<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>thriller</genre><genre>adventure</genre><author><first-name>Wilhelm,</first-name><last-name>Andreas</last-name></author><book-title>Projekt Atlantis</book-title><annotation><p>W�hrend Patrick Nevreux auf Yucat�n einen Mayacodex findet, entdeckt Peter Lavell in Alexandria ein verloren geglaubtes Schriftst�ck von Platon, das von Atlantis berichtet. Die Funde stehen in Verbindung, und daher machen sich die beiden Wissenschaftler auf, um in einer abenteuerlichen Expedition nord�stlich der Bahamas in mehr als 3.000 Metern Tiefe nach dem sagenumwobenen Atlantis zu suchen. Das US-Milit�r beobachtet jeden ihrer Schritte. Und was f�hren der skrupellose Schatzsucher Nu�o Gonz�lez und die undurchsichtige Journalistin Kathleen Denver im Schilde? Trotz aller Hindernisse wagen Peter und Patrick eine gef�hrliche Tauchfahrt in die Tiefsee und sto�en auf eine atemberaubende Hinterlassenschaft, die alle Fragen um die r�tselhaften Archive des Wissens beantworten k�nnte ...</p></annotation><date/><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><sequence name="Projekt" number="3"/></title-info><document-info><author><first-name>Wilhelm,</first-name><last-name>Andreas</last-name></author><program-used>calibre 4.99.5, FictionBook Editor Release 2.6.7, fb2cut 2.5.6, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2026-01-25">25.1.2026</date><id>4641c304-3a81-41e2-ae12-22ebfbb101bc</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><publisher>--</publisher><year>2011</year></publish-info></description><body><section><p><strong>Andreas Wilhelm</strong></p><empty-line/><p><strong>Projekt:</strong></p><p><strong>Atlantis</strong></p><empty-line/><p>Roman</p><empty-line/><p>blanvalet</p></section><section><empty-line/><p>Verlagsgruppe Random House</p><p>FSC-DEU-0100</p><empty-line/><p>1. Auflage</p><empty-line/><p>Taschenbuchausgabe Juli 2010 bei Blanvalet,</p><p>einem Unternehmen der Verlagsgruppe</p><p>Random House GmbH, M�nchen.</p><p>Copyright � der Originalausgabe 2009 by LIMES Verlag,</p><p>einem Unternehmen der Verlagsgruppe</p><p>Random House GmbH</p><empty-line/><p>Umschlaggestaltung: HildenDesign, M�nchen,</p><p>nach einer Vorlage von b�ros�d�</p><p>Motiv: Getty Images/The Image Bank/Jeff Rotman NB</p><empty-line/><p>Herstellung: sam</p><p>Satz: Uhl + Massopust, Aalen</p><p>Druck und Bindung: GGP Media GmbH, P��neck</p><empty-line/><p>Scan, OCR und digitale Nachbearbeitung:</p><p><emphasis>Cats&amp;Paws Productions</emphasis></p><empty-line/><p>Printed in Germany</p><p>ISBN: 978-3-442-37454-0</p><p><a l:href="http://www.blanvalet.de/">www.blanvalet.de</a></p><empty-line/></section><section><p><emphasis>Buch</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>Projekt: Babylon</emphasis> und die Jagd durch die Nekropole von<emphasis> Sakkara </emphasis>sind dem ungleichen Forscherpaar Peter Lavell und Patrick Nevreux noch lebhaft in Erinnerung, da sto�en sie erneut auf Hinweise zu einer Quelle unserer Kultur � Atlantis ...</p><empty-line/><p>W�hrend Patrick Nevreux auf Yucat�n einen Mayacodex findet, entdeckt Peter Lavell in Alexandria ein verloren geglaubtes Schriftst�ck von Platon, das von Atlantis berichtet. Die Funde stehen in Verbindung, und daher machen sich die beiden Wissenschaftler auf, um in einer abenteuerlichen Expedition nord�stlich der Bahamas in mehr als 3.000 Metern Tiefe nach dem sagenumwobenen Atlantis zu suchen. Das US-Milit�r beobachtet jeden ihrer Schritte. Und was f�hren der skrupellose Schatzsucher Nu�o Gonz�lez und die undurchsichtige Journalistin Kathleen Denver im Schilde? Trotz aller Hindernisse wagen Peter und Patrick eine gef�hrliche Tauchfahrt in die Tiefsee und sto�en auf eine atemberaubende Hinterlassenschaft, die alle Fragen um die r�tselhaften Archive des Wissens beantworten k�nnte ...</p><empty-line/><p><emphasis>Autor</emphasis></p><empty-line/><p>Andreas Wilhelm, geboren 1971, wuchs in S�dafrika, der Schweiz, Nigeria und Portugal auf.<emphasis> Projekt: Atlantis</emphasis> bildet den Abschluss seiner gro�en internationalen Erfolge<emphasis> Projekt: Babylon</emphasis> und<emphasis> Projekt: Sakkara.</emphasis> Andreas Wilhelm lebt mit Frau und Kindern in der N�he von Hamburg und arbeitet derzeit an seinem vierten Roman.</p></section><section><p><emphasis>Als er das Wissen um die Schreibkunst �bergab, sagte Thot: �Diese Lehre, o K�nig, wird die �gypter weiser und ged�chtnisreicher machen; denn als Hilfsmittel f�r Ged�chtnis und Weisheit ist sie erfunden worden.�</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>Aber Thamus erwiderte: �O du Meister der Kunstfertigkeit, Thot: Der eine ist in der Lage, K�nste hervorzubringen, der andere ist in der Lage zu beurteilen, in welchem Verh�ltnis sich Schaden und Nutzen f�r die Leute darstellen, die sie brauchen sollen. Auch du hast jetzt, als Vater der Schrift, aus Voreingenommenheit das Gegenteil von dem behauptet, was sie eigentlich vermag. Denn diese Kunst wird Vergessenheit schaffen in den Seelen derer, die sie erlernen, aus Achtlosigkeit gegen das Ged�chtnis, da die Leute sich im Vertrauen auf das Schriftst�ck von au�en erinnern lassen � durch fremde Zeichen �, nicht von innen heraus durch Erinnerung. Also hast du nicht ein Mittel zur Kr�ftigung, sondern zur St�tzung des Ged�chtnisses erfunden. Und auch Weisheit scheinst du den Lehrlingen nur zu geben, in Wahrheit aber nicht: Wenn sie vieles ohne Belehrung geh�rt haben, werden sie sich auch einbilden, viel zu verstehen. Aber da sie doch gr��tenteils nichts verstehen und nur schwer zu ertragen sind im Umgang, werden sie zu D�nkelweisen geworden sein und nicht zu Weisen.�</emphasis></p><empty-line/><p>Sokrates, ca. 469-399 v. Chr.</p><p>Nach Platon, �Phaidros�</p></section><section><empty-line/><p><strong>Kapitel 1</strong></p><empty-line/><p><emphasis>Atlantik, etwa achtzig Seemeilen n�rdlich von Great Abaco Island, Bahamas</emphasis></p><empty-line/><p>Donnernd schlug die erste Welle �ber das Deck der<emphasis> Juanita.</emphasis> Die empfindlichen elektronischen Ger�te an Bord taten schon l�nger keinen Dienst mehr, und der Sturm um das Schiff herum wurde immer st�rker. Die Scheinwerfer erhellten kaum mehr als das Vorderdeck und die aufgepeitschten Schaumkronen unmittelbar vor ihnen. Die Luft war erf�llt von Gischt und dem Regen, der �ber das Schiff hinwegfegte und den die Lichter in silberne Streifen verwandelten.</p><p>Als ehemaliger Trawler war die<emphasis> Juanita</emphasis> f�r den Hochseeeinsatz ausgelegt und hatte in der Vergangenheit schon schwerere St�rme unbeschadet �berstanden. Nu�o Gonz�lez wusste das, und seine Mannschaft musste sich dessen ebenfalls bewusst sein. Aber etwas war anders an diesem Unwetter. Eine abergl�ubische Unruhe hatte sich unter seinen Leuten breitgemacht, und Gonz�lez durfte nicht zulassen, dass sie �berhandnahm. Gerade jetzt mussten sie mit h�chster Pr�zision arbeiten, menschliches Versagen konnte er nicht tolerieren. Das Meer w�rde es auch nicht.</p><p>��<emphasis>Maldici�n,</emphasis> Ra�l!�, herrschte er seinen Bootsmann an, der �ber eine Karte gebeugt war. Er riss die Karte vom Tisch und fegte mit derselben Bewegung eine Kaffeetasse durch die kleine Br�cke. �K�mmere dich um die Ausr�stung! Wir haben noch hunderttausend Dollar im Wasser. Und es ist nicht dein Geld. Also an die Arbeit!�</p><p>Gonz�lez fluchte weiter, als Raul den Raum bereits verlassen hatte. Dann sah er durch die Fenster auf die See und beobachtete, wie sich eine weitere Welle von der Steuerbordseite her �ber das Deck brach. Er drehte bei, damit das Einholen der Ausr�stung vereinfacht wurde.</p><p>Seit drei Tagen kreuzten sie in diesem Gebiet und sondierten den Meeresboden. Gonz�lez hatte zwei Jahre damit verbracht, die letzte Fahrt der<emphasis> Maria Celeste</emphasis> von Puerto Bello �ber Havanna bis hierher zu rekonstruieren, wo sie im M�rz 1612 mit ihrer Ladung von �ber zweihundert Tonnen Silber gesunken war. In den letzten sechs Monaten hatte er diese Suche vorbereitet und sein �brig gebliebenes Verm�gen in das Schiff und die Ger�te investiert. Die Mannschaft hatte er in Havanna angeheuert, eine Truppe wetterfester M�nner, die ihn mit ihren technischen und handwerklichen F�higkeiten �berzeugt hatten. Es waren keine gebildeten Leute, sondern Seeleute und Arbeiter. Wer sich bei der Schatzsuche zu viele Gedanken �ber das Wenn und Aber machte und nicht richtig zupacken konnte, war hier fehl am Platz. Gonz�lez war nicht so dumm zu glauben, dass er sich deswegen nicht trotzdem um alles selbst k�mmern musste. Niemand an Bord hatte so viel Erfahrung wie er, und niemand opferte hier sein Herzblut, so wie er.</p><p>Eine pl�tzliche Woge lie� das Schiff aufbocken, und er stolperte nach vorn. Es war noch keine Hurrikansaison, und die letzten Daten, die sie von der Wetterstation in Nassau erhalten hatten, deuteten auch nicht darauf hin, dass sich etwas zusammenbraute. Dennoch waren Wetterph�nomene in diesem Gebiet keine Seltenheit, und Gonz�lez hatte das einkalkuliert.</p><p>Er verlie� die Br�cke und trat an Deck. Regen peitschte ihm ins Gesicht, und f�r einen Moment nahm ihm der Sturm den Atem. Er war zwar kr�ftig gebaut, aber er machte sich keine Illusionen dar�ber, dass ein ordentlicher Sturm auch ihn von den Beinen rei�en konnte. Also hielt er sich an der Reling fest, w�hrend er leicht geb�ckt zum Heck des Trawlers ging, um nach dem Rechten zu sehen.</p><p>Er traf auf Raul und weitere drei M�nner, die an einer Winde des Bockkrans hantierten. Hiermit hatte man fr�her die Schleppnetze eingeholt, aber nun war das Schiff f�r ihre Anforderungen umger�stet worden, und sie nutzten den Kran f�r ihre Unterwasserausr�stung. Die M�nner waren hektisch und bemerkten ihn erst, als er zwischen sie trat. Und nun sah er auch, was los war. Ein weiterer Arbeiter klemmte mit der Hand in der Winde und schrie gegen den Wind an. Das Regenwasser, das unabl�ssig von der Armatur herablief, war dunkelrot gef�rbt. Die anderen bem�hten sich, seine Finger aus der Anlage zu befreien, w�hrend Raul auf der elektronischen Steuereinheit der Winde herumdr�ckte.</p><p>Gonz�lez stie� ihn beiseite, sodass der Bootsmann r�ckw�rts auf das Deck schlug. Dann ergriff er das Steuermodul. Nichts leuchtete, die Kn�pfe reagierten nicht. Kein Strom!</p><p>Der eingeklemmte Mann br�llte verzweifelt und trat um sich. Gonz�lez ergriff sein Handgelenk und sah, dass drei Finger seiner Hand zwischen den Zahnr�dern eingeklemmt waren. Die Knochen mussten bereits zu Brei zermalmt worden sein, anders h�tten die Finger niemals hineingepasst. Sie wurden nur noch durch das Fleisch zusammengehalten.</p><p>�O Gott!�, schrie der Arbeiter. �Meine Hand!�</p><p>Gonz�lez umfasste den Oberk�rper des Mannes, als eine neuerliche Welle �ber das Schiff brach und sie mit Meerwasser �bersch�ttete.</p><p>�Raul!�, schrie er. �Sie dreht sich! Bring das Schiff wieder quer zu den Wellen!�</p><p>Der Bootsmann hastete zur Br�cke zur�ck, w�hrend Gonz�lez erneut festen Stand suchte. Mit einem kr�ftigen Ruck zog er den Arbeiter nach hinten und riss die �berreste seiner Hand aus den Zahnr�dern. Mit einem Aufschrei stolperte der Mann zur Seite, kr�mmte sich und ging in die Knie.</p><p>�Aufstehen, sofort!�, herrschte Gonz�lez ihn an, beugte sich �ber ihn und hievte ihn hoch. �Los, steht nicht rum, ihr hirnlosen Affen!�, schrie er die anderen M�nner an. �Muss ich alles alleine machen?! Bringt ihn unter Deck und verbindet ihn! Pedro, du bleibst hier.�</p><p>Zwei der M�nner ergriffen den Verletzten und st�tzten sich gegenseitig auf dem Weg zur�ck, w�hrend Gonz�lez sich an der Winde zu schaffen machte. �Halte die Kabel, los!�, rief er dem Arbeiter zu und legte einen Hebel um, mit dem er von Elektronik- auf Handbetrieb umstellte.</p><p>Pedro griff nach den Kabeln, die vom Kran aus in das aufgew�hlte Wasser f�hrten. Ein Ruck fuhr durch seine H�nde, als sich die Zahnr�der l�sten und die Wellen an den schweren Ger�ten am anderen Ende der Kabel rissen. Er fasste nach und stemmte sich gegen eine Stahlschiene am Boden. Dann rastete endlich das Handrad ein, und Gonz�lez begann, die Maschinen hereinzukurbeln.</p><p>Die<emphasis> Juanita</emphasis> lag nun nicht mehr parallel zum Seegang und wurde nicht mehr seitlich von den Wellen �bersp�lt, aber nun stampfte sie wie der st�hlerne Kolben einer gewaltigen, von Meereskraft angetriebenen Maschine. �ber die Slip, die niedergelassene Rampe am Heck des Schiffs, brachen immer wieder Wassermassen �ber das Deck, die beim Abflie�en einen gef�hrlichen Sog verursachten. Das Unwetter nahm zu, Gischt und Regen waren nicht mehr zu unterscheiden. Gonz�lez gelang es nicht, sein Gesicht vor dem Sturm zu sch�tzen, der von allen Seiten an ihm zerrte. Das Atmen fiel ihm schwer, l�ngst war er vollst�ndig durchn�sst. Er presste die Augen zu Schlitzen zusammen und kurbelte unerbittlich weiter. Endlich zeigte sich das wei� und gelb lackierte Sonar am Ende der Kabel. Gonz�lez drehte die Kurbel mit beiden H�nden weiter. Nur langsam kam das Ger�t n�her und bewegte sich auf die Slip zu. Die st�hlerne Rampe war f�r die Aufnahme des empfindlichen Ger�ts mit einer Gummiisolierung versehen worden, aber die Wellen drohten das Sonar gegen das Schiff zu schleudern, wenn es nicht im richtigen Augenblick mit einem einzigen Schwung eingeholt und gesichert wurde.</p><p>�Schnapp das Sonar!�, rief er Pedro zu. �Und pass auf!�</p><p>Der Arbeiter ging einen Schritt auf die Slip zu, als die<emphasis> Juanita </emphasis>erneut aufbockte. Als sie sich hob, schien Pedro einen Moment lang den Boden unter den F��en zu verlieren, dann schlug das Schiff zur�ck auf das Wasser, und augenblicklich schossen Hunderte Liter Ozean �ber die Rampe zwischen seinen Beinen hindurch und fegten sie ihm unter dem Leib weg.</p><p>�Pedro!�, rief Gonz�lez.</p><p>Der Arbeiter schlug nach allen Seiten um sich, suchte verzweifelt nach Halt, als das Wasser �ber die Slip zur�ckfloss und ihn mit sich riss. Gonz�lez rastete die Winde ein und st�rzte auf den Mann zu, doch er erreichte ihn nicht mehr. Mit einem kaum h�rbaren Schrei versank Pedro in den tobenden Wellen. Einen unwirklichen Moment lang zerriss der Wind die Schaumkronen, als sei nichts geschehen. Dann tauchten Pedros Kopf und Teile seines Oberk�rpers auf. Er hatte irgendwie die noch im Wasser h�ngenden Kabel zu fassen bekommen und hielt sich nun an der Apparatur fest. Er bem�hte sich, Luft zu holen, doch immer neue Wellen schlugen �ber ihm zusammen.</p><p>Gonz�lez fluchte, eilte zum Bockkran zur�ck und kurbelte weiter in der Hoffnung, dass er den Mann auf diese Weise gemeinsam mit dem Sonar an Bord ziehen k�nnte. Doch das Gewicht hatte sich vervielfacht, und trotz seiner Kraft brachte er das Kabel nur mit qu�lender Langsamkeit ein. Nur f�r eine Sekunde senkte er seinen Blick, um sich mit den Armen auf das Rad zu stemmen. Als er wieder aufsah, weiteten sich seine Augen vor Schreck. Hinter der Slip t�rmte sich eine Welle auf, die die<emphasis> Juanita</emphasis> mannshoch �berragte. Geistesgegenw�rtig umfasste Gonz�lez den Kran mit beiden Armen und krallte sich mit aller Macht fest, als die Wassermassen auch schon �ber das Heck brandeten. Sie krachten �ber das Deck, gegen den Kran und schlugen ihm mit solcher Wucht gegen seinen K�rper, dass ihm die Beine zur Seite gerissen wurden. Er rutschte nach unten. Nur mit seinen Armen am Kran h�ngend war er dem Sog ausgeliefert. Sein Unterk�per baumelte und schlingerte �ber das Deck, seine Beine schlugen hilflos gegen Metalltr�ger. Ein losgerissenes Brett schoss nur eine Handbreit an seinem Kopf vorbei und stie� gegen seine Rippen. Gonz�lez kr�mmte sich vor Schmerz, aber er lie� nicht los. Er behielt Mund und Augen geschlossen und hoffte auf ein Ende. Dann endlich war das Wasser angelaufen. Aber das Schiff b�umte sich weiter auf. M�hsam zog er sich wieder am Kran hoch, hielt ihn weiter mit beiden Armen umfasst und sah zum Heck. Die Kabel peitschten durch den Wind, alles, was an ihnen gehangen hatte, war abgerissen.</p><p>Er br�llte vor Wut, doch der Wind verschluckte seinen Schrei. Dann begann etwas zu leuchten. Ein Schiff n�herte sich! Er blickte gegen den st�rmenden Regen hinaus auf den aufgew�hlten Ozean. Aber das Licht kam von keinem Schiff. Es war das Meer selbst, das zu leuchten begann.</p><empty-line/><p><emphasis>B�ro der FOX International Channels, Los Angeles</emphasis></p><empty-line/><p>�Noch heute str�men t�glich Hunderte von Besuchern in die Kirche von Santa Maria delle Grazie und bestaunen das Gem�lde im Speisesaal. Nur wenige von Ihnen ahnen, welche Geheimnisse hier verborgen liegen. Welches davon aber tats�chlich die Intention des K�nstlers war, werden wir wohl niemals erfahren.</p><p>Mein Name ist Kathleen Denver. Begleiten Sie mich auch das n�chste Mal durch die Geheimnisse unserer Vergangenheit und eine neue Folge von<emphasis> Dare to Know.</emphasis>�</p><p>Rob schaltete die Aufnahme aus und wandte sich wieder Kathleen zu.</p><p>�Kannst du mir sagen, was das sollte?�</p><p>Kathleen lehnte sich zur�ck und verzog den Mund. Sie hatte Robs herablassende Art noch nie leiden k�nnen. Sie kannten sich schon seit f�nf Jahren, und da sie beide Profis waren, kamen sie zurecht, auch wenn die Stimmung nicht immer die beste war. Er hatte sie damals zu FOX geholt, weil ihn ihre journalistischen F�higkeiten ebenso �berzeugt hatten wie ihr Auftreten vor der Kamera. Seit er jedoch ins Management aufgestiegen war, hielt er sich immer h�ufiger f�r den Programmchef h�chstpers�nlich, obwohl sie hier vom Tagesgeschehen weit entfernt waren. Rob war nur f�r einen kleinen Teil der Formate verantwortlich, die sie f�r den History Channel von FOX einkauften. Allerdings geh�rte Kathleens Sendung �Wage zu wissen� dazu, und aus diesem Grund hatte er sie zu einem Termin hergebeten.</p><p>�Ich wei� nicht, was du meinst�, gab sie zur�ck.</p><p>�Der Spruch am Ende: �...werden wir wohl niemals erfahren... Wie oft haben wir schon dar�ber gesprochen? Die Sendung soll keine R�tsel verkaufen, wir wollen unsere Zuschauer informieren! Information ist die Beseitigung jeder Unsicherheit beim Zuschauer. Informieren hei�t nicht: sie verwirren. Hier soll es um Fakten gehen, um Wissen. Die Sendung hei�t �Wage zu wissen� und nicht �Wage zu raten�. Das ist nicht �PSI Factor�, okay?�</p><p>�Himmel, Rob, nun bleib auf dem Boden! Du wei�t genauso gut wie ich, dass wir auch nicht einfach Behauptungen aufstellen k�nnen! Wer erz�hlt mir denn immer, der History Channel h�tte einen Ruf zu verlieren?�</p><p>�Um den Ruf geht es, meine Liebe.� Rob tippte eine Abfrage in seinen Computer und drehte im Anschluss den Flachbildschirm, sodass sie von beiden Seiten des Schreibtischs daraufsehen konnten. �Mit einer Geschichte �ber das<emphasis> Abendmahl </emphasis>von Leonardo da Vinci k�nnen wir heute keine Maus mehr hinter dem Ofen hervorholen. Das h�tte vor drei oder vier Jahren laufen m�ssen. Oder hier: Die Blutlinie von Jesus Christus, noch so ein Staubf�nger. Und was haben wir sonst noch: Das Grabtuch von Turin, Freimaurer in Washington, Opus Dei...</p><p>Was gibt's sonst noch Neues? Ach ja, die Wikinger haben Amerika entdeckt, und die Geschichte der Sintflut stammt vom Gilgomasch-Epos ab...�</p><p>�Gilgamesch�, warf Kathleen halbherzig ein.</p><p>�Dann eben Gilgamesch, ist doch auch v�llig egal. Die Sache ist die: Warum interessiert mich kein einziges dieser Themen? Na, eine Idee?�</p><p>Kathleen verdrehte die Augen. Sie hasste es, wenn er sich so auff�hrte.</p><p>�Ich werde es dir sagen�, fuhr Rob fort. �Es interessiert nicht, weil es schon tausendmal gelaufen ist, deswegen! Und das geht nicht nur mir so!� Wieder tippte er etwas ein, und die Anzeige auf dem Bildschirm zeigte ein mehrfarbiges S�ulendiagramm. �Deine Quote ist schon wieder um zwei Prozent gesunken, du bist im freien Fall. Und daf�r bist du mir ehrlich gesagt zu teuer.�</p><p><emphasis>Na klar, daher weht der Wind,</emphasis> dachte sie und nickte innerlich. Dabei war er es gewesen, mit dem sie Anfang des letzten Jahres die Themenplanung durchgesprochen hatte. Aber nat�rlich war es v�llig sinnlos, dar�ber mit ihm zu diskutieren. Die M�he, recht zu behalten, w�rde nirgendwohin f�hren. Letzten Endes bezahlte er ihre Arbeit, und dass die Quote sank, daran war auch nicht zu r�tteln. Im Grunde war es ihr egal, da sie nur an der Ausstrahlung und nicht an den Einschaltquoten verdiente, aber Rob wollte den Preis f�r die n�chsten Projekte dr�cken. Sie hatte das erwartet und war vorbereitet.</p><p>�Ich werde dir auch keine neuen Folgen mehr anbieten�, antwortete sie.</p><p>Rob horchte auf. �Wie meinst du das? Willst du aufh�ren?�</p><p>�Du hast doch noch zwei�, sagte sie. �Dann kommt die Sommerpause, und bis dahin...� Sie lie� den Satz unbeendet.</p><p>�Ja...?�</p><p>�Bis dahin habe ich etwas anderes.�</p><p>�Etwas anderes? Willst du an einen anderen Sender verkaufen?�</p><p>Sie l�chelte. Es gefiel ihr, ihn nerv�s zu machen. Rob zeigte es nicht deutlich, aber sie kannte ihn gut genug. Er konnte nicht auf sie verzichten, jedenfalls nicht so schnell und nicht in ihrem Preissegment. Doch sie hatte auch gar nicht vor, ihn h�ngen zu lassen. Er war ein verl�sslicher Abnehmer.</p><p>�Nein, das nicht�, sagte sie schlie�lich, �aber ich arbeite an einem neuen Konzept. Bis zum Sommer habe ich die ersten Folgen fertig.�</p><p>�Ein neues Konzept, aha. Fragt sich, wer dir das abnehmen soll.�</p><p>�Du, wer sonst?� Kathleen l�chelte ihn an und wusste, welchen Effekt das auf ihn hatte. Vor zwei Jahren waren sie sich auf einer Weihnachtsfeier n�hergekommen, und Rob, der fast zehn Jahre j�nger war als sie, hatte ihr gestanden, dass er seit geraumer Zeit ein Auge auf sie geworfen hatte. Das kam aus keiner weinseligen Laune heraus, tats�chlich hatte sie das auch schon l�nger vermutet, und am Ende des Abends waren sie in seinem Apartment und in seinem Bett gelandet. F�r sie war es nicht mehr als ein Abenteuer gewesen, und am Morgen danach hatte sie ihm behutsam, aber bestimmt erkl�rt, dass sie es bei dieser Nacht belassen sollten. Er hatte die Kr�te tapfer geschluckt, und seitdem konnten sie tats�chlich weiterhin gut zusammenarbeiten. Aber sie waren beide Single geblieben, und sie wusste, dass er sich noch immer Hoffnungen machte. In Augenblicken wie dem heutigen nutzte sie seine Schw�che gerne aus.</p><p>�Ich?�, gab er zur�ck und l�chelte ebenfalls.</p><p>�Aber ja�, antwortete sie sanft. �Oder dachtest du, ich w�rde nicht st�ndig an dich denken?�</p><p>�Vermutlich haupts�chlich an mein Geld.�</p><p>�Rob, also wirklich! Denkst du etwa so von mir?�</p><p>�Kathleen, meine Liebe, du wei�t, dass ich selbst dir keine Katze im Sack abkaufe.�</p><p>�Du meinst, ich m�sste dir ein bisschen mehr bieten?�</p><p>�Ich wei� ganz gut, was du zu bieten hast...� Er machte dabei einen vielsagenden Gesichtsausdruck, und sie erwiderte ihn offenherzig. �Aber ich wei� auch�, fuhr er fort, �dass du nur eine Sendung meinst.�</p><p>�<emphasis>Nur</emphasis> eine Sendung?�, gab sie mit gespielter Entr�stung zur�ck. �Wenn das so ist, dann muss ich sie ja vielleicht doch CBS anbieten.�</p><p>Rob lachte auf. �Ist ja schon gut. Also zeig her!�</p><p>Sie grinste und reichte ihm eine Mappe �ber den Tisch. Er schlug die Unterlagen auf und studierte sie einen Augenblick.</p><p>�Eine neue Entdeckung?�, fragte er, ohne den Blick zu heben. �Wei� jemand davon?�</p><p>Kathleen stand auf und beugte sich �ber den Schreibtisch. �Nein�, sagte sie. �Ich habe es von einem Informanten. Es ist absolut aktuell, die Presse wei� noch nichts davon. Bis der Boulevard Staub aufwirbelt, habe ich schon eine ganze Reportage zusammengestellt! Dann haben wir die Nase wieder vorn!�</p><p>Rob sah auf. �Und wie kommt es, dass das Ganze so g�nstig sein soll?�</p><p>�Ich dachte mir, wir �ndern den Deal. Du beteiligst dich an den Spesen, und die Senderechte halbieren wir.� Sie deutete auf eine andere Seite der Unterlagen. �Daf�r will ich eine gestaffelte Pr�mie, die sich an den Einschaltquoten orientiert.�</p><p>Rob gab einige Zahlen in den Rechner ein. �Nach dem Stand der letzten Folge machst du damit Verlust.�</p><p>�Ich wei߫, gab sie zur�ck. �Aber diese neue Reihe wird einschlagen wie eine Bombe.�</p><p>�Du scheinst dir sehr sicher zu sein.�</p><p>�Ja, absolut!�</p><p>Rob sah sie eine Weile an. Dann nickte er. �Ist gut, einverstanden. Ich gebe es an die Rechtsabteilung weiter, die k�nnen die Details pr�fen.� Er reichte ihre eine Hand �ber den Tisch.</p><p>Sie ergriff seine Hand, zog ihn ein St�ck vor und k�sste ihn auf die Wange. �Danke, Rob, du bist ein Schatz!� Dann verlie� sie das B�ro, erfreut, ihr Ziel erreicht zu haben, und lie� den seufzenden Mann zur�ck.</p><empty-line/><p><emphasis>Atlantik, etwa achtzig Seemeilen n�rdlich von Great Abaco Island, Bahamas</emphasis></p><empty-line/><p>Gonz�lez starrte ungl�ubig auf das leuchtende Meer. Vor seinen Augen begann es zu strahlen, als bef�nde sich eine stetig gr��er werdende Lichtquelle unter Wasser. Etwas, das an die Oberfl�che strebte. Blasen durchbrachen die Wellen und zerplatzten zu wei�em Schaum. Der ganze Bereich unmittelbar um das Heck der<emphasis> Juanita</emphasis> herum begann zu brodeln.</p><p>Ein heftiger Schlag lie� das Schiff erbeben und schleuderte Gonz�lez beiseite. Er prallte gegen eine Luke und versuchte, sich mit seinen klammen Fingern daran festzuhalten. Unter sich sp�rte er, wie der Rumpf der<emphasis> Juanita</emphasis> knirschte. Dann schlugen erneut Wellen �ber das Deck, und das Schiff neigte sich zur Seite.</p><p>Alarmiert rappelte er sich auf und taumelte zur�ck zur Br�cke. Die T�r war aufgerissen und schlug in ihren Angeln. Er st�rmte hindurch. �Raul! Weg hier, volle Kraft!�</p><p>Der Bootsmann hantierte an den Instrumenten herum. �Es geht nicht!�, rief er.</p><p>Gonz�lez eilte auf ihn zu und dr�ngte ihn beiseite, sodass er gegen einen der Seeleute prallte, der erstarrt daneben stand. �Was soll das hei�en?!� Alle Anzeigen waren ausgefallen. Nachdem zun�chst nur die empfindlichen elektronischen Ger�te ausgefallen waren, war nun das ganze Schiff tot. �<emphasis>�Mierda!</emphasis>�, fluchte Gonz�lez und hieb auf die Konsolen ein. �Das darf doch nicht wahr sein! Los, alle Mann Rettungswesten anziehen.� Der Seemann sah ihn entgeistert an, r�hrte sich aber nicht. �Habt ihr nicht geh�rt? Sofort!�</p><p>Ein neuerlicher Schlag dr�hnte durch das Schiff. Die Schlagseite nahm zu. Gonz�lez hangelte sich an den Schr�nken entlang durch den Kommandoraum und die Treppe hinunter unter Deck.</p><p>�Rettungswesten an und alle an Deck! Los, los!�, schrie er durch den Gang. An den panischen M�nnern vorbei hastete er weiter nach hinten. Er �ffnete die T�r zum Maschinenraum und wollte ebenfalls hineinbr�llen, als ihm eine hei�e Wolke aus �lig stinkendem, bei�endem Dampf entgegenschlug. Er trat beiseite, wollte den Rauch entweichen lassen, doch mit einer pl�tzlichen Bewegung der<emphasis> Juanita</emphasis> schoss ihm ein Schwall Wasser entgegen. Das Schiff war leckgeschlagen! Das Wasser flutete bereits den Maschinenraum!</p><p>Gonz�lez stemmte sich gegen die T�r. Er musste sie schlie�en, wenn sie eine Chance haben wollten. Er st�tzte sich an der gegen�berliegenden Wand des schmalen Gangs ab und dr�ckte mit aller Kraft, bis es ihm schlie�lich gelang, die T�r wieder in ihre Position zu pressen, und ihr Schloss einschnappte. Es war kein regelrechtes Schott, nur eine einfache Stahlt�r, aber das musste gen�gen.</p><p>Er hastete den Gang zur�ck und hoch zur Br�cke. Seine M�nner hatten sich hier versammelt. Sie k�mpften mit der Schr�glage des Schiffs, lehnten an der Wand und bem�hten sich hektisch, ihre Westen anzulegen.</p><p>�Wo ist Pedro?�, fragte Gonz�lez. Er hoffte, dass der Ingenieur nicht im Maschinenraum eingeschlossen war. Ein schneller Blick �ber die verwirrten Gesichter der Anwesenden best�tigte seine Bef�rchtungen. F�r den Mann gab es keine Rettung mehr.</p><p>Ein gewaltiges Krachen fuhr durch das Schiff. Die<emphasis> Juanita </emphasis>b�umte sich nach hinten, und zwei der M�nner wurden durch den kleinen Raum geschleudert. Einer schlug mit den Z�hnen auf einen Handlauf aus Metall, der andere krachte gegen den T�rrahmen. Die<emphasis> Juanita</emphasis> hatte ihren gesamten Bug erhoben. Das Schiff stand fast zehn Grad geneigt im Wasser.</p><p>�Festhalten!�, br�llte Gonz�lez, der erwartete, dass das Schiff jeden Augenblick wieder zur�ckfallen w�rde. Doch einige schreckliche Augenblicke vergingen und nichts geschah.</p><p>�<emphasis>Padre nuestro, que est�s en el cielo...</emphasis>�<emphasis>,</emphasis> begann einer der Seem�nner, andere senkten ihre K�pfe.</p><p>�Ihr bleibt hier, ist das klar? Keiner geht nach unten�, rief Gonz�lez. �Wenn die<emphasis> Juanita</emphasis> sinkt, macht, dass ihr hier rauskommt!� Damit verlie� er die Br�cke und trat an Deck. Regen peitschte in sein Gesicht und raubte ihm fast den Atem. Durch die halb geschlossenen Augen nahm er wieder das Leuchten wahr, und er zwang sich, genauer hinzusehen. Das wei� sch�umende Brodeln hatte sich rund um das Schiff ausgebreitet. Das Wasser schien f�rmlich zu kochen, und obwohl sich der Bug der<emphasis> Juanita</emphasis> nun einige Meter aus dem Meer gehoben hatte, spritzte es von allen Seiten bis in diese H�he.</p><p>Gonz�lez griff nach der Reling und bahnte sich vorsichtig den Weg in Richtung des abfallenden Hecks. Als er ankam, traute er seinen Augen zun�chst nicht. Hier war der Ozean noch st�rker aufgew�hlt, fremdartige Wrackteile und undefinierbare Tr�mmer wurden von den Wellen umhergeschleudert. �ber die Slip bis weit �ber das Achterdeck war ein gewaltiger zusammenh�ngender Haufen aus Tang, Treibgut und Gestein auf das Schiff geschleudert worden. Der gr��ere Teil davon schien noch im Wasser zu h�ngen, denn er zog das Heck des Trawlers unter die Wasserlinie.</p><p>Ungl�ubig trat Gonz�lez n�her, bis ihm das �ber das Deck schlagende Wasser bis zu den Waden reichte. Aus der schwarz gl�nzenden Masse aus Treibgut und Bruchst�cken ragte ein Arm heraus.<emphasis> Pedro!</emphasis> Ins Meer gerissen, ausgespien und begraben in einem unentwirrbaren Tr�mmerhaufen, der nun nach der<emphasis> Juanita</emphasis> griff!</p><p>Gonz�lez wollte sich gerade abwenden, als er etwas in dem Haufen aufblitzen sah. Sein Blick blieb an einem unnat�rlich gl�nzenden St�ck h�ngen, das unter einem von Tang umklammerten Korallenbrocken hervorstach. Er beugte sich hinunter, ergriff die freiliegende Ecke des St�cks und versuchte, das Objekt freizubekommen. Es war Teil einer altert�mlichen Metallplatte. Und es war kein normales Metall. Es war Gold!</p><p>Gonz�lez lehnte sich mit dem ganzen K�rper in die Masse, dr�ckte sich zwischen die nassen Tr�mmer, stemmte sie weg und zog an der fingerdicken Platte. Gerade, als sie sich l�ste, gab der gesamte Haufen nach und rutschte weiter nach hinten. Entsetzt wollte Gonz�lez sich aufrichten, als er merkte, dass sich das gesamte Heck weiter absenkte. Doch sein �rmel hing an den scharfkantigen Korallen fest. Die Tr�mmer zogen ihn mit sich! Verzweifelt bem�hte er sich, sich loszurei�en, als eine gewaltige Welle �ber das Heck des Schiffes schlug und alles in einem tobenden Strudel aus Wasser und Dunkelheit verschlang.</p><empty-line/><p><emphasis>AUTEC U.S. Navy Recherche-Zentrum, Andros Island, Bahamas</emphasis></p><empty-line/><p>�Sir, wir haben einen Code f�nfzig, Sir!�</p><p>Der Soldat blieb in der T�r stehen und salutierte. Lieutenant Commander Walters sah von seinen Papieren auf. Er erinnerte sich vage an diese Bezeichnung, etwas Dringliches, aber seit seiner Stationierung auf Andros war es noch nicht vorgekommen.</p><p>�Danke�, sagte er schlie�lich und nickte. �Man soll alle Informationen zusammentragen, ich komme sofort.�</p><p>Als der Soldat gegangen war, stand Walters auf und �ffnete seinen Wandsafe. Neben einigen aktuellen Projektunterlagen befand sich hier auch eine Mappe mit vertraulichen Anweisungen und Ma�nahmeregelungen. Er schlug Code f�nfzig nach, las einige Abs�tze und legte das Material wieder zur�ck.</p><p>Kurze Zeit sp�ter betrat er den Kontrollraum der Luft- und See�berwachung. Die Anwesenden sahen auf und strafften sich, aber Walters hob nur eine Hand und winkte ab. Der wachhabende Unteroffizier kam auf ihn zu.</p><p>�Ich habe Sie informieren lassen wegen des Codes f�nfzig, Sir.�</p><p>�Und jetzt bin ich hier. Also schie�en Sie los.�</p><p>�Wenn Sie mir folgen m�chten, Sir.� Der Unteroffizier �ffnete die gl�serne T�r eines angrenzenden Besprechungszimmers. Dann dimmte er das Licht und bediente eine Computerkonsole, woraufhin die Projektion einer Karte an der Wand erschien.</p><p>Walters setzte sich und sah auf das Bild. Es war eine aus Satellitenaufnahmen zusammengesetzte Karte, die den Norden der Bahamas bis hinauf nach Abaco Island zeigte, sowie einen guten Teil des Atlantiks nord�stlich davon. In der Fu�zeile waren Angaben �ber Ma�stab, Datum, Uhrzeit sowie einige meteorologische Daten zu sehen.</p><p>Der rote Lichtpunkt eines Laserpointers erschien und wanderte �ber die Karte.</p><p>�Beachten Sie diese Region, Sir�, sagte der Unteroffizier. �Dieses Standbild ist vor etwa einer Stunde aufgenommen worden. Ich werde nun die Wolkenschichten einblenden, dann sehen Sie, dass der Himmel zwar bedeckt war, mit Windgeschwindigkeiten zwischen zwanzig und f�nfundzwanzig Knoten, also zum Teil starkem Wind, aber im ganzen Gebiet gab es keine St�rme oder Unwetter.�</p><p>Walters rieb sich den Nacken. Wetterkunde hatte er schon in der Ausbildung gehasst. Nun waren zwar die Visualisierungsmethoden fortschrittlicher geworden, aber das machte die Materie nicht wesentlich interessanter. Also sch�n, kein Unwetter im fraglichen Zeitraum, gut, weiter!</p><p>�Ich vergr��ere nun den entsprechenden Ausschnitt. Dies entspricht etwa einer H�he von f�nfzehn Meilen, und wenn ich Ihre Aufmerksamkeit nun auf die �berlagerten Daten aus dem Frequenzfilter-Scan lenken darf...�</p><p>An dem Mann ist ein Dozent verloren gegangen, �berlegte Walters.</p><p>�...dann erkennen Sie hier einen grauen Fleck im Wasser. Das ist eine Wei�wasserzone, sehen Sie? Und in den n�chsten drei�ig Minuten wurde sie best�ndig gr��er.�</p><p>�H�ren Sie�, sagte Walters, �das ist ja alles ganz interessant, aber es w�re wohl kein Code f�nfzig, wenn da nicht auch irgendwo ein Boot gewesen w�re, oder? Kommen Sie zum Punkt.�</p><p>�Ja, nat�rlich, Sir. Es geht um dieses Schiff hier.� Eine Route wurde eingeblendet, an deren Ende ein kleiner Kreis zu erkennen war. �Es war ein Trawler.�</p><p>�Ein Trawler?!� Walters st�hnte innerlich. Das blieb sicher nicht unbeachtet und konnte m�glicherweise �rger bedeuten.</p><p>�Ja, Sir. Ein kubanischer Trawler, um genau zu sein. Wir haben die Daten gepr�ft und festgestellt, dass er in den letzten Tagen in diesem Gebiet gekreuzt ist. Dabei hat er aber nicht gefischt. Allerdings haben wir Sonarechos aufgefangen. Wir gehen davon aus, dass es sich um eines dieser umgebauten Schatzsucherschiffe gehandelt hat.�</p><p>�Gute Arbeit�, sagte Walters und war erleichtert. In der Regel interessierte sich niemand daf�r, was mit solchen privaten Schiffen passierte. Und mit kubanischen Schatzsuchern schon gar nicht. �Was ist dann passiert?�, wollte er wissen.</p><p>�Nachdem das Schiff in die Wei�wasserzone geraten war, ist es keine f�nfzehn Minuten sp�ter vom Radar verschwunden.�</p><p>�Gesunken?�</p><p>�Vermutlich ja, Sir.�</p><p>�Notrufe?�</p><p>�Keine, Sir.�</p><p>�Gut, danke.� Walters erhob sich. Und daf�r der ganze Aufstand, dachte er. Andererseits war es Teil des Protokolls. Gl�cklicherweise waren die Umst�nde so gelegen, dass er nicht weiter t�tig werden musste. �Behalten Sie das Gebiet im Auge�, wies er den Unteroffizier an, �und melden Sie mir weitere Vorkommnisse, die damit in Zusammenhang stehen. Sie wissen, was Sie f�r einen Bericht zu schreiben haben?�</p><p>�Top Secret, Sir.�</p><p>�Gut. Wegtreten.�</p><empty-line/><p><emphasis>Atlantik, etwa achtzig Seemeilen n�rdlich von Great Abaco Island, Bahamas</emphasis></p><empty-line/><p>Als Gonz�lez die Wellen durchbrach, sog er gierig Luft ein, bevor er erneut unter Wasser gezogen wurde. Er wurde herumgewirbelt, unf�hig, oben und unten zu unterscheiden. Um ihn herum war ein tobendes Chaos aus Luftblasen, Schaum und Wrackteilen. Als Einziger der Besatzung hatte er sich keine Schwimmweste angezogen, aber es h�tte ihm auch wenig geholfen: Er w�rde im Strudel der Tr�mmer so lange mitgerissen werden, bis er ertrank. Etwas rammte ihn seitlich, und er griff danach. Es war rau und splittrig, ein gro�er Holzbalken oder etwas �hnliches. Er krallte sich fest und zog den Kopf ein, als er zusammen mit dem Holzst�ck von einer Str�mung erfasst wurde. Dann war er wieder an der Oberfl�che und schnappte nach Luft. F�r einen Augenblick meinte er die<emphasis> Juanita</emphasis> in der aufgew�hlten See tanzen zu sehen, aber er t�uschte sich. Er klammerte sich fester an das Holz und sah sich vorsichtig nach allen Seiten um. Noch immer regnete es, und der Wind riss die Spitzen der Schaumkronen ab, aber der Sturm hatte schon deutlich nachgelassen, und auch das Meer beruhigte sich. Das unwirkliche Leuchten war verschwunden und mit ihm das wei�e Brodeln. �ber das Wasser trieben Tanginseln, aus denen h�lzerne �berreste und anderer Unrat herausstanden. Von der <emphasis>Juanita</emphasis> war nirgendwo etwas zu sehen.</p><p>Gonz�lez entdeckte in einiger Entfernung eine gr��ere Ansammlung von Treibgut. Er strampelte mit den Beinen, um sein Holzst�ck im Wasser zu wenden und man�vrierte sich schlie�lich zu dem Haufen. Es waren mehrere ineinander verkeilte Balken, mit Seegras und Blasentang zu einem dichten Gespinst verwoben.</p><p>Er rettete sich auf das behelfsm��ige Flo�. Es schwankte und verschob sich unter ihm, aber es hielt. Auf dem Bauch liegend begann er, die Konstruktion zu verbessern. Er zog lange Streifen hellbraunen und schwarzen Tangs zwischen den Ritzen hervor und verwob sie mit anderen. Er griff nach h�lzernen Stangen und Resten von Brettern und schob sie so ineinander, dass sie sich noch fester verklemmten.</p><p>Er glaubte zu tr�umen, als er wieder etwas golden aufgl�nzen sah, genau so wie in dem Haufen, der auf das Heck der<emphasis> Juanita</emphasis> gesp�lt worden war. Gonz�lez beugte sich vor und griff tief zwischen zwei Balken hindurch, um das goldene Objekt zu fassen, das fast vollst�ndig unter der Wasserlinie zwischen den Tr�mmern hing. Es war eine schmale Platte, vielleicht dieselbe wie zuvor. Ein Prickeln durchlief ihn, als seine Finger ihre Oberfl�che ber�hrten. Diese Farbe! Fast meinte er, eine W�rme zu sp�ren, die von dem Gegenstand ausging. Er zog leicht an der Platte, doch sie schwang pl�tzlich nach unten. Sie war schwer! Er hielt sie nur noch mit drei Fingern, der Rest baumelte frei unter dem Flo� und drohte jeden Augenblick in die Tiefe zu sinken.</p><p>Verzweifelt rutschte Gonz�lez in eine g�nstigere Position, um mit seinem anderen Arm ebenfalls durch die L�cke im Treibgut greifen zu k�nnen.</p><p>�Gonz�lez!�</p><p>�berrascht drehte er den Kopf. Einige Meter vom Flo� entfernt schwamm ein Mann.</p><p>�Gonz�lez! Hilf mir!�</p><p>Es war Raul, der mit kraftlosen Bewegungen versuchte, sich �ber Wasser zu halten. Seine Schwimmweste war fort, er war ersch�pft und offenbar verletzt.</p><p>Gonz�lez wandte sich dem Mann zu, soweit es sein zwischen den Balken h�ngender Arm erlaubte, und streckte den anderen Arm zu ihm aus. �Komm her! Nimm meine Hand!�</p><p>Rauls Kopf sank unter Wasser. Dann schlugen seine Arme noch einmal aus, und er kam wieder hoch. Seine Kraft reichte nicht mehr f�r sinnvolle Schwimmbewegungen. �Hilfe!�, brachte er hervor, bevor ihm eine Welle �ber den Kopf sp�lte.</p><p>Gonz�lez musste ihm helfen! Aber er konnte nicht weg! Er zog seinen versenkten Arm versuchsweise heraus, doch die goldene Platte stie� dabei gegen die Unterseite des Haufens und glitt ihm fast aus der Hand. Nur noch mit eisern zusammengepressten Fingerspitzen hielt er die Kostbarkeit.</p><p>�Nur noch ein paar Meter�, rief er verzweifelt �ber das Wasser und streckte sich noch weiter, um Raul mit dem anderen Arm zu erreichen. Aber es war viel zu weit.</p><p>Raul sah auf, hieb um sich, doch schon wieder schwappte eine Welle �ber seinen Kopf, und er versank erneut. Einen Augenblick sp�ter stie� noch einmal ein Arm an die Wasseroberfl�che, dann verschwand auch er in der Tiefe.</p><p>�Nein!�, schrie Gonz�lez. In seinen Augen mischten sich Tr�nen mit dem Regenwasser, und zornig fluchte er in den Sturm. Dann dr�ckte er sein Gesicht in den nassen Tang des Flo�es. Er weinte und bebte, zun�chst vor Trauer, dann immer st�rker vor Wut. Er sammelte Kraft, und schlie�lich stie� er mit dem zweiten Arm in den Zwischenraum und hinunter zu der goldenen Platte. Er ergriff sie nun vollst�ndig und zerrte mit wilder Entschlossenheit an ihr, bis er sie wenige Minuten sp�ter zwischen den Tr�mmern hindurch und an die Oberfl�che gezogen hatte.</p><p>Er drehte sich ersch�pft auf die Seite und legte den Schatz neben sich. Die Platte war aus Gold, ohne Frage. Und sie war beschriftet! Spiralf�rmige Muster, feine Linien wie Konstruktionszeichnungen und Piktogramme einer fremden Sprache bedeckten die Oberfl�che. So etwas hatte er noch nie gesehen, aus keiner Zeit und von keiner Kultur, von der er je geh�rt h�tte. Aber wo sie herkam, dort w�rde es noch mehr davon geben.</p><p>Gonz�lez stie� eine Faust in Richtung Meer. �Bei diesem Gold schw�re ich, dass ich wiederkommen werde! Ich werde dir deine Sch�tze entrei�en und den Tod meines Bruders r�chen! Raul, h�rst du?! Ich komme wieder, und ich werde dich r�chen!�</p></section><section><empty-line/><p><strong>Kapitel 2</strong></p><empty-line/><p><emphasis>Regenwald, etwa sechzig Meilen n�rdlich von Flores, Guatemala</emphasis></p><empty-line/><p>Patrick erwachte wie schon in den letzten Tagen durch das enervierende Gezeter eines bestimmten Vogels. Sicher war es nicht derselbe, der ihnen st�ndig folgte, aber diese Art gab ein besonders schrilles Pfeifen von sich.</p><p>Er richtete sich in seiner H�ngematte auf und zog das Moskitonetz beiseite, das er am Ast �ber sich befestigt hatte. Ein Blick auf seine Uhr verriet ihm, dass es kurz nach sieben war. Das Zwielicht des Regenwalds w�rde sich bald noch etwas weiter aufhellen.</p><p>�Verdammter Mist�, fluchte er, als er entdeckte, dass er seine Stiefel in der Nacht auf den Boden gesto�en hatte. Er schwang sich hinunter und streckte sich.</p><p>�<emphasis>�Buenos d�as, se�or Patrick!</emphasis>�<emphasis>,</emphasis> rief einer der Scouts aus einer anderen Ecke des kleinen Nachtlagers.</p><p>�Ja, Morgen�, knurrte Patrick. Er zog eine Packung Zigaretten aus der Seitentasche seiner Hose, zog eine Filterlose hervor, formte sie gerade und steckte sie an. Nach dem ersten Zug lie� er sie im Mundwinkel baumeln und b�ckte sich nach seinen Schuhen. Er hielt sie an der Sohle fest und schlug sie mit der �ffnung nach unten mehrfach gegen einen Baum. Der erste Stiefel war leer, aus dem zweiten fiel ein fingerdicker Tausendf��ler auf den Waldboden und verschwand eilig zwischen den Bl�ttern.</p><p>�Los, hau ab, sonst kommst du in den Topf!�</p><p>Er zog die Stiefel an und ging zur Feuerstelle. Solange er zwei F�hrer dabei hatte, brauchte er sich nicht um die Verpflegung zu k�mmern, und auch die Gaskartuschen des Campingkochers konnten f�r Notf�lle aufgehoben werden. Die beiden entfachten an jeder Lagerst�tte ein kleines Feuer, das sie hegten und zum Kochen verwendeten. In diesem Fall f�r einen starken Kaffee, und der kam Patrick am Morgen gerade recht.</p><p>Er hatte die Scouts vor einigen Tagen in Flores angeworben. Sie waren mit einem alten Gel�ndewagen nach Carmelita gefahren, von wo aus immer wieder einige Survival-Touren und Dschungel-Exkursionen f�r abenteuerlustige Gro�st�dter angeboten wurden, die f�r l�cherlich viel Geld ein paar angeblich noch nie gesehene Maya-Ruinen in der Region erkunden wollten. Von Carmelita aus hatten sie sich in nord�stlicher Richtung in den Wald geschlagen. Allerdings hatte Patrick nicht vor, irgendwelche Maya-Tempel zu finden, dieses Mal ging es um etwas anderes.</p><p>Patrick setzte sich auf einen Holzstumpf neben dem Feuer, nahm einen Plastikbecher von Jaime, einem der Scouts, entgegen und f�llte ihn mit der mokkaartigen Br�he, die in der Blechkanne am Feuer vor sich hin kochte.</p><p>�Ist es noch weit,<emphasis> se�or</emphasis> Patrick?�, fragte Jaime.</p><p>�Wir kommen heute an, sch�tze ich.� Er nippte an dem Kaffee und sah sich um. �Wo ist denn Rodrigo?�</p><p>�Er sucht einen Weg,<emphasis> se�or.</emphasis>�</p><p>�Einen Weg? Er kann keinen Weg suchen. Er wei� doch gar nicht, wo wir hingehen!�</p><p>�Ja, ja�, Jaime nickte. �Deswegen sucht er �berall.�</p><p>Patrick sch�ttelte den Kopf. Er holte seinen GPS-Empf�nger und schaltete ihn an. Das Ger�t empfing die Signale mehrerer Satelliten und berechnete daraus die aktuelle Position. Eine Karte erschien oder vielmehr das, was eine Karte h�tte sein sollen. F�r diese Region war es allerdings nicht mehr als eine leere Fl�che mit einigen wenigen Stra�en, von denen sie inzwischen zu weit entfernt waren, um sie in dieser Zoomstufe zu sehen. Viel wichtiger waren ein paar andere Daten, die das Ger�t aus den Satellitensignalen berechnete.</p><p>�Es sind noch acht Kilometer�, sagte Patrick. �Und wir m�ssen genau in diese Richtung.� Er wies in den Wald, der nach allen Seiten hin gleich aussah. Tats�chlich wusste er nat�rlich nicht, ob es wirklich exakt acht Kilometer waren. Das Ger�t berechnete die Entfernung und die Richtung auf Basis der aktuell gemessenen Position und der Zielkoordinaten, die er zuvor eingespeist hatte. Da sie allerdings einen Ort erkunden wollten, den kein Mensch bisher vermessen hatte, der nicht einmal entdeckt worden war, hatte er diese Koordinaten nur sch�tzen k�nnen.</p><p>Er hatte Wochen in alten spanischen Bibliotheken in Toledo und Sevilla zugebracht und schlie�lich lange um eine Recherche-Erlaubnis in einem katholischen Archiv in Rom gek�mpft. Aber die Suche hatte sich gelohnt. Er war auf der Spur von Padre Guilherme de Navarra, einem Dominikanerm�nch, der im siebzehnten Jahrhundert in die Kolonien der neuen Welt strafversetzt worden war. Wie viele andere Geistliche im jungen Vizek�nigreich Neuspanien sollte er als S�hne die Heiden bekehren. Das Besondere an Padre Guilherme war, dass einige seiner �berlieferten Briefe aus dieser Zeit Hinweise auf einen besonderen Schatz enthielten. Der Padre hatte sich nicht bei einer der vielen Missionen gemeldet, wie es von ihm erwartet wurde, sondern war stattdessen tief in den Urwald Yucat�ns eingedrungen und hatte ohne Befugnis eine eigene Mission gegr�ndet. Patrick hatte die in den Briefen verstreuten Hinweise auf die Umgebung der Mission, die angegebenen L�ngen von Reisen und die Beschreibungen verschiedener Landmarken zusammengetragen und mit Satellitenbildern h�chster Aufl�sung verglichen. Seine eigene Erfahrung im mittelamerikanischen Urwald half ihm dabei, diese Informationen richtig einzusch�tzen; er wusste, wie das Gel�nde und der Regenwald beschaffen waren, er konnte nach vollziehen, wie aufwendig es hier war, Fl�sse zu �berwinden, und wie weit eine Tagesreise f�hren konnte. Auf diese Weise hatte er die wahrscheinlichste Lage der Mission ermitteln k�nnen, die nie gefunden wurde und die inzwischen vergessen war. Und diese Daten hatte er als Zielkoordinaten verwendet. M�glich, dass er sich dabei versch�tzt oder vermessen hatte, aber das w�rde er den beiden Scouts nat�rlich nicht auf die Nase binden.</p><p>Wie jeden Morgen gab es neben dem Kaffee eine im Feuer aufgew�rmte Dose mit Eintopf. Es war bei Weitem nicht die Art von Fr�hst�ck, wie Patrick es sich w�nschte. Genau genommen hatte er direkt nach dem Aufstehen �berhaupt keinen Hunger. Aber der Marsch durch den Dschungel war kr�ftezehrend, und sp�testens in einer Stunde w�rde er froh sein, etwas im Magen zu haben.</p><p>Sie brachen auf, als die ersten Sonnenstrahlen in den Baumkronen gl�nzten und der Wald schon kurze Zeit sp�ter schw�len Dunst zu schwitzen begann. Das allgegenw�rtige, lautstarke Zirpen der fremdartigen Insektenwelt umh�llte sie, schrille Vogelstimmen begleiteten sie und immer wieder das unwirkliche Geschrei der Br�llaffen in den Wipfeln. Patrick lie� die Scouts mit ihren Macheten vorangehen. Sie erkannten und schafften die leichtesten Durchg�nge in dem so dicht verflochtenen Wald, dass ein Unkundiger darin verzweifelt w�re. Stellenweise war der �bergang zwischen Unterholz, Lianen und B�umen nicht auszumachen, es war nicht immer klar, ob sie sich noch am Boden bewegten oder zwischen den starren Luftwurzeln der W�rgefeigen. Die Scouts mieden Pflanzen, deren Stacheln giftig waren, und sie vertrieben einige der Schlangen, die sich erschreckend h�ufig zwischen den �sten fanden. Die meisten Tiere lie�en sie jedoch unbehelligt, da sie angeblich ungiftig waren. Patrick hoffte, dass sie recht hatten. Er war kein Biologe oder Fachmann f�r die Tierwelt des Regelwalds. Im Grunde hatte er mit einer solchen Menge an Natur � und mehr Natur als hier war kaum m�glich � gar nichts am Hut. Tats�chlich war er gelernter Ingenieur, kein Naturbursche. Aber er verf�gte �ber ein gewisses pragmatisches Geschick und einen zumeist untr�glichen Instinkt. Das war der Grund, weshalb er sich nicht scheute, Expeditionen zu unternehmen. Nachdem er zu Beginn dessen, was andere vielleicht als Karriere bezeichnet h�tten, was aber nicht mehr war, als eine zuf�llige Entwicklung, einige arch�ologische Untersuchungen mit seiner technischen Expertise unterst�tzt hatte, war er zu dem Schluss gekommen, sein Wissen und seine F�higkeiten besser selbstst�ndig einzusetzen. Er hatte mit Forschungsrobotern gearbeitet und antike Ruinen untersucht, wenngleich nicht immer mit offizieller Genehmigung. Aber so hatte er einige aufsehenerregende Funde gemacht. Eine Zeit lang hatte er mit dem Gedanken gespielt, das sagenhafte Goldland Eldorado zu finden, aber er war an der Suche nach risikofreudigen Geldgebern gescheitert. Bis er den Professor kennengelernt hatte. Gemeinsam mit dem Geschichtsprofessor Peter Lavell hatte er zwei Projekte unternommen, die ihn f�r lange Zeit abgelenkt hatten. Nun waren zwei Jahre vergangen, und es hatte ihn in den Fingern gejuckt, erneut etwas zu unternehmen. Nichts Gro�es, keine Suche nach Eldorado, aber endlich einmal wieder einen handfesten Schatz. Etwas, das ihm gemeinsam mit dem Professor immer verwehrt worden war. Nun ging es um die Sch�tze des Padre Guilherme, und noch an diesem Abend wollte er die Mission gefunden haben.</p><p>Es war sp�ter Nachmittag, als sie die Zielkoordinaten erreichten. Der GPS-Empf�nger wies mit einem Signal darauf hin, dass sie sich nun mit der zu erwartenden Abweichung von einigen Metern am Zielort befanden. Diese Genauigkeit war nat�rlich tr�gerisch. Patrick rief den F�hrern zu, dass sie anhalten sollten, und blickte sich um. Der Wald sah nicht anders aus als zuvor, und auch in den letzten Stunden hatte er keine auff�lligen Strukturen entdeckt.</p><p>�Wir sind jetzt ganz in der N�he�, erkl�rte er. �N�here Daten gibt es nicht, jetzt m�ssen wir die Augen offen halten. Der Ort, den wir suchen, ist vor vierhundert Jahren verlassen worden. Zeit genug, f�r einige Generationen von diesen Urwaldriesen, um ihn zu �berwachsen. Eine Lichtung werden wir also nicht finden. Es war keine gro�e Mission. Es gab ein paar H�tten, von denen aber sicher keine Spuren mehr da sein werden, und ein Haupthaus, das aus Stein gebaut war. Es ist also denkbar, dass wir Mauerreste finden. Ach ja, und in der N�he muss sich eine Cenote befinden. Eine sehr kleine.�</p><p>Besonders f�r den letzten Hinweis schienen die Scouts dankbar zu sein, denn sie nickten und w�rden sich vermutlich an bestimmten Tieren oder Pflanzen orientieren, die sich in der N�he dieser wassergef�llten L�cher aufhielten. Cenoten entstanden aus H�hlen, die im Laufe von Jahrtausenden tief unter dem Urwaldboden durch das hindurchsickernde Regenwasser aus dem Kalkstein gewaschen wurden. Brach die Decke ein, bildeten sich oft kreisrunde L�cher. Manchmal mit nur zehn oder zwanzig Metern Durchmesser, aber zum Teil auch von der Gr��e eines Fu�ballfelds, mit steilen, steinernen W�nden, die bis zum Grundwasser hinabf�hrten. Inzwischen hatte man herausgefunden, dass es auf der Halbinsel Yucat�n �ber dreitausend solcher Cenoten gab, die gr��tenteils durch ein gigantisches unterirdisches, wassergef�lltes H�hlensystem � vielleicht sogar das gr��te H�hlensystem der Welt � miteinander verbunden waren. Padre Guilherme hatte von einer kleinen Cenote in der N�he seiner Mission berichtet, einem heiligen Platz der Maya, aber Patrick hatte auf den Satellitenbildern der Region im n�heren Umkreis seiner Koordinaten keine Wasserl�cher finden k�nnen. Allerdings waren die Bilder von verh�ltnism��ig grober Aufl�sung gewesen, sodass Objekte geringer Gr��e darauf schlicht nicht zu erkennen gewesen waren.</p><p>Es war Jaime, der zehn Minuten sp�ter aus einiger Entfernung rief. Als sie zu ihm aufschlossen, sahen sie, dass er tats�chlich eine Cenote gefunden hatte. Sie war nicht gro�, Patrick sch�tzte ihren Durchmesser auf zehn oder zw�lf Meter. Der Waldboden endete an einer steilen Kante. Wie ein Brunnenschacht f�hrten die W�nde nach unten, von wo ein glatter Wasserspiegel einem gr�nen Auge gleich in den Himmel starrte.</p><p>�Sehr gut�, sagte Patrick. �Es kann nicht mehr weit sein. Wir trennen uns. Ich gehe in einigem Abstand rechtsherum, ihr beide links. Und Jaime, du machst dabei einen noch weiteren Bogen als Rodrigo. Wir treffen uns auf der anderen Seite!�</p><p>Dieses Mal war es Patrick, der f�ndig wurde. Ein Wall versperrte seinen Weg. Zwischen den B�umen w�lbte sich das Unterholz mit einem Mal hoch, als w�chse es �ber ein Hindernis. Patrick hieb mit seiner Machete einige der Pflanzen beiseite und stie� auf eine Schicht aus Moosen und Humus, die er ebenfalls entfernte. Darunter kam eine niedrige Mauer aus Steinen zum Vorschein, eine Konstruktion von Menschenhand.</p><p>Er pfiff auf zwei Fingern, um die beiden F�hrer herbeizurufen, und verschaffte sich derweil selbst einen �berblick. Er stieg auf den Wall und begutachtete dessen Verlauf. Tats�chlich bildete die unter dem Waldboden fast unkenntliche Mauer ein gro�es Rechteck, wie das Fundament eines Hauses. Dies war die Mission!</p><p>�Hier ist es�, erkl�rte er, als Jaime und Rodrigo herbeikamen. �Wir m�ssen alle Pflanzen um die Mauern herum und im Innenraum entfernen.�</p><p>Sofort machten sich die M�nner an die Arbeit. Patrick hatte keine genaue Vorstellung davon, wo er in diesen kl�glichen Ruinen einen Schatz finden sollte, aber er hoffte, dass ihm sein Instinkt eine Eingebung schenken w�rde, sobald sie die Mission freigelegt hatten. Er vermutete, dass ihn der Anblick der Mauern inspirieren w�rde, wie es hier einmal ausgesehen haben mochte, und vielleicht fanden sie ja auch andere Reste, Schutt, Hinweise, irgendetwas au�er blo�en Steinen.</p><p>Zu dritt kamen sie gut voran, und noch vor der D�mmerung hatten sie nicht nur die Str�ucher, Ranken und jungen B�ume in der Mitte der Ruine entfernt, sondern auch eine meterdicke Schicht von Unterholz und Erde aus den letzten vierhundert Jahren abgetragen und waren schlie�lich auf einen mit Kalksteinplatten belegten Boden gesto�en, der offenbar einst den Fu�boden des Geb�udes gebildet hatte. Die Platten waren nicht mehr eben, an vielen Orten verschoben, von Pflanzen emporgehoben oder von Wurzeln durchdrungen und zersprengt worden. Auch war in der Mitte ein gro�er Baum mit fast einem Meter hohen Brettwurzeln gewachsen, ein noch junger Baumriese, der eines Tages mit seinem Umfang den gesamten Innenraum einnehmen mochte. Dennoch formte sich langsam das Bild eines schlichten Hauses, das hier, tief im Urwald Guatemalas eine Verbindung in das Spanien der Eroberer darstellte, eine unwirkliche Br�cke in die Vergangenheit.</p><p>In einer Ecke des Raums, direkt an einer Wand, fiel Patrick eine besonders gro�e Platte zwischen den kleineren auf. Vielleicht war hier einmal eine h�lzerne B�hne gewesen, auf der ein gezimmerter Altar gestanden hatte? Irgendeine Bewandtnis musste diese Unregelm��igkeit haben. Patrick holte einen der Klappspaten, die sie mitf�hrten, und kratzte die letzten Erdreste von der Platte. Als er dabei an einer Kante h�ngen blieb, entdeckte er, dass eine �se in den Stein gearbeitet worden war, in der ein zur Unkenntnis verrosteter, schmaler Metallring klemmte. Jedenfalls bis gerade eben, denn Patrick hatte ihn mit dem Spaten aus Versehen abgeschlagen.</p><p>Er kniete sich auf den Boden und wischte die Platte mit den H�nden sauber. Sie ma� fast einen Meter im Quadrat und war erheblich sorgf�ltiger gearbeitet als die Steine, die als Bodenfliesen dienten. Es war ein Zugang wie zu einem Keller oder einem Grab. Es musste m�glich sein, die Platte hochzuheben.</p><p>�Jaime, Rodrigo! Kommt her und helft mir!� Die beiden Scouts unterbrachen ihre Vorbereitungen f�r das Nachtlager und kamen herbei. �Wir brauchen etwas, das wir als Brecheisen benutzen k�nnen, oder ein Seil. Am besten beides.�</p><p>Die M�nner waren �hnlich praktisch veranlagt wie Patrick und verstanden sofort, was zu tun war. Wenige Augenblicke sp�ter hatten sie ein fingerdickes Kunststoffseil durch die �se und �ber den Ast eines Baums gef�hrt, sodass sie unter Einsatz ihres ganzen K�rpergewichts an der Platte ziehen konnten. Patrick hebelte gleichzeitig mit dem Spaten an der vorderen Kante, und in Minuten gab der Stein nach. Langsam hob er sich aus seiner Lage und klappte, dem Verlauf des Seils folgend, nach hinten weg.</p><p>Patrick sah in das entstandene Loch und zuckte kurz zusammen, als ihm ein Schwall faulig stinkender Luft entgegenschlug. Einige steinerne Stufen f�hrten hinab, h�chstens zwei Meter tief, wo bereits ein schwarzbrauner Boden zu sehen war.</p><p>Patrick ging zur Ausr�stung, holte seine Maglite-Taschenlampe heraus und ging die Stufen hinunter.</p><p>�Schei�e!�, fluchte er, als er statt auf den Boden des Kellerraumes in eine schlammige Br�he trat. Der jaucheartige Gestank von verfaulten Pflanzenresten drang aus dem z�hfl�ssigen Brei herauf. Vorsichtig tat Patrick einen weiteren Schritt und noch einen, bis es nicht mehr tiefer ging und er schlie�lich fast bis zum Knie in dem stinkenden Sud stand. Er lie� den Strahl der Maglite durch den Keller wandern. Die W�nde waren aus nat�rlichem Stein, der an einigen Stellen bearbeitet worden war, vermutlich, um den Hohlraum ein St�ck zu erweitern. Sie waren mit schwarzen Flecken aus Moosen und Pilzen �bers�t, und eine Vielzahl von Wurzeln drang durch die Decke und durch den Raum.</p><p>Patrick bewegte sich langsam vorw�rts, schob seine F��e durch den Schlamm, wobei glucksende Ger�usche entstanden. Jahrhundertelang war Regen durch den Waldboden und durch diesen Raum gelaufen, nichts Organisches, was einmal hier gewesen sein mochte, keine B�cher des Padres oder vielleicht seine Leiche, konnte noch erhalten sein, die Feuchtigkeit w�rde alles zersetzt haben. Aber wenn Padre Guilherme einen Schatz geh�tet hatte, dann war es nur wahrscheinlich, dass er ihn hier unten aufbewahrt hatte. Und Edelsteine verrotteten bekanntlich nicht.</p><p>�<emphasis>�Se�or</emphasis> Patrick! Ist alles okay?� Es war die Stimme von Jaime, die vom Eingang her zu ihm herunterdrang.</p><p>�Ja, keine Sorge. K�mmert euch um das Feuer, bin gleich wieder da.�</p><p>Patrick ging vorsichtig weiter. Auf keinen Fall wollte er in dieser Kloake ausrutschen. Er �berlegte, weswegen der Raum nicht noch h�her unter Wasser stand. Anscheinend war das Gestein so durchl�ssig, dass es immer wieder ausreichend ablief. Tats�chlich traf das ja auf die ganze Gegend zu, sodass sie von Cenoten und kleineren ausgeschwemmten Hohlr�umen durchzogen war. Wie der Padre diese H�hle gefunden hatte, um seine Mission geradewegs dar�ber zu errichten, war ein R�tsel. Aber vielleicht war es ja auch nur Zufall gewesen.</p><p>Das Licht seiner Taschenlampe fiel auf eine Ausbuchtung in der Wand. Dort hatte man eine Nische in den Fels gearbeitet. Patrick ging hin�ber und untersuchte sie. Sie war nur etwa h�fthoch. Er streckte einen Fu� hinein und stockte, als er gegen ein Hindernis stie�, etwas, das in der Br�he lag. Vielleicht ein Stein, oder vielleicht auch etwas, das der Padre hinterlassen hatte?</p><p>Patrick z�gerte, ob er sich hinunterbeugen und mit den Armen in der Jauche w�hlen sollte, als er ein bedrohliches Knirschen hinter sich h�rte. Es klang nach mahlendem Stein, und es klang hohl. �Verdammt!�, zischte er, als eine ruckartige Bewegung durch den Boden lief. Dann platzte etwas lautstark hinter ihm, brach auseinander. Er fuhr herum und sah mit Schrecken, dass sich der gesamte Boden senkte. Oder jedenfalls der Fl�ssigkeitspegel. Der Stein unter seinen F��en schien noch stabil, aber etwas war geschehen, und der faulige Brei lief mit erschreckender Geschwindigkeit ab. Wieder knirschte es, und dieses Mal gaben gro�e Teile des Bodens nach, st�rzten in sich zusammen und rissen die z�he Br�he mit sich. Der gesamte Boden brach ein! Unter dem Keller befand sich ein weiterer H�hlraum, erkannte Patrick, vielleicht eine regelrechte Cenote, die viele Meter in die Tiefe bis zum Grundwasser f�hrte! Er presste sich an die Wand, suchte am Stein Halt.</p><p>�Hey, Jungs! Ich brauche eure Hilfe! Und zwar schnell!�</p><p>Er tastete mit den F��en in Richtung der Treppe, trat ins Nichts, und die Maglite zeigte ihm, dass der Boden dort bereits fehlte. Er stand nur mehr auf einem Sims, und auch der konnte jederzeit unter ihm wegbrechen.</p><p>�Wirf mir ein Seil r�ber, los!�, rief er, als er sah, wie sich Jaime die Treppe hinunterbeugte.</p><p>Der Mann verschwand. Die Sekunden zogen sich scheinbar endlos. Um Patrick herum �chzte das Gestein. Es war so gut wie sicher, dass der Einbruch noch nicht zum Stillstand gekommen war. Endlich erschien der Scout wieder und machte Anstalten herabzusteigen.</p><p>�Nein, bleib da oben!�, rief Patrick. �Hier ist nichts mehr stabil!�</p><p>Jaime zog sich wieder ein St�ck zur�ck, gerade so weit, dass er das Ende seines Seils in den Keller und zu Patrick werfen konnte. Er hatte es mit einem Stein beschwert, und es landete direkt hinter Patrick. Als er sich danach b�ckte, fiel der Schein seiner Taschenlampe erneut in die Nische. Auch hier war der Morast weitgehend abgelaufen, und nun war darunter eine Truhe sichtbar geworden.</p><p><emphasis>Der Schatz!,</emphasis> dachte Patrick. Er untersuchte die Truhe. Sie war aus Holz, fast schwarz und hatte eine schleimige Oberfl�che. Ein Wunder, dass sie die Jahrhunderte �berstanden hatte und nicht l�ngst in sich zusammenfallen war. Es musste ein besonders resistentes Tropenholz sein, oder vielleicht war es impr�gniert worden, �berlegte er. Er versuchte, die Truhe anzuheben. Vollgesogen mit Wasser wog sie wie Blei, und sie wies keine Griffe auf. Man musste sie mit beiden Armen hochwuchten, und vermutlich war sie selbst daf�r zu schwer.</p><p>Auf dem schmalen Sims, auf dem Patrick stand, hatte er kaum die M�glichkeit, sich vern�nftig zu bewegen. Vollkommen aussichtslos, die Truhe hochheben zu wollen. Au�erdem musste er sich selbst mit dem Seil von Jaime sichern, um nicht abzust�rzen. W�hrend er das Seil an seinem G�rtel befestigte und eine Schlaufe f�r seine H�nde vorbereitete, �berlegte er fieberhaft. Ein weiteres Seil? Nein, von der Treppe her konnten sie die Truhe nicht hochziehen, sie w�rde �ber den Boden schleifen, in das Loch vor der Treppe st�rzen und gegen die W�nde schlagen. Bretter! Sie konnten Bretter �ber den Boden legen, von der Treppe zum Sims und die Truhe so dar�ber ziehen.</p><p>Es blieb ihm keine Zeit, weiter dar�ber nachzudenken. Mit einem pl�tzlichen Krachen st�rzte die gegen�berliegende Wand des Kellers in sich zusammen, riss Teile der Decke heraus, und mit gewaltigem Get�se brach der Baum mit seinen Brettwurzeln durch die Kellerdecke, durchstie� die letzten Reste des Fu�bodens und fuhr wie ein Speer in die sich �ffnende Cenote zu Patricks F��en. Um ihn herum platzten Steinbrocken aus der Wand, der ganze Raum schien zu implodieren. Der Baum rutschte tiefer und riss mit seinen �sten weitere Teile der Decke auseinander, Zweige peitschten an Patrick vorbei, der sich so dicht wie m�glich auf seinem Sims an die Wand presste. Und endlich kam der Urwaldriese zum Stehen, blieb mit dem oberen Teil seiner Krone in dem Krater h�ngen.</p><p>�<emphasis>�Se�or</emphasis> Patrick! Alles gut?�, h�rte er Rodrigo von oben zwischen den �sten rufen.</p><p>�Ja! Aber vielleicht nicht mehr lange!� Das Seil, das er von Jaime bekommen hatte, nutzte ihm im Augenblick nichts, denn das Ge�st des Baums versperrte den Weg zu den Stufen, die nach oben f�hrten. Er musste irgendwie durch die Decke... Er konnte den Rand der herausgebrochenen Teile mit ausgestreckten Armen �ber sich sp�ren, aber hinaufspringen, um sie zu ergreifen, war wohl wenig sinnvoll. Zu gro� war die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Steine ebenfalls l�sten und er fallen w�rde. Und der kleine Vorsprung unter ihm, der ihm diese Galgenfrist gew�hrte, w�rde das sicher auch nicht aushalten.</p><p>Schon gaben die Steine unter ihm nach. Seine Beine rutschten ins Leere. Er lie� die Taschenlampe fallen und griff nach den Zweigen vor ihm, glitt ab, krallte sich erneut in das Gr�n und bekam schlie�lich einen Ast zu fassen, als sich gleichzeitig das Seil an seinem G�rtel spannte. Er hing im Baum, seine Beine baumelten �ber dem Abgrund. Er suchte mit den F��en einen Stand. Solange der Baum nicht vollends versank, war er sicher.</p><p>�Ich habe Sie,<emphasis> se�or!</emphasis>�<emphasis>,</emphasis> h�rte er Jaime aus Richtung der Treppe rufen. Aber das nutzte ihm wenig. Wenn der Baum ihn mit sich nach unten riss, w�rde Jaimes Seil ihn auch nicht mehr halten k�nnte. Er musste nach oben!</p><p>Er hangelte behutsam nach einem h�heren Ast und pr�fte, ob dieser fest genug war. Er befand sich nur wenig unterhalb des Bodenniveaus, unter normalen Umst�nden w�re es kein Problem, einfach aus dem Loch zu klettern. Nur konnte er sich nicht sicher sein, dass der Baum nicht pl�tzlich doch noch tiefer absackte. Aber er musste es wagen, eine andere M�glichkeit hatte er nicht. Er l�ste das Seil von seinem G�rtel, als Rodrigo ihm ein anderes durch die �ste herabwarf. Es blieb zu weit von Patrick entfernt h�ngen. Rodrigo zog es wieder ein und warf erneut, bis es nah genug landete, sodass Patrick es erreichen und sich erneut daran befestigen konnte. Dann begann er mit dem Aufstieg. Einige nervenaufreibende Minuten sp�ter war er so weit in die Krone geklettert, dass er mit einem weiten Satz auf festen Boden springen konnte.</p><p>Erleichtert setzte er sich auf den Boden, schn�rte sich los und atmete aus. Er z�ndete sich eine Zigarette an, reichte den beiden Scouts, die ihm erfreut auf die Schulter klopften, je eine und betrachtete die Verw�stung. Der Fu�boden der einstigen Mission war so gut wie vollst�ndig verschwunden. Aus dem schwarz g�hnenden Loch ragte der obere Teil des Urwaldriesen heraus, wie ein �bergro�es Geb�sch. Der Stamm war f�nf, vielleicht zehn Meter tief in der Cenote verschwunden und hatte vermutlich nicht einmal den Boden erreicht.</p><p><emphasis>Der Schatz!</emphasis> Er musste an die Truhe gelangen! Noch stand sie in der Nische der letzten Wand, die nicht zusammengefallen war. Er besprach den Plan mit Jaime und Rodrigo, die kurz darauf mit betriebsamen Vorbereitungen besch�ftigt waren. Aus mehreren Seilen, Riemen und Gurten konstruierten sie eine Vorrichtung, mit der sie Patrick wie einen Freeclimber sichern konnten. Mit weiteren Gurten, Karabinerhaken und einer Machete best�ckt, machte er sich noch einmal an den Abstieg, dieses Mal direkt von oberhalb der Stelle, an der sich die Truhe befand. Um das Gestein nicht zu belasten, benutzte er den Baum und achtete darauf, dass sich seine Aufh�ngung nicht in den �sten verfing und er im Zweifelsfall nicht mitgerissen werden konnte. Dann stie� er sich ab und schwebte, nur von den Seilen gehalten, in der Luft zwischen den �sten und der Truhe. Er schob die Machete unter das modrige Holz, hebelte es ein St�ck an, f�delte die Gurte mehrfach darunter hindurch und befestigte sie mit den Karabinerhaken. Dann ergriff er die Verschn�rung mit seinen H�nden. �Ich habe sie!�, rief er, und kurz darauf wurde er langsam nach oben gehievt. Die Truhe hatte einiges Gewicht, aber es gelang Patrick, sie so lange zu halten, bis er wieder �ber der Erde war. Dann schwenkten ihn die Scouts herum, sodass sie ihn schlie�lich au�erhalb der Ruine absetzen konnten. Die gesamte Aktion hatte vermutlich f�nf Minuten gedauert, aber Patrick war schwei�gebadet.</p><p>W�hrend Jaime und Rodrigo nun endlich das Lagerfeuer entfachten, begann er, das Holz zu untersuchen. Es war schwarz und glitschig nass, aber es war noch erstaunlich stabil. Die Truhe hatte keine Beschl�ge, es war eine rundum fest verschlossene Kiste. Patrick entdeckte fast vollst�ndig zugequollene L�cher, in denen sicher N�gel steckten, wenn sie sich nicht schon aufgel�st hatten. Aber wenn das Holz hart genug und wasserabweisend war, mochten sie sogar noch erhalten sein; m�glicherweise der Grund, weswegen die Konstruktion noch immer zusammenhielt.</p><p>Er entdeckte eine schwach auszumachende Linie rund um den oberen Teil und begann vorsichtig, an dieser Stelle mit einem Messer in das Holz einzudringen und es auseinanderzudr�cken. Nach und nach erweiterte er den Spalt, bis er den Deckel mit einer letzten Kraftanstrengung aufgebrochen hatte. Tats�chlich war er mit fingerlangen schmiedeeisernen N�geln befestigt gewesen, die noch so ungeheuer fest steckten, als seien nicht Jahrhunderte, sondern nur Tage vergangen. Wom�glich hatte das Holz sich in der Feuchtigkeit sogar nur noch fester zusammengezogen.</p><p>Er sp�hte in die Truhe. Seine schwache Hoffnung, dass der Inhalt unversehrt geblieben war, wurde entt�uscht. Nat�rlich war Wasser eingedrungen, vielleicht schon sehr fr�h. Im Inneren befand sich eine �hnlich modrige Br�he, wie im gesamten Kellerraum. Patrick fuhr mit der Hand in die stinkende Masse. Etwas Organisches war hier vermodert, vielleicht alte Leinen oder Papier. In dem Brei sp�rte er ein schweres Objekt. Er zog es heraus. Es war ein kleines Altarkreuz. Nur vierzig oder f�nfzig Zentimeter gro�. Es war schwarz und wog schwer. Patrick wischte den gr�bsten Dreck herunter und erkannte, dass es nicht aus Eisen war, sondern aus Silber. Angelaufen, kaum zu erkennen, aber es war Silber. Und in den Armen waren Steine eingefasst. Eine vierhundert oder f�nfhundert Jahre alte Kostbarkeit aus der Zeit der Konquistadoren!</p><p>War das der Schatz, von dem der Padre geschrieben hatte? Aber hatte er nicht erw�hnt, dass ihm die Maya Sch�tze gebracht h�tten? Er w�rde doch wohl kaum sein eigenes Altarkreuz erw�hnen...</p><p>Noch einmal griff Patrick in die Truhe. Er meinte schon, den Boden zu sp�ren, bis er feststellte, dass es etwas anderes war, gro� und mit einer ebenen Oberfl�che. Er konnte es kaum herausheben. Nun griff er auch mit der anderen Hand hinein, und kurz darauf hob er einen Klotz hervor, fast so lang und breit wie die Truhe und etwa zehn Zentimeter dick. Er war mit organischem, faserigem Brei umwickelt, der ehemals ein Stoff gewesen sein mochte, und wog so viel wie eine Bleiplatte.</p><p>Patrick legte das Objekt auf seinen Schoss und befreite es von den vermoderten Resten.</p><p>Sein Atem stockte, als er sah, was er entdeckt hatte.</p><p>Pures Gold strahlte ihm entgegen, so gl�nzend wie am ersten Tag. Es war eine Tafel, �bers�t mit feinen Zeichnungen und sorgf�ltig eingearbeiteten Maya-Glyphen. Sie war am Rand mit gro�en goldenen Ringen versehen, und als Patrick die Platte zur Seite klappte, erkannte er, dass es sich um ein Buch handelte. Ein Buch mit Bl�ttern aus d�nn gewalztem Gold, beschriftet mit der gr��ten Menge an Maya-Glyphen, die er jemals gesehen hatte.</p><p>Das war der Schatz des Padre! Eine �berlieferung der Maya, f�r alle Ewigkeit in das kostbarste Metall gearbeitet, dem die Zeit nichts anhaben konnte.</p><p>Die Suche hatte sich gelohnt!</p><empty-line/><p><emphasis>Lateinischer Friedhof �Terra Santa�, Bab Sharq, Alexandria</emphasis></p><empty-line/><p>Peter Lavell stand am unteren Ende der Stufen und sah auf den Torbogen, der als Eingang des Alabastergrabes bekannt war. Hinter ihm kam Yves Pouilloux die Treppe herab.</p><p>�Ich versprach Ihnen ja, dass es nicht weit ist�, sagte der Franzose.</p><p>Peter nickte. Er war froh, dass sie auf dem Weg durch die Stadt einen klimatisierten Wagen gehabt hatten. Denn kaum war er drau�en, trat ihm schon der Schwei� auf die Stirn. Es wunderte ihn nicht, dass so viele der hier arbeitenden M�nner H�te oder wenigstens M�tzen trugen. Zwar standen auf dem Gel�nde des alten Friedhofs einige Akazien und Zypressen, aber Schatten gab es kaum. In fr�heren Jahren h�tte ihm die Hitze weniger ausgemacht, aber nun hatte er die sechzig �berschritten und war weit weniger r�stig. Der geb�rtige Engl�nder lebte und arbeitete in Hamburg, und weder sein B�ro im Museum f�r V�lkerkunde noch das oft feuchte und windige Klima in der Hafenstadt pr�destinierten ihn f�r diese Breiten. Nun war es hier noch halbwegs gem��igt. Er erinnerte sich an seinen letzten Aufenthalt in �gypten vor zwei Jahren. In Kairo war es noch schlimmer gewesen.</p><p>�Kommen Sie, Professor Lavell�, sagte der Franzose, �ich bringe Sie zum Team.�</p><p>Peter folgte dem Mann. Yves Pouilloux arbeitete f�r das Centre d'Etudes Alexandrines, eine ortsans�ssige franz�sische Organisation, die arch�ologische Untersuchungen in Alexandria durchf�hrte. Sie war erst seit 1990 hier t�tig, hatte aber in dieser Zeit gro�e Fortschritte gemacht, sowohl in der Stadt als auch im Hafengebiet. Dabei ging es in erster Linie um die ptolem�ische Zeit der �gyptischen Geschichte, aber nat�rlich fanden sich neben den griechischen auch r�mische �berreste und Spuren aus sp�teren Zeiten.</p><p>Yves brachte Peter zu einer Betonh�tte, neben der ein gro�es Zelt stand. Hier waren Tische aufgebaut, und eine Vielzahl von wissenschaftlichen Mitarbeitern und Helfern war besch�ftigt. Sie sahen auf, als der Ausgrabungsleiter mit seinem Gast n�her kam.</p><p>Peter wurde einigen Leuten vorgestellt, l�chelte und ging schlie�lich mit dem Franzosen in das schlichte H�uschen. Es war nicht mehr als ein gro�er Raum, aber hier war es schattig, und Peter war froh, als ihm ein Stuhl angeboten wurde.</p><p>�Ich freue mich sehr, dass Sie die Reise auf sich genommen haben�, sagte Yves. �Wir haben auf Sie gewartet und noch nicht mit dem Durchbruch begonnen. Sie sollten unbedingt dabei sein.�</p><p>�Sie haben die Arbeiten nur meinetwegen ruhen lassen?�, fragte Peter.</p><p>�Aber nein!� Der Franzose l�chelte. �Es gab genug andere Dinge zu tun. Au�erdem: Wir haben so lange darauf gewartet, da kam es auf zwei Tage mehr oder weniger nicht an. Sie haben ja keine Ahnung, wie schwierig es ist, hier eine Genehmigung zu bekommen!<emphasis> Bukra, bukra,</emphasis> hei�t es hier: Morgen, morgen. Was auch n�chstes Jahr hei�en kann... Nun, sicher kennen Sie das selbst.�</p><p>�Die Beh�rden sind �berall auf der Welt die gleichen�, best�tigte Peter.</p><p>�Was die Arbeit hier erschwert, ist, dass eine einzelne Genehmigung nicht ausreicht. Das SCA zu �berzeugen, ist dabei das kleinste Problem...�</p><p>�Das Supreme Council of Antiquities, die �gyptische Altert�merverwaltung?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich hatte bereits das zweifelhafte Vergn�gen, Dr. Aziz kennenzulernen.� Peter dachte zur�ck an sein letztes Projekt in Kairo. Sein erfolgloser Besuch beim Vorsitzenden der Zentralbeh�rde war ihm in lebhafter Erinnerung � ebenso wie der sp�tere Einbruch in dessen Haus. Er schmunzelte bei dem Gedanken.</p><p>�Aber Dr. Aziz ist nicht das Problem�, fuhr der Franzose fort. �Wir arbeiten sehr gut und eng mit dem SCA zusammen. Nein, es geht um etwas anderes. Sehen Sie, hier nebenan liegt ein griechisch-orthodoxer Friedhof, auf der anderen Seite ein katholischer. Und es gibt noch mehr: einen griechisch-katholischen, einen armenisch-koptischen, einen koptischen und sogar einen britischen Soldatenfriedhof. Sie wurden alle im Lauf der Jahrhunderte hier gebaut, ja die ganze Stadt ist �ber diesen Fleck gewuchert. An vielen Orten, die ehemals zu diesem Gel�nde geh�rt haben, stehen heute Geb�ude. Dort k�nnen wir nur graben, wenn einmal etwas eingerissen und neu gebaut werden soll. Dann bekommen wir � wenn wir rechtzeitig zur Stelle sind � mit Gl�ck ein paar Tage Zeit, unter den Fundamenten nachzusehen. Und was dieses freie St�ck hier angeht: Durch die angrenzenden Friedh�fe m�ssen wir an unz�hligen Stellen um Genehmigungen betteln.�</p><p>�Und nun haben Sie eine bekommen�, konstatierte Peter.</p><p>�Ja. Und wie ich Ihnen bereits schrieb, erhoffen wir uns eine ganz besondere Entdeckung.�</p><p>�Sie suchen das Grab Alexanders des Gro�en.�</p><p>�Es ist eines der ber�hmtesten Gr�ber der Weltgeschichte! Ach, Ihnen muss ich das nicht sagen. Wir haben die Arbeit von Professor Fausi el-Facharani �bernommen. Er war es ja, der vor zehn Jahren hier mit den Untersuchungen begann.�</p><p>Yves stellte zwei Gl�ser auf den Tisch und schenkte Wasser ein.</p><p>Peter nahm sein Getr�nk dankend entgegen. �Das Alabastergrab wurde seit seiner Entdeckung immer wieder f�r das Grab eines ptolem�ischen Herrschers gehalten�, sagte er und nahm einen Schluck. �Aber ob es ausgerechnet das von Alexander dem Gro�en war? Au�erdem: Alexandria hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Hier steht sicher kein Stein mehr dort, wo er einmal gewesen ist. Der �berlieferung nach � oder sagen wir lieber<emphasis> einer</emphasis> �berlieferung nach � sollte sich das Grab Alexanders des Gro�en im Zentrum der Stadt befunden haben. Aber wo ist dieses antike Zentrum heute?�</p><p>�Ganz richtig, das war die Frage�, erkl�rte Yves. �Es gab zwar schon l�nger die Vermutung, dass sich das Zentrum m�glicherweise genau hier, unter dem Lateinischen Friedhof befunden hatte. Aber auf eine blo�e Ahnung hin kann man einer lebenden, modernen Stadt nat�rlich nicht einfach die Fundamente wegschaufeln.�</p><p>�Und jetzt sind Sie sich sicher?�</p><p>�Ja. Wir konnten die Bodenbeschaffenheit mit einem verbesserten elektromagnetischen Reflexionsverfahren systematisch nach m�glichen Hohlr�umen oder Fremdk�rpern in den Gesteinsschichten durchsuchen. Und jetzt, viele Probebohrungen sp�ter, sind wir so weit: Wir haben einen Gang freigelegt und eine an seinem Ende liegende T�r. Wir m�chten sie unter Ausschluss der �ffentlichkeit untersuchen, herausfinden, was sich dahinter verbirgt, und Sie haben wir eingeladen, damit Sie diesem Ereignis beiwohnen!�</p><p>�Wie sind Sie auf mich gekommen?�, fragte Peter. �Es gibt viele andere Historiker, die mehr �ber Alexander den Gro�en wissen als ich. Die sich spezialisiert haben. Und was ist mit den gro�en �gyptologen? Franck Goddio f�llt mir sofort ein.�</p><p>�Alles zu seiner Zeit. Es gibt nur einen ersten Augenblick, und den m�chte ich nicht mit einem ganzen Reisebus von Zuschauern teilen. Zudem...�, Yves machte eine Pause und beugte sich nach hinten, von wo er eine Schachtel hervorholte. �Zudem haben Sie offenbar einen G�nner in Kairo.�</p><p>Peter sah den Franzosen fragend an.</p><p>�Ich habe ein Schreiben der SCA erhalten, das Sie ausdr�cklich empfiehlt.�</p><p>�Mich empfiehlt? Etwa von Dr. Aziz? Das ist unlogisch... Und au�erdem: Weshalb ist er nicht selbst hier? Er scheint mir doch sonst auch keine Gelegenheit auszulassen, �berall dabei zu sein und sein Gesicht in die Kamera zu strecken.�</p><p>Yves zuckte mit den Schultern. �Oh, fragen Sie mich nicht, warum. Offen gestanden wundere ich mich �ber die Anwandlungen der SCA schon lange nicht mehr. Aber freuen Sie sich einfach. Und dieses P�ckchen hier kam heute Morgen f�r Sie an.� Er �bereichte dem Professor die Schachtel. �Es steht kein Absender darauf. Nur eine Reihe von Hieroglyphen, dort, sehen Sie? Es bedeutet...�</p><p>�<emphasis>Thot Wehem Ankh Neb Seshtau</emphasis>�, vollendete Peter. �<emphasis>Der Wiedergeborene Thot, Herr der Geheimnisse.</emphasis> Ich kenne diesen Absender.� Er l�chelte, als er sich an die Erlebnisse in Kairo erinnerte. Hierhinter verbarg sich eine geheime Gesellschaft, die ihm manche Steine in den Weg gelegt hatte, bis am Ende klar geworden war, welche Ziele sie eigentlich verfolgte. Sie waren im Guten auseinandergegangen. Allerdings hatte er nicht erwartet, jemals wieder von den Leuten zu h�ren. Er �ffnete das P�ckchen. Zuoberst lag eine Postkarte. Es war eine Ansicht des �gyptischen Museums in Kairo. Die R�ckseite enthielt nur eine Zeile:</p><p><emphasis>Wissen, Erkenntnis und Weisheit. M.</emphasis></p><p>Unter der Karte, in das Papier einer �gyptischen Tageszeitung gewickelt, kam eine Statuette zum Vorschein, eine ibisk�pfige Gestalt in schreitender Pose. Es war der �gyptische Gott Thot, Begr�nder der Schrift und der Wissenschaften, der Kulturbringer der alt�gyptischen Tradition. Peter kannte die Figur. Es war die gleiche, vielleicht sogar dieselbe, die vor einigen Jahren auf dem Schreibtisch von Oliver Guardner gestanden hatte. Jenem alten Herrn, der ihn zur Suche nach der �Quelle des Wissens� eingeladen hatte, die ihn bis tief unter die W�ste und die Nekropole von Sakkara gef�hrt hatte. Damals hatte er auch Melissa kennengelernt, und das �M� war nichts anderes als ihre Unterschrift. Jetzt wusste er nicht nur, dass seine Schritte erneut beobachtet wurden, sondern auch, dass man sie guthie� und dass Melissa ihren positiven Einfluss sogar bis in die Altert�merverwaltung ausgebreitet hatte. Es war ein sch�nes Gef�hl, und mehr Worte als jene auf der Karte waren nicht notwendig.</p><p>�Ein Geschenk?�, fragte Yves.</p><p>�Ein Segen. Von guten Freunden�, antwortete Peter.</p><p>�Wunderbar. Dann k�nnen wir uns nun zur Ausgrabung begeben. Sind Sie bereit?�</p><p>�Ja, einverstanden.�</p><p>Der Franzose f�hrte Peter hinaus, �ber das Gel�nde und zu einem knapp zwei Meter tiefen Schacht, der von einem gro�en Zelt �berspannt wurde. Sie duckten sich unter der tief h�ngenden Plane hindurch und gingen einige Stufen hinab, die in das Erdreich gegraben worden waren. Am Boden der Grube war der obere Absatz einer schmalen Treppe freigelegt worden, die in einem schr�g abfallenden Gang tiefer f�hrte, in �hnlicher Weise wie die Zug�nge der Gr�ber im Tal der K�nige konstruiert waren.</p><p>Yves nahm eine Taschenlampe von einem der umherstehenden Assistenten entgegen. �Kommen Sie, Professor Lavell�, sagte er und betrat den Gang.</p><p>Sie waren der Treppe erst wenige Meter gefolgt, als erste Beklemmungsgef�hle Peter befielen. Er sp�rte das Gewicht der Steine und der Erde �ber ihm, und trotz des Scheins des Eingangs hinter ihm und des Lichtkegels der Taschenlampe vor ihm dr�ngte die Dunkelheit an ihn heran. Er hatte bemerkt, dass es mit dem Alter schlimmer wurde. Er konnte sich nicht erinnern, dass er die Dunkelheit in jungen Jahren je so drohend empfunden hatte. Es war keine konkrete Angst und auch keine unbestimmte abergl�ubische Furcht, sondern ein Gef�hl der Haltlosigkeit, des Verlusts von Orientierung und Sicherheit. Vielleicht waren seine Erlebnisse in S�dfrankreich vor mehreren Jahren der Ausl�ser gewesen. Besonders schlimm war es dann in Sakkara geworden. Vermutlich gab es eine psychologische Ursache, etwas, das sich in seinem Leben ge�ndert hatte. In manchen Augenblicken, wenn er die Erlebnisse der letzten Jahre rekapitulierte, schien er kurz davor, die L�sung mit den H�nden greifen zu k�nnen. Aber stets entzog sie sich ihm, wie die Erinnerung an einen Traum.</p><p>�Hier ist es!�</p><p>Peter stie� fast mit dem Franzosen zusammen, als dieser pl�tzlich stehen blieb. Der Gang hatte sich zu einem Vorraum erweitert. Er war nahezu schmucklos bis auf zwei Figuren, die die Wand direkt vor ihnen zierten. Yves lie� den Schein der Taschenlampe dar�bergleiten. Die Malereien waren in gro�en Teilen bereits gemeinsam mit dem wei�en Putz abgebr�ckelt, aber sie waren noch gut zu erkennen. Peter identifizierte sie als �gyptische G�tter. Rechts stand Thot, mit Schreibutensilien in den H�nden, und links war Anubis zu sehen, der W�chter des Totenreichs.</p><p>�Dem Stil nach ist es ptolem�isch�, bemerkte Peter. �Es imitiert eine alt�gyptische Wandmalerei. Aber der griechische Einschlag ist deutlich zu erkennen.�</p><p>�Sehr treffend beobachtet!�, sagte Yves. �Und hinter dieser Wand befindet sich eine Kammer.� Er bet�tigte einen Fu�schalter, und zwei Kaltlicht-Scheinwerfer auf Stativen leuchteten auf. In einer Ecke des Raums war eine Videokamera aufgebaut. S�mtliche Kabel liefen �ber den Boden und durch den Gang zum Ausgang. Sie waren Peter anfangs gar nicht aufgefallen. F�r einen Moment f�hlte er sich in die mysteri�se H�hle in S�dfrankreich zur�ckversetzt, die er gemeinsam mit Patrick untersucht hatte. Es war merkw�rdig: Sosehr er sich in seinem Leben und seiner Arbeit mit der Geschichte, den Entdeckungen und Theorien anderer auseinandergesetzt hatte, warfen ihn die Erlebnisse der letzten Jahre immer h�ufiger auf ihn selbst zur�ck. Er war auf der Suche nach Wissen gewesen, nach der Wahrheit, den Urspr�ngen. Aber neben allen Verbindungen von Kulturen, Religionen und Weisheiten aus alter Zeit, die er aufdeckte, durch diese Entmystifizierung entging ihm ein wesentlicher Teil der Erkenntnis �ber sich selbst. Er nahm sich vor, diesem Aspekt k�nftig mehr Aufmerksamkeit zu schenken.</p><p>�Wir haben die Wand ausf�hrlich untersucht�, erkl�rte der Franzose gerade. �Daher konnten wir uns eine gute Vorstellung davon machen, wie es dahinter aussieht. Es ist ein Hohlraum von rund f�nfzig Kubikmetern. Zuerst haben wir feine L�cher gebohrt und Luftproben genommen, die wir mikrobiologisch analysiert haben.�</p><p>�Um giftige Pilzsporen oder andere Verunreinigungen auszuschlie�en?�</p><p>�Ganz genau. Und nat�rlich haben wir auch Temperatur, Feuchtigkeit und alle m�glichen Isotope gemessen. Details k�nnen Ihnen unsere Techniker besser erkl�ren, aber herausgekommen ist, dass die Kammer tats�chlich seit rund zweitausend Jahren nicht ge�ffnet wurde.�</p><p>�Dann kann man Sie nur begl�ckw�nschen!�</p><p>�Wir waren sehr aufgeregt, als wir die Ergebnisse vorliegen hatten�, best�tigte Yves. �Zu diesem Zeitpunkt haben wir Sie eingeladen. In den folgenden Tagen wurde eine winzige endoskopische Kamera durch ein Bohrloch gef�hrt, und wir konnten Bilder der Kammer machen. Und sehen Sie dort?� Er trat n�her an die Wand und deutete auf eine Rille. �Wir haben die Wand bereits mit einer Steins�ge durchtrennt. Es war eine langwierige Arbeit, weil wir sehr pr�zise vorgehen mussten. Aber nun sind wir in der Lage, diesen ganzen Block aus der Wand zu entfernen.�</p><p>Einige Mitarbeiter des Grabungsteams kamen in den Raum. Sie schoben einen schmalen hydraulischen Hubwagen vor sich her, dessen H�he sie so verstellten, dass seine Ladefl�che auf einer Ebene mit der Unterkante des in den Fels geschnittenen Quaders lag. W�hrend eine Mitarbeiterin die Videokamera in Betrieb nahm, befestigten zwei andere stabile Griffe mit je einem Paar �berdimensionaler Saugn�pfe an der Steinwand. Sie waren an einen Kompressor angeschlossen, um offenbar einen Unterdruck zu erzeugen.</p><p>Die Maschine brummte, und als nach einiger Zeit die Ventile zischten und der notwendige Druck erreicht war, zogen die Assistenten den Steinblock Millimeter f�r Millimeter heraus. Es dauerte mehrere Minuten, bis er frei war. Behutsam deponierten sie ihn auf dem Rollwagen. Dann zogen sie das Gef�hrt beiseite und lie�en Yves und Peter den Vortritt.</p><p>Dicht gefolgt von der Frau mit der Kamera, die ihr Ger�t inzwischen geschultert hatte, sahen sie durch das entstandene Loch in die Kammer.</p><p>Einen Augenblick lang herrschte Schweigen, w�hrend sie die mit strahlend hellem, milchigem Stein ausgekleideten W�nde des Raums betrachteten. Seit zweitausend Jahren waren sie die ersten Menschen, denen sich dieser Anblick bot.</p><p>�Es ist kein Grab�, sagte schlie�lich der Franzose.</p><p>�Nein�, best�tigte Peter. �Aber es ist etwas viel Wertvolleres!�</p><p>Die W�nde der Kammer waren ges�umt von steinernen Regalen, allesamt aus poliertem Alabaster. Und in ihnen lagen Hunderte, vielleicht Tausende makellos gearbeitete Beh�lter aus demselben Material, wie ein gewaltiges Lager von Kanopen. Nur, dass es sich hier ganz offensichtlich nicht um jene vasenf�rmigen Beh�ltnisse handelte, die im alten �gypten zur Aufnahme der kostbaren Eingeweide der Mumien dienten. Diese hier besa�en keine Deckel mit ausgearbeiteten K�pfen, keine Horus- oder Anubis-Sch�del, sondern schlichte Verschl�sse. In diesen Beh�ltern befanden sich keine Eingeweide, sondern Dokumente. Der Raum war tats�chlich ein Archiv, ein Archiv des Wissens.</p><p>�Sie haben nicht die Grabkammer Alexanders des Gro�en gefunden�, sagte Peter atemlos. �Sie haben einen Teil der Bibliothek von Alexandria gefunden!�</p><p>Die Frau mit der Kamera auf der Schulter l�chelte in sich hinein. Dichter an das Geschehen h�tte sie nicht herankommen k�nnen. Kathleen Denver hatte es wieder einmal geschafft.</p></section><section><empty-line/><p><strong>Kapitel 3</strong></p><empty-line/><p><emphasis>B�ro von General Carlos Cabrera, Havanna, Kuba</emphasis></p><empty-line/><p>Sie sind impertinent, Gonz�lez! Wie k�nnen Sie sich erdreisten, vor mir zu erscheinen und Forderungen zu stellen?!�</p><p>Gonz�lez hatte damit gerechnet, dass Cabrera nicht begeistert sein w�rde. Seit dem Schiffbruch, bei dem er mit knapper Not dem Ertrinken entkommen war und die<emphasis> Juanita</emphasis> und seine gesamte Besatzung verloren hatte, waren erst zwei Wochen vergangen. Aber er h�tte auch zwei Jahre warten k�nnen. F�r Cabrera w�rde es keinen Unterschied machen. Und es musste weitergehen, es<emphasis> w�rde</emphasis> weitergehen! Er w�rde alles tun, was notwendig war, um so schnell wie m�glich wieder auf See zu sein, er w�rde die Bestie bezwingen, er w�rde ihr ihre Sch�tze entrei�en und am Grab seines Bruders triumphieren. Um ihrer beider Seelen willen. Cabrera war ein st�rrischer Mann. Man nannte ihn<emphasis> Tigre,</emphasis> seinem Br�llen folgte sein Biss, und er war gef�rchtet. Aber das war nichts gegen die heilige Mission, der sich Gonz�lez verschrieben hatte.</p><p>General Cabrera sa� hinter seinem Schreibtisch und funkelte Gonz�lez an, der vor ihm stand. �Ich k�nnte Sie auf der Stelle einsperren lassen, Sie wissen das!�</p><p>�General, h�ren Sie mich an. Mein ganzes Beileid gilt Ihrer Schwester, ich bete f�r sie.�</p><p>�Sie haben ihre Ehre gestohlen, sie zur Witwe gemacht. Sie beten f�r sie?! Sie k�nnen anfangen, f�r sich selbst zu beten! Es ist ein Unrecht, wie Sie es niemals wiedergutmachen k�nnen!�</p><p>�General, ich wei� nicht, was ich noch sagen soll. Es brennt mir ebenso in der Seele wie Ihnen! Nicht nur Ihrer Schwester wurde Leid zugef�gt, ich selbst habe alles verloren, was ich besa�. Und mein Bruder...�</p><p>�Ihr Bruder, Gonz�lez, interessiert mich einen Schei�dreck! H�tte meine Schwester nicht Ihren unf�higen Bastardbruder geheiratet, w�re sie heute noch gl�cklich.�</p><p>�Ich bitte Sie, h�ren Sie, was ich Ihnen vorschlagen m�chte.�</p><p>�Sie k�nnen mir gar nichts vorschlagen.�</p><p>�Es geht um Gold. Viel Gold.�</p><p>Cabrera setzte zu einer Antwort an, doch er holte nur tief Luft. �Zwei Minuten�, sagte er schlie�lich. �Dann will ich Sie nie wieder sehen.�</p><empty-line/><p><emphasis>Gro�er H�rsaal, Museum f�r V�lkerkunde, Hamburg</emphasis></p><empty-line/><p>�Atlantis, meine Damen und Herren! Eine der �ltesten und wom�glich die gr��te Legende unseres kulturellen Ged�chtnisses.�</p><p>Auf einer �berdimensionalen Leinwand erschien die altert�mliche Zeichnung einer Insel, an deren K�ste sich eine von mehreren ringf�rmigen Wassergr�ben umgebene Stadt befand.</p><p>Vor dem Rednerpult auf der B�hne stand Professor Peter Lavell und sah die h�lzernen R�nge hinauf. Der gro�e H�rsaal war das Schmuckst�ck des Museums und glich einer ehrw�rdigen Universit�t. Er fasste ein Auditorium von zweihundert Zuh�rern, die sich, wie in einem Amphitheater, in leicht gew�lbten Sitzreihen im f�nfzehn Meter hohen Raum verteilten. Nicht nur die R�nge waren vollst�ndig aus dunklem Holz, auch der Boden, die Stufen, Teile der Wandverkleidung und die aufwendige Kassettendecke. Der Saal war prachtvoll und h�tte einem Abenteuerroman der Jahrhundertwende entsprungen sein k�nnen.</p><p>Der Abend unter dem Titel �Atlantis � Mythos und Wirklichkeit� war schnell ausverkauft gewesen und hatte ein gemischtes Publikum von Hobbyarch�ologen, Neugierigen, Skeptikern und Esoterikern angelockt. Peter Lavell als Geschichtsprofessor und mit seiner besonderen Ausrichtung auf Anthropologie und Mythologie eilte der Ruf eines unorthodoxen Denkers voraus. Aufsehenerregende Entdeckungen im Feld wurden ihm nicht zugeschrieben, wohl aber zahlreiche kontrovers diskutierte Theorien und Ver�ffentlichungen, die h�ufig Jahre sp�ter erst durch Funde belegt werden konnten.</p><p>�Sicherlich werden Sie mir zustimmen�, fuhr Peter fort, �dass kaum ein Thema die Fantasien der Menschen �ber so viele Jahrhunderte gefesselt hat, und noch heute ist es immer wieder im Gespr�ch. Man sollte also meinen, dass wir inzwischen einiges �ber Atlantis wissen � schlie�lich sucht man seit �ber zweitausend Jahren nach dem versunkenen Kontinent.</p><p>Aber was wissen wir wirklich?</p><p>Unsere wichtigste Quelle ist Platon, der in seinem Werk<emphasis> Kritias</emphasis> ausf�hrlich von Atlantis berichtet.�</p><p>Ein Raunen und einzelne Ausrufe waren im Saal zu h�ren. Peter Lavell hob beschwichtigend die Hand. Vor einem Publikum mit heterogenem Wissensstand war es immer schwierig, nicht die eine H�lfte zu langweilen oder die andere zu �berfordern.</p><p>�Ich wei�, ich wei�. Heute f�hren Forscher unz�hlige weitere Textpassagen anderer Autoren an mit dem Hinweis, dass damit derselbe Ort gemeint sein k�nnte. Nicht zuletzt aus diesem Grund wird Atlantis inzwischen bei Helgoland, in der T�rkei, bei Thera, bei Zypern, im S�den Spaniens, auf den Azoren, vor der Westk�ste Afrikas, in der Antarktis oder vor Kuba vermutet, um nur einige der g�ngigen Theorien zu nennen. Hierbei handelt es sich aber zumeist um neuzeitliche Schl�sse und Verbindungen, sie basieren auf Quellen, die alle auf fast eintausend Jahre nach Platon datiert sind. Unsere einzige urspr�ngliche Quelle, die Atlantis ausdr�cklich nennt und beschreibt, bleibt Platon. Er schrieb<emphasis> Kritias,</emphasis> nachdem er f�nf Jahre zuvor in seinem Werk<emphasis> Timaios</emphasis> Atlantis zum ersten Mal erw�hnte. Und darin erkl�rt er auch, wo die Informationen �ber Atlantis herr�hren:</p><p>In diesem �ber zweitausenddreihundert Jahre alten Text f�hren vier Menschen einen � wohlgemerkt fiktiven � Dialog. Kritias, einer der vier, erkl�rt, er habe die Geschichte von seinem Gro�vater, Kritias dem �lteren, erz�hlt bekommen. Kritias der �ltere selbst habe die Geschichte durch seinen Vater, Dropides, erfahren. Dropides nun h�tte sie geh�rt von seinem Verwandten und Freund Solon. Und Solon schlie�lich habe die Geschichte � insgesamt nun etwa zweihundert Jahre vor Platon � von einem Priester in �gypten erz�hlt bekommen.</p><p>Stellen Sie sich also vor: Die Geschichte von Atlantis erz�hlt uns jemand in einem Buch, worin sie jemand erz�hlt, der sie erz�hlt bekommen hat, der sie erz�hlt bekommen hat, der sie erz�hlt bekommen hat. Und �brigens: Der Priester, bei dem diese Stille-Post-Kette anf�ngt, behauptet, das Ganze habe sich neuntausend Jahre vor seiner eigenen Zeit zugetragen. Nun k�nnte man sich fragen, was der f�r ein Ged�chtnis gehabt haben muss.�</p><p>Ein kurzes Auflachen im Publikum war die Folge.</p><p>�Ihre Reaktion zeigt die Schwierigkeit an Platons Geschichte: Er stellte sie auf ein Fundament aus Strohhalmen, das jedem rationalen Wissenschaftler unglaubw�rdig erscheinen musste. Und das ist einer der Gr�nde, weshalb sich die Menge der seri�sen Wissenschaftler, die sich mit dem Mythos Atlantis besch�ftigen, an einer Hand abz�hlen l�sst. Sicher, Literatur gibt es allenthalben. Sie finden sie in Form von Abenteuergeschichten oder pseudowissenschaftlichen Sachb�chern, und Letztere zu einem gro�en Teil in der Esoterik-Abteilung Ihrer Buchhandlung.� Peter schmunzelte. �Und deswegen werde auch ich Ihnen heute nicht erz�hlen, was<emphasis> ich</emphasis> �ber Atlantis denke. Aber ich werde Ihnen einige der g�ngigen Theorien �ber den versunkenen Kontinent darlegen.</p><p>Platon beschreibt nicht nur die Insel, ihre geografischen Eigenheiten und ihren Untergang, er berichtet auch �ber die Kultur der Atlanter, in ganz �hnlicher Weise, wie wir es von Herodot aus seinen<emphasis> Historien</emphasis> kennen, in denen er unter anderem das alte �gypten beschreibt. Nun ist Platon nicht als Reisejournalist bekannt, und schon immer stand die Frage im Raum, ob seine Dialoge nicht allesamt rein allegorischer Natur waren.</p><p>Bei rein analytischer Herangehensweise wird klar, dass es nur drei M�glichkeiten geben kann: Alles ist erfunden, alles ist wahr, oder aber es ist eine Mischung aus Fakt und Fiktion.</p><p>Wie erw�hnt begn�gt sich der Gro�teil der Wissenschaftler mit der ersten Variante und verbannt die Dialoge in den Bereich der Literatur, der Philosophie. Die Alternative, dass es sich um einen vollst�ndigen und durch und durch w�rtlich korrekten Bericht handelt, steht kaum zur Debatte, da Platons Dialoge zahlreiche offenkundige M�ngel enthalten. So zum Beispiel berichtet er davon, dass die Atlanter im Krieg mit Athen lagen, einer Stadt, die neuntausend vor Christus nachweislich noch nicht existierte. So bleibt als letzte M�glichkeit die Mischform: Atlantis als eine Parabel, die einen unbekannt gro�en Kern von Wahrheit enth�lt.</p><p>Jede der Theorien, die ich Ihnen heute vorstellen werde, w�hlt sich dabei jeweils eine unterschiedliche Menge von Aspekten aus Platons Berichten aus. Faszinierend ist, dass sich alle Verfechter jeweils ganz sicher sind, dass ausgerechnet ihre Auswahl die richtige ist und dass man dennoch jede andere Theorie mit einem Hinweis auf Platons W�rtlichkeit zunichtemachen kann.</p><p>Was Sie heute sehen werden, ist keine Wissenschaft. Es ist eine Glaubensfrage � und wie ich schon in anderen Vorlesungen betonte: Wehe dem, der Glaube mit Wissen und Wahrheit gleichsetzt!�</p><p>Die letzten Worte hatten einen eigent�mlichen Effekt auf das Publikum.</p><p>Patrick Nevreux sa� in der dritten Reihe und beobachtete verstohlen, wie sich die Zuh�rer auf unterschiedliche Weise getroffen f�hlten. Einige senkten den Blick, andere nickten, einige hoben die Augenbrauen, verschr�nkten die Arme, andere verdrehten die Augen.</p><p>Patrick war zu dieser Vorlesung gekommen, da sein alter Freund ihn eingeladen hatte. Gemeinsam waren sie in S�dfrankreich und in �gypten gewesen, hatten fantastische Entdeckungen gemacht und einige brenzlige Situationen �berstanden. So unterschiedlich sie hinsichtlich ihres Hintergrunds und ihres Alters auch waren, hatte sich doch ein freundschaftliches Band zwischen ihnen gebildet. Patrick war erst vor Kurzem aus Mittelamerika zur�ckgekehrt. Er hatte Peter von seinem Fund berichtet, in der Hoffnung, in ihm jemanden zu finden, der ihm helfen konnte, das goldene Buch einzuordnen, zu datieren, es zu sch�tzen oder sogar zu �bersetzen. Kurz darauf hatte Peter ihn eingeladen, ihn in Hamburg zu besuchen.</p><p>Der Vortrag lief �ber eine Stunde, unterst�tzt durch Bilder und Karten, die Peter an die Wand projizieren lie�. Es folgte eine Viertelstunde mit Fragen aus dem Plenum, und als das Licht eingeschaltet wurde und die Zuh�rer den Saal verlie�en, stand Patrick auf und ging zur B�hne.</p><p>�Geben Sie mir ein Autogramm, Professor?�, rief er, und als Peter sich erstaunt umsah und ihn erblickte, l�chelte er.</p><p>�Patrick! So eine �berraschung, ich hatte Sie nicht vor morgen erwartet.�</p><p>Der Franzose trat auf ihn zu, fasste ihn an der Schulter und grinste. �Wie h�tte ich einem Vortrag von Ihnen widerstehen k�nnen?