rann es kalt �ber den R�cken. Zweifellos waren diese ihr fremden, zischenden Laute die Sprache des Schlangenvolks, das vor den Menschen �ber die Erde geherrscht hatte.</p><p>Ger�usche waren aus der Tiefe zu h�ren: ein Blubbern und Rei�en.</p><p>Unwillk�rlich schnappte Sonja nach Luft, ebenso die M�nner, die bei ihr geblieben waren, � denn w�hrend Ilura betete und gestikulierte, erhob sich von den Leichen ein feines Gespinst aus roten F�den, aus d�nnen Blutstr�ngen, die auf magische Weise zusammenhielten, sich kr�uselten und sanft gl�hten. Am schrecklichsten fanden die Menschen die toten Aug�pfel, die da und dort an diesen Str�ngen befestigt waren und sich auf roten Stielen in alle Richtungen drehten, als wollten sie sich in der Kammer umsehen.</p><p>Ein Mann w�rgte und rannte mit wei�em Gesicht zum n�chsten Stockwerk hoch. In diesem Moment war Sonja froh, dass Omeron sich noch in einem oberen Turmgemach ausruhte, denn in seinem geschw�chten Zustand, w�re dieser Anblick vermutlich zuviel f�r ihn gewesen.</p><p>Ilura drehte sich zu den Menschen um. Das Blutgespinst schimmerte schwach bewegt hinter ihr. Furchterf�llte Blicke richteten sich auf sie. Sie sagte zu Sonja: �Ich ziehe mich jetzt in die Kammer oben zur�ck, in der ich mich ausruhte, um weitere Zaubervorbereitungen zu treffen. Du-jum ist noch sehr geschw�cht und deshalb verwundbar. Doch zun�chst muss ich mir das Zepter Ixcatls beschaffen. Dieser Diener �� Sie deutete auf das grauenvolle Netz mit den Aug�pfeln, das hinter ihr in der D�sternis schwebte. �� wird mir dabei helfen, wenn ich Gl�ck habe. Meine Armee von Schlangen und Echsen ist in der Stadt, und Nachschub folgt. Ihr habt mit euren Klingen viel geleistet, doch jetzt muss ich meinen Teil beitragen � und wenn ich Erfolg habe, werden seine Soldaten von Du-jum abfallen, wie Bl�tter von einem verdorrten St�ngel.�</p><p>Sie drehte sich um, fast wie in Trance, und ging zur Treppe nach oben.</p><p>Sonja fiel etwas ein, und sie rief ihr nach: �Aber was ist mit Yarise? Und den jungen Zauberern? Ihre Magie ��</p><p>�Yarise ist tot�, antwortete Ilura und �ffnete die T�r. �Die Zauberer sind noch nicht voll ausgebildet, und wenn sie sich einmischen, werden sie sterben. Doch ich muss mich beeilen. Du-jums Kr�fte kehren rasch zur�ck.�</p><p>Sie ging weiter zur Treppe. Sonja und die Thesrader wichen an die W�nde zur�ck, um nicht mit dem gr�sslichen roten Netz in Ber�hrung zu kommen, das hinter ihr in der Luft herschwebte.</p><empty-line/><p>Nacht � eine klare Nacht mit Mond und Sternen und einer k�hlen Brise, die durch die B�ume strich. Im Turm a�en und tranken hungrige, verwundete Soldaten die letzten Reste ihres Mundvorrats.</p><p>Ilura, die sich allein in ihrer Kammer aufhielt, bewirkte ihre Magie. Sie spann Blut wie Ranken einer wachsenden Pflanze und f�gte immer weitere Aug�pfel daran, je l�nger der Strang wurde.</p><p>Aus dem blutroten Netz heraus �bte sie den Zauber aus, und der Strang, der nur straff gespannt war, schillerte. Langsam schwebte er durch die Luft, hinaus aus dem einzigen Fenster der Kammer, die Palastwand entlang. Er suchte mit seinen eigenen Augen, doch mit Iluras Sinnen, Du-jums Gem�cher. Und die Schlangenfrau lauschte � mit Elaths Ohren � nach m�glichen gegen sie oder ihre Verb�ndeten gerichteten Beschw�rungen.</p><p>-�Hat er uns aufgesp�rt, Zauberer?�</p><p><emphasis>Nein, Schlangenfrau. Du-jum ist noch schwach. Erahnt nichts von Eurem Kommen.</emphasis></p><p>�Dann haltet Eure Gedanken ruhig, au�er es gibt etwas, das Ihr mir mitteilen m�sst.�</p><p>Schillerndes Menschenblut, zu Zauberf�den gesponnen und zum Strang geflochten, tastete sich eine Palastwand entlang, auf der Suche nach einem Hexer, im Auftrag seiner Tochter, seiner Feindin, und das in einer alten Stadt mit einer uralten magischen Vergangenheit, einer Stadt, die von ihren finsteren Eroberern halb verw�stet war.</p><p>Die Strahlen des aufgehenden Vollmonds spiegelten sich auf den Schuppen unz�hliger Reptilien, die durch die verlassenen Stra�en der Stadt glitten und krochen � und die auf zahllose dunkle Gefl�gelte fielen, die unter Giebeln, in Erkern und auf D�chern kauerten, als warteten sie nur auf einen Befehl.</p><p>Langsam bewegte Ilura ihr Blutnetz, lenkte den Strang mit ihrem sorgf�ltig ausgebildeten Schlangenverstand die Ziegelwand hinab � und ins Fenster von Du-jums Schlafgemach.</p><p>Aspre, der auf der dem Fenster gegen�berliegenden Bettseite stand, bemerkte ihn als erster. Einen Augenblick beobachtete er ihn stumm, v�llig hingerissen, und pl�tzlich kam er sich auf schicksalhafte Weise wie ein Ausl�ser von schrecklichen Gr�ueltaten vor, da er mit seinen Kameraden in diese dem Untergang geweihte. Stadt gekommen war. Neben ihm stand Sus, und an der anderen Bettseite hielten Ahm und Piram Wache.</p><p>Piram sah den d�nnen Blutf�hler als zweiter.</p><p>�Aspre!�</p><p>�Ich sehe es ��</p><p>Du-jum setzte sich auf. Seine Augen weiteten sich vor Furcht und Zorn. �Haltet es auf! <emphasis>Aufhalten!</emphasis> Meine Tochter schickt es!�</p><p>Wie von einer leichten Brise bewegt, kam der Strang langsam in das Gemach. Die daran befestigten Augen schimmerten schwach im Schein der �llampen. Suchend schaute sie sich um �</p><p>Piram trat einen Schritt darauf zu. Er hob die Arme und zeichnete in vorbereitendem Ritual Kreise und Rechtecke in die Luft, ehe er einen Silberdolch aus seinem G�rtel zog. Dann ging er damit zu dem vorderen tastenden Blutf�hler, hob die Klinge und lie� sie hinabsausen. Doch kaum ber�hrte sie das Netz, schrie er grauenerf�llt auf, denn das Blut schien zu bersten und h�llte ihn wie mit einem roten, gl�henden Dunst ein.