�</p><p>��blicherweise ist es der sicherste Weg, um Ihre Aufmerksamkeit zu zerstreuen�, erwiderte Peter lachend, der genau wusste, wie sehr Patrick seine Tendenz zum Dozieren missfiel.</p><p>�Was sagen Sie denn da? Das war doch besser als der Discovery Channel gerade. Atlantis. Meine G�te.�</p><p>�Oh, Ihnen wird das Lachen noch vergehen. Sie ahnen ja noch gar nicht, weshalb ich Sie eingeladen habe.�</p><p>�Ich kenne Sie zu gut, als dass es Atlantis sein k�nnte. Es geht um das goldene Buch, nicht wahr?�</p><p>�Haben Sie Geduld! Eigentlich sind Sie ja noch gar nicht hier. Wie ich Sie kenne, m�chten Sie ohnehin erst einmal etwas essen gehen, habe ich recht?�</p><p>�Raus hier und eine Zigarette rauchen. Hier mag man sich ja keine anstecken, sonst geht der ganze Schuppen in Flammen auf. Aber dann essen, ja, sehr gerne!�</p><p>W�hrend Patrick eine Packung Zigaretten aus einer Tasche fischte und sich im Saal umsah, packte Peter seine Unterlagen zusammen und vergewisserte sich, dass seine Mitarbeiter sich um die Technik k�mmern w�rden. Dann gingen sie die Treppe hinauf zum Ausgang des Saals und verlie�en das Museum durch das Foyer.</p><empty-line/><p>Als sie zwei Stunden sp�ter vom Essen zur�ckkamen, war die Fassade des Geb�udes von Scheinwerfern erleuchtet.</p><p>�Ein sch�ner Bau�, bemerkte Patrick.</p><p>�Von au�en ja, unbedingt�, best�tigte Peter. �Sie waren ja schon einmal hier. Haben Sie sich auch die Ausstellungsr�ume angesehen?�</p><p>�Fl�chtig. Ist aber alles ein bisschen provinziell, finden Sie nicht?�</p><p>Peter seufzte. �Da haben Sie recht. Es gibt nur wenig F�rdermittel, der Bestand hat seine besten Zeiten hinter sich, und nur ab und zu gastieren hier kleine Wanderausstellungen. Es ist eine Schande. Zwischenzeitlich versucht das Museum durch Diavortr�ge, Leseabende und andere Kulturveranstaltungen etwas mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Was hier fehlt, ist ein M�zen.�</p><p>Peter f�hrte den Franzosen durch einen Seitentrakt in sein B�ro. Die Regale waren mit unz�hligen, aber penibel sortierten B�chern best�ckt, der Schreibtisch leer und aufger�umt. Patrick nahm auf einem auffallend altmodischen Stuhl vor dem Tisch Platz und schmunzelte. �Irre ich mich, oder ist das hier immer noch derselbe?�</p><p>�Nat�rlich�, gab Peter zur�ck. �Er ist gerade mal f�nfzig Jahre alt und leistet wunderbare Dienste.� Er �ffnete ein Fenster und setzte sich hinter seinen Tisch, wo er eine Schublade �ffnete, Utensilien hervorholte und begann, sich eine Pfeife zu stopfen.</p><p>�Ist das Rauchen hierzulande nicht auch in B�ros verboten?�</p><p>�Es w�rde mich wundern, wenn Sie das pl�tzlich st�rte�, erwiderte der Professor verschmitzt. �Jetzt haben Sie es so lange in dem Restaurant ausgehalten, nun stecken Sie sich schon eine an. Und dann erz�hle ich Ihnen, was ich herausgefunden habe.�</p><p>Aus einer weiteren Schublade holte Peter eine dicke Mappe heraus. Als er sie �ffnete, kamen gro�formatige Fotografien der einzelnen Seiten des goldenen Buchs zutage, das Patrick in Guatemala gefunden hatte. Es folgten Papiere, in denen viele der Glyphen nachgezeichnet und offenbar �bersetzt worden waren.</p><p>�Sie kennen sich mit den mesoamerikanischen V�lkern einigerma�en aus, richtig?�</p><p>�Ja�, sagte Patrick, �sicher nicht so gut wie Sie, aber jedenfalls besser als mit den alten �gyptern, wenn Sie darauf anspielen.�</p><p>�Gut. Dann muss ich ja nicht von vorn anfangen...�</p><p>�Danke.�</p><p>�... aber es schadet sicher nicht, wenn ich Ihnen die ungef�hre Chronologie noch einmal vor Augen halte.�</p><p>�Hm...�, machte Patrick in einem Tonfall, der ein resigniertes �l�sst sich wohl nicht verhindern� ausdr�ckte, und lehnte sich mit seiner Zigarette zur�ck.</p><p>�Wenn wir von Mesoamerika sprechen, dann meinen wir eigentlich keine geografische Region, sondern einen Kulturraum, der seine Grenzen im Lauf der Jahrhunderte stetig ver�nderte. In etwa ist damit das Gebiet von der s�dlichen H�lfte Mexikos �ber Guatemala und Belize bis nach Honduras gemeint. Was Sie hier gefunden haben�, er zeigte auf die Fotografien, �ist ein Artefakt der Maya. Die Maya lebten in der Yucat�n-Region. Als die spanischen Eroberer im sechzehnten Jahrhundert kamen, waren nur noch wenige Reste dieser Kultur �brig. Sie hatten fast sechshundert Jahre zuvor ihre Bl�tezeit gehabt und ihr Reich inzwischen bis auf einige gr��ere St�dte eingeb��t. Die Herren Mesoamerikas waren inzwischen die Azteken weiter westlich, im S�den Mexikos, und Cort�s unterwarf den letzten ihrer Herrscher, Montezuma, im Jahr 1520. Obwohl die Spanier in ihrem missionarischen Bem�hen, alle heidnischen Br�uche und Schriften der Azteken auszurotten, viel vernichteten, �berdauerten verh�ltnism��ig viele ihrer �berlieferungen, die in den folgenden Jahren von Historikern wieder zusammengetragen wurden. Anders bei den Maya. Von ihnen existieren neben den steinernen Stelen, die in erster Linie nur offizielle Namen oder Zeitdaten enthalten, weltweit lediglich vier andere schriftliche Zeugnisse, die sogenannten Codizes. Wir wissen also nur sehr wenig �ber das Selbstverst�ndnis der Maya, ihre Gedankenwelt, ihre Kultur, ihre Geschichte oder ihre Religion. Wir k�nnen in erster Linie nur ableiten. Das Buch, das Sie gefunden haben, ist ein vollst�ndiger Codex, doppelt so lang wie alle anderen Maya-Codizes zusammen. Es ist nicht nur materiell wertvoll, mehrere hunderttausend Euro sicherlich, sondern aus historischer Sicht unsch�tzbar. Es ist mehr als ein Multimillionenobjekt. Es ist einzigartig und vollkommen unbezahlbar. Ist Ihnen das eigentlich klar?�</p><p>Patrick nickte grinsend. �So in etwa, ja. Deswegen habe ich es auch nicht im Handgep�ck mitgebracht, ich hoffe, Sie verzeihen mir.�</p><p>�Wo ist es?�</p><p>�In einem Banksafe.�</p><p>�Das ist gut! Denn die Geschichte geht weiter. Ich habe mich um die �bersetzung bem�ht. Die vollst�ndige Analyse und �bertragung wird sicher noch sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, Jahre vielleicht. Aber schon gleich die erste Enth�llung war sensationell: Ein legend�rer Sch�pfungsbericht, wie wir ihn bisher noch nicht kannten. Oder sagen wir: Nicht von den Maya. Es gibt einen faszinierenden Sch�pfungsmythos der Azteken sowie eine Geschichte ihrer Herkunft. In Ihrem Buch nun sehen wir, dass dieser Mythos viel �lter ist als die Azteken, dass ihn bereits die Maya kannten.�</p><p>�Es w�re aber denkbar, dass das goldene Buch viel j�nger ist�, sagte Patrick. �Dass es verfasst wurde, als die Azteken bereits regierten und sich ihre Geschichten auch nach Guatemala verbreitet hatten.�</p><p>�Vollkommen richtig, ja. Aber die Schrift der Maya hat sich im Lauf der Zeit gewandelt. In Ihrem Buch werden Glyphen verwendet, die lange vor den Azteken schon nicht mehr in Gebrauch waren, die zur�ckweisen auf eine Zeit zu Beginn unserer Zeitrechnung.�</p><p>�Na gut, aber mal ehrlich: So richtig spannend ist das nicht, oder?�</p><p>�Sind Sie mit der Legende der Azteken vertraut?�</p><p>�So in etwa. Sie kamen von einer Insel in einem See und zogen auf der Suche nach einer neuen Heimat lange durch das Land. Dann sahen sie ein Zeichen. Einen Adler auf einem Kaktus, der aus einem Stein wuchs oder so was, und gr�ndeten die Stadt Tenochtitl�n, das heutige Mexiko City.�</p><p>�Ja. Ganz recht. Die Legende der Herkunft und Wanderung der Azteken ist gut datiert und f�hrt zur�ck ins erste Jahrtausend nach Christus. Unser Mittelalter. Nicht vergleichbar mit den Sch�pfungsgeschichten, die wir aus dem Nahen Osten und aus Asien kennen, die wesentlich �lter sind.�</p><p>�Das meine ich doch. Nicht sonderlich spannend.� Patrick blies eine Rauchwolke aus.</p><p>�F�r sich genommen vielleicht�, stimmte Peter zu. �Aber die Azteken waren weniger gro�e Erfinder als eifrige Nachahmer. Sie erschufen sich ihre eigene Geschichte und erfanden hinzu, was ihnen gefiel. So bewunderten sie ihre Vorg�nger, die Tolteken, deren Ruinen sie in Teotihuac�n fanden, und deuteten dies als den Geburtsort ihrer G�tter, nicht ahnend, dass diese Stadt sogar noch viel �lter als die Tolteken, n�mlich von den Olmeken war, die sogar noch vor den Maya hier lebten. Sie �bernahmen Prinzipien der Bilderschrift, den Entwurf des zweiundf�nfzigj�hrigen Kalenders und viele architektonische Elemente.� Peter deutete mit dem Mundst�ck seiner Pfeife auf die vor ihm liegenden Bl�tter. �Und dieser Codex hier zeigt, dass auch die kleine Sch�pfungsgeschichte der Azteken lediglich �bernommen und angepasst worden war, dass sie schon zu Zeiten der Maya kursierte und mitnichten nur bis ins Jahr eintausend nach Christus reicht, sondern sogar bis zum Beginn des Mayakalenders, der sich bis 3114 vor Christus zur�ckrechnen l�sst.�</p><p>�Wer h�tte das gedacht.�</p><p>�Nat�rlich k�nnen wir nicht wissen, ob nicht auch die Maya den Mythos ihrerseits einst von den Olmeken �bernommen und angepasst hatten. Aber was h�chst interessant ist: Auch in dieser bislang �ltesten Fassung, die wir kennen, spielt der Ursprung von einer Insel eine Rolle. Eine paradiesische Insel, die verlassen werden musste, als sie von den G�ttern vernichtet wurde.�</p><p>�Was f�r eine Insel?�</p><p>�In der bekannten Version der Azteken lag sie irgendwo nordwestlich von Tenochitl�n. In dieser �lteren Fassung von den Maya befindet sie sich allerdings im Osten. Also im Golf von Mexiko oder sogar weiter drau�en im Atlantik. Und in beiden Fassungen tr�gt sie denselben Namen:<emphasis> Azl�n.</emphasis>�</p><p>Patrick sah den Engl�nder einen Augenblick lang stumm an. Dann lachte er auf. �Sie wollen mir jetzt nicht weismachen, dass Sie damit Atlantis meinen, oder?�</p><p>Peter schwieg und l�chelte.</p><p>�Also wirklich!� Patrick grinste, �Auf diese Idee sind schon andere vor Ihnen gekommen, alter Freund. Atlantis! Das ist ja noch verr�ckter als meine Idee, Eldorado zu suchen!�</p><p>�So? Meinen Sie?�</p><p>�Und ob ich das meine! Sagen Sie, was f�r ein Kraut ziehen Sie da eigentlich durch Ihre Pfeife?�</p><p>Peter nahm einen Zug und lie� den Rauch an seiner Nase vorbeigleiten. �Das ist<emphasis> Holger Danske Mango Vanilla.</emphasis> Der ist unter Traditionalisten zwar verp�nt, weil er ihnen zu viel nach Aromaso�e und zu wenig nach Tabak schmeckt, aber �ber solcherlei Betrachtungen bin ich hinaus.�</p><p>�Das war ein Witz.�</p><p>�Ja. Und ich habe ihn Ihnen verdorben.�</p><p>Patrick betrachtete den Engl�nder genau. Seit er Peter kannte, hatte er sich manchen Scherz auf dessen Kosten erlaubt und wusste inzwischen, wann der Professor darauf eingehen und wann er es einfach ignorieren w�rde. �Sie meinen es wirklich ernst, was?�</p><p>�Unbedingt.�</p><p>Patrick sch�ttelte den Kopf und dr�ckte seine Zigarette aus. �Eben halten Sie noch einen langen Vortrag dar�ber, wie fragw�rdig die Legende ist und was man von den ganzen Theorien halten sollte, und jetzt fangen Sie selbst damit an? Was soll das?�</p><p>�Ich habe nicht gesagt, was ich selbst von den verschiedenen Interpretationen halte. Und au�erdem muss ich ja nicht der ganzen Welt eine Theorie auf die Nase binden, die ich erst �berpr�fen m�chte.�</p><p>�Sie m�chten Sie<emphasis> �berpr�fen</emphasis>? Wollen Sie vielleicht Atlantis suchen?�</p><p>�Ja. Und ich dachte mir, dass Sie sicher mitkommen wollen.�</p><p>Patrick stand auf. �Also Moment mal. Sie k�nnen mir ja einiges erz�hlen, aber Sie haben eben selbst gepredigt, auf was f�r wackeligen Beinen diese ganze Atlantis-Story steht.� Er ging im B�ro auf und ab. �Es ist eine Legende, und schon seit zweitausend Jahren wird danach gesucht. Da ist es doch v�lliger Unsinn zu glauben, dass wir pl�tzlich Atlantis finden k�nnen, blo� weil Sie hier im B�ro den Anfang eines alten Maya-Textes �bersetzt haben.�</p><p>Peter lie� sich nicht irritieren. �Haben Sie schon einmal ein Puzzle gel�st?�</p><p>�Als Kind.�</p><p>�Oft wird die Suche nach Antworten mit einem Puzzlespiel verglichen. Einzelne Teile, die f�r sich stehend sinnlos scheinen und doch gemeinsam ein Bild ergeben. Aber der Vergleich ist tr�gerisch. Bei einem Puzzle arbeiten Sie nach einer Vorlage, und das Bild baut sich nach und nach auf. Und tats�chlich ist es das, was die meisten Forscher betreiben: Sie beginnen mit einer Theorie, einer Vermutung, quasi der Vorlage einer antizipierten Antwort, und dann suchen sie so lange nach Puzzlesteinchen, bis sie dieses Bild vervollst�ndigen k�nnen. Dabei nehmen sie nur die Teile, die ihnen passen, andere lassen sie weg. Am Ende kommt ein Abbild ihrer Vorlage dabei heraus, oftmals etwas schief und krumm, aber sie meinen, es geschafft zu haben. Tats�chlich messen sie ihren Erfolg daran, wie gro� die �hnlichkeit der Antwort zu ihrer urspr�nglichen Absicht war, und nicht daran, wie gro� der Anteil der nicht ber�cksichtigten Elemente ist, und wie viele Annahmen notwendig waren, um das Bild zurechtzubiegen. Dabei ist erfahrungsgem�� diejenige Theorie die wahrscheinlichste, die am wenigsten Annahmen bedarf, die am schlichtesten ist.�</p><p>�Sie meinen<emphasis> Ockhams Rasiermesser.</emphasis>�</p><p>�Sie kennen das Prinzip aus Ihrer Arbeit als Ingenieur? Sie haben recht, das Sparsamkeitsprinzip Ockhams, das �brigens auch Aristoteles schon bekannt war. Einfach ausgedr�ckt: Wenn es verschiedene Hypothesen gibt, die das Gleiche zu erkl�ren versuchen, sollte stets diejenige bevorzugt werden, die weniger komplexe Zusammenh�nge und Vermutungen erfordert.�</p><p>�Und was hat das mit Atlantis zu tun?�</p><p>�Nun, wenn Sie die ganzen Theorien zur Suche nach Atlantis betrachten, werden Sie feststellen, dass die Menschen immer wieder mit einem Haufen von Annahmen gearbeitet haben. Angenommen, Platon sprach nicht von<emphasis> neuntausend</emphasis> Jahren vor seiner Zeit, sondern von nur<emphasis> neunhundert.</emphasis> Angenommen, er meinte nicht<emphasis> hinter</emphasis> den S�ulen des Herakles, sondern<emphasis> vor</emphasis> den S�ulen des Herakles. Angenommen, die gesuchte Insel w�re viel kleiner, als er sie beschreibt, angenommen, es w�re alles nur eine Parabel, und so weiter. Das war n�tig, weil die Puzzleteile, die Platon lieferte, scheinbar kein Bild ergeben konnten, das sich mit unserem heutigen Wissen �ber die Geschichte und die Welt deckte. Also hat man versucht, wie nannten Sie es einmal... ?<emphasis> Heuristisch</emphasis> vorzugehen. Man setzte eine L�sung voraus und hat �berpr�ft, ob sich durch R�ckw�rtsentwickeln dies ableiten lie�. Also beispielweise: Nehmen wir an, mit dem Versinken von Atlantis sei der Ausbruch von Thera gemeint; was m�sste an Platons Geschichte ge�ndert werden, damit es passt? Es versteht sich von selbst, dass Sie mit gen�gend Annahmen und Anpassungen das sagenhafte Reich auch nach Helgoland oder in die Antarktis versetzen k�nnen.�</p><p>Patrick nahm wieder Platz und setzte eine etwas gelangweilte Miene auf. �Ich bin gespannt, worauf Sie hinauswollen.�</p><p>�Ach, tats�chlich?�</p><p>�Eigentlich nicht.�</p><p>�Ja, das war zu erwarten. Aber h�ren Sie zu. Indizien haben wir genug. Sogar einige mehr als jeder andere, der bisher nach Atlantis suchte. Wir haben diesen Maya-Codex, der uns die Legende ihres Ursprungs erz�hlt, die Herkunft der Vorv�ter der Maya von einer paradiesischen Insel im Osten, die im Meer versank. Wir haben hier zum ersten Mal eine Geschichte, die die Legende aus Platons Erz�hlungen reflektiert, wenngleich unser Grieche wesentlich mehr ins Detail geht. Dann haben wir unsere eigenen Projekte. Erinnern Sie sich an das Symbol der konzentrischen Kreise, das wir in Frankreich gefunden hatten? Das gleicherma�en der Grundriss der mysteri�sen H�hle dort wie auch der Kaverne unter Sakkara gewesen war?� Peter holte eine Zeichnung hervor, die er auch in seinem Vortrag gezeigt hatte.</p><p>Als Patrick sie sah, erkannte er das Symbol pl�tzlich.</p><empty-line/><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><p>�Ja, ganz recht�, sagte Peter, der die gehobenen Augenbrauen des Franzosen bemerkte. �Dies hier ist eine Skizze der Hauptstadt von Atlantis, wie Platon sie beschreibt. Sie ist von drei Wasserkan�len umgeben und verf�gt �ber Stra�en, die von au�en direkt zur Mitte f�hren.�</p><p>�Sie meinen...� Patrick z�gerte, es auszusprechen.</p><p>�Diese uns unverst�ndlichen und offenbar hoch technisierten �berreste einer unbekannten und l�ngst verschollenen Kultur, die wir gefunden haben � sowohl in Frankreich als auch in �gypten �, trugen den Grundriss von Atlantis.�</p><p>Patrick schwieg und betrachtete das Symbol. Hier tat sich eine unerwartete und im Grunde vollkommen surreale Verbindung auf. �Aber das kann auch Zufall sein�, sagte er schlie�lich. �Auch wenn Atlantis niemals existiert hat, k�nnte jemand ein �hnliches Muster entwickelt haben.�</p><p>�Es geht noch weiter�, beharrte Peter. �Die H�hle in Frankreich war mit Inschriften �bers�t. Alle diese Texte gaben Sch�pfungsmythen wieder. Es waren allerdings ausschlie�lich solche, die von einer Sintflut berichteten. Schon damals hatten wir �berlegt, auf welchen Zusammenhang uns das hinweisen sollte. Pl�tzlich erscheint es klar: Es sollte auf einen gemeinsamen Ursprung hinweisen, einen Ursprung, der in einem Untergang seinen Anfang hatte.�</p><p>�Aber...�</p><p>�Und in Sakkara�, fuhr Peter fort. �Die beiden gro�en S�ulen in der Halle der Aufzeichnungen! Es waren die der Legende nach von Noah nach der Sintflut gefundenen S�ulen mit den Weisheiten der Welt. Wissen Sie noch? Die Freimaurerin, die keine war, erz�hlte uns in Notre-Dame davon.�</p><p>�Ich muss sagen�, brachte Patrick schlie�lich hervor und lehnte sich zur�ck, �das ist alles wirklich erstaunlich... Sicher, wir waren die ganze Zeit auf der Suche nach dem Ursprung einer vergangenen Kultur, die m�glicherweise sogar die alten �gypter inspiriert oder vielleicht auch unterrichtet hat. Irgendwelche Leute, die Wissensarchive hinterlassen haben, von denen wir weder wissen, wie sie funktionieren, noch, wie alt sie sind... Aber k�nnte es nicht sein, dass Sie jetzt selbst das betreiben, was Sie gerade erkl�rt haben? Sie m�chten Atlantis sehen und entdecken pl�tzlich �berall Hinweise.�</p><p>�Schon m�glich. Scharf kombiniert�, gab Peter zur�ck und schmunzelte.</p><p>�Und zudem: Selbst wenn es stimmt, wenn das alles Hinweise sind, dann w�ssten wir immer noch nicht, wo wir suchen sollten. Genauso wenig wie alle anderen.�</p><p>�Und<emphasis> das</emphasis> ist der Trugschluss!�, trumpfte nun Peter auf, und sein L�cheln wurde breiter. �Sie wissen n�mlich noch nicht, was ich wei�. Was ich hier in dieser Schublade habe.� Er sah den Franzosen unverwandt an und kostete den Augenblick ganz offenbar aus.</p><p>Patrick tat ihm nicht den Gefallen nachzufragen, aber innerlich brannte er darauf, was der Professor nun herbeizaubern w�rde. Nach Atlantis zu suchen, war so ziemlich das Letzte, was er sich als Ingenieur, als Seifmade-Feldforscher oder besserer Schatzsucher je vorgenommen h�tte. Ganz zu schweigen von einem seri�sen Wissenschaftler wie Peter Lavell, der zwar unkonventionelle Gedanken und Verbindungen sch�tzte, der aber durch und durch Realist war und sich niemals vor der �ffentlichkeit l�cherlich machen w�rde. Wenn Peter so hartn�ckig an eine Idee glaubte, hatte er aller Erfahrung nach eine bessere Grundlage als jeder andere. Und Patrick musste zugeben, dass ihre bisherigen Untersuchungen, so unerkl�rlich sie gewesen waren, in diesem Licht eine merkw�rdige, fast nat�rliche Logik entwickelten. Sein Instinkt regte sich, ein untr�gliches Gef�hl, dass hier etwas Gro�es lauerte. Seit seinem Erlebnis in der H�hle des Wissens in S�dfrankreich verfolgten ihn Ahnungen und w�hrend ihres Projektes in �gypten zuletzt sogar regelrechte Visionen, die ihm Richtungen wiesen. Und hier, in Peters B�ro, mit den Worten des Professors in den Ohren und dem Blick auf dem mysteri�sen Symbol, das sie so lange verfolgten hatten, regten sich mit einem Mal seine inneren Antennen.</p><p>Peter �ffnete die Schublade seines Schreibtischs und holte eine weitere Mappe hervor. Mit bed�chtigen Bewegungen r�umte er erst die Maya-Dokumente beiseite, schob die Mappe dann Patrick entgegen und �ffnete sie. In ihrem Inneren fanden sich ebenfalls Fotografien, die er nebeneinander vor dem Franzosen ausbreitete. Die Bilder zeigten antike Handschriften, im fortgeschrittenen Zustand der Aufl�sung begriffen, mit einer feinen Schrift in griechischen Buchstaben.</p><p>�Vor zwei Wochen�, erkl�rte Peter, �wurde ich zu einer Ausgrabung nach Alexandria eingeladen. Man vermutete, das Grab Alexanders des Gro�en gefunden zu haben. Aber der Raum, bei dessen �ffnung ich anwesend sein durfte, war kein Grab. Es war eine uralte Bibliothek voller Handschriften, rund zweitausend Jahre alt.�</p><p>Patrick nahm die Fotografien in die Hand. Die Dokumente erinnerten an die �berreste der Qumran-Rollen.</p><p>�Wissen Sie, weshalb ich nach Alexandria eingeladen wurde?�</p><p>Patrick zuckte mit den Schultern.</p><p>�Sehen Sie mal in das Regal dort dr�ben.�</p><p>Patrick wendete den Blick und entdeckte dort eine kleine Statuette. Er hatte sie schon einmal gesehen. Sie war alt�gyptischen Ursprungs und stellte den Gott Thot dar. �Ist das...�, begann er.</p><p>�Ja, sie ist es. Die Figur von Oliver Guardners Schreibtisch. Die Organisation, die die Ausgrabung in Alexandria betrieb, hatte von der SCA aus Kairo die ausdr�ckliche Bitte erhalten, mich einzubinden, und als ich ankam, erwartete mich dort ein Paket mit diesem Geschenk und einer Karte von Melissa!�</p><p>�Melissa? Unsere Melissa aus dem Museum?� Patrick erinnerte sich nur zu deutlich an die Rothaarige, deren scheinbar naiver Charme ihm eine Zeit lang ordentlich zugesetzt hatte. Sie waren einander n�hergekommen und hatten das Projekt schlie�lich gemeinsam abgeschlossen.</p><p>�Ebendiese. Auf der Karte stand lediglich<emphasis> �Wissen, Erkenntnis und Weisheit�,</emphasis> mehr nicht. Aber es war klar, dass ich unbedingt dabei sein sollte. Ganz offenbar, weil sie wusste, was wir finden w�rden.�</p><p>Patrick staunte. Melissa war in Kairo geblieben. Sie hatte die Aufgabe �bernommen, sich um die Hinterlassenschaft zu k�mmern, die sie entdeckt hatten. Und nun wies sie aus der Ferne einen neuen Weg!</p><p>�Also sagen Sie schon�, dr�ngte Patrick nun, der es nicht mehr aushielt. �Was haben Sie gefunden?�</p><p>Peter lachte auf. �Na endlich, da ist der Funke! Dann spanne ich Sie nicht l�nger auf die Folter. Ich wurde nicht nur eingeladen, ich erhielt sogar den Auftrag, die gefundenen Dokumente zu sichten. Es sind Sch�tze, sage ich Ihnen! Es sind gerettete oder kopierte Dokumente, Teile dessen, was vielleicht einmal die Bibliothek von Alexandria gewesen sein mochte. Und was alles �bertrifft, ist das, was Sie vor sich sehen. Erinnern Sie sich, was ich �ber Platons Dialoge<emphasis> Timaios</emphasis> und<emphasis> Kritias</emphasis> erz�hlte? Sie sind unsere einzige urspr�ngliche Quelle �ber den Mythos von Atlantis. So detailliert viele der Beschreibungen Platons auch waren, hatten sie einen ma�geblichen Sch�nheitsfehler: Der entscheidende Dialog,<emphasis> Kritias,</emphasis> war unvollst�ndig! Platon berichtet, dass Zeus seine G�tter versammelte, und bricht dann mit den Worten ab:<emphasis> �Nachdem er sie zusammenberufen hatte, sprach er.�</emphasis></p><p>Aber das, was vor Ihnen liegt, mein Freund, ist die vollst�ndige, dreimal l�ngere Fassung von Platons Bericht �ber das Reich von Atlantis, seinen Untergang � und seine genaue Lage!�</p></section><section><empty-line/><p><strong>Kapitel 4</strong></p><empty-line/><p><emphasis>AUTEC U.S.-Navy-Recherche-Zentrum, Andros Island, Bahamas</emphasis></p><empty-line/><p>Es war kurz vor acht, als Lieutenant Commander Walters sein B�ro betrat. Mit einem Becher dampfenden Kaffees setzte er sich an seinen Schreibtisch, als sein Telefon klingelte.</p><p>�Walters�, meldete er sich. �Meine Tochter? Nat�rlich, stellen Sie sie durch!� Es klickte in der Leitung, und unwillk�rlich l�chelte er. �Hey, hallo Kleine! Na, das ist ja eine �berraschung! Bist du denn noch gar nicht in der Schule?� Er nippte an seinem Becher, w�hrend er zuh�rte. �Oh, na, da hast du aber Gl�ck. Nur die ersten beiden Stunden? Na ja, immerhin, oder? Dann ist der Vormittag nicht so lang... Wale sagst du? Ehrlich?... So richtig gro�e Wale?... Oh, ich verstehe. Das tut mir aber leid... Also gut, wenn Mum das sagt, dann wird sie das auch machen... Sicher, Kleines!... Okay, dann noch viel Spa� in der Schule. Und am Wochenende bin ich wieder da, ja? Also, pass auf dich auf... Ich dich auch! Gibst du mir noch mal Mum?� Er wartete, bis seine Frau am H�rer war. �Guten Morgen, S��e! Was erz�hlt Sarah da? Ihr wollt euch gestrandete Wale angucken?�</p><p>Es klopfte. Als Walters aufsah, �ffnete sich die T�r, und Chief Warrant Officer Parker trat ein. Ihm unterlag die �ffentlichkeitsarbeit der Milit�rbasis. Walters winkte ihn raus und widmete sich wieder seinem Gespr�ch. �Okay, aber sag ihr, sie soll nichts anfassen. Man wei� ja nie, was die f�r Krankheiten haben... H�r zu, ich habe jetzt einen Termin... Alles klar. Bis Freitag! Ich liebe dich!�</p><p>Er legte auf, trank von seinem Kaffee und verzog den Mund.</p><p>Es war eine furchtbare Br�he.<emphasis> Wale,</emphasis> dachte er.<emphasis> So ein Mist. </emphasis>Dann stand er mit dem Becher in der Hand auf, ging zur T�r und �ffnete sie. Im Vorzimmer stand Parker und studierte einige Anschl�ge am Schwarzen Brett.</p><p>�Kommen Sie rein, Parker.�</p><p>Sie setzten sich an einen runden Tisch in Walters B�ro. Parker trug wie zu jeder Routinebesprechung sein Notizheft bei sich, das er nun aufklappte.</p><p>�Guten Morgen, Lieutenant Commander. Ich hoffe, ich habe nicht gest�rt.�</p><p>�Kein Problem. Meine Familie. Also: Was liegt an?�</p><p>�Es gibt drei Angelegenheiten, �ber die ich Sie unterrichten muss, Sir.� Er sah auf und pr�fte Walters' Reaktion. Aber der Offizier lehnte sich nur zur�ck und wartete. Also fuhr Parker fort. �Gestern Abend sind s�dlich von Jacksonville zwischen St. Augustine und Palm Coast rund zwanzig Schnabelwale gestrandet. Die Nachrichten sind voll davon, der Strand f�llt sich mit Schaulustigen und Natursch�tzern. Und nat�rlich sind wir auch schon wieder in der Kritik.�</p><p>�Das mit den Walen wei� ich schon. Dumme Sache. Haben Sie gepr�ft, wann die letzte LFAS-�bung gewesen ist?�</p><p>Parker nickte und bl�tterte in seinen Notizen. �Das Niederfrequenz-Aktivsonar wurde vor drei Tagen w�hrend des Deep-Fathom-Tauchgangs eingesetzt.�</p><p>�Verdammt!� Walters rieb sein Kinn. �Wir sind erst 2005 verklagt worden. Denken Sie, dass das hier noch mal passieren kann?�</p><p>�Die Klage wurde ja gl�cklicherweise abgewiesen. Laut unseren Informationen und meinem Briefing aus Washington f�r diese F�lle liegen noch immer keine eindeutigen Beweise f�r einen Zusammenhang zwischen dem Sonar und solchen Massenstrandungen vor.�</p><p>�Parker, was Ihr Briefing f�r solche Vorf�lle vorsieht, ist mir herzlich egal. Wichtig ist, was in den Nachrichten �ber uns erz�hlt wird, was die Aktivisten denken und was sie tun werden. Wird es Autopsien geben?�</p><p>�Mit ziemlicher Sicherheit ja.�</p><p>�Und was, wenn herauskommt, dass es ihre Ohren, oder was auch immer Wale so haben, zerfetzt hat? Was sagt Ihr Briefing dann?�</p><p>Parker kritzelte hektische Linien und Spiralen in sein Heft. �Das, Sir, m�sste ich mit der Zentrale kl�ren...�</p><p>�Dann tun Sie das, und zwar schnell. Ich m�chte nicht, dass wir wie Idioten dastehen, weil wir erst Big Mama fragen m�ssen. Ich m�chte alle Details wissen, auch solche mit Ged�rmen und Organen, von denen ich keine Ahnung habe. Okay?�</p><p>�Ja, Sir.�</p><p>�Gut. Machen Sie weiter.�</p><p>�Die zweite Angelegenheit: Wir haben vor einer Stunde drei Leute innerhalb der Sicherheitszone aufgegriffen. Zwei Amerikaner aus Miami und einen deutschen Touristen. Angeblich waren sie gemeinsam auf Entenjagd. Ihre Ausr�stung best�tigt das auch. Es gab keine weiteren Auff�lligkeiten. Sie befinden sich jetzt auf dem Gel�nde in Gewahrsam und warten darauf, dass sich jemand um sie k�mmert.�</p><p>�Haben sie etwas gesehen?�</p><p>�Vermutlich nicht, Sir. Ihr Boot liegt an der Westk�ste, und sie sind querfeldein gelaufen.�</p><p>�Gut. Dann lassen Sie blo� keine Area-51-Attit�de heraush�ngen, so was k�nnen wir jetzt gar nicht gebrauchen. Konfiszieren Sie ihre Kameras und l�schen Sie alles, was verd�chtig aussieht, falls Sie so was auf den Speicherkarten finden. Dann geben Sie den dreien ein Fr�hst�ck, und f�hren Sie sie durch unser Labor. Zeigen Sie denen meinetwegen auch das �bungs-U-Boot, damit sie sehen, dass wir nichts zu verbergen haben. Danach eine Eskorte zur�ck zu ihrem Boot, und dort k�nnen sie ihre Kameras und Waffen zur�ckhaben.�</p><p>Parker, der die Anweisungen notierte, nickte. �Alles klar.�</p><p>�Und der dritte Punkt?�, fragte Walters und trank seinen Becher leer.</p><p>�Es geht um zwei Schiffe, denen wir k�rzlich eine Freigabe f�r ihre Routen gegeben hatten.�</p><p>Walters zuckte mit den Schultern. Es war erforderlich, dass Schiffe, die dieses Gebiet und die angrenzenden Gew�sser kreuzten oder sich l�ngere Zeit hier aufhielten, eine Genehmigung der Navy einholten. Nur auf diese Weise konnten die unterseeischen Eins�tze von AUTEC aus koordiniert und die Sicherheit auf den U-Boot-Routen gew�hrleistet werden. Nat�rlich legte die Navy ihrerseits nichts offen, aber sie konnte bei Bedarf eine Genehmigung verweigern, wenn fremde Antr�ge mit ihren eigenen Pl�nen in Konflikt gerieten. Aber diese Antr�ge waren Tagesgesch�ft, und Walters hatte damit �blicherweise nichts zu tun.</p><p>�Na und?�</p><p>�Die beiden Boote m�chten umfangreiche Forschungen unter Wasser betreiben. Sie sind gut ausger�stet, f�hren ROVs und sogar kleine U-Boote an Bord. Das eine ist ein kubanisches Schiff, das andere stammt aus Woods Hole, Massachusetts, ist aber von Europ�ern gechartert. Uns ist aufgefallen, dass beide Boote genau in dem Gebiet forschen m�chten, in dem wir vor einigen Wochen den Code f�nfzig hatten. Ich dachte, das sollten Sie wissen.�</p><p>Walters hob die Augenbrauen. Da lag also der Haken. Er hatte den Wei�wasser-Vorfall schon fast vergessen, froh, dass es sich lediglich um ein unbedeutendes Fischerboot gehandelt hatte, das h�chstens in der Lokalpresse erw�hnt werden w�rde. Aber Forscherteams? Noch dazu Europ�er und Kubaner. Was f�r eine selten bl�de Konstellation. Er z�gerte eine Weile, aber er hatte schlicht zu wenige Informationen, um etwas endg�ltig zu entscheiden. Und langes Zaudern w�rde das auch nicht �ndern.</p><p>�Wenn keine unserer geplanten Fahrten dagegenspricht, dann lassen Sie beide Antr�ge erst mal durch�, sagte er schlie�lich. �Aber ich m�chte Kopien der Antr�ge haben. Und besorgen Sie mir weitere Informationen �ber alles, was nicht in den Antr�gen steht. Ich m�chte wissen, wo die Leute zur Schule gegangen sind, wo sie ihren letzten Urlaub verbracht haben... Das ganze Programm. Und suchen Sie am besten jetzt schon nach guten Gr�nden, die Leute notfalls auch ganz schnell wieder nach Hause zu schicken.�</p><p>�Ich k�mmere mich darum, Sir.�</p><p>�Gut. War's das?�</p><p>�Ja, Sir.�</p><p>�Danke.� Walters stand auf, und w�hrend Parker das B�ro verlie�, trat er an sein Fenster und sah auf den Atlantik hinaus. Das war Murphys verdammtes Gesetz. Wenn etwas passierte, dann passierte alles auf einmal.</p><empty-line/><p><emphasis>Port Lounge, Miami International Airport</emphasis></p><empty-line/><p>�Nette Aussicht�, meinte Patrick mit einem Cocktail an den Lippen. Die Loungebar befand sich auf der achten Ebene des Flughafens von Miami. Im Stil eines Atriums gebaut, atmete die Lounge tropisches Klima und �ffnete den Blick auf den Flughafen und die Skyline von Miami. Peter sa� neben ihm und trank einen Tee. Seit ihrem Treffen in Hamburg waren knapp vier Wochen vergangen, und viel war geschehen. W�hrend Peter weiter an den �bersetzungen gearbeitet hatte, hatte Patrick sich um die Organisation einer Expedition bem�ht.</p><p>Es stellte sich heraus, dass sie sich besser ein halbes Jahr Zeit genommen h�tten, denn ihr Vorhaben war komplex und alles andere als g�nstig. Aber sie hatten sich entschlossen, das Unternehmen selbst zu finanzieren, was mit den Mitteln, die sie durch ihre beiden vergangenen Projekte zusammengetragen hatten, m�glich war. Aus diesem Grund mussten sie sich nicht um Geldgeber bem�hen und langwierige Verhandlungen um Projektkalkulationen und Businesspl�ne �ber sich ergehen lassen. Zugleich dr�ngte die Zeit. Peter f�rchtete, dass andere Forscher ihnen zuvorkommen w�rden, nachdem er die ersten Ergebnisse der Sichtung der Dokumente aus Alexandria weitergegeben hatte. Patrick wurde bei der Recherche klar, wie viel mehr Aufwand eine Expedition, wie sie sie planten, bedeutete als eine Tour in den Urwald, die er alleine bestreiten konnte. Sie brauchten ein Schiff, das f�r unterseeische Untersuchungen voll ausgestattet war. Sie ben�tigten aber nicht nur Taucherausr�stungen, sondern auch ferngesteuerte Roboter � sogenannte ROVs �, idealerweise sogar ein U-Boot, dar�ber hinaus eine Mannschaft, die all das bedienen konnte, und nat�rlich s�mtliche Genehmigungen, die hierf�r notwendig waren.</p><p>Es gab zahlreiche Organisationen, die man ansprechen konnte. Schiffe lie�en sich einzeln chartern, ebenso wie eine Crew und das Equipment. Es gab auch einige Unternehmen, die alles gemeinsam, sozusagen als Paket anboten. Neben der Tatsache, dass diese g�nstiger waren, lag ein weiterer Vorteil darin, dass es erfahrene und eingespielte Teams auf den eigenen Schiffen waren, die sich um alles k�mmerten, die also auch bei der logistischen Planung berieten und einem die Beschaffung von Genehmigungen abnahmen. Dummerweise waren diese Schiffe in der Regel mehr als ein Jahr im Voraus vollkommen ausgebucht von wissenschaftlichen Fakult�ten, Forschungseinrichtungen, Beh�rden und Privatleuten. Aber genau hier hatte sich eine gl�ckliche F�gung ergeben: Eines der Schiffe der Woods Hole Oceanographic Institution war kurzfristig frei geworden. Die Schiffe und ROVs der WHOI hatten unter anderem die untergegangene<emphasis> Titanic</emphasis> entdeckt. Es war die weltweit gr��te derartige Organisation mit einer Flotte von vier gro�en Forschungsschiffen und zahlreichen Unterseebooten. Nun war ein Kunde abgesprungen, und die<emphasis> Argo</emphasis> war frei. Sie war gerade auf einer Mission in der Karibik gewesen und w�rde in rund zwei Wochen zu den Kanaren aufbrechen. Zwei Wochen waren frei geworden, und Patrick hatte das Schiff f�r diesen Zeitraum chartern k�nnen. Es w�rde sie rund sechzigtausend Dollar pro Tag kosten, aber sie hatten sich entschlossen, dieses Geld zu investieren. Nat�rlich konnte niemand mit gesundem Menschenverstand annehmen, dass sie mit einer derart kurzen Vorbereitung und nur vierzehn Tagen Zeit das untergegangene Atlantis finden w�rden, die hartn�ckigste und zugleich fl�chtigste Legende der Welt. Aber es war eine einmalige Gelegenheit, und besonders Peter glaubte felsenfest an die Qualit�t ihrer Informationen und an den Erfolg des Projekts. Wie auch immer sich dieses gestaltete � allein eine Spur oder gar ein einzelnes Artefakt �, alles w�rde unbezahlbar sein. Es w�rde ihren Ruf sichern, T�ren �ffnen und weitere Projekte erm�glichen.</p><p>Die<emphasis> Argo</emphasis> lag im Hafen von Fort Pierce, rund zwei Stunden Autofahrt n�rdlich von Miami. Peter und Patrick waren am n�chsten Morgen mit dem Kapit�n dort verabredet, und erst am Mittag wurden die Leinen gel�st. Patrick w�nschte, sie w�rden sich die Zeit nehmen, um in Miami einen netten Abend zu verbringen, aber der einzige Grund, weshalb sie noch hier waren und sich noch nicht zum Leihwagen aufgemacht hatten, war der, dass Peter sich hier oben verabredet hatte.</p><p>Es handelte sich um eine Fernseh-Journalistin, die von ihrem Unternehmen geh�rt hatte und sich nun mit ihnen treffen wollte. Patrick hatte keine Vorstellung, wie um alles in der Welt die Frau Wind von der Sache bekommen hatte. In seinen Augen machte das die Frau verd�chtig, doch dies traf im Grunde auf jede andere Journalistin auch zu. Peter hatte sich mit Details zur�ckgehalten, wollte aber, dass sie sich unvoreingenommen anh�rten, was die Frau zu sagen hatte. Erst danach wollte er mit Patrick dar�ber reden.</p><p>Patrick bestellte sich gerade einen zweiten Long Island Icetea, als sie angesprochen wurden. Sie drehten sich um. Vor ihnen stand eine Frau mittleren Alters, Patrick sch�tzte sie auf Anfang vierzig, sportlich-leger in Jeans und Sweatshirt gekleidet, die schwarzen Haaren zu einem kurzen Zopf gebunden, mit einer schwarzrandigen Brille auf der Nase und einer Laptoptasche �ber der Schulter.</p><p>�Professor Peter Lavell?�, fragte sie.</p><p>Peter erhob sich von seinem Barhocker und reichte der Frau die Hand. �Das bin ich, ja. Sehr erfreut, Ihre Bekanntschaft zu machen. Sie m�ssen Kathleen Denver sein.�</p><p>�Richtig.�</p><p>�Das hier ist mein Kollege, Patrick Nevreux.�</p><p>�Sehr erfreut! Sind Sie Franzose?�</p><p>�Haarscharf kombiniert�, gab Patrick zur�ck.</p><p>�Wollen wir uns dort dr�ben hinsetzen?� Sie deutete auf eine freie Sitzgruppe.</p><p>Nachdem sie mit ihren Getr�nken umgezogen und der Journalistin etwas bestellt hatten, kam sie schnell zur Sache. Was besonders Patrick sehr zu sch�tzen wusste.</p><p>�Ich freue mich, dass Sie meiner Bitte, sich mit mir zu treffen, so schnell gefolgt sind. Kurz zu mir: Ich bin freie Journalistin und arbeite zurzeit f�r die FOX International Channels, die unter anderem den History Channel verantworten. Meine Serie wird in diesem Rahmen gezeigt. �Dare to Know�. Vielleicht haben Sie sie schon einmal gesehen...� Als sie Patricks Schulterzucken sah, lenkte sie ein. �Es ist eine Reihe, die sich mit R�tseln der Menschheitsgeschichte besch�ftigt. Wir hatten da schon etwas �ber die Templer, etwas �ber das Letzte Abendmahl, �ber die Bundeslade... und solche Sachen.�</p><p>Ein Ober brachte ihren Drink, und sie nahmen gemeinsam einen Schluck aus ihren Gl�sern, bevor sie fortfuhr. �Wie dem auch sei, wenn Sie die Reihe nicht kennen, macht das nichts.� Sie �ffnete ihre Tasche und holte eine DVD heraus. �Ich habe Ihnen ein paar Folgen gebrannt, damit Sie sich ein Bild machen k�nnen. Diese Reihe l�uft allerdings im Sommer aus, und ich arbeite jetzt an einem neuen Konzept. Weniger rei�erisch, weniger spekulativ, weniger nachgespielte Szenen in Kost�men...</p><p>sondern mehr echte Geschichte, mehr Wissenschaft und die Berichterstattung m�glichst live.�</p><p>Peter nickte nur, sagte aber nichts. So viel wusste er bereits, als sich die Frau per E-Mail bei ihm gemeldet hatte.</p><p>�Nun habe ich von Ihrem Vorhaben geh�rt und m�chte gerne �ber Ihr Projekt berichten. Was halten Sie davon?�</p><p>�Was wissen Sie �ber unsere Pl�ne?�, fragte Patrick.</p><p>�Mir ist zu Ohren gekommen, dass Sie, Professor Lavell, in Alexandria einen besonderen Fund gemacht haben...� Sie nahm einen weiteren Schluck. �Nein, stimmt nicht. Ich will ehrlich mit Ihnen sein. Ich war sogar dabei.�</p><p>�Sie waren dabei?!� Peter hob eine Augenbraue.</p><p>Sie l�chelte. �Ja. Ich war bei Ihnen, als Sie das Grab ge�ffnet haben, das dann gar keines war. Ich hatte mich in das Grabungsteam eingeschlichen, nachdem ich erfahren hatte, dass man etwas gefunden hatte... Sie m�ssen wissen, dass ich mich f�r solche Sachen naturgem�� besonders interessiere... Ich wollte schon einmal eine Sendung �ber Alexander den Gro�en machen und hatte so bereits einige Kontakte und wusste von den voranschreitenden Arbeiten. Als ich nun h�rte, dass es ernst wurde, habe ich kurzfristig einen Kameramann im Team abgel�st. Ich war unten und habe Sie gefilmt, wie Sie sich vielleicht erinnern.�</p><p>Peter rief sich die Situation in Erinnerung. Er hatte die Frau mit der Kamera nicht beachtet, hatte sie f�r ein normales Teammitglied gehalten. Sie hatte sich tats�chlich eingeschlichen?</p><p>�Jedenfalls habe ich alles gesehen. Und ich wei� inzwischen, dass Sie einige der Texte aus der dortigen Bibliothek gesichtet und �bersetzt und den vollst�ndigen<emphasis> Kritias-</emphasis>Dialog gefunden haben.�</p><p>�Das ist ungeheuerlich!�, entfuhr es Peter. Mit einem Mal drohte ihm der sichere Boden zu entgleiten. Wenn schon die Presse davon wusste, wie war dann zu hoffen, dass sie ihre Untersuchung halbwegs ungest�rt durchf�hren konnten?</p><p>�Sch�tze mal, Sie nehmen es mit dem Gesetz nicht so genau?�, warf Patrick ein.</p><p>Die Journalistin hob abwehrend die H�nde und r�ckte dann ihre Brille zurecht. �Ich bitte Sie! Ziehen Sie auf keinen Fall voreilige Schl�sse! Ich habe nicht vor, irgendetwas ohne Ihre Zustimmung � oder die des Centre d'Etudes Alexandrines � zu ver�ffentlichen. Sie haben mein Wort darauf! Deswegen treffe ich mich heute mit Ihnen. Es ist ein ungeheuer spannendes Feld, und Ihr Projekt ist so interessant, dass ich mit Ihnen gemeinsam eine Dokumentation daraus machen m�chte.�</p><p>�Dann wissen Sie auch, weswegen wir in die Staaten gekommen sind?�, fragte Patrick misstrauisch.</p><p>�Ich wei� es nat�rlich nicht. Jedenfalls nicht genau. Aber ich habe erfahren, dass Sie ein Forschungsschiff aus Woods Hole gechartert haben...�</p><p>�Wie Sie das herausbekommen haben, m�chte ich gar nicht wissen...�, knurrte Patrick und leerte seinen Drink.</p><p>�...und daher habe ich meine Schl�sse gezogen�, fuhr sie fort. �Es ist ja allgemein bekannt, dass Kritias sich mit Atlantis besch�ftigt. Allein das ist einen Bericht wert! Und wenn Sie nun aufgrund dieses Fundes in See stechen, dann kann das nur bedeuten, dass Sie auf den Spuren des untergegangenen Kontinents sind.� Sie sah die beiden mit einer Mischung aus Eindringlichkeit und Begeisterung an.</p><p>Peter holte tief Luft. Konnte er wirklich keinen Schritt mehr tun, ohne dass es die ganze Welt erfuhr? Bei ihrem gemeinsamen Projekt in S�dfrankreich, wo sie in aller Abgeschiedenheit forschen sollten, hatten sich in k�rzester Zeit allerlei merkw�rdige Gruppierungen an ihre Fersen geheftet. Beim Sakkara-Projekt ein Jahr sp�ter war es nicht anders gewesen; man hatte ihnen sogar die Einreise nach �gypten verweigert, da ihnen ihr Ruf vorausgeeilt war. Und nun konnte er weder einen Fu� nach Alexandria noch nach Miami setzen, ohne dass man ihn bereits erwartete.</p><p>Noch bevor Peter etwas sagen konnte, hob die Journalistin erneut an. �Ich wei�, dass das �berraschend f�r Sie kommt. Bestimmt wollten Sie Ihr Projekt ganz in Ruhe abwickeln, ohne St�rungen von au�en und ohne Publicity. Ich m�chte mich auf gar keinen Fall aufdr�ngen, wenn Sie davon nichts wissen m�chten. Ich bitte Sie nur, sich Gedanken dar�ber zu machen.� Sie holte eine Visitenkarte heraus, schrieb etwas darauf und �berreichte sie Peter. �Sie k�nnen mich jederzeit mobil erreichen. Oder per E-Mail nat�rlich.�</p><p>Peter drehte die Karte in den Fingern. Gerade noch war er sich sicher gewesen, dass sie auf dem richtigen Weg waren, dass ihr Projekt erfolgreich sein w�rde. Und bei n�herer Betrachtung mochte eine Dokumentation �ber sagenhafte Funde tats�chlich die beste �ffentlichkeitsarbeit sein, die er sich vorstellen konnte. Aber was, wenn sie scheiterten? Was f�r ein grandioses Scheitern w�rde das im History Channel werden? Nein, es war einfach zu fr�h, zu unsicher.</p><p>�Vielen Dank f�r Ihr Angebot, Miss Denver�, sagte er. �Es ist tats�chlich sehr verlockend, und die Vorstellung, dass das Projekt begleitet und dokumentiert w�rde, noch dazu in einem so angesehenen Kanal, ist schmeichelnd. Aber sicher verstehen Sie, wenn wir uns dar�ber erst Gedanken machen m�ssen und Ihnen jetzt keine Antwort geben k�nnen.�</p><p>Sie erhob sich. �Aber nat�rlich! Ich verstehe das vollkommen! Und ich bin auch schon wieder weg, denn ich m�chte Ihnen nicht auf die Nerven gehen.� Sie l�chelte beide an und reichte ihnen die Hand. �Es hat mich sehr gefreut, Sie kennenzulernen, Professor Lavell, und Sie, Mister Nevreux. Und nat�rlich w�re es f�r mich eine gro�e Ehre, wenn Sie mich an Ihrem Unternehmen teilhaben lassen. �ber Details k�nnen wir ja sprechen, wenn Sie es sich �berlegt haben! Auf Wiedersehen. Und genie�en Sie Ihren Aufenthalt in Miami.� Sie schulterte ihre Laptoptasche und ging, nicht ohne sich am Ausgang noch einmal umzudrehen und zu winken.</p><p>�Reichlich aufgedreht, die Gute�, meinte Patrick nach einer Weile.</p><p>�Und was halten Sie sonst von ihr?�</p><p>�Ist nicht mein Typ.�</p><p>�Von ihrem Angebot.�</p><p>�Schon klar.� Patrick sah hin�ber zu den Fenstern. �Also ich wei� nicht. Einerseits klingt es ja wie keine schlechte Idee. Aber andererseits... Ich meine, ist doch ziemlich komisch, dass sie von der Grabung in Alexandria wusste. Und unsere Expedition hat sie Ihnen auf den Kopf zugesagt.�</p><p>�Sie meinen, der Dame sei nicht zu trauen?�</p><p>Patrick zuckte mit den Schultern. �Keine Ahnung. Ist ja im Grunde ihr Job, gut informiert zu sein. Aber Reporter machen mich immer etwas nerv�s, wissen Sie. Vielleicht liegt es daran.�</p><p>�Ich habe kurz �berlegt, dass es vorteilhaft sein k�nnte, sie einzubinden. Immerhin arbeitet sie nicht f�r einen zwielichtigen Lokalsender, sondern f�r einen mit internationalem Format. Sie k�nnte mit einer Dokumentation das Ganze in einem seri�sen Licht zeigen. Es w�re vielleicht ein Weg, der Kritik zu begegnen, der wir zweifellos ausgesetzt sein werden.�</p><p>�Dem Spott viel eher�, meinte Patrick. �Es ist ja schon eine reichlich fantastische Unternehmung, die wir hier planen. �Professor Lavell ist jetzt v�llig verr�ckt geworden�, wird man sagen.�</p><p>�Wenn Sie auch so denken, warum machen Sie dann mit?�</p><p>�Dass Sie verr�ckt sind, ist<emphasis> mir</emphasis> ja nichts Neues.� Patrick grinste. �Au�erdem habe ich an einem Abenteuer in der Karibik nichts auszusetzen.�</p><p>Peter seufzte. �Wir k�nnen nur hoffen, dass es nicht halb so abenteuerlich wird wie unsere bisherigen Projekte.�</p><p>�Darauf ein Toast�, gab Patrick zur�ck und hob sein Glas.</p><empty-line/><p><emphasis>Morgens, im Hafen von Fort Fierce, Florida</emphasis></p><empty-line/><p>Die<emphasis> Argo</emphasis> war m�chtiger, als Patrick sie von den Fotos im Internet in Erinnerung hatte. Er wusste zwar, dass sie das gr��te Schiff der Flotte und als einziges f�r den Einsatz des Forschungs-U-Boots ausger�stet war. Aber nun direkt davor zu stehen, war etwas ganz anderes. Die leuchtend wei�en Decks erhoben sich gute f�nfzehn Meter �ber den dunkelblauen Rumpf bis hinauf zur quer verlaufenden Br�cke. Am Heck des achtzig Meter langen Schiffes ragte der massige hochgeklappte blaue Rahmen auf, mit dem das U-Boot zu Wasser gelassen werden konnte.</p><p>Ein kr�ftiger Mann in einer kurzen wei�en Hose trat auf sie zu und streckte ihnen die behaarte Hand entgegen. �John Harris, ich bin der Kapit�n der<emphasis> Argo.</emphasis> Sch�n, dass Sie da sind.� Dann drehte er sich halb herum und wies l�chelnd auf das Schiff. �Nun sehen Sie, was Sie gekauft haben. Ich hoffe, sie gef�llt Ihnen.�</p><p>�Ich bin zutiefst beeindruckt, Mister Harris�, sagte Peter und fand keine weiteren Worte, um seinem Staunen Ausdruck zu verleihen. Hier waren keine Menschen, die alte Pergamente studierten, antike Texte �bersetzten oder bestenfalls Tonscherben ausgruben. Hier manifestierten sich wissenschaftliche Forschung, Entdeckergeist und Tatendrang in �berlebensgr��e.</p><p>�Nennen Sie mich John. Das spart viel Atem bei unserer Arbeit. Bestimmt m�chten Sie sich alles ansehen. Aber wir haben noch Zeit genug daf�r, wenn es losgeht, und ehrlich gesagt sind wir jetzt mit Aufr�umen, Beladen und dem Check des Equipments besch�ftigt, sodass wir die Crew nur st�ren w�rden. Ihr Gep�ck lassen Sie einfach hier stehen, meine Leute werden es an Bord bringen.� Er wies auf ein niedriges Geb�ude. �Ich schlage vor, dass wir dort hinten einen Kaffee trinken, und dann k�nnen wir uns in Ruhe dar�ber unterhalten, was auf Sie � auf<emphasis> uns � </emphasis>zukommt.�</p><p>�Gute Idee�, stimmte Patrick zu. �Viel schlechter als das Sp�lwasser im Hotel kann das Gebr�u dort auch nicht sein.�</p><p>John lachte. �In Europa ist man anderen Kaffee gewohnt, ich wei�. Aber vertrauen Sie mir, die Schiffsbesatzungen und Hafenarbeiter, die dort essen, sind auch auf der Suche nach etwas Kr�ftigem.�</p><p>Wenig sp�ter sa�en sie in einem schlichten amerikanischen Diner. Patrick nahm mit Wohlwollen zur Kenntnis, dass der Kaffee beliebig oft neu aufgef�llt wurde und die R�hreiportion, die er sich bestellt hatte, kaum zu bew�ltigen war.</p><p>�Ich muss schon sagen�, erkl�rte John gerade, �dass Ihr Projekt mich ausgesprochen neugierig gemacht hat. Nachdem Sie Ihre Unterlagen an Woods Hole geschickt hatten, hat es schnell die Runde gemacht. Wenn man wie ich in den letzten f�nfzehn Jahren immer nur ein paar Meeresbiologen oder Geologen zum Mittelatlantischen R�cken und zu unterseeischen Vulkanschloten kutschiert hat, dann freut man sich, wenn mal etwas wirklich Verr�cktes auf dem Plan steht.� Er l�chelte dabei in einer so herzlichen Art, dass man es nicht als Beleidigung auffassen konnte. Dennoch z�gerte Peter.</p><p>�Wie denkt man bei Woods Hole �ber das Unternehmen?�, fragte er.</p><p>�Zuerst hat man die Anfrage nat�rlich nicht f�r bare M�nze genommen. Aber als wir Ihre Vita pr�ften, wurde schnell klar, dass Sie es ernst meinen und dass es tats�chlich eine interessante Sache ist. Und wir waren alle sehr froh, dass wir so eine L�cke in den Fahrtenpl�nen der<emphasis> Argo</emphasis> f�llen konnten.�</p><p>�Eine �interessante Sache�? Versuchen Sie sich in<emphasis> political correctness</emphasis>?�, fragte Patrick mit vollem Mund. �Ruhig raus damit: Was denken Sie selbst dar�ber?�</p><p>John lachte auf. �Wollen Sie mich beleidigen? Ich halte nichts davon, um den hei�en Brei herumzureden. Was ich selbst davon halte? Also, ich bin Kapit�n und kein Wissenschaftler wie Sie. Und auch kein Historiker. Ich habe keine Ahnung, ob es Atlantis wirklich gegeben hat. Aber als wir die<emphasis> Titanic</emphasis> gesucht haben, hielten uns auch viele f�r verr�ckt. Gut, der Vergleich hinkt vielleicht. Aber trotzdem: eine verr�ckte Idee, eine gro�artige Story. Und au�erdem: Sie bezahlen es doch!� Wieder grinste er.</p><p>In Patricks Augen hatte der Mann gerade ordentlich Sympathiepunkte eingezahlt.</p><p>�Um elf geht es also los. Und es gibt noch eine kleine �berraschung f�r Sie. Ich wei� nicht, ob ich sie mir nicht lieber noch aufheben sollte...�</p><p>John sah vom einen zum anderen, und es war ihm anzumerken, dass er nur auf ein aufforderndes Nicken wartete. Als nichts dergleichen geschah, platzte er dennoch heraus: �Ich bin wirklich aufgeregt, deswegen erz�hle ich es einfach sofort! Sie werden die Ersten sein, die mit<emphasis> Alvin II</emphasis> tauchen k�nnen!�</p><p>�Ist das ein neues U-Boot?�, fragte Peter.</p><p>�Es ist nicht nur<emphasis> ein</emphasis> neues U-Boot, Professor. Es ist<emphasis> das</emphasis> neue U-Boot! Ich wei� nicht, wie gut Sie sich mit ROVs und HOVs auskennen...� Als er auf seinen fragenden Blick nur Schulterzucken von Peter erntete, holte er aus: �Wir unterscheiden drei verschiedene Typen von Ger�ten f�r die Unterwasserforschung: AUVs, ROVs und HOVs. Das Erste sind autonome Unterwasserfahrzeuge, also letztlich mehr oder weniger intelligente Sonden, die selbstst�ndig nach vorgegebenen Programmen arbeiten k�nnen. ROVs sind �hnliche Roboter, allerdings werden sie vom Schiff aus ferngesteuert. Und HOVs schlie�lich sind das, was Sie U-Boote nennen. Allerdings sind sie nicht vergleichbar mit herk�mmlichen U-Booten. Sie werden feststellen, dass Forschungs-U-Boote in erster Linie wesentlich kleiner sind. Klaustrophobisch d�rfen Sie da nicht sein. Aber das hat nat�rlich seinen Grund. Das Milit�r taucht �blicherweise einen halben Kilometer tief, einige kommen sogar einen ganzen Kilometer nach unten, aber dann ist Schluss. Der Druck dort unten ist einfach zu gro�. Ein Atom-U-Boot von den Ausma�en eines Airbus vor dem hundertfachen Druck zu sch�tzen, ist nahezu unm�glich. Aber f�r die Forschung ist das nat�rlich l�cherlich, wenn Sie bedenken, dass der tiefste Punkt im Marianengraben bei elf Kilometern unter null liegt.�</p><p>�Und die HOVs?�</p><p>�Es gibt nur eine Handvoll von HOVs weltweit. Sie sind klein, f�r nur zwei oder drei Personen, aber sie sind au�ergew�hnlich stabil. Damit kommen Sie im Schnitt bis zu sechs Kilometer tief, was immerhin reicht, um rund achtundneunzig Prozent des Meeresbodens zu erreichen. Schlie�lich sind solche Tiefseegr�ben wie im Pazifik die Ausnahme. Nur mit den Bathyscaphs geht es noch tiefer, aber da geht es dann auch nicht mehr um Man�vrierbarkeit und Flexibilit�t, sondern darum, maximalem Druck standzuhalten. Wenn Sie ein richtiges U-Boot mit Fenstern und Greifarmen brauchen, dann muss es ein HOV sein.<emphasis> Alvin</emphasis> war bisher das einzige amerikanische HOV und ist schon �ber vierzig Jahre alt. Wie haben<emphasis> Alvin</emphasis> immer wieder erweitert und auf den neuesten technischen Stand gebracht, und inzwischen sind viele tausend Tauchfahrten gemacht worden. Aber irgendwann ist nat�rlich Schluss, und man muss mal ein rundum neues Modell entwickeln:<emphasis> Alvin II.</emphasis> Und Ihr Projekt wird das erste sein, bei dem es eingesetzt wird!�</p><p>Patrick, der die Begriffe und technischen Spezifikationen kannte, sah am Kapit�n der<emphasis> Argo</emphasis> vorbei hinaus zum Kai. Dort war eine kleine Gruppe von Leuten aufgetaucht, die sich mit jemandem auf dem Schiff unterhielten. Jetzt wandten sie sich ab und kamen auf das Diner zu.</p><p>�... erweitert, und statt der drei Fenster haben wir nun f�nf eingebaut�, sagte John gerade, als Patrick ihn unterbrach.</p><p>�Sie werden wohl gesucht�, sagte der Franzose, als die Fremden kurz darauf eintraten. Es waren drei junge M�nner. Einer trug eine Videokamera, die er sich gerade auf die Schulter hob. Ein anderer setzte sich Kopfh�rer auf, die mit einem Mikrofon und einem Kasten an seiner H�fte verbunden waren. Die drei kamen zielstrebig auf den Kapit�n zu.</p><p>�Ich f�rchte, sie suchen nicht mich�, sagte John, �sondern Sie.�</p><p>Noch bevor Peter und Patrick etwas erwidern konnten, standen die drei bereits vor ihrem Tisch. Kamera und Mikrofon waren auf sie gerichtet.</p><p>�Kevin Strout von FOX News�, gr��te der vorderste der M�nner. �Ich habe erfahren, dass Sie eine Atlantis-Expedition planen und m�chte gerne ein paar Statements von Ihnen einfangen. Sind Sie Professor Lavell aus Deutschland? Was l�sst Sie glauben, dass Sie den versunkenen Kontinent finden k�nnten?�</p><p>Peter sah den Mann mit einer Mischung aus Ungl�ubigkeit und Ver�rgerung an. Welche Dreistigkeit legte dieser Mann an den Tag, und wie um alles in der Welt hatte er nun wieder von ihrem Projekt erfahren?</p><p>�Was l�sst Sie glauben, dass wir einen versunkenen Kontinent suchen?�, gab er zur�ck und hoffte, damit der Frage auszuweichen.</p><p>�F�r seri�se Forscher ist Atlantis ein blo�es M�rchen�, fuhr der Journalist fort. �Warum denken Sie anders?�</p><p>�Es gibt keine Antworten, die in Ihre f�nfzehn Sekunden Sendezeit passen w�rden, Mister Strout�, antwortete Peter. �Und ich bezweifle, dass Sie l�ngere Erkl�rungen verstehen w�rden.�</p><p>Der Mann verzog seinen Mund kurz zu einem �tzenden L�cheln, fragte dann aber in einem freundlichen Ton weiter: �Ist es nicht total verr�ckt, fast eine Million Dollar f�r so ein M�rchen auszugeben?�</p><p>�Ich habe Ihnen nichts mehr zu sagen�, erwiderte Peter und wandte sich seinem Kaffee zu.</p><p>�Glauben Sie, dass es sinnvoll ist, sich mit der etablierten Wissenschaft anzulegen?�</p><p>Nun lehnte Patrick sich nach vorn, ergriff die Hand mit dem Mikrofon, zog es an sich heran und rief hinein: �Sehen Sie zu, dass Sie Land gewinnen, Kumpel. Sie sind hier nicht erw�nscht!� Der Helfer riss sich mit schmerzverzerrter Miene die H�rer vom Kopf.</p><p>Der Journalist sah sie entr�stet an. �Wir sind extra f�r dieses Interview aus Miami gekommen.�</p><p>�Das interessiert uns einen Dreck�, erwiderte Patrick.</p><p>�Sie wollen also, dass wir verschwinden?�</p><p>Nun blickte Peter wieder hoch und nickte. �Ja. Unbedingt.�</p><p>�Gut. Wie Sie wollen.� Damit drehte er sich um und verlie� mit seinen beiden Mitarbeitern das Lokal.</p><p>F�r kurze Zeit setzte Schweigen ein, bis John das Wort ergriff. �Ich vermute, mit solchen Situationen m�ssen Sie in Zukunft auch weiter rechnen. Es gibt immer Leute, die auf Sensationen aus sind und sich brennend daf�r interessieren, wenn ein neues Projekt ansteht.�</p><p>�Wie konnten sie davon erfahren?�</p><p>�Vermutlich �ber die Woods Hole Website�, sagte John. �Wie Sie wissen, m�ssen wir Rechenschaft �ber unsere Projekte ablegen. Dort k�nnen Sie sogar tagesaktuell sehen, wo sich jedes einzelne unserer Forschungsschiffe gerade befindet, jedenfalls grob. Und dann gibt es nat�rlich noch die Pressemeldungen und den Newsletter. Ich sch�tze, so hat es sich herumgesprochen.�</p><p>Peter sch�ttelte den Kopf. Seine Zweifel an den neuen Medien bekamen wieder neue Nahrung. Jene kritische Einstellung, die ihn lange davon abgehalten hatte, auch nur einen Computer zu benutzen, geschweige denn einen Internetzugang, und die ihn an dem Wahrheitsgehalt jeder Nachricht und der Glaubw�rdigkeit jeder Quelle zweifeln lie�. Immer h�ufiger wurden nur mehr Informationen verbreitet, vervielf�ltigt und verf�lscht, alles versank in einem Strom von Daten und Falschmeldungen. Und nun steckte er selbst mitten drin.</p><p>�Wenn diese Leute tats�chlich von FOX waren�, warf Patrick ein, �dann haben sie ihre Infos vielleicht von unserer Freundin gestern Abend.�</p><p>�Meinen Sie?�</p><p>�Wer wei�.�</p><p>�Ich w�rde Ihnen empfehlen, so etwas nicht �berzubewerten�, sagte der Kapit�n. �Wenn wir mit unseren Schiffen unterwegs sind, passiert das h�ufig. Aber wenn sich keine vern�nftige Nachricht daraus machen l�sst, schl�ft das Interesse auch schnell wieder ein.�</p><p>Peter war nicht �berzeugt, mochte aber auch nicht l�nger dar�ber nachdenken. Er sah hinaus zum Schiff. �Mein Kollege Patrick hat ja die ganze Koordination mit Ihnen bisher �bernommen. Er sagte mir, dass Sie einen Zwischenstopp in Nassau eingeplant haben. Was hat es damit auf sich?�</p><p>�Wir m�ssen leider einen Umweg fahren. Als das Projekt, das urspr�nglich f�r diesen Zeitraum geplant war, zur�ckgezogen wurde, haben wir diesen Termin organisiert. Wir werden dort einige Studenten an Bord nehmen. Wir verlieren einen Tag, aber der wird Ihnen nat�rlich nicht in Rechnung gestellt. Auf dem Weg dorthin werden wir Ihre erste Station bei Bimini untersuchen.�</p><p>Peter nickte.</p><p>�Das Gebiet um die Bimini-Stra�e, die Sie sich ansehen m�chten, ist nicht tief�, erkl�rte John. �Hier haben Sie Gelegenheit zu eigenen Tauchg�ngen. Der zweite Ort, drau�en auf dem Atlantik, den wir am Tag nach dem Zwischenstopp auf den Bahamas erreichen werden, liegt allerdings in dreieinhalbtausend Metern Tiefe. Hier werden wir zun�chst Bodenprofilscans vornehmen. Wenn wir etwas finden, das Sie interessiert, schicken wir entweder<emphasis> Sentry</emphasis> oder<emphasis> Jason</emphasis> runter, das sind zwei andere Boote.<emphasis> Sentry</emphasis> ist autonom, w�hrend sich<emphasis> Jason </emphasis>steuern l�sst und �ber Greifarme verf�gt...�</p><p>�Also ein AUV und ein ROV�, f�gte Peter ein.</p><p>�Richtig. Ich sehe, Sie haben sich das Fachvokabular bereits angeeignet. Und wenn wir auf diesem Weg etwas Spannendes entdecken, k�nnen Sie dann mit<emphasis> Alvin II</emphasis> pers�nlich auf den Meeresboden.�</p><p>Peter warf Patrick einen etwas z�gerlichen Blick zu. Ob er sich wirklich in einer kleinen Kapsel in die Schw�rze der Tiefsee senken lassen w�rde, konnte er sich bei aller Begeisterung f�r die aktive Feldforschung beim besten Willen nicht vorstellen.</p></section><section><empty-line/><p><strong>Kapitel 5</strong></p><empty-line/><p><emphasis>An Bord der </emphasis>Libertad<emphasis>, etwa f�nfzig Seemeilen nord�stlich von Kuba</emphasis></p><empty-line/><p>Nu�o Gonz�lez stand in der Offiziersmesse der<emphasis> Libertad.</emphasis></p><p>Es war ein Schiff der<emphasis> Fuerzas Armadas Revolucionarias, </emphasis>genauer der kubanischen Marine. Es war urspr�nglich ein sowjetisches Forschungsschiff gewesen, das kurz vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion an Kuba �bergeben worden war. Schon damals war die Maschine veraltet gewesen, vom wissenschaftlichen Equipment ganz zu schweigen. Bei genauer Betrachtung hatte der Kahn vermutlich kurz vor der Ausmusterung gestanden. Aber die kubanische Marine hatte das Schiff nach besten M�glichkeiten general�berholt. Der Rumpf war verst�rkt worden, einige Aufbauten waren verschwunden und hatten einer Hubschrauberlandeplattform Platz gemacht. Mit gro�em Aufwand war ein neuer Dieselmotor eingesetzt, die Br�cke entkernt und der Leitstand mehr oder wenig vollkommen ausgetauscht worden. Die technische Ausr�stung an Bord entsprach inzwischen zwar auch schon nicht mehr dem neuesten Stand, aber immerhin war sie nicht mehr vierzig Jahre alt. Sogar die Kaj�ten hatte man renoviert � jedenfalls die der Offiziere, von denen Gonz�lez eine belegte.</p><p>�<emphasis>�Camarados!</emphasis>�<emphasis>,</emphasis> begann er, �Heute ist der erste Abend unserer Mission und auf diesem Schiff, der<emphasis> Libertad.</emphasis> Und eine Freiheit soll sie uns bringen! Freiheit f�r das, was wir hinter uns lassen, Freiheit f�r unsere Zukunft und Freiheit f�r das Gold auf dem Meeresboden!�</p><p>Die M�nner der versammelten Mannschaft lachten, rissen die Arme nach oben und riefen Gonz�lez begeistert zu.</p><p>�Heute Abend feiern wir gemeinsam, und ab morgen k�mpfen wir gemeinsam. Wir bezwingen dieses Meer, die Tiefe, und wir holen uns den Schatz!�</p><p>Wieder jubelte die Mannschaft. Gonz�lez hob eine Hand und gebot den M�nnern mit einem strengen Blick zu schweigen.</p><p>�Wenn wir von dieser Mission zur�ckkehren, seid ihr alle freie M�nner, zum ersten Mal richtig frei. K�nnt neue Autos kaufen, gro�e H�user bauen und euren Familien Ruhm und Reichtum bringen. Aber bis es so weit ist, gibt es zwei eiserne Gesetze an Bord der<emphasis> Libertad,</emphasis> und ich werde keine �bertretungen dulden. Zwei Gesetze, mehr nicht. Eines dieser Gesetze ist Capit�n Manuel. Er ist der Herr �ber die<emphasis> Libertad.</emphasis>� Gonz�lez deutete auf den Kapit�n, der breitschultrig und in Uniform neben ihm stand. �Alles hier geh�rt ihm, ihr seid nur seine G�ste. Seinen Anweisungen wird nicht widersprochen.�</p><p>Die M�nner nickten schweigend.</p><p>�Und das andere Gesetz bin ich, der Comandante dieser Mission. Was das Schiff angeht, beuge auch ich mich dem Capit�n, aber alles andere bestimme ich. Mein Wort ist das erste und das letzte. Es gibt keine Diskussionen. Wer mit diesen Regeln nicht einverstanden ist, hat jetzt die M�glichkeit, f�nfzig Seemeilen an Land zu schwimmen. Morgen werden es hundert sein. Wer aber einverstanden ist, wer mit uns k�mpfen und siegen will, der geh�rt zu unserer Familie, und der ruft nun: <emphasis>��Viva la libertad!�</emphasis>�</p><p>Die M�nner stimmten energisch ein, dann sagte Gonz�lez: �Und dies war mein letztes Wort zum heutigen Abend! <emphasis>�Viva la fiesta!</emphasis>�</p><empty-line/><p>Wenig sp�ter war die Mannschaft mit Essen und Trinken besch�ftigt. Es gab Kartoffeln, Bohnen, gebratene Lammkoteletts und ausreichend Bier und Rum. Es wurde viel gelacht, und Gonz�lez, der am Rand einer Tischreihe sa�, lie� seine Augen �ber die M�nner wandern. Es waren zehn gute Kerle. Die meisten kannte er pers�nlich. Es waren entfernte Verwandte, Freunde von Verwandten oder Verwandte von Freunden, und er hatte sich ihre Geschichten erz�hlen lassen, die sie alle etwas gr��er, kr�ftiger und erfahrener gemacht hatten, als sie vermutlich waren. Es war niemand unter ihnen, dem er nicht die besten Absichten unterstellen w�rde, der nicht den Drang hatte, alles zu geben, um erfolgreich zu sein. Es waren keine reichen Leute, die wenigsten hatten nach der Schule eine richtige Ausbildung begonnen, einige waren in der Armee gewesen und hatten sogar Tauchen gelernt, andere arbeiteten jedoch als Lastwagenfahrer, als Werftarbeiter oder Tagel�hner. Doch wichtiger als eine Ausbildung waren ihr Herz, ihre Energie und dass sie zupacken konnten. Capit�n Manuel befahl selbst eine Crew von einem halben Dutzend Matrosen an Bord, die sowohl das Schiff als auch die wissenschaftliche Ausr�stung betreuten. Gonz�lez konnte sich also auf die Suche und die Handarbeit konzentrieren, wusste, dass die Technik in der Hand von Experten war.</p><p>Zum ersten Mal seit dem Tod seines Bruders f�hlte er wieder so etwas wie eine kleine Hoffnung in sich aufsteigen. Er konnte es tats�chlich schaffen. Er<emphasis> w�rde</emphasis> es schaffen! Vielleicht w�rde er in dieser Nacht endlich wieder ruhig schlafen.</p><p>Er sah hin�ber zum Fernseher, der unter der Decke montiert war und halblaut vor sich hin dudelte. Es liefen amerikanische Nachrichten. Walstrandungen in Florida. Sentimentales Getue. Gonz�lez schnaubte. Dann kam die n�chste Meldung, und ein gewaltiges Forschungsschiff erschien im Bild.</p><p>�Manuel, mach das mal lauter!�, rief er.</p><p>Der Kapit�n gab einem seiner Matrosen einen Wink.</p><p>Die M�nner im Speiseraum drehten die K�pfe, als sich der Beitrag �ber ihnen in den Vordergrund dr�ngte. Die meisten sprachen gut genug Englisch, um den Inhalten folgen zu k�nnen.</p><p>�<emphasis>�Mierda!</emphasis>�<emphasis>,</emphasis> fluchte Gonz�lez, als ihm klar wurde, was die Nachricht bedeutete. Erregt stand er auf. �Manuel, kommen Sie, wir m�ssen reden!�</p><p>Sie gingen auf die Br�cke, wo Gonz�lez an den Kartentisch trat.</p><p>�Zeigen Sie mir, wo es ist!�, sagte er.</p><p>Der Kapit�n deutete auf einen Punkt im Atlantik unweit einer Stelle, die bereits auf der Karte markiert war.</p><p>�Ich habe es geahnt�, knurrte Gonz�lez. �Genau das hat uns gefehlt. Das darf nicht wahr sein!� Er sah einen Moment lang zur Decke. Er hasste dieses Gef�hl, wenn ihm jemand ins Essen zu spucken drohte. Etwas musste geschehen! Und da gab es auch eine M�glichkeit...</p><p>�Nassau�, sagte er dann. �Wir m�ssen nach Nassau, so schnell es geht. �ndern Sie den Kurs, Capit�n!�</p><empty-line/><p><emphasis>An Bord der </emphasis>Argo<emphasis>, nordwestlich der Bimini-Inseln</emphasis></p><empty-line/><p>Als Peter an Deck kam, trat er an die Reling und zog die k�hle Luft ein. Es war bereits strahlend hell, die Sonne stand schon eine Handbreit �ber dem Horizont. Es war noch frisch, aber der Himmel lie� erahnen, dass es ein hei�er Tag werden w�rde. Die See war nahezu spiegelglatt. Stille umgab die Szenerie wie eine gl�serne Kuppel. Es war allerdings nicht nur die Ruhe des Meeres, auch die<emphasis> Argo</emphasis> lag still im Wasser. Die Motoren waren abgeschaltet, das Schiff lag vor Anker. Als Peter nach unten blickte, sah er durch das hellgr�ne, vollkommen transparente Wasser geradewegs bis auf den zehn Meter darunter liegenden Meeresboden. Es schien, als schwebe die<emphasis> Argo</emphasis> �ber einem unbekannten Land. Peter erkannte Fische, die an Korallenbrocken nagten, blaue und schwarze Formen, kaum von der Wasseroberfl�che verzerrt, und bisweilen blitzten wei�e und gelbe Farbtupfer an ihnen auf.</p><p>�Guten Morgen, Professor!�</p><p>Peter drehte sich um und entdeckte Patrick, der sich auf ein zusammengerolltes Tau auf einer Luke gesetzt hatte, an der Wand lehnte und rauchte.</p><p>�Guten Morgen, Patrick�, entgegnete Peter. �Sind Sie aus dem Bett gefallen?�</p><p>Patrick l�chelte. �Ich habe f�r einen Moment geglaubt, dass Sie die Fische f�ttern wollten.�</p><p>�Mir geht es gut, danke der Nachfrage�, antwortete Peter. Kurze Zeit nach ihrer Abfahrt aus Fort Pierce war ihm der Seegang auf den Magen geschlagen. Eine Weile hatte er danach an Deck gestanden, mit der Nase im Wind und dem Blick auf den Horizont, aber bei Einbruch der D�mmerung hatte er sich in seine Kabine zur�ckgezogen. Er erinnerte sich an fr�here Schiffsreisen, auf denen er keine Anfl�ge von Seekrankheit gehabt hatte, aber vielleicht war auch dies ein Zeichen des unbarmherzigen �lterwerdens.</p><p>�Fr�hst�ck gibt's erst in einer halben Stunde�, sagte Patrick und deutete auf einen Becher neben sich. �Aber einen Kaffee haben sie schon rausger�ckt. Wollen Sie sich auch einen holen?�</p><p>Peter lehnte dankend ab. An seinem Magen lag es nicht. Tats�chlich war er sogar hungrig, was er als gutes Zeichen deutete, aber mit einem Kaffee auf n�chternen Magen hatte er sich noch nie anfreunden k�nnen. Er w�rde sich auf einen Tee oder zur Not hei�es Wasser beschr�nken.</p><p>�Wo sind wir hier?�, fragte er.</p><p>�Bimini. Da wollten Sie doch hin.�</p><p>�Hier ist es also...� Peter sah wieder auf das Wasser hinaus.</p><p>�Na ja, nicht ganz. Ich sch�tze, wir werden zum Tauchen mit einem Dingi n�her heranfahren.�</p><p>�Einem Dingi?�</p><p>�Einem Schlauchboot.�</p><p>Peter nickte. Es ging los. Er hatte das Projekt bewusst so geplant, dass sie gleich zu Beginn etwas zu sehen bekamen. Sp�ter dann, an der zweiten Forschungsstelle, w�rde sich herausstellen, wie handfest seine weiteren Vermutungen und die gemeinsamen Berechnungen wirklich waren. Dort w�rde sich seine Theorie beweisen m�ssen.<emphasis> Er selbst</emphasis> w�rde sich beweisen m�ssen. Es stand so viel mehr auf dem Spiel als das Projekt und das Geld, das sie investierten. Seinem Erfolg als Historiker und Theoretiker stand der Neid vieler Kollegen gegen�ber, die ihn als Fantasten und bestenfalls Nutznie�er fremder Vorarbeit ansahen. Peter hatte im Lauf seines Lebens immer wieder erfahren, dass die gr��ten Entdeckungen durch die mutigsten Ideen zustande kamen. Die eigenwilligsten Ans�tze f�hrten zu den ungew�hnlichsten Resultaten und den gr��ten Erfolgen. Und so war es auch jetzt. Nur durch das Risiko, mit seinem gesammelten historischen Wissen und seiner unvergleichlichen analytischen Erfahrung den gr��ten Fehlschluss seines Lebens zu ziehen, konnte er gleichzeitig das sensationellste Puzzle der Menschheit zusammensetzen. Er hatte zu viel gesehen, gerade in den letzten drei Jahren, gemeinsam mit Patrick, als dass er seine restlichen Tage in einem grauen B�ro mit einem grauen Leben verbringen wollte. Er hatte sich entschieden. Wollte die ganze Wahrheit, und nun gab es kein Grau mehr, nur Schwarz oder Wei�. Triumph oder Niederlage.</p><p>John Harris kam an Deck.</p><p>�Guten Morgen, Gentlemen�, gr��te er. �Gut, dass ich Sie hier finde. Ich m�chte, dass Sie sich etwas ansehen. Kommen Sie mit, in wenigen Minuten geht es los.�</p><p>�Hat es nicht bis nach dem Fr�hst�ck Zeit?�, fragte Patrick.</p><p>�Leider nein. Ich vermute, dass es wichtig f�r Sie ist.�</p><p>Patrick sah den Professor an und zuckte mit den Schultern. Dann stand er auf, und gemeinsam folgten sie dem Kapit�n in einen Aufenthaltsraum der Mannschaft. John schaltete den Fernseher an und stellte den Sender FOX ein.</p><p>�Gestern kam ein Beitrag. In den Acht-Uhr-Nachrichten werden sie ihn noch einmal wiederholen.�</p><p>Sie setzten sich und folgten dem Programm.</p><p>Dann tauchte mit einem Mal die<emphasis> Argo</emphasis> auf, zusammen mit einer eingeblendeten Unterzeile:<emphasis> Europ�er suchen Atlantis.</emphasis></p><p>Die Kamera wanderte �ber das Schiff, und eine Karte des Atlantiks wurde eingeblendet; am linken Rand war die Ostk�ste Floridas zu sehen, unten die Bahamas. Ein Sprecher erkl�rte dazu: �Die<emphasis> Argo</emphasis> 2<emphasis>K,</emphasis> das gr��te Forschungsschiff der Woods Hole Oceanographic Institution ist in einem neuen und spektakul�ren Auftrag unterwegs. Der renommierte britische Geschichtsprofessor Peter Lavell und der franz�sische Ingenieur Patrick Nevreux haben sich der Suche nach Atlantis verschrieben. Sie vermuten den sagenhaften versunkenen Kontinent in den tiefen Gew�ssern nord�stlich der Bahamas. Sie sind der festen �berzeugung, dass sie finden k�nnen, was seit Jahrtausenden immer wieder vergeblich gesucht wurde und der allgemeinen wissenschaftlichen Ansicht nach nur ein M�rchen ist.�</p><p>Nun erschien Peter im Bild, w�hrend der Sprecher fragte: �Glauben Sie, dass es sinnvoll ist, sich mit der etablierten Wissenschaft anzulegen?�</p><p>�Ja, unbedingt�, kam Peters Antwort.</p><p>�Ist es nicht total verr�ckt, fast eine Million Dollar f�r so ein M�rchen auszugeben?�</p><p>Die Kamera zeigte Patrick. �Das interessiert uns einen Dreck�, war aus seinem Mund zu h�ren.</p><p>Jetzt sah man den Journalisten selbst vor dem Hintergrund des Kais. Er hielt ein Mikrofon in der Hand und l�chelte. �Die Zeit der Mythenj�ger ist offenbar nicht vorbei. Wir d�rfen gespannt sein, ob wir je wieder von diesem Projekt h�ren. Mein Name ist Kevin Strout f�r FOX News.�</p><p>Der Kapit�n schaltete den Apparat aus.</p><p>�<emphasis>Cet encul�!</emphasis> Was f�r ein Riesenarschloch!�, rief Patrick in die Stille und stand auf. �Der hat uns die Worte in den Mund gelegt, wie es ihm gepasst hat!�</p><p>Peter nickte. �In der Tat. Eine unangenehme Sache...�</p><p>�Unangenehme Sache?! Ich habe Ihnen gleich gesagt, dass Journalisten nicht �ber den Weg zu trauen ist.�</p><p>�Bei allem Respekt�, sagte John, �Sie haben den Mann auch nicht sonderlich gut behandelt. Offenbar hat er es Ihnen ver�belt.�</p><p>�Und jetzt sind wir auch noch selbst schuld?�, ereiferte sich Patrick.</p><p>�Ich meine nur, dass Sie m�glicherweise nicht vorsichtig genug mit Ihren �u�erungen gewesen sind. Ich wei�, dass Sie in Europa offene Worte sch�tzen. Sie haben eine andere, direktere Art, als man es hier gewohnt ist.�</p><p>�Und das sagen Sie ausgerechnet �ber einen Engl�nder?� Patrick lachte auf. Au�er in seinen wissenschaftlichen Aufs�tzen und Vortr�gen trug Peter �blicherweise nicht gerade sein Herz auf der Zunge.</p><p>John sch�ttelte den Kopf. �Sei es, wie es sei�, lenkte er ein. �Der Umgang mit der Presse ist jedenfalls sehr diffizil. Sie k�nnen sich vielleicht vorstellen, dass ich einige Erfahrungen damit gesammelt habe. Falls dieser Beitrag weitere Reporter aufgescheucht haben sollte, w�re es vielleicht sinnvoll, �ber eine PR-Beratung nachzudenken. Auch �ber offizielle Pressemeldungen und Richtlinien f�r die externe Kommunikation und f�r die Crew.�</p><p>Patrick verdrehte die Augen.</p><p>�Nun, lassen Sie uns erst einmal fr�hst�cken�, sagte John mit vers�hnlichem Ton. �Wir haben einen aufregenden Tag vor uns, und Sie k�nnen ja noch dar�ber nachdenken.�</p><empty-line/><p>�Bevor wir mit dem Tauchgang beginnen�, erkl�rte John w�hrend des Essens, �m�ssen wir ein Briefing abhalten. Auch wenn es nur ein einfacher Tauchgang ist: Sie wissen selbst, wie viel jeder einzelne Tag kostet, und wir m�chten jede Minute maximal nutzen. Daher werden wir uns in...�, er sah auf seine Uhr, �in zehn Minuten im Besprechungsraum mit dem Team treffen. Der Projektplan sieht keine au�ergew�hnlichen Ger�tschaften vor, sodass ich vier Taucher, zwei Kameraleute und nat�rlich einen Matrosen f�r das Dingi eingeteilt habe. Mittags findet die erste Materialauswertung statt. Sind Sie damit einverstanden?�</p><p>�Weshalb so viele Taucher?�, fragte Peter.</p><p>�Das Wasser ist hier relativ seicht�, sagte John, �aber auch in zw�lf Metern Tiefe erreichen Taucher mit Nitrox nach rund dreieinhalb Stunden die Nullzeit, und das muss hier im Grande nicht sein.�</p><p>Patrick sah Peters fragenden Blick. �Je l�nger und je tiefer Sie unter Wasser bleiben, umso mehr Stickstoff sammelt sich im Blut�, erl�uterte er. �Ist die sogenannte Nullzeit �berschritten, d�rfen Sie nicht einfach an die Oberfl�che, sondern m�ssen beim Auftauchen Zwischenstopps in verschiedenen Tiefen einlegen, damit das Gas abgearbeitet werden kann. Auch wenn man vor der Nullzeit wieder hochkommt und kurze Zeit sp�ter erneut taucht, ist noch immer Stickstoff im Blut, und der n�chste Tauchgang muss entsprechend k�rzer sein. Daher sollte man nach einem Tauchgang noch eine Weile aussetzen. Wenn Sie also den Meeresboden gr�ndlich absuchen wollen, dann ist es effektiv, mit zwei Teams zu arbeiten, die nacheinander je drei Stunden unten bleiben. Jedenfalls, wenn wir ohnehin genug Leute an Bord haben.�</p><p>Peter nickte. �Gut. Ich werde meine Unterlagen zur Besprechung mitbringen. Haben Sie eine genaue Karte dieser Region?�</p><p>�Sie werden sehen�, sagte der Kapit�n, �dass wir aufs Beste ausger�stet sind. Das Team muss lediglich instruiert werden, was das Ziel der Untersuchung ist. Gemeinsam werden wir den Tauchgang dann anhand Ihrer Vorgaben planen.�</p><p>In der Mitte des Besprechungszimmers stand kein Konferenztisch, wie Peter erwartet hatte. Stattdessen fanden sich hier mehrere Stuhlreihen und ein kleines Podium vor einer gro�en Tafel, wie in einem Seminarraum. Auf dem Podium standen ein Pult und ein Tisch, auf dem ein aufgeklappter Laptop lag. John bat Peter zu sich nach vorn und wartete, bis sich der Raum gef�llt hatte. Es kamen nicht nur die Taucher, auch die anderen Mitarbeiter, die Techniker, Piloten und wissenschaftlichen Mitarbeiter der<emphasis> Argo</emphasis> waren zum Treffen gebeten worden. Peter z�hlte im Ganzen rund zwanzig Leute.</p><p>�Guten Morgen, Leute. Das ist Professor Lavell, einige von euch haben ihn gestern schon kennengelernt, und dies�, der Kapit�n wies auf den Franzosen, der in der ersten Reihe sa�, �ist Patrick Nevreux, sein Partner. Sie sind unsere Auftraggeber und Leiter des Projekts. Wie �blich ist also ihren Anweisungen Folge zu leisten, ihre Fragen sind zu beantworten, und jeder an Bord ist verpflichtet, sie in diesem Projekt aufs �u�erste zu unterst�tzen.� Es war eine Selbstverst�ndlichkeit, aber John wiederholte es bei jedem Projekt, um an ihre Verantwortung als Dienstleister zu erinnern und auch, damit sich die Kunden gut aufgehoben f�hlten. �Wie ihr wisst, sind wir nicht zum Schnorcheln hergekommen. Die eigentliche Forschungsstelle werden wir erst in zwei Tagen erreichen, nachdem wir in Nassau Zwischenstopp gemacht haben. Heute ist unser Aufw�rmtag. Professor Lavell hat genaue Vorstellungen davon, weshalb wir an dieser Stelle liegen und was wir hier tun. Wir werden heute zwei Tauchg�nge unternehmen, unterbrochen von einer Materialsichtung mittags. Gegen siebzehn Uhr legen wir ab Richtung Bahamas. Professor Lavell, wollen Sie kurz erkl�ren, um was es geht?�</p><p>Peter hatte die Gesichter der Mannschaft studiert. Bis auf einige wenige waren es junge Leute in den Zwanzigern oder Drei�igern. Im ersten Augenblick hatte Peter gez�gert, ob es richtig war, ein so wichtiges Vorhaben in die H�nde dieser in T-Shirts und Jeans gekleideten M�nner und Frauen zu legen.</p><p>Andererseits waren sie nicht ohne Grund auf diesem Schiff. Es mussten Profis auf ihrem Gebiet sein, und die disziplinierte Weise, in der sie erschienen waren und den einleitenden Worten zuh�rten, empfand er als sehr zufriedenstellend. Er war zwar Kunde, aber letztlich war er auf sie angewiesen, und sie w�rden in der K�rze der Zeit reibungslos zusammenarbeiten m�ssen. Er entschied sich, ihnen einen Vertrauensvorschuss zu geben.</p><p>�Guten Morgen�, sagte er. �Ich danke Ihnen f�r Ihr Kommen. Es scheint mir unangenehm genug, dass ich vermutlich zehnmal so alt bin wie Sie alle zusammen. Fangen wir also am besten damit an, dass wir den �Professor� weglassen und Sie mich Peter nennen. Und ich bin sicher, dass mein Kollege nichts dagegen hat, wenn Sie Patrick zu ihm sagen.�</p><p>Die Stimmung innerhalb der Mannschaft wurde sp�rbar entspannter.</p><p>�Warum sind wir hier? Nun, ich bin sicher, dass der ein oder andere von Ihnen schon einmal von der �Bimini-Stra�e� geh�rt hat. Es handelt sich dabei um eine ungew�hnliche Gesteinsformation, die man in diesen Gew�ssern gefunden hat. In zehn bis zw�lf Metern Tiefe, also durchaus von einem niedrig fliegenden Flugzeug aus zu sehen, zieht sich etwas, das wie eine Stra�e aussieht, �ber den Meeresboden.�</p><p>Peter holte eine Zeichnung hervor und hielt sie hoch.</p><p>�Diese Skizze der Formation ist die beste bekannte Reproduktion der �Bimini-Stra�e�. Kleine sowie zum Teil mehrere Meter breite Steinquader, die in zwei parallelen Spuren liegen, formen dieses etwa f�nfhundert Meter lange, J-f�rmige Gebilde, das auf den ersten Blick wie eine antike gepflasterte Stra�e wirkt.</p><p>Sie k�nnen sich vorstellen, dass es die etablierte Wissenschaft f�r vollkommen ausgeschlossen h�lt, dass es sich hierbei tats�chlich um eine von Menschenhand erbaute Stra�e handeln k�nnte. Und dass die Entdeckung vor vierzig Jahren mit Schlagzeilen wie �Atlantis gefunden?� durch die Presse ging, hat der Seriosit�t des Fundes kaum weitergeholfen. Es hat infolgedessen kaum ernsthafte wissenschaftliche Untersuchungen dieses Gebiets gegeben. Theorien vermuten, dass es sich um eine Ansammlung von Ballaststeinen handelt, wie sie in der Antike verwendet wurden, oder aber um nat�rliche Formen, sogenannten Beach Rock, wie er an Str�nden durch Sand und Kalkablagerungen entsteht. Die meisten dieser Theorien sind zwanzig und drei�ig Jahre alt und genauso wenig bewiesen wie die neuesten, ebenfalls nicht wissenschaftlich anerkannten Untersuchungen, die Steinkeile und Bohrl�cher gefunden haben wollen.</p><p>Um eines klarzustellen: Die Untersuchung der �Bimini-Stra�e� hat in meinen Augen nichts mit Atlantis zu tun. Falls sich eines Tages herausstellen sollte, dass es sich hier um eine k�nstliche, von Menschenhand erzeugte Konstruktion handelt, dann wird dies m�glicherweise auf eine pr�kolumbianische Kultur verweisen, vielleicht eine, die wir noch nicht kennen. Aber lassen wir Atlantis hier aus dem Spiel.</p><p>Worum es mir heute geht: Zum ersten Mal soll eine Untersuchung durch � verzeihen Sie meine damit einhergehende Selbstbeweihr�ucherung � seri�se und etablierte Wissenschaftler vorgenommen werden. Durch unsere Recherchen vor Ort, unsere Proben und Aufnahmen, m�chte ich ein Zeichen setzen, damit, falls wir auch selbst keine endg�ltigen Ergebnisse erzielen sollten, andere ernsthafte Wissenschaftler es wagen, sich diesem und �hnlichen Themen zu widmen. Es gibt zu viel unentdecktes Wissen auf der Welt, das aus blo�er Scheu und akademischen Zweifeln den Heerscharen von Pseudowissenschaftlern, Sinnsuchern und Esoterikern �berlassen wird. Dem m�chte ich entgegenwirken. Lassen Sie uns den eingestaubten Fakult�ten zeigen, dass es auch heute noch Abenteuer in unerforschten Mysterien gibt, dass es sich lohnt, nach immer neuen Antworten zu suchen.�</p><p>Spontaner Applaus und Lachen zeigten Peter, dass er die Mannschaft erreicht hatte.</p><p>Auch John grinste. Dann hob er eine Hand, woraufhin die Laute verstummten.</p><p>�Also gut, ich denke das reicht f�rs Erste. Heute noch keine Vorlesung �ber Atlantis, daf�r ist sp�ter Zeit. Jetzt werden wir die Planung f�r den Vormittag durchgehen. Steve, Neil, Keith und Susan, ich habe euch f�r die Tauchg�nge eingeteilt. Mario und Ken, ihr seid wie �blich f�r die Kameras zust�ndig. Chad, du �bernimmst das Dingi. Ihr bleibt also zum Briefing hier. Die andern k�nnen ihre Arbeitsbereiche auf Vordermann bringen, soweit das noch nicht der Fall ist. Heute ist auch ein guter Tag, um die Rechner zu checken und die Unterwasser-Fahrzeuge zu polieren. Mike, wir brauchen deine Unterst�tzung f�r das LAN. Labor zwei hat meines Wissens immer noch Verbindungsprobleme.�</p><p>Die Leute standen auf und verlie�en den Raum. Die Taucher r�ckten auf die vorderen St�hle.</p><p>John griff zum oberen Ende der Tafel und zog eine Leinwand herunter. Dann dr�ckte er einige Tasten des Laptops, woraufhin sich ein Projektor ein St�ck aus der Decke senkte und eine Karte auf die Leinwand projizierte. Anhand der eingezeichneten Tiefenlinien war zu erkennen, dass es sich hierbei um ein Abbild des Meeresbodens handelte.</p><p>John wies auf einen Punkt. �Das hier ist unsere momentane Position. Die Bimini-Formation befindet sich nur eine halbe Meile von hier.� Die Karte bewegte sich ein St�ck, und daran, dass sich die Tiefenlinien auseinanderzogen, war zu erkennen, dass der gew�hlte Ausschnitt nun vergr��ert wurde. Als das Bild zum Stillstand kam, erschien als �berlagerung die Skizze der Steinanordnung.</p><p>�Dies ist die Lage der sogenannten Bimini-Stra�e, ma�stabsgetreu eingeblendet. Wie der Professor vorhin schon erkl�rt hat, gibt es keine seri�seren und verifizierten Daten, das hier ist vermutlich nur eine Ann�herung. Meer und Wetter sehen zwar ruhig aus, aber in zehn Metern Tiefe haben wir eine Unterstr�mung gemessen, es wird also ein Str�mungstauchgang, und daher werden wir mit dem Dingi hierhin fahren und dort den Einstieg vornehmen.� Nun zeigten sich mehrere farbige Linien auf der Karte. �Den ersten Tauchgang unternehmen Keith und Susan. Mario, du begleitest sie und dokumentierst mit der Kamera. An dieser Stelle hier wird Chad warten und euch das zweite Set Flaschen runterlassen. Danach f�hrt er zum Ende der Stra�e, um euch in diesem Gebiet wieder an Bord zu holen.�</p><p>Die Angesprochenen nickten. Patrick sah zur Seite und musterte sie. Besonders an Susan blieb sein Blick h�ngen. Sie war sehr jung und sah gar nicht sonderlich sportlich aus. Vielleicht lag es an ihrem �bergro�en Pullover. Er h�tte sie auf der Stra�e spontan f�r eine Verk�uferin im Bio-Laden gehalten. Er legte den Kopf schief. Wie leicht es immer wieder fiel, Menschen nach dem �u�eren zu beurteilen. Dabei verstand sie vermutlich ihr Handwerk, sonst h�tte der Kapit�n sie nicht ausgew�hlt. Susan bemerkte, dass der Franzose sie taxierte, und nickte ihm zu. Offenbar hatte er keinen allzu geringsch�tzigen Gesichtsausdruck gehabt, oder sie lie� es sich nicht anmerken. Patrick nahm sich vor, sich mehr zur�ckzuhalten. Vor einigen Jahren war es ihm vollkommen egal gewesen, was andere von ihm dachten, und in seiner Meinung hatte er sich stets alle Bewertungen erlaubt. Noch immer brach es manchmal aus ihm heraus, wie bei diesem vorlauten Journalisten. Aber in den letzten Jahren hatte er sich ver�ndert, nicht zuletzt durch die Projekte mit dem Professor. Nachdem er sich zunehmend mit Fragen nach den Urspr�ngen des Seins besch�ftigt hatte, nach dem Sinn des Daseins, hatte er auch einen anderen Blick auf die kleinen Dinge bekommen. Er schmunzelte �ber sich selbst und fragte sich, ob es wirklich nur mit seinem Erlebnis in der H�hle damals in S�dfrankreich zusammenhing.</p><p>Und nun suchte Peter Atlantis. Eine wahnwitzige Idee. Der Professor hatte ihm in Hamburg eine Kopie von Platons Dialog gegeben, und in den folgenden Wochen hatten sie das Projekt geplant. Patrick hatte dies alles unter der Pr�misse getan, es sei ein regul�res arch�ologisches Projekt, das sich auf geschichtliche Fakten berief. Tats�chlich war dem nat�rlich nicht so, und obwohl auch Patrick schon so abenteuerlich scheinende Projekte wie die Suche nach Eldorado angezettelt hatte, war Atlantis eine v�llig andere Gr��enordnung. Ein Unternehmen, das selbst ihm, dem risikofreudigen Abenteurer, schlicht l�cherlich vorkommen musste. Dennoch... Etwas war da. Er sp�rte es wie eine tief vergrabene Erinnerung, wie ein Wort, das einem auf der Zunge lag. Er suchte keine wissenschaftliche Anerkennung, die Peter zum Ende seiner Karriere wichtig geworden zu sein schien, Patrick suchte auch keine Sch�tze, vermutete nicht einmal, etwas anderes als h�chstens alte Steine zu finden. Patrick wusste nicht, auf was sie sto�en w�rden, aber er sp�rte, dass sie sich etwas Gro�em n�herten. Vielleicht war es kein Gegenstand, kein Fund, vielleicht war es etwas Virtuelles, ein Ereignis, eine Erkenntnis. Er musste pl�tzlich an Melissa denken, die er in �gypten kennengelernt hatte. Sie war der Ansicht gewesen, dass er eine Art Sehergabe besa�, was auch immer man sich unter solchem esoterischen Quatsch vorstellen sollte. Vielleicht nicht mehr als ein besonders gutes Ged�chtnis, eine au�ergew�hnliche Auffassungsgabe oder einen herausragenden Instinkt. In jedem Fall ahnte er aber, was sie gemeint hatte. Patrick zuckte mit den Schultern. Melissa hatte ihm und dem Professor in ihrem Abschiedsbrief ein Leben in interessanten Zeiten gew�nscht... und nichts anderes geschah gerade.</p><p>�Ich tauche mit�, sagte er unvermittelt.</p><p>�Wie bitte?� Der Kapit�n sah ihn fragend an, und die Crew drehte sich geschlossen zu ihm herum.</p><p>�Sie k�nnen nicht mittauchen!�, sagte Peter.</p><p>�Klar kann ich. Ich habe seit zehn Jahren einen Tauchschein und rund vierzig Tauchg�nge im Log. Und Str�mungstauchen habe ich im Mittelmeer auch schon gemacht. Einen zus�tzlichen Anzug werden Sie wohl noch an Bord haben, oder?�</p><p>�Ich halte das wirklich f�r keine gute Idee�, wiederholte der Professor. �Ich ben�tige Sie im Projekt. Was, wenn Ihnen etwas zust��t?�</p><p>�Was soll denn schon passieren? Zw�lf Meter ist eine Kleinigkeit. Au�erdem tauche ich ja nicht allein.�</p><p>�Von mir aus ist es kein Problem�, sagte Keith, einer der Taucher. �Wir k�nnen auf ihn aufpassen. Und zu dritt decken wir das Gebiet sogar noch viel besser ab.�</p><p>John zuckte mit den Schultern. �Ich habe auch keine Einw�nde. Ich gehe nicht davon aus, dass Sie Ihr Logbuch dabei haben, aber wenn Sie versichern, ausreichend Taucherfahrung zu haben...� Sein Blick wanderte zu Peter. �Sie beide entscheiden das selbst.�</p><p>Peter, der gehofft hatte, dass der Kapit�n Einw�nde haben w�rde, hob nur die H�nde in einer Geste der Resignation.</p><empty-line/><p>Das Dingi war weit mehr als ein schlichtes Beiboot. Es war ein regelrechtes Tauchboot, auf dem sechs Personen mitsamt ihrer Ausr�stung Platz hatten. Sie hatten die Neoprenanz�ge schon an Bord der<emphasis> Argo</emphasis> angezogen. Jeder Taucher brachte eine Box mit, in der sich Flossen, Maske, Bleig�rtel, Lungenautomat und Tarierweste befanden, die Flaschen wurden von Helfern auf das Boot getragen. F�r Patrick hatte man eine Ausr�stung zusammengestellt und ihm regul�re Pressluft in die Flaschen gef�llt, da er sich mit Nitrox nicht auskannte.</p><p>Das Tauchboot hatte die Position schnell erreicht, und Chad warf den Anker. Keith gab Patrick eine kurze Einweisung in den Tauchcomputer, den er ihm ans Handgelenk band. Das Prinzip war Patrick klar, aber die Bedienung �nderte sich alle paar Jahre und von Modell zu Modell.</p><p>Dann stand Susan in vollst�ndiger Montur vor ihm und dr�ckte ihm ein kleines P�ckchen von der Gr��e einer Zigarettenschachtel in die Hand.</p><p>�Eine Oberfl�chenboje�, erkl�rte sie. �Wenn du fr�her hochkommst, bl�st du sie mit der Luftdusche auf. Damit Chad dich findet, okay?�</p><p>�Alles klar.� Er befestigte das P�ckchen an seiner Weste.</p><p>Sie ging um ihn herum. �Tut mir ja wirklich leid, aber so schlank wie du fr�her vielleicht mal warst, bist du nicht mehr.� Sie r�ttelte an seinem Bleig�rtel. �Zieh den noch mal aus.�</p><p>�Wie bitte?!�</p><p>�Du hast mindestens zwei, wahrscheinlich sogar vier Kilo Blei zu wenig dran. Das ist au�erdem kein Shorty, den du da tr�gst, der hat einen ziemlichen Auftrieb. Kann mir nicht denken, dass du die ganze Zeit mit Tarieren besch�ftigt sein willst.�</p><p>Patrick fiel keine schlagfertige Erwiderung ein. Stattdessen zuckte er mit den Schultern, f�gte zwei Gewichte hinzu und zog den G�rtel erneut an. Wie selbstverst�ndlich half sie ihm beim Anlegen der Weste mit der Flasche und pr�fte alle Anschl�sse. Dann wandte sie sich an die anderen. �Seid ihr alle so weit?�</p><p>Nacheinander lie�en die vier sich r�ckw�rts �ber den Rand des Bootes ins Wasser kippen. Sie warteten aufeinander, pr�ften ein letztes Mal den Sitz von Maske und Schnorchel und tauchten ab.</p><p>Die erfahrenen Taucher sanken schnell hinab. Patrick, dessen letzter Tauchgang schon l�nger zur�cklag, lie� die Luft nur langsam aus seiner Tarierweste. Der Druck auf seinen Ohren nahm rasch zu, der Druckausgleich, der bei den anderen Routine war, gelang ihm nicht so z�gig, und so dauerte es eine Weile, bis er bei ihnen auf dem Grund ankam. Auf dem letzten Meter war er allerdings zu schnell und kam sich etwas unbeholfen vor, als er mit den Flossen eine Sandwolke aufwirbelte. Sie mussten ihn f�r einen plumpen Anf�nger halten, �berlegte er, was nicht furchtbar weit von der Wahrheit entfernt war. Tauchen war keineswegs eine Sache, die man einmal lernte und dann konnte, man musste in st�ndiger �bung bleiben, musste Routine darin entwickeln, ohne unaufmerksam zu werden. Anders als bei einem Waldspaziergang konnte hier schlie�lich deutlich mehr schiefgehen.</p><p>Der Tauchcomputer zeigte elf Meter Tiefe an. Selbst f�r einen Hobbytaucher eigentlich kein Problem. Das Wasser war fast klar, die Sicht gut. Patrick sp�rte die Str�mung, als er sich einige Handbreit �ber dem Meeresboden in einen Schwebezustand tariert hatte und dabei langsam abdriftete. Keith und Mario schwammen bereits geradeaus auf eine dunkle Formation zu. Susan wartete. Mit dem Okay-Zeichen fragte sie Patrick, ob er bereit sei. Er erwiderte das Handzeichen, dann setzten sie sich ebenfalls in Bewegung.</p><p>Erst jetzt fand Patrick Gelegenheit, sich auf seine Umgebung zu konzentrieren. Er sp�rte die Stille des Meeres, die Ruhe des sanften Schwebens. Das Sprudeln der Luftblasen im Rhythmus seines Atems, der gleichm��iger wurde. Den Boden bedeckten heller Sand und vereinzelte Gesteinsbrocken, in kleinen Flecken wuchs Seegras. Barben w�hlten mit ihren Barteln den Sandboden auf, andere Fische nagten an Steinen und Korallen. Keines der Meereslebewesen lie� sich st�ren, als die Taucher sich langsam �ber sie hinwegbewegten.</p><p>Nach wenigen Augenblicken hatten sie die Formation erreicht. Die pl�tzliche Ansammlung von Gesteinsbrocken war sofort auff�llig. Und nicht nur aus der Luft, auch von hier unten war zu erkennen, wie sich die Bl�cke in einer geraden Linie fortsetzten, jedenfalls noch mindestens f�nfzig oder sechzig Meter, bis sich die Sicht in einem blauen Dunst verlor. Die Taucher verteilten sich �ber die Breite der Stra�e und gingen etwas tiefer, sodass sie sich mit den Handschuhen an den Steinen festhalten konnten.</p><p>Patrick sp�rte einen schmerzhaften Druck in den Ohren und musste erneut einen Druckausgleich vornehmen. Er sah auf seinen Tauchcomputer. Zw�lfeinhalb Meter.</p><p>Die Steine waren mit Sedimenten �berlagert, ragten nur zu einem Teil aus dem Meeresboden auf und waren �berwuchert mit Korallen, Seepocken und Algen. Die Form der Steine war h�ufig nicht auf Anhieb auszumachen, und erst, wenn er zwei Meter h�her stieg, lie� sich erkennen, dass einige davon nahezu rechte Winkel aufwiesen.</p><p>Patrick ging n�her heran und untersuchte die Steine. Nur an wenigen Stellen lagen Kanten oder Teile der Oberfl�che frei. Mit seinem Tauchermesser kratzte er daran, um die Beschaffenheit zu untersuchen. Ohne einen Brocken davon aus dem Wasser zu holen und aufzubrechen, war das Gestein nahezu unm�glich zu bestimmen. Es wirkte nicht wie verh�rtetes Sediment, aber das mochte t�uschen.</p><p>Er sah auf, als er ein metallenes Klacken h�rte. Es war Susan, einige Meter entfernt, die eine kleine Kugel gegen ihre Flasche schlagen lie�, um die anderen Taucher auf sich aufmerksam zu machen. Sie schwebte etwas h�her im Wasser, deutete hinter sich und machte ein Handzeichen. Patrick wusste, was es bedeutete: Ein Hai!</p><p>Die Taucher nahmen sich ein Beispiel an Susan, die trotz der Gefahr ruhig blieb und sich behutsam umdrehte, sodass sie beobachten konnte, was sich ihnen n�herte.</p><p>An Susans Drehung erkannte Patrick, dass der Hai offenbar einen Bogen geschwommen hatte und sich nun auf seiner Seite n�herte. Er wandte sich um.</p><p>Nicht einer, sondern gleich drei Haie steuerten mit elegant schl�ngelnden Bewegungen auf ihn zu. Die Entfernung und ihre Gr��e waren gegen das offene Wasser schwer zu sch�tzen.</p><p>Haie waren neugierig. Denkbar, dass sie nur sehen wollten, welche Wesen hier in ihr Gebiet eindrangen. Dass sie derart ohne Scheu waren, konnte ein schlechtes Zeichen sein, denn vielleicht waren sie auf der Jagd. Patrick bemerkte, wie sein Atem schneller ging, doch er bem�hte sich, trotz seines klopfenden Herzens weiter gleichm��ig und tief zu atmen.</p><p>Dann senkten sie sich, n�herten sich den Steinen, schwammen direkt �ber sie, und Patrick erkannte endlich, dass sie nicht l�nger als eineinhalb Meter waren. Ihre Form war selbst f�r einen Laien eindeutig, es handelte sich um Ammenhaie, eine friedfertige Art, die sich nicht um Taucher k�mmerte. Sie schwammen in zwei Metern Entfernung an Patrick vorbei. Er sah zu Susan. Sie nickte, beschrieb mit den beiden Zeigefingern die Form eines lachenden Mundes und machte dann das Okay-Zeichen. Ganz offenbar freute sie sich �ber die Begegnung und wollte wissen, ob es Patrick auch so ging. Er erwiderte das Signal. Aber der erste Schreck hatte trotzdem gesessen.</p><p>Er sah auf sein Finimeter. Fast ein Drittel seiner Luft war verbraucht. Er musste sich bem�hen, weniger hektisch zu atmen, wenn er mit den Profis mithalten wollte.</p><p>Sie wandten sich wieder der Untersuchung der Formation zu und schwammen langsam weiter.</p><p>Nun kamen sie in einen Bereich, in dem die Struktur viel deutlicher als zuvor eine gerade Strecke bildete, die einer Stra�e aus �bergro�en Pflastersteinen glich. Hier erhoben sich die Steine auch weiter aus dem Boden. Dabei wurde deutlich, dass es sich nicht um eine schlichte Fl�che handelte. Vielmehr lagen die Steine �bereinander, und nur die oberste Schicht war zu sehen. Es wirkte wie der abgeflachte Kamm eines Damms oder einer Mole, die fast vollst�ndig unter einer unbekannten Menge Sand begraben lag.</p><p>Patrick richtete sich im Wasser etwas auf und f�cherte mit einer Flosse Sand beiseite, der von der Str�mung fortgetragen wurde. Dann senkte er sich wieder, hielt sich an den Steinen fest und kratzte die Verkrustung an der Nahtstelle zweier Steine frei. Sie wurde zu einer feinen, ebenm��igen Linie, ganz anders, als l�gen diese Seiten zuf�llig aufeinander, sondern so, als habe man sie bewusst so platziert, �hnlich wie in den Tempelanlagen der Maya. Es war nur eine Kleinigkeit, aber es war ein deutlicher Hinweis darauf, dass dies keine nat�rliche Aufh�ufung war.</p><p>Er sah auf und suchte Mario, �berlegte, ob es sinnvoll war, dass er diese Naht filmte. Aber der Kameramann war nicht in der N�he. Egal, dachte er, sicher w�rden sich noch weitere solche Stellen finden lassen. Er stie� sich ab und schwamm langsam weiter.</p><p>Die Steine boten nach einer Weile nur noch ein mehr oder weniger gleichf�rmiges Bild. Wiederholt ging einer der Taucher n�her heran und pr�fte etwas, nur um kurz darauf wieder davon abzulassen. Patrick schaute erneut auf sein Finimeter. Es zeigte neunzig Bar an. Er wusste nicht, wie weit er vom Ausstieg auf halber Strecke entfernt war, und n�herte sich Susan. Er stie� sie an, wies sie auf seine verbleibende Luftmenge hin und machte das Zeichen zum Auftauchen. Gestikulierend beantwortete sie seine Frage:<emphasis> Auftauchen bei f�nfzig Bar, weiter schwimmen.</emphasis> Patrick best�tigte. F�nfzig Bar war verdammt wenig. Aber wenn sie sich dann bereits direkt unter dem Dingi befanden, war der Aufstieg eine Sache von wenigen Minuten.</p><p>Er stockte, als ihm direkt unter sich eine dunkle Stelle im Stein auffiel. Mit dem Messer entfernte er eine Schicht aus d�nnen Algen und Seepocken. Es war ein quadratisches Loch von sechs oder sieben Zentimetern Seitenl�nge. Er f�cherte mit dem Handschuh Sand heraus, dann stocherte er mit der Klinge darin herum. Das Messer versank fast bis zum Heft. Das war mit Sicherheit nicht nat�rlich entstanden. Jemand hatte dieses Loch in den Stein gearbeitet, vielleicht, um einen Balken oder einen Riegel aufzunehmen. Endlich ein eindeutig verwertbarer Hinweis!</p><p>Patrick griff hinter sich und klopfte mit dem Griff des Messers an seine Flasche. Die Taucher und Mario h�rten das Klacken und kamen schnell herbei.</p><p>Der Kameramann brachte sich in Stellung und dokumentierte den Fund. Keith klopfte Patrick auf die Schulter, begl�ckw�nschte ihn und wies dann zur Seite. Einen Meter entfernt befand sich noch eine quadratische Vertiefung! Sie war in einer geraden Linie mit der ersten angeordnet. Der Stein selbst unterschied sich in seiner Gr��e und Beschaffenheit nicht von den anderen, die ihn umgaben, vermutlich war er also ebenso alt. Dennoch war es nun notwendig, von diesem Stein eine Probe an Bord zu nehmen und diese mit einer weiteren aus einem tiefer liegenden Stein zu vergleichen.</p><p>Patrick deutete den Plan an. Daraufhin holte Keith einen Mei�el und einen Hammer aus seiner G�rteltasche und begann, ein faustgro�es St�ck von der Kante des Steins abzuschlagen. Danach gruben sie die Ecke eines anderen Steins frei, der nur zu einem kleinen St�ck aus dem Sand herausragte. Auch hiervon brach Keith einen Brocken ab.</p><p>Patrick pr�fte den Druck seiner Flasche. Die Nadel lang am Rand des roten Bereichs: F�nfzig Bar! Er ballte seine rechte Hand zu einer Faust, wies dann auf sich und schlie�lich mit dem ausgestreckten Daumen nach oben, das Zeichen, dass er auftauchen wollte.</p><p>Er stieg auf, doch schon nach wenigen Metern sp�rte er ein Ziehen in seinen Ohren. Beim Abtauchen in gr��ere Tiefen nahm der Druck zu und die Trommelfelle w�lbten sich schmerzhaft nach innen. Dem konnte man entgegenwirken, indem man sich die Nase zuhielt und dagegen pustete. Beim langsamen Aufsteigen hingegen glich sich der Druck �blicherweise von alleine aus. Doch etwas blockierte Patricks Ohren. Er stieg versuchsweise einen weiteren Meter auf, doch das Stechen in seinem Ohr nahm so sehr zu, dass er sich sofort wieder absinken lie�.</p><p>Susan beobachtete ihn.<emphasis> Okay?</emphasis>, fragte sie mit einem Zeichen. Patrick machte eine wackelnde Bewegung mit der flachen Hand und wies dann auf seine Ohren.<emphasis> Druckausgleichprobleme!</emphasis></p><p>Susan kam n�her, hielt sich an seinem Arm fest, sodass sie auf gleicher H�he schwebten. Sie bat ihn, Kaubewegungen zu machen und dann noch einmal durch die geschlossene Nase zu blasen. Patrick folgte ihren Anweisungen. Sie griff nach seinem Finimeter, pr�fte den Druck und gab ihm zu verstehen, dass er ganz ruhig bleiben, wiederholt versuchen solle, ein St�ck nach oben zu schwimmen und bei Bedarf wieder herunterzukommen.</p><p>Wieder versuchte er einen Aufstieg, aber erneut wurde das Stechen in seinen Ohren zu stark, sodass er nach wenigen Metern aufgeben musste.</p><p>Er befand sich nur knappe zehn Meter unter der Meeresoberfl�che, aber er konnte sie nicht erreichen! Es war zum Verr�cktwerden. Und bei aller Anstrengung und Aufregung verbrauchte er viel mehr Luft als normal. In zehn Minuten musste er oben sein, sonst w�rde er hier unten ersticken.</p><p>Er mahnte sich, sein Atmen zu beruhigen. Panik war der schlimmste Feind des Tauchers. Er lie� sich auf den Boden sinken, setzte sich und konzentrierte sich ganz auf das sanfte Schaukeln der Str�mung. Zwei Minuten sp�ter versuchte er es erneut, aber die Schmerzen lie�en nicht nach. Er konnte unm�glich auftauchen, ohne dass seine Trommelfelle rei�en w�rden � aber er konnte auch nicht viel l�nger unten blieben!</p><p>Er beobachtete, dass sich Susan mit Keith austauschte, woraufhin der junge Taucher nach oben verschwand.</p><p>Es fiel Patrick schwer, die Ruhe zu bewahren. Seine Druckanzeige war tief im roten Bereich. Susan blieb bei ihm, streckte ihm ihr Finimeter entgegen, sodass er ihre Restluft ablesen konnte. Patrick war wenig verwundert: Sie hatte ihre Flasche gerade bis zur H�lfte geleert. Das war der Unterschied zwischen einem Profi und ihm. Er fluchte innerlich. Dieses Mal hatte er sich ganz offenbar zu viel zugemutet. Sie legte eine Hand auf seine Schulter, strich ihm mit der anderen Hand �ber die Wange und machte eine beschwichtigende Handbewegung. Sie wies auf den Zweitautomaten, der an einer Schlaufe ihrer Weste steckte und deutete damit an, dass sie ihm Luft geben konnte, wenn es knapp werden w�rde.</p><p>Sie setzten sich gemeinsam auf den Boden. Er zwang sich, langsam zu atmen. Seine Ohren nahmen ihm das h�ufige Auf und Ab �bel und pochten dumpf.</p><p>Nur noch zwanzig Bar.</p><p>Ein Taucher ohne Luft! Was f�r eine Ironie, dachte er. Die meisten Tauchunf�lle geschahen tats�chlich an der Oberfl�che durch Unachtsamkeit. Auf die Luft unter Wasser zu achten, war hingegen so selbstverst�ndlich und sicher, wie man beim Autofahren auf den Tank achtete. Er hatte nur ein einziges Mal keine Luft in der Flache gehabt: Sein Tauchlehrer hatte ihm nach Ank�ndigung das Ventil in f�nf Metern Tiefe f�r einen Moment zugedreht, um ihn sp�ren zu lassen, was passiert, wenn die letzten Kubikzentimeter verbraucht sind. Es waren die l�ngsten Sekunden unter Wasser gewesen, die er je erlebt hatte, und er hatte nicht das geringste Interesse, diese Erfahrung zu wiederholen.</p><p>Susan fragte, ob er es noch einmal versuchen wollte. Er lehnte ab. Es hatte noch keinen Zweck, er sp�rte es.</p><p>Er sah hinauf. Ein Dutzend Meter. So nah! Fr�her h�tte er allein mit einem Schnorchel so tief tauchen k�nnen. Nun, die H�lfte vielleicht, korrigierte er sich. Aber dennoch.</p><p>�ber sich entdeckte er das Dingi, das gerade herankam. Keiths Umriss war an der Wasseroberfl�che zu sehen. Er kletterte an Bord. Wenige Augenblick sp�ter fiel er wieder ins Wasser und kam schnell tiefer. Er transportierte etwas. Eine Druckluftflasche!</p><p>Patrick st�hnte erleichtert auf und sandte damit einen gro�en Schwall Luftblasen durch sein Mundst�ck. Eine Ersatzflasche, nat�rlich! Er war �berhaupt nicht darauf gekommen, und Susan hatte das einzig Richtige getan.</p><p>Keith kam heran und stellte die Flasche vor Patrick in den Sand. Okay? Patrick best�tigte. Jetzt ja.</p><p>Susan legte Patricks H�nde auf ihre Schultern und machte ihm so klar, dass er sich an ihr festhalten solle. Dann reichte sie ihm ihren Zweitautomat, sodass sie gemeinsam aus ihrer Flasche atmeten. Keith kam von hinten heran und l�ste mit langsamen Bewegungen Patricks Jackett. Er stellt es auf den Boden und l�ste die leere Flasche mitsamt der ersten Stufe heraus. Mit sicheren Griffen befestigte er die neue Flasche, schnallte sie fest und half Patrick dabei, die Weste wieder �berzuziehen. Er zog alle Gurte fest, �berpr�fte den Sitz und gab dem Franzosen schlie�lich das Okay-Zeichen.</p><p>Patrick angelte nach dem Atemregler und nahm kurz darauf den ersten Zug aus seiner neuen Flasche.</p><p>Zweihundert Bar � jetzt hatte er wieder Zeit!</p><p>Es dauerte weitere zwanzig Minuten, bis Patrick den Aufstieg schlie�lich schaffte. Als er die Wasseroberfl�che durchbrach, f�llte er seine Tarierweste vollst�ndig auf, sodass sie ihn wie eine Schwimmweste trug. Dann spuckte er das Mundst�ck aus und riss sich die Maske vom Gesicht.</p><p>Frische Luft!</p><empty-line/><p>�Zusammenfassend l�sst sich wohl sagen, dass Ihr Tauchgang keine gute Idee war�, sagte Peter. Sie sa�en im Mannschaftsraum zur Nachbesprechung und hatten den Ablauf des Tauchgangs analysiert.</p><p>�Ja, ja, schon gut�, gab Patrick zur�ck.</p><p>�Eine Umkehrblockade. So was kann man nicht vorhersehen�, erkl�rte Susan. �Vielleicht bekommt er eine Erk�ltung.�</p><p>�Das mag ja sein�, sagte Peter, �und wenn das einem professionellen Taucher passiert, ist das � mit Verlaub � Berufsrisiko. Aber ich halte es f�r leichtsinnig und �berfl�ssig, wenn wir selbst uns in solche Gefahr begeben.�</p><p>Patrick nickte stumm. Er �rgerte sich �ber sich selbst. Weniger dar�ber, das Peter ihn zurechtwies, sondern dass er an k�rperliche Grenzen gesto�en war. Sicher, er war nicht mehr Mitte zwanzig, aber gerade Tauchen war nun nicht gerade ein Sport, der ein H�chstma� an Kondition verlangte. Dass es ausgerechnet Susan gewesen war, die ihm beigestanden hatte, stellte wohl eine kleine Lektion in Sachen Demut f�r ihn dar. Unwillk�rlich musste er l�cheln. Eine andere Perspektive, und aus dem �rger wurde eine Erkenntnis.</p><p>�Wir haben die Gesteinsbrocken zur Untersuchung weitergegeben�, warf nun John ein. �Wir haben einen Geologen an Bord, der die St�cke bestimmen wird. Wir sollten uns nun vor dem Essen noch die Aufnahmen ansehen.�</p><p>Mario hantierte bereits an seiner Kamera, die er an den Fernseher angeschlossen hatte. Kurz darauf erschienen die ersten Bilder.</p><p>Peter beobachtete die Strukturen. Ihm wurde deutlich, weswegen die Formation solch zwiesp�ltige Ansichten hervorrief. So offensichtlich gradlinig die Anordnung der Steine auch war, so wenig eindeutig war ihr Zweck. Nat�rlich war es sinnlos, ein St�ck Stra�e auf dem Meeresboden zu vermuten, das nirgendwoher kam und nirgendwohin f�hrte. Und wie k�nnte dies der Kamm eines alten Deichs, einer Mole oder einer Kaimauer sein, wenn doch rundherum nichts als Sandboden und Wasser zu finden war? Dennoch: Wenn der Meeresspiegel tats�chlich in den letzten Jahrtausenden gestiegen war, konnten Wasser und Sand nun theoretisch eine gr��ere Anlage bedecken.</p><p>Schlie�lich zeigte der Film die rechteckigen L�cher, die Patrick entdeckt hatte, und Peter lehnte sich ein St�ck nach vorn. Das war es! Vermeintliche Bohrl�cher, von denen auch fr�here Untersuchungen berichtet hatten. Der Unterschied war nur, dass sie jetzt die M�glichkeit hatten, sie wissenschaftlich zu dokumentieren, und einen Ruf, durch den man ihre Publikationen ernst nehmen w�rde.</p><p>�Das hatte ich gehofft�, sagte er. �Wie viele dieser L�cher haben Sie gefunden?�</p><p>�Nur diese zwei�, erkl�rte Patrick. �Dann mussten wir den Tauchgang abbrechen.�</p><p>�Wenn Sie m�chten, k�nnen wir uns heute Nachmittag auf diese L�cher konzentrieren�, sagte Keith. �Wir k�nnten sowohl diese hier pr�zise vermessen, als auch nach weiteren Ausschau halten und sehen, ob sie sich dazu in Beziehung setzen lassen.�</p><p>�Ja, das w�re sehr gut�, sagte Peter. �Wie schon gesagt, die Bimini-Stra�e ist nicht der Hauptzweck unseres Projekts. Eine vollst�ndige Erforschung ist also ohnehin nicht m�glich. Daher sollten wir uns auf diese Merkmale konzentrieren. Wenn uns noch dazu eine Alters- oder Herkunftsbestimmung der Gesteine m�glich ist, haben wir das Interimsziel erreicht.�</p><p>�Wenn es sich nicht um ein Sediment handelt�, sagte Patrick, �und es sah mir nicht danach aus, wird es mit der Altersbestimmung schwer.�</p><p>�Lassen wir unserem Geoteam ein bisschen Zeit�, sagte der Kapit�n und stand auf. �In einer halben Stunde gibt es Mittagessen, vielleicht haben wir bis dahin erste Ergebnisse. Keith, Susan, Mario, danke f�r die gute Arbeit.�</p><empty-line/><p>�Susan!� Patrick war der Taucherin auf das erste Unterdeck gefolgt.</p><p>Sie drehte sich um. �Patrick, was kann ich f�r Sie tun?�</p><p>Er streckte ihr seine Hand entgegen. �Ich wollte mich f�r deine Hilfe bedanken.�</p><p>Sie ergriff seine Hand und grinste. �Okay, dann mal los.�</p><p>Patrick erwiderte ihr L�cheln. �Danke!�</p><p>�Kein Problem. Du solltest in der n�chsten Zeit aber nicht mehr tauchen. Kurier dich erst aus, da ist vielleicht etwas im Anmarsch.�</p><p>�Ich habe dich untersch�tzt. Das wollte ich noch sagen. Ihr macht eine tolle Arbeit hier an Bord.�</p><p>Sie winkte ab. �Jeder hat seine St�rken und Schw�chen. Was ist eigentlich dein Fachgebiet? Tauchen offenbar nicht.�</p><p>�John hat es ja schon gesagt: Ich bin Ingenieur. Ich habe viel mit Feldforschung zu tun gehabt und mich mit allen m�glichen technischen Ger�ten besch�ftigt, die man daf�r braucht. Also Forschungsroboter, Sonden, Computer und solche Sachen.�</p><p>�Wie ein Computerfreak siehst du aber nicht aus.�</p><p>�Nein, bin ich auch nicht. Aber ich wei� in etwa, wie das alles funktioniert, und kenne zur Not Leute, die bei den Details helfen k�nnen. Peter ist ein Typ, der haupts�chlich am Schreibtisch sitzt und seine Nase in B�cher steckt, aber ich halte mich lieber drau�en auf.�</p><p>�Hast du dir schon die ROVs hier an Bord angesehen?�</p><p>�Nein.�</p><p>�M�chtest du?�</p><p>�Gerne.�</p><p>�Warte hier.� Sie deutete auf ihre Kabinent�r. �Ich ziehe mich nur schnell um und f�hre dich gleich mal herum.�</p><p>Wenige Minuten sp�ter waren sie auf dem Weg zum Oberdeck.</p><p>�Wir haben drei verschiedene Ger�te an Bord�, erkl�rte Susan, �die alle vom Heck aus ins Wasser gelassen werden. Deswegen sind sie dort auch untergebracht.�</p><p>�<emphasis>Sentry, Jason und Alvin II.</emphasis>�</p><p>�Ja, genau. Ich sch�tze, du hast dir die Spezifikationen schon in den Unterlagen angesehen, die ihr bei der Organisation des Projekts bekommen habt. Ist im Wesentlichen auch keine Zauberei. Was dich aber sicher interessiert, ist unser neues U-Boot! Hat John euch schon davon erz�hlt?�</p><p>�Nur, dass es in unserem Projekt zum ersten Mal offiziell eingesetzt wird. Dann ein bisschen etwas �ber mehr Platz, mehr Fenster und solche Sachen.�</p><p>Sie traten an Deck und gingen zum hinteren Teil des Schiffes. �Das stimmt. Aber es gibt noch unendlich viele andere Details. Es ist eine komplette Neuentwicklung.�</p><p>Vor ihnen ragte der �bergro�e blaue Rahmen auf, der der <emphasis>Argo</emphasis> als Lastkran diente. Er lie� sich weit �ber das Heck des Schiffs hinaus nach au�en klappen, sodass mit ihm die Roboter und das U-Boot abgesenkt, emporgezogen und wieder an Bord gehievt werden konnten.</p><p>Vom Erfassungsbereich des Krans f�hrten in den Boden eingelassene Schienen zu einer Art kleinem Hangar, den Susan nun ansteuerte. Ein Mitarbeiter der Besatzung sah sie kommen und kam heraus.</p><p>�Darf ich vorstellen? Das ist Dick�, sagte sie.</p><p>Es war ein junger Mann, der seine Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden hatte. Er schob seine Nickelbrille zurecht, wischte sich die rechte Hand an der Jeans ab und reichte sie dann dem Franzosen. �Eigentlich hei�e ich Richard.�</p><p>�Er ist der verantwortliche Techniker und Pilot von<emphasis> Alvin II. </emphasis>Dick, kannst du Patrick ein bisschen was zeigen?� Sie klopfte ihm l�chelnd auf die Schulter. �Die �bliche Angeber-Tour vielleicht? Aber nicht ganz so viel dummes Zeug erz�hlen, Patrick kennt sich auch ein bisschen aus.�</p><p>�Habe ich jemals dummes Zeug erz�hlt?� Er lachte auf. Dann wandte er sich an den Franzosen. �Sie wollen den ganzen Stolz der WHOI sehen? Dann sind Sie hier genau richtig! Kommen Sie mit!�</p><p>Sie folgten ihm in den Raum, der wie eine �bergro�e Garage aussah. Richard schaltete die Deckenbeleuchtung an, die ein Szenario ausleuchtete, das aus einem Science-Fiction-Film entsprungen zu sein schien. An den W�nden reihten sich Werkb�nke, Computer und Kontrollger�te aneinander. Im Zentrum des Raums stand, auf einem st�hlernen Schlitten und umgeben von Schl�uchen und Kabeln,<emphasis> Alvin II.</emphasis> Das wei� lackierte Unterseeboot erinnerte an einen Spielzeugfisch von der Gr��e eines Minivans. Eine Anzahl von Scheinwerfern und drei nach vorn gerichtete Bullaugen bildeten die Front, unter der zwei Greifarme wie die zusammengeklappten F�nge einer Gottesanbeterin angebracht waren. Die Seiten des Boots waren mehr oder weniger eben. Eine Schwanzflosse und eine rote R�ckenflosse auf der Oberseite rundeten das Bild eines st�hlernen Fisches ab.</p><p>Dick hieb mit der flachen Hand auf die Au�enwand.</p><p>�Titan. Muss auch was aushalten. Das Baby geht bis auf sechseinhalbtausend Meter runter. Da unten gibt's einen unvorstellbaren Druck. Wollen Sie mal sch�tzen?�</p><p>�Na ja, es werden rund sechshundertf�nfzig Bar sein�, gab Patrick zur�ck.</p><p>Dick hob eine Augenbraue und stockte einen Moment. �Ja! Ganz genau!�, sagte er dann. �Sechshundertf�nfzig Bar. Also sechshundertf�nfzig Kilo Gewicht auf jeder Fl�che so gro� wie Ihr Daumennagel. Das sind auf jedem Quadratmeter sechstausendf�nfhundert Tonnen Druck, so viel wie sechzehn voll beladene Jumbo Jets.� Er legte die ausgestreckten Arme auf das Metall. �Auf so einer Fl�che. Sechzehn Boeing 747. Unvorstellbar, oder?� Er wartete nicht auf eine Antwort, sondern sprach weiter. �Die eigentliche Tauchkapsel ist nat�rlich viel kleiner. Sie befindet sich hier, im vorderen Teil, und ist wie eine vollkommene Kugel geformt, um dem Druck besser standzuhalten. Sie transportiert zwei Wissenschaftler und einen Piloten. Also mich.� Er grinste. �Au�erdem k�nnen wir extern noch rund zweihundert Kilo schleppen.� Er ging um das Boot herum. �<emphasis>Alvin</emphasis> hatte nur drei Fenster. Das neue Modell hat neben den vorderen Bullaugen zus�tzlich noch je eines an der Seite mit einem Extrascheinwerfer. Damit haben wir fast eine Rundumsicht. Was gibt es noch... Diverse Kameras, gyroskopgesteuerte Thruster f�r die Stabilisierung und Bewegung in alle Richtungen, sogar seitlich. Messf�hler f�r Temperatur und Leitf�higkeit des Wassers, Salzgehaltberechnung und so weiter.�</p><p>�Nicht �bel�, sagte Patrick. �Wie schnell kommt man damit runter?�</p><p>�Fast f�nfzig Meter pro Minute. Das ist ziemlich schnell.</p><p>Aber bis dorthin, wo Sie hinwollen, wird's trotzdem eine oder anderthalb Stunden dauern.�</p><p>�Und wie lange reicht die Luft?�</p><p>�Bei drei Personen, und wenn man da drin keinen Sport treibt, so etwa achtzig Stunden. Luft ist das kleinste Problem. Eher wird der Strom knapp. Die Batterien reichen aber f�r etwa zehn Stunden. Oder knapp sechs Stunden Arbeiten am Grund.�</p><p>Patrick nickte. Ein faszinierendes Ger�t. Er brannte darauf, sich den Innenraum anzusehen, aber Susan fasste ihn an der Schulter.</p><p>�Das Mittagessen ist fertig. Wir sollten zusehen, dass wir zur�ckgehen.�</p><p>�Okay�, sagte er. �Danke, Dick. Vielleicht komme ich noch mal vorbei.�</p><p>�Aber klar doch, jederzeit.�</p><p>Sie fanden Peter gemeinsam mit dem Kapit�n und einigen anderen Crewmitgliedern bereits beim Essen vor und setzten sich dazu.</p><p>�Ah, Patrick!� Der Engl�nder sah auf. �Wir haben Ergebnisse von den Geologen.�</p><p>�Das scheint ein wirklich gutes Team hier an Bord zu sein�, sagte Patrick. �Ich habe mir vorhin das U-Boot angesehen und bin ziemlich beeindruckt.�</p><p>�Dann wird Sie sicherlich auch erfreuen, was die Analysen ergeben haben.� Peter schob eine kleine Box �ber den Tisch. Als Patrick sie �ffnete, fand er darin auf einer Schicht aus Watte eine d�nn geschnittene und geschliffene Gesteinsscheibe vor. Er hob sie behutsam heraus und betrachtete sie.</p><p>�Das ist Granit�, sagte er dann.</p><p>�Sehr richtig�, best�tigte Peter. �Granit. Ein magmatisches Gestein, wie man mir erkl�rte. In jedem Fall einige Millionen Jahre alt und keinesfalls Sediment, das sich aus Sand und Ablagerungen gebildet hat. Granitbl�cke brechen auch nicht von ganz allein in viele rechteckige Formen, die sich ordentlich nebeneinander legen.�</p><p>�Klingt ganz nach dem Beleg, den Sie gesucht haben.�</p><p>�Ja. Es scheint nun mehr als unwahrscheinlich, dass die Bimini-Formation nat�rlichen Ursprungs ist.�</p><p>�Und die L�cher?�</p><p>�Ich habe mit John bereits besprochen, dass sich das zweite Tauchteam nach dem Essen ausschlie�lich um diese L�cher k�mmern soll. Das hei�t, pr�zise vermessen, Nahaufnahmen, und wenn es geht, noch mehr davon suchen, damit wir uns einen �berblick �ber die Anordnung verschaffen k�nnen.�</p><p>Patrick nickte und f�llte seinen Teller mit einigen Fleischst�cken, die auf einem gro�en Tablett in der Mitte des Tisches lagen. �Und eine Datierung?�</p><p>�Bisher noch nichts. Wir k�nnen nur vermuten. Vor f�nftausend Jahren lag der Meeresspiegel einige Meter tiefer, so viel ist bekannt, und vor f�nfzehntausend Jahren, in der Endphase der letzten Eiszeit waren es drei�ig Meter und mehr. Irgendwann innerhalb dieses Zeitraums h�tten die Steine aus dem Wasser geragt. Vielleicht ist aber auch der Boden an dieser Stelle abgesackt, und es ist noch gar nicht so lange her. Das alles ist unklar und sagt uns auch nicht, wann die Konstruktion tats�chlich errichtet wurde.�</p><p>�Wenn die Taucher organisches Material aus der Bauzeit f�nden�, sagte Patrick zwischen zwei Bissen, �dann k�nnten wir eine C14-Bestimmung vornehmen. Altes Holz, Kohle oder Lehm tief zwischen den Steinen, das w�rde helfen.�</p><p>�Ja, ich habe das schon angeregt, bezweifle aber, dass wir in der kurzen Zeit so viel Gl�ck haben werden.�</p><p>�Wenn es stimmt, was Sie �ber die Stra�e vermuten, w�re das allein ein eigenes Projekt wert. Eine menschliche Konstruktion, eine Befestigung, eine Kaianlage, oder was auch immer es einmal war, hier drau�en, aus einer Zeit, lange vor den Maya und den ganzen Jungs.� Er nickte anerkennend.</p><p>�Wohl wahr�, sagte Peter. �Und es w�rde dennoch verblassen, wenn wir das wirkliche Ziel unserer Suche f�nden!�</p><empty-line/><p>Das Tageslicht hatte bereits eine rotgoldene F�rbung angenommen, als die<emphasis> Argo</emphasis> am sp�ten Nachmittag den Anker lichtete.</p><p>Peter stand an Deck und sah in Richtung der niedrig stehenden Sonne. Bis hierher hatte sich die Reise gelohnt. Auch der zweite Tauchgang war erfolgreich gewesen. Sie hatten Gesteinsproben von anderen Stellen der Stra�e hochgeholt, weitere L�cher gefunden, vermessen und noch mehr Filmmaterial beisammen. Peter neigte nicht zu �bertriebener Euphorie. Zu oft stellten sich Dinge viel komplexer dar, als es den Anschein hatte, es gab Schattenseiten, versteckte Schwierigkeiten und sp�te Folgen. In diesem Augenblick aber, am zweiten Abend ihrer Forschungsreise, leuchtete der Horizont. Eine wichtige H�rde war genommen, die nicht nur die Mannschaft, sondern auch ihn motivierte.</p><p>Peter l�chelte. Er sah sich hier an Deck eines gewaltigen Forschungsschiffes stehen, wie er es bisher nur aus der Ferne gekannt hatte. Er, der neben einigen Hilfsarbeiten als Student und einer Handvoll Studienreisen nie im Feld t�tig gewesen war, war nunmehr nicht nur Teilnehmer, er war sogar urs�chlich und verantwortlich f�r ein Projekt, dessen Gr��e ihm selbst Respekt einfl��te.</p><p>War er wirklich auf der Suche nach Atlantis?</p><p>Noch vor wenigen Jahren hatte er am Schreibtisch seines B�ros im Museum f�r V�lkerkunde in Hamburg gesessen und h�tte �ber jeden gelacht, der sich angestrengt h�tte, dieser Legende tats�chlich nachzugehen. Stattdessen hatte er Tagungsunterlagen und Forschungsberichte gelesen und geglaubt, das Wissen der Welt allein aus Puzzleteilen zusammensetzen zu k�nnen. Er hatte sich von Ruinen und Ausgrabungen entfernt und damit � das erkannte er jetzt � aus seiner Not eine Tugend gemacht. Er hatte die Mythologie erforscht, die Mystik und die Religionsgeschichte. Er hatte versucht zu ergr�nden, wie sich Legenden und Traditionen durchdrangen und bedingten, wie sich Ideen, Anschauungen und Glaube entwickelt hatten. Er hatte gedacht, Kulturen und letztlich die Gegenwart dadurch besser verstehen zu k�nnen. Tats�chlich aber hatte er dabei immer in die falsche Richtung geblickt. Er ahnte heute, dass er schon damals auf einer ganz anderen Suche gewesen war: einer Suche nach dem Ursprung allen Wissens und aller Weisheit. Wo kamen die Menschen her? Woher stammte ihr Wissensdrang? Wie war der Evolutionssprung vor sich gegangen, in dieser einzigen von Milliarden unterschiedlicher Spezies auf dem Planeten, die innerhalb k�rzester Zeit Schrift, Wissen und Kultur entwickelt hatte?</p><p>Als er vor wenigen Jahren das erste Projekt gemeinsam mit dem Franzosen begonnen hatte, w�re er nie auf den Gedanken gekommen, dass dies sein Leben �ndern k�nnte. Dann aber hatten sie eine unerkl�rliche Quelle des Wissens gefunden, die ihre Kenntnis �ber die Geschichte L�gen strafte. Es war ihnen offenbart worden, dass es ein verborgenes Geheimnis hinter den Jahrhunderten und Jahrtausenden gab. Noch war ihnen nicht klar gewesen, welche Zusammenh�nge es gab, und doch hatten sie nur wenig sp�ter dieselbe Spur erneut aufgenommen, in �gypten. Hier hatte Peter das erste Mal selbst in einem solchen Wissensarchiv gestanden, war in Ber�hrung mit dieser unbekannten und l�ngst verschollenen Kultur gekommen, die zu einer Zeit, lange vor den �gyptern, als das Land fruchtbar gewesen war, es Regen gegeben und sich Tropfsteinh�hlen gebildet hatten, bereits �ber Wissen verf�gte, das das heutige in den Schatten stellte.</p><p>Ja, nun war er tats�chlich auf der Suche nach Atlantis. Es lag dort drau�en, tief unter dem Meer. In ewiger Stille und Dunkelheit. Das gro�e Geheimnis, der erste Quell. Atlantis war dort. Und er w�rde es finden!</p></section><section><empty-line/><p><strong>Kapitel 6</strong></p><empty-line/><p><emphasis>Fluid Lounge &amp; Nightclub, Nassau, Bahamas</emphasis></p><empty-line/><p>Jeff bahnte sich einen Weg durch die tanzende Menge. Er bem�hte sich kaum, die beiden Cocktails nicht zu versch�tten. Die dr�hnende Musik hatte ihn l�ngst im Griff, ebenso wie die drei Martinis, die er und Sheryl schon getrunken hatten.</p><p>Er sah sie im Gespr�ch mit einem jungen Kerl mit schwarzen Dreadlocks, den er als einen der DJs identifizierte. Sheryl warf den Kopf nach hinten und lachte auf, w�hrend der Typ eine Hand auf ihre H�fte legte und eindeutige Bewegungen mit seinem Becken machte.</p><p>�Was soll'n das werden, Mann?�, fragte Jeff gegen den L�rm an, als er herangetreten war.</p><p>�Hi, Baby�, rief Sheryl.</p><p>Der DJ drehte sich um und grinste Jeff an. �Nicht schwitzen, <emphasis>lucky boy.</emphasis> Hei�e Frau hast du, Mann.�</p><p>�Darauf kannst du wetten�, gab Jeff zur�ck, w�hrend er einen der Cocktails an seine Freundin reichte. Jeff war sich unsicher, in welche Richtung der Kerl das Gespr�ch lenken wollte. Unversch�mtheiten wollte er sich nicht bieten lassen, aber er hatte auch nicht vor, sich mit ihm anzulegen.</p><p>�Alles cool?�, fragte der DJ.</p><p>�Ja, alles cool...�, gab Jeff zur�ck.</p><p>�Leute, ich bin Lance. Habe euch hier noch nie gesehen. Das erste Mal in Nassau?�</p><p>�Jeff geht morgen auf ein Schiff�, antwortete Sheryl. �Ein richtig gro�es!�</p><p>�Das ist gro�artig, Mann!�, sagte Lance und schlug Jeff auf die Schulter. �Siehst aber nicht aus wie ein Matrose.�</p><p>�Es ist ein Forschungsschiff�, erkl�rte Jeff.</p><p>�Ehrlich? Dann bist du von der Universit�t oder so? Und dann h�ngt ihr hier unten rum?�</p><p>�Wie meinst du das?�</p><p>�Hey, Alter, du bist im Fluid�, rief der DJ mit gespielter Emp�rung. �Wei�t du eigentlich, was das hei�t? Ist der angesagteste Club hier. Hei�e Mucke und hei�e Br�ute.� Er richtete seinen Blick auf Sheryl. �So wie du, Baby. Und dahinten geht's in den VIP-Bereich. Das ist doch genau das Richtige f�r euch. Ein bisschen chiliiger, down-tuned, aber stylish, wenn ihr versteht, was ich meine.�</p><p>�Ich wei� nicht...�, sagte Jeff.</p><p>�Klingt doch nicht schlecht!�, sagte Sheryl. �Wie kommt man da rein?�</p><p>Lance rieb sich das Kinn �Na ja, nur mit Einladung... Aber hey, wie w�r's, ich mache eine Ausnahme f�r euch. Wie w�re das? Jeff und Baby machen heute Abend einen auf VIP, hm?�</p><p>�Ich hei�e �brigens Sheryl.�</p><p>�Mann, ein sch�ner Name f�r eine sch�ne Frau!� Lance ergriff ihre Hand und deutete einen linkischen Handkuss an. �Willkommen im Fluid, Leute. Also was ist, habt ihr Lust?�</p><p>Jeff sah seine Freundin an. Die �berzogene Anmache schien ihr nichts auszumachen, im Gegenteil, sie strahlte. Es war ihr letzter gemeinsamer Abend, bevor er sich mit der<emphasis> Argo</emphasis> aufmachen w�rde. Ein paar Tage w�rden sie im Norden etwas untersuchen, und dann stand die Weiterfahrt �ber den Atlantik an. Er w�rde erst in sechs Wochen zur�ck sein. Seit zwei Jahren hatte er sich f�r eine solche Fahrt beworben, und Sheryl hatte ihn ermutigt, immer zu ihm gehalten. Sie kannten sich seit der Highschool und waren noch nie so lange getrennt gewesen. Nun, kurz vor der Abfahrt, merkten sie, dass sechs Wochen eine verdammt lange Zeit sein w�rden, und das Abschiednehmen fiel ihnen unendlich schwer. Heute wollten sie es sich noch einmal richtig gut gehen lassen, sich und das Leben genie�en. Jeff konnte sich vorstellen, dass er bei der Arbeit und den ganzen Eindr�cken und Menschen an Bord nur wenig Gelegenheit zum Denken haben w�rde, ja, vielleicht w�rde er sie gar nicht so sehr vermissen und die Zeit w�rde schneller vergehen, als er es heute vermutete. Aber Sheryl w�rde er zur�cklassen in ihrem t�glichen Leben, das pl�tzlich auf eine seltsame Weise leer sein w�rde. Daher wollte er alles f�r sie tun, damit sie den Abend genie�en und bis zu seiner R�ckkehr davon zehren konnte.</p><p>�Also gut�, sagte er. �Klar, warum nicht?�</p><p>�Das ist mein Mann!� Der DJ schlug ihm erneut auf die Schulter. �Dann kommt mal mit!�</p><p>Lance f�hrte sie zu einer T�r, neben der ein breiter Security-Kerl stand, der leicht das Doppelte von Jeff auf die Waage brachte. Der DJ wechselte ein paar Worte mit ihm, dann �ffnete der Mann die T�r. Dahinter war eine mit einem dunklen Teppich ausgelegte Treppe zu sehen, die nach oben f�hrte. Blaue LED-Lampen in der Wand bildeten eine Reihe von Sternen.</p><p>Oben angekommen sagte Lance: �<emphasis>Fluid Lounge VIP welcomes Jeff and Sheryl!</emphasis> Der Abend geh�rt euch, Leute!�</p><p>�Danke, Mann�, sagte Jeff und beobachtete argw�hnisch, wie Sheryl dem DJ einen Kuss auf die Wange dr�ckte.</p><p>�Oh, aber die Drinks m�sst ihr hier lassen.� Lance streckte die H�nde nach ihren Gl�sern aus. �Sind zwei verschiedene Bars, wisst ihr. Aber betrachtet es als kleine Bezahlung f�r den Einlass. Au�erdem: Oben gibt's noch viel feinere Sachen.�</p><p>Jeff sah Sheryl fragend an. Sie zuckte nur mit den Schultern und h�ndigte ihren Cocktail dem DJ aus. Jeff nahm von seinem noch einen Schluck, leerte ihn dabei fast bis zur H�lfte und gab sein Glas dann auch ab.</p><p>Kaum war die T�r hinter ihnen geschlossen, �nderte sich der L�rmpegel schlagartig. Die treibenden Tanzrhythmen waren verstummt, und an ihre Stelle trat eine entspannende Mischung, wie Jeff sie bisher noch nicht geh�rt hatte.</p><p>�Wow, Baby, sieh dir das an!�, entfuhr es Sheryl.</p><p>Das Ambiente war ged�mpft, die W�nde wei�, die M�bel schwarz und die Lichter in tiefem Blau gehalten. Gerade einmal zwei Dutzend Menschen sa�en in mehreren gro�en und kleinen Sitzecken verteilt, nur zwei Paare sah man in langsamen tanzenden Bewegungen versunken. Der Fu�boden war stellenweise aus Glas und gab den Blick auf den �berf�llten Club darunter frei.</p><p>Sheryl deutete auf eine freie Ecke, ging hin�ber und lie� sich auf ein Ledersofa hinter einem niedrigen Tisch sinken. Dann klopfte sie auf den Platz neben sich und l�chelte Jeff zu. Es war dieses zauberhafte L�cheln, das ihn auf der Stelle eingefangen hatte, als er sie das erste Mal in der Biologie-Klasse gesehen hatte. Gott, wie er sie liebte!</p><p>Er setzte sich neben sie, schlang seinen Arm um ihre Schultern und wollte sie gerade k�ssen.</p><p>�Willkommen�, ert�nte eine Stimme. Als Jeff aufsah, stand eine schwarz gekleidete Bedienung vor ihrem Tisch, die so sagenhaft perfekt aussah, als w�re sie gerade einem Miss Bahamas Contest entsprungen. �Mein Name ist Cindy. Was kann ich euch bringen? Oder m�chtet ihr erst eine Karte?�</p><p>��h, die Karte�, sagte Jeff etwas kurz angebunden. Irgendwie ging ihm alles zu schnell. Mit drei Martinis und einem halben Sex on the Beach im Blut war ein solches �berma� an Style schwer einzuordnen.</p><p>Die dunkelh�utige Sch�nheit h�ndigte ihm eine Karte aus und verschwand genauso ger�uschlos, wie sie gekommen war.</p><p>Jeff hatte Schwierigkeiten, die kleinen Buchstaben im D�mmerlicht zu erkennen. �Sechzig Dollar f�r eine Flasche Rotwein?!�, stie� er schlie�lich aus.</p><p>�Das ist ja auch kein einfacher Club, sondern eine VIP-Lounge�, sagte Sheryl.</p><p>�Ja, aber sechzig Dollar? Oder hier: Eine Flasche Absolut f�r �ber einhundertdrei�ig! Au�erdem: Wer trinkt denn davon eine ganze Flasche? Haben die keine einfachen Drinks? Oder ein Bier?�</p><p>�Ach, komm schon, Baby. Heute ist eine ganz besondere Nacht. Hm?�</p><p>Jeff �berschlug seine Finanzen. Knapp einhundert Dollar sollten noch �brig sein. Aber er musste auch noch das Taxi zahlen.<emphasis> Ach schei� drauf,</emphasis> dachte er schlie�lich. Heute war tats�chlich eine besondere Nacht. Wer konnte wissen, wann sie so schnell wieder in eine VIP-Lounge kommen w�rden.</p><p>Sie orderten eine Flasche Rotwein. Dann sprachen sie �ber seine bevorstehende Reise, tanzten eine Weile und redeten �ber ihre Pl�ne nach seiner R�ckkehr, und als Jeff das n�chste Mal auf die Uhr sah, war es bereits zwei Uhr morgens. Um halb acht w�rden sie aufstehen m�ssen. Der Rotwein war leer, ihre Bewegungen beschwingt. Ihre F��e schienen den Boden kaum zu ber�hren, als sie die blaue Zauberwelt der Lounge verlie�en und schlie�lich auf die Stra�e traten.</p><p>Die schw�le Hitze der tropischen Nacht empfing sie mit einem dumpfen Schlag.</p><p>Einen Augenblick lang blieben sie vor dem Club stehen, atmeten tief ein, lachten, hielten sich aneinander fest und versuchten, sich auf einem wackeligen Grat zwischen Albernheit und Selbstbeherrschung zu orientieren.</p><p>Jeff k�sste Sheryl auf den Mund.</p><p>Dann lachte er wieder auf und taumelte zwei Schritte zur�ck.</p><p>�Was f�r eine perfekte Nacht! Und ich liebe dich so!� Er streckte seine Arme in die Luft und rief in die Nacht: �H�rt ihr? Ich liebe sie!�</p><p>Sheryl grinste.</p><p>Und pl�tzlich brach die Nacht in sich zusammen.</p><p>Sie h�rte die schrille Hupe eines Autos, viel lauter, als es sein sollte. Dann leuchtete Jeff auf. Wie ein Engel strahlte er, mitten auf der Stra�e, die Arme wie Fl�gel ausgebreitet. Das war das Bild, das sich in ihr Ged�chtnis einbrannte. Dann folgte der Knall. Dieser unbeschreibliche Knall, der alles zerriss, der Jeff zerriss.</p><empty-line/><p><emphasis>An Bord der </emphasis>Argo<emphasis>, im Hafen von Nassau, Bahamas</emphasis></p><empty-line/><p>�Guten Morgen, Peter!� Patrick hatte den Professor entdeckt, als dieser gerade auf dem Weg zum Aufenthaltsraum war. �Wo wollen Sie hin?�</p><p>�Nun, zum Fr�hst�ck. Sagen Sie nicht, dass Sie schon fertig sind. Dass der Koch heute schon eine Stunde fr�her angefangen haben sollte, k�nnte ich noch glauben, nicht aber, dass Sie schon um diese Uhrzeit gegessen haben.� Peter grinste breit. �Oder ist es die Seeluft? Gestern haben Sie mich auch schon �berrascht.�</p><p>�Nichts von alledem. Aber Ihnen ist sicher nicht entgangen, dass wir heute Nacht vor Anker gegangen sind. Wir liegen in Nassau! Die Bahamas, ich bitte Sie! Und da wollen Sie sich vom Smutje ein gekochtes Ei servieren lassen? Nichts da, mein Freund. Wir essen nat�rlich an Land!�</p><p>�Wissen Sie denn, wo es hier etwas gibt?�</p><p>�Vertrauen Sie meiner Nase.�</p><p>Peter z�gerte. �Gut�, sagt er schlie�lich. �Dann werde ich mich noch umziehen.�</p><p>Patrick winkte ab. �Ach was, nun kommen Sie schon. Sie sehen tadellos aus.�</p><p>Widerstrebend folgte der Professor dem Franzosen. Als sie die Gangway hinuntergingen, sahen sie eine Gruppe von Menschen, die sich dort aufhielten. Sie diskutierten mit zwei Mitgliedern der Besatzung, die den Zugang zum Schiff blockierten. Als Peter und Patrick bemerkt wurden, wandte sich ihnen alle Aufmerksamkeit zu, und ein Durcheinander von Rufen erschallte.</p><p>�Haben Sie Atlantis gefunden?�</p><p>�NNRX FM Radio, haben Sie Zeit f�r ein Interview?�</p><p>�Ein Foto, Professor Lavell.�</p><p>�Glauben Sie, dass die Sintflut der Bibel eine L�ge ist?�</p><p>�Coast to Coast AM, geben Sie uns einen Termin!�</p><p>Einen Augenblick lang standen die beiden wie gel�hmt vor der Horde von Journalisten. Patrick verdrehte die Augen, Peter sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Wir geben keine Interviews�, sagte der Franzose dann und hob die H�nde. �Lasst uns durch.�</p><p>Die beiden Crewmitglieder dr�ngten die Reporter zur�ck, w�hrend Patrick sich an ihnen vorbeiquetschte.</p><p>�Rufen Sie mich an, Professor Lavell�, rief einer und steckte Peter eine Visitenkarte in dessen Brusttasche.</p><p>�Griffel weg!�, rief Patrick und schlug den Arm des Mannes beiseite. �Habt ihr nicht verstanden? Es gibt keine Kommentare von uns.�</p><p>Die Journalisten r�ckten ein St�ck ab, offenbar �berrascht vom Ausbruch des Franzosen. Augenblicklich fragte sich Peter, ob Patricks Haltung nicht vielleicht kontraproduktiv war. F�r den Moment wirkte es allerdings. Ein paar Spiegelreflexverschl�sse klackten noch, dann hatten sie die Reporter hinter sich gelassen.</p><p>�<emphasis>Goodness</emphasis>�, sagte Peter, �Die wird man wohl nicht so einfach los. Wer h�tte gedacht, dass man sich in Amerika so f�r wissenschaftliche Untersuchungen begeistern w�rde?�</p><p>�Wissenschaftliche Untersuchungen?�, echote Patrick. �Mein Bester, Sie suchen hier nach Atlantis! Verstehen Sie nicht, was das hei�t?�</p><p>�Sicher, es w�re eine arch�ologische Sensation...�</p><p>�Unsinn, arch�ologische Sensation. Die meisten der Leute wissen doch noch nicht einmal, wie man das schreibt! Und wenn die Platon h�ren, denken sie vielleicht, das sei ein europ�ischer Kriegsfilm. Den gutgl�ubigen Massen hier ist an Wundern gelegen, an Sensationen, an Show, an M�rchen und Hollywood-Blockbustern. Atlantis! Was k�nnte ein gr��eres Spektakel sein? Das �bertrifft Disneyland, Schwarzenegger und jeden Fernsehprediger. Die Leute stehen auf so was. Und diejenigen, die etwas intelligenter sind, wittern hinter der Story so was wie eine neue Daseinsberechtigung f�r das Land, eine Art noble Abstammung. Muss doch ganz sch�n dem�tigend sein zu wissen, dass das eigene Land von Europ�ern und Einwanderern aufgebaut wurde und gerade einmal ein paar hundert Jahre alt ist. Diese verkrampfte Ausrichtung auf Fortschritt, der wahnhafte Expansionsdrang, das Aufspielen als Weltpolizei und dabei die verzweifelte Suche nach kulturellen Wurzeln, das alles kommt doch nicht von irgendwo her.�</p><p>Peter sah seinen Kollegen �berrascht an. �Ich habe Sie nicht so anti-amerikanisch in Erinnerung. Ich kann mir vorstellen, dass man hierzulande �hnlich harte Worte auch �ber die <emphasis>Grande Nation</emphasis> findet.�</p><p>�Das hat man schon. Und ich will Frankreich �berhaupt nicht verteidigen. Trotzdem kann es mir wohl erlaubt sein, mich aufzuregen.�</p><p>�Vermutlich brauchen Sie erst mal einen anst�ndigen Kaffee. Sie werden schon sehen, dann wird alles gut.� Peter lachte.</p><p>Patrick erwiderte sein Lachen. �Sie haben ja recht... Dort, sehen Sie das dort dr�ben?� Er deutete auf einen gewaltigen orangefarbenen Geb�udekomplex, der sich wie eine �bergro�e futuristische Burg mit aberwitzigen Turmspitzen in einiger Entfernung erhob. �Das ist das<emphasis> Atlantis,</emphasis> das wohl spektakul�rste Hotel in der Karibik.�</p><p>�<emphasis>Hotel?</emphasis> Das ist eine Stadt!�</p><p>�Das kann man wohl sagen. Und genau dort werden wir jetzt hingehen und etwas essen!�</p><p>Patrick suchte einen Taxistand, und kurze Zeit sp�ter waren sie auf dem Weg. Der Fahrer brachte sie zun�chst in die entgegengesetzte Richtung, fuhr eine Schleife und steuerte dann auf einen breiten Highway zu, der direkt auf das<emphasis> Atlantis</emphasis> zuf�hrte.</p><p>Die Stra�e stieg an, bis sie zu einer Br�cke geworden war, die in zwanzig Metern H�he �ber das Wasser f�hrte. Nun war zu erkennen, dass die<emphasis> Argo</emphasis> zusammen mit einem halben Dutzend anderer �hnlich gro�er Schiffe auf einer k�nstlichen Insel festgemacht hatte, die in einem Meeresarm zwischen Nassau und jener Insel lag, auf der sich das extravagante Hotel befand und die Paradise Island hie�, wie der Fahrer erkl�rte.</p><p>Das t�rkisblaue Wasser, die wei�en Segelboote und Yachten sowie die Palmen und pastellbunten H�user am Ufer machten Peter deutlich, wie sehr sich die Welt hier von der unterschied, die er gewohnt war. Er f�hlte sich wie auf einem anderen Planeten und stellte sich vor, wie es sein mochte, hier Urlaub zu machen.</p><p>W�hrend Patrick sie kurz darauf auf der Suche nach einem Restaurant durch die Anlage lotste, hatte Peter Schwierigkeiten, die exotischen Eindr�cke aufzunehmen. Ein �berborden von Farben und Formen, von Angeboten zum Am�sement und Gl�cksversprechungen.<emphasis> Fun</emphasis> und<emphasis> Action</emphasis> auf allen Seiten, und Hunderte, Tausende bunt gekleidete Menschen, Lachen, Kreischen, laufende Kinder, Fotoapparate, Videokameras. Sie bewegten sich wie durch einen Ameisenhaufen.</p><p>Peter sank ein St�ck in seinem Sessel zusammen, als sie sich endlich f�r eines der zahlreichen Caf�s entschieden und je ein <emphasis>Continental Breakfast</emphasis> bestellt hatten.</p><p>�Die Welt ist offenbar gro� genug�, sagte er schlie�lich, �um neben Kriegen, Armut, Hungersn�ten und �berbev�lkerung auch solche Orte zu bieten.�</p><p>�Werden Sie jetzt pathetisch?�</p><p>Peter sah in eine unbestimmte Ferne. �Nein. Aber wissen Sie, manchmal denke ich... Ach, lassen Sie's gut sein. Es ist nicht wichtig, was ich denke.�</p><p>�Nun spucken Sie's schon aus.�</p><p>Peter antwortete nicht gleich. �Sehen Sie�, sagte er schlie�lich, �wenn man sich mit Kulturgeschichte und Arch�ologie besch�ftigt, dann lernt man eines ganz schnell: Das Ausma� an k�nstlerischem Ausdruck ist stets ein Indikator f�r die Fortschrittlichkeit und den Wohlstand einer Kultur. Solange Menschen darum k�mpfen m�ssen, ihre unmittelbaren Grundbed�rfnisse zu stillen, wie Nahrung, Unterkunft, materielle und pers�nlicher Sicherheit, kann sich kaum Kunst entwickeln. Erst mit dem Wohlstand stehen dann Zeit und Mu�e zur Verf�gung, und es sind Phasen des Friedens und der Prosperit�t, in denen Kunst erschaffen wird. Damit meine ich nicht Kunst im modernen Sinn, also Kunst, die sozialkritisch w�re, verarbeitend, anprangernd, aufr�hrend, aufkl�rend. Ich meine Kunst, in der sich der Mensch der �sthetik und dem Wohlgefallen widmet, also Schmuck, Malerei, Musik, Poetik, Architektur. In diesem Sinn scheint ein Ort wie dieser aus der Ferne betrachtet ein Anzeichen eines besonders hohen Entwicklungsstandes unserer westlichen Kultur zu sein. Und dennoch f�hlt er sich... wie soll sich sagen... falsch an. Wie ein hohler Schein. Verstehen Sie, was ich meine?�</p><p>Patrick sah den Professor nur an. Der zur�ckhaltende Engl�nder war nicht h�ufig in so tiefsinniger Stimmung. Er gab nur wenig von sich preis, und in seinen �u�erungen beschr�nkte er sich in der Regel darauf, aus seinem zwar theoretischen, aber scheinbar bodenlosen Wissensschatz zu sch�pfen. Er war ein verschlossener Mensch, und trotz der beiden Projekte, die sie schon gemeinsam �berstanden hatten, konnte Patrick nur ahnen, welche Gedanken und Interessen hinter den aufmerksam blitzenden Augen des �lteren Herren verborgen lagen. Patrick wusste um Peters Sinn f�r Humor, ebenso wie um dessen Scharfsinn und Bodenst�ndigkeit. Er kannte Peters altert�mlich anmutende Scheu vor moderner Technik, Peters Beklemmungen in der Dunkelheit und Peters Mut. Aber was trieb Peter im Inneren an? Wie dachte er �ber das Leben und die Welt?</p><p>�Man sieht sich diese Pal�ste an�, fuhr Peter fort, �und denkt: Ist das unser Ziel? Dies zu erreichen? Und was haben wir tats�chlich erreicht, wenn der Gro�teil der Weltbev�lkerung dahinsiecht? Ist dies hier dann nicht ein Spott?�</p><p>Die Bedienung brachte ihr Fr�hst�ck. Patrick nickte nur, sagte aber nichts. Er wollte Peters Gedanken nicht ablenken und freute sich, als der Professor seine �berlegungen fortsetzte, w�hrend er sich Tee einschenkte.</p><p>�Sie erinnern sich an die Texte, die wir in S�dfrankreich gefunden haben. Letztlich deuteten Sie damals schon auf die Legende von Atlantis hin, wie wir jetzt wissen. Es waren Sch�pfungsgeschichten aus aller Herren L�nder, denen die Eigenheit gemeinsam war, dass es sich um Geschichten einer Sintflut handelte. In jedem dieser F�lle wurde eine erste Kultur durch den Zorn Gottes vernichtet. Und die Begr�ndung war stets, dass sich die Menschen aufgelehnt oder von Gott abgewandt hatten, dass sie aufbegehrten und den Weg von Moral und Ethik verlassen hatten. Auch Atlantis ging unter, weil sich die Kultur vom Spirituellen losgesagt und dem Materiellen und der Selbstgef�lligkeit verschrieben hatte. So jedenfalls die Legenden.� Peter nahm einen Schluck von seinem Tee. �Ich will damit nicht ausdr�cken, dass ich eine g�ttliche Strafe erwarte, weil hier ein gro�es Hotel steht. Was ich nur denke, wenn ich das hier sehe, ist, ob wir aus diesen alten Geschichten nicht etwas gelernt haben sollten. So wie uns M�rchen etwas �ber Recht und Unrecht erz�hlen, �ber �ngste, �ber Regeln, �ber Moral, so liegt in allen �berlieferten Legenden offenbar eine Wahrheit, die sie hat �berleben lassen. Die Bibel oder die religi�sen Texte anderer Religionen sind nat�rlich das Paradebeispiel daf�r. Aber auch die Geschichte von Atlantis hat einen Kern, der unabh�ngig davon, ob es den Kontinent je gab, etwas aussagen will.�</p><p>�Demut�, sagte Patrick.</p><p>Peter sah ihn einen Augenblick lang an. �Ja, so k�nnte man es sagen. Ich denke, es fehlt in allem an Demut. Demut den �berlieferten Weisheiten gegen�ber, Demut den alles umfassenden Zusammenh�ngen gegen�ber und Demut der Zukunft unseres Planeten gegen�ber...�</p><p>Sie verbrachten die restliche Zeit des Fr�hst�cks gr��tenteils schweigend, und jeder hing seinen Gedanken nach. Patrick erkannte in Peters Ausf�hrungen �hnliche Beobachtungen, wie er sie selbst in den letzten Jahren zunehmend gemacht hatte. Er hatte dies darauf zur�ckgef�hrt, dass er in jener H�hle in S�dfrankreich gewesen war, die etwas in seinem Denken ver�ndert hatte. Doch auch Peter schien es so zu gehen. Vielleicht war das durch ihr Projekt in �gypten ausgel�st worden?</p><p>Als sie sich nach dem Essen zur�cklehnten, fragte Patrick: �Was hatte Ihnen der Typ da vorhin eigentlich zugesteckt?�</p><p>Peter griff sich an die Brusttasche und holte eine Visitenkarte hervor.</p><p>�Jeremiah Carpenter�, las er vor. �Ein Redakteur von Coast to Coast AM, scheint eine Radiosendung zu sein.�</p><p>�Nie geh�rt.�</p><p>Peter reichte die Karte seinem Kollegen. �Ich frage mich inzwischen, ob es nicht tats�chlich sinnvoll w�re, die Medien einzubinden. Oder ihnen zumindest Informationen zu geben. Mitzuspielen.�</p><p>�Wozu sollte das gut sein?�</p><p>�Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher. Aber vermutlich ist es nicht vorteilhaft, die Medien gegen sich zu haben, was wir durch allzu r�des Verhalten m�glicherweise provozieren.�</p><p>�Ja, ja, schon verstanden. Na und? Schieben Sie's dem Franzosen in die Schuhe. Macht mir nichts aus.�</p><p>�Nun, aber mir macht es etwas aus, mit Verlaub. Sie wissen selbst, dass das Projekt alle Bedingungen erf�llt, um einen Forscher bis zu seinem Lebensende l�cherlich zu machen. Vielleicht w�re es da angebracht, zumindest die Berichterstattung � die wir ganz offenbar nicht verhindern k�nnen � ein wenig zu unseren Gunsten zu beeinflussen.�</p><p>�Und Sie denken, das klappt, indem Sie den Geiern ein paar Brocken hinwerfen. Ein Interview hier, ein paar Fotos dort, und alles wird gut?�</p><p>�Ich w�rde nicht z�gern, wenn es so w�re. Wir haben beide keine Erfahrung im Umgang mit der Presse. Dennoch �berlege ich, ob an dem Angebot dieser Kathleen Denver nicht etwas dran war.�</p><p>�Sie hat Ihnen gefallen, was?� Patrick grinste. �Sie alter Fuchs.�</p><p>�Sie sollten nicht so schnell von sich auf andere schlie�en, Patrick.�</p><p>�Sie war mir viel zu alt.�</p><p>�Aber wenn sie Mitte zwanzig gewesen w�re, h�tten Sie sie vermutlich schon angerufen.�</p><p>Patrick zuckte scheinheilig mit den Schultern. �Ich wei� gar nicht, wie Sie darauf kommen.�</p><p>�Wie dem auch sei. Jedenfalls stimme ich unserem Kapit�n zu, wenn er sagt, dass wir uns Gedanken �ber unseren Umgang mit der Presse machen sollten. Und eine offizielle Berichterstattung h�tte einen weiteren Vorteil: Was auch immer uns zust��t, auf welche Schwierigkeiten wir auch sto�en m�gen, wir w�rden nicht wieder wie bei den letzten beiden Projekten in einem undurchsichtigen Gewirr von Interessengruppen unter die R�der kommen.�</p><p>Patrick nickte. �Da ist vielleicht etwas Wahres dran...�</p><p>�Wir sollten zur�ck aufs Schiff, denke ich. Oder wollten Sie sich hier noch ein bisschen umsehen?�</p><p>�Nein. Auf geht's.�</p><empty-line/><p><emphasis>Hotel Atlantis, Paradise Island, Bahamas</emphasis></p><empty-line/><p>Gonz�lez stand neben dem Kapit�n der<emphasis> Libertad</emphasis> an einem hohen Fenster, das den Blick auf Nassau freigab. Er nahm einen Schluck Rum und lie� ihn die Kehle hinabrinnen. Dabei verzog er sein Gesicht. Kubanischer Exportrum f�r Touristen. In Massen produzierte Billigware, die hier teuer verkauft wurde. Was f�r ein schwacher Abklatsch! Aber selbst in dem, was man aus seiner Heimat so abf�llig �ber die Grenzen spuckte, war immer noch mehr Seele zu sp�ren als in jedem amerikanischen Fusel.</p><p>Die Seele Kubas. In winzige Portionen abgef�llt und verkauft. Und eines Tages w�rde nichts mehr �brig sein. Sie waren ein gefangenes und verkauftes Volk. Kuba brauchte Leute, die sich aufrecht hielten, Helden, die den Weg wiesen. Ihm, Nu�o Gonz�lez, war es bestimmt, ein solcher Held zu werden. Er w�rde seinen Bruder r�chen und dem Meer seine verfluchten Sch�tze entrei�en, er w�rde als Sieger heimkehren, er w�rde Beachtung erhalten, und dann w�rde er die Zukunft Kubas gestalten. Er konnte es vor sich sehen. Das Gold. Die Parade. Und in seinen Traum mischte sich das gro�e wei�e Forschungsschiff der Amerikaner, und es beraubte ihn aller Sch�tze, allen Ruhms und seiner Zukunft. Und schlimmer noch, es zog das Angedenken Rauls in den Dreck, machte sich �ber Gonz�lez' Trauer lustig.</p><p>Mit dem Glas in der Hand deutete er auf die Insel im Meeresarm zwischen Paradise Island und der Hauptstadt.</p><p>�Da unten liegt sie. Diese verfluchten Amerikaner!�</p><p>�Es sind Europ�er�, korrigierte Manuel.</p><p>�Ist doch schei�egal.� Gonz�lez st�rzte sein Getr�nk hinunter. �Sie d�rfen uns auf keinen Fall in die Quere kommen.�</p><p>�Wir k�mmern uns ja schon darum.�</p><p>�Ein Student! Das reicht noch nicht. Wir brauchen mehr. Einen richtigen Plan, verstehst du, Manuel? Kommen wir an den genauen Projektplan heran?�</p><p>�Einige Daten habe ich schon besorgt, aber die genauen Koordinaten und alles andere k�nnen wir nur direkt von ihrem Schiff bekommen. Es wird eine Weile dauern, aber ich bin sicher, dass unser Mann uns etwas liefern wird.�</p><p>�Dir ist klar, dass ich bereit bin, jeden Preis zu zahlen, um mein Ziel zu erreichen.�</p><p>�Nicht nur du.�</p><p>Gonz�lez sah den breitschultrigen Kapit�n an, der aus dem Fenster sah und nicht den Eindruck machte, als hatte er drohen wollen. �Was soll das hei�en?�</p><p>Manuel wandte sich langsam um. �Glaubst du, der<emphasis> Tigre </emphasis>w�rde ein Versagen hinnehmen?�</p><p>�Cabrera ist mit mir verwandt!�</p><p>�Der<emphasis> Tigre</emphasis> ist mit niemandem au�er dem Teufel verwandt.�</p><p>Gonz�lez ballte eine Hand zur Faust. �Dann werden wir der Teufel sein!�</p><empty-line/><p><emphasis>An Bord der </emphasis>Argo<emphasis>, im Hafen von Nassau, Bahamas</emphasis></p><empty-line/><p>John sah sie die Gangway hinaufsteigen. �Ich hatte mich schon gewundert, wo Sie waren�, gr��te er sie. �Es gibt Neuigkeiten. Ich f�rchte, auch schlechte.�</p><p>�Um was geht es?�, fragte Peter.</p><p>�Zun�chst einmal gab es einen Anruf f�r Sie mit der Bitte um R�ckruf. Eine Miss Denver, soweit ich mich erinnere. Wir haben ihre Nummer notiert.�</p><p>Patrick grinste seinen Kollegen an. �Ihre Chance, Don Juan!�</p><p>Peter lie� sich nicht beirren. �Und was sonst noch?�, fragte er.</p><p>�Es hat einen Unfall gegeben�, erkl�rte John. �Nicht an Bord, aber einer der Studenten, die wir heute aufnehmen wollten, ist gestern bei einem Autounfall umgekommen. Aus vertraglichen Gr�nden m�ssen wir als Ersatz einen anderen Studenten von der Warteliste aufnehmen. Eigentlich wollte ich heute um f�nfzehn Uhr auslaufen. Nun k�nnen wir vermutlich erst am Abend los.�</p><p>�Wie viel Zeit verlieren wir dadurch f�r das Projekt?�, fragte Patrick.</p><p>�Auch mit dieser Verz�gerung werden wir morgen fr�h wie geplant vor Ort sein, da wir die Strecke heute Nacht bequem zur�cklegen k�nnen. Es wird also keinen Einfluss auf das Projekt haben. Ich hoffe, dass Ihnen die zus�tzlichen Stunden hier im Hafen nicht lang werden. Vielleicht m�chten Sie ja an den Strand oder eine Tour durch Nassau unternehmen.�</p><p>�Zun�chst sollten wir Miss Denver anrufen�, sagte Peter.</p><p>�Wollen Sie ihr also zusagen?�, fragte Patrick.</p><p>�Lassen Sie uns erst h�ren, was sie m�chte.�</p><p>�Das kann ich Ihnen gleich sagen.�</p><p>�So, wie Sie klingen, schlage ich vor, dass ich das Gespr�ch f�hre.�</p><p>Patrick reichte dem Engl�nder sein Mobiltelefon. �Tun Sie sich keinen Zwang an.�</p><p>Das Gespr�ch dauerte nicht lange.</p><p>�Sie m�chte sich mit uns treffen. Sie ist hier in Nassau�, sagte Peter schlie�lich, als er das Ger�t zur�ckreichte.</p><p>�Sie ist uns nachgereist.�</p><p>�So oder so �hnlich. Sie sagt jedenfalls, sie h�tte �ber die Sache nachgedacht und verst�nde unsere Bedenken. Aber sie h�tte einen Vorschlag und m�chte ihn mit uns besprechen.�</p><p>Patrick zuckte mit den Schultern. �Meinetwegen. Wir haben ohnehin nichts Besseres zu tun.�</p><p>�Das dachte ich mir. In drei�ig Minuten treffen wir sie.�</p></section><section><empty-line/><p><strong>Kapitel 7</strong></p><empty-line/><p><emphasis>AUTEC U.S.-Navy-Rechercbe-Zentrum, Andros Island, Bahamas</emphasis></p><empty-line/><p>Als Lieutenant Commander Walters sein B�ro am Abend betrat, fand er auf seinem Schreibtisch eine Akte vor. Er setzte sich, stellte seine Kaffeetasse ab und las den gelben Notizzettel, der auf dem Aktendeckel klebte.</p><empty-line/><p><emphasis>Wie gew�nscht die Unterlagen �ber die Forschungsschiffe und die Walstrandungen. </emphasis></p><p><emphasis>CWO Parker</emphasis></p><empty-line/><p>Walters schlug die Akte auf und studierte die Papiere.</p><p>Das kubanische Schiff war von einem nicht n�her bekannten Nu�o Gonz�lez gechartert und als Forschungsschiff deklariert worden, das allerdings dem Milit�r geh�rte. Es war ein alter sowjetischer Kahn, der vermutlich ein bisschen modernisiert worden war. Walters fragte sich, ob das Gef�hrt �berhaupt f�r regul�re maritime Untersuchungen geeignet war oder ob sich in Wahrheit ganz andere Ger�te an Bord befanden. Sicherlich lohnte es sich, diese Kameraden im Auge zu behalten. Walters hoffte, dass sich kein politischer Fall hieraus entwickeln w�rde.</p><p>Das Schiff von Woods Hole war ein ganz anderes Kaliber. Das Flaggschiff der Flotte und mit atemberaubendem Equipment, wie er feststellen musste. �ber das Ozeanografische Institut waren dem Milit�r die detaillierten Projektpl�ne einsehbar, und wenn Walters die Daten richtig interpretierte, betrieben die Europ�er dort keine meeresbiologischen oder geografischen Studien, sondern suchten nach arch�ologischen Spuren, nach Ruinen einer untergegangenen Kultur. In drei Kilometern Tiefe! Die beiden Projektleiter waren nur in Fachkreisen bekannt, ein verstaubter englischer Geschichtsprofessor und ein franz�sischer Ingenieur, der nicht ganz sauber zu sein schien. Ein sonderbares Paar.</p><p>Walters lehnte sich zur�ck und nahm einen Schluck aus seiner Tasse. H�tte es nicht den Code f�nfzig in diesem Gebiet gegeben, w�rde er die Leute einfach ignorieren. Aber die Bestimmungen sahen vor, dass er �ber solche Koinzidenzen informiert wurde, und die geheimen Anweisungen, die er erst vor wenigen Wochen studiert hatte, gingen sogar noch weit dar�ber hinaus. Es handelte sich um ein Sperrgebiet, das so lange unbeachtet bleiben sollte, bis sich besondere Aktivit�ten zeigten. Dass diese nun ausgerechnet in seine Amtszeit in AUTEC fielen, passte ihm so wenig in den Kram wie der ganze Rest der politischen Geheimniskr�merei, der er sich umso mehr ausgesetzt sah, je weiter er in der Hierarchie aufstieg. Walters war weder au�ergew�hnlich militant noch �bertrieben ehrgeizig. Das Milit�r war ein ehrbarer Arbeitgeber, er nahm seinen Job ernst, und ein komplexes Netzwerk von Zust�ndigkeiten und Informationsbeschr�nkungen war selbstverst�ndlich und notwendig. Insbesondere, da es hier nicht um blo�e Betriebsgeheimnisse wie das Rezept von Coca-Cola ging, sondern um die nationale Sicherheit. Aber bisweilen, so stellte er fest, war das Milit�r tiefer mit der Wirtschaft und anderen Lobbys verflochten, als es sein sollte, und hielt die eigenen Interessen h�her, als es der gesunde Menschenverstand nahelegte. Allzu oft entzog man sich unter dem Mantel der �Milit�rischen Geheimhaltung� oder der �Nationalen Sicherheit� mancher Verantwortung, und so erregte jeder<emphasis> Confidential- </emphasis>oder<emphasis> Top-Secret-</emphasis>Stempel zunehmend Walters' Argwohn.</p><p>Dies hier war so ein Fall. Was auch immer es mit dem Wei�wasservorfall auf sich hatte und was auch immer das mit den beiden Forschungsschiffen zu tun haben mochte, so gab es eine Regierungsstelle, die sich daf�r interessierte. Und die er nun kontaktieren musste. Das fragliche Gebiet lag innerhalb der Zweihundert-Meilen-Zone sowohl der Vereinigten Staaten als auch der Bahamas. Beide Staaten konnten hier unter bestimmten Voraussetzungen ihre Rechte geltend machen. Ein politisches Spiel. Und die Adresse, an die er sich wenden sollte, w�rde ihn und AUTEC hineinziehen.</p><p>Walters seufzte.</p><p>Sein Blick wanderte zum Safe, in dem sich die Anweisungen befanden. Aber er blieb sitzen.<emphasis> Noch nicht...</emphasis></p><p>Er legte die Dokumente beiseite und zog die Untersuchungsergebnisse der gestrandeten Schnabelwale hervor, betrachtete die Fotos vom Strand und die von den pathologischen Untersuchungen aus Miami. Es war bedauerlich. Mehr als das. Auch wenn er die Details der medizinischen Protokolle nicht verstand, r�hrten ihn die toten Tiere an. Er erinnerte sich nicht, schon fr�her so sentimental gewesen zu sein. Vielleicht lag es an seinem Alter oder daran, dass sich in den letzten Jahren durch den Umgang mit seiner kleinen Tochter neue Priorit�ten entwickelt hatten. Jedenfalls lie�en die Bilder ihn erschauern.</p><p>Als Walters die Kurzzusammenfassung las, best�tigten sich seine Bef�rchtungen.</p><p>Oberfl�chlich betrachtet waren die Tiere an Entkr�ftung und Dehydrierung gestorben. Aber die Aufnahmen aus dem Kernspintomographen und die Autopsien zeigten, was tats�chlich geschehen war.</p><p>Oft strandeten Schulen von Delfinen und Walen, wenn sie einem kranken Leittier zu folgen versuchten. Hier aber waren alle Tiere gleicherma�en betroffen: Massive Blutungen im Gehirn, dem Innenohr und zum Teil den Augen wiesen auf die wahre Todesursache hin. Etwas hatte die Schule getroffen, kein nat�rlicher Feind und auch keine herk�mmliche Waffe. Eine Energie, die in der Lage war, die empfindlichen Sinnesorgane der Meeress�uger regelrecht explodieren zu lassen.</p><p>Die Navy verf�gte �ber eine solche Energiequelle, und sie hatte sie drei Tage vor den Strandungen eingesetzt. Das LFAS, das Niederfrequenz-Aktivsonar.</p><p>Unter Wasser war die Sicht schlecht, daher verwendete man zur Ortung von Schiffen und U-Booten Schallwellen, die sich noch dazu wesentlich besser unter Wasser als in der Luft ausbreiteten. Um eine m�glichst gro�e Fl�che abdecken zu k�nnen, waren immer kr�ftigere Sonare entwickelt worden. Das LFAS war das am weitesten entwickelte. Es sendete Impulse mit �ber zweihundert Dezibel in den Ozean. Einer Lautst�rke, die zweihundertf�nfzigmal lauter war, als der Mensch ertragen konnte, und so machtvoll, dass das Signal noch in f�nfhundert Kilometern Entfernung so laut war wie das Abfeuern eines Schusses. Tiere, die sich mithilfe des Geh�rs im Meer orientierten und deren entsprechende Sinne um ein Vielfaches empfindlicher waren als die menschlichen Ohren, wurden von den Schallwellen buchst�blich innerlich zerrissen.</p><p>Die Navy hatte vor einigen Jahren eine zugegeben millionenschwere, aber halbherzige Studie unternommen und bem�hte sich nun stets zu erkl�ren, dass diese gezeigt habe, dass selbst hundertachtzig Dezibel das Verhalten von Walen nicht beeinflussen w�rden. Tats�chlich gab es haufenweise anderer, unabh�ngiger Studien, die das Gegenteil feststellten. Zwar versicherte die Navy vor jeder Aktivierung des LFAS mit einem herk�mmlichen Sonar die Umgebung nach Meeress�ugern zu scannen, um den Einsatz gegebenenfalls einzustellen. Tats�chlich reichte aber kein anderes Sonar so weit wie das LFAS, sodass diese Vorkehrungen in Wahrheit wenig n�tzten.</p><p>Es gab keine Beweise, aber alle wissenschaftlichen Indizien sprachen daf�r, dass es eine unmittelbare Verbindung zwischen dem Einsatz des Niederfrequenz-Aktivsonars und den Strandungen gab. Das LFAS t�tete, und Walters, als Kommandant der AUTEC-Basis, war daf�r verantwortlich.</p><p>Doch solange nichts bewiesen war und solange man die Autopsien in milit�reigenen Einrichtungen vornehmen und die Ergebnisse unter Verschluss halten konnte, w�rde nichts den k�nftigen weltweiten und dauerhaften Einsatz des LFAS verhindern. Und somit war auch klar, wie die offizielle Stellungnahme von AUTEC zu diesem Vorfall aussehen w�rde.</p><p>Walters beruhigte sich mit dem Gedanken, dass diese Technologie im Ernstfall vielleicht Gefahren abwenden, Kriege verk�rzen, Menschenleben retten konnte und dass dies schwerer wog als ein paar gestrandete Tiere. Aber er konnte immer weniger daran glauben.</p><p>Er blickte aus dem Fenster und lie� seine Gedanken schweifen. Dann schob er die Papiere zusammen, stand auf und holte die geheimen Unterlagen aus dem Safe.</p><p>F�r den Fall, dass ein Code f�nfzig eintrat, wurden f�r das entsprechende Gebiet neue Bestimmungen wirksam, so lange, bis diese von h�herer Stelle wieder aufgehoben wurden. Walters musste das geplante Eindringen der beiden Forschungsschiffe melden, und die Anleitung stand hier.</p><p>Er setzte sich mit der Mappe an seinen Schreibtisch und verfasste eine E-Mail mit den entsprechenden Schl�sselbegriffen an die vorgegebene Adresse einer ihm unbekannten Regierungsbeh�rde, von wo aus sie dann zum tats�chlichen Empf�nger weitergeleitet werden w�rde.</p><p>Er studierte gerade andere E-Mails seines Posteingangs, als bereits eine Antwort eintraf.</p><empty-line/><p><emphasis>Empfang best�tigt.</emphasis></p><p><emphasis>Prozess unter Beobachtung halten und dokumentieren.</emphasis></p><p><emphasis>Keine weiteren Aktionen. Statusupdate alle 24 Stunden.</emphasis></p><p><emphasis>Lt. McEvoy</emphasis></p><p><emphasis>CSS, Fort Meade, MD</emphasis></p><empty-line/><p>Walters lehnte sich st�hnend zur�ck. Er hatte erwartet, dass er bei einer h�herrangigen Abteilung der Navy gelandet w�re.</p><p>Stattdessen kam die Antwort nun vom Central Security Service aus Maryland. Es war eine Organisation, die f�r alle Streitkr�fte der USA als zentrale Schnittstelle diente und deren Aufkl�rungsdaten in der NSA zusammenf�hrte. Und die NSA wiederum war der vermutlich gr��te Nachrichtendienst der Welt, Teil des US-Verteidigungsministeriums und zust�ndig f�r das Sammeln, �berwachen und Entschl�sseln s�mtlicher weltweiter Kommunikation und Aufkl�rungsarbeit.</p><p>Walters atmete tief durch und straffte seinen R�cken. Ganz offenbar ging es hier um eine gro�e Sache. Eine verdammt gro�e.</p><empty-line/><p><emphasis>An Bord der </emphasis>Argo<emphasis>, �stlich von Great Abaco Island, Bahamas</emphasis></p><empty-line/><p>Es war dunkel geworden, und durch die Fenster der Messe war das Meer nicht mehr zu sehen. Stattdessen spiegelten sich die Lichter der Deckenlampen in den Scheiben.</p><p>Die<emphasis> Argo</emphasis> war auf dem Weg zu ihrem Bestimmungsort und w�rde einige Stunden nach Mitternacht dort ankern, sodass sie am Morgen mit der Arbeit beginnen konnten.</p><p>Das Schiff verf�gte zwar �ber eine kleine Offiziersmesse mit gehobener Ausstattung, aber Peter und Patrick zogen es vor, im selben Raum wie die Mannschaft zu speisen. Es schien ihnen weder notwendig noch vorteilhaft, sich abzukapseln. Da es hier mehrere Tische unterschiedlicher Gr��e gab, war es ihnen auch hier m�glich, unter sich zu sein.</p><p>Neben John, dem Kapit�n, sa� nun auch Kathleen mit ihnen am Tisch.</p><p>�Erz�hlen Sie uns ein bisschen �ber sich�, bat John. �Sie arbeiten freiberuflich f�r FOX, sagten Sie?�</p><p>Kathleen legte ihre Gabel beiseite und schob ihre Brille zurecht. �Ja, genau. Ich habe im Auftrag der FOX International Channels eine Serie produziert. Mysterien der Geschichte, ein bisschen rei�erisch aufbereitet. Sie wurden auf dem History Channel ausgestrahlt.�</p><p>�Dann sind Sie Produzentin?�, fragte John.</p><p>�Im Grunde ja, allerdings hatte ich urspr�nglich Journalismus und PR studiert. Das war an einer Medienakademie, wo ich aber nach drei Jahren ins Fach Kamera und Regie gewechselt bin. Ich wei�, ein gro�er Sprung, doch statt f�r andere zu arbeiten, wollte ich lieber meine eigenen Beitr�ge machen. Inzwischen ist es sehr hilfreich, dass ich von allem, was ich ben�tige, um Beitr�ge zu erstellen und zu verkaufen, genug wei�, um v�llig selbstst�ndig arbeiten zu k�nnen. Ich bin meine eigene PR-Abteilung, wenn Sie so wollen.� Sie l�chelte.</p><p>�Vorgestern waren da zwei ziemlich aufdringliche Typen�, sagte Patrick, �die bei FOX �ber uns berichtet haben. Haben Sie was mit denen zu tun?�</p><p>�Aber nein!�, antwortete Kathleen. �Doch diese Nachricht ist ein gutes Beispiel daf�r, weshalb ich denke, dass ich Ihnen helfen k�nnte. Ich m�chte nicht nur eine Dokumentation �ber dieses Projekt erstellen, sondern biete Ihnen an, die PR-Arbeit f�r Sie zu �bernehmen. Wie ich Professor Lavell schon erkl�rte, kann ich Kontaktanfragen abwimmeln, Ihre Pressemitteilungen erstellen und daf�r sorgen, dass sie in die richtigen H�nde geraten. Ich kann Ihnen die n�tige Aufmerksamkeit verschaffen.�</p><p>�Nun, �ber diesen letzten Punkt k�nnen wir ja sprechen, wenn es so weit ist�, sagte Peter. �Zun�chst einmal ist uns schon geholfen, wenn wir durch Sie unliebsame Journalisten irgendwie fernhalten k�nnen.� Mit einem Blick auf den Franzosen f�gte er hinzu: �Und zwar so, dass wir nicht wieder als �Die unversch�mten Europ�er in den Nachrichten landen.�</p><p>Patrick griff zu seinem Weinglas. �Botschaft angekommen, vielen Dank.�</p><p>�Ich bin sicher, dass dies ein ganz und gar spannendes Projekt wird�, sagt Kathleen. �Ich f�hle mich geehrt, dass ich dabei sein darf.�</p><p>�Wie wollen Sie das Projekt dokumentieren?�, fragte John.</p><p>�Ich habe eine vollst�ndige Kameraausr�stung dabei�, erkl�rte sie. �Wann immer es sinnvoll ist, werde ich Aufnahmen machen. Wir k�nnen sie gemeinsam auf meinem Rechner pr�fen. Schnitt und Postproduction finden nat�rlich sp�ter mit anderem Equipment statt. Au�erdem werde ich fotografieren. Und wenn ich darf, w�rde ich gerne ab und zu auch ein paar Interviewfragen stellen und Ihre Antworten mitschneiden.�</p><p>Peter nickte. �Solange Sie den Ablauf und unsere Arbeit nicht behindern, soll es mir recht sein�, sagte er. �Gibt es auch beschr�nkte Bereiche auf dem Schiff, John?�</p><p>�Ich w�nsche keine Aufnahmen im Bereich der Br�cke ohne meine ausdr�ckliche Genehmigung und ohne meine Anwesenheit�, antwortete der Kapit�n. �Abgesehen davon gelten f�r Miss Denver dieselben Beschr�nkungen wie f�r andere Passagiere. Der Maschinenraum ist also tabu, und auch der Frachtraum, und die Labore d�rfen nicht ohne Begleitung durch mich oder das Personal betreten werden.�</p><p>�Das ist selbstverst�ndlich, Mister Harris�, sagte die Reporterin und nickte. �Aber bitte, nennen Sie mich alle einfach Kathleen.�</p><p>�Nun, nachdem das gekl�rt w�re�, sagte der Kapit�n, und wandte sich wieder Peter zu, �w�rde es mich interessieren, was Sie uns �ber das Projekt erz�hlen k�nnen. Wie Sie auf die Idee zu dieser Unternehmung gekommen sind und was uns erwartet.�</p><p>Peter r�usperte sich, legte sein Besteck auf den Teller, faltete seine Serviette und lehnte sich zur�ck. Dann begann er von seiner Arbeit zu erz�hlen und davon, wie er und der Franzose sich kennengelernt hatten. Er beschrieb den Fund in Alexandria und erkl�rte, was Patricks Expedition in Guatemala ans Licht gef�rdert hatte.</p><p>�Sehen Sie: Atlantis war stets nur eine Legende. Eine vielfach beachtete Legende zwar, aber es gab keinerlei historische Grundlagen. Au�er jenem Text von Platon, der allerdings nur wenige konkrete Hinweise enthielt und der ja auch ebenso gut blo� eine Parabel h�tte sein k�nnen.�</p><p>�Der<emphasis> Kritias-</emphasis>Dialog�, warf Kathleen ein.</p><p>�Dieser, so wie der<emphasis> Timaios-</emphasis>Dialog, ganz genau. Die wenigen Anhaltspunkte, die man aus den Texten ziehen kann, und die in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder herangezogen wurden, sind zum Teil widerspr�chlich, sodass man nie sicher sein konnte, welcher Teil davon Wahrheit war � wenn �berhaupt.</p><p>Nun kann man sich fragen, was die Legende von Atlantis zu einer so erfolgreichen Geschichte machte, die niemals in Vergessenheit geriet. Zum einen handelt es sich dabei um das archetypische Motiv des S�ndenfalls. Wir finden es bei fast allen V�lkern der Welt. Eine glanzvolle Kultur, die sich von seinen Werten entfernte und daher unterging. Aber dar�ber hinaus faszinierten seit jeher auch die Mutma�ungen �ber den hohen Zivilisationsstand. Atlantis wird beschrieben als ein Weltreich, dessen Ausdehnung dem des R�mischen Reichs um nichts nachstand. Platon berichtet, Atlantis sei eine Insel so gro� wie ein Kontinent gewesen, die sich au�erhalb der S�ulen des Herakles befunden habe. Dies war die alte Bezeichnung der Meerenge von Gibraltar. Demnach m�sste Atlantis im Atlantik gelegen haben.�</p><p>�Ist das der Grund, weswegen der Atlantische Ozean so hei�t?�, fragte John.</p><p>�Nein, eher andersherum�, sagte Peter. �Der Name des Ozeans geht auf den Gott Atlas aus der griechischen Mythologie zur�ck. Er wurde bereits vor Platon nach ihm benannt. Kritias, der in Platons Dialog die Geschichte erz�hlt, erkl�rt, die Namen, die er verwende, seien blo�e �bersetzungen. So h�tten die �gypter, von denen ja die �berlieferung stamme, ihrerseits bereits die urspr�nglichen Namen ins �gyptische �bersetzt, und Solon, der die Geschichte von dort mitbrachte, habe sie ins Griechische �bertragen. Das war nat�rlich eine geschickte Erkl�rung daf�r, dass sich im Atlantis-Mythos nur griechische Namen befinden. So sind also der Staat, die Herrscher und G�tter alle nach griechischem Vorbild benannt, und die damaligen Zuh�rer konnten sich besser mit dem Szenario identifizieren.�</p><p>�Und was ist nun im Einzelnen �ber Atlantis bekannt?�, fragte John.</p><p>�Dem heutigen Mythos von Atlantis ist im Laufe der Zeit viel hinzugedichtet worden, das gar nicht aus Platons Feder stammt, �hnlich wie man heute viele christliche Mythen kennt, die mit der Bibel nichts zu tun haben, sondern aus apokryphen Schriften stammen, aus der j�dischen Mystik oder aus esoterischen Quellen. Auch hier sehen wir eine Folge der Globalisierung, wenn Sie so wollen. Immer mehr Geschichten werden in einen Topf geworfen, durchdringen einander, vermischen sich, und daraus wird von Hollywood inszenierter und mit Coca-Cola beworbener Mythenbrei, in dem jeder auf der Welt irgendwelche Aspekte wiedererkennt, der aber nur noch hom�opathische Dosen der wahren Inhalte enth�lt. Es ist eine Schande.�</p><p>�Atlantis, Peter�, erinnerte Patrick.</p><p>�Ja, sicher. Also, die Atlanter sollen eine Seefahrernation gewesen sein, die weit �ber den Ozean hinaus Handel betrieb. Ihre Hauptstadt befand sich auf der gr��ten Insel und lag dort auf einer gro�en Ebene, die von einer Seite vom Meer und von den anderen drei Seiten von einem Gebirge begrenzt war. Die Stadt selbst war von drei breiten Ringen umgeben, Wasserkan�len, so breit und tief, dass Schiffe darin fuhren. Von allen vier Himmelsrichtungen f�hrte je eine Stra�e mittels Br�cken �ber die Kan�le und direkt in die Stadt. In der Stadt befand sich der Poseidontempel, das h�chste Heiligtum, ganz mit Gold und Silber verkleidet.</p><p>�berhaupt sollen die Atlanter nicht nur architektonische Meister, sondern �beraus zivilisiert und wohlhabend gewesen sein. Zum einen, weil ihre Insel fast paradiesisch fruchtbar und sehr effektiv bewirtschaftet gewesen sein soll, aber auch, weil sie eine wirtschaftliche und milit�rische Gro�macht waren. Atlantis verf�gte angeblich nicht nur �ber eine Handelsflotte, die die ganze bekannte Welt bereiste, sondern auch �ber eine gewaltige Armada und hatte Westeuropa, Westafrika und Teile des Mittelmeerraums bis einschlie�lich �gypten erobert und unter Kontrolle. Hieraus resultiert auch die Vorstellung, dass die atlantische Kultur � sollte es sie jemals gegeben haben � einen nachhaltigen Einfluss auf s�mtliche sp�teren Kulturen gehabt, sie vielleicht sogar begr�ndet habe.�</p><p>�Die Idee, dass die �gypter das Pyramidenbauen von den Leuten aus Atlantis gelernt haben�, meinte Patrick.</p><p>�Ganz genau�, best�tigte Peter. �Insbesondere im Bereich der Esoterik und der Pseudowissenschaften ist dies eine der weitverbreiteten Theorien.�</p><p>�Aber nun suchen Sie selbst Atlantis�, warf Kathleen ein. �Bedeutet es dann nicht, dass das vielleicht sogar stimmt?�</p><p>Peter nickte. �Indem wir nun zum ersten Mal ganz konkrete Informationen �ber die exakte Lage von Atlantis haben sowie weitere Angaben, die seine Existenz wahrscheinlich machen, m�ssen selbstverst�ndlich auch diese Theorien erneut betrachtet werden.�</p><p>�Was hei�en soll...?�, hakte Kathleen nach.</p><p>�Ich will damit sagen, dass ich es in Anbetracht der neuen Informationslage und der Erfahrungen, die Patrick und ich bei den letzten Projekten gemacht haben, f�r m�glich halte, dass Atlantis � sollte es existiert haben � tats�chlich sp�tere Kulturen gepr�gt hat.�</p><p>�Und k�nnte es dann sein, dass andere Teile der Atlantis-Geschichte dann ebenfalls stimmen?�</p><p>�Nun, wie ich schon erw�hnte, muss man unterscheiden zwischen dem origin�ren Text und Teilen, die sp�ter hinzugedichtet wurden. So berichtet Platon beispielsweise unter anderem von einem besonderen Metall, das er<emphasis> Oreichalkos</emphasis> oder auch Goldkupfererz nennt. Auch wenn wir nicht wissen, was damit gemeint sein k�nnte, ist der Wahrheitsgehalt dieser Information vermutlich h�her als der der sp�teren Quellen. Dort wird den Atlantern unter anderem nachgesagt, dass sie dieses Metall als eine besondere Energiequelle verwendet h�tten. Dass sie �ber Maschinen und Flugk�rper verf�gt h�tten sowie �ber hoch entwickelte Waffen, die mit Lichtstrahlen gearbeitet h�tten, die durch Kristalle geb�ndelt wurden.�</p><p>�Laser�, warf Patrick ein.</p><p>�So etwas in der Art, ja. Andere Quellen wollen wissen, dass das Volk von Atlantis selbst eine urspr�ngliche, hoch entwickelte Wesensform gewesen sei, menschen�hnlich, aber zugleich transzendent, welche das geistige Potenzial h�her aussch�pfte, als uns das heute m�glich ist, f�hig zu Telepathie, Seelenwanderung und so weiter. Die heute lebenden Menschen seien quasi eine R�ckentwicklung zu einer primitiveren Stufe, von der wir uns durch einen Weg der Erleuchtung befreien m�ssten.�</p><p>�Und das alles ist vollkommen abwegig?�, fragte Kathleen.</p><p>Peter l�chelte. �Um ehrlich zu sein, ist auch hier die Beurteilung nicht mehr ganz so einfach, wie sie einmal gewesen sein mag. In dem Augenblick, wo man die reale Existenz dieser untergegangenen Welt postuliert, werden auch viele andere Aspekte pl�tzlich denkbar. Ich sage nicht<emphasis> wahrscheinlich</emphasis>, aber <emphasis>denkbar.</emphasis> Sehen Sie, neben Geschichte habe ich Anthropologie studiert und mich jahrzehntelang mit der Kulturgeschichte der Religionen besch�ftigt. Die sich durchdringenden Str�me und die weltweit wiederkehrenden Motive, die wie von einer zentralen Quelle zu stammen scheinen, sind allgemein bekannt. Es gibt zahlreiche B�cher, ja eine ganze Subkultur, die sich heute mit der Idee besch�ftigt, dass sich alle Berichte �ber G�tter des Altertums auf Besuche von Au�erirdischen zur�ckf�hren lassen. Das mag l�cherlich scheinen, insbesondere im Lichte dessen, was wir heute �ber das Universum und die M�glichkeiten von Reisen durch den Weltraum wissen... Nun, Patrick k�nnte Ihnen da sicher mehr sagen als ich. Aber viele der Schl�sse sind durchaus logisch � lediglich �u�erst unwahrscheinlich. Was aber, wenn wir ann�hmen, es h�tte eine Hochkultur wie die von Atlantis gegeben? Und wenn diese die Entwicklung anderer V�lker beeinflusst, beschleunigt haben k�nnte � k�nnte sie dann nicht auch esoterisches Wissen hinterlassen und unwissentlich Religionen begr�ndet haben?�</p><p>F�r einen Augenblick trat Schweigen ein. Insbesondere Patrick, der sich �blicherweise einen spitzz�ngigen Kommentar zu diesen Themen nicht h�tte verkneifen k�nnen, wusste nicht gleich, was er dazu sagen sollte. Es stimmte, bei ihren letzten Projekten hatten sie die Spur einer Wissensquelle verfolgt, die sie immer weiter in die Vergangenheit gef�hrt hatte. Sie hatten damals in �gypten sogar ein Artefakt gefunden, dessen Alter jeder Lehrmeinung widersprach. Stammte es vielleicht aus Atlantis, und war Atlantis diese urspr�ngliche Quelle des Wissens und der Weisheit? Es m�sste l�cherlich sein, absurd, aber der Gedanke kam ihm seltsam vertraut vor, fast so, als sei er eine Erinnerung aus seiner Schulzeit oder Kindheit.</p><p>Es war der Kapit�n, der die Unterhaltung fortsetzte: �Was genau haben Sie denn nun gefunden, das Sie so sicher macht, dass Atlantis existiert, dass Sie es finden k�nnen?�</p><p>�Es gibt ja zwei wesentliche Fragen, die Platons Dialoge aufwarfen. Erstens: Handelt es sich hier um Wahrheit oder Fiktion? Und zweitens: Wo genau lag denn nun Atlantis? �ber beide Punkte gibt der verlorene Teil des<emphasis> Kritias-</emphasis>Dialogs Aufschluss. Ich k�nnte die Dokumente holen, wenn Sie m�chten...�</p><p>Peter machte bereits Anstalten aufzustehen, doch John sch�ttelte den Kopf, und Kathleen sagte: �Das wird nicht n�tig sein. Erz�hlen Sie es uns einfach.�</p><p>Peter lehnte sich wieder zur�ck. �Die Frage nach der Authentizit�t wird durch Sokrates beantwortet. Er ist einer der Personen, die sich in Platons Dialog unterhalten. Kritias erz�hlt die Geschichte, und Sokrates nimmt am Ende die Rolle des kritischen Publikums ein. Er stellt dabei explizit eben jene Fragen, die sich auch sp�tere Historiker gestellt haben. So fragt er zum Beispiel, wie es sein k�nne, dass Atlantis einen Krieg gegen Athen gef�hrt habe, schlie�lich sei Athen keine neuntausend Jahre alt. Es stellt sich dann heraus, dass tats�chlich nicht Athen gemeint sei, sondern dass es sich um ein Sinnbild handelte, damit man sich besser damit identifizieren konnte. In der �gyptischen Version der Geschichte war daher stattdessen Memphis genannt worden � das nat�rlich damals ebenfalls noch nicht existierte. Auf die Frage, ob dann Atlantis vielleicht ebenfalls ein Sinnbild sei, beteuert Kritias, dass die Beschreibungen s�mtlich der Wahrheit entspr�chen. Sokrates fragt als N�chstes, wie ein Land, das so gro� wie Libyen und Asien zusammen gewesen sei, jenseits der S�ulen des Herakles, also drau�en auf dem endlosen und unerforschten Meer, existieren k�nne, wo man das Ende der Welt oder allenfalls grauenvolle Monster vermutete. Damals verwendete man den Begriff Libyen f�r ganz Nordafrika abz�glich �gyptens, und unter Asien verstand man immerhin die bekannten L�nder Vorderasiens. Atlantis m�sste der Beschreibung nach also fast so gro� wie Westeuropa gewesen sein. Kritias erkl�rt daraufhin noch einmal, was an anderer Stelle des Dialogs auch schon steht, dass es sich bei Atlantis um eine Inselgruppe gehandelt habe, die tats�chlich so gro� gewesen sei. Er beschreibt, dass man mit dem Schiff eine wochenlange Reise zur�cklegen musste, um sie zu erreichen, und dass jenseits von Atlantis ein weiteres Festland l�ge, das so gro� sei, dass man es neben den drei von Herodot genannten Kontinenten Europa, Libyen � also Afrika � und Asien, ebenfalls als einen eigenen Kontinent ansehen m�sse.�</p><p>�Der erste geschichtliche Hinweis auf Amerika?�, fragte Kathleen.</p><p>�So scheint es, ja. Nachdem Atlantis versank, hei�t es in der Erz�hlung, sei ein Meer aus Schlamm �brig geblieben, das f�r kein Schiff passierbar sei. Und tats�chlich gibt es die sogenannte Sargassosee. Das ist ein Bereich des Meeres, der �stlich der Bermuda-Inseln beginnt und sich l�nglich fast bis zu den Azoren ausdehnt. Die Meeresstr�mungen umschlingen dieses Gebiet. F�hrt man von Europa aus mit dem Schiff westw�rts, folgt man �blicherweise den Str�mungen und Winden weiter s�dlich, und f�hrt man zur�ck nach Europa, folgt man dem Golfstrom oberhalb. Immer umf�hrt man die Sargassosee, jedenfalls galt dies, solange man auf Segel und die Kraft des Meeres angewiesen war. Dieser Bereich des Meeres ist salziger als normal, Flauten sind h�ufig, es existieren keine hilfreichen Str�mungen, und das Wasser ist streckenweise mit einem dicken Teppich aus gelbbraunen Algen bedeckt, in dem kleinere Schiffe leicht stecken bleiben k�nnen. Historiker haben schon h�ufiger vermutet, dass das �unpassierbare Meer aus Schlamm� nichts anderes als eine Beschreibung der Sargassosee sein k�nnte.�</p><p>�Aber wenn da wirklich einmal eine riesenhafte Insel war�, warf John ein, �die irgendwann verschwand � auf welche Weise auch immer �, sollten dann die Str�mungen dieses �Loch� mitten auf dem Ozean nicht einfach f�llen? Ich meine, weshalb flie�en sie noch immer darum herum, als ob Atlantis noch da w�re?�</p><p>�Ja, es sieht tats�chlich so aus, als w�rde das Wasser um eine unsichtbare Insel herumflie�en. Aber tats�chlich wissen wir nicht, wie sich die Str�mungen verhalten haben, als es Atlantis noch gab. Es ist ja mehr als wahrscheinlich, dass eine so gro�e Inselgruppe einen Einfluss gehabt und sich das heutige Verhalten der Str�mungen erst nach dem Verschwinden der Inseln eingestellt hat.�</p><p>�Dann k�nnte das R�tsel der Aalwanderung tats�chlich auch mit Atlantis zusammenh�ngen�, sagte Kathleen.</p><p>�Was denn f�r ein Aalr�tsel?�, fragte Patrick.</p><p>�Aale�, erkl�rte Kathleen, offenbar begierig, etwas zum Thema beitragen zu k�nnen, �also S��wasseraale, leben in Seen und Fl�ssen, wie Sie sicher wissen. Sie legen nur einmal in ihrem Leben Eier. Wenn die Zeit gekommen ist, wandern sie von Europa aus mehrere tausend Kilometer westw�rts, hinaus auf das Meer, und laichen in der Sargassosee, in drei- oder viertausend Metern Tiefe. Wussten Sie das nicht? Niemand kann bis heute erkl�ren, warum die Fische dies tun. Man wei� von anderen Tieren, zum Beispiel von Meeresforellen und Lachsen, dass sie in Fl�ssen geboren werden, ihr Leben im Meer verbringen und dann zum Laichen in die Fl�sse ihrer Geburt zur�ckkehren. Aber der Aal unternimmt zum Laichen eine Reise, die ihn ins Nirgendwo f�hrt. Vielleicht an einen Ort, wo fr�her einmal andere Inseln und andere Fl�sse gewesen sind.�</p><p>�Ja�, best�tigte Peter, �die Aale sind in den letzten vierzig Jahren h�ufig mit Atlantis in Verbindung gebracht worden. Insbesondere von pseudowissenschaftlichen Sachbuchautoren, weswegen sich vermutlich kaum ein seri�ser Wissenschaftler n�her damit befasst hat. Es ist bis heute ein ungel�stes R�tsel.�</p><p>�Das ist ja sch�n und gut�, sagte John, �aber die Sargassosee ist gro�. Wie sind Sie zu so pr�zisen Koordinaten gekommen, wie wir sie gerade ansteuern?�</p><p>Peter l�chelte. �Ja, das ist eine gute Frage. Auch das hat uns der verlorene Teil des Dialogs verraten. Tats�chlich gelang es uns mithilfe einer Art Triangulation, wie ich von Patrick gelernt habe. Wir konnten drei im Manuskript beschriebene Orte identifizieren. Der offensichtlichste von ihnen war nat�rlich �die S�ulen des Herakles�, der Name f�r die Meerenge von Gibraltar. Es waren Reisedauer und die ungef�hre Richtung der Reise beschrieben. Unter Ber�cksichtigung der durchschnittlichen Str�mungen und Winde lie�en sich ungef�hre Radien berechnen und somit Gebiete aufzeigen, die man so erreichen w�rde. Da wir dies mit drei verschiedenen Orten vornehmen konnten, brauchten wir lediglich die Schnittpunkte der Radien zu untersuchen.� Peter winkte ab. �Nun, ehrlich gesagt war es etwas komplizierter als das, aber darum hat Patrick sich gek�mmert. Ich vertraue hier ganz auf sein technisches Verst�ndnis.�</p><p>�Das ist ja gro�artig!�, sagte Kathleen. Ihre Augen leuchteten. �Dann haben Sie das wirklich bis ins Letzte durchdacht, und wir k�nnten Atlantis tats�chlich finden. Aber...� Sie stockte. �Wenn es Ihnen gelang, k�nnte dann nicht jeder andere dieselben Berechnungen anstellen?�</p><p>�Selbstverst�ndlich�, stimmte Peter zu. �Das ist nur eine Frage der Zeit. Noch haben wir allerdings einen Vorsprung, da ich erstens schon l�nger mit dem Dialog gearbeitet habe und die Arbeit ja erst jetzt ver�ffentlicht wurde, und zweitens bedarf es au�ergew�hnlicher geschichtlicher Vorkenntnisse, um die richtigen Schl�sse zu ziehen. Was � mit Verlaub � meine Spezialit�t ist und sich nicht so h�ufig findet. Und zuletzt gibt es nicht viele Forschungsschiffe wie dieses hier, insbesondere nicht so kurzfristig. Daf�r schulden wir dem Woods-Hole-Institut ganz besonderen Dank.�</p><p>Ein Matrose betrat den Raum und kam an ihren Tisch.</p><p>�Kapit�n Harris, k�nnten Sie auf die Br�cke kommen? Eric hat etwas auf dem Radar entdeckt.�</p><p>John nickte und erhob sich. �Entschuldigen Sie mich bitte. Es geht um Navigationsfragen. Falls wir uns heute nicht mehr sehen, w�nsche ich Ihnen jetzt schon eine gute Nacht.�</p><p>Als der Kapit�n gegangen war, beugte Kathleen sich vor. �Wenn wir den Vorsprung beibehalten wollen, sollten wir also auf keinen Fall verraten, wo genau wir suchen wollen, richtig?�</p><p>�Lange wird sich das nicht verheimlichen lassen�, warf Patrick ein. �Auf der WHOI-Website kann man nachlesen, wo sich die einzelnen Forschungsschiffe aufhalten. Au�erdem gibt es Satellitenortung...� Er sch�ttelte den Kopf. �Keine Chance, das geheim zu halten.�</p><p>�Nun, aber immerhin m�ssen wir es ja nicht hinausposaunen�, gab die Journalistin zur�ck. �Ich frage deswegen, weil es wichtig ist, welche Informationen wir an die Presse geben und welche wir zur�ckhalten.� Sie beobachtete Patricks skeptischen Blick und r�ckte daraufhin ihre Brille mit einer energischen Geste zurecht. �Sie beide haben selbst entschieden, dass ich mich um die Presse k�mmern soll. Und das beinhaltet auch, einige echte Informationen rauszugeben. Mit hei�er Luft allein k�nnen Sie die Profis nicht lange beeindrucken. Im Gegenteil, Sie machen sie nur umso neugieriger.�</p><p>Peter nickte. �Ja, ja, eine gute L�ge versteckt sich zwischen zwei Wahrheiten, hm?�</p><p>Kathleen l�chelte. �Ganz recht.�</p><p>Patrick stand auf. �Wir besprechen das, wenn es so weit ist�, bestimmte er. �Erst einmal m�ssen wir etwas haben, bevor wir uns entscheiden, es nicht zu melden. Und im Alleingang werden Sie hoffentlich gar nichts unternehmen.�</p><p>�Nein, nat�rlich nicht!�, erwiderte Kathleen und sah dem Franzosen best�rzt hinterher, als er den Raum verlie�.</p><p>�Sie m�ssen ihn entschuldigen�, lenkte Peter ein. �Er meint es nicht so. Er ist nur etwas...� Er suchte nach Worten.</p><p>�R�pelhaft?�</p><p>�Skeptisch.�</p><p>Kathleen zuckte mit den Schultern. �Nun, wir werden sicher lernen, miteinander auszukommen. Ich kann mir vorstellen, dass eine Menge Druck auf ihm lastet.� Sie sah Peter von der Seite an. �Ebenso wie auf Ihnen, ist es nicht so?�</p><p>Peter l�chelte sie ihn. Es gab keinen besonderen Grund zu l�cheln, aber etwas an ihr, ihrer Frage und ihrer Geste, vermittelte eine F�rsorglichkeit, die ihn ber�hrte. Sie war tats�chlich eine attraktive Frau. Es umgab sie nicht die zwanglose Naivit�t einer jungen Studentin, sondern sie strahlte bereits eine angenehme Reife aus und verf�gte �ber einen von Erfolg geschmiedeten Willen. Patrick hatte recht gehabt, als er gemutma�t hatte, dass Peter Gefallen an ihr finden k�nnte. Dabei ging es keineswegs um �u�erlichkeiten, ein Aspekt, dem Patrick stets viel zu viel Beachtung schenkte. Peter bem�hte sich in allem, hinter die Fassade des �u�eren Scheins zu sehen, und dort verbargen sich h�ufig die gr��ten �berraschungen. Zugegeben, bei Menschen war dies schwieriger als in seiner Arbeit. Und ihre Mitarbeiterin Stefanie, die sie beim ersten Projekt unterst�tzt hatte, war ihm bis zum Schluss r�tselhaft geblieben. Vielleicht war das ein Grund, weshalb er sich nie dauerhaft hatte binden k�nnen; er verstand sich nicht sonderlich auf Menschen. Aber Kathleen, so viel konnte er beurteilen, war ihm �beraus sympathisch.</p><p>�Sie haben recht�, erkl�rte er schlie�lich. �Dieses Projekt bedeutet uns beiden tats�chlich sehr viel. Und wir gehen unterschiedlich damit um.�</p><p>�Nun, dann machen Sie sich ab sofort einfach etwas weniger Sorgen.� Kathleen legte eine Hand auf Peters Arm. �Jetzt sind wir zu dritt, und wir werden nicht nur das untergegangene Reich finden. Gemeinsam werden wir auch Antworten auf die Fragen unseres Ursprungs finden, und wir werden der Welt endlich ihre wahre Geschichte und Bestimmung schenken.�</p><empty-line/><p><emphasis>An Bord der </emphasis>Libertad<emphasis>, �stlich von Great Abaco Island, Bahamas</emphasis></p><empty-line/><p>Gonz�lez stand auf der Br�cke und betrachtete einen Monitor.</p><p>�Ich sehe nichts!�</p><p>�Nat�rlich nicht�, gab Manuel zur�ck, der neben ihm stand. �Wir sind noch zu weit entfernt. Wenn wir sie hier sehen k�nnten, dann k�nnten sie uns auch sehen!�</p><p>�Und warum hast du mich dann geholt?�</p><p>�Pass auf. Rui, die Projektion.� Der angesprochene Mann war der Zweite Offizier der<emphasis> Libertad</emphasis> und f�r die Navigation verantwortlich. Er sa� auf einem Stuhl vor dem Monitor und bediente einige Tasten des angeschlossenen Rechners. Auf dem Bildschirm waren nun Linien und Punkte zu erkennen.</p><p>�Wir kennen den ungef�hren Zielort, also den wahrscheinlichen Kurs der Europ�er�, erkl�rte Manuel und deutete auf die Grafik. �Dieser Punkt sind wir. Unser Mann an Bord der <emphasis>Argo</emphasis> hat uns vor einigen Minuten die aktuellen GPS-Daten durchgegeben. Das ist dieser Punkt hier. Wie du siehst, befindet er sich in der N�he des vermuteten Kurses. Wir bekommen die Daten einmal in der Stunde �bermittelt und k�nnen unser Modell so st�ndig erweitern. Das Programm erlernt die Geschwindigkeit und kann immer pr�zisere Projektionen �ber den Kurs und den Zielort anstellen. Wir selbst k�nnen auf diese Weise in ausreichendem Abstand bleiben, ohne von der<emphasis> Argo</emphasis> entdeckt zu werden.�</p><p>�Das ist ja ganz nett�, brummte Gonz�lez, �aber es n�tzt uns wenig, wenn sich herausstellt, dass sie genau dort tauchen wollen, wo ich es geplant habe. Dann m�ssen wir uns etwas anderes einfallen lassen.�</p><p>�Sicher. Aber das sehen wir fr�hestens morgen, wenn die <emphasis>Argo</emphasis> vor Anker gegangen ist.�</p><p>Gonz�lez wandte sich ab. �Verdammt, ich w�nschte, wir w�ren schon da!� Er trat ans Fenster und sah �ber das beleuchtete Vordeck hinaus in die Dunkelheit. �Wir m�ssen herausfinden, was genau sie planen. Sag das deinem Mann!�</p><p>�Geduld, Manuel. Es ist sicherlich nicht leicht, an die Projektunterlagen heranzukommen.�</p><p>�Es interessiert mich nicht, wie schwierig es ist. Und es ist mir egal, wie er es hinbekommt.�</p></section><section><empty-line/><p><strong>Kapitel 8</strong></p><empty-line/><p><emphasis>AUTEC U.S.-Navy-Recherche-Zentrum, Andros Island, Bahamas</emphasis></p><empty-line/><p>Walters hasste solche Telefonate. Es war nicht gut, den Tag so zu beginnen.</p><p>�Es tut mir wirklich leid, S��e. Ich hatte mich auch darauf gefreut. Aber es geht um eine vertrauliche Sache... Nein, nicht Washington, aber so �hnlich. Ich muss hierbleiben und im Vierundzwanzigstunden-Takt Meldung machen... Ich wei� es nicht. Dieses Wochenende mindestens. Ich hoffe, dass es dann im Lauf der Woche durch ist... Ja, mir auch... Sarah ist schon in der Schule, oder? Gib ihr einen dicken Kuss von mir, ja? Und sag ihr, wir unternehmen was Sch�nes, wenn ich nach Hause komme, okay?... Also dann, ich rufe heute Abend wieder an... Ich dich auch!�</p><p>Er legte auf und lie� sich zur�cksinken.</p><p><emphasis>Mist, verdammter!</emphasis></p><p>Er sah auf die Uhr. Kurz vor acht. Keine Termine oder Projekte heute, nur regul�re Tagesabl�ufe in allen Bereichen, und ansonsten auf Neuigkeiten von den Schiffen warten, Meldung erstatten und dann weiter warten.</p><p>Er musste erst einmal seinen Kopf freibekommen. Danach wollte er sich ein zweites Fr�hst�ck in der Kantine g�nnen. Wenn er schon heute Abend nicht nach Hause fliegen konnte und auch noch das Wochenende hier verbringen musste, dann sollte wenigstens kein Stress entstehen.</p><p>Wenige Minuten sp�ter trat Walters im Trainingsanzug auf das Gel�nde der Basis. Der Himmel war klar, es war weder schw�l noch zu warm. Er machte ein paar Dehn�bungen und trabte los, �ber den Parkplatz und zum Tor. Der wachhabende Soldat gr��te ihn, dann hatte er den Mann hinter sich gelassen, bog links ab und joggte entlang der Servicestra�e, die ihn an der Basis vorbei und durch ein nahe gelegenes bewaldetes Gebiet f�hren w�rde.</p><p>Bald schon ging sein Atem bewusster, tiefer, und mit jedem Zug sog er die Ger�che der Natur ein. Die Steine erw�rmten sich langsam, die Schatten der B�ume wurden k�rzer, und das Meer, das nicht weit entfernt lag, trug sein salziges Aroma zu ihm her�ber.</p><p>Andros war die gr��te Insel der Bahamas und zugleich die am wenigsten erschlossene. Trotz des gewaltigen vorgelagerten Korallenriffs gab es kaum Tourismus, au�er den Sportfischern und Tauchern. Jedenfalls war es wenig im Vergleich zum Rest der Bahamas. Abgesehen von den rund sechstausend Bewohnern und den AUTEC-Mitarbeitern lebten hier in erster Linie Tiere in den W�ldern, S�mpfen und Mangroven. Entfernte man sich nur wenig von den St�dten oder der Basis, fand man sich sofort in einer noch nahezu urspr�nglichen Natur wieder.</p><p>Walters bog von der Stra�e ab und w�hlte einen Trampelpfad. Auf diese Weise kam man zum Strand und konnte mehrere Meilen lang oberhalb des Wassers laufen. Hier war die Luft noch ein bisschen frischer, und er merkte, wie seine Gedanken klarer und sein Tritt leichter wurden.</p><p>In einiger Entfernung stand ein Mann auf dem Weg.</p><p>Zun�chst hielt Walters ihn f�r einen J�ger oder einen Marine. Aber dann sah er, dass der Mann in einen anthrazitfarbenen Anzug gekleidet war. Wei�e Haare bedeckten seinen Kopf, und ein kurz geschnittener wei�er Bart umrahmte sein Gesicht. Als er n�her kam, drehte sich der Mann zu ihm um, sah ihm entgegen, und Walters wurde bewusst, dass er ihn offenbar erwartete.</p><p>Er blieb vor dem Fremden stehen, der ihn fast um Hauptesl�nge �berragte.</p><p>�Guten Morgen�, gr��te der Mann mit einer son�ren Stimme und einem leichten britischen Akzent. �Ich nehme an, Sie sind Lieutenant Commander Walters? Mein Name ist Gabriel, und ich w�rde Sie gerne sprechen.�</p><p>Gabriel reichte Walters die Hand, der sie fl�chtig entgegennahm und sofort wieder zur�ckzuckte.</p><p>�Ja, ich bin Commander Walters. Vereinbaren Sie doch bitte einen Termin mit meinem B�ro.� Walters wies unbestimmt in die Richtung der Basis und machte Anstalten weiterzujoggen. Das hatte ihm gerade noch gefehlt, dass ihn irgendwelche Leute bel�stigten, wenn er versuchte, ein wenig abzuschalten.</p><p>�Es geht um den Wei�wasservorfall�, sagte Gabriel.</p><p>Walters blieb stehen, sah sich aber nicht um.</p><p>�Sie haben sich gestern beim CSS gemeldet�, fuhr Gabriel fort. �Ich m�chte gerne mit Ihnen dar�ber sprechen.�</p><p><emphasis>CSS, der Central Security Service!</emphasis> Walters �berlegte. Konnte es sein, dass man ihn derart schnell aufsuchte? Die NSA, zu der der CSS geh�rte, war ber�chtigt f�r ihre Agenten, die<emphasis> Men in Black,</emphasis> die auftauchten und ebenso schnell wieder verschwanden, ohne Spuren zu hinterlassen. Und der Vorfall schien immerhin wichtig genug zu sein. Aber hatte die Mail nicht besagt, dass er sich in vierundzwanzig Stunden zur�ckmelden solle? Von einer Kontaktaufnahme war nicht die Rede gewesen.</p><p>Walters drehte sich um und fragte: �Wer schickt Sie?�</p><p>�Keine Regierungsstelle, die Ihnen bekannt w�re�, gab Gabriel zur�ck. �Ich habe auch keine Befugnis, Ihnen Anweisungen zu geben. Sie m�ssen nicht einmal mit mir reden, wenn Sie es nicht w�nschen. Ich w�rde es allerdings begr��en, wenn Sie sich einen Moment Zeit nehmen k�nnten.�</p><p><emphasis>Ein Spinner,</emphasis> schoss es Walters durch den Kopf. Wieder einer von diesen Verschw�rungstheoretikern, wie sie immer wieder auf Andros auftauchten. Andererseits, �berlegte er, waren es selten �ltere Herrschaften, die sich vornehm kleideten und sich gew�hlt auszudr�cken verstanden.</p><p>�Also gut, sagen Sie, was Sie zu sagen haben.� Er sah auf seine Uhr. �F�nf Minuten.�</p><p>Gabriel nickte und setzte sich bed�chtig in Bewegung. �F�nf Minuten sind keine lange Zeit, doch im Angesicht der Jahrtausende nicht unbedeutender als eine ganze Woche. Augenblicke wichtiger Entscheidungen sind stets kurz, oft viel zu kurz im Vergleich zu ihren Auswirkungen.�</p><p>Walters schwieg. Je weniger er sagen musste, desto besser. Sollte der Mann ruhig plaudern. Wie alt mochte er sein? Sechzig? �lter? Schwer zu sch�tzen. Er bemerkte einen rotgoldenen Siegelring an seiner Hand mit einem seltsamen Muster aus konzentrischen Kreisen.</p><p>Gabriel fuhr fort, langsam, geradezu and�chtig und mit so langen Pausen, als h�tte er alle Zeit der Welt. �Oft stellen wir uns die Frage, zu welchen Auswirkungen andere Entscheidungen gef�hrt h�tten. Wir fragen uns, wie viel wir wirklich bewirkt haben, h�tten bewirken k�nnen. Dabei w�re es viel wichtiger, sich bewusst zu sein, wie viel wir bewirken<emphasis> wollen. </emphasis>Was ist uns wichtig? Wof�r setzen wir uns ein? Wollen wir Teil der Krankheit oder Teil der Heilung sein? Und wenn Ignoranz die Krankheit der Welt ist, was ist unser Anteil daran?�</p><p>Noch immer sagte Walters nichts. Der Alte sollte zum Punkt kommen. Au�erdem wusste er nicht, was er erwidern k�nnte. Denn auf eine seltsame Weise betraf es ihn, was er sagte.</p><p>�Der tr�gerische Gedanke, dass man machtlos sei, raubt uns jede Kraft, umnebelt den Geist, h�llt uns in Apathie. Wenn wir nichts entscheiden, entscheiden andere f�r uns. Doch allein es versucht zu haben, ist mehr wert als jedes Bedauern, wenn der Tag gekommen ist, der uns vor die Taten unseres Lebens treten l�sst und unsere Seele richtet.�</p><p>Gabriel blieb stehen und sah Walters an.</p><p>�Ein solcher Tag kommt f�r jeden von uns. An welchen Gott Sie auch glauben: Ihre Seele kennt sich selbst. Und am Ende f�llt alles auf Sie zur�ck.�</p><p>�Sind Sie ein Wanderprediger?!�, fragte Walters. Die Worte stie�en etwas sch�rfer hervor, als er geplant hatte.</p><p>Gabriel l�chelte. �Es geht um die beiden Schiffe, die Sie beobachten�, sagte er dann. �Es sind Forschungsschiffe auf der Suche nach Antworten. Sie m�chten etwas �ber unsere Vergangenheit erfahren, �ber unsere Geschichte, unser Menschsein. Und zugleich gibt es das Milit�r und den Geheimdienst, der ganz offenbar ebenfalls ein Interesse daran hat... Man muss sich zwangsl�ufig fragen, was es dort zu entdecken gibt.�</p><p>�Es ist nicht meine Aufgabe, mich in diese Angelegenheiten einzumischen. Und Ihre vermutlich auch nicht.�</p><p>�Es gibt zweierlei Aufgaben. Solche, zu denen uns andere verpflichten, und solche, die wir uns selbst w�hlen. Zu ersteren treibt uns unser Verstand, zu letzteren unser Herz.�</p><p>�Was wollen Sie nun eigentlich von mir? Wenn Sie noch etwas zu sagen haben, fassen Sie sich kurz. Die Zeit ist gleich um.�</p><p>�Ich habe nicht vor, Sie mit W�nschen zu bedr�ngen. Mir war heute in erster Linie daran gelegen, Sie kennenzulernen, Lieutenant Commander. Ihnen stehen interessante Zeiten bevor, in Ihnen liegt auf eine besondere Weise der Knotenpunkt verschiedener Wege in die Zukunft. Vielleicht reicht es, Sie auf diese Bedeutsamkeit aufmerksam zu machen, um Ihre Sinne zu sch�rfen.�</p><p>�Gut. Das haben Sie ja nun getan. Ich m�chte jetzt weiter.�</p><p>�Nat�rlich�, erwiderte Gabriel und trat ein wenig beiseite. �Ich gehe h�ufiger hier spazieren, vielleicht sehen wir uns ein anderes Mal.�</p><p>Walters zuckte mit den Schultern. �Auf Wiedersehen�, sagte er knapp und setzte seinen Lauf fort, ohne sich noch einmal umzudrehen.<emphasis> Ein wirklich schr�ger Vogel,</emphasis> �berlegte er. War er gef�hrlich oder einfach nur merkw�rdig? Was wusste er von den Schiffen? Wie hatte er von dem Schriftverkehr mit dem CSS erfahren? Und warum hielt er ihn auf und redete auf ihn ein, wenn er doch nichts zu sagen hatte? Und im Grunde hatte er ja nichts gesagt. Oder doch?