</p><p>Er st�rzte w�rgend zu Boden, krallte die Finger in seine Kehle und strampelte mit den Beinen. Der Dolch fiel nicht mit ihm. Auch um ihn wand sich roter Dunst, und w�hrend ein Blutf�hler kurz aufrecht ragte, verdichtete der Dunst um das Messer sich zu einem k�rzeren, abzweigenden F�hler, der drohend die Klinge schwenkte und sich damit dem Bett zuwandte. Das rote Leuchten um Piram wurde schw�cher, als es sich seine Kehle hinabzog. Des Zauberers Bauch schwoll an, seine Brust hob und senkte sich schwer, und schlie�lich blieb er erdrosselt liegen.</p><p>�Narr!� schrie Du-jum. Er versuchte aufzustehen, doch die Anstrengung war zu gro�, und er fiel wieder auf den R�cken. �Dieses Ding ist hinter dem Zepter her! Haltet es auf!�</p><p>Aspre r�hrte sich immer noch nicht, nur sein Blick wanderte von Ahm zu Sus. Die beiden bewegten sich bereits aus zwei verschiedenen Richtungen auf den F�hler zu und zogen dabei ihre Dolche.</p><p>Ahm hatte erst wenige Schritte gemacht, als der kurze. F�hler das Messer hob und warf. Ehe der junge Zauberer auszuweichen vermochte, grub es sich bereits in seine Stirn, und er sackte tot zusammen.</p><p>Sus, der annahm, dass Iluras Willenskraft nachlie�, sprang vorw�rts und schwang mit einer Verw�nschung auf den Lippen seine Klinge. Der Blutf�hler glitt in der Luft zur�ck, doch nicht rasch genug. Die Klinge trennte einen Augapfel ab. Dieser flog blutspritzend durch die Luftgeradewegs in Sus� offenen, br�llenden Mund.</p><p>Grauenerf�llt wich Sus zur�ck. Ihm war, als schwelle das Auge in seiner Kehle ungeheuerlich an und raube ihm den Atem. In panischer Angst warf er sich zur Wand zur�ck, doch dann fasste er den letzten Rest Mut und versuchte, den Blutf�hler doch noch zu durch trennen.</p><p>Er wob sich einen Pfad von ihm fort und lie� einen leichten r�tlichen Dunst in der Luft zur�ck.</p><p>Wahnsinnig vor Schrecken legte Sus den Kopf nach hinten und steckte die Finger in den geschwollenen Hals, als k�nne er so den aufgedunsenen Augapfel herausrei�en. Blutspritzend kippte er nach vorn, und das Blut stieg als rosiger Dunst auf, genau wie Pirams und Ahms, sobald es aus den Leibern quoll. Es schloss sich dem roten F�hler an, der dadurch kr�ftiger und l�nger wurde und sich bereits einem hohen B�cherregal neben dem Fenster n�herte.</p><p>�Aufhalten!� w�rgte Du-jum und bem�hte sich erneut aufzustehen.</p><p>Doch Aspre murmelte lediglich: �Haltet Eure Tochter selbst auf! Durch Euch verlor ich alle meine Freunde, ohne eine Gegenleistung von Euch. Ihr seid zu schwach, jetzt gegen mich zu k�mpfen oder mich zu t�ten, darum bin ich nun frei. Euer Ende ist nah, Du-jum, und das ist gut so. Wie sehr ich bedauere, dass ich den Schatten des Todes, der Euch umgibt, nicht eher sp�rte. Ich verlasse Euch jetzt. Ich werde die G�tter anflehen, mir meine Schuld zu vergeben. Und ich werde Euer Bild in einer Schale Wein herbeibeschw�ren, damit ich miterleben kann, wenn Ihr in die H�lle eingeht.� Er drehte sich um und ging zur T�r.</p><p>�Nein!� heulte Du-jum hinter ihm her. Dann, als Iluras aus Blut gewirkter Diener die B�cher aus dem Regal warf, die R�ckwand herausriss und zu dem kleinen Kasten dahinter gelangte, kreischte er: �Halt! <emphasis>Halt!�</emphasis> Er versuchte, Aspre einen Zauberbann nachzuschicken, doch es gelang ihm lediglich am Riegel zu r�tteln, als die T�r sich hinter dem jungen Zauberer schloss.</p><p>Mit allergr��ter Willenskraft, ohne zu schreien und zu toben � denn das w�rde ihn nur noch mehr schw�chen �, glitt Du-jum aus dem Bett. Er konnte sich jedoch nicht auf den F��en halten und st�rzte schwer zu Boden. Seine Wunde �ffnete sich wieder, und Blut troff heraus.</p><p>Aber dann schrie er doch, laut und w�tend, denn Iluras magischer F�hler zog Ixcatls Zepter aus dem Versteck, wickelte sich herum und zog es zum Fenster.</p><p>Wieder bediente Du-jum sich aller Willenskraft. Mit offener Wunde k�mpfte er sich auf die F��e, murmelte eine Beschw�rung und hob die Arme.</p><p>Das Zepter gl�hte in dem Blutf�hler, und als es sich zum Fenster bewegte, sp�rte Du-jum seine pulsierende Kraft, zum rechtm��igen Besitzer zur�ckzukehren, und er wusste, dass es st�rker war als er.</p><p>Verzweifelt riss er den geschnitzten Vogel von der Brust und schmetterte ihn, ein unirdisches Wort hervorsto�end, auf den roten F�hler.</p><p>Der steinerne Anh�nger erwachte zum Leben, wuchs jedoch nicht. Er kreiste wild im Gemach und stie� immer wieder zu dem Zepter hinab. Doch wann immer er ihm nahe kam, gl�hte der Blutf�hler hell auf und schwenkte das Zepter nach dem Vogel wie eine angreifende Schlange. Kreischend und heftig flatternd hielt der Vogel sich zur�ck.</p><p>Der F�hler zog sich durch das Fenster zur�ck, und je mehr seine L�nge schrumpfte, desto dicker und dunkler wurde er. Vor Wut heulend, taumelte Du-jum hinterher zum Fenster, doch als er es endlich erreichte und hindurchblickte, sah er, wie der F�hler mit dem Zepter sich an der Wand entlang dem Turm n�herte.</p><p>�Urmu!� schrillte er. �Urmu! Hilf mir!�</p><p>Dann packte er den kreisenden kleinen Vogel, schmiss ihn aus dem Fenster und blickte ihm nach, wie er schwankend durch die Luft flatterte. Heftig kr�chzend fing er sich endlich und flog mit zunehmend kr�ftigerem Fl�gelschlag zu dem Turm empor.</p><p>�Ilura!� Sonja h�mmerte an die T�r. �Lasst mich ein!� Sie wartete kurz, dann pochte sie erneut heftig. �Lasst mich ein, Ilura!�</p><p>: Ein schwaches St�hnen und �chzen war aus der Kammer zu h�ren. Sonja dr�ckte auf den T�rgriff. Er r�hrte sich nicht. Sie versuchte es mit aller Kraft, und dann schwang die T�r nach innen auf.</p><p>�Ilura!�</p><p>Die Schlangenfrau war mit �berkreuzten Beinen am Fenster zusammengesackt. Die Arme hielt sie starr ausgestreckt, und von den H�nden ging ein hellrosa Faden aus, der immer schw�cher wurde.