</p><empty-line/><p><emphasis>An Bord der </emphasis>Argo<emphasis>, etwa achtzig Seemeilen n�rdlich von Great Abaco Island, Bahamas</emphasis></p><empty-line/><p>Nach dem Mittagessen trafen Peter, Patrick, Kathleen und der Kapit�n in einem der Labors zusammen. Entlang der W�nde standen Tische, die mit Tastaturen und Monitoren �berfrachtet waren, mit Messger�ten und unidentifizierbaren Apparaturen. Alles war auf die eine oder andere Weise an den W�nden oder den Tischen befestigt, festgeschraubt oder steckte in speziellen Halterungen mit Sicherungsgurten. Die kostbare Ausr�stung durfte auch bei schwerem Seegang nicht umst�rzen oder durch den Raum geschleudert werden.</p><p>Die<emphasis> Argo</emphasis> war sp�t in der Nacht angekommen und lag seitdem an den Zielkoordinaten. Das Meer war zwar ruhig, t�uschte aber durch seine schwarzblaue Farbe nicht dar�ber hinweg, dass es unter ihnen dreieinhalbtausend Meter in die Tiefe ging. Die Kraft, die ein st�rmischer Ozean hier drau�en entwickeln konnte, durfte man zu keinem Zeitpunkt untersch�tzen.</p><p>Ankern war hier nat�rlich nicht m�glich, aber die satellitengest�tzten Positionierungssysteme pr�ften st�ndig die genaue Lage der<emphasis> Argo</emphasis> und w�rden sie automatisch korrigieren, wenn die Str�mung das Schiff abzutreiben drohte.</p><p>Am Morgen war der autonom arbeitende Roboter<emphasis> Sentry </emphasis>abgetaucht. Der leuchtend gelbe, torpedof�rmige K�rper von <emphasis>Sentry</emphasis> hatte aufgebockt in einem gro�en Metallk�fig gelegen, den drei Besatzungsmitglieder aus dem Hangar gerollt hatten. Das rund drei Meter lange Gef�hrt verf�gte am vorderen und hinteren Ende �ber je zwei breite, rote Flossen, die dem Ganzen die Erscheinung eines eigenartigen Fisches gaben. Ein Kran hatte es aus dem K�fig gehoben und ins Wasser gesenkt.</p><p>Dort hatten sich zwei Taucher um das Ger�t gek�mmert und es ein letztes Mal gepr�ft, bis es schlie�lich in der Tiefe des Ozeans versunken war.</p><p>Susan hatte ihnen erkl�rt, dass es rund dreieinhalb Stunden dauern w�rde, bis der Roboter den Grund erreichte. Etwa f�nfzig oder hundert Meter �ber dem Boden hatte er dann angehalten, die Gewichte gel�st, die ihn nach unten gezogen hatten. Seitdem schwebte er und durchlief sein Scanprogramm. <emphasis>Sentry</emphasis> arbeitete sich dabei streifenweise vor und zur�ck, �hnlich wie ein Rasenm�her. Mit seinem Sonar ma� er das Bodenprofil, und die einzelnen Streifen wurden �ber die Kabel zum Schiff gesendet und hier im Labor an den Computern zusammengesetzt. So ergab sich eine topografische Karte des Meeresbodens.</p><p>�Holen Sie sich St�hle und setzen Sie sich neben mich�, sagte John. Er hatte vor einem Rechner Platz genommen und startete ein Programm. �Diese Software zeigt die Daten, die<emphasis> Sentry</emphasis> bisher gesammelt hat. Er arbeitet noch immer, aber dieser Teil hier ist schon fertig aufbereitet.�</p><p>Der Monitor zeigte eine graue Fl�che mit einzelnen schwarzen Rissen und scharfkantigen Klumpen.</p><p>�Das Sonar von<emphasis> Sentry</emphasis> wirkt wie eine Taschenlampe, die man schr�g auf eine Fl�che richtet. Durch den flachen Winkel werden alle Unebenheiten der Oberfl�che besonders deutlich, weil sich dahinter Schatten bilden, gegen die sich jede Erhebung abhebt.� John wandte sich an Peter. �Nach genau demselben Prinzip betrachten Arch�ologen alte Inschriften auf einem Stein: Man h�lt einen Spiegel so, dass die Sonnenstrahlen ganz flach auftreffen und noch die schw�chsten Spuren hervortreten.�</p><p>�Dann sind das dort...�</p><p>�Das sind vermutlich Felsen�, erkl�rte John.</p><p>�Macht jetzt keinen allzu spannenden Eindruck auf mich�, meinte Patrick. �Und mehr hat Ihr AUV nicht gefunden?�</p><p>�Oh, das ist beileibe nicht alles!� John bediente einige Symbole mit dem Mauszeiger. �Sehen Sie, die Aufl�sung ist sehr hoch. Diese Felsen sind lediglich... hier steht es: f�nf Meter breit.<emphasis> Sentry</emphasis> wird aber heute rund zehn Kilometer Strecke zur�cklegen und abtasten. Die Fl�che, die wir uns also an den Monitoren ansehen k�nnen, ist noch wesentlich gr��er! Ich kann ein wenig auszoomen, dann sehen wir mehr von dem Gebiet.�</p><p>Indem John die Vergr��erungsstufe reduzierte, schrumpfte der Fels auf einen kleinen Punkt zusammen, und die graue Fl�che erweiterte sich nach allen Seiten.</p><p>�Was ist dieser schwarze Streifen am linken Rand?�, erkundigte sich Kathleen.</p><p>�Das ist unbekanntes Gel�nde. Erst ab dieser Stelle hier hat der Scan begonnen. Wenn wir uns weiter nach rechts bewegen werden wir ebenfalls so einen Rand finden, n�mlich dort, wo<emphasis> Sentry</emphasis> noch arbeitet. Das Ganze wird eine gro�e, rechteckige Fl�che ergeben. Aber die Daten m�ssen ja erst �bermittelt und in Bilder umgerechnet werden. Die Darstellung erfolgt also nicht in Echtzeit. Wenn wir uns den letzten Teil des heutigen Gebiets ansehen k�nnen, wird er schon wieder auf dem Weg nach oben sein.�</p><p>�Das bedeutet, wir k�nnen gar nicht eingreifen, wenn wir hier etwas Interessantes sehen?�</p><p>�Nur mit einer Verz�gerung. F�r eine solche Untersuchung w�re auch eher<emphasis> Jason</emphasis> geeignet.<emphasis> Sentry</emphasis> arbeitet autonom nach einem Programm, das wir vorher festgelegt haben. Aber keine Sorge. Diese Karte wird nicht alles sein, was er liefert. Wir bekommen auch Messwerte von Temperatur und Salzgehalt, und in regelm��igen Abst�nden senkt sich der Roboter bis auf wenige Meter �ber den Boden und macht Fotos. Das ist hilfreich, um die Beschaffenheit des Sediments zu erkennen oder um Wrackteile von Felsen zu unterscheiden.�</p><p>�Ich bin beeindruckt�, sagte Peter. �Es wird kolportiert, die Tiefsee sei weniger gut erforscht als der Mond. Aber nun muss ich sehen, dass die Technik doch bereits Erstaunliches leistet!�</p><p>�Die Leute haben trotzdem recht�, erkl�rte Patrick. �Eine solche Messung wie heute ist, wie wir selbst wissen, sehr teuer und zeitaufwendig. In dieser Aufl�sung den ganzen Meeresboden zu scannen, w�rde Hunderte von Jahren dauern. Von der Erde haben wir ein besseres Bild, weil wir durch die Satelliten aus viel gr��erer H�he und mit viel weiter entwickelten Messger�ten arbeiten k�nnen. Wir k�nnen nicht blo� Schallwellenechos, sondern viele unterschiedliche Strahlen und Wellen messen. Au�erdem gibt es viel mehr Satelliten. Dann darf man auch nicht vergessen, dass die Kontinente nur ein Drittel der Planetenoberfl�che ausmachen, der Meeresboden ist aber doppelt so gro�. Und zuletzt ist das Meer � anders als die L�nder an der Oberfl�che � von gewaltigem Volumen. Es geht nicht nur darum, wie der Boden aussieht, sondern um die Bedingungen und Lebensformen in dem viele Kilometer hohen Raum dar�ber. Nur weil Sie wissen, wie der Boden einer Keksdose aussieht, wissen Sie ja noch l�ngst nicht, was drin ist.�</p><p>Peter schwieg. Wie leicht war es, der Selbstherrlichkeit zu verfallen. Und das blo� wegen einer erstaunlichen technischen F�higkeit. Es lehrte wieder einmal � ebenso wie seine eigene Besch�ftigung mit der Vergangenheit �, dass die eigene Perspektive nur einem winzigem Punkt in einem unendlich gr��eren Gef�ge gleichkam.</p><p>John steuerte mit der Maus �ber die Karte, sodass diese sich langsam �ber den Bildschirm bewegte. Es war, als betrachte man Luftaufnahmen einer Fels w�ste. An einigen Stellen verliefen regelm��ige, gewellte Muster �ber den ebenen Boden, was John als Sandfl�chen identifizierte, dann tauchten Steinhaufen auf, kleine gebirgs�hnliche Formationen mit Plateaus und steilen H�ngen, als N�chstes waren flache Gr�ben zu erkennen und tiefere Kl�fte. Mehrmals stie�en sie an den oberen Rand der Karte. Hier schob der Kapit�n den Bildausschnitt ein wenig zur Seite und lie� die Karte wie herabwandern, bis das Spiel am unteren Ende der Karte erneut losging. Im Zickzackkurs folgten sie der Rasenm�herspur des Roboters.</p><p>�Was ist das dort?�, fragte Patrick und zeigte auf eine Erhebung, die wie mit dem Lineal gezogen zu sein schien. �K�nnen Sie das mal n�her heranholen?�</p><p>John vergr��erte das Bild so weit, bis sich keine weiteren Details aus den Pixeln heraussch�lten.</p><p>�Sieht wie eine k�nstliche Struktur aus�, �berlegte der Kapit�n. �K�nnte nat�rlich auch Zufall sein. Vielleicht ist es ein Container, der von einem Frachtschiff gefallen ist, oder ein Wrackteil.� Der Meeresboden wanderte langsam vor�ber. An der vom Sonar wiedergegebenen Form allein war nicht auszumachen, worum es sich handelte. Bald wurden immer mehr Objekte mit graden Kanten und rechten Winkeln sichtbar. �Nein, Container sind es nicht�, sagte John. �Achten Sie auf den Ma�stab. Diese Bl�cke sind nur wenige Meter lang. Nicht einmal halb so gro� wie ein �berseecontainer.� Was zun�chst wie eine Anzahl kleiner Quader ausgesehen hatte, wuchs sich zu einem umfangreichen Tr�mmerhaufen aus, je weiter das Bild sich voranschob.</p><p>Patrick rutschte auf seinem Stuhl nach vorn, als sich inmitten des zuf�lligen Ger�mpels einige parallele Linien zeigten.</p><p>�Da! Sehen Sie mal! Sind das etwa Stufen?�</p><p>Erst drei, dann ein halbes Dutzend, und schlie�lich waren fast zwei Dutzend regelm��ige, eng nebeneinander verlaufende Kanten zu erkennen. Dass mehrere einzelne Objekte ein so gleichm��iges Muster bildeten, war mit einem nat�rlichen Ursprung kaum zu erkl�ren, und zuf�llig in Reih und Glied gefallen sein konnten sie auch nicht. Gerade als Patrick eine Bemerkung machen wollte, senkte sich vom oberen Teil der Karte ein grobk�rniger Schnee �ber die Landschaft. John zoomte heraus, um mehr erkennen zu k�nnen. Wie das wei�e Rauschen auf einem alten Fernsehger�t war der gesamte restliche Teil der Scans verdorben, bestand nur noch aus zuf�lligen hellen und dunklen Pixeln.</p><p>�Verdammt�, entfuhr es dem Kapit�n, der den Computer bediente, um einen �berblick �ber das vollst�ndige kartografierte Gebiet zu bekommen. �<emphasis>Sentry</emphasis> muss eine St�rung haben.� Einige Augenblicke sp�ter war in starker Verkleinerung die gesamte Fl�che zu sehen, die der Roboter bisher abgearbeitet hatte. Deutlich war zu erkennen, dass alle Aufnahmen im letzten Drittel unbrauchbar waren. John sch�ttelte den Kopf. �Wir m�ssen den Scan abbrechen�, erkl�rte er. �Mit Ihrem Einverst�ndnis, selbstverst�ndlich. Aber wir verschwenden jetzt nur noch Zeit. Wir m�ssen ihn hochholen und vielleicht reparieren. Eine Fernwartung ist nicht m�glich. Wenn wir<emphasis> Sentry</emphasis> verlieren, dann verdoppeln sich mal eben die Kosten des ganzen Projekts.�</p><p>�Weshalb sollten Sie ihn verlieren?�, fragte Kathleen.</p><p>�Die Software k�nnte abgest�rzt sein und den Roboter zwischen die Felsen lenken. Oder der Tiefenmesser liefert falsche Daten und l�sst ihn auf den Boden prallen... M�glichkeiten gibt es genug.�</p><p>�Er hat recht�, sagte Patrick. �Holen Sie ihn hoch.�</p><p>John tippte einige Befehle in den Computer.</p><p>�Sehr gut�, sagte er dann. �Es funktioniert, er kommt rauf. Ich hatte schon bef�rchtet, er w�rde vielleicht nicht mehr reagieren... Hm... alle Sensoren liefern einwandfreie Daten... Es muss also ein Defekt am Sonar sein.�</p><p>�Was ist mit den Fotos?�, fragte Patrick. �Sie sagten,<emphasis> Sentry</emphasis> w�rde in regelm��igen Abst�nden Nahaufnahmen machen. Sind die etwas geworden?�</p><p>John wechselte in ein anderes Programm. �Gut m�glich, ja, es sind andere Systeme, die die Aufnahmen machen. Vielleicht haben wir auch ein Bild von den merkw�rdigen Quadern.�</p><p>Auf dem Monitor �ffnete sich ein Mosaik miniaturisierter Fotos, jeweils mit einer Bildunterschrift, in der eine Nummer, Datum, Uhrzeit und weitere Daten standen. Vermutlich waren das Informationen �ber die Position und die Tiefe. John w�hlte das erste der Bilder, woraufhin es sich fast bildschirmf�llend vergr��erte. Wie nicht anders zu erwarten bestand es �berwiegend aus schwarzen Fl�chen. Allein das vom Scheinwerfer oder Blitz angestrahlte St�ck Meeresboden war erhellt, wenn auch weitestgehend farblos. Zu den R�ndern hin wurde es vollkommen dunkel. Mithilfe der Tastatur bl�tterte John durch die Fotos. Sandboden, Steine und ab und zu ein kleiner leuchtend wei�er Fisch oder eine Krabbe waren alles, was es zu sehen gab. Sie hatten rund zwanzig Bilder betrachtet, als auf einem die gradlinigen Kanten eines unbekannten Objekts erschienen. Es musste einer jener Kl�tze sein, die sie entdeckt hatten und von dem man auf dem zuf�lligen Foto nur einen Teil sehen konnte. Die Oberfl�che war dunkel, fast schwarz, und nahezu vollkommen glatt. Weder waren Spuren von Erosion noch Verkrustungen wie von Seepocken oder Korallen daran zu erkennen.</p><p>�Ist das aus Metall?�, fragte Peter.</p><p>�Schwer zu sagen�, meinte Patrick. �Es k�nnte ein polierter Stein sein. Sehen Sie, wie es dort ein wenig gl�nzt? Oder vielleicht ein Kunststoff. Auf jeden Fall in gutem Zustand. Entweder es ist ungeheuer widerstandsf�hig, oder es liegt noch nicht sehr lange da unten. John, haben wir noch mehr davon?�</p><p>John zeigte die n�chsten Bilder. Noch mehr dunkle Quader tauchten auf. Sie unterschieden sich nur geringf�gig in ihren Ausma�en und in ihrer Form, und alle bestanden aus dem gleichen Material. Doch keiner zeigte besondere Merkmale.</p><p>�Sehen Sie mal!�, rief Patrick. �Dort, wo der Klotz im Sand liegt. F�llt Ihnen etwas auf?�</p><p>�Nein, was meinen Sie?�</p><p>�Die Dinger liegen tats�chlich noch nicht lange dort. Sie ragen nicht aus dem Sand, so als seien sie gerade erst freigesp�lt, und es hat sich auch kein Sediment �ber ihnen angesammelt.</p><p>Stattdessen liegen sie alle<emphasis> auf</emphasis> dem Boden. Und diese Vertiefungen um die Bl�cke herum, das sind regelrechte kleine Krater, so, als sei der Sand erst k�rzlich durch den Aufprall weggeschleudert worden!�</p><p>�Also doch eine Fracht, die �ber Bord gegangen ist?�</p><p>�Das denke ich nicht�, sagte John. �Wenn Sie aus dreieinhalbtausend Metern zwei Objekte direkt nebeneinander ins Meer werfen, dann taumeln sie auf dem Weg nach unten unkontrolliert durchs Wasser, auch wenn es solche Brocken wie diese sind. Es w�re ein gro�er Zufall, wenn sie so dicht beieinander landen w�rden. Wahrscheinlicher w�re, dass sie aus einem Schiff stammen, das hier in der N�he gesunken ist. Dann k�nnten sie auf dem Weg nach unten oder beim Aufprall herausgefallen sein.�</p><p>�So oder so�, meinte Patrick, �nach einer untergegangenen Stadt sieht es jedenfalls nicht aus. Tut mir leid, Peter... Na, vielleicht k�nnen wir ja mit<emphasis> Jason</emphasis> in den n�chsten Tagen noch bessere Fotos machen oder sogar eine Probe holen.�</p><p>�Das entscheiden Sie�, sagte der Kapit�n. �Die genaue Position kennen wir jetzt und k�nnen auch sp�ter wieder hierher zur�ckkehren. Sehen wir uns noch die restlichen Bilder an.�</p><p>Zwei weitere Fotos brachten keine neuen Erkenntnisse, doch als John das dritte aufrief, stockte den Forschern f�r einen Moment der Atem. Das Bild leuchtete f�rmlich auf. Ein goldgelber Schein strahlte dem Auge der Kamera entgegen. Es war die Oberfl�che einer rechteckigen Platte, die auf einem der Quader befestigt war.</p><p>Peter runzelte die Stirn. �Ist das...�</p><p>�Gold�, sagte Patrick trocken.</p><p>�Ein Schatz!�, rief Kathleen aus.</p><p>�Da sind Zeichen auf der Platte�, bemerkte Peter und bem�hte sich trotz seiner Erregung um einen ruhigen Tonfall. �John, ist es m�glich, diese Zeichen besser hervorzuholen? Hat ihr Computerprogramm dazu irgendeine Funktion?�</p><p>�Vielleicht, wenn ich etwas an der Helligkeit und am Kontrast ver�ndere...� Der Kapit�n bediente einige Kn�pfe und Regler mit dem Mauszeiger. Gebannt verfolgte Peter, wie sich der Schein der Platte erst d�mpfte und sich dann die Konturen der darauf befindlichen Zeichen deutlicher abzeichneten.</p><p>In mehreren Reihen untereinander verliefen ordentlich gezeichnete Symbole, die entfernt an Hieroglyphen erinnerten. Abstrakte, geometrische Zeichen wechselten sich mit Darstellungen von organischen Formen ab, buchstaben�hnliche Symbole folgten Abbildungen von Tieren, Wolken oder Gesichtern. Die Zeichen waren allesamt gleich hoch und breit. Sie standen dicht gedr�ngt, sodass die ganze Anordnung auf den ersten Blick wie ein einziges gro�es Muster aussah.</p><p>�Das ist fantastisch�, sagte Peter. �Es ist eine Schrift! Mit gro�er Sicherheit. Die �hnlichkeit zu der Gestaltung der Glyphen der Maya ist frappierend. Aber es sind vollkommen andere Zeichen. Es ist nichts, was ich jemals zuvor gesehen habe! K�nnen Sie mir das Bild ausdrucken?�</p><p>�Aber nat�rlich.�</p><p>�Gibt es noch mehr Fotos?�, fragte Patrick, w�hrend der Drucker ansprang.</p><p>�Leider nein�, erkl�rte John. �Das ist das letzte, das<emphasis> Sentry </emphasis>geschossen hat. Hier ist die Uhrzeit, es ist keine f�nf Minuten alt. Danach haben wir abgebrochen.� Er lehnte sich �ber den Tisch, zog den Ausdruck aus einem Drucker und reichte Peter das Papier. �Bitte. Ich hoffe, Sie k�nnen damit etwas anfangen. Wenn Sie erlauben, m�chte ich mich jetzt mit den Technikern besprechen, die sich den Roboter gleich ansehen sollen. Den morgigen Tag planen wir am besten nach dem Abendessen. Einverstanden?�</p><empty-line/><p><emphasis>An Bord der </emphasis>Libertad<emphasis>, etwa zehn Seemeilen s�dlich der Argo</emphasis></p><empty-line/><p>Gonz�lez trat durch die T�r der Br�cke und suchte Manuel, der mit einem Kaffee auf seinem erh�hten Drehstuhl sa� und den<emphasis> TV Guide</emphasis> durchbl�tterte.</p><p>�Und? Hat es geklappt?�</p><p>Manuel sah auf und zuckte mit den Schultern. �Das l�sst sich von hier aus schwer sagen.�</p><p>�Dann check verdammt noch mal deine Mails! Vielleicht hat er uns schon geschrieben.�</p><p>Manuel legte die Zeitschrift weg, stand auf und bediente einh�ndig den Rechner, der in einer Ecke der hinteren Kartenablage der Br�cke stand.</p><p>�Kannst du nicht wenigstens den Becher wegstellen und so tun, als ob es dich interessiert?!�, herrschte Gonz�lez ihn an.</p><p>�<emphasis>Calma, amigo.</emphasis> Die Welt wird nicht untergehen, wenn wir es zwei Minuten sp�ter erfahren. Au�erdem, was k�nnten wir sonst tun?�</p><p>�Das �berlege ich mir, wenn es so weit ist.�</p><p>Inzwischen hatte der Kapit�n sein E-Mail-Programm gestartet. �Tats�chlich, ja, eine neue Mail.�</p><p>�Nun?�</p><p>�Na also! Er schreibt, dass sie die Untersuchung abgebrochen haben und ihre Sonde wieder hochholen!�</p><p>�Vielleicht blo�, weil sie etwas gefunden haben?�</p><p>�Nein, hier steht, dass die Techniker einen Defekt untersuchen sollen.�</p><p>�Ah, dann hat es funktioniert. Hervorragend! Und du bist sicher, dass sie nicht herausfinden, dass wir es waren?�</p><p>�Keine Chance. Ihr Sonar horcht auf die reflektierten Schallwellen. Durch unser Niederfrequenzsonar haben wir eine viel gr��ere Leistung und k�nnen von hier aus ihren ganzen Empfang zu Brei verwandeln. Das ist, als ob man nachts mit einer Taschenlampe in ein Fu�ballstadion geht und pl�tzlich schaltet jemand das Flutlicht an. Mit dem Unterschied, dass sich in unserem Fall nicht herausfinden l�sst, was die Quelle dieser St�rung ist. Und ihr Radar reicht nicht bis hierher.�</p><p>�Sicher?�</p><p>�Ja doch! Das kann man ausrechnen. Wir kennen alle technischen Daten der<emphasis> Argo.</emphasis>�</p><p>Gonz�lez wandte sich ab. �Gut.�</p><p>�Du hast mir noch nicht gesagt, wie es weitergehen soll�, sagte der Kapit�n. �Die Untersuchungen zu st�ren ist eine Sache. Aber du willst doch selbst tauchen. Willst du etwa so lange hier warten, bis sie verschwinden?�</p><p>�Wenn es sein muss! Wir wissen immerhin, dass sie die<emphasis> Argo </emphasis>nur f�r zwei Wochen gechartert haben, also m�ssen sie ja sp�testens dann abhauen. Und wenn wir sie fr�her verjagen k�nnen, umso besser.�</p><p>�Und das ist dein ganzer Plan?� Manuel lachte auf.</p><p>Gonz�lez funkelte den Kapit�n an. �Jetzt h�r mal gut zu. Ich habe diesen Kahn gechartert, und ich wei�, was ich tue. Und vor allen Dingen muss ich dir nicht alles erkl�ren.�</p><p>�Sicher.� Manuel verzog den Mund. �Du bist der Boss.�</p><p>Gonz�lez nickte, trat einen Schritt zur�ck und legte die Arme auf den R�cken. �Richtig. Ich bin der Boss. Und der Boss will jetzt einen Drink!� Er grinste. �Kommst du mit?�</p><empty-line/><p><emphasis>An Bord der </emphasis>Argo</p><empty-line/><p>�Irgendwie f�hle ich mich unwohl, wenn sie dabei ist�, meinte Patrick und streckte sich auf einem Sessel aus. Er und Peter hatten je eine der komfortableren Kabinen bezogen, die den Projektleitern vorbehalten waren. Der Professor sa� am Schreibtisch. Vor ihm lag der Ausdruck der goldenen Platte aus der Tiefe, und neben ihm lagen Fachb�cher, einige auf Stapeln, andere aufgeschlagen.</p><p>�Das sagten Sie bereits�, entgegnete er in einem beil�ufigen Tonfall. Und �bergangslos fuhr er fort: �Die Zeichen gleichen keiner mir bekannten Schrift. Ganz offenbar sind es weder Glyphen der Maya noch der �gypter. Aber ich habe auch keine �hnlichkeit mit Symbolen der nordamerikanischen Indianerst�mme gefunden. Auch die Piktogramme auf dem ungekl�rten Diskos von Phaistos, von denen man nicht einmal sicher ist, ob sie �berhaupt eine Schrift darstellen, sind anders... Es ist faszinierend.�</p><p>�Vielleicht ist es ja auch gar keine Schrift?�</p><p>�Auch wenn es kein Text, sondern nur ein Kalender oder eine Rechentabelle w�re, sollte man zumindest die Zeichen schon einmal gesehen haben, wissen, welcher Kultur sie angeh�ren.�</p><p>�Ja, aber das ganze Ding k�nnte auch ein Scherz sein, oder nicht? Oder etwas anderes Neuzeitliches, was wei� ich, Spielzeug oder Teile einer Filmkulisse, die hier versunken sind. Irgendwas, das gar keine Bedeutung hat und das vor allem auch nicht sonderlich alt ist. Ich meine, die Bl�cke liegen unversehrt auf dem Boden. Die sehen ja nun nicht gerade aus, als w�rden sie schon seit Jahrhunderten oder sogar Jahrtausenden vor sich hin gammeln.�</p><p>Peter sah zum Franzosen hin�ber. �Sie versuchen mit allen Mitteln, meinen Enthusiasmus zu d�mpfen.�</p><p>�Ich spiele nur den Anwalt des Teufels.�</p><p>�Wozu? Etwas anderes haben wir im Augenblick nicht, und bis der Roboter repariert ist, sollten wir die kostbare Zeit nicht ungenutzt lassen. Ich f�r meinen Teil setze daher voraus, dass es eine Schrift ist, ein Zeugnis einer vergangenen Kultur, und ich bem�he mich, mit dieser Pr�misse zu arbeiten.� Peter kniff die Augen ein wenig zusammen. �Vielleicht kommt es Ihnen t�richt vor, aber immerhin arbeite ich an unserem Projektziel und suche nicht nach Gr�nden, mich zur�ckzulehnen.�</p><p>�Ups, der hat gesessen�, sagte Patrick, wirkte aber nicht sonderlich betroffen.</p><p>�Statt also dort zu sitzen, k�nnten Sie mir vielleicht behilflich sein.�</p><p>Patrick erhob sich mit einem L�cheln. �Aber klar doch. Schie�en Sie los.�</p><p>�John hat erz�hlt, dass alle Rechner auf dem Schiff Zugang zum Internet haben. K�nnen Sie den Computer dort dr�ben entsprechend einstellen?�</p><p>�<emphasis>Sie?!</emphasis>� Patrick hielt inne. �Sie wollen ins Internet?�</p><p>Peter bedachte den Franzosen mit einem herablassenden Blick, der nicht ganz so l�ssig ausfiel, wie er gedacht war, sodass Patrick auflachen musste.</p><p>�Ist ja schon gut�, brachte er hervor. �Moment.� Dann machte er sich am Rechner zu schaffen.</p><p>�Es gibt ein paar Quellen, die ich mir ansehen m�chte�, erkl�rte Peter. �Ich konnte ja nicht meine ganze Bibliothek mitnehmen.�</p><p>�Also, legen Sie los�, sagte Patrick, als er fertig war. �Da f�llt mir ein... st�rt es Sie, wenn ich selbst auch einen Kontakt aktiviere? G�rard, ein alter Kollege von mir. Ist selbst Kryptologe und kennt sich mit Schriftsystemen und Verschl�sselungen aus. Der wird keine alten Kulturen oder Sprachen identifizieren k�nnen, aber er kann analysieren, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass es sich �berhaupt um eine Sprache handelt, oder ob es eher eine zuf�llige Zeichenfolge ist.�</p><p>�Wie sollte das funktionieren?�, fragte Peter.</p><p>�Es gibt wohl mathematische Gesetzm��igkeiten, denen Sprachen folgen, fragen Sie mich nicht nach Details. Jedenfalls ist es anscheinend m�glich, bestimmte Modelle anzuwenden, um Muster zu erkennen, die wiederum auf eine Sprachfamilie hindeuten. Das funktioniert nat�rlich nicht, wenn der Text einer vollkommen fremdartigen Syntax folgt und noch dazu stark verschl�sselt ist. Dann hat man wirklich Pech.�</p><p>�Ich zweifle, dass man damit h�tte Hieroglyphen entziffern k�nnen.�</p><p>�Sicher, entziffern nicht. Aber man h�tte mit Gewissheit herausfinden k�nnen, dass es sich nicht um Ornamente handelt, sondern tats�chlich um ein logisches Schriftsystem.�</p><p>�Nun, dann probieren Sie es aus�, sagte der Professor. �Aber denken Sie daran, dass Ihr Kollege uns Verschwiegenheit garantieren muss. Ist er vertrauensw�rdig?�</p><p>�Wenn nicht, dann h�tte ich schon einige Male h�ufiger im Knast gesessen, glauben Sie mir.� Er grinste.</p><p>Peter hob eine Augenbraue. �Etwas, das Sie mir erz�hlen m�chten?�</p><p>�Nein, eigentlich nicht.�</p><p>Peter l�chelte und sch�ttelte den Kopf. �Ist vermutlich auch besser so.� Er setzte sich an den Computer. �Nun, danke jedenfalls f�r die Hilfe hier. Und: Ja, fragen Sie ihn ruhig, schaden wird es vermutlich nicht.�</p><empty-line/><p>Kurz darauf sa� Patrick am Rechner in seiner eigenen Kabine. Es gab keinen Zugang zum Server der<emphasis> Argo,</emphasis> daher hatte er sich die Datei mit dem Foto der Platte per Speicherstick auf seinen Rechner kopiert. Dann verfasste er eine E-Mail, schickte das Bild mit und hoffte, dass G�rard sie m�glichst noch am selben Tag beantworten oder zumindest quittieren w�rde.</p><p>Er hatte G�rard vor einigen Jahren bei einem Projekt in Mexiko kennengelernt, wo der Mann f�r die Programmierung einer Forschungssonde zust�ndig gewesen war, die ihnen die NASA zur Verf�gung gestellt hatte. Daran, dass Patrick diese Sonde sp�ter auch bei einem privaten Projekt verwendet hatte, war G�rard nicht ganz unbeteiligt gewesen, da er ihm damals die Steuercodes erl�utert und die Onlinesynchronisation gehackt hatte. Sie waren sich in gewisser Weise �hnlich, wenn auch auf verschiedenen Gebieten. Sp�ter hatten sie sich nie ganz aus den Augen verloren, wenngleich ihr Kontakt nur noch im E-Mail-Verkehr bestand. Mit seiner Hilfe w�rden sie vielleicht schon bald eine Ahnung haben, ob sie es �berhaupt mit einer Sprache zu tun hatten.</p><empty-line/><p><emphasis>AUTEC U.S.-Navy-Recherche-Zentrum, Andros Island, Bahamas</emphasis></p><empty-line/><p>Kurz nach vier betrat Lieutenant Commander Walters den Konferenzraum. Officer Parker ging voran, und gemeinsam nahmen sie hinter dem Tisch Platz, der auf einer niedrigen B�hne am Kopfende des Raums stand. Hinter ihnen an der Wand standen die Fahne der Vereinigten Staaten und eine Flagge mit dem Siegel der US Navy.</p><p>Walters sah sich die Pressevertreter an, die Parker eingeladen hatte. Nach den Berichten in den Medien schien es angebracht, zu den Walstrandungen Stellung zu beziehen, f�r die man die Navy, und insbesondere die AUTEC-Basis verantwortlich machte. Viele waren nicht gekommen, nicht einmal ein Dutzend. Aber Walters t�uschte sich nicht; schon einer dieser Geier konnte ausreichend bedrohlich werden, wenn sein Artikel im richtigen Ton zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Gazette abgedruckt wurde. Es waren zwei Journalisten von regierungsnahen Zeitungen da, um die musste er sich keine Sorgen machen. Einen Kerl, der f�r das<emphasis> Greenpeace Weblog</emphasis> schrieb, hatte Parker mit irgendeiner Erkl�rung kurzerhand ausgeladen. Aber auch die Reporter, die f�r die lokalen und regionalen Bl�tter in Florida oder den Bahamas schrieben, hatten eine Stimme, und in kurzer Zeit w�rde ohnehin alles, was hier gesagt wurde, seinen Weg in Datenbanken, Presseticker und ins Internet machen.</p><p>�Willkommen, Gentlemen�, gr��te Parker die Anwesenden. �Vielen Dank f�r Ihren Besuch und Ihr Interesse an der Arbeit des AUTEC U.S.-Navy-Recherche-Zentrum auf Andros Island. Jeder von Ihnen sollte bereits bei der Anmeldung einige Unterlagen und eine Pressemitteilung erhalten haben. Nun haben Sie die M�glichkeit, mir und Lieutenant Commander Walters Ihre Fragen zu stellen. Bitte sehr.�</p><p>Einige der Leute meldeten sich. Parker rief eine Frau auf.</p><p>�Fran Durant,<emphasis> Miami Herald.</emphasis> In den Unterlagen steht, dass Sie drei Tage vor der Strandung das LFAS eingesetzt haben. K�nnen Sie Angaben zu den Frequenzen und den Dezibelwerten des Einsatzes machen?�</p><p>�Es tut mir leid, solche Details unterliegen bei Kriegshandlungen ebenso wie bei �bungen stets der milit�rischen Geheimhaltung�, antwortete Parker.</p><p>�K�nnen Sie versichern, dass die Werte unterhalb der f�r Meeress�uger als sch�dlich bekannten Grenzen lagen?�</p><p>�Es gibt keine Grenzwerte, die international und von allen Wissenschaftlern gleicherma�en anerkannt w�ren�, erkl�rte Parker. �AUTEC bem�ht sich aber, in jeder Hinsicht auf dem aktuellsten Stand zu bleiben, und arbeitet sowohl mit Umweltschutzbeh�rden als auch mit unabh�ngigen Biologen zusammen, um alle bekannten Grenzwerte zu ber�cksichtigen.�</p><p>Walters atmete tief durch. Es war nat�rlich nur die halbe Wahrheit. Die freiwillige Zusammenarbeit beschr�nkte sich auf solche Stellen, die der Navy freundlich gesinnt waren. Und dass sie Grenzwerte kannten und in ihren Eins�tzen ber�cksichtigten, hie� nicht, dass sie sie einhielten. Das rhetorische Geschick, mit dem sein Pressesprecher sie aus dieser Aff�re herausredete, widerte ihn an.</p><p>Parker rief einen jungen Mann auf.</p><p>�Mein Name ist Paul Jones. Vom<emphasis> Nassau Guardian...</emphasis> aus Nassau. Meine Frage ist: Woran sind die Wale denn nun gestorben?�</p><p>�Wenn Sie den Bericht ausf�hrlich studiert haben, werden Sie gelesen haben...�</p><p>�Ja, sicher�, unterbrach der Journalist den Pressesprecher, �hier steht, dass die Tiere vermutlich dem Leittier in den Tod folgten und an Entkr�ftung verendet sind. Wie es scheint, eine sehr allgemeine Beobachtung. Aber da steht auch, dass es Autopsien gegeben hat. Und die genauen Analyseergebnisse der Autopsien vermisse ich.�</p><p><emphasis>Nat�rlich vermisst du sie, </emphasis>dachte Walters<emphasis>. Weil wir einen Teufel tun werden, sie abzudrucken.</emphasis></p><p>�Die Autopsien haben keine weiteren Erkenntnisse gebracht als die der k�rperlichen Entkr�ftung�, antwortete Parker ausdruckslos.</p><p><emphasis>Eiskalt gelogen...</emphasis></p><p>�Dann w�re es kein Problem, Einsicht in die Unterlagen zu bekommen?�, hakte der Mann nach.</p><p>�Ich werde sehen, was sich machen l�sst�, sagte Parker und wies auf einen anderen Mann, der sich meldete. �Ja, Sir?�</p><p>�Kyle Cohen, WINK News, Fort Myers. Unsere Zuschauer interessieren sich f�r Bild- und Filmmaterial von den Autopsien. K�nnen Sie uns das zur Verf�gung stellen?�</p><p>�Wie Sie wissen, haben die Untersuchungen in milit�rischen Einrichtungen stattgefunden. Falls es Material geben sollte und dieses f�r zivile Nutzung freigegeben werden kann, ist es nach dem<emphasis> Freedom of Information Act</emphasis> selbstverst�ndlich zug�nglich.�</p><p>�Vielen Dank. Und stehen einige der gestrandeten Tiere auch f�r zivile Untersuchungen zur Verf�gung?�</p><p>�Es tut mir leid, die Kadaver sind bereits verbrannt worden. Eine Frage noch. Die Dame dort hinten.�</p><p>�Mein Name ist Paulette Brendan, ich schreibe f�r das<emphasis> Bahama Journal.</emphasis> Ich habe eine Frage an Lieutenant Commander Walters. Eigentlich zwei. Erstens: Werden Sie das LFAS weiter einsetzen? Und: Wird es weitere Walstrandungen geben?�</p><p>Parker wollte zu einer Antwort ansetzen, aber Walters warf ihm einen Blick zu, der deutlich machte, dass er die Frage annehmen w�rde.</p><p>�Das Niederfrequenz-Aktivsonar ist eine wichtige technische Entwicklung, die helfen soll, die Sicherheit unserer Nation zu gew�hrleisten. Ich habe die Pflicht, diese Technik hier von AUTEC aus zu entwickeln und zu f�rdern.� Er sah in die Runde und nahm sich Zeit f�r die Formulierung seiner n�chsten Worte. �Aber Menschen sind nicht die einzigen Lebewesen, die es zu sch�tzen gilt. Und sollte sich herausstellen, dass das LFAS mehr schadet als n�tzt, werde ich es auf keinen Fall weiter einsetzen.�</p><p>Hochgezogene Augenbrauen und erstaunte Gesichter waren die Reaktionen auf diese deutlichen Worte.</p><p>Die Frau wollte mit einer weiteren Frage nachsetzen, aber Walters erhob sich bereits.</p><p>�Entschuldigen Sie mich.�</p><empty-line/><p>Wenige Minuten sp�ter kam Parker in Walters B�ro.</p><p>�Bei allem geb�hrenden Respekt, Sir, aber Ihre �u�erung vorhin war m�glicherweise etwas leichtfertig.�</p><p>Walters winkte ab.</p><p>�Verschonen Sie mich mit Ihrer F�rsorge, Parker. Ich wei�, was ich gesagt habe. Die Konsequenzen habe ich selbst zu tragen.�</p><p>Parker nickte, unschl�ssig, ob er noch etwas sagen sollte.</p><p>�Sie k�nnen wegtreten.�</p><p>Als der Pressesprecher den Raum verlassen hatte, legte Walters seinen Kopf in den Nacken und starrte zur Decke. Betrachtete den h�lzernen Ventilator, der dort hing, ungeachtet der Klimaanlage.<emphasis> Schmuck, Fassade, eine L�ge,</emphasis> dachte er.</p><p>Warum war es so schwer, einem moralischen Weg zu folgen? Was tun, wenn sich Werte widersprachen, es nicht m�glich war, verschiedenen Vorstellungen gleicherma�en gerecht zu werden? Wie konnte man jemals vollkommen gerecht sein?</p><p>Er dachte an den merkw�rdigen Mann, den er am Morgen getroffen hatte. Rafael hatte er gehei�en. Oder Gabriel. Etwas war ihm aus dem kurzen Gespr�ch im Ged�chtnis geblieben: <emphasis>Wollen wir Teil der Krankheit oder Teil der Heilung sein? Und wenn Ignoranz die Krankheit der Welt ist, was ist unser Anteil daran?</emphasis></p><p>W�hrend er noch �ber den Vorfall nachdachte, bereitete er eine E-Mail vor, die er an die Kontaktadresse des Central Security Service schicken w�rde. Er f�gte alle Protokolle an, die man ihm �ber die heutigen Begebenheiten im Code-f�nfzig-Gebiet und die dortigen Schiffe zusammengestellt hatte, und �berflog die Kurs- und Messdaten nur fl�chtig. Eine abgefangene E-Mail war dabei, die von dem WHOI-Schiff aus nach Frankreich verschickt worden war. Und ein paar weitere an eine anonyme GMX-E-Mail-Adresse. Nun, das waren Dinge, um die sich der CSS k�mmern wollte � und sollte.</p><p>Er schickte die Nachricht ab.</p><p>Teil der Krankheit oder Teil der Heilung sein... Das war eine sehr gute Frage...</p></section><section><empty-line/><p><strong>Kapitel 9</strong></p><empty-line/><p><emphasis>An Bord der </emphasis>Libertad<emphasis>, etwa zehn Seemeilen s�dlich der </emphasis>Argo</p><empty-line/><p>Gonz�lez sah auf die Uhr, als er sich vor den Computer in seiner Kabine setzte. Halb acht. Er hatte sich mit seinem Kontaktmann so fr�h verabredet, da es auf der<emphasis> Argo</emphasis> vor dem Fr�hst�ck am ruhigsten war und sie so ungest�rt reden konnten.</p><p>Er startete das Programm und setzte das Headset auf, eine Kombination aus Kopfh�rer und einem kleinen Mikrofon. Die Software erm�glichte es, sich mit einem anderen Nutzer im Internet zu unterhalten, nur dass statt Texten, wie in einem Chatprogramm, die Sprachdaten �bertragen wurden. Internet-Telefonie hatte Manuel es genannt. Wie auch immer, dachte Gonz�lez, wichtig war, dass es funktionierte.</p><p>Nach einer Weile tauchte ein blinkender Name in einer Liste auf, ein Klingelger�usch ert�nte, und ein Dialog-Fenster erschien auf dem Bildschirm:<emphasis> Anruf annehmen?</emphasis></p><p>Gonz�lez best�tigte und h�rte kurz darauf die Stimme im Kopfh�rer, ganz so, als w�rde er ein normales Telefon benutzen.</p><p>�Comandante Gonz�lez? K�nnen Sie mich verstehen?�</p><p>�Ja, einwandfrei. Wie ist der Status?�</p><p>�Wir haben<emphasis> Sentry</emphasis> untersucht und nat�rlich haben alle mitbekommen, dass er nicht kaputt ist. Ich wei� nicht, ob wir den heute noch einmal einsetzen werden oder ob sie gleich auf<emphasis> Jason</emphasis> gehen wollen.�</p><p>�Wann wirst du das erfahren?�</p><p>�Das Briefing findet nach dem Fr�hst�ck statt.�</p><p>�Gut. Du schickst mir sofort danach wieder eine Mail. Wie sieht es mit den Ergebnissen von gestern aus? Habt ihr was gefunden?�</p><p>�Es gibt eine ganze Menge Daten und viele Fotos. Ich werde im Lauf des Tages versuchen heranzukommen.�</p><p>�Das kann ja nicht so schwierig sein, oder?�</p><p>�Die Server sind zugangsgesch�tzt. Au�erdem kann der Admin jederzeit die Client-IP zur�ckverfolgen.�</p><p>�Was auch immer. F�r einen Profi sollte es ja m�glich sein. Oder etwa nicht?�</p><p>�Doch, Sie haben recht, Comandante.�</p><p>�Entt�usch mich nicht.�</p><p>�Ganz sicher nicht.�</p><p>�So ist es richtig. Und nun h�r zu, ich habe noch einen weiteren Auftrag f�r dich. Ich will nicht nur die Daten haben. Ich will auch, dass diese verdammten Amerikaner so schnell wie m�glich abziehen.�</p><p>�Europ�er, Comandante.�</p><p>�Unterbrich mich nicht, h�rst du?! Also, sie sollen abziehen. Und daf�r m�ssen wir ihnen ein paar Probleme bereiten.<emphasis> Du </emphasis>musst ihnen ein paar Probleme bereiten...�</p><p>Die Idee war ihm unter der Dusche gekommen. So musste man sie packen. Ihre<emphasis> cojones</emphasis> packen und einmal ordentlich quetschen... Sie waren so stolz auf ihre Technik und ihre verdammten Computer. Gonz�lez wusste, wo es ihnen wehtun w�rde. Und nun erkl�rte er seinem Mann den Plan.</p><empty-line/><p><emphasis>An Bord der </emphasis>Argo</p><empty-line/><p>Als Peter sein Besteck beiseitelegte und damit sein Fr�hst�ck beendete, reichte Kathleen ihm einen Ausdruck �ber den Tisch.</p><p>�Hier, lesen Sie es bitte einmal durch und sagen Sie mir, ob Sie damit einverstanden sind.�</p><p>Peter nahm das Papier entgegen, setzte seine Lesebrille auf und studierte den Text.</p><p>�Dies ist unsere erste Pressemitteilung, die ich gleich versenden m�chte.� Sie wartete einen Moment, beobachtete, wie der Blick des Professors langsam nach unten wanderte. �Sie werden feststellen�, sagte sie dann, �dass ich keine Details �ber die Art unserer Funde nenne, es ist allgemein gehalten, aber trotzdem macht es neugierig. Die Leute sollen das Gef�hl haben, es g�be interessante Fortschritte, an denen wir sie teilhaben lassen. Wir verschweigen nichts, lehnen uns aber auch nicht zu weit aus dem Fenster. Ich...�</p><p>�<emphasis>Ich</emphasis>�<emphasis>,</emphasis> unterbrach Peter sie, �w�rde gerne erst den Text zu Ende lesen, wenn Sie gestatten.�</p><p>�Ja, nat�rlich.� Kathleen sah etwas betreten beiseite und griff dann nach ihrer Kaffeetasse.</p><p>Peter beendete die Lekt�re und reichte das Dokument dann an Patrick weiter.</p><p>Der Franzose winkte ab. �Entscheiden Sie nur. Sie wissen ja, was ich davon halte�, sagte er und stand auf. �Ich gehe vor dem Briefing noch eine rauchen.�</p><p>�Er scheint nicht sonderlich gut auf mich zu sprechen zu sein�, bemerkte Kathleen, als Patrick gegangen war.</p><p>�Machen Sie sich keine Gedanken. Es ist nichts Pers�nliches�, erkl�rte Peter. �Vielleicht k�nnen Sie auch froh sein. Wenn er einen besonderen Gefallen an Ihnen gefunden h�tte, k�nnten Sie sich seiner Aufmerksamkeit kaum entziehen. Er ist in dieser Hinsicht etwas... direkter als ich.� Ein Anflug von Irritation huschte �ber das Gesicht der Journalistin. Peter bem�hte sich um eine hastige Klarstellung: �Damit m�chte ich nicht sagen, dass ich ebenfalls keinen besonderen Gefallen an Ihnen gefunden h�tte und trotzdem mit Ihnen zurechtk�me.�</p><p>Kathleen sah den Professor noch immer ratlos an.</p><p>�Oder anders ausgedr�ckt�, stockte er, �ich bem�he mich in jedem Fall um eine freundliche Neutralit�t, unabh�ngig von meiner Sympathie. Was allerdings in Ihrem Fall keine Bem�hung darstellt.� Er wandte schnell den Blick ab und suchte die Thermoskanne, um sich etwas Tee nachzuschenken. Da Kathleen nicht antwortete, hoffte er, das Thema damit einigerma�en abgeschlossen zu haben. Als er seine Tasse gef�llt hatte und aufsah, starrte er direkt in Kathleens Augen. Sie beobachtete ihn mit schiefgelegtem Kopf und einem feinen L�cheln auf den Lippen. Peter sp�rte, wie ihm das Blut in den Kopf schoss, und hoffte, dass es ihm nicht anzusehen war. �Der Text ist ganz hervorragend�, sagte er schnell. �Schicken Sie ihn also gerne heraus.�</p><empty-line/><p>Zehn Minuten sp�ter sa�en sie im Besprechungsraum und h�rten sich an, was der Kapit�n zu erz�hlen hatte. Hinter ihm an der Wand war eine aus mehreren Bl�ttern zusammengeklebte Karte des Meeresbodens befestigt, den sie am Tag zuvor gescannt hatten. Deutlich war nun zu erkennen, dass es sich um ein gro�es, rechteckiges Gebiet handelte, das allerdings an der rechten Seite nicht vollst�ndig war.</p><p>�Wir haben<emphasis> Sentry</emphasis> gestern zerlegt und allen erdenklichen Tests unterzogen. Die Techniker haben die mechanischen und elektronischen Teile gewartet und alle Sensoren und Steuerprogramme durch unsere Kontrollprogramme �berpr�fen lassen. <emphasis>Sentry</emphasis> ist technisch in einwandfreiem Zustand. Die St�rungen, die wir im letzten Teil des Tauchgangs aufgezeichnet haben, beruhten nicht auf einem Defekt, sondern es waren tats�chlich die vom Sensor empfangenen Daten. Was nichts anderes bedeutet, als dass uns gestern eine gewaltige L�rmquelle dazwischengefunkt hat. Aus diesem Grund sind die Messergebnisse ab diesem Zeitpunkt wertlos.�</p><p>�Was f�r eine L�rmquelle?�, fragte Patrick. �Ein Wal?�</p><p>�Nein, nein�, John winkte ab. �Wir sprechen hier von einem Ger�usch, das dem Starten eines D�senj�gers gleichgekommen sein muss. Und noch dazu �ber einen Zeitraum von fast zehn Minuten. Fakt ist: Wir wissen nicht, was es war. Selbst die meisten f�r milit�rische Zwecke eingesetzten aktiven Sonare von Unterseebooten kommen nicht infrage. Zu lang Und zu laut.�</p><p>�Wo kam das Ger�usch her?�</p><p>�Auch das l�sst sich mit unseren Methoden nicht feststellen. Wir sind vollkommen ahnungslos. Auf Andros Island gibt es eine Milit�rbasis, die �ber ein extrem starkes aktives Sonar verf�gt. Es w�re denkbar, dass das Milit�r in der N�he einen Test durchgef�hrt hat. Allerdings ist die Basis fast zweihundert Meilen von hier entfernt, und au�erdem h�tte man uns wissen lassen, wenn unsere Route ein milit�risches Projektgebiet passiert h�tte.�</p><p>�Was empfehlen Sie also?�, fragte Peter.</p><p>�Nun,<emphasis> Sentry</emphasis> ist im Prinzip einsatzbereit. Wir k�nnten also heute versuchen, diese fehlenden Gebiete noch mal neu zu scannen.� John stand auf und deutete auf die Ausdrucke an der Wand. �In diesem Bereich hier haben wir die Fotos mit den schwarzen Bl�cken geschossen. Und kurz darauf begann der L�rm. Das sind die letzten vollkommen verschneiten Scans. Wir k�nnten<emphasis> Sentry</emphasis> hier absetzen und dann loslegen. Allerdings wissen wir nicht, ob das Ger�usch, was auch immer es war, sich heute noch einmal wiederholen wird. Falls ja, wird es wieder unseren Empfang st�ren, und der Tauchgang w�re umsonst. Sie wissen ja, dass allein das Auf- und Abtauchen sieben Stunden dauert. Wir m�ssen uns also gut �berlegen, ob wir das riskieren m�chten.�</p><p>�Welche Alternativen gibt es denn?�, erkundigte sich Kathleen.</p><p>�Wir k�nnten auf<emphasis> Jason</emphasis> umschwenken. Der Roboter kann zwar keine weiteren Bodenprofilscans vornehmen, aber er l�sst sich von hier oben direkt steuern. Er verf�gt �ber Scheinwerfer und Kameras, und wir k�nnen damit den Meeresgrund live erkunden. Ein lohnendes Ziel haben wir bereits, n�mlich die Bl�cke und die goldene Platte. Sie w�ren in der Lage, sich dort ausf�hrlich umzusehen, alles zu filmen, noch mehr Fotos zu machen, und wir k�nnen sogar Materialproben mit nach oben bringen.�</p><p>�Klingt doch hervorragend�, meinte Patrick. �Warum �berlegen wir noch lange?�</p><p>�Es ist Ihre Entscheidung, Gentlemen. F�r die Kosten des Projekts spielt es keine Rolle, aber nat�rlich f�r Ihre Zeit. Andererseits arbeiten wir dann ohne eine genaue Karte des gesamten Gebiets, das sich rechts von den Bl�cken und oberhalb der Bl�cke befindet. Wir begeben uns in unbekanntes Gel�nde und d�rfen den Roboter nur sehr vorsichtig und nicht zu weit von den Bl�cken entfernen.�</p><p>�K�nnen wir nicht<emphasis> Sentry</emphasis> und<emphasis> Jason</emphasis> gleichzeitig hinunterschicken?�</p><p>�Es tut mir leid, aber ich f�rchte, das ist aus technischen und aus Sicherheitsgr�nden nicht m�glich.�</p><p>Peter und Patrick sahen einander an.</p><p>�Mir w�re es lieb, wenn wir uns so schnell wie m�glich die Platte n�her ansehen k�nnten�, sagte Peter. �Ich kann mir vorstellen, dass es in der N�he noch mehr beschriftete Objekte gibt.�</p><p>�Ja, das sehe ich auch so�, stimmte Patrick zu. �W�re es m�glich, dass wir heute mit<emphasis> Jason</emphasis> nur die n�here Umgebung der Bl�cke erkunden und dann in der Nacht<emphasis> Sentry</emphasis> hinterherschicken? Ich wei�, es w�re eine Nachtschicht f�r ein paar Leute der Mannschaft, aber auf diese Weise kann er f�r uns arbeiten � er ist ja ohnehin autonom �, und dann haben wir morgen fr�h vielleicht eine Karte des Gebiets.�</p><p>John nickte. �Ja, das l�sst sich machen.�</p><p>�Also einverstanden�, sagte Peter. �Schicken Sie<emphasis> Jason</emphasis> auf die Reise. Bis heute Mittag werde ich mich weiter um die Symbole der goldenen Platte bem�hen.�</p><p>Nach dem Briefing wanderte Patrick an Deck und ging zum Heck der<emphasis> Argo,</emphasis> um zu beobachten, wie<emphasis> Jason</emphasis> f�r den Tauchgang vorbereitet wurde. Der Roboter, der dieses Mal aus dem Hangar gezogen wurde, sah nicht halb so elegant aus wie die gelb-rote Sonde, die sie am Vortag eingesetzt hatten.<emphasis> Jason</emphasis> war ein mehr oder weniger kastenf�rmiges Unget�m, ann�hernd von der Gr��e eines Mini. Den oberen Teil bildete eine blau und gelb lackierte Schale, darunter befand sich eine Art Gestell, das den zentralen K�rper sch�tzte. Es war ein Rahmen, der ein Wirrwarr aus Streben, Kufen, Kabeln und Schl�uchen zusammenhielt. Scheinwerfer und Linsen waren zu erkennen, ebenso wie Greifarme, die in Zangen ausliefen. Zwei Mitarbeiter schoben den Roboter auf einem Transportschlitten �ber das Deck bis in den Erfassungsbereich des Krans, der ihn ins Wasser lassen w�rde. Hinter sich her zog er ein dickes B�ndel aus Trossen und Kabeln, die ihn wie eine Nabelschnur mit dem Hangar verbanden.</p><p>�Die Kabel sind zehn Kilometer lang�, erkl�rte Susan, die pl�tzlich neben Patrick stand. Sie trug einen Tauchanzug, der allerdings noch nicht geschlossen war. Das Oberteil des Anzugs hing ihr wie der Latz einer Hose an der H�fte herunter. Patricks Blick wanderte anerkennend �ber ihr Sporttop, an ihrem gebr�unten Bauch hinab und blieb f�r einen Moment auf dem Ansatz einer gro�en, geschwungenen T�towierung h�ngen, die von dort aus in ihrem Hosenbund verschwand.</p><p>�Ich muss zu den anderen ins Wasser�, sagte sie wie zur Erkl�rung. �Aufpassen, bis er absinkt. Guckst du noch zu?�</p><p>Patrick sah auf. �Du hast meine volle Aufmerksamkeit�, sagte er grinsend.</p><p>�War ja klar�, gab sie schmunzelnd zur�ck und sch�ttelte leicht den Kopf. Dann ging sie weiter.</p><p>�Hey, so was sieht man nicht alle Tage!�, rief er ihr hinterher.</p><p>Sie drehte sich im Gehen halb zu ihm herum und machte mit einer Hand die Geste eines plappernden Mundes. Dann zeigte sie mit zwei Fingen auf ihre Augen, deutete anschlie�end auf das Wasser und wandte sich wieder ab.</p><p>�Ja, meine ich doch!�, rief Patrick und lachte.</p><p>Er blieb in einigem Abstand stehen, um niemanden zu behindern, und behielt sie im Auge. Wie sie sich mit den Technikern und den anderen beiden Tauchern abstimmte, wie sie schlie�lich den Rest der Montur anlegte und ins Wasser sprang. Er erkannte sie auch im Wasser, da sie als Einzige von den drei Tauchern neonrote Flossen trug.<emphasis> Jason</emphasis> wurde am Arm des Krans eingeklinkt, behutsam hochgehoben, �ber den Rand geschwenkt und dort ebenso sorgsam wieder herabgelassen. Die Taucher n�herten sich ihm, k�mmerten sich um die Anschl�sse und gaben schlie�lich Zeichen, dass der Roboter langsam an seinen Kabeln in die Tiefe hinabgelassen werden konnte. Es dauerte fast f�nfzehn Minuten, bis die Taucher wieder aus dem Wasser kamen. Sie zogen sich aus und besch�ftigten sich eine Weile im hinteren Teil des Schiffes mit ihrer Ausr�stung. Patrick wartete. Die Jackets und Neoprenanz�ge mussten ausgesp�lt, zum Trocknen aufgeh�ngt und der Rest verstaut werden. Er w�rde nur st�ren. Daher sah er auf das Meer und beobachtete die best�ndig weiter absinkenden Kabel, an deren Ende irgendwo ihr Roboter hing.</p><p>Susan kam schlie�lich auf ihn zu. Zu Patricks leisem Bedauern trug sie nun Shorts und ein T-Shirt mit psychedelischen Mustern und der Aufschrift<emphasis> Burning Man 2008.</emphasis></p><p>�<emphasis>Jason</emphasis> braucht zwei Stunden bis nach unten�, erkl�rte sie. �Bis dahin ist etwas Zeit. Hast du Lust, dir noch mal das U-Boot anzugucken?� Sie machte eine Pause. �Oder etwas anderes, das dir gef�llt?�</p><p>Patrick l�chelte. �Da g�be es eine ganze Menge...�, antwortete er.</p><p>Susan grinste. �Dann also noch mal das U-Boot�, entschied sie und ging voraus zum Hangar von<emphasis> Alvin II.</emphasis> Das Tor war offen, und der Techniker und Pilot winkte ihnen schon aus einiger Entfernung zu.</p><p>�Hallo Dick�, gr��te Susan. �Hast du ein bisschen Zeit? Patrick scheint einen ganz ausgesuchten Sinn f�r sch�ne Dinge zu haben. Zeigst du ihm ein bisschen vom Innenleben?�</p><p>�Klar doch, Susan, kein Problem. Komm her, Kumpel. Hier gibt's noch ein paar Leckerbissen.�</p><p>�Ich lasse euch alleine, Jungs, okay? Und Patrick, wenn du noch andere Fragen hast... such mich einfach.�</p><p>Ohne auf eine Antwort zu warten, ging sie davon und lie� den Franzosen stehen.</p><p>�Die ist hei�, sage ich dir�, meinte Dick, der neben ihn getreten war.</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Hei�. Im Sinne von �man verbrennt sich daran�.�</p><p>Patrick sah den Mann irritiert an. �Was willst du mir damit sagen, Mann?�</p><p>�Nichts f�r ungut, Kumpel, aber Susan hat noch keiner bekommen. Und sie wei� genau, wie sie einem den Kopf verdreht. Aber sie spielt nur. Ignorier sie also am besten, sonst verbrennst du dich.�</p><p>�H�r mal zu: Das geht dich einen Mist an, okay? Ich werd mich schon nicht bei dir ausheulen. Hauptsache, du kennst dich mit diesem Baby hier genauso gut aus.� Er klopfte mit der flachen Hand an die Au�enwand des Bootes. �Also, was ist, machst du die gro�e Tour mit mir?�</p><p>Dick lachte. �Na klar doch. Das ist wenigstens etwas, auf das man sich verlassen kann. Also, los geht's.�</p><empty-line/><p>Fast zwei Stunden sp�ter sa� Patrick wieder in seiner Kabine. Dick hatte ihm im Detail und in leuchtenden Farben s�mtliche Eigenschaften von<emphasis> Alvin II</emphasis> beschrieben. Wie ein stolzer Vater hatte er ihm die Messger�te gezeigt, die Konstruktion erkl�rt, die Steuerkonsole und letztlich sogar die komplette Bedienung. Das Boot war ein wirkliches Wunderwerk, das auf engstem Raum optimiert alle Erfahrung in sich vereinte, die in den vergangenen Jahrzehnten mit dem Vorg�ngermodell und weltweit vergleichbaren U-Booten gemacht worden waren. Dem Ingenieur Patrick hatte die F�hrung ein erregtes Kribbeln beschert, das jetzt erst etwas nachlie�. Sicher, er hatte schon zuvor Roboter und Sonden betreut und bedient, aber<emphasis> Alvin II</emphasis> �bertraf sie alle. Wenn man die Tiefsee mit der Lebensfeindlichkeit und Unergr�ndlichkeit des Alls verglich, dann war dieses Boot gleichsam ihre Raumkapsel, ein Panzer, mehr noch, ein Exoskelett, um in Regionen vorzudringen, f�r die Menschen nicht geschaffen waren.</p><p>Sie alle auf diesem Schiff waren Abenteurer. Aber sie suchten keine toten Ruinen im Urwald, erforschten keine Gr�ber, nein, sie waren wahre Entdecker neuer Welten.</p><p>Patrick dachte an Susan, die ihn am Hangar hatte stehen lassen. Sie war eine von ihnen, und schon allein der Gedanke �bte eine neue Faszination auf ihn aus. Susan war die erste Frau seit langem, die ihn wieder mehr besch�ftigte. Fr�her, noch bevor er mit dem Professor auf Reisen gegangen war, hatte er viele Liebschaften gehabt, immer leidenschaftlich, aber niemals f�r l�ngere Zeit. In den letzten Jahren allerdings hatte sich das ge�ndert. Ihn zog das an, was gr��er war als er selbst, das auch ihn erh�hte. Und etwas, das eine Tiefe besa�, die auch ihn erf�llte.</p><p>Zuletzt war dies Melissa gewesen, der er in Kairo begegnet war. Trotz ihrer scheinbar oberfl�chlichen Ungezwungenheit hatte er etwas �hnliches in ihr gesp�rt, und die Ereignisse hatten ihm schlie�lich recht gegeben. Aber sie hatte nicht an jene Frau herangereicht, die ihr vorangegangen war, ja, mit der vielleicht sogar alles begonnen hatte: Stefanie.</p><p>Peter und er hatten sie in S�dfrankreich kennengelernt, als sie sich ihrem Projekt angeschlossen hatte. Diese Frau, die er nie anders als freundschaftlich ber�hrt hatte und der er dennoch auf eine Art n�hergekommen war, die sich nicht beschreiben lie�. W�hrend ihres gemeinsamen Erlebnisses in der mysteri�sen H�hle hatte er eine Vision von ihr gehabt, gleichsam als sei f�r einen Lidschlag der Vorhang der Welt aufgerissen und h�tte den glei�enden Schimmer eines h�heren Wesens gezeigt. Trotz des furchtbaren Unfalls danach lebte sie seit dieser Zeit in seinen Gedanken weiter. Einige Male hatte er gemeint, sie auf der Stra�e zu sehen, und immer wieder tr�umte er von ihr. Er bedauerte ihre Abwesenheit mehr als alles, aber diese Visionen waren tr�stend, ganz so, als sei sie in seiner N�he, bereit, jederzeit wieder aufzutauchen.</p><p>Als er jetzt wieder an Susan dachte, stellte er fest, dass seine Gedanken sich nun auf eine ganz andere Weise mit ihr besch�ftigten als noch kurz zuvor an Deck. Nat�rlich war sie anziehend, und ja, er bewunderte sie. Aber unter der Oberfl�che dieser Anerkennung lag ein anderes Gef�hl. Wie alt mochte sie sein? Mitte zwanzig? J�nger? Und dabei mit einem solchem K�nnen, solcher Selbstsicherheit... Sie war ihm nicht tats�chlich �berlegen, sicher nicht in jedem Aspekt, vielleicht sogar in den wenigsten. War es keine Tiefe, sondern lediglich die besondere Entfernung, die Unerreichbarkeit, die er wahrnahm? Geh�rte sie bereits einer ganz anderen Generation an? Ging es so schnell, dass man den Anschluss verlor, ohne dass man es bemerkte?</p><p>Gedankenverloren zog er ein Softpack aus der Seitentasche seiner Hose und klopfte eine Zigarette heraus. Sein Blick wanderte zum Rauchmelder an der Decke. Er verzog den Mund und steckte alles wieder ein. Dann setzte er sich vor seinen Rechner und startete das E-Mail-Programm.</p><p>Tats�chlich: G�rard hatte geantwortet!</p><p>Es war eine E-Mail mit diversen Anh�ngen. Patrick war neugierig und �ffnete zun�chst die beigef�gten Dokumente. Es handelte sich um Analysen, ein paar Kurvendiagramme und mathematische Reihen. Wie erwartet, hatte G�rard die Symbole auf der Platte mit den Mitteln eines Kryptologen behandelt und versucht, in den Zeichen Muster, Regelm��igkeiten oder einen Code zu finden. Patrick erinnerte sich, wie er vor einigen Jahren in Frankreich gemeinsam mit Stefanie in �hnlicher Art und Weise eine verschl�sselte Botschaft aus dem Inneren der H�hle entziffert hatte. Damals hatte er sich mit einer Software selbst beholfen. Gl�cklicherweise hatte es geklappt, doch dies war kein Vergleich zu den M�glichkeiten, die G�rard zur Verf�gung standen. Patrick las die E-Mail.</p><empty-line/><p><emphasis>Hallo Patrick,</emphasis></p><p><emphasis>danke f�r deine zwar kurzfristige, aber sehr interessante Anfrage!</emphasis></p><p><emphasis>Auf die Schnelle habe ich nicht viel herausfinden k�nnen. Wie du dir sicher schon denken konntest, hast du mir zu wenige Anhaltspunkte gegeben. Wenn man etwas �ber die Herkunft oder das Alter w�sste, k�nnte man Annahmen hinsichtlich der Sprachfamilie treffen. Aber so... Au�erdem sind es zu wenig Zeichen f�r eine vern�nftige statistische Analyse. Ich habe dir ein paar der bisherigen Auswertungen beigef�gt.</emphasis></p><p><emphasis>Ich habe zwar das Gef�hl, es k�nnte sich tats�chlich um eine Sprache handeln, aber belegen l�sst sich das im Moment noch nicht. Du m�sstest mir mehr Informationen geben, und vor allen Dingen brauche ich l�ngere Texte, mit denen ich arbeiten kann.</emphasis></p><p><emphasis>�brigens werde ich in den n�chsten zwei Wochen unterwegs sein und kann erst danach wieder antworten. Diesen Account hier liest aber meine Assistentin, Marie, sie wird euch auch helfen k�nnen, und wenn es ganz dringend ist, kann sie mich erreichen. Viel Erfolg, und Gl�ckwunsch zu dem Fund, was auch immer es ist.</emphasis></p><p><emphasis>G�rard</emphasis></p><empty-line/><p>Patrick nickte. Ja, das hatte er sich schon gedacht. Mit den Zeichen auf dieser Platte allein lie� sich noch nichts entschl�sseln.</p><p>Aber immerhin. Nun mussten sie weitere Textteile finden, dann konnten sie G�rard f�ttern. Vielleicht brachte ja schon der heutige Tauchgang neue Erkenntnisse.</p><empty-line/><p>Nach dem Mittagessen trafen sie sich im Kontrollraum, von wo aus der Roboter ferngesteuert werden konnte. John kam in Begleitung von Dick, dem U-Boot-Piloten, den Patrick schon kennengelernt hatte.</p><p>�F�r diese feinmotorische Arbeit ist Dick besser geeignet als ich�, sagte der Kapit�n zur Erkl�rung. Der Techniker setzte sich vor einen Computer, an den eine Konsole mit zwei kleinen Steuerkn�ppeln sowie verschiedenen Reglern und Kn�pfen angeschlossen waren. Er bediente einiges davon, und kurz darauf erwachte ein Bildschirm �ber ihnen zum Leben. Zu sehen war allerdings wenig, nur schwach beleuchteter Sandboden, einige im Scheinwerferlicht tanzende Schwebeteilchen, und alles umgeben von absoluter Schw�rze.</p><p>�Es kann losgehen,<emphasis> Jason</emphasis> hat gewartet�, sagte er. Er dr�ckte ein paar Kn�pfe, und mit einem Mal erschien der Greifarm des Roboters im Blickfeld, wandte sich der Kamera zu und wippte mit der Zange einige Male auf und ab. �Sag Hallo, <emphasis>Jason.</emphasis>�</p><p>�Einen Moment�, unterbrach Peter, �wir warten noch auf...� In diesem Moment kam Kathleen zur T�r herein. Sie trug eine Videokamera und eine Umh�ngetasche.</p><p>�Entschuldigen Sie die Versp�tung. Ich musste noch in meine Kabine. Ist es in Ordnung, wenn ich ein bisschen dokumentiere?�</p><p>�Alles, was wir auf dem Bildschirm sehen�, erkl�rte Dick, w�hrend er den Greifarm wieder zur�cklenkte, �wird automatisch aufgezeichnet. Sie m�ssen sich nicht darum k�mmern.�</p><p>�Oh, das ist gut. Aber vielleicht kann ich Sie alle filmen, wie Sie hier sitzen und arbeiten... ?�</p><p>�Ich habe nichts dagegen�, sagte John und sah Peter und Patrick an. Beide zuckten mit den Schulten. Kathleen l�chelte und schulterte die Kamera.</p><p>�Bevor wir anfangen...�, sagte Patrick. �Wo genau ist<emphasis> Jason</emphasis>? K�nnen wir das auf einer Karte sehen?�</p><p>�Achten Sie auf diesen Bildschirm�, sagte John und deutete auf ein anderes Ger�t. �Das ist die Karte des Gebiets, auf Basis der Scans von gestern.<emphasis> Jasons</emphasis> exakte Position wird gemessen und dort mit einem Punkt dargestellt. Wir k�nnen den Ma�stab auch vergr��ern. Sehen Sie? Im Moment befinden wir uns also etwa zwanzig Meter vom ersten der gro�en Kl�tze entfernt.�</p><p>�Gut�, sagte Peter. �Dann w�rde ich sagen, f�hren Sie uns an den ersten Block heran, so nah es geht, und dann lassen Sie ihn uns einmal langsam umrunden. Wir wollen sehen, ob es irgendwelche besonderen Merkmale an ihm gibt.�</p><p>Dick bewegte die Steuerkn�ppel, und kurz darauf setzte sich <emphasis>Jason</emphasis> langsam in Bewegung. Eine Zeit lang �nderte sich die Sicht kaum. Dann kam die Form des ersten schwarzen Quaders ins Bild. Immer gr��er ragte er auf, bis der Roboter einen halben Meter vor dem Objekt zum Stillstand kam. Die Oberfl�che gl�nzte ein wenig im Licht der Scheinwerfer. Sie wies keine Spuren einer Struktur auf, schien vollkommen glatt zu sein.</p><p>�Fahren Sie langsam um ihn herum�, sagte Peter halblaut.</p><p>Dick bewegte den Roboter seitw�rts, sodass die Kamera auf den Block gerichtet blieb. Nach einigen Minuten wurde deutlich, dass sich von allen Seiten derselbe Anblick bot. Keine Spuren, keine Besonderheiten. Es schien ein perfekter, makelloser Klotz zu sein.</p><p>�K�nnen Sie eine Materialprobe nehmen?�, fragte Patrick.</p><p>�Ich versuche es.� Dick fuhr den Greifarm aus. Die Zange bewegte sich nach vorn, �ffnete sich und schloss sich um eine Kante. Aber sie schabte nur �ber die Oberfl�che und rutschte ab.</p><p>�Es ist zu glatt�, sagte der Techniker und sch�ttelte den Kopf. �Wir m�ssen es an einer anderen Stelle versuchen.�</p><p>�Okay�, sagte Patrick. �Dann zum n�chsten Block. Und dasselbe Spiel von vorn. Wir suchen besondere Merkmale.�</p><p><emphasis>Jason</emphasis> stieg etwas an, erhob sich einen knappen Meter �ber das Objekt und fuhr weiter. Bald erreichte er die n�chsten schwarzen Quader und senkte sich wieder. Doch nichts, was sie in den n�chsten drei�ig Minuten sahen, half ihnen weiter. Es wurden mehr und mehr Objekte, die immer dichter beieinander lagen, und sie wichen in ihren Dimensionen leicht voneinander ab, aber nichts lie� auf eine Funktion oder Herkunft schlie�en, ja nicht einmal das Material war ersichtlich. Peter vermutete, dass es sich um ein Gestein handeln k�nnte, aber Patrick widersprach ihm. Kein Gestein w�rde derartig strukturlos sein. Auch spiegelnd polierter Marmor w�re aus n�chster N�he nicht so einheitlich gef�rbt. Selbst Kristalle oder Edelsteine besa�en irgendwie geartete Muster, Farbverl�ufe oder Verunreinigungen. Eine Ausnahme konnte vulkanisches Glas sein, Obsidian beispielsweise. Aber dies w�re sehr spr�de, w�rde kaum ohne eine einzige abgeschlagene Kante auf dem Meeresboden liegen. Zudem wies Patrick darauf hin, dass die meisten Gesteine sehr dicht und sehr schwer waren. Ein Klotz dieser Gr��e w�rde mehrere Tonnen wiegen und sicher tiefer im Boden versinken, den Sand beim Aufprall st�rker hochgeschleudert haben. Daher vermutete er, dass es sich um einen Kunststoff oder ein Metall handelte, m�glicherweise waren die Bl�cke sogar hohl.</p><p>�Da!�, rief Peter pl�tzlich. �Die Platte.�</p><p>Tats�chlich erreichte<emphasis> Jason</emphasis> nun einen Quader, von dessen Oberseite ihnen etwas entgegengl�nzte. �Gehen Sie so nah heran wie m�glich�, bat der Professor.</p><p>Bald schwebte<emphasis> Jason</emphasis> dicht dar�ber, und Dick zoomte mit der Kamera n�her heran.</p><p>�Das ist ganz eindeutig Gold�, sagte Patrick.</p><p>�Es sind andere Zeichen...�, stellte Peter fest. �Es ist eine andere Platte! Dick, k�nnen Sie mir zur Analyse eine Einstellung machen, auf der ich den kompletten Text sehen kann?�</p><p>�Es war gerade schon eine dabei�, erkl�rte der Techniker. �Ich werde Ihnen nachher ein Standbild extrahieren.�</p><p>�Meinen Sie, wir k�nnten die Platte vom Block l�sen?�, fragte Patrick. �Ich kann keine Schrauben erkennen. Vielleicht l�sst sie sich irgendwie heraushebeln?�</p><p>�Patrick, ich bitte Sie!�, ereiferte sich Peter. �Wir k�nnen doch nicht einfach die Funde besch�digen!�</p><p>Der Franzose zuckte mit den Schultern. �Meinetwegen. War blo� eine Idee.�</p><p>�Auch wenn es sicher verlockend w�re, eine solche Platte zur genaueren Untersuchung zur Verf�gung zu haben...�</p><p>�Sage ich doch.�</p><p>�... ist es dennoch undenkbar. Wenn es uns nicht gelingt, einen ganzen Block zu bergen, dann werden wir auch keine Zerst�rung anrichten!�</p><p>�Ist ja gut, kein Grund zur Aufregung. Vielleicht finden wir ja noch eine.�</p><p>Die Suche ging weiter. Tats�chlich trugen auch andere Bl�cke eine Inschrift in �hnlicher Form, und<emphasis> Jason</emphasis> filmte sie eingehend ab. Einer der schwarzen Kl�tze fiel ihnen besonders auf, da er eine rechteckige Vertiefung aufwies, ganz so, als sei dort einmal eine Platte befestigt gewesen. Fieberhaft untersuchten sie den umgebenden Sand, doch nirgendwo war eine Spur davon zu finden. Was auch immer sich einmal dort befunden hatte, war verloren.</p><p>Die Haufen der Quader wuchsen an, bald dehnte sich ein wahres Tr�mmerfeld vor ihnen aus.</p><p>�Wir erreichen gleich den unkartografierten Bereich�, sagte John mit einem Blick auf den Monitor.</p><p>Dick musste den Roboter etwas an H�he gewinnen lassen, um der Vielzahl an Hindernissen auszuweichen. Dann tauchte in einiger Entfernung die ungew�hnliche Struktur aus parallel verlaufenden Linien auf, die sie am Tag zuvor auf dem Sonarscan entdeckt hatten. Dick n�herte den Roboter vorsichtig an.</p><p>�Wenn es nicht so absurd w�re�, sagte Patrick, �w�rde ich sagen, dass das Stufen sind... Meinen Sie nicht?�</p><p>�In der Tat�, stimmte Peter zu. �Das ist wirklich merkw�rdig. Ein Teil einer zwanzig Meter breiten Treppe auf dem Meeresboden... Es muss daf�r eine andere Erkl�rung geben!�</p><p>�Ab jetzt navigieren wir blind�, stellte John fest, als Dick den Roboter weiter lenkte. �Hier fingen die St�rger�usche an.�</p><p>Sie erwarteten, dass etwas passieren w�rde. Eine weitere Fehlfunktion, irgendetwas. Doch<emphasis> Jason</emphasis> glitt einfach weiter durch die lichtlose Tiefe und strich mit seinen Scheinwerfern �ber die mysteri�sen Tr�mmer unter ihm. Je mehr sie das Ausma� des Gebiets und die Menge der Quader �berblickten, umso weniger klar wurde ihnen, womit sie es zu tun hatten.</p><p>�Verdammt, was ist das!?�, rief Patrick aus. �Haben Sie das gesehen? Dick, lenken Sie die Scheinwerfer noch mal nach rechts... Dort. Sehen Sie?�</p><p>Die Blicke der anderen folgten dem Schwenk der Lichter. Der Sandboden ging in eine vollkommen ebene, schwarze Fl�che �ber.</p><p>�Als h�tte jemand den Boden asphaltiert�, sagte Kathleen z�gerlich und erinnerte zum ersten Mal daran, dass sie die ganze Zeit im Hintergrund dabeigestanden und immer wieder gefilmt hatte.</p><p>�Mir kommt es eher wie eine Teerpf�tze vor�, sagte Peter. �John, Patrick, ist so etwas m�glich? Hier unten?�</p><p>�Teer oder �l w�re leichter als Wasser�, erinnerte Patrick. �Es w�rde an die Oberfl�che steigen und nicht hier unten bleiben. Au�erdem liegt nicht ein einziges Sandkorn darauf, sehen Sie genau hin!�</p><p>�Dick, k�nnen Sie<emphasis> Jason</emphasis> n�her dar�ber man�vrieren?�</p><p><emphasis>Jason</emphasis> folgte Dicks Steuerbefehlen und schwebte kurz darauf �ber der schwarzen Fl�che. Als er das Auge der Kamera nach unten senkte und die Scheinwerfer dem folgten, verschwand das Bild auf dem Monitor pl�tzlich.</p><p>�Was ist denn jetzt los?�, fragte John aufgebracht. �Dick, eine Fehlfunktion?�</p><p>�Nein... tut mir leid�, gab der Techniker nerv�s zur�ck und bediente einige Hebel seiner Kontrolleinheit. �Es funktioniert alles einwandfrei... Sehen Sie, ich kann die Messdaten einblenden.� Tats�chlich erschienen auf dem schwarzen Bildschirm einige Zahlen. �Druck, Temperatur, Tiefe, Gyroskop, alles stimmt.<emphasis> Jason</emphasis> misst einen Abstand von einem Meter dreiundf�nfzig vom Boden.�</p><p>�Aber warum zum Teufel bekommen wir kein Bild?!�</p><p>�Ich wei� es nicht...�, sagte Dick, der an den Steuerkn�ppeln hantierte. �Vielleicht, wenn ich das Pitching �ndere und <emphasis>Jasons</emphasis> Nase hochziehe... auch nichts...�</p><p>�Drehen Sie den Roboter�, sagte Patrick.</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Drehen Sie ihn so, dass die Kamera wieder in Richtung der schwarzen Bl�cke gerichtet ist, in die Richtung, aus der wir gekommen sind.�</p><p>Der Techniker befolgte die Anweisungen, und kurz darauf erschien das vertraute Bild der auf dem Sand liegenden Quader.</p><p>�Tats�chlich!�, sagte Dick. �So geht es. Da sieht man etwas. Aber diese Fl�che...�</p><p>�Ich wei�, was es ist�, sagte der Franzose. Alle Augen wandten sich ihm zu.</p><p>Peter hob eine Augenbraue. �Denken Sie...?�</p><p>�Ja�, sagte Patrick. �Es ist dasselbe Ph�nomen.�</p><p>�Wovon sprechen Sie?�, erkundigte sich John. �Wissen Sie, was hier vor sich geht?�</p><p>�Es ist ein strahlenabsorbierendes Medium�, erkl�rte der Franzose. �Wir k�nnen kein Bild empfangen, weil Lichtstrahlen zu einhundert Prozent hindurchwandern und nicht reflektiert werden, weder von der Oberfl�che noch von dem, was dahinter liegt. Sie werden vollst�ndig verschluckt, deswegen empfangen wir auch nichts.�</p><p>�So etwas gibt es nicht�, wandte Dick ein. �Wie soll das funktionieren? Das w�re ja eine perfekte Stealth-Technologie.�</p><p>�Das habe ich schon einmal geh�rt...�, sagte Peter halblaut.</p><p>�Ja, stimmt, Dick�, sagte Patrick. �Das w�re es. Und nein, niemand wei�, wie es funktioniert. Aber der Professor und ich, wir haben so etwas schon einmal gesehen. Oder jedenfalls so etwas �hnliches.�</p><p>John sah ihn an. �Kl�ren Sie uns auf?�</p><p>�Wir hatten eine H�hle entdeckt, deren Zugang auf diese Weise gesperrt war. Weder Licht noch Strom konnten die Schwelle passieren. Die Schw�rze verschluckte sogar die Wellen unseres Echolots, weswegen wir keine Tiefenmessung vornehmen konnten. Hier scheint es sich anders zu verhalten, zumindest wirft die Fl�che die Signale von<emphasis> Jasons</emphasis> Sonar zur�ck, sodass wir eine Entfernung messen k�nnen. Nach allem, was wir erlebt haben, w�rde ich mich aber nicht darauf verlassen, dass dieser Boden tats�chlich ein Boden ist.�</p><p>�Wie meinen Sie das?�</p><p>�Wenn das wirklich der Meeresboden w�re, dann w�re er niemals so eben und so frei von Sand oder Ger�ll. Mein Tipp ist, dass das hier nur eine Grenzschicht ist. Sie verbirgt etwas. Sie wirkt nur so, als sei sie solide, aber in Wahrheit ist sie durchl�ssig!�</p><empty-line/><p><emphasis>AUTEC U.S.-Navy-Recherche-Zentrum, Andros Island, Bahamas</emphasis></p><empty-line/><p>Der Samstag neigte sich dem Ende zu. Es w�rde noch lange hell sein, aber Walters' Uhr zeigt kurz vor f�nf. Nur weil irgendwelche Schlipstr�ger aus Maryland von ihm verlangten, auch am Wochenende t�glich ein Update �ber die Schiffe drau�en im Atlantik zu schicken, musste er es ja nicht gleich �bertreiben. Er w�rde f�r heute Schluss machen. Es war ohnehin nichts los in der Basis, Teufel, normalerweise w�re er gar nicht hier, die Leute w�rden ohne ihn zurechtkommen. Er konnte den Rest des Abends genauso gut in Andros Town verbringen und es sich dort in einer Bar mit Blick aufs Wasser gem�tlich machen.</p><p>Walters setzte sich an seinen Rechner und rief die heutigen Reports und �berwachungsdaten auf, die alle Abteilungen an ihn weiterleiteten. Beide Schiffe hatten ihre Position in den letzten vierundzwanzig Stunden nicht ver�ndert, lagen nur etwa zehn Seemeilen voneinander entfernt. Gerade so weit, dass sie sich nicht gegenseitig auf dem Radar sehen konnten. Vielleicht war das von den Kubanern beabsichtigt, aber das war nat�rlich nur eine Vermutung.</p><p>Wie schon am Abend zuvor sichtete er kurz die Daten.</p><p>Von den Kubanern schien keine nennenswerte Aktivit�t auszugehen, was erstaunlich war. Vielleicht hatte man dort technische Probleme? Oder man wartete auf einen bestimmten Zeitpunkt. Wie auch immer, es gab nur einigen E-Mail-Verkehr, ein bisschen Internet-Gesurfe und eine Skype-Verbindung.</p><p>Anders sah es auf dem anderen Schiff aus.</p><p>Neben der �blichen Kommunikation waren die Ger�te an Deck in Betrieb genommen worden, man hatte eine Sonde oder einen Roboter abgesenkt, und umfangreiche Daten waren aus der Tiefe gesendet worden. Au�erdem war ein massives aktives Sonar eingesetzt worden. Zu welchem Zweck auch immer.</p><p>Walters fragte sich, auf welche Weise seine Techniker das alles herausfinden konnten. Die Satelliten-Technik wurde offenbar immer ausgefeilter, die Methoden, um Bilder, Strahlen und Signale zu interpretieren ebenfalls, die genaue Funktionsweise f�r ihn immer mysteri�ser.</p><p>Sei es, wie es sei. Vielleicht wurde er auch einfach zu alt f�r diesen Job, die ganze Technik, das sich gegenseitig Belauschen, die ganzen Geheimnisse. Er verfasste eine E-Mail an die Kontaktadresse des CSS und sendete das Update mit den zahlreichen Anh�ngen ab.</p><p>Dann sah er sich etwas unschl�ssig um. Im Grunde war er fertig f�r heute. Er stand auf, kratzte sich an der Wange, schob ein paar Papiere zusammen und legte sie zur�ck in den Posteingangskorb, r�umte zwei Stifte in eine Schublade und nahm schlie�lich seine Kaffeetasse, um sie in die K�che zu bringen. Beim Hinausgehen r�ckte er die St�hle seines kleinen Besprechungstisches zurecht. Als er nach einiger Zeit zur�ckkam, war der Bildschirmschoner seines Rechners angesprungen und zeigte das AUTEC-Logo. Walters wackelte an der Maus, damit die Benutzeroberfl�che wieder sichtbar wurde und tippte sein Passwort ein, um den Zugriff freizuschalten. Dabei sprang ihm eine neue E-Mail ins Auge, die mit einem roten Ausrufezeichen markiert war. Als er sie �ffnete, bemerkte er, dass sein Programm eine automatische Empfangsbest�tigung ausl�ste. Offenbar war es dem Absender wirklich dringend.</p><empty-line/><p><emphasis>Betreff: Code-50 / Wei�wasser-�berwachung</emphasis></p><p><emphasis>Mit Berufung auf � 13 II, FRL, werden Sie hiermit aufgefordert, die der �berwachung unterliegenden Projekte unverz�glich einstellen zu lassen. Eine gerichtliche Verf�gung f�r Sie ist dieser E-Mail beigef�gt. Alle Projektunterlagen sind Top Secret zu handhaben und unserer Beh�rde auszuh�ndigen.</emphasis></p><p><emphasis>Unternehmen Sie alle notwendigen Schritte im Rahmen Ihrer Verf�gungsgewalt. Ich erwarte Ihre R�ckmeldung ASAP.</emphasis></p><p><emphasis>MAJ Stephen Lewis</emphasis></p><p><emphasis>NSA, Fort Meade, MD</emphasis></p><empty-line/><p>Walters verdrehte die Augen. Etwas in dieser Art hatte er bef�rchtet, seit sich ein Code ereignet hatte und er den Safe deswegen hatte �ffnen m�ssen. Verdammt, er war Lieutenant Commander, kein geringer Offizier, und Standortleiter der AUTEC-Basis. Trotzdem war er f�r Leute aus dem CSS oder der NSA lediglich ein Erf�llungsgehilfe. Ohne ein Wort der Erkl�rung verf�gten die Herrschaften �ber seine Zeit und schrieben ihm vor, was er zu tun hatte.</p><p>In Momenten wie diesem hing ihm der ganze Laden zum Hals heraus. �berhaupt h�uften sich in letzter Zeit die �rgernisse. Er fragte sich erneut, ob es am Alter lag. Vielleicht war er einfach nur m�de. Er mochte seinen Job, aber was ihn fr�her angetrieben hatte, war schal geworden. Er konnte es nicht genau benennen, aber es war, als fehle seiner T�tigkeit eine Dimension, eine <emphasis>Bedeutung.</emphasis> Selbstverst�ndlich war ein so gro�es und streng hierarchisches Gef�ge wie die Armee kein Ort f�r Selbstverwirklichung. Das war auch nicht sein Bestreben. Aber es ging auch nicht notwendigerweise um das Selbst. Sondern vielleicht eher darum, was man bewirkte. Doch bevor man sich fragte, was man bewirken<emphasis> konnte,</emphasis> sollte man sich fragen, was man bewirken<emphasis> wollte.</emphasis> Wof�r setzte man sich ein, wof�r lebte man?</p><p>Wer hatte ihm das neulich erst gesagt? Dann erinnerte er sich. Wieder ertappte er sich dabei, �ber die S�tze des merkw�rdigen Kerls nachzudenken, den er am Morgen zuvor getroffen hatte. Vielleicht k�nnte es ganz interessant sein, den Mann nochmals aufzusuchen...</p><p>Aber nicht mehr heute.</p><p>Er meldete sich ab, schaltete den Rechner aus und verlie� die Basis in Richtung Andros Town.</p><empty-line/><p><emphasis>An Bord der </emphasis>Argo</p><empty-line/><p>�Nein! Ich bin strikt dagegen.� John verschr�nkte die Arme vor der Brust. �Die Entwicklung von<emphasis> Jason</emphasis> hat Millionen gekostet. Sie leiten zwar dieses Projekt, aber das Equipment verantworte ich.�</p><p>John, Peter und Patrick standen auf Deck im Schein der untergehenden Sonne.</p><p>�Wir haben vereinbart, dass wir heute Nacht<emphasis> Sentry</emphasis> erneut in die Tiefe schicken, um den unkartografierten Bereich zu scannen, und das machen wir jetzt auch.� John wies auf den Kran und die Arbeiter, die dort gerade mit der Robotersonde besch�ftigt waren.</p><p>�Es muss ja nicht mehr heute sein�, erkl�rte Patrick mit ruhiger Stimme. �Aber morgen m�ssen wir uns das Ph�nomen noch mal ansehen, und vor allen Dingen m�ssen wir es durchdringen!�</p><p>�Das kommt �berhaupt nicht infrage�, sagte John und sch�ttelte den Kopf. �Wir haben keine Vorstellung, was dort unten wirklich ist. Nehmen wir an, es sei fester Boden � und immerhin ist es das, was unsere Sensoren bisher gemessen haben �, dann k�nnten wir alleine dadurch<emphasis> Jason</emphasis> besch�digen, dass er auf dem Boden aufsetzt, egal wie vorsichtig wir sind. Daf�r ist er nicht gedacht, das Risiko ist zu gro�.�</p><p>�Es ist mit Sicherheit kein fester Boden�, sagte Patrick.</p><p>�Und das w�re ja sogar noch schlimmer�, gab der Kapit�n zur�ck. �Sollen wir<emphasis> Jason</emphasis> in eine Teerpf�tze absenken? Wer wei�, was dieses schwarze Zeug ist oder was darunter liegt. Auf keinen Fall werde ich Experimente mit unserem Equipment wagen, bevor wir nicht ein paar genauere Informationen haben. Vielleicht durch<emphasis> Sentry.</emphasis>�</p><p>�Das wird nichts werden, das kann ich Ihnen gleich sagen.� Patrick winkte ab. �Wir werden eine Karte vom Bodenprofil bekommen, aber ich wette mit Ihnen, dass alle Ihre Sensoren � wenn sie dieses Mal funktionieren � blo� dasselbe messen werden, n�mlich dass sich dort der Meeresboden befindet und dass er spiegelglatt ist. Und die Fotos werden schwarz sein.�</p><p>�Gentlemen, beruhigen Sie sich�, Peter hob eine Hand. �Lassen Sie uns heute nichts �berst�rzen. Wir haben bereits viel Material gesammelt, das ausgewertet werden will. Wir sollten diese Unterhaltung morgen fr�h fortsetzen.�</p><p>Patrick zuckte mit den Schultern. �Meinetwegen.�</p><p>John nickte. �Gut. Das ist eine gute Entscheidung.�</p><p>Peter und Patrick trafen sich in der Kabine des Professors und sahen sich die vor ihnen liegenden Ausdrucke der Platten an, die<emphasis> Jason</emphasis> gefilmt hatte. Es waren sechs verschiedene Platten, alle offenbar aus dem Material, das sie f�r Gold hielten. Auf allen waren unz�hlige Symbole zu sehen, jeweils in regelm��igen Reihen zu einem dicht gedr�ngten Rechteck arrangiert, was die Vermutung untermauerte, es k�nnte sich dabei tats�chlich um eine Schrift handeln. Eine der Aufnahmen wich deutlich von den anderen ab. Auch hier waren die Zeichen zu sehen, allerdings gruppierten sie sich um ein einziges, gr��eres, zentrales Symbol:</p><empty-line/><p><image l:href="#0"/></p><empty-line/><p>�Haben Sie dieses Zeichen schon einmal gesehen?�, fragte Patrick.</p><p>�In genau dieser Form nicht�, gab Peter zu. �Aber es l�st eine Menge Assoziationen aus... Ohne den Kontext, den wir hier haben, w�rde ich es f�r alt�gyptisch halten. Die Attribute der G�ttin Hathor sehen so �hnlich aus, Rinderh�rner und eine Sonnenscheibe. Wobei dieses hier eher ein Ring und keine Scheibe ist. Urspr�nglich galt Hathor als die Mutter von Horns, sie wurde erst sp�ter durch Isis ersetzt. Der Legende nach hat sie mit den H�rnern das Sonnenkind vom Himmel geholt. Sie ist also verantwortlich f�r die Existenz eines der sp�teren Hauptg�tter. Sie ist selbst eher eine sch�pferische Urkraft gewesen... Interessant, nicht wahr? Dann sehen wir hier m�glicherweise einen der Urspr�nge des �gyptischen Pantheons und der �gyptischen Sch�pfungsgeschichte...�</p><p>�Dann sind Sie also sicher, dass diese Bl�cke und die Platten �lter sind als die �gyptische Kultur, dass dies Reste einer viel �lteren Kultur sind? Von Atlantis?�</p><p>�Bisher haben wird daf�r keine Belege�, erkl�rte Peter, �aber das ist es ja, was wir suchen. Mit dem Ort haben wir ganz offenbar richtig gelegen.<emphasis> Irgendetwas</emphasis> gibt es dort unten jedenfalls. Das Ph�nomen auf dem Meeresboden kommt uns beiden ebenfalls verd�chtig bekannt vor, es weist m�glicherweise direkt auf jene Kultur, deren Spur wir nun schon seit Jahren folgen. Ich sage nicht, dass das hier atlantische Artefakte sind, aber ich kann mir vorstellen, wie sich die Puzzleteile zusammenf�gen.�</p><p>Patrick legte den Kopf schief. Bei allem unkonventionellen Denken konnte Peter hartn�ckig sein. Wie er den Professor bisher erlebt hatte, lie� sich dieser nur schwer aus dem Konzept bringen, war aber andererseits auch bereit, etablierte und vorgefasste Ansichten komplett umzuwerfen, wenn die Belege dagegensprachen. Es blieb nur zu hoffen, dass er sich auch dieses Mal nicht in etwas hineinsteigerte, das sich zu einer Entt�uschung entwickeln w�rde.</p><p>�Und was f�llt Ihnen sonst noch zu dem Zeichen ein?�, fragte der Franzose.</p><p>�Nun, Stiere allgemein nat�rlich. Sie wurden in vielen Kulturen verehrt. Nicht nur in �gypten. Die Apis-Stiere waren Symbole f�r Macht und Fruchtbarkeit und wurden einbalsamiert im Serapeum in Sakkara bestattet. Man kennt den Stierkult aber auch aus Indien, aus einer Zeit Jahrtausende vor den �gyptern, ebenso wie aus �atal H�y�k in der T�rkei. Bis heute ist nicht ganz klar, wie und ob diese Traditionen zusammengeh�ren. Und selbstverst�ndlich geh�rt dazu die minoische Kultur auf Kreta, vielleicht das j�ngste Beispiel, dennoch ebenfalls rund viertausend Jahre alt. Stierkulte sind also au�erordentlich alt, und man vermutet, dass die Stierk�mpfe, wie man sie noch heute aus S�deuropa, Spanien, Portugal und der Camargue in S�dfrankreich kennt, letzte Echos dieser Traditionen darstellen. Auch Platon berichtet �ber einen Stierkult, den die Atlanter gepflegt haben sollen. Vielleicht war das der Ursprung, vielleicht hat sich diese Idee von Atlantis aus sp�ter verbreitet. Ebenso wie andere Ideen, beispielsweise der Bau von Pyramiden oder wie die Sch�pfungs- und Sintflutmythen.�</p><p>�Okay, aber das ist ja im Grunde alles noch recht vage, hm?�</p><p>Peter seufzte. �Ja, das ist mir klar. Erst die Entzifferung des Textes wird uns wirklich weiterbringen.�</p><p>�Oder die Datierung einer Materialprobe�, warf Patrick ein.</p><p>Peter sah mit einem Anflug von Ver�rgerung auf und holte Luft, als der Franzose ihm schon das Wort abschnitt. �Ja, ist ja gut, nichts kaputt machen!�</p><p>�Recht so�, sagte Peter und wandte sich wieder den Ausdrucken zu.</p><p>�Da ich hier vermutlich nicht weiterhelfen kann, werde ich die Daten nach Frankreich schicken, wenn es Ihnen recht ist. Vielleicht kann G�rard damit jetzt mehr anfangen.�</p><p>�G�rard? Erz�hlten Sie nicht, dass er in den n�chsten Wochen nicht da sei?�</p><p>�Richtig, aber er schreibt, dass seine Assistentin uns helfen k�nnte.�</p><p>�Assistentin?� Peter hob eine Augenbraue.</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Nichts. Versuchen Sie meinetwegen Ihr Gl�ck. Aber bedenken Sie, dass wir absolute Verschwiegenheit ben�tigen. Je mehr Unbekannte wir einbinden, umso riskanter ist es.�</p><p>�Ich vertraue auf G�rard. Bei seinem Job kann er es sich nicht leisten, Personen zu besch�ftigen, die nicht vertrauensw�rdig w�ren.�</p><empty-line/><p>Wenig sp�ter sa� Patrick an seinem eigenen Rechner und sendete die Bilder der Platten an G�rard, oder vielmehr an Marie, die die Mails lesen und vielleicht beantworten w�rde.</p><p>Da die Daten f�r eine einzige E-Mail zu umfangreich waren, verschickte er sie in mehreren Sch�ben, und als er gerade bei der dritten E-Mail war, fand er bereits eine Antwort auf die erste im Posteingang vor.</p><empty-line/><p><emphasis>Salut, Patrick,</emphasis></p><p><emphasis>mein Name ist Marie, ich arbeite f�r G�rard, er hat dir schon angek�ndigt, dass ich versuchen werde, euch zu helfen.</emphasis></p><p><emphasis>Vielen Dank f�r die Bilder. Sie sehen wirklich sehr spannend aus! Habt ihr noch mehr? Und kannst du mir nichts �ber die Herkunft und das Alter sagen? Ich freue mich, euch helfen zu k�nnen. Melde mich morgen oder sobald ich etwas herausgefunden habe.</emphasis></p><p><emphasis>Cordialement,</emphasis></p><p><emphasis>Marie</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>Sehr eifrig,</emphasis> dachte Patrick. Immerhin musste es in Frankreich bereits Mitternacht oder sp�ter sein. Eigentlich sollte dort schon l�ngst niemand mehr im B�ro sitzen. Er zuckte mit den Schultern und erweiterte die letzte seiner Mails um ein paar Zeilen �ber die Hintergr�nde des Projekts. Er erw�hnte nicht, dass sie Atlantis suchten, erkl�rte aber, dass die Funde aus dreitausendf�nfhundert Metern Tiefe aus dem Atlantik �stlich von Florida stammten, dass es sich vermutlich um eine unbekannte seefahrende Kultur handle, die m�glicherweise �lter war als die �gyptische, und dass sie untersuchten, ob diese Kultur nicht vielleicht alle sp�teren nachhaltig gepr�gt habe. Auf diese Weise konnte Marie vielleicht eher eine Sprachverwandtschaft ableiten.</p><p>Die E-Mail hatte sich kaum mit ihrem gro�en Anhang durch die Leitung gequ�lt, als bereits eine Antwort auf seine zweite Mail vorlag.</p><empty-line/><p><emphasis>Noch mehr Bilder, sehr sch�n...</emphasis></p><p><emphasis>Wo habt ihr die nur her? Was ist das gro�e Geheimnis?</emphasis></p><p><emphasis>Habt ihr Atlantis gefunden? ;-)</emphasis></p><p><emphasis>Salut!</emphasis></p><empty-line/><p>Patrick verzog den Mund. Dieser fl�chtige Witz k�nnte Marie gemeinsam mit den n�heren Informationen aus seiner letzten Mail vielleicht etwas zu schnell auf die richtige Spur setzen... Ob das so schlau war?<emphasis> Ach, was soll's,</emphasis> dachte er dann. Schlie�lich sollte sie ihnen ja auch helfen, und er war sich sicher, dass sie keine Geheimnisse ausplaudern w�rde.</p><p>Au�erdem: Wenn schon das amerikanische Fernsehen von ihnen berichtete und Kathleen Pressemitteilungen verschickte, wie geheim war ihr Projekt da �berhaupt? Und war das wichtig?</p></section><section><empty-line/><p><strong>Kapitel 10</strong></p><empty-line/><p><emphasis>AUTEC U.S.-Navy-Recherche-Zentrum, Andros Island, Bahamas</emphasis></p><empty-line/><p>Die Basis zeigte sich am Sonntagmorgen �hnlich ausgestorben wie jedes gew�hnliche Firmengel�nde. Nur eine Stammbesetzung an Wachleuten war dort sowie eine Handvoll Soldaten und zivile Angestellte, die keine Zeit oder kein Interesse hatten, am Wochenende zu ihren Familien zu fahren.</p><p>Die G�nge in Walters' Trakt waren menschenleer.<emphasis> Was f�r eine elende Zeitverschwendung, heute hier zu sein</emphasis>, dachte er. Er hatte bereits mit seiner Frau telefoniert. Sie wollte mit Sarah und zwei ihrer Freundinnen in einen Wasserpark fahren, w�hrend er zusehen musste, wie er sich den Tag um die Ohren schlagen w�rde. Walters erledigte seinen Job stets gewissenhaft, es gab keine liegengebliebenen Arbeiten, keine Ablage, nichts f�r ihn zu tun. Aber er musste anwesend und erreichbar sein. Und er sollte die beiden Schiffe kontaktieren und zum Abbruch ihrer T�tigkeiten aufrufen. Gestern Abend hatte er versucht, nicht weiter dar�ber nachzudenken, aber heute musste er t�tig werden.</p><p>Er schaltete das Licht in der kleinen fensterlosen Kaffeek�che an und suchte die Filtert�ten, etwas, um das er sich �blicherweise nicht selbst k�mmern musste. Er zuckte mit den Schultern. Vielleicht tat ihm das auch mal ganz gut. Au�erdem brachte er vielleicht selbst endlich mal einen besseren Kaffee zustande als die Kollegen. Nachdem er die Maschine vorbereitet und eingeschaltet hatte, entschloss er sich, zun�chst joggen zu gehen, bevor er sich in sein B�ro begeben und sich �ber erneute E-Mails �rgern w�rde.</p><p>Kurz darauf verlie� er die Basis und nahm denselben Weg wie zwei Tage zuvor, entlang der Stra�e und dann hinunter zur K�ste. Auf dem Pfad oberhalb des Wassers entdeckte er in einiger Entfernung die Silhouette des gro� gewachsenen Mannes, den er auch am Freitag hier getroffen hatte. Walters, der an diesem Morgen eigentlich nicht in der Stimmung war, sich mit irgend]emandem zu unterhalten, stellte �berrascht fest, dass es ihn nicht st�rte, im Gegenteil: Es machte ihn neugierig, den Mann tats�chlich wieder hier anzutreffen.</p><p>�Guten Morgen, Lieutenant Commander�, gr��te ihn der Wei�b�rtige.</p><p>Walters blieb stehen. �Guten Morgen... Sir?�</p><p>�Gabriel.�</p><p>Walters fragte sich, wie der Mann hierhergekommen war. Zu Fu�? Im Anzug? Hatte er ihn bewusst abgepasst? �Wohnen Sie auf Andros?�</p><p>�Nur zeitweilig. Ich war lange Jahre unterwegs, aber es zieht mich immer wieder hierher, ans Meer. Es erinnert mich an meine Jugend. Und daran, dass alles im Fluss ist.� Gabriel blickte hinaus aufs Wasser. Dann deutete er unbestimmt auf den Horizont. �Wenn Sie ganz genau hinsehen, werden Sie bemerken, dass Sie von hier aus sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft schauen k�nnen. Das Meer ist in st�ndiger Ver�nderung, niemals identisch und doch immer gleich. Es war bereits vor unserer Zeit hier und wird lange nach uns noch hier sein. Sie sehen es so, wie es schon zu Urzeiten ausgesehen hat und wie Ihre Urenkel es einmal sehen werden. Es k�mmert sich nicht um uns und unsere kleinen Belange.�</p><p>Walters sah ebenfalls auf den Ozean, folgte dem Gedanken. Mit wenigen Worten hatte der Mann erneut etwas in ihm anger�hrt, als sei er in besonderer Weise erfahren im Umgang mit Worten. Walters str�ubte sich, einem fremden Menschen auf diese Weise Geh�r zu schenken, aber er konnte nicht umhin, zuzugeben, dass er Gabriel gegen�ber trotz aller Skepsis zugleich eine eigent�mliche Vertrautheit empfand. Es stimmte, der Ozean in seiner Weite und urt�mlichen Kraft strahlte etwas Erhabenes aus.</p><p>�Im Grunde ein etwas deprimierender Gedanke�, h�rte Walters sich sagen. �Man f�hlt sich unbedeutend.�</p><p>�Ja. Zun�chst ja. Aber wenn Sie es n�her betrachten, kann es Sie gr��er machen.�</p><p>Walters dachte dar�ber nach, versuchte zu verstehen, was der Mann meinte, bem�hte sich um einen anderen Blickwinkel. Doch es gelang ihm nicht. Das Meer, so viel gr��er als alles Land zusammen, so unergr�ndlich wie der Mond, so unbeugsam, unbez�hmbar und Jahrmillionen alt. Da stand er als kleiner Mensch an irgendeiner K�ste, und seine Bedeutung war nicht gr��er als die eines Sandkorns.</p><p>�Sie werden sich der Bedeutungslosigkeit Ihrer selbst bewusst�, fuhr Gabriel fort, als Walters auch nach einer l�ngeren Weile nichts sagte. �Das geht jedem so. Und es ist ein wichtiger Schritt. Denn in diesem Moment f�llt alles von uns ab, was uns in der materiellen Welt verankert, um dessen Erhalt wir stetig k�mpfen, dessen Verlust wir f�rchten und betrauern. Wenn man erkennt, dass man selbst vor der Unendlichkeit keine Bedeutung hat, verliert auch alles andere seine Bedeutung. Die Kraft, die Sie aus diesem Gedanken ziehen k�nnen, ist die Kraft der Freiheit. Dinge an sich sind bedeutungslos. Es sind wir selbst, die ihnen Bedeutung geben. Wir entscheiden dar�ber, ob sie uns betr�ben oder erfreuen, aber es sind keine Eigenschaften, die den Dingen innewohnen.� Der H�ne sprach langsam, mit kaum erhobener, aber deutlicher Stimme. �Wenn Sie einmal den Schritt gemacht haben und verstehen, dass jede Bedeutung eine Illusion ist, dann haben Sie den Schl�ssel gefunden, um die Welt in sich neu zu schaffen, neu zu gestalten. Sie erleben Ursachen und Folgen, Leben und Tod, Freude und Leid als miteinander verbundene Teile eines Ganzen, Sie verstehen die Welt als Abbild der W�nsche aller Menschen, zum Teil verst�rken sie sich, zum Teil sind sie unvereinbar, aber sie sind in einer steten Bewegung. Wie das Meer, das Sie nun nicht mehr mitrei�t und herumwirbelt, sondern das Sie tr�gt, das Sie bewusst befahren und dessen ganze Sch�nheit Sie nun �berschauen k�nnen.�</p><p>Der Wei�b�rtige beendete seine Ansprache, und Walters kam es so vor, als habe etwas seinen Geist durchger�ttelt. Die Rede des Mannes folgte einer Logik, der er nur knapp folgen konnte. Indem er einen Satz �berdachte, schloss sich schon der n�chste tiefgr�ndige Gedanke an. Was waren das f�r merkw�rdige Weisheiten, die der Alte da von sich gab? Wie weit war ihnen zu trauen, wo lagen ihre Fehlschl�sse, ihre Fallen?</p><p>Unvermittelt lachte Gabriel auf. �Ich wei�, das waren viele Worte auf einmal. Verzeihen Sie, wenn ich bisweilen ins Schw�rmen gerate. Mir kommt es vor, als h�tte ich ein �hnliches Gespr�ch erst gestern gef�hrt... Aber Sie wissen vielleicht, wie es ist, man kommt herum, man macht sich Gedanken, man liest, man lernt, man wird �lter, und eines Tages h�rt man, wie l�ngst gestorbene Philosophen aus dem eigenen Mund sprechen.�</p><p>�Ehrlich gesagt�, meinte Walters, �habe ich diese Erfahrung bisher noch nicht gemacht.�</p><p>Gabriel lud Walters mit einer Geste ein, mit ihm gemeinsam den Weg weiterzugehen. �Nun, das wird vielleicht noch kommen�, sagte er dabei. �Sie sind deutlich j�nger als ich und werden noch ausreichend Gelegenheit zum Philosophieren haben.�</p><p>�Ist es das, womit Sie Ihre Zeit verbringen, wenn Sie hierherkommen?�</p><p>�Zum Teil, ja. Um ehrlich zu sein, habe ich heute allerdings gehofft, dass ich Sie wieder hier antreffen w�rde.�</p><p>�Weshalb das? Auch das erste Treffen schien mir nicht zuf�llig gewesen zu sein.�</p><p>�In der Tat, das war es nicht. Ich wollte Sie kennenlernen und sehen, wer dieser Mann ist, der eine so wichtige Rolle in den kommenden Ereignissen spielen wird.�</p><p>�Wovon sprechen Sie?�</p><p>Gabriel schwieg einige Schritte. �Ich habe eine Aufzeichnung Ihrer Pressekonferenz gesehen�, sagte er dann. �Die Walstrandungen. Ich hatte das Gef�hl, Sie f�hlten sich nicht wohl in Ihrer Rolle.�</p><p><emphasis>Und das nicht zum ersten Mal,</emphasis> f�gte Walters in Gedanken hinzu. �Wie kommen Sie darauf?�, fragte er und sah Gabriel von der Seite an.</p><p>�Nennen Sie es eine Ahnung�, sagte dieser l�chelnd, den Blick weiterhin auf den Weg vor ihnen geheftet. �Menschenkenntnis, wenn Sie so wollen.�</p><p>�Weshalb, denken Sie, sollte ich mich nicht wohlgef�hlt haben? Ich hatte einen sehr guten Eindruck von den Antworten, die wir geben konnten.�</p><p>Nun blieb Gabriel stehen und sah Walters pr�fend an. �Diese Tiere... Schnabelwale, richtig?... Sie wissen, woran sie gestorben sind, habe ich recht?�</p><p>�Nun...� Walters z�gerte. �Wenn Sie die Konferenz gesehen haben, kennen Sie die Antwort.�</p><p>�Es steckt oft weniger in dem, was gesagt wird, als in dem, was nicht gesagt wird�, gab Gabriel zur�ck. �Mir ist allerdings aufgefallen, dass Sie zum Ende des Termins hin deutliche Worte gefunden haben. Sie sagten, Sie w�rden das LFAS unter Umst�nden nicht weiter einsetzen. Sie �bernehmen Verantwortung.�</p><p>�Selbstverst�ndlich!�</p><p>�O nein, das ist gemeinhin weit weniger selbstverst�ndlich, als man w�nschen w�rde. Zudem dies auch erst der Anfang ist. Denn sicher kennen Sie den Ausspruch: Man ist nicht nur verantwortlich f�r das, was man tut, sondern auch...�</p><p>�... f�r das, was man nicht tut�, vollendete Walters den Satz. �Ich wei�. Sind Sie deswegen hergekommen? Um Andachtsspr�che auszutauschen?�</p><p>�Ich mache mir Sorgen�, erkl�rte Gabriel.</p><p>��ber die Wale? Sind Sie von Greenpeace?�</p><p>�Ich bin nur eine Privatperson. Und es geht mir nicht um die Wale, nein. Ich mache mir Sorgen um die Forschungen drau�en im Atlantik. Die Forschungen, die Sie stoppen sollen.�</p><p>Walters blieb stehen und schloss die Augen. Ganz offenbar war er an einen Spinner geraten oder an jemanden, der enge Kontakte zu Milit�r- oder Geheimbeh�rden hatte. Beides keine vergn�gliche Aussicht.</p><p>�Sie fragen sich, woher ich das wissen kann�, sprach Gabriel weiter. �Oder ob ich einfach nur gut geraten habe.� Er machte eine Pause, bevor er fortfuhr. �Ich geh�re keiner Ihnen bekannten Beh�rde an, wie ich schon das letzte Mal sagte. Aber ich bin �ber alles informiert, was dort auf See geschieht, und ich wei�, dass Sie im Auftrag der NSA angewiesen wurden, die Untersuchungen der Europ�er zu stoppen und auch das kubanische Schiff zur�ckzubeordern.�</p><p>Walters schwieg. Er war zu sehr vor den Kopf geschlagen, um sich einen Reim darauf zu machen, geschweige denn, einen passenden Kommentar dazu abzugeben. Sollte der Mann erst einmal erz�hlen, was er zu sagen hatte.</p><p>�Wie schon gesagt, bin ich nicht in der Position, um Ihnen Anweisungen zu geben. Ich denke auch nicht, dass Sie weitere Personen sch�tzen w�rden, die Ihnen vorschreiben, was Sie tun oder lassen sollen. Auch, dass Sie an einem Scheideweg stehen, sagte ich bereits. Oftmals erkennt man bedeutende Momente erst in der Nachbetrachtung. Jene Momente, an denen sich das Schicksal in besonderer Weise geballt hat, wo eine Entscheidung etwas bewirkt hat oder h�tte bewirken k�nnen, das �ber das Ma� der �blichen Wirkungen hinausgeht. Ich habe Sie aufgesucht, um Sie f�r diesen Moment vorzubereiten, Ihnen so viele Informationen wie m�glich zu geben, damit Sie den Moment erkennen und ihn sinnvoll abw�gen k�nnen. Eine Entscheidung allerdings kann und wird Ihnen schlie�lich niemand abnehmen.�</p><p>Walters st�hnte innerlich auf. Das tutorenhafte Geplauder und das stets Unspezifische des Mannes begannen, ihm auf die Nerven zu gehen.</p><p>�Wenn das so ist, ist es wohl nicht zu viel verlangt, dass Sie endlich sagen, um was es geht.�</p><p>�Ich gehe davon aus, dass Sie sich informiert haben, wer die Leute sind, die da drau�en auf dem Ozean ihre Roboter in der Tiefe versenken und den Meeresboden kartografieren.�</p><p>Walters nickte.</p><p>�Dann wird Ihnen aufgefallen sein, dass die Projektunterlagen, die Sie vom WHOI erhalten haben, verh�ltnism��ig allgemein gehalten sind.�</p><p>Walters nickte erneut. Tats�chlich konnte er sich nicht erinnern, ob in den Papieren, die man ihm besorgt hatte, �berhaupt eine detaillierte Projektbeschreibung enthalten gewesen war. Falls ja, hatte er sie jedenfalls nicht gelesen. In der Tat wusste er �berhaupt nicht, was genau die Forscher dort suchten, au�er irgendwelchen Ruinen.</p><p>�Wenn Forscher fast eine Million Dollar f�r eine Hightechuntersuchung ausgeben�, fuhr der Alte fort, �ohne zu erkl�ren, wof�r, und wenn sich dann ein Geheimdienst einschaltet, um das Projekt zu stoppen, dann liegt der Schluss nahe, dass das wahre Projektziel geheim bleiben soll. Also: Um was geht es tats�chlich? Ist es richtig, das Projekt zu beenden? Oder ist es falsch? Oder ist es egal? Als Soldat ist es Ihre Aufgabe, Befehle zu befolgen, nicht sie zu hinterfragen. Aber Sie sind nicht nur Soldat, Sie sind auch Stanley Walters, geboren in Boston, Ehemann, Vater, Mensch. Die Frage ist, ob der Mensch Walters die Verantwortung daf�r �bernehmen kann, was der Soldat Walters tut. Ich wei�, dass Sie sich diese Frage zunehmend stellen, sonst h�tte ich Sie nicht aufgesucht. Nur l�sst sich dies nicht mit geschlossenen Augen beantworten. Verstehen Sie, worum es geht? Verstehen Sie, was auf dem Spiel steht? Wie k�nnen Sie ohne dieses Wissen Verantwortung �bernehmen?�</p><p>�Dann erz�hlen Sie mir doch einfach, um was es geht.�</p><p>�Die gro�en Lehrmeister der �stlichen Lehren w�rden nun antworten: �Ich kann Ihnen nur die T�r zeigen, hindurchschreiten m�ssen Sie allein�.�</p><p>Walters wollte etwas erwidern, aber Gabriel hob eine Hand und sprach weiter. �Ich wei�, Sie m�chten keine weiteren Belehrungen h�ren. Aber tats�chlich steckt in diesen uralten �berlieferungen eine gro�e Weisheit, wie sie uns heute erst durch den Vergleich mit der Quantenphysik verst�ndlich wurde: Heute wissen wir, dass es Dinge gibt, die wir nicht pr�zise messen k�nnen, da sie so empfindlich sind, dass unsere Methoden, sie zu messen, zugleich ihren Zustand �ndern w�rden. Und genauso ist es hier: Indem ich Ihnen im Detail erz�hle, um was es geht, f�ge ich diesem Sachverhalt etwas hinzu, ver�ndere ihn. F�r Sie w�rde sich mit meinen Worten Ihr Eindruck von mir mischen, was auch immer Sie von mir halten, von den Gr�nden, die ich haben k�nnte, Ihnen dies oder jenes zu erz�hlen � all dies w�rde Ihre Wahrnehmung ver�ndern, und Sie k�nnten die Dinge nicht neutral sehen. Daher m�ssen Sie selbst auf die Suche gehen, selbst Antworten finden. Nur dann wird es zu einer Erfahrung, nur dann k�nnen sie vollkommen aus sich selbst heraus Entscheidungen treffen.�</p><p>Walters verdrehte die Augen. Etwas �hnliches hatte er bef�rchtet. Leere Worte, und wahrscheinlich wusste der Alte selbst nicht, was Sache war. Au�erdem....</p><p>�Also, wenn Sie schon extra meinetwegen hierherkommen�, sagte er, �dann muss Ihnen die Sache doch wichtig sein. Dann kann es Ihnen doch nicht egal sein, wie ich entscheide.�</p><p>Gabriel nickte l�chelnd. �Sie haben ganz recht. Aber ein Fluss l�sst sich nicht aufhalten. Man kann nur ausreichend Steine hineinwerfen, um seinen Weg zu ver�ndern.�</p><p>�Was soll das nun wieder hei�en?�</p><p>�Es hei�t, dass Sie Ihre Entscheidung alleine treffen m�ssen.�</p><p>�Jetzt bin ich genauso schlau wie zuvor.�</p><p>�Keineswegs�, antwortete Gabriel, �keineswegs.