</p><p>Sonja rannte zum Fenster, wo der Faden sich m�hsam nach oben in der Schwebe hielt. Sie sp�rte die Hitze, die davon ausging, und ber�hrte ihn deshalb nicht. Nur einige Ziegelreihen unterhalb von ihr befand sich das Ende des F�hlers um ein Zepter � das Schlangenzepter � geschlungen.</p><p>�Nicht loslassen, Ilura!� schrie Sonja. �Ich habe das Zepter fast! Nicht loslassen!�</p><p>Sie sprang auf das Fenstersims, hielt sich mit einer Hand daran fest und beugte sich so tief hinaus, wie sie nur konnte, w�hrend sie nach dem Zepter griff.</p><p>�Ja nicht loslassen, Ilura!�</p><p>Ein Kreischen antwortete ihr � das eines Vogels am Himmel. Sie erkannte Du-jums Zaubervogel, der immer gr��er wurde und mit donnerndem Fl�gelschlag geradewegs auf das Fenster zubrauste.</p><p>�Nicht loslassen!� rief Sonja erneut verzweifelt.</p><p>Doch der F�hler l�ste sich kraftlos auf, als Ilura ihn in ihrer Ersch�pfung nicht mehr zu halten vermochte.</p><p>Noch tiefer streckte Sonja die Hand � und die Finger schlossen sich im letzten Augenblick um das Zepter.</p><p>Doch da sp�rte sie, wie sie unaufhaltsam aus dem Fenster rutschte.</p><p><emphasis>Ilura!</emphasis></p><p>Sie glitt immer noch, als Ilura einen wilden, unmenschlichen Schrei ausstie�. Bei seinem Klang sp�rte Sonja sich pl�tzlich einen Augenblick in der Luft angehalten � einen Herzschlag lang nur, doch der gen�gte Sonja, das Zepter mit einer Hand festzuhalten und sich selbst mit der anderen am Fenstersims. Schnell zog sie sich daran wieder hoch und in die Kammer, w�hrend der Vogel schon ganz nahe kreischte.</p><p>Sie sah Ilura auf dem Boden liegen, und ihre menschliche Gestalt begann zu verschwimmen. Kiros, Endi und andere waren inzwischen ebenfalls von unten an die T�r geeilt, jedoch nicht eingetreten. Als sie ihren Blick bemerkte, wirbelte sie herum � und sah, dass Du-jums Vogel gerade durch das Fenster in die Kammer flog.</p><p><emphasis>�D����mon!�</emphasis> schrie Sonja. Sie fasste das Zepter mit beiden H�nden wie ein Langschwert, w�hrend sie vom Fenster zur�ckwich.</p><p>Wie vom Katapult geschnellt, st�rzte sich der Vogel kreischend auf sie. Sonja schwang das Zepter und schmetterte es auf den Sch�del des Gefiederten. Erneut kreischte der Vogel, als er seitw�rts zur Kammermitte geworfen wurde und in gr�nen Flammen aufging. Zuckend wand er sich in dem unirdischen Feuer, bis nur noch ein verkohltes St�ckchen Holz von ihm �brig blieb.</p><p>Ein grauenvoller Schmerzensschrei, der aus keiner Kehle kam, machte sich von irgendwo aus dem Palast in den K�pfen bemerkbar � Du-jums. Und dann �</p><p>�Ssss-onn ��</p><p>Iluras Gestalt verschwamm erschreckend. Sonja drehte sich zu ihr um, kniete sich neben sie und dr�ckte das Zepter in die tastenden Finger.</p><p>Mit Ixcatls Zepter in der Hand begann Ilura ein gl�hendes Gr�n auszustrahlen � und sich wieder zu verwandeln.</p></section><section><title><p>10</p></title><p>�Helft mir auf eine Bahre, ihr Dummk�pfe!� fauchte Du-jum seine W�chter an. �Rasch! Bringt mich zum Tempel! Ich muss Urmu beschw�ren � den Dolch der Alten auf seinen Altar legen, damit er mir den Weg zu ihnen weisen kann.�</p><p>Jene seiner Diener, die bei ihm geblieben waren, trugen ihn mehr, als sie ihn st�tzten, die Korridore entlang und eine Treppe hinunter zum S�dausgang des Palasts.</p><p>Als sie an einer T�r vorbeikamen, sp�hte Aspre durch einen Spalt hinaus, sch�ttelte den Kopf und wisperte: �Zieh in deinen Untergang, Verr�ter des Hohen Weges!�</p><p>Du-jum, der nichts von seiner Anwesenheit ahnte�murmelte Beschw�rungen, die den Untergang anderer bringen sollten. �Du hast recht, Aspre�, fl�sterte er, �du treuloser Zauberer. Ich <emphasis>werde</emphasis> in die H�lle eingehen � doch nicht, wie du es dir vorstellst, sondern in Fleisch und Blut. Und ich werde von dort zur�ckkehren und nichtmenschliche Legionen anf�hren, mit deren Hilfe ich mich f�r immer und alle Zeit zum Herrscher �ber die Menschheit machen werde!�</p><p>Neue Wellen von Widerstandsk�mpfern griffen den Palast an. Ihre Waffen waren vielf�ltig: Schwerter, Messer, Pr�gel, Steine, Mistgabeln, Dreschflegel und was immer sich als Waffe eignete.</p><p>Durch die Fenster ihrer H�user, wohin Du-jums Sperrstunde sie verbannt hatte, sahen die Thesrader zu, wie wahre Wogen von Reptilien ihre Feinde t�teten, bis Aberhunderte durch Gift aufgedunsene, schwarze Leichen auf den Stra�en herumlagen. Allm�hlich waren die Schlangen, und Echsen durch die Kanalsch�chte verschwunden, und die B�rger waren aus den H�usern gelaufen und dankten jubelnd den G�ttern, denn sie glaubten, diese h�tten das Wunder f�r sie gewirkt.</p><p>Au�erdem hatte sich schnell herumgesprochen, dass im Thronsaal eine Schlacht tobte. Das Bewusstsein, dass Omeron f�r sie gek�mpft hatte � dass er vielleicht sogar noch lebte und sich irgendwo in seinem Palast befand � r�ttelte sie wach. Sie hatten sich auf die �berlebenden von Du-jums buntgemischten Scharen gest�rzt, und es war zu einem weiteren Blutbad auf den Stra�en gekommen.</p><p>Du-jums Soldaten trugen den Hexer heimlich in einer S�nfte aus dem Palast und besch�tzten ihn mit einer dichten Phalanx, die sich einen blutigen Weg durch die Stadt bahnte.</p><p>Nur schrittweise kamen sie weiter, doch als der Mond aufging, verbesserte Du-jums Zustand sich rasch, und dadurch stiegen seine unz�hligen V�gel in riesigen Scharen auf � und nicht nur die Nachtv�gel �, kreisten um die H�user und stie�en hinab auf die B�rger und Soldaten der Stadt.