�</p><empty-line/><p><emphasis>An Bord der </emphasis>Argo</p><empty-line/><p>�Es gibt ein Problem, Gentlemen�, sagte der Kapit�n, trat zu Peter und Patrick und legte zwei ausgedruckte Seiten vor sie auf den Fr�hst�ckstisch.</p><empty-line/><p><strong>Schiffscontainer statt Ruinen</strong></p><p><strong>Atlantis-Forscher finden M�ll</strong></p><empty-line/><p>So titelte die Online-Ausgabe des<emphasis> Miami Herald.</emphasis> Zwei Fotos bebilderten den Artikel. Eines zeigte die<emphasis> Argo,</emphasis> offenbar ein Archivbild, das andere war eine Unterwasseraufnahme, auf der einige der schwarzen Bl�cke zu sehen waren, die<emphasis> Jason</emphasis> gefilmt hatte.</p><p>�Das darf doch nicht wahr sein!�, rief Patrick aus. �Wie kommt dieses Bild in die Zeitung?! Das kann ja wohl nur auf das Konto dieser Reporterin gehen!�</p><p>�Fragen wir sie doch einfach�, sagte Peter und deutete zur T�r, wo Kathleen gerade auftauchte.</p><p>�Guten Morgen�, gr��te sie die M�nner.</p><p>�K�nnen Sie sich das erkl�ren?�, forderte Patrick und schlug mit der flachen Hand auf die Ausdrucke.</p><p>Kathleen �berflog die Zeilen. �Ich... ich wei� nicht, was ich sagen soll. Damit habe ich nichts zu tun!�</p><p>�Auf irgendeine Weise sind die Bilder von<emphasis> Jason</emphasis> an die Medien gelangt�, sagte John.</p><p>�Ich habe keine Bilder weitergegeben!�, entr�stete sich die Journalistin. �Peter, Sie haben meine Pressemitteilung doch gelesen. Was k�nnte ich mit einer solchen Kampagne auch bezwecken?�</p><p>�Haben Sie das gelesen?�, fragte Patrick und deutete auf einige Zeilen des Textes. �Wer das geschrieben hat, wei� nicht nur genau, was wir bisher unternommen haben, er kennt auch unsere Position.�</p><p>Peter nickte. �Und macht uns zum Gesp�tt...�</p><p>�Es muss jemand hier an Bord sein, niemand sonst w�sste so genau Bescheid. Vielleicht auch jemand aus Ihrer Crew, John.�</p><p>�Das sind harte Anschuldigungen�, gab der Kapit�n zur�ck. �Ich verbitte mir diese Unterstellungen!�</p><p>�Dennoch muss ich Patrick beipflichten�, sagte Peter. �Die Quelle ist mit Sicherheit auf diesem Schiff zu suchen.�</p><p>�Ich bin genauso schockiert wie Sie�, erkl�rte Kathleen, �das m�ssen Sie mir glauben!�</p><p>�Es gibt nur einen Weg, wie diese Bilder das Schiff verlassen haben k�nnen�, sagte Patrick. �Und zwar �ber das Computernetzwerk. �ber die Logs der Server und Ihrer Firewall sollte sich herausfinden lassen, welche externe Kommunikation gestern stattgefunden hat. Sie haben doch eine Firewall, John?�</p><p>�Ja, nat�rlich...� Der Kapit�n nickte z�gerlich. �Ich werde alles N�tige veranlassen. Sollte jemand auf diesem Schiff gegen die Verschwiegenheitsvereinbarungen versto�en haben, m�ssen wir ihn sofort identifizieren, bevor noch mehr Schaden angerichtet wird.�</p><p>�Kann ich Sie dabei unterst�tzen?�, fragte Patrick.</p><p>John winkte ab. �Nein, auf keinen Fall, danke. Das bekommen wir selbst in den Griff.�</p><p>�Und Ihre Pressemitteilung?�, fragte der Franzose nun an Kathleen gerichtet. �Haben Sie damit wenigstens irgendetwas erreicht?�</p><p>�Nun ja... von einer Ver�ffentlichung unserer Meldung habe ich nichts im Internet gefunden. Aber sie war nat�rlich auch erheblich weniger aufregend als dieser Beitrag hier.� Sie deutete auf die Ausdrucke. �Allerdings habe ich eine Anfrage f�r ein Interview bekommen. Von einem Radiosender, Coast to Coast AM.�</p><p>�Diese Leute haben mir in Nassau eine Visitenkarte in die Hand gedr�ckt�, erinnerte sich Peter.</p><p>�Wenn wir anfangen, Interviews zu geben�, erkl�rte Kathleen, �k�nnen wir diesen Stimmen, die Sie l�cherlich machen m�chten, etwas entgegensetzen.�</p><p>�Dann m�ssen wir aber auch Substanz bieten�, sagte Patrick. �Wir k�nnen nicht alle Fragen nur mit hei�er Luft beantworten. Ich halte es f�r ein bisschen zu fr�h, um sich auf so etwas einzulassen. Und sonderlich viel gebe ich auf die Wirkung dieses Artikels hier ohnehin nicht. Was die da drau�en plappern, ist mir herzlich egal. Viel problematischer ist die Tatsache, dass da jemand an unsere Daten gekommen ist.�</p><p>�Dem stimme ich zu�, sagte Peter. �Ich schlage vor, wir ignorieren den Artikel. Au�erdem lehnen wir die Interviewanfrage ab. Kathleen, es w�re sch�n, wenn Sie bei n�chstbester Gelegenheit eine erneute Pressemitteilung verfassen. Um zu demonstrieren, dass wir vorankommen und dass wir nichts verheimlichen. John, Sie versuchen, in der externen Kommunikation von gestern etwas Verd�chtiges zu finden, soweit das m�glich ist.�</p><p>�Ich werde sofort alles veranlassen�, sagte der Kapit�n. �Wir verschieben die Untersuchung der Scans aus der Nacht um eine halbe Stunde.� Damit stand er auf und verlie� den Raum.</p><p>Kathleen setzte sich nun zu ihnen an den Tisch, nahm ihre Brille ab und faltete sie zusammen. �Ich wei�, dass Sie mir nicht trauen, Patrick.� Dabei sah sie den Franzosen mit schief gelegtem Kopf an, doch der erwiderte ihren Blick nur starr und mit verzogenem Mund.</p><p>�Ich w�nschte�, sagte sie nach einer Weile, �ich k�nnte Ihnen beweisen, dass ich vollkommen auf Ihrer Seite stehe und Ihnen helfen m�chte. Dass ich nichts mit diesem Vorfall zu tun habe.�</p><p>Patrick sagte noch immer nichts.</p><p>�Ich kann Sie ja verstehen�, setzte sie noch einmal an. �Ich w�rde an Ihrer Stelle genauso denken.�</p><p>Ein kurzes, bewusst k�nstliches Grinsen war alles, was sie als Reaktion erhielt.</p><p>Es war Peter, der das Schweigen schlie�lich brach. �Nun k�mmern wir uns ja bereits um eine Aufkl�rung, Miss Denver ...�</p><p>�Kathleen�, korrigierte sie l�chelnd.</p><p>�...in der Zwischenzeit fahren wir mit unserer Arbeit fort. In dubio pro reo.�</p><p>�Das ist lieb von Ihnen, Peter�, sagte sie und legte eine Hand auf den Unterarm des Professors. �Ich wei� das sehr zu sch�tzen.�</p><p>�Okay, das reicht�, sagte Patrick und erhob sich. �Ich haue ab. Peter, wir sehen uns nachher bei den Scans.� Ohne auf eine Antwort zu warten, lie� er die beiden allein.</p><p>�Wie halten Sie die Arbeit mit ihm aus?�</p><p>�Sie t�uschen sich, wenn Sie erwarten, dass ich abf�llig �ber meinen Kollegen sprechen w�rde. Ich sch�tze ihn sehr, und seine Hilfe war stets unbezahlbar.�</p><p>�Davon bin ich �berzeugt. Peter, ich wollte damit wirklich nichts Schlechtes suggeriert haben. Vielleicht liegt es auch an mir. Vielleicht habe ich etwas an mir, das ihn reizt.�</p><p>�Nun, die Hauptsache ist, dass jeder von uns seine Arbeit macht. Pers�nliche Differenzen sind unsch�n, d�rfen aber unser Urteilsverm�gen und unsere Tatkraft nicht tr�ben. Vielleicht k�nnen Sie die n�chste halbe Stunde nutzen, um eine erneute Pressemitteilung zu entwerfen.�</p><p>Kathleen l�chelte den Professor an. �Ich bewundere ihre Zielstrebigkeit, Peter.� Dann setzte sie ihre Brille wieder auf. �Nun, sagen Sie mir, wie viel wir der Presse geben m�chten.�</p><p>�Ohne auf den heutigen Boulevard-Artikel einzugehen, sollten wir eine indirekte Antwort darauf verfassen. Wir k�nnten selbst ebenfalls ein Bild der Kl�tze liefern, m�glichst eines von besserer Qualit�t. Dazu ein paar ganz sachliche Daten, wie zum Beispiel die Abmessungen und einige der Punkte, die die Kl�tze mysteri�s machen, aber ohne, dass wir selbst dar�ber spekulieren. Die Leser sollen erkennen k�nnen, dass es auf keinen Fall Container oder andere moderne Zivilisationsreste sein k�nnen. Man soll ahnen k�nnen, dass die Bl�cke tats�chlich unerkl�rlich sind, ihre Lage, ihr Material und so weiter. Aber es muss eine wissenschaftlich pr�zise Beschreibung sein ohne jegliche Vermutung.�</p><p>�Sie haben recht konkrete Vorstellungen... Es wird nicht leicht sein, das so umzusetzen.�</p><p>Peter setzte zu einem leichten L�cheln an. �Daher bin ich auch daf�r dankbar, dass wir Sie an Bord haben.�</p><p>�Aber mal<emphasis> off the record</emphasis>: Was denken Sie denn selbst �ber diese Dinger? Glauben Sie, sie stammen von Atlantis?�</p><p>�Ich spekuliere nur ungern...�</p><p>�Nat�rlich, aber wenn? Wenn Sie spekulieren w�rden?�</p><p>�Tr�ge ich nicht die Hoffnung, dass wir den untergegangenen Kontinent tats�chlich finden k�nnten, w�re ich nicht hier.�</p><p>Kathleen seufzte. �Ja, ich wei�. Aber ich w�rde es gerne einmal von Ihnen h�ren. Was stellen Sie sich in den k�hnen Tr�umen vor? Was haben wir da gefunden? Was werden wir noch finden?�</p><p>�Also, ich wei� wirklich nicht, was Sie... nun gut, ja, warum nicht, vielleicht sind es Reste einer atlantischen Kultur. Ich habe aber keine Vorstellung, was es sein k�nnte. Vielleicht sind es Beh�lter einer unbekannten Art. Vielleicht sind es Baumaterialien, so etwas wie Steine aus einer Mauer oder einer anderen Anlage. Ich wei� nicht einmal, was f�r Teile einer im Meer versunkenen Kultur sich �berhaupt noch finden lassen. Atlantis soll ja eine gewaltige Ausdehnung gehabt haben. Im Grunde m�sste fast der halbe Meeresboden von hier bis zu den Azoren ein einziges untergegangenes Land sein. Was wir hier, an dieser Stelle suchen, sind Reste der m�glichen Hauptstadt. Aber eine so gro�e Inselgruppe wie Atlantis versinkt ja nicht einfach wie ein Schiff. Eine Insel reicht bis auf den Meeresboden. Sicher, zur letzten Eiszeit lag der Meeresspiegel tiefer. Aber ob er f�nfzig oder hundert oder zweihundert Meter tiefer lag als heute, ist hier nicht relevant. Wir reden an dieser Stelle ja von dreieinhalbtausend Metern. Und eine Insel f�hrt nicht einfach wie ein Fahrstuhl hinab in diese Tiefe. Wenn hier etwas versunken ist, muss es nachhaltig vernichtet worden sein. Nicht nur oberfl�chlich.� Peter nahm eine Gabel und kratzte eine grobe Zeichnung auf das gest�rkte Tischtuch. �Eine Theorie besagt, dass es unterseeische Plattenbewegungen gegeben haben k�nnte, vielleicht ausgel�st durch eine gigantische Katastrophe, wie einen Asteroiden-Einschlag. Schockwellen breiten sich in der Erde aus, die Erdkruste am Meeresboden rei�t an den Plattenkanten auf, alles verschiebt sich. Stellen Sie sich einen zugefrorenen See vor, in dessen Wasser eine Bombe explodiert. Alles zerbricht in einzelne Eisschollen. Nun schieben Sie den See ein bisschen zusammen: Einige Eisschollen werden dabei unter die anderen geschoben. So �hnlich h�tte � jedenfalls dieser Theorie zufolge � eine Platte der Erdkruste nach unten geschoben werden k�nnen. Nach Feuer, das vom Himmel f�llt, Erdbeben und Flutwellen, wird auf diese Weise eine Inselkette unter Wasser gesogen, verschwindet in unerreichbarer Tiefe.�</p><p>�Faszinierend...�</p><p>�Ehrlich gesagt, muss man sich reichlich anstrengen, um sich so ein Szenario auszumalen. Und ob man es sinnvoll berechnen kann, also die notwendige Einschlagskraft, die St�rke der ausgel�sten Beben, die H�he der Tsunami-Wellen, die Masse des in die Atmosph�re geschleuderten Materials, die Effekte auf das Klima und so weiter, das wei� ich nicht. Vielleicht w�re eine Katastrophe, die einen so starken Effekt bewirken w�rde, gar nicht m�glich, ohne alles Leben f�r die n�chsten Milliarden Jahre zu vernichten oder den Planeten in zwei H�lften zu sprengen. Ich bin weder Physiker, Geologe noch Klimatologe. Es ist nur eine Theorie.� Er lehnte sich zur�ck. �Tatsache ist, auch Platons zweite H�lfte des<emphasis> Kritias-</emphasis>Dialogs erkl�rt uns nicht, wie genau die Insel versunken ist. Was vermutlich allein daran liegt, dass man es damals selbst mit pr�zisen Augenzeugenberichten � die es zu diesem Zeitpunkt ja nicht mehr gab � nicht h�tte erkl�ren<emphasis> k�nnen.</emphasis>�<emphasis>.</emphasis></p><p>�W�re das nicht ein viel einfacherer Weg gewesen, Atlantis zu suchen? Zu beweisen, dass diese Landmasse niemals h�tte im Meer versinken k�nnen? Dann w�re doch klar, dass es auch Atlantis nicht gegeben haben kann?�</p><p>Peter nickte. �Sie haben ganz recht. Und genau das wurde von denjenigen praktiziert, die nicht an Atlantis glauben wollten. Jahrhunderte, nun, Jahrtausende eigentlich, haben die Skeptiker versucht zu beweisen, weshalb Atlantis nie h�tte existieren k�nnen. Weil das Alter nicht stimmen kann oder die Gr��e oder die Lage oder der Untergang... Ist das nicht interessant? Die Ungl�ubigen haben sich M�he gegeben, die Nichtexistenz zu beweisen, ganz so, als ob ihnen viel daran gelegen w�re.�</p><p>�Das alles hat Sie nicht aufgehalten?�</p><p>�Platons Bericht ist zwar unwahrscheinlich, und Teile davon sind auch ganz offenbar fiktiv. Aber dadurch ist nicht automatisch die gesamte Geschichte nichtig. Es gibt bisher keine Beweise f�r oder gegen eine solche Kultur. Daher lohnt es sich in meinen Augen, sich damit zu besch�ftigen. Ich spekuliere ungern, wie ich eingangs sagte, aber ich verwerfe auch nicht gern jeden Gedanken, blo�, weil es keine einfache L�sung zu geben scheint. Ich ziehe es vor, alles im Bereich des M�glichen zu sehen, bis es gesicherte Fakten gibt.�</p><p>�F�r eine blo�e<emphasis> M�glichkeit</emphasis> scheint mir dieses Unternehmen aber reichlich aufwendig. Und teuer.�</p><p>�In der Tat. Aber in den letzten Jahren haben sich so viele Puzzleteile f�r mich zusammengef�gt, dass es mir gerechtfertigt erscheint.�</p><p>�Dennoch sind es Indizien, keine Fakten... habe ich nicht recht?�</p><p>�Sie scheinen mir reichlich neugierig. Wird das ein Kreuzverh�r, das Sie f�r Ihre Dokumentation verwenden m�chten?�</p><p>Kathleen lachte. �Nein! Nein, keine Sorge. Ich m�chte nur verstehen, wie Sie denken, was Sie glauben... Glauben Sie wirklich, dass es eine Kultur gegeben haben k�nnte, die so alt ist? Die andere Kulturen befruchtet hat?�</p><p>�Ich glaube nicht, dass es so war, aber ich kann mir vorstellen, dass es so gewesen sein mag.�</p><p>�Das gef�llt mir an Ihnen! Dass Sie Dinge nicht kategorisch ablehnen... Es l�sst Raum f�r viele M�glichkeiten, viele Antworten. Vielleicht sogar solche, die Ihnen jetzt noch v�llig undenkbar scheinen.�</p><p>Peter sah die Frau einen Moment lang pr�fend an. �Haben Sie da etwas Bestimmtes im Sinn?�</p><p>�Haben Sie schon einmal dar�ber nachgedacht, ob Sie nicht auf der Spur eines regelrechten Sch�pfers sind? Dass nicht nur unsere Kultur, sondern auch das Leben selbst geschaffen worden ist?�</p><p>�Kathleen, wir reden hier �ber Zeitr�ume von einigen zehntausend Jahren. Nicht �ber Jahrmillionen oder den Urknall.�</p><p>�Wissen Sie denn, was Sie am Ende Ihrer Suche erwartet?�</p><p>Peter kniff die Augen zusammen. �Ich habe nicht vor, mich auf dieses hochspekulative Gebiet vorzuwagen.�</p><p>Kathleen winkte ab. �Sicher. Es war auch nur eine Frage.� Sie stand auf. �Wie auch immer, ich werde mich also um die n�chste Pressemeldung k�mmern.�</p><empty-line/><p>Sie trafen sich im Labor. John sa� bereits vor dem Rechner und rief die Daten auf, die<emphasis> Sentry</emphasis> in der Nacht gesammelt hatte. Beim fl�chtigen Durchgehen auf niedrigster Zoomstufe war bereits zu erkennen, dass der Scan dieses Mal ohne St�rungen abgelaufen war, die Sonde funktionierte einwandfrei.</p><p>Der Kapit�n vergr��erte den Bereich in der N�he der schwarzen Bl�cke. Nun war zu erkennen, dass es sich um ein Tr�mmerfeld ungeheuren Ausma�es handelte, das sich offenbar auch noch �ber den kartografierten Bereich hinaus erstreckte. Besonders interessierte sie jene Stelle, die unter dem Kameraauge von<emphasis> Jason</emphasis> nur als schwarze Fl�che erschienen war. John bewegte den Bildausschnitt dorthin.</p><p>�Genau wie ich vermutete hatte�, sagte Patrick. Die Sensoren von<emphasis> Sentry</emphasis> ma�en hier ein Profil, so spiegelglatt wie ein Fu�boden aus poliertem Marmor. �Das kann unm�glich nat�rlichen Ursprungs sein. Sehen Sie die Zahlen? Nicht ein Zentimeter Abweichung im gesamten Bereich. Ich sage Ihnen: Das ist kein fester Boden. Das ist nur eine Trennschicht. Eine Fl�ssigkeit anderer Dichte, eine Strahlung oder was auch immer. Perfekt horizontal und vollkommen eben.�</p><p>�Es gibt nat�rliche Trennschichten in der Tiefsee�, erkl�rte John. �Wasser mit h�herem Salzgehalt, h�herer Dichte, anderer Temperatur. Wir haben schon Effekte beobachtet, die wie Pf�tzen, Fl�sse oder ganze Seen aussahen, die auf dem Meeresboden liegen. Aber erstens bewegen sie sich, und zweitens sind sie nicht schwarz!�</p><p>�Ja�, stimmte Patrick zu, �und deswegen ist das hier k�nstlich erzeugt.�</p><p>�Ich bitte Sie!�, sagte John. �Wer oder was sollte in dieser Tiefe etwas erzeugen? Es gibt weltweit nur eine Handvoll russische und japanische Boote, die �berhaupt in diese Tiefe vordringen k�nnen.�</p><p>�Wie Patrick schon erw�hnte�, warf Peter nun ein, �kennen wir �hnliche Ph�nomene aus unseren letzten Projekten. Bisher haben wir noch keine wissenschaftliche Erkl�rung daf�r, aber Tatsache ist, dass wir schon andere Energiefelder mit mysteri�sen Eigenschaften gefunden haben, die allem Anschein nach deutlich �lter waren als alle uns bisher bekannten Kulturen. Diese Fl�che hier passt in das bisherige Bild. Ich stimme Patrick zu: Allem Widersinn zum Trotz handelt es sich mit gro�er Wahrscheinlichkeit um eine k�nstliche Barriere, die etwas tiefer Liegendes verbirgt.�</p><p>John sch�ttelte seufzend den Kopf. �Und was wollen Sie damit sagen?�</p><p>�Wir m�ssen hinunter�, antwortete Patrick. �Mit<emphasis> Jason.</emphasis> Wir m�ssen versuchen, die Schicht zu durchqueren, und feststellen, was darunter liegt. Es ist die einzige M�glichkeit.�</p><p>�Ich kann mein Equipment nicht riskieren. Sie haben keine Vorstellung davon, wie teuer die Entwicklung von<emphasis> Jason </emphasis>war.�</p><p>�Es wird schon nichts passieren�, sagte Patrick. �Wenn Sie m�chten, dass wir Garantien unterzeichnen, gerne. Aber wir haben nicht endlos viel Zeit. Nun sind wir schon hier, haben erste Artefakte gefunden, also m�ssen wir auch weitermachen, oder wir k�nnen das ganze Projekt abblasen.�</p><p>Peter stand auf und legte dem Kapit�n in ungewohnt eindringlicher Weise eine Hand auf die Schulter. �Er hat recht, John. Wir stehen vor einer bahnbrechenden Entdeckung. Mit der wissenschaftlichen Analyse dessen, was auf uns wartet, werden wir so viel Aufsehen erregen, dass Sie vermutlich zehn neue Roboter gesponsert bekommen k�nnten.�</p><p>John atmete tief ein. Dann nickte er. �Gut. Schicken wir<emphasis> Jason</emphasis> runter.�</p><empty-line/><p>�Ihnen ist klar, dass die Schwelle m�glicherweise problematisch wird�, sagte Peter zu dem Franzosen, als sie kurz darauf alleine waren. �Wenn ich Sie an die H�hle im Languedoc erinnern darf...�</p><p>�Ich wei߫, sagte Patrick. �Aber wir wissen ja nicht, ob sich diese Schwelle hier ebenso verh�lt.�</p><p>�In Frankreich war die Schw�rze undurchdringlich f�r Strahlen. Und Elektrizit�t!�</p><p>�Ja, aber dort war es anders. Dort wurde alles verschluckt.</p><p>Hier aber reflektiert die schwarze Schicht immerhin das Sonar. Sie ist also andersgeartet.�</p><p>�In der H�hle mussten wir unsere Sonde am Kabel zur�ckziehen, weil sie hinter der Schwelle jeden Kontakt verlor�, erinnerte Peter. �Stellen Sie sich vor, was mit<emphasis> Jason</emphasis> passieren k�nnte, wenn er hier in �hnlicher Weise unkontrollierbar wird!�</p><p>�Ja doch�, gab Patrick mit zusammengebissenen Z�hnen zur�ck. �Aber es ist ein Risiko, das wir eingehen m�ssen.�</p><p>�Wir sollten John davon informieren.�</p><p>�Eine wunderbare Idee. Es g�be keinen schnelleren Weg, alles abzubrechen.�</p><p>Peter antwortete nicht.</p><empty-line/><p>Die Meldung, dass<emphasis> Jason</emphasis> den Boden des Ozeans erreicht hatte, kam, w�hrend sie beim Mittagessen sa�en.</p><p>Patrick, ganz entgegen seiner �blichen Leidenschaft f�r ausgedehnte Mahlzeiten, sprang geradezu von seinem Stuhl auf. �Los geht's, Kollegen!�</p><p>Wenige Minuten sp�ter trafen sie im Kontrollraum des ferngesteuerten Roboters zusammen. Dick sa� bereits vor der Steuerkonsole.</p><p>�Sind alle Ger�te online, schneiden wir alles mit?�, fragte Patrick.</p><p>�Es ist alles vorbereitet�, gab der Pilot zur�ck.</p><p>Patrick warf einen Blick auf den Monitor, der mit den nun vollst�ndigen Daten des Bodenprofilscans gef�ttert war.<emphasis> Jason </emphasis>befand sich nur knapp zehn Meter von der schwarzen Fl�che entfernt. Sie setzten sich. Auch Kathleen, die ihre Ausr�stung dieses Mal nicht dabeihatte, nahm sich einen Stuhl, und dann gab Patrick Anweisungen, den Roboter in Bewegung zu setzen.</p><p>Der Boden glitt sanft unter ihnen hinweg. Schnell hatten sie den Sandboden �berquert und stie�en an die Grenze, wo sich die nachtschwarze Schicht ausbreitete. Dick hielt den Roboter an und sah Peter und Patrick erwartungsvoll an.</p><p>�Wenn unsere Vermutungen zutreffen�, sagte Patrick, �dann ist diese schwarze Schicht substanzlos, erzeugt durch eine Art unbekannter Strahlen. Darunter befindet sich einfach nur weiteres Wasser. Der Boden macht mir allerdings an dieser Stelle nicht den Eindruck, als w�rde er hier pl�tzlich steil abfallen. Ich w�rde also vorschlagen, dass wir<emphasis> Jason</emphasis> noch ein gutes St�ck weiter nach vorn schicken, f�nfzig oder hundert Meter, vielleicht mehr. Und dort senken wir ihn langsam ab.�</p><p>�Absenken?!�, fragte Dick. �In das schwarze Zeug?�</p><p>�Es ist kein<emphasis> Zeug</emphasis>�, korrigierte Patrick. �Es ist einfach nur Wasser. Vertrauen Sie mir.�</p><p>Dick sah unentschlossen zum Kapit�n, der ihm schweigend zunickte.</p><p>Dick drehte sich wieder seinen Anzeigen zu und bediente die Steuerkn�ppel.<emphasis> Jason</emphasis> fuhr weiter, und einen Augenblick sp�ter umgab sie die Dunkelheit, als das Kameraauge des Roboters keine Daten mehr empfing. Lediglich die Messwerte der Position und der H�he erm�glichten ihnen eine Orientierung. Es ging nur langsam voran, da Dick nicht wagte, mit vollem Schub zu fahren. Der minutenlange Blindflug war nur schwer ertr�glich und machte ihnen ihre vollkommene Hilflosigkeit deutlich. Nur Dick war in der Lage, den Roboter auf einem geraden Kurs zu navigieren, ohne sich von der fehlenden Optik irritieren zu lassen.</p><p>Endlich sagte er: �Wir sind da, hundert Meter von der Schwelle entfernt. Ist das weit genug?�</p><p>Patrick zuckte mit den Schultern. �Ehrlich gesagt wissen wir es nicht. Diese Stelle k�nnte genauso gut oder schlecht sein wie jede andere.�</p><p>�Spekulation hilft uns hier nicht weiter�, sagte Peter entschlossen. �Wir k�nnen es nur ausprobieren.�</p><p>�Senken Sie ihn ab�, wies John den Piloten an.</p><p>Dick bediente die Ger�te mit den Fingerspitzen.</p><p>Da auf dem Monitor nur Dunkelheit zu sehen war, richteten sich alle Augen auf die Datenanzeige. Temperatur 4,2�C, Tiefe 3512,4 Meter, Entfernung zum Boden 1,7 Meter.</p><p>Qu�lend langsam verringerte sich die letzte Zahl.</p><p>�Ich neige die Scheinwerfer und die Kamera so gut es geht nach unten�, erkl�rte Dick. Eine Ver�nderung am Bild war nicht zu erkennen. Nur die gemessene Tiefe, die langsam zunahm.</p><p>�F�nfzig Zentimeter �ber dem Boden�, sagte er. �Noch wenige Handbreit, dann setzen wir auf.�</p><p>�Wir setzen nicht auf�, sagte Patrick. �Machen Sie weiter.�</p><p>�Tun Sie, was er sagt�, best�tigte John.</p><p>Die Anzeige ver�nderte sich weiter.</p><p>Vierzig Zentimeter �ber dem Boden, dann f�nfunddrei�ig.</p><p>�Jetzt m�ssten wir den Grund ber�hren...�, sagte der Pilot halblaut. Doch noch immer bediente er<emphasis> Jasons</emphasis> Fernsteuerung.</p><p>Drei�ig Zentimeter. F�nfundzwanzig. Zwanzig.</p><p>�Ich verstehe das nicht... wir scheinen einzusinken.<emphasis> Jasons </emphasis>Kufen m�ssten l�ngst aufsitzen.�</p><p>F�nfzehn.</p><p>Zehn.</p><p>F�nf.</p><p><emphasis>Jasons</emphasis> Kamera zeigte weiterhin Schw�rze.</p><p>Dann erreichte die Tiefenanzeige ihren Maximalwert. Eine Tiefe von 3514,1 Metern. Die H�he �ber dem Boden zeigte 0,0 Meter.</p><p>�Wir sind da�, sagte Dick. Seine Stimme war nur ein Hauch in der atemlosen Stille des Kontrollraums.</p><p>�Noch lange nicht...�, sagte Patrick. �Gehen Sie tiefer.�</p><p>�Wir sind auf dem Boden! Es gibt kein Tiefer.�</p><p>�Glauben Sie mir.�</p><p>John legte seine Hand auf die Schulter der Piloten. �Versuchen Sie's.�</p><p>Widerwillig bediente Dick erneut die Regler.<emphasis> Jason</emphasis> setzte sich in Bewegung. Die Messwerte �nderten sich.</p><p>�Was zum Henker...!�</p><p>Die Ger�te meldeten nur noch eine Tiefe von 0,0 Metern. Der Wert f�r die H�he �ber dem Boden war verschwunden, stattdessen stand dort<emphasis> E 99999.9</emphasis>.</p><p>Dicks Finger huschten �ber die Tastatur und riefen eine Kommandozeile auf dem Monitor hervor, in die er einige hektische Befehle eintippte, woraufhin eine Liste unverst�ndlicher Begriffe und Werte �ber den Bildschirm raste.</p><p>�Es muss eine Fehlfunktion sein!�, rief der Pilot. �Der Tiefenmesser und das Sonar sind ausgefallen... Wir bekommen keine Werte mehr!� Seine H�nde zuckten zwischen Tasten, Kn�pfen und Reglern hin und her. �Ich habe<emphasis> Jason</emphasis> gestoppt... Merkw�rdig, das Selbstdiagnose-System meldet keine Probleme ...�</p><p>�Weil es keine gibt�, sagte Patrick mit ruhiger Stimme. �Wir bekommen keine Daten, weil die schwarze Schicht alles verschluckt. Das ist v�llig normal.�</p><p>�Normal?!�</p><p>�Sagen wir: Ich hatte es erwartet.� Patrick grinste. �Wir m�ssen noch etwas tiefer. Die Schicht durchdringen.�</p><p>John nickte.</p><p>Dick griff kopfsch�ttelnd zum Steuerkn�ppel. Es war ihm anzumerken, wie unwohl er sich dabei f�hlte.</p><p>�Okay..,�, erkl�rte er z�gernd, �er hat jetzt wieder Abtrieb und sinkt. Und die Heckpropeller laufen, er hat also ein bisschen Schub nach vorn. Jedenfalls<emphasis> sollte</emphasis> er das haben...� Er deutete auf die unver�nderte Anzeige auf dem Monitor. �An den Werten hier kann ich es allerdings nicht ablesen.�</p><p>�Warten Sie einen Moment...�, sagte Patrick.</p><p>Und pl�tzlich flammte der schwarze Bildschirm regelrecht auf. Was sie sahen, widersprach jeder Erwartung.</p><p>Der Tiefenmesser z�hlte langsam von null aufw�rts, ganz so, als h�tte der Roboter gerade erst die Wasseroberfl�che durchbrochen. Die Entfernung zum Boden gaben die Ger�te mit 57,2. Metern an. Das Erstaunlichste jedoch war, was die Kamera einfing. Statt der bisherigen absoluten Dunkelheit er�ffnete sich unter ihnen das Panorama einer Unterwasserwelt, wie man sie beim Schnorcheln h�tte sehen k�nnen. Lebewesen gab es keine, aber zerkl�ftete Felsformationen, die in ein dahingleitendes, violett-blaues Licht getaucht waren und sich in der Tiefe verloren.</p><p>�Anhalten!�, rief Patrick. �Halten Sie<emphasis> Jason</emphasis> an.�</p><p>Dick folgte den Anweisungen, und der Roboter verharrte.</p><p>�Es klappt�, bemerkte Peter mit einem Fl�stern, das nur Patrick verstand. Der Franzose nickte ihm erleichtert zu. Die Gefahr, dass die Schwelle die Kommunikation mit dem Ger�t unterbrechen w�rde, war gebannt.</p><p>�Gut...�, sagte Patrick. �Nun richten Sie ihn so, dass wir nach oben sehen k�nnen, zur schwarzen Decke, durch die wir gerade gekommen sind.�</p><p>Langsam neigten sich der Roboter und dessen Kamera.</p><p>Doch statt einer schwarzen Fl�che kam eine leuchtende Ebene �ber ihnen ins Bild, die sich wie ein unwirklicher Himmel durch das Wasser zog.</p><p>�Die Trennschicht!�, sagte Patrick. �Sehen Sie sich das an, Peter. Sie wirkt nach beiden Seiten unterschiedlich!�</p><p>��u�erst faszinierend�, gab der Professor halblaut zur�ck.</p><p>�So etwas habe ich noch nie gesehen!�, sagte John und r�ckte ein St�ck nach vorn. �Was<emphasis> ist</emphasis> das?�</p><p>�Das kann alles �berhaupt nicht sein!�, sagte Dick. �Die Tiefe wird �ber den Au�endruck gemessen. Wenn die Daten stimmen, dann herrscht hier pl�tzlich nur noch ein Druck wie kurz unter der Wasseroberfl�che. Wie soll das funktionieren?!�</p><p>�Vielleicht ist es ein gigantisches Kraftfeld�, sagte Patrick.</p><p>�Ein Kraftfeld?!�</p><p>�Wir wissen nicht, wie dieser Effekt erzeugt wird�, sagte Peter. �Aber die Kultur, die wir suchen, verf�gte offenbar �ber eine Technologie, die uns bisher unbekannt ist.�</p><p>�Das ist unglaublich...�, murmelte Kathleen.</p><p>�K�nnen Sie<emphasis> Jason</emphasis> wieder nach unten richten?�, fragte Patrick. �Ich will sehen, was da unten ist!�</p><p>Langsam wanderte das Auge der Kamera nach unten.<emphasis> Jason </emphasis>sank hinab und drehte sich dabei langsam um die eigene Achse. Die surreale Landschaft aus Felsnadeln, Terrassen und Abh�ngen breitete sich nach allen Seiten hin aus. An einigen Stellen ragten die Felsen fast bis zur Trennschicht auf, an anderen lag der Boden in unergr�ndlicher Tiefe.</p><p>�Da haben wir uns eine passende L�cke zum Abtauchen ausgesucht�, sagte Patrick.</p><p>�Das Gebiet ist sehr un�bersichtlich�, meinte Peter. �Als w�re man mitten im Gebirge.�</p><p>�Ja�, sagte Patrick. �Eigentlich m�ssten wir erst mal<emphasis> Sentry </emphasis>hier runterschicken, um es zu kartografieren. Sonst haben wir keine Chance, hier etwas zu finden.�</p><p>�Trotzdem sollten wir noch einmal tiefer gehen�, sagte Peter.</p><p>�Was denn, um Steine anzugucken?�</p><p>�Selbst wenn es nur das w�re, ja!�, sagte der Professor. �Sind Sie nicht genauso aufgeregt wie ich? Wir sind vermutlich die ersten Menschen seit Zehntausenden von Jahren, die das hier sehen, vielleicht die ersten Menschen �berhaupt! Es ist eine Expedition in eine fremde Welt, und wir sind mit einer Kamera dabei. Das m�ssen wir doch ausnutzen!�</p><p>�Das sehe ich auch so�, warf Kathleen ein. �Wir sollten uns noch ein wenig umsehen, solange wir k�nnen.�</p><p>�Ich verstehe Ihren Wunsch�, sagte der Kapit�n. �Aber in diesem Gebiet k�nnen wir nur sehr behutsam navigieren. Und vor allen Dingen k�nnen wir nicht sehr tief gehen. Das Risiko, dass die Kabel an den Felsen h�ngen bleiben, ist zu gro�, wenn wir die Umgebung nicht genau kennen.�</p><p>�Dick passt schon auf�, sagte Patrick. �Richtig?�</p><p>�Ich werde mein Bestes geben�, gab der Pilot zur�ck.</p><p><emphasis>Jason</emphasis> senkte sich weiter ab. Nach zehn Metern erreichte er einen Felsen, auf den er seine Scheinwerfer richtete und an dessen Wand er sich mit einigem Abstand weiter nach unten bewegte.</p><p>�Keine Ablagerungen�, bemerkte Patrick.</p><p>�Es sieht ganz anders aus als jeder Meeresboden, den ich bisher zu Gesicht bekommen habe�, stimmte John zu.</p><p>�Keine Algen oder Korallen, nicht einmal Kalkspuren, Krebse oder Kleinlebewesen...�, z�hlte Patrick auf. �Das sieht ziemlich ausgestorben aus. Eine echte Mondlandschaft, wenn Sie mich fragen.�</p><p>�Vielleicht hat es mit der Schwelle zu tun�, �berlegte Peter. �Viele Lebewesen, die in dreieinhalbtausend Metern Tiefe leben, gibt es bestimmt nicht. Und wenn, dann sind sie sicher dem Druck angepasst. Es ist ja fraglich, was passiert, wenn sie pl�tzlich die Schwelle �berschreiten, wo offenbar gar kein Au�endruck mehr herrscht, wie Dick eben erkl�rte. Vermutlich w�rden sie doch auf der Stelle zerplatzen, oder?�</p><p>�Da haben Sie recht�, stimmte Patrick zu. �Das betrifft aber in erster Linie Luftkammern oder sich ausdehnende Gase in den K�rpern. Und das muss nicht auf alle Tiere zutreffen, schon gar nicht auf Bakterien oder Algen. Schwelle oder nicht, es k�nnte sich hier unten ein eigenst�ndiges Biotop entwickelt haben. M�sste es sogar eigentlich. Aber das Wasser ist so glasklar ...�</p><p><emphasis>Jason</emphasis> sank weiter, die Scheinwerfer auf die Felswand gerichtet.</p><p>�Wenn man es genau betrachtet�, �berlegte der Franzose, �sieht das nicht nach magmatischem Gestein aus, das irgendwann aus dem Meeresboden nach oben gedr�ckt wurde. Es wirkt eher wie ein ganz normaler Felsen an Land. Sehen Sie: Es gibt keine horizontalen Erosionsspuren, wie sie eine Str�mung erzeugen w�rde, sondern senkrechte Streifen, wie man sie im Gebirge findet. Das Ganze sieht aus wie eine Gebirgsspitze!�</p><p>Noch immer senkte sich<emphasis> Jason</emphasis> in die Tiefe. Die Anzeige gab eine H�he von drei�ig Metern �ber dem Boden an. Der Anblick der Felswand �nderte sich jedoch nicht. Nachdem Patrick den Vergleich mit einem Gebirge ausgesprochen hatte, fiel es Peter zunehmend schwer, sich von diesem Gedanken zu l�sen. Anders als beim bisherigen Tauchgang in die Tiefe war das Bild auf dem Monitor absolut klar, keine Schwebeteilchen tanzten durch das Licht der Scheinwerfer, die Sicht war vollkommen ungetr�bt, und die an ihnen vorbeiziehende Gesteinswand sah nicht anders aus, als das, was ein Bergsteiger sieht, der sich abseilt. Die Gewissheit, Tausende von Metern tief unter Wasser zu sein, wich dem irritierenden Gef�hl zu fliegen.</p><p>�Noch zehn Meter�, sagte Dick. �Ich neige<emphasis> Jason,</emphasis> sodass die Kamera nach unten gerichtet ist und wir sehen k�nnen, wo es hingeht.�</p><p>Das Bild auf dem Monitor schien zu kippen, und kurz darauf war der Boden zu sehen. Das Licht, das von der Trennschicht nach unten schien, war noch immer so hell, dass Details im Zwielicht zu erkennen waren.</p><p>�Verdammt!� Patrick zuckte auf seinem Stuhl zusammen. �Was zum Teufel ist das?!�</p><p>Von unten leuchtete ihnen etwas entgegen, das sich aus der H�he noch nicht erkennen lie�.</p><p>�Da liegt etwas�, meinte John.</p><p>�Gehen Sie tiefer, Dick!�</p><p>Der felsige Boden kam langsam n�her, das Leuchten nahm zu.<emphasis> Jason</emphasis> befand sich nur noch acht Meter dar�ber.</p><p>�Da leuchtet nichts...�, sagte Patrick. �Es ist eine Reflektion der Scheinwerfer.�</p><p>�Die Tiefenanzeige alterniert�, sagte Dick pl�tzlich.</p><p>�Wie meinen Sie das?�, fragte Peter.</p><p>Dick wies mit einer Hand auf den Tiefenwert auf dem Monitor, w�hrend er mit der anderen Hand weiterhin den Steuerkn�ppel bediente. �Sehen Sie? Acht Meter bis zum Grund. Und wenn<emphasis> Jason</emphasis> sich nur ein winziges St�ck zur Seite bewegt: nur noch zwei Meter. Und hier wieder: acht. Das bedeutet, dass da irgendetwas D�nnes vom Boden aus etwa sechs Meter nach oben ragt.�</p><p>�Und zwar etwas Spiegelndes...�, vermutete Patrick und rutschte auf seinem Stuhl noch weiter nach vorn. �Steuern Sie vorsichtig in den tieferen, sicheren Bereich, sodass Sie genug Spielraum haben, und lassen Sie uns bis nach ganz unten gehen, damit wir sehen k�nnen, was es ist!�</p><p>Der Roboter schwenkte ein St�ck zur Seite und tauchte weiter behutsam ab. Und tats�chlich geriet nach zwei Metern ein Objekt in den Bereich der Kamera. Langsam schob es sich von unten nach oben durch das Bild, w�hrend<emphasis> Jason</emphasis> daran vorbeiglitt.</p><p>�Sehen Sie sich das an!�, rief Patrick.</p><p>Vor ihren Augen ragte eine d�nne Konstruktion aus poliertem Metall vom Meeresboden auf. Es war ein kompliziert verwobenes Gest�nge, nicht breiter als f�nfzehn oder zwanzig Zentimeter, mit zahlreichen seitlichen Ausw�chsen, Vorspr�ngen und Kanten. Die Form mutete an wie eine wild gewucherte Kristallstruktur. Aber feine Rillen, die in geschwungenen Bahnen die Oberfl�che durchzogen, machten deutlich, dass es sich um eine k�nstliche, eine technische Apparatur handelte. Und was schlie�lich im tiefer liegenden Teil des Objekts jeden Zweifel ausr�umte, waren die darauf befindlichen Schriftzeichen.</p><p>�Schriftzeichen, Peter! Dieselben wie auf den schwarzen Bl�cken!�</p><p>�Ich sehe es...� Der Professor konnte die Erregung in seiner Stimme kaum unterdr�cken.</p><p>�Vielleicht ist es etwas, das aus einem Schiff gefallen ist�, �berlegte John vorsichtig, selbst unf�hig, den Blick vom Bildschirm zu l�sen. �Und dann ist es kopf�ber hier unten stecken geblieben.�</p><p>�Nur noch ein halber Meter �ber Grund�, informierte Dick. �Ich neige die Kamera.�</p><p>�Also, zuf�llig im Boden stecken geblieben ist das nicht, John�, sagte Patrick. Im Licht der Scheinwerfer war zu erkennen, dass die Konstruktion zum Fu� hin breiter wurde und mit einer Bodenplatte im Untergrund verankert war. �Das Ding hat man hier ganz bewusst installiert.�</p><p>�Aber wer w�rde in dieser Tiefe etwas befestigen?�, fragte Kathleen.</p><p>�Die Frage ist viel eher�, meinte Dick, �wie man in dieser Tiefe �berhaupt etwas befestigen<emphasis> kann!</emphasis>�</p><p>�Wenn dies Teile des Kontinents sind�, �berlegte Peter, �der auf irgendeine Weise im Meer versunken ist, und dieses Objekt schon so alt ist, wie es demnach sein m�sste, denn befand es sich nicht immer unter Wasser. Im Gegenteil, es stand auf einem erh�hten Punkt, m�glicherweise im Gebirge, und wir sehen von dem Gebiet hier nur die Teile, die urspr�nglich die Gipfel waren.�</p><p>�Soll ich versuchen, eine Materialprobe zu entnehmen?�, fragte der Pilot.</p><p>�Nein!�, rief Patrick, und etwas leiser: �Auf keinen Fall. Wir wissen nicht, was das ist. Wir k�nnen nicht ahnen, was passiert, wenn wir es ber�hren.�</p><p>�Was sollte denn passieren?�, fragte John. �Es ist blo� ein Gest�nge. Noch dazu wer wei� wie alt. Ein Wunder, dass es nicht verrottet ist. Haben Sie Angst, dass es zerbr�selt?�</p><p>�Keineswegs�, entgegnete Patrick. �Aber meinen Sie, die Trennschicht und dieses Kraftfeld, oder was immer es ist, in dem wir uns befinden, sind nat�rliche Ph�nomene? Peter und ich sind schon in anderen L�ndern auf Reste dieser Technologie gesto�en. Und wie alt auch immer sie ist: Sie funktioniert noch. Das Ding hier k�nnte ein Transmitter sein, ein Sendemast, eine Energiequelle, was auch immer. Es k�nnte �hnlich ungesund sein, daran rumzufummeln, wie in einem Umspannwerk mit einem Bolzenschneider zu hantieren.�</p><p>�Ihre Fantasie m�chte ich haben�, meinte John.</p><p>�Jetzt klingen Sie wie Peter.�</p><p>�Er hat recht, John�, mischte sich der Professor ein. �Diese Technik �bersteigt unser Wissen bei Weitem. Wir sollten uns davon so fern wie m�glich halten, bis wir wissen, womit wir es zu tun haben.�</p><p>�Und wie wollen Sie das herausfinden?�</p><p>�Wir m�ssen m�glichst jeden Zentimeter dieses Objekts filmen. Vielleicht geben uns die Schriftzeichen oder andere Details Hinweise auf die Funktion.�</p><p>�Gut�, John nickte. �Dann schlage ich vor, dass Dick das Objekt vollst�ndig umrundet und aufnimmt. Dann sollten wir <emphasis>Jason</emphasis> hochholen. Das Gel�nde ist zu unwegsam, um sich auf gut Gl�ck zu bewegen. Bevor wir auf weitere Felsen oder Artefakte sto�en, sollten wir dieses Gebiet erst mit<emphasis> Sentry</emphasis> scannen.�</p><empty-line/><p><emphasis>AUTEC U.S.-Navy-Recherche-Zentrum, Andros Island, Bahamas</emphasis></p><empty-line/><p>Walters sah von den Unterlagen auf. Nun hatte er tats�chlich ein Bild von dem Geschichtsprofessor, der da drau�en seine Forschungen betrieb. Die Daten, die seine Mitarbeiter schon vor Tagen zusammengetragen hatten und die er bisher nicht beachtet hatte, lie�en ahnen, um was es ging: Peter Lavell untersuchte die Kulturgeschichte. Er war auf einem Weg r�ckw�rts durch die Zeitalter und suchte einen intellektuellen Urknall, suchte einen Ursprung von Wissen und Weisheit. Er wollte verstehen, wie sich Religionen, �berlieferungen und letztlich Kulturen entwickelt hatten und was sie befruchtet hatte. Gemeinsam mit einem Ingenieur versuchte er, eine dort versunkene Hochkultur zu finden. Eine, die nicht nur die Geschichtsschreibung, sondern m�glicherweise auch das technologische Wissen revolutionieren w�rde. Dort, mitten im Bermuda-Dreieck, jenem Gebiet, aus dem von jeher mysteri�se Ph�nomene berichtet wurden, suchte der Professor nach einer Art Quelle des Wissens, vielleicht sogar einer arkanen Technologie. Und die NSA, die das Gebiet wie einen Augapfel h�tete und �berwachte, wollte diese Suche verhindern.</p><p>Vielleicht waren dort keine arch�ologischen Sch�tze verborgen. Vielleicht lagen dort Geheimnisse der Regierung unter Verschluss. Milit�rische Ger�tschaften oder Spionageeinrichtungen. War es das, was die Europ�er � und der Kubaner � auf keinen Fall finden sollten? Dann war es im Sinn der USA, ja sein ureigenster Job, wenn er, Lieutenant Commander Walters, diese Dinge besch�tzte. Aber dienten sie dem Schutz? Oder der Vernichtung? Wie das Niederfrequenzsonar mochten sie eine Schattenseite haben. Wer sagte, dass die zahlreichen Schiffsungl�cke und Flugzeugabst�rze im Bermuda-Dreieck nicht Folge einer geheim gehaltenen Technologie der Regierung waren?</p><p>Und wenn es doch etwas ganz anderes war? Ein R�tsel der Menschheit, etwas Uraltes, dessen Existenz der NSA zwar bekannt, was aber noch nicht erforscht war? Durfte man es dann f�r sich allein beanspruchen? Waren Geheimnisse besser in den H�nden von Regierungen aufgehoben, oder sollten sie eher von unabh�ngigen Wissenschaftlern untersucht werden?</p><p>Wie gef�hrlich konnte Wissen sein, das in falsche H�nde geriet? Und wessen waren die falschen H�nde?</p><p>Walters dachte �ber sein Gespr�ch mit Gabriel am Morgen nach. Hatte es ihm weitergeholfen? Sicher, es hatte dazu gef�hrt, dass er sich mit den Details des Projekts auseinandersetzte. Aber statt nun wirklich schlauer zu sein, f�hlte er sich nur noch st�rker verunsichert. Was hatte Gabriel bewirken wollen? Wollte er verhindern, dass sich Walters' zunehmend antiautorit�re Marotten auswuchsen und er den Anweisungen vielleicht widersprach, wenn es in Wahrheit wichtig war, ihre Dringlichkeit zu verstehen? Stellte Gabriel ihn auf einen Probe, und wollte er sein Pflichtbewusstsein �berwachen? Oder einfach nur sichergehen, dass er tat, was man ihm auftrug? Oder war es andersherum, und Gabriel wollte ihn dazu bringen, sich den Anweisungen der NSA zu widersetzen?</p><p>Gabriel hatte ihm geraten, sich ausf�hrlich zu informieren und seine Entscheidung selbst zu f�llen. Aber die M�glichkeiten waren zu vielf�ltig, er konnte in dieser kurzen Zeit unm�glich ausreichend Hintergrundwissen sammeln, um eine richtige Entscheidung treffen zu k�nnen.</p><p>Walters legte die Mappen beiseite und wandte sich seinem Computer zu. Mit seinem Passwort hob er die Sperre auf, die sein Bildschirmschoner in der Zwischenzeit ausgel�st hatte, und �ffnete sein E-Mail-Programm.</p><p>Dann lehnte er sich zur�ck.</p><p>Die Gentlemen in Fort Meade erwarteten, dass er die Projekte abbrach, dass er ihnen eine Erfolgsmeldung pr�sentierte.</p><p>Nach einer Weile sch�ttelte er den Kopf und besann sich anders. Er f�gte die �berwachungsdaten, die seine Leute ihm geliefert hatten, zu einer E-Mail zusammen und sendete sie, ebenso wie am Tag zuvor, an seinen Kontaktmann beim CSS. Den Befehl der NSA, den er gestern als Antwort bekommen hatte, ignorierte er. Er wusste, dass er damit nicht durchkommen w�rde. Aber so gewann er Zeit. Insbesondere, wenn er nach dem Absenden einfach den Rechner ausschaltete und den Arbeitstag f�r heute beendete.</p><empty-line/><p><emphasis>An Bord der </emphasis>Argo</p><empty-line/><p>�Es ist eine absolut bizarre Konstruktion�, sagte Patrick. �Nichts daran gleicht der �blichen Technologie. Keine Dr�hte, Nieten oder Schrauben. Es gibt einem keinen Hinweis darauf, was es ist oder wie es funktioniert...�</p><p>Der Franzose sa� in seiner Kabine am Rechner, auf den er sich die Filmdaten des Tauchgangs von<emphasis> Jason</emphasis> hatte �berspielen lassen. Gemeinsam mit Peter begutachtete er das Material. Sie gingen den Film fast Bild f�r Bild durch, immer auf der Suche nach einer noch besseren Einstellung, nach noch sch�rferen Details.</p><p>�Da kommen die Schriftzeichen�, warf Peter ein. �Halten Sie dieses Bild an.� Der Professor griff nach den Ausdrucken, auf denen die goldenen Platten zu sehen waren, und verglich die Symbole mit denen auf dem Bildschirm. �Einige wiederholen sich, sehen Sie?�</p><p>�Hmm... Wir sollten diese Bilder auch nach Frankreich schicken, damit Marie noch mehr Material hat.�</p><p>�Ist das die Assistentin Ihres Bekannten?�</p><p>�Ja, genau.�</p><p>�Hat sie denn schon irgendetwas geantwortet?�</p><p>�Also, zaubern kann sie sicher nicht, ich habe ja erst gestern den zweiten Schwung Bilder r�bergeschickt. Au�erdem ist heute Sonntag f�r den Rest der Welt.�</p><p>�Nun gut. K�nnen Sie ihr den Film denn auch �ber das Internet schicken?</p><p>�Prinzipiell schon. Aber die Dateimengen sind enorm. Ich wei� nicht, ob G�rards Account eine Mail mit einem so gro�en Anhang akzeptiert. Ich werde von den entsprechenden Frames Screenshots machen und ihr die als ZIP schicken.�</p><p>�Wenn Sie es sagen.�</p><p>Es klopfte kurz an der T�r der Kabine, dann wurde sie ge�ffnet, und John trat ein.</p><p>�Gentlemen, wir haben ein ernstes Problem! Bitte folgen Sie mir ins Labor.�</p><p>Aufgeschreckt vom dringlichen TonfaLl des Kapit�ns sprangen Peter und Patrick auf und folgten John durch die Korridore. Im Labor angekommen erwartete sie ein junger Mann, mit dem sie bisher noch nichts zu tun gehabt hatten.</p><p>�Das ist David, unser Admin�, erkl�rte John. �Er ist verantwortlich f�r das Computernetzwerk und alle IT-Fragen. David, kannst du noch einmal erkl�ren, was passiert ist?�</p><p>Der Angesprochene war h�chstens Ende zwanzig, hatte seine langen schwarzen Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden und trug ein braunes T-Shirt, auf dem die Worte<emphasis> Ich bin /root, ich darf das!</emphasis> zu lesen waren.</p><p>�Hi�, sagte er und hob kurz die Hand. �Also, das ist so... Als ich vor einer halben Stunden die Daten archivieren wollte, habe ich �berpr�ft, wie viel Platz noch auf der Platte ist und ob ich vielleicht eine andere hochfahren muss. Weil die eine gestern fast voll war. Aber jetzt waren wieder hundert Gig frei. Dann habe ich die Struktur untersucht und festgestellt, dass die Ordner zum Teil leer waren. Au�erdem nudelte das Laufwerk die ganze Zeit, die System-Auslastung war auf achtzig Prozent. Also habe ich die laufenden Prozesse gepr�ft. Da waren ein paar Ressourcenfresser dabei, die ich nicht kannte, die ich nat�rlich abgeschossen habe, die sich aber st�ndig neu instanziiert haben.�</p><p>Peter hob eine Augenbraue und sah seinen Kollegen schulterzuckend an. Aber Patrick hatte die Stirn in Falten gelegt und nickte dem Mann zu.</p><p>�Inzwischen habe ich den Fileserver heruntergefahren�, fuhr David fort, �und alle Datenspeicher abgeklemmt. Ich habe vorhin ein Sandbox-Environment aufgesetzt, in dem ich sie wieder anschlie�en und scannen konnte. Ich habe mich n�mlich �ber die Prozesse informiert.� Er machte eine bedeutungsvolle Pause. �Es sind Viren.�</p><p>�Viren?�, fragte Peter. �So etwas, das man aus dem Internet bekommt?�</p><p>�Ja. Das hei�t, nein. Wir haben einen Web-Proxy, der in einer demilitarisierten Zone steht, genauso wie alle Rechner, die aufs Internet zugreifen k�nnen. Die sind mit den internen Systemen nicht vernetzt.�</p><p>�Und wie sind diese Viren dann in das System gekommen?�</p><p>�Jeder, der Zugang zu den Rechnern hat�, erkl�rte Patrick an den Professor gewandt, �k�nnte so einen Virus draufspielen. Mit einer CD-ROM oder einem Memory-Stick.�</p><p>�Ganz so einfach ist es nicht�, erkl�rte David. �Ohne Admin-Zugang kann man nicht einfach externe Devices mounten oder Datentr�ger auslesen. Das System ist eigentlich sicher.�</p><p>�Ach, eigentlich. Trotzdem hat es ja wohl offenbar geklappt!�</p><p>�Nun�, sagte Peter. �Wenn wir wissen, unter welchen Voraussetzungen so etwas m�glich ist, k�nnen wir ja den Kreis der Schuldigen sicherlich eingrenzen. Wer an Bord hat denn so einen<emphasis> Admin-Zugang?</emphasis>�</p><p>�Nur David hier�, antwortete John.</p><p>�Also...�, der junge Mann z�gerte, �grunds�tzlich stimmt das. Aber vielleicht gibt es noch eine vergessene Nutzergruppe auf irgendeinem Rechner oder eine andere L�cke. Oder jemand hat das Passwort gehackt. Das k�nnte ja auch sein...�</p><p>�Vergessene Nutzergruppen? Ein gehacktes Passwort?�, fragte Patrick in scharfem Tonfall. �Tut mir leid, wenn ich von Ihren Sicherheitsma�nahmen nicht so ganz �berzeugt bin!�</p><p>�Ich meine ja blo�!�, warf David ein und hob entschuldigend die H�nde. �Es ist nicht wahrscheinlich, aber es sind denkbare Szenarien. Ich muss alles checken. Ich werde mir alle Logs vornehmen und pr�fen, wann und wo es Logins im System gegeben hat.�</p><p>�Und was ist mit den Daten?�, fragte Patrick.</p><p>�Die... �h... also, das ist das eigentliche Problem...�</p><p>�Spucken Sie's schon aus!�</p><p>David setzte sich und rieb die H�nde aneinander. �Die Daten sind... weg.�</p><p>�Was sagen Sie da?!�, fragte Peter. �Meinen Sie gel�scht?�</p><p>�Nein... sie sind... sie wurden �berschrieben. Der Virus hat die Daten nicht einfach gel�scht, sondern mit Nullen �berschrieben. So lassen sie sich nicht mehr rekonstruieren. Jedenfalls nicht mit blo�er Software. Dazu ben�tigen Sie Hightechlabors, die kaum wahrnehmbare Spuren der vorherigen magnetischen Ausrichtung aufsp�ren k�nnen.�</p><p>�So eine Schei�e!�, entfuhr es dem Franzosen. Und nach einer Pause: �Was ist mit Backups? Sicher machen Sie regelm��ige Backups, oder?�</p><p>�Ja, vollautomatisch alle sechs Stunden. Aber ich habe sie schon gepr�ft... Nichts.�</p><p>�Was denn,<emphasis> nichts</emphasis>? Sind die etwa auch �berschrieben?�</p><p>�Nein, das nicht. Aber sie lagern auf einer eigenen Festplatte. Und die hat einen Headcrash.�</p><p>�Das gibt's doch nicht!� Patrick st�hnte auf.</p><p>�Was ist denn ein Headcrash?�, fragte Peter.</p><p>�Es bedeutet�, sagte der Franzose, �dass die Festplatte am Arsch ist. So einfach ist es. S�mtliche Daten, die wir gesammelt haben, alle Scans, alle Fotos, alles ist futsch. Und Sie, John, haben ein erstes Problem. Jemand an Bord sabotiert die Mission. Erst werden der Presse unsere Bilder zugespielt, und nun das. Ich schlage vor, dass Sie alles stehen und liegen lassen, bis der Mann gefunden ist, damit ich ihm pers�nlich in die Eier treten kann.�</p></section><section><empty-line/><p><strong>Kapitel 11</strong></p><empty-line/><p><emphasis>AUTEC U.S.-Navy-Recherche-Zentrum, Andros Island, Bahamas</emphasis></p><empty-line/><p>Walters wusste, was ihn erwartete, als er am Montagmorgen die Basis betrat. Auf seinem Schreibtisch lagen zwei Telefonnotizen, und sein E-Mail-Postfach wies ihn mit einigen roten Ausrufezeichen auf dringende Nachrichten hin.</p><p>Er las nichts davon.</p><p>Stattdessen ging er durch die G�nge, gr��te die Leute und blieb l�nger als sonst in den T�ren stehen, um sich ein wenig �ber Belanglosigkeiten zu unterhalten. Das Wetter am Wochenende, die gefangenen Fische und die kommende Saison f�r die Miami Dolphins.</p><p>Um halb neun bestellte er Officer Parker in sein B�ro und ging mit ihm den Plan f�r die Woche durch. Es gab keinen konkreten Anlass. Letztlich dauerte das Gespr�ch nur deswegen zehn Minuten, weil sie sich �ber Parkers Sohn unterhielten, beim dem in einer Schuluntersuchung Legasthenie festgestellt worden war.</p><p>Kurze Zeit sp�ter war Walters wieder allein.</p><p>Als das Telefon klingelte und er auf dem Display sah, dass es seine Sekret�rin war, hob er nicht ab, sondern ging in den Vorraum.</p><p>�Was gibt es denn, Helen?�</p><p>�Sir, es ist jemand aus Fort Meade, der Sie seit heute Morgen um sieben dringend erreichen m�chte. Ich habe Ihnen schon einige Notizen dazu hingelegt.�</p><p>Walters nickte. �Gut. Sagen Sie, dass ich den ganzen Tag in einer Besprechung bin und sofort rauskomme, sobald es m�glich ist.�</p><p>�Es scheint sehr wichtig zu sein, Sir...�</p><p>�Ich wei�. Danke, Helen.�</p><p>Walters drehte sich um und ging zur�ck in sein B�ro.</p><p>Am Schreibtisch angekommen, setzte er seinen Kaffeebecher an, der bereits vor einer Viertelstunde leer gewesen war, stellte ihn wieder ab, lehnte sich zur�ck und schloss die Augen.</p><p>Was war seine erkaufte Zeit wert, wenn er sie nicht nutzte? Aber was konnte er tun? Recherchieren? Die Forscher auf der <emphasis>Argo</emphasis> anrufen und nach ihren Beweggr�nden fragen?</p><p>Das Klingeln seines Telefons riss ihn aus den Gedanken. Missmutig hob er ab.</p><p>�Helen, ich sagte Ihnen doch, dass ich in einer Besprechung bin.�</p><p>�Sir, dieses Mal ist es kein Anruf. Am Eingang hat sich ein Mann gemeldet und sich nach Ihnen erkundigt.�</p><p>�Und?�</p><p>�Es ist ein �lterer Herr, er scheint nicht aus Fort Meade zu sein, gibt aber an, dass Sie ihn kennen. Sagt Ihnen der Name Gabriel Thornton etwas?�</p><p><emphasis>Gabriel!</emphasis></p><p>�Hat er sich ausgewiesen?�</p><p>�Nat�rlich, Sir.�</p><p>Walters z�gerte. Dann sagte er: �Stellen Sie mich zum Wachhabenden durch.�</p><p>Einen Augenblick sp�ter war der Mann am Empfang in der Leitung und reichte dort das Gespr�ch an Gabriel weiter.</p><p>�Lieutenant Commander Walters hier. Was kann ich f�r Sie tun, Gabriel?�</p><p>�Guten Morgen, Lieutenant Commander. Ich hoffe, dass ich Sie nicht in einer dringenden Angelegenheit st�re. Ich kam zuf�llig an der Basis vorbei und fragte mich, ob Sie vielleicht Zeit h�tten, einen Kaffee trinken zu gehen. Und sich ein wenig zu unterhalten.�</p><p>Walters stockte. Das war ein reichlich absurder Vorschlag.</p><p>Als ob man erwarten k�nnte, dass der Befehlshaber einer milit�rischen Einrichtung mal eben... Andererseits nagte die Unruhe in ihm. Es gab zu viele Fragen. Und wenn er seine Zeit tats�chlich nutzen wollte... Walters �berschlug die M�glichkeiten. Er konnte den Fremden unm�glich in die Basis lassen. Und �bereifrigkeit w�rde auch unpassend sein. Er sah auf seine Uhr.</p><p>�Gerade passt es nicht. Aber ich werde vor dem Mittagessen noch eine Runde joggen gehen. Vielleicht treffe ich Sie ja an der �blichen Stelle? So gegen halb zw�lf vielleicht?�</p><p>�Nat�rlich�, gab Gabriel zur�ck. �Also, bis sp�ter.�</p><empty-line/><p>Die Zeit verging schleppend. Noch zweimal kam seine Sekret�rin herein und legte ihm schweigend Telefonnotizen auf den Tisch, w�hrend er sich die Website der Woods Hole Oceanographic Institution ansah, sich �ber Forschungsschiffe und Roboter erkundigte, die Seite des Museums f�r V�lkerkunde in Hamburg studierte und schlie�lich einen Artikel des Professors �ber die m�glichen Urspr�nge der �gyptischen Kultur fand. Es war eine Welt, die mit der seinen keinerlei Ber�hrungspunkte hatte. Jedenfalls bis jetzt nicht. �ber Google stie� er auf einen Zeitungsbericht des<emphasis> Miami Herald,</emphasis> wo ihm das Wort<emphasis> Atlantis </emphasis>entgegensprang, als sein Outlook-Kalender ihn mit einer akustischen Meldung darauf hinwies, dass es Viertel nach elf war. Zeit loszujoggen.</p><p><emphasis>Atlantis,</emphasis> dachte er, als er gerade den Eingang der Basis passierte.<emphasis> Was wei�t du �ber Atlantis?</emphasis></p><p>�Sir? Gestatten Sie?�</p><p>Der wachhabende Soldat war aus dem H�uschen getreten und sprach Walters an.</p><p>�Bitte?�</p><p>�Sir, m�chten Sie vielleicht, dass Sie jemand begleitet?�</p><p>Walters sah den Mann an. War es so offensichtlich, dass er sich yerabredet hatte? Und war die Frage nicht vielleicht sogar sehr berechtigt? Von Gabriel schien bisher keine Gefahr auszugehen, aber konnte man sich darauf verlassen? Nach einem Augenblick sch�ttelte er den Kopf.</p><p>�Nein, vielen Dank.�</p><p>Der Mann trat beiseite, nickte und lie� Walters passieren.</p><p><emphasis>Atlantis...</emphasis> Suchte der Professor tats�chlich nach Atlantis? Konnte das sein? Nach allem, was Walters �ber Peter Lavell herausgefunden hatte, k�nnte es durchaus zu dessen Themengebiet passen. Aber Atlantis war doch nur eine Legende! Oder etwa nicht? Vielleicht lag dort, mitten im Bermuda-Dreieck der Rest einer alten Kultur? Vielleicht gab es dort unermessliche Sch�tze. Wie man sie bei den Pharaonen gefunden hatte. Gold m�glicherweise! Und die Regierung wollte alles f�r sich allein haben. Aber das waren keine US-Hoheitsgew�sser. Es lag au�erhalb der Zw�lf-Meilen-Zone, aber in der ausschlie�lichen Wirtschaftszone sowohl der USA als auch der Bahamas. Beide Staaten konnten dort Anspruch auf Bodensch�tze erheben. Lag hierin die Brisanz der Forschung? Aber das w�rde doch wohl kaum die NSA interessieren...</p><p>P�nktlich um halb zw�lf erreichte Walters den Weg oberhalb des Strandes, und dort stand Gabriel bereits und sah ihm entgegen.</p><p>�Es freut mich sehr, dass Sie kommen konnten�, begr��te er den Commander und streckte ihm die Hand mit dem rotgoldenen Siegelring entgegen. �Haben Sie weitere Erkundungen einholen k�nnen?�</p><p>�Nicht so viele, wie ich mir gew�nscht h�tte.�</p><p>�Ja... Einmal auf der Suche ist unser Drang nach Wissen uners�ttlich.�</p><p>�Es war einfach zu wenig Zeit...�</p><p>Gabriel nickte. �Man kann ein ganzes Leben zur Verf�gung haben, und immer wird es zu wenig Zeit sein, glauben Sie mir.�</p><p>Walters stellte sich breitbeinig hin. �Verstehen Sie mich nicht falsch, Gabriel. Aber ich hoffe, Sie haben mich nicht aufgesucht, um wieder nur Kalenderweisheiten zu teilen.�</p><p>�Kalenderweisheiten? Ist es das, was Sie denken?� Gabriel betrachtete Walters schmunzelnd und schwieg dann einen Moment. �Nun, vielleicht haben Sie recht. Ich scheine oftmals zu unkonkret zu sein. Sehen Sie, ich hoffe auf diese Weise mehr zu helfen als nur mit einem einzelnen Ratschlag. Allgemeines l�sst sich eher auf Spezielles anwenden als umgekehrt.�</p><p>�Jetzt tun Sie es schon wieder.�</p><p>�Ja�, Gabriel lachte auf. �In der Tat. Es tut mir leid. Versuchen wir es anders. Haben Sie Fragen? Oder vielleicht fangen Sie damit an, mir zu erz�hlen, was Sie herausgefunden haben.�</p><p>�Atlantis. Suchen die Europ�er Atlantis?�</p><p>�Davon ist auszugehen, ja.�</p><p>�Und der Kubaner?�</p><p>�Er sucht Gold.�</p><p>�Nur Gold?�</p><p>�Zun�chst schon. Wenngleich er vermutlich in der Zwischenzeit die bisherigen Untersuchungsergebnisse der<emphasis> Argo</emphasis> studiert und eins und eins zusammengez�hlt haben sollte.�</p><p>�Er kennt die Untersuchungsergebnisse der Europ�er?�</p><p>�Ja.�</p><p>�K�nnen Sie nicht ein bisschen ausf�hrlicher antworten?�</p><p>�Ich bem�he mich, so konkret wie m�glich auf Ihre Fragen zu antworten, Lieutenant Commander.�</p><p>Walters seufzte. �So kommen wir nicht weiter. Sie geben mir Antworten, aber ich muss das ganze Bild verstehen.�</p><p>�Dann fragen Sie weiter.�</p><p>�Nein... ich... Ich wei� nicht einmal, welche Fragen ich stellen muss.�</p><p>�Im Gegenteil. Ich denke, Sie wissen schon sehr genau, was der Kern ist. Indem Sie sich mit der Analyse der Situation besch�ftigen, verfolgen Sie ein anderes Ziel. Es geht Ihnen eigentlich nicht um die Forscher. Der Kern ist der Grund, weswegen Sie diese Fragen stellen.�</p><p>�Warum ich diese Fragen stelle...�, erwiderte Walters. �Nat�rlich, um eine Entscheidung treffen zu k�nnen.�</p><p>�Eine Entscheidung? Was f�r eine Entscheidung?�</p><p>�Ob ich das Projekt beenden lassen soll oder ob ich die Forscher gew�hren lasse.�</p><p>�Haben Sie denn eine Wahl? Hat man es Ihnen nicht befohlen?�</p><p>�Nat�rlich! Aber darum geht es nicht. Vielleicht ist es ja <emphasis>falsch,</emphasis> das Projekt zu beenden!�</p><p>�Dann geht es Ihnen darum, eine<emphasis> richtige</emphasis> Entscheidung zu treffen? Sich notfalls �ber den Befehl hinwegzusetzen?�</p><p>Es war eine gradlinig formulierte Feststellung. In ihrer Deutlichkeit ber�hrte sie etwas in Walters, das er bisher nicht in dieser Form gef�hlt hatte. Er war im Begriff, sich �ber Befehle hinwegzusetzen. Er verriet seinen Eid als Soldat. Er machte sich unabh�ngig. Er �bernahm...</p><p>�Verantwortung. Es geht um Verantwortung.�</p><p>�Sehr richtig!�, antwortete Gabriel. �Sie erkennen Ihre Bedeutung. Das Gewicht Ihres Handelns oder Nichthandeins.�</p><p>Ja, das war es wohl. Er f�hlte dieses Gewicht. Es war ein gutes Gewicht. Es lag in seiner Hand wie das massive Lenkrad eines Trucks oder ein schwerer Schubregler, der durch die Kraft eines entfernten Maschinenraums vibrierte.</p><p>Viele Dinge geschahen in der Welt um ihn herum, und das meiste, das au�erhalb seines Einflusses lag, rauschte an ihm vorbei, formte sein Leben. Aber Einfluss bekam man nicht automatisch. Einfluss musste man sich verschaffen. Aufstehen, einen Schritt n�her herangehen, um Dinge zu bewegen, die vorher entfernt schienen.</p><p>�Die Regierung m�chte verhindern, dass weitere Forschungen betrieben werden�, sagte Walters. �Also geht es darum, was gesch�he, wenn ich die Forscher nicht aufhalte. Ganz offenbar erwartet die Regierung, dass die Forscher dort zu einer Erkenntnis oder einem Fund gelangen k�nnen...�</p><p>�Verzeihen Sie, wenn ich Ihre �berlegung kurz unterbreche�, wandte Gabriel ein. �Nur der Vollst�ndigkeit halber m�chte ich darauf hinweisen, dass es auch komplexere Gr�nde geben k�nnte.�</p><p>�Zum Beispiel?�</p><p>�Nun, vielleicht m�chte die Regierung die Forschung nicht wegen eines m�glichen Ergebnisses unterbinden, sondern vielleicht geht es um die T�tigkeit des Forschens als solches. Vielleicht, weil es einen Pr�zedenzfall schaffen w�rde, der schlie�lich irgendwo anders auf der Welt Probleme schaffen k�nnte.�</p><p>Walters nickte. �Sie haben recht... Sie machen es mir damit nicht leichter... Aber wollen Sie damit andeuten, dass es sich so verh�lt? Sollte das ein Tipp sein?�</p><p>�Nein. Es sollte lediglich Ihre Aufmerksamkeit sch�rfen. Ich glaube, Ihnen versichern zu k�nnen, dass es in der Tat um das geht, was sich dort drau�en auf dem Meeresgrund verbirgt.�</p><p>�Endlich einmal eine klare Aussage! Aber damit haben Sie auch deutlich gemacht, wie viel Sie tats�chlich wissen.�</p><p>�Ja�, war alles, was Gabriel darauf erwiderte.</p><p>�Also gut. Die Forscher k�nnten also etwas entdecken. Ohne zu wissen, was es ist, was sich dort befindet, muss ich mich an der Motivation orientieren. Wer verfolgt welche Interessen? Und wer hat die gr��ere moralische Integrit�t?�</p><p>�Das sind �u�erst wertvolle Gedanken, Lieutenant Commander! Und eben sagten Sie noch, Sie w�ssten nicht, was Sie fragen sollten.�</p><p>�Vermutlich k�nnen Sie beides nicht beantworten.�</p><p>�Das ist korrekt. Selbst wenn ich mir anma�te, ein solches Urteil zu f�llen, w�rde es Ihnen nicht weiterhelfen. Denn dann w�ren es nicht mehr zwei, sondern drei Parteien, �ber deren Motive und Integrit�t Sie sich Gedanken machen m�ssten.�</p><p>�Das sind zwar sch�ne Worte, aber in Wahrheit beeinflussen Sie mich doch bereits seit Tagen!�</p><p>�Nat�rlich. Das ist der quantenphysikalische Effekt, den ich das letzte Mal bereits erw�hnte. Ich treffe mich mit Ihnen, wir reden, und schon das beeinflusst Ihr Handeln. Ich bem�he mich allerdings nur um eine Bewegung, nicht um eine Richtung.�</p><p>Als Walters eine halbe Stunde sp�ter frisch geduscht wieder in seinem B�ro sa�, nahm er den Stapel Telefonnotizen in die Hand, bl�tterte sie durch, entdeckte �berall denselben Namen und schob den ganzen Packen in den Schredder seines Papierkorbs.</p><p>Dann startete er sein E-Mail-Programm, �berflog die als dringend markierten Nachrichten, die er von der NSA bekommen hatte, und l�schte sie.</p><p>Dann verfasste er eine kurze Antwortmail. Er sei bisher besch�ftigt gewesen und bek�me die Nachrichten erst jetzt, er bedanke sich f�r die Hinweise auf die Dringlichkeit der Angelegenheiten und werde sich �<emphasis>asap</emphasis>� um den Vorgang k�mmern.</p><p>Er wusste, dass er Fort Meade mit dieser Unverbindlichkeit auf die Palme bringen w�rde. Aber diese Leute hatten ihn um sein Wochenende gebracht, und nicht zuletzt deswegen freute es ihn gerade diebisch.</p><empty-line/><p><emphasis>An Bord der </emphasis>Argo</p><empty-line/><p>Peter nahm das leichte Schwanken zum ersten Mal richtig wahr, als er die Treppe nach oben stieg. Als er kurz darauf an Deck stand, gr��te ihn ein makellos blauer Himmel, aber das Meer war in Bewegung, rollte in breiten Wellen unter dem Schiff hindurch.</p><p>�Da sind Sie ja�, rief Patrick, der an der Reling stand. In der Hand hielt er ein Fernglas und reichte es Peter. �Hier, sehen Sie mal. Wir haben Besuch.�</p><p>Peter nahm das Fernglas entgegen und sah damit in die Richtung, die der Franzose ihm wies. Dort lag ein Schiff. Und es war weder ein Fischerboot noch ein Ausflugsdampfer oder Frachter. Es war �hnlich gebaut wie die<emphasis> Argo,</emphasis> mehrst�ckig und mit verschiedenen Antennen und Kr�nen ausgestattet. Und es war ein gutes St�ck gr��er als die<emphasis> Argo.</emphasis></p><p>�Eine Art Forschungsschiff�, erkl�rte Patrick. �F�hrt unter kubanischer Flagge.�</p><p>�Was wollen die hier?�</p><p>�Vielleicht haben sie aus der Presse Wind von uns bekommen. Wir sollten uns dringend mit John besprechen. Au�erdem will ich wissen, was er �ber den Saboteur herausgefunden hat.�</p><empty-line/><p>�Es ist die<emphasis> Libertad</emphasis>�<emphasis>,</emphasis> erkl�rte John beim Fr�hst�ck. �Wir sind heute Morgen mit dem Dingi etwas n�her herangefahren und haben sie uns angesehen. Ein ehemals sowjetisches Forschungsschiff, nun im Besitz der Kubaner und offenbar general�berholt und modernisiert. Mit einer Hubschrauberlandeplattform, einem massiven Kran und vermutlich U-Booten an Bord. Nicht un�hnlich der russischen<emphasis> Keldysb.</emphasis>�</p><p>�Haben Sie Kontakt aufgenommen?�, fragte Peter.</p><p>�Wir haben es versucht, aber au�er h�flichen Begr��ungsfloskeln erhalten wir keine weitere Auskunft.�</p><p>�K�nnen sie uns den Fund streitig machen?�</p><p>�Um hier zu sein und hier forschen zu d�rfen, ben�tigen sie erst einmal nur eine Genehmigung wie wir auch�, erkl�rte der Kapit�n. �Das k�nnen wir nicht pr�fen.�</p><p>�Verdammt�, meinte Patrick. �Sie d�rfen uns nicht zuvorkommen. Wenn die besser ausger�stet sind als wir...�</p><p>�Wir haben au�erdem unseren Vorteil verloren�, gab Peter zu bedenken. �Die bisherigen Fotos und der Bodenprofilscan, den wir als Karte verwendet haben � das alles ist verloren, richtig?�</p><p>�Ganz so schlimm ist es nicht�, sagte John. �Wir haben Gl�ck im Ungl�ck. Zum einen haben wir von den Bildern der Platten jeweils Ausdrucke. Au�erdem haben Sie alle Bilder mit Schriftzeichen per E-Mail verschickt, richtig? Diese Rechner sind nicht mit dem internen Netzwerk verbunden und daher nicht von den Viren betroffen. Die Daten befinden sich noch in Ihrem Ordner mit gesendeten Nachrichten. Au�erdem hat der Empf�nger sie ja bekommen. Die DVD mit den Filmdaten, die wir gestern auf den Rechner in Ihrer Kabine �berspielt haben, existiert auch noch. Und zuletzt: Gestern Nacht haben wir ja<emphasis> Sentry</emphasis> noch einmal abtauchen lassen. Wir haben ihn durch die Trennschicht geschickt und den darunterliegenden Bereich gescannt. David hatte zuvor ein neues, virenfreies System aufgesetzt, diese Daten sind also sicher.�</p><p>�Das ist sch�n und gut�, sagte Patrick, �l�st aber noch nicht das Problem, dass wir einen Saboteur an Bord haben.�</p><p>�Nein. Aber es gibt einen Verdacht.�</p><p>�Tats�chlich?�</p><p>�Ich habe noch keine Beweise. Aber zusammen mit David stellen wir ihm eine Falle. Wenn er wieder aktiv wird, werden wir es sofort erfahren.�</p><p>�Das ist alles?!�, fragte Patrick. �Wenn er wieder aktiv wird? Und was ist mit dem, was er bis jetzt schon angerichtet hat?�</p><p>�Ich vermute, dass die St�rungen in direktem Zusammenhang mit dem kubanischen Schiff stehen�, erkl�rte John mit ged�mpfter Stimme. �Aber dieser Vorwurf ist viel zu heikel, als dass man ihn ohne Belege vorbringen k�nnte. Jedenfalls deutet einiges darauf hin. Im �brigen w�re die<emphasis> Libertad</emphasis> auch technisch in der Lage, unser Sonar vor ein paar Tagen gest�rt zu haben. Bis wir N�heres wissen, sollten wir aber so fortfahren wie bisher. Allein schon, um keine Zeit zu verlieren.�</p><p>Peter nickte. �Ich denke, John hat recht. Wir k�nnen uns keine Verz�gerungen leisten. Am besten, wir sehen uns das Material von<emphasis> Sentry</emphasis> gleich genau an und entscheiden dann, wie wir weiter vorgehen.�</p><p>�Wer h�tte das gedacht�, sagte Patrick, als sie wenig sp�ter im Labor zusammengetroffen waren und die Karte betrachteten, die das Computersystem aus den Bodenprofilscans zusammengesetzt hatte.<emphasis> Sentry</emphasis> war ziemlich genau dort abgetaucht, wo auch der ferngesteuerte Roboter<emphasis> Jason</emphasis> durch die schwarze Trennschicht gesto�en war. Von dort aus hatte er sich selbstst�ndig und systematisch durch das Gebiet bewegt und den Untergrund kartografiert. Es war nur ein Teil, denn sie wussten nicht, wie weit sich die schwarze Fl�che in alle Richtungen noch erstreckte, aber aus dem, was sie sahen, lie� sich bereits erahnen, dass hier wom�glich eine ganze Welt verborgen lag.</p><p>Vom Rand der Schw�rze an fiel der Meeresboden rapide ab. Der Untergrund war zerkl�ftet, voller Felsnadeln und kleiner Plateaus, aber im Ganzen st�rzte der Boden mehrere hundert Meter in die Tiefe, so als w�rde man sich �ber den Rand eines Canyons oder die Gipfel eines Gebirges bewegen.<emphasis> Sentry</emphasis> war nicht weit genug gekommen, um den tats�chlichen Boden ausloten zu k�nnen, am �u�eren Rand seines Erfassungsbereichs ma� er bereits eine Tiefe von �ber siebenhundert Metern unterhalb der Trennschicht, und das Gel�nde war dort noch immer steil absch�ssig.</p><p>�Auf diesem Bild hier sieht man das Gel�nde im Querschnitt�, erkl�rte John und deutete auf einen anderen Monitor.</p><p>�Die Strukturen unterhalb sind v�llig andere als in dem Bereich, den wir bisher f�r den Meeresboden gehalten hatten�, sagte Patrick. �Als ob ab hier der Boden weggebrochen und alles nach unten gerutscht w�re.�</p><p>�Und die schwarze Fl�che liegt wie ein Deckel dar�ber�, meinte Kathleen, die sich ihnen wieder angeschlossen hatte.</p><empty-line/><p><image l:href="#3"/></p><empty-line/><p>�Peter hat mir erkl�rt, dass der Meeresboden unter Atlantis aufgerissen ist und dieses St�ck beim Zusammenschieben der Kontinentalplatten unter die anderen gedr�ckt wurde.�</p><p>�Zitieren Sie mich bitte nicht falsch. Es ist nur eine von vielen Theorien�, verbesserte der Professor.</p><p>�Aber es sieht doch so aus, oder nicht?�</p><p>�Die H�lfte unserer Zeit ist schon fast rum�, sagte Patrick. �Jetzt, wo wir eine Karte des Gebiets haben, sollten wir m�glichst schnell mit dem U-Boot runter, finde ich, und nicht noch einmal mit dem Roboter. Au�erdem m�ssen wir uns wegen der Kubaner beeilen.�</p><p>�Was denn f�r Kubaner?�, fragte Kathleen.</p><p>�Das Schiff, das seit heute Morgen da drau�en liegt�, erkl�rte John.</p><p>�Ehrlich? Wollen die auch hier tauchen?�</p><p>�Wir wissen es nicht�, sagte Peter. �Aber ich denke auch, dass wir nichts riskieren und ohne weitere Verz�gerung pers�nlich dort hinuntersollten. Falls der Seegang es zul�sst.�</p><p>Der Kapit�n nickte. �Nun gut, es ist Ihr Projekt... Der Seegang ist kein Problem, solange es nicht schlimmer wird. Es gibt allerdings einiges zu bedenken und vorzubereiten. Ich werde Dick instruieren. Wer von Ihnen m�chte dabei sein?<emphasis> Alvin II </emphasis>hat Platz f�r den Piloten, also Dick, und zwei weitere Personen.�</p><p>Patrick sah zu seinem Kollegen. �Wir beide nat�rlich, wer sonst?�</p><p>Peter nickte z�gerlich. �So ist es.�</p><p>�Aber ich muss den Tauchgang dokumentieren�, warf Kathleen ein.</p><p>�Es tut mir leid�, sagte John, �daf�r ist<emphasis> Alvin II</emphasis> nicht ausgelegt.�</p><p>�Wir k�nnen uns doch ein bisschen aneinanderkuscheln�, gab sie mit einem L�cheln zur�ck.</p><p>�Glauben Sie mir�, erwiderte der Kapit�n, �gegen das Kuscheln w�rde sicher keiner etwas einzuwenden haben. Aber alles an<emphasis> Alvin II,</emphasis> die maximale Nutzlast, die Luftversorgung, die ganzen Lebenserhaltungs- und Sicherheitssysteme sind nur f�r drei Personen ausgelegt.�</p><p>�Wann kann es losgehen?�, fragte Patrick und ignorierte den m�rrischen Blick der Reporterin.</p><p>John sah auf seine Uhr. �Starten wir um vierzehn Uhr. Bis dahin sollte alles bereit sein.�</p><empty-line/><p>�Das h�tte uns gerade noch gefehlt�, sagte Patrick, als er und Peter auf dem Weg zu ihren Kabinen waren.</p><p>�Sie k�nnen sie wirklich nicht leiden.�</p><p>�K�nnen Sie sich etwas Schlimmeres vorstellen als diese Person im Nacken, die st�ndig bl�de Fragen stellt und uns �ber die Schulter filmt?�</p><p>�Ich finde nicht, dass sie st�ndig dumme Fragen stellt.�</p><p>�Ach, Quatsch. Ich w�rde mich nicht wundern, wenn sie das Schiff der Kubaner schon l�ngst entdeckt h�tte. Die redet doch mit allen an Bord. Und was den Kapit�n angeht: Finden Sie nicht auch, dass er die Sabotage an Bord etwas zu sorglos hinnimmt?�</p><p>�Er hat doch gesagt, dass er eine Falle stellen will.�</p><p>�Und wer wei�, was bis dahin alles passiert! Also, entschuldigen Sie mal, ich w�rde da deutlich rigoroser vorgehen. Au�erdem ist das nicht Johns Projekt, sondern unser Geld, das hier auf dem Spiel steht!�</p><p>�Nun regen Sie sich nicht auf. Ich bin sicher, er wei�, was er tut.�</p><p>Patrick winkte ab. �Lange schaue ich mir das jedenfalls nicht mehr an. Und was die Kubaner angeht: Da ist auch was faul, glauben Sie mir.�</p><p>�Sie sehen Gespenster, Patrick. Es sind nicht alle Menschen schlecht.�</p><p>�Komischerweise haben wir beide bei unseren Projekten bisher immer ganz andere Erfahrungen gemacht. Ich verstehe nicht, dass Sie das so gelassen sehen.�</p><p>Peter hielt den Franzosen an der Schulter fest und sah ihn eindringlich an. �Lassen Sie mich eines klarstellen, Patrick: Ich bin keineswegs gelassen. Dieses Projekt ist das wichtigste, das ich je unternommen habe. F�r mich steht hier wesentlich mehr auf dem Spiel als nur das Geld. Es geht um meinen Ruf. Alles, was ich in Jahrzehnten aufgebaut habe, meine ganze Karriere, alles gipfelt in diesen Forschungen hier. Ohne theatralisch werden zu wollen, aber diese wenigen Tage hier k�nnen mein Lebenswerk zunichte machen! Doch im Gegensatz zu Ihnen suche ich nicht st�ndig Feinde, sondern m�chte das hier mit aller Macht durchsetzen.�</p><p>�Mir geht es auch nicht anders! Aber w�hrend Sie sich auf Atlantis konzentrieren, muss sich ja jemand darum k�mmern, dass uns der R�cken freigehalten wird. Sonst wird das n�mlich nix mit Lebenswerk und so.�</p><p>Peter setzte zu einer Antwort an, stockte und nickte dann.</p><p>�Sicher. Sie haben ja recht. Wir haben beide unsere Art, damit umzugehen. Sie machen das schon richtig.�</p><p>�So�, sagte Patrick. �Jetzt werde ich mal sehen, ob ich Nachrichten aus Frankreich habe. Kommen Sie mit?�</p><p>�Nein, ich komme sp�ter hinzu. Kathleen hat ein paar Presseberichte bekommen, und wir wollen das weitere Vorgehen besprechen.� Patrick hob einen Finger, aber Peter fuhr fort: �Ja, ich wei�. Ich soll vorsichtig sein.� Patrick grinste. �Da sehen Sie: Geht doch.�</p><empty-line/><p>Zur�ck in seiner Kabine setzte Patrick sich vor den Rechner und rief seine E-Mails ab. Marie hatte geantwortet. Sie hatte einen umfangreichen Anhang aus Dokumenten geschickt und nur wenige Zeilen Text als Anschreiben.</p><empty-line/><p><emphasis>Salut Patrick,</emphasis></p><p><emphasis>mon dieu, vermutlich wisst ihr nicht, was ihr da gefunden habt. Es ist atemberaubend! </emphasis></p><p><emphasis>Anbei die Analyse, aber es gibt noch viel zu erz�hlen. </emphasis></p><p><emphasis>Hast du ein Chat-Programm, einen Instant Messenger oder so etwas? Schreib mir deine Daten. Ich bin heute noch lange im B�ro, meld dich.</emphasis></p><p><emphasis>Marie</emphasis></p><empty-line/><p>Patrick �ffnete die Unterlagen, die Marie ihm gesandt hatte. Sie sahen auf den ersten Blick �hnlich aus, wie das, was G�rard schon einmal geschickt hatte, nur dass es dieses Mal deutlich mehr Material war.</p><p>Vermutlich war es sinnvoller, mit Marie in direkten Kontakt zu treten, bevor er versuchte, sich selbst einen Reim darauf zu machen. Er untersuchte die Liste der auf dem Rechner installierten Programme und fand schlie�lich eines, mit dem sich eine Chat-Verbindung aufbauen lie�. Er startet es und legte sich einen Account an. Anschlie�end �berlegte er kurz, ob er Peter zu der Unterhaltung hinzuholen sollte, schickte die Daten dann aber an Marie und wartete darauf, dass sie sich melden w�rde.</p><p>Es dauerte nicht lange, bis sich ein kleines Nachrichtenfenster �ffnete.</p><empty-line/><p><strong>M:</strong> Salut, Patrick!</p><empty-line/><p>Patrick rutschte im Stuhl nach vorn und tippte zur�ck.</p><empty-line/><p><strong>P:</strong> Salut, Marie. Vielen Dank f�r die Unterlagen.</p><p><strong>M:</strong> Hast du sie schon gelesen?</p><p><strong>P:</strong> Nur �berflogen. Was gibt es denn dar�ber zu erz�hlen?</p><p><strong>M:</strong> Ihr habt da eine gro�artige Entdeckung gemacht! Und es stammt tats�chlich aus 3500 Metern Tiefe?</p><p><strong>P:</strong> Ist es wirklich eine Sprache?</p><p><strong>M:</strong> Nicht nur das. Ich konnte auch einiges davon entziffern. Du findest es im Bericht.</p><p><strong>P:</strong> Entziffern?! Wir wissen doch nicht einmal, was f�r eine Sprache es ist.</p><p><strong>M:</strong> Nein, stimmt. Aber ich habe es mit den Strukturen alt�gyptischer Hieroglyphen vergleichen lassen. Und die �hnlichkeiten sind gro�. Auch, wenn es andere Zeichen sind. Aber es gibt eine enge Sprachverwandtschaft. Die Strukturanalyse unserer Software hat das best�tigt.</p><p><strong>P:</strong> K�nnte es eine Art Ur-�gyptisch sein?</p><p><strong>M:</strong> Strukturell ja. Die Zeichen sind aber ganz andere. Sie erinnern zum Teil mehr an Maya-Glyphen. Auch damit habe ich Vergleichstests durchgef�hrt. Dabei habe ich ein �hnliches Zahlensystem gefunden.</p><p><strong>P:</strong> Und was steht nun in den Texten?</p><p><strong>M:</strong> Das findet ihr alles ausf�hrlich in den Dokumenten, die ich geschickt habe. Das Erste waren ja irgendwelche Platten. Darauf befinden sich Namen, Amtstitel und offenbar Jahreszahlen. Regierungszeitr�ume oder etwas in der Art.</p><p><strong>P:</strong> Jahreszahlen?</p><p><strong>M:</strong> Ja, aber die nutzen uns nicht viel, weil wir das Kalendersystem nicht kennen. Wir k�nnen es also nicht umrechnen. So wie es aussieht, sind es aber Gedenktafeln, oder �hnlich offizielle Inschriften, wie man sie von den Mayas kennt. Vielleicht Grabsteine.</p><p><strong>P:</strong> Soundso hat von dann bis dann regiert?</p><p><strong>M:</strong> Ja, solche Sachen.</p><p><strong>P:</strong> Und die anderen Zeichen?</p><p><strong>M:</strong> Die Screenshots aus dem Film, meinst du?</p><p><strong>P:</strong> Ja.</p><p><strong>M:</strong> Sehr verr�ckt. Was war das, was ihr da gefilmt habt? Eine Maschine oder so?</p><p><strong>P:</strong> Wie kommst du darauf?</p><p><strong>M:</strong> Sah sehr technisch aus.</p><p><strong>P:</strong> Ja, mag sein. Was stand denn dort?</p><p><strong>M:</strong> Das meiste schienen nur Zahlenreihen zu sein. Irgendwelche Werte oder Beschriftungen, die vielleicht mit der speziellen Stelle zu tun haben, an der sie angebracht sind. Aber der eine Text war l�nger. Moment, ich hole ihn.</p><p><strong>P:</strong> Okay...</p><p><strong>M:</strong> So, da bin ich wieder. Dort steht � jedenfalls nach meiner �bersetzung: ... Siegel dessen, was tief ist. H�ter des Wissens. Was tot scheint, schl�ft wartend.</p><p><strong>P:</strong> Bist du sicher?</p><p><strong>M:</strong> Na ja, so sicher, wie man sich sein kann, wenn man die Schrift einer vor elftausend Jahren versunkenen Kultur zu entziffern versucht.</p><p><strong>P:</strong> Moment, wer hat etwas von elftausend Jahren gesagt?</p><p><strong>M:</strong> Na, wenn ihr Atlantis sucht, ist das der Zeitraum, um den es geht. Ich habe meinen Platon auch gelesen, wei�t du ;-)</p><p><strong>P:</strong> Ich habe auch nichts von Atlantis gesagt!</p><p><strong>M:</strong> Patrick, es geh�rt nicht viel dazu, sich das zusammenzureimen. Au�erdem geht es durch die Presse. Jedenfalls im Internet.</p><p><strong>P:</strong> Verdammt. Sag mal, hast du ein Headset? Ich wei�, dass G�rard eins hat. Mit diesem Programm hier k�nnen wir auch telefonieren.</p><p><strong>M:</strong> Nein, ich habe kein Headset hier. Aber warum m�chtest du denn mit mir sprechen?</p><p><strong>P:</strong> Nur so. W�re pers�nlicher.</p><p><strong>M:</strong> Ha! Ich verstehe schon... Aber vielleicht m�chte ich gerade das ja nicht?</p><p><strong>P:</strong> Touch�!</p><p><strong>M:</strong> Vielleicht ein anderes Mal, okay? Ihr seid jedenfalls schon kleine Ber�hmtheiten, wenn man sich auf den Websites der Verschw�rungstheoretiker und der Sucher nach antikem Wissen umsieht.</p><p><strong>P:</strong> Tats�chlich? Und was schreiben die so �ber uns?</p><p><strong>M:</strong> Ach, lauter dummes Zeug. Am besten, du suchst selbst mal ein paar Websites im Netz und liest nach.</p><p><strong>P:</strong> Danke nein, daf�r m�sste mir schon ziemlich langweilig sein. Ich denke, wir haben im Moment Besseres zu tun.</p><p><strong>M:</strong> Ja, das denke ich auch. Gibt's noch mehr Bilder und Texte?</p><p><strong>P:</strong> Bisher nicht, aber ich halte dich auf dem Laufenden! Vielleicht haben wir heute Abend schon neues Material.</p><p><strong>M:</strong> Gro�artig. Ich freue mich. Und viel Gl�ck euch!</p><p><strong>P:</strong> Danke f�r die Hilfe. Bis dann.</p><empty-line/><p>Patrick schaltete das Programm aus und lehnte sich zur�ck. Nun gab es keinen Zweifel mehr daran, was sie entdeckt hatten! Und die Beschriftung der merkw�rdigen Armatur...<emphasis> Siegel dessen, was tief ist.</emphasis> Marie konnte nichts von dem Ph�nomen der schwarzen Trennschicht wissen, und dennoch passte die �bersetzung. Ob es nun ein Kraftfeldgenerator war oder was auch immer: Es war also tats�chlich eine Apparatur, die das sch�tzte, was darunter verborgen lag!</p><empty-line/><p>�Nun, dann erz�hlen Sie mal�, sagte Peter, der sich mit Kathleen an einen Tisch in der Messe gesetzt hatte.</p><p>�Die letzte Pressemitteilung ist ganz gut angekommen�, erkl�rte sie und reichte Peter einige Ausdrucke. �Diese Zeitungen haben sie abgedruckt. Zum Teil stark gek�rzt oder kommentiert, nat�rlich. Aber im Gro�en und Ganzen sind sie neutral. Keine weiteren L�stereien.�</p><p>Peter studierte die Ausdrucke kurz. �Gut, das ist ja immerhin schon ein kleiner Erfolg.�</p><p>�Au�erdem haben wir noch einmal zwei Interviewanfragen bekommen.�</p><p>�Tats�chlich?�</p><p>�Das eine ist ein Online-Magazin.<emphasis> Mysterika.com</emphasis> nennt es sich. Ich habe mir die Website etwas n�her angesehen. Es sind haupts�chlich Artikel �ber antike Mysterien, Ufo-Forschung und dergleichen. Dahinter steckt ein Verlag, der das Magazin verwendet, um zugleich seine B�cher zu bewerben, die alle in dieselbe Richtung gehen.�</p><p>�Sollte man denen ein Interview geben?�</p><p>�Ich w�rde sagen, ja. Man sollte den Multiplikationsfaktor solcher Webseiten und Communities nicht untersch�tzen. Dass man dort Ger�chte verbreitet und spekuliert, k�nnen Sie ohnehin nicht verhindern, also warum nicht ein bisschen Substanz bieten? Aber nat�rlich entscheiden Sie das selbst.� Peter verzog den Mund. �Und die andere Anfrage?�</p><p>�Da geht es wieder um Coast to Coast AM. Die fragen an, ob Sie f�r ein Interview zur Verf�gung stehen.�</p><p>�Was ist das f�r ein Sender?�</p><p>�Es ist eine Radioshow, die abends ab zehn Uhr l�uft. Es geht darin meist um ungew�hnliche Themen, Paranormales, Verschw�rungen, Mysterien und dergleichen. Die Interviews sind oft live, Anrufer von �berall aus den Staaten werden durchgeschaltet und k�nnen Fragen stellen.�</p><p>�Klingt nicht sonderlich wissenschaftlich...�</p><p>�Oh, es sind sogar sehr oft Wissenschaftler da! Auch �ber meine Fernsehshows wurde da schon viel diskutiert. Die Sendung hat einen sehr gro�en H�rerkreis. Hier zuzusagen, w�rde ich ausdr�cklich empfehlen.�</p><p>�Es geht mir nicht allein darum, Werbung f�r unsere Ideen zu machen�, betonte Peter. �Sondern um die Seriosit�t der Berichterstattung, darum, ernst genommen zu werden.�</p><p>�<emphasis>Bei National Geographic</emphasis>?�</p><p>�Als Magazin f�r Laien, ja, zum Beispiel. Aber nat�rlich auch wissenschaftliche Publikationen.�</p><p>�Solche, die keiner liest? Peter, glauben Sie mir, wenn Sie m�chten, dass Sie ernst genommen werden, dann m�ssen Sie zun�chst<emphasis> beachtet</emphasis> werden. Sie wissen selbst, wie fragw�rdig das Thema Atlantis ist. Sie ben�tigen Aufmerksamkeit, damit man nicht um Sie herumkommt, damit man sich mit Ihnen besch�ftigen<emphasis> muss.</emphasis>�</p><p>�Und Sie denken, diese Sendung kann das erreichen?�</p><p>�Aktive Pressearbeit ist notwendig, wenn Sie nicht m�chten, dass Ger�chte das Einzige sind, was �ber Sie kursiert.� Sie l�chelte. �Glauben Sie mir, ich wei�, wovon ich spreche.�</p><p>Peter dachte einen Moment lang nach. �Gut, einverstanden�, sagte er dann. �Finden Sie heraus, wann das Interview stattfinden soll!�</p><p>�Gerne!� Sie stand auf. �Ich werde mich mit Jerry in Verbindung setzen.�</p><p>�Jerry?�</p><p>�Jerry Robbins. Das ist der Moderator. Ich kenne ihn ganz gut.�</p><p>Als Kathleen den Raum verlie�, stie� sie fast mit Patrick zusammen, der gerade hineinwollte. Sie setzte ein breites L�cheln auf, als sie an ihm vorbeiging.</p><p>Patrick beachtete sie nicht. Er kam zu Peter an den Tisch.</p><p>�Wir haben es geschafft!�</p><p>�So?� Peter hob eine Augenbraue.</p><p>�Marie hat die Zeichen �bersetzen k�nnen!�</p><p>�Nein! Tats�chlich? Wie denn das?�</p><p>�Sie sagte, die Strukturen seien �hnlich wie beim �gyptischen, und mit ihren Rechnern war sie in der Lage, die Texte zu entschl�sseln.� Er legte die Unterlagen, die sie ihm geschickt hatte, vor Peter auf den Tisch, schob sie auseinander und deutete auf ein Blatt. �Hier, die Texte.�</p><p>Peter sah sich die �bersetzungen an.</p><p>�Unfassbar...�, sagte er nach einer Weile.</p><p>�Sie haben Atlantis gefunden, alter Knabe!�</p><p>�Tja, es scheint wohl so...� Peter bl�tterte in den Papieren, las einzelne Passagen. �Nur...�</p><p>�Was?�</p><p>�Wenn etwas zu gut scheint, um wahr zu sein, ist es ja oft nicht wahr... Ich denke nur...�</p><p>�Nun kommen Sie schon, was gibt es denn noch zu z�gern?�</p><p>�Halten Sie es nicht f�r unwahrscheinlich, dass jemand in der Lage sein sollte, eine fremde Sprache und Schrift in so kurzer Zeit zu �bersetzen? Zudem ist Ihre Marie doch sicher keine Sprachwissenschaftlerin, oder habe ich nicht recht? Also, woher sollte sie so viel �ber antike Sprachen wissen?�</p><p>�Machen Sie das jetzt, um mich zu �rgern?�</p><p>�Warum? Was meinen Sie?�</p><p>�Ist schon gut. Einer von uns muss wohl immer der Bremser sein.�</p><p>�Ich bremse nicht. Ich habe lediglich Bedenken ge�u�ert.�</p><p>Patrick winkte ab. �Wie auch immer. Ich dachte jedenfalls, es interessiert Sie.�</p><p>�Tut es, tut es! Es ist �u�erst faszinierend!�</p><p>�Also dann�, sagte der Franzose und wandte sich zum Gehen. �Ich werde mir die Vorbereitungen des U-Boots ansehen. Wir treffen uns zum Mittagessen.�</p><p>Peter blieb allein zur�ck und studierte die Unterlagen, so gut er konnte. Das zunehmende Schaukeln des Schiffes machte ihm allerdings zu schaffen. Der Seegang schien st�rker geworden zu sein. Er musste zugeben, dass die in den Dokumenten beschriebene Herangehensweise, die Ergebnisse und die Ableitungen allesamt sehr logisch waren. Seine eigenen Kenntnisse der �gyptischen Hieroglyphenschrift best�tigten ihm auch, was die Analysen herausgefunden hatten. Zusammen mit der Tabelle der Schriftzeichen und ihrer Bedeutungen, konnte er die �bersetzung in Anlehnung an die �gyptische Sprachstruktur tats�chlich nachvollziehen. Nur wurde aus den Dokumenten nicht klar, wie Marie � oder ihr Computersystem � die Bedeutung und Laute der einzelnen Zeichen hatte herausfinden k�nnen. Nun, es hatte wohl keinen Zweck, sich dar�ber jetzt den Kopf zu zerbrechen. Selbst wenn die �bersetzung nicht stimmte, so war doch auf jeden Fall klar, dass es sich um eine bisher unbekannte Sprache handelte, und das allein war bereits eine Sensation.</p><p>Peter stand auf und wollte gerade gehen, als Kathleen zur�ckkehrte.</p><p>�Es geht jetzt sofort�, sagte sie etwas atemlos. �Es gibt seit Neuestem eine Mittagssendung, und die f�ngt in einer halben Stunde an. Jerry war bereit f�r eine kurzfristige Programm�nderung. Ich habe ihm schon zugesagt.�</p><p>Peter stockte. �Das... ist reichlich spontan. Ich h�tte mich gerne vorbereitet.�</p><p>�Ach was, Peter. Sie sind so klug, das haben Sie doch alles im Kopf.� Dann l�chelte sie ihn an und strich ihm �ber den R�cken. �Und Sie sind so charmant... das machen Sie doch mit links, hm?�</p><p>�Und wie wird das ablaufen?�</p><p>�Wir telefonieren vom Rechner aus, Jerry stellt Fragen, Sie erz�hlen. Und hinterher gibt's vielleicht noch ein paar Fragen von Zuh�rern. Ganz einfach.�</p><p>�Augenblick, wieso Fragen von Zuh�rern? Ist das etwa live?�</p><p>�Aber ja, das hatte ich Ihnen doch schon gesagt.� Sie lachte auf. �Was haben Sie denn geglaubt?�</p><p>Peter runzelte die Stirn. �Ich hatte gedacht...�</p><p>�Ach, Peter.� Wieder strich sie �ber seinen R�cken. �Das wird ein Kinderspiel. Ich wei� doch, was Sie f�r ein toller Redner sind.�</p><p>�Und wo werden wir telefonieren?�</p><p>�In meiner Kabine nat�rlich!�</p><p>�Nat�rlich.�</p><empty-line/><p>�Willkommen bei Coast to Coast AM, hier ist Jerry Robbins, und heute haben wir ganz �berraschend einen ganz besonderen Gast. Wir haben schon einige Sendungen �ber das Bermuda-Dreieck gemacht. Einige der H�rer werden sich sicher auch an die Sendungen �ber unseren viel zitierten Edgar Cayce erinnern, �ber die Hallen der Aufzeichnungen auf Kuba oder �ber die Bimini-Stra�e. Heute haben wir Professor Peter Lavell live am Telefon. Er ist nicht bei uns im Studio, weil er sich in diesem Augenblick im Atlantik, nord�stlich von Great Abaco Island auf der<emphasis> Argo 2K</emphasis> befindet, einem der gr��ten privaten Forschungsschiffe. Und er sucht und glaubt gefunden zu haben � halten Sie sich fest �, Atlantis! Professor Lavell, herzlich willkommen!�</p><p>Peter sa� neben Kathleen und sah auf ihren Computerbildschirm. Dort war zwar nicht viel zu sehen, aber irgendwie hatte er das Gef�hl, dort hineinsprechen zu m�ssen. Er trug ein Headset, dessen st�bchend�nnes Mikrofon vor seinem Mund schwebte. Es war eine merkw�rdige Situation, die nicht dadurch besser wurde, dass die Reporterin so dicht an ihn heranger�ckt war, dass ihr Bein seines ber�hrte. Es kam ihm nicht ganz zuf�llig vor. Dennoch bem�hte er sich, die Fragen des Moderators so sachlich wie m�glich zu beantworten, immer darauf bedacht, so konkret zu sein, dass es fundiert klang, aber zugleich so vage, dass er keine Details verriet. Er stellte im Verlauf des Gespr�chs fest, dass er sich nicht recht im Klaren dar�ber war, welches diese Details waren, die er nicht preisgeben wollte, und weshalb. Etwas mahnte ihn zur Zur�ckhaltung, aber nach einer Viertelstunde f�hlte er sich einigerma�en sicher, dachte nicht mehr daran, dass ihm in diesem Moment einige hunderttausend Amerikaner zuh�rten, und ertappte sich bei allzu weitschweifigen Ausf�hrungen, worauf ihn auch schon Kathleen aufmerksam machte, indem sie ihm mit Zeichen zu verstehen gab, er m�ge mal eine Pause machen. Eine weitere Viertelstunde sp�ter meinte er das Aufatmen des Moderators zu h�ren, als dieser versuchte, das Gespr�ch zu beenden.</p><p>�So, das war wirklich sehr interessant, Professor Lavell. Wir haben jetzt viel erfahren, und ich sehe, dass die letzten Minuten der Sendung angebrochen sind. Die Zeit, in der auch unsere Zuschauer noch Fragen stellen k�nnen. Und da ist schon ein Anrufer. Hallo, dies ist Coast to Coast AM mit Jerry Robbins. Wer ist dort?�</p><p>�Ja, hallo, hier ist Matt Grands. Ich habe eine Frage an Professor Lavell, dessen Arbeit ich seit Jahren verfolge. Professor, denken Sie, dass Sie in Atlantis eine der Hallen der Aufzeichnungen finden werden?�</p><p>�Vielen Dank, Matt. Professor, was meinen Sie? Befindet sich in Atlantis eine der Hallen der Aufzeichnungen, wie sie Cayce beschrieben hat?�</p><p>�Ich bin mit den Vorhersagen und Texten von Edgar Cayce nicht sonderlich vertraut�, begann Peter. �Daher kann ich Ihnen das nicht beantworten. Vielleicht nur so viel: Ich halte es f�r wahrscheinlich, dass diese untergegangene Kultur, deren Spuren wir gefunden haben, weit fortschrittlicher war als andere antike V�lker, die wir heute kennen. Und wie es so ist: Bei arch�ologischen Untersuchungen findet man immer Informationen, die das bisherige Weltbild erweitern. Insofern kann man also wohl sagen, dass uns diese Kultur ihre Aufzeichnungen hinterlassen hat. Wir werden mit Sicherheit viel daraus lernen k�nnen.�</p><p>Jerry lachte auf. �Sehr elegant beantwortet, vielen Dank. Hier ist noch ein Anrufer. Hallo, dies ist Jerry Robbins, sie sind live bei<emphasis> Coast to Coast AM.</emphasis> Wer ist da?�</p><p>�Hallo? Also hier ist Eleonora Fawles aus Michigan. Ich m�chte den Professor fragen, ob er glaubt, dass die Atlanter auch an das Alte Testament geglaubt haben.�</p><p>�Oh, eine Frage �ber die Religion dieser Kultur, sehr gut. Professor Lavell, was denken Sie dar�ber?�</p><p>Peter sah mit gerunzelter Stirn zu Kathleen, die ihm aufmunternd zunickte.</p><p>�Nun, also...�, begann er, �Wir wissen, dass die j�dischchristliche Geschichtssammlung, die wir als das Alte Testament kennen, seine Urspr�nge in der vorchristlichen Zeit hat. Die �ltesten Teile, der Pentateuch, also die f�nf B�cher Mose, die den Juden als die Thora bekannt sind, haben sich in der Zeit um f�nfhundert bis eintausend vor Christus aus einer Vielzahl �lterer Quellen gebildet. Die Kultur nun, die wir hier suchen, ist deutlich �lter als das, �lter sogar noch als die �gyptische Kultur. Es geht hier um einen Zeitraum zwischen f�nf- und zehntausend vor Christus. Was aber nicht hei�en soll, dass es keine Verbindung geben k�nnte. Zu den �lteren Quellen, die offenbar in das Alte Testament eingeflossen sind, geh�rt ja, wie allgemein bekannt ist, das Gilgamesch-Epos. Schon das f�hrt uns eintausend Jahre tiefer in die Vergangenheit als der Pentateuch. Denkbar ist, dass wir nun weitere Spuren finden, eine Kultur- und Religionsgeschichte, die noch viel �lter ist und ebenfalls einen Einfluss gehabt hat.�</p><p>�Darf ich noch eine Nachfrage stellen?</p><p>�Aber bitte sehr�, antwortete Jerry.</p><p>Man h�rte, wie sich die Dame am Telefon r�usperte. �Das klingt alles so, als w�rden Sie nicht glauben, was im Alten Testament steht, Professor Lavell. Glauben Sie nicht an Gott?�</p><p>�Meine G�te!�, zischte Peter der Reporterin halblaut zu. �Was ist das denn f�r eine Frage?!�</p><p>�Bleiben Sie einfach Sie selbst�, gab sie beruhigend zur�ck.</p><p>�Sehen Sie�, begann Peter nach einem Augenblick, �als Junge habe ich einmal auf die Frage, was zwei plus zwei sei, geantwortet: �Ich glaube: vier.� Nun, die Antwort kam mit einer Backpfeife. Ob ich es denn nun w�sste oder nicht � ich sei schlie�lich nicht im Religionsunterricht. Ein Wissenschaftler sollte per definitionem wissen und nicht glauben. Ich wei� so viel: Dass man Gott weder beweisen noch widerlegen kann. Daher kann ich sagen: Nein, ich glaube nicht an Gott. Ebenso wenig, wie ich glaube, dass zwei plus zwei vier ergibt. Letzteres<emphasis> wei�</emphasis> ich. Gott allerdings bleibt ein R�tsel, denn man kann Gott nicht wissen, sondern nur glauben. Und vielleicht ist es auch gut so. Denn der Geschichte nach sind Adam und Eva bereits einmal f�r ihr Bestreben, das absolute Wissen zu erlangen, bestraft worden.�</p><p>Peter sp�rte, wie Kathleen mit ihrer Hand auf sein Bein klopfte. �Gut! Das war gut!�, raunte sie ihm erfreut zu.</p><p>�Wir haben noch einen Anrufer�, sagte Jerry. �Frank Meyer aus Seattle in Washington. Bitte Frank, stellen Sie dem Professor Ihre Frage.�</p><p>�Guten Abend, Professor Lavell. Sie haben es eben selbst gesagt, es geht hier um eine Zeit lange vor der Bibel, lange vor den �gyptern. Denken Sie, dass es m�glich w�re, dass diese atlantische Kultur der Ursprung von allem ist? Dass sie die Sch�pfer von allem waren, was sp�ter kam?�</p><p>Peter hob die Augenbrauen und blies seine Backen auf. Wieder sah er zu Kathleen, die ihn einfach nur aufmerksam betrachtete. Was sollte man auf so eine Frage antworten? Die Bewohner von Atlantis als Sch�pfer? Und wovon? Von allem? Dem Himmel und der Erde?</p><p>�Ich bin nicht sicher, ob ich verstehe, was Sie genau meinen�, sagte Peter schlie�lich. �K�nnen Sie Ihre Frage spezifizieren?�</p><p>�Es geht mir um die Evolution�, erkl�rte der Anrufer. �Wir wissen heute, dass vieles, was die althergebrachte Evolutionstheorie zu erkl�ren versucht, nach dem Stand der Wissenschaft nicht mehr haltbar ist. Die postulierten spontanen Mutationen, die n�tig w�ren, um v�llig neuen Arten zu schaffen, kommen nicht vor. Au�erdem gibt es das Problem der nicht reduzierbaren Komplexit�t kleinster funktionst�chtiger Organe. Ihnen ist das sicher alles bekannt. F�hrende Wissenschaftler sind sich einig, dass der Evolutionsprozess initiiert und gesteuert gewesen sein muss, dass alles einem intelligenten Designplan folgt. Denken Sie, dass dies von den Bewohnern von Atlantis ausgegangen sein k�nnte?�</p><p>Peter z�gerte. Es war immer wieder erstaunlich, welchen absurden Ideen die Leute bisweilen folgten. Er hoffte nur, dass nicht noch weitere Anrufer dieser Art in der Leitung waren.</p><p>�Zugegeben, wir haben Hinweise gefunden, dass diese Kultur technisch weit fortgeschritten gewesen ist�, sagte er. �Allerdings, wie weit auch immer sie entwickelt gewesen sein mag: Einen Einfluss auf die Evolution k�nnte sie nur gehabt haben, wenn man gleichzeitig annimmt, dass die Evolution nicht bereits seit mehreren Millionen Jahren im Gange ist, sondern erst vor zehntausend Jahren begonnen hat.�</p><p>�Aber unter dieser Pr�misse halten Sie es f�r denkbar?�</p><p>Peter verdrehte die Augen, entschloss sich aber, sich h�flich herauszureden. �Ich kann keine Voraussagen �ber die Details dessen machen, was wir erst noch herausfinden m�ssen. Aber ich lehne keine Idee kategorisch ab. Nur das erm�glicht es uns, unbefangen neue Zusammenh�nge zu entdecken.�</p><p>�Tja, unsere Zeit ist leider um�, hakte nun der Moderator ein, und Peter atmete auf. �Es war enorm spannend, Ihnen zuzuh�ren, und noch spannender wird es zu erfahren, was Sie noch finden werden. Professor Lavell, ich danke Ihnen � auch im Namen unserer Zuh�rer � f�r dieses Gespr�ch! Seien Sie versichert, dass wir Ihre Forschung weiter verfolgen werden.�</p><p>�Ich bedanke mich f�r Ihr Interesse�, gab Peter zur�ck, und kurz darauf klang Musik aus dem Lautsprecher des Computers. Das Radioprogramm lief weiter. Jerry war allerdings noch am H�rer.</p><p>�So, das ist doch gut gelaufen, Professor. Ich hoffe, es hat Ihnen gefallen.�</p><p>�Aber ja doch. Vielen Dank f�r die Einladung.�</p><p>�Gerne. Richten Sie Miss Denver einen sch�nen Gru� von mir aus, vielleicht ist sie ja gerade bei Ihnen. Und lassen Sie es mich wissen, wenn Sie Atlantis gefunden haben. Ich mache gerne eine Exklusivsendung �ber Sie, wenn es so weit ist.�</p><p>�Vielen Dank. Ich wei� das zu sch�tzen. Miss Denver setzt sich gegebenenfalls mit Ihnen in Verbindung. Bis bald.�</p><p>Peter nahm das Headset ab, und Kathleen bediente einige Kn�pfe am Rechner, mit denen sie das Programm ausschaltete.</p><p>�Das war wirklich gro�artig, Professor!�, sagte sie und legte ihre Hand auf seinen Oberschenkel. �Man k�nnte Ihnen stundenlang zuh�ren. So ein ungeheures Wissen. Und Sie k�nnen sich so elegant ausdr�cken.�</p><p>Peter stand ungelenk auf. Auch, um ihre Hand loszuwerden. Zwar mochte er die W�rme, die von ihr ausging, aber irgendwie war ihm die Ber�hrung danach peinlich und unangenehm. �Nun, vielen Dank. Ich habe mein Bestes getan.�</p><p>�Man merkt, dass Sie es gewohnt sind, vor vielen Leuten zu sprechen.�</p><p>�Nur die Fragen waren etwas... merkw�rdig.�</p><p>�Ja, fanden Sie?�</p><p>�Ob man in Atlantis an Gott geglaubt hat! Ob die Atlanter die Evolution gesteuert h�tten! Also wirklich...� Er sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Haben Sie noch nie daran gedacht?� Sie stand auf, stellte sich vor ihn und legte den Kopf ein wenig schief. �Sie besch�ftigen sich doch auch mit Religionsgeschichte. Sicher kennen Sie die ganzen Theorien dar�ber, dass Berichte aus dem Altertum auf den Kontakt mit h�her entwickelten Wesen zur�ckzuf�hren sind. Die Geschichten �ber Engel, �ber die Cherubim, die Geschichten von Hesekiel... K�nnte es nicht wahr sein? Nicht nur die j�dische Mystik ist voll davon. Es gibt �hnliche Beschreibungen in so vielen andern Kulturen! Und sind Sie nicht selbst gerade auf der Spur des m�glichen Ursprungs der Sintflutlegenden, die es weltweit gibt?�</p><p>Er l�chelte sie an. Nicht nur, weil sie ihn mit so gro�en Augen ansah, sondern weil sie ihn so schlau umgarnte. �Sie versuchen, mich mit meinen eigenen Waffen zu schlagen.�</p><p>�Aber Peter!� Sie l�chelte zur�ck und trat noch n�her an ihn heran. �Welche Chance h�tte ich da gegen Sie...�</p><p>Peter f�hlte, wie sich Kathleens Arm federleicht um seine H�fte legte.</p><p>�Das ist etwas irritierend...�, murmelte er.</p><p>Sie lachte leise auf und zog ihn ganz sanft an sich heran. �Ich irritiere Sie? Was soll ich da erst sagen?�</p><p>�Die Fragen�, stie� er hervor. �Die Fragen meine ich.� Er trat einen Schritt zur�ck und zog sie mit sich. �Die waren... irritierend. Und ich denke nicht...�</p><p>�Ja... ?�</p><p>Er umfasste ihr Handgelenk hinter seinem R�cken und schob ihren Arm beiseite. �Ich glaube nicht, dass das richtig ist, Miss Denver. Kathleen.�</p><p>�Aber ich dachte...� Sie lie� ihren Arm sinken und setzte eine Miene auf, die zwischen Br�skiertheit und Entt�uschung schwankte.</p><p>�Bitte verstehen Sie mich nicht falsch!�, bem�hte sich Peter zu erkl�ren. �Ich wei� Ihr Wohlwollen durchaus zu sch�tzen. Aber ich denke einfach nicht... also, ich meine... Jedenfalls vielen Dank.�</p><p>Kathleen sah ihn einen Moment lang schweigend an, w�hrend sich ihre Gesichtsz�ge zunehmend verh�rteten. �Also dann�, sagte sie schlie�lich, �nachdem das gekl�rt w�re... Bis sp�ter!� Damit drehte sie sich um, verlie� den Raum und lie� Peter perplex zur�ck.</p><empty-line/><p>Patrick stand am Heck des Schiffes und beobachtete die Vorbereitungen. Die wei� lackierte Form des U-Boots stach wie ein �bergro�er, gestrandeter Belugawal zwischen den Deckaufbauten hervor.<emphasis> Alvin</emphasis> wurde gerade richtig positioniert, sodass er mit dem ausladenden Kran �ber Bord gehievt werden konnte. In einiger Entfernung diskutierte Susan mit zwei M�nnern der Besatzung. Sie trug bereits ihren Tauchanzug, dessen Oberteil wie schon beim letzten Mal noch ge�ffnet um ihre H�ften baumelte. Sie macht eine verdammt gute Figur, �berlegte Patrick. Aber vermutlich war sie tats�chlich ein Wildfang, und er musste sich eingestehen, dass er f�r solche Spielchen langsam zu alt wurde. Oder vielleicht auch zu abgekl�rt. Seit er sich vor einigen Tagen Gedanken �ber Stefanie gemacht hatte und das, was ihn an ihr fasziniert hatte, war sein jungenhaftes Interesse an Susan verblasst.</p><p>�Ganz sch�n aufgew�hlt.�</p><p>Es war Peter, der herangekommen war und nun neben Patrick an der Reling stand.</p><p>�Oh, da sind Sie ja. Wie war es mit Kathleen?� In Patricks Stimme schwang eine neckische Zweideutigkeit mit.</p><p>�Fragen Sie mich nicht. Ich erz�hle es Ihnen ein anderes Mal.�</p><p>Patrick zuckte mit den Schulten. �Ich muss ja nicht alles wissen.�</p><p>�T�uscht es, oder ist das kubanische Schiff n�her gekommen?�, fragte Peter mit einem Blick auf die Wellen.</p><p>�N�her gekommen ist gut! Man kann ihnen mit dem Fernglas in die Komb�se gucken.�</p><p>�Vermutlich wissen wir noch immer nicht, was sie wollen.�</p><p>�Nein. Aber ich denke, sie spionieren uns aus. Wollen bestimmt beobachten, was wir tun.�</p><p>�Zu welchem Zweck?�</p><p>�Wer wei� schon, was in deren K�pfen vor sich geht. W�rde mich nicht wundern, wenn die im Kontakt mit ihrem Saboteur hier an Bord stehen. Der funkt ihnen alle m�glichen Daten r�ber und winkt ihnen von irgendwo fr�hlich zu.�</p><p>�Meinen Sie wirklich?�</p><p>�Ach, keine Ahnung. John hat jedenfalls die Mannschaft instruiert, alles doppelt zu checken und besonders wachsam zu sein. Ah, wenn man von ihm spricht...�</p><p>Peter folgte Patricks Blick. Der Kapit�n kam gerade auf sie zu.</p><p>�So, Gentlemen�, sagte er, als er heran war, �es geht gleich los. Sind Sie schon aufgeregt?� Er l�chelte.</p><p>�Meine Begeisterung, bei diesem Seegang in das kleine Ding dort zu steigen�, sagte Peter, �h�lt sich ehrlich gesagt in Grenzen.�</p><p>�Er freut sich wie verr�ckt, will er sagen�, erkl�rte Patrick und lachte.</p><p>�Sie sollten sich jetzt umziehen gehen�, sagte John. �Leichte und bequeme Schuhe, eine lange Hose, und nehmen Sie einen Pullover mit, es wird frisch in der B�chse. Denken Sie auch daran, noch einmal auf Toilette zu gehen. Sie werden in den n�chsten Stunden keine Gelegenheit dazu haben.<emphasis> Alvin II</emphasis> sinkt mit achtundvierzig Metern pro Minute, es dauert also fast anderthalb Stunden, bis Sie unten sind, der Aufstieg noch mal so lang. Also drei Stunden reine Wegzeit, zuz�glich der Zeit, die Sie unten verbringen m�chten.�</p><p>�Was ist mit dem aufgew�hlten Meer?�, fragte Peter. �Ist das kein Problem?�</p><p>�Nur an der Oberfl�che wird's etwas ruppig. Nach ein paar Minuten sind Sie aber schon tief genug, dort spielt der Wellengang keine Rolle mehr, nur noch die Str�mung. Zur Sicherheit gibt's es aber nat�rlich Spuckt�ten an Bord.�</p><p>�Das ist sehr beruhigend.� Peter klang wenig �berzeugt.</p><empty-line/><p>Eine Viertelstunde sp�ter waren Peter und Patrick bereit und standen unter dem Kran der<emphasis> Argo</emphasis> und vor dem Gestell, das als Treppe f�r den Zugang zum U-Boot diente, dessen Einstiegsluke sich auf seiner Oberseite befand.</p><p>Kathleen hielt sich ein wenig abseits, hatte die Kamera geschultert und filmte sie.</p><p>Aus der Luke kam der Kopf von Dick. �Sie k�nnen einsteigen, alles ist vorbereitet.� Dann verschwand er wieder im Inneren.</p><p>Patrick stieg die Stufen hinauf und lie� sich in die Luke gleiten. Peter folgte ihm, sah einen Moment lang in das dunkle Loch, das ihn wie ein Eingang zur Kanalisation anmutete, und kletterte dann ebenfalls hinunter.</p><p>Das Innere war deutlich kleiner, als er von au�en vermutet hatte. Es war, wie er sich in Erinnerung rief, eine Sph�re, so konstruiert, um einem maximalen Druck standhalten zu k�nnen. Diese Sph�re machte lediglich das vordere Drittel des Bootes aus, und ihr Durchmesser betrug nur erschreckende zwei Meter. Aufrecht darin zu stehen w�re nur einer einzigen Person m�glich gewesen. Allerdings sa� im vorderen Teil der Pilot. F�r die beiden begleitenden Personen waren an der linken und rechten Seite zwei Pritschen vorgesehen. Als Wissenschaftler verbrachte man den Tauchgang also liegend.</p><p>�Wenn Sie klaustrophobisch sind�, meinte Dick, der sich in seinem Sitz halb herumdrehte, �w�re jetzt der richtige Zeitpunkt, es zu sagen.�</p><p>�Ach�, winkte Patrick ab, �wir sind schon in so machen Katakomben herumgekrochen. Das macht ihm nichts.�</p><p>Peter z�gerte. Die Enge war unangenehm, aber nicht halb so schlimm wie die Vorstellung, mit dieser Nussschale Tausende von Metern in die absolute Dunkelheit zu sinken. Andererseits, vielleicht verga� man das, immerhin waren sie zu dritt, konnten sie sich unterhalten, und es w�rde hoffentlich einiges zu sehen geben � wenigstens, wenn sie erst einmal unten angelangt waren.</p><p>Aufgeregte Rufe, die von au�en durch die noch offen stehende Luke klangen, rissen ihn aus seinen Gedanken.</p><p>�Was ist da los?�, fragte Patrick. �Lassen Sie mich mal vorbei, Peter.� Er dr�ngte sich an dem Engl�nder vorbei und stieg nach oben. Als er aus der Luke blickte, sah er, dass sich die allgemeine Aufmerksamkeit auf das Wasser richtete. Er stieg hinab und eilte zur Reling. Ein motorbetriebenes Schlauchboot tanzte auf den Wellen. Darauf befanden sich zwei M�nner, ein dritter war im Wasser, klammerte sich an den Rand. Ebenfalls im Wasser erkannte Patrick Susans neonrote Flossen. Sie n�herte sich dem Schlauchboot.</p><p>�Halt ihn fest!�</p><p>�Schnapp ihn!�</p><p>�Pass auf!�</p><p>Verschiedene Rufe ert�nten. Fast die halbe Besatzung der <emphasis>Argo</emphasis> war hier versammelt, sie riefen, schwenkten die Arme und verfolgten die Vorg�nge voller Anspannung.</p><p>Patrick entdeckte den Kapit�n und ging zu ihm.</p><p>�Was ist los?�</p><p>�Das Boot geh�rt zur<emphasis> Libertad.</emphasis> Ist vor ein paar Minuten her�bergekommen, und dann ist pl�tzlich Ricardo ins Wasser gesprungen. Sieht so aus, als wollten die Kubaner ihn abholen. Susan ist gleich hinterher.�</p><p>�K�nnte es sein, dass er der Saboteur war?�</p><p>�M�glich w�r's. Wir kennen ihn nicht n�her. Er ist der Student, den wir in Nassau als Ersatz aufgenommen haben ...�</p><p>�Was macht sie denn da?!�, rief Patrick.</p><p>Susan, noch im Wasser, hatte sich an das Bein von Ricardo geklammert, der gerade von den M�nnern auf das schwankende Schlauchboot hochgezogen wurde. Sie versuchte, ihn zur�ck ins Wasser zu ziehen. Durch die Tauchflasche zus�tzlich beschwert, sah es aus, als k�nnte es ihr gelingen. Doch der Mann trat um sich, und pl�tzlich erwischte er Susans Gesicht. Sie lie� von ihm ab, st�rzte r�ckw�rts in ein Wellental und wurde augenblicklich �bersp�lt.</p><p>Instinktiv setzte Patrick sich in Bewegung. Er kletterte �ber die Br�stung und sprang ins Wasser. Nur vage registrierte er, dass links und rechts neben ihm weitere Crewmitglieder denselben Impuls hatten.</p><p>Er tauchte steil ein, musste sich m�hevoll nach oben k�mpfen. Die vollgesogene Kleidung behinderte seine Bewegungen. Als er auftauchte, schlug ihm eine Welle ins Gesicht. Er schluckte Wasser, strampelte und kam schlie�lich prustend an die Oberfl�che. Eine weitere Welle kam heran, er versuchte, sich von ihr nach oben tragen zu lassen, und endlich gelang es ihm, sich nach dem Schlauchboot umzusehen. Er h�rte die Rufe vom Deck der<emphasis> Argo</emphasis> hinter sich, als er sich mit gro�en Schwimmz�gen zu der Stelle bewegte, an der er Susan hatte untergehen sehen. Die M�nner auf dem Schlauchboot gestikulierten heftig, einer machte sich bereit, ins Wasser zu springen. Als Patrick in die N�he kam, tauchte er ab und versuchte, unter Wasser etwas zu erkennen. Das Salzwasser brannte in seinen Augen, er erkannte nur eine verschwommene, dunkelblaue Gleichf�rmigkeit. Dann aber nahm er ein neonrotes Leuchten wahr. Er stieg noch einmal an die Oberfl�che, holte tief Luft und tauchte wieder hinunter. Er konnte die Entfernung nicht sch�tzen. Schon nach drei Metern schlug ihm der Druck auf die Ohren, und er sp�rte, wie ihm die Luft in den Lungen brannte. Er war zu hektisch, zu angestrengt, und er verf�gte �ber keine Kondition mehr. Es war ein irrsinniger Gedanke, in diesem Zustand jemanden retten zu wollen. Er musste vielmehr an sich selbst denken! Er drehte um in Richtung Oberfl�che, als er einen heftigen Schlag gegen den Kopf sp�rte. Nur f�r einen Sekundenbruchteil blitzte eine Schwimmflosse neben ihm auf, dann verlor er das Bewusstsein.</p><empty-line/><p>Wasser schlug ihm ins Gesicht. Entsetzt rang er nach Luft, bewegte sich nach vorn und sp�rte sogleich, wie er gegen etwas prallte, das ihn zur�ckstie�.</p><p>Patrick riss die Augen auf. Prustete. In seinem Blickfeld erschien die Gestalt eines Mannes, der ihn mit grimmigem Gesichtsaudruck ansah. Der Mann hatte einen Bart, sah s�dl�ndisch aus und redete auf ihn ein, nein schimpfte. Auf Spanisch.</p><p>Patrick lag auf dem R�cken. Unter ihm harter Boden. Er war auf einem Schiff. Er war durchn�sst. Sein Sch�del dr�hnte, ein dumpfer Schmerz pochte in seinen Schl�fen. Er rollte sich auf die Seite und richtete sich langsam auf, als der Mann vor ihm etwas �ber seine Schulter rief. Patrick bemerkte einen Eimer, der vor ihm auf dem Boden stand. Der Boden war nass. Ihm wurde klar, wie man ihn gerade geweckt hatte.</p><p>�Sind Sie verr�ckt?!�, herrschte pl�tzlich jemand in gebrochenem Englisch. Patrick sah auf. Ein weiterer Mann war hinzugekommen. Er stand breitbeinig vor ihm und hatte die H�nde in die H�ften gestemmt. �Sie haben meine M�nner im Wasser angegriffen, fast w�re Miguel draufgegangen!�</p><p>�Moment mal�, brachte Patrick hervor, der sich m�hte aufzustehen. Er wedelte mit einer Hand. �Was ist hier los? Ich habe niemanden angegriffen.�</p><p>�Wollen Sie unversch�mt werden?!�, schnauzte der Mann zur�ck. �Passen Sie auf, wie Sie auf meinem Schiff reden!�</p><p>Patrick rappelte sich auf, wankte und fand schlie�lich an der Reling hinter sich Halt.</p><p>�Sind Sie der Kapit�n?�</p><p>�Mein Name ist Nu�o Gonz�lez, ich bin der Leiter dieser Mission. Beten Sie, dass Comandante Manuel Sie nicht pers�nlich aufsuchen wird!�</p><p>�K�nnen Sie mir jetzt bitte mal sagen, was Sie f�r ein Problem haben?�</p><p>�Das Problem haben Sie,<emphasis> amigo.</emphasis> Los, bringt ihn runter zu der kleinen<emphasis> puta,</emphasis> bis wir entschieden haben, was wir mit ihnen tun.�</p><p>Patrick wurde von zwei M�nnern an den Armen gepackt und fortgezerrt. Er war zu ersch�pft, um sich wehren zu k�nnen, hatte M�he, �berhaupt einen Fu� vor den anderen zu setzen, um nicht mitgeschleift zu werden.</p><p>Sie brachten ihn unter Deck, eine Treppe hinunter, f�hrten ihn durch schlecht bel�ftete Korridore und stie�en ihn schlie�lich in eine Kabine, deren T�r sie hinter ihm verriegelten.</p><empty-line/><p>�Hier ist das Forschungsschiff<emphasis> Argo 2K,</emphasis> Captain John Harris. <emphasis>Libertad,</emphasis> melden Sie sich!�</p><p>Peter stand neben John auf der Br�cke. Seitdem das Schlauchboot der Kubaner sowohl Susan als auch Patrick in verletztem Zustand an Bord geholt hatte und zum Mutterschiff zur�ckgefahren war, herrschte bei der Besatzung der<emphasis> Argo</emphasis> helle Aufregung. Einzig John schien der Vorfall nicht aus der Ruhe zu bringen. Im Gegenteil, er strahlte nun eine Zielstrebigkeit aus, die Peter deutlich machte, weshalb dieser Mann eine F�hrungsposition innehatte.</p><p>�Hier ist Capit�n Manuel von der<emphasis> Libertad</emphasis>�<emphasis>,</emphasis> kam endlich eine Antwort �ber Funk. �<emphasis>Argo,</emphasis> sprechen Sie!�</p><p>�Sie haben zwei meiner M�nner an Bord�, sagte John. �Vermutlich sind sie verletzt. Wir schicken ein Dingi, um sie abzuholen.�</p><p>�Negativ, Captain. Die Verletzten sind noch auf der Krankenstation und nicht transportf�hig.�</p><p>Peter warf John einen erschrockenen Blick zu, aber der verzog nur den Mund und sch�ttelte den Kopf. �Lassen Sie mich mit ihnen sprechen, Capit�n.�</p><p>�Das ist nicht m�glich.�</p><p>�Ich muss darauf bestehen, dass Sie mir meine Leute unverz�glich aush�ndigen.�</p><p>�Captain, Sie riskieren die Gesundheit Ihrer Leute. Ich kann sie Ihnen erst �bergeben, wenn sie sich erholt haben.�</p><p>�Lassen Sie das meine Sorge sein, ich �bernehme die Verantwortung.�</p><p>�Ich bedaure...�</p><p>�Und ich habe Ihnen eine klare Anweisung gegeben. Sie haben kein Recht �ber meine Mannschaft. Ich schicke das Dingi jetzt auf den Weg.<emphasis> Over and out.</emphasis>�</p><p>�Meinen Sie, Susan und Patrick liegen tats�chlich auf der Krankenstation?�, fragte Peter, als John das Funkger�t ausgeschaltet hatte.</p><p>�Schwer zu beurteilen. Aber unwahrscheinlich, dass man sie nicht transportieren k�nnte. Ich denke viel eher, dass es sich um eine Taktik handelt, uns aufzuhalten. Jetzt, wo wir gesehen haben, dass sich Ricardo zu den Kubanern geschlagen hat, halte ich es f�r denkbar, dass die von Anfang an hinter unseren Schwierigkeiten steckten. Die<emphasis> Libertad</emphasis> w�re in der Lage, unser Sonar zu st�ren. Und die Kubaner waren es vielleicht auch, die den ersten Pressebericht �ber die angeblichen Schiffscontainer lanciert haben. �ber Ricardo k�nnten sie an die Bilder gekommen sein.�</p><p>�Und war er es, der die Computersysteme sabotiert hat?�</p><p>�Das ist bisher nicht festzustellen gewesen. Er hat sich seitdem nicht mehr eingeloggt. Wir haben aber den Computer in seiner Kabine untersucht. Alle Verbindungs- und Nutzungsprotokolle darauf waren gel�scht. Was ihn immerhin verd�chtig macht.�</p><p>Peter nickte. �Ob sie nun verletzt sind oder nicht, darf man sich dann wohl Sorgen um Susan und Patrick machen.�</p><p>�Weswegen wir uns das auch nicht gefallen lassen, Professor. Kommen Sie mit.�</p><empty-line/><p>�Was machst du denn hier?�</p><p>Patrick drehte sich zur Seite und entdeckte Susan, die auf einer Pritsche sa�. Sie trug nicht mehr ihren Taucheranzug, sondern war nur mit einem Sportbikini bekleidet. Ihre Nase war leicht angeschwollen und blutverkrustet. Abgesehen davon schien sie fit zu sein.</p><p>Er sah sich um. Man hatte sie in einer schmucklosen Kabine eingesperrt. Er gab hier zwei einfache Betten, einen Schrank und einen Schreibtisch. Ein Bullauge lie� etwas Licht herein.</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte Patrick. �Ich war ins Wasser gesprungen, dann habe ich einen Schlag abbekommen und bin eben auf Deck mit einem Eimer Wasser geweckt worden. Keine Ahnung, wer mir da eins �bergezogen hat oder was passiert ist.� Er trat auf Susan zu. �Aber wie geht es dir? Siehst ein bisschen aus, als w�rst du gegen einen Schrank gelaufen. Sonst alles okay?�</p><p>�Ja, sonst ist alles okay.� Sie l�chelte schief. �Aber was hattest du im Wasser zu suchen? Ihr wart doch schon im<emphasis> Jason.</emphasis>�</p><p>�Ich hatte die Schreie geh�rt und war wieder rausgekommen. Dann hatte ich gesehen, wie du versucht hast, diesen einen Kerl aus dem Boot zu ziehen und dir dabei einen Tritt eingefangen hast. Und dann bin ich hinterhergesprungen.� Er verzog seinen Mund zu einem breiten Grinsen. �Heldeninstinkt, wei�t du?�</p><p>�Idiotisch�, bemerkte sie. �Ein Wunder, dass du so alt geworden bist. Helden sterben fr�h, wei�t du?�</p><p>�O Mann, Doppeltreffer. Du kannst aber austeilen.�</p><p>�Bleibt mir nichts anderes �brig. Ihr M�nner seid manchmal echt l�stig.�</p><p>�Also entschuldige bitte, wenn dich mein Rettungsversuch bel�stigt hat!�</p><p>�Ist ja nicht so, als w�re ich gleich ertrunken, oder?�</p><p>�Es sah aber so aus.�</p><p>Jetzt lachte sie. �Ach, komm schon. Musst ja nicht gleich beleidigt sein. War s�� von dir, okay? Idiotisch, aber s��. Zufrieden?�</p><p>�Ganz gro�artig.�</p><p>�Nun krieg dich ein. Mach dich lieber bereit, f�r den Fall, dass einer der Typen gleich wiederkommt.�</p><p>�Bereit? Wozu? Was haben die vor?�</p><p>�Ist mir egal. Will ich auch nicht wissen. Aber<emphasis> ich</emphasis> habe vor, dem eine reinzuhauen. Und dann nichts wie runter von dem Kahn.�</p><p>�Moment mal, wie stellst du dir das vor?�</p><p>�Wie ich es sage. Raus, an Deck und ins Wasser.�</p><p>�Und dann? Willst du zur<emphasis> Argo</emphasis> schwimmen? Au�erdem k�nnten wir inzwischen wer wei� wie weit weg sein.�</p><p>�Nein, wir liegen vor Anker, das h�tte ich sonst mitbekommen. Und bis zur<emphasis> Argo</emphasis> sind es h�chstens f�nfhundert Meter. Au�erdem sind unsere Leute mit Sicherheit inzwischen auf dem Weg hierher.�</p><p>�Na, deine...�<emphasis> Zuversicht m�chte ich haben,</emphasis> wollte er den Satz beenden, hielt sich aber gerade noch zur�ck. Jetzt klang er schon wie sein eigener Vater. Oder wie Peter. Was in etwa auf das Gleiche hinauskam.</p><p>�Meine was?�</p><p>�Nichts, ist schon gut.�</p><p>�Also, machst du mit?�</p><p>�Ja sicher.� Patrick sah sich in der Kabine um. Er entdeckte ein Stromkabel, das mit Klammern befestigt an der Fu�leiste entlanglief. �Sehr gut. Das brauchen wir...�</p><p>Es dauerte keine zehn Minuten, bis tats�chlich jemand auftauchte. Ein Besatzungsmitglied kam herein und brachte eine Karaffe Wasser mit zwei Plastikbechern. Er entdeckte Patrick auf dem Boden und beugte sich nach unten.</p><p>Patrick sprang auf und rammte dem Mann seinen Kopf unter das Kinn, sodass dessen Z�hne laut aufeinanderschlugen. Susan war im selben Augenblick zur T�r geeilt und schlug sie zu, damit keine Ger�usche in den Gang dringen konnten. Aber es war unn�tig. Der Mann wurde durch die Wucht nach hinten geschleudert, prallte gegen die Wand und sackte mit blutendem Mund in sich zusammen.</p><p>Sie legten den bewusstlosen Mann b�uchlings. Susan fesselte ihm mit dem Kabel die H�nde auf dem R�cken, w�hrend Patrick sich sein T-Shirt auszog. Sein Kopf schmerzte h�llisch von dem Sto�. Als ob eine Gehirnersch�tterung innerhalb einer halben Stunde nicht reichte. Er riss mit den Z�hnen ein Loch in sein T-Shirt und zerriss es in gro�e Fetzen. Einen Ballen davon stopfte er dem Mann in den Mund. W�hrend der Stoff sich mit Blut vollsog, schn�rte Patrick zwei zus�tzliche Schlaufen des Kabels um den Kopf und zwischen das Gebiss des Kubaners, sodass er den Knebel nicht ausspucken konnte.</p><p>�Und jetzt abhauen�, sagte Susan und ging zur T�r.</p><p>Sie �ffnete sie einen Spalt und sp�hte in den Flur. Dann huschten sie hindurch.</p><p>Als sie an einem kleinen roten Metallschrank vorbeikamen, stoppte Susan. Sie riss die T�r auf und ergriff zwei Schwimmwesten, von denen sie Patrick eine in die Hand dr�ckte. �Hier, blasen sich von alleine auf. Hoffe ich jedenfalls.� Dann griff sie noch einmal in den Schrank, hob den Deckel eines K�stchens an und entnahm eine Signalpistole. �So, komm jetzt!�</p><p>Patrick lief ihr hinterher. Der Flur blieb leer. Sie kamen an die Treppe und stiegen hinauf. Oben angekommen verlief ein weiterer Gang. Susan wandte sich nach links dem Ausgang entgegen, durch den sie das Blau des Himmels sehen konnten. Kurz bevor sie die T�r erreichten, erschien ein Mann im Rahmen und blieb verbl�fft stehen. Susan hob die Pistole. �Zur�ck, oder ich schie�e!�, br�llte sie und rannte weiter auf den Mann zu. Der stolperte erschrocken zur�ck und lief mit lauten spanischen Fl�chen auf den Lippen fort.</p><p>�Hinterher�, rief Susan.</p><p>Patrick bem�hte sich, Anschluss zu halten. Sein Kopf pochte wie verr�ckt. Lange w�rde er nicht mehr durchhalten.</p><p>Sie kamen an Deck, wo Susan sich f�r einen kurzen Augenblick orientierte. �Hier entlang!�, rief sie. �Und zieh dir die Weste schon mal �ber.�</p><p>Im Laufen versuchte Patrick, ihren Anweisungen nachzukommen, fand sich aber in dem zusammengefalteten Etwas nicht zurecht, als Susan erneut stehen blieb.</p><p>�Zur�ck!�, zischte sie, und Patrick erkannte, dass eine Gruppe M�nner keine zehn Meter vor ihnen stand. �Ich schie�e!�, drohte sie und richtete die Signalpistole auf die Gruppe.</p><p>Der vorderste der Kubaner begann zu grinsen und kam einen Schritt n�her. Es war offensichtlich, dass er sich,nicht einsch�chtern lassen w�rde.</p><p>�Ins Wasser, Patrick!�, rief sie, drehte sich halb herum und schleuderte Patrick mit einem Arm gegen die Reling. Gleichzeitig richtete sie die Pistole nach oben und dr�ckte ab. Die rote Feuerkugel stieg in die H�he, w�hrend der vorderste Mann augenblicklich einen Satz nach vorn machte. Susan warf ihm die Pistole ins Gesicht und schwang sich �ber das Gel�nder. Dabei zog sie Patrick mit sich. Sie st�rzten unkontrolliert aus f�nf Metern H�he in die Wellen.</p><p><emphasis>Nicht schon wieder!,</emphasis> war Patricks erster Gedanke, als ihm erneut schwarz vor Augen wurde.</p><p>Es w�hrte allerdings nur Sekundenbruchteile. Der Schmerz und seine Panik bewahrten ihn dieses Mal davor, das Bewusstsein zu verlieren. Susan zerrte seinen Kopf �ber Wasser.</p><p>�Bleib oben, solange du kannst�, dr�ngte sie. �Ich k�mmere mich um deine Weste.�</p><p>Sie ignorierte die Schreie, die von Bord der<emphasis> Libertad</emphasis> zu ihnen hinunter drangen, und streifte Patrick mit ge�bten Bewegungen die Weste �ber den Kopf. Dann griff sie an seine H�fte, verknotete etwas, zog an einer Kordel, und kurz darauf blies sich das Plastikteil auf. Dann tauchte sie kurz unter und kam mit der eigenen Weste �ber dem Kopf wieder an die Oberfl�che.</p><p>Es war eine kurze Verschnaufpause, als sie schlie�lich beide mithilfe der Schwimmwesten auf den Wellen trieben.</p><p>�Das war verdammt knapp�, sagte sie.</p><p>�Ja, danke.� Patrick legte ihr seine Hand auf die Schulter.</p><p>�Noch sind wir nicht zu Hause�, gab sie zur�ck und wies nach links. �Los jetzt, wir schwimmen in Richtung der<emphasis> Argo. </emphasis>Ich hoffe, sie haben das Signal gesehen.�</p><p>Sie wurden nicht verfolgt. Die Kubaner beschr�nkten sich darauf, ihnen Schimpfw�rter zuzurufen.</p><p>Susan winkte heftig, als sie das Dingi der<emphasis> Argo</emphasis> ausmachte, und wenig sp�ter hatte Chad sie beide auf das Schlauchboot gezogen.</p><p>Sie lie�en sich ersch�pft auf die Holzbretter sinken, als ein lauter Knall �ber das Wasser gellte. An Deck der<emphasis> Libertad</emphasis> war eine Rauchwolke zu sehen, Holzteile und andere Fetzen flogen durch die Luft und fielen in weitem Umkreis ins Wasser.</p><p>�Was zum Teufel war das?�, fragte Patrick.</p><p>�Eine Explosion...�, bemerkte Susan. �Aber keine Flammen. Vielleicht ist ihnen eine Pressluftflasche um die Ohren geflogen.�</p><p>Patrick sah sie an. �Hast du etwa...�</p><p>�Ich?!� Sie lachte auf. �Also wirklich, du hast ja wohl gesehen, dass ich genug zu tun hatte! Ich bin doch nicht Lara Croft.�</p><p>�Was immer es war�, sagte Chad, �Immerhin gut, dass es nicht passiert ist, als ihr noch an Bord wart! So, und nun ab nach Hause, f�r heute ist Feierabend.�</p></section><section><empty-line/><p><strong>Kapitel 12</strong></p><empty-line/><p><emphasis>AUTEC U.S.-Navy-Recherche-Zentrum, Andros Island, Bahamas</emphasis></p><empty-line/><p>Er hatte erwartet, bereits am fr�hen Morgen ein paar schwarze Limousinen und M�nner mit dunklen Sonnenbrillen auf dem Parkplatz stehen zu sehen, aber als Walters die Basis betrat, wirkte alles genauso friedlich wie sonst auch.</p><p>Seit er den Leuten von der NSA gestern Mittag deutlich beil�ufig geschrieben hatte, er w�rde sich um die Angelegenheit k�mmern, hatte man ihn nicht mehr behelligt. Vielleicht war den B�rohengsten klar geworden, dass sie nicht einfach einem Lieutenant Commander vorschreiben konnten, was er zu tun hatte. Sicher, notfalls w�rde man die Sache zu einer Frage der Nationalen Sicherheit erkl�ren, um dem Ganzen Druck zu verleihen, aber so dringend schien es dann offenbar doch nicht zu sein.</p><p>Dass er sich get�uscht hatte, bemerkte er, als er in sein B�ro kam.</p><p>Die T�r war bereits offen.</p><p>An seinem Besprechungstisch sa� ein Offizier mit einem Becher Kaffee. Vier goldene Streifen am �rmel und ein silberner Adler am Kragen wiesen ihn als Captain aus, zwei Dienstgrade �ber Walters, dem die AUTEC-Basis unterstand.</p><p>Walters salutierte, aber der Mann drehte sich nur halb um und winkte ab.</p><p>�Holen Sie sich einen Kaffee, Lieutenant Commander, und setzen Sie sich.�</p><p>Walters setzte sich wortlos.</p><p>�Sie haben sich ja reichlich �rger aufgehalst...�, sagte der Mann. Er schwieg einen Moment. �Ich bin Commander Thomas Mullinger vom Navy-St�tzpunkt Jacksonville.�</p><p>�Sir, ich wei�, wer Sie sind.�</p><p>�Gut. Dann fragen Sie vielleicht, weshalb ich hier bin?�</p><p>Walters r�usperte sich. �Ja, Sir. Weshalb sind Sie hier?�</p><p>�Denken Sie nach.�</p><p>�Geht es um die Walstrandungen?�, versuchte Walters, das Unvermeidliche hinauszuz�gern. Immerhin konnte er in dieser Sache vielleicht ein paar Punkte gutmachen.</p><p>Mullinger sah auf seine Uhr. �Meinen Sie, ich h�tte meinen Job noch lange, wenn er mir Zeit f�r Meeress�uger lie�e?�</p><p>Walters war schlau genug, keine Antwort darauf zu geben. �Sicher interessieren Sie dann die beiden Forschungsschiffe�, sagte er.</p><p>�Nicht<emphasis> mich</emphasis> interessieren sie, Walters. Die NSA interessieren sie. Wie Sie seit Freitag wissen.�</p><p>Walters schwieg. Was sollte er dazu auch sagen?</p><p>�Man hat Ihnen Anweisungen gegeben, die Forschungsschiffe aufzuhalten, bin ich da richtig informiert?�</p><p>�Das ist korrekt, Sir.�</p><p>�Nat�rlich ist es das. Und was haben Sie in der Angelegenheit unternommen?�</p><p>�Ich habe alle Daten, die wir gesammelt haben, weitergeleitet. Gestern war ich nur sehr besch�ftigt, aber heute wollte ich mich darum k�mmern.� Walters f�hlte sich wie ein Schuljunge. �Tats�chlich w�re ich jetzt sogar schon damit besch�ftigt...�, setzte er ein wenig �bereifrig hinterher, bevor er sich bewusst wurde, dass er den Satz keinesfalls mit �<emphasis>wenn Sie mich nicht aufgehalten h�tten</emphasis>� beenden konnte. Also lie� er ihn notgedrungen unvollendet.</p><p>Mullinger sch�ttelte leicht den Kopf. �Erz�hlen Sie keinen Quatsch. Sie waren gestern nicht besch�ftigt, Sie haben einfach nichts getan, und heute hatten Sie es auch nicht vor.�</p><p><emphasis>Verdammtes Verantwortung�bernehmen!, fluchte Walters innerlich. Was konnte er nun tun, au�er zu versuchen, dem eisernen Blick des Mannes standzuhalten?</emphasis></p><p>Zu Walters' �berraschung begann der Captain zu grinsen. Walters wusste nicht, ob das gut oder schlecht war.</p><p>�Dachte ich es mir�, sagte Mullinger.</p><p>Walters sehnte sich einen Becher Kaffee herbei, den er jetzt ansetzen und hinter dem er sich h�tte verstecken k�nnen.</p><p>�Wie alt sind Sie, Walters?�</p><p>�Achtunddrei�ig, Sir.�</p><p>Mullinger nickte. �Ja, richtig. Wissen Sie, in Ihrem Alter war ich genauso.�</p><p>Walters hob unmerklich die Augenbrauen.</p><p>�Die Navy ist eine Familie, nicht wahr?�, fuhr der Captain fort. �Man l�sst sich nicht gerne von den anderen reinreden. Ist doch so. Wissen Sie, ich habe einmal einen Colonel der Army abblitzen lassen. Da war ich Lieutenant. Und einmal habe ich das FBI ausgesperrt. Ich kann Sie also verstehen.� Er l�chelte.</p><p>�Ich sehe nicht ganz, was Sie mir sagen wollen, Sir...�</p><p>�Im Unterschied zu Ihnen�, erkl�rte Mullinger, und sein L�cheln war wie ausradiert, �wusste ich immer, wann ich meine Befugnisse �bertreten konnte. Und wann nicht.�</p><p>Walters atmete tief ein.</p><p>�Und wenn die NSA bei Ihnen anklopft, dann wird das verdammt noch mal einen guten Grund haben. Denken Sie nicht?�</p><p>�Ich h�tte mich heute Morgen sofort...�</p><p>�Bullshit!�, unterbrach ihn der Captain. �Sie waren eingebunden, waren vorbereitet, und als man Ihnen einen Befehl gab, h�tten Sie reagieren m�ssen! Das ist Ihre Verantwortung als Offizier! Und jetzt haben wir eine internationale Krise Ihretwegen!�</p><p>Walters sp�rte, wie es ihm hei� in die Wangen schoss.</p><p>�Ja, da gucken Sie! Meinen Sie, es ist mein Privatvergn�gen, in aller Fr�he auf diese gottverlassene Insel zu fliegen?</p><p>Mal gucken, wie es sich so am Strand und unter Palmen lebt? Und dann kommen Sie mir mit Walgeschichten?! Walters, das hier ist nicht Kalifornien oder Woodstock, das ist eine Milit�rbasis.�</p><p>�Das ist vollkommen klar, Sir�, sagte Walters halblaut, nur um �berhaupt etwas zu sagen und den Redeschwall zu bremsen.</p><p>�So, klar ist Ihnen das. Ihnen ist aber nicht klar, was Sie angerichtet haben! Da drau�en sind zwei Schiffe, die Sie in einem Sperrgebiet einfach ihre Runden drehen lassen. Und nicht einmal Amerikaner. Europ�er! Und Kubaner! Ja, wunderbar. Ist bei Ihnen der Freigeist ausgebrochen? Was denken Sie eigentlich, weswegen man sich die Forschungen dort genehmigen lassen muss? Und w�hrend Sie geschlafen haben, hat es einen Vorfall gegeben. Die Europ�er haben das kubanische Schiff �berfallen, es hat eine Explosion und Verletzte gegeben. Und das Ganze in amerikanischen Gew�ssern! Dreimal d�rfen Sie raten, welche Telefone heute Nacht hei� gelaufen sind!�</p><p>�Wie bitte?!� Walters konnte nicht glauben, was der Captain ihm da erz�hlte. Die Europ�er h�tten die Kubaner angegriffen? Das war v�llig undenkbar. Er hatte ein gutes Bild der Leute auf der<emphasis> Argo.</emphasis> Niemals w�rden Sie... Zudem: Seit wann waren das �amerikanische Gew�sser� dort drau�en?</p><p>�Sie haben geh�rt, was ich gesagt habe. Wir haben eine Krise, Walters, und Sie haben den Karren in die Schei�e gefahren, weil Sie sich nicht an Ihre Befehle gehalten haben.�</p><p>�Ich verstehe, Sir�, gab Walters zur�ck.</p><p>�Gut.� Mullinger machte eine Pause. Endlich versiegte seine Tirade. �Also�, hob er nach einer Weile erneut an, �vergessen Sie die NSA. Ist mir v�llig egal, was die wollen. Die Situation ist nun eine andere. Sie werden die Forschungen unverz�glich abbrechen lassen. Zur Not mit Gewalt.�</p><p>Walters nickte.</p><p>Mullinger beugte sich vor. �Haben Sie das verstanden, Walters? Das war kein Vorschlag. Das war ein Befehl. Von mir. Habe ich mich klar ausgedr�ckt?�</p><p>�Sir, ja, absolut klar.�</p><p>Mullinger stand auf. �Ich erwarte Ihren Bericht im Sechs-Stunden-Takt. Wenn Sie etwas ben�tigen, fragen Sie. Die Sache hat h�chste Priorit�t.�</p><p>Walters stand auf und salutierte. �Sehr wohl, Sir.�</p><p>Im Gehen drehte sich Mullinger noch einmal um. �Und kaufen Sie sich eine anst�ndige Kaffeemaschine. Diese Br�he hier schmeckt nach verbranntem Elefantenmist.�</p><p>Walters blieb blass im B�ro zur�ck. Er f�hlte sich, als habe ihn ein Truck gerammt. Dass ihn einer der Obersten aus Jacksonville aufsuchte, das war ihm noch nie passiert. Und unter diesen Umst�nden war es das Letzte, was man sich w�nschen konnte. Dass man die Sache nicht selbst in die Hand nehmen wollte, zeigte nur, wie politisch sie war und dass sich niemand die Finger daran verbrennen wollte. Da bot es sich an, wenn derjenige nach vorn geschoben wurde, der ihnen die Suppe eingebrockt hatte. Er konnte froh sein, wenn der Vorfall nur in seiner Akte landete. Mit gr��erer Wahrscheinlichkeit konnte er sich einen neuen Job suchen, wenn das ganze Ding ihnen um die Ohren flog.</p><p><emphasis>Verantwortung �bernehmen.</emphasis> So hatte er sich das nicht vorgestellt.</p><empty-line/><p><emphasis>An Bord der </emphasis>Argo</p><empty-line/><p>Der Seegang hatte zugenommen, und die<emphasis> Argo</emphasis> wankte best�ndig. Auf dem Weg zum Fr�hst�ck geriet Peter einmal aus dem Gleichgewicht und taumelte gegen die Wand des Gangs. Ein Blick aus dem Bullauge in seiner Kabine hatte ihm schon verraten, dass der Himmel bedeckt war. Peter hoffte, dass das nichts Schlimmeres verhei�en und ihm eine erneute �belkeit wie am ersten Tag erspart bleiben w�rde.</p><p>Als er in den Fr�hst�cksraum kam, stand Patrick bereits dort und war im Gespr�ch mit dem Kapit�n.</p><p>�Wir m�ssen uns dringend besprechen�, sagte John, als er Peter sah. �In meiner Kabine.�</p><p>Sie folgten ihm, und als sie kurze Zeit sp�ter in der ger�umigen Kapit�nskabine ankamen, wies er ihnen St�hle an einem kleinen Tisch zu.</p><p>�Es tut mir leid, dass ich Sie vom Fr�hst�ck abhalte. Ich kann Ihnen hier nur etwas aus dem Wasserkocher anbieten�, sagte er. �Einen Instantkaffee oder einen Teebeutel.�</p><p>Peter und Patrick winkten ab, und John setzte sich zu ihnen.</p><p>�Also gut...� Er machte eine Pause, �berlegte offenbar, wie er anfangen sollte. �Ich habe heute Morgen eine offizielle Meldung der Navy erhalten. Eine Anordnung, um genau zu sein. Wir sollen die Forschungen einstellen und das Gebiet r�umen. Daf�r wird uns eine Frist bis morgen fr�h um sechs einger�umt.�</p><p>�Das gibt's doch nicht!�, rief Patrick. �K�nnen die uns so was �berhaupt vorschreiben? Und auf welcher Basis?�</p><p>�Leider k�nnen sie das, ja. Wir sind hier noch nicht in internationalen Gew�ssern, unter bestimmten Umst�nden kann die Regierung hier ihre Rechte geltend machen. Offenbar handelt es sich hier um eine Art Sperrgebiet, in dem Aktivit�ten der Navy Priorit�t haben.�</p><p>�Was denn f�r Aktivit�ten?�</p><p>�Das haben sie mir nicht verraten�, sagte John. �Die Nachricht kam von der AUTEC-Milit�rbasis auf Andros Island. Von dort aus werden alle m�glichen Forschungen betrieben, U-Boot-Tests, Sonarversuche und dergleichen. Wer wei� schon, was die hier planen.�</p><p>�Dann bedeutet das, dass wir nur noch einen Tag f�r unser Projekt haben�, �berlegte Peter und legte die Stirn in Falten.</p><p>�Aber Moment mal�, warf Patrick ein, �wer sagt denn, dass wir nach deren Pfeife tanzen m�ssen? Mal ehrlich, John, was kann denn passieren, wenn wir das einfach ignorieren? Kreuzen die dann mit einem Zerst�rer hier auf?�</p><p>�Nein, sicher nicht...�, antwortete John. �Vielleicht ist es ja m�glich, die Frist zun�chst verstreichen zu lassen�, sagte Peter. �Dann werden sie sich sicher melden und es erneut fordern. Immerhin haben wir dann vielleicht einen weiteren Tag gewonnen?�</p><p>�Peter!�, sagte Patrick und grinste. �So antiautorit�r kenne ich Sie ja gar nicht.�</p><p>�Ungew�hnliche Zeiten erfordern vielleicht auch mal ungew�hnliche Ma�nahmen�, gab Peter zur�ck. �Dieses Projekt ist das wichtigste meiner Laufbahn, und ohne ein paar handfeste Ergebnisse k�nnen wir es nicht abbrechen, ohne uns l�cherlich zu machen, das wissen Sie doch selbst.�</p><p>�Wir k�nnten es versuchen�, sagte John. �Technisch gesehen w�rde es vielleicht funktionieren. Allerdings w�rden wir uns strafbar machen. Ich zumindest. Bei Ihnen als Ausl�ndern mag der Fall anders gelagert sein. Aber wir haben noch ein weiteres Problem.� Er stand auf und holte einige Ausdrucke hervor, die er vor den beiden auf den Tisch legte. Es waren Artikel aus den Online-Ausgaben verschiedener Tageszeitungen. Dort prangten die folgenden Schlagzeilen.</p><empty-line/><p><strong>�berfall auf kubanisches Forschungsschiff </strong></p><p><strong>Europ�er greifen Kubaner in US-Gew�ssern an </strong></p><p><strong>Explosion auf kubanischem Forschungsschiff Sabotage?</strong></p><p><strong>Atlantis-Forscher auf den Spuren der Sch�pfung </strong></p><p><strong>Widerlegt Atlantis die Evolution?</strong></p><empty-line/><p>�Verdammt noch mal!�, rief Patrick aus. �Was ist das denn jetzt f�r eine Schei�e?!�</p><p>�Es ist wohl mehr als klar, wer diese Nachrichten lanciert hat�, meinte Peter. �Nach allem, was Sie von Ihrem unfreiwilligen Ausflug auf die<emphasis> Libertad</emphasis> erz�hlt haben, wissen wir, was wir von unseren Nachbarn zu erwarten haben.�</p><p>�Das ist doch nicht zu fassen! Das sind Verbrecher! Wenn ich diesen Gonz�lez erwische, rei�e ich ihm derart den Arsch auf, dass er sich aufs Klo st�lpen kann!�</p><p>�Patrick, m��igen Sie sich!�, erwiderte Peter. �Sie haben ja recht, aber es scheint, dass wir nicht viel ausrichten k�nnen.�</p><p>�Ach nein? Und wof�r haben wir Kathleen? Die kann doch sicher dagegenhalten. Ich denke, dass unsere eigenen Meldungen seri�ser ankommen sollten als dieser Sonderm�ll hier. Was macht die �berhaupt?�</p><p>�Sie arbeitet ganz gut...�, sagte Peter.</p><p>�Das klingt jetzt nicht sonderlich �berzeugt.�</p><p>�Nun ja, gestern habe ich ein Interview gegeben, in dem ein paar merkw�rdige Leute angerufen haben. Mit �hnlichen Themen wie diese letzten beiden Schlagzeilen. Aber das kann man Kathleen ja schwerlich vorwerfen.�</p><p>�Warum nicht?�, hielt Patrick dagegen und tippte auf die Ausdrucke auf dem Tisch. �Ich kann mir sogar vorstellen, dass sie es war, die die Presse mit diesem Mist gef�ttert hat, um nachher eine spannendere Geschichte erz�hlen zu k�nnen.�</p><p>Peter wollte etwas erwidern, entschloss sich aber dazu zu schweigen. Die gestrigen Ann�herungsversuche der Journalistin hatte er bisher f�r sich behalten, aber es hatte ihn nachdenklich gemacht.</p><p>�Die Frage bleibt�, erinnerte John, �wie wir auf das Ultimatum der Navy reagieren sollen.�</p><p>�Nun, ich gehe nicht davon aus, dass wir Sie zum Hinausz�gern �berreden k�nnen�, sagte Peter.</p><p>John zuckte mit den Schultern. �Ach wissen Sie... so was kann schon mal passieren, dass man eine Nachricht zu sp�t bekommt, oder eine Forschung nicht so kurzfristig abbrechen kann...�</p><p>Patrick grinste. �Das ist die richtige Einstellung! Dann machen wir also weiter, ja?�</p><p>Peter nickte. �Von mir aus sowieso. Wir k�nnen morgen immer noch sehen, wie sich die Lage entwickelt.�</p><p>�Also einverstanden�, sagte John. �Ich werde<emphasis> Alvin</emphasis> startklar machen lassen. Hoffen wir, dass uns heute nichts dazwischenkommt.�</p><p>�Und ich habe noch einen Vorschlag�, sagte Patrick. �Wir haben ja nicht mehr viel Zeit, und es k�nnte sinnvoll sein, wenn wir Marie an Bord h�tten. Sie k�nnte uns mit weiteren �bersetzungen helfen, so schnell wir sie ben�tigen. Wir w�rden durch die Zeitverschiebung nach Frankreich nicht immer f�nf Stunden verlieren und m�ssten nicht darauf bauen, dass sie nachts noch arbeitet.�</p><p>�Sie wollen sie an Bord einladen?�, fragte Peter.</p><p>�Warum nicht? Es ist ja nur ein Versuch. Wenn ich sie jetzt gleich anmaile, kann sie sich vielleicht heute noch einen Flug von Paris �ber Miami nach Nassau besorgen.�</p><p>�Allein die �berfahrt von Nassau hierher dauert aber doch zw�lf Stunden�, wandte Peter ein.</p><p>�Sechzehn�, korrigierte John.</p><p>�Dann nimmt sie eben von Nassau aus einen Flieger. Ein Wasserflugzeug zum Beispiel.�</p><p>�Ja, das w�re der �bliche Weg�, stimmte John zu.</p><p>�Also, was denken Sie? Wollen wir es probieren?�</p><p>Peter zuckte mit den Schultern. �Nun, Sie k�nnen sie ja mal fragen. Ihre Arbeit ist offenbar sehr gut, das stimmt schon. Ob sie rechtzeitig hier sein kann, ist nat�rlich eine ganz andere Sache. Das w�re dann Ihr Risiko.�</p><p>�Also gut�, sagte John, �dann w�re alles so weit gekl�rt.� Er sah auf seine Uhr. �Es ist noch Zeit, vom Fr�hst�ck sollte noch etwas �brig sein. Ich melde mich wieder bei Ihnen, sobald<emphasis> Alvin</emphasis> vorbereitet ist.�</p><p>�Ich sch�tze, Sie sind mit der Berichterstattung zufrieden, Gonz�lez?�, fragte der Kapit�n der<emphasis> Libertad.</emphasis></p><p>�Ja, das kann man wohl sagen�, gab Gonz�lez grinsend zur�ck. �Es h�tte nicht besser laufen k�nnen.�</p><p>�Den Schaden von gestern bezahlen Sie mir, das ist Ihnen ja wohl klar.�</p><p>Gonz�lez winkte ab. �Alles, Manuel.<emphasis> El Tigre</emphasis> wird zufrieden sein, wenn wir die Idioten erst einmal los sind. Dann kauft er Ihnen auch ein neues Schiff, wenn's sein muss. Sie haben die Bilder gesehen � wir werden ber�hmt und unermesslich reich werden!�</p><p>�Und das Milit�r?�</p><p>�Schei� auf die USA. Die werden es nicht wagen, uns herauszufordern. Kaum ist unser<emphasis> M�ximo L�der</emphasis> nicht mehr im Amt, denken sie, sie k�nnen sich alles herausnehmen. Aber Raul wird ihnen das auch nicht durchgehen lassen. Und letztlich wird<emphasis> El Tigre</emphasis> schon daf�r sorgen, dass seine Investition hier nicht in Gefahr ger�t.�</p><p>�Vermutlich haben Sie recht...�</p><p>�Nat�rlich habe ich recht, Manuel! Hatte ich nicht versprochen, dass wir Gold finden w�rden? Und hier ist es.� Er klopfte auf den Tisch. �Hier, direkt unter uns. Wir m�ssen nur abtauchen und es hochholen.�</p><p>�Und wann wollen Sie das tun?�</p><p>Gonz�lez lehnte sich zur�ck. �Lassen Sie uns noch etwas abwarten. Die Zeit arbeitet f�r uns.�</p><empty-line/><p>�Es geht nicht�, sagte John, als er neben Peter und Patrick an die Reling trat. �Oder sagen wir: Es ist nicht empfehlenswert.�</p><p>�Wegen der Wellen?�, fragte Peter. Es war fast rhetorisch gemeint. Tats�chlich hatte der Wind aufgefrischt, sodass sie sich Pullover angezogen hatten, und sie mussten sich gut festhalten, weil die<emphasis> Argo</emphasis> sich unter ihnen in regelm��igen und deutlicher werdenden Sch�ben aufb�umte.</p><p>�Ja�, sagte John und deutete an der Bordwand hinunter zur Wasserlinie. �Sie sind inzwischen gut anderthalb Meter hoch, und<emphasis> Alvin</emphasis> bei diesem Seegang �ber Bord zu hieven, ist eine wacklige Angelegenheit und k�nnte den Kran und das Boot besch�digen.�</p><p>�Wie lange wird das anhalten?�, fragte Patrick. �Was sagt der Wetterbericht?�</p><p>�Auf dem Radar ist in einiger Entfernung ein Sturm auszumachen. Es gibt verschiedene Prognosen, einige deuten leider darauf hin, dass er genau durch unser Gebiet ziehen wird. In diesem Fall w�re er heute Abend hier, und erst morgen k�nnte es besser werden. Aber nat�rlich kann er auch abdrehen oder sich abschw�chen. Wir k�nnen nur abwarten und das Radar im Auge behalten.�</p><p>�Und das Risiko ist jetzt schon zu gro�, sagen Sie?�</p><p>�Ja, unbedingt. Und selbst wenn wir jetzt tauchen w�rden, und der Sturm �berrascht uns sp�ter, dann bekommen wir hier auf der<emphasis> Argo</emphasis> vielleicht ein Problem � und Sie h�ngen unten dran. Und die Wellen werden noch zunehmen, glauben Sie mir.�</p><p>�Verdammt. Gerade jetzt, wo die Zeit dr�ngt.�</p><p>�Unsere Geduld wird auf eine harte Probe gestellt�, sagte Peter. �Aber ich denke, wir sollten dem Rat des Kapit�ns folgen. Und au�erdem...�, er z�gerte. �Au�erdem m�chte ich mich noch kurz mit Ihnen �ber Kathleen unterhalten.�</p><p>�Jetzt bin ich aber gespannt�, meinte Patrick.</p><p>�Ich habe vorhin ein bisschen im Internet recherchiert...�</p><p>�Sie? Im Internet?� Patrick lachte. �Wenn das nicht eine kleine Sensation ist.�</p><p>Peter lie� sich nicht beirren. �... und mich �ber Kathleen informiert. Was sie uns �ber sich erz�hlt hat, stimmt so weit. Was sie uns aber verschwiegen hat, ist, dass sie eng mit dem<emphasis> Discovery Institute</emphasis> zusammenarbeitet.�</p><p>John zog h�rbar die Luft ein.</p><p>�Klingt jetzt nicht so schlecht�, meinte Patrick.</p><p>�Das<emphasis> Discovery Institute</emphasis> f�rdert die Verbreitung der Intelligent-Design-Theorie. Es m�chte die Idee, dass alles Leben und all seine Entwicklung einem intelligenten Designplan folgen, gleichberechtigt neben der Evolutionstheorie in der Popul�rwissenschaft und in den Medien etablieren. Ihre Vertreter geben sich dabei sehr wissenschaftlich und seri�s, tun so, als sei es eine rein s�kulare Herangehensweise, dahinter stehen aber erzkonservative und fundamentalistische Christen, die einem regelrechten Schlachtplan folgen, um das Denken der Gesellschaft umzukrempeln und schlie�lich den Evolutionsgedanken vollkommen durch die Vision eines Sch�pfers zu ersetzen.�</p><p>�Und Kathleen ist eine von ihnen?�, fragte Patrick.</p><p>�Jedenfalls hat sie bei einigen Publikationen des<emphasis> Discovery Institute</emphasis> mitgewirkt und auch schon Reden in deren Namen gehalten. Erinnern Sie sich an die beiden merkw�rdigen Schlagzeilen heute Morgen? �Atlantis-Forscher auf den Spuren der Sch�pfung� und �Widerlegt Atlantis die Evolution ?�? Das ist genau die Art von Propaganda, die von den Anh�ngern des Intelligent Design betrieben wird. Und ich kann mit vorstellen, dass Kathleen durch Ihre Arbeit genau dies bewirkt hat. Auch diese Radiosendung, zu der sie mich �berredet hat, drohte in diese Richtung zu entgleisen � jedenfalls, was die Anrufer betraf, deren Fragen ich beantworten musste.� Peter sah auf das Meer hinaus und dachte daran, wie die Journalistin ihn hatte verf�hren wollen. �Um es kurz zu machen: Ich kann mir jedenfalls vorstellen, dass Kathleen eine eigene Agenda hat. Wir sollten sehr vorsichtig sein mit dem, was wir ihr sagen und zeigen.�</p><p>Patrick legte die Hand auf die Schulter des Professors. �W�nschten Sie nicht, jemand h�tte Sie vorher schon gewarnt? Schon von Anfang an gesagt, dass man ihr nicht trauen k�nne?� Er konnte sich ein Grinsen nicht verkeifen, obwohl er wusste, dass es f�r Peter schmerzhaft gewesen sein musste, es zuzugeben.</p><p>Peter drehte sich um und l�chelte. �Ja, das w�re gut gewesen. Aber Sie wissen ja, wie das ist: Die besten Ideen muss man eben selbst haben.�</p><p>Nach dem Mittagessen hatte der Seegang sich nicht beruhigt. Im Gegenteil, John erkl�rte ihnen, dass das Zentrum des Sturms sich noch immer in ihre Richtung bewegte.</p><p>Patrick verbrachte seine Zeit mit Dick und fachsimpelte �ber Details der Technik von<emphasis> Alvin,</emphasis> w�hrend Peter die Dokumente von Marie zum wiederholten Mal studierte, um die Struktur der atlantischen Sprache, wie er sie jetzt der Einfachheit halber nannte, besser zu verstehen und um sich die bisher gefundenen Symbole einzupr�gen. Was Marie geleistet hatte, war unglaublich. Und es blieb ihm schleierhaft, wie es m�glich gewesen war, in so kurzer Zeit und mit so wenig Material eine so sichere Analyse zustande zu bringen.</p><p>Doch trotz ihrer Besch�ftigung waren sie sich dessen bewusst, dass ihnen die wertvolle Zeit unter den Fingern zerrann. Indem sie dem Ultimatum des Milit�rs trotzten, mochten sie ein wenig Zeit gewinnen, aber diese nun nicht nutzen zu k�nnen, war die gr��te Ironie �berhaupt. Peter malte sich nicht aus, was passieren w�rde, wenn sie am Morgen noch immer hier lagen. Sicherlich w�rde man sie beobachten, w�rde wissen, ob sie sich auf eine Abfahrt vorbereiteten. Wenn sie morgens um acht das Gebiet verlassen haben sollten, m�ssten sie streng genommen schon einige Stunden vorher losfahren.</p><p>Es war bereits Nachmittag, als Peter sich schlie�lich an Deck begab, um ein wenig Luft zu schnappen. Kaum hatte er die T�r durchschritten, w�re er beinahe von einer heftigen B�e von den Beinen gerissen worden. Der Boden war nass, und dann sah er auch, weshalb: Die Wellen waren weiter angewachsen. Der Wind blies Schaumkronen �ber die K�mme, und ab und zu, wenn die<emphasis> Argo</emphasis> besonders heftig aufstampfte, flog die Gischt �ber das Deck. John hatte recht behalten, der Seegang hatte weiter zugenommen. Sicherlich w�rde es nicht ausreichen, um ein so gro�es Schiff wie die<emphasis> Argo</emphasis> in Bedr�ngnis zu bringen, aber auch ihm als Laie war klar, dass es unter diesen Umst�nden unm�glich war, das Unterseeboot mit dem Kran sicher ins Wasser zu lassen.</p><p>Peter ging wieder unter Deck und suchte Patrick, den er schlie�lich im Mannschaftsraum fand. Er trank ein Glas Wein und las ein vollkommen zerfleddertes Taschenbuch.</p><p>�Genug studiert, Professor?� fragte er, als er aufsah.</p><p>�Das Wetter ist schlechter geworden. Wir haben den ganzen Tag verloren!�</p><p>�Ja. Und John sagt, dass der Sturm noch nicht mal ganz da ist. Er hat schon alles sichern lassen, heute l�uft sicher nichts mehr. Er sagt, wenn er uns heute Nacht z�gig erwischt, k�nnte er morgen fr�h durch sein.�</p><p>�Vielleicht wird es unsere letzte Chance, doch noch zu tauchen.�</p><p>Patrick nickte. �So sieht's aus. Aber es l�sst sich nicht �ndern ... Hoffen wir also, dass der Sturm m�glichst schnell da ist!�</p></section><section><empty-line/><p><strong>Kapitel 13</strong></p><empty-line/><p><emphasis>An Bord der </emphasis>Argo</p><empty-line/><p>Peter lag die halbe Nacht wach. Das Schaukeln des Schiffes war so stark geworden, dass ihm in der Koje immer wieder �bel wurde, sodass er aufstehen und einige Minuten am Bullauge stehen und auf die Wellen sehen musste. Der bew�lkte Himmel lie� nur selten einige Mondstrahlen hindurch, aber es reichte, um ein Gef�hl f�r die Horizontale zu bekommen.</p><p>Immerhin, so �berlegte er, war damit am Morgen vielleicht das Schlimmste vorbei, und sie konnten endlich ihren vielleicht einzigen Tauchgang mit<emphasis> Alvin</emphasis> unternehmen. Nicht, dass er viel Wert auf eine Fahrt in der winzigen Kugel hinab in die Finsternis legen w�rde. Aber hierin gipfelte die ganze Expedition, dies war der Grund, weswegen sie hier waren. Und nun, nur noch sechs Stunden vor Ablauf des Ultimatums der U.S. Navy, war es alles, was einen m�glichen Erfolg von einer absoluten Niederlage trennte.</p><p>Er legte sich hin und sank wieder in einen ungesunden und nervenaufreibenden Halbschlaf, bis es endlich d�mmerte.</p><p>Mit wackligen Beinen stand er auf und erschrak, als er im Spiegel des Waschbeckens sein blasses und mit Augenringen gezeichnetes Gesicht entdeckte. Nachdem er sich erfrischt und rasiert hatte, f�hlte er sich etwas besser, aber der Blick aus seinem Bullauge entmutigte ihn. Der Seegang hatte nicht nachgelassen, und nun war noch dichter Regen hinzugekommen, der die Sicht auf wenige hundert Meter begrenzte.</p><p>Peter traf John auf der Br�cke an. Von hier aus war das Ausma� des Unwetters zu erkennen. Gro�e Scheibenwischer versuchten, die Regenmassen wenigstens in Intervallen von der Fensterfront fernzuhalten. Das Wasser rund um die<emphasis> Argo </emphasis>schien zu toben, Wellen brachen sich �ber den Bug und spritzten an Deck.</p><p>�Guten Morgen, Professor. Ich hoffe, Sie konnten gut schlafen?�</p><p>�Ehrlich gesagt, nein.�</p><p>�Es tut mir leid, das zu h�ren. Wollen Sie sich einen Kaffee oder Tee holen gehen? Hier oben kann man es gut aushalten. Die Bewegungen sind zwar st�rker, aber wenn Sie eine gute Sicht in die Ferne haben, sollten Sie klarkommen.�</p><p>�Von Sicht in die Ferne kann wohl kaum eine Rede sein�, meinte Peter.</p><p>�Nun, es ist ein bisschen rau, zugegeben. Aber das ist v�llig normales Wetter f�r den Atlantik. Ein Sturm ist das jedenfalls noch nicht. Sonst h�tten wir Ihre Wissenschaftlerin auch schon l�ngst wieder zur�ckgeschickt.�</p><p>�Unsere Wissenschaftlerin? Marie meinen Sie? Ist sie etwa schon hier?�</p><p>John lachte. �Also ganz so schnell dann doch nicht. Aber sie ist auf dem Weg hierher, kommt �ber den Luftweg direkt aus Nassau, wie Patrick es ihr offenbar vorgeschlagen hat.� Er sah auf die Uhr. �Sie sollte in etwa einer halben Stunde hier sein. Wir fahren mit einem Dingi raus und holen sie an Bord.�</p><p>�Bei diesem Wetter?!�</p><p>�Aber ja. Meine Leute waren schon bei ganz anderen Wellen drau�en. Das sind Profis, und ein bisschen Action h�lt sie wach.�</p><p>�Aber bei solchen Wellen kann doch sicher kein Wasserflugzeug landen!�</p><p>�Nein, nat�rlich nicht. Deswegen hat sie einen Hubschrauber genommen, der sie hier absetzen wird.�</p><p>�Sie meinen ins Wasser absetzen?�</p><p>�K�nnte sein, dass die Dame ein bisschen nass wird. Aber damit wird sie leben m�ssen.�</p><p>Peter schwieg und sah hinaus. Lag es an ihm, dass er �bervorsichtig war? Sch�tzte er die Gefahr zu hoch ein? Der Kapit�n klang routiniert und selbstsicher. Vielleicht war es ja wirklich alles so einfach.</p><p>�Hat sich die Navy gemeldet? Das Ultimatum m�sste doch bald ablaufen.�</p><p>�In etwa zwei Stunden�, best�tigte John. �Bisher habe ich noch keine Nachricht bekommen. Aber wenn Sie sich Hoffnungen machen, dass das Wetter bald nachl�sst, muss ich Sie entt�uschen.� Er deutete auf einen Computermonitor. �Das hier ist das Wetter. Der Punkt markiert unsere Position, das dort ist der Sturm, und dies ist die Prognose.�</p><p>Peter beobachtete mit Schrecken, wie sich eine dunkle Schleife aus Wolken �ber ihre Position bewegte und zusammenkringelte. �Wann wird das passieren?�, fragte er.</p><p>�In etwa f�nf Stunden wird es hier ungem�tlich.�</p><p>�Und die<emphasis> Argo</emphasis>? Was haben Sie vor?�</p><p>John rieb sein Kinn. �Wenn diese Daten hier stimmen, k�nnen wir es noch aushalten. Wenn es schlimmer wird, m�ssen wir uns zur�ckziehen. Das wissen wir erst, wenn es so weit ist. Es ist Ihr Projekt, daher gehe ich davon aus, dass Sie so lange hier bleiben m�chten, wie ich f�r die Sicherheit des Schiffes garantieren kann.�</p><empty-line/><p><emphasis>U.S. K�stenwache District Seven, Hauptquartier, Miami, Florida</emphasis></p><empty-line/><p>Command Master Chief Owen betrat das B�ro von Rear Admiral Williams, salutierte kurz und wartete darauf, dass Williams aufsah. Der Mann r�umte gerade seinen Aktenkoffer aus, klappte ihn schlie�lich zu, stellte ihn auf den Boden und setzte sich.</p><p>�Owen, guten Morgen�, sagte er dann.</p><p>�Sir, ich habe einen Antrag von AUTEC bekommen, den Sie sich ansehen m�ssen.�</p><p>Williams streckte seinen Arm aus. �Zeigen Sie mal her. Worum geht es denn?�</p><p>Owen trat an den Schreibtisch heran und �berreichte dem Rear Admiral ein Papier. �Lieutenant Commander Walters fordert Unterst�tzung an, um zwei Schiffe abzufangen.�</p><p>Williams verzog den Mund. �So, fordert er das an?� Er legte das Papier vor sich auf den Tisch, holte eine Lesebrille hervor und studierte den Text. �So, so...�, sagte er. �Ja, ich verstehe...� Dann sah er auf. �Dem Mann kann geholfen werden. Leiten Sie alles N�tige in die Wege. Wenn Sie bis zum vereinbarten Zeitpunkt nichts mehr von ihm h�ren, schicken Sie Ihre Leute raus. Wir brauchen erst mal die HC-130. Und die Helikopter-Crews in Clearwater, Savannah und hier in Miami sollen sich bereithalten.�</p><p>�Jawohl, Sir.�</p><p>Williams unterschrieb das Papier und gab es Owen zur�ck. �Guten Morgen.�</p><p>Owen war nachdenklich, als er das B�ro verlie�. Er hatte erwartet, dass Williams die �u�erst ungew�hnliche Anfrage des Lieutenant Commander selbstverst�ndlich ablehnen w�rde. Aber das Gegenteil war der Fall. Irgendetwas Ungew�hnliches ging dort drau�en vor, und der Rear Admiral wusste offenbar Bescheid.</p><p>Owen zuckte mit den Schultern. Es sollte nicht sein Problem sein, wenn Williams dahinterstand. Wenn die Standorte erst einmal instruiert waren, w�rden weitere Anweisungen von AUTEC kommen, und dann w�rde es sich vielleicht aufkl�ren.</p><empty-line/><p><emphasis>An Bord der </emphasis>Argo</p><empty-line/><p>�Nun?�, fragte Peter und setzte seinen Tee ab. �Wollen Sie nicht nach drau�en und Ihre Marie in Empfang nehmen, wenn sie ankommt?�</p><p>Patrick sah nicht von der Zeitschrift auf, in der er bl�tterte.</p><p>�N�in, eigentlich nicht. Haben Sie mal rausgeguckt?�</p><p>�Seit wann sind Sie wasserscheu?�, feixte Peter. Ihn hatte eine seltsame Art von Fatalismus ergriffen, der einen Teil seiner Anspannung in Leichtigkeit verwandelte. Angesichts der Tatsache, dass ihnen die Zeit unter den Fingern verrann und das Wetter keine Aussicht auf Besserung bot, mochte es eine Form von Galgenhumor sein. �Ich h�tte gewettet�, fuhr er fort, �dass Sie es sich nicht nehmen lassen w�rden, pers�nlich mit dem Dingi hinzufahren.�</p><p>Patrick hob den Kopf. �Also erstens habe ich gerade die Nase vom Wasser voll. Und zweitens ist es nicht<emphasis> meine</emphasis> Marie. Wie w�re es, wenn Sie sich um<emphasis> Ihre</emphasis> Kathleen k�mmerten?�</p><p>Peter hob eine Augenbraue. �Oh, man schl�gt zur�ck! Sind Sie denn gar nicht neugierig?�</p><p>Patrick zuckte mit den Schultern. �Ich laufe jedenfalls nicht wie ein Tiger auf und ab. Sie wird schon kommen. Sie macht gute Arbeit, aber dar�ber hinaus, was sollte schon...�</p><p>Er brach mitten im Satz ab. Er sah an Peter vorbei, und seine Augen weiteten sich.</p><p>�Das...�, war alles, was er hervorbrachte.</p><p>Peter drehte sich um. Auch ihn durchfuhr es wie ein Schlag.</p><p>In der T�r stand die frisch angekommene Marie, in einem nassen, orangefarbenen Overall und einem Handtuch �ber den Schultern, mit dem sie sich offenbar gerade ihre Haare notd�rftig trocken gerubbelt hatte. Ihre blonden Haare. Und ihr Gesicht. Es war das von...</p><p>�Stefanie!�, rief Patrick aus und erhob sich z�gernd. Er wusste nicht, ob er aufspringen, losrennen oder Abstand halten sollte. Immerhin w�hnte er sie seit fast drei Jahren tot.</p><p>Sie legte ihren Kopf etwas schief, l�chelte und schob sich die Haare auf einer Seite hinter ihr Ohr. �Hallo, Patrick�, sagte sie, und an Peter gewandt, �hallo, Professor. Es ist sch�n, Sie beide wiederzusehen!�</p><p>Auch Peter stand nun auf, ersch�ttert und unschl�ssig.</p><p>Patrick ging um den Tisch herum, trat auf sie zu, und sein Gesicht strahlte. �Du bist es tats�chlich! Das gibt's doch nicht!� Er lachte auf und breitete die Arme aus. �Ha! Das ist unfassbar!� Er umarmte Stefanie und sch�ttelte sie, w�hrend sie mit einem Ausdruck gespielten Entsetzens �ber seine Schulter sah und Peter zuzwinkerte.</p><p>Dann kam auch in den Professor Bewegung, er wiegte ungl�ubig den Kopf hin und her, ging auf sie zu und reichte ihr die Hand, nachdem Patrick seine Umarmung gel�st hatte.</p><p>�Willkommen an Bord, Stefanie�, sagte Peter. �Die Freude ist ganz meinerseits.�</p><p>Stefanie sah kurz auf Peters Hand, ergriff sie und sagte: �Sie haben sich nicht ver�ndert, Professor.�</p><p>�Das musst du gerade sagen!�, meinte Patrick und trat einen Schritt zur�ck. �Erz�hl lieber mal, was du hier machst! Wo du in den letzten Jahren warst. Und �berhaupt: Warum bist du nicht tot?�</p><p>�Und: Wer sind Sie �berhaupt?�, bemerkte Peter. �Ich darf wohl annehmen, dass Sie ebenso wenig Marie sind, wie Sie jemals Stefanie waren...�</p><p>Sie nickte. �Das sind alles sehr gute Fragen. Und ja, Professor, zielstrebig und analytisch sind Sie nat�rlich auf dem richtigen Weg! Aber...�, sie sah sich um, �k�nnte ich mich vielleicht vorher umziehen und dann einen gro�en Kaffee bekommen?�</p><empty-line/><p>Peter und Patrick wechselten kaum ein Wort, w�hrend sie auf Stefanie warteten. Dass sie hier war, allein, dass sie noch lebte, war derart unerwartet und bedeutete so viel, dass sie nur mit M�he ihre Gedanken ordnen konnten.</p><p>Peter erinnerte sich an ihr erstes Projekt, zu dem sie vermeintlich von einer Abteilung der Vereinten Nationen eingeladen gewesen waren. Sie waren auf eine H�hle gesto�en, die mit so vielen Inschriften versehen gewesen war, dass sie einen Sprachwissenschaftler angefordert hatten, und daraufhin war ihnen Stefanie zugeteilt worden. Sie hatte hervorragende Arbeit geleistet, und schon w�hrend des Projekts hatte Peter sich gefragt, ob Stefanie sie nicht die ganze Zeit �ber unauff�llig zur L�sung des R�tsels gef�hrt hatte. Auf irgendeine Weise hatte sie immer distanziert und gleichzeitig �berlegen gewirkt. Sp�ter hatten sie dann erfahren, dass Stefanie mitnichten vom Auftraggeber des Projekts gesandt worden war. Sie war scheinbar aus dem Nichts gekommen und hatte den Platz eines anderen eingenommen, �hnlich, wie sie nun Marie ersetzte. Doch bevor sie sie damals zur Rede hatten stellen k�nnen, war sie angeschossen und schlie�lich in der zusammenst�rzenden H�hle begraben worden. Sie war unnahbar und r�tselhaft geblieben, und auch Patricks sp�tere Nachforschungen hatten keine Spuren finden k�nnen, so als h�tte sie nie existiert.</p><p>Auf eine �hnliche Weise war ihm damals der Mann merkw�rdig vorgekommen, der sich Steffen van Germain nannte und dem das R�tsel um die H�hle offenbar bekannt war. Ihn hatten dieselbe Zur�ckhaltung im Urteil, dasselbe verschwiegene Wissen ausgezeichnet. Zwischen ihm und Stefanie, so schien es Peter, hatte es eine Gemeinsamkeit gegeben.</p><p>Sp�ter dann, w�hrend ihres Projekts in �gypten, war ihnen der Mann erneut �ber den Weg gelaufen. Auch hier hatten sie die mysteri�se Hinterlassenschaft einer �lteren, h�her entwickelten Kultur gefunden, wieder eine Art Wissensarchiv, und wieder war da dieser Mann, nur dass er dieses Mal einen anderen Namen trug und sich ausdr�cklich als H�ter des Geheimnisses zu erkennen gab.</p><p>Es war Patrick gewesen, der w�hrend des ganzen �gyptischen Abenteuers immer wieder von dem Gef�hl erz�hlte, er habe Stefanie gesehen. Auf eine besondere Weise wurde er von Erinnerungen an sie heimgesucht, so war es Peter vorgekommen, und nun, da sich herausstellte, dass sie noch lebte, erschienen einige der Vorkommnisse in einem anderen Licht.</p><p>Dass Stefanie hier auftauchte, passte zu Peters �berzeugung, dass er und Patrick in Wahrheit seit Jahren ein und derselben Spur durch die Welt und durch die Jahrtausende folgten. Und diese Frau war in irgendeiner Form ein Teil davon. Peter fragte sich, ob dann nicht auch der Mann, jener H�ter des Wissens, wieder in Erscheinung treten m�sste.</p><p>In Patricks Kopf spielten andere Gedanken eine Rolle. Stefanie hatte ihm von Anfang an gut gefallen. W�hrend der Arbeit hatte sich herausgestellt, dass sie trotz ihrer verh�ltnism��ig jugendlichen Erscheinung � wie alt mochte sie sein? Drei�ig? � �ber ein gro�es Ma� an Wissen verf�gte und sich von seinen damals oft rotzigen oder anz�glichen Bemerkungen genauso wenig beeindrucken lie� wie von den distinguierten Grillen des Professors. Sie war professionell, das traf es wohl am besten. Professionell, dabei aber niemals steif oder verbissen. Nach kurzer Zeit war sie ein Teammitglied geworden, das sich nahtlos einf�gte, fast sogar unauff�llig, ganz so, als w�rden sie sich seit Jahren kennen. Es war eine neue Erfahrung f�r Patrick gewesen, eine Frau auf diese Weise kennen und sch�tzen zu lernen, dass ihm ihre menschlichen und fachlichen Qualit�ten wichtiger und bedeutsamer wurden als ihre ganz offenkundige Attraktivit�t. Er gestand sich ein, dass seine �bliche machohafte Art eine Weile mit seinem Respekt f�r sie konkurriert hatte, bis er einfach nur zufrieden war, in ihrer N�he zu sein, und sich sein Stolz verfl�chtigt hatte.</p><p>Und dann war es schlie�lich das Erlebnis in der mysteri�sen H�hle gewesen, das etwas in ihm bewirkt, ihn ge�ndert hatte. Peter war nicht dabei gewesen, und so war es etwas, das er ihm nicht erkl�ren konnte. Er konnte es sich nicht einmal selbst erkl�ren.</p><p>Die H�hle bot einen Zugang zu Wissen, auf welche Art und mittels welcher Technologie auch immer. Als er sie betrat, wurde er von einem Informationssturm getroffen, der ihn augenblicklich au�er Gefecht setzte und vermutlich in k�rzester Zeit in den Wahnsinn getrieben h�tte, wie es anderen Besuchern der H�hle in den Jahrhunderten vor ihm offenbar ebenfalls ergangen war. Doch Stefanie war dabei gewesen, und ihr war es gelungen, ihn herauszurei�en, sodass er sich in der F�lle von Bildern, Zeichen, Stimmen und Kl�ngen hatte bewegen k�nnen. Sp�ter merkte er, dass vieles in den wenigen Minuten, die er dieser gewaltigen, unsichtbaren Macht ausgesetzt gewesen war, an ihm haften geblieben war. Seine Sinne wurden gesch�rft, unbewusstes Wissen hatte sich in ihm verankert, das sich unkontrolliert und nur tr�pfchenweise offenbarte.</p><p>Etwas hatte sich allerdings sofort ge�ndert, und das war seine Wahrnehmung von Stefanie. F�r Sekundenbruchteile durchfuhr ihn damals eine Erkenntnis, etwas �ffnete sich in ihm, so als h�tte die Fassade der Wirklichkeit einen Riss bekommen, durch den er etwas Erhabenes, die strahlende Supernova einer gr��eren Wahrheit erblickt hatte. Es war ein vollkommen surrealer Augenblick, nichts, das sich in Worte fassen lie�, einem Wunder gleich, das einen ins Mark traf, schockierte und zugleich auf �u�erste erregte. Er �berlegte sp�ter, ob sich so eine heilige Vision anf�hlen w�rde. Etwas, von dem er niemals gedacht h�tte, dass er daf�r empf�nglich sei. Es war rein metaphysisch, nicht erkl�rbar und ohne jeden dinglichen Aspekt. Stefanie sah danach noch immer genauso aus wie zuvor, sie handelte und sprach wie zuvor, es hatte sich nichts ge�ndert. Und dennoch wusste er von diesem Moment an, dass sie nicht die Frau war, f�r die sie alle sie gehalten hatten, sondern jemand � oder etwas � v�llig anderes.</p><p>Er hatte pl�tzlich und heftig um sie getrauert, als sie gestorben war � oder jedenfalls den Anschein dessen erweckte. Und danach hatte er sich stets weiter an sie erinnert. W�hrend ihres Projektes in �gypten war er sich mehrfach sicher, sie gesehen zu haben, meinte, Botschaften von ihr zu bekommen, und er tr�umte mehrere Male von ihr. Diese Tr�ume waren ihm so real vorgekommen, dass er in dieser Zeit �berzeugt war � wenngleich es vollkommen unm�glich schien �, dass sie auf irgendeine Weise mit ihm in Kontakt stand.</p><p>Die Zeit war vergangen, aber die Erinnerung geblieben. Nicht immer bildlich, aber er erinnerte sich der Gef�hle. Es war eine W�rme, die er sp�rte, wenn er an sie dachte. Es war Respekt, Anerkennung, eine ehrenvolle Dankbarkeit f�r die gemeinsame Zeit und die Vision, die sie ihn hatte f�hlen lassen.</p><p>Er sch�ttelte den Kopf, konnte seine eigenen Gedanken kaum nachvollziehen.</p><p>Aber nun war sie hier, und er f�hlte sich wie elektrisiert. Sie war zur�ck, und sie strahlte noch immer, unscheinbar f�r einen Au�enstehenden, aber in ihren Augen lag das gemeinsame Verstehen der Erlebnisse, die nur sie beide teilten.</p><p>Er konnte es kaum erwarten, sie �ber alles zu befragen. Und gleichzeitig f�rchtete er, dass einiges, das ihn brennend interessierte, einfach nur profan klingen w�rde, wenn er versuchte, es zu formulieren.</p><empty-line/><p>Stefanie betrat den Raum kurze Zeit sp�ter. Sie hatte sich umgezogen oder sich vielleicht auch nur des sch�tzenden Overalls entledigt, ihre Haare waren getrocknet.</p><p>�Das mit dem Wetter�, sagte sie, �das m�ssen wir noch mal �ben.�</p><p>Gut gelaunt setzte sie sich an einen Tisch, w�hrend Patrick ihr einen Kaffee besorgte und vor ihr abstellte.</p><p>Sie nahm einen Schluck, dann lehnte sie sich zur�ck und l�chelte etwas verlegen.</p><p>�Ja, ich bin nicht Marie. Und tot bin ich auch nicht. Wo soll ich anfangen?�</p><p>�Diese beiden Punkte w�ren doch schon mal ein guter Anfang�, meinte Peter. �Kaum zu glauben, dass ich so etwas Taktloses einmal fragen w�rde, aber: Warum sind Sie nicht gestorben?�</p><p>�Nun, diese H�hle�, begann sie, �sie st�rzte zwar ein, das ist wahr. Aber zu diesem Zeitpunkt war ich schon wieder drau�en und konnte mich �ber die R�ckseite des Berghangs retten. Ich war ja damals Elaine gefolgt und hatte sie auch in der Kammer gestellt. Elaine war schon in das Licht getreten, und als sie die Lichts�ule im Zentrum ber�hrte, l�ste sie etwas aus. Ich entdeckte einen Seitengang und bin gelaufen, so schnell ich konnte. Dass der Gang mich ins Freie f�hrte, war mein Gl�ck. Sonst w�rde ich tats�chlich heute nicht hier sitzen.�</p><p>Patrick beobachtete Stefanie genau, w�hrend sie sprach. Er bemerkte ein leichtes Schmunzeln, ein winziges Funkeln in ihren Augen. Er vermutete, dass es nur die halbe Wahrheit war, was sie sagte. Er nahm sich vor, sie ein anderes Mal genauer danach zu fragen, was wirklich passiert war. Auch die Geschehnisse in �gypten wollte er jetzt noch nicht ansprechen. Stattdessen fragte er: �Und hast du jetzt f�r G�rard gearbeitet? Hast du dich bei ihm als Marie ausgegeben?�</p><p>�Nein. Marie gibt es tats�chlich. Aber sie hat deine E-Mails nie bekommen.�</p><p>Patrick stutzte. �Aber... Wie hast du das angestellt?�</p><p>Sie l�chelte. �Ach, es gibt ein paar technische M�glichkeiten, wei�t du... Ist ja im Detail nicht so wichtig. Jedenfalls hat nicht sie dir geantwortet, sondern ich.�</p><p>�Das erkl�rt vielleicht auch�, meinte Peter, �wie Sie so schnell die atlantische Schrift entziffern konnten. Es kam mir gleich merkw�rdig einfach vor.�</p><p>�Ja, stimmt�, sagte sie. �Ich wusste, dass Sie nicht viel Zeit haben. Deswegen habe ich ein bisschen nachgeholfen. Auf Basis des wenigen Materials, das Sie bisher gesammelt haben, w�re das sonst gar nicht m�glich gewesen.�</p><p>�Dann kennen Sie die Schrift bereits.�</p><p>�Ich kenne sie, ja.�</p><p>�Und woher?�</p><p>�Es ist eine lange Geschichte. Um es kurz zu machen: Sie ist zwar mehrere zehntausend Jahre alt, aber sie ist niemals in Vergessenheit geraten. Wenn man die Zusammenh�nge kennt und wei�, wo man zu suchen hat, findet man sie.�</p><p>Peter z�gerte. �Die S�ulen!�, sagte er dann an Patrick gewandt. �In der Halle unter Sakkara. Dort waren ebenfalls fremdartige Zeichen! Ich erinnere mich...� Dann sah er wieder Stefanie an. �Kennen Sie etwa auch die H�hle, die ich meine?�</p><p>Sie nickte.</p><p>�Dann kennen Sie auch Steffen van Germain? Oder Al Haris, oder wie auch immer er hei�t?�</p><p>�Ja. Wir arbeiten schon seit sehr langer Zeit zusammen.�</p><p>Peter lehnte sich zur�ck. �Ich fasse es nicht. Diese ganze Zeit �ber... Sie wussten �ber alles Bescheid! Aber Sie haben uns nie etwas gesagt, uns im Dunkeln tappen lassen.�</p><p>�Es war notwendig�, erkl�rte sie mit einer etwas sorgenvollen Miene, �dass Sie aus eigener Kraft Ihre eigenen Schl�sse ziehen. Es war wichtig zu beobachten, mit welcher Motivation Sie der Spur der Archive folgen w�rden. Und wie Sie auf Bedrohungen reagieren w�rden und auf die Verlockung, die diese Macht letztlich bedeutet.�</p><p>Peter schwieg. In ihm mischten sich �rger, Frustration, ein Gef�hl der Bevormundung und zugleich eine Art von Respekt. Hier sa� er einer unscheinbaren Frau gegen�ber, die der Suche seines Lebens und all ihren Implikationen ganz offenbar weit voraus war, eine Frau, die vielleicht �ber ein unvorstellbares Wissen verf�gte und die eine Verantwortung trug. Sie musste �ber eine beachtliche moralische Integrit�t verf�gen, denn der Schutz des Wissens war ihr wichtiger als Gewinn, Erfolge oder pers�nliche Eitelkeiten. Sie setzte sich auf eine passive, unaggressive Weise f�r das ein, das ihr wichtig war, und blieb dabei dennoch immer menschlich und gerecht. Wer war diese Frau wirklich, wer war der Mann, mit dem sie arbeitete, und �ber welche Macht verf�gten sie tats�chlich?</p><p>�Noch kann ich Ihnen nicht sagen, wie alles miteinander zusammenh�ngt�, erkl�rte sie, als habe sie Peters Gedanken gelesen. �Haupts�chlich, weil wir noch zu weit davon entfernt sind, und zum anderen, weil Sie es noch nicht glauben w�rden. Und wie st�nde ich dann da?� Sie l�chelte ein wenig schalkhaft.</p><p>�Also, sorry�, sagte Patrick, �aber das klingt nach einer ziemlich laschen Ausrede.�</p><p>�Ich bin hier�, antwortete Stefanie ihm, �um euch zu helfen. Die Zeit dr�ngt, und wir sind hier an einem Scheideweg. Ereignisse verdichten sich, und hier werden sie sich entscheiden. Ich werde euch unterst�tzen, so gut ich kann und darf. Je nachdem, wie die Geschichte ausgeht, wird sich alles aufkl�ren. Oder wir scheitern... auf verschiedene m�gliche Weisen. Einige weniger unangenehm als andere.�</p><p>�W�re sch�n, wenn du etwas konkreter werden k�nntest�, meinte Patrick. �Das ist mir ein bisschen zu metaphysisch, wenn du verstehst, was ich meine.�</p><p>�Metaphysisch?� Sie lachte auf. �Nein, gewiss nicht. Es ist v�llig reell. Die Chancen, aber auch die Gefahren. Es tut mir leid, aber mehr kann ich im Moment wirklich nicht sagen. Es wird sich alles zeigen, vertraut mir!�</p><p>�Von welchen Gefahren sprechen Sie?�, fragte Peter.</p><p>�Von verschiedenen. Ihre kubanischen Konkurrenten haben Sie schon kennengelernt. Es ist zu erwarten, dass sie nicht so schnell aufgeben werden. Au�erdem l�uft das Ultimatum des Milit�rs in etwa einer Stunde ab. Wer wei�, was auf uns zukommt.�</p><p>�Es stimmt�, sagte Patrick. �John hat uns die Sache ja gut herausz�gern lassen. Aber wenn die Uhr jetzt abl�uft und man ihm hochoffiziell Dampf macht, wird er sicherlich abdrehen.�</p><p>�Aber was bleibt uns zu tun?�, fragte Peter und deutete zum Fenster. �Das Wetter ist schlimmer geworden, und John sagt, der eigentliche Sturm kommt sogar erst noch.�</p><p>�Dann m�ssen wir unbedingt vorher noch runter!�, sagte Patrick.</p><p>�Sie wollen tauchen? Haben Sie nicht geh�rt, was ich gerade gesagt habe? Ein Sturm zieht auf.�</p><p>�Mag ja sein, dass John vielleicht Schwierigkeiten hat, uns jetzt runterzulassen, aber wenn wir erst mal unter Wasser sind, bekommen wir doch von dem Sturm nichts mit. Wenn wir jetzt nicht gehen, gehen wir �berhaupt nicht mehr. So viel ist wohl klar.� Er sah Stefanie an. �Oder? Wie siehst du das?�</p><p>Stefanie l�chelte, sagte aber nichts, sondern wies mit einem Kopfnicken auf den Professor.</p><p>�Was soll ich dazu sagen...�, begannt Peter. �Ich richte mich danach, was mir der Kapit�n erz�hlt. Nat�rlich w�rde ich lieber auf der Stelle aufbrechen, bevor das ganze Projekt abgebrochen wird. Aber John entscheidet, was m�glich ist und was nicht...�</p><p>�Hei�t das, Sie machen mit, wenn wir versuchen, ihn jetzt zu �berreden?�</p><p>�Sie k�nnen es ja gerne versuchen, aber ich denke...�</p><p>Patrick stand auf. �Dann nichts wie los!�</p><empty-line/><p>Den Kapit�n zu �berreden ging einfacher als erwartet. Er war auf das Milit�r nicht gut zu sprechen, wie sich herausstellte. Offenbar hatte er schon in der Vergangenheit unliebsame Konfrontationen erlebt, und die hatten eher seinen Trotz als seinen Respekt gen�hrt.</p><p>Er w�rde sie so schnell es ging mit<emphasis> Alvin</emphasis> in die Tiefe schicken. Das Man�ver war schwierig, der Start w�rde reichlich ruckelig werden, aber im Augenblick war das Risiko noch kalkulierbar. Waren sie erst einmal auf dem Weg nach unten, konnte er das Milit�r weiter hinhalten, zumindest einen Tauchgang w�rden sie auf diese Weise machen k�nnen. Ein Restrisiko bedeutete der Sturm, der sich best�ndig n�herte. Aber den aktuellen Daten zufolge w�rde es nicht schlimmer werden als andere Unwetter, die die<emphasis> Argo</emphasis> schon �berstanden hatte. Die Wahrscheinlichkeit, dass er sich auswachsen und zu einer Gefahr werden w�rde, war erstens sehr gering, und zweitens w�re das fr�hzeitig genug absehbar, sodass man<emphasis> Alvin</emphasis> einholen konnte.</p><p>Die Vorbereitungen an Deck gestalteten sich langsamer als �blich. Das. Schiff wankte und stampfte, der Regen und die immer wieder her�berfegenden Gischtschauer hatten den Boden gef�hrlich rutschig gemacht.</p><p>John befand sich auf der Br�cke, als ein Funkspruch hereinkam.</p><p>�<emphasis>Research Vehicle Argo 2K,</emphasis> bitte kommen. Hier spricht die K�stenwache, Lieutenant Green auf Flug CG-37 aus Clearwater. Wir kreisen in dreitausend Fu� �ber Ihnen.�</p><p>John st�hnte innerlich. Offenbar hatte man ihnen einen der Aufkl�rer geschickt. Die K�stenwache verf�gte �ber Flugzeuge des Typs HC-130, die in einiger H�he �ber den Einsatzgebieten kreisten. Sie konnten ein gro�es Gebiet �berwachen, standen in Kontakt mit der K�stenwache in Florida und etwaigen weiteren Teams, Hubschraubern oder Schiffen und konnten von hier aus Eins�tze koordinieren.</p><p>�Flug CG-37, hier ist die<emphasis> Argo 2K,</emphasis> Captain Harris. Sprechen Sie.�</p><p>�Captain Harris, Sie haben Befehl, Ihre T�tigkeiten einzustellen und das Gebiet unverz�glich zu verlassen.�</p><p>�Davon ist mir nichts bekannt�, log John. �Auf wessen Anweisung handeln Sie?�</p><p>�Sie haben vor vierundzwanzig Stunden entsprechende Anweisungen des Navy-Recherche-Zentrums AUTEC erhalten. R�umen Sie das Gebiet.�</p><p>�Negativ. Wir befinden uns in wissenschaftlichen Untersuchungen, die sich nicht einfach abbrechen lassen.�</p><p>�Verstanden. Sie erhalten Unterst�tzung zu diesem Zweck. Drei Hubschrauber der K�stenwache sind auf dem Weg zu Ihnen und werden in f�nfundvierzig Minuten eintreffen. Over and Out.�</p><p>�Mist!�, rief John, nachdem der Pilot den Funkkanal geschlossen hatte. Die meinten es wirklich ernst. Wie die Unterst�tzung aussehen w�rde, konnte er sich gut vorstellen. Er hatte einmal die K�stenwache an Bord gehabt, und das war kein besonders erfreuliches Erlebnis gewesen. Alles kleine, selbst ernannte Gener�le, die es nicht in die Navy geschafft hatten und sich nun aufspielten, als w�rden sie das Land st�ndig vor einfallenden Schwerverbrechern bewachen.</p><p>John verlie� die Br�cke und ging zum Hinterdeck, wo<emphasis> Alvin </emphasis>gerade aus dem Hangar gefahren wurde.</p><p>Er hielt eine Hand seitlich an den Kopf, um den Regen ein wenig abzuhalten. �Beeilt euch�, wies er seine Leute an. �In einer halben Stunde muss<emphasis> Alvin</emphasis> im Wasser sein.�</p><p>�Die Kufen haben sich verkeilt!�, antwortete einer der M�nner. �Entweder wir machen es jetzt schnell � oder vorsichtig.�</p><p>�Versucht beides!�</p><empty-line/><p>Peter, Patrick und Stefanie sa�en im Mannschaftsraum und warteten.</p><p>�Wir m�ssen John dazu �berreden, dass Stefanie mitkommt�, sagte Patrick. Er hatte sich umgezogen, wenngleich er nicht viel anders aussah als sonst auch. Seine schweren Turnschuhe hatte er gegen ein Paar<emphasis> Converse</emphasis> ausgetauscht, er trug eine Jeans und einen grob gestrickten Pullover.</p><p>�Ich kann mir nicht vorstellen, dass das m�glich ist�, sagte Peter, der ebenfalls schon in bequemerer Montur und mit einem Pullover dasa�. �Er hat doch schon Kathleen erkl�rt, dass<emphasis> Alvin</emphasis> daf�r nicht ausgelegt ist. Au�erdem haben Sie doch selbst gesehen, wie eng es da drin ist.�</p><p>�Wenn das unser einziger Tauchgang bleibt�, beharrte Patrick, �und danach sieht es ja aus, m�ssen wir vielleicht kurzfristig Inschriften �bersetzen und Entscheidungen treffen. Ich meine, wer wei�, was wir da unten finden?�</p><p>Peter sch�ttelte den Kopf. �Daf�r muss sie nicht mit an Bord sein. Vom Labor aus kann sie die Daten, die<emphasis> Alvin</emphasis> liefert, sicherlich live mitverfolgen und uns �ber Funk die �bersetzung liefern.�</p><p>�Mir w�re es lieber, wenn sie dabei ist�, wiederholte Patrick. �Und ich werde John �berreden.�</p><p>�Vielleicht sollten Sie erst mal Stefanie selbst fragen�, meinte Peter, der sich pl�tzlich an einen bestimmten Moment in S�dfrankreich zur�ckerinnert f�hlte. Und wie damals nickte sie einfach.</p><p>�Ich bin dabei.�</p><p>�Na also!�</p><empty-line/><p>Als Kathleen die Br�cke betrat, war der Kapit�n gerade im Gespr�ch mit einem seiner Leute.</p><p>John schaute auf, nahm die Journalistin zur Kenntnis und verabschiedete kurz darauf den Mann, der dem Kapit�n noch einige Ausdrucke �bergab. Es war David, der Systemadministrator. Beim Hinausgehen bedachte er Kathleen mit einem absch�tzigen Blick und verlie� den Raum.</p><p>�Captain�, sagte sie mit einem herzlichen L�cheln, �ich habe Sie �berall gesucht. Das h�tte ich mir ja gleich denken k�nnen, dass Sie hier oben bei der Arbeit sind.�</p><p>�Es w�re wohl der falsche Augenblick, jetzt ein Nickerchen zu machen�, gab er zur�ck und steckte die Papiere in seine Jacke.</p><p>Sie kam n�her und setzte sich auf einen der leeren St�hle. Dabei legte sie die Beine �bereinander und drehte sich spielerisch ein wenig hin und her.</p><p>�Stimmt es eigentlich, was man erz�hlt? Dass das Milit�r unterwegs hierher ist?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Nicht? Aber ich bin mir ziemlich sicher. Ich habe es von mehreren Leuten der Besatzung geh�rt.�</p><p>�Es ist die K�stenwache.�</p><p>�Ah! Und Sie bereiten trotzdem noch einen Tauchgang vor... schl�gt da Ihr Herz als Wissenschaftler, oder ist es eher das eines Rebellen?�</p><p>�Ich denke nicht, dass ich Ihnen Rechenschaft schuldig bin, Miss Denver.�</p><p>Kathleen verzog ihren Mund zu einem leichten Schmollen. �Ach, kommen Sie schon, John... ich darf Sie doch John nennen, hm? Sie k�nnen auch gerne Kathleen zu mir sagen wie die anderen beiden auch.�</p><p>�Also gut... Kathleen... Aber wegen der K�stenwache sind Sie sicher nicht hier, habe ich recht?�</p><p>�Nein, stimmt...� Sie stand auf, trat dicht an ihn heran und sah schmunzelnd zu ihm auf. �Ich hatte etwas anderes im Sinn... wollte Sie etwas fragen.� Sie machte eine Pause und sah kurz zur Seite, bevor sie mit ged�mpfter Stimme fortfuhr: �Etwas Pers�nliches.�</p><p>�Hier?�</p><p>�Nun... wir k�nnen es vielleicht besser in meiner Kabine besprechen. Wenn Ihnen das recht ist?�</p><p>John l�chelte. �Ja, das w�re mir sogar sehr recht. Wie es der Zufall will, w�rde ich mich auch gerne mit Ihnen unterhalten ...�</p><p>Sie legte eine Hand auf seine Schulter. �Na, dann sollten wir uns nicht lange aufhalten, hm? Sie m�ssen ja gleich schon wieder einsatzbereit sein.�</p><p>John begleitete Kathleen, die z�gig voranging. In der Kabine angekommen, setzte sie sich auf ihr Bett.</p><p>�Wissen Sie, John�, begann sie. �Dieses ganze Projekt ist irrsinnig wichtig. Peter und Patrick stehen vielleicht vor der sensationellsten Entdeckung seit der Mondlandung. Und Sie wissen ja, wie viel auf dem Spiel steht. Die beiden riskieren ihren Ruf, ihr Lebenswerk � und mir geht es genauso. Ich habe alles hingeschmissen und alle Angebote abgelehnt, nur um hier zu sein, wussten Sie das?�</p><p>John zuckte nur mit den Schultern.</p><p>�Na, ist ja auch egal. Aber wei�t du... was ich sagen will... ich muss unbedingt mit an Bord dieses U-Boots!�</p><p>�Tats�chlich, ja? Es scheint Ihnen ja wirklich wichtig zu sein.�</p><p>Sie nickte.</p><p>�Aber wir haben schon dar�ber geredet.<emphasis> Alvin</emphasis> ist nicht f�r vier Personen gedacht.�</p><p>�John, bitte! Ich wei�, dass man noch einen vierten reinquetschen k�nnte. Dick hat mir verraten, dass ihr sogar schon zu viert unten wart!�</p><p>�Was meine Besetzung tut, hat nichts damit zu tun, was f�r Fremde an Bord gestattet ist. Ich trage hier f�r alles die Verantwortung.�</p><p>�Ich unterschreibe auch eine Erkl�rung, dass...�</p><p>�Darum geht es nicht...�</p><p>�Worum geht es dann? Um Geld?�</p><p>�Ich bin nicht bestechlich, Kathleen.�</p><p>Sie stand auf, trat vor John und legte die H�nde an seine H�ften. �Vielleicht habe ich es noch nicht deutlich genug ausgedr�ckt... John...� Sie senkte die Stimme. �Ich bin bereit, alles daf�r zu tun. Was du dir w�nschst.�</p><p>John l�chelte, legte seine H�nde auf ihre, umfasste sie.</p><p>�Ich wei�...�, sagte er.</p><p>Sie l�chelte wieder. �Ja? Und? Sind wir im Gesch�ft?�</p><p>John packte zu. Presste ihre Handgelenke zusammen und drehte sie nach oben. Kathleen schrie auf.</p><p>�Nein�, sagte John. �Wir sind nicht im Gesch�ft.�</p><p>�John!�, schrie die Reporterin. �Du tust mir weh! Lass mich los, verdammter Mistkerl!�</p><p>John stie� sie heftig von sich, sodass sie r�ckw�rts auf ihr Bett fiel und mit dem Kopf gegen die Wand schlug.</p><p>�Sie bleiben hier, Miss Denver. Bis wir an Land sind. Und dann haben wir ausgiebig Zeit, uns dar�ber zu unterhalten, wozu Sie alles bereit waren.�</p><p>Mit einem Schritt war er aus der Kabine, schloss die T�r und verriegelte sie mit seinem Universalschl�ssel.</p><p>Er h�rte Kathleen in der Kabine aufkreischen, und kurz darauf donnerte etwas von innen gegen die T�r und ging zu Bruch.</p><empty-line/><p>�Da sind Sie ja alle�, sagte John, als er den Mannschaftsraum betrat. �Wir haben noch Schwierigkeiten mit<emphasis> Alvin,</emphasis> aber es d�rfte in sp�testens f�nfzehn Minuten losgehen. Sind Sie fertig? Auf Toilette gewesen?�</p><p>�Wir m�chten, dass Stef... Marie uns begleitet�, sagte Patrick.</p><p>Der Kapit�n hob die Hand. �Ich habe schon erkl�rt, warum das nicht m�glich ist.�</p><p>�Ja. Aber trotzdem m�chten wir, dass sie mitkommt�, wiederholte der Franzose. �Ich habe mich mit Dick �ber die Spezifikationen von<emphasis> Alvin</emphasis> unterhalten. Technisch ist es kein Problem. Der Sauerstoff reicht lange genug. Und auf die eingeb��te Nutzlast k�nnen wir auch verzichten. Es wird nur etwas enger, aber der Tauchgang ist einfach zu wichtig.�</p><p>�Das mag alles stimmen�, sagte John. �Aber ich verliere den Versicherungsschutz, wenn ich<emphasis> Alvin</emphasis> au�erhalb der Bestimmungen einsetze.�</p><p>�Ach, schei� doch auf die Versicherung!�, rief Patrick.</p><p>John verzog den Mund und sah ihn nur stumm an.</p><p>�Na gut�, lenkte Patrick an. �Entschuldigung. Aber k�nnen wir das nicht einmal vergessen? Diese Chance kommt vermutlich nicht wieder!�</p><p>�Ich m�chte mich der Bitte meines Kollegen gerne anschlie�en�, sagte Peter. �Wir wissen nicht, was uns erwartet, und m�glicherweise m�ssen wir schnell reagieren und k�nnen das Fachurteil einer Expertin f�r diese Zeichen dringend gebrauchen.�</p><p>�Bitte�, sagte Stefanie und sah den Kapit�n eindringlich an.</p><p>John schloss die Augen und atmete tief ein.</p><p>Ein pl�tzlicher Pfeifton ert�nte �ber die Lautsprecheranlage des Schiffes, gefolgt von einer Durchsage: �Captain Harris, bitte dringend auf die Br�cke!�</p><p>�Entschuldigen Sie mich�, sagte John und verlie� den Raum mit gro�en Schritten.</p><p>Als er auf der Br�cke ankam, dr�ckte ihm einer seiner M�nner das Funkger�t in die Hand. �Es ist die K�stenwache�, sagte er.</p><p>�Hier ist Captain Harris der<emphasis> Argo 2K.</emphasis> Flug CG-37, bitte kommen.�</p><p>�<emphasis>Argo</emphasis> 2<emphasis>K,</emphasis> hier ist Lieutenant Green, Flug CG-37. Captain Harris, Ihrer Position n�hern sich drei Helikopter der K�stenwache, die Ihnen beim Abschluss Ihrer Untersuchungen helfen werden. Sie haben Anweisung, das Personal an Bord zu lassen.�</p><p>John sah aus der Fensterfront der Br�cke, wo noch immer der Regen gegen die Scheibe fegte. Drau�en war es dunkel geworden. Die Wolken waren so dicht, dass der Vormittag bereits nach D�mmerung aussah. Die Scheinwerfer auf dem Vorderdeck strahlten den Regen und die immer h�her spritzenden Brecher an.</p><p>�Wir haben keine Landeplattform�, sagte John in das Ger�t. �Und die See ist zu st�rmisch, um mit dem Dingi rauszufahren.�</p><p>�Das wird nicht notwendig sein. Unsere Experten werden direkt an Deck heruntergelassen.�</p><p>John ballte eine Hand zur Faust. �Verstanden,<emphasis> over.</emphasis>� Dann st�rmte er von der Br�cke, zur�ck zum Mannschaftsraum und blieb dort in der offenen T�r stehen.</p><p>�Es geht los! Sofort. Die K�stenwache kommt. Wir m�ssen uns beeilen:�</p><p>�Und Marie?�, fragte Patrick.</p><p>�Meinetwegen�, sagte John. �Wenn wir uns nicht beeilen, wird der Tauchgang so kurz, dass es ohnehin egal ist.�</p><p>Die drei standen auf und liefen dem Kapit�n hinterher, der schon in Richtung des Hinterdecks unterwegs war. Als sie ins Freie traten, fegte ihnen der Wind den Regen ins Gesicht und raubte ihnen fast den Atem. John f�hrte sie in geduckter Haltung zum offenen Hangar, wo sie sich unterstellen konnten. Sie sahen, dass<emphasis> Alvin</emphasis> bereits unter dem Kran lag. Einige M�nner in v�llig durchn�ssten T-Shirts waren noch mit letzten Handgriffen besch�ftigt. Sie mussten sich immer wieder festhalten, wenn das Schiff schlingerte und Brecher an der Bordwand empor und �ber das Deck schlugen.</p><p>�Sollten wir Kathleen Bescheid sagen?�, fragte Peter. �Vielleicht wollte sie das f�r ihre Dokumentation filmen.�</p><p>�Die Dame hat Hausarrest�, sagte John, �und wird nirgendwo mehr dabei sein.�</p><p>�Was ist denn passiert?�</p><p>�David, unser Systemadministrator ist auf ihre Spur gekommen�, erkl�rte der Kapit�n. �Derjenige, der unsere Daten gel�scht hat, musste daf�r das Admin-Passwort gekannt haben. Ricardo, der Kubaner, der gefl�chtet ist, hat zwar vermutlich einige Bilder an Gonz�lez weitergeleitet, aber ohne das Passwort lassen sich die Daten nicht l�schen. Und das Passwort war von David gerade erst ge�ndert worden. Niemand sonst kannte es, und es h�tte Tage gedauert, es zu knacken. Und dann fiel ihm Kathleen mit ihrer Kamera ein. Sie konnte mitgeschnitten haben, wie David es eintippte, denn sie war einige Male bei ihm, hat ihn interviewt und ihn bei der Arbeit gefilmt. Also hat David ihren Rechner untersucht, und tats�chlich: Von dort aus waren die Zugriffe erfolgt!�</p><p>�Das ist ungeheuerlich!�, rief Peter.</p><p>�Wo ist sie jetzt?�, fragte Patrick.</p><p>�In ihrer Kabine eingesperrt. An Land �bergeben wir sie den Beh�rden.�</p><p>Durch den Regen war pl�tzlich ein Knattern zu h�ren, das schnell n�her kam.</p><p>�Wo wir gerade von den Beh�rden sprechen�, sagte John, trat einige Schritte vor und suchte den wolkenbedeckten Himmel ab, �da sind sie schon!�</p><p>Die anderen folgten seinem Blick und entdeckten drei signalrot lackierte Hubschrauber mit schwarzen Nasen, die in vielleicht drei�ig Metern Entfernung von der<emphasis> Argo</emphasis> aus dem Zwielicht aufgetaucht waren und dort nun in der Luft standen. Der st�rmische Wind lie� die Maschinen in der Luft schwanken, aber offenbar gelang es ihnen noch ganz gut, sich zu halten.</p><p>John hastete zur�ck und nahm einen Telefonh�rer ab, der an der Innenwand des Hangars befestigt war.</p><p>�Br�cke, hier ist John. Was ist da los?... Ja, schalte ihn durch... Captain Harris von der<emphasis> Argo 2K.</emphasis> Sagen Sie mir, was Sie vorhaben!... Ich stehe im Hangar auf dem Achterdeck... Nein, ausgeschlossen! Ich wei� nicht, ob Sie es schon bemerkt haben, aber wir haben hier Seegang! Zehn Meter und st�rker werdend... Das ist Wahnsinn! Ich kann daf�r keine Verantwortung...� Er h�rte noch einen Augenblick zu, dann knallte er den H�rer auf die Gabel. �Die meinen es ernst.�</p><p>�Mit wem haben Sie gesprochen?�</p><p>�Das war der Pilot des Aufkl�rungsflugzeugs, das schon seit fast einer Stunde �ber uns kreist.�</p><p>�Davon haben Sie uns gar nichts erz�hlt.�</p><p>�Dazu bestand kein Anlass. Das Flugzeug dient nur als Relaisstation, um den Helikoptern Funkkontakt zum Festland zu erm�glichen. Es sind die Hubschrauber, �ber die wir uns Gedanken machen m�ssen.�</p><p>�Was wollen die hier?�, fragte Peter.</p><p>�Und warum gleich drei?�, hakte Patrick nach.</p><p>�Das ist eine reine Drohgeb�rde. Ein Hubschrauber h�tte vollkommen ausgereicht. Die wollen ein paar ihrer M�nner auf das Schiff bringen, die hier aufr�umen und uns nach Hause f�hren sollen.�</p><p>�D�rfen die das denn?�</p><p>�Das steht leider nicht zur Debatte, Professor. Wenn sie an Bord sind, haben sie jedenfalls Verf�gungsgewalt. Ob es sich hinterher als rechtens herausstellt, k�nnen Sie vor Gericht versuchen zu kl�ren.�</p><p>�Der mittlere kommt auf uns zu!�</p><p>Tats�chlich hatte sich einer der Hubschrauber aus der Formation gel�st und n�herte sich der<emphasis> Argo,</emphasis> bis er direkt �ber dem Achterdeck war. Der Pilot hielt die Maschine so ruhig, wie der Sturm es zulie�. Dann flammte ein Scheinwerfer auf, dessen Strahl Aufbauten, den Kran und das Deck in glei�endes Licht h�llte.</p><p>Langsam senkte sich der Hubschrauber.</p><p>�Viel tiefer darf er nicht kommen�, rief Patrick gegen den L�rm, �sonst kann er sich nicht fangen, wenn es Probleme gibt.�</p><p>�Der kommt noch tiefer�, sagte John, �warten Sie's ab. Bei dem Sturm ist er ohnehin verloren, wenn ihm der Rotor ausf�llt.�</p><p>Tats�chlich war der Helikopter bald nur noch f�nfzig Meter �ber dem Schiff, und immer noch senkte er sich.</p><p>In drei�ig Metern H�he verharrte er. Eine Seitent�r �ffnete sich. Ein Mann erschien, setzte sich auf die Kante und lie� sich dann herab. Er steckte in einem Geschirr, das mit Seilen an einer Metallwinde oberhalb der T�r befestigt war. Kaum hatte er den Hubschrauber verlassen, wurde er vom Wind erfasst. W�hrend der Pilot versuchte, seine Position zu halten, wurde der Mann Meter f�r Meter herabgelassen.</p><p>Ein pl�tzlicher Ruck fuhr durch die<emphasis> Argo,</emphasis> als sie von einer massiven Welle erfasst wurde. Der Mann am Seil geriet gef�hrlich nahe an einige der gro�en Antennen, die sich ihm pl�tzlich entgegenbeugten. Der Hubschrauber machte eine Bewegung zur Seite, um ihn in einen Bereich zu ziehen, der freier war. Eine Weile verhaarte der Mann am Seil baumelnd, bevor er wieder herabgelassen wurde.</p><p>�Das sieht verdammt gef�hrlich aus�, meinte Patrick.</p><p>Mit einem Mal scherte der Helikopter einige Meter seitlich aus. Eine unerwartete B�e musste ihn erwischt haben. Der Mann folgte den Bewegungen unfreiwillig, kam erneut in die N�he der Aufbauten, streckte schon seine Beine aus, um sich abzustemmen, und machte dann kreisende Bewegungen mit dem Arm. Einen Moment sp�ter wurde er wieder hinaufgezogen.</p><p>�Gute Entscheidung�, sagte Patrick.</p><p>�Die geben so schnell nicht auf�, warnte John.</p><p>Der Hubschrauber stieg wieder auf, aber offenbar hatte er sich mit einem Kollegen abgestimmt, denn einer der anderen beiden Piloten n�herte sich nun. W�hrend die erste Maschine wieder abdrehte, kreiste die zweite in einer langsamen Schleife �ber dem Deck, bevor sie das Abseilman�ver an einer anderen Stelle ebenfalls versuchte.</p><p>Vielleicht war dieser Pilot erfahrener, jedenfalls gelang es ihm, die Maschine deutlich ruhiger zu halten. Sie senkte sich, in der offenen T�r erschien ein Mann, und auch er seilte sich ab. Es ging wesentlich schneller, offenbar wollte man das Risiko auf der Strecke so gering wie m�glich halten. In wenigen Augenblicken hatte er bereits die gr��te Strecke hinter sich gelassen, dann hob er einen Arm, und auf den letzten Metern bremste die Winde ihre Geschwindigkeit. So behutsam, wie es der Sturm und das schwankende Schiff zulie�en, erreichte der Mann den Boden. Er griff an seinen Gurt, um sich auszuklinken. In diesem Moment driftete der Hubschrauber beiseite, das Seil spannte sich und riss den Mann mit sich. Von dem pl�tzlichen Ruck unvorbereitet erfasst, rutschte er aus, taumelte und wurde gegen einen Mast geschleudert.</p><p>Sofort rannten John und Patrick los, um dem Mann zu helfen, der erschlafft zusammengesunken war.</p><p>Patrick erreichte ihn als Erster und hielt ihn fest. Blut von einer Platzwunde am Kopf des Mannes mischte sich mit dem herabst�rzenden Regen und lief an seiner Montur herab. Patrick suchte den Mechanismus, mit dem sich das Seil l�sen lie�.</p><p>�Ich mach das!�, rief John, der nun ebenfalls da war. �Gehen Sie ein paar Schritte zur�ck!� Mit einem ge�bten Handgriff l�ste John die Karabinerhaken an der Montur und befreite den Mann, der auf dem Deck zusammenbrach. John duckte sich und gab dem Piloten mit dem Arm ein Zeichen, das herumpeitschende Seil hochzuziehen. Kaum war es einige Meter in der H�he, half Patrick, den Verwundeten aus dem Regen und in Richtung Hangar zu ziehen.</p><p>Ein lautes Aufheulen schreckte sie auf und lie� sie nach oben sehen.</p><p>Das Seil hatte sich in zehn Metern H�he um eine Querstrebe des Masts gewickelt. Es war straff gespannt, der Pilot hatte offenbar gro�e M�he, den Helikopter auf Position zu halten. Die Maschine neigte sich zur Seite, wurde vom Wind voll erfasst. In der T�r erschien ein weiterer Mann, der sich bem�hte, die Au�enwinde zu erreichen. Er musste das Seil durchtrennen, doch der Hubschrauber wankte nun zu heftig, und immer wieder wurde er im Inneren herumgeschleudert.</p><p>�Verdammt!�, rief John. �Wir m�ssen hier weg, und zwar schnell!�</p><p>Sie hoben den Verletzten auf und trugen ihn in den Hangar, wo sich Stefanie sofort �ber ihn beugte und ihn untersuchte.</p><p>John griff nach dem Telefonh�rer neben der T�r.</p><p>�Hier ist John! Sofort zum Aufkl�rer durchstellen!�</p><p>Patrick sah hinauf zum Helikopter, der noch immer mit dem verhakten Seil festhing. Der Pilot schaffte es nicht, die Maschine zu beruhigen, sie stellte sich bedrohlich schief. In diesem Zustand war es vollkommen unm�glich, das Seil zu erreichen und zu kappen.</p><p>�Lieutenant Green, hier ist Captain Harris. Hier ist der Teufel los! Pfeifen Sie Ihre Leute zur�ck, es gibt bereits einen Verletzten. Ich wiederhole: Einer Ihrer M�nner ist verletzt hier an Bord. Brechen Sie die Aktion ab!�</p><p>John wollte noch mehr sagen, doch ihm stockte der Atem.</p><p>Der Hubschrauber wand sich wie ein gefangener Fisch an der Angel, und nun drehte er sich. Das Heck schwenkte herum und schlug gegen den Mast. Dann stellte sich der ganze Helikopter schief, und mit einem schrillen metallenen Ger�usch krachte der Rotor gegen die Aufbauten. Teile der Rotorbl�tter wurden abgerissen und schossen Funken schlagend auf das Deck.</p><p>�In Deckung!�, rief John und riss Stefanie vom Boden hoch und in eine Ecke des Hangars.</p><p>Der Hubschrauber schleuderte herum. Ein Mann wurde aus dem Innenraum herauskatapultiert, �ber das Deck hinweg und ins Meer. Nur eine Sekunde, bevor die Maschine st�rzte. Die Reste des Rotors verfingen sich am Mast und rissen den unkontrolliert taumelnden Hubschrauber herum. Er krachte aus zehn Metern H�he auf eine Kante des Decks. Tr�mmerst�cke fegten nach allen Seiten �ber das Schiff, einen Wimpernschlag, bevor die Maschine in einem Feuerball aufging. Das lodernde Wrack knirschte, neigte sich und kippte ins Meer.</p><p>�Gro�er Gott�, entfuhr es dem Kapit�n. Dann griff er zum H�rer. �Mann �ber Bord! Alle Mann auf das Achterdeck. Feuer l�schen. Einen Verletzten auf die Krankenstation!� W�hrend die Alarmsirene des Schiffs aufheulte, griff er nach einem Feuerl�scher und hastete zur Absturzstelle, die mit noch brennenden Tr�mmern �bers�t war. Aus dem Wasser links von ihm stiegen schwarze Schwaden auf. Weitere Besatzungsmitglieder kamen herbeigerannt.</p><p>Peter starrte ersch�ttert auf das Szenario.</p><p>�Das war's jetzt wohl mit dem Tauchgang�, meinte Patrick.</p><p>�Wenn das hier nicht ausreicht, um die Priorit�ten zu verschieben�, meinte Peter, �dann w�sste ich nicht, was auf der Welt sonst wichtig genug w�re.�</p><p>�Ich w�sste etwas�, ert�nte pl�tzlich eine Stimme. Kathleen stand am Eingang des Hangars. Sie hatte eine Waffe auf sie gerichtet.</p><p>�Kathleen! Was tun Sie da?�, fragte Peter und hob abwehrend die H�nde.</p><p>�Ja�, meinte Patrick. �Hatten Sie nicht Hausarrest?�</p><p>Die Journalistin warf dem Franzosen ein kurzes, falsches Grinsen zu und winkte dann mit ihrer Pistole. �Rauskommen. Auch Sie, Marie, wir werden Sie jetzt brauchen. Los, zum U-Boot.�</p><p>Widerwillig lie�en sie den verwundeten Mann auf dem Boden zur�ck und traten hinaus in den str�menden Regen. Als sie am Kapit�n vorbeikamen, der mit dem Feuerl�scher besch�ftigt war, rief sie zu ihm her�ber: �John! Hierher!�</p><p>Als der Kapit�n sah, dass sie eine Waffe hatte, folgte er ihren Anweisungen. Die anderen M�nner verharrten in ihren Bewegungen, unschl�ssig, was sie tun sollten.</p><p>�Was haben Sie vor, Kathleen? Wollen Sie uns alle erschie�en? Oder das Schiff kapern?�</p><p>�Nicht das Schiff, John. Aber<emphasis> Alvin.</emphasis> Ich hatte freundlich gefragt, aber du musstest ja den Boss spielen. Dann machen wir es eben auf meine Weise. Ihr da hinten! Bleibt zur�ck!�</p><p>�Es ist v�llig unm�glich,<emphasis> Alvin</emphasis> bei dem Seegang sicher �ber Bord zu hieven!�</p><p>�Das werden wir ja sehen.� Wieder winkte sie mit ihrer Pistole. �Los jetzt, r�ber zum Boot. Und John, du gibst deinen M�nnern die Befehle.�</p><p>�Seien Sie vern�nftig, Kathleen�, beharrte der Kapit�n mit betont ruhigem Tonfall. �Es ist viel zu gef�hrlich. Au�erdem passen Sie gar nicht alle hinein.�</p><p>�Wir passen schon, keine Sorge.� Sie waren unter dem Kran angekommen, und sie sah sich um. �Wo ist Dick?�</p><p>�Vermutlich hilft er beim Aufr�umen�, sagte John und deutete nach hinten.</p><p>�Das ist gut. Er soll wegbleiben. Patrick wird<emphasis> Alvin</emphasis> lenken.�</p><p>�Das ist Wahnsinn!�, brauste John auf. �Niemand au�er Dick ist in der Lage...�</p><p>�Unsinn! Ich habe das U-Boot in den letzten Tagen studiert, Raketenwissenschaft ist das nicht. Und au�erdem wei� ich, was Patrick sich von Dick hat erkl�ren lassen. Das reicht.