</p><p>. Neue Schreie erf�llten die Luft. Du-jums Soldaten fassten frischen Mut, als die V�gel ihnen halfen, die Angreifer abzuwehren. Die Thesrader wichen vor den dichten Wolken Gefiederter zur�ck, die kreischten und schrien, hackten und kratzten. Doch Omerons Untertanen waren vorbereitet. Eine zweite Welle eilte mit Netzen und Fackeln herbei, die sie w�hrend der Gefangenschaft in ihren eigenen H�usern vorsorglich auf Vorrat angefertigt hatten. Wann immer Scharen von Du-jums b�sartigen V�geln sich irgendwo niederlie�en oder tief zum Angriff tauchten, warfen die Thesrader Netze �ber sie oder gingen mit brennenden Fackeln gegen sie vor.</p><p>�Zum � Tempel<emphasis>!�</emphasis> keuchte Du-jum. �Schneller! Ich muss zu Urmu beten � er wird mir neue Kraft geben!�</p><p>�Wir haben den halben Weg schon hinter uns, Lord�, beruhigte ihn einer der M�nner.</p><p>Sie lie�en einen blutigen Pfad auf den Stra�en der Stadt zur�ck, jener Stadt, die sie eine Weile unterdr�ckt hatten und die sich nun voll Zorn gegen sie auflehnte. Von den Toten, die liegen blieben, hatten weit mehr zu ihren sich lichtenden Reihen geh�rt als zu Omerons Leuten.</p><p>�Mein Volk!� staunte Omeron, der aus dem Turmfenster auf die zahllosen Fackeln auf den Stra�en blickte. �Es hat sich erhoben � und der Sieg ist auf seiner Seite!�</p><p>Sonja blickte mit gerunzelter Stirn und einem Halbl�cheln zu ihm. �Ja, so h�rt es sich an.�</p><p>�Du-jums M�nner werden zur�ckgetrieben. Wir m�ssen auf die Stra�e und unseren Leuten helfen!�</p><p>�Dazu ist es noch Zeit, F�rst�, beruhigte ihn Sonja. �Zuerst sollten wir uns Iluras annehmen. Schlie�lich hat sie die Dinge zu unseren Gunsten gewendet!�</p><p>Ilura lag noch auf dem Boden, von schwach schillerndem Gr�n umgeben. Sie atmete m�hsam in ihrer v�lligen Ersch�pfung � und verwandelte sich.</p><p>Sonja wusste nicht, was sie davon halten sollte. Das Gesch�pf, das sie als Ilura gekannt hatte, war noch erkennbar, obwohl sie nicht so recht h�tte zu sagen vermocht, wieso. Der schlanke K�rper mit den glatten Schuppen wies starke reptilhafte Z�ge auf � die schillernden blauen Streifen von der Schnauze bis zur Schwanzspitze, die feine gelbliche Maserung, und doch waren da auch menschliche, ja weibliche Umrisse, ganz abgesehen von den Gesichtsz�gen, die weder menschlich noch reptilhaft waren. Sonja staunte, dass sie kein Grauen vor etwas so Fremdartigem empfand.</p><p>�Wie sch�n sie ist�, sagte Omeron bewundernd.</p><p>�Ja, das ist sie�, pflichtete eine Stimme hinter ihnen ihm bei. �Aber sie zweifelte, dass Menschen es so empfinden w�rden � und vielleicht w�rden es die meisten auch nicht.�</p><p>Sie drehten sich zu Elath um, der lautlos die Kammer betreten hatte.</p><p>�So wisst Ihr mehr dar�ber, Zauberer?� fragte Sonja.</p><p>Elath nickte! �Dies ist ihre wahre Gestalt. Sie wollte nicht, dass Menschen sie so sehen, denn ihresgleichen haben sich immer vor den Menschen versteckt, denen sie misstrauten � aus gutem Grund, w�rde ich sagen.�</p><p>In diesem Moment �ffnete die Schlangenfrau die Augen � gro�e gr�ne Augen mit senkrechten Pupillenschlitzen � und begann sich wieder zu verwandeln. In K�rze war sie erneut Ilura, die bezaubernd sch�ne dunkelhaarige Frau, wie sie sie kannten, mit gelben Augen und flie�enden Bewegungen, die ihre Reptilseele verrieten.</p><p>Sie setzte sich auf und sah gesund und erholt aus.</p><p>�Es geht mir � jetzt gut�, beantwortete sie Sonjas fragenden Blick. �Danke, Rote Sonja � und Euch ebenfalls Dank, Elath ��</p><p>�Ich bin es, die zu danken hat, Ilura�, sagte Sonja schnell. �Ich w�re in die Tiefe gest�rzt, wenn Ihr nicht ��</p><p>Die Schlangenpriesterin unterbrach sie. �Wir beide � wir alle waren vonn�ten. Vielleicht sollten wir eine Lehre daraus ziehen.� Sie schien ganz zu erwachen und sch�ttelte den Kopf, w�hrend sie aufstand. �Doch jetzt � was ist mit meinem Vater?�</p><p>�Das wissen wir nicht�, antwortete Omeron. �Meine Untertanen k�mpfen auf den Stra�en und scheinen Du-jums Soldaten zu besiegen. Doch von dem Hexer wissen wir nichts.�</p><p>�Wir m�ssen uns zum Tempel begeben�, sagte Ilura. �Zum Tempel Urmus. Ihr zweifelt, F�rst Omeron? Urmu ist der Gott meines Vaters. Der Tempel des Finsteren Gottes wurde von Eurem Volk schon lange nicht mehr benutzt, doch Du-jum beabsichtigte, ihm zum alten Glanz zu verhelfen. Ich bin �berzeugt, dass er auf dem Weg dorthin ist, um zu neuen Kr�ften zu gelangen.�</p><p>�Ja�, best�tigte Elath, �und um sich Urmus Hilfe bei der Beschaffung von Legionen aus den H�llen zu erbitten.�</p><p>�Dann sehen wir zu, dass wir dorthin kommen!� rief Omeron.</p><p>Sonja blickte ihn forschend an. �F�hlt Ihr Euch denn gut genug?�</p><p>�Ja, bei Mitra! Und mein Volk braucht mich!�</p><p>�Und Ihr, Ilura?�</p><p>�Ich f�hle mich kr�ftig�, antwortete die Schlangenfrau. �Die Kraft des Zepters heilt mich, und Du-jums Zauber ist fast verflogen. Ich sp�re nur noch ein schwaches Trommeln in der Luft, das nicht mehr lange anhalten kann. Gehen wir!�</p><empty-line/><p>Am Tempel hatten Du-jums M�nner sich die Treppe hochk�mpfen m�ssen, denn die bewaffneten B�rger hatten sie verfolgt. Doch kaum waren sie im. Innern, schlossen sie schnell mit vereinten Kr�ften die schwere Steint�r, und sechs Thesrader verloren Arme oder F��e, als sie es verhindern wollten.</p><p>Es war still und dunkel im Tempel, in dem es grauenvoll nach den aufgeh�uften Leichen stank, die Du-jum in Vorbereitung f�r sein Massenopfer zu dem Geiergott hierher hatte bringen lassen. Doch jetzt war keine Zeit f�r ein gro�es feierliches Ritual.</p><p>Die Tempelw�nde erzitterten unter dem Tumult der Massen ringsum, obgleich selbst das lauteste Gebr�ll nicht durch die dicken Steinquader dringen konnte.</p><p>Du-jum stemmte sich aus der S�nfte und schritt langsam und von Schmerzen gequ�lt den breiten Gang des Tempels entlang zu der gewaltigen alten Statue Urmus, des Dunklen Vogels, die auf einem gro�en Podest am westlichen Ende des Schiffes stand.</p><p><emphasis>�Urmu � Terror ismu betmu ara arera itba dibutu oiyei �</emphasis>�</p><p>Im weichen Licht der Fackeln, im Dunst, der von den �bel riechenden Leichen aufstieg, wirkte die Statue leicht verschwommen. Immer noch erzitterten W�nde und S�ulen ganz leicht.</p><p>Du-jums Soldaten murmelten und fluchten unterdr�ckt. Es gefiel ihnen hier gar nicht, aber sie wussten, dass der sichere Tod sie auf den Stra�en erwartete. Ihre letzte Hoffnung lag in ihrem dunklen Gebieter, wenn es ihm gelang, durch Urmu seine Kr�fte wiederzugewinnen, und er seine ganze Macht zur�ckerlangte.</p><p>Du-jum n�herte sich nun dem blutbefleckten Altar Urmus und legte den uralten Dolch mit dem so ungew�hnlich geschnitzten Griff darauf. Fast sofort fing die Waffe in einem bleichen Licht zu gl�hen an.</p><p>�F�ll mich mit deiner Macht, o Urmu!� rief der Hexer. �F�hr mich zu der T�r, von der dieses Siegel kommt, damit ich dir dienen kann, indem ich die finsteren Legionen um mich schare, um alle L�nder der Welt zu unterdr�cken. Leite mich, o Vogel des Todes, und ich verspreche dir, Tempel in jedem Land zu errichten, damit du �berall auf der Erde angebetet wirst. Und du sollst f�r immer und alle Zeit Menschenfleisch als Opfer dargeboten bekommen ��</p><p>Da stie� pl�tzlich ein Soldat vorne im Tempel einen heiseren Schrei hervor. Der Mann neben ihm tat es ihm gleich, weitere Schreie folgten, Schwerter wurden gezogen, Speere gehoben.</p><p>In seinem finsteren Gebet unterbrochen, drehte Du-jum sich um und sah sich einem Alptraum gegen�ber, doch keinem, der seinen eigenen K�nsten entsprungen war.</p><p>Wogen von Schlangen quollen innere Treppen und �ffnungen im Tempelboden hoch � ein sich windender Teppich aus Schlangen, teilweise �berlappend, mit funkelnden Augen, wei�g�hnenden Rachen, eine zischende Welle, die sich gegen die Soldaten warf, sie angriff.</p><p>�Ilura!� schrillte Du-jum. �Sie bedient sich des Zepters!� Er wandte sich der Statue zu. <emphasis>�Urmu! Feror ismu betumu ara arera!�</emphasis></p><p>Eine S�ule schwankte hinter ihm und st�rzte ein. Eine w�rgende Staubwolke stieg auf. Hinter der gefallenen S�ule quoll eine weitere Welle von Schlangen aus einem Loch im Steinboden.</p><p>Nun begann die Urmustatue zu erzittern und zu schaukeln.</p><p>�Urmu! Finsterer Gott des Todes! Deine Macht ist gro� und endlos!�</p><p>Die M�nner hinter Du-jum schrillten grauenerf�llt. Er drehte sich um und sah, dass sie unter immer weiteren aufsteigenden Staubwolken wie wahnsinnig durch die Schlangenmassen hasteten. Dutzende, die schrien und fluchten, wurden von Schlangen und Echsen niedergerissen.</p><p><emphasis>�Urmuuu!�</emphasis> heulte Du-jum.</p><p>Die Nordwand des Tempels bebte heftig und spaltete sich. Durch den Riss dr�ngten sich weitere Schlangen und Echsen, Tausende und Abertausende Reptilien, die nach feuchter Erde rochen, nach S�mpfen und Abw�ssern: der Schlangengottheiten Ixcatls und Sithras Diener, die gekommen waren, an den Dienern ihres uralten Feindes Vergeltung zu �ben.</p><p><emphasis>�Urmu!�</emphasis></p><p>Der Dolch auf dem Altar gl�hte nun hell. Das Dach des Tempels schwankte, die ersten Steine l�sten sich und st�rzten herab. R�ucherschalen, Lampen und Fackeln fielen ebenfalls und ergossen sich, teilweise lodernd brennend, auf die sich windenden Massen des endlosen Reptilienteppichs. Doch immer noch mehr zw�ngten sich herein � und Du-jum, der inmitten der Tr�mmer und Leichen stand, sah sie aus allen Richtungen kommen. Wieder hob er die H�nde, schrie und fluchte und stie� Beschw�rungen hervor, doch sie waren nicht aufzuhalten �</p><p>�Urmu! T�te meine Tochter und ihre Diener! <emphasis>Ordara ento empori!</emphasis> T�te sie!�</p><p>Unter eingest�rzten W�nden und S�ulen krochen die vielartigen Reptilien herbei und quollen �ber alle Hindernisse.</p><p><emphasis>�Urm �!�</emphasis></p><p>Wie ein belebter Sumpfstreifen, wie eine Fleisch gewordene Welle brennender Wut r�chten sie sich � bei�end, kratzend, dr�ckend �, und als sie Du-jum erreichten, fielen sie �ber ihn her.</p><p>Der Hexer fuchtelte mit den Armen und schrie gellend, als die Schlangen sich um ihn wanden, ihn bissen, in seine Wunde krochen, sich um seinen Hals wickelten. Weitere W�nde schwankten und st�rzten nach innen, alles Licht erlosch, und ein donnerndes Krachen verk�ndete den endg�ltigen Zusammenbruch des gro�en Tempels von Urmu, des Todesvogels.</p><p>Dann ragte nur noch Du-jums Hand aus dem Tr�mmerhaufen heraus und aus dem wogenden Meer von Reptilien, von denen ebenfalls viele zermalmt worden waren. Das Dach war eingebrochen und hatte mit seiner uralten Geschichte von Leid und Qualen und Blut den Mann begraben, der sich selbst F�rst der H�lle genannt hatte.</p><p>Als letztes st�rzte ein eiserner Gong auf einen Stein und verk�ndete mit seinem dumpfen Schlag das Dahinscheiden des finsteren Hexers.</p><empty-line/><p>Die Leichen wurden zusammengetragen und alsbald verbrannt, und Jubel herrschte unter den Thesradern. Begeistert lie�en sie ihren F�rsten hochleben.</p><p>�Omeron! Omeron! <emphasis>Omeron!�</emphasis></p><p>Der Herrscher von Thesrad trat aus seinem Palast und schaute im d�steren Licht des beginnenden Morgengrauens auf die schwelenden Scheiterhaufen, die noch herumliegenden Toten, die blutbesudelte Menschenmenge, die ihre zum Teil sehr ungew�hnlichen Waffen schwenkte, und ihm wurde so richtig bewusst, was es seine Untertanen gekostet hatte, die Stadt zu verlieren und wiederzugewinnen. Da sank er auf den blutigen Steinen des Portikus auf die Knie und weinte �</p><p>Als er sich nach einer Weile wieder zu fassen vermochte, sah er Elath, den Zauberer, neben sich stehen, dessen Augen in dem schwachen Licht gelb leuchteten. Auch Sonja und Ilura hielten sich in der N�he auf.