�</p><p>John schnellte pl�tzlich nach vorn und versuchte, Kathleens Arm zu greifen. Aber sie hatte damit gerechnet, drehte sich ein St�ck weg, zog den Arm zur�ck und feuerte auf den Boden direkt vor Johns F��e. Die Kugel pfiff als Querschl�ger beiseite, John erstarrte.</p><p>�So�, sagte sie. �Sie ist geladen. Und ich kann damit umgehen. Du sagst jetzt deinen Leuten, dass wir nach unten wollen. Und zwar schnell!� Sie deutete auf die Stufen, die zur Einstiegsluke des U-Boots f�hrten. �Patrick, Peter, Marie, rein mit euch.�</p><p>Die drei stiegen die Stufen hinauf, w�hrend John sich abwandte, um seine Anweisungen zu geben.</p><empty-line/><p>Im Innenraum des kleinen U-Boots war es eng. Patrick sa� im Fu�raum auf dem Sitz den Piloten, eine der Pritschen wies Kathleen Peter zu, auf die andere legte sie sich selbst. Stefanie sollte stehen oder sich irgendwie geduckt auf das Fu�ende von Peters Liege setzen.</p><p>Sie hatten die Luke �ber sich kaum geschlossen, als Peter merkte, wie die �belkeit in ihm aufstieg. Der inzwischen massive Seegang hatte ihm an Bord der<emphasis> Argo</emphasis> nicht so viel ausgemacht, weil er die Wellen und den Horizont sehen konnte. Aber in der winzigen Kugel, in die durch die kaum handtellergro�en Bullaugen nur wenig Tageslicht drang, war es etwas v�llig anderes.</p><p>Patrick studierte die Kontrollvorrichtungen. Tats�chlich hatte ihm Dick die Bedienung stolz und ausf�hrlich erl�utert, und die Hauptfunktionen waren auch unschwer zu verstehen. Trotzdem bot das U-Boot nat�rlich eine F�lle von Anzeigen, Reglern, Kn�pfen und Schaltern, die nichts mit dem Auf- und Abtauchen oder der Navigation zu tun hatten. Sie dienten der Sicherheit, den Scheinwerfern, Greifarmen oder steuerten andere Funktionen. Entschieden zu viele Optionen, um sie sich alle so schnell merken zu k�nnen. Gerade entdeckte er einen Schalter, der laut Beschriftung f�r die Kommunikation zust�ndig war, legte ihn um, und eine Stimme klang durch zwei Lautsprecher.</p><p>�... Sie uns h�ren, melden Sie sich.�</p><p>Patrick setzte ein Headset auf, das er im Fu�raum fand, bog das Mikrofon zurecht und sprach hinein.</p><p>�Hier ist Patrick, k�nnt ihr mich h�ren?�</p><p>�Laut und deutlich.� Es war die Stimme von Dick. �Patrick, sind Sie sicher, dass Sie das schaffen k�nnen?�</p><p>�Es wird schon gehen... muss ja.�</p><p>�Frag, wann es losgeht�, verlangte Kathleen.</p><p>�Ich soll fragen, wann es losgeht.�</p><p>�Wir sind bereit�, kam die Antwort. �Die B�chse war schon fertig vorbereitet. Aber pr�fen Sie noch einmal, ob wirklich alle Funktionen f�r den Start eingerichtet sind und die Luke dicht ist.�</p><p>Patrick kontrollierte die Anzeigen. Soweit er erkennen konnte, sah alles gut aus. Er �berlegte einen Moment, ob er riskieren sollte zuzugeben, dass er sich nicht zu hundert Prozent sicher war. Stefanie gegen�ber w�re es vermutlich kein Problem, aber Peter war ohnehin vollkommen verunsichert, und Kathleen war offenbar eine Psychopatin. Es war wichtig, dass er Ruhe ausstrahlte, die Situation unter Kontrolle behielt. Also vertraute er darauf, dass Dick einen guten Job in der Vorbereitung des Tauchgangs gemacht hatte. Hauptsache, die Luke war zu, und das konnte er an einer gr�nen Leuchte ablesen.</p><p>�Alles klar hier.�</p><p>�Okay... wir heben Sie nun an. Es wird ein bisschen schaukeln, also bitte alle losen Teile sichern, anschnallen und gut festhalten. Start auf Ihr Kommando.�</p><p>�Seid ihr so weit?�, fragte Patrick nach hinten gerichtet. Alle nickten. �Stefanie, halt dich gut fest!�</p><p>�Stefanie?�, fragte Kathleen, �Ich dachte, sie hei�t Marie?�</p><p>�Wie sind bereit�, gab Patrick durch und ignorierte die Frage der Journalistin.</p><p>�Okay�, sagte Dick durch die Lautsprecher. �Festhalten.�</p><p>Sie sp�rten einen Ruck, der sie alle zur Seite riss, aber dann war das heftige Auf und Ab des Schiffes pl�tzlich einem fast sanften Schwingen gewichen. Offenbar hatten sie den Bodenkontakt verloren und schwebten nun an den Kabeln, mit denen der �bergro�e Kran sie anhob. Peter wusste, dass sich der Rahmen des Krans, der sich �ber die ganze Breite des Hecks erstreckte, nun langsam nach hinten beugen w�rde, bis<emphasis> Alvin </emphasis>�ber dem Wasser hing. Dann w�rde man sie herablassen und ausklinken. Unvorstellbar, dass bei diesem Sturm Taucher im Wasser waren, um das Man�ver zu kontrollieren. Die gel�sten Kabel durften sich nicht in den Propellern oder den Kufen des U-Boots verfangen. Er fragte sich gerade, wie das funktionieren w�rde, als der Pilot wieder �ber die Lautsprecher zu h�ren war.</p><p>�Wir k�nnen Sie nicht so langsam absetzen wie �blich�, warnte er. �Wir m�ssen die Kabel gespannt halten und sofort einziehen. Vermutlich schlagen gleich auch die ersten Wellen von unten gegen den Rumpf. Die Landung wird extrem unsanft. Halten Sie sich fest und sch�tzen Sie Ihre K�pfe. Sind Sie bereit?�</p><p>Patrick sah sich um. Nicken. �Alles klar, kann losgehen.�</p><p>Und tats�chlich, einen Lidschlag sp�ter schlug etwas mit unglaublicher Kraft gegen den Boden des U-Boots. Sie hatten keine Zeit, sich festzuhalten, als das Boot auch schon wieder angehoben wurde und danach zur Seite kippte. Sie wurden herumgewirbelt wie Ameisen in einer Nussschale.</p><p>�Fluten Sie jetzt die Lufttanks!�, h�rten sie Dicks Stimme aus dem Lautsprecher durch das Chaos.</p><p>Patrick bediente die Schalter.</p><p>�Halten Sie durch�, sagte Dick. �Wenn Sie erst ein gutes St�ck unter Wasser sind, wird es ruhiger.�</p><p>Mit aller Kraft hielten sie sich im Inneren fest, w�hrend um sie herum die viele Meter hohen Wellen tobten. Niemand sagte etwas, jeder war ganz und gar damit besch�ftigt, sich abzust�tzen, die halsbrecherischen Bewegungen irgendwie abzufangen. Doch tats�chlich dauerte es nur wenige Augenblicke, bis die Achterbahnfahrt nachlie�, und schlie�lich, keine halbe Minute nach ihrem Eintauchen, hatte sich das Chaos bereits beruhigt und war einem leichten Taumeln gewichen.</p><p><emphasis>Alvin</emphasis> sank in die Tiefe.</p></section><section><empty-line/><p><strong>Kapitel 14</strong></p><empty-line/><p><emphasis>An Bord von </emphasis>Alvin II</p><empty-line/><p>Das ohnehin schwache Licht, das durch die winzigen Bullaugen ins Innere der Kapsel drang, nahm rasch ab. Nach f�nf Minuten war es drau�en vollkommen dunkel. Ihre Augen passten sich dem diffusen D�mmerlicht jedoch rasch an, und bald reichte das Leuchten der Kontrollanzeigen aus, um den Innenraum ausreichend zu erhellen. Inzwischen sp�rten sie keinerlei Bewegung mehr. Die Titanh�lle gab nicht das leiseste Knacken oder Knirschen von sich. Die einzigen Ger�usche waren ihr Atmen und das gelegentliche Rascheln von Stoff.</p><p>Nachdem jegliche Sicht oder Orientierung nach drau�en unm�glich war, f�hlte Peter sich wie in einem Raumschiff. Umgeben von feindlicher Leere nach allen Seiten, haltlos schwebend und verloren. Der Gedanke, dass die Welt und das Licht sich weit �ber seinem Kopf befanden, unerreichbar ohne technische Hilfe, dass sein Leben allein abh�ngig vom Funktionieren dieser ihm unverst�ndlichen Technik war und dass ihre Tauchfahrt gerade erst begonnen hatte, sie sich sogar mit jeder Sekunde weiter von der<emphasis> Argo</emphasis> entfernten, jagte ihm einen Schauer �ber den R�cken. Er versuchte, die Vorstellung beiseite zu schieben, bevor sie zu sehr in ihm anwuchs.</p><p>�Ich denke�, sagte er daher an Kathleen gewandt und brach damit als Erster die Stille, �es wird Zeit, dass Sie uns erkl�ren, was Sie mit dieser Entf�hrung bezwecken.�</p><p>�Nun, das ist ja wohl nicht schwer zu erkennen. Und es hat doch auch geklappt, oder?�</p><p>�Ihnen geht es um mehr als um eine Dokumentation, habe ich recht?�</p><p>�Ach, Professor, Ihnen geht es doch auch um mehr als nur um eine Entdeckung. Erz�hlen Sie mir nicht, Sie suchten Atlantis blo� um der Geschichte willen. Ihnen geht es ganz konkret um die eigene Anerkennung. Sie wollen recht behalten, und Sie wollen das akademische Renommee daf�r. Und das ist vollkommen legitim.�</p><p>�Und Sie?�, fragte Patrick. �Was wollen Sie von Atlantis?�</p><p>�Nichts, was Sie verstehen w�rden, Sunnyboy.�</p><p>�Wenn Sie's verstehen, kann's auch nicht komplizierter sein als ein Lippenstift.�</p><p>�Werden Sie nicht unversch�mt!�</p><p>�Sonst was?�</p><p>�Sie suchen die sch�pfende Kraft, nicht wahr?�, fragte Stefanie.</p><p>�Sie k�nnen mir �berhaupt erst mal verraten, wer Sie sind!�</p><p>�Mein Name ist Stefanie Kr�ger, ich bin Sprachwissenschaftlerin und habe Patrick von Frankreich aus geholfen, die Texte auf den ersten Platten zu �bersetzen.�</p><p>�Die Frau, mit der Patrick in Kontakt war, hie� aber Marie!�</p><p>�Ein Missverst�ndnis.�</p><p>�So, so...� Die Journalistin sah Stefanie eine Weile lang an. �Nun, kann mir ja egal sein. Aber k�nnen Sie die Texte nun �bersetzen oder nicht?�</p><p>�Ja, ich kann die Schrift lesen.�</p><p>�Und Sie kennen die beiden hier schon l�nger, sehe ich das richtig?�</p><p>Stefanie nickte. �Wir kennen uns schon seit einigen Jahren.�</p><p>�Okay, gut zu wissen. Und weil Sie so nett Antwort gegeben haben: Ja, ich suche keine Ruinen, ich suche die sch�pfende Kraft. Und nichts hat uns je so nahe an den Ursprung gebracht wie Atlantis.�</p><p>�Denken Sie etwa, die Atlanter h�tten die Welt erschaffen?�, fragte Peter.</p><p>�Inzwischen ist unzweifelhaft erwiesen, dass die Evolutionstheorie vorn und hinten krankt. Nicht stimmen<emphasis> kann.</emphasis> Und immer mehr Wissenschaftler schlie�en sich der �berzeugung an, dass die Entwicklung auf unserem Planeten von einem intelligenten Sch�pfer kreiert und gesteuert worden ist. Keine Kultur, die wir bisher kennen, w�re zu so einem Sch�pfungsakt in der Lage, aber die Bewohner von Atlantis waren es. Und diese Entdeckung wird es sein, mit der wir die Weltgeschichte neu schreiben werden. Wir werden verstehen, wer uns geschaffen hat, auf welche Weise und zu welchem Zweck. Indem wir unseren Sch�pfern gegen�bertreten, werden wir unsere Bestimmung erkennen.�</p><p>�Kathleen�, sagte Patrick. �Sie haben eine totale Meise, ist Ihnen das klar?�</p><p>Sie l�chelte ihn an. �Ich sagte doch, dass Sie es nicht verstehen w�rden. Doch das macht nichts. Was Sie sagen, sind blo� Worte. Aber Sie k�nnen damit die Wahrheit nicht �ndern.�</p><p>Mit einem halblauten �Ach du Schei�e...� wandte sich Patrick ab.</p><empty-line/><p>Die Form von<emphasis> Alvin II</emphasis> tauchte als heller Punkt auf dem Sonar auf. Die<emphasis> Hondura</emphasis> lag nur einen knappen Kilometer hinter ihr und sank mit derselben Geschwindigkeit, verfolgte den Kurs lautlos und unsichtbar durch die Dunkelheit.</p><p>Das Forschungs-U-Boot war, wie auch die<emphasis> Libertad,</emphasis> russischer Herkunft. Im Gegensatz zum Schiff war die<emphasis> Hondura </emphasis>allerdings gerade einmal f�nfzehn Jahre alt und stellte das damals Beste der russischen Ingenieurskunst dar, nur vergleichbar mit den Unterseebooten der Japaner. Ihre etwas schw�chere Man�vrierf�higkeit machte sie durch die Tatsache wett, dass sie f�r eine Tiefe von neuntausend Metern ausgelegt war und sechs Personen Platz bot.</p><p>W�hrend sich die Hubschrauber der K�stenwache auf das Schiff des WHOI konzentrierten, hatte Gonz�lez in Ruhe beobachten k�nnen, was auf der<emphasis> Argo</emphasis> vor sich ging. Nach der Explosion an Bord waren die verbliebenen Helikopter abgezogen, und die Europ�er hatten umgehend ihren Kran in Gang gesetzt. Gonz�lez hatte die Chance genutzt und hatte ihnen unbeobachtet hinterhergesetzt.</p><p>Er wusste, dass sie Platten aus Gold gefunden hatten, Ricardo hatte ihnen ausf�hrlich davon berichtet. Nun ging es darum, die genaue Stelle zu finden. Um sich nicht zu verraten, verwendeten sie das passive Sonar an Bord, belauschten und folgten den minimalen Ger�uschen, die das sinkende U-Boot durch seine Stabilisierungspropeller von sich gab. Es war waghalsig, stumme Hindernisse blieben auf diese Weise unsichtbar, aber sie waren im offenen Meer, und auf den n�chsten dreitausend Metern wuchsen nicht pl�tzlich Felsw�nde empor.</p><p>Vermutlich befand sich an Bord des neumodischen kleinen Boots ebenfalls ein passives Sonar, aber Gonz�lez hoffte darauf, dass es nicht eingeschaltet war, denn daf�r gab es keinen Grund. Vermutlich nutzten sie ein schwaches aktives Sonar, um in Fahrtrichtung zu sehen, aber damit konnten sie die<emphasis> Hondura </emphasis>hinter sich nicht entdecken.</p><p>Zufrieden lehnte er sich zur�ck und �berlie� die Fahrt seinem Piloten. Drau�en gab es nichts zu sehen, und es w�rde noch lange genug dauern, bevor sie den Grund erreichten und es wieder spannend wurde.</p><empty-line/><p>�Wie lange sind wir schon unterwegs?�, fragte Peter. Immer wieder hatte er sein Gesicht an das kaum faustgro�e Bullauge gedr�ckt, hinausgestarrt in die Finsternis. Einige Male hatte er Fische aufblitzen sehen, aber das Wasser war so klar, dass sich das Licht der Scheinwerfer einfach nur in der Tiefe verlor, ohne sonst irgendetwas zu erhellen. Bald hatte er Patrick gebeten, sie vollends auszuschalten, um Strom zu sparen.</p><p>�Wir sind auf einer Tiefe von knapp zweitausendsechshundert Metern�, erkl�rte Patrick, ohne sich umzudrehen, �und sinken mit best�ndigen achtundvierzig Metern in der Minute. In etwa zwanzig Minuten m�ssten wir unten sein.�</p><p>Die Au�entemperatur betrug nur noch drei Grad Celsius. In der Kapsel war es k�hl geworden, allein die elektrischen Ger�te und die K�rper der vier Menschen erw�rmten den kleinen Raum, aber das Thermometer stieg nicht mehr �ber f�nfzehn Grad. An der metallenen Innenwand liefen Kondenstropfen herab.</p><p>Die Enge, die sie umgebende Dunkelheit und die vollkommene Isolation schienen den anderen nicht viel auszumachen, aber Peter f�hlte ein stetig gr��er werdendes Unbehagen in sich anwachsen. Er bem�hte sich, nicht dar�ber nachzudenken und keine Panik in sich aufkommen zu lassen.</p><p>Stefanie hatte sich auf das Fu�ende von Peters Pritsche gesetzt, lie� ihre Beine herabh�ngen und lehnte mit dem Kopf an einem Regal. Ihre Augen waren geschlossen. Sie schien sich auszuruhen, vielleicht schlief sie sogar. Sie musste einen Jetlag haben, war vermutlich die ganze Nacht auf den Beinen gewesen.</p><p>Patrick behielt die Anzeigen und Kontrollvorrichtungen st�ndig im Blick, beugte sich manchmal hinunter, studierte Beschriftungen, probierte Kn�pfe oder Hebel aus und war vollauf mit der Technik besch�ftigt.</p><p>Kathleen beobachtete nur stumm die Vorg�nge im Innenraum, fixierte bald Stefanie, bald einen der M�nner. Sie hatte offenbar kein Bed�rfnis, sich zu unterhalten, wof�r Peter ganz dankbar war. Er fragte sich, was in ihrem Kopf vor sich ging. Wie hatte er sich so in ihr t�uschen k�nnen? Dass sie sich in die Ausgrabung in Alexandria eingeschmuggelt hatte, h�tte ihm vielleicht ein Warnsignal sein sollen. Aber war sie wirklich so hart, wie sie vorgab? Konnte jemand so verbohrt, so r�cksichtslos sein? War sie eine Fanatikerin?</p><p>Noch zwanzig Minuten, bevor sie die Schwelle erreichten... �Wie lange wird unser Sauerstoff reichen?�, fragte er.</p><p>Patrick deutete auf eine Anzeige. �Darum w�rde ich mir keine Sorgen machen. Das hier reicht noch f�r fast sechzig Stunden f�r uns vier. Eher w�rde uns der Strom ausgehen, und der ist ausreichend f�r etwa zehn Stunden Tauchgang.�</p><p>�Zehn Stunden!�</p><p>�Ich sch�tze, Sie hatten ohnehin nicht vor, l�nger da unten zu bleiben, oder?�</p><p>�Nein, nat�rlich nicht!�</p><p>�Ich behalte die Anzeigen jedenfalls im Auge, keine Sorge, alter Freund.�</p><p>Peter nickte und gab sich wieder seinen Gedanken hin, w�hrend sie weiter lautlos in die Tiefe sanken.</p><empty-line/><p>�Patrick, Dick hier. K�nnen Sie mich h�ren?�</p><p>Peter schrak regelrecht zusammen, als die Stimme �ber die Lautsprecher erklang. Es erinnerte ihn daran, dass sie noch immer mit der<emphasis> Argo</emphasis> verbunden waren, und es gab ihm ein kleines Gef�hl der Sicherheit.</p><p>�Ja, ich h�re Sie.�</p><p>�Sehr gut. Sie sind in ein paar Minuten unten. Drosseln Sie jetzt die Sinkgeschwindigkeit und halten Sie<emphasis> Alvin</emphasis> mindestens zwei Meter �ber dem Boden.�</p><p>�Alles klar.� Patrick bediente einige Hebel. �Wie ist die Lage bei Ihnen?�</p><p>�Das Wetter ist unver�ndert. Die K�stenwache ist abgezogen. Der Captain hat ihnen einen Maschinenschaden gemeldet, sodass wir jetzt offiziell hier liegen bleiben. Sobald der Sturm vor�ber ist, werden sie aber wiederkommen. Vermutlich in vier bis sechs Stunden. Ach ja, Scheinwerfer nicht vergessen.�</p><p>�Sind an, danke.�</p><p>�Ansonsten alles klar bei Ihnen?�</p><p>�Bis auf die Tatsache, dass wir eine geladene Pistole an Bord haben, ja.�</p><p>�Okay, verstehe. Also dann, viel Erfolg.�</p><p>Die Verlangsamung war kaum sp�rbar. Peter dr�ckte den Kopf an sein Bullauge und beobachtete, wie der Meeresboden in Sicht kam. Es war dunkler Sand, nur an wenigen Stellen lagen wei� leuchtende St�cke, Muschelschalen oder andere Kalkreste. Er sah einen Krebs mit hellem Panzer, der unbeeindruckt von den Scheinwerfern �ber den Grund krabbelte. Vielleicht war er ohnehin blind. Eine absonderliche Situation, sich in diesem Gebiet zu bewegen, unter diesen unvorstellbaren Druckverh�ltnissen, bei nur wenigen Grad �ber dem Gefrierpunkt und in v�lliger Dunkelheit. Und sie wollten sogar noch tiefer hinab.</p><p>Wenige Meter �ber dem Meeresboden stoppte die Abw�rtsbewegung von<emphasis> Alvin.</emphasis> Patrick �berpr�fte einen Monitor, der ihm das Sonarbild des Gebiets vor ihm lieferte, �berlagert von der Karte, die sie mithilfe von<emphasis> Sentry</emphasis> erstellt hatten. Dar�ber hinaus navigierte er nur auf Sicht und lenkte das U-Boot langsam vorw�rts.</p><p>Nach einer Weile erreichten sie einige der schwarzen Bl�cke, die sie von den Bildern kannten. Nun, da sie selbst in knapp zwei Metern Abstand �ber sie hinwegfuhren, wirkten sie deutlich fremdartiger als auf dem Bildschirm.</p><p>Patrick steuerte das Boot weiter. �Da vorn geht es los�, sagte er, und kurz darauf endete der Sandboden unter ihnen so abrupt, als sei er mit einem Messer abgetrennt. An ihn schloss sich nahtlos eine vollkommen schwarze Fl�che an. Als sie die Kante ein St�ck weit hinter sich gelassen hatten, wurde der Anblick verst�rend. Hatten die Scheinwerfer in der Schw�rze der offenen Tiefsee bisweilen noch Schwebeteilchen oder kleinste Lebewesen beleuchtet, so verschluckte die Schw�rze nun alles unter ihnen. Peter und Patrick kannten den Anblick aus S�dfrankreich, dennoch war er, wie damals, h�chst irritierend. Anders als damals wurden die Sonarwellen hier allerdings reflektiert, und Patrick ma� eine H�he �ber dem Grund von einem Meter siebenundachtzig.</p><p>�Wir sind da�, sagte er schlie�lich. �Nach den Messungen von<emphasis> Sentry</emphasis> ist hier ausreichend Platz unterhalb der Trennschicht, sodass wir absinken werden.� Dann sprach er in sein Mikrofon. �Dick, kannst du mich h�ren?�</p><p>�Hier ist John. Wir k�nnen Sie h�ren und beobachten Ihren Tauchgang auf den Monitoren. Sie sind jetzt an der Stelle.�</p><p>�Hallo, John. Wir tauchen jetzt ab. Wir wissen ja, dass die Trennschicht die Datenstr�me durch das Kabel nicht st�rt, aber trotzdem wollte ich vorher noch einmal Hallo sagen. Wer wei�, was passiert.�</p><p>�Hoffentlich nichts weiter. Dick sagt, der pl�tzliche Druckunterschied k�nnte theoretisch Probleme verursachen, aber die Titankapsel sollte das wegstecken k�nnen.�</p><p>�Ja, das denke ich auch.�</p><p>�Danken Sie daran, die Auftriebstanks vollst�ndig zu leeren, damit sie Ihnen nicht platzen.�</p><p>�Ist klar.�</p><p>�Also dann, viel Gl�ck!�</p><p>�Danke, Captain.�</p><p>�Welche Probleme meinte er?�, fragte Peter.</p><p>�Sie erinnern sich, dass der Tiefenmesser nach dem Durchbrechen der Trennschicht pl�tzlich wieder bei einer Tiefe von null Metern neu zu z�hlen begann?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Nun, Tiefenmesser messen streng genommen nicht die Tiefe, sondern den Umgebungsdruck. Da man wei�, wie der in der Tiefe zunimmt, kann man die Tiefe berechnen. Wenn aber der Tiefenmesser null Meter anzeigt, bedeutet das, dass der Umgebungsdruck dem der Oberfl�che entspricht. Hier, wo wir jetzt sind, lastet der dreihundertf�nfzigfache Druck auf dem U-Boot. Wenn wir die Schicht durchbrechen, f�llt der Druck ganz pl�tzlich vollkommen weg. Es k�nnte sein, dass das einige Teile des Bootes strapaziert. Das meinte er.�</p><p>�Und das kann gef�hrlich werden?�</p><p>�Vermutlich nicht.�</p><p>�Vermutlich?! Ihre Zuversicht...�</p><p>�...m�chten Sie haben. Ich wusste, dass Sie das sagen w�rden.� Er grinste.</p><p>�Sie klingen fast wie ein altes Ehepaar�, meinte Stefanie, die wieder wach geworden war und l�chelte.</p><p>�Dann sollte Patrick jetzt daf�r sorgen, dass uns der Tod nicht so schnell scheidet.�</p><p>Patrick winkte ab. �Das kriegen wir schon hin. Ich werde jetzt sinken. Zur Sicherheit sollten Sie sich alle gut festhalten. Wer wei�, wie ruckelig es wird.�</p><p>Er griff nach dem Steuerkn�ppel, und als wenige Augenblicke sp�ter die Anzeige der Entfernung zum Boden auf<emphasis> E 99999.9</emphasis> umsprang, wussten sie, dass sie in die schwarze Schicht eingedrungen waren.</p><empty-line/><p>�<emphasis>�Qu� cojones</emphasis>? Capit�n, das U-Boot ist verschwunden!�</p><p>�Was sagst du da?� Gonz�lez lehnte sich nach vorn und sah dem Piloten �ber die Schulter. �Was soll das hei�en, verschwunden?�</p><p>�Eben war es noch sichtbar, aber jetzt ist es weg.�</p><p>�Das habe ich verstanden, du Idiot. Ich will wissen, was da los ist. Vielleicht hat es einen Schleichfahrtmodus. Benutz das aktive Sonar.�</p><p>�Aber dann werden sie uns h�ren.�</p><p>�Ist mir egal. Hauptsache, wir verlieren ihre Position jetzt nicht.�</p><p>Der Pilot schaltete das Sonar ein, und das von den Schallwellen reflektierte Bild des Meeresbodens vor ihnen erschien. Von <emphasis>Alvin</emphasis> keine Spur. Der Pilot deutete auf einen Bereich des Monitors. �Dort in etwa war die letzte Position. Auf Bodenh�he. Und dann ist es verschwunden.�</p><p>�Was ist das da?� Gonz�lez ging n�her an den Bildschirm. �Der Boden scheint vollkommen glatt zu sein... Bring uns genau an diese Stelle dort.�</p><empty-line/><p>Ein leises Knirschen im Metall war alles, was sich bemerkbar machte, als<emphasis> Alvin</emphasis> mit einem Mal aus der Trennschicht fiel. Sofort pumpte Patrick Druckluft in die Auftriebstanks, um den Fall aufzufangen. Das U-Boot stabilisierte sich bereits nach wenigen Metern und kam schwebend zum Stillstand.</p><p>Durch die Bullaugen drang helles, violett-blaues Licht.</p><p>Peter bestaunte den unwirklichen Ausblick auf die exotische Welt. Unter ihnen er�ffnete sich eine fremde, zerkl�ftete Landschaft.</p><p>�Ich fahre jetzt zu der Stelle, an der wir die Antenne gesehen haben�, sagte Patrick. �Von dort aus erkunden wir das Gel�nde.� Dann sprach er in sein Mikrofon. �Wir sind durch. K�nnen Sie uns noch h�ren?�</p><p>�Ja, problemlos. Gl�ckwunsch! Sie sollten jetzt die Au�enkamera einschalten und den Transfermodus auf<emphasis> �Copy�</emphasis> stellen, damit wir sehen k�nnen, was Sie sehen.�</p><p>�Geht klar.�</p><p><emphasis>Alvin</emphasis> sank nun wieder langsam und bewegte sich vorw�rts. Peter beobachtete alles durch das kleine Bullauge. Waren dies tats�chlich einstige Gebirgsspitzen eines Landes, das eingebrochen und unter dem Meeresspiegel versunken war? Was w�rden sie finden? Artefakte einer antiken Kultur? Tats�chlich eine Art Technologie? Oder war alles nichts weiter als ein sorgsam geh�tetes Hightechgeheimnis des Milit�rs? War das der Grund, weshalb dies ein Sperrgebiet war, weil man hier etwas f�r den Kriegsfall versteckte? Andererseits waren da die Funde aus Frankreich und �gypten. Sie waren eindeutig antik gewesen.</p><p>�Unter uns ist jetzt die Antenne�, sagte Patrick, �oder was immer es ist.�</p><p>�Ich sehe es!�, rief Peter. �K�nnen Sie n�her heran?�</p><p>�Leider nein, f�r das Boot ist es zu eng und verwinkelt. Ich m�chte nicht riskieren, dass wir stecken bleiben.� Er deutete auf den Monitor mit der Karte. �Ich fahre weiter an diese Stelle hier, dort ist eine Abbruchkante, an der wir tiefer gehen k�nnen.�</p><p>Lautlos bewegte sich<emphasis> Alvin</emphasis> weiter durch das Wasser. Unter ihnen ragten Steinformationen auf, so sauber und ohne jeden Bewuchs von Algen oder Muscheln, dass es aussah, als fl�gen sie �ber eine �berirdische Landschaft.</p><p>�Ich werd verr�ckt�, sagte Patrick pl�tzlich. �Ich lasse das Boot sinken, hier, sehen Sie? Die Entfernung zum Boden nimmt ab. Aber hier, die Tiefe, sie bleibt konstant bei null Metern! Der Druck nimmt �berhaupt nicht zu!�</p><p>�Faszinierend...�, sagte Peter. �Wie kann das sein?�</p><p>�Eigentlich gar nicht. Selbst wenn das hier blo� Luft w�re, also viel weniger dicht als Wasser, w�rde man eine Druckver�nderung registrieren. Au�erdem k�nnten wir uns in so einem leichten Medium gar nicht mit den Propellern bewegen. Es muss eine Art Kraftfeld sein, das den Druck neutralisiert.�</p><p>�Das haben Sie ja schon einmal vermutet�, sagte Peter, �aber gibt es eine Technologie, die dazu imstande w�re? Vielleicht etwas Geheimes vom Milit�r?�</p><p>�Im Labor vielleicht�, antwortete Patrick. �Aber in dieser Gr��e? V�llig ausgeschlossen. Allein der Energiebedarf w�re unermesslich.�</p><p>�Wer die Welt und die Menschen erschaffen hat�, meldete Kathleen sich nun nach langer Zeit wieder zu Wort, �der w�re jederzeit in der Lage dazu.�</p><p>�Bitte verschonen Sie mich mit Ihren religi�sen Spinnereien�, gab Patrick zur�ck. �Warum bewundern Sie nicht einfach die Aussicht und lassen die Profis ihre Arbeit machen?�</p><p>�Ihnen werde ich Ihre vorlaute Klappe noch stopfen!�</p><p>�Wenn Sie mit diesem Boot auch wieder zur�ck nach Hause wollen, werden Sie das sch�n bleiben lassen, meine Liebe.�</p><p>�Verlassen Sie sich nicht darauf.� Dann wandte sie sich wieder dem Bullauge zu.</p><p>Patrick steuerte das U-Boot �ber die Felsspitzen hinweg, bis der Boden unter ihnen erneut steil abfiel. Am Rand des unterseeischen Gebirges senkte er das Boot ab und lie� dabei die Scheinwerfer �ber die Steilwand gleiten.</p><p>Immer tiefer sank<emphasis> Alvin.</emphasis> Da der Tiefenmesser konstant blieb, rechnete Patrick auf einem Zettel mit, indem er die H�he �ber dem Boden, die das Sonar ma�, notierte, bis sie den Grund erreichten, dar�ber hinwegfuhren und den n�chsten Gel�ndeabfall hinabsanken. Seit der Trennschicht hatten sie nun schon �ber f�nfhundert Meter �berwunden, und noch immer war der Au�endruck konstant, das Licht nur unmerklich dunkler geworden.</p><p>Dreihundert Meter unter ihnen er�ffnete sich nun eine unregelm��ige Ebene, jedenfalls den vorausschauenden Daten ihres Sonars zufolge. Bis in diesen Bereich war<emphasis> Sentry</emphasis> nicht vorgedrungen, sodass sie keine Karte des Gebiets hatten.</p><p>Langsam verfeinerte sich das Bild auf dem Monitor, und einige Minuten sp�ter kam der Boden auch durch die Bullaugen in Sicht.</p><p>Es war eine atemberaubende Ruinenlandschaft.</p><p>Patrick schaltete einen Monitor ein, sodass die Aufnahmen der vorderen Kamera ins Innere der Kapsel �bertragen wurden.</p><p>Sie schwebten �ber den Resten einer k�nstlichen Anlage, eines gewaltigen Geb�udekomplexes, der hier einst gestanden haben musste. Vom Boden ragten Mauern aus schwarzen Bl�cken empor, �hnlich jenen, die sie oberhalb der Trennschicht gefunden hatten. Ruinen breiter, mehrst�ckiger Geb�ude waren zu erkennen, geduckte Hallen, Stra�en. Dazwischen immer wieder silbern gl�nzende Metallstreben, Tr�ger, Maschinenteile und Bleche. Alles war vollkommen �bers�t mit Tr�mmern, an einigen Stellen war der Boden von tiefen Rissen durchzogen, an anderen Stellen war er in sich zusammengest�rzt und hatte ganze Geb�ude in die Tiefe gerissen. Aber nichts davon erweckte den Anschein, als h�tte es Zehntausende von Jahren im Meer gelegen. Keine Str�mung hatte Sand �ber die Ruinen getrieben, kein Sediment hatte sich abgelagert, keine Algen wuchsen, keine Tiere waren zu sehen. Das Tr�mmerfeld lag unber�hrt und isoliert da, wie in einem �bergro�en Museumsschaukasten.</p><p>�Sehen Sie sich das an...�, sagte Peter tonlos. �Etwas muss diese Zerst�rung angerichtet haben�, f�gte er nach einer Weile hinzu.</p><p>�Na, ist das Ihr Atlantis?�, fragte Patrick.</p><p>�Nein... und ja... Atlantis war gro� wie ein Kontinent, die Hauptstadt soll Hunderttausende, wenn nicht Millionen von Menschen beherbergt haben. Das hier ist... ich wei� nicht, was es ist... es ist gro� und doch viel zu klein. Aber gut m�glich, dass es einst zu Atlantis geh�rte.�</p><p>�<emphasis>M�glich</emphasis>, dass es zu Atlantis geh�rte?!�, wiederholte Kathleen. �Selbstverst�ndlich geh�rte es zu Atlantis, was soll es denn sonst sein?�</p><p>�Nur weil wir nicht wissen, was es ist�, beharrte Peter, �bedeutet das noch lange nicht, dass wir Atlantis gefunden haben. Das m�ssen wir erst noch belegen.�</p><p>�Doch, es geh�rt dazu.�</p><p>Alle sahen Stefanie an, die gesprochen hatte.</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Ja�, sagte sie, �es geh�rt zu Atlantis. Dies hier war eines der Zentren, in denen Energie erzeugt wurde. Der gr��te Teil der Anlage liegt allerdings unterirdisch.�</p><p>�Woher wissen Sie das?�, fragte Kathleen mit zusammengekniffenen Augen.</p><p>�Recherche�, gab Stefanie zur�ck.</p><p>�Kann das sein?�, fragte Kathleen an Peter gewandt. �Gibt es so pr�zise Informationen �ber Atlantis �berhaupt?�</p><p>Peter, selbst noch wie bet�ubt von ihrem m�glicherweise sensationellen Fund, z�gerte, sah von Kathleen zu Stefanie. Sie legte den Kopf ein wenig schief, ein angedeutetes L�cheln lag auf ihren Lippen, und ihre Augen funkelten am�siert. Er blickte hin�ber zu Patrick. Der zuckte mit den Schultern, nickte aber.</p><p>�Ja, durchaus m�glich�, antwortete Peter.</p><p>�Es sollte auch einen Zugang zu der Anlage geben�, sagte Stefanie. �In der N�he der Felswand. Kannst du eine Stra�e erkennen, Patrick, die von hier aus zu den Bergen f�hrt?�</p><p>�Ja�, gab er zur�ck. �Ist aber nicht viel davon �brig.�</p><p>�Am Ende dieser Stra�e m�sste der Zugang zu der Anlage liegen. Sie ist noch intakt.�</p><p>�Und woher wissen Sie das schon wieder?�, fragte Kathleen. �Etwa auch Recherche?�</p><p>�Nein. Aber immerhin ist das Kraftfeld noch aktiv, also m�ssen die Generatoren noch funktionieren.�</p><p>�Dann los, folgen Sie der Stra�e zu den Bergen, Patrick�, sagte Kathleen.</p><p>�Sie haben mir keine Befehle zu geben, Sch�tzchen�, erwiderte der Franzose.</p><p>�Nun h�ren Sie schon auf, sich wie ein M�dchen anzustellen�, sagte die Journalistin. �Im Grunde sind Sie mir dankbar, dass ich Sie alle hierhergebracht habe. Sie wollen es ebenso wie ich.�</p><p>�Mann, Sie gehen mir vielleicht auf den Geist!�</p><p>Patrick senkte das U-Boot weiter ab und steuerte es dann knapp �ber dem Boden den �berresten der Stra�e folgend in Richtung der gro�en Felswand, an der sie zuvor herabgesunken waren.</p><p>Vor ihnen erhoben sich bald einige gro�e S�ulen links und rechts der Stra�e, die, den herabgest�rzten Quadern nach zu urteilen, einmal einen Bogengang gebildet hatten. Direkt dahinter wurde ein fast zehn Meter hoher Eingang im Fels sichtbar. Sorgf�ltig aus dem Gestein gearbeitet, war er mit einer Wand oder einem Tor verschlossen. Im Licht der Scheinwerfer wurden Verzierungen und Inschriften sichtbar, aber Patrick musste<emphasis> Alvin</emphasis> behutsam zwischen den S�ulen hindurchlenken, um n�her heranzukommen.</p><p>Die seitlichen Entfernungssensoren lie�en Warnanzeigen aufflammen, als Patrick das U-Boot so langsam und behutsam es ging zwischen den Steinen hindurchnavigierte. Zu beiden Seiten hin waren kaum f�nfzig Zentimeter Platz.</p><p>Auf dem Monitor der Au�enkamera wurden Details des Tors erkennbar. In der Mitte prangte das Zeichen, das sie auch auf den Platten gefunden hatten.</p><empty-line/><p><image l:href="#0"/></p><empty-line/><p>�Das ist es wieder�, sagte Peter. �Stefanie, wissen Sie, welche Bedeutung dieses Symbol hat?�</p><p>�Es ist das Zeichen f�r Schutz.�</p><p>�Was f�r ein Schutz?�, fragte Kathleen.</p><p>�Es sch�tzt die Energiequellen.�</p><p>�Energie? Das haben Sie vorhin schon gesagt. Meinen Sie damit Strom?�</p><p>�Wenn Sie so wollen, ja. Die Energie, die auch das Kraftfeld betreibt.�</p><p>�Der Legende nach hatten die Bewohner von Atlantis eine au�ergew�hnliche Energiequelle�, erkl�rte Peter. �Sie besa�en ein geheimnisvolles Metall, das Goldkupfererz, auch<emphasis> Oreichalkos</emphasis> genannt, das �ber besondere Kr�fte verf�gte. Und wenn man diesem Amerikaner, Edgar Cayce, glaubt, dann hatten sie auch Energiekristalle und Laser und dergleichen.�</p><p>�Ja, und Raumschiffe�, warf Patrick lachend ein.</p><p>�Nach dem, was ich bis jetzt gesehen habe�, sagte Kathleen, �w�rde ich nichts mehr f�r abwegig halten.�</p><p>�Nat�rlich�, fuhr Patrick fort, �Sie glauben ja auch, dass die Atlanter die Welt in sieben Tagen gesch...<emphasis> merde!</emphasis>�</p><p>�Was ist los?�</p><p>�Wir haben den Kontakt verloren!�</p><p>Patrick pr�fte die Anzeigen und Steuerungen, bet�tigte einige Hebel und sprach schlie�lich in sein Mikrofon.</p><p>�Hier ist Patrick, k�nnen Sie mich h�ren?�</p><p>Keine Reaktion war aus den Lautsprechern zu vernehmen.</p><p>�Dick, John, k�nnen Sie uns h�ren?!�</p><p>Die Lautsprecher blieben stumm.</p><p>�Verdammt. Etwas hat unsere Datenleitung nach oben gest�rt. Wir haben keinen Kontakt zur<emphasis> Argo</emphasis> mehr!�</p><p>�Beeintr�chtigt das unsere Funktionen?�, fragte Peter.</p><p>�Nein, das nicht,<emphasis> Alvin</emphasis> ist prinzipiell v�llig autark. Aber jetzt k�nnen wir keine Daten mehr senden und empfangen. Das bedeutet, die wissen nicht, was wir tun, und k�nnen uns keine Anweisungen geben. Wir sind vollst�ndig abgeschnitten und auf uns allein gestellt.�</p><p>�Nun�, sagte Peter, �vielleicht ist es nur eine vor�bergehende St�rung. Hauptsache, wir k�nnen die restlichen Stunden noch m�glichst effektiv nutzen. Lassen Sie uns das Tor untersuchen!�</p><p>Wieder bediente Patrick die Hebel. Ein kleiner Ruck ging durch das U-Boot. Er versuchte es noch mal, erneut ruckte es. Aber es bewegte sich nicht von der Stelle.</p><p>�So ein Mist! Wir h�ngen irgendwo fest.�</p><p>�Ist es schlimm?�, fragte Peter und beugte sich zu Patrick herab. �Sie bekommen das doch hin, oder?�</p><p>�Sehen Sie mal raus�, sagte Patrick. �Ist da etwas zu sehen?�</p><p>Weder Peter noch Kathleen konnten ein Problem auf ihrer Seite erkennen. Patrick sah angestrengt aus den vorderen Bullaugen. �Etwas muss unter dem Boot sein...�, murmelte er.</p><p>�Vielleicht, wenn Sie aufsteigen?�, �berlegte Peter.</p><p>�Ja, einen Versuch ist es wert...� Er nahm Einstellungen vor, und einen Moment sp�ter wankte<emphasis> Alvin</emphasis> leicht nach links und rechts. �Es reicht nicht!�</p><p>�Versuchen Sie es weiter�, dr�ngte Peter. �In alle Richtungen. Das Boot muss sich einfach l�sen!�</p><p>�Ich versuche es ja! Aber ich will auch nichts an der Maschine kaputt machen.�</p><p>�Verzeihen Sie, wenn mir mein Leben lieber ist als die Unversehrtheit dieses Ger�ts.�</p><p>�Versuch die Greifer, Patrick�, sagte Stefanie. �Vielleicht kannst du dich damit am Boden abst�tzen. Oder vorw�rtsziehen.�</p><p>�Ja! Sehr gut!� Patrick wandte sich anderen Steuerkn�ppeln zu, und kurz darauf kamen die beiden Greifarme in sein Sichtfeld. Wie er bald feststellte, lie�en sie sich nicht vollst�ndig nach unten drehen, sodass der Boden nicht zu erreichen war. Er beugte sie also so weit es ging nach au�en, bis sie die S�ulen ber�hrten, zwischen denen das Boot lag. Die st�hlernen Zangen kratzten nutzlos �ber den schwarzen Stein der S�ulen. Erst nach einigen Minuten gelang es Patrick, sie an einigen Bruchkanten zu verkeilen. Behutsam zog er sie heran, und tats�chlich gelang es ihm, das Boot auf diese Weise vorw�rtszubewegen.</p><p>Doch auch nachdem Patrick<emphasis> Alvin</emphasis> schon fast einen halben Meter nach vorn gezogen hatte, lie� sich das Boot nicht man�vrieren.</p><p>�Also�, erkl�rte er, �wie's scheint, h�ngen wir nicht fest, sondern irgendetwas blockiert den Hauptantrieb. Die seitlichen Thruster funktionieren, aber damit kommen wir hier nicht raus, zum Wenden ist es zu eng. Und �ber uns ist offenbar auch zu wenig Raum, um aufzusteigen.�</p><p>�Was machen wir jetzt?�</p><p>�Ich kann uns vermutlich auf dieselbe Weise hier r�ckw�rts rausschieben�, �berlegte der Franzose. �Wir k�nnen auch versuchen, bis zu dem Tor zu kriechen, dort haben wir mehr Platz.�</p><p>�Wir sind so weit gekommen�, meinte Peter, �wenigstens das Tor sollten wir uns ansehen.�</p><p>�Nicht nur<emphasis> sollten</emphasis>�<emphasis>,</emphasis> sagte Kathleen. �<emphasis>M�ssen!</emphasis>�</p><p>�Ich denke auch, dass ihr euch diese Chance nicht entgehen lassen solltet�, sagte Stefanie. �Sicherlich findest du sp�ter eine M�glichkeit, das Boot wieder in Gang zu bringen.�</p><p>Die Art, in der Stefanie ihn ansah, �berzeugte Patrick. Offenbar wusste sie deutlich mehr �ber die atlantische Sprache und dieses Gebiet hier, als sie alle ahnten. Und klar war auch, dass sie die Details keinesfalls vor der Journalistin offenbaren w�rde. Also war Stefanie wieder in der Rolle der Beobachterin und der unauff�lligen Lenkerin. Sie taten gut daran, ihren Hinweisen zu folgen.</p><p>Patrick wandte sich wieder den Steuerkn�ppeln zu, die die Greifarme bedienten, krallte sie erneut in den seitlichen W�nden fest, zog das Boot einige Handbreit weiter und wiederholte den m�hsamen Vorgang wieder und wieder. Es dauerte zwanzig Minuten, bis<emphasis> Alvin</emphasis> endlich frei war und den offenen Bereich vor dem Tor erreichte. Etwa eine U-Bootl�nge vor ihnen ragte die Felswand auf, in die das fast zehn Meter hohe Tor eingelassen war. Patrick bediente versuchsweise die seitlichen Thruster. Das Boot scherte zur Seite und dann wieder zur�ck.</p><p>�Gut�, sagte er. �Hier kommen wir zur Not raus.� Dann bewegte er<emphasis> Alvin</emphasis> n�her an das Tor heran. Es war ein St�ck in den Felsen versetzt und bestand aus demselben schwarzen Gestein oder Material, das sich �berall fand. �berzogen war die Oberfl�che mit rotgolden gl�nzenden Streifen, die gleichm��ige geometrische Muster formten. Das gro�e Symbol blieb das einzige Zeichen, das eine Bedeutung zu haben schien. Es prangte in etwa zwei Metern H�he und war leicht erhaben.</p><p>�Und Sie meinen, dass dies tats�chlich ein Tor ist?�, fragte Peter an Stefanie gewandt.</p><p>�Ja.�</p><p>�Dann m�sste es einen �ffnungsmechanismus geben�, sagte Patrick. Er lie� die Scheinwerfer des U-Boots �ber die Fl�che gleiten, aber sie schloss an allen Seiten nahtlos mit dem Fels ab.</p><p>�Das Symbol�, sagte Peter. �Vielleicht ist es beweglich?�</p><p>�Das kann ich mir nicht vorstellen...�</p><p>�Probieren Sie es mit den Greifarmen�, hakte Peter nach.</p><p>Patrick bediente einen Steuerkn�ppel. Der rechte Arm des U-Boots streckte sich und ber�hrte das Symbol.</p><p>Ein pl�tzlicher Ruck fuhr durch das Boot, die Scheinwerfer strahlten f�r einen Sekundenbruchteil auf, dann wurden die Monitore im Inneren schwarz.</p><p>In den folgenden Sekunden schockierten Schweigens flammten sie einer nach dem anderen wieder auf und zeigten die durchlaufenden Daten einer Selbstdiagnose-Software. Nochmals einige Sekunden sp�ter erschienen wieder die vertrauten Anzeigen.</p><p>�Was war das?!�, fragte Peter.</p><p>�Ein Systemabsturz�, meinte Patrick. �So was wie eine Spannungsspitze, eine �berladung oder was wei� ich.�</p><p>�Sehen Sie, das Symbol!�, rief Peter aus.</p><p>Auf dem Monitor war zu sehen, dass das Zeichen auf dem Tor ein pulsierendes Leuchten von sich gab.</p><p>�Ich fass es nicht�, sagte Patrick.</p><p>�Sie haben es aktiviert, bravo�, sagte Kathleen mit ehrlicher Begeisterung.</p><p>�Jetzt m�ssen wir nur hoffen, dass es keine Selbstschussanlage ist...�</p><p>W�hrend sie gebannt auf den Monitor sahen, wurde das Pulsieren schneller, und mit einem Mal kam es zum Stillstand.</p><p>Dann bewegte es sich langsam nach oben. Aber nicht nur das Symbol hob sich an, es war das ganze Tor, das sich mit einem Mal nach oben schob.</p><p>In der Felswand vor ihnen er�ffnete sich nun ein gewaltiger Raum. Es war keine nat�rliche H�hle, sondern eine k�nstliche Halle mit vollkommen ebenem Fu�boden und leicht gew�lbten W�nden. Unbekannte Lichtquellen leuchteten von der Decke herab, so als strahle das Material selbst, so �hnlich, wenn auch deutlich kr�ftiger, wie das Symbol auf dem Tor. Das Innere war dadurch vollkommen erhellt, und auf den ersten Blick wirkte es wie ein sonnendurchfluteter Pool.</p><p>�Unglaublich!�, entfuhr es Peter. �Wo f�hrt diese Halle hin?�</p><p>�Es gibt nur einen Weg, das herauszufinden�, gab Patrick zur�ck.</p><p>�Wollen Sie etwa...?�</p><p>�Na klar. Egal wie lange wir jetzt hier sitzen und uns Gedanken �ber die Risiken machen, am Ende werden wir es doch tun.�</p><p>Peter nickte. �Ja, da haben Sie vermutlich recht...�</p><p>�Also dann.� Da der Hauptantrieb ausgefallen war, drehte Patrick das U-Boot mithilfe der Seiten-Thruster um neunzig Grad und man�vrierte es seitlich durch das Tor.</p><p>Es ging nur sehr langsam vorw�rts, aber immerhin funktionierte es, und nach einer Weile waren sie gut zwanzig Meter in die Halle eingedrungen und n�herten sich der r�ckw�rtigen Wand.</p><p>�Wir ziehen irgendein Kabel hinter uns her�, bemerkte Peter mit einem Mal. Sein Bullauge wies in Richtung des Ausgangs. Ein signalrot leuchtendes Kabel schl�ngelte sich durch das Tor und �ber den Boden.</p><p>�Tats�chlich? Lassen Sie mal sehen!�</p><p>Patrick drehte<emphasis> Alvin,</emphasis> bis er den Ausgang durch die vorderen Bullaugen sehen konnte.</p><p>�Verdammt�, sagte er. �Das ist unser Datenkabel. Kein Wunder, dass wir die Verbindung nach oben verloren haben. So wie das aussieht, muss es abgerissen sein.�</p><p>�Das Tor!�, rief Peter, der Patricks Ausblick auf dem Monitor sehen konnte. �Es senkt sich wieder!�</p><p>�Mist, so schnell schaffen wir es nicht zum Ausgang�, sagte Patrick. �Hoffentlich gibt es auch von innen einen T�r�ffner, sonst sitzen wir jetzt in der Falle.� Noch w�hrend er das sagte, kam auch auf der R�ckseite des Tores das gro�e Symbol in Sicht. �Hmm... das sieht ja nicht so schlecht aus�, meinte er.</p><p>Kaum ber�hrte das Tor den Boden, als mit einem Mal Luftblasen das Wasser um sie herum erf�llten. Erst waren es faustgro�e, silbrig gl�nzende Blasen, dann wurden sie in Sekunden zu kopfgro�en Halbkugeln, die wie zittrige Quallen nach oben stiegen. Immer mehr Blasen umh�llten sie, das U-Boot begann zu r�tteln. Die Sicht nach au�en war gleich null, nur noch silbernes Glitzern umgab sie, w�hrend<emphasis> Alvin</emphasis> immer kr�ftiger wackelte.</p><p>Patrick bediente die Kontrollen, bem�hte sich, das U-Boot auf dem Boden abzusetzen, um nicht unkontrolliert herumgeschleudert zu werden. Er konnte sich nur an der angezeigten Entfernung zum Boden orientieren und wusste, dass das Boot aufgesetzt hatte, als es einen harten Ruck gab und das R�tteln nachlie�. Die Luftblasen waren aber weiter angewachsen. Inzwischen machte das Wasser den Eindruck, als w�rde es brodeln und kochen. Sicherheitshalber sah Patrick auf die Anzeige der Au�entemperatur. Sie hatte sich im Gegensatz zur Tiefsee leicht erh�ht, lag aber noch immer unter zehn Grad.</p><p>Unsicher sahen sie nach drau�en und auf den Monitor. Sie trauten ihren Augen nicht, als pl�tzlich Wassertropfen von den Schreiben der Bullaugen herabrannen. Der Wasserspiegel war unterhalb der Scheiben gesunken, sank weiter, und wenige Momente sp�ter lag das U-Boot vollst�ndig auf dem Trockenen.</p><p>�Ich...�, begann Patrick. �Ich... sag jetzt einfach gar nichts mehr.�</p><p>�Eine Schleuse!�, sagte Kathleen. �Wir sind in einer Luftschleuse. Viertausend Meter unter dem Meer in einer jahrtausende alten Luftschleuse, die noch immer funktioniert!�</p><p>Peter sah aus dem Bullauge. �So sieht es aus... ja.�</p><p>�Und was machen wir jetzt?�, fragte sie. �Aussteigen?�</p><p>�Wir wissen nicht, ob die Luft atembar ist�, sagte Patrick. �Vielleicht ist das da drau�en Stickstoff oder sonst was.�</p><p>�Wir k�nnen es doch ausprobieren�, erwiderte die Journalistin.</p><p>�Und wenn es ein giftiges Gas ist?�, fragte Peter.</p><p>�Die letzten Messwerte, die ich aus dem Wasser habe, zeigen nichts Au�ergew�hnliches�, sagte Patrick. �Aber es bleibt ein Risiko.�</p><p>�Ach was�, sagte Kathleen. �Machen Sie schon auf. Ich gehe als Erste. Und wenn ich tot umfalle, kann es Ihnen ja nur recht sein.�</p><p>Patrick und Peter sahen sich an. Der Professor zuckte mit den Schultern.</p><p>�Also gut�, meinte Patrick schlie�lich und l�ste die elektronische Verriegelung der Luke. Kathleen griff �ber sich, �ffnete sie und klappte sie auf. Sie atmete tief ein. Dann kletterte sie nach oben und war verschwunden. Einen Moment sp�ter tauchte sie vor dem vorderen Bullauge auf. Ihr Bild wurde auf den Monitor im Inneren �bertragen. Sie stand da, stemmte die H�nde in die H�fte und sah sich um.</p><p>�Sie sieht noch ganz lebendig aus�, meinte Peter.</p><p>�Ja, bl�d�, seufzte Patrick.</p><p>Stefanie stie� ihn in die Seite.</p><p>�Tja, dann�, meinte Peter, �mache ich mich auch mal auf den Weg. Kommen Sie nach?� Er streckte seinen Kopf aus der Luke. Die Luft roch leicht fremdartig und w�rzig und war etwas w�rmer als im U-Boot, aber abgesehen davon schien es normale Luft zu sein, und das Atmen war problemlos. Peter kletterte nach drau�en und suchte eine M�glichkeit, um von <emphasis>Alvins</emphasis> Oberseite nach unten zu kommen. Eine Treppe gab es hier nat�rlich nicht, daran hatte er nicht gedacht. Schlie�lich entschloss er sich, sich auf den Rand zu setzen, und sprang den letzten Meter. Er landete hart, kippte vorn�ber und fing sich eher recht als schlecht mit den H�nden auf.</p><p>�Das gibt Abz�ge in der B-Note.� Patrick, der hinter ihm ausgestiegen war, lachte. Dann kam auch er herabgesprungen, gefolgt von Stefanie.</p><p>Zu viert standen sie nun neben dem U-Boot. Den Boden der Halle bedeckten einige flache Pf�tzen Meerwasser, die letzten Reste von einigen Millionen Litern, die durch die hineingepumpte Luft in k�rzester Zeit aus dem Raum gepresst worden waren. Wohin, das war nicht offensichtlich.</p><p>Sie gingen ein paar Schritte, ber�hrten den Boden und die W�nde.</p><p>�Wir sind da, Peter�, sagte Patrick. �Sie haben Atlantis gefunden. Jetzt geht das Abenteuer erst richtig los.�</p><p>Peter antwortete nicht. Zu ungeheuerlich war ihm die Vorstellung, dass sie auf einem Boden standen, der vor zehntausend Jahren oder sogar noch l�ngerer Zeit zuletzt ber�hrt worden war. Es umgab sie das wohl gr��te R�tsel der Menschheitsgeschichte. Und die Technologie dieser Kultur konnten sie nur hoffen zu verstehen.</p><p>�Ah, jetzt ist auch klar, warum der Antrieb ausgefallen war�, sagte Patrick, der um das U-Boot herumgelaufen war. �Das Datenkabel hat sich hier hinten verfangen. Wir haben eine gute Chance, dass wir das Ding wieder flottkriegen.�</p><p>�Dann k�nnen Sie ja auch hierbleiben�, sagte Kathleen. Sie hatte ihre Pistole in der Hand und wedelte damit herum. �Wir anderen gehen jetzt jedenfalls los.�</p><p>Sie deutete in Richtung der r�ckw�rtigen Wand, wo Treppenstufen und eine T�r zu sehen waren. Patrick schloss sich ihnen an. Er fuhr mit der Hand �ber die Wand, �berlegte, was dies f�r ein Material war. Es machte den gleichen glatten und strukturlosen Eindruck wie die schwarzen Bl�cke, aus denen die �u�eren Bauten bestanden. Diese W�nde waren jedoch grau-silbern und changierten ganz leicht, als handle es sich um eine mit Metall beschichtete Oberfl�che. Sie war offenbar �u�erst stabil, aber sie f�hlte sich etwas rutschig, fast weich an. Konnte es eine Art Teflon sein? Er ging n�her mit dem Gesicht heran, kratzte mit dem Fingernagel daran. Etwas mit einer Nanostruktur, wie mit Ginkgoeffekt...</p><p>�Kommen Sie?�, h�rte er pl�tzlich Peters Stimme. Sie standen bereits in der ge�ffneten T�r, als Patrick zu ihnen aufschloss. Dann verlie�en sie die Halle und betraten das Innere der eigentlichen Anlage.</p><p>Die Scheinwerfer der<emphasis> Hondura</emphasis> wanderten wie die Beine einer d�rren Spinne �ber die Tr�mmerlandschaft am Boden des Abgrundes. Zwischen den Steinen schl�ngelte sich ein Kabel hindurch, das sich leuchtend orangerot vom Untergrund abhob.</p><p>�Da ist es!�, rief Gonz�lez. �Wie die Leine eines dreckigen K�ters... sehr gut...�</p><p>Das U-Boot der Kubaner senkte sich ein wenig und folgte der Spur, die<emphasis> Alvin</emphasis> hinter sich her gezogen hatte.</p><empty-line/><p><emphasis>AUTEC U.S.-Navy-Recherche-Zentrum, Andros Island, Bahamas</emphasis></p><empty-line/><p>Lieutenant Commander Walters legte das Telefon auf. Die K�stenwache hatte den Einsatz abgebrochen. Es hatte einen Unfall gegeben, und er, Walters, trug daf�r nun mit die Verantwortung. Sicher nicht im disziplinarischen Sinn. Aber ohne seinen Anruf in Miami w�re dieser Einsatz nicht zustande gekommen.</p><p>Ein Sturm hatte sich �ber dem Meer entwickelt, und die beiden Forschungsschiffe lagen direkt auf seinem Weg. Nun konnte es sein, dass die Schiffe tats�chlich Hilfe ben�tigten. Aber noch hatte keines der beiden Schiffe Seenot gemeldet.</p><p>Sollte er die Angelegenheit einfach auf sich beruhen lassen? Die Verantwortung f�r das Geschehene und alles, was noch kommen mochte, vollends an die K�stenwache abtreten? Es w�re bequem. Und niemand w�rde ihm einen Vorwurf daraus machen.</p><p>Aber das war der Weg all derer, die er mehr und mehr verachtete. Der R�ckzug des Menschlichen auf die sichere Distanz des B�rokratischen, die Gleichg�ltigkeit, das Vermeiden, eine Stellung zu beziehen und daf�r einzustehen.</p><p>Walters stand auf und machte sich auf den Weg in den Kontrollraum. Dort angekommen lie� er sich die Satelliten-Karten des Gebiets zeigen und von der Wetterprognose �berlagern. Kurz darauf war ihm klar, was er zu tun hatte.</p></section><section><empty-line/><p><strong>Kapitel 15</strong></p><empty-line/><p><emphasis>Unbekannte Anlage unter dem Meer</emphasis></p><empty-line/><p>Sie gingen durch einen Korridor. Als sie eine weitere T�r erreichten und deren �ffnungsmechanismus bet�tigen wollten, senkte sich ein St�ck weit hinter ihnen ein Schott. Erst als es den Boden ber�hrte, glitt die T�r vor ihnen auf.</p><p>Sonnenlicht schlug ihnen entgegen.</p><p>Sie blinzelten, hoben die H�nde, um ihre Augen zu beschatten. Vor ihnen lag ein Atrium von ungeheuren Ausma�en. Der Platz war mit wei�en, schwarzen und roten Steinen gepflastert, die komplexe Ornamente bildeten. Zu den Seiten hin lagen wuchtige Arkaden, die dar�ber zu mehrere Stockwerke hohen Geb�uden anwuchsen, umgeben von geschwungenen Treppen und ges�umt von gro�z�gigen Galerien. In der Mitte des Platzes ragte eine S�ule aus gelbgoldenem Licht in die H�he. Das Licht bewegte sich glitzernd und funkelnd in einem sanften Strom nach oben, als ob es aus Partikeln und F�den best�nde, ineinander verwoben und flie�end. Irgendwo in f�nfzehn oder zwanzig Metern H�he, wo die Lichts�ule an die Decke stie�, teilte sich der Strom auf, zerstob in einem Fleck gro�er Helligkeit und fiel in einzelnen, tanzenden Strahlen zur�ck zu Boden.</p><p>�Genauso sah die Lichts�ule in der H�hle aus!�, rief Patrick an Peter gewandt. �Erinnern Sie sich, was ich Ihnen damals erz�hlte? Genauso war es! Nur alles in Blau.�</p><p>Peter schwieg und lie� seinen Blick ungl�ubig schweifen. War dies Atlantis? Es war so ganz anders, als er es sich vorgestellt hatte. So real, so intakt und zugleich so fremdartig. Die Details der Architektur und der Ornamente glichen keiner anderen Kultur, h�tten von einem fremden Planeten stammen k�nnen. Nichts deutete darauf hin, dass diese Konstruktionen zehntausend Jahre alt, ja vielleicht sogar noch viel �lter waren. Das sonderbare Material der W�nde, die stets leicht geschwungenen Formen und gew�lbten Fl�chen, das Lichtph�nomen, alles wirkte eher der Zukunft als der Vergangenheit entsprungen.</p><p>�Marie�, sagte Kathleen, �oder Stefanie, oder wie Sie jetzt hei�en: Sie kennen sich ja hier offenbar besser aus als der Professor. Und die Schrift k�nnen Sie auch lesen. Also los, f�hren Sie uns herum!�</p><p>�Na, gut�, sagte Stefanie, �wenn Sie w�nschen...�</p><p>�Ja, ich<emphasis> w�nsche</emphasis> es!�</p><p>�Womit soll ich anfangen, was interessiert Sie? Was m�chten Sie sehen?�</p><p>�Na alles nat�rlich! Was ist das hier, wie funktioniert es? Ich will alles �ber die Atlanter wissen. Was sind das hier f�r Geb�ude beispielsweise?�</p><p>�Sie sind leer�, erkl�rte Stefanie. �Wof�r auch immer sie benutzt wurden, so war dies zum Zeitpunkt des Untergangs schon nicht mehr der Fall. Sie waren ger�umt, so wie der gr��te Teil von Atlantis.�</p><p>�Dann war es keine pl�tzliche Katastrophe wie in Pompeji?�, fragte Peter.</p><p>�Es war au�erordentlich schnell und von unvorstellbarem zerst�rerischen Ausma߫, sagte Stefanie, �aber es kam nicht �berraschend. Die Astronomen hatten bereits Monate zuvor das Ereignis berechnet, und die Evakuierung lief dementsprechend fr�hzeitig an.�</p><p>�Der Ereignis?�</p><p>�Der Meteorit.�</p><p>�Dann stimmt die Theorie also! Ein Meteorit! Und wurde es als g�ttliche Strafe verstanden?�, wollte Kathleen wissen.</p><p>�Nicht mehr oder weniger, als es heute der Fall w�re. Die Menschen sind sehr unterschiedlich in ihrem Glauben. Das war damals nicht anders. Nur dass Religionen Bauten, Texte und Traditionen hervorbringen und man auf diese Weise sp�ter davon erfahren kann.�</p><p>Die Journalistin zog die Augenbrauen zusammen. Die Antwort schien sie nicht ausreichend zu befriedigen.</p><p>�Na gut�, sagte sie. �Diese Geb�ude sind also leer. Und wo befindet sich diese Energiequelle, von der Sie erz�hlt haben?�</p><p>�In der Tiefe der Anlage�, sagte Stefanie. �Wir m�ssen dort entlang.�</p><p>Sie gingen �ber den Platz, in geb�hrendem Abstand an der Lichts�ule vorbei und betraten einen langen Korridor auf der anderen Seite.</p><empty-line/><p>�Los, los, alle Mann raus!� Gonz�lez stand an der ge�ffneten Luke der<emphasis> Hondura</emphasis> und sprang kurz darauf auf den Boden der Halle. Seine f�nf M�nner folgten ihm. Wie er trugen sie Maschinenpistolen an einem Schultergurt.</p><p>Er ging ein paar Schritte und begutachtete<emphasis> Alvin,</emphasis> lief einmal darum herum, klopfte auf die H�lle und nickte anerkennend. Dann stellte er sich vor seine Leute.</p><p>�Wir m�ssen sie finden, bevor sie uns in dieser Anlage durch die Lappen gehen. Bevor wir losgehen: Niemand fasst irgendetwas an! Wir wissen nicht, wo wir hier sind und wie das alles funktioniert. Ihr habt es an dieser Schleuse gesehen. Wer wei�, worauf wir sonst noch treffen. Das bedeutet auch: Augen offen halten und immer zusammenbleiben. Haben wir uns verstanden?�</p><p>Die M�nner nickten.</p><p>�Gut. Und die Waffen sind nicht einfach zum Herumballern gedacht, sondern zu unserem Schutz.� Er machte eine Pause, dann setzte er nochmals an und grinste dabei: �Und zum Schutz von dem verdammten Schatz!�</p><p>Seine M�nner johlten auf. Anschlie�end erl�uterte er seinen Plan.</p><p>�<emphasis>�Vamos!</emphasis>�</p><empty-line/><p>Stefanie f�hrte die kleine Gruppe an. Kathleen hielt die Waffe gez�ckt in der Hand, Peter und Patrick folgten ihr.</p><p>�Sollen wir sie �berw�ltigen?�, fl�sterte Peter dem Franzosen zu.</p><p>�Noch nicht. Je l�nger sie sich sicher f�hlt, umso besser. Au�erdem bekommen wir ja auch die F�hrung, die wir haben wollten.�</p><p>Peter nickte. Tats�chlich war ihm die Journalistin inzwischen vollkommen gleichg�ltig. Allein ihre Waffe irritierte ihn. Aber Patrick hatte sicher recht. Vielleicht wurde sie sp�ter leichtsinnig, dann konnte man sie ihr immer noch entwenden.</p><p>Peter sah sich staunend um, w�hrend sie die Anlage erkundeten.</p><p>Alle G�nge waren in ein angenehmes Licht getaucht, das von der Decke herabschien, ohne dass dort jedoch einzelne Lichtquellen auszumachen waren. Sie passierten einige Abzweigungen, leere S�le mit verzierten S�ulenreihen und R�ume voller metallisch gl�nzender Apparaturen. Die Schriftzeichen der Atlanter waren vielfach zu finden, auf T�ren, an W�nden oder Objekten. Es schien kein Mobiliar zu geben, und so hatten sie den Eindruck, durch die leblosen steinernen �berreste einer von Arch�ologen rekonstruierten Stadt zu wandern, in der die Funktion einzelner Passagen, Kammern und Nischen nicht mehr zu verstehen war, sondern nur noch interpretiert werden konnte.</p><p>Vor ihnen wurde es heller. Der Gang f�hrte um eine Ecke, und zu ihrer Rechten wurde die Wand mit einem Mal transparent. Sie w�lbte sich leicht zur ebenfalls durchsichtigen Decke hinauf. Sie gingen durch einen gl�sernen Korridor und blieben stehen. Rechts von ihnen er�ffnete sich eine endlos scheinende k�nstliche Kaverne. Sie reichte weit �ber den Korridor hinaus in die H�he und offenbar noch viel weiter in die Tiefe. Ein golden funkelndes Licht wanderte in gro�er Entfernung durch die gewaltige H�hle, und von unten ragten dichte Baumkronen auf. Sie sahen auf das undurchdringliche Dach eines majest�tischen, exotischen Urwalds hinab.</p><p>�Was zum Henker ist das?!�, fragte Patrick.</p><p>�Das ist ein Gew�chshaus�, erkl�rte Stefanie.</p><p>�Ein Gew�chshaus?! Das sagst du einfach so? Das Ding ist gr��er als mehrere Fu�ballstadien! Und wieso w�chst hier etwas? Keine Pflanze kann zehntausend Jahre �berleben!�</p><p>�Es ist ein Biotop in einem vollkommenen biologischen Gleichgewicht. Es ist in der Lage, sich in der Waage zu halten, solange ausreichend Energie zugef�hrt wird.�</p><p>Patrick winkte ab. �Das glaube ich einfach nicht...�</p><p>�Und doch liegt es dort unter uns�, sagte Peter. �Wenn die Atlanter eine technisch hoch entwickelte Zivilisation waren, ist es ebenso denkbar, dass sie auch unseren heutigen Wissensstand �bertroffen haben. Wenn Ihnen die Wissensarchive, die Lichtph�nomene, die Trennschicht und die Schleuse nicht schon gereicht haben, dann sollten Sie sich sp�testens jetzt damit abfinden.�</p><p>�Ich hatte nichts anderes erwartet�, behauptete Kathleen. �Die Atlanter waren unsere Sch�pfer. Sie waren die Werkzeuge Gottes, die vom Himmel gekommenen Nephilim. Sie haben die Welt urbar gemacht, sie haben Adam und Eva geschaffen, und indem sie sich mit den Menschen paarten, haben sie die Evolution in Gang gesetzt und kontrolliert. So, wie sie es auch mit allen Pflanzen und Tieren getan haben.�</p><p>Patrick lachte auf. �Sie haben sich mit Pflanzen und Tieren gepaart?�</p><p>Kathleen beachtete ihn nicht. �Wir werden ihre Technologie kennenlernen, verstehen, sie zu nutzen. Und schlie�lich k�nnen wir zu unserem Sch�pfer heimkehren.�</p><p>Patrick sah zu Stefanie und tippte sich mit dem Zeigefinger an die Stirn. Stefanie l�chelte nur und zuckte mit den Schultern.</p><p>�Und Sie werden uns helfen!�, rief Kathleen pl�tzlich wieder an Stefanie gewandt. �Los, weiter.�</p><p>Der gl�serne Gang f�hrte nach fast einem Kilometer wieder in den Fels hinein. Stefanie w�hlte einen abzweigenden Korridor, der schlie�lich an einer �berbreiten Treppe vorbeif�hrte. Dort blieb sie stehen.</p><p>�Was ist?! Haben Sie sich verlaufen? Wie weit ist es noch?�, fragte die Journalistin.</p><p>�Das kommt darauf an, ob Sie direkt zum Energiereaktor m�chten oder ob Sie sich f�r die Archive interessieren.�</p><p>�Welche Archive?�</p><p>�Nun, diese Anlage wurde konzipiert, um die Vernichtung zu �berstehen. Aus diesem Grund gibt es hier vollst�ndige Archive �ber alles, was damals aufbewahrungswert schien.�</p><p>Kathleen horchte auf. �Wo ist das?�</p><p>Stefanie deutete die Treppe hinab. �Es liegt auf der untersten Ebene.�</p><p>�Bringen Sie uns hin!�</p><empty-line/><p>Gonz�lez lie� seine M�nner innehalten. Vor ihnen auf dem Platz erhob sich eine Lichts�ule zur Decke hinauf und sendete wandernde Strahlen zum Boden hinab. Zun�chst hatten sie versucht auszuweichen, aber nachdem sie gemerkt hatten, dass es ungef�hrlich war, lie�en sie das Licht �ber sich gleiten.</p><p>Gonz�lez hatte keine Augen f�r das faszinierende Schauspiel. Stattdessen hob er eine Hand zum Mund und bedeutete seinen Leuten, ruhig zu sein. Er drehte sich langsam im Kreis, lie� seinen Blick aufmerksam �ber die einzelnen Geb�ude um sie herum wandern, versuchte, verr�terische Ger�usche auszumachen. Aber nichts r�hrte sich.</p><p>Schlie�lich deutete er geradeaus auf den Gang, der sich am gegen�berliegenden Ende des Platzes fortsetzte. Dann setzten sie ihren Weg fort.</p><empty-line/><p>Die Treppe verband insgesamt vier Ebenen des Komplexes miteinander. Unten angekommen passierten sie technische Anlagen, die Patrick immer wieder kurz begutachtete. Sie muteten wie Labore an, aber ihr Zweck war nicht erkennbar. Stefanie erkl�rte, dass sie der Regelung und Wartung diverser anderer Systeme dienten, dass die eigentliche Steuerung allerdings von einem zentralen Kontrollraum auf der obersten Ebene erfolgte.</p><p>Peter und Patrick fragten sich l�ngst nicht mehr, woher sie das alles wusste. Klar war, dass dies durch Recherche im allgemein verf�gbaren Material �ber Atlantis allein vollkommen unm�glich war. Es waren Dinge, die nirgendwo erw�hnt wurden, nicht einmal in den fragw�rdigen Seher-Berichten von Edgar Cayce, und in dieser Detailliertheit schon gar nicht. Entweder Stefanie hatte Zugang zu Quellen, von denen die beiden nichts ahnten, oder sie spielte eine Rolle und dachte sich das alles wie selbstverst�ndlich aus, w�hrend sie sie alle in die Irre f�hrte. Aber zu welchem Zweck?</p><p>Am Ende eines breiten Korridors strahlte ihnen durch einen verzierten Torbogen ein blaues Licht entgegen. Als sie das Tor erreichten und in den dahinter liegenden Raum sahen, erkannte Patrick es sofort wieder.</p><p>Der Raum war rund, �hnlich einem Planetarium. Den Boden bedeckte ein �bergro�es Zeichen aus drei konzentrischen Ringen und einem geraden Weg, der zur Mitte hin f�hrte. Dort stieg eine blaue Lichts�ule empor zur Decke, und die herabfallenden Strahlen erweckten den Eindruck eines Unterwasserszenarios.</p><p>�Ist es das?�, fragte Kathleen.</p><p>�Ja�, sagte Stefanie. �Das ist das Archiv.�</p><p>�Ich sehe keine B�cher oder Regale�, sagte die Journalistin. �Der Raum ist leer!�</p><p>�Es ist das Licht�, erkl�rte Stefanie. �Das ist der Informationstr�ger.�</p><p>Kathleen runzelte die Stirn. �Tats�chlich...?�</p><p>�Nat�rlich�, sagte Peter. �Denken Sie dar�ber nach. Alle Berichte in der Bibel von g�ttlichen Botschaften sind von unerkl�rlichen Lichtph�nomenen begleitet. Die Engel, die Himmelfahrt Hesekiels, der brennende Dornbusch im Alten Testament. Die Blendung und Bekehrung des Saulus zum Paulus oder das Pfingstwunder im Neuen Testament...�</p><p>�Alleine das Wort �Erleuchtung� sollte schon eine Glocke l�uten lassen�, f�gte Patrick hinzu, der pl�tzlich ahnte, welche Chancen ihnen dieser Raum bot.</p><p>�Hmm...�, machte Kathleen. �Es sieht aber auch etwas unheimlich aus. Es k�nnte auch der Energiegenerator sein!�</p><p>�Sie m�ssen es mir nicht glauben�, sagte Stefanie. �Aber es ist die Wahrheit. Anders wurden Informationen nicht aufbewahrt.�</p><p>Kathleen trat n�her an die T�r heran. �Und wie soll das funktionieren?�</p><p>�Es sind Wellen, die auf das Gehirn einwirken und durch Energiestr�me mit ihm interagieren�, erl�uterte Stefanie.</p><p>�So, so... Und man geht da einfach rein?�</p><p>�Nein!�, sagte Stefanie schnell und hob abwehrend die H�nde. �Das hei�t, ja. Im Prinzip schon, aber ohne eine spezielle Ausbildung kann Ihr Gehirn diese Daten nicht verarbeiten. Peter und Patrick haben Ihnen vielleicht von der H�hle erz�hlt, die sie gefunden hatten. Menschen, die sie betreten haben, sind wahnsinnig geworden.�</p><p>�Und das soll ich Ihnen glauben?�</p><p>�Im Glauben sind Sie doch ganz gro߫, warf Patrick ein.</p><p>�Glauben ist gut...�, sagte Kathleen. �Aber Kontrolle ist besser!� Und mit diesem Ausruf gab sie Stefanie einen heftigen Sto�, sodass diese in den Raum stolperte. Das blaue Licht umschloss sie augenblicklich. Aber nichts geschah.</p><p>�Ah!�, machte die Journalistin. �Ist ja wirklich irrsinnig gef�hrlich. Was erz�hlen Sie mir da eigentlich f�r M�rchen?!�</p><p>�Ich bin entsprechend konditioniert�, sagte Stefanie. �Bei mir ist es etwas v�llig anderes.�</p><p>Ein zynisches Grinsen machte sich auf Kathleens Gesicht breit. Dann machte sie zwei Schritte vorw�rts und betrat den Bereich. Sie ging an Stefanie vorbei, folgte dem Weg in die Mitte des Raums. Dabei sah sie sich staunend nach allen Seiten um. Pl�tzlich riss sie die Augen auf und blieb stehen. Sie taumelte, sank auf die Knie, st�tzte sich mit den H�nden ab, w�rgte einige Male. Dann riss sie den Oberk�rper hoch, warf den Kopf in den Nacken. Ihre Augen flackerten, ihr Mund war zu einem Schrei ge�ffnet. Sekundenlang blieb sie in dieser Position, w�hrend ihr K�rper von spastischen Zuckungen durchfahren wurde. Dann sackte sie in sich zusammen und kippte seitw�rts auf den Boden.</p><p>Stefanie, die w�hrenddessen neben der Journalistin gestanden und sie beobachtet hatte, kam kopfsch�ttelnd aus dem Raum und gesellte sich wieder zu Peter und Patrick.</p><p>�Jetzt hat sie ihr Wissen�, meinte sie.</p><p>�Sie...�, sagte Peter stockend. �Sie haben sie umgebracht!�</p><p>�Nein, Peter. Sie hat das Wissen erhalten, das sie unbedingt haben wollte. Sie ist nicht tot. Nur ihr Geist ist restlos �berfordert. W�re sie reifer gewesen, w�re ihr nichts geschehen.�</p><p>�Aber Sie wussten, dass das passieren w�rde.�</p><p>�Es war abzusehen�, gab Stefanie zu. �Es war eine Pr�fung. Und sie war notwendig, wenn wir das hier sch�tzen wollen.�</p><p>Peter sch�ttelte den Kopf. �Ich kann ja verstehen, dass Sie sich zur�ckgehalten haben, solange Kathleen dabei war�, sagte Peter, �aber nun ist es an der Zeit, dass Sie uns alles erkl�ren!�</p><p>�Stimmt�, sagte Patrick. �Gibt's einen Ort, wo wir vielleicht auf einer Bank sitzen und eine rauchen k�nnen?�</p><p>�Ich f�hre euch zum Kontrollraum�, sagte sie. �Dort l�sst es sich am besten erkl�ren.�</p><p>�Und Kathleen?�, fragte Peter.</p><p>�M�chten Sie sie etwa mitnehmen?�, fragte Patrick.</p><p>�Nat�rlich nicht! Aber wir k�nnen sie doch nicht einfach hierlassen! Das ist grausam!�</p><p>�Es ist besser so�, sagte Patrick. �Inzwischen hat sie ohnehin Verstand und Bewusstsein verloren. Wir k�nnen ihr nicht mehr helfen.�</p><p>�Wenn wir die Anlage verlassen, holen wir sie wieder hier ab und nehmen sie mit�, sagte Stefanie.</p><p>�Ich h�tte nie gedacht, dass Sie so gewissenlos mit Menschen umgehen k�nnten�, sagte Peter, w�hrend Stefanie wieder voranging und sie zum Kontrollraum f�hrte.</p><p>Sie seufzte. �Sie hat ihre Entscheidung selbst getroffen. Solche Augenblicke sind Teil der B�rde, die wir zu tragen haben. Unser Gewissen wird nicht leichter, sondern immer nur schwerer. Der Schutz des Wissens, die Belehrung und der Schutz der Menschheit durch die Jahrtausende ist aber leider das wesentlich gr��ere Ziel.�</p><p>�Wer ist<emphasis> wir</emphasis>?�</p><p>�Ich erkl�re es, sobald wir am Ziel sind�, gab sie zur�ck. �Dort wird alles verst�ndlich.�</p><empty-line/><p>Die sechs M�nner der<emphasis> Hondura</emphasis> standen in einer S�ulenhalle und sahen sich um.</p><p>�Hier ist alles nur aus Stein�, murrte einer der M�nner. �Oder was auch immer das ist.�</p><p>�Ja�, stimmte ein anderer zu. �Wo ist das Gold?�</p><p>�Ihr habt die goldenen Platten an den Steinen drau�en im Meer gesehen!�, sagte Gonz�lez. �Diese Leute waren unermesslich reich, sonst h�tten sie das hier alles nicht bauen k�nnen! Aber es wird ja wohl kaum auf dem Boden herumliegen. Wir m�ssen weitersuchen.�</p><p>Kurze Zeit sp�ter erreichten die Kubaner einen gl�sernen Gang, der Ausblick auf das �ppige Bl�tterdach eines Waldes bot, der unter ihnen in einer endlos gro�en H�hle oder Kuppel lag.</p><p>�<emphasis>�Madre de Dios!</emphasis>�<emphasis>,</emphasis> stie� Gonz�lez aus. �Seht euch das an!�</p><p>�Was schon?�, sagte einer. �Sieht auch nicht anders aus als zu Hause.�</p><p>�<emphasis>�C�llate, est�pido!</emphasis>�<emphasis>,</emphasis> rief Gonz�lez. �Das ist eine Biosph�re, wie sie die Amerikaner haben! Hightech! Wir sind einer verdammt gro�en Sache auf der Spur, sage ich euch.�</p><p>Er sah noch einen Moment nach unten und �berlegte kurz.</p><p>�Okay, der ganze Komplex ist gr��er, als ich gedacht habe. Wir teilen uns auf. Ihr beiden kommt mit mir. Ricardo, du f�hrst eure Gruppe dort entlang. Was auch immer ihr findet: Merkt euch den Weg, und in einer Stunde geht ihr zur�ck zum Eingang. Und diese verdammten Europ�er m�ssen hier irgendwo sein. Wenn ihr sie seht, dann bringt ihr sie mit!�</p><empty-line/><p>Der Raum, in den Stefanie sie f�hrte, war wie ein kreisrundes Amphitheater konstruiert. Ein gutes Dutzend konzentrischer Sitzreihen, �berdimensionalen Stufen gleich, f�hrte hinab zum Boden und Zentrum des Raums. Vier G�nge mit kleineren Stufen m�ndeten in die etwa f�nf Meter durchmessende Mitte, wo aus einem Podest eine goldene Lichts�ule ihren sanften Strom nach oben in die Kuppel emporsandte.</p><p>�Das ist das Herz dieser Anlage. Setzt euch dort auf die Stufen.�</p><p>Peter und Patrick folgten ihren Anweisungen, w�hrend Stefanie nach unten ging und sich neben das Podest stellte. Sie streckte ihre Arme links und rechts neben den baumstammdicken Lichtstrahl und schloss die Augen.</p><p>Die Helligkeit im Raum nahm ab. Der Strahl drehte sich zwischen Stefanies H�nden, verformte sich. In der Kuppel breitete er sich seitlich aus, und �ber ihren K�pfen bildete sich ein golden schimmernder Vorhang aus Licht, der sich bald �ber den ganzen Raum spannte.</p><p>Peter sah atemlos in die H�he, als das Licht eine gewaltige Kugel formte, die in wenigen Augenblicken die Gestalt und Farbe der Erde annahm. Sie rotierte frei im Raum, so real, als k�nne er sie anfassen. Tats�chlich streckte er versuchsweise eine Hand aus, zuckte aber pl�tzlich zur�ck, als er Stefanies Stimme h�rte. Sie klang jedoch nicht vom Podest aus, sondern hallte direkt in seinem Kopf. Volumin�ser und fremder, als er sie kannte. Ein Schauer lief seinen R�cken hinunter. Dann machte sich eine unerkl�rliche Erregung in seinem Scho� breit. Es war furchtbar, durchdringend, intim, blo�stellend und zur selben Zeit wunderbar und Ehrfurcht gebietend.</p><p><emphasis>Die Stimme eines Engels,</emphasis> zuckte es ihm durch den Sinn. Grauenhaft und �berirdisch.</p><p>�<emphasis>F�rchtet euch nicht</emphasis>�<emphasis>,</emphasis> sagte Stefanie. �Diese Worte kennt ihr aus der Geschichte der Menschheit. Sie sind �berall dort gefallen, wo etwas Gr��eres auf etwas Kleineres getroffen ist, ohne ihm schaden zu wollen. H�heres Wissen, h�here F�higkeiten l�sen Unverst�ndnis und Angst aus. Aber Wissen kann und darf nicht ohne Lehrer vermittelt werden, und nicht alles Wissen ist jederzeit f�r jedermann geeignet. Daher gibt es die H�ter, die beobachten und belehren, aber auch bewahren und verteidigen. Es geht um das gesammelte Wissen der atlantischen Kultur.�</p><p>Die Erdkugel kam n�her und n�her, die Wolken zogen beiseite, bis nur noch der Atlantische Ozean zu sehen war. Dann sch�lte sich die Oberfl�che der Kugel ab, w�lbte sich herum und breitete sich als eine flache Karte aus. Zwischen Amerika und Europa war ein zerkl�fteter Kontinent zu sehen.</p><p>�Dies ist Atlantis. Wie ihr sehen k�nnt, treffen die Beschreibungen Platons im Wesentlichen zu. Aber vieles ging im Lauf der Jahrtausende verloren.�</p><p>Die Oberfl�che des Kontinents kam n�her, bis W�lder, Stra�en und St�dte sichtbar wurden. Aus der H�he war die Konstruktion der gr��ten Stadt gut zu erkennen. Sie lag auf einer von Gebirgen ges�umten Ebene am Meer. Um das Stadtzentrum in der Mitte lagen breite Wasserstra�en in drei konzentrischen Ringen, die allesamt miteinander und mit dem Meer verbunden waren. Schiffe befuhren die Kan�le. Gerade Stra�en f�hrten von jeder Himmelsrichtung aus �ber Br�cken zur Mitte hin.</p><p>�Die atlantische Kultur war sehr fortschrittlich und lange Zeit die einzige Zivilisation auf der Erde. Es gab Verbindungen zu allen anderen Kontinenten, Kontakte zu den dortigen Eingeborenenst�mmen und Handel, aber keinen Kulturaustausch. Doch trotz ihrer hohen Entwicklungsstufe durchlebte die atlantische Zivilisation mehrere Zyklen des Fortschritts, der Zerst�rung und des Wiederaufbaus. Einige durch Naturkatastrophen, andere selbst verschuldet. Als die Berechnungen der Astronomen die wohl endg�ltige Vernichtung des Landes durch einen Meteoriten vorhersagten, beschloss die Regierung, das Wissen und die Errungenschaften zu sch�tzen. Kleinere Wissensarchive und Kommunikationszentren in anderen L�ndern hatte es auch schon vorher gegeben, aber nun wurden neue, gr��ere angelegt. Diese Anlagen hier wurden ausgebaut, um auch nach Jahrzehntausenden noch Energie zu liefern und die �berreste zu sch�tzen. Die Bev�lkerung wurde evakuiert und alles f�r den Tag des Untergangs vorbereitet.�</p><p>Nun wurde wieder der Atlantik sichtbar, und w�hrend Stefanie weitererz�hlte, lie�en sich die Abl�ufe mitverfolgen.</p><p>�An dem Tag, als der Meteorit kam, befanden sich nur noch wenige Tausend Menschen auf Atlantis. Solche, die den Berechnungen nicht trauten, und solche, die ihre Heimat zu sehr liebten und zu alt waren, um in einer fremden Welt ein neues Leben anzufangen.�</p><p>Es mischten sich Ger�usche zu den Bildern, und bald wurde das Geschehen so intensiv, dass es sie vollkommen umschloss, mitsamt des L�rms, der Ger�che, der Ersch�tterungen, Feuer, Wind und Wasser.</p><p>�Der mehrere Kilometer gro�e Meteorit trat in die Atmosph�re ein und zerbarst in mehrere Teile. Die kleineren trafen Mittelamerika und den s�dlichen Teil der heutigen USA. Der gr��te Brocken schlug auf Atlantis mit einer so gro�en Wucht auf, dass die H�lfte des Kontinents auf einen Schlag zu Asche verdampfte. Turmhohe Flutwellen donnerten �ber die K�sten Nord- und S�damerikas, drangen selbst in Afrika und Europa Hunderte von Kilometern ins Landesinnere ein. Das Mittelmeer durchschlug die Meerenge, die heute der Bosporus ist, st�rzte in das Schwarze Meer und hob den Spiegel des einstigen Sees um mehrere hundert Meter an. Der Aufprall war so heftig, dass sich die Schockwellen im Inneren der Erde ausbreiteten und �berall auf der Welt Vulkane ausbrachen. Der Meeresboden entlang des mittelatlantischen R�ckens riss weit auseinander, die gel�sten Kontinentalplatten verschoben sich, und was niemand h�tte ahnen k�nnen, trat ein, als die Reste des Atlantischen Kontinents in nur wenigen Jahren nach und nach in die Tiefe gezogen wurden. So verschwand Atlantis vom Angesicht der Erde.�</p><p>Sie machte eine Pause. Die plastische Darstellung der weltweiten Katastrophe drang Peter und Patrick durch Mark und Bein. Es war etwas anderes, von diesen Szenarien zu lesen oder Computersimulationen zu sehen, als sie so hautnah zu erleben, wie es das Lichtph�nomen vor ihnen erm�glichte.</p><p>�Die Menschen, die Atlantis rechtzeitig verlassen hatten�, fuhr Stefanie fort, �verteilten sich auf den anderen Kontinenten. Nicht �berall fassten sie erfolgreich Fu�. Manche Kolonien gingen wieder unter und gerieten in Vergessenheit. Andere verga�en ihre Wurzeln und begannen von Neuem. Wieder andere vermischten sich mit den Ans�ssigen. Vielerorts wurden die Weisen der Atlanter zu Lehrmeistern, und ihr Verm�chtnis ist nicht nur in der globalen Erinnerung an eine Sintflut erhalten geblieben. Auch die pl�tzliche Steinarchitektur, der weltweite Bau von Pyramiden, die Erz�hlungen der mittelamerikanischen V�lker von b�rtigen Sch�pfern, die Legenden von Lehrmeistern und Kulturbringern, die b�rtigen Pharaonen, auch viele Erz�hlungen von Propheten und G�ttern, dies geht fast alles auf jene Zeiten zur�ck.�</p><p>Eine Landkarte zeigte sich, auf der die Str�me dieser urzeitlichen Diaspora zu sehen waren.</p><p>�Das Wissen sollte bestm�glich erhalten bleiben. Aber es war auch klar, dass vieles von dem, was in Atlantis bereits erreicht worden war, f�r die anderen V�lker noch nicht geeignet war. Zu gro� w�re die Verlockung der Macht gewesen und zu verheerend der m�gliche Missbrauch. Denn gro�e Macht bedeutet eine gro�e Verantwortung und verlangt nach Erfahrung und moralischer Festigkeit. Daher wurde das Prinzip der H�ter geschaffen, deren Aufgabe es sein sollte, die Archive des Wissens und das atlantische Erbe durch die Zeit zu bewahren, bis der richtige Zeitpunkt gekommen w�re.</p><p>Die Archive in Atlantis selbst wurden in den letzten wenigen Jahren, die dem Rest des Kontinents nach der Katastrophe noch verblieben, so gesichert, dass sie auch unter Wasser gesch�tzt sein w�rden. Das Symbol auf dem Tor bedeutet, wie ich schon sagte, �Schutz�, aber es geht nicht um die Energiequellen, die sind lediglich ein Mittel, sondern es geht um diesen viel gr��eren Schatz hier. Viele der anderen Archive auf der Welt gingen bei Naturkatastrophen verloren, einige mussten vernichtet werden, um sie vor der Entdeckung zu sch�tzen. Eines davon, in Frankreich, habe ich selbst zerst�ren m�ssen.�</p><p>Langsam verblasste die �bergro�e Landkarte, der Lichtstrom erlangte seine urspr�ngliche Form wieder, und die Helligkeit im Saal nahm zu.</p><p>Peter und Patrick erwachten wie aus einer Trance.</p><p>Es dauerte eine Weile, bis Peter das Wort ergriff. Seine Stimme klang seltsam d�nn in dem gro�en Raum.</p><p>�Dann... sind Sie...�, er z�gerte, die absurde Frage in Worte zu fassen. Aber was war nun noch absurd? �Stammen Sie von Atlantis?�</p><p>Sie l�chelte. �Nein, nicht aus jener Zeit. Aber auf eine gewisse Weise schon. Ich bin atlantischer Abstammung und einer der letzten H�ter der letzten Archive. Die Lebenserwartung der Atlanter war wesentlich h�her als bei den heutigen Menschen. Erinnern Sie sich an das Alte Testament. Die ersten Generationen werden dort noch mit einem Lebensalter von �ber neunhundert Jahren angegeben, bis sie immer k�rzer werden und sie sich schlie�lich bei etwas unter hundert einpendeln. Ebenso im Gilgamesch-Epos. Auch das ist ein �berrest aus jener vorgeschichtlichen Zeit, in der sich das atlantische Blut immer weiter verd�nnte. F�r die H�ter jedoch war es wichtig, m�glichst lange zu bestehen, damit nur selten neue ausgew�hlt werden mussten, deswegen durften sie nur unter ihresgleichen bleiben. Ich bin daher eine direkte Nachfahrin dieses uralten Volkes, wenngleich auch ich fast so viele Generationen davon entfernt bin, wie Sie es von den Kreuzz�gen sind.�</p><p>�Wie viele H�ter gibt es?�</p><p>�Wir sind nur noch drei wahre H�ter. Es gibt aber einige Menschen, denen wir einzelne Archive f�r ihre Lebenszeit anvertraut haben. Einen davon haben Sie in �gypten kennengelernt und miterlebt, wie er seine Aufgabe weitergegeben hat.�</p><p><emphasis>Oliver Guardner und Melissa,</emphasis> dachte Peter. Es f�gte sich alles in ein Bild.</p><p>�Und was ist der Plan mit uns?�, fragte Peter. �Ich vermute, dass dieser Steffen van Germain oder Al Haris, wie er sich in Kairo nannte, ebenfalls einer von Ihnen ist. Der steckt doch dahinter!�</p><p>Wieder l�chelte Stefanie. �Es geht um diese Archive hier, die vielleicht wichtigsten Relikte und Belege unserer Kultur. Wir beobachten Sie schon sehr lange, Professor. Und wenn wir es schaffen w�rden, dass Sie sich ernsthaft mit Atlantis auseinandersetzen und sogar wagen w�rden, es zu suchen, dann w�ren Sie unser bevorzugter H�ter. Das ist auch der Grund, weswegen ich Sie beide bei Ihren Projekten immer begleitet habe. Allerdings steht Ihnen die letzte Pr�fung...� Sie stockte und streckte einen Arm aus, hielt ihn in die Lichts�ule. �Wir sind nicht allein�, erkl�rte sie dann.</p><p>�Und das sagt dir das Licht?�, fragte Patrick.</p><p>�Ja. In diesem Kontrollraum laufen die Informationsstr�me der ganzen Anlage zusammen. Das Licht, das �berall hier unten zu sehen ist, auf den G�ngen, in den R�umen, ist zugleich ein Datentr�ger. Von hier aus l�sst sich alles steuern und �berwachen. In diesem Augenblick gibt es Bewegungen an zwei weiteren Stellen der Anlage.�</p><p>Der Lichtstrom aus dem Sockel verbreiterte sich ein wenig, gerade so, dass er eine rund zwei Meter breite Wand bildete. Darin war eine dreidimensionale Darstellung zu sehen. Auf den ersten Blick wirkte es wie eine Nervenzelle, die sich mit vielen haarfeinen Ausw�chsen nach allen Seiten hin ausstreckte. Bei n�herer Betrachtung bestand die Nervenzelle selbst ebenfalls aus unz�hligen Zellen und Verbindungen. Sie stellten Korridore und R�ume dar. Das Ganze war eine durchsichtige Rekonstruktion der unterirdischen Anlage.</p><p>�Meine G�te, sind das wirklich die ganzen G�nge?�, sagte Patrick. �Das ist ja komplexer als ein Ameisenbau... Nur regelm��iger aufgebaut... Diese gro�en R�ume, was ist das?�</p><p>�Diese Darstellung ist stark verkleinert. Es sind die Biotope, wie wir vorhin eines gesehen haben. Es gibt davon f�nf St�ck mit einer Gesamtfl�che von vielen Quadratkilometern.�</p><p>Die Ansicht drehte sich ein wenig, vergr��erte sich, bis ein kreisrunder, schwach leuchtender Raum deutlich wurde, der sich im Zentrum des symmetrisch angelegten Komplexes befand. In einiger Entfernung davon leuchteten zwei weitere G�nge auf.</p><p>�Wir sind hier�, sagte Stefanie, �und dort ist die Bewegung.�</p><p>�Was f�r eine Bewegung?�, fragte Peter. �Gibt es hier unten etwa noch Menschen?�</p><p>�Hier unten war seit zehntausend Jahren kein Fremder mehr�, sagte Stefanie. �Und den einzigen Eingang haben wir selbst benutzt.�</p><p>�Gibt's eine M�glichkeit, direkt in diese G�nge zu sehen?�, fragte Patrick. �Mit diesem Licht oder so?�</p><p>�Ja�, sagte Stefanie. �Aber daf�r bleibt keine Zeit. Wir sollten, so schnell es geht, aus diesem Raum verschwinden. Kommt mit!�</p><p>Sie f�hrte sie z�gig weiter, und erst als sie einige Korridore hinter sich gebracht hatten, verlangsamte sie wieder das Tempo.</p><p>�Es gibt noch viel mehr zu sehen�, erkl�rte sie. �Aber wir sollten erst selbst herausfinden, was hier vor sich geht. Im Kontrollraum w�ren wir �berrascht worden.�</p><p>�Wer kann denn hier unten sein?�, wollte Peter wissen.</p><p>�Dieser Jemand muss auf alle F�lle ein Unterseeboot haben�, meinte Patrick. �Vielleicht ein Rettungsteam von der K�stenwache? Oder von der Navy?�</p><p>�Das werden wir herausfinden�, sagte Stefanie. �Es gibt noch einen anderen Kontrollraum, den wir nutzen k�nnen, um in die G�nge zu sehen.�</p><p>Stefanie f�hrte sie weiter. Einige Male hob sie die Hand und lie� sie an Abzweigungen anhalten. Dann schloss sie die Augen, konzentrierte sich kurz und w�hlte danach einen der Wege.</p><p>�Durch das Licht hier im Gang kann ich auf den Lageplan zugreifen�, erkl�rte sie auf Peters Frage hin. �Der Raum, den ich suche, liegt in der N�he der Biotope, aber ich kenne ihn nicht.�</p><p>�Der Rest der Anlage scheint Ihnen aber durchaus vertraut zu sein�, meinte Peter.</p><p>�Ja�, gab Stefanie zu. �Ich war auch bereits einmal hier. Es ist aber schon lange her.�</p><p>�Wie um alles in der Welt bist du denn hier runtergekommen?�, fragte Patrick erstaunt.</p><p>�Damals gab es noch einen anderen, unterirdischen Zugang. Er f�hrte zu einem weiteren Archiv, weit s�dlich von hier, in der N�he von Kuba. Aber sowohl das Archiv als auch der Zugang sind heute zerst�rt.�</p><p>�Das verstehe ich nicht�, sagte Patrick. �Du hast erz�hlt, diese Anlage w�re in den Jahren nach dem Asteroidenaufschlag gebaut worden, als die Reste des Kontinents nach und nach in die Tiefe gezogen wurden. Wie kann dann das alles hier so ungeheuer gro� sein? Und wof�r die Kontrollr�ume? Und die W�lder?�</p><p>�Gro�e Teile der Anlage existierten schon vorher�, erl�uterte sie. �Es waren einst Bergbaustollen, die sp�ter zu einer Lehr- und Forschungseinrichtung ausgebaut wurden. In den Jahren zwischen Aufschlag und Untergang wurde das hier nur erweitert, umgebaut und gesichert. Haupts�chlich wurde dabei die autonome Energieversorgung eingerichtet, um alles hier unten stabil zu halten. Und auch die Schwelle oberhalb dieses Tals, die den Druck kontrolliert und das Gebiet abschirmt, musste ja mit Energie versorgt werden.�</p><p>�Und diese gro�en Biotope?�</p><p>�Es sind Katalysatoren, die f�r den Energiegewinnungsprozess eine Rolle spielen�, sagte sie. �Die atlantische Technologie war weit fortgeschritten und beruhte auf der Nutzung von nat�rlichen Prozessen f�r die Umwandlung von Energie.�</p><p>�Und das alles l�uft reibungslos und wartungsfrei seit zehntausend Jahren?�, hakte Patrick nach.</p><p>�Mehr oder weniger, ja. In den letzten Jahrzehnten hat es vermehrt tektonische Aktivit�ten gegeben, die diese Strukturen hier unten beeinflussen. Ihr habt die Ruinen vor dem Eingang gesehen. Die Geb�ude waren beim Untergang zwar bereits verlassen, aber eingest�rzt sind sie erst sp�ter. Auch die schwarzen Steine, die ihr fotografiert habt, sind erst vor kurzer Zeit durch die Schwelle nach oben katapultiert worden.�</p><p>�Durch eine Plattenverschiebung? Das kann ich mir nicht vorstellen.�</p><p>�Nein. Aber die Bewegung der Erdkruste verzerrt das Energiefeld des Schutzschilds und wirkt sich auch auf die technischen Installationen aus. Daher kommt es immer h�ufiger zu unkontrollierten heftigen Entladungen, die sich dann einen Weg ins offene Meer bahnen. Sicher seid ihr euch dessen bewusst, dass dies hier auch das Gebiet des ber�chtigten Bermudadreieckes ist. Die Effekte, die hier beobachtet wurden und zu vielen Unf�llen gef�hrt haben, also wei�es oder leuchtendes Wasser, elektromagnetische St�rfelder, Ausfall des magnetischen Feldes, besondere Wetterph�nomene, Strudel, Blitze, all das hat mit den Energieentladungen zu tun, die hier stattfinden.�</p><p>�<emphasis>�Alto!</emphasis>�, ert�nte pl�tzlich eine Stimme hinter ihnen.</p><p>Als sie sich umdrehten, sahen sie drei Maschinenpistolen auf sich gerichtet.</p><p>�Ricardo?�, fragte Patrick, der einen der M�nner von Bord der<emphasis> Argo</emphasis> erkannte. Es war derjenige, der die Daten an die Kubaner weitergegeben hatte und dann �ber die Reling gesprungen und von seinen Kumpanen aus dem Wasser gefischt worden war.</p><p>�Da haben wir euch also endlich gefunden�, sagte Ricardo. �Es war nicht leicht in diesem verdammten Irrgarten. Aber zum Gl�ck habt ihr laut genug gequatscht.�</p><p>�Wie seid ihr hierhergekommen?�, fragte Patrick.</p><p>�Ihr kommt mit uns!�, sagte der Kubaner. �Und keine Experimente.� Er schwenkte seine Waffe. �Die hier sind nicht zum Spa� gedacht.�</p><p>�Wohin wollen Sie mit uns gehen?�, fragte Peter.</p><p>�Zum Ausgang, Professor. Und dort wird Gonz�lez entscheiden, was wir mit euch anstellen. Los jetzt,<emphasis> arriba!</emphasis>�</p><p>�Dort entlang ist es aber ein Umweg�, sagte Stefanie.</p><p>Ricardo hielt inne. Er sah auf seine Uhr und wechselte ein paar spanische Worte mit seinen Leuten. �Wenn ihr es besser wisst, geht ihr vor�, sagte er dann.</p><p>Stefanie wandte sich zum Gehen, die Kubaner folgten ihnen mit den Waffen im Anschlag.</p><p>�Die Situation kommt mir merkw�rdig bekannt vor�, fl�sterte Peter an Patrick gewandt.</p><p>�Ich sch�tze, die Realit�t ist weniger kreativ als ein Indiana-Jones-Film�, gab Patrick zur�ck.</p><p>�Daf�r aber etwas gef�hrlicher�, meinte Peter halblaut.</p><p>�Bleibt bei mir�, sagte Stefanie nur. Patrick zuckte zusammen, als ihn bei diesen Worten ein intensives Gef�hl durchfuhr. �hnlich wie ihre Stimme, die er in seinem Kopf gesp�rt hatte, war etwas in ihn eingedrungen. Keine Worte, aber eine Emotion, die ihn beruhigte und ihn gleicherma�en aufmerksam machte. Er sp�rte eine Aufforderung, die von Stefanie ausging, so als m�sse er besonders gut aufpassen, als ob sie etwas plante. Er sah zu Peter hin�ber, der gerade die Stirn gerunzelt hatte und etwas abwesend wirkte, ganz so, als h�tte er ebenfalls dieses innere Signal bekommen. Konnte Stefanie auf sie einwirken? Sie hatte erkl�rt, dass das Licht, das sich auch �berall in den G�ngen befand, ein Informationstr�ger war und dass es auf die Gehirnstr�me einwirken konnte. Vielleicht war sie in der Lage, ihnen auf diese Weise etwas zu vermitteln? Vielleicht war es nur rudiment�r, da Peter und er nicht geschult waren, damit umzugehen?</p><p>Sie benutzten einen Weg, den Patrick nicht kannte. Sein Orientierungssinn war ausgesprochen gut, und er wusste, dass dies keineswegs der R�ckweg war. Aber Ricardo und die anderen beiden M�nner hatten offenbar keine Ahnung. M�glich, dass sie schon so lange hier herumirrten, dass sie froh waren, die F�hrung abgeben zu k�nnen. Patrick sprach ein wenig Spanisch und konnte h�ren, dass sie sich �ber Gold und ihren Anteil an einer Beute unterhielten.</p><p>Sie kamen in einen gro�en Saal. Zwei Reihen kunstvoll verzierter S�ulen trugen eine geschwungene Decke, die vollst�ndig mit feinen goldenen Ornamenten verziert war. Die Muster waren allerdings keine einfachen Schn�rkel, sondern stellten fremdartige Pflanzen und Tiere dar. Eine Lichts�ule in der Mitte des Saals sandte ihre Strahlen in die H�he, die unter der Decke entlangwanderten und die goldenen Lebewesen zum Leben erweckten. Die M�nner richteten staunend ihre Blicke nach oben, w�hrend sie weitergingen.</p><p>Das Gef�hl der Anspannung verst�rkte sich bei Patrick. Stefanie ging wie beil�ufig weiter, direkt auf die Lichts�ule zu. Er ging rechts neben ihr, bemerkte, wie er seinen Arm seitlich ausstreckte, bis er seine Hand fast unwillk�rlich auf ihre Schulter legte. Es war ein seltsames Gef�hl, die Vertrautheit schien ihm unangemessen, machte ihn unerwartet verlegen. Zugleich wusste er, dass sie es von ihm erwartete. Verwundert stellte er fest, dass Peter, der auf Stefanies anderer Seite ging, es ihm gleichtat.</p><p>In diesem Moment waren sie am Lichtstrom angekommen, und Stefanie streckte ihre H�nde aus. Augenblicklich explodierte das Licht zu einem glei�enden Ball, der alles um sie herum verschlang. Patrick, Stefanie und Peter standen losgel�st von ihrer Umgebung in einem unwirklichen Wei�, der Raum war verschwunden, es gab keine W�nde mehr, kein Oben und Unten. Nur strahlendes Nichts. Patrick wusste, dass er Stefanie auf keinen Fall loslassen durfte. Er drehte sich zu ihr und bemerkte erstaunt, dass sie selbst zu strahlen schien. Sie l�chelte ihn an. Sie wirkte gr��er als sonst, m�chtig und herrlich, und das unwirkliche, erhebende Gef�hl, dass sie etwas G�ttliches, Heiliges verk�rperte, ergriff wieder Besitz von ihm.</p><p>Davon hatte er bereits damals in Frankreich einen Hauch erfahren. Nun offenbarte sie sich ganz. Und er hatte niemals etwas Sch�neres gesehen.</p><p>Dann verblasste die Helligkeit, der Raum fand zur�ck in die Realit�t, der Boden wurde sichtbar, die steinernen S�ulen zu beiden Seiten, die mit Gold verzierte Decke. Peter und Patrick lie�en Stefanies Schultern los, und als sie sich umdrehten, lagen die drei M�nner auf dem Boden. Einer starrte reglos und mit glasigen Augen in die H�he, die H�nde vor der Brust verkrampft, die beiden anderen lagen zusammengekr�mmt auf der Seite. Speichel lief aus dem Mund des einen, der andere zuckte unkontrolliert.</p><p>Peter keuchte. Ins Mark ersch�ttert �ber das, was er gerade erlebt hatte, und das, was er nun sah.</p><p>�Was bist du...?�, brachte er hervor, und trat einen Schritt von Stefanie fort, die Augen abgewandt.</p><p>�Hab keine Angst�, sagte sie, und Patrick bemerkte, wie sanfte Wellen von ihr ausgingen. Sie vermittelten ein beruhigendes Mitgef�hl. Sicher w�rde Peter es auch sp�ren. Der Professor reagierte tats�chlich, hob den Kopf und sah sie an.</p><p>�Die Cherubim mit dem flammenden Schwert�, sagte er. �Die Engel, die den Zugang zum Garten Eden und den verbotenen Baum der Erkenntnis sch�tzen...�</p><p>�Das ist eine alte Geschichte�, sagte Stefanie. �Es ist keine Zauberei. Es ist nur Licht und konzentrierte Information. Bald werdet ihr es auch verstehen k�nnen.�</p><p>�Kommen Sie schon, Peter. Das waren die B�sen, wir sind die Guten. Es ist alles in Ordnung. Und logisch erkl�rbar.�</p><p>�Logisch?!� Peter sah ihn mit gehobenen Augenbrauen an, �Logisch nenne ich etwas anderes! Das hier, das ist... surreal!�</p><p>�Wir m�ssen weiter, Peter�, forderte Patrick.</p><p>�Patrick hat recht�, sagte Stefanie. �Es ist noch ein weiterer dieser Trupps hier unterwegs.�</p><p>�Wollen Sie die auch noch umbringen? Erst Kathleen, jetzt diese drei. Was haben Sie vor?�</p><p>�Peter, h�ren Sie doch mal zu.� Patrick ging zum Professor. �Die waren es, die uns mit Waffen bedroht haben! Wir sind mit Stefanie hier, sie vertraut uns das gr��te Wunder der Geschichte an. Wollen Sie, dass diese Leute es in die H�nde bekommen?�</p><p>�Es...�, Peter stockte. �Es ist einfach... zu gro�. Verstehen Sie? Das hier ist weitaus mehr, als ich in wenigen Stunden zu verstehen bereit bin. Ich brauche Zeit... Ich muss hier raus!�</p><p>Wieder breitete sich eine behutsame Welle des Mitgef�hls von Stefanie aus. Sie legte den Kopf ein wenig schief. Noch etwas anderes schwang dieses Mal mit. Eine Art sanfte Trauer, �berlegte Patrick.</p><p>�Gut�, sagte sie. �Ich f�hre euch zur�ck zum U-Boot.�</p><p>In ihren Worten lag eine neue Entschlossenheit, und Patrick f�hlte, dass sie mehr plante, als sie nur zur�ckzubringen. Sie selbst w�rde bleiben, die Eindringlinge finden und vor allem die Archive sch�tzen. W�hrend sie den Raum verlie�en, sah sie zu ihm her�ber und nickte. Da begann er zu verstehen, dass Peter nichts davon ahnte, dass nur er selbst diesen besonderen Kontakt zu ihr hatte. Es war, als habe sich ein neuer Sinn in ihm weiterentwickelt. Nach dem ersten gemeinsamen Erlebnis in der H�hle vor einigen Jahren hatte es begonnen, und jetzt war es fortgeschritten. Sie hatte sich ihm ge�ffnet, und nun war er mit ihr noch enger verbunden als zuvor. Er konnte ihre Gef�hle sp�ren, fast verstehen, was sie dachte.</p><p>Sie gingen schweigend durch die G�nge. Stefanie war zielstrebig, den Weg zum Ausgang kannte sie gut, und nach einer Weile befanden sie sich in Korridoren, die Patrick wiedererkannte. Peter, einen Schritt hinter ihnen, war in Gedanken versunken.</p><p>Sie erreichten den gro�en Hof am Eingang der Anlage. Die Lichtstrahlen, die langsam �ber den Boden und die Geb�ude wanderten, wirkten beruhigend, als bef�nde man sich auf einem Marktplatz unter Platanen, durch deren Bl�tterdach die Sonne eines Sommernachmittags fiel.</p><p>Stefanie blieb stehen.</p><p>�Sind Sie sicher, dass Sie zur�ckm�chten, Peter?�, fragte sie.</p><p>Peter sah nach oben, betrachtete die Geb�ude in ihrer unbekannten Architektur, die verzierten Arkaden, drehte sich langsam um sich selbst und nahm das Bild zum Abschied in sich auf. Welche Wunder am Ende dieser Wege lagen! Einige hatte er gesehen, unerh�rte Geschichten erfahren, und wie vieles mehr w�rde ihm immer verborgen bleiben. Dies war wahrhaftig Atlantis. Und er, auf seine alten Tage, hatte den Segen erfahren, es betreten, es sehen und f�hlen zu d�rfen. Allein, ob dies tats�chlich ein Segen war, das w�rden erst die n�chsten Jahre zeigen. Wie w�rde er sein Leben weiterf�hren k�nnen, als sei nichts geschehen? Das ganze Weltbild hatte sich ge�ndert, es war, als h�tte er in einem Traumland gelebt und nun zum ersten Mal die Wirklichkeit gesehen. So vieles ergab nun keinen Sinn mehr, wie viele Theorien waren nun falsch, B�cher nutzlos. Hier unten wurden alle Fragen beantwortet, und hier w�rde er sie zur�cklassen. Wenn er nun ging, ging er zur�ck in ein Leben, das nur Schein war. Und doch...</p><p>Vielleicht war er tats�chlich zu alt f�r eine Revolution dieser Gr��e. Stefanie hatte etwas sehr Wahres gesagt, als sie daran erinnert hatte, dass nicht alles Wissen f�r jedermann zu jeder Zeit geeignet war. Es war eines, zu glauben, dass man bereit daf�r war, es war etwas anderes, mit einem Wissen konfrontiert zu werden, das die d�nne H�lle dessen, was einem als wahr erschien, mit einem Schlag zerriss. Die Vergangenheit wurde nichtig und die Zukunft vollkommen umgew�lzt. Nein, er konnte es nicht.</p><p>�Ja�, sagte er. �Ich bin sicher. Es tut mir leid. F�r Sie beide.�</p><p>�Mir auch, Peter. Aber Ihre Entscheidung ist alles, was z�hlt. Und sie ist in jedem Fall richtig.�</p><p>Und so ging sie weiter und �ffnete die Schleuse, die sie zur�ck zu<emphasis> Alvin</emphasis> f�hrte.</p></section><section><empty-line/><p><strong>Kapitel 16</strong></p><empty-line/><p><emphasis>Atlantik, etwa hundert Seemeilen nord�stlich der Bahamas</emphasis></p><empty-line/><p>Der st�hlerne Leib der<emphasis> USS Georgia</emphasis> pfl�gte mit zwanzig Knoten durch das Wasser. Vor nunmehr rund f�nfundzwanzig Jahren gebaut, war das gewaltige Atom-U-Boot der Ohio-Klasse ein �berholtes Kind des Kalten Krieges. Seine Atomwaffen waren durch ferngelenkte Tomahawk-Raketen mit konventionellen Sprengk�pfen ersetzt worden. Die aktuellen Boote der Virginia-Klasse waren moderner und schneller. Dennoch war es mit einhundertsiebzig Metern noch immer eines der gr��ten U-Boote, die je f�r die Navy gebaut wurden.</p><p>Die<emphasis> USS Georgia</emphasis> war auf dem R�ckweg in ihren Heimathafen an der Ostk�ste. Aber seit vor zwei Stunden ein Funkspruch der AUTEC Navy Base eingegangen war, hatte sie ihren Kurs leicht ge�ndert. Es war ein Umweg, und er w�rde das Boot direkt in ein Unwetter f�hren. Doch weiter drau�en auf dem Atlantik war das Wetter oft noch wesentlich schlechter, und auch die sturmumtosten Gew�sser um die s�dliche Spitze Afrikas hatte das Schiff schon mehrfach unbeschadet durchquert. F�r den weltweiten Hochseeeinsatz war es schlie�lich auch gebaut, und daher bestand an Bord kein Anlass zur Unruhe.</p><p>Lediglich der Auftrag selbst war ungew�hnlich, aber er kam von h�chster Stelle. Und er w�rde sie nicht lange aufhalten.</p><empty-line/><p>Peter, Patrick und Stefanie betraten die Halle, die als Hangar und Luftschleuse gedient hatte.</p><p>�Nat�rlich!�, rief Patrick aus, als er die<emphasis> Hondura</emphasis> erblickte. �Ein zweites U-Boot, wie h�tte es auch anders sein k�nnen.�</p><p>�Aber woher kannten sie diesen Eingang?�, fragte Peter.</p><p>�Vermutlich sind sie uns gefolgt. Da<emphasis> Alvin</emphasis> hinten keine Augen hat, waren sie f�r uns unsichtbar.�</p><p>�Du meine G�te�, sagte Peter, der bereits an ihrem Boot stand, w�hrend Patrick sich noch die<emphasis> Hondura</emphasis> ansah. �Sehen Sie!�</p><p>Patrick kam her�ber und blieb erschrocken stehen.<emphasis> Alvins </emphasis>H�lle war vollkommen mit Einsch�ssen �bers�t. Aufgrund der harten Titanlegierung waren die meisten Treffer lediglich Beulen, nur der Lack war abgeplatzt. Dennoch gab es mehrere tiefe L�cher. Man hatte sich M�he gegeben, mit den zur Verf�gung stehenden Mitteln maximalen Schaden anzurichten, und hatte das Feuer ganz offenbar auf die empfindlichen Teile konzentriert. Am schlimmsten hatte es den Bug erwischt, wo man auf die Scheinwerfer und die Bullaugen geschossen hatte. Die seitlichen Thruster im hinteren Teil des Boots waren zerschossen und die Propeller des Haupantriebs vollkommen zerst�rt.</p><p>Patrick kletterte �ber die kleinen Sprossen auf das Dach und sah durch die offenstehende Luke.</p><p>�Das Ding ist vollkommen hin�ber!�, fluchte Patrick. �Diese Schweine haben es zersiebt. Da drinnen sieht es aus wie auf einem Schrottplatz.�</p><p>�K�nnen wir nicht das andere Boot nehmen?�, fragte Peter.</p><p>�Vielen Dank f�r Ihr Vertrauen in meine F�higkeiten�, sagte Patrick, der nun wieder heruntersprang. �Aber ich bin mir nicht sicher, ob das eine gute Idee ist. Sehen Sie sich das Ding doch mal an. Nur weil ich wei�, wie man<emphasis> Alvin</emphasis> bedient, kann ich noch lange kein fremdes U-Boot steuern. Die kommen nicht von der Stange, wissen Sie.�</p><p>�So ein gro�er Unterschied wird es doch nicht sein�, meinte Peter. �Sehen Sie sich doch wenigstens das Innere mal an. Vielleicht werden Sie ja schlau draus.�</p><p>Patrick zuckte mit den Schultern und untersuchte die fast doppelt so gro�e<emphasis> Hondura.</emphasis> Auch hier lag die Einstiegsluke auf der Oberseite. Er kletterte hinauf und untersuchte sie. �Das h�tten wir uns denken k�nnen�, rief er von oben. �Sie ist verriegelt.�</p><p>�Kann man sie nicht irgendwie aufdrehen?�</p><p>�Nein, Peter. Es sei denn, Sie k�nnen das Vorh�ngeschloss, das hier an dem Riegel h�ngt, mit den Z�hnen abbei�en.�</p><p>�Das sind schlechte Neuigkeiten�, konstatierte der Professor.</p><p>�Das k�nnen Sie wohl laut sagen. Wir sitzen fest! Jetzt k�nnen wir nur warten, bis die Jungs zur�ckkommen, und hoffen, dass sie uns per Anhalter mitnehmen.