</p><p>�Lord Omeron�, dr�ngte Elath, �wir sollten sofort zum Tempel des Geiers eilen.�</p><p>�Warum?� erkundigte sich Sonja. �Glaubt Ihr, Du-jum lebt noch?�</p><p>�Bei einem Hexer mit seinen Kr�ften kann man das nie wissen!�</p><p>Omeron runzelte zweifelnd die Stirn. �Aber meine Soldaten versicherten mir, dass keiner im Innern den Einsturz des Tempels �berlebt haben kann.�</p><p>�Vermutlich nicht. Doch wie auch immer, wir m�ssen den Dolch finden, den er mit sich nahm, und ihn zu dem Tor zur�ckbringen, das er versiegelte. Die Uralten regen sich nicht oft im Schlaf, doch sollten sie es tun nun, ich bin �berzeugt, Lord Omeron, dass Ihr nicht gern ein unversiegeltes Tor unter Eurer Stadt h�ttet.�</p><p>Diese Worte beunruhigten Omeron sichtlich. Er erteilte zwanzig Soldaten den Befehl, seinen kleinen Trupp zu begleiten. Auch Sonja f�hlte sich nach Elaths Bemerkung unbehaglich.</p><p>Als sie die Tempeltr�mmer erreichten, brach der neue Tag an, doch auch sein noch ged�mpftes Licht zeigte nicht mehr als einen wirren Haufen grauer Steine.</p><p>�Es ist vollbracht�, murmelte Ilura. �Ich sp�re seinen Geist nicht mehr. Er liegt unter dem Tempel begraben.�</p><p>Noch immer zogen sich dichte Massen von Reptilien auf den Stra�en zur�ck. Einige waren verwundet und lie�en Blutspuren auf dem Ziegelpflaster zur�ck.</p><p>�Ich muss zu ihnen�, erkl�rte Ilura, �und mit Hilfe Sithras und des Ixcatlzepters so viele ihrer Diener heilen, wie es m�glich ist.� Mit diesen Worten schritt die Schlangenfrau im r�tlichen Licht des fr�hen Morgens die verw�stete Stra�e entlang.</p><p>�Wir sollten ihn neu aufbauen�, sagte Omeron, doch offenkundig, ohne selbst so recht davon �berzeugt zu sein. �Als Sithratempel��</p><p>�Nein.� Sonja sch�ttelte den Kopf. �Errichtet keine weiteren Tempel mehr auf diesem Land, Omeron.�</p><p>Der Boden erzitterte, als Teile einer Wand einst�rzten und innerhalb des Tempels Steine herabkrachten und der Boden nachgab, w�hrend weitere Tr�mmer fielen.</p><p>�Ihr habt recht.� Omeron nickte. �Wenn wir Gl�ck haben, �ffnet sich vielleicht die Erde und verschluckt das Ganze.�</p><p>�So wird es geschehen, F�rst�, versicherte ihm Elath.</p><p>Sonja bemerkte, dass das geheimnisvolle Licht seiner Augen st�rker brannte. �Sagt Euch das Euer Zweites Gesicht, Zauberer?�</p><p>�Ich f�hle ungeahnte H�hlen unter dem Tempel des Todesvogels�, antwortete er. �Vielleicht sogar ein weiteres versiegeltes Tor zu den H�llen. Es ist gut, wenn solche H�hlen aufgef�llt werden. Ich sehe die Ruinen w�hrend der n�chsten Monate weiterhin nach innen einst�rzen. Kein Thesrader wird sich aus freiem Willen in diese Gegend begeben, �selbst lange nachdem Lord Omeron den Rest der Stadt wiederaufgebaut hat.�</p><p>�Und Du-jum?� fragte Sonja.</p><p>�Tot, wie Ilura es sp�rte. Es ist wahrhaftig eine Ironie. Die G�tter, ob die des Lichtes oder der Finsternis, ob gerecht oder ungerecht, ob ernst oder verspielt, m�ssen nun vermutlich lachen � denn ich f�hle ohne Zweifel, dass tief unter dem Tempelfundament ein uralter Gang liegt, einer von jenen, die Du-jum so verzweifelt suchte, um zu den H�llen zu gelangen und dadurch zu seinen eigenen finsteren Schicksalsg�ttern. Und eines Tages, in absehbarer Zeit, wird er mit dem einst�rzenden Tempelboden in diesen Gang fallen und eine Ewigkeit, unter Tr�mmern begraben, ganz nahe bei diesem Eingang zu den H�llen ruhen, den zu finden er sich so sehr ersehnte.�</p><p>�Was wisst Ihr �ber jenes andere Tor?� fragte Omeron besorgt.</p><p>�Das unter dem Palast? Das durch die Entfernung des Dolches nun unversiegelt ist? Ja, wir m�ssen in der Tempelruine nach dem Dolch suchen ��</p><p>Er unterbrach sich, als er Ilura herbeikommen sah, und er staunte �ber ihren Begleiter: Neben ihr her lief wie ein folgsamer Hund ein Waran.</p><p>Elath deutete in ihre Richtung. �Seht, Lord Omeron! Das Problem, �ber das wir soeben sprachen, ist gel�st!�</p><p>Sonja und der F�rst hatten es bereits selbst bemerkt, und beide atmeten erleichtert auf. Mit den Z�hnen hielt der Waran den Dolch der Alten: das Siegel, das das ungesch�tzte Tor zu den H�llen wieder sichern w�rde.</p></section><section><title><p>EPILOG</p></title><p>Am n�chsten Abend, nachdem Omeron und seine Untertanen mit dem Wiederaufbau der Stadt begonnen hatten, traf Verst�rkung von Ribeth ein. Der Herrscher von Ribeth, F�rst Sentharion selbst, f�hrte die vier gro�en Kohorten an. Zwar kamen sie zu sp�t, um bei der Vernichtung von Du-jums Schreckensherrschaft mitzuhelfen, doch erboten sie sich sofort, beim Wiederaufbau mitzuwirken.</p><p>Omeron lud die ganze Stadt zu einem gro�en Fest ein. Es gab noch gen�gend Vorr�te, und au�erdem Rinder, Ziegen und Pferde. Zwei N�chte wurde im taghellen Fackelschein durchgefeiert. Es wurde gesungen und getanzt, und alle waren fr�hlich. Omeron hielt Reden, und wenn er von dem �berstandenen sprach, kamen ihm die Tr�nen. Sentharion schwor, Thesrad auf jede nur m�gliche Weise zu helfen.</p><p>Die paar Thesrader Edlen, die �berlebt hatten, sa�en an der gro�en Bankettafel mit Omeron, Sentharion und dessen Edlen, Sonja, Kiros, Endi und Elath. Doch vermied man hier, von den Grauen der kaum vergangenen Zeit zu sprechen � Grauen, die zu frisch waren, als dass �ber sie zu sprechen Erleichterung gebracht h�tte.</p><p>Aspre, der nach Du-jums Tod herbeigekommen war, sa� ebenfalls an Omerons Tafel. Er schwor, alle jene, die sich dem Anderen Pfad verschrieben, bekehren zu wollen, indem er ihnen klarlegte, was sich Schreckliches in Thesrad getan hatte. Er trauerte offen um seine Freunde, denen die Kraft gefehlt hatte, sich den Verlockungen Du-jums erfolgreich zu widersetzen. Er freute sich sehr, als er erfuhr, dass Elath noch lebte, und die beiden begr��ten sich voll Dankbarkeit.</p><p>Omeron hatte Elath gebeten, als sein Berater in �bernat�rlichen Angelegenheiten am Hof zu bleiben, und der junge Zauberer hatte sich einverstanden erkl�rt.</p><p>Ilura war nicht anwesend. Nach ihren Gebeten zu Sithra hatte sie mit ihren Reptildienern wortlos die Stadt verlassen. Omeron war nicht mehr dazugekommen, ihr so zu danken, wie er es gern getan h�tte.</p><p>Aber Sonja erkl�rte ihm beim Festmahl: �Das h�tte sie nicht gewollt, F�rst, glaubt mir. Dass sie Vergeltung �ben und ausf�hren konnte, wozu sie bestimmt war, ist ihr Belohnung genug. Wir werden sie vermutlich nie wieder sehen, doch wenn Ihr je reist, so stellt in einem von Sithras Tempeln eine R�ucherschale auf.�</p><p>Omeron l�chelte. �Und wie kann ich <emphasis>Euch</emphasis> danken, Rote Sonja? Ohne Eure Hilfe ��</p><p>�Ihr habt mehr als genug f�r mich getan, als Ihr mir das Leben in den Bergen gerettet habt�, erinnerte sie ihn.</p><p>�Und Euch sogleich in Gefahren brachte, wie Ihr sie Euch fr�her vermutlich nicht gr��er gegen�bersaht. Ich bitte Euch, sagt mir, wie ich Euch wenigstens eine kleine Freude machen kann. Mit einem edlen Pferd? Einer neuen R�stung? Einem Beutel Gold? Zehn Beutel Gold?�</p><p>Sie �berlegte sichtlich, dann zog ein breites L�cheln �ber ihre Lippen. �Nun, mein Lord � wenn Ihr unbedingt darauf besteht �, ja, all das k�nnte ich recht gut brauchen ��</p><p>Da lachte Omeron laut auf und setzte den Kelch auf dem Tisch ab, dass der Wein �berschwappte. �Es geh�rt alles Euch!� rief er fr�hlich. Er schlang einen Arm um ihre Schultern und dr�ckte sie in einer heftigen Gef�hlsaufwallung fest an sich. �Alles, Sonja � und der Thron an meiner Seite ebenfalls, wenn Ihr es m�chtet.�</p><p>, Ihr L�cheln schwand. �Nein, Omeron, kein Thron f�r mich, f�rchte ich.�</p><p>�Wenn Ihr mich heiraten und hier bleiben w�rdet ��</p><p>�Bitte � Ich f�hle mich geehrt, wirklich, aber beharrt nicht darauf. Ihr wurdet f�r den Thron geboren, und ich dazu, durch Bergp�sse zu reisen und gegen Zauberer zu k�mpfen, glaube ich.�</p><p>�Ich achte Euch deshalb um so mehr�, versicherte ihr Omeron ernst.</p><p>�Doch wenn mein unsicherer Schicksalsweg mich wieder hier herf�hrt ��</p><p>�Ja!� Omerons Gesicht leuchtete auf. �Das muss er! Ihr m�sst irgendwann zur�ckkommen, wenn die Stadt wieder aufgebaut ist.�</p><p>�Das werde ich�, versprach ihm Sonja. �Wenn ich nicht zuvor zu schwach und gebrechlich werde, tue ich es!�</p><p>�Ihr schwach und gebrechlich?� sagte Omeron. �Nie!�</p><p>Sonja nippte an ihrem Wein. �Nie ��, murmelte sie und drehte den Kelch in der Hand. Sie sch�ttelte den Kopf und schluckte.</p><empty-line/><p>Sie verlie� Thesrad auf ihrem neuen edlen Pferd, in gl�nzender neuer R�stung, frisch gebadet und ausgeruht, mit zwei Beuteln Gold am G�rtel und acht weiteren in den Satteltaschen, dazu mit genug Brot und D�rrfleisch, so dass sie ohne jagen zu m�ssen �ber die Berge kam. Und als Begleiter hatte sie Aspre, den Zauberer, der in den Nordwesten zur�ckkehren wollte.</p><p>Sie brachen im Morgengrauen auf und erreichten sp�tnachmittags den Fu� der Berge. Dort rasteten sie neben einem Bach und ��en ausgiebig. Sonja hatte mit Pfeil und Bogen einen kleinen Fasan erlegt, um ihren ansonsten eint�nigen Mundvorrat zu erg�nzen, und Aspre hatte Beeren und Wurzeln gesammelt.</p><p>�Verzeiht, wenn ich frage�, wandte Sonja sich beim Essen an Aspre. �Aber w�re es Euch nicht m�glich gewesen, irgendein Wild durch Zauberei zu erlegen?�</p><p>W�hrend des bisherigen Rittes hatten die beiden nur wenige Worte gewechselt. Nun antwortete Aspre ruhig: �Ich habe beschlossen, meine Zauberk�nste nie wieder zu benutzen.�</p><p>�Ich verstehe�, murmelte Sonja. �Wegen Eures Erlebnisses mit Du-jum?�</p><p>�Ja, wegen Du-jum. Wegen all dessen, was geschehen ist.� Er nagte den letzten Fasanenknochen ab. �Ich habe falsch gehandelt. Du-jums Macht war weit gr��er als meine, und doch versagte er, genau wie ich. Als ganz junger Mann hatte ich die Wahl zwischen zwei Pfaden � und ich entschied mich f�r den k�rzeren, schnelleren. Nun wei� ich, dass dies falsch war.�</p><p>�Auch ich w�hlte einmal einen Pfad�, sagte Sonja nachdenklich. �Manchmal hielt ich ihn auch f�r den falschen, doch sp�ter, zu anderen Zeiten, verstand ich den Sinn dahinter. Das Gewirke der Schicksalsg�ttinnen ist nicht immer klar zu erkennen.�</p><p>�Vielleicht habt Ihr Euch das nur eingeredet, Sonja. Vielleicht gibt es ein solches Gewirk �berhaupt nicht.�</p><p>�Und vielleicht habt Ihr nie willig Zauberei benutzt, Aspre.�</p><p>�Oh, ich tat es willig genug.� Der Zauberer betrachtete sinnend seine Handr�cken, auf die der Schein des Lagerfeuers fiel. �Ich bildete mir ein, Zauberei k�nnte f�r die Menschen die Schrecken lindern, mit denen die G�tter sie heimsuchen und die sie erdulden m�ssen, oder f�r Vergeltung bei furchtbaren Untaten sorgen, oder �� Er z�gerte. �� oder eines Tages sogar die M�glichkeit bieten, die G�tter zu st�rzen und die monstr�se Welt zu verbessern, die sie erschufen.�</p><p>�Euer Freund Elath sagte einmal zu mir, dass Zauberei nicht besser und nicht schlechter ist, als jener, der sie einsetzt. Es gab eine Zeit, da h�tte ich das nicht geglaubt, doch jetzt ��</p><p>�Das mag stimmen, denn ich bin nun �berzeugt, dass Elath weiser ist als ich. Aber Ihr, Rote Sonja � ich sp�re auch etwas Magie um Euch, trotz Eures Vorurteils dagegen.