�</p><p>�Es gibt noch einen Weg�, sagte Stefanie.</p><p>�Was? Ich dachte, es gibt keinen anderen Weg hierher?�</p><p>�Hierher nicht. Aber es gibt einen Weg hinaus. Kommt mit.�</p><p>Sie folgten Stefanie zur�ck auf den Vorplatz. Peter sch�ttelte innerlich den Kopf. Wie oft geschah es, dass man sich hinterher bewusst wurde, wann man einen Ort das letzte Mal in seinem Leben gesehen hatte � und nun, da er sich ausdr�cklich getrennt hatte, war er wenige Minuten sp�ter schon wieder hier.</p><p>�Es gibt Fluchtkapseln�, erkl�rte Stefanie. �Die Anlage wurde ja ausgebaut, als klar war, dass sie versinken w�rde. Daher hat man alles so gesichert, dass man sie im Notfall verlassen k�nnte. Ebenso wie die Archive m�ssen die H�ter gesch�tzt werden, die das Wissen um sie weitertragen sollen.�</p><p>�Und du bist sicher, dass sie nach dieser Zeit immer noch funktionieren?�</p><p>�Wenn alles andere intakt ist, dann sind es die Sicherheitssysteme erst recht�, erkl�rte sie. �So etwas w�rde man heute auch nicht anders konstruieren.�</p><p>Sie eilten durch die Korridore. Ein ums andere Mal stoppte Stefanie und konsultierte den virtuellen Lageplan, bevor es weiterging. Sie erreichten schlie�lich eine der breiten Treppen, die die Ebenen miteinander verbanden, und stiegen hinab.</p><p>Als sie unten ankamen, drang ihnen pl�tzlich ein lautes Kreischen entgegen, und was sie sahen, lie� sie abrupt stehen bleiben.</p><p>Es war Kathleen. Sie lehnte an einer Wand gegen�ber dem Treppenabsatz und starrte sie mit weit aufgerissenen Augen an, die drohten aus den H�hlen zu quellen. Ihr Haar war zerzaust, in B�scheln ausgerissen, der Kopf blut�berstr�mt und ihr Oberteil dunkelrot getr�nkt. Sie schrie erneut auf, br�llte ihnen schrill etwas entgegen und fuhr mit ihrer linken Hand zum Sch�del. Sie hieb sich einige Male gegen ihre Schl�fe, krallte sich dann fest und kratzte mit ihren Fingern�geln tiefe Risse in ihre Haut.</p><p>�<emphasis>Goodness!</emphasis>�<emphasis>,</emphasis> �chzte Peter. �Was ist mit ihr passiert?�</p><p>Kathleen winkelte ihren rechten Arm mit ungelenken Bewegungen an und hob die Hand, in der sie die Pistole hielt.</p><p>�Sie hat noch die Waffe!�, rief Patrick und warf sich auf Peter und Stefanie, sodass sie zu dritt zu Boden stolperten.</p><p>Kathleen dr�ckte wankend ab. Die Kugel pfiff zwei Meter �ber die drei hinweg und schlug in die oberen Treppenstufen. Kathleens Arm war durch den R�ckschlag beiseitegeschleudert worden, aber noch immer umkrallte sie die Waffe. Wieder schrie sie auf, keuchte einige Mal, gab ein animalisches St�hnen und Grunzen von sich, hob noch einmal ihren Arm und feuerte erneut unbestimmt in Richtung Treppe.</p><p>�Mein Gott�, stie� Peter hervor, �tun Sie etwas, Patrick. Oder Stefanie, wenn Sie k�nnen.�</p><p>Jetzt zerkratzte sich die irrsinnig gewordene Journalistin ihre blutige Stirn, h�mmerte jaulend dagegen. Sie machte dabei einige taumelnde Schritte nach vorn, die Waffe noch immer erhoben. Wieder l�ste sich ein Schuss, der Patrick nur um wenige Zentimeter verfehlte.</p><p>Er musste sie angehen, sie zu Fall bringen! Er setzte zu einem geduckten Sprung an. Etwas in ihren Augen blitzte auf. Sie sah ihn an, ihr Arm h�rte auf zu schwanken. Sie richtete die Waffe direkt auf ihn.</p><p>Patrick stie� sich von der Treppe ab, sprang los. Aber noch bevor er bei ihr war, hallte das ohrenbet�ubende Stakkato einer Maschinenpistole durch den Raum, und Kathleen wurde zuckend und blutspritzend zur�ckgeschleudert. Sie prallte gegen die Wand, rutschte an ihr herab und fiel auf die Seite. Patrick konnte seinen Schwung nicht auffangen, stolperte weiter und rutschte in den ausblutenden Leichnam hinein.</p><p>�Wie es scheint, h�tte ich nur lang genug warten m�ssen�, sagte jemand �ber ihnen auf der Treppe. �Dann h�tten Sie sich wohl alle selbst kaltgemacht.� Der Mann sprach mit starkem spanischem Akzent. Er war etwa in Patricks Alter, aber wesentlich kr�ftiger gebaut und sah wenig vertrauenerweckend aus. Er kam l�ssig die Stufen hinab, lie� die Maschinenpistole in seiner Hand herabh�ngen. Hinter ihm folgten zwei weitere M�nner, ebenfalls bewaffnet.</p><p>�Los�, sagte er an Peter und Stefanie gewandt. �Stehen Sie auf und gehen Sie zu dem dort dr�ben.�</p><p>Sie taten, was er von ihnen verlangte.</p><p>�Gut so. Ich bin Nu�o Gonz�lez. Mein Schiff haben Sie schon gesehen.� Er zeigte auf Patrick, der sich inzwischen aus der Blutlache am Boden erhoben hatte. �Und du dort, du warst mit dieser Nutte bei mir, hast meine Mannschaft angegriffen.� Er ging ganz dicht an Patrick heran. �Kannst du mir einen Grund sagen, warum ich dir nicht die<emphasis> cojones</emphasis> abrei�en sollte? Kannst du das?!�</p><p>Patrick roch den sauren Atem des Mannes und bem�hte sich, ruhig zu bleiben. �Weil Sie noch Hilfe beim Tragen brauchen�, antwortete er neutral.</p><p>�Beim Tragen, hm?�</p><p>�F�r das Gold.�</p><p>�So, so... f�r das Gold... Nun, ich habe noch drei andere Leute. Ich sch�tze, das schaffen wir auch ohne deine Hilfe.�</p><p>�Tut mir ja leid, Sie zu entt�uschen�, gab Patrick zur�ck. �Aber die drei hat's so �hnlich erwischt wie die da.� Er zeigte auf Kathleen. �Na ja, also ohne den Kugelhagel. Sie liegen auf Ebene zwei und sabbern nur noch vor sich hin.�</p><p>�Was?!� Gonz�lez machte eine kurze Bewegung und schlug dem Franzosen die Waffe so heftig ins Gesicht, dass der mit dem Hinterkopf an die Wand prallte. Patrick hielt sich st�hnend eine Hand vor das Gesicht. Zwischen seinen Fingern lief ihm Blut aus dem Mund.</p><p>�Es ist wahr�, sagte Stefanie. �Sie sind in eine Lichtanlage geraten.�</p><p>�Verdammt, Gonz�lez�, sagte einer der M�nner, �au�er Rui kann niemand die<emphasis> Hondura</emphasis> steuern!�</p><p>�Patrick ist unser Pilot�, sagte Stefanie. �Er kann euch helfen.�</p><p>�Und ihr m�sst das Gold durch drei Leute weniger aufteilen�, f�gte Peter hinzu und �rgerte sich augenblicklich �ber seine Voreiligkeit.</p><p>�Was l�sst dich glauben, dass uns das Gold wichtiger ist als unsere Freunde?�, herrschte Gonz�lez den Professor an. �Hast du keine Ehre? Bist du so ein dreckiger Verr�ter?�</p><p>Peter wusste nicht, was er antworten sollte, bereitete sich innerlich auf einen Schlag vor, wie Patrick ihn eingefangen hatte. Aber Gonz�lez lachte nur auf.</p><p>�Seht euch das an! Ein britischer Gentleman und eine Ratte in einem!� Er versetzte Peter eine klatschende Ohrfeige und grinste dabei weiter. �Aber er hat recht!�, sagte er. �Okay, ihr zeigt uns das Gold und helft uns tragen. Und du steuerst unser Boot. Daf�r kannst du deine Eier noch ein paar Tage behalten. Also los! Wo geht es entlang in diesem beschissenen Labyrinth?!�</p><p>Patrick hatte unvermittelt den Eindruck von Feuchtigkeit, roch Erde und Vegetation, f�hlte k�hle Schatten, und als Stefanie nun voranging, wusste er, wohin sie sie f�hren w�rde. Aber was plante sie in den W�ldern? Vermutlich konnte man sich dort hervorragend verstecken und unauffindbar bleiben, aber zun�chst mussten sie die drei M�nner ja loswerden. W�hrend er sich diese Gedanken machte, drangen bereits neue Empfindungen in ihn ein. Er f�hlte etwas Warmes, Klebriges an seinen Fingern, roch das metallische Aroma frischen Blutes. Dann sp�rte er in der Hand das Gewicht der Pistole, die er der toten Kathleen entwendet und heimlich in seinen Hosenbund gesteckt hatte. Patrick sah zu Stefanie hin�ber, die seinen Blick nur kurz mit einem kaum merklichen Nicken erwiderte. Sie hatte alles mitbekommen, und sie wusste auch, dass er in diesem Augenblick ihre Gedanken wahrnehmen konnte. Es war eine recht einseitige Form der Kommunikation, wenn sie sich �berhaupt als solche bezeichnen lie�. Offenbar erwartete Stefanie eine Art Ablenkungsman�ver von ihm, etwas, das mit der Pistole und dem Wald zusammenhing.</p><p>Sie gingen ein weiteres Stockwerk nach unten, folgten einem Gang, der von Rohren und technischen Armaturen ges�umt war. Fast hatte es den Anschein, als liefen sie durch einen Maschinenraum, und vielleicht stimmte es sogar. Doch die Installationen waren chromgl�nzend, elegant geschwungen und in regelm��igen Abst�nden zu so ungew�hnlichen Formen verwoben, dass die W�nde eher nach moderner Kunst als nach Technologie aussahen.</p><p>Der Gang erweiterte sich und wurde zu einem Raum, dessen Stirnwand vollkommen durchsichtig war und �ber s�mtliche Stockwerke der Anlage nach oben reichte. Dahinter blickten sie in ein unwirkliches Schwarzgr�n.</p><p>Ein dunkler Urwald aus B�umen aller Art lag direkt vor ihnen. Nur wenige Bl�tter an Ranken und Str�uchern waren hier zu sehen, aber daf�r unz�hlige gewaltige, dunkle St�mme, die schier endlos in die H�he f�hrten, bis sie schlie�lich in ein dichtes und nahezu lichtundurchl�ssiges Baumkronengeflecht �bergingen. Der Gang befand sich einige Meter �ber dem Boden, wo die Wurzeln des Waldes zu sehen waren, die ein tiefes, verwobenes Netz bildeten.</p><p>�Was f�r ein Anblick�, entfuhr es Peter.</p><p>�Klappe halten!�, rief Gonz�lez. Dann wandte er sich an Stefanie. �Was soll das? Du kennst dich hier wohl aus; was sollen die B�ume hier?�</p><p>�Dort befindet sich das Gold�, erkl�rte Stefanie schlicht.</p><p>�In dem Wald?! Versuch nicht, mich zu verarschen!�</p><p>�Nicht in dem Wald. Hinter dem Wald. Wir m�ssen dort durch.�</p><p>�Spinnst du?� Gonz�lez holte zu einer Ohrfeige aus, doch Stefanie fing sein Handgelenk mit ungeahnter Geschwindigkeit auf.</p><p>�Nicht so ungeduldig, starker Mann�, sagte sie gelassen. �Ich zeige dir den Weg.� Sie wies mit dem Kopf auf einen leuchtenden Kreis an der Wand.</p><p>Der Kubaner nickte.</p><p>Stefanie lie� sein Handgelenk los, und w�hrend Gonz�lez seine Maschinenpistole erneut in Anschlag brachte, streckte sie ihren Arm aus und hielt ihre Hand vor das Licht.</p><p>Lautlos teilte sich die durchsichtige Wand vor ihnen. Obwohl sie zuvor keinen Spalt gesehen hatten, schob sie sich in der Mitte auseinander. Oder verschwand. Es war nicht genau zu erkennen. Patrick ging n�her heran, um sich das Ph�nomen genauer anzusehen. Ja, sie bewegte sich nicht, sie schien sich tats�chlich aufzul�sen. Dann schrak er zusammen, als sich direkt vor seinen F��en, dort, wo sich nun die Kante des Raums befand, ein �hnlicher Vorgang abspielte. Nur, dass dies andersherum arbeitete. Anscheinend aus der blo�en Luft bildete sich eine transparente Br�cke, die sich in rasender Geschwindigkeit nach vorn ausbreitete und zwischen den Baumst�mmen verschwand.</p><p>�Heute w�rde man es Nanotechnologie nennen�, sagte Stefanie, die das atemlose Erstaunen der anderen beobachtete. �In Verbindung mit Wassermolek�len, die aus der Luft gewonnen werden.�</p><p>Die Br�cke war fertig. Es war ein rund ein Meter breiter Pfad, der sich durch den Wald schl�ngelte. Die Konstruktion ruhte auf zahllosen ebenfalls transparenten Pfeilern und verf�gte �ber ein einfaches Gel�nder.</p><p>�Ist das... stabil?�, fragte Patrick.</p><p>�Ja�, sagte Stefanie. �Die Schwingungen der Molek�le sind mit speziellen Interferenzen zum Stillstand gebracht worden. Inzwischen ist es Eis.�</p><p>�Das ist... verdammt cool!�, sagte Patrick. �Aber warum so eine Spielerei?�</p><p>�Eine station�re Konstruktion h�tte entweder dem ungehinderten Wachstum geschadet oder w�re im Lauf der Zeit durch die B�ume zerst�rt worden. Daher wird die Br�cke nur bei Bedarf erzeugt, und die Nanobots suchen sich selbstst�ndig einen Weg.�</p><p>�Das ist ja ganz sch�n�, mischte sich Gonz�lez ein. �Aber jetzt geht's hoffentlich weiter!�</p><p>Stefanie trat auf die Br�cke hinaus, ging ein paar Schritte und drehte sich halb herum.</p><p>�Sie ist stabil, sehen Sie?�</p><p>Gonz�lez schwenkte seine Maschinenpistole in Richtung von Peter und Patrick. �Jetzt ihr!�</p><p>Die beiden folgten Stefanie, w�hrend sich hinter Patrick die Kubaner anschlossen. Die Br�cke hielt problemlos, so als sei sie aus Stahl. Ihre Oberfl�che war glatt, aber nicht rutschig, sondern vollkommen trocken.</p><p>Ein �berw�ltigendes Aroma von feuchtigkeitsschwangerer Urwaldluft umh�llte sie. Es roch nach Erde und Moosen. Sie gingen im Zwielicht zwischen den St�mmen hindurch. Ihre Schritte hallten auf der Br�cke unangemessen laut durch den ansonsten schweigenden Wald. Es umgab sie eine fast sakrale Atmosph�re, in der die B�ume zu nicht enden wollenden S�ulen einer urzeitlichen Kathedrale wurden, das ferne Bl�tterdach zu einer gewaltigen Kuppel, in der nur ab und zu einzelne Lichtflecken aufblitzten. Dieser Wald, so schien es, atmete langsam, wie ein einziges, uraltes schlafendes Wesen. Bald schien es, als w�rden ihre Schritte leiser und langsamer werden. Patrick sah sich verstohlen um und bemerkte, dass auch die Kubaner von dem Ort gefangen genommen waren. Einzig Gonz�lez schien sich unwohl zu f�hlen und sah sich immer wieder hektisch zu den Seiten hin um, als f�rchte er, dass ihn etwas aus dem Halbdunkel anfallen k�nnte.</p><p>Ihr Weg wand sich weiter. Der Anblick war �berall derselbe. Es war ein vollkommen in sich geschlossener Wald, der Jahrtausende Zeit gehabt hatte, sich zu entwickeln, sich ineinander zu verflechten, in sich zu ruhen. Kein Zeichen fremden Einflusses war zu erkennen, es war eine Natur, wie sie nur in dieser von Menschen, Tieren und der Umwelt isolierten Umgebung entstehen konnte. Patrick wusste, dass es ein Trugschluss war, denn sie befanden sich in einer k�nstlichen, wenn auch ungeheuer gro�en H�hle, und Stefanie hatte erkl�rt, dass die W�lder mit der Energiegewinnung zusammenhingen. Also waren sie nicht so isoliert, wie es schien. Wie das Prinzip funktionierte, w�rde vermutlich ein R�tsel bleiben.</p><p>Sie mochten eine Viertelstunde lang dem gewundenen Pfad gefolgt sein, als Patrick erneut einen fremden Eindruck in seinem Kopf sp�rte. Anspannung. Das Gewicht der Waffe in seiner Hand, R�ckst��e, Deckung, Flucht. Er f�hlte ein rettendes Ufer, eine sich schlie�ende T�r. Es waren intensive Gef�hle, die fast zu greifbaren Bildern wurden. Stefanie versuchte, ihm etwas zu erkl�ren, aber es war zu schnell, zu wirr, es gelang ihm nicht, sich einen eindeutigen Reim darauf zu machen. Dann traf ihn pl�tzlich eine Erinnerung. Es war der Schlag, den Gonz�lez ihm mit der Waffe versetzt hatte. Er durchzuckte den Franzosen so real, dass er aufschrie, taumelte und sich an der Eisbr�stung festhalten musste.</p><p>Die Kubaner schreckten auf, richteten ihre Waffen in den Wald, aus dem sie einen Angriff vermuteten. Patrick sp�rte Stefanies Anspannung und h�rte ihre hastigen Schritte. Im selben Moment waren seine Schmerzen verschwunden, und er erkannte, dass er diesen Augenblick nun nutzen musste, um die Kubaner aufzuhalten, damit Stefanie und der Professor vorausrennen konnten.</p><p>Er zog seine Pistole und feuerte wahllos zwischen die Beine der Kubaner. Einer ging mit einem Aufschrei zu Boden. Die anderen warfen sich reflexartig beiseite. Patrick nutzte die Schrecksekunde, rannte um eine Kurve der Br�cke und feuerte im Laufen noch einmal zur�ck. Er verschwand hinter einem Baum, als eine knatternde Salve Maschinengewehrfeuers antwortete. Fetzen von Blattwerk und Rinde zerstoben rund um ihn herum, erreichten ihn aber nicht. Er streckte seinen Arm um den Baum und dr�ckte zweimal ab. Solange er die Stellung hielt, konnten Stefanie und Peter fliehen. Das also war der Plan, den sie ihm hatte verst�ndlich machen wollen.</p><p>Erneut erwiderten die Kubaner das Feuer, nur nicht ganz so lang. Offenbar versuchten sie, ihn hinter dem Baum festzunageln, damit sie sich n�hern konnten.</p><p>Noch einmal schoss Patrick hinter dem Baum hervor, dann rannte er weiter. Die n�chste Biegung mit vern�nftiger Deckung lag zehn Meter entfernt. Im Laufen schoss er nach hinten, hastete weiter und hechtete um die Kurve, als sich die n�chsten Kugeln auch schon neben ihm ins Eis fra�en.</p><p>Patrick keuchte. Lange konnte er diesen H�rdenlauf nicht durchhalten. Die Kubaner beschr�nkten sich auf kurze Feuerst��e, um voranzukommen, und trieben ihn vor sich her. Hastig sah er sich um. Es folgte noch eine weitere Biegung. Dahinter konnte er die Wand der H�hle zwischen den B�umen hindurch schimmern sehen. Dort war der Weg zu Ende. War das das rettende Ufer aus Stefanies Plan?</p><p>Noch einmal feuerte er einige Male und rannte los. Dieses Mal schossen sie hinter ihm augenblicklich zur�ck. Hatten sie ihn etwa schon im Sichtfeld? Neben ihm fegten die Kugeln laut zischend durch den Wald. Er lief weiter, wagte nicht, sich umzudrehen, rechnete jederzeit mit einem Treffer. Die letzte Biegung war geschafft, vor ihm ragte die Wand auf. Am Ende der Br�cke standen Peter und Stefanie in einem Raum und machten hektische Bewegungen, winkten ihn herbei. Wieder hallte das Knattern der Maschinenpistolen durch den Wald, Patrick h�rte die Sch�sse in der Br�cke hinter ihm aufschlagen, Eissplitter flogen um seine Beine, er meinte sogar einige Kugeln an der Wand vor ihm abprallen zu sehen. Er stolperte durch den Eingang und st�rzte zu Boden. Schnell drehte er sich um. Gonz�lez stand nur wenige Meter entfernt auf der Br�cke, die Waffe im Anschlag auf sie gerichtet. Hinter ihm kam sein Kumpan heran, der den Verletzten st�tzte.</p><p>Patrick hob seine Waffe und dr�ckte ab. Aber sie gab nur ein leises Klicken von sich.</p><p>Gonz�lez grinste. Dann feuerte er.</p><p>Aber die Kugeln erreichten ihr Ziel nicht. Sie prallten an einem unsichtbaren Hindernis ab. Patrick beugte sich vor und stie� mit der Hand an eine Scheibe, so wie dort, wo sie den Wald betreten hatten. Stefanie hatte den Zugang bereits wieder verschlossen! Und als auch Gonz�lez in diesem Moment verstand, was das bedeutete, l�ste sich die gesamte Br�cke auf einen Schlag in Wasser auf und brach in sich zusammen. Die M�nner st�rzten schreiend hinab, schlugen auf und verschwanden schlie�lich zwischen den Spalten des Baumwurzelgeflechts.</p><p>�Sind Sie verletzt, Patrick?�, fragte Peter.</p><p>�Danke, nein�, gab der Franzose zwischen zwei tiefen Atemz�gen zur�ck. �Ist alles gut gegangen.�</p><p>�Ich hoffte, dass du wissen w�rdest, was zu tun ist�, sagte Stefanie.</p><p>�Na ja�, sagte Patrick. �Es blieb nicht viel anderes �brig. Es geht doch nichts �ber einen gesunden Waldlauf.�</p><p>�Die M�nner�, sagte Peter und sah hinaus, �sind sie tot?�</p><p>�Peter�, st�hnte Patrick, �k�nnen Sie bitte einmal aufh�ren, sich Sorgen um Menschen zu machen, die einen gerade noch �ber den Haufen schie�en wollten?�</p><p>�Ich mache mir keine Sorgen um sie�, gab Peter zur�ck. �Sondern um uns. Wenn sie nicht tot sind, kommen Sie da wieder raus?�</p><p>�Ja, es gibt noch andere Ausg�nge�, sagte Stefanie. �Um sicherzugehen, sollten wir jetzt keine Zeit verschwenden, sondern uns z�gig zu den Rettungskapseln begeben.�</p><empty-line/><p>�Warum musste es eigentlich ein so komplizierter Plan sein?�, fragte Patrick, als sie auf dem Weg durch die G�nge der Anlage waren. Er war neben Stefanie getreten, w�hrend Peter ein St�ck hinter ihnen ging. �H�ttest du es nicht genauso machen k�nnen wie mit den drei anderen? Mit diesem Licht?�</p><p>�Leider nein�, sagte sie. �Es liegt an Peter. Beim ersten Mal habe ich ihn �berrascht und mit auf meine Seite ziehen k�nnen. Aber nun ist sein Vertrauen zerst�rt, er hadert mit sich und ist innerlich blockiert. Im Augenblick w�re er nicht mehr bereit, sich fallen zu lassen, es mit sich geschehen zu lassen. Ich k�nnte ihn nicht beh�ten, stattdessen w�rden die Daten ungehindert auf ihn einwirken und ihn schlie�lich genauso durchdringen wie die Kubaner.�</p><p>�Wie es aussieht, kommt er also nicht mehr als H�ter f�r die Archive von Atlantis infrage, hm?�</p><p>�Es ist eine schwierige und gro�e Entscheidung. Eine einfache Antwort war also nicht zu erwarten. Atlantis zu sehen, seine Geschichte und diese Aufgabe wirklich in allen Konsequenzen zu begreifen, ist die letzte gro�e Pr�fung.�</p><p>�Also ist Peter jetzt aus dem Rennen?�</p><p>Sie l�chelte Patrick an. �Das Leben ist ein Baum, kein Grashalm. Bis zum Ende gibt es immer ein Morgen und an jedem Morgen die erneute Entscheidung, ob man Teil der Krankheit oder Teil der Heilung sein m�chte.�</p><p>�Aha? Na ja, und ich? Warum bin ich dabei?�</p><p>Jetzt wurde ihr L�cheln breiter, und ihre Augen funkelten am�siert. �Wenn du es noch immer nicht wei�t, dann wirst du wohl noch dar�ber nachdenken m�ssen.�</p><p>�Was? Was sind das denn alles f�r Antworten?!�</p><p>Stefanie blieb stehen. Im Raum vor ihnen befand sich wieder eine der Lichts�ulen, wie sie offenbar �berall in der Anlage verteilt waren.</p><p>�Ich werde pr�fen, ob das die letzten Eindringlinge waren.� Sie ging auf das Licht zu, ber�hrte es und konzentrierte sich einen Moment lang. �Ich habe schlechte Neuigkeiten�, sagte sie dann. �Es gibt immer noch eine Bewegungsquelle. Au�er uns ist noch jemand hier. Vielleicht ebenfalls bewaffnet.�</p><p>�Das gibt's doch nicht�, sagte Patrick. �Als ob hier irgendwo ein Nest ist! Dann also los... Wie weit ist es bis zu den Rettungskapseln?�</p><p>�Wir m�ssen wieder zur�ck. Sie liegen zentral, in der N�he des Hauptkontroll... O nein!� Das Leuchten der Lichts�ule vor ihr flackerte, und mit einem letzten Schwall zerfasernder Lichtstr�me erlosch es.</p><p>�Was hat das zu bedeuten?�, fragte Peter.</p><p>Zum ersten Mal erlebte er Stefanie wirklich �berrascht.</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte sie z�gerlich.</p><p>Nun verlosch auch die restliche Beleuchtung des Raums. Schlagartig standen sie im Dunkeln.</p><p>�Ich sch�tze, dass das kein gutes Zeichen ist�, bemerkte Patrick. Er z�ndete sein Feuerzeug an. Die kleine Flamme erhellte nur wenig. �Kommen Sie her, Peter!�, sagte er. �Das Benzin reicht nicht ewig, ich mache es gleich wieder aus. Wir sollten uns an den Armen oder Schultern fassen, um uns nicht zu verlieren. Stefanie, kannst du uns f�hren?�</p><p>�Ja, nat�rlich. Dort geht es weiter.� Sie drehte sich um und streckte die Arme aus. Die M�nner legten je eine Hand auf ihren Unterarm, dann klappte Patrick das Feuerzeug zu.</p><p>Stefanie ging langsam voran.</p><p>Peter war unendlich froh, dass Stefanie da war. Die Finsternis machte ihm zu schaffen, und seit den Erlebnissen in �gypten war es nur schlimmer geworden. Schon das Abtauchen in dem engen U-Boot in die lichtlose Tiefsee war f�r ihn an die Grenze des Ertr�glichen gegangen. Nun, in diesem endlosen Geflecht von G�ngen, tief unter dem Meer und ohne jedweden Ausgang, st�rzte die Bedrohung der Dunkelheit �berm�chtig auf ihn ein. Lediglich die Ber�hrung durch Stefanie bewahrte ihn vor dem Schlimmsten. Sowenig er verstand, wer oder was sie war, ja, sosehr er ihre Andersartigkeit regelrecht f�rchtete, beruhigte sie ihn nun doch. Wenn sich jemand in dieser Anlage auskannte, mit der Technologie umzugehen vermochte, sie retten konnte, dann war sie es. Sicherlich war es nur eine Illusion, aber er bildete sich ein, eine besondere W�rme zu sp�ren, die von ihr ausging, etwas Vertrautes, das ihn bes�nftigte. Wenn es nicht v�llig unm�glich w�re, k�nnte er sogar meinen, dass die Dunkelheit neben ihm, dort, wo sie sich befand, eine kleines bisschen heller war, fast, als strahle Stefanie ein Licht aus. Aber es war nichts, das man mit den Augen sehen konnte.</p><p>Auch Patrick sp�rte etwas. Stefanie hatte seine Hand in die ihre genommen. Ihn durchstr�mten verschiedenartige Gef�hle, von �berraschung �ber Freude und Erregung bis hin zu Stolz. Er f�hlte sich mit ihr verbunden. Durch mehr als nur �ber die Ber�hrung. Er sp�rte ihre Anwesenheit in seinem Inneren, aber nicht belehrend, sondern partnerschaftlich. Er konnte wie durch ihre Augen sehen, ihre Blicke vermischten sich mit ihren Gedanken und Erinnerungen, gemeinsam sahen sie den Weg durch die Anlage vor sich, konnten sich in der Dunkelheit orientieren, wie eine Einheit.</p><p>�Wir m�ssen zwei Ebenen h�her�, erkl�rte Stefanie. �Das Zentrum ist mehrfach gegen St�rungen abgesichert. Vielleicht h�ngt es mit der Energiezufuhr zusammen.�</p><p>�Wieso sollte sie nach all den Jahren in dem Moment zusammenbrechen, in dem wir hier sind?�, fragte Patrick.</p><p>�Meinen Sie, es k�nnte Sabotage sein?�, fragte Peter.</p><p>�Das ist unwahrscheinlich�, sagte Stefanie. �Diese Technologie ist der heutigen weit �berlegen, niemand w�rde sie verstehen.�</p><p>�Aber sicher gibt es hier doch Aufzeichnungen?�</p><p>�Es gibt nur wenige schriftliche Aufzeichnungen, und meist nur f�r repr�sentative Zwecke�, sagte sie. �Die Wissensvermittlung der Atlanter beruhte im Wesentlichen auf Mentoren und Patenschaften. Wissen wurde ausgetauscht und vom Erfahreneren erl�utert. Junge brachten neue Ideen ein, die Alten halfen, sie zu bewerten und umzusetzen. Diese Zusammenarbeit von Alten und Jungen, in der jeder Respekt vor den St�rken des anderen hatte und man sich gegenseitig erg�nzte, war ein zentraler Aspekt der Gesellschaft. Es ging immer um Kommunikation. Auf dieselbe Weise funktionieren die Archive. Sie sind keine statischen Daten, sondern verlangen Kommunikation. Ohne jahrelange Anleitung und lebenslanges Lernen sind diese Archive nicht zu beherrschen. Und ebenso verh�lt es sich mit den technischen Anlagen, die �ber �hnliche Systeme gesteuert werden. Daf�r gibt es keine schriftlichen Aufzeichnungen, keine Handb�cher.�</p><p>�Nun�, sagte Patrick, �aber auch wenn es keine ausgekl�gelte Sabotage ist, k�nnte es doch einfach Zerst�rung sein, oder?�</p><p>�Ja, das w�re denkbar.�</p><p>In der Entfernung wurde eine Treppe sichtbar. Sie war etwas erhellt, da sie aus dem dar�berliegenden Stockwerk beleuchtet wurde. Ihre Schritte wurden schneller, bis sie die Treppe endlich erreicht hatten und hinaufgestiegen waren.</p><p>Stefanie lie� Patrick los, und Peter lie� seinen Arm ebenfalls sinken. Er blieb stehen. �Wollen Sie weiter zu den Rettungskapseln�, fragte er, �oder m�chten Sie sich irgendwo informieren, was es mit dem Vorfall auf sich hat? Und wo der andere Eindringling ist?�</p><p>Stefanie l�chelte dem Professor zu. �Ich danke Ihnen f�r das Angebot�, sagte sie. �Aber es ist das Sicherste f�r Sie, wenn wir so schnell wie m�glich weitergehen.�</p><p>Peter nickte, froh, auf direktem Weg nach Hause zu kommen. Trotzdem nagte es an ihm. Was geschah hier? Wer hielt sich hier auf? Zerst�rte der Fremde wom�glich die Anlage? Das einzigartige Erbe von Atlantis? Und sollte, er, Peter, nicht auf alle F�lle hierbleiben? Alles sehen und erfahren, was hier unten noch verborgen lag? Diesen Schatz h�ten, verteidigen? Musste man das nicht? Stattdessen flohen sie. Dass Stefanie ihre Sicherheit als wichtiger ansah als den Schutz der Anlage, zeichnete sie aus. Aber warum f�rchtete er sie dennoch?</p><p>Ein dumpfes Rumpeln unterbrach seine Gedanken. Der Boden schien zu zittern. Die Beleuchtung des Gangs flackerte.</p><p>�Etwas ist hier ganz und gar nicht in Ordnung�, sagte Patrick. �Ist es noch weit?�</p><p>�Kommt mit�, gab Stefanie zur�ck und eilte voraus. Sie hasteten den Korridor entlang. In einigen der R�ume, die sie passierten, war es verd�chtig dunkel.</p><p>Stefanie blieb vor einer breiten T�r stehen.</p><p>�Die sollte eigentlich offen sein...�, murmelte sie und ber�hrte das Lichtfeld in der Wand daneben. Dann zog sie die Hand zur�ck. �Sie ist aus Sicherheitsgr�nden verschlossen�, sagte sie dann. �Das System meldet Struktursch�den.�</p><p>�Kannst du sie trotzdem �ffnen?�, fragte Patrick.</p><p>�Ja, das sollte ich vielleicht sogar. Sonst m�ssen wir umkehren und einen geh�rigen Umweg nehmen.�</p><p>Der Gedanke, zur�ck in die Dunkelheit zu gehen, war Peter alles andere als angenehm. �Versuchen Sie es�, sagte er.</p><p>Wieder legte Stefanie ihre Hand auf das Lichtfeld, und kurz darauf schob sich die T�r beiseite. Ein kniehoher Schwall Wasser schoss ihnen entgegen und flutete in den Korridor.</p><p>�Verdammt!�, entfuhr es Patrick.</p><p>Stefanie war offenbar ebenfalls schockiert. �Ein Wassereinbruch hier unten! Es ist schlimmer, als ich bef�rchtet hatte...�</p><p>Das Wasser lief weiter ab, war nur noch kn�chelhoch. Der Raum vor ihnen lag im Halbdunkeln, lediglich am anderen Ende waren wieder Lichter zu erkennen.</p><p>�Wenn dieser Teil hier betroffen ist, kommen wir vielleicht nicht viel weiter�, sagte sie. �Wollen wir es trotzdem versuchen?�</p><p>�Unbedingt�, sagte Patrick.</p><p>�Ja, ich denke auch�, best�tigte Peter.</p><p>Als sie einige Schritte gegangen waren, sahen sie, dass das Wasser an mehreren Stellen von der Decke tropfte und in breiten Fl�chen an den W�nden herablief. Die T�r hinten ihnen schloss sich von selbst.</p><p>�Immerhin funktionieren die automatischen Sicherungssysteme noch�, sagte Stefanie.</p><p>�Es gibt doch nur einen einzigen Ausgang aus dieser Anlage�, sagte Peter. �Kommt das Wasser von dort? Ist vielleicht die Schleuse kaputt?�</p><p>�Es k�nnte von �berallher stammen�, erkl�rte Stefanie. �Es gibt alte Verbindungstunnel und Sch�chte. Auch die Rettungskapseln k�nnen ja hinaus ins Meer.�</p><p>�Au�erdem�, f�gte Patrick hinzu, �wenn es Sch�den an der Energieversorgung gibt, ist vielleicht auch das Kraftfeld betroffen. In dem Fall k�nnte irgendwo ein Unterdruck entstanden und etwas implodiert sein. Oder, Stefanie?�</p><p>�Wir k�nnen nur hoffen, dass das nicht der Fall ist.�</p><p>Sie erreichten den Gang am anderen Ende und kamen an eine �berflutete Kreuzung. Stefanie verharrte kurz. Auch hier begann das Licht nun zu flackern.</p><p>�Wohin jetzt?�, fragte Patrick.</p><p>�Ich bekomme keinen Zugang zum Lageplan�, sagte Stefanie. �Ich glaube, wir m�ssen geradeaus.�</p><p>�Runter!�, schrie Patrick pl�tzlich und warf sich auf Stefanie und Peter. Gemeinsam stolperten sie voran, als im selben Augenblick hinter ihnen das aggressive Tackern einer Maschinenpistole durch den Seitengang hallte. Sch�sse schlugen in die W�nde und lie�en das Wasser am Boden aufspritzen.</p><p>Patrick riss den Professor weiter, der beinahe zu Boden gest�rzt w�re. �Los! Weg hier!�</p><p>Sie rannten. Vor ihnen lag ein Durchgang. Als sie ihn passiert hatten, blieb Stefanie kurz stehen, drehte sich um und ber�hrte ein Lichtfeld. Aber nichts geschah.</p><p>�Die T�r funktioniert nicht�, sagte sie. �Wir m�ssen weiter!�</p><p>Einige Schritte sp�ter bogen sie in eine Halle zu ihrer Rechten ab, gerade rechtzeitig, bevor hinter ihnen erneut Sch�sse zu h�ren waren.</p><p>�Das gibt's doch nicht!�, rief Patrick. �Stefanie, wir m�ssen uns irgendwie verschanzen!�</p><p>�Zum Verstecken ist die Anlage nicht gedacht�, entgegnete sie. �Wir m�ssen erst den Abstand vergr��ern.�</p><p>Auch diese Halle lag im Halbdunkeln. Nur vereinzelt flackerten Teile der Deckenbeleuchtung. Ein kleiner Sockel in der Mitte des Wegs deutete darauf hin, dass sich auch hier einmal eine Lichts�ule befunden hatte, die nun ausgefallen war. Sie liefen zum gegen�berliegenden Ende des Saals. Es wurde zunehmend anstrengend, denn das Wasser am Boden war wieder bis zu den Waden angestiegen, behinderte sie beim Laufen und spritzte nach allen Seiten weg. Als sie am Ende ankamen, stellten sie fest, dass der Ausgang verschlossen war.</p><p>�Die T�r scheint noch intakt zu sein!�, sagte Patrick.</p><p>Stefanie ber�hrte das Lichtfeld neben dem Ausgang, das nur noch kaum wahrnehmbar leuchtete.</p><p>Zu ihrer Erleichterung schob sich die T�r beiseite. Augenblicklich str�mte das Wasser zwischen ihren Beinen hindurch und in den dahinter liegenden Gang. Der Sog riss Peter von den Beinen. Hastig half Patrick dem tropfnassen Professor auf, und gemeinsam stolperten sie durch den Ausgang. �Schnell! Stefanie, kannst du sie wieder schlie�en?�</p><p>�Bin dabei.�</p><p>Ger�uschlos schob sich die T�r zu und schnitt den Wasserstrom ab. Der Gang, in dem sie sich befanden, war sanft erleuchtet, nur das Wasser, das aus dem Saal gelaufen war und sich nun auf dem Boden verteilte, deutete darauf hin, dass etwas anders war als sonst.</p><p>�Den sind wir erst mal los�, meinte Patrick.</p><p>�Wer wei�, wie lange�, sagte Peter, der sich bem�hte, das Wasser aus seinen am K�rper klebenden Kleidungsst�cken abzustreifen.</p><p>�Wir d�rfen keine Zeit verlieren�, best�tigte Stefanie. �Kommt mit, es ist nicht mehr weit.�</p><p>Sie folgten ihr eilig, doch waren sie kaum an die n�chste Kreuzung gekommen, als erneut ein grollender Sto� den Boden erzittern lie�. Heftiger als zuvor. Sie taumelten zur Seite, st�tzten sich an der Wand ab. Das Licht fiel aus.</p><p>Als das Beben nachlie�, zog Patrick sein Feuerzeug hervor, besann sich dann aber anders und steckte es wieder ein. �Vielleicht sollten wir die Dunkelheit ausnutzen�, sagte er mit ged�mpfter Stimme. �Nicht auf uns aufmerksam machen.�</p><p>Stefanie hatte bereits nach Peter gegriffen und hielt seinen Unterarm. �Ich f�hre Sie�, sagte sie leise zu ihm. Und dann, etwas lauter: �Gehen wir.�</p><p>Patrick ergriff Stefanies Hand und f�hlte augenblicklich die Verbindung zu ihr entstehen. Vor seinem inneren Auge wurde der Gang wieder sichtbar, und er wusste, dass es nur noch zwei Abzweigungen waren.</p><p>Darauf bedacht, nicht allzu viele Ger�usche zu machen, gingen sie durch die Finsternis und kamen schlie�lich zu einem breiten Korridor. Auch hier war die Beleuchtung bereits ausgefallen, aber an den W�nden lie�en sich regelm��ige Reihen kleinerer Lichter ausmachen.</p><p>�Wir sind da�, sagte Stefanie ged�mpft.</p><p>Nun holte Patrick doch sein Feuerzeug heraus und z�ndete es an. Vor ihnen in der Wand befand sich eine durchsichtige Scheibe, hinter der eine Kammer zu sehen war. Sie ma� kaum mehr als zwei Meter im Quadrat, technische Apparaturen waren an den W�nden befestigt, und hier befanden sich die schwach leuchtenden Lichtfelder, die auf den Gang hinausstrahlten. Vermutlich dienten sie als Schalter. Peter sah den Korridor entlang. Das Muster der Lichter wiederholte sich mehrfach auf beiden Seiten. Mindestens ein Dutzend solcher Kammern s�umte den Gang.</p><p>�Sind das die Rettungskapseln?� fragte Peter.</p><p>�Man betritt diese Kammern, ja�, erkl�rte Stefanie. �Um genau zu sein, das sind Generatoren. Aber das f�hrt jetzt zu weit. Sehen Sie die Schalter dort? Mit dem oberen bedient man s�mtliche Funktionen.� Sie ber�hrte die Scheibe vor ihnen, die sich unter ihrer Hand aufl�ste und den Zutritt freigab. �Bitte sch�n.�</p><p>Peter sah sie verwundert an. �Soll ich da jetzt reingehen?�</p><p>�Es ist der einzige Weg, um die Anlage zu verlassen�, sagte sie. �Es kann immer nur eine Person hinein.� Dann deutete sie l�chelnd den Gang entlang. �Es sind ja noch genug andere da f�r Patrick und mich.�</p><p>Peter z�gerte. Schon einmal hatte er sich von Atlantis verabschiedet. Und dann waren sie doch noch endlos durch das Labyrinth der Korridore und Ebenen gelaufen, gehetzt, geflohen. Und nun, in diesem dunklen Gang sollte er einfach allem den R�cken kehren. Es war abrupt. Und trostlos. Aber er wusste auch, dass es der einzige Weg war. Die Anlage versagte ihren Dienst, sie wurden verfolgt. Sie mussten fliehen. Langsam tat er einen Schritt, einen zweiten, dann stand er in der kleinen Kammer. Er drehte sich um.</p><p>�Und jetzt?�</p><p>�Ich schlie�e die T�r�, sagte Stefanie. �Anschlie�end benutzen Sie das Lichtfeld dort dr�ben und leiten die Sequenz ein.�</p><p>�Einfach das Feld ber�hren? Wird das funktionieren? Und muss ich mich nicht irgendwo anschnallen?�</p><p>�Sie werden feststellen, dass es ganz intuitiv ist�, sagte sie. �Haben Sie keine Sorge. Sie k�nnen stehen bleiben, es ist vollkommen unproblematisch, Sie werden sehen.�</p><p>�Nun denn...� Peter hob eine Hand. �Bis gleich also. Hoffen wir, dass alles klappt.�</p><p>�Aber nat�rlich wird es das�, sagte Stefanie und l�chelte ihn an. �Gr��en Sie ihn sch�n von mir.�</p><p>�<emphasis>Ihn?</emphasis>�<emphasis>,</emphasis> fragte Peter. �Wen gr��en?� Aber die Scheibe hatte sich bereits wieder geschlossen, und seine Stimme prallte davon ab.</p><p>Als ein Lichtblitz durch den Gang zuckte, schrak Peter zusammen. Er konnte nichts h�ren, aber in den Sekundenbruchteilen, die das Licht w�hrte, sah er, wie Stefanie zur Seite geschleudert wurde. Patricks Feuerzeug flog durch die Luft und landete auf dem Boden, wo es nur noch mit einer kleinen blauen Flamme weiterbrannte. Es war dunkel. Peter h�mmerte mit der Faust gegen die Scheibe, wollte auf sich aufmerksam machen, bewirkte aber nichts. Wenige Augenblicke sp�ter blitzte es erneut auf. In einiger Entfernung entdeckte Peter den Kubaner, Gonz�lez. Seine Kleindung war zerrissen, er blutete aus einer Platzwunde am Kopf. Er stand breitbeinig im Gang und feuerte mit seiner Maschinenpistole Stefanie und Patrick hinterher, die nicht mehr zu sehen waren. Aber Blutspritzer auf dem Boden und der Wand verrieten, dass er sie getroffen hatte.</p><p>Peter dr�ckte sich in eine Ecke, um nicht entdeckt zu werden.</p><p>Es wurde wieder dunkel, als Gonz�lez sein Feuer einstellte. Dann schwebte die kleine blaue Flamme vom Boden hoch und flammte hell auf. Gonz�lez hielt das Feuerzeug in die Hand. Er stand direkt vor Peters Kammer und leuchtete durch die Scheibe. Er grinste und sch�ttelte den Kopf. Anschlie�end trat er einen Schritt zur�ck, hob seine Maschinenpistole an und dr�ckte ab. Peter sah direkt in das unwirklich stumme M�ndungsfeuer, als der Kubaner in seine Kammer schoss. Doch die Scheibe widerstand allem, nicht einmal Kratzer wurden sichtbar.</p><p>Peter sah den Mann w�tend fluchen, dann drehte er sich um und rannte den Gang hinunter.</p><p>Peter blieb eingesperrt in der Kammer zur�ck. Die Finsternis um ihn herum war nahezu unertr�glich.</p><empty-line/><p>Die<emphasis> USS Georgia</emphasis> war nur noch wenige Seemeilen von der<emphasis> Argo </emphasis>entfernt. Sie fuhr in f�nfzig Metern Tiefe, vom Sturm, der an der Oberfl�che w�tete, war nichts zu sp�ren.</p><p>Der Funkspruch, den sie an die<emphasis> Argo 2K</emphasis> abgesetzt hatte, war eindeutig gewesen. Aber der Kapit�n des Forschungsschiffes schien ein harter Knochen zu sein. Oder vollkommen naiv. Auf jeden Fall lie� er sich nicht beeindrucken. Aber er w�rde seine Haltung vermutlich bald �ndern.</p><p>Die<emphasis> Argo</emphasis> hatte der K�stenwache, die sie aus dem Gebiet bringen sollte, einen Maschinenschaden gemeldet. Aber die feinen Ohren des Atom-U-Boots hatten ihre Maschinen arbeiten h�ren, die Propeller des Schiffes drehten sich immer wieder, um die Position zu halten. Wenn Kapit�n Harris sagte, er k�nne das Gebiet nicht verlassen, dann war es eine L�ge. Was auch immer er plante, die Zone war zum Sperrgebiet erkl�rt worden, und er handelte gegen ausdr�cklichen Befehl des Milit�rs. Ein Teufel musste ihn geritten haben, wenn er erwartete, dass dies ohne Folgen blieb. Es gab Kr�fte, mit denen man nicht spa�en sollte. Das Milit�r der USA war eine davon, und mit ihr die<emphasis> USS Georgia.</emphasis></p><empty-line/><p>Die kleinen leuchtenden Felder an der Wand der Kammer gaben ein wenig Licht, gerade so viel, dass Peter nach einigen Minuten Umrisse erkennen konnte. Aber es war bei Weitem nicht genug. Die Kammer wirkte auf ihn noch immer wie ein Grab. Zwei mal zwei Meter ma� sein Gef�ngnis, und er war eingesperrt hinter einer Wand, die unzerst�rbar und schalldicht war. Dahinter eine gigantische Anlage, die im Dunkeln lag, deren Lebenserhaltungssysteme ihren Dienst versagten, die mit Wasser volllief, die wom�glich einst�rzte. Ein Wahnsinniger mit einer Maschinenpistole, der durch die G�nge streifte und auf alles schoss, was ihm in den Weg kam, und drau�en die Finsternis, die unendliche Tiefe und der m�rderische Druck von Milliarden Tonnen Meerwassers. Und mehrere Kilometer dar�ber ein w�tender Sturm.</p><p>Man konnte sich keinen einsameren Ort vorstellen, als diese kleine Kammer. Keinen Ort, der weiter entfernt von jeglichem Leben, jeglichem �berleben war.</p><p>Peter wartete und hoffte, dass Patrick und Stefanie zur�ckkommen w�rden. Vielleicht waren ihre Verletzungen nicht so schlimm? Wenn sie dem Kubaner entfliehen konnten, w�rden sie doch sicherlich so schnell es ging zur�ck zu diesen Rettungskapseln kommen.</p><p>Was, wenn der Kubaner siegte? Wenn Patrick und Stefanie bereits tot waren? Was w�rde er tun? W�rde er zu Peter kommen und versuchen, ihn herauszuholen? Oder w�rde er zur�ck zu seinem U-Boot laufen in der Hoffnung, es steuern zu k�nnen?</p><p>Vielleicht waren sie auch bereits alle drei verungl�ckt? Wom�glich waren Teile der Anlage eingest�rzt und hatten die drei unter sich begraben? Vielleicht konnte Peter ewig hier warten, und es w�rde niemand mehr kommen.</p><p>Peter versuchte, die Gedanken zu verdr�ngen. Dies war kein Gef�ngnis. Es war eine Rettungskapsel, wie Stefanie versichert hatte. Aber wie sollte sie funktionieren?</p><p>Er wandte sich den schimmernden Fl�chen an der Wand zu. Was war zu tun? Wie �berall in der fremdartigen Anlage gab es keine Beschriftung, keine hilfreichen Symbole, nichts, das ihm einen Aufschluss �ber die Bedienung und Funktionsweise geben k�nnte. Stefanie hatte die Fl�chen stets einfach ber�hrt.</p><p>Er streckte die Hand aus, z�gerte. Mit welcher der Fl�chen sollte er es versuchen? Er entschied sich f�r die gr��te und legte seine Hand darauf.</p><p>Augenblicklich zuckte er zur�ck, als ihn ein Stromschlag durchfuhr. Er taumelte, st�tzte sich an einer Wand ab.</p><p>Er war defekt! Der Schalter oder was auch immer es war steuerte gar nichts, er verursachte einen Kurzschluss! Die Anlage musste kurz vor dem Zusammenbruch stehen.</p><p>Entsetzt sah er zu der Scheibe hin, die ihn in der Kammer gefangen hielt. Auf dem Gang sammelte sich Wasser! Es sprudelte und sch�umte, und es stieg mit rasender Geschwindigkeit. Zentimeter um Zentimeter sah er, wie sich der Pegel auf der anderen Seite der Scheibe hob, und schon nach wenigen Augenblicken stand es einen halben Meter hoch. Der Korridor lief voll!</p><empty-line/><p>Stefanie st�tzte Patrick, der mit schmerzverzerrtem Gesicht neben ihr humpelte. Einer der Sch�sse hatte ihn in den Oberschenkel getroffen.</p><p>�Dieses Schwein�, fluchte er. �Wie konnte er uns so schnell hinterherkommen ?�</p><p>�Er muss seine Wut an allen technischen Installationen ausgelassen haben, die er unterwegs gefunden hat�, meinte Stefanie. Auch sie war getroffen worden. Eine Kugel hatte sich in ihre Schulter gebohrt. Trotzdem schien sie den Schmerz gut zu verkraften.</p><p>�Ich behindere dich�, sagte Patrick. �So kommen wir nicht schnell genug vorw�rts.�</p><p>�Doch�, sagte sie. �Versuch, dich vom Schmerz l�sen, konzentrier dich auf mich. Ich bringe uns in Sicherheit.�</p><p>�Vom Schmerz l�sen... du bist lustig�, brachte er mit zusammengebissenen Z�hnen hervor.</p><p>�Du lernst es�, gab sie zur�ck. �Ich wei�, dass du es kannst. Du bist schon auf dem Weg. Du musst es nur trainieren.�</p><p>Seit ihn der Kubaner getroffen hatte, war Patricks Verbindung zu Stefanie unterbrochen. Zu sehr brannte der Schmerz in ihm, er kostete ihn alle Aufmerksamkeit. Er bem�hte sich, an etwas anderes zu denken, aber sein Bein f�hlte sich an, als pulsiere Lava darin, es schrie in jeden seiner Gedanken hinein.</p><p>�Beobachte das Gef�hl�, sagte Stefanie. �Achte darauf, wie es sich bewegt, umkreise es, verstehe es, nimm es an und schieb es bewusst beiseite. Wir k�mmern uns so schnell es geht um die Verletzung, aber im Augenblick ben�tigt sie deine Aufmerksamkeit nicht. Du musst den Schmerz anerkennen, verstehen und dann verh�llen, ablegen.�</p><p>Patrick versuchte den Gedanken von Stefanie zu folgen. Er ahnte, was sie meinte, aber es war so schwer! Er h�rte auf, auf seine Schritte zu achten, wusste, dass sie ihn f�hrte, n�herte sich stattdessen dem Schmerz, wie sie es beschrieb, und w�hrend er dies tat und ihrer Stimme dabei zuh�rte, sp�rte er auch wieder ihre Anwesenheit. Entfernt, beobachtend, aber dort war sie und leitete ihn an.</p><p>�Du musst dich etwas beeilen�, sagte sie. �Gleich musst du ganz bei mir sein.�</p><p>Sie betraten den gro�en Kontrollraum mit den im Kreis angeordneten Stufen, die wie in einem Amphitheater zur Mitte hinabf�hrten.</p><p>�Wir m�ssen nach unten�, sagte sie. �Die Stufen werden nicht leicht, aber du schaffst es!�</p><p>Stefanie ging jeweils eine Stufe voraus, ergriff Patricks H�fte und half ihm, hinterherzuspringen. Beim Aufkommen schoss durch die Ersch�tterung der Schmerz durch seinen K�rper.</p><p>�Konzentrier dich�, sagte sie, w�hrend sie die n�chste Stufe nahm.</p><p>�Ich wei�, wo ihr seid!�, h�rten sie die Stimme des Kubaners, w�hrend sie qu�lend langsam die Stufen hinabstiegen.</p><p>Eins ums andere Mal jagte brennendes Feuer durch Patrick, als er Stefanie folgte. Der Schmerz und der Blutverlust lie�en ihn wanken. Er wusste nicht, wie viele Stufen es noch waren, er wusste nur, dass er nicht mehr viele davon �berstehen w�rde, bevor er die Besinnung verlor.</p><p>Dann waren sie endlich unten, und Stefanie zog ihn zur zentralen Plattform und dem darauf befindlichen kleinen Podest, aus der die Lichts�ule in die Kuppel des Raums hinaufstieg. Patrick schleifte sein Bein hinter sich her, zu schwach, um es auch nur anzuwinkeln.</p><p>�So, ihr Ratten�, ert�nte die Stimme von Gonz�lez aus der H�he. �Ich k�nnt mir nicht l�nger entkommen!�</p><p>�Lassen Sie Ihre Waffe fallen�, sagte Stefanie mit kr�ftiger Stimme. �Ohne unsere Hilfe k�nnen Sie die Anlage nicht lebend verlassen.�</p><p>�Willst du mir etwa drohen?� Gonz�lez spuckte auf den Boden. �Ihr habt mir alles genommen. Das hier, was immer es ist, hat meinen Bruder get�tet. Eure Experimente haben ihn umgebracht! Hier gibt es kein Gold, hier gibt es nur irgendeine teuflische Technik, mit der ihr imperialistischen Schweine die Welt unterdr�cken wollt!�</p><p>�Es ist anders, als Sie denken, Gonz�lez.�</p><p>�Ich habe genug von euren L�gen! Ihr habt meine Leute umgebracht, einen nach dem anderen. F�r mich gibt es jetzt keine Rettung mehr, aber ich werde daf�r sorgen, dass dieses Labor und diese Waffen hier vernichtet werden!� Er richtete seine Maschinenpistole hinab auf Stefanie und Patrick.</p><p>Stefanie, die noch immer Patricks H�fte umschlungen hielt, streckte einen Arm zur Lichts�ule aus.</p><p>�Tun Sie das nicht!�, rief Stefanie.</p><p>Gonz�lez feuerte im selben Augenblick, als Stefanie die Lichts�ule ber�hrte.</p><p>Das Wasser im Korridor stieg unaufh�rlich. Wie erstarrt beobachtete Peter den Vorgang hinter der Scheibe. Nun war er vollends gefangen. H�tte es zuvor vielleicht noch eine M�glichkeit gegeben, die Kammer wieder zu verlassen oder gerettet zu werden, so war dies nun unm�glich geworden.</p><p>Peters Gedanken kreisten in einem enger werdenden Strudel. So w�rde er also sterben. Kilometerweit von der Erdoberfl�che entfernt, allein und im Dunkeln. Er hinterlie� angefangene Arbeiten, offene Fragen und niemanden, der ihn vermissen w�rde. Sollte so sein Ende aussehen, unbekannt, unauffindbar, vergessen � einem unbedeutenden Sandkorn gleich?</p><p>Aber Stefanie hatte ihn doch nicht in eine Falle gelockt! Es sollte eine Rettungskapsel sein, und sie war sich so sicher gewesen, dass sie funktionieren w�rde! Immerhin, die schimmernden Fl�chen, die Schalter, oder wie auch immer man sie nennen mochte, schienen noch immer mit Energie versorgt zu werden. Aber hatte er es nicht versucht?</p><p>Vielleicht hatte er es falsch gemacht? Das falsche Feld ber�hrt?</p><p>Noch einmal sah er sich die Fl�chen an der Wand an. Es schimmerte nur noch eine. Die gr��te von ihnen, die, die er schon ausprobiert hatte.</p><p>Z�gerlich streckte er den Arm aus und ber�hrte das Feld erneut.</p><p>Wieder schoss ein Schlag durch seinen Arm, direkt in seinen Kopf. �chzend trat er zur�ck.</p><p>Es �berraschte ihn, dass der Stromschlag ihn nicht verletzte. Es war eine Form von Energie, das war vollkommen klar, aber es schmerzte nicht. Es war lediglich... intensiv.</p><p>Was hatte Stefanie �ber das Licht und die Funktionen der Anlage erz�hlt? Das Licht war der zentrale Informationstr�ger, Es wirkte auf das Gehirn. Und es war eine Form von Kommunikation n�tig. Aber wie?</p><p>Noch einmal ber�hrte er das Feld, entschlossen, dieses Mal nicht zur�ckzuzucken.</p><p>Die Energie str�mte augenblicklich auf ihn ein, aber er blieb standhaft. Etwas f�llte seinen Kopf, ein Fremdk�rper, ein fast k�rperlicher Gedanke. Und mit einem Mal f�hlte Peter sich mit etwas verbunden. Er sp�rte den Raum, in dem er sich befand, als eine Verl�ngerung seines eigenen K�rpers. Es war, als k�nne er die W�nde sp�ren, die Scheibe, sogar das Wasser auf der anderen Seite. Er f�hlte die T�r der Kammer, wie er seine Arme f�hlen konnte, und er wusste in diesem Moment, dass sie sich �ffnen w�rde, wenn er es nur wollte. So wie er seinen H�nden keinen Befehl geben musste, um zuzugreifen, sondern es einfach<emphasis> tun</emphasis> musste, so k�nnte er auch einfach die T�r �ffnen. Zugleich sp�rte er den Druck, der auf ihr lastete, und konnte das dann hereinst�rzende Wasser vorherahnen. Er f�hlte den Boden unter sich. Und er bemerkte noch etwas anderes. Eine schlummernde Kraft, die darauf wartete, freigesetzt zu werden. �ber ihm befand sich ein Kamin. Ein Weg f�hrte durch das Gestein, durch das Wasser und hinauf bis an die Oberfl�che. Er nahm es wahr, wie ein Sprinter am Startblock die Bahn vor sich wahrnahm. Er musste nur starten.</p><p>War es so einfach? Was w�rde geschehen? Er k�nne stehen bleiben, hatte ihm Stefanie gesagt. Es sei intuitiv. Der Raum vibrierte vor Energie, wartete auf seine Entscheidung.</p><p><emphasis>Also,</emphasis> dachte Peter.<emphasis> Jetzt geht es los.</emphasis> Und mit diesem Gedanken strebte er nach oben und f�hlte, wie eine ungeahnte Kraft in der Kammer losbrach.</p><empty-line/><p>�Captain Harris!�, rief der Mann, der zur Br�cke hereinst�rzte. �Es ist da. Sie m�ssen sich das ansehen!�</p><p>John sah auf. Er hatte die Funkspr�che der Navy vor einiger Zeit bekommen. Ein U-Boot n�herte sich, forderte ihn unter Androhung von Waffengewalt auf, das Gebiet zu verlassen.</p><p>Er hatte schon einiges mit der K�stenwache erlebt, besonders in anderen L�ndern, aber auch in den Staaten. Die US-K�stenwache war nicht zimperlich. Aber auch wenn sie mit der Navy verbunden war, war sie sicher kaum in der Lage, ein U-Boot loszuschicken. Auf wessen Befehl sollte das schon geschehen? Es war l�cherlich, daher hatte er es nat�rlich auch nicht ernst genommen.</p><p>Auf dem Radar war nichts zu sehen, aber das lag wohl eher an dem Unwetter, bei dem kein vern�nftiger Kapit�n hierherkommen w�rde.</p><p>Aber dann war auf dem Sonar, mit dem sie st�ndig nach dem verschollenen<emphasis> Alvin</emphasis> Ausschau hielten, etwas aufgetaucht. Etwas Gro�es. Und er hatte kaum begonnen, sich dar�ber Gedanken zu machen, als er auch schon an Deck gerufen wurde.</p><p>John klappte seinen Kragen hoch und trat aus der Br�cke.</p><p>Der Regen peitschte ihm ins Gesicht, der Sturm zerrte an ihm. John hielt sich an der Reling fest und sah hinunter.</p><p>Zwischen den Wellen, die sich backbordseitig auft�rmten, lag etwas Dunkles im Wasser. Die Wellen brachen sich sch�umend daran. Einer der Scheinwerfer der<emphasis> Argo</emphasis> beleuchtete das von Gischt umtoste schwarze Metall eines gewaltigen Kommandoturms, der fast zehn Meter aus dem Meer ragte. Eine breite Querflosse, wie das H�henruder eines Flugzeugs, war zu erkennen.</p><p>�Ich werd verr�ckt�, murmelte John. Dieser Anblick war ihm wohl vertraut. Allerdings aus dem Kino.</p><p>W�hrend er zusah, hob sich das U-Boot aus den Wellen. Der Kommandoturm stieg h�her, dann tauchte der K�rper auf, schien sich von der Mitte aus nach vorn und hinten auszubreiten. Immer mehr des Boots wurde sichtbar. Es war so gro� wie die gesamte<emphasis> Argo</emphasis> von Bug bis Heck. Und noch immer stieg es auf. Die Wellen tobten dar�ber hinweg, aber gegen den massigen K�rper richteten sie nur wenig aus.</p><p>John starrte fassungslos auf das Schauspiel. Das U-Boot schaukelte auf und ab, die Besatzung musste heftig durchgesch�ttelt werden. Es gab keinen sinnvollen Grund, bei diesem Seegang aufzutauchen, au�er einem: Es sollte ihn beeindrucken. Und das war gelungen.</p><p>Das dort, erkannte John, war nicht einfach nur ein U-Boot. Es war ein verdammtes Atom-U-Boot, und es war doppelt so lang wie sein eigenes Schiff!</p><p>John st�rzte zur�ck auf die Br�cke. Die<emphasis> USS Georgia... </emphasis>warum hatte er sich nicht die Zeit genommen nachzuschlagen, was das f�r ein Schiff war?!</p><p>�Stellen Sie einen Kontakt zu dem Boot her�, bellte er. �Und zwar ein bisschen pl�tzlich.�</p><p>�Der Kapit�n ist bereits dran�, kam die Antwort, und man reichte ihm das Funkger�t.</p><empty-line/><p>Etwas geschah um ihn herum, ohne dass Peter erkennen konnte, was. Er sp�rte Aktivit�t, Bewegung, etwas umh�llte ihn. Er hob versuchsweise den Arm, stie� aber nach wenigen Zentimetern an ein unsichtbares Hindernis. War das auch Nanotechnologie, wie Stefanie gesagt hatte? Dann r�hrte sich etwas �ber ihm. Er sah hinauf und bemerkte, dass sich die Decke der Kammer beiseitegeschoben hatte, dar�ber lag Schw�rze.</p><p>Er sp�rte, dass er angehoben wurde. Er schwebte! Der Boden entfernte sich einige Handbreit. Dann wurde sein K�rper sanft nach unten gedr�ckt, er f�hlte eine Beschleunigung, und pl�tzlich verschwand der Boden der Kammer mit einer fantastischen Geschwindigkeit unter seinen F��en und war nach einem Lidschlag nicht mehr auszumachen.</p><p>Peter f�hlte noch immer eine zunehmende Beschleunigung. Es ging rasant nach oben. Aber um ihn herum war nur absolute Dunkelheit, es fehlte jeglicher Orientierungspunkt. Den Gedanken, in einem Kokon in totaler Finsternis eingesperrt zu sein, verdr�ngte er mit aller Macht, kostete die rasante Aufw�rtsbewegung aus, so gut er konnte, hielt sich daran fest, dass dies die Richtung zur Oberfl�che war � wenngleich er keine Vorstellung hatte, was genau mit ihm geschah.</p><p>Er versuchte zu rechnen. Er befand sich in viertausend Metern Tiefe. Wie schnell mochte er sein? Waren es f�nf Meter pro Sekunde? Dann w�rde der Aufstieg noch immer dreizehn Minuten dauern. Vielleicht war er auch schneller? Zehn Meter pro Sekunde? Er konnte es nicht sagen, es gab keinerlei Anhaltspunkte um ihn herum. Er wusste nur, was er �ber das Tauchen geh�rt hatte, und dass man keinesfalls schneller als Luftblasen auftauchen sollte. Wie schnell durfte man einen so hohen Druck verlassen, der hier unten herrschte? Er hatte geh�rt, dass Lungen explodieren und platzende Luftblasen das Blut zum Sch�umen bringen konnten. Aber dann beruhigte er sich damit, dass die Konstrukteure dieser Rettungskapseln solcherlei Physik sicherlich bedacht hatten. Und dass der Druck in dieser Kapsel sicherlich dem der Oberfl�che entsprach, jedenfalls, wenn er die Erkl�rungen Patricks richtig verstanden hatte. Dennoch: Der Druck unterhalb der k�nstlichen Trennschicht hatte sich ja anders verhalten als auf dem angenommenen Meeresgrund. Wenn er die Trennschicht �berwand, musste die Kapsel um ihn herum dann nicht augenblicklich zerquetscht werden?</p><p>Er zermarterte sich das Gehirn, und sosehr ihn die Gedanken um m�gliche Todesarten beunruhigten, war er doch froh, dass er sich keine Gedanken um die Enge und die Dunkelheit machte, die er so sehr f�rchtete.</p><p>Und dann begann es um ihn herum heller zu werden. Zun�chst kaum merklich, er meinte, seine H�nde vor der Schw�rze zu erkennen. Doch langsam wurde alles um ihn herum bl�ulich. Er sah sich staunend um. Er schwebte durch das Wasser, umgeben von einer transparenten, unendlich stabilen H�lle, die ihn nach oben transportierte. Unter ihm lag die Schw�rze des Abgrunds, aus der er kam, und �ber ihm kam das Licht auf ihn zu. W�hrend er staunend in das offene Meer hinaussah, bemerkte er, dass er erneut leicht zusammengestaucht wurde, als die Kapsel ihre Geschwindigkeit reduzierte. Je heller es wurde, desto langsamer wurde er, dann sp�rte er sanfte seitliche Bewegungen, und mit einem Mal durchbrach er die Wasseroberfl�che.</p><p>Die Kapsel tanzte auf dem aufgew�hlten Wasser. Er ragte mit dem Oberk�rper heraus, sah den offenen, bew�lkten Himmel �ber sich. Wellen und Regen prallten an der transparenten H�lle ab, und durch das Chaos hindurch entdeckte er die mit Scheinwerfern beleuchtete<emphasis> Argo</emphasis> in h�chstens f�nfzig Metern Entfernung. Es war ein wunderbarer Anblick.</p><p>Einer der gro�en Strahler war auf ihn gerichtet. Wie konnten sie wissen, dass er auftauchen w�rde?</p><p>Er sah sich um und erkannte, dass der Scheinwerfer nicht auf ihn, sondern auf ein Objekt hinter ihm gerichtet war. Keine zwei Arml�ngen hinter ihm ragte die finstere Stahlwand des gr��ten U-Boots auf, das er jemals gesehen hatte.</p><p>Dann zerplatzte die unsichtbare H�lle, die ihn umgab, und die Wellen schlugen �ber seinem Kopf zusammen.</p></section><section><empty-line/><p><strong>Kapitel 17</strong></p><empty-line/><p><emphasis>AUTEC U.S.-Navy-Recherche-Zentrum, Andros Island, Bahamas</emphasis></p><empty-line/><p>Lieutenant Commander Walters sah auf, als es an seiner T�r klopfte.</p><p>�Herein.�</p><p>Es war Chief Warrant Officer Parker. �Guten Morgen, Sir�, sagte er und salutierte. �Er ist hier. Kann ich ihn hereinlassen?�</p><p>Walters nickte. �Ja, danke. Und bitten Sie Helen, uns ein paar Kekse und Kaffee zu bringen.�</p><p>Parker verschwand, w�hrend Walters sich von seinem Stuhl erhob und hinter seinem Schreibtisch hervorkam.</p><p>Der Engl�nder, der eintrat, war hochgewachsen und f�r seine zweiundsechzig Jahre erstaunlich r�stig. Seine Kleidung sah etwas mitgenommen aus, aber er hatte sich ganz offenbar M�he gegeben, sie in Form zu bringen, und er war ordentlich frisiert und rasiert. Seine Augen blitzten Walters an, strahlten Ernsthaftigkeit und Seriosit�t aus. Dieser Mann war standfest, und er h�tte vermutlich auch in Lumpen noch souver�n ausgesehen.</p><p>�Es freut mich, Sie begr��en zu d�rfen, Professor Lavell.�</p><p>Peter sch�ttelte Walters die Hand.</p><p>�Guten Morgen, Lieutenant Commander.�</p><p>�Bitte setzen Sie sich.� Walters deutete in Richtung seines Besprechungstisches. �Ich hoffe, Sie hatten eine halbwegs geruhsame Nacht. Sie war wei� Gott kurz genug.�</p><p>�Danke, ja.�</p><p>�Haben Sie schon gefr�hst�ckt?�</p><p>�Auch das.�</p><p>Walters nickte. �Gut�, sagte er, dann schwieg er einen Moment. Der Professor schien wenig geneigt zu sein, auf seinen Small Talk einzugehen, und vermutlich hatte er auch keinen Grund dazu. Walters versuchte, sich in die Lage des Mannes zu versetzen. Er musste annehmen, dass die K�stenwache und das Milit�r ihn und sein Projekt behindert hatten. Au�erdem hatte er wer wei� was erlebt, war offenbar als Einziger mit dem Leben davongekommen. Der Kapit�n der<emphasis> Argo</emphasis> hatte von dem Hubschrauber-Unfall an Deck sowie vom Verlust ihres Forschungs-U-Boots und dessen Besatzung berichtet.</p><p>Es klopfte kurz, dann trat Helen mit einem Tablett mit Geb�ck und Getr�nken ein und stellte alles auf den Tisch.</p><p>Walters schenkte sich eine Tasse Kaffee ein, nachdem er Peter etwas angeboten und dieser abgelehnt hatte.</p><p>�Sicherlich fragen Sie sich�, begann Walters, als er die Tasse anhob, �weshalb Sie hierhergebracht wurden. Gleichzeitig habe ich ein paar Fragen dazu, was Sie da drau�en gesucht und erlebt haben. Also haben wir uns gegenseitig etwas zu erz�hlen.� Walters nahm einen Schluck und sah den Professor �ber den Rand der Tasse hinweg an. Er reagierte nicht.</p><p>Walters versuchte es erneut: �Vielleicht fragen Sie sich auch, ob Sie mir trauen k�nnen und ob Ihnen hier Gefahr droht.�</p><p>Peter hob eine Augenbraue, sagte aber nichts.</p><p>�Nun gut�, sagte Walters, w�hrend er sich zur�cklehnte. �Dann fange ich einfach mal an und erz�hle Ihnen meine Version der Geschichte. Dann wissen Sie, was ich wei�, und Sie k�nnen die Geschichte erg�nzen. Die L�cken f�llen. Einverstanden?�</p><p>Peter nickte und machte eine leichte Handbewegung. �Fahren Sie fort.�</p><p>Walters musste innerlich l�cheln. Der alte Kauz hatte auf eine seltsame Weise Stil. Er lie� sich �berhaupt nicht aus der Reserve locken. Jeder Amerikaner h�tte sich gewunden, einem so hohen Offizier gegen�berzusitzen und Rede und Antwort zu stehen. Nicht so dieser Engl�nder. H�flich, aber distanziert. Und er hatte auch recht, was sollte er vor einer Uniform zucken? M�sste sich nicht das Milit�r der Zivilbev�lkerung gegen�ber rechtfertigen? Arbeitete nicht das Milit�r f�r das Volk? Fragen, die Walters sich nicht mehr lange stellen wollte. Aber noch sa� er hier. Daher erz�hlte er nun: �Das Gebiet, in dem Ihr Forschungsschiff, die<emphasis> Argo 2K,</emphasis> vor rund einer Woche mit der Arbeit begann, ist milit�risches Sperrgebiet. Sie wenden jetzt vielleicht ein, dass Ihre Untersuchung angemeldet und von der Navy genehmigt war. Das stimmt. Tats�chlich hatte es dann aber einen Vorfall in dem Gebiet gegeben, eine Havarie, und danach ist die Sperrung in Kraft getreten.</p><p>Ich will ehrlich mit Ihnen sein. Ich bekam von der Regierung schon fr�hzeitig den Auftrag, Sie zu kontaktieren und Ihre Forschungen abbrechen zu lassen. Diese Basis, AUTEC, ist zwar eine Milit�reinrichtung, aber sie dient allein der Forschung. Wir haben keine Milit�rjets oder Kriegsschiffe hier. Wir sind Wissenschaftler, Techniker, uns geht es um Wissen, um Entdeckung. Mich interessierte der Gegenstand Ihrer Forschung ebenso wie die ungew�hnliche Anfrage meiner Regierung, sie Ihnen zu untersagen.�</p><p>Walters nahm einen Schluck, bevor er fortfuhr.</p><p>�Also habe ich den Auftrag schleifen lassen, so gut es mir m�glich war, denn erst wollte ich herausfinden, um was es hier ging. Aus den Unterlagen, die man mir dann im Lauf der Zeit zusammenstellte, wurde mir klar, dass Sie auf der Suche nach Atlantis waren. Was f�r eine Sensation, wenn es stimmte!</p><p>Zugleich war es mir nicht m�glich zu ergr�nden, aus welchen Gr�nden die Regierung diese Untersuchung stoppen lassen wollte. Ich vermutete, dass es darum ging, das, was Sie finden w�rden, unentdeckt zu lassen. Vielleicht, weil es jemanden kompromittieren w�rde oder weil man selbst Profit daraus schlagen wollte... Wer konnte das schon wissen, bevor Sie es nicht ans Tageslicht holen w�rden?</p><p>Inzwischen waren Sie mit Ihrer Expedition schon in der Presse, und offenbar wuchs sich zudem ein Streit mit einem kubanischen Schiff aus, das ebenfalls dort kreuzte. Von Sabotage war die Rede. Nun, Sie waren selbst dabei � hier klafft eine L�cke in der Geschichte, vielleicht k�nnen Sie mir damit helfen.�</p><p>Walters hoffte einen Moment lang auf eine Reaktion des Professors. Der aber h�rte ihm nur weiter unverwandt zu.</p><p>�Wie dem auch sei�, fuhr Walters fort, �Sie k�nnen sich sicher vorstellen, dass es beim Milit�r nicht gern gesehen wird, wenn Befehle nicht ausgef�hrt werden. Deshalb bekam ich wenig sp�ter ranghohen und durchaus unerfreulichen Besuch, der mich verh�ltnism��ig deutlich an meine Pflichten erinnerte.</p><p>Ich habe mich dann an die K�stenwache gewandt, die f�r solche F�lle eigentlich auch zust�ndig ist. Man hat ein Aufkl�rungsflugzeug und drei Hubschrauber auf See geschickt, um Ihr Schiff aus dem Gebiet zu lotsen.</p><p>Bedauerlicherweise ist kurz darauf einer der Hubschrauber abgest�rzt, und die Aktion wurde sofort abgebrochen.�</p><p>Walters nahm einen Keks und deutete damit auf den Professor.</p><p>�Auch hier gibt es ein kleines Loch, das Sie vielleicht stopfen k�nnen. Aber dazu kommen wir sp�ter.</p><p>Nun, jedenfalls meldete Ihr Kapit�n dann einen Maschinenschaden. Er konnte das Gebiet nicht mehr verlassen, und wegen des Sturms war es nicht m�glich, andere Suchmannschaften loszuschicken. Ich hatte also nichts erreicht. Wie Sie sehen, Professor Lavell, aus meiner Perspektive ist hier einiges schiefgegangen, f�r das ich nun verantwortlich bin.�</p><p>Walters l�chelte beim Gedanken daran ein wenig. Ja, er war tats�chlich verantwortlich. Und zum ersten Mal war er dies auch<emphasis> urs�chlich.</emphasis> Er hatte Entscheidungen getroffen, die er f�r richtig gehalten hatte � und die er auch heute noch f�r richtig hielt. Und er war mit dem Ergebnis zufrieden, denn es war<emphasis> sein </emphasis>Ergebnis, und er konnte guten Gewissens daf�r geradestehen.</p><p>�Um dennoch nach dem Rechten zu sehen�, fuhr Walters fort, �habe ich dann meinen Bruder kontaktiert, der als Kapit�n der<emphasis> USS Georgia</emphasis> gerade auf dem Heimweg war und die Gew�sser streifen w�rde. Er erkl�rte sich bereit, einen Umweg zu fahren, und als er dabei herausfand, dass Ihr Schiff gar nicht man�vrierunf�hig war, entschloss er sich zu einer kleinen... wie soll man sagen... Demonstration, um Captain Harris zum Abdrehen zu bewegen.</p><p>Und in dem Moment, als die<emphasis> Georgia</emphasis> auftauchte, trieben Sie pl�tzlich in den Wellen. Zwei tollk�hne Navy-Matrosen haben Sie aus dem Wasser gefischt und an Bord des U-Boots gebracht. Den Rest der Geschichte kennen Sie wieder: Die Fahrt hierher, das �bersetzen mit unserem Schnellboot, die Nacht im G�stehaus. Und nun sitzen Sie hier.�</p><p>Peter schwieg eine Weile, lie� sich die Worte des Mannes durch den Kopf gehen. Sagte er die Wahrheit? War er wirklich ein Mann, der �ber seine Befehle nachdachte, einer, der sich der Wahrheit verpflichtet f�hlte? Oder war er doch nur ein pflichtbewusster Milit�r, der ihm eine Geschichte entlocken wollte?</p><p>�Hat man au�er mir noch jemanden gerettet?�, fragte er schlie�lich.</p><p>�Nein, leider nicht�, sagte Walters. �Da waren nur Sie. Im Gespr�ch mit Ihrem Kapit�n, Harris, wurde klar, dass Ihr U-Boot mitsamt den anderen darin befindlichen Personen vermisst wurde. Die<emphasis> Georgia</emphasis> musste nach einer halben Stunde weiterfahren, aber Harris erhielt die Genehmigung, mit der <emphasis>Argo</emphasis> dort zu bleiben. Der Sturm hat sich inzwischen beruhigt. Er wird heute und morgen den Meeresboden scannen und weiter nach Ihrem Boot und Ihren Kollegen suchen, mindestens so lange, wie der Sauerstoff darin noch reicht... Es tut mir sehr leid, ihnen keine besseren Nachrichten anbieten zu k�nnen.�</p><p>Peter nickte stumm.<emphasis> Alvin</emphasis> w�rden sie nie mehr finden. Es lag zerst�rt in einer Luftschleuse. Und John ahnte nichts davon, da ihre Verbindung abgerissen war, bevor sie die Schleuse erreicht hatten. Oder vielleicht war das Kabel auch � wie ihm jetzt d�mmerte � absichtlich von dem U-Boot der Kubaner durchtrennt worden. Aber das war nun einerlei.</p><p>Peter erinnerte sich lebhaft, wie Patrick und Stefanie angeschossen worden waren und der Korridor mit den Rettungskapseln kurz darauf vollgelaufen war. Wenn Sie nicht kurze Zeit nach ihm auf irgendeine Weise hatten fliehen k�nnen, gab es keine Chance, dass sie noch lebten.</p><p>�Sabotage�, sagte er schlie�lich leise. �Ja, das war es. Aber nicht von unserer Seite.� Dann erkl�rte er, wie ihre Bilder an die Presse geraten waren und was Patrick an Bord der<emphasis> Libertad </emphasis>erlebt hatte.</p><p>�Ungeheuerlich�, sagte Walters und sch�ttelte den Kopf. �Leider gab es keine Handhabe gegen diese Leute. Als die <emphasis>Georgia</emphasis> auftauchte, machten sie kehrt und verschwanden.�</p><p><emphasis>...und lie�en ihr Boot und seine Besatzung auf dem Meeresgrund zur�ck,</emphasis> dachte Peter. Was Gier aus Menschen machte, war be�ngstigend genug, und Gonz�lez war ein gutes Beispiel daf�r. Dass aber auch seine eigene Mannschaft ihn im Stich lassen w�rde, war nicht weniger ungeheuerlich. Nicht auszudenken, wenn die Leute die Technologie und das ganze hoch entwickelte Wissen von Atlantis in ihren Besitz gebracht h�tten.</p><p>Und nun? Was geschah nun mit den Archiven?</p><p>Er versuchte, nicht daran zu denken, zu viele gro�e Fragen schwirrten in seinem Kopf umher. Stattdessen erz�hlte er Walters, wie sich der Absturz des Helikopters zugetragen hatte.</p><p>Walters h�rte aufmerksam zu. Aber Peter bekam das Gef�hl, als interessiere sich der Mann nicht so sehr f�r die Details. Und schlie�lich, als die Abl�ufe rekonstruiert waren, sagte er: �Professor, erz�hlen Sie mir, was Sie dort auf dem Meeresboden gesucht haben, was Sie gefunden haben, und was dann passierte!�</p><p>Peter schwieg lange Zeit.</p><p>�<emphasis>Alvin</emphasis> hatte einen technischen Defekt�, sagte er schlie�lich. �Die technischen Anlagen fielen aus. Wir haben die Gewichte manuell gel�st und uns nach oben treiben lassen. An der Wasseroberfl�che mussten wir die Luke �ffnen, um unsere Position zu signalisieren. Eine Welle traf uns, ich wurde hinausgesp�lt, aber<emphasis> Alvin</emphasis> hat es unter Wasser gedr�ckt. Und dann ist das Boot in der Tiefe versunken.�</p><p>Walters suchte nach Anzeichen von Emotionen im Gesicht des Professors. Aber der war gefasst. Vielleicht stand er noch unter Schock. Die Erlebnisse mussten schlimm gewesen sein.</p><p>�Und auf dem Meeresboden?�, fragte er noch einmal nach. �Was haben Sie auf dem Meeresboden gefunden?�</p><p>�Steine�, antwortete Peter. �Nur Steine.�</p><empty-line/><p>Sie unterhielten sich noch eine kleine Weile, aber Walters wusste, dass er keine n�heren Informationen von dem Professor bekommen w�rde. Schlie�lich stand er auf und verabschiedete ihn.</p><p>�Es hat mich gefreut, Sie kennenzulernen, Professor.� Er reichte ihm die Hand und begleitete ihn aus dem B�ro, durch die Flure und zum Ausgang des Hauptgeb�udes. �Man wird Sie kontaktieren, wenn weitere Fragen zu dem Projekt auftauchen. Aber Sie wissen ja, wie langsam die M�hlen mahlen. Sie k�nnen Ihre Heimreise nach Deutschland antreten. Alles, was sich noch an Bord der<emphasis> Argo</emphasis> befindet, wird Ihnen nachgeschickt.�</p><p>Walters �ffnete die T�r und lie� Peter hinaustreten. Dann reichte er ihm einen Umschlag.</p><p>�Hierin befinden sich ein provisorischer Pass und etwas Bargeld f�r Sie. Man hat mir mitgeteilt, dass Sie abgeholt werden.� Walters deutete �ber den Parkplatz zum W�rterh�uschen am Eingang der Basis. �Der Wagen m�sste bereits dort stehen.�</p><p>Peter nickte. Das verh�ltnism��ig inhaltsleere Gespr�ch mit dem Lieutenant Commander und dessen b�ndiger Abschied waren nichts anderes als eine nachdr�ckliche, aber nicht ausgesprochene Empfehlung, das Land auf dem schnellsten Weg zu verlassen. Vermutlich hatte Walters gute Gr�nde daf�r, und Peter zweifelte nicht daran, dass es tats�chlich zu seinem Besten war. Wenn das Interesse der Regierung an dem Projekt so gro� war, wie er erkl�rt hatte, w�rden sie ihn vermutlich nicht so einfach gehen lassen, wenn sie ihn erst mal in den Fingern hatten. Einmal aus dem Land war er sicher.</p><p>�Vielen Dank, Lieutenant Commander�, sagte Peter. �Ich wei� Ihre Hilfe zu sch�tzen.�</p><p>�Das freut mich.�</p><p>Peter verlie� die Basis �ber den Parkplatz und lie� Walters in der T�r stehen.</p><empty-line/><p>Walters blickte dem Professor hinterher, beobachtete, wie er einige Worte mit dem W�rter wechselte und an der Schranke vorbeiging. Ein schwarzer Chrysler rollte vor, der Professor stieg nach einigen Augenblicken ein, und dann fuhr er weg.</p><p>Walters wandte sich ab und ging zur�ck in sein B�ro.</p><p>Er fragte sich, was sie hier in Wahrheit aufgewirbelt hatten. Und weswegen der Professor nichts preisgegeben hatte. Vielleicht, weil ihn die furchtbaren Geschehnisse noch zu sehr besch�ftigten. Vielleicht war es aber auch einfach so schlicht, wie es sich anh�rte: Sie hatten nichts gefunden.</p><p>Walters zuckte mit den Schultern. Die f�r ihn und seine Vorgesetzten relevanten Details �ber die Vorkommnisse an Bord der<emphasis> Argo</emphasis> w�rde er mit John Harris in den n�chsten Tagen und Wochen noch ausf�hrlicher kl�ren, und �ber den Einsatz der K�stenwache und der<emphasis> Georgia</emphasis> musste er einen Bericht schreiben. Wichtig war, dass der Professor sich all dem m�glichst z�gig entziehen konnte. Was er dann mit seinem Wissen machte � falls er �berhaupt etwas entdeckt hatte �, lag an ihm und in seinem freien Ermessen. Und falls er nichts entdeckt hatte, nun, dann war nur alles wieder wie zuvor.</p><p>Walters setzte sich an seinen Schreibtisch und legte die H�nde auf die Tischplatte. Atmete durch. Dann r�umte er alle Stifte, Papiere und Unterlagen weg, bis der Tisch vollst�ndig leer und sauber war. Er sendete ein Dokument zum Drucker, schaltete seinen Rechner aus und griff anschlie�end zum Telefon.</p><p>Als F�hrungskraft hatte er schon immer Entscheidungen treffen m�ssen. Aber trotz seiner Position war er niemals frei gewesen. In Wahrheit war die Armee ein engmaschiges Netz, das starrste Gef�ge, das man sich vorstellen konnte. Tats�chlich eigene und freie Entscheidungen gab es nicht. Walters hatte nun gesp�rt, wie es war, Dinge zu hinterfragen und selbst zu entscheiden, ob er etwas unterst�tzen oder es unterlassen, vielleicht sogar behindern wollte.</p><p>�Guten Morgen, S��e�, sagte Walters, als er die Stimme seiner Frau am anderen Ende der Leitung h�rte. �Ich habe eine �berraschung f�r euch. Aber bevor ich es dir erz�hle, kannst du mir Sarah geben? Oder ist sie schon in der Schule?�</p><p>W�hrend er wartete, beugte er sich zur Seite, holte das Blatt aus dem Drucker, legte es vor sich hin und zog einen Stift aus seinem Jackett.</p><p>�Hallo Kleines!�, begr��te er seine Tochter schlie�lich. �Wei�t du was? Ich komme heute schon nach Hause! ... Ja, stimmt, es ist noch gar nicht Wochenende, aber darum muss ich mich ab sofort nicht immer k�mmern, ist das nicht toll? ... Oh, und wei�t du was? Die toten Wale, von denen du mir letzte Woche erz�hlt hast: Ich wei� nun, was mit ihnen passiert ist. Ich werd's dir erz�hlen, wenn ich da bin. Aber das Beste ist: Ich werde es auch m�glichst vielen anderen Leuten erz�hlen, damit das nie wieder passiert! ...Ja, ich liebe dich auch, Kleine, bis bald!�</p><p>W�hrend seine Tochter den H�rer eilig abgab und aus dem Haus rannte, um den Schulbus noch zu erreichen, setzte Walters seine Unterschrift unter das Dokument, mit dem er seinen freiwilligen Austritt aus der Armee erkl�rte.</p><p>Es f�hlte sich an, als unterzeichne er ein Visum in ein neues Leben, und es war ein gutes Gef�hl.</p><empty-line/><p>Als Peter das W�rterh�uschen hinter sich lie� und an die Stra�e trat, setzte sich ein schwarzer Wagen mit abgedunkelten Scheiben in Bewegung, der ein St�ck weiter im Schatten gestanden hatte. Er hielt unmittelbar vor Peter.</p><p>Eine T�r im Fond �ffnete sich, und ein h�nenhafter Herr mit wei�em Bart stieg aus. Peter kannte ihn. Und obwohl er ihn von allen Menschen am wenigsten hier erwartet hatte, �berraschte es ihn nicht.</p><p>�Guten Morgen, Professor Lavell�, sagte der Mann.</p><p>Peter l�chelte. �Ich hoffe, Sie erwarten nicht, dass ich Sie mit Namen begr��e�, sagte er. �Nachdem wir Sie in der Schweiz als Steffen van Germain und in Sakkara als Al Haris kennengelernt haben, erwarte ich, dass Sie nunmehr erneut einen anderen Namen tragen.�</p><p>�Ich m�chte Sie ungern entt�uschen, Professor. Also nennen Sie mich doch einfach Gabriel.�</p><p>�Namen sind Schall und Rauch, nicht wahr?�</p><p>�So ist es, Professor.� Gabriel wies auf den Wagen. �Ich nahm an, dass Sie nun eine Transportgelegenheit nach Andros Town zum Flughafen ben�tigen w�rden. Wenn es Ihnen also recht ist, w�rde ich Sie gerne fahren.�</p><p>�Ja, in der Tat, das w�re mir sehr recht. Danke sehr.�</p><p>Peter stieg in den k�hlen Wagen. Am Steuer sa� ein j�ngerer Mann, der ihn kurz gr��te und den er ebenfalls schon einmal gesehen hatte. Joseph hie� er, soweit er sich erinnern konnte. Langsam fielen die letzten Puzzleteile ins Bild.</p><p>�Ich soll Sie von Stefanie gr��en�, sagte Peter zu Gabriel, als der Wagen anfuhr.</p><p>�Vielen Dank. Und lassen Sie mich Ihnen mein tiefes Beileid �ber Ihren Verlust aussprechen. Es tut mir sehr leid.�</p><p>Peter nickte nur. Sie fuhren in ma�voller Geschwindigkeit. Er sah aus dem Fenster und nahm die subtropische Landschaft in sich auf.</p><p>�Wie geht es nun weiter?�, fragte er, mehr zu sich selbst.</p><p>�Die Archive von Atlantis sind in Sicherheit�, sagte Gabriel.</p><p>�Sind sie das? Oder sind sie nicht vielmehr endg�ltig verloren?�</p><p>�Die losen Enden sind verwoben, es ist niemand �brig, der die Existenz der Archive preisgeben k�nnte. Aber das Wissen selbst ist zu umfangreich, als dass es vollst�ndig verloren gehen k�nnte. Nicht, solange es H�ter gibt, die �berall auf der Welt das atlantische Verm�chtnis bewahren f�r die Zeit, wenn die Welt reif genug daf�r ist.�</p><p>�Ich k�nnte dar�ber berichten. Aufs�tze schreiben und Vorlesungen halten.�</p><p>�F�r dieses l�cherlich scheinende Unternehmen haben Sie Ihren Ruf aufs Spiel gesetzt�, sagte Gabriel. �Es sollte Ihre letzte und gr��te Entdeckung werden. Es sollte Ihnen endlich die herausragende Anerkennung als Forscher bringen, die Sie sich Ihr Leben lang versuchten zu erarbeiten. Nun, da Sie mit leeren H�nden zur�ckkehren, geben Sie sich dem Spott aller Akademiker preis, und Ihr Ruf wird irreparabel besch�digt sein.�</p><p>�Ja, das ist wohl wahr.�</p><p>�Und dennoch werden Sie Ihre Entdeckung verschweigen.�</p><p>�Auch das stimmt... Diese Entscheidung steht fest. Aber verraten Sie mir, weshalb.�</p><p>�Sie denken an Ihren Kollegen, Patrick, und Sie denken an Stefanie. Sie denken daran, was Sie ihnen schulden. Und Sie denken an die Macht, die hier verborgen liegt, sowie an Gonz�lez und die anderen Menschen und Organisationen, die Sie in den letzten Jahren immer wieder behindert haben. Ihnen ist klar geworden, was auf dem Spiel steht und dass Ihr Ruf und unser aller t�gliches Streben nach Wissen, Erfolg und Ruhm nur eine Nichtigkeit vor den viel gr��eren Zusammenh�ngen sind.�</p><p>Peter nickte nachdenklich. �Ja...�</p><p>Er betrachtete wieder die am Wagen vorbeiziehende Landschaft. Es f�gte sich wahrlich alles in ein Bild. Eines, das �lter und gr��er war als er. Das �lter und gr��er war als die Kulturen der letzten zehntausend Jahre. Sein Streben, seine Arbeit, seine bisherigen Forschungen, alles schrumpfte auf die Gr��e von einzelnen Pinselstrichen in einem riesenhaften Gem�lde zusammen. Er sp�rte die Wehmut einer pl�tzlich erkannten Bedeutungslosigkeit. Aber zugleich f�hlte er sich befreit. Frei in dem Wissen, dass es etwas Fantastischeres und Grandioseres gab, von dem er einen kleinen Teil hatte miterleben d�rfen. Es war mehr, als er vom Rest seines Lebens je erwartet hatte.</p><p>�Aber dar�ber hinaus�, sagte Gabriel, �gibt es noch einen anderen Grund.�</p><p>Peter sah zu Gabriel hin�ber und hob eine Augenbraue.</p><p>�Stefanie hat es Ihnen erz�hlt. Wir haben Sie als H�ter ausgew�hlt.�</p><p>Peter stutzte. �Aber ich... Ich bin geflohen!�, sagte er. �Ich habe davon nichts wissen wollen. Es war zu gro�, zu viel... Ich habe Atlantis den R�cken gekehrt, es im Stich gelassen.� Leise f�gte er hinzu: �Ich habe Patrick und Stefanie im Stich gelassen.�</p><p>�Ja�, sagte Gabriel. �Aber bedenken Sie, dass m�glicherweise nichts geschehen ist, das nicht so hatte geschehen sollen.�</p><p>�Wollen Sie damit sagen, meine Entscheidungen seien vorherbestimmt gewesen?�</p><p>�O nein.� Gabriel winkte ab. �Keineswegs. Unsere Leben und unsere Entscheidungen sind nicht vorherbestimmt. Ihre genauso wenig wie meine. Und wenn auch viele Religionen der Ansicht sind, dass alles einem gr��eren Plan folgt, so kann ich Ihnen versichern, dass, wenn ein solcher Plan existiert, er noch deutlich gr��er sein muss als die vielen zehntausend Jahre der atlantischen Kultur, denn Strukturen und Muster eines universellen oder g�ttlichen Plans haben wir nicht beobachten k�nnen.�</p><p>�Die Abwesenheit von Belegen f�r eine Theorie ist aber auch kein Beweis f�r ihr Gegenteil.�</p><p>�Ah, da ist er wieder, der Professor!� Gabriel lachte. �In der Tat, Sie haben recht. Es bedeutet �berhaupt nichts. Und was sind schon f�nfzigtausend Jahre im Angesicht der Welt?�</p><p>�Was wollten Sie also ausdr�cken?�</p><p>�Niemand konnte vorhersagen, wie Sie reagieren w�rden. Aber wir konnten uns auf die verschiedenen M�glichkeiten vorbereiten. Und Stefanie war vorbereitet. Sie hat Ihnen erz�hlt, dass wir Sie uns als neuen H�ter der Archive von Atlantis w�nschen, und vielleicht erw�hnte Sie auch, dass Ihnen die letzte Pr�fung noch bevorst�nde.�</p><p>�Ja, ich erinnere mich. Sie setzte dazu an, konnte es aber nicht mehr ausf�hren.�</p><p>�Es gab nichts auszuf�hren�, erkl�rte Gabriel. �Die letzte Pr�fung war die Frage, wie Sie auf die Offenbarung von Atlantis reagieren w�rden, dort unten � und heute hier. Und nun betrachten Sie sich selbst. Was empfinden Sie?�</p><p>Peter dachte nach.</p><p>�Trauer�, sagte er dann. �Trauer �ber den Verlust. Ehrfurcht vor der Gr��e dieser Geschichte und dieser Macht. �rger und Angst vor der Dummheit der Menschen. Und zugleich Gl�ck dar�ber, ein Teil davon gewesen zu sein.�</p><p>�Das ist sehr gut, ja!� Gabriel nickte l�chelnd. �Und was, wenn Sie die Chance h�tten, weiterhin ein Teil davon zu sein? Wie w�rden Sie sich f�hlen, wenn ich Ihnen verriete, dass l�ngst nicht alles verloren ist, dass Atlantis weiter besteht und dass ich mir nichts mehr w�nschen w�rde als Sie an unserer Seite?�</p><p>�Das... das kann ich unm�glich annehmen!� Peter war beinahe entr�stet.</p><p>�Und weil Sie meinen, es nicht zu k�nnen, sind Sie es, den wir ausgew�hlt haben.� Gabriel legte eine Hand auf Peters Schulter. �Sie m�ssen sich nicht sofort entscheiden. Aber denken Sie dar�ber nach, mein Freund.�</p><p>Nun breitete sich ein L�cheln �ber Peters Gesicht aus.</p><p>Nichts war vorherbestimmt. Die Zukunft entfaltete sich neu mit jedem Schritt, und er war gespannt darauf, wohin ihn seine Schritte f�hren w�rden.</p></section><section><empty-line/><p><strong>Epilog</strong></p><empty-line/><p><emphasis>In den Ruinen von Atlantis</emphasis></p><empty-line/><p>Gonz�lez feuerte im selben Augenblick, als Stefanie die Lichts�ule ber�hrte. Aber das Licht war dreihunderttausendmal schneller. Eine irisierende Sph�re aus Strahlen explodierte um Stefanie und Patrick. Die Kugeln des Kubaners ber�hrten die H�lle und zerstieben daran zu kleinen Staubwolken.</p><p>�Was f�r eine Teufelei ist das schon wieder?!�, schrie Gonz�lez und schoss weiter wutentbrannt auf die beiden.</p><p>�H�ren Sie auf, Gonz�lez�, rief Stefanie �ber das Knattern der Maschinenpistole hinweg. �Dieser Teil der Anlage ist nicht mehr sicher.�</p><p>Aber Gonz�lez h�rte sie nicht. Oder er wollte sie nicht h�ren. Schritt f�r Schritt stieg er die Stufen hinab und feuerte weiter.</p><p>Er war zur H�lfte gekommen, als ein kr�ftiger Wasserschwall durch eine der T�ren herabschoss und ihn von den F��en riss. Als er st�rzte, schlug er mit dem Kopf auf eine Stufe, die Waffe flog aus seiner Hand. M�hsam rappelte er sich auf. Immer mehr Wasser kam durch die T�ren herein, lief in Kaskaden die Stufen herab. Gonz�lez suchte seine Maschinenpistole und fischte sie schlie�lich heraus. Er legte wieder an, doch dann wurde ihm bewusst, wie schnell das Wasser stieg. Es sammelte sich in der tiefer liegenden Mitte des Raums und stand dort schon einen Meter hoch. Es umfloss auch die Lichtsph�re, drang aber nicht in sie ein.</p><p>Gonz�lez stieg zwei Stufen h�her. Die ganze Struktur des Raums schien nachzugeben. Jetzt lief Wasser an den W�nden herab, und an mehreren Stellen tropfte es bereits von der Decke.</p><p>�<emphasis>�Hijos de puta!</emphasis>�<emphasis>,</emphasis> fluchte Gonz�lez und legte erneut auf Patrick und Stefanie an.</p><p>Ein pl�tzlicher Sturzbach brach durch die Decke, nur wenige Handbreit neben dem Kubaner. Er sprang beiseite und wollte noch weiter nach oben steigen. Doch als er sich umwandte, sah er mit Schrecken, dass die vier T�ren, die in den Raum f�hrten, sich inzwischen geschlossen hatten. Das muss diese blonde Hure bewirkt haben, fluchte er innerlich. Und das Wasser lie� nicht nach, im Gegenteil, es wurde immer mehr, es kam aus den W�nden, von der Decke, und es stieg mit rasender Geschwindigkeit !</p><p>Gonz�lez hastete die letzten Stufen zu einer der T�ren hinauf und h�mmerte mit aller Kraft dagegen. Dann trat er einen Schritt zur�ck und feuerte. Aber die Kugeln hinterlie�en auf dem Material keinerlei Spuren, die T�r r�hrte sich keinen Millimeter.</p><p>Entsetzt drehte er sich wieder um. Das Wasser hatte fast die komplette Senke des Raums gef�llt, lediglich die oberen zwei Reihen Stufen lagen frei. Die Sph�re mit dem Mann und der Frau ragte nur noch zum Teil aus dem Wasser. Noch einmal schoss Gonz�lez auf die beiden. Legte seine ganze Wut, seinen ganzen Hass in das Stottern und Bei�en der Maschinenpistole. Er hatte alles verloren. Seinen Bruder, sein Schiff, das versprochene Gold. Man hatte ihn betrogen und in eine Falle gelockt!</p><p>Er schoss weiter, bis das Magazin leer war.</p><p>Das Wasser hatte den oberen Rand erreicht, floss um seine Waden und kroch unaufh�rlich h�her.</p><p>Gonz�lez schrie auf, br�llte, warf seine Maschinenpistole von sich, drehte sich wieder um und h�mmerte gegen die T�r, trat sie, warf sich mit der Schulter dagegen.</p><p>Aber es gab keinen Ausweg.</p><p>Gonz�lez hielt sich noch eine Weile schwimmend �ber Wasser, bis der Raum bis zu Decke vollgelaufen war. Dann nahm er in der letzten verbleibenden Luftkammer noch einmal einen Atemzug.</p><p>Patrick und Stefanie standen in der Sph�re am Boden des Raumes. Sie befand sich l�ngst vollst�ndig unter Wasser, aber nichts drang durch die sch�tzende H�lle ein. Das Licht, das noch immer aus dem Podest am Boden trat und sich in einem funkelnden Strom durch das Wasser emporbewegte, schien den gefluteten Raum in ein unwirkliches Gebilde aus fl�ssigem Kristall zu verwandeln. Sie betrachteten das glitzernde Szenario durch die transparente H�lle und beobachteten, wie Gonz�lez' Leiche mit starrem Blick vor ihnen herabsank und seltsam friedlich zum Liegen kam.</p><p>�Es wird Zeit�, sagte Stefanie schlie�lich. �Wir m�ssen hier raus.�</p><p>�Ach�, meinte Patrick. �Den Gedanken hatte ich auch schon.�</p><p>�Einen Augenblick noch�, sagte Stefanie und legte ihre Hand in den Lichtstrom. Kurz darauf begann sich die Sph�re, die sie umgab, zu ver�ndern. Von unten nach oben wandernd lie� das Leuchten nach, so als w�rde die H�lle vollst�ndig verschwinden. Aber als Patrick seinen Arm ausstreckte, bemerkte er, dass er an ein unsichtbares Hindernis stie�. Eine Art Scheibe.</p><p>�Nun sind wir vom Licht unabh�ngig�, sagte Stefanie.</p><p>Patrick fuhr mit der Hand �ber die Innenseite der neuen H�lle. �Was ist das f�r ein Material?�</p><p>�Es ist gar kein Material im �blichen Sinn. Es ist ein fl�chtiges, aber sehr stabiles Netzwerk aus freien Molek�len und Nanobots, die auf molekularer Ebene alles miteinander verbinden. Die Bots wandern durch die Lichtleitungen, um jeden Punkt der Anlage erreichen zu k�nnen. Sie lassen sich programmieren und kommunizieren dabei untereinander mit einem rudiment�ren Schwarmbewusstsein. In diesem Fall, um die gew�nschte H�lle jederzeit stabil zu halten. Es ist eine Technologie, die vermutlich erst in einhundert Jahren zu dieser Stufe entwickelt werden wird. Aber nun komm.�</p><p>Stefanie tat einen Schritt und half Patrick, der sich humpelnd an ihrer Schulter festhielt. Die Sph�re wanderte mit ihnen mit.</p><p>Sie gingen an der Leiche vorbei und stiegen die Stufen hinauf. Es war eine Qu�lerei f�r Patrick. Der Stoff seines Hosenbeins war dunkel und mit Blut vollgesogen, sein Bein brannte vor Schmerz. Die Ersch�pfung durch den Blutverlust holte ihn nach der kurzen Pause schnell wieder ein.</p><p>Endlich waren sie oben angekommen, Stefanie ber�hrte einen Lichtfleck neben der T�r, und anstandslos glitt diese auf. Der dahinter liegende Flur war ebenfalls mit Wasser gef�llt.</p><p>�Du hattest ihn doch nicht absichtlich eingesperrt, oder?�, fragte Patrick m�hsam.</p><p>�Nein. Es war der automatische Sicherheitsmechanismus durch den Wassereinbruch.�</p><p>Als Stefanie sich nach rechts wandte, z�gerte Patrick.</p><p>�Zu den Rettungskapseln... geht es dort entlang.�</p><p>�Ja. Aber ich m�chte dir etwas zeigen.�</p><p>�Ich wei� nicht... wie lange ich es noch aushalte.�</p><p>�Es wird schon gehen�, sagte Stefanie. �Versuch noch eine Weile, mit dem Schmerz umzugehen, wie ich es beschrieben habe. Und um die Verletzung k�mmern wir uns auch, versprochen. Vertraust du mir?�</p><p>Patrick nickte matt. �Wenn nicht dir, dann niemandem.�</p><p>Stefanie ging weiter und l�chelte. �Ich nehme an, das war eine Art Kompliment?�</p><p>�Ich wei� nicht recht. Meinst du, ja?�</p><p>Sie lachte auf.</p><p>Der Weg f�hrte sie in einen Teil der Anlage, der Patrick unbekannt vorkam. Unterwegs betrachtete er, was das Wasser angerichtet hatte. Alles war vollgelaufen, vielerorts war die Beleuchtung ausgefallen oder flackerte nur noch schwach, an einigen Stellen waren Teile der W�nde oder Decken eingest�rzt.</p><p>�Wie konnte das passieren?�, fragte Patrick.</p><p>�Es war kein Zufall�, erkl�rte Stefanie. �Die M�nner haben mit Ihren Maschinenpistolen kritische Teile zerst�rt. Wahrscheinlich hat Gonz�lez damit begonnen, um der Biosph�re zu entkommen. Danach wird er auch einige andere der Lichts�ulen unterwegs zerschossen haben. Die Zerst�rungen haben Teile der Energieversorgung unterbrochen und das ganze System beeintr�chtigt. Dadurch ist offenbar der Schutz der Au�enh�lle besch�digt worden, und so kam eines zum anderen.�</p><p>Sie standen inzwischen in einem kurzen Gang. Hinter ihnen hatte sich eine T�r geschlossen, und Stefanie war stehen geblieben.</p><p>�Er hat diese ganze so hoch entwickelte Anlage nur mit einer Maschinenpistole vernichtet?!�, fragte Patrick.</p><p>�Aber nein. Nur einen kleinen Teil davon. Pass auf.�</p><p>Das Wasser um sie herum blubberte. Erst leicht, dann immer st�rker, bis das Sprudeln einem Kochen gleichkam. Dann senkte sich der Wasserpegel. Tropfen, die auf gew�lbten Bahnen �ber ihren K�pfen durch die Luft liefen, machten die H�lle sichtbar, die sie bisher mit sich gef�hrt hatten. Dann war das Wasser abgelaufen, und die letzten Tropfen fielen aus der Luft, als sich die Sph�re pl�tzlich aufl�ste. Sie standen im Trockenen.</p><p>Sie gingen auf eine T�r am Ende der kurzen Schleuse zu, und Stefanie streckte die Hand aus.</p><p>�Sieh her.�</p><p>Die T�r �ffnete sich, und gr�n-goldenes Licht schlug ihnen entgegen. Patrick rang nach Luft. Vor ihnen lag eine der anderen Biosph�ren. Anders als der dunkle Urwald, den sie zuvor gesehen hatten, bot sich ihnen hier der Anblick einer g�nzlich anderen Landschaft. So weit das Auge reichte, war der Boden leicht h�gelig und von niedrigem Gras bewachsen. Laubb�ume standen in vereinzelten Gruppen. Durch die Landschaft zogen sich schmale Kieswege und sogar eine Art Bach, der an mehreren Stellen von kleinen Br�cken �berspannt wurde.</p><p>�Das glaube ich nicht... Das kann unm�glich der Energiegewinnung dienen.�</p><p>�Nein. Es dient dem Leben. Ich erz�hlte doch, dass die Anlage ausgebaut wurde, als bereits klar war, dass die Reste von Atlantis im Meer versinken w�rden. Also wurde die Anlage nicht nur mit einer autarken Energieanlage und Rettungskapseln ausger�stet. Die Flure und Korridore, die du bisher gesehen hast, waren zum Arbeiten.� Sie wies auf die Landschaft. �Das hier ist jedoch der viel gr��ere Teil der Anlage, derjenige, der es erm�glicht, hier unten zu leben.�</p><p>�Hier zu leben?!�</p><p>�Ja. Solange man muss � oder m�chte. Was du hier siehst, ist ebenfalls autark und wird automatisch gepflegt. Es gibt Licht in den richtigen Wellenl�ngen, S��wasser, Pflanzen, Nahrung, Energie. Es gibt eine Krankenstation und Wohnh�user. Und nat�rlich auch Rettungskapseln! Wir k�nnen jederzeit hier fort. Aber vielleicht interessiert es dich ja, dich eine Weile hier aufzuhalten? Dich zu erholen, dir alles anzusehen...?�</p><p>�Mich interessieren? Machst du Scherze? Das ist einfach unglaublich!�</p><p>�Ich k�nnte selbst eine Weile Pause gebrauchen�, gestand Stefanie. Dann l�chelte sie ihn an, und in ihren Augen funkelte eine jugendliche Begeisterung. �Ich w�rde dir gerne alles zeigen. Und hier gibt es nicht nur Zugang zu allem Wissen, hier gibt es auch die Ruhe, die wir ben�tigen, damit ich dich langsam an alles heranf�hren kann.�</p><p>Patrick l�chelte zur�ck. �Das klingt wunderbar. Das m�chte ich sehr gerne. Und eines Tages, wenn wir genug davon haben, vielleicht statten wir dann unserem Professor einen �berraschungsbesuch ab.�</p><p>�Einverstanden!�</p><p>Patrick nahm Stefanies Hand, und augenblicklich f�hlte er eine W�rme durch sich flie�en. Nur, dass es dieses Mal anders war als bisher. Es hatte nichts mit Kommunikation mit ihr zu tun, es war kein Gef�hl der staunenden Bewunderung, der Faszination ihrer Fremdartigkeit, es war viel schlichter und zugleich viel nat�rlicher. Er wusste, was es war, hatte es aber in dieser Innigkeit bisher noch nicht kennengelernt. Nun, nach allem, was er mit ihr erlebt hatte, an diesem unwahrscheinlichsten Ort, brach es hervor. Fast zitterte er, aber ihre Hand umfasste seine mit derselben Bestimmtheit.</p><p>�Als du<emphasis> �langsam an alles heranf�hren</emphasis>� gesagt hast...�, begann er und biss sich augenblicklich auf die Unterlippe.</p><p>Sie sah ihn verschmitzt an. �Ja?�</p><p>�Meintest du da... na ja...� Er sah zur Decke empor, suchte nach einer Formulierung und kam sich selten unbedarft vor.</p><p>Dann sp�rte er, wie Stefanie sein Gesicht mit beiden H�nden umfasste und zu ihr drehte.</p><p>�Du hattest doch gefragt, weswegen du hier bist, wenn doch eigentlich Peter der auserw�hlte H�ter sei.�</p><p>Es d�mmerte ihm. Aber er mochte es nicht glauben. Er nickte nur stumm.</p><p>�Deswegen�, sagte Stefanie. Dann zog sie ihn an sich und k�sste ihn.</p><p>Patrick schloss die Augen. Von allem Wissen der Welt war es dieses, auf das es am meisten ankam.</p></section><section><empty-line/><p><strong>Nachwort des Autors</strong></p><empty-line/><p>Ich bin am Ende einer Reise angekommen, die vor �ber zehn Jahren begonnen hat. Das Grundger�st der Abenteuer von Peter und Patrick stand damals bereits fest. Ihre Spurensuche, die sie immer weiter in die Vergangenheit f�hren w�rde, bis hin zu einem Ursprung, der all jene R�tsel erkl�rt, auf die sie im Laufe der Jahre gesto�en sind. Immer beobachtet von den H�tern, die sie auf eine Probe stellen, um festzustellen, ob sie sich als w�rdige Helfer und Geheimnistr�ger erweisen w�rden.</p><p>Aber von einem Grundger�st hin zu drei ganzen Romanen ist es ein langer Weg gewesen, und ich freue mich �ber die vielen Leser, die ihn mitgegangen sind.</p><p>Der erste Roman, der sich in erster Linie mit Mysterien des Mittelalters besch�ftigte, spielte damit, m�glichst viele der g�ngigen Theorien ins Spiel zu bringen, ein m�glichst gro�es Durcheinander einzelner Themen zu erzeugen, aus denen allein sonst ganze Romane gemacht werden, um sie am Ende s�mtlich f�r irrelevant und nichtig zu erkl�ren.</p><p>Der zweite Roman gab sich dann deutlich gradliniger, einer Schnitzeljagd gleich. Aber auch hier gab es � nat�rlich � noch keine endg�ltige L�sung des gro�en Zusammenhangs. Mir war hier besonders daran gelegen, Patricks Weiterentwicklung zu zeigen, von einem Flegel und Draufg�nger zu einem Menschen, der sich �ber gr��ere Zusammenh�nge Gedanken macht, den die mystische Atmosph�re der �gyptischen Kultur und die Gespr�che mit Melissa zum Nachdenken anregen.</p><p>Und jetzt der dritte Teil. Noch gradliniger, moderner und am Ende die L�sung aller R�tsel.</p><p>Nun, da die Geschichte also vollst�ndig ist und die L�sung vorliegt, lade ich gerne dazu ein � wenn nicht bereits geschehen � noch einmal alle drei Teile der Reihe nach zu lesen. Wer aufmerksam ist, wird bemerken, dass alle Hinweise, die auf die L�sung hindeuten, bereits im ersten Teil vorhanden sind. Ich habe mich wirklich lange zusammenrei�en m�ssen, um nicht zu schnell damit herauszuplatzen.</p><p>Wie in den letzten B�chern auch habe ich Realit�t und Fiktion gemischt, m�chte diese Verstrickung aber nicht vollkommen undurchsichtig lassen.</p><p>Den lateinischen Friedhof �Terra Santa� in Bab Sharq in Alexandria, gibt es tats�chlich, und Theorien zufolge entspricht dieser Ort in etwa dem Zentrum des antiken Alexandria. Hier k�nnte sich das Grab Alexanders des Gro�en befunden haben. Bis heute ist es allerdings noch nicht gefunden worden. Dass sich dort Reste der Bibliothek von Alexandria verbergen, habe ich frei erfunden. Der Bestand dieser ber�hmtesten Bibliothek der Antike ist in den Jahrhunderten mehrfach in Teilen zerst�rt und wieder aufgebaut worden. Dass sich darunter auch Schriften von Platon befunden haben, ist sehr wahrscheinlich.</p><p>Was Peter �ber Platon und dessen Bericht �ber Atlantis erkl�rt, sowohl im Museum als auch sp�ter auf dem Schiff, ist so weit korrekt. Atlantis ist einer der gr��ten Mythen der westlichen Welt und in den letzten zweitausend Jahren vermutlich von weitaus mehr Schriftstellern als Historikern verarbeitet worden.</p><p>Ab hier wird der Roman technischer.</p><p>Die Woods Hole Oceanographic Institution gibt es wirklich. Ihrem Flaggschiff, der �R/V Atlantis� (sie hei�t tats�chlich so!), habe ich das Schiff �Argo 2K� nachempfunden. Die Forschungsroboter und U-Boote wie �Jason�, �Sentry� und �Alvin� gibt es ebenfalls, und sie werden heute von Bord der �Atlantis� aus eingesetzt. Das neuere Modell, �Alvin II�, das ich im Roman verwendet habe, entspricht den technischen Spezifikationen des bisher namenlosen Nachfolgers von Alvin, der zum Zeitpunkt der Fertigstellung dieses Manuskripts allerdings noch nicht vom Stapel gelassen wurde.</p><p>Mein gr��ter Dank geht an Dudley Foster, Alvin Program Manager im Ruhestand, der seit 1972 bei WHOI gearbeitet hat und unter anderem Pilot von �ber 500 Alvin-Tauchg�ngen gewesen ist. Ohne seine umfassenden Informationen �ber die technische Ausr�stung des Schiffes und des U-Bootes und �ber die Planung und Abl�ufe der Forschungsreisen und Tauchg�nge w�re dieser Roman nicht m�glich gewesen.</p><p>Eine wichtige Rolle spielt das AUTEC-Recherche-Zentrum der US Navy auf Andros Island. Auch dies gibt es wirklich. Von hier aus werden unter anderem in dem sehr tiefen Graben �stlich der Insel, der �Tongue of the Ocean�, Tests vorgenommen, und auch die Versuche mit dem LFAS, dem in der Kritik stehenden Niederfrequenz-Aktivsonar, werden von hier aus koordiniert.</p><p>An dieser Stelle muss ich mich ganz besonders bedanken bei David Sanders, dem verantwortlichen Offizier f�r �ffentlichkeitsarbeit des Naval Undersea Warfare Center in Newport. Er hat mich mit detaillierten Informationen �ber die Ausr�stung, Belegschaft und Kommandostrukturen von AUTEC gef�ttert und mich unter anderem an die K�stenwache weitergeleitet.</p><p>Wo wir bei der K�stenwache sind: Die Zust�ndigkeiten und das Vorgehen der K�stenwache bei einer Havarie in dem Gebiet, in dem die �Argo� arbeitet, entsprechen in etwa der Wirklichkeit. Hier hat mir LTJG Ron Green der Coast Guard Air Station in Savannah unsch�tzbare Hilfe geleistet, indem er mir einen fiktiven Einsatz der K�stenwache nach meinen Rahmenbedingungen geschildert und alle meine Fragen beantwortet hat.</p><p>Ausdr�cklich bedanken m�chte ich mich auch bei Sven Soika, meinem Tauchlehrer von den Extra Divers, dem ich die kleine Tauchszene zum Korrekturlesen nach �gypten schicken durfte.</p><p>Bei aller Recherche ist das Buch aber nat�rlich trotzdem Fiktion, einiges habe ich verfremdet, und nat�rlich mache ich auch Fehler. Unscharfen sollten also keinesfalls meinen selbstlosen Ratgebern angekreidet werden. Nun ja, und besonders zum Ende des Romans hin muss ich hoffentlich keine Fragen dar�ber beantworten, wie gut ich das alles �berpr�ft habe. Ich hoffe einfach, dass das Abenteuer viel Spa� gemacht hat, und nun bleibt mir noch der Dank bei meinen Leuten hier vor Ort:</p><p>Wie immer meiner Lektorin Linda Walz, die so lange auf das Manuskript hat warten m�ssen.</p><p>Meinem Agenten, Joachim Jessen, Beichtvater, Bodyguard, Kohlen-aus-dem-Feuer-Holer und Urgestein. Ich nenne ihn immer meinen �Botschafter der Quan�, wei� aber nicht, ob er den dazugeh�rigen Film �berhaupt gesehen hat. Das bleibt also unter uns.</p><p>Der letzte Dank, wie stets, gilt meiner Familie. Wie sie das aush�lt, dass ich Nacht f�r Nacht Geschichten schreibe, mir st�ndig neue Arbeit suche und jede Kerze an beiden Enden zugleich anz�nde, das ist kaum verst�ndlich. Ohne ihre Unterst�tzung w�re meine Arbeit v�llig unm�glich. Also danke, ihr Lieben: Martina, Joshua, Rebecca! Von allen Geheimnissen und Sch�tzen der Welt seid ihr es, auf die es am meisten ankommt.</p></section></body><binary id="cover" 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