�</p><p>�Vorurteil? Ich k�mpfte gegen Zauberei, wenn sie sich gegen mich richtete, aber nie grundlos. Immer verlie� ich mich auf mein Schwert. Nie lie� ich mich willig mit dem Anderen � wie Ihr es nennt � ein.�</p><p>Leicht �chzend erhob sich Aspre und wischte sich Brotkrumen von Bart und Gewand. �Ich werde Euch keine Fragen mehr stellen. Rote Sonja. Unsere Pfade, glaube ich, trennen sich hier.�</p><p>Auch Sonja stand auf. �Gewiss nicht. Wir m�ssen beide die Berge �berqueren.�</p><p>�Das ist ein langer Weg�, entgegnete Aspre. �Wie ich schon erw�hnte, w�hlte ich schon vor langer Zeit den k�rzeren.�</p><p>Mehr sagte er nicht, und Sonja drang nicht weiter in ihn. Er packte seine Satteltasche um, schwang sich in den Sattel und lenkte sein Pferd zu Sonja.</p><p>�Lebt wohl, Hyrkanierin. Euer Pfad ist lange und gef�hrlich, aber es ist ein wahrer Pfad. Ein guter Pfad.�</p><p>�Das wisst Ihr?�</p><p>Er nickte. �Ich habe etwas von Eurer Zukunft gesehen. Euer Weg ist � richtig. Eines Tages werdet Ihr die echte Liebe finden. Ihr werdet Euer Schwert nicht aufgeben, aber Ihr werdet den richtigen Mann finden und eine erf�llte Frau werden.�</p><p>Sonja runzelte die Stirn. �Was meint Ihr damit?�</p><p>�Und Ihr werdet lange leben und graues Haar haben, doch Ihr werdet auch im Alter und mit grauem Haar stark sein. Ihr werdet in die Geschichte dieser Welt eingehen, Rote Sonja.�</p><p>Verbl�fft blinzelte sie. �Ich will doch nur ��</p><p>�Die Sonne geht unter�, unterbrach Aspre sie. �Es ist Zeit, dass wir uns wieder auf den Weg machen. Folgt dem langen Pfad, Rote Sonja aus Hyrkanien, und Kraft wird immer mit Euch sein.�</p><p>Mit einem letzten Nicken trieb er sein Pferd an und ritt dahin. Sonja blickte ihm noch lange nach.</p><empty-line/><p>An diesem Abend ritt sie einen Berg noch halb hoch, dann machte sie sich ein Feuer und schlief daneben. Am Morgen badete sie in einem nahen Weiher und g�nnte sich danach erfrischt Beeren, Wurzeln, Kr�uter und k�hles Quellwasser zum Fr�hst�ck. Schlie�lich f�llte sie sich einen Handschuh mit Beeren und a� sie im Reiten.</p><p>Die Sonne stand voll �ber den B�umen, als Sonjas Pferd vor etwas am Pfad scheute, wieherte und sich aufb�umte.</p><p>�Ruhig, Junge � ruhig! Wa-as �?�</p><p>Mitten auf dem Weg ringelte sich eine Schlange.</p><p>Sonja l�chelte. Sie beobachtete das Reptil, dachte an Ilura, und salutierte. �Zieh weiter, ich halte dich nicht auf, alte Freundin. Ich wei� zu sch�tzen, was du und deinesgleichen f�r uns getan habt.�</p><p>Aber die Schlange zog nicht weiter. Sie wand sich vor dem Pferd vor und zur�ck und zog Spuren durch den Staub, bis Sonja klar wurde, dass das Tier bedeutete, ihm zu folgen.</p><p>Als ihr dieser Gedanke kam, kroch die Schlange durch die B�sche.</p><p>Sonja lenkte ihr Pferd hinterher. Wieder scheute es, doch sie beruhigte es mit sanften Worten und leichtem T�tscheln, und zwang ihm ihren Willen auf.</p><p>Die Schlange glitt voraus durch den Wald. Hin und wieder blickte sie zu Sonja zur�ck, hob den Kopf, nickte und kroch weiter.</p><p>Sonja folgte ihr eine lange Strecke � durch den Wald, um Felsen herum, und immer wies die Schlange ihr einen Weg, mit dem das Pferd keine Schwierigkeiten hatte.</p><p>Dann verlor sie das Reptil bei einem m�chtigen Felsen aus der Sicht. Als sie um den Felsen herumbog, sah sie jemanden auf dem Boden sitzen. Ein Pferd weidete ganz in der N�he. Es trug thesradisches Zaumzeug, und auch der Sattel war aus der Stadt. Der Sitzende war Aspre, dessen Augen im Schatten schwach leuchteten.</p><p>Sonja ritt auf ihn zu, und als ihr Pferd zur�ckscheute, schwang sie sich aus dem Sattel, band das Tier an einem jungen Baum an und trat zu Aspre.</p><p>�Ich verbrachte den gr��ten Teil der Nacht hier, und w�hrend ich auf Euch wartete, freundete ich mich mit einigen von Iluras Kameraden an. Ich wollte Euch danken, Rote Sonja.�</p><p>�Mir � wof�r?�</p><p>�Ich gestand Euch, dass ich in meinem Leben versagte, dass ich als ganz junger Mann die Wahl hatte und die falsche traf. Ich entschied mich damals f�r den kurzen Weg � und nun w�hlte ich ihn erneut, denn Eure Worte und Elaths �berzeugten mich, dass ich weiterleben und meiner Bestimmung folgen muss.�</p><p>�Ihr habt allerdings den kurzen Weg hier herauf genommen!� staunte Sonja. �Wie habt Ihr ��</p><p>�Wir Adepten haben unsere eigene Weise. Lasst mich Euch danken, Kriegerin, dass Ihr mich auf Elaths Worte aufmerksam machtet. Er ist wahrlich ein weiser Mann, und er h�tte der F�hrer unserer kleinen Gruppe sein sollen, nicht ich. Vielleicht werde ich ihn eines Tages wieder sehen, wenn meine Weisheit gr��er ist � doch bis dahin muss ich durch die Welt wandern und ergr�nden, worin diese Weisheit liegt.�</p><p>�Als Ihr Euch vergangene Nacht von mir getrennt habt, hattet Ihr da vor �?�</p><p>�Meinem Leben selbst ein Ende zu machen�, gestand der Zauberer. �Und dadurch f�r meine Fehlhandlungen und meine Dummheit zu b��en. Doch Eure Worte gingen mir nicht aus dem Kopf und lie�en mich erkennen, dass Bu�e nicht so leicht ist. Ich werde durch die Welt ziehen und lernen. Vielleicht kann ich helfen, Schmerzen zu lindern, Unrecht wiedergutzumachen, ja sogar ein unsinniges kleines Gesetz der G�tter aufheben. Wenn ja, wird sich der kurze Pfad f�r mich m�glicherweise als der lange erweisen.�</p><p>�Und als der, der Euch Erf�llung bringt, das w�nsche ich Euch, Aspre. Lebt wohl.�</p><p>�Lebt wohl, Sonja.�</p><p>Sie drehte ihr Pferd herum und ritt zum Bergpfad zur�ck.</p></section></body><body name="notes"><section id="a2"><p><emphasis>Der Ring Ikribus,</emphasis> Die Rote Sonja, 1., Band, von David C. Smith und Richard L. Tierney, Heyne-Buch 06/4240</p></section></body